THE LIBRARY OF THE
UNIVERSITY OF
NORTH CAROLINA
THE
CHESTER N. GOULD
COLLECTION OF
SCANDINAVIAN PHILOLOGY
AND LITERATURE
THE LIBRARY OF THE
UNIVERSITY OF
NORTH CAROLINA
ENDOWED BY THE
DIALECTIC AND PHILANTHROPIC
SOCIETIES
PT921
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Bö
B.3
c.2
UNIVERSITY OF NC. AT CHAPEL HILL
10002742588
This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY on the
last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be
renewed by bringing it to the library.
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ANMERKUNGEN
ZU DEN
KINDER- U. HAUSMÄRCHEN
DER BRÜDER GRIMM
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NEU BEARBEITET VON
JOHANNES BOLTE und GEORG POL1VKA
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DRITTER BAND
(NR. 121—225)
LEIPZIG
DIETERICH'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG M. B. H.
1918.
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in 2012 with funding from
University of North Carolina at Chapel Hil
http://archive.org/details/anmerkungenzuden03grim
Vorwort.
Als im November 1914 der zweite Band dieses Werkes
in die Welt ging, da hofften wir auf ein baldiges Ende des
blutigen Völkerringens. Noch hat sich trotz der im Osten ein-
getretenen Waffenruhe diese Hoffnung nicht erfüllt; noch
immer regiert Mars die Stunde; indessen der Krieg nimmt
nicht mehr alle unsere Gedanken und Kräfte für sich in An-
spruch, wir arbeiten nicht mehr für ihn allein, sondern auch
für die Bedürfnisse der Friedenszeit, die endlich kommen muß.
Dazu sollen auch diese Anmerkungen an ihrem be-
scheidenen Teile dienen ; denn sie bringen keinen Abschluß der
Forschung, sondern fordern durch Sammlung und Sichtung des
Märchenstoffes zu weiterer Untersuchung der Zusammen-
setzung, Wanderung und Umwandlung der Märchen auf, an
welcher alle Völker der bewohnten Erde beteiligt sind. Mit
Bedacht ist von einer Formulierung hier und da hervor-
leuchtender Ergebnisse abgesehen. Das angehängte Verzeichnis
der Literatur wird die Nachprüfung des Dargebotenen er-
leichtern; das Motivregister dagegen mußte aus räumlichen
Gründen dem vierten und letzten Bande vorbehalten bleiben,
der auch die verheißene kurze Geschichte der Grimmschen
Sammlung und eine Übersicht über den Märchenvorrat der
andern Völker enthalten soll.
Mit herzlichem Dank habe ich wiederum der freund-
lichen Hilfe zu gedenken, die Herr Professor J. Horäk in
Prag in den letzten Monaten während einer neuen Augen-
erkrankung meines Mitarbeiters Prof. Georg P o 1 i v k a durch
die Nachprüfung der angeführten slavischen Fassungen und
durch die Korrektur der Druckbogen geleistet hat.
Berlin, im März 1918.
Johannes Bolte.
Inhalt.
Seite
Vorwort V
121. Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet (1819) .... 1
122. Der Krautesel (1819) 3
123. Die Alte im Wald (1815) 9
124. Die drei Brüder (1815) 10
125. Der Teufel und seine Großmutter (1815) 12
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü (1815) 13
127. Der Eisenofen (1815). — Prinz Schwan (1812). — Hurleburle-
butz (1812) 37
128. Die faule Spinnerin (1815) 44
129. Die vier kunstreichen Brüder (1819) 45
129a. Der Löwe und der Frosch (1815) 58
130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein (1819) 60
130a. Der Soldat und der Schreiner (1815) 67
131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie (1815) 71
132. Der Fuchs und das Pferd (1815) 74
133. Die zertanzten Schuhe (1815) 78
134. Die sechs Diener (1815) 84
135. Die schwarze und die weiße Braut (1815) 85
136. Der Eisenhang (1844). — De wilde Mann (1815) 94
137. De dre schwatten Prinzessinnen (1815) 114
138. Knoist un sine dre Sühne (1815) 115
139. Dat Mäken von Brakel (1815) 120
140. Das Hausgesinde (1815) 129
141. Das Lämmchen und das Fischchen (1815) . 137
142. Simeliberg (1815) 137
143. Up Reisen gohn (1819) 145
143a. Die Kinder in Hungersnot (1815) 151
144. Das Eselein (1815) 152
145. Der undankbare Sohn (1815) 167
146. Die Rübe (1815) 169
147. Das junggeglühte Männlein (1815) 193
148. Des Herrn und des Teufels Getier (1815) 199
149. Der Hahnenbalken (1815) 201
150. Die alte Bettelfrau (1815) 206
151. Die drei Faulen (1815) 207
152. Das Hirtenbüblein (1819) 214
Inhalt. VII
Seite
153. Die Sterntaler (1812) 233
154. Der gestohlene Heller (1812) 235
155. Die Brautschan (1819) 236
156. Die Schlickerlinge (1819) 239
157. Der Sperling und seine Kinder (1812) 239
157a. Die heilige Frau Kümmernis (1815) 241
158. Das Märchen vom Schlauraffenland (1815) 244
159. Das Ditmarsische Lügenmärchen (1815) 258
160. Rätsel märchen (1815) 259
161. Schneeweißchen und Rosenrot (1837) 259
162. Der kluge Knecht (1837) 260
163. Der gläserne Sarg (1837) 261
164. Der faule Heinz (1837) 261
165. Der Vogel Greif (1837) 267
166. Der starke Hans (1837) 274
167. Das Bürle im Himmel (1837) 274
168. Die hagere Liese (1840) 275
169. Das Waldhaus (1840) 276
170. Lieb und Leid teilen (1840) 277
171. Der Zaunkönig (1840) 278
172. Die Scholle (1840) 284
173. Rohrdommel und Wiedehopf (1840) 285
174. Die Eule (1840) 286
175. Der Mond (1857) 288
175a. Das Unglück (1840) 289
176. Die Lebenszeit (1840) 290
177. Die Boten des Todes (1840) 293
178. Meister Pfriem (1843) . . . . , 297
179. Die Gänsehirtin am Brunnen (1843) 305
180. Die ungleichen Kinder Evas (1843) 308
181. Die Nixe im Teich (1843) 322
182. Die Geschenke des kleinen Volkes (1850) 324
182a. Die Erbsen probe (1843) 330
183. Der Riese und der Schneider (1843) 333
184. Der Nagel (1843) 335
185. Der arme Junge im Grab (1843) 337
186. Die wahre Braut (1843) 338
187. Der Hase und der Igel (1843) 339
188. Spindel, Weberschiffchen und Nadel (1843) 355
189. Der Bauer and der Teufel (1843) 355
190. Die Brosamen auf dem Tisch (1843) 365
191. Das Meerhäschen (1857) 365
VIII Inhalt.
Soite
191a. Der Räuber und seine Söhne (1843) 369
192. Der Meisterdieb (1843) 379
193. Der Trommler (1843) 406
194. Die Kornähre (1850) 417
195. Der Grabhügel (1850) 420
196. Oll Rinkrank (1850) 423
197. Die Kristallkugel (1850) 424
198. Jungfrau Maleen (1850) 443
199. Der Stiefel von Büffelleder (1850) 450
200. Der goldene Schlüssel (1819) 455
Kinderlegrenden.
201. Der heilige Joseph im Walde (1819) 457
202. Die zwölf Apostel (1819) 460
203. Die Rose (1819) 460
204. Armut und Demut führen zum Himmel (1819) 461
205. Gottes Speise (1819) 461
206. Die drei grünen Zweige (1819) 463
207. Mutter-Gottes-Gläschen (1819) 471
208. Das alte Mütterchen (1819) 472
209. Die himmlische Hochzeit (1815) 474
210. Die Haselrute (1850) 477
Bruchstücke.
211. Der Mann vom Galgen (1812) 478
212. Die Laus (1812) 483
213. Der starke Hans (1822) 487
214. Der gestiefelte Kater (1822) . 487
215. Die böse Schwiegermutter (1812) 488
216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern (1856) 489
Märchen aus dem Nachlasse der Brüder Grimm.
217. Der dankbare Tote und die aus der Sklaverei erlöste Königstochter 490
218. Die getreue Trau 517
219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache 531
220. Fürchten lernen 537
221. Sankt Peters Mutter 538
222. Warum die Hunde den Katzen und die Katzen den Mäusen
feind sind 542
223. Warum die Hunde einander beriechen 543
224. Der Horcber, der Läufer, der Bläser und der Starke (1813) . 556
225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen (1857) 558
Verzeichnis der benutzten Märchensammlungen . . . 561
121, Der Königssohn, der sich vor nichts lese s. 200.
fürchtet.
1819 nr. 121: aus dem Päd erbörnis chen, also von der
Familie v. Haxthausen. Eingesetzt für 1815 nr. 35 'Die himmlische
Hochzeit' (unten nr. 209). — Die Überlieferung ist verwirrt oder
getrübt, auch schließt sich der letzte Teil den früheren nicht recht
an. — A. Ein mutiger Prinz erbietet sich, einen Apfel vom Baume
des Lebens1) für einen Riesen zu holen ; dieser aber beansprucht
auch den erbeuteten Armring und blendet ihn hinterlistig. B. Der
Löwe, der dem Helden freiwillig aus dem Wundergarten gefolgt
ist2), tötet den Riesen und (C) leitet seinen Herren zu einem Wasser,
das ihm sein Augenlicht wiedergibt (vgl. oben 2, 468) D. Durch
drei Qualnächte erlöst der Prinz eine schwarze Jungfrau3).
Vermutlich stammen die Teile A — C aus dem oben 1, 551
besprochenen Märchen von den Hunden des Drachentöters und seiner
treulosen (Schwester oder) Mutter, die den Riesen bewegt, ihren
Sohn zu ermorden, nachdem sie ihn vergeblich auf gefährliche Abenteuer,
1) Vgl. ohen 1, 513. 2, 400. W. Menzel, Die deutsche Dichtung
1, 162 vergleicht die Erbeutung der Apfel der Hesperiden und den
Überfall des schlafenden Herakles durch die Kerkopen (Preller, Griech.
Mythologie2 2, 230).
2) Der Löwe gehört zu den oben 1, 134. 2, 21 genannten hilf-
reichen Tieren; doch wird seine Dankbarkeit nicht wie in den mittel-
alterlichen Sagen von Heinrich dem Löwen (Grimm, DS. nr. 526. Bartsch,
Herzog Ernst 1869 S. CXIX. Zimmermann, Paul - Braunes Beiträge
13, 278. Grnndtvig, DgF. 2, 608 nr. 114), Iwein und andern Rittern
(Etienne de BourboD, Anecdotes historiques 1877 p. 188. Frommanns Dt.
Mundarten 2, 11. Volkskunde 17, 53) durch seine Errettung von einem
Lindwurm begründet.
3) Vgl. oben 2, 330. Dazu noch Panzer, Beitrag 1, 191 Die drei
verwunschenen Frauen' und Berze Nagy nr. 56 'Der tapfere Soldat'.
Grimm, Härchen- Anmerkungen III. 1
2 121. Der Königssohn, der sich, vor nichts fürchtet.
nach Löwenmilch oder den Lebensäpfeln, ausgesandt hat1). Statt
der hilfreichen Hunde des Helden erscheint wie hier ein Löwe bei
Wolf, Hausmärchen S. 145 'Das weiße Hemd, das schwere Schwert
und der goldene Bing'; Ey S. 154 'Der junge Riese'; Jahn 1, 194
nr. 36 'Die zwölf Riesen' und 1, 202 nr. 37 'Die beiden Försters-
kinder'; Müllenhoff S. 416 nr. 11 'Das blaue Band'. Vlämisch:
De Mont en de Cook, Wondersprookjes S. 119 nr. 15. Norwegisch:
Asbjörnsen-Moe nr. 58 (60) 'Det blaae baand' = Stroebe 2, 264. —
In unserm Märchen wird der Riese gleichfalls durch seine Braut
dazu getrieben, den Helden nach dem Lebensapfel auszusenden und
mit ihm um den Ring zu kämpfen; aber daß diese Braut die eigne
Mutter oder Schwester des Jünglings war, schien dem Erzähler
wohl zu ungeheuerlich.
J) Vgl. noch Macculloch p. 58 'The traitress cycle'. Spiegel nr. 5
'Der Zauberring' (Mutter). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 1 nr. 1 'Prinsen
og Prinsessen i den vilde Skov' (Mutter). Allardt nr. 141 'Om den unga
drängen, som slog ihjäl röfvaren' (Braut; Wolf, Bär, Löwe). Aberg nr.
178 'Pojken och hans följeslagar' (abweichend). Hackmans Register nr.
315. Athaide Oliveira 1, 15 nr. 7. Kretschmer nr. 46 'Der Pilger' mit
Anm. Folk-lore 11, 340 nr. 12 'The Gorgon' (Mutter). Sainenu p. 643.
Leskien nr. 63 'Der Wolf mit dem eisernen Kopfe' (Wolfsmutter). Strauß
S. 169 (Mutter). Strekelj 1, 213 nr. 139—141 (Balladen. Mutter). Letopis
mat. srpske 114, 147. Zbornik jslav. 21, 129 nr. 1 (Mutter). Strohal 1,
37 nr. 6 (Mutter). Bos. Vila 10, 188 (Mutter). Hrvatske nar. pjesme 5,
394. 617 nr. 218—219 (Mutter). Krasic 1, 27 nr. 4 (Schwester). Kubin,
Podkrkonosi zäp. nr. 229 (Mutter); 151 (Schwester). Kulda 1, 151 nr. 34
'Der Gürtel des h. Jakob' (Mutter). Polivka, Pov. lidu opavskeho S. 17
nr. 4 (Schwester). Czambel S. 237 nr. 127. Sbornik mus. slov. spol. 17,
90 nr. 39 (Schwester). Prochäzka S. 31. Mater, antropol. 4, 248 nr. 18.
Balinski-Wojcicki S. 119 (Schwester). Lud 10, 390 (bearbeitet von Ant.
Czajkowski). Lorentz, Teksty S. 573 nr. 705. S. 428 nr. 546 (Schwester).
Rudcenko 1, 121. 131. 139. 2, 67 (Schwester). Cubinskij 2, 143 (Schwester).
154. 157. Malinka S. 277 nr. 16. Etnogr. Zbirnyk 13, 61 nr. 278.
Dobrovoljskij 1, 495 nr. 15 (Schwester). Pederowski 2, 65 nr. 343.
Etnogr. Obozr. 46, 41. Chudjakov 1, 42 nr. 10. Erlenwein S. 94 nr. 25.
Afanasjev nr. 118a — v. Löwis nr. 21 (Schwester). Weryho lett. S. 178
nr. 13. Anikin S. 12 nr. 2 (Schwester). Radioff 10, 138 nr. 76 (Schwester).
Sbornik mater. Kavkaz. 21, 2, 8 nr. 8 (Mutter). 42, 2, 127 nr. 5.
Aarnes Register nr. 315. Folklore 23, 94 = Chalatianz nr. 5. Schmidt-
Kahle, Palästina nr. 42 (Mutter). Basset, C. herberes 1, 222 nr. 11 'Conte
du chasseur'. Destaing 2, 159 nr. 74. Moulieras 1, 87. Laoust p. 188
nr. 20. Hanoteau, Grammaire kabyle 1858 p. 272.
122. Der Krautesel. 3
122. Der Krautescl. i«es.2oi.
1819 nr. 122 aus Deuts chböhmen, eingesetzt für das oben
1, 470 abgedruckte Stück 'Die lange Nase' (1815 nr. 36). Am
10. Dezember 1814 meldete Jacob Grimm aus Wien seinem Bruder
Wilhelm (Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus der Jugend-
zeit 1881 S. 393): 'Ich habe ein schönes Märchen vom Krautesel
bekommen, das uns gänzlich fehlt'.
Die Erzählung handelt A) von dem Herzen des Glücks-
vogels, nach dessen Genuß der Held alle Morgen ein Goldstück
unter seinem Kopfkissen findet (oder Gold speit), und B) von dessen
Verlust und Wiedergewinnung : ein habgieriges Mädchen läßt ihn
sich erbrechen und nimmt das Herz an sich, wird aber zur Strafe
in eine Eselin verwandelt. Der erste Teil erinnert also an das
Brüder märchen (1, 542), wo zwei Knaben Kopf und Herz des
von einem anderen für sich zubereiteten Glücksvogels verzehren,
der zweite an den oben 1," 470 behandelten Fortunat- cyklus,
und häufig finden sich Übergänge und Vermischungen mit diesen
Themen. Wir führen hier nur die Märchen auf. in denen das
Erbrechen des Vogelherzens und die Tierverwandlung vorkommt1).
Siebenbürgisch bei Haltrich nr. 6 'Der seltsame Vogel':
der Vater jagt die beiden Knaben, die Herz und Leber des an den
Juden verkauften Vogels gegessen, aus dem Hause. Der jüngere
Bruder wird König, der ältere heiratet; seine Frau erfährt sein
Geheimnis, gibt ihm einen Schlaftrunk und ein Brechmittel ein, daß
er das Herz von sich gibt, und stößt ihn von sich. Er erhält von
einer Hexe einen Zaum, verwandelt damit sein Weib in ein Pferd
und mißhandelt sie, bis er als Tierquäler verklagt wird. Der König,
in dem er seinen Bruder erkennt, läßt die zurückverwandelte Frau
hinrichten. Bei Pröhle, M. für die Jugend S. 67 nr. 18 'Von den
ungetreuen Wirtstöchtern und von der Prinzessin mit goldnen
Haaren' werden die Hexe, die Wirtin und ihre Tochter durch Salat
in Eselinnen verzaubert. Mit andern Motiven, z. B. dem Drachen-
töter (oben 1, 547), verbunden aus Pommern in Bl. f. pomm.
Volkskunde 4, 65. 89 'Schloß Golden-Perlstein' (Esel durch Apfel).
*) Vgl. R. Köhler 1, 409. Polivka, Närodopisny Sbornik cesko-
slovansky 6, 94—143 (1900). Aarne, Mernoires de la soc. finno-ougrienne 25,
143—200 (1908): Das Märchen vom Zaubervogel.
1*
4 122. Der Krautesel.
Vlämiscb bei Verraast S. 34 'Het goudvogeltje' (Brüder-
märchen; Herz ausgebrochen, Esel durch Apfel). — Dänisch bei
Kristensen 3, 103 nr. 21 'De to Brodre' (Pferd durch Apfel. Ver-
mischt mit dem Brüder- und dem Fortunatmärchen). — Schwedisch
bei Aberg nr. 76 'Önskikappon'. Allardt nr. 66 'De granatiska
bärje' und nr. 67 'Om jsegarn, som bläi jifter mä en slotsfroken'.
Hackmans Register nr. 567. — Französisch bei Luzel 3, 50
'Le petit oiseau ä l'oeuf d'or' (Herz ausgebrochen, Pferd
durch Kirschen). Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 97
nr. 14 'L'oiseau bleu' (Vogelherz an einem Silberfaden aus dem
Munde des Schlafenden gezogen; Esel durch Sellerie). Sebillot,
Contes des Landes p. 49 nr. 4 'Le petit oiseau' (Vogelherz, Geld-
beutel, Mantel; Esel durch Rüben). Orain, Gallo p. 52 'Coeur de
pigeon' (Vogelherz, Wünschhut, Eselin). — Italienisch bei
Imbriani, C. pomigl. p. 62 nr. 3 'e corna' = Monnier p. 107
'Les cornes' (Vogelleber ausgebrochen, Hörner durch Feigen, Esel durch
Salat). De Nino 3, 120 nr. 21 'II cacciatore' (Vogelherz aus-
gebrochen, Esel durch Kraut). Busk p. 146 'The transformation-
donkey' (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch Salat). — Spanisch
in Bibl. de las trad. pop. esp. 10, 288 'El päjaro de los diamantes'
= Sebillot, C. esp. p. 65 (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch
Feigen). — Rumänisch bei §äinenu p. 663 (Eselin durch Mohr-
rübe). SchuJlerus nr. 88 'Die goldene Henne' (Archiv 33, 574.
Vogelherz ausgebrochen, Eselin durch Apfel). — Griechisch bei
Hahn nr. 36 'Das goldene Huhn' (Herz ausgebrochen, keine Tier-
verwandlung). — Slowenisch: Kres 5, 249 nr. 48 = Krauß
1, 187 nr. 39 'Verwandlung einer Mutter und Tochter in Eselinnen'
(Vogelherz ausgebrochen). — Serbokroatisch: Vuk nr. 26 'Der
wunderbare Vogel' (entstellt). Zbornik jslav. 17, 161. Kica 9,
nr. 9 S. 1 (Äpfel, Ochs). — ■ Bulgarisch: Sapkarev 9, 444 nr. 259
(Esel durch Nelke) und 9, 538 nr. 290 (Esel durch Feigen). —
Ce chi seh: Nemcova 3, 120 nr. 44 = Waldau S. 90 'Vogelkopf
und Vogelherz'. Milenowsky S. 187 = Zs. f. dtsch. Mythol. 2, 446
'Vom Glücksvogel' (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch Apfel).
Vaclavek 2, 19 (Erbrechen, Hörner, Esel). Öesky Lid 8, 147 (Vogel-
magen, Ziegel durch Ampfer). Kulda 3, 35 nr. 3 (Korporal erhält
von der entzauberten Königin und deren zwei Töchtern Wunsch-
beutel, Hut und Mantel; kartenspielende Königin, zottige Birnen).
— ■ Polnisch: Mater antropol. 4, 244 nr. 161 (drei erlöste Prin-
122. Der Krautesel. 5
zessinnen schenken Wunschbeutel, Gerte, Äpfel und Birnen, die in
einen Bock und wieder in einen Menschen verwandeln). Kolberg,
Lud 14, 82 nr. 18 (der dem Teufel verschriebene Bursch befreit
eine Prinzessin, die ihm seine Wunschdinge entwendet; Esel
durch Kohl). — Kaschubisch: Bronisch, Kaschub. Dialekt-
studien 2, 35 nr. 2 (Esel durch Kraut). Lorentz, Teksty S. 79
nr. 120 (Vogelherz; Esel durch Kohl). — Großrussisch:
Afanasjev 1, 336 nr. 115 (Erbrechen; Stute durch Peitsche).
Sadovnikov S. 108 nr. 22 (Tier durch schwarze Erdbeeren).
Chudjakov 1, 105 nr. 26. Ivanickij S. 166 nr. 2 (Stute durch
Schlag mit Zügel), vgl. Aarne S. 108. Zapiski Krasnojarsk. 1, 93
nr. 48 (Äpfel, Hirsch). — Kleinrussisch: Moszyiiska, Zbiör
9, 89 nr. 5 (Eselin). Jastrebov S. 206 nr. 16. Hrincenko
2, 247 nr. 183 (Haarig und gehörnt durch Äpfel). Etnograf.
Zbirnyk 14, 207 nr. 29 (Stute durch Kirschen); 25, 42 nr. 10
(Stute durch Schlag mit Halfterband). Dragomanov S. 336 nr. 38
(entstellt). — Weißrussisch: Dobrovoljskij 1, 561 nr. 27 (Erbrechen;
Hörner durch Äpfel, Stute durch Peitsche;. Romanov 3, 192 nr. 25
(Zauberring vom Fisch ; Stiefel, Divan, Tarnkappe drei Teufeln
abgelistet; Ziegenbock durch Äpfel). — - Litauisch: Dowojna
Sylwestrowicz 1, 85 (Ziege durch Apfel). — Finnisch: Aarne,
Märchenforschungen S. 87 (Ab 4—5. Ac 1 — 2). 147. 150 f. Aarnes
Register nr. 566. 567. — Zigeunerisch: Miklosich 1874 S. 25 nr. 6
'Die Diamanten legende Henne' = Groome p. 95 nr. 25. — Von
den türkischen Gagausen in Bessarabien : Radioff 10, 103 nr. 59
(Hörner durch schwarze Weinbeeren). — Tatarisch: Sbornik
kavkaz. 35, 2, 101 nr. 7 (es fehlt die Liebe des zweiten Sohnes zu
dem treulosen Mädchen). 23, 3, 37 (der Bursch nimmt drei 'Emegen'
Tarnkappe, Wagen und Dukaten erzeugendes Kauharz ab ;
Ochs durch Birnen). — Armenisch: Macler p. 127 nr. 7 'La belle
de Tiflis' (Esel durch Äpfel). — Aramäisch bei Lidzbarski S. 253
'Der Glücksvogel' (Vogelherz ausgebrochen). — Arabisch bei
Müller, Mehri 3, 52 nr. 13 'Die Stiefmutter und der Vogel' (Ring
ausgespieen, fliegender Teppich, Esel und Hörner durch Beeren).
Spitta-Bey p. 112 nr. 9 'Le musicien ambulant et son fils' (Vogel-
magen ausgeschnitten, Hörner durch Datteln). Stumme, Schluh
S. 119 nr. 15 'Von den beiden Knaben, die das Herz und den Kopf
des Vogels gegessen hatten'. — Indisch bei Knowles p. 75 'Sayid
and Said' (Vogelkopf ausgebrochen, Eselin durch Baumrinde). Clouston
6 122. Der Krautesel.
1,445. Im kalmükischen Siddhi-Kür nr. 2 (Jülg 1866 S. 10) speien
der Fürstensohn und sein Diener Gold, weil sie zwei Kröten (!) ver-
schlungen haben; zwei Branntweinverkäuferinnen, Mutter und
Tochter, lassen sie in der Trunkenheit viel Geld speien und werden
dafür vom Diener durch ein Zauberpapier in Eselinnen verwandelt.
Über andre indische, sartische und armenische Märchen vgl.
oben 1, 481.
Die Verwandlung des Helden in einen Esel und. seine
Entzauberung durch Rosen kommt schon in dem ver-
lorenen griechischen Romane des Lukios von Paträ vor,
von dem uns der unter Lukians Schriften stehende Auszug
Aovmog ?) övog und die Bearbeitung im 11. Buche von Apuleius
Metamorphosen eine Vorstellung geben. Lukios belauscht eine
Zauberin, die sich durch Bestreichen mit einer Salbe in einen
Vogel verwandelt, und bittet die Magd um eine gleiche Salbe;
die aber vergreift sich in der Büchse, und Lukios wird zum Esel
und erlebt viele Abenteuer1). Ganz ähnlich wird diese Geschichte
bei Remigius, Daemonolatria 1693 2, 411. 242 nach Wilhelm von
Tyrus, Wilhelm von Malmesbury B. 2, § 171 und Vincentius
Bellovacensis, Speculum naturale lib. 2, c. 109 erzählt ; ebd. 1693 2, 97
nach Zeiller, Epistolische Schatz-Kammer 1683 S. 682 nr. 575. Ins
Jahr 1645 verlegt Sebald, Breviarium historicum 1655 S. 433, den
Prätorius, Neue Weltbeschreibung 2, 452 (1677) und Remigius 2, 95
ausschreiben2), folgenden Vorfall:
Ein Bürgerssohn aus Brück in Sachsen geht unter die Schweden
und liegt eine Zeitlang in einer schlesischen Stadt, wo er eine Liebschaft
mit der schönen Tochter einer armen Witwe anfängt und sich mit ihr
verlobt. Als er fortzieht und Mutter und Tochter mit Nachholung ver-
tröstet, merkt jene, daß er es nicht aufrichtig meint, und spricht : 'Dein
Bräutigam wird dich wohl sitzen lassen, ich will ihn dafür zum. Esel
machen'. Die Tochter antwortet: 'Will er so untreu handeln, so ist er
nichts Besseres wert'. Der Reiter zieht fort ; als er aber ein wenig nach-
reitet und an einen Strauch kommt, meint er, es sei Not einmal abzu-
steigen; wie er aber abgestiegen ist, wird er alsbald zum Esel, bleibt
') Vgl. E. Rohde, Kl. Schriften 2, 69 (1901) = Rhein. Museum 40, 91.
2) Auch bei Grässe, Sagenbuch des preußischen Staates 2, 388 nr.
831 = Kühnau, Schlesische Sagen 3, 1 nr. 1350 'Der in einen Esel ver-
wandelte Bräutigam'. Vgl. Chr. Winthers Gedicht 'Hjortens Flugt' 1855,
deutsch von Honore 1883 S. 127.
122. Der Krautesel. 7
auch bei seinem Pferde stehen. Nun kommen andere, behalten das Pferd
und verkaufen den Esel einem Müller zum Sackträger. Aber er ist
mutwillig und wirft alle Säcke herab, so daß ihn der Müller einem
andern Müller verkauft, wo aber der Menschesel sich nicht frömmer
verhält; ja er schreit einmal laut und schlägt aus, als der Müller mit
der Magd scherzen will, und wird nun weiter und gerade in die Stadt
verkauft, wo er zum Esel geworden war. Als er einst mit einem Sacke
an dem Hexenhause vorübergeht und eben Mutter und Tochter vor der
Türe stehen, spricht diese: 'Ei, Mutter, seht da unser Eselchen! Könnte
der nicht wieder zu einem Menschen werden?' — 'Ja', antwortet die
Mutter, 'wenn die Lilien blühen und er davon ißt, so kann es geschehen.'
Das hört der Esel, und als die Lilien blühen und in der Apotheke ein
Topf damit angefüllt etwas hoch steht, wirft er im Vorbeigehen seinen
Sack zur Erde, springt hinauf, erschnappt die Lilien und wird alsbald
wieder zum Menschen, steht aber nackend da.
In neueren Sagen, die Weinhold (Das Märchen vom Esel-
menschen. Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1893, 475) zu-
sammenstellt, erlöst ein Blumenkranz am Fronleichnamstage oder
geweihtes Wasser den Eselmenschen: Zingerle, Sagen 2 nr. 756;
Heyl, Volkssagen aus Tirol 1897 S. 111; Hauser, Sagen aus dem
Paznaun 1894 S. 26 ; Schönwerth 1, 373 ; Stöber-Mündel 2, 84 nr. 117 ;
Pröhle, Unterharzische Sagen nr. 314 = Harzsagen2 nr. 69; Bech-
stein 1845 S. 258 'Goldhähnchen' (cit. H. Döring in Thuringia 1);
Kühnau, Schlesische Sagen 3, 32 nr. 1385. So erhalten auch nach
einem chinesischen Werke v. J. 1679 die von einem Zauberer in
Esel oder Schafe verwandelten Menschen ihre Gestalt wieder, wenn
sie Wasser trinken (Giles, Strange stories 2 1909 p. 417 nr. 129).
In der 1001 Nacht wird Sidi Numan (Henning 13, 44. Chauvin
6, 198 nr. 371) von seiner Gattin, in der er eine Leichenfresserin
entdeckt hat, in einen Hund verwandelt; er findet durch eine mit-
leidige Zauberin Erlösung und rächt sich an seiner Erau, indem er
sie in eine Stute verwandelt; ähnlich Schmidt-Kahle, Palästina nr. 50
'Ali-eddin'; vgl. Tawney 1, 342 (Ochse) und 2, 134 = Hertel, Bunte
Geschichten vom Himalaja 1903 S. 18 (Ochse, Stute); Dracott 1906
p. 179 (Hund, Eselin); Stumme, Tunisische Märchen 2, 93 nr. 6 'Der
rechte König' (Pfau, Mauleselin. Entstellt). Deutsch bei Pröhle,
KVM. nr. 35, 1 'Von guten und von bösen Feen' (Hund,
Stute) ; Strackerjan 2 1, 482 (Hund, Stute). Am Urquell 1,
16 (1890). Mitteilungen Schönhengst 1906, 18. Mitt. der Schles. Ges.
8 122. Der Krautesel.
f. Vk. 15, 216. Irisch: Larminie p. 18 (Rabe, Schimmel, Fuchs,
Wolf). Französisch: Revue des langues rom. 31, 554 (Hund,
Stute); Revue des trad. pop. 13, 350. 589. 14, 527. Italienisch
Archivio 3, 222. Serbokroatisch: Nikolic 2, 102; Bosan.
nar. pripov. S. 105 nr. 28; Krauß 2, 404 nr. 152 'Der wunderbare
Zaum' (großer Hund, kleiner Hund, Zaunkönig; Stute); Valjavec
S 257 nr. 54; Bos. Vila 16, 276. 11,277 (neugieriger Mann in einen
Bock verwandelt). Bulgarisch : Arnaudov S. 57 nr. 59 (verräterischer Jüng-
ling in Schlange). Slowakisch : Dobsinsky 6, 78 nr. 68 (Hündin ) ; Sbornik
mus. slov. spol. 10, 155 — 160 (Leichenfresserin in Stute verwandelt).
Polnisch: Cheichowski 1, 28 nr. 3. Großrussisch x): Sadovnikov
S. 100 nr. 19; S. 112 nr. 24; Afanasjev 3 2, 136 nr. 141a— b
(Ziege oder Stute, Liebhaber Hengst) ; vgl. 1, 236 nr. 115
(Stute durch Peitsche); Zap. Krasnojarsk. 1, 36 nr. 14 (Gouv.
Jenisejsk); Oncukov S. 525 nr. 247 (Leichenfresserin); Etno-
graf. Obozr. 10, 234. Kleinrussisch: Etnograf. Zbirnyk 4, 101
nr. 19. Manzura S. 84—87. Hrincenko 2, 115 nr. 89. Cubinskij
2, 410 nr. 118. Sbornik Charkov. 3, 207-213. 5, 28 f. Zytje
i Slovo 4, 185 nr. 26 (Hexe verwandelt ihren Schwiegersohn in
Werwolf). Weißrussisch: Sejn 2, 49 nr. 22. 2, 161 nr. 77;
Sejn 2, 163 nr. 78 = v. Löwis nr. 16 ; Dobrovoljskij 1, 348 nr. 6 ;
Romanov 4, 105 nr. 61 a — c; Federowski 2, 178 nr. 154 — 155.
Litauisch: Dowojna Sylwestrowicz 1, 317. Wotjakisch: Veresöagin,
Votjaki Sosnovsk. kraja S. 91 (Etnograf. Obozr. 13 — 14, 154).
Kaukasisch: Sbornik kavkaz. 12, 1,78. 32, 2, 4. 34, 4, 4. 35, 2,
120. Vs. Miller, Osset. etjudy 1, 57—59 (Etnogr. Obozr. 13—14, 156).
Ossetisch: Sbornik Daskov. 1, 119 nr. 2 (Ente, Hund). Ungarisch:
Berze Nagy nr. 48 'Die traurige Turteltaube und die beiden Prinzen'.
Horger nr. 1 (Vogelmagen und Kopf, Peitsche, Mantel, Hut); nr. 30
und 50. Vgl. Mitt. der Ges. f. jüd. Volksk. 1898 2, 23. Anderson,
Roman Apuleja i narodnaja skazka S. 321. 327. 333.
Mit der Werwolfsage scheint die in einem jüdischen
Märchen (Helvicus 1617 1, 1 aus dem Maase-Buche Bl. 175 =
Prätorius, Wünschelruthe 1667 S. 383; Tendlau, Felhneiers Abende
*) Auch das epische Lied von Dobrj'nja und Marina, das N. Th.
Sumcov in Etnograf. Obozrenije 13 — 14, 144 untersucht hat, erzählt die
Verwandlung des Mannes in einen Hund und seine Rache an der Frau.
In den meisten Märchen ist das einleitende Motiv der Leichenfresserin
durch das der ungetreuen Frau ersetzt.
123. Die Alte im Wald. 9
S.31nr.4; Marie de France, Lais ed. Warnke 1885 S.LXXIX) erzählte
Verwandlung des Mannes in einen Wolf zusammenzuhängen, die auch
in Ruppin, Irland und Rußland bekannt ist: Am Urquell 1, 16 (1890);
Larminiep. 17 ; Dobrovoljskij 1, 139 nr. 71. In einen Kr an ich im isländi-
schen Märchen bei Gering 1, 296 nr. 89; in eine Gans bei Niclas
von Wyle, Translationen ed. Keller 1861 S. 250. Schwankhaft wirkt
die pommersche Sage bei U. Jahn nr. 551 = Zs. f. Volksk. 26, 274 nr. 61
von der Verwandlung eines brummigen Ehemanns in einen Bären.
— Eine Tierverwandlung (Hund, Schwein, Pferd) wird auch durch
göttliche Kraft zur Strafe für Hartherzigkeit und Ungerechtigkeit
verhängt über Gutsherren oder Richter in deutschen Flugblättern :
Zs. f. Volkskunde 16, 429; Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 15,
214; Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit in Bildern 1,
124 nr. 413; Bunker nr. 34; Görres, Volksbücher 1807 S. 231 (Der
durch List eines Weibes in einen Hund verwandelte Amtsschösser) ;
Knoop. Posener Märchen S. 11 (Progr. 1909. Esel); mallorkinisch
bei Ludwig Salvator S. 109 (Esel). Hochzeitsgäste, die den als Bettler
anklopfenden Christus nicht einlassen, werden zu Bären und Wölfen
(Ziv. Star. 5, 444), zwei Gottesverächter zu Eseln (Archiv f. slav.
Phil. 12, 83, mazedonisch). — Die Verbreitung dieses Glaubens,
den auch Augustin, De civitate Dei 18, 18 gelten läßt, bezeugt der
Schwank von dem listigen Diebe, der dem Bauer einen Esel
stiehlt und dann vorredet, er sei zur Strafe seiner Sünden auf eine
Zeit in jenen Esel verwandelt worden (R. Köhler 1, 507. Chauvin
7, 136 nr. 406. Sebillot, Folklore de France 3, 142. 4, 247). Vgl.
noch Clouston 1, 444.
123. Die Alte im Wald. 18Ö6S.205.
1815 nr. 37 = 1819 nr. 123. Aus dem Pa derb örnischen,
Bökendorf den 23. — 26. Juli 1813. — Das Ganze hat Ähnlichkeit mit
Joringel und Jorinde (nr. 69). Die Alte ist die Hexe im Märchen
von Hansel und Gretel (nr. 15), eine Circe, welche die Menschen
einfängt und in Tiere verwandelt, wie der Hexenmeister in nr. 68.
Die Idee von einem sich belebenden Baum auch in einem Liede des
Dürners (MSH. 2, 337a):
10 124. Die drei Brüder.
Mir getroumd ein troum,
des ist niht lank;
künden gesten disiu msere diu sag ich,
Wie ein roseboum
hoch unde krank
mit zwein blüenden esten umbevienge mich.
Dar under vant ich viöl unt der rösen smak:
daz erschein ich mir,
so si nü mak,
daz ir umbevank mich bindet halben tak,
gestat icbz ir.
Schwedisch bei Steffen 1, 35 'Fru Längnäsa' (der zum
Vogel verzauberte Jüngling verwandelt sich auf der Flucht in ein
Knäuel und das Mädchen in eine Nadel; dann fällt er als Katze
über die Hexe her).
In dem von Keuleaux (Westermanns Monatshefte 84, 55. 1898)
mitgeteilten hessischen Märchen 'Der weisse Hirsch' wird dieser vom
Mädchen dadurch entzaubert, daß es den Kessel der Hexe umstößt.
1856 S. 206.
124. Die drei Brüder.
1815 nr. 38 = 1819 nr. 124. Aus der Schwalmgegend;
doch auch sonst vielfältig gehört, hier am vollständigsten.
Diese drei fabelhaften Behendigkeitsproben des Barbiers, Huf-
schmieds und Fechtmeisters werden schon im 16. Jahrb.. erzählt in
dem französischen Schwankbuche 'La nouvelle fabrique des excel-
lens traits de verite, par Philippe d' Alcripe [le Picard] Sieur de JSTeri
[Rien] on Verbos [? Vert-bois]' 1579, rep. 1853 p. 17: 'De trois freres,
excellens ouvriers de leurs mestiers'. Daraus übersetzt von Peter
Lauremberg in der 'Verneuwerten und vermehrten Acerra philologica'
1650 S. 519 (3, 81). J. Prätorius, Spin-Rocken 1678 S. 24. J. Frisch,
Erbauliche Ruhstunden 2, 470 (1676). Fliegenwadel von Hans
Muckenfeind 1707 S. 109. Lyrum Larum Löffelstihl von Allzeit
Immer Frölich 1730 nr. 84. Vade Mecum für lustige Leute 2,
nr. 255 (1768). Witzfunken und Lichtleiter 2. Bd., 1. Cyklus S. 93
(1817), Müller -Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 133. Ähnliche
124. Die drei Brüder. 11
Aufschneidereien werden in der 'Neu eröffneten Schaubühne mensch-
licher Gewohn- und Thorheiten' (o. J. ; um 1670) S. 88 — 92 zusammen-
gestellt. Darin heißt es: 'Damit ich allhier jenes vierjährigen Kindes,
welches mit einem schweren breiten Säbel so meisterlich fechten
können, daß ihm in vollem Regen kein einziger Tropfen aufs Haupt
gefallen, keine Meldung thue . . . Item jener Goldschmied, welcher
einer Mucken unter jeden Fuß ein güldenes Hufeisen mit 24 Nägeln
angeheftet'. Philander, Zeitverkürzer 1702 nr. 11. — Dem Kunst-
stücke des Hufschmiedes läßt sich vergleichen Petronius c. 45:
'milvo volanti ungues resecare'. Fischart, Geschichtklitterung 1891
S. 279: 'Er (Gargantua) kont wie ein Egyptischer Mameluckischer
Gwardyknecht eim Gaul in vollem Lauf ein Sattel gürten'. Heinrich
Julius von Braunschweig, Schauspiele S. 550 ed. Holland: 'Wir
haben einen Schmid gehabt, der war seiner Kunst so fertig, das er
im Ringrennen in voller Currir einem Pferde ein Eisen auffschlagen
kondte und am Rennen nichts hinderte'. Im Volksbuch von Urban
Fettsack (Scheibles Schaltjahr 4, 122) beschlägt der Schmied gar ein
ganzes Regiment in vollem Rennen.
Andere Fassungen aus dem Volksmunde sind : Schmeller, Die
Mundarten Bayerns 1821 S. 434 'Die Meisterstücke'. — Vlämisch:
Joos 1, 160 nr. 90 'Van drij Broeders'. De Mont-de Cock, Ver-
telsels p. 412 'De vier behendige Broeders'. Cornelissen-Vervliet nr.
20 'Van eenen Vader en zijne drij Zonen'. Witterijck-Delplace nr. 3
'Drie slimme Gasten'. — Schwedisch: Bondeson, Sv. folkssagor
nr. 73 'Hvilken var likast?' — Französisch: Revue des trad. pop.
9, 344 'Les trois garcons habiles'. — Böhmisch: Kulda 2, 233 nr.
123 = Wenzig S. 140 = Benfey, Kl. Schriften, 3, 124 'Die vier
Brüder'. — Jüdisch aus Galizien: Zs. f. österr. Vk. 9, 243.
Mit einer andern Einkleidung und Abweichungen in dem ersten
und dritten Kunststücke wird unsere Geschichte um 1300 von dem
französischen Dominikaner Johannes Gobii Junior in der Scala
celi als Predigtmärlein vorgetragen (Ulm 1480 Bl. 99a = Germania
30, 204; deutsch nach der Breslauer Hs. Bl. 1236 von Klapper, Mitt.
der schles. Ges. f. Volkskunde Heft 20, 12):
Man liest, daß einst ein "Weib lebte, das drei Söhne hatte, zwei
uneheliche und einen von ibrem Gatten. Da ihre Mitgift nur in einem
Birnbäume bestand und sie nicht wollte, daß ihr Gatte die unehelichen
Söbne von dem ihrer Ehe entsprossenen unterscheiden könne, teilte sie
den Birnbaum in ihrem Testamente so, daß sie dem ältesten Sobne das
12 125. Der Teufel und seine Großmutter.
Grade und Krumme an dem Baume, dem mittleren das Grüne und
Trockne daran, dem jüngsten aber alles das hinterließ, was in. und über
der Erde von dem Baume war. Als die Mutter gestorben war, wollte
jeder den ganzen Baum haben, und so gingen sie vor den Richter. Der aber
sprach, der Baum solle dem gehören, der sich der größten Behendigkeit
rühmen könne. Da behauptete der Älteste von sich: 'Wenn ein Hase
vorübergelaufen kommt und ich jage ihm nach, dann zieh ihm das Fell
ab, ohne daß sein Lauf oder der meine irgendwie dabei gehemmt wird'.
Der zweite sprach: 'Ein Pferd mag noch so schnell daherrennen, ich
nehme ihm die Hufeisen ab und bringe den Reiter herunter, ohne daß
sein Lauf verzögert wird'. Der dritte aber sagte: 'Ich steige auf die
höchsten Berge, in deren Mitte alle Winde wehen, und öffne ein Feder-
kissen. Mag dann der Wind noch so stark wehen und mögen die Federn
noch so fein und das Kissen ganz offen sein, ich bin doch so behende,
daß ich alle Federn darin zurückhalte und auch nicht eine einzige heraus-
kommt.' Und diesem ward der Birnbaum gegeben.
Vgl. das Märchen von den vier kunstreichen Brüdern (nr. 129).
lese s. 206. 125. Der Teufel und seine Großmutter.
1815 nr. 39 = 1819 nr. 125. Aus Zwehrn den 4. September
1814. — Zur Großmutter des Teufels vgl. oben 1, 289 und Edv.
Lehmann im Archiv f. Religionswissenschaft 8. 411—430.
Abweichend ist eine vor 1822 gehörte Erzählung aus Deutsch-
böhmen:
Die drei Soldaten waren auf ihrer Flucht unter einen Birnbaum
gekommen, wo der eine in der Not ausrief: 'Ich wollte, daß uns der
Teufel holte!' Worauf der Teufel sogleich erschien, den Vertrag mit ihnen
abschloß und sie aus ihrer Lage befreite. Sie mußten nun ein Jahr in
der Hölle bleiben, bis die Zeit kam, wo ihnen der Teufel die Rätsel vor-
legen sollte; doch durften sie zuweilen in der Gegend spazieren gehen.
Dem Lucifer (der stets zurückbleibt und nur die Teufel, seine Boten, aus-
sendet) war aber gleichfalls nicht wohl dabei zu Mute, er dachte: der
Teufel legt den Kerlen keine rechte Rätsel vor und wird von ihnen ge-
prellt. Eines Tages fingen die dreie spazieren, waren betrübt; sonder-
lich die beiden, die nichts gesprochen hatten, warfen dem einen vor, daß
er sie mit dem leichtsinnigen Wort, das ihm entfahren, ins Unirlück ge-
bracht habe. 'Du mußt uns nun auch helfen1, sprachen sie, 'sonst soll
125. Der Teufel und seine Großmutter. 13
dir's schlimm ergehen'. — 'Ei was', antwortete er, 'von den drei Rätseln
wird sich eins wenigstens raten lassen'. Ging darauf ein wenig allein,
die Sache mit sich selbst zu überlegen, und als er einen hohen Birnbaum
bemerkte, stieg er hinauf und besah sich die Gegend. Indem erblickt er
den Lucifer und den Teufel, die auch spazieren gingen und sich gerade
unter den Birnbaum setzten, da auszuruhen.1) 'Hör einmal', sprach
Lucifer. 'was für Bätsei hast du wohl, die du ihnen aufgeben willst?
Mir ist bang, sie ratens; so abgedankte Soldaten sind teufelsklug'. 'Da
kannst du ruhig sein', antwortete der Teufel, 'das raten sie nimmermehr.
Erstens will ich ihnen eine Bockshaut geben, aber in niederländisch
Tuch verwandeln; zweitens will ich auf einem Ziegenbock geritten
kommen, der wird ihnen als das schönste Bferd erscheinen ; drittens will
ich ihnen einen Becher aus Pech zeigen, den sie für den schönsten Gold-
becher halten werden'. Da denkt der oben auf den Baum 'Jetzt ists
schon gut', sagt aber den zwei andern nichts davon. Am bestimmten
Tag kommt der Teufel, die zwei andern werden richtig von ihm genarrt,
aber der dritte sagt ihm ins Angesicht: 'Dein niederländisch Tuch ist eine
stinkende Bockshaut; dein Pferd ein alter Ziegenbock, für dich gut, für
uns zu schlecht; dein Goldbecher ein alter Pechkübel, weiter nichts.
Nun verlang ich Geld von dir Zeit meines Lebens'. Da muß der Teufel
im höchsten Ärger Polge leisten und Geld, so viel sie begehren, an den
Ort hintragen, wo sie den ersten Vertrag geschlossen hatten.
Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Was die Sennen erzählen S. 7
= Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis S. 82 nr. 110 'Drei lustige
Tage und dann des Teufels' = Bächtold S. 260 (statt der Großmutter
des Teufels rät die Jungfrau Maria dem dritten Burschen, seinen Kopf
mit einem Basenstück zu bedecken und das Gespräch der Raben auf
dem Baume zu belauschen; Katze, Besen, Kuhhaut). Aus Nieder-
österreich bei Vernaleken, KHm. nr. 37 'Hans löset Rätsel' (vier
Soldaten ; Rätsel vom Kater, Katzenkopf, Pferdefuß ; kranke Prinzessin
durch Ausgraben einer Kröte geheilt). Aus Steiermark ebd. nr.
38 'Die drei Müller' (Zwerge im Schloß werden erlöst durch die
Antworten: Mein Fleisch, Mein Blut, Auf meinen Beinen). Aus dem
Odenwalde bei Wolf, Hausmärchen S. 162 (Episode des Märchens
'Das weiße Hemd, das schwere Schwert und der goldene Ring' : der
Prinz, der die Tiersprache versteht, erfährt von drei Atzein, daß das
Haus aus Armsünderknochen erbaut, das Essen von der Königstafel
geholt ist und das Licht vom gestohlenen Karfunkelstein herrührt;
den elf Genossen schlägt der Zauberer die Köpfe ab). Aus
*) Gespräch der Geister belauscht: oben 1, 46. 2,469. 473. 481.
14 125. Der Teufel und seine Großmutter.
Schlesien bei Peter 2, 192 = Kühnau 2, 712 'Der Teufel als
Dienstgeber' (der jüngste Bruder belauscht infolge eines Traumes
hinterm Dornstrauche die Teufel : Kuhklaue, Kuhstall, Katzenschwanz).
Aus Westfalen bei Kuhn 2, 256 nr. 19 'Die drei Fragen' = Harten-
Henniger S. 105 (ein graues Männlein offenbart dem Schneider, daß die
Walfischrippe des Teufels Gabel, der Stein seine Schüssel und die Peitsche
seine Geldtasche sei). Vom Harze bei Pröhle, KVm. nr. 19 'Der goldene
Becher, die goldene Tischdecke und die goldene Trompete' (Katze,
Pferdehaut, Pferdekopf; der Unteroffizier belauscht in der hohlen
Eiche die Teufel). *Am Urdsbrunnen 5, 131. Aus Posen bei Knoop,
Ostmark. Sagen 1, 120 nr. 62 'Die Kuhhaut' (der Bettler offenbart,
daß die Kirche des Teufels eine Kuhhaut ist).1) Aus Holstein bei
Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 42 'De dre Gesell'n un de Düwel'.
Dänisch bei Grundtvig, Folkesev. 2, 213 nr. 19 'Den sorte
Skole' = Leo-Strodtmann 2, 280 : der klügste unter den Schülern
des Teufels belauscht unter einer Grassode die Krähen auf dem
Galgenberge und errät die Pferdehaut, Topfscherben und den Pferde-
schädel; als der Teufel den zuletzt das Zimmer Verlassenden be-
halten will,2) verwandelt er sein Strumpfband in einen Mann; er
überlistet jenen, der für den gehäuften Scheffel Geld nur einen ge-
strichenen zurückverlangt3) ; dann folgen die Abenteuer der drei Hand-
werksburschen (oben nr. 120) und des Bärenhäuters (nr. 101). Dazu
Grundtvigs hsl. Register nr. 57 'Den sorte Skole' und 148 'Fandens
sporsmäl'. Berntsen 1, 22 nr. 2 'Den lille sorte Mand' (Schneider,
Schuster und Dragoner im Walde verirrt; Gespräch dreier Trolle
belauscht : Leder, Kattun, Hirsch ; dann folgt unsre nr. 120) ; 2, 135
nr. 19 'Fortunatuspungen' (drei Brüder im Wirtshaus ; Hans belauscht
auf den Rat einer alten Frau nachts auf dem Kirchhof die Eulen:
x) In einer schlesischen Sage (Kühnau 2, 715 nr. 1336; auch nr.
1323) antwortet ein Kind in der Wiege auf das Rätsel, das der Teufel
einer Abendgesellschaft vorlegt.
2) Der letzte verfällt dem Teufel: Bolte, Der Teufel in Sala-
manca (Archiv f. Litgesch. 14, 445). J. Grimm, Myth.3 S. 976. 3, 302.
Gredt, Luxemburger Sagenschatz 1883 nr. 148. Jecklin 2, 119. 151.
3) Dergestrichene Scheffel: Müllenhof f nr. 414 'Der gestrichene
Scheffel'. Kopisch, Werke 1, 231 (1856). Kuhn, Westf. Sagen 1, 375 nr.
420 'Die Studenten und der Teufel'. Knoop, Sagen der Provinz Posen
1913 nr. 171. Kristensen, Molbohistorier nr. 458. Grundtvigs hsl. Register
nr. 96 'Fanden narret'. Wigström, Folkdiktning 2, 199. Aarnes Register
nr. 1182.
125. Der Teufel und seine Großmutter. 15
Maulwurfsfell, Walfischzahn, Katze; erhält den Wunschbeutel).
Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 230 nr. 30 'I Pagt med Fanden'
(Schneider lauscht unter der Brücke: Pferdehaut, Scherbe, Pferde-
schädel; Bärenhäuter). Kristensen, Danske folkeaev. nr. 42 'De tre
ejenforblsendelser' (Raben auf dem Kirchhofe: Pferdehaut, Pferde-
schädel, Katzenschädel) und nr. 49 'De syv spergsmäl' (ein Soldat
erlöst einen Bauern, den der Teufel holen will, indem er diesem die
Zahlen 1 — 7 auslegt)1). Kristensen, Fra Bindestue 1, 118 nr. 21 'De
x) Der Teufel fragt nach der Bedeutung der Zahlen 1 bis 7
(oder 10 oder 12): Müllenhoff S. 303 nr. 415. Diermissen, Muskist 1862
S. 67. Haltrich nr. 33. Zs. f. Volksk. 6, 323 (7 Wahrheiten). Dänisch:
Kristensen, Danske Sagn 6, 1, 254. Zs. f. Volkskunde 4, 255. 11, 4043.
Schwedisch: Wigström, Folkdiktning 2,232. Steffen, Sv. sagböcker 2, 88.
Norwegisch: Bugge-Berge 1, 21. Katalanisch: Folk-lore catalä 3, 89.
Spanisch: Archivio 2, 104. Revista de foJklore chileno 1, 168.174. Portu-
giesisch: Vasconcellos, Ensaios ethnogr. 3, 209. Archivio 2, 100. 10, 512.
Baskisch : Cerquand 2, 26. Vinson p. 13. Italienisch : Archivio 11, 266.
12, 86 (15. Jahrh.) 1, 416. 2,97. 7,493. 10,499-508. 11,265. 305. 12, 378.
532. 571. 14, 488. Eivista delle tradiz. pop. ital. 1, 93. 198. 2, 103. Busk
p. 255. Finamore 1, 2, 126. Andrews nr. 45. Revue des trad. pop. 17,
496. Rumänisch: Hasdeu, Cartile poporane 1880 p. 574 = Kremnitz
S. 196 = Archivio 2, 229. Griechisch: Hahn 2, 210. Kretschmer nr. 45.
NtoikX. 'Avdhxru 2, 28 — Garnett 2, 94. Cechisch: Kubin, Pov. kladske 1, 30
nr. 11 mit Anm. Ed. Peck nr. 35. Polnisch: Tradition 6, 284. Kleinrussisch:
Archivio 2, 228 (hier hilft ein Heiliger die Fragen beantworten; vgl. R.
Köhler, Kl. Sehr. 3, 370 und Zs. f. Volksk. 13, 86). Suchevyc S. 135 nr. 78.
Dragomanov S. 36 nr. 27. Rudcenko 2, 25 nr. 11. Manzura S. 128. Weiß-
russisch: Romanov 4, 212 nr. 57. 4, 83 nr. 46. 4, 52 nr. 40. Kauka-
sisch: Archivio 2, 230. Weselofsky, Razyskanija 6—10, S. 432.
— In der Legenda aurea c. 2 antwortet der h. Andreas statt
des Bedrängten auf des Teufels Rätselfragen; vgl. R. Köhler 2, 14
und Klapper, Erzählungen des Mittelalters 1914 nr. 200; ferner
Kosegarten, Legenden 1804 2, 51 'Der Bischof und die Jungfrau';
Langbein, Die Versuchung (Stl. Schriften 4, 62 = Minerva 1815, 166);
Rouanet, Autos del siglo 16. 1901 1, 468 nr. 28; R. H. Barham, Ingoldsby
legends: 'The lay of saint Nicholas'; Schevill in University of California
Publications in modern philology 2, 235 (1911); A. Grün, Volkslieder
aus Krain 1850 S. 106 'St. Ulrich'. In der Legende vom h. Bar-
tholomäus (Legenda aurea c. 123. Thomas Cantipratanus, De
apibus 2, c. 53, 5) dagegen stellt nicht der Teufel, sondern der als
Bettler verkappte Heilige die drei Fragen. — Eine Prinzessin
fragt nach der Zahlenbedeutung: Wlislocki, Volksdichtungen der Zigeuner
1890 S. 308 = Zs. f. vgl. Litgesch. 2, 355. Vgl. die Untersuchung bei
Weselofsky, Razyskanija 6—10, S. 79—82.
16 125. Der Teufel und seine Großmutter.
fire JRavnes Meddelelser' (Pferdehaut, Schädel, Knochen). 2, 160 nr. 28
'De otte Sporgsmaal' (Zahlendeutung). Skattegraveren 12, 44 'I pagt
med Fanden' (alte Äpfelfrau teilt die Lösung mit: Pferderippe, Borke,
Pferdehaut; Bärenhäuter). Bei Kristensen, Aev. fra Jylland 2, 282
nr. 43 'Baadsmand Ole' erhalten drei arme Gesellen eine Wunsch-
börse vom Teufel und sollen ihm nach zehn Jahren gehören, wenn sie
ihm nicht eine unlösbare Aufabe stellen1). — Schwedisch: Aberg
nr. 109 'Om huäla som sku far uä mä pojkin' (Was ist süßer als
Honig, weicher als Schwandaunen, härter als Stein)2). Allardt nr. 82
'Bon, som sku ti häng opp se' (Zahlendeutung); nr. 83 (desgleichen);
nr. 88 'Studenten och fanden' (Reime). Hackmans Register nr. 812.
Bondeson, Sv. folksagor nr. 54 'Bonden som försvor sig tili päcker'
(Zahlendeutung) = Bondeson, Halländska sagor nr. 19 'Bonnen som
försvor seg te päkker'. — Serbokroatisch: Ristic-Loncarski S. 66
nr. 10 (Pferdefleisch und Harn. Flöten aus Pferderipj^en ; der jüngste
Bruder erhält einen Zauberhut und Säbel). — Slovakisch: Nemcovä
2, 111 nr. 42 = Dobsinsky 5, 31 nr. 54 (der Tisch aus Pferdehaut
und Knochen, der Becher ein Pferdehuf). Sbornik mus. slov. spol.
J) Den Teufel schafft man sich durch unmögliche Aufgaben
vom Halse. Er muß ein krauses Haar strecken (Montanus, Schwank-
bücher 1899 S. 602. Jegerlehner, Oberwallis S. 86. Asmus-Knoop S. 96.
Firmenich 3, 645. Schiller, S^hles. Vm. S. 58. Volkskunde 10, 143.
Steffen, Sv. sagböcker 2, 92. Aberg nr. 113. Nicolai'des p. 106. Anthro-
pophyteia 1, 168 nr. 143 serbisch. Nemcovä nr. 18 = Waldau S. 574.
Kubin, Pov- kladske 1, 112 nr. 59. 2, 109 nr. 27. Czambel S. 472 nr. 235.
Wisla 5, 454. Mater, antropol. 8, 193. Suchevyc S. 127 nr. 73. Dobro-
voljskij 1, 142 nr. 78. Oncukov S. 476 nr. 205. Etnogr. Obozr. 51, 10
gagausisch. Kingscote S. 285 nr. 26), einen Bauchwind fangen (Zs. f. vgl.
Litgesch. 7, 458. 11, 72. Oncukov S. 476 nr. 205. Haas, Schnurren S. 68
nr. 61. Nieri p. 201 nr. 83), einen Strick aus Sand drehen (oben 2, 513.
Haas, Schnurren S. 67 nr. 60 = Z. f. d. Myth. 2, 147), ein leckes Schiff
auspumpen (Quickborn 4, 46. Allardt nr. 84. 85. Hackman nr. 1175),
Frösche auf die Bäume setzen (Schell, Bergische Sagen nr. 201. Bl. f.
pomm. Vk. 10, 118), die Wagenachse tragen, als ein Rad gebrochen ist
(Müllenhoff S. 193. Strackerjan2 1, 343. Bl. f. pomm. Volksk. 4, 125),
der Weiber Schleifstein bringen (Haas, Schnurren S. 66 nr. 59 = Jahn,
Volkssagen nr. 330), drei alte Weiber verkaufen (H. Sachs, Fabeln 5, 9
nr. 600. 6, 79 nr. 881. Dähnhardt, Natursagen 1, 196. Stroebe 1, 301.
Aarnes Register nr. 1170), in jede Schlinge einen Hasen jagen (Aarne
nr. 1171), Wasser im Sieb holen (Aarne nr. 1180) u. a.
2) Zu diesem Rätsel vgl. oben 2, 357 f. und Kristensen, Folke-
gaader S. 61. 197. Skattegraveren 5, 119. Aberg nr. 339. Hackmans
Register nr. 921**. Unten zu nr. 127.
125. Der Teufel und seine Großmutter. 17
17, 93 nr. 42 (Tischtuch aus Pferdehaut, Teller aus Muscheln, Braten
von der Katze, Becher ein .Pferdehuf). — Polnisch: Swietek S. 365
nr. 31 (Geige eine Totenhand, Kleid des Teufels eine Pferdehaut,
Tabaksdose ein Totenkopf). — Finnisch: Aarnes Begister nr. 812.
Auch in den Sagen von Hexentänzen ist die Geige oder der
Dudelsack des Spielmanns ein Pferdeschädel, seine Pfeife ein Katzen-
schwanz ■ (J. Grimm, Mythol.3 S. 809. 1002. 1025. 3, 307); was der
Teufel dort als glänzendes Gold gab, ist bei Licht besehen Mist und
Kot (J. Grimm S. 1023. 3, 310), nichts Besseres die dort gereichten
Speisen (Zingerle, Sagen2 nr. 742. Henne am Rhyn, Volkssage 1879
S. 460). So berichtet auch eine münsterländische Sage, welche die
Brüder Grimm vor 1816 aus der Familie v. Haxthausen erhielten1),
von den Musikanten unterm Galgen:
Et wären es drey Musikanten, de spierlden up ne graute Hochtied,
dat duhrde drey Dage, da gongen se late (spät) in de Wacht na Huse.
Do kam eer en Kutskwagen in de Möte, darin säten vierl Heerens un
Damens; de segden: 'Guden Avend, ji Musekanten ! Will ji wull met us
gohn, wi hebt dor en graut Tractement, un spierlen? "Wi willt ju
auk so vierl Geld gierwen, asse ji men hebben willt'. — 'Ne', sed
de Mester dervon, 'dat doh ick nich; dann wi hebt all drey Dag
■an drey Nachte spierlt, wi sind möde'. Over de Burssen de lotet
sick verschünen (überreden) un goht in den Wagen Sitten un fleigt
asse en Donnerwerder dör de Lucht un kummt da up en grant
Schiott. Da sind by de hunnert Mann un lerwet ganz lustig und drinket
den Wien ut goldenen Bierkers (Bechern) un danset bes et Nachts een
Uhr. De Musekanten hadden over olle Figgelinen ; da gafden de Heerens
eer annere, de sollen se proberen, un de gefallt eer so gut, un möken
dermet en Tusk. Do gift se eer de ganzen Tasken füll Geld un wiset
se no en graut Zimmer met Bettstedden met Behang, un eere Böcke
hanget se an en Klederstock un schlopt rüig in. — Asse se ower en
annern Morgen upwaket, da ligget se up de Galge midden tüsken en
armen Sünder, un eere Bocke hanget an de Pinne an de Galge, un eer
Geld iss lutter Kohdreck, un eere Figgeline dat is en ollen Knubben
(Klotz) Holt, un eere golden Bierkers dat sind Kohklohnen (Kuhklauen).
Da wören se so riek, asse se west wören vor de Hochtied, un hadden
kine Figgelinen mehr.
x) Wilhelm Grimm hat, wie sein mit Rotstift gemachter Vermerk (1. 75)
beweist, dies Stück an die Stelle des 'Vogel Phönix' in der ersten Auflage
der KHM. (1812) setzen wollen; 1819 wurde freilich 'Der Fuchs und die
Katze' nr. 75. ________
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 2
18 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
1856 S. 208.
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
1815 nr. 40 — 1819 nr. 126. Aus dem Paderbörnischen
durch die Familie von Haxthausen1). Die Verse, wie gewöhnlich
die Reden der Vornehmen, sind hochdeutsch; das pflegen die
Erzähler fast immer so zu halten, wo sie beide Sprachen verstehen,
wie dies im Paderbörnischen häufig ist, und die höhere Mundart
bezeichnet dann die Sprache der Vornehmen und der Poesie.
Das wertvolle Märchen gehört zu dem von R. Köhler, Cosquin
und Golther untersuchten Kreise der goldhaarigen Jungfrau,
die der Held einem Könige gewinnen und als Braut zuführen muß
und die er dann selber heimführt, enthält aber verschiedene Unklar-
heiten. Was für Bedeutung die gefundene Schreibfeder und die
Schriften der Königin haben, in denen die Brüder Grimm gestickte
Kleider oder Runenstäbe vermuteten, bleibt zunächst ungewiß ;
das in der weißen Schlange (nr. 17) und der Bienenkönigin (nr. 62)
vorkommende Motiv der mit Hilfe der dankbaren Tiere gelösten
Aufgaben ist unvollständig ausgenützt. Wir scheiden folgende
Teile : A) Der Held, dem bei der Taufe2) ein Bettler einen Schlüssel
geschenkt, erhält dadurch ein redendes und ratgebendes Roß3);
B) findet eine Schreibfeder und C) erhält von einem dankbaren
Fisch eine Flöte; D) trifft einen Gesellen, Ferenand ungetrü4), mit
dem zusammen er in den Dienst des Königs tritt, und E) holt auf
Betreiben seines ungetreuen Gesellen für den König eine schöne
Prinzeß, nachdem er nach seines Schimmels Anweisung die Riesen
und Vögel durch Spenden von Brot und Fleisch sich geneigt
x) Die Originalhandschrift schließt: 'Warscheinlich ist dies
Mährchen nicht vollständig. Ich habe es fast wörtlich von dem Mädchen,
das uns die Geschichte' . . .
2) Über das Gevatterbitten vgl. den Gevatter Tod (1, 377).
3) Das getreue Pferd gleicht dem Bayard, Falada, Schemik
(Schimmel) der böhmischen Sage und dem Grani der nordischen.
4) Dieser ungetreue Gefährte zwingt in einigen Fassungen den
Helden geradezu, mit ihm die Rolle zu tauschen (oben 2, 2841. —
R. Köhler 1, 394. Macculloch p. 56. 240. Child, Ballads 5, 1. 42 nr. 271.
Lengert, Engl. Studien 17, 350. Hahn, Geisteswelt der Kols S. 15 nr. 8),
wie die Dienerin die rechte Braut in nr. 28 und 89. Als neidischer Rat-
geber des Königs erscheint auch Ritter Rot oder ein älterer Bruder
des Helden (Cosquin 2, 301).
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 19
gemacht hat, dann auch ihre Schriften und die ins Wasser gefallene
Schreibfeder. F) Die zauberkundige Prinzeß enthauptet1) und belebt
ihn, entledigt sich aber des Königs, der das Gleiche begehrt.
G) Der hilfreiche Schimmel verwandelt sich in einen Prinzen.
Aus Steiermark bei Schiossar 1885 S. 206 'Der alte
Schimmel'. Aus Kärnten bei Franzisci, Culturstudien 1879 S. 92
'Das goldene Schwalbennest' (Bartloser; Ameisen, Fisch, Adler)
= Märchen 2, 32 und S. 87 = Märchen 1, 26 = Carinthia 1867, 79
'Schönhannchen mit dem goldenen Haar' (wie Gräfin Aulnoy).
Heanzisch bei Bunker nr. 72 'Getreu und Ungetreu '(A B D E F G).
Aus Siebenbürgen bei Haltrich nr. 10 'Das Zauberroß' (Drachen-
töter, B E). Aus dem Biesengebirge bei Arnim S. 76 nr. 12
'Von der Schönsten unter der Sonne' (Eingang wie bei Grimm ;
Petrus findet einen Goldstein mit dem Namen der Schönen, füttert
Riesen und Fische und erhält durch den Vogel Greif Wasser des
Lebens und des Todes; der Neider fehlt). Aus Hannover bei
Busch S. 87 'Der Herrgott als Pate' (A B ; als der König außer dem
Vogel auch die schöne Jungfrau und den klugen Schimmel fort-
nimmt, kehrt der Held verkleidet wieder und entführt sie in das
Schloß der Jungfrau). Aus Holstein bei Wisser 3, 82 'De dree
Balsamn' (ABEF; das Patenkind des Teufels nimmt das goldene
Hufeisen und die Feder auf; Fisch liefert die von der Jungfrau
verlangten Balsame). Aus Mecklenburg bei Bartsch 1, 483 nr. 7
'Clarawunde' (Held findet Feder, rettet Raben, Fisch, Riesen). Aus
Pommern: Bl. f. pomm. Vk. 2, 73 'Prinz Getreu' (B D E F).
Aus Westpreußen: B ehrend nr. 15 'Das Wunderpferd'. Aus Ost-
preußen: Lemke 2, 114 nr. 18 'Der Junge mit dem Schimmel' (B E F).
Auch Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 18 'Von den ungetreuen Wirtstöchtern
und der Prinzessin mit goldenen Haaren', das oben S. 3 zu nr. 122
angeführt wurde, gehört teilweise her.
Im Dänischen gibt es ein Volksbach vom Jahre 1710
'Aerens Fornevej for en Skytte navnlig Bryde' (Nyerup, Morskabs-
lcesning 1816 S. 231), dessen Held Bryde mit Hilfe eines redenden
Esels für einen Fürsten die schöne Florabella holt, die von der Hexe
in einen Seidenfaden, Strohhalm und in ein Brot verwandelt war;
*) Der rote Faden am Halse des Wiederlebendiggemachten er-
scheint bei Konrad von Würzburg, Engelhart v. 6386; vgl. G-oethes
Faust v. 4203. Bottermann, Arnims altdeutsche Studien, Diss. Göttingen
1895 S. 68.
2*
20 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
als der Fürst ihn auf einen falschen Verdacht hin hängen lassen
will, wird er von einem Troll fortgeschleppt, dem Bryde früher
Gutes erwiesen hatte. Ähnlich in S. Grundtvigs hsl. Register nr. 10
'Den kloge hest'. Grundtvig, Minder 2, 1 ' Vulle Bondedreng' (Vulle
dient einem Zwerge, von dem er eine Büchse, ein Pferd und andre
Wundergaben erhält, und darauf einem Könige. Auf der Fahrt zur
sonnengleichen Prinzessin, die der König auf den Bat des Ritters
Rot veranlaßt, helfen dankbare Tauben, Elfen, Zwerge und Fische
einen Acker bestellen, ein Schiff bauen, einen Hengst zähmen und
ihr Schloß fortschaffen. Als Vulle gehängt werden soll, spielt er auf
seiner Fiedel; die Zwerge kommen und hängen den Ritter Rot; das
enthauptete Pferd wird zu einer Prinzeß, die der König heiratet,
während Vulle die Schöne erhält). Grundtvig, Folkeaeventyr 2, 1
'Mons Tro' = Leo-StrodtmaDn 2, 1 (Einleitung wie bei Grimm.
Auf den goldenen Federn, die er gegen des Pferdes Rat aufgehoben,
steht das Bild der Prinzessin, und dies gewahrt der König. Fische,
Wölfe und Riesen gefüttert, helfen. Tro wird mit Todes- und
Lebenswasser besprengt, der König nur mit dem Todeswasser).
Kristensen 1, 149 nr. 21 'Den gyldne Fjer' (Einleitung wie bei Grimm.
Tro hebt wider des Esels Warnung die Feder auf ; der König
gebietet ihm auf Utros Rat, den Goldvogel zu holen, der sich in
eine Jungfrau verwandelt. Wasser des Lebens und Todes) und 1,
161 nr. 22 'Hans og det graa Äsen' (ähnlich; doch fehlt der N eider,
der Fürst kommt zwischen brennenden Teertonnen um). Kristensen,
Fra Mindebo S. 112 nr. 19 'Hesten Blank' (Königin in ein Brot, ihr
Sohn in einen Maulesel verwandelt). — Schwedisch: Hylten-
Cavallius 1, 458 Var. zu nr. 3c (der Held muß für den König auf
Anstiften seines neidischen Bruders zwei Goldböcke und die ent-
führte Königin holen). Ströbe 1, 216 'Treu und Untreu'. Wig-
ström, Sv. landsm. 5, 1, 55 'Skytten Bryte' (erhält vom Troll Esel,
Pfeife und Büchse; Prinzessin verwandelt in Seidenknäul, Brot
und Bremse). Nordländer S. 103 'Prins Trogen' (Pferd hilft die
Prinzeß für den König holen; dankbare Wölfe, Riesen, Hecht;
Wasser des Lebens). Aberg nr. 201 'Om tjäisarns sonn, som för
ti fri' (ein unehelicher Sohn des Zaren sucht seinen Vater auf, an
der Quelle vom Gefährten gezwungen zu tauschen; dankbare Biene,
Ameise, Hecht). Hackman nr. 531. — Norwegisch: Ein Soge-
Bundel 1869 S. 65 'Halvpenning' : ein Knabe, den der König für
einen halben Pfennig gekauft und aufgezogen hat, wird vom Ritter
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 21
Eaud verleumdet und soll die Schöne von Babylon holen; ein Alter
berät ihn, eine Hexe schenkt ihm einen Hund; dankbare Enten und
Fliegen und fünf Brüder, denen er das Erbe geteilt hat, helfen ihm
ein Schloß bauen, den Ring aus dem Meere holen und die Jungfrau
von zwei gleichen unterscheiden. Skar 6, 38 'Den brune folen'.
Im Märchen von der Grimsschecke (Asbjörnsen-Moe nr. 37 = Brese-
mann 2,68 = Thorpe S. 253 = Dasent S. 313) hat der von seinem
Roß beratene Bursch nicht eine Braut für den König, sondern
dessen vom Troll entführte Tochter zu holen; bevor er sie zur Frau
erhält, muß er einen Berg wegschaffen, ein Höllenpferd gewinnen,
die versteckte Prinzessin zweimal finden und sich selber vor ihr
verstecken. — Noch weiter entfernt sich das isländische Märchen
von Rosald und Geirald (Rittershaus S. 219 nr. 52) und das von
Snati-Snati (Arnason 2, 360 = Rittershaus S. 31 nr. 7) sowie das
fseröische von Snati (Jakobsen S. 408 nr. 42); statt des Pferdes
hilft ein Hund dem vom neidischen RauÖur beim König verleumdeten
Jüngling drei goldene Kleinode1) der Riesen zu erringen, worauf
ihm der König seine Tochter vermählt. Der Hund ist ein ver-
zauberter Prinz, die dankbaren Tiere fehlen. — Schottisch: Mac
Innes p. 161 nr. 6 'The ship that went to America' (John wird
von einem grauen Mann, der ihn von seinem Vater erkauft hat und
der sich in ein Pferd oder Schiff verwandelt, beraten ; als der König
die Schreibfeder aus dem ehernen Schlosse bei ihm sieht, muß er
die Herrin, das Schloß, die Schlüssel und drei Wasser holen. —
Irisch bei Larminie S. 211 'The red pony' (rät dem Helden, die
Schachtel mit der Goldlocke auf dem Wege liegen zu lassen). —
Zigeunerisch aus Wales bei Groome S. 107 nr. 28 'The beautiful
mountain'. — - Französisch bei der Gräfin Aulnoy (Contes des fees
1702 S. 55 lLa belle aux cheveux d'or' = Cab. des fees 2, 44 —
Kletke 1, 344. E. G. Loehr, Die Prinzessin mit dem goldenen
Haar, Augsb. 1855), wo ein Hündchen statt des beratenden Pferdes
auftritt; dem Helden helfen ein dankbarer Karpfen, Rabe und Eule
den Ring finden, einen Riesen töten und Schönheitswasser herbei-
schaffen; er heiratet die Schöne, nachdem sich der eifersüchtige
König aus Versehen mit einem Gifttrunke statt des Schönheits-
wassers gewaschen hat. In der Normandie bekannt nach Du Meril,
J) Über den vom König befohlenen Raub solcher Kostbarkeiten
vgl. Cosquin 1, 46 und R. Köhler 1, 546.
22 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
Etudes S. 4741. Aus Lothringen bei Cosquin 1, 32 nr. 3 'Le roi
d'Angleterre et son filleul'^ (der Held wird auf dem Wege zum
Könige, seinem Paten, von einem Buckligen gezwungen, mit ihm zu
tauschen, und muß drei Kleinode des Kiesen und die entführte
Tochter des Königs holen, wobei ihn eine alte Frau und der Riese
berät. Fische, Ameisen, Ratten, Raben, Riesen gefüttert, hilfreich.
Wasser des Lebens und des Todes). Ebd. 2, 290 nr. 73 'La belle
aux cheveux d'or' (der Held wird von seinem Maultier, das
eigentlich sein Pate, der Herrgott selber, ist, gewarnt, die Feder
aufzuheben ; er muß für den König den Vogel, dem die Feder
gehört, und die goldhaarige Schöne holen ; vor dem Galgen wirft er
Schnupftabak auf den König, sodaß dieser tot niederfällt). Aus der
Bretagne bei Sebillot, Contes 3, 130 nr. 13 'La belle aux cles d'or'
(der redende Schimmel, auf dem der Held aus dem Dienste des
Teufels entflieht, unterweist ihn, wie er die Schöne, ihre Schlüssel
und ihre Burg für den König holen und dem Feuertode entgehen
kann, und verwandelt sich in eine Jungfrau, die ihm Unglück in der
Ehe mit der Schönen voraussagt). Ebd. 3, 143 nr. 13 bis 'Petit-
Jean' (erhält von seiner Patin, der h. Jungfrau, einen Esel, entführt
auf seinem Schiffe die Prinzeß, holt deren Schlüssel und Palast und
heiratet jene, nachdem der König verbrannt ist). Revue des trad.
pop. 14, 549 'Le pecheur de Saint-Cast' (Pferd warnt vor der Gold-
kette, hilft die Prinzeß Dore, ihre Schlüssel, ein wildes Roß und das
Wasser des Lebens, Todes und der Schönheit holen). Luzel,
Veillees bretonnes S. 148 'Petit Louis fils d'un charbonnier et filleul
du roi de France' (s. Cosquin 2, 294). Luzel, Contes 1, 66 'La
princesse de Tronkolaine' (= Archives des missions scientifiques
3. serie 1, 2. Cosquin 1, 45); 1, 98 'Tregont-ä-Baris' (= Archives
2, 7, 181); 1, 143 'N'oun-doare' (Krone aufgehoben; die Stute wird
zu einer Königstochter, nachdem der Held die Prinzessin für den
König geholt; Fisch, Vogel, Dämon); 1, 158 'Les quatorze juments
et le cheval du monde' (die Tochter des Königs ist dem Helden
feindlich); 1, 259 'La princesse du palais enchante' (statt des rat-
gebenden Pferdes ein Greis im Brunnen; Reise zur Sonne, Fragen
aufgetragen wie oben 1, 292; Löwe, Menschenfresser, Ameise
helfen die Prinzessin gewinnen). Luzel, Archives 2, 7, 290 'La
princesse de Tremenezaour' (Cosquin 2, 296). Troude et Milin
S. 65 'La perruque du roi Fortunatus' (die Perücke, die der Held
gegen den Rat seines Pferdes aufhebt, ist Anlaß, daß der König
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 23
ihm befiehlt, die Tochter des Besitzers zu holen; Waldtiere, Ameisen,
Gänse dankbar). — Rätoromanisch bei Decurtins 2, 38 nr. 29
'II tschess' = Jecklin 1, 132 'Die Adlerbraut' (der Patensohn des
Königs muß unterwegs mit einem Zwerge tauschen und die von
einem Drachen entführte Tochter des Königs befreien. Ein Greis
ist sein Ratgeber, Bär, Leopard und Adler seine Helfer im Kampfe).
— Italienisch bei Straparola 3, nr. 2 (= Keller, Ital. Novellenschatz
5, 22) : Livoretto entführt im Auftrage des Sultans von Kairo die
schöne Bellisandra aus Damaskus, als diese sein Zauberpferd
bewundert und besteigt; ein dankbarer Fisch und Falke schaffen
für ihn ihren King und Lebenswasser herbei; sie tötet den Jüngling
und belebt ihn wieder; wie der Sultan Gleiches begehrt, ersticht sie
ihn, wirft den Leichnam in den Schloßgraben und heiratet Livoretto.
Ähnlich bei Gonzenbach nr. 30 'Ciccu' (hilft auf Geheiß seines
Rosses einer Biene, einem Fisch und Adler; muß in den Feuerofen
springen) und nr. 83 'Caruseddu' (Ameisen, Fisch, Vogel). Pitre 1,
298 nr. 34 'Lu cavaddu infatatu'. Finamore 1, 51 nr. 11 'La bella
Filinde.' Grisanti S. 220 nr. 14 Tl cavalluccio'. De Nino 3, 209 nr.
39 'II cavalluccio fatato'. Tuscan fairy tales nr. 8 'The siren'.
Comparetti nr. 5 'Granadoro', nr. 14 'La signora delle sette. vele',
nr. 16 'La bella dei capelli d'oro'. Gigli S. 239 nr. 6 'I fratelli
invidiosi'. Andrews nr. 2 'Le roi dAngleterre' (das Patkind des
Königs muß unterwegs mit einem Grindkopf tauschen und des
Königs Tochter befreien, wobei ihn sein Pferd berät). Visentini nr.
5 'I tre giganti' (ein rothaariger Wirt raubt dem Jüngling den Brief
des Königs; eine Alte hilft ihm beim Schäferdienst die Kiesen
überwinden; Turnier wie in nr. 136). Archivio 2, 481 'Crimintinu'
(sardisch). — Maltesisch: Hg 1, 60 nr. 18 'Der böse Ratgeber
des Königs, die Elefantenzähne, der singende Vogel, das tanzende
Wasser und die Tochter der Schönheit' und 1, 120 nr. 35 'Der
jüngste der dreizehn Brüder'. — Katalanisch: Maspons, Rondal-
layre 3, 21 'En Pere revolt'. — Spanisch: Caballero, Cuentos 1877
S. 55 = 1878 S. 23 'Bella flor' (Jose muß für den König die Jung-
frau Bella-flor holen ; Ameisen, Adler, Fisch helfen ; Bad in siedendem
Öl ; der ratspendende Schimmel ist ein dankbarer Toter). —
Baskisch: Cercpaan d nr. 102. Vinson p. 80 'Malbrouc' (dankbare
Tiere, Riese getötet, Prinzeß befreit). — Griechisch: Hahn
1, 233 nr. 37 'Der Königssohn und der Bartlose' (der Prinz muß
unterwegs mit dem Diener tauschen und die Goldgelockte holen;
2-i 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
Pferd hilfreicli; Ameisen, Bienen, Raben dankbar) und 2, 3 nr. 63
'Der junge Jäger und die Schöne der Welt' (vermischt mit den
Dienern mit wunderbaren Eigenschaften. Den Helden berät nicht
ein Pferd, sondern seine Mutter). Pio p. 212 = Misotakis S. 20 'Der
Sohn des Jägers und der Minister'. Kampuroglu nr. 7 (Deltion 1,
304) 'Die Königin der Gorgonen' — Garnett 2, 229. NeosAA^viy.ä
lAvdZeicta 1, 1, 46 nr. 10 = Legrand p. 57 'L'homme sans barbe'
= Garnett 2, 28. — Albanesisch: Jarnik 1881 S. 6 = Meyer
nr. 13 'Der Jüngling und der Bartlose' (Archiv f. Litgesch. 12, 137.
ß. Köhler 1, 394). Pedersen S. 53 nr. 8 'Briefe nach der Toten-
welt'. Dozon p. 83 nr. 12 'La loubie et la belle de la terre' =
Garnett 2, 305 = Leskien nr. 49. — Rumänisch bei Schott
S. 184 nr. 17 'Juliana Kosseschana' (Petru gewinnt mit Hilfe seines
Pferdes die Schöne, vor deren Vater er sich dreimal versteckt,
muß sie dann einem Könige ausliefern, der die unterwegs gefundene
Goldkrone bei ihm sieht, und bleibt in der siedenden Stutenmilch
unversehrt, während der König in diesem Bade umkommt). Picot,
Revue de linguist. 5, 248. Säinenu p. 504. P. Schullerus nr. 86
'Die tapfere Königstochter' (Archiv f. siebenb. Landesk. 33, 566.
Die dritte Schwester zieht in Männerkleidern in den Krieg wie
bei der Aulnoy, Belle-belle (oben 2, 85) und wird schließlich in
einen Mann verwandelt. Ihr Pferd rät vergeblich, die goldene
Rippe und den goldenen Zopf nicht aufzuheben. Sie muß das
Goldferkel, die Schöne und das Schwert Gottes für den König holen.
Bad in siedender Milch. Dankbare Tiere fehlen). — Serbokroatisch
aus Bosnien: Vojinovic nr. 1 = Jagic nr. 1 (Archiv f. slav. Phil. 1, 270.
R. Köhler 1, 407) 'Ein Prinz und ein Araber' (der uneheliche Sohn
eines Kaisers sucht seinen Vater, wird vom Xeger gezwungen mit
ihm zu tauschen und muß für ihn eine Braut werben, wobei ihm
dankbare Ameisen, Fische und Adler helfen ; enthauptet und von
der Schönen belebt). Ähnlich Dvorovic S. 110 (Zigeuner statt
Neger) ; Stefanovie S. 39 nr. 7 = Archiv 1, 271 (der verwaiste
Jüngling sucht seinen Vetter, vom Bartlosen gezwungen); Bos.
Vila 11, 196. 253 (1896). Aus Kroatien: Kres 5, 87 nr. 39 (der
vermeintliche Diener löst die Aufgaben der Prinzeß mit Hilfe der
dankbaren Tiere, der Zigeuner nicht und wird getötet); Strohal
1, 236 nr. 77 (der Teufel hilft dem Helden; Krähen, Bienen, Fisch).
Aus Bosnien: Bos. prijatelj 1, 114 nr. 2 (Krähe hilft die Xachti-
gall und die Jungfrau holen) = AVratislaw p. 239 nr. 42 'The
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 25
bird catcher'. Bos. pripovijedke S. 11 = Mijatovics S. 189 nr. 18
'One good turn deserves another' (Eisenhans ; Diener am Brunnen ;
Bären, Wölfe, Tauben weiden, drei goldene Äpfel der Prinzeß
gewinnen). Stefanovic S. 164 nr. 20 = Jagic nr. 53 (Archiv 5, 64).
R. Köhler 1, 464) 'Veljko Lovic und Kusljo' (Pferd warnt, die
A7ogelfedern zu nehmen; der Held holt den Vogel, den Käfig, die
Kaiserstochter, ihr Schloß und ihre Schlüssel). Wuk nr. 12 'Der
goldwollige Widder' (der Kaiser legt dem Jäger Aufgaben auf).
Stefanovic S. 221 nr. 25 = Jagic nr. 58 (Archiv 5, 75. R. Köhler 1, 467)
'Vierundzwanzig Brüder' (Lagerstätten mit den Hexentöchtern ver-
tauscht; Schwert, Federn gefunden; Schöne geholt; Bad in siedender
Milch). Aus Kroatien : Valjavec S. 5 nr. 2 = Archiv f. slav.
Phil. 5, 76 = Krauß 1, 341 nr. 80 'Der Jüngling und das Vilapferd'
= Leskien nr. 42 (ähnlich. Sieben Brüder). Aus Slawonien :
Zbornik jsl. 16, 131 nr. 12 (zwölf Brüder wollen zwölf Schwestern
heiraten; goldenes Haar, Feder, Hufeisen; Jungfrau, Vogel, Füllen
geholt; Bad in Stutenmilch). Slav. Blätter 1, 245 'Die zwölf
Brüder'. — Bulgarisch aus Panagjuriste : Colakov S. 247
= Archiv f. slav. Phil. 5, 79 = Leskien S. 41; aus Süd-
mazedonien: Sbornik nar. umotv. 3, 222 (Bartloser am Brunnen;
Löwenzähne, Steuer von wilden Menschen und Jungfrau holen;
Raben, Ameisen, Bienen helfen Lebenswasser bringen, Kornarten
sondern, die Jungfrau herausfinden); aus Westbulgarien: Sapkare v
S. 401 nr. 244 (Teufel ; Ameisen, Adler, Fische) ; aus Südmazedonien
ebd. S. 146 nr. 97 (Drache hütet Quelle; Adler, Hasen, Bären,
Ameisen, Wespen helfen) und S. 360 nr. 213 (Pferd stehlen, Gold-
äpfel, Jungfrau; Lebenswasser); aus Dibra bei Sapkarev S. 5 nr. 5
(Feder gefunden, Vogel, Jungfrau, Ring, wilde Stute holen). —
Cechisch aus Böhmen: Nemcovä 2, 3 nr. 13 (27 Brüder aus
Vogeleiern hüten des Königs Wiese; der jüngste erbietet sich die
verschwundene Braut des Königs zu holen, dann ihren Schrein, den
Schlüssel, ein Schwert; enthauptet und belebt; Pferd und dank-
barer Hund, Adler, Fisch). Radostov2 2, 321 = Waldau S. 368
'Die falschen Brüder' (Lagerstätte mit den Hexen töchtern ver-
tauscht; Schimmel hilft dem jüngsten, ebenso Fisch, Riesen, Adler).
Kar. poh. a pov. 1878 S. 51 nr. 14 (goldenes Hufeisen, Feder und
Haar gefunden; Pferd hilft). Popelka 1883 1,34 = Popelka, Poh.
a pov. S. 115 (zwölf Brüder suchen zwölf Schwestern ; Hufeisen,
GJoldhaar). Popelkova S. 68 (zwölf Brüder; Goldhaar, Feder, Huf-
26 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
eisen; Pferd, Vogel, Jungfrau; Milchbad). Aus Mähren: Miksicek,
Pohadky S. 10 nr. 1 (zwölf Brüder bei einer Hexe mit zwölf
Töchtern; Feder, goldenes Haar; Vogel, Pferd, Jungfrau, Bad).
Kulda 2, 132 nr. 101 (Hufeisen und Totenkopf gefunden, die vom
Drachen gestohlene Königstochter aufgesucht, Fragen aufgetragen,
Bad in Stutenmilch). Tille nr. 26 (Narodop. Sbornik 7, 103:
spukende Prinzessin in der Kirche ; goldene Feder gefunden, Vogel,
Jungfrau, Schloß, Schlüssel geholt). Väclavek, Val. poh. 2, 33 nr. 5
(Lagerstätte mit den Hexentöchtern vertauscht ; der Held holt einen
Käfig voll Wild, ein Fäßchen mit Getränken, Jungfrau, King,
Wasser der Schönheit, des Todes und des Lebens). Kulda 3, 7 nr. 1
(Patenkind Gottes erhält ein Pferd, findet Krone, befreit die ent-
führte Königin mit Hilfe von Riesen, Fischen und Vögeln ; Wasser
des Lebens). Ed. Peck nr. 66 und 13 (Feder, Tintenglas, goldenes
Messer).— Slovakisch: Skultety-Dobsinsky S. 116 nr. 12 = 2. Aufl.
S. 259 nr. 21 (goldenes Hufeisen, Feder, Haar; Vogel, Jungfrau).
Kemcova, Slov. poh. 2, 233 nr. 59 (Feder; Vogel, Jungfrau, Lebens-
wasser). Dobsinsky 1, 73 nr. 7 (Schwarzhaariger Prinz im Lande
der Rothaarigen, muß mit dem Diener am Brunnen tauschen,
tötet Drachen, holt Prinzeß, nachdem er drei Aufgaben mit Hilfe
von Ameisen, Vögeln und Fischen gelöst; Lebenswasser). Sbornik
mus. slov. spol. 18, 4 (Pferd vom Taufpaten; Blume statt Feder;
Prinzessin, Schlüssel, Schloß im Apfel, Kopfputz). — Wendisch:
Veckenstedt S. 233 'Der Prinz und sein Zauberpferd'. —
Polnisch aus dem Gouv. Plock : Chelchowski 1, 95 nr. 15
(Eisenhans, unten nr. 136 ; treuloser Kutscher ; der goldene
Luchs hilft Hengste und Stiere in goldene verwandeln und erhält
ihn im Kerker, wo ihn die Prinzeß aufsucht) und 1, 282 nr. 46
(ähnlich ; statt des Luchses ein goldener Mensch). Aus den Beskiden:
Kosinski nr. 55 (Zbiör 5, 252. Feder; Vogel, Käfig, verjüngendes
Wasser, Spiegel, Jungfrau ; dann der treue Johannes, oben 1, 51).
Aus dem Gouv. Kowno: Lud 9, 172 (Held Radziwilla, eigentlich ein
holzgeschnitztes Kind, weiß Rätselfragen zu lösen, holt Vogel, Apfel-
baum, Sonnentochter und deren Schätze). Aus Nordungarn: Mater,
antropol. 1, 419 nr. 2 (30 Brüder aus Vogeleiern hüten des Kaisers
Kornfeld; der jüngste gewinnt ein Pferd, muß eine goldene Katze,
Hahn, Pferd holen ; beim Zauberer gefangen, schiebt er dessen Frau
in den Bratofen und entrinnt; holt die geraubte Jungfrau, badet im
Pechkessel). Aus Galizien : Wisla 8, 524 (der jüngste Bruder
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 27
belauscht die nachts tanzenden Hexen ; vertauscht die Lagerstätten
der Brüder mit den Hexentöchtern nach dem Rat seines Pferdes,
rindet goldenes Hufeisen und Haarlocke). 12, 723 nr. 6 (der Held
fängt eine Stute, findet Hufeisen und Feder, holt drei Antworten von
der Sonne, Pferd und Vogel, badet in siedendem Wasser und wird
des Königs Schwiegersohn). Gouv. Kielce : Kolberg, Lud 19, 234. —
Großrussisch aus dem Gouv. Samara: Sadovnikov S. 73 nr. 12
(der von drei Greisen gefundene Knabe 'Trechsyn' = Dreisohn hebt
auf seinem Ritte Tuch, Pfauenfeder und Papier auf, soll die Sonne
und die Meeresmutter aufsuchen ; Pech- und Milchbad) und S. 187
nr. 60 (der jüngste Bruder fängt eins der nachts das Feld zer-
tretenden Pferde; Feuervogel, Jungfrau, Hochzeitskleid; Bad in
Pech, Milch und Wasser). Aus dem Gouv. Tula: Erlenwein S. 98
nr. 27 (Vogel, Jungfrau, Wagen, Pferde holen). Afanasjev 3 1, 263
nr. 103a (Jäger findet Feder); 1, 264 nr. 103b (etwas mehr vom
Wunderpferd). Ralston p. 287. Aus dem Gouv. Nizegorod :
Chudjakov 3, 126 nr. 111 (entstellt; eine Hexe schiebt der Kaiserin
einen Hund statt ihres Kindes unter, diese wird auf dem Meere
ausgesetzt). Aus dem Gouv. Orel ebd. 3, 103 nr. 105 (Dienerin
zwingt die Frau unterwegs zum Rollentausch). Gouv. Jelisavetpol :
Sbornik Kavkaz. 42, 2, 12 nr. 3 (Trjomsyn von drei Räubern auf-
gezogen; Goldfeder; holt Vogel, Jungfrau, Meerstuten; Bad in
siedender Milch). Bei Afanasjev3 1, 109 nr. 67a; 1, 111 nr. 67b;
Chudjakov 2, 33 nr. 44; 3, 143 nr. 15 hilft ein Ungetüm, das
der Held wie bei Grimm nr. 136 'Eisechans' befreit hat,
diesem drei Drachen, die eine Prinzessin gefangen halten,
erlegen; ebenso erzählt schon ein Volksbuch des 18. Jahrh.
von Bulat dem Helden (Rovinskij 1, 170; vgl. 5, 99. 130.
Dietrich S. 131 nr. 10) diese Einleitung vom Eisenhans, der dem
Prinzen Iwan zum Zauberpferd und zum Siege über drei Heere
verhilft; die Falschheit des Dieners wird erst bei der Hochzeit durch
die Prinzessin enthüllt. — Kleinrussisch: Sadok-Baracz S. 180
(treuloser Diener; Vogel, Pferd, Jungfrau holen; der getötete Held
belebt). Aus Kordungarn : Hnatjuk 2, nr. 25 (Etnograf. Zbirnyk 4, 129.
Patenkind des Kaisers vom Räubersohn überwältigt, muß Löwenmilch,
Lebenswasser, Jungfrau holen; Ameisen, Vögel, Fische lösen die
Aufgaben der Hexe und holen Lebenswasser). Aus der Bukowina:
Dragomanov S. 317 nr. 19 (ähnlich; die Muttergottes und St. Nikolaus
helfen ; Grindkopfmärchen). Aus Ostgalizien : Ihnatij z Niklovyc S. 64
28 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
nr. 15 = Dragomanov S. 332 nr. 24 (zwölf Brüder suchen zwölf
Schwestern; Zar begehrt die Frau des jüngsten; Goldfeder, Hufeisen,
Milchbad). Rozdolskyj nr. 41 (Etnogr. Zb. 7, 61. Feder und Hufeisen
gefunden); nr. 45 (7, 84. Pferd von der nachts das Heu verzehrenden
Herde, Vogel geholt); nr. 62 (7, 123: zur Sonne, Meereskönigin und
den Stuten geschickt); nr. 71 (7, 149. Dreisohn soll das Pferd und die
darauf sitzende Jungfrau holen und hundert Meeresstuten melken) ;
nr. 20 (ebd. 1, 76: Hengst, Vogel, Meerjungfrau, Stuten holen;
wie das tapfere Schneiderlein, oben 1, 149 reißt der Held in der
Schlacht das Wegkreuz aus). Suchevj^c S. 88 nr. 58 (Dreisohn;
Vogel, Meeresjungfrau, Mond, Lebenswasser). Südungarn, Arad:
Etnogr. Zbirnyk 25, 76 nr. 17 (Lebenswasser für den erblindeten
Vater; Hufeisen; Pferd und Jungfrau mit Hilfe eines dankbaren
Toten geholt; treulose Brüder). Kolberg, Pokucie 4, 130 nr. 24
(zwölf Brüder suchen zwölf Schwestern ; Hufeisen, Jungfrau, Enterich,
Pferdehaar ; Milchbad). Aus dem Gouv. Wolhj^nien : Rokossowska
nr. 9 (Mater, antropol. 2, 26: vermischt mit dem Grindkopfmärchen).
Nowosielski 1, 327 (Prinz und Pferd zugleich nach Genuß eines
Krautes geboren ; Feder gefunden ; Feuervogel, Prinzeß, Geige
holen, Berg fortschaffen; Milchbad). Aus dem Gouv. Podol:
Cubinskij 2, 301 nr. 78 (Pferd, Bing, Milchbad; der Herr gibt ihm
seine Tochter). Aus dem Gouv. Jekaterinoslaw: Manzura S. 45
nr. 27 (Trjomsyn bei drei Räubern erzogen, Kutscher; Meer-
jungfrau; Milchbad) und Dragomanov S. 286 Kr. 10. Drago-
manov S. 336 nr. 25 = v. Löwis nr. 13. Aus dem
Gouv. Charkow: Cubinskij 2, 290 nr. 76 (Dreisohn Boris;
Feuervogel, Jungfrau, Perlenkette; zur Sonne). Aus dem Gouv.
Lublin : Kolberg, Chelmskie 2, 95 nr. 9 (Patrosyn ist vom Vater
geboren, der von der Arznei seiner Frau kostete, von Krähen fort-
getragen und von Räubern erzogen; holt Vogel, Jungfrau, deren
Schätze mit Hilfe dankbarer Tiere ; als er in einer Nacht ein Kind
zeugen soll, bringt ihm ein Kranich ein solches). Aus dem Gouv.
Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14, 128 nr. 15 (Vogel, Jungfrau, zum
Monde, Schätze; Milchbad; Drachin hilft). Aus dem Gouv. Kiew:
Uubinskij 2, 337 nr. 86 (Tromsyn ist aufgezogen von Gott, Petrus
und Paulus, tritt in den Dienst eines Rothaarigen, dringt verwandelt
in Taube, Bär, Fisch, Mücke zur Schönen, um deren Ring und
Schwert dem Kaiser zu bringen, vom Sohne des Rothaarigen
getötet, von Gott belebt). — Weiß russisch: Glinski 1, 151
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 29
nr. 8 (Prinz und Diener, Schwan und Adler). Aus dem Gouv.
Wilno : Karlowicz S. 36 nr. 25 (Goldvogel, dessen drei Schwestern,
Stute; Ölbad). Karlowicz S. 119 nr. 82 (Patenkind des Königs,
treuloser Diener; Ameisen, Bienen, Fliegen helfen die Prinzeß
gewinnen). Aus dem Gouv. Mogilew : Romanov 3, 232 nr. 38 (Findling
und Fohlen wachsen zusammen auf; Vogel, Frage an Gott, Meer-
jungfrau, Schrein, Lebenswasser); 3, 239 nr. 39 (12 Brüder aus
Enteneiern ; Pferd aus der nachts erscheinenden Herde ; Kleider
tausch mit den Hexentöchtern; Wunderkrug der Hexe, Dudelsack,
Jungfrau, Schrein, Schlüssel holen; Milchbad); 3, 238 (Bez. Homel);
3, 247 nr. 41 (Trjomsyn von drei Brüdern gefunden); 6, 297 nr. 33
(Trjomsyn bei drei Einsiedlern, reißt dem Feuervogel drei Federn
aus, gewinnt Zaubergegenstände). Aus dem Gouv. Mogilew ebd. 6,
360 nr. 41 (zwölf Brüder aus Eiern; der jüngste fängt die Stute
mit zwölf Fohlen ; Hexentochter; holt Jungfrau, Hochzeitskleid, King,
Kerzen, Geige, Pferde; ermordet und vom Pferde belebt). Aus dem
Gouv. Minsk: Sejn S. 276 nr. 133 (100 Söhne aus Eiern, 100 Hexen-
töchter. Entführung der Meerjungfrau) ; S. 279 nr. 134 (Feuer-
vogel, Jungfrau, zum Mond, Kästchen aus dem Meere, Milchbad);
S. 50 nr. 23 (unvollständig). Aus dem Gouv. Grodno : Federowski
2, 328 nr. 387 (Pferd rät dem Helden, die Feder aufzuheben,
belebt den Zerstückelten); 2, 299 nr. 330 (ganz kurz).
Aus dem Gouv. Minsk: Sejn 2, 52 nr. 24 (Eisenhans; Diener
am Brunnen ; der Held und die Prinzeß in einem Faß auf
dem Meer ausgesetzt). Aus dem Gouv. Mogilew: Komanov 6, 395
nr. 45 (ähnlich). Aus dem Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 471
nr. 12 (ähnlich). — Litauisch: Dowojna-Sylwestrowicz 1, 152
(Blume und Haarlocke aufgenommen); 1, 438 (Feder, King, Huf-
eisen; Vogel, Jungfrau, Pferde; Milchbad); 2, 330 (drei Blumen);
2, 159 (nachts Pferde gefangen; Feder, Hufeisen); 1, 450 (der kluge
Knabe, wie Archiv f. slav. Phil. 27, 618; Blume aufgehoben;
Jungfrau und Kleidertruhe); 1, 407 (der Held von den Brüdern
geblendet, löst Aufgaben mit dankbaren Ameisen, Bienen, Raben).
— Lettisch: Weryho 1892 S. 206 nr. 28 (Feder; Vogel, Stute,
Jungfrau; Bad). — Estnisch: Kallas S. 115 nr. 1 (Eisenhans;
keine übernatürlichen Aufgaben). — Finnisch bei Salmelainen
1, 181 nr. 15 = Ermans Archiv f. Rußland 13, 478 = Grässe,
Märchenwelt S. 188 = Schreck S. 151 nr. 17 'Die Gaben des
Unholds' = Beauvois, Revue Orientale et americaine 4, 386 (Cosquin
30 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
2, 299). Aarnes Register nr. 531. — Wo t jakisch: Izvestija
archeol. Kazan. 3, 227 nr. 1 (Feder des Goldvogels, Pferdeherde,
Ring der Prinzessin, Pechbad). — Ungarisch: Kümo p. 197
'Le crapaud' (der Knecht, der für hundert Gulden ein Silbergefäß
gekauft und die darin befindliche Kröte großgezogen hat, holt mit
Hilfe dieser und eines dankbaren Hundes, Fisches und Taube die
schöne Helene für den König, deren Ring und Lebens- und Todes-
wasser). Sklarek 1, nr. 11 'Feenprinzessin Goldhaar' = Ungarische
Revue 1887, 563. Horger nr. 36 = Rona-Sklarek 2, nr. 10 'Der
zwölfte Sohn'. Vikar nr. 14 'Janko' (12 Brüder; Tausch der Kopf-
bedeckungen mit Hexentöchtern; goldenes Haar, Feder, Huf-
eisen usw. ; die nach dem Milchbade gewonnene Frau vom
Drachen geraubt). Berze-Nagy nr. 23 'Morgenröten- Janos' (dazu
Mädchen ohne Hände und Prophezeiung vom Neugeborenen).
Jones-Kropf nr. 48, besonders p. 269 (Goldhaar, Hufeisen). —
Zigeunerisch aus der Bukowina bei Miklosich nr. 9 'Die über-
wundene Amazone' — Groome p. 104 nr. 27 'Tropsyn' (wohl entstellt
aus russischem Tromsyn, Dreisohn). Groome p. 107 nr. 28. —
Armenisch aus dem Gouv. Jelisawetpol : Sbornik mat. kavkaz. 24,
2, 175 nr. 21 (der Held fängt den Fasan mit dem leuchtenden Stein
im Kopf, muß einen Leuchtturm bauen, listet drei Dews eine Tarnkappe,
Teppich und Tischtuch ab, löst mit dankbaren Tieren fünf Aufgaben
und holt die Jungfrau für den Kaiser) ; 13, 2, 323 (das kluge Meerfohlen
hilft dem Hirten die schöne Jungfrau gewinnen). — Ajsorisch ebd.
18, 3, 72 (der jüngste Prinz holt für seinen Vater die Erde, die unter
dem Vogelkäfig eines zwölfköpfigen Dews und einer Jungfrau liegt ;
ein dankbarer Fisch gesellt sich in Gestalt eines Jünglings zu ihm ;
Feder aufgehoben; Vogel und Jungfrau; Milchbad). — A warisch
ebd. 14, 2, 94 (die Zauberin hilft dem Prinzen, der an ihrer Brust
saugt, zu dem Meerpferde ; goldene Feder ; Feuervogel, Meerjungfrau
in Taubengestalt; Milchbad). Schiefner nr. 1 'Das Meerroß'; vgl.
R. Köhler 1, 537. — Türkisch: Künos, Stambul S. 189 nr. 25
'Der verzauberte Rosenzweig und die Weltschöne' = Ungarische
Revue 1889, 39. Künos S. 150. 313. — Gag ausisch: Radioff
10, 68 nr. 43. - Tatarisch: Radioff 4, 373 'Die Waise'. Zap.
Krasnojarsk. 2, 226 nr. 53 (Stute im Getreide gefangen, gibt ihr
jüngstes Fohlen ; Flügel des Vogels, Sonnenjungfrau ; Fragen auf-
getragen, Kamm aus dem Meere, Bad in Pech, Milch und Spiritus).
— Indisch aus Ceylon: Parker 2, 299 nr. 145 'The gern Yaksani'
126. Ferenand getrü im Ferenand ungetrü. 31
(der Besuch bei den verstorbenen Eltern des Königs ähnelt nr. 8
des Siddhi-kür). — Aus Kambodja: Leclere 1895 p. 99 'JSTeang
Chouk' (entstellt). — Von den Philippinen: Journal of american
folklore 21, 50 'Benito the faithful servant'. — Arabisch aus
Ägypten: Spitta-Bey nr. 4 'Le pecheur et son fils' (s. Cosquin 2,
365). Jahn, Mehri-Sprache 1, 81 'Der Sohn des Jägers'. D. H. Müller,
Die Mehri- und Soqotri-Sprache 2, 50 nr. 2 'Der Vogelsteller'. Oestrup
S. 73 nr. 5 'Le fils cadet du marchand'. Destaing 2, 24 nr. 50 'La
jument noire'. — Aus Nigeria: Tremearne, The tailed head-hunters
1912 p. 330 'Salifu and the wonderful mare' (AEF; der 10. 'Königs-
sohn löst mit Hilfe der redenden Stute, die ihm als einziges Erbteil
zugefallen ist, drei Aufgaben seiner neidischen Brüder; die von ihm
entführte Königstochter bringt durch Trugheilung den ältesten
Bruder um und heiratet den Helden). Entfernter steht Tremearne,
Hausa superstitions p. 441 nr. 96 'The boy who cheated Death' (ma-
gische Flucht vor Frau Tod, Wettreiten mit dem tückischen Prinzen).
— Bei den südafrikanischen Ba-Ronga: Junod p. 276 nr. 25
'Les aventures de Djiwaö'. — Bei den Menoruinee- -Indianern :
Skinner, Journal of am. folklore 26, 76 'The one who always
gets the keys'.
Das Alter des Märchens ergibt sich daraus, daß es bereits im
12. Jahrhundert in die Trist an sage aufgenommen war: auch hier
zieht der Held aus, um die blonde Isolde, von der Schwalben ein
Haar zum alten König Marke gebracht haben, aufzusuchen und ihm
als Gattin zuzuführen; der Ausgang ist freilich tragisch1). Im 14.
Jahrhundert erscheint es in der Gaungu-Hrölf s Saga (Fornaldar
Sögur NorÖrlanda 3, 235. 1830. Golther in den M. Bernays gewid-
meten Studien zur Literaturgeschichte 1893 S. 169) verbunden mit
dem Rollentausche zwischen dem Königssohn und dem treulosen
Diener (R. Köhler 2, 341. Rittershaus S. 219): der Jarl Thorgnyr
sitzt am Grabe seiner Frau, da fliegt eine Schwalbe über ihn hin
und läßt ein langes goldenes Haar zu seinen Füßen niedersinken. Er
gelobt, die Maid, von der das Haar stammt, zum Weibe zu gewinnen,
und verheißt dem norwegischen Recken Hrölfr seine Tochter, wenn er
ihm jene herbeischaffe. Hrölfr überwindet auch den Berserker König
Eireks und entführt die schöne IngigerÖr; aber der verräterische
x) Vgl. R. Köhler 2, 328 'Tristan und Isolde und das Märchen von
der goldhaarigen Jungfrau und von den Wassern des Todes und des
Lebens'. Golther, Die Sage von Tristan und Isolde 1887 S. 16.
32 126. Ferenand getrü un. Ferenand ungetrü.
Vilhjalmr schlägt ihm im Schlafe beide Füße ab, läßt die Königs-
tochter Schweigen über die Untat geloben und bringt dem Thorgnyr
die Braut. Ehe er jedoch den Lohn dafür empfängt, erscheint Hrölfr,
den ein Zwerg geheilt hat, entlarvt den Betrüger und wird nach
Thorgnyrs Tode IngigerÖrs Gatte. — In einer hebräischen Hand-
schrift der Bodleianischen Bibliothek, die vor 1200 in Frankreich
oder England entstanden ist, steht neben andern Beispielen zu den
zehn Geboten die Geschichte des Rabbi Jochanan (Levi, Revue des
etudes juives 33, 239. Gaster, Folk-lore 7, 232). Dieser kauft für
tausend Goldstücke ein schönes Kästchen, in dem sich ein kleiner
Skorpion befindet, und füttert diesen groß, bis er selber ganz ver-
armt. Da beginnt der Skorpion, der ein Sohn Adams ist. zu reden
und stellt seinen Pflegern einen Wunsch frei; der Rabbi begehrt
alle Sprachen, auch die der Tiere, zu verstehen, seine Frau verlangt
Reichtum. Wie der König von der Weisheit Jochanans vernimmt,
befiehlt er ihm, die Schöne mit den goldenen Haaren herbeizuholen,
von der ein Rabe ihm ein Haar hat auf die Schulter fallen lassen.
Auf seinem Wege teilt der Rabbi sein Brot mit einem Hunde und
einem Raben und kauft einen eben gefangenen Fisch frei. Die
Königin begehrt, ehe sie ihm folgt, Wasser aus dem Paradies und
der Hölle ; von jedem holt der dankbare Rabe ein Krüglein. Sodann
einen ins Meer gefallenen Ring; der Fisch bringt es bei dem Le-
viathan dahin, daß der, welcher ihn verschlungen, ihn wieder ans
Land speien muß ; indem aber kommt ein Wildschwein daher und
schlingt ihn abermals hinunter; nun setzt der Hund dem Schwein
nach und zerreißt es in -zwei Stücke, so daß Jochanan den Ring
wiederfindet. Daheim ist inzwischen des Rabbi Frau gestorben.
Weil er dem König die Braut gebracht hat, steht er in Gnaden bei
ihm und wird darum von Neidern ermordet. Aber die junge
Königin, die ihm sehr gewogen ist, begießt ihn mit dem Paradies-
wasser, wovon er alsbald das Leben wieder erhält. Im Vertrauen
auf solche Belebung zieht der König in den Kampf und wird samt
seinen Hofleuten erschlagen. Die Königin aber schüttet das Höllen-
wasser auf ihn, wovon er alsbald zu Asche verbrennt. Dann spricht
sie zum Volk: 'Seht, es war ein gottloser Mensch, sonst wäre er
wieder lebendig geworden', und heiratet den Jochanan. Im jüdisch-
deutschen Maasebuch 1602 cap. 143 (danach Helvicus, Jüdische
Historien 1617 1, 57 nr. 14; Philipp Wahrmund, Compendiöses
Historien-Buch 1722 cap. 16; Grünbaum, Jüdisch-deutsche Chresto-
126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 33
mathie 1882 S. 448; Tendlau, Fellmeiers Abende 1856 S. 5; Mit-
teilungen f. jüd. Volkskunde 2, 9) heißt der Rabbi Chanina, und das
von ihm gepflegte Tier ist ein Frosch.
Das von einem Vogel herbeigetragene oder auf dem Flusse
heranschwimmende goldige Haar, dessen Anblick den König im
jüdischen Märchen wie in der Tristansage mit Verlangen nach dessen
Eigentümerin erfüllt, ist ein uralter Zug, der schon im ägyptischen
Brüdermärchen vorkommt (Cosquin 1, LXV. 2, 302. R. Köhler 1, 571.
2, 345. Chauvin 6, 5. Reinisch, Somali-Sprache 1, 328. Jahn, Mehri-
Sprache 1, 44. D. H. Müller, Mehri-Sprache 1, 84. 2, 57. F. Hahn,
Kols nr. 18). In ähnlicher Weise bewirkt die goldene Feder1),
die der Held trotz der Abmahnung seines Pferdes vom Boden auf-
hebt, den Auftrag, den Goldvogel, von dem die Feder stammt, oder
die Schöne, deren Bild darauf zu sehen ist, für den König herzuholen.
Vgl. R. Köhler 1, 392. 411. 468. 542. Cosquin 2, 296. Chauvin 6, 5.
Bei Bechstein S. 102 'Die drei Federn' (wohl nach Kretzschmer-
Zuccalmaglio, Deutsche Volkslieder 2, 48 nr. 20) sieht der Held nach-
einander drei Federn auf dem Wege, hebt wider den Bat seines
Pferdes die dritte auf und wird König ; hätte er bis zur vierten ge-
wartet, so wäre er Kaiser geworden. — Von dem erzwungenen
Bollentausch des Helden mit dem untreuen Diener oder Gesellen
war schon S. 18. 31 die Bede. — Die List, durch die sich die Schöne
des alten Gemahls entledigt, ist eine Trugheilung ähnlich der von
Medea gegen den alten Pelias angewandten Vorspiegelung. Dazu
dient teils das Wasser des Lebens, mit dem sie den getöteten Jüng-
ling besprengt, das sie aber nicht beim .Leichnam des Königs an-
wendet, teils ein Bad in siedender Stutenmilch, die das Zauberroß
des Helden kühl bläst, oder ein gewaltiges Feuer, in dem der Held
unverletzt bleibt, weil er sich mit dem Schaume seines Pferdes be-
strichen hat. Vgl. R. Köhler 1, 468. Toldo, Studi di filologia romanza
9, 230. Dandin, Dacakumäracaritam, übers, von Haberlandt 1903
S. 85. Sinhäsana-dvätrincika (Indische Studien 15, 364). Ehrenreich
1906 S. 75.
Das Motiv D tritt auch in Basiles 'C o r v e 1 1 o' und den mit diesem
verwandten Märchen auf, die hinsichtlich der vom Helden zu erfüllenden
Aufgaben dem 'Meisterdiebe' (unten nr. 192) nahe stehn. Gleich
x) Mehrfach ist diese Feder missverstanden ; unsere westfälische
Fassung macht eine Schreibfeder daraus.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 3
34 126. Ferenand getrü an Ferenand ungetrü.
dem treuen Ferdinand wird bei Basile 3, nr. 7 der wackere Diener
Corvetto von seinen Neidern beim König verleumdet und von diesem
beauftragt, einem riesigen Unholde dessen Pferd, Zimmertapeten
(Bettdecke) und Palast zu rauben; die letzte Aufgabe lautete ur-
sprünglich wohl wie in den jüngeren Fassungen: den wilden Mann
selber herbeischaffen. Pitre, Fiabe sie. 1, 290 nr. 33 'Tridicinu' x)
= Crane p. 90 nr. 18 (Bettdecke, Pferd, Kissen). Pitre 1, 305 nr. 35
'na riggina'. De Nino 3, 167 nr. 30 'Tredecinu' (Bettdecke, Becher,
Pferd, Orco). Finamore, Archivio 3, 372 nr. 11 'La favoletta del
drago'. Nerucci nr. 41 'Orlandino' (Decke, Ring, Papagei, Pferd,
endlich Orco und Orchessa). Imbriani 1877 p. 340 'El Tredesin'.
Visentini nr. 4 'Tredicino' (Decken, Papagei, Wolf selber). Widter-
Wolf nr. 9 'Tredesin' (Jahrbuch f. roman. Lit. 7, 134; vgl. R.
Köhler 1, 305). Coronedi- Berti 1883 nr. 38 'La fola del gob
Tabagnein' (Decke, Puten, Schuhe, Geldbörse, Pferd). Bagli
1887 p. 57 'L'uomo selvaggio' (Decke, Stäbchen, Papagei,
Waldmensch). Zanazzo p. 192 'La fata Morgana' (Stäbchen,
sprechender Vogel, Decke, Fee). Im sicilischen Märchen von
Caruseddu (Gonzenbach nr. 83; vgl. Zs. f. Volksk. 6, 171 und
R. Köhler 1, 467. 546) ist noch die aus Perraults Petit poucet (oben
1, 124) bekannte Vertauschung der Kopfbedeckungen der Brüder
mit denen der Hexenkinder und die oben behandelte Gewinnung
der goldhaarigen Jungfrau verknüpft. Rätoromanisch: Bundi 2, 18
'Tredeschin' (Pferd, Bettdecke, Papagei des Türken). Maltesisch:
Ilg 1, 94 nr. 27 'Der Segen des Vaters' (Decke, Pferd, Wald-
mensch); 1, 120 nr. 35 'Der jüngste der dreizehn Brüder' (Decke,
Riesentochter, Teppich, Riese). — Französisch : Luzel, Contes bretons
p. 1 'Le geant Goulaffre' (Halbmond, Käfig, Riese). Luzel, C. de la
Basse-Bretagne 2, 231 'Le perroquet sorcier' (Riesentöchter getötet;
Kamel, Karfunkel, Papagei, Riese selber). Sebillot, C. de la Haute-
Bretagne 1, 131 nr. 19 'La Perle' (Riesentöchter ; Flucht mit Stiefeln,
Mond und Gerte). Carnoy, Picardie p. 241 'Les trois freres et le
geant' (Riesentöchter; Goldbart, Säbel, Riese von je einem Bruder
geraubt) = Sebillot, C. des provinces p. 66 nr. 9. — Portugiesisch:
Coelho, Contos pop. nr. 21 'Joäo Pequenito'. Coelho, Contos nac.
*) Über den Namen des Helden 'Dreizehn', der entweder der
Jüngste von dreizehn Brüdern ist oder soviel Kraft wie dreizehn Männer
hat, vgl. R. Köhler 1, 307. 383. 547 und Kretschmer, Neugriech. Märchen
S. 336. In serbokroatischen Märchen (unten S. 36) sind es 31 Brüder.
126. Ferenand getrii im Ferenand ungetrü. 35
nr. 16 '0 Joäsinho pequeno'. — Baskisch: Webster p. 16 'The
Tartaro and Petit Perroquet' und p. 77 'Malbrouk' = Vinson p. 80.
— Griechisch: Hahn nr. 3 'Von dem Schönen und vom Drakos'
(Pferd, Decke, Drache) und 2, 178 Var. 1—4. Pio p. 196 = Geld-
art p. 174 '(konstantes an the dragon'. Deltion 1, 699 '0 (DiOQEVxIvog
= Garnett 2, 83. Kretschmer nr. 48 'Hauptmann Dreizehn'. Revue
de l'hist. des relig. 10, 85 'Le capitaine Treize'. Paton, Folklore
12, 93 'Thirteen' (Bettdecke, Pferd, Unhold). — Rumänisch:
Schullerus nr. 52 'Chelteu' (Pferd, Hemd, Teufelin. Archiv f. sieben-
bürg. Landesk. 33, 502). — Deutsch: Kuhn-Schwartz S. 324 nr. 3
'Die drei Burschen und der Riese' = Harten-Henniger 1, 10 nr. 1
(auf des Hauptmanns Befehl holt der 1. Soldat des Riesen Spiegel,
der 2. das Laken, der 3. den Riesen selber). — Dänisch:
Grundtvigs hsl. Register nr. 52 'Troldeskattene'. Kamp,
Folkeminder p. 93 'Esben og Troldheksen' (Taube, Schwein,
Lampe, Teppich). Berntsen 2, 90 nr. 14 'Bitte-Bsek' (Widder, Schwein,
Glocke, Spiegel). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 130 nr. 18 'Herlig-
hederne i Hedekuset' (Pferd, Klingelstock, Lampe, Schwein); 1, 138
nr. 19 'Guldsvin, Guldsender og Mundharpe'. Kristensen, Danske
Folkeseventyr nr. 18 'Bjsergmandens herligheder' (Schwein, Pferd,
Lampe). Kristensen, Fra Bindestue 2, 149 nr. 26 'Guldbuk, Solviser
og Harpe'. Kristensen, Fra Mindebo S. 53 nr. 9 'Kikkert, Taske og
Hest'. Skattegraveren 6, 107 'Lille-Bsek' (Widder, Lampe, Klingel-
stock). — Schwedisch : Hylten-Cavallius nr. 3 a — c 'Der Knabe, der
die kostbaren Schätze des Riesen stahl' (Schwert, Hühner, Lampe,
Harfe. Lampe, Bock, Pelz. Pferd, Lampe, Jungfrau). Bondeson,
Sv. Fs. nr. 36 'Pack' (elf Töchter des Bergriesen, Schwein, Stock,
Kanne, Decke, Glocke). * Bondeson, Historiegubbar p. 288. * Nord-
länder, Sagor p. 40 nr. 16. Äberg nr. 70. 71. 284 'Pinni'. Allardt
nr. 20 'Helli' ; 23 'Jäpus' ; 53 'Lüla Hurti'. Hackmans Register
nr. 328. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 1 'Von Aschenbrödel,
welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldene Harfe
des Trollen stahl' = Dasent 1859 p. 247. Olsen p. 197 'Tosten
i trollbotnen'. Skar 6, 8 'Harpa som let yver sjau kongerikje'.
— Isländisch: Arnason 2, 360 = Poestion S. 171 = Ritters-
haus S. 31 nr. 7 'Snati-Snati' (Goldgewand, Brettspiel, Lampe).
Rittershaus S. 88 nr. 23 a — d 'Die drei Kostbarkeiten des
Königs' (den geraubten Lichtstein, Ring, Gewand dem Könige
wiederbringen). — Färöisch: Jakobsen p. 408 nr. 42 'Snati' und
3*
36 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrii.
p. 288 nr. 14e '0skudölgur\ — Englisch : 'Jack and the beanstalk' (oben
2, 511); doch stiehlt der Held aus eignem Antriebe des Riesen Gold,
Henne und Harfe, nicht im Auftrage des Königs. — Schottisch : Folk-
lore Journal 3, 270. — Irisch: Folk-lore 4, 184 'Whittlegaire' (Bett-
decke, Stiefel, Schwert, Hengst). — Bulgarisch: Sbornik min. 9, 144
= Strauß S. 160 (Silberäpfel der Juda, Juda). — Serbokroatisch:
Vojinovic nr. 9 = Jagic, Archiv 1, 282 nr. 9 'Die neidischen Brüder';
vgl. E. Köhler 1, 414. Bos. Vila 14, 218. Strohal 2, 258 nr. 13
'Einunddreißig' (Pferde, dann Räuberhauptmann). — Großrussisch :
Afanasjev3 1, 302 nr. 107. — Kleinrussisch: Cubinskij 1, 36 nr. 8
(Backtrog Schwert, Laute). Aus Südungarn : Etnograf. Zbirnyk 29,
209 nr. 30 (31 Söhne suchen 31 Schwestern; Laib Brod und Flasche
Wein, die ein Regiment sättigen ; Goldvogel, Jungfrau, Pferde,
Milchbad). Kolberg, Pokucie 4, 141 nr. 25 (zwölf Brüder; goldene
Henne, Pferd, Riese). — Weißrussisch : Glihski 2, 5 nr. 1 = Chodzko
p. 249 (Laute, Schwert, Hexentochter). — Polnisch : Lud 8, 53 nr. 14
(Geige, Schwert). — Cechisch: Radostov 8, 3 = 2. Ausg. 2, 321
nr. 62 = Waldau S. 368 'Die falschen Brüder' (Vogel, Hund, Faß).
Ed. Peck nr. 13 'Trojsyn' (Feder, Messer, Tintenfaß; Seejungfrau,
Stute, Milchbad). — Slovakisch : Sbornik muz. slov. spol. 18, 3 nr. 43
(Jungfrau, Schloß in Apfel verwandelt, Kopf band). — Litauisch:
Leskien-Brugman S. 359 nr. 5 'Vom Nachschrapselcken' (Laute,
Kätzchen, Stiefel). — Estnisch : Kreutzwald 1, 102 nr. 8 'Schlau-
kopf (Ring, Schwert, Gerte; goldene Gänse, Gefässe) = Kirby 1,
187. — Finnisch: Salmelainen 4, 126 nr. 20. 21. Chudjakov, Mater.
S. 121 nr. 1. 2. Aarnes Register nr. 328. — Awarisch: Scbiefner
S. 25 nr. 3 'Die Kart und Tschilbik'; vgl. R. Köhler 1, 546
(Bettdecke, Kessel, Ziege, Hexe). — Mongolisch: Bennigsen S. 72
(Meisterdieb holt Pferd, Goldvogel mit Hilfe des grauen Wolfes,
von den neidischen Brüdern ermordet, vom Wolfe belebt). —
Arabisch ausBlida: Revue des trad. pop. 29, 129 'Bousetta' (Henne,
Teppich, Fee). — Kabylisch : Riviere p. 225 'Amor Ennefc' (Teppich,
Mühle, Schlüssel, Sieb, Hexe) ; vgl. Cosquin, Revue des trad. pop. 25,
66. 78. Berberisch: Destaing 2, 103 nr. 65 'Mqidech et l'ogresse'.
Das Märchen erscheint auch auf einen weiblichen Meister-
dieb übertragen im Dänischen bei Grundtvig, Minder 1, 194
'Ederland Honsepige' = Stroebe 1, 30 (Leuchter, Pferd, Schwein),
Skattegraveren 9, 103 'Bjaergmandens herligheder' und Kristensen,
Aeventyr 4, 246 nr. 44 'Bitte- Virp'. Englisch: Folk-lore Journal 2,
127. Der Eisenofen. 37
68 = Jacobs 1, 125 nr. 22 'Molly Whuppie' (des Eiesen Schwert,
Börse und Ring); vgl. Clouston 2, 489, Macculloch p. 354.
Schottisch: Campbell 2 1, 259 nr. 17 'Maol a Chliobain'; vgl. E.
Köhler 1, 195 (Kamm, Schwert, Bock; Bettdecke, Hahn usw.).
Irisch: Kennedy, Fireside stories p. 3 'Hairy Rouchy' (Bettdecke,
Schwert, Kobold). Curtin, Hero tales of Ire! and 1894 (?) =
Jacobs, Celtic fairy tales 2, 135 nr. 39 'Smallhead and the king's
son'. Katalanisch: Maspons 2, 37 'Espigneta de mill'. Südslawisch:
Krauß, Tausend Sagen 1, 54 nr. 15 'Zofika' (goldene Wiege, Lamm,
Tisch). Slowakisch: Sbornik mus. slov. spol. 17, 20 nr. 34 (Apfel,
Birne, Goldbörse der Hexe; Hexentochter in den Ofen). Magyarisch:
Berze Nagy nr. 11 = Eöna-Sklarek 2, 93 nr. 9 'Königs-
tochter Enzella' (goldener Kohl, Musikwerk, Tauben; Aschen-
puttel). Bei den Ojibwa-Indianern in Wisconsin im Journal of
american folk-lore 15, 33 'The bear maiden' (die jüngste Schwester
holt die von der Hexe geraubte Sonne, den Mond und das Pferd).
— Im italienischen Märchen 'Lu serpende' bei Pinamore 1, 1, 25
muß die als Mann verkleidete Jungfrau (oben 2, 85. Coelho nr. 19)
dem König eine Schlange fangen und dann zum Sprechen bringen;
darauf enthüllt diese die Buhlerei der Königin. Wieder anders bei
Coronedi-Berti 1883 nr. 11 kLa fola dla Filugrana', wo Vittoria das
Pferd, den Vogel und die Schmucknadel der Pilugrana holt. Vgl.
dazu das oben 2, 85 angeführte Märchen 'Belle-belle' der Aulnoy.
127. Der Eisenofen. lisses,»«
1815 nr. 41 = 1819 nr. 127. Aus Zwehrn am 7. Juli 1813.
— Das Märchen gehört zu dem oben 2, 245 nr. 88 behandelten
Kreise des erlösten Tierbräutigams, und zwar zu der dritten
Gruppe ; es enthält die Motive A3- 4 B C D E.
Eine andere abweichende Erzählung aus Kassel, von Gretchen
Wild 1807 mitgeteilt, stand 1812 in der ersten Ausgabe als nr. 59
'Prinz Schwan' :
Es war ein Mädchen mitten in einem großen Wald (mutterselig
allein), da kam ein Schwan auf es zugegangen, der hatte einen Knäuel
Garn und sprach zu ihm: 'Ich bin kein Schwan, sondern ein verzauberter
38 127. Der Eisenofen.
Prinz; aber du kannst mich erlösen, wenn du den Knäuel Garn ab-
wickelst, an dem ick fortfliege. Dock küte dick, daß du den Faden nicht
entzwei brichst, sonst komm ick nickt bis in mein Königreick und werde
nickt erlöst. "Wickelst du aber den Knäuel ganz ab, dann bist du meine
Braut.' Das Mädcken nakm den Knäuel, und der Sckwan stieg auf in
die Luft, und das Garn wickelte sick leicktlick ab. Es wickelte und
wickelte den ganzen Tag, und am Abend war sckon das Ende des
Fadens zu seken, da blieb er unglücklick erweise an einem Dornstrauck
kängen und brack ab. Das Mädcken war sekr betrübt und weinte; es
■wollt' auck Nackt werden, und der Wind ging so laut in dem Wald,
daß ikm angst ward und es anfing zu laufen, was es nur konnte. Und
als es lang gelaufen war, sak es ein kleines Lickt, und als es dabei kam,
war es ein Haus, und es klopfte an die Türe 1). Ein altes Müttercken kam
keraus, das verwunderte sick, wie es sak, daß ein Mädcken vor der Tür
■war: 'Ei mein Kind, wo kommst du so spät ker?' — 'Gebt mir dock keut
nacht eine Herberg', sprack es, 'ick kabe mick in dem Wald verirrt ;
auck ein wenig Brot zu essen.' — 'Das ist ein sckweres Ding,' sagte die
Alte, 'ick gäbe dirs gern, aber mein Mann ist ein Mensckenf resser , wenn
der dick findet, so frißt er dick auf, da ist keine Gnade; dock wenn du
draußen bleibst, fressen dick die wilden Tiere. Ick will seken, ob ick
dir durchkeifen kann'. Da ließ sie es kerein und gab ikm ein wenig
Brot zu essen und versteckte es dann unter das Bett. Der Menscken-
fresser aber kam allemal vor Mitternackt, wenn die Sonne ganz unter-
gegangen ist, nack Haus und ging morgens, eke sie aufsteigt, wieder
fort. Es dauerte nickt lang, so kam er kerein: 'Ich wittre, ick wittre
Mensckenfleisck' 2), sprack er und suckte in der Stube, endlick griff er
auck unter das Bett und zog das Mädcken kervor : 'Das ist nock ein
guter Bissen.' Die Frau aber bat und bat, bis er versprack, die Nacht
über es noch leben zu lassen und morgen erst zum Frühstück zu essen.
Vor Sonnenaufgang aber weckte die Alte das Mädcken: 'Eil dick, daß
du fortkommst, ek mein Mann auf wackt ! Da schenk ick dir ein goldnes
Spinnrädchen, das halt in Ehren! 'Ich heiße Sonne.'8) Das Mädchen
ging fort und kam abends an ein Haus, da war alles wie am vorigen
Abend, und die zweite Alte gab ihm beim Abschied eine goldene Spindel
und sprach: 'Ich heiße Mond.' Und am dritten Abend kam es an ein
drittes Haus, da sckenkte ikm die Alte einen goldenen Haspel und sagte :
'Ick keiße Stern; und der Prinz Sckwan, ob gleick der Faden nock
x) Soksl.für: darauf eilte es zu und fand ein Haus und klopfte an.
2) Vgl. oben 1, 289. Ebenso ruft der Sonnensokn bei Luzel,
Contes 1, 275.
3) Über Peisen zu Sonne, Mond und Sternen vgl. oben 1, 233.
2, 272.
127. Der Eisenofen. 39
nicht ganz abgewickelt war, war doch schon so weit, daß er in sein Beieh
gelangen konnte ; dort ist er König und hat sich verheiratet und wohnt
in großer Herrlichkeit auf dem Glasberg. Du wirst heut abend hin-
kommen, aber ein Drache und ein Löwe liegen davor und bewahren ihn.
Darum nimm das Brot und den Speck und besänftige sie damit!' — So
geschähe es auch. Das Mädchen warf den Ungeheuern das Brot und
den Speck in den Bachen, da ließen sie es durch, und es kam bis an das
Schloßtor, aber in das Schloß selber ließen es die "Wächter nicht hinein.
Da setzte es sich vor das Tor und fing an auf seinem goldenen Bädchen
zu spinnen; die Königin sah von oben zu, ihr gefiel das schöne Bädchen,
und sie kam herunter und wollte es haben. Das Mädchen sagte, sie solle
es haben, wenn sie erlauben wollte, dass es eine Nacht neben dem Schlaf-
zimmer des Königs zubrächte. Die Königin sagte es zu, und das Mädchen
ward hinaufgeführt; was aber in der Stube gesprochen wurde, das konnte
man alles in dem Schlafzimmer hören. Wie es nun Nacht war und der
König im Bett lag, sang es :
'Denkt der König Schwan
Noch an seine versprochene Braut Julian'?
Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,
Durch Löwen und durch Drachen.
Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?'
Aber der König hörte es nicht; denn die listige Königin hatte
sich vor dem Mädchen gefürchtet und ihm einen Schlaftrunk gegeben,
da schlief er so fest und hätte das Mädchen nicht gehört, und wenn es
vor ihm gestanden wäre. Am Morgen war alles verloren, und es mußte
wieder vor das Tor; da setzte es sich hin und spann mit seiner Spindel,
die gefiel der Königin auch, und es gab sie unter derselben Bedingung
weg, daß es eine Nacht neben des Königs Schlafzimmer zubringen dürfe.
Da sang es wieder:
'Denkt der König Schwan
Nicht an seine versprochene Braut Julian'?
Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,
Durch Löwen und durch Drachen.
Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?'
Der König aber schlief wieder fest von einem Schlaftrunk, und
das Mädchen hatte auch seine Spindel verloren. Da setzte es sich am
dritten Morgen mit seinem goldenen Haspel vor das Tor und haspelte.
Die Königin wollte auch die Kostbarkeit haben und versprach dem
Mädchen, es sollte dafür noch eine Nacht neben dem Schlafzimmer bleiben.
Es hatte aber den Betrug gemerkt und bat den Diener des Königs, er
40 127. Der Eisenofen.
möchte diesem heut abend was anderes zu trinken geben. Da sang es
noch einmal:
'Denkt der König Schwan
Nicht an seine versprocbene Braut Julian'?
Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern,
Durch Löwen und durch Drachen.
Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?'
Da erwachte der König, wie er ihre Stimme hörte, erkannte sie
und fragte die Königin: 'Wenn man einen Schlüssel verloren hat und
ihn wieder findet, behält man dann den alten oder den neugemachten?'
Die Königin sagte: 'Ganz gewiß den alten.'1) — 'Nun, dann kannst du
meine Gemahlin nicht länger sein; ich habe meine erste Braut wieder
gefunden'. Da mußte am andern Morgen die Königin zu ihrem Vater
wieder heimgehen, und der König vermählte sich mit seiner rechten
Braut, und die lebten so lang vergnügt, bis sie gestorben sind.
Diese Erzählung enthält die Motive A3C D E des Tierbräutigams ;
sie hat also mit der Zwehrner Fassung und dem Löweneckerchen (nr. 88)
die Wanderung zu Sonne, Mond und Stern und die Erkaufung der
drei Nächte von der zweiten Frau gemeinsam. Dagegen fehlen diese
Teile in einer Fassung aus den Maingegenden, die Jeanette
Hassenpflug am 29. Sept. 1812 zu Kassel erzählte, und die 1812 als
nr. 66 'Hurleburlebutz' gedruckt wurde (A2,4B); sie gehört der
ersten Gruppe des Tierbräutigams (oben 2, 234) an :
Ein König verirrte sich auf der Jagd, da trat ein kleines weißes
Männchen vor ihn: 'Herr König, wenn Ihr mir Eure jüngste Tochter
geben wollt, so will ich Euch wieder aus dem Wald führen.' Der König
sagte es in seiner Angst zu; das Männchen brachte ihn auf den Weg,
nahm dann Abschied und rief noch nach : 'In acht Tagen komm ich und
hol meine Braut'. Daheim aber war der König traurig über sein Ver-
sprechen, denn die jüngste Tochter hatte er am liebsten; das sahen ihm
die Prinzessinnen an und wollten wissen, was ihm Kummer mache. Da
mußt ers endlich gestehen, er habe die jüngste von ihnen einem kleinen
weißen Waldmännchen versprochen, und das komme in acht Tagen und
hole sie ab. Sie sprachen aber, er solle gutes Muts sein, das Männchen
wollten sie schon anführen. Darnach als der Tag kam, kleideten sie eine
Kuhhirtstochter mit ihren Kleidern, setzten sie in ihre Stube und be-
fahlen ihr: 'Wenn jemand kommt und will dich abholen, so gehst du
mit.' Sie selber aber gingen alle aus dem Hause fort. Kaum waren sie
a) Über das Wiederfinden des alten Schlüssels vgl. oben 2,
59. 246.
127. Der Eisenofen. 41
weg, so kam ein Fuchs in das Schloß und sagte zu dem Mädchen : 'Setz
dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!'1)
Das Mädchen setzte sich dem Fuchs auf den Schwanz, und so trug er
es hinaus in den Wald ; wie sie aber auf einen schönen grünen Platz
kamen, wo die Sonne recht hell und warm schien, sagte der Fuchs:
'Steig ab und laus2) mich!' Das Mädchen gehorchte, der Fuchs legte
seinen Kopf auf ihren Schoß und ward gelaust; bei der Arbeit sprach das
Mädchen: 'Gestern um die Zeit wars doch schöner in dem Wald.' —
'Wie bist du in den Wald gekommen ?' fragte der Fuchs. — 'Ei, da hab
ich mit meinem Vater die Kühe gehütet.' — 'Also bist du nicht die
Prinzessin. Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, zurück
in das Schloß!' Da trug sie der Fuchs zurück und sagte zum König:
'Du hast mich betrogen, das ist eine Kuhhirtstochter. In acht Tagen
komm ich wieder und hol mir deine.' — Am achten Tage aber kleideten
die Prinzessinnen eine Gänsehirtstochter prächtig an, setzten sie hin und
gingen fort. Da kam der Fuchs wieder und sprach : 'Setz dich auf
meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!' Wie sie
in dem Wald auf den sonnigen Platz kamen, sagte der Fuchs wieder:
'Steig ab und laus mich!' Und als das Mädchen den Fuchs lauste, seufzte
es und sprach; 'Wo mögen jetzt meine Gänse sein!' — 'Was weißt du
von Gänsen?' — 'Ei, die hab ich alle Tage mit meinem Vater auf die
Wiesen getrieben.' — 'Also bist du nicht des Königs Tochter. Setz dich
auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, zurück in das Schloß !' Der
Fuchs trug sie zurück und sagte zum König: 'Du hast mich wieder be-
trogen, das ist eine Gänsehirtstochter. In acht Tagen komm ich noch
einmal, und wenn du mir dann deine Tochter nicht gibst, so soll dirs
übel gehen.' — Dem König ward angst, und wie der Fuchs wiederkam,
gab er ihm die Prinzessin. 'Setz dich auf meinen rauhen Schwanz,
Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!' Da mußte sie auf dem Schwanz
des Fuchses hinausreiten, und als sie auf den Platz im Sonnenschein
kamen, spracherauch zu ihr: 'Steig ab und laus mich!' Als er ihr aber
seinen Kopf auf den Schoß legte, fing die Prinzessin an zu weinen und
sagte: 'Ich bin eines Königs Tochter und soll einen Fuchs lausen. Saß
ich jetzt daheim in meiner Kammer, so könnt ich meine Blumen im
Garten sehen!' Da hörte der Fuchs, daß er die rechte Braut hatte, ver-
wandelte sich in das kleine weiße Männchen, und das war nun ihr
Mann; bei dem mußt sie in einer kleinen Hütte wohnen, ihm kochen und
nähen, und es dauerte eine gute Zeit. Das Männchen aber tat ihr alles
x) Vgl. Schambach-Müller S. 265 nr. 5 (Sett deck up miuen rüen
Swanz, hurlehurlehen). Bisweilen fällt die Jungfrau vom Bücken des
Wolfes herab: Bunker nr. 84; Arnim S. 99 nr. 15; Müllenhof f S. 385 nr. 3.
2) Zum Lausen des Kopfes vgl. oben 1, 207.
42 127. Der Eisenofen.
zu Liebe. — Einmal sagte das Männchen zu ihr: 'Ich muss fortgehen;
aber es werden bald drei weiße Tauben geflogen kommen, die werden
ganz niedrig über die Erde hinstreifen. Davon fang die mittelste, und
wenn du sie hast, schneid ihr gleich den Kopf ab ; hüt dich aber, daß du
keine andere ergreifst, sonst entsteht ein groß Unglück daraus.' Das
Männchen ging fort; es dauerte auch nicht lang, so kamen drei weiße
Tauben daher geflogen. Die Prinzessin gab acht, ergriff die mittelste,
nahm ein Messer und schnitt ihr den Kopf ab.1) Kaum aber lag der auf
dem Boden, so stand ein schöner junger Prinz vor ihr und sprach:
'Mich hat eine Fee verzaubert, sieben Jahr sollt ich meine Gestalt ver-
lieren und sodann als eine Taube an meiner Gemahlin vorbeifliegen
zwischen zwei andern, da müsse sie mich fangen und mir den Kopf ab-
hauen, und fange sie mich nicht oder eine unrechte und ich sei einmal
vorbeigeflogen, so sei alles vorbei und keine Erlösung mehr möglich.
Darum hab ich dich gebeten, ja recht acht zu haben; denn ich bin das
graue Männlein und du meine Gemahlin.' Da war die Prinzessin ver-
gnügt, und sie gingen zusammen zu ihrem Vater, und als der starb,
erbten sie das Peich.
Der Versuch der Königstöchter, dem unwillkommenen Freier
eine Magd als Braut unterzuschieben, die sich dann zu
leicht an ihres Vaters unkönigliches Handwerk erinnert, begegnet
auch in den Braunschweiger Feenmärchen 1801 S. 322 'Das singende
klingende Bäumchen'; bei Zingerle l2, 150 'Die singende Rose';
Bechstein 1874 S. 69 'Das Nußzweiglein'; Pröhle, M. f. die
Jugend nr. 4 'Das goldene Salzfaß' ; Zs. für Volkskunde 3, 189 'Der
Wolf mit dem Wockenbriefe' ; Colshorn nr. 20 'Vom klinkesklanken
Lowesblatt' ; Schambach-Müller S. 265 'Das klingende und singende
Blatt'; Müllenhoff S. 384 'Vom goldenen Klingelklangel' ; Lemke
2, 117 nr. 19 'Der weiße Wolf und die Prinzessin'; Dänisch:
Grundtvig, Minder 2, 35 'Hvidebjorn'; Berntsen 1, 170 'Kong Hvid-
ulv'; Kristensen, D. Folkesev. nr. 53 'Hvibekongens son'. Norwegisch:
Skar 6, 116 'Kvitebjörn kong Valemon'. Braset, Hollraöventyra
S. 165. Isländisch : Rittershaus S. 30 'Der braune Hund'.
Weißrussisch: Federowski 1, 178 nr. 599. Litauisch: Leskien-
Brugman S. 438 nr. 23 'Vom weißen Wolf. Magyarisch: Erdelyi
3, nr. 3 = Jones-Kropf p. 188 'The king and the devil'. — In
zwei dänischen Märchen (Kamp, Folkeminder S. 294 'Prins Hvide-
björn'; ähnlich Kristensen, Danske Folkecev. nr. 51 'Lindormen') legt
der Bär oder Drache der Braut unterwegs die uns aus der Sage vom
*) Entzauberung durch Enthauptung: oben 1, 19. 515. 2, 37. 234.
127. Der Eisenofen. 43
eingemauerten Kinde bekannte Rätselfrage1) vor: Was ist das
Weichste, das Süßeste, das Härteste? Und nur die Königstochter
weiß die rechten Antworten : Der Mutterschoß, die Mutterbrust, des
Vaters Herz. Daraus scheinen die Fragen einer norwegischen Fas-
sung (Bergh, Nye folke-eventyr S. 1 'Kong Hvidevallbjörn') ab-
geschwächt: Hast du schon weicher gesessen, hellere Steine gesehen,
süßeren Trank getrunken? Ähnlich bei Asbjörnsen nr. 90 'Hvide-
björn Kong Valemon' = Dasent 1874 p. 353 und Allardt nr. 16
'Om tomten och prinsässan'. Schon in der Völsungasaga c. 12 (deutsch
von Edzardi 1897 S. 62) unterscheidet Alf die Königstochter Hiordis
von der verkleideten Magd, indem er beide fragt, wie sie den Tages-
anbruch merken, wenn sie die Gestirne nicht sehen.2) Auch in einem
schottischen Märchen 'The battle of the birds' (Campbell l2, 28 und
54 nr. 2. R. Köhler 1, 162) und einer irischen Variante 'The giant
and his royal servants' (Kennedy, Fireside stories p. 56) entdeckt
ein Riese, daß ihm statt des verheißenen Königssohnes die Söhne
eines Kochs und eines Mundschenken übergeben sind, indem er
jeden fragt, was sein Vater mit dieser Rute tun würde.
Den dunklen und feurigen Ofen, worein der Königssohn ver-
wünscht ist, wollte W. Grimm auf die Hölle beziehen, die Unterwelt,
wo der finstre Tod haust, aber auch die Schmiedeesse steht. Auch
das Wort Eisenofen schien ihm altertümlich und nicht sowohl auf
einen eisernen zu deuten als auf das ahd. eitofan, mhd. eitoven
(Feuerofen, von eit = Esse, Feuer).
Zum Glasberg vgl. oben 2, 273; zu dem Schreiten über
schneidende Schwerter die 'Mesterbitt' in der holsteinischen
Fassung bei Wisser 3, 31 und die Brücke von Rasiermessern im
ungarischen Märchen bei Mailäth 2 2, 189.
x) R. Köhler, Aufsätze 1894 S. 37. Wossidlo, Mecklenburgische
Volksüberlieferungen 1, 222 nr. 974 'Was ist süßer denn süß?'
Ferner: Walliser Sagen 1907 1, 238 nr. 221. Jegerlehner, Was die Sennen
erzählen S. 144. Schönwerth 3, 67. Busch, Ut 61er Welt S. 16. Voges,
Sagen aus Braunschweig 1895 nr. 14. Zs. d. histor. V. f. Niedersachsen
1878, 93. Mitt. f. schles. Volkskunde 11, 96. Finnisch: Salmelainen 1,
166 = Schiefner, Bulletin de l'academie de St. Petersbourg 12, 376 (1855)
= Melanges russes 2, 608. — Anders oben 2, 357 und 3, 16.
2) Andere Fragen richtet in 'Jungfrau Maleen' (nr. 198) der Königs-
sohn an die falsche Braut, und anders weist Elphin im Mabinogi von
Taliesin (Lady Guest, Mabinogion 1877 p. 478) den abgehackten Finger,
der für die Untreue seines Weibes zeugen soll, als den einer Magd zuiück.
1856 S. 212.
44 128. Die faule Spinnerin.
128. Die faule Spinnerin.
1815 nr. 42 = 1819 nr. 128. Aus Zwehrn am 29. Mai 1813.
— Der Baum im Wald ist ein Spindelbaum oder Spillbaum, lat.
fusarius (Steinmeyer, Ahd. Glossen 3, 37. Grimm, DWb. 10, 1, 2500),
frz. fusain, euonymus europaeus L., also ein Glück oder Unglück
bedeutender Wünschelbaum, isländisch hespu-tre und hespulägt-tre.
Von redenden und wahrsagenden Bäumen handelt J. Grimm,
Myth. 3 S. 618; Waldis, Esopus 1, nr. 39, 1; Liebrecht zu Dunlop
S. 504 und Gervasius von Tilbury S. 63. 163; Zachariae, Zs. f.
Volkskunde 16, 129. Zu der Täuschung durch die aus dem
Baume redende Frau vgl. unten nr. 139.
Aus Holstein: Wisser, Niedersachsen 16, 21 'De Haspelholt
halt' (schall ophängt wardn) = Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 77. —
Schwedisch: Aberg nr. 328 'Gummans väffstol' (Hugger tu riva
riva, so ska tu int länger fä liva liva) und nr. 329. Hackmans
Register nr. 1405. — Albanesisch: Mitkos nr. 7 = G. Meyer
nr. 6 'Die listige Faule' (Archiv f. Litgesch. 12, 110; R. Köhler 1, 388.
Garnwinde, Garnwinde, wer abschneidet die Garnwinde, der stirbt
samt Weib und Kinde). — Rumänisch: Schullerus nr. 120 'Der
sind die Krähen nicht übers Dach geflogen' (Archiv f. siebenbg.
Ldesk. 33, 642. Siebenbürgisch-sächsisches Tageblatt 1896 nr. 685.
Wer einen Haspel macht, dem stirbt seine Frau). — Serbo-
kroatisch: Srpski dialek. Zbornik 4, 32 nr. 2. Hadzi-Vasiljevic 1,
342 nr. 5. — Bulgarisch: Sbornik min. 18, 1, 520 nr. 3. —
Polnisch: Lud 13, 339 nr. 2. — Slowakisch: Sbornik mus. slov.
spol. 16, 17 nr. 13. — Lettisch: Treuland S. 290 nr. 147. M.Böhm
S. 16 nr. 16. — ■ Finnisch: Aarnes Register nr. 1405.
Auf andre Weise wird in den drei Spinnerinnen (nr. 14) der
Ehemann zu der Einsicht gebracht, daß das Spinnen seiner Frau
Schaden zufüge. In dem mhd. Gedicht von der Minne eines
Albernen (Altdeutsche Wälder 3, 160 = v. d. Hagen, Gesamt-
abenteuer 2, 141 nr. 29) belehrt die junge Frau aus dem hohlen
Baum den Mann über seine Pflichten; vgl. Contes licencieux de
l'Alsace 1906 nr. 55; Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 243. 2. 187.
189. 195. 432. — Ebenso rät in einem Predigtmärlein (Etienne
de Bourbon, Anecdotes 1877 nr. 237 ; Johannes Junior, Scala celi 1480
Bl. 110a; Vincentius, Speculum morale 3, 3, 1; Gritsch, Quadragesi-
129. Die vier kunstreichen Brüder. 45
male nr. 48 L; Herolt, Promptuarium exemplorum 1481 lit. M, 18;
Mensa philosophica 1508 Bl. 39a; J. Grimm, Myth. 3 S. 1153;
Schumann, Nachtbüchlein 1893 S. 378. 414) eine Wahrsagerin einer
über ihren harten Ehemann klagenden Frau, frühmorgens in ihren
Krautgarten zu gehen und dort die Alrune (aurone, verona) anzurufen:
Alrun, ich ruf dich an,
Das du minen herten man
Bringest darzu,
Das er mir kein leid mer thu.
In der dritten Nacht hat sich die Alte im Hanf verborgen und
antwortet :
Brau, wiltu ein guten man han,
So soltu schnei heim gan;
Schwig, lid und myd:
Also vertribstu dem man den kyb.
Danach Pauli, Schimpf und Ernst 1522 c. 135. H. Sachs,
Die Frau mit dem Speck (1537. Fabeln ed. Goetze 3, 177 nr. 77)
und Fastnachtspiele 6, 1 nr. 63 = Folio 4, 3, 31. Val. Schumann,
Nachtbüchlein 1559 2, nr. 28. J. Rhodius, Speculum mulierum 1604
S. 58. Mahrold 1608 nr. 9 (Frey 1896 S. 268). Sommer,
Emplastrum Cornelianum 1609 nr. 82 (Euphorion 15, 17). Casalicchio,
L'utile col dolce 1, nr. 70. Conlin, Der christliche Weltweise 2, 311
(1711). Langbein, Die Wahrsagerin (Sämtl. Schriften 6, 225).
Aurbacher, Laienbürger 1898 S. 66. Vgl. Hrincenko, Iz ust naroda
S. 211 nr. 236. 237.
129. Die vier kunstreichen Brüder. issö s. 212.
1819 nr. 129: aus dem Päd erb örni sehen. Eingesetzt für
1815 nr. 43 'Der Löwe und der Frosch' (unten nr. 129 a).
Das Märchen berührt sich mit nr. 71 'Sechse kommen durch
die ganze Welt', wo in einigen Fassungen gleichfalls Menschen mit
wunderbaren Eigenschaften eine Jungfrau aus Gefangenschaft
befreien, und in seinem ersten Teile mit den drei kunstfertigen
Brüdern (nr. 124), die freilich keine solche gemeinsame Tat unter-
nehmen. Es läßt sich in Deutschland bis ins 17., in Italien bis ins
46 129. Die vier kunstreichen Brüder.
14. Jahrhundert zurückverfolgen; seine Herkunft aus Indien ist
durch Benfey (Kl. Schriften 3, 108) und F. v. d. Leyen (Archiv f.
neuere Sprachen 116, 13) dargelegt worden.
In der Panciatichischen Handschrift des alten italienischen
Novellino (Papanti, Catalogo dei novellieri italiani in prosa
1871 1, XLIV nr. 23 = Le Novelle antiche ed. Biagi 1880 p. 201
nr. 156; vgl. A. d'Ancona, Studi di critica letteraria 1880 p. 356.
509 = ßomania 3, 193) wandern vier Königssöhne in die Ferne;
der erste studiert zu Paris die Wissenschaften, der andre wird in
Sicilien ein Bogenschütz, der dritte in Katalonien ein geschickter
Dieb, der vierte in Genua Schiffsbauer. Dann kehren sie heim und
vereinigen sich, um von einer Insel eine von einem Drachen geraubte
Jungfrau und reiche Schätze zu holen. Den in der Hs. ver-
stümmelten Schluß kann man aus den späteren Fassungen ergänzen,
welche nur die Zahl und die Künste der Brüder abändern.1) — Bei
Morlini (Novellae 1520, rep. 1855 nr. 80 'De fratribus, qui per
orbem pererrando ditati sunt'), dem Straparola 7, nr. 5 (Benfey 3,
112. Bua, Giornale stör, della lett. ital. 16, 256) genau folgt, sind
es drei Söhne eines armen Mannes ; der jüngste, der die Vogel-
sprache gelernt hat, vernimmt von einer Elster, wo ein Schatz ver-
graben liegt, und von einem andern Vogel, wie die auf der Insel
Chios gefangene Prinzeß Aglaea befreit werden kann; der zweite
baut ein Schiff, das sie dahin bringt; der erste, ein gewandter
Kriegsmann, stößt seine beiden Dolche in die Mauer des Turms,
l) Auf die Verbreitung des Märchens weist auch seine Ausnutzung
zu einer fabelhaften Vorgeschichte der Stadt Prato, die Giovanni da
Prato in seinen um 1400 verfaßten Roman 'II Paradiso degli Alberti'
(ed. Wesselofsky 1867 2, 102—171; vgl. die Bemerkungen ebd. 1, 2,
238—263; russisch in Wesselofskys Gesammelten Werken 3, 443—460)
einflicht. Vier etruskische Jünglinge treffen auf einem gemeinschaft-
lichen Bitte einen schönen Sperber in einem Dornstrauch am Wasser
verstrickt und dem Ertrinken nahe, Laerte sieht die Gefahr des Vogels,
Celio rettet ihn und wärmt ihn am Busen, Settimio erinnert zu Hause
an den vergessenen Sperber, und Besio gibt ihm durch einen Melissen-
zweig, von dem der Sperber frißt, unwillkürlich seine frühere Gestalt
wieder. Es war nämlich Melissa, eine Tochter des Odysseus, die von der
eifersüchtigen Circe in einen Sperber verwandelt worden war. Nun begehren
alle vier Melissa zur Frau und erbitten im Tempel Jupiters Entscheidung.
Da die Götter Saturn, Mars, Apollo und Merkur geteilter Meinung sind,
wird auf den Bat der Venus und Minerva die Entscheidung der Jung-
frau selber überlassen.
129. Die vier kunstreichen. Brüder. 47
klettert hinauf und läßt an einem Seil die Jungfrau und die Schätze
hinab. Dann aber geraten die drei in einen Streit, wem die Schöne
zufallen soll, und dieser Streit ist noch unentschieden. — Basile 5,
nr. 7 (Benfey 3, 115), der in Einzelheiten sich den orientalischen
Fassungen nähert, berichtet von fünf Brüdern, einem Diebe, Schiff-
bauer, Bogenschützen, einem, der ein Tote erweckendes Kraut, und
einem, der die Vogelsprache kennt. Der Schütze erlegt den
Drachen, der in einer Wolke die zu Schiffe Entrinnenden verfolgt,
der Kräuterkundige ruft die vor Schrecken tot niedergesunkene
Jungfrau ins Leben zurück. An dem Streite der Brüder beteiligt
sich ihr Vater, dem der König auffälligerweise die Prinzeß zuspricht.
Die älteste deutsche Überlieferung findet sich bei E. G.
Happelius, Der ungarische Kriegs-Roman (Ulm 1685 S. 537 — 541.
547 — 555) als portugiesische Fabel. Wie in der paderbörnischen
Fassung Grimms legen die drei von der Wanderschaft ins väterliche
Dorf heimkehrenden Bauernsöhne vor dem Vater und dem Edel-
manne eine Probe ab ; der Sternseher errät, daß der Rabe auf fünf
Eiern sitzt, der Dieb holt sie unbemerkt heraus, der Jäger durch-
schießt und der Tischler flickt sie. Auf Bitten des Edelmannes,
der seine Tochter aus Geiz einem reichen Unbekannten zur Frau
gegeben hatte und nun Sehnsucht nach ihr fühlt, ermittelt dann der
Sternseher, daß ein böser Geist sie auf einer 200 Meilen entfernten
Insel in einer tiefen Kluft gefangen halte, und führt ihn und seine
Brüder nach langer Seefahrt zu jenem Abgrunde hin. Der Dieb
zieht die Tochter an einem Seile herauf, ohne daß der in ihrem
Schöße schlafende Dämon erwacht. Wie sie aber auf dem Meere
sind, kommt jener nachgeflogen und stürzt mit solcher Gewalt auf
das Schiff, daß die Planken brechen. Da erschießt ihn der Jäger
und bessert das Leck aus. Als alle drei Brüder auf das Mädchen
Anspruch erheben, weist es den Dieb zurück; die beiden andern
würfeln, und der Sternseher gewinnt. Einen zum Vorhergehenden
nicht. passenden tragischen Schluß hat wohl erst der moralisierende
Autor hinzugefügt. — Bei Lothar 1820 S. 13 'Mantel, Spiegel und
Fläschchen' besitzen die drei Brüder nicht Kunstfertigkeiten, sondern
Zaubergegenstände, die sie der schönen Königstochter vergeblich
als Brautgaben anbieten; als sie aber plötzlich stirbt, siehts der eine
im Spiegel, der andre fährt auf dem Wunschmantel zu ihr, und der
dritte erweckt sie mit seinem Lebensbalsam und wird ihr Gatte.
Offenbar hat auf dies wie auf das schlesische Märchen bei
48 129. Die vier kunstreichen Brüder.
Peter 2, 151 'Der König und seine drei Söhne' (Teppich, Fernrohr,
Apfel) die Geschichte 'Pari Banou' der 1001 Nacht (Chauvin 6, 133)
eingewirkt. Westfälisch: Von den vier Brüdern (Zs. f. dt.
Mythol. 1, 338. Allwirzer, Küfer). — VI ä misch: Joos 1, 164 nr. 93
'Van drij Broeders' (Teppich, Brille, Apfel retten die Jungfrau vom
Tode) und 1, 174 nr. 96 'Van vier Broeders' (wie Grimm). De Mont
en de Cock, Rond den Heerd S. 26 = Vertelsels S. 55 'Van drie
Gebroeders' (Brille, Tischtuch, Apfel; dazu die drei Handwerks-
burschen, oben nr. 120, und ein Polyphemabenteuer). — Dänisch:
Skattegraveren 2, 131 'Mestertyven' (Zimmermann, Jäger, Dieb
holen die vom Troll entführte Königstochter; dazu Meisterdiebs-
streiche, vgl. unten nr. 192). Grundtvig, G. d. Minder 2, 27 nr. 6
'Mester Flik' (ebenso vier Brüder, ein Denker, Meisterdieb, Schütz
und Flicker). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 129 nr. 27 'De fire
Slags Haandvasrk' (Arzt, Denker, Dieb, Jäger retten drei geraubte
Königstöchter ; vorher der gelernte Jäger, oben 2, 504 und die Probe des
Eierdiebstahls). Grundtvig, Folkeseventyr 1876 nr. 17 (Register nr. 9)
= Leo 1, 110 'Das Siebengestirn' (Schiffsbaumeister, Steuermann,
Horcher, Jäger, Kletterer, Meisterdieb streiten um die gerettete
Prinzeß und werden mit ihr zu Sternen, wie im serbischen Märchen). —
Schwedisch: ein Volksbuch 'Wännerna: Räkenmästaren, Snickaren,
Mälaren, Läkaren, Smeden och Ingenting; eller genom döden fingo
de älskande hwarandra' (Stockholm 1824 u. ö. Bäckström, Folk-
böcker 3, 144. Wohl nach dem Siddhi-Kür). — Isländisch:
Arnason 2, 471 = Poestion S. 285 'Wachtgut und seine Brüder'
(Hältgut, Hautgut, Spürtgut, Klettertgut befreien fünf Königstöchter);
Rittershaus S. 177 nr. 42 'Die kunstreichen Brüder' (der Guthauende,
-wachende, -singende, -kletternde, -spürende, -schlafende). Arnason
2, 367 = Poestion S. 104 'Die drei Königssöhne' — Rittershaus
S. 182 nr. 43 'Die drei Freier um eine Braut' (Streit um die durch
Fernrohr, Flugmantel und Lebensapfel Gerettete; der zweite Teil
ist mit unsrer nr. 63 'Die drei Federn' verwandt). — Bretonisch:
Luzel 3, 312 'Les six freres paresseux' (Kletterer, Schiff sbauer,
Flicker, Jäger, Geiger, Rätselrater retten die vom Drachen entführte
Prinzeß und beleben die Ertrunkene; ihr Streit bleibt unentschieden).
Sebillot, Contes 1, 53 nr. 8 'Les quatre fils du meunier1 (Schneider,
Jäger, Dieb, Sternkundiger retten die vom Drachen Geraubte.
Eierdiebstahlsprobe). — Italienisch: Schneller nr. 14 'Die drei
Liebhaber' (Spiegel, Sessel, Apfel) und nr. 31 'Die Frau des Teufels'
129. Die vier kunstreichen Brüder. 49
(Scharfsehender, Horcher, Starker, Schleicher). Widter-Wolf nr. 6 'Die
vier kunstreichen Brüder' (Jahrb. f. roman. Lit. 7, 30; B. Köhler 1, 298.
Tischler, Jäger, Dieb, Zauberer. Eierdiebstahl als Probe). Coronedi-
Berti 1883 nr. 12 'La fola dla tor d'Fedelcina' (Fernglas, Wagen,
Lebensapfel). Comparetti nr. 19 'Itre ragazzi' (vermischt mit dem
Erdmänneken, oben nr. 91). Nerucci nr. 40 'I tre regali o la novella
Je' tappeti' (Teppich, Fernglas, Traube). Pitre, Nov. toscane nr. 10
'II negromante' (Horcher, Wasserspeier, Dieb, Kletterer, Flicker,
Jäger, Baumeister; die Verfolgung ist wie im Maasebuch ausgemalt).
Gonzenbach nr. 45 'Von den sieben Brüdern, die Zaubergaben
hatten' (Läufer, Horcher, Starker, Dieb, Baumeister, Schütz, Gitarren-
spieler. Der jüngste Bruder heiratet die Prinzeß). Pitre, Fiabe
sicil. 1, 196 'II mago Tartagna' und 1, 197 'I sette fratelli'. —
Katalanisch: Maspons 1,39 'Los tres germans'. — Griechisch:
Hahn 1, 263 nr. 47 'Von den drei um die Braut streitenden
Brüdern' (Fernrohr, Teppich, Apfelsine. Der König heiratet selber
das Mädchen). AsXxiov 1, 296 '0 %qiGY,a%äqa%oc, = Garnett 2, 99. —
Albanesisch: Dozonp. 27nr.4'Lepou' (die vom Teufel entführte Prin-
zessin wird durch sieben Brüder befreit ; der 1. horcht, der 2. öffnet die
Erde, der 3. Dieb, der 4. wirft einen Schuh bis ans Ende der Welt,
der 5. errichtet einen Turm, der 6. schießt, der 7. fängt alles auf), vgl.
Clouston 1,279. — Serbokroatisch: Stefanovicnr.13 = OstojicS. 103
= Jagic nr. 46 'Abermals die Plejaden' (Archiv für slav. Phil. 5, 36 ;
vgl. B. Köhler 1, 438). M. Stojanovic S. 230 nr. 59 = Krauß 1,
120 nr. 32 'Das Siebengestirn' und 1, 124 nr. 33 'Die Glucke'. Krauß,
Tausend Sagen 1, 196 nr. 63 'Drei Liebhaber beleben ihre verstorbene
Liebste wieder'. Bos. nar. prip. 1, 36 = Leskien S. 308 nr. 66 'Der
Kaiser, seine Tochter und ihre drei Freier' (Teppich, Fernrohr, Salbe ;
keiner der drei Grafen erhält die Tochter). — Bulgarisch: Sbornik
min. 11, 3, 138 (acht Brüder befreien die vom Teufel entführte
Prinzessin; der 1. entdeckt die Spur, der 2. horcht, der 3. öffnet
den Stein, der 4. wirft, der 5. stiehlt, der 6. errichtet ein Haus, der
7. schießt, der 8. fängt alles auf). 5, 3, 149 (sechs Brüder; der 1.
baut einen durch die Luft fahrenden Wagen, der 2. Horcher, der 3.
Dieb, der 4. drückt Wasser aus dem Mühlstein, der 5. baut einen
Turm, der 6. Schütz). 16—17, 3, 280 nr. 3 = Leskien S. 84 nr. 20
(sechs Brüder; der 1. trinkt das Meer aus, der 2. trägt Lasten, der
3. baut einen Turm, der 4. Schütz, der 5. belebt mit dem Hauch,
der 6. horcht). Period. Spisanie 35, 762 (sechs Brüder; der 6., der
Grimm. Märchen -Anmerkungen III. 4
50 129. Die vier kunstreichen Brüder.
ein vom Himmel fallendes Glas Wein auffängt, wird Gatte der
Prinzessin). — Cechisch: Radostov 2, 3 = 3. Aufl. S. 497 nr. 54
= Waldau S. 77 'Das weise Urteil' (Wagen, Spiegel, Äpfel) = Naake
p. 194. Kulda 2, 233 nr. 123 = Erben, Öitanka S. 39 = Wenzig
S. 140 'Die vier Brüder' (Flicker, Hadernsammler, Sterngucker,
Jäger; ihren Streit entscheidet die Prinzessin). Slavie 1878 S. 33
nr. 9 'Die vier Brüder' (Zimmermann, Jäger, Leimsieder, Dieb). —
Slovakisch: Cod. div. auct. A. S. 91 nr. 31 = Dobsinsky 3, 6
(Wahrsager, Drechsler, Schütz, Dieb). Dobsinsky 4, 26 (der erste
sieht alles, der 2. baut eine Mauer, der 3. schießt den Drachen).
Czambel S. 344 § 178 (Einschläferer, Finder, Träger; dazu Ver-
räterei der älteren Brüder wie oben 2, 301 DE). — Polnisch:
Malinowski 2, 43 (Dieb, Jäger, Micker des zerschossenen Eis, Viel-
wisser ; die Prinzessin wählt den Dieb). Zbiör wiadom. 5, 238 nr. 42
(Dieb, Jäger, Zauberer; dann Erzählung vom Meisterdieb). —
Kaschu bisch: Lorentz, Teksty S. 230 nr. 308 (Dieb, Sternseher,
Förster, Schneider). S. 353 nr. 459. S. 498 nr. 637. S. 542 nr. 674.
S. 558 nr. 688. S. 496 nr. 634 (Sterngucker, Schütz, Dieb). —Weiß-
russisch: Romanov 6, 91 nr. 10 (Schütz, Schiffbauer, Winzer,
Horcher, der fünfte vermag alles herbeizuschaffen, Dieb, Seher). 6,
101 nr. 11 (Schiffbauer, Steuermann, Schmied, Schütz, der fünfte
holt die erlegten Vögel, der 6. späht von der geschmiedeten Säule,
Dieb; sie holen die ferne Schöne für den König). — Großrussisch:
1786 und 1819 in der 'Arznei gegen Schwermut und Schlaflosigkeit'
gedruckt, dann auch als Volksbuch erschienen. Abgedruckt bei
Sacharov S. 174; überarbeitet von N. Polevoj, vgl. Rovinskij 4, 178.
Den ältesten Text wiederholt Afanasjev3 1, 192 = Dietrich S. 30
'Von den sieben Simeonen, den leiblichen Brüdern' (Schmied,
Kletterer, Schiffbauer, Taucher, Schütz, Springer, Dieb holen die
schöne Helena für den Zaren). Goldschmidt S. 169 'Von den sieben
Brüdern'. Aus dem Gouv. Perm bei Afanasjev 1, 188 nr. 84a (Dieb,
Schmied, Schütz, Vogelholer, Seher, Schiffbauer, Arzt wollen die
Jungfrau für den Zaren gewinnen, diese erwählt aber den Dieb).
Aus dem Gouv. Twer ebd. 1, 189 nr. 84b (der 1. schmiedet eine
20 Klafter hohe Säule, der zweite stellt sie auf, der 3. steigt hinauf
und hält Umschau, Schiffbauer, Kaufmann, Dieb ; sie holen die
Schöne für den Zaren). Aus dem Gouv. Kursk ebd. 1, 191 nr. 84c
(Schmied, Späher, Schiffbauer, Steuermann, Taucher, Heraufholer,
Dieb). Das von Afanasjev als Variante angeführte Märchen bei
129. Die vier kunstreichen Brüder. 51
Chudjakov 1, 100 nr. 24 behandelt einen andern Stoff. — Finnisch:
Aarne nr. 653. — Ungarisch: Erdelyi 2, 362 = Stier 1850 S. 61
nr. 9 'Drei kostbare Dinge' (Fernrohr, Mantel, Pomeranze). Nyelvör
4, 422. Berze Nagy nr. 75 'Die vier Brüder' (nach Grimm ; vgl. Rona
in der Festschrift für G. Heinrich 1912 S. 374). — Zigeunerisch:
Wlislocki, Volksdichtungen S. 310 'Die vier bösen Brüder' (Spiegel,
Salbe, Tuch). Zs. f. dt. Philologie 22, 113 'Die drei klugen Brüder'
(Läufer, Scharfsichtiger, Schütz erringen drei Prinzessinnen). Groome,
nr. 13 'The watchmaker' (Spiegel, Mantel, Apfel). — Hebräisch:
Maase-Buch (Rödelheim 1753) Bl. 81a; vgl. R. Köhler 1, 299, Grün-
baum, Jüdischdeutsche Chrestomathie 1882 S. 446 und Tendlau,
Fellmeiers Abende 1856 S. 16 'Die sieben Künste' (die sieben
Brüder befreien durch ihre Brille, Geige, Gewandtheit der Hand,
Sack, Rute, Flinte und Geschicklichkeit im Werfen die entführte
Königstochter, obwohl sie der verfolgende Zauberer in Vogelgestalt
nochmals, wie in Pitres toskanischer Fassung und bei Misotakis
fortträgt).
Unter den außereuropäischen Fassungen stellen wir die in-
dische als die ursprünglichste voran. In der Vetälapancavincati er-
zählt das Totengespenst, um den König zum Bruche des Schweigens
zu bringen, als 5. Geschichte die von den drei Freiern1). Die schöne
Mahädevi will nur einen Mann heiraten, der eine unübertreffliche
Gabe besitzt. Ein Brahmane, der einen durch die Luft fahrenden
Zauberwagen hat, wirbt bei dem Vater um sie ; ein andrer, der die
Kunst zu erkennen versteht, bei dem Bruder; ein ausgezeichneter
Bogenschütze bei der Mutter. Die drei Freier erhalten jedesmal
eine Zusage und geraten, als sie zusammentreffen, in Streit. Da
entführt nachts ein böser Geist das Mädchen. Nun können die
Freier ihre Künste erweisen ; der Wissende gibt den Berg an, wo
der Drache die Geraubte verbirgt, der Besitzer des Wagens stellt
diesen zur Verfügung, der Schütz tötet den Räuber und bringt die
Jungfrau zurück. Nun beginnt der Streit um sie von neuem: wer
von den dreien soll sie erhalten? — In der vielfach abweichenden
l) Deutsch von Benfey, Kl. Schriften 3, 96; in Somadevas
Kathäsaritsägara transl. by Tawney 2, 258 eh. 79 = F. v. d. Leyen,
Indische Märchen S. 49 (vgl. Archiv f. n. Sprachen 115, 13). Jüngere
Fassungen bei Oesterley, Baitäl Pachisi 1873 nr. 5 'Die geschickten Be-
werber' mit Anm. und v. d. Leyen S. 142. — Über die Erweckung der
scheintoten Frau vgl. Bolte, Z. f. Vk. 20, 378.
4*
52 129. Die vier kunstreichen Brüder.
mongolischen Bearbeitung, dem Siddhi-Kür (Jülg, Kalmükische
Märchen 1866 S. 5 nr. 1 ; vorher Bergmann, Nomadische Streifereien
1, 257. 1804 = Benfey 3, 99), pflanzen sechs Wandergenossen, ein
begüterter Jüngling, ein Arzt, Maler, Rechenmeister, Holzkünstler
und Schmied, bei ihrer Trennung Lebensbäume, um daraus später
das Schicksal der einzelnen zu erfahren. Der erste heiratet eine
schöne Jungfrau, wird aber vom Chan, der sie besitzen möchte, um-
gebracht. Als die Genossen seinen Baum verdorrt finden, erwecken
der Rechner, Schmied und Arzt den Jüngling wieder; und der
Schreiner und Maler verfertigen einen Wundervogel, in dem jener
zum Palaste fliegen und seine Gattin holen kann. Sie geraten aber
in Streit und zerstückeln die Frau. — Weniger verändert sind die
neueren indischen Fassungen bei Dracott p. 101 'Three wise men
and the king's daughter' und Parker 2, 378 nr. 74 'The three
suitors', die hinterindischen bei Aymonier 1878 p. 44 (Sternseher,
Schütz, Taucher, Totenerwecker) und p. 45 (drei Freier der toten
Mandarati, vgl. Vetala 2, Tawney 2, 242 und v. d. Leyen, Ind.
Märchen S. 27. 130), Ledere, Cambodge 1895 p. 161 'L'etudiant
Tissab-Moc' (Sternseher, Schütz, Taucher, Totenerwecker) und p. 170
'Neang Montea-Vatdey' (drei Freier erwecken die Tote) und die
malaiische bei Bezemer 1904 S. 257 'Die drei Prinzen' (Zimmer-
mann, Schmied, Blasrohrmacher); doch ist die Frage am Schlüsse
und die einrahmende Erzählung fortgefallen. Hindustanis ch nach
Kadiris Papageimärchen: G. Small, The Tota-Kahäni 1875 p. 137
nr. 22 (Wissender, Schreiner, Schütz). Eine Anspielung in
einem japanischen Romane bei Clouston, Populär tales 2, 284.
Aus Beludschistan in Folk-lore 4, 205 nr. 12 'The three wonder-
ful gifts' (Lebenswasser, fliegendes Bett, Zauberspiegel). — Persisch
in Nachschabis Tuti-nameh nr. 35 (Pertsch, Zs. der dt. morgenld.
Ges. 21, 538. Clouston 1, 282), bei Qadiri nr. 22 (Iken, Touti
Nameh 1822 S. 93 'Der Kaufmann, dessen Tochter ver-
schwunden war'. Wissender, Schreiner, Schütz). Lescallier, Le
tröne enchante 1817 1, 177. Sindibad Näma bei Clouston 1, 283.
Gaudefroy-Demombynes, 101 nuits p. 144 nr. 11. — Türkisch: Tuti
JSTameh übers, von Rosen 2, 165 'Geschichte der schönen Zohra'.
Sendabad bei Decourdemanche, Revue des trad. pop. 14, 411 'La
fille du roi de Cachemire, Tafrite et les quatre freres' (Aufspürer,
Krieger, Weiser, Arzt); vgl. Clouston, The book of Sindibad 1884
p. 106. 271 und Chauvin 8, 76. — Syrisch: Revue des trad. pop.
129. Die vier kunstreichen Brüder. 53
23, 329 'Les trois freres' (Sternseher, Arzt, Techniker). — Mada-
gassisch: Revue des cours litteraires de la France 1865, 210 =
Giovanni da Prato ed. Wesselofsky 1, 2, 287 = Heidelberger Jahr-
bücher 1870, 668 (Scharfsichtiger, Starker, Arzt). — Afrikanisch:
Beinisch, Saho-sprache 1, 50 (1889). Veiten, Märchen der Suaheli
S. 71 'Die Geliebte der drei Brüder' (Fläschchen, Spiegel, Matte).
Junod, Ba-Bonga p. 304 'Les trois vaisseaux' (Korb, Spiegel,
Lebenspulver). Schönhärl, Togo S. 122 'Über Eltern und ihre vier
Kinder' (Dieb, Jäger, Flicker holen die vom Begenbogen entführte
Schwester zu Schiff ab und erschießen den Verfolger); vgl. die
S. 111 erzählte Bettung eines vom Baubvogel fortgetragenen Knaben.
Die von W. Grimm angezogene Erzählung bei Kölle p. 145 nr. 4
betrifft nur die verschiedenen Berufe, die sechs Brüder erwählen,
aber nicht die Werbung um eine Frau1).
Dagegen ist in Indien noch eine verwandte Erzählung ent-
standen, die statt der Befreiung einer geraubten Prinzessin oder der
Wiederbelebung einer im Sterben liegenden die Erschaffung
eines Mädchens durch drei oder vier kunstreiche Gesellen2) schildert
und gleichfalls von einer sinnvollen Bahmengeschichte eingeschlossen
ist: eine stumme Königstochter wird durch die Geschichte und die
am Schlüsse ausgesprochene Frage zum Beden gebracht3). Im
Vikramacaritam, das bisher nur aus der mongolischen Nach-
bildung im Ardschi Bordschi (Jülg, Mongolische Märchen 1868 S. 101
'Die hölzerne Frau'; vgl. v. d. Leyen, Ind. Märchen S. 145 und
Benfey, Pantschatantra 1, 489) bekannt ist, weiden vier Hirten ihre
Herden zusammen auf derselben Wiese. Als einst der eine früher
*) Ein Gegenstück liefert ein Haussa-Märchen bei Landeroin-Tilho
p. 241 'Les deux jeunes hommes et les quatre jeunes filles'. Hier fragt
eine Fee drei Mädchen, welche um den verstorbenen Jüngling trauern:
'Wenn ich ihn wieder erwecke, wird er uns vieren gehören ?' und belebt
ihn, nachdem jene die Frage bejaht haben. Welche aber, schließt der
Erzähler, wurde dann seine Hauptfrau?
2) Die Tätigkeit des griechischen Bildhauers Pygmalion (Ovid,
Met. 10, 243. Wickram, Werke 8, 295) ist hier also gespalten und auf
mehrere Meister verteilt, wie bei Kuhn-Schwartz S. 324 (oben S. 35)
Corvettos dreifache Überlistung des Riesen auf drei Soldaten übertragen
wird.
3) Dieser Rahmen hat in einem neuaramäischen Märchen aus Syrien
bei Bergsträsser 2, 18 nr. 6 einen andern Inhalt empfangen. Die Prin-
zessin wird dadurch zum Reden gereizt, daß der Papagei des Jünglings
sie kahlköpfig und übelriechend nennt. Small, Tota-Kahänl p. 50 nr. 5.
54 129. Die vier kunstreichen Brüder.
als seine Gefährten kommt, schnitzt er zum Zeichen seiner Anwesen-
heit aus Holz eine weibliche Figur, und geht wieder fort. Der
zweite bemalt die Figur mit gelber Farbe und geht auch fort; der
dritte verbessert sie, macht sie einem Weibe ähnlich; der vierte be-
seelt sie und begibt sich fort wie die andern. Als dann alle zum
gewohnten Orte zurückkehren und das schöne Weib sehen, geraten sie
in heftigen Streit um ihren Besitz. Wem sie gebühre, fragt König
Vikramäditja die Göttertochter Naran-Däkini, um sie zum Sprechen
zu bringen, was vorher keiner vermochte. Auch jetzt schweigt sie ;
als aber die in Rosenkranz, Altar, Opferkrug und Lampe ver-
wandelten Gefährten des Königs antworten, sie komme dem ersten
zu, ergreift sie aufgebracht das Wort : 'Der die Figur zuerst machte,
ist ihr Vater, der sie bemalte, ihre Mutter, der sie verbesserte, ihr geist-
licher Lehrer, der ihr das Leben einhauchte, ihr Mann' x). — Weit-
aus kunstvoller ist eine siamesische Märchensammlung gestaltet, die
eine Prinzessin Kankras, um ihren Vater vom Tode zu retten, dem
Könige von Pataliput erzählt (Bastian, Geographische und ethno-
logische Bilder 1873 S. 254—270 = Globus 10, 151. 1866). Vier-
mal trägt der kluge Held der stummen Königstochter Erzählungen
vor, die mit einer Frage enden, auf welche sein in einen Vorhang,
eine Lampe, einen Spucknapf oder das Kopfkissen gebannter Milch-
bruder möglichst verkehrte Antworten gibt, und reizt dadurch vier-
mal die Prinzeß zu Erwiderungen. Die erste Erzählung handelt von
vier Mädchen, die einen gepfählten Käuber abnehmen und heilen ;
die zweite von der hölzernen Jungfrau und dem Zimmermann,
Zeichner, Schnitzer und Beieber; die dritte von der durch den
l) Mit Recht erinnert F. v. d. Leyen (Archiv f. neuere Sprachen
116, 4) an den Bericht der Edda von der Schöpfung des Menschen durch
verschiedene Götter; Mann und Frau liegen als leblose Baumstümpfe da,
Odin, Loki und Hoenir finden sie, Odin gibt Atem, Hoenir Seele, Loki Ge-
sicht und Farben und Glieder (J. Grimm, Mythologie3 S. 537. 3, 161.
V. d. Leyen, Märchen in der Edda S. 11). Der Entscheidung der indi-
schen Prinzessin vergleichbar istHygins 220. Fabel: Die Sorge bildet aus
Flußschlamm einen Menschen, Jupiter verleiht ihm Leben (spiritum), und
nun streiten Jupiter, Sorge und Erde, wer von ihnen dem Menschen den
Namen geben solle. Da entscheidet Saturn, der Mensch solle sein ganzes
Leben hindurch der Sorge gehören, die ihn geschaffen habe, der Körper
gebühre dem Jupiter, der ihm den Geist eingehaucht habe, sein Name
aber solle nach der Erde (ex humo) Homo lauten, da er aus ihr ge-
schaffen sei.
129. Die vier kunstreichen Brüder. 55
Sternseher, Bogenschützen, Taucher und Beieber befreiten Prinzessin;
die vierte vom Streite der vier empfindlichen Damen. — Persisch
bei Lescallier, Le tröne enchante p. 177; vgl. Archiv f. n. Spr.
116, 5. Hier erzählt der König der Lampe, dem Gürtel, der Gieß-
kanne und dem Bettfuß der Prinzessin 1. von den Freiern mit
wunderbaren Eigenschaften, 2. von den vertauschten Köpfen, 3. von
der belebten Braut, 4. von der hölzernen Jungfrau und dem Holz-
schnitzer, Juwelier, Weber und Mönch. — In einem ceylo-
nesischen Märchen (Steele, Kusa Jatakaya 1871 p. 247 'How to
restore speech to a dumb' ; vgl. Benfey, Kl. Sehr. 3, 232) wird die
Jungfrau von vier Reisegesellen, einem Zimmermann, Maler, Kauf-
mann und Juwelier, geschaffen ; als die Lampe, in die der Erzähler
einen seiner Begleiter verwandelt hat, töricht antwortet, erklärt die
Prinzessin, das Mädchen gehöre dem Wirte, aus dessen Holzblock
es geschnitzt wurde. — Afghanisch bei Thorburn, Bannü 1876
p. 175 'The silent princess'; vgl. Melusine 1, 178. — Tatarisch
am Kaukasus: Sbornik Kavkaz. 21, 2, 51 nr. 6 'Der heilige Fisch'
(der freigelassene Fisch begleitet in menschlicher Gestalt den Fischer
zur schweigenden Prinzessin und erzählt dem Papagei von der
Heilung einer Jungfrau durch einen Späher, Flieger und Arzt, so-
dann von der geschnitzten, bekleideten und belebten Figur). Ebd.
21, 2, 57 nr. 7 'Der goldene Fisch' (nur die zweite Erzählung). In
den Anmerkungen S. 16 wird noch eine tatarische Version (Sbornik
von Berichten über die kaukasischen Bergvölker 4, 31), eine
mingrelische (Sbornik Kavkaz. 9, 2, 75) und eine turkmenische (ebd.
10, 2, 326) angeführt. — Grusinisch ebd. 19, 2, 119 nr. 6 (ein von
der unkeuschen Königin verleumdeter Diener läßt vor der Prinzessin
durch einen Ball und zwei Leuchter, die aus seiner Tabaksdose
springen, drei Geschichten erzählen: 1. eine Frau setzt die Köpfe
ihres von Räubern enthaupteten Mannes und seines Gastes verkehrt
auf; 2. die belebte Holzfigur; 3. die zu teilende Belohnung für die
Heilung eines Prinzen). — Aus dem Kaukasus bei Hse Frapan,
Die Liebesbrücke (Deutsche Rundschau 25, 4, 448. 1899. Der Erzähler
der Geschichte von der hölzernen Frau und dem Zimmermann,
Schneider und Priester will durch die Frage an die Feuerzange die
stumme Fatima zum Reden bringen). — Syrisch: Revue des trad.
pop. 23, 331 'Les trois amis' (Schreiner, Schneider, Priester). —
Arabisch: Schleicher, Somali-Texte 1900 S. 38 nr. 18 'Der
schlimme Brautvater' (Holzschnitzer, Schneider, Beter). Aus
56 129. Die vier kunstreichen Brüder.
Marokko: Revue des trad. pop. 27, 97 'La princesse siiencieuse'
(Holzschnitzer, Schmied, Schneider, Spezereikrämer, Priester). —
Türkisch: Künos, Stambul S. 54 'Die schweigende Sultanstochter'
(drei Geschichten erzählt der Prinz der von ihm mitgebrachten
Nachtigall: 1. Rettung der sterbenden Jungfrau durch Sterndeuter,
Arzt und Schnelläufer; 2. die drei geäfften Liebhaber wie bei
Boccaccio, Dec. 9, 1 und H. Sachs, Schwanke 3, 252; 3. Streit des
Zimmermanns, Schneiders und Softas um die hölzerne Jungfrau).
— Auch in dem griechischen Märchen 'Das goldene Kästchen'
(Pio p. 93 = Misotakis S. 42 = Geldart p. 106) bringt der Jüngling
durch drei von seinem Zauberkästchen erzählte Geschichten die
Prinzeß zum Reden: 1. die Rettung der Sterbenden, 2. die Er-
schaffung der hölzernen Jungfrau, 3. Befreiung der vom Zauberer
entführten Königstochter durch sieben Brüder, einen Horcher,
Starkhändigen, Dieb, Träger, Turmbauer, Schützen und Fänger.
Bei Pio p. 230 = Garnett 2, 338 antwortet die Prinzessin, als der
Zauberstab dreimal geredet hat, worauf der Jüngling über-
flüssigerweise die Erschaffung der hölzernen Jungfrau erzählt.
— Bulgarisch aus Mazedonien: Sbornik min. 6, 3, 168
nr. 2 (auf die drei an verschiedenen Abenden erzählten Geschichten
antwortet die jedesmal anderswo versteckte Puppe). — Großrussisch
aus Sibirien : Zapiski Krasnojarsk. 2, 136 nr. 32 (der Jüngling erzählt
dreimal von dem durch Zimmermann, Drechsler, Schneider und
Schuster geschaffenen Mädchen, und sein Vogel antwortet aus dem
Kasten, dem Lampenfuß und dem Kleide der Prinzessin). — Böh-
misch: Nemcova 3, 49 nr. 35 = Benfey, Pantschatantra 1,491 'Der
kluge Goldschmied' = Naake p. 243 (dreimal dieselbe Geschichte).
— Deutsch ganz knapp bei Wisser, Plattdt. Vm. S. 99 'De Fisch-
prinzessin un de Snider'.
Eine andre Umrahmung hat die Geschichte von der hölzernen
Jungfrau in einem siebenbürgischen Märchen bei Haltrich4 nr. 42
empfangen; hier wetten Verstand und Glück miteinander, wer von
beiden größeren Einfluß auf das Schicksal der Menschen habe ; der
Verstand ermöglicht dem Helden, die stumme Prinzessin zum Reden
zu bringen, aber ohne das Glück wäre dieser doch an den Galgen
gehängt worden. Ebenso pommerisch bei Jahn 1, 83 nr. 15 'Glück
und Verstand' — Dähnhardt, Märchenbuch 2, 1; dänisch bei
Grundtvig 1884 p. 136 'Lykken og Forstanden' ; cechisch bei
Krolmus 1, 593 = Erben, Slov. cit. S. 19 = Erben, Ceske pohadky
129. Die vier kunstreichen Brüder. 57
S. 75 (der Arzt trägt die mit dem Holzschnitzer und Schneider er-
lebte Geschichte dem Hunde der Prinzessin vor).
Die Rahmenerzählung fehlt in dem persischen Tutinameh
Nachschabis nr. 6 (Clouston, Flowers from a persian garden 1894
p. 130), bei Qadiri nr. 5 (Iken 1822 S. 37), in der malaiischen Be-
arbeitung nr. 6 (Brandes, Tijdschrift voor indische Taalkunde 41,
458. Bezemer 1903 p. 223 'Het levende beeld') sowie in der türki-
sch en bei Bösen 1, 151 'Geschichte der hölzernen Jungfrau und ihrer
Liebhaber'. Als schließlich Zimmermann, Goldschmied, Schneider und
Mönch ihren Handel vor Gericht bringen und ein Gottesurteil an-
rufen, klafft der Baum, an dem das Mädchen lehnt, auseinander und
nimmt es in sich auf. — Indisch bei F. Hahn, Kols 1906 nr. 13
'Wessen Frau ist sie?' Hinterindisch bei Aymonier p. 45
(Zimmermann, Schnitzer, Maler, Zauberer) und Leclere 1895 p. 166
'La statue vivifiee' (Zimmermann, Bildhauer, Zauberer, Totenerwecker).
— Beludschisch: Folklore 3, 524 nr. 6 'The four men who made
the figure of a woman' (Zimmermann, Schneider, Goldschmied, Beter).
— Tatarisch bei Radioff 4,357 'Die drei Gefährten' (Zimmermann,
Maler, Derwisch. Jungfrau wieder zu Holz) und 6, 252 'Die
Künstler' (Zimmermann, Schneider, Goldschmied, Beter. Schluß
ebenso). — Syrisch: Revue des trad. pop. 23, 331 'Les trois amis'
(Tischler, Schneider, Priester). — Arabisch: ebd. 15, 114 'Le
menuisier, le commercant et le t'aleb'. Socin, Divan aus Central-
arabien 1901 2, 126 nr. 107 (Abh. der sächs. Ges. d. W. 44. Tischler,
Schneider, Goldschmied, Priester). — Afrikanisch: Veiten, Suaheli
S. 234 'Der Zimmermann und das Amulett' (zweimal wird die Holz-
frau entführt ; ihr Mann bringt die Verstummte durch Erzählen ihrer
Geschichte zum Reden und verlangt das zweitemal durch einen Vogel
ihr Amulett zurück; wie sie es ablegt, wird sie wieder zum Baum).
Noch ist die Probe zu beachten, die bei Grimm, Happelius und
in andern Fassungen unseres Märchens der Vater den vier Söhnen
mit dem Auskundschaften, Stehlen, Durchschießen und Flicken der
Vogeleier auferlegt. So stiehlt im Fablei von Barat und Haimet
(Montaiglon-Raynaud, Recueil des fabliaux 4, 93 nr. 97 ; vgl. Ulrich,
Romanische Schelmennovellen 1905 S. 56 und R. Köhler 2, 593 über
Voss und Hebel ; dazu unten zu nr. 192) ein Schelm einer brütenden
Elster unvermerkt die Eier aus dem Nest und legt sie ihr wieder
unter. Von dem Meisterdiebe Elbegast erzählt der jüngere Titurel
(Str. 4105 ed. Hahn 1842). daß er 'stelende was den vögeln eyer üz
58 129 a. Der Löwe und der Frosch.
der brüete'. 0. Melander, Joci atque seria 1603 nr. 2 'De Germano
quodam et Hispano'. Ebenso Sebillot, Contes 1, 57 'Les quatre fils du
meunier'. Russisch: Afanasjev1 5, nr. 6 'Klimka'. Zigeunerisch: Groome
p. 41 nr. 11 'The two thieves'. Kalmükisch: Eamstedt 1,3 nr. 3 =
Revue des trad. pop. 27, 323. Syrisch: Prym-Socin S. 170 nr. 42.
Lidzbarski S. 242. Indisch : Knowles p. 110 mit Anm. Madagassisch:
Renel 2, 118. Arabisch: Socin-Stumme, Houwära nr. 9 (Abh. der
sächs. Ges. 36, 107). Kabylisch: Riviere p. 13 'Les deux freres'.
129 a. Der Löwe und der Frosch.
(1815 nr. 43.)
Es war ein König und eine Königin, die hatten einen Sohn und
eine Tochter, die hatten sich herzlich lieb. Der Prinz ging oft auf die
Jagd und blieb manchmal lange Zeit draußen im Wald ; einmal aber kam
er gar nicht wieder. Darüber weinte sich seine Schwester fast blind;
endlich, wie sies nicht länger aushalten konnte, ging sie fort in den "Wald
und wollte ihren Bruder suchen.
Als sie nun lange Wege gegangen war, konnte sie vor Müdigkeit
nicht weiter; und wie sie sich umsah, da stand ein Löwe neben ihr, der
tat ganz freundlich und sah so gut aus. Da setzte sie sich auf seinen
Rücken, und der Löwe trug sie fort und streichelte sie mit seinem
Schwänze und kühlte ihr die Backen. Als er nun ein gut Stück fort-
gelaufen war, kamen sie vor eine Höhle; da trug sie der Löwe hinein,
und sie fürchtete sich nicht und wollte auch nicht herabspringen, weil
der Löwe so freundlich war. Also gings durch die Höhle, die immer
dunkler ward and endlich ganz stockfinster ; und als das ein Weilchen
gedauert hatte, kamen sie wieder an das Tageslicht in einen wunder-
schönen Garten. Da war alles so frisch und glänzte in der Sonne, und
mittendrin stand ein prächtiger Palast. Wie sie ans Tor kamen, hielt
der Löwe, und die Prinzessin stieg von seinem Rücken herunter. Da
fing der Löwe an zu sprechen und sagte: 'In dem schönen Haus sollst
du wohnen und mir dienen; und wenn du alles erfüllst, was ich fordere,
so wirst du deinen Bruder wiedersehen.'
Da diente die Prinzessin dem Löwen und gehorchte ihm in allen
Stücken. Einmal ging sie in dem Garten spazieren, darin war es so
schön, und doch war sie traurig, weil sie so allein und von aller Welt
verlassen war. Wie sie so auf und ab ging, ward sie einen Teich ge-
129 a. Der Löwe und der Frosch. 59
wahr, und auf der Mitte des Teichs war eine kleine Insel mit einem Zelt.
Da sah sie, daß unter dem Zelt ein grasgrüner Laubfrosch saß und hatte
ein Rosenblatt auf dem Kopf statt einer Haube. Der Frosch guckte sie
an und sprach: 'Warum bist du so traurig?' — 'Ach,' sagte sie, 'warum
sollte ich nicht traurig sein!' und klagte ihm da recht ihre Not. Da sprach
der Frosch ganz freundlich: 'Wenn du was brauchst, so komm nur zu
mir, so will ich dir mit Rat und Tat zur Hand gehen.' — 'Wie soll ich
dir das aber vergelten?' — 'Du brauchst mir nichts zu vergelten,' sprach
der Quakfrosch, 'bring mir nur alle Tage ein frisches Rosenblatt zur
Haube!' Da ging nun die Prinzessin wieder zurück und war ein bißchen
getröstet; und so oft der Löwe etwas verlangte, lief sie zum Teich, da
sprang der Frosch herüber und hinüber und hatte ihr bald herbeigeschafft,
was sie brauchte.
Auf eine Zeit sagte der Löwe: 'Heut abend äß ich gern eine
Mückenpastete; sie muß aber gut zubereitet sein.' Da dachte die Prin-
zessin: 'Wie soll ich die herbeischaffen! Das ist mir ganz unmöglich',
lief hinaus und klagte es ihrem Frosch. Der Frosch aber sprach: 'Mach
dir keine Sorgen ! Eine Mückenpastete will ich schon herbeischaffen.'
Darauf setzte er sich hin, sperrte rechts und links das Maul auf, schnappte
zu und fing Mücken, soviel er brauchte. Darauf hüpfte er hin und her,
trug Holzspäne zusammen und blies ein Feuer an. Wies brannte,
knetete er die Pastete und setzte sie über Kohlen, und es währte keine
zwei Stunden, so war sie fertig und so gut, als einer nur wünschen
konnte. Da sprach er zu dem Mädchen: 'Die Pastete kriegst du aber
nicht eher, als bis du mir versprichst, dem Löwen, sobald er eingeschlafen
ist, den Kopf abzuschlagen mit einem Schwert, das hinter seinem Lager
verborgen ist.' — 'Nein,' sagte sie, 'das tue ich nicht; der Löwe ist doch
immer gut gegen mich gewesen.' Da sprach der Frosch : 'Wenn du das
nicht tust, wirst du nimmermehr deinen Bruder wiedersehen, und dem
Löwen selber tust du auch kein Leid damit an.'
Da faßte sie Mut, nahm die Pastete und brachte sie dem Löwen.
'Die sieht ja recht gut aus,' sagte der Löwe, schnupperte daran und fing
gleich an einzubeißen, aß sie auch ganz auf. Wie er nun fertig war,
fühlte er eine Müdigkeit und wollte ein wenig schlafen; also sprach er
zurPrinzess: 'Komm und setz dich neben mich und krau mir ein bischen
hinter den Ohren, bis ich eingeschlafen bin !' Da setzt sie sich neben ihn,
kraut ihn mit der Linken und sucht mit der Rechten nach dem Schwert,
welches hinter seinem Bette liegt. Wie er nun eingeschlafen ist, so zieht
sie es hervor, drückt die Augen zu und haut mit einem Streich dem
Löwen den Kopf ab. Wie sie aber wieder hinblickt, da war der Löwe
verschwunden, und ihr lieber Bruder stand neben ihr, der küßte sie herz-
lich und sprach: 'Du hast mich erlöst; denn ich war der Löwe und war
60 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
verwünscht es so lang zu bleiben, bis eine Mädcbenhand aus Liebe zu
mir dem Löwen den Kopf abhauen würde.'
Darauf gingen sie miteinander in den Garten und wollten dem
Frosch danken. Wie sie aber ankamen, sahen sie, wie er nach allen
Seiten herumhüpfte und kleine Späne suchte und ein Feuer anmachte. Als
es nun recbt hell brannte, hüpfte er selber hinein, und da brennts noch
ein Bißchen, und dann geht das Feuer aus, und steht ein schönes Mädchen
da, das war auch verwünscht worden und die Liebste des Prinzen. Da
ziehen sie miteinander heim zu dem alten König und der Frau Königin,
und wird eine große Hocbzeit gehalten, und wer dabei gewesen, der ist
nicht hungrig nach Haus gegangen.
Aus der Maingegend. Am 31. Mai 1814 durch Lulu Jordis
geb. Brentano aufgezeichnet, die das Märchen von ihrer Mutter
Maximiliane geb. Laroche gehört hatte ; vgl. Steig, Brentano und die
Brüder Grimm 1914 S. 276 = Histor.-politische Blätter 151, 81. —
Über Erlösung durch Kopfabhauen vgl. oben 1, 9. 515. 2, 37,
auch nr. 66 (Häsichenbraut) und 135 (Die weiße und die schwarze
Braut). Kittredge, Journal of american folk-lore 18, 1 — 14. — Tonne-
lat, Les contes des freres Grimm 1912 p. 42 erinnert sich, das
Märchen auch in französischer Sprache gelesen zu haben.
1856 s. 2i3. 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
1819 nr. 130: aus der Oberlausitz (eingesetzt für 1815 S. 227
nr. 44 'Der Soldat und der Schreiner', unten nr. 130a). Zuerst
mitgeteilt von Th. Pescheck in Büschings Wöchentlichen Nachrichten
für Freunde des Mittelalters 2, 17—26 (1816) = L. Haupt, Sagen-
buch der Lausitz 2, 199, dann von Wilhelm Grimm 'in seine Weise
umgeschrieben'. Das dabei beobachtete Verfahren erläutert Hamann,
Die literarischen Vorlagen der KHM 1906 S. 77 und gibt S. 130
einen Parallel-abdruck beider Texte.
Die Geschichte Zweiäugleins ähnelt der Aschenbrödels (nr. 21)
und ist oben 1, 168 auch bereits mit ihr verglichen worden. Es
wird von Mutter und Schwestern mißhandelt (A1), doch von einer
weisen Frau (B1) und einer Ziege getröstet und gespeist (B3); aus
dem Eingeweide des getöteten Tieres erwächst ein Gold und Silber
abschüttelnder Baum (B4), und als der Freier sich einstellt, vermag
sie allein dessen Verlangen nach den Goldäpfeln zu erfüllen (D3)
und wird seine Gattin (E).
130. Einauglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. 61
In der zu Straßburg zwischen 1559 und 1566 gedruckten
Gartengesellschaft des Martin Montanus (cap. 5 = Montanus,
Schwankbücher hsg. von Bolte 1899 S. 250, vgl. S. 591) steht
die älteste Aufzeichnung des Märchens, betitelt 'Ein schöne
History von einer Frawen mit zweyen Kindlin'. Hier ist der
Haß der Stiefmutter wider Margretlin so groß, daß sie mit der
andern Tochter Annelin das Kind in den Wald führt und dort
allein läßt. Auf den Rat seiner Patin hat es aber Sägmehl unter-
wegs ausgestreut und findet dadurch den Weg nach Hause. Das
zweitemal, wo es Spreu mitnimmt, gehts ebenso; als es den dritten
Tag Hanfsamen fallen läßt, fressen die Vögel den weg, und
Margretlin irrt bis zum Abend im Walde umher, bis es an ein
Häuslein kommt, wo ein Erdkühlein wohnt. Dies nimmt das
Mädchen bei sich auf, läßt sich morgens und abends von ihr melken
und bringt ihr Samt und Seide zur Kleidung. Nach einem Jahre
kommt ihre Schwester in den Wald, erblickt das Häuslein, pocht an
und bittet solange, bis sie ihr wider das Gebot des Erdkühleins
auftut und alles, was ihr begegnet ist, erzählt. So hört die Stief-
mutter von dem Erdkühlein, holt es zu sich und läßt es vom
Metzger schlachten. Aus dem Schwanz, Hörn und Hufen, die
Margretlin in die Erde pflanzt, wächst ein schöner Apfelbaum auf.
Ein vorüberreitender Herr begehrt für seinen fieberkranken Sohn
ein paar Äpfel; als aber Annelin und die Mutter sie pflücken
wollen, heben sich die Äste empor und neigen sich erst, als
Margretlin hinzutritt. Da fragt der Herr, wie das zugehe, und
ladet, als er alles vernommen, sie ein, mit ihm zu kommen; gern
folgt sie und nimmt ihren Wunderbaum, der sich bald ausgraben
läßt, mit. — Hier gleicht also der Eingang der Erzählung von
Hansel und Gretel (nr. 15), während die neidische Schwester weder
einäugig noch dreiäugig *) ist und der einschläfernde Zauberspruch,
der an den windbannenden Spruch in nr. 89 mahnt, fehlt.
J) In Vonbuns Beiträgen zur deutschen Mythologie aus Churrätien
1862 S. 53 singt das Fänkenmannli, während es die süßen Gemskäslein
bereitet, dem in seiner Höhle befindlichen einäugigen Hirtenknaben jedes-
mal zu : 'Einäugelein, schlaf ein !' Einst aber findet sich dessen zwei-
äugiger Bruder aus Neugier ein und schließt bei dem Spruche nur ein
Auge. — In der magyarischen Fassung des Mädchens ohne Hände (Jones-
Kropf p. 183) schläfert die Heldin den Prinzen durch einen ähnlichen
Spruch ein, gleitet aber aus und weckt ihn durch ihre Berührung.
62 130. Einäuglein, Zweiäuglem und Dreiäuglein.
In einer am Rheine (vor 1856) erzählten Fassung sind es
acht Schwestern, deren jede ein Auge mehr hat. In der
siebenbürgischen bei Haltrich 4 nr. 36 'Das Zauberhorn' sieht
die dreiäugige Schwester, wie ein Stier für Gretchen spinnt; darauf
wird er getötet, ersteht aus dem von Gretchen aufbewahrten Hörn
wieder, bekämpft den Bären, in den sich die Stiefmutter verwandelt
hat, und wird endlich zu einem schönen Prinzen. Auch in der
ostpreußischen Fassung bei Lemke 3, 157 'Die gute Kuh'
spinnt die Kuh für die Heldin, die Stiefschwester tritt aber erst
beim Pflücken der Goldäpfel hervor.
Dänisch in Grundtvigs hsl. Reg. 47 (Coxp. 235) 'Mette Trsehsette'
(A1 B1 • 3 C3 ■ 2 D1 E. Die dreiäugige Schwester, durch den Spruch
nicht eingeschläfert, belauscht die Heldin am Grabe der Mutter, wie
zwei Tauben ihr Speise bringen). Ebenso bei F. Carlsen, Efterretninger
om Gammelkjoge gaard 2, 144 (1878) = Folk-lore 18, 195 'Mette
Trsehaette'. Bei Kristensen, Danske Folkaseventyr 1, 57 nr. 8
'Den lille Guldsko' (vgl. Cox p. 282. A^C^D1 E) bietet der
hilfreiche Stier dem hungernden Mädchen nicht nur Speisen aus
seinem rechten Ohre, sondern fordert sie auch auf, mit ihm zu
fliehen. Als sie trotz seiner Warnung im Kupfer-, Silber- und Gold-
walde x) einen Zweig abbricht, muß der Stier mit dem kupfernen,
silbernen und goldenen Stier kämpfen und erliegt dem letzten.
Sie schneidet ihm das rechte Ohr ab, das ihr im Königsschlosse
kostbare Kleider liefert. Dem Diener, den ihr der Prinz beim
Verlassen der Kirche nachsendet, antwortet sie, sie komme aus
Wasserland, Kammland, Handtuchland. Ähnlich 'Den lille rode
Kalv' aus Grundtvigs hsl. Sammlung bei Cox p. 236 (A1 B3 C3 • 2 D1 E).
— Dieselben Züge finden wir wieder in einer unvollständigen
schwedischen Aufzeichnung von Claus Laurentii aus Calmar
v. J. 1612 (Schuck im Samlaren 8, 178. 1887. Ahlström 1895 S. 63):
um der Heirat mit einem verhaßten Knechte zu entgehen, flieht
die Bauerntochter auf ihrem Stier. Im Eichen-, Hasel- und Linden-
walde bricht sie wider das Verbot ein Blatt ab und hat nun drei
Kleider von Messing, Silber und Gold, der Stier aber wird von
Wölfen zerrissen. Ebenso bei Bondeson, Historiegubbar S. 192
'Flickan och Kon', wo aus dem vergrabenen Herzen der Kuh ein
*) Zu der Reihe Kupfer, Silber, Gold vgl. R. Köhler 1, 412. 437;
auch unten S. 78.
130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. 63
Apfelbaum entsprießt, dessen Früchte nur die Heldin pflücken kann.
Steffen 1, 18 'Guldoxen ä silfveroxen ä diamantoxen'. Aberg nr. 19
'Karin Trsetjola'. Bei Nordlander 1892 S. 44 'Fröken Skinnpäls
rör i askan' ist ein Bär an die Stelle des Ochsen getreten, in dessen
Haut sich das Mädchen nachher hüllt. — Ein Stier ist es im
norwegischen Märchen bei Asbjörnsen-Moe nr. 19 'Kari Trästak'
= Stroebe 2, 146 = Dasent 1859 p. 411 'Katie Woodencloak'
(A1BC3-2D1E) und bei Söegaard, I Fjeldbygdene p. 17 'Kraake
Lange' bei Cox p. 397 (A1 B3 C3 D1. Die Stiefschwester, der ihre
Mutter noch zwei Augen in den Nacken gesetzt hat, belauscht die
Speisung durch den Ochsen. Auf des Ochsen Grab darf die Heldin
drei Wünsche tun. Angeschlossen wird die Erzählung von der
untergeschobenen Braut; der Jüngling, der die Magd aus ihrer
Niedrigkeit zieht, ist ihr Bruder; er rühmt dem Könige ihre
Schönheit, aber die Stiefmutter stürzt sie auf der Brautfahrt ins
Meer usw.). — Englisch aus Aberdeenshire im Eolk-lore Journal
2, 72 'The red calf (A1 B C» D* E). — Gälisch bei Campbell nr. 43
'The sharp grey sheep' ; vgl. E. Köhler 1, 258. 272 (A1 B C3 D1 E :)
Dreiäuglein verrät das speisebringende Schaf, das geschlachtet und
wieder belebt wird, aber lahm bleibt, weil das Mädchen die
Hufe zu sammeln vergessen hat. In der von Kenneth MacLeod bei
Cox p. 534 mitgeteilten Fassung aus Inverness-shire wird das Schaf
als die Mutter der Heldin bezeichnet. Diese schläfert ihre lauschende
Stiefschwester zweimal mit dem Spruche ein :
'Shut one eye, Shut your eyes
Shut two eyes, In deep sleep!'
vergißt aber beim dritten Male zu sagen: 'two eyes'. Das Schaf
wird geschlachtet, ersteht aber aus den gesammelten Knochen wieder
als eine schöne Frau. Es folgt die Begegnung beim Tanz, die
Schuhprobe, die falsche Braut und Hochzeit.
Französisch bei Sebillot, Contes 1, 15 nr. 3 'Le taureau
bleu' (A1 B C3 D1 E. Die Heldin flieht auf dem Ochsen durch den
Kupfer-, Silber- und Goldwald wie in den skandinavischen Fassungen,
wird Jaquette de bois genannt). Über Luzel, Contes 3, 134 'Le
chat noir' vgl. oben 1, 173. Aus der Bourgogne bei Beauvois
p. 239 'La petite Annette' (A1 B1 • 3 ■ 4 D3 E. Jungfrau Maria gibt ein
Stäbchen, mit dem des Widders Ohr berührt wird; dreiäugige
Stiefschwester lauscht. 'Endors-toi d'un oeil, endors-toi de deux
yeux!' Aus der Leber des Widders ein Apfelbaum). Ähnlich
64 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
Sebillot, Contes 1, 331 nr. 58 'La petite brebiette blanche' (aus den
Füßen des Schafes entsteht ein Schloß) und 2, 167 nr. 29 'Le petit
mouton Martinet' (A1 B1' 3 E): Die Stiefschwester sieht das drittemal,
wie der Widder auf die Worte Fanchettes:
'Par la vertu de mon mouton Martin,
Qu' il vienne une table oü j'aie tout ä souhait'
Speisen spendet ; aus dem Kopfe des Widders wird ein Schloß ; die
Stiefmutter wird getötet. Orain p. 3 'La fee du puits' (ähnlich).
Luzel, Legendes 2, 264 'Le petit agneau blanc' (entstellt. A1 B1" 4
D3 E. Aus Kopf und Füßen des Lammes eine Weinquelle und vier
Fruchtbäume). Cosquin 1, 246 nr. 23 'Le poirier d'or' (entsprießt aus
den Knochen des geschlachteten Widders) und 1, 248 'Les clochettes
d'or' (angehängt die untergeschobene Frau). — Aus Korsika bei
Ortoli p. 81 'Les trois pommes de Mariucella' (A1 B3 • 4 E. Von den drei
Äpfeln in der geschlachteten spinnenden Kuh ißt die Heldin einen,
aus dem zweiten wird ein Hahn, der die Unterschiebung der Stief-
schwester als Königsbraut verrät, aus dem dritten ein Apfelbaum.
Die Stiefmutter versteckt die rechte Braut im Faß wie bei Basile
3, nr. 10). Auch von den oben 1, 173 angeführten italienischen
Märchen gehören einige zugleich hierher: Busk p. 31 'Vaccarella'.
Imbriani p. 195 nr. 14 'La bella e la brutta' (spinnende Kuh; Katze
verrät die Unterschiebung der Braut wie bei Imbriani nr. 13 'II
luccio'; Glastreppe der Feen wie oben 1, 215) und nr. 15 'La
bella Caterina'. De Gubernatis, Novelline nr. 1 'La bella e la brutta'
(spinnende Kuh; Glastreppe). Nerucci nr. 32 La ragazza serpe'
(vermischt mit der untergeschobenen Braut). — Serbokroatisch:
M. Stojanovie, Pucke pripovijetke S. 183 nr. 38 (A1 B3B4 C3 Di E; die
Kuh spinnt auf Zureden einer weißen Frau ; im Magen der Kuh ist
ein Koffer mit Kleidern). Kesetar, Serbokroat. Kolonien Süditaliens
S. 237 (A1 B3-4 O2 D1). — Wendisch: Sewcik S. 37. — Groß-
russisch: Afanasjev3 1, 76 nr. 56. 57; vgl. Ealston p. 183. 295 — 297.
De Gubernatis, Die Tiere S. 138. Gouv. Olonetz : Oneukov S. 313 nr. 129
'Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein' (B3,4. Schuhprobe). Sbornik
Kavkaz. 16, 1, 181 nr. 1 (die Sterbende vermacht der Tochter die Kuh ;
AXB3,4D3; die der Waise auferlegten Aufgaben erfüllt ein Häschen;
Besuch beim Prinzen, Schuhprobe ; die Stiefmutter verwandelt die
Braut in ein Tier und schiebt ihre Tochter unter ; die Amme vernimmt
den Tausch vom Häschen und meldet ihn dem Prinzen). — Litauisch
bei Leskien-Brugman S. 447 nr. 25 'Von dem Mädchen, das eine
130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäaglein. 65
Hexe zur Stiefmutter hatte' (A1 B1 ■ 3 ■ 4 D1 E. Mutter im Grabe
rät; spinnende Kuh; ein-, zwei- und dreiäugige Stiefschwester
lauschen; aus dem Eingeweide der Kuh ein Weinbrunnen und ein
Apfelbaum). — Estnisch bei Kallas nr.40 'Der Bösen Tochter und
das Waiaenmädchen' (A1B14C3D1E. Mutter im Grabe antwortet.
Angehängt die untergeschobene Braut) und nr. 42 (Mutter im Grabe,
Wunderkuh, Apfelbaum). — Ungarisch: Horger nr. 2 (Anfang).
Eine arabische Erzählung bei Dulac, Journal asiatique 1885,
11 = Basset, Contes d'Afrique p. 102 'La vache des orphelins' hat
die Besonderheit, daß zwei Geschwister von der Kuh gespeist und
von ihren Stiefgeschwistern belauscht werden ; als die Stiefmutter die
Kuh schlachten läßt, entsteht aus ihren Knochen ein Aloebaum. Ähn-
lich kabylisch bei Biviere p. 67 'Les deux orphelins'. —Indisch
bei Knowles p. 127 'The wicked stepmother' (Ziege = rechte Mutter,
einäugige Stiefschwester, Knochen vergraben ; der König findet in
einem Fisch den Nasenring des Mädchens, forscht nach ihr und
heiratet sie). Frere nr. 1 'Bunchkin' = Bassow S. 31 (sieben
Schwestern stillen ihren Hunger an einem Bomelobaum und einem
Milchbrunnen am Grabe ihrer Mutter, bis die Stiefmutter beides zer-
stört). — Malaiisch aus Celebes bei Adriani, Tijdschrift voor
indische taalkunde 40, 367 (1898. Mit Nachweisen). Matthes, Bijdragen
tot de taalkunde van Nederl. Indie 4. r. 10, 471 = Bezemer 1904
S. 373 (Fisch, Baum). Schwarz, Tontemboansche texten 2, 81 nr. 24
'Het Stiefkind en de koe'. — Madagaskar: Benel 1, 35. 154.
2, 258. — Im brasilischen Märchen bei Bomero p. 59
'0 papagaio do limo verde' kommen die lauschenden Schwestern
Dreiäuglein, Zweiäuglein, Einäuglein vor (vgl. oben 2, 265) ; ebd. p. 52
'Maria Borralheira' die hilfreiche Kuh und die Schuhprobe.
In einer andern Märchengruppe wird ein Knabe auf gleiche
Weise von einer Kuh (oder einem Stier oder Bferd) genährt, mit
der er entrinnt, als sie geschlachtet werden soll. Sieben-
bürgisch bei Haltrich nr. 18 'Der starke Hans' (die Kuh ist seine
verwandelte Mutter, die dritte Stiefschwester hat zwei Augen im
Nacken, wie der Alraun bei Arnim, Werke 1, 34). Dänisch:
Kristensen, Folkesev. fra Jylland 4, 138 nr. 26 'Den blaa stud' und
Danske Folkeseventyr S. 174 nr. 26 'Tyren og Brinsessen pä Glas-
bjserget'. Norwegisch: Asbjörnsen-Moe 1854 S. 415. 418. Moe
hsl. bei Cox p. 455 'Gutten og Stuten'. Söegaard. I Fjeldb}rgderne
1868 p. 13 'Vesle brune Okse'. Isländisch: Bittershaus S. 36
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 5
66 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
nr. 8 'RauÖiboli'. Rumänisch: Staufe hsl. nr. 25 'Kuhsohn' (Zs. f.
Volksk. 9, 86); P. Schullerus nr. 44 'Der Knabe und der Ochs'
(Archiv 33, 490. Die dritte Tochter hat ein Auge im Nacken).
Serbokroatisch: Krauß 2, 346 nr. 139 'Held Hirte und das
scheckige Kühlein'. Valjavec S. 49 nr. 15= Leskien nr. 44 'Eine Vila
kämmt die Frau'. Zs. Vila 1866 2, 815 (als der Stier im Kampfe
mit Drachen unterliegt, nimmt der Knabe aus seinem linken
Hörne Speise, aus dem rechten Viehherden). Tordinac S. 10
nr. 6. Kica 7, nr. 48 S. 1. Wendisch: Erben, Cit. S. 86
(oben 1, 107). Cechisch aus Mähren: Elpl S. 71 nr. 17 (Knabe
entflieht mit dem Pferde der Stiefmutter; dann Grindkopf-
thema). Polnisch: Kozlowski S. 312 nr. 5 (Knabe und Mädchen
fliehen auf der Kuh vor dem Stiefvater). Kleinrussisch:
Rozdolskyj nr. 37 (Etnogr. Zbirn. 7, 48. Kuh). Zdziarski, Garsc
basni S. 13 nr. 7 (Kuh). Großrussisch: Afanasjev3 2, 209 nr.
165 a (Pferd). Aus dem Gouv. Jenissejsk: Zapiski Krasnojarsk. 2,
236 nr. 56 (Pferd. Drachenkampf). 1, 17 nr. 4 (treulose Mutter,
Grindkopf 'Neznajko'). Sadovnikov nr. 65 = v. Löwis nr. 34 'Van-
juschka und Annuschka (Stier). Lettisch: Ulanowska nr. 25 (Zbiör
18, 302. Sterbend empfiehlt die Mutter das Mädchen der
Kuh. B^DSE). Ungarisch: Gaal-Stier S. 61 nr. 8 'Weiß-
nitle' (Pferd; Grindkopf). Arany S. 111 'Die rote Kuh' (Ein-
äuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein; kupferne, silberne und
goldene Brücke). Zigeunerisch aus England: Groome p. 205
'De little bull-calf (Cox p. 450). Tatarisch: Sbornik mater.
Kavkaz. 35, 2, 88 nr. 3 (Pferd). Indisch: Campbell, Santal folk
tales p. 15. Dracott p. 83 nr. 22 A1 B3). Hahn, Geisteswelt der
Kols S. 28 nr. 16 'Der Knabe und der Ochse'. Arabisch: Spitta-
Bey p. 152 'Histoire du prince et de son cheval'. Artin Pacha
p. 115 nr. 7. Müller, Mehri- und Soqotri-Sprache 3, 114 'Begehrt'
(Stute). Reinisch. Die Somali-Sprache 1, 259 'Geschichte zweier
Brüder' (Stute; Brüdermärchen wie nr. 60). Kafferisch: Theal
p. 169 'The wonderful horns'.
130 a. Der Soldat und der Schreiner. 67
150 a. Der Soldat und der Schreiner.
(1815 nr. 44.)
Es wohnten in einer Stadt zwei Tischler, deren Häuser stießen an-
einander, und jeder hatte einen Sohn. Die Kinder waren immer bei-
sammen, spielten miteinander nnd hießen darum das Messerchen und
Gäbelchen, die auch immer nebeneinander auf den Tisch gelegt
werden. Als sie nun beide groß waren, wollten sie auch voneinander
nicht weichen. Der eine war aber mutig und der andere furchtsam ; da
ward der eine Soldat, der andere lernte das Handwerk. Wie die Zeit
kam, daß dieser wandern mußte, wollt ihn der Soldat nicht verlassen,
und gingen sie zusammen aus. Sie kamen nun in eine Stadt, wo der
Tischler bei einem Meister in die Arbeit ging; der Soldat wollte da auch
bleiben und verdingte sich bei demselben Meister als Hausknecht. Das
war gut gewesen ; aber der Soldat hatte keine Lust am Arbeiten, lag auf
der Bärenhaut, und es dauerte nicht lang, so wurde er von dem Meister
weggeschickt. Der Fleißige wollt' ihn aus Treue nun nicht allein lassen,
sagte dem Meister auf und zog mit ihm weiter. So gings aber immer
fort; hatten sie Arbeit, so dauerte es nicht lang, weil der Soldat faul
war und fortgeschickt wurde, der andere aber nicht ohne ihn bleiben
wollte.
Einmal kamen sie in eine große Stadt; weil aber der Soldat keine
Hand regen wollte, ward er am Abend schon verabschiedet, und sie
mußten dieselbe Nacht wieder hinaus. Da führte sie der Weg vor einen
unbekannten großen Wald; der Furchtsame sprach: 'Ich geb nicht hinein;
dai'in springen Hexen und Gespenster herum.' Der Soldat aber ant-
wortete : 'Ei was, davor furcht ich mich noch nicht,' ging voran, und der
Furchtsame, weil er doch nicht von ihm lassen wollte, ging mit. In
kurzer Zeit hatten sie den Weg verloren und irrten in der Dunkelheit
durch die Bäume, endlich sahen sie ein Licht. Das suchten sie auf und
kamen zu einem schönen Schloß, das hell erleuchtet war, und haußen lag
ein schwarzer Hund, und auf einem Teich neben saß ein roter Schwan.
Als sie aber hineintraten, sahen sie nirgends einen Menschen, bis sie in
die Küche kamen; da saß noch eine graue Katze bei einem Topf am
Feuer und kochte. Sie gingen weiter und fanden viele prächtige Zimmer,
die waren alle leer, in einem aber stand ein Tisch, mit Essen und Trinken
reichlich besetzt. Weil sie nun großen Hunger hatten, machten sie sich
daran und ließen sichs gut schmecken. Darnach sprach der Soldat:
'Wenn du gegessen hast und satt worden bist, sollst du schlafen gehen,'
machte eine Kammer auf, darin standen zwei schöne Betten. Sie legten
sich, aber als sie eben einschlafen wollten, fiel dem Furchtsamen ein, daß
5*
68 130 a. Der Soldat und der Schreiner.
sie noch nicht gebetet hätten. Da stand er auf und sah in der Wand
einen Schrank, den schloß er auf, und war da ein Kruzifix mit zwei
Gebetbüchern dabei. Gleich weckte er den Soldaten, daß er aufstehen
mußte, und sie knieten beide nieder und taten ihr Gebet ; darnach schliefen
sie ruhig ein.
Am andern Morgen kriegte der Soldat einen heftigen Stoß, daß er
in die Höhe fuhr. 'Du, was schlägst du mich,' rief er dem andern zu,
der aber hatte auch einen Stoß gekriegt und sprach: 'Was stößt du mich!
Ich stoß dich nicht.' Da sagte der Soldat : 'Es wird wohl ein Zeichen
sein, daß wir hervor sollen.' Wie sie nun herauskamen, stand schon ein
Frühstück auf dem Tisch. Der Furchtsame sprach aber : 'Eh wir es an-
rühren, wollen wir erst nach einem Menschen suchen.' — 'Ja,' sagte der
Soldat, 'ich mein auch immer, die Katze hätts gekocht und eingebrockt,
da vergeht mir alle Lust.'
Sie gingen also wieder von unten bis oben durchs Schloß, fanden
aber keine Seele; endlich sagte der Soldat: 'Wir wollen auch in den
Keller steigen.' Wie sie die Treppe herunter waren, sahen sie vor dem
ersten Keller eine alte Frau sitzen ; sie redeten sie an und sprachen :
'Guten Tag ; hat sie uns das gute Essen gekocht ?' — 'Ja, Kinder, hats
euch geschmeckt?' Da gingen sie weiter und kamen zum zweiten Keller,
davor saß ein Jüngling von vierzehn Jahren ; den grüßten sie auch, er
gab ihnen aber keine Antwort. Endlich kamen sie in den dritten Keller,
davor saß ein Mädchen von zwölf Jahren, das antwortete ihnen auch
nicht auf ihren Gruß. Sie gingen noch weiter durch alle Keller, fanden
aber weiter niemand. Wie sie nun wieder zurükkamen, war das Mädchen
von seinem Sitz aufgestanden; da sagten sie zu ihm: 'Willst du mit uns
hinaufgehen ?' Es sprach aber : 'Ist der rote Schwan noch oben auf dem
Teich ?' — 'Ja, wir haben ihn beim Eingang gesehen.' — 'Das ist traurig,
so kann ich nicht mitgehen.' Der Jüngling war auch aufgestanden, und
als sie zu ihm kamen, fragten sie ihn : 'Willst du mit uns hinauf gehen?'
Er abe^ sprach: 'Ist der schwarze Hund noch auf dem Hof?' — 'Ja,
wir haben ihn beim Eingang gesehen.' — 'Das ist traurig, so kann ich
nicht mit euch gehen.' Als sie zu der alten Frau kamen, hatte sie sich
auch aufgerichtet. 'Mütterchen,' sprachen sie, 'wollt Ihr mit uns hinauf-
gehen?' — 'Ist die graue Katze noch oben in der Küche?' — 'Ja, sie sitzt
auf dem Herd bei einem Topf und kocht.' — 'Das ist traurig; eh ihr
nicht den roten Schwan, den schwarzen Hund und die graue Katze tötet,
können wir nicht aus dem Keller heraus.'
Als die zwei Gesellen wieder oben in die Küche kamen, wollten sie
die Katze streicheln; sie machte aber feurige Augen und sah ganz wild
aus. Nun war noch eine kleine Kammer übrig, in der sie nicht gewesen
waren, wie sie die aufmachten, war sie ganz leer, nur an der Wand ein,
130 a. Der Soldat und der Schreiner. 69
Bogen und Pfeil, ein Schwert und eine Eisenzange. Über Bogen und
Pfeil standen die Worte: 'Das tötet den roten Schwan', über dem
Schwert : 'Das haut dem schwarzen Hund den Kopf herunter' und über
der Zange : 'Das kneift der grauen Katze den Kopf ab.' — 'Ach,' sagte
der Furchtsame, 'wir wollen fort von hier' ; der Soldat aber : 'Nein, wir
wollen die Tiere aufsuchen.' Sie nahmen die Waffen von der Wand und
gingen in die Küche, da standen die drei Tiere, der Schwan, der Hund
und die Katze, beisammen, als hätten sie was Böses vor. Wie der
Furchtsame das sah, lief er wieder fort; der Soldat sprach ihm ein Herz
ein, er hingegen wollte erst etwas essen. Wie er gegessen hatte, sagte
er : 'In einem Zimmer hab ich Harnische gesehen, da will ich einen zu-
vor anlegen.' Als er in dem Zimmer war, wollt' er sich forthelfen und
sprach: 'Es ist besser, wir steigen zum Fenster hinaus. Was kümmern
uns die Tiere!' Wie er aber zum Fenster trat, war ein stark Eisengitter
davor. Nun könnt' ers nicht länger verreden, ging zu den Harnischen
und wollte einen anziehen, aber sie waren alle zu schwer. Da sagte der
Soldat: 'Ei was, laß uns so gehen, wie wir sind!' — 'Ja,' sprach der
andere, 'wenn unser noch drei wären!' Wie er die Worte sprach, da
flatterte eine weiße Taube außen ans Fenster und stieß daran. Der
Soldat machte ihr auf, und wie sie herein war, stand ein schöner Jüng-
ling vor ihnen, der sprach : 'Ich will bei euch sein und euch helfen' und
nahm Bogen und Pfeil. Der Furchtsame sprach, er hätts am besten mit
dem Bogen und Pfeil, nach dem Schuß wärs gut und er könnte hin-
gehen, wohin er Lust hätte, sie aber müßten mit ihren Waffen den
Zaubertieren näher auf den Leib. Da gab der Jüngling ihm den Bogen
und Pfeil und nahm das Schwert.
Da gingen alle drei zur Küche, wo die Tiere noch beisammen
standen, und der Jüngling hieb dem schwarzen Hund den Kopf ab, und
der Soldat packte die graue Katze mit der Zange, und der Furchtsame
stand hinten und schoß den roten Schwan tot. Und wie die drei Tiere
niederfielen, in dem Augenblick kam die Alte und ihre zwei Kinder mit
großem Geschrei aus dem Keller gelaufen: 'Ihr habt meine liebsten
Freunde getötet, ihr seid Verräter,' drangen auf sie ein und wollten sie
ermorden. Aber die drei überwältigten sie und töteten sie mit ihren
Waffen; und wie sie tot waren, fing auf einmal ein •wunderliches Ge-
murmel ringsherum an und kam aus allen Ecken. Der Furchtsame
sprach : 'Wir wollen die drei Leichen begraben ; es waren doch Christen,
das haben wir am Kruzifix gesehen.' Sie trugen sie also hinaus auf den
Hof, machten drei Gräber und legten sie hinein.
Während der Arbeit nahm aber das Gemurmel im Schloß immer
zu, ward immer lauter, und wie sie fertig waren, hörten sie ordentlich
Stimmen darin, und einer rief; 'Wo sind sie, wo sind sie?' Und weil
70 130 a. Der Soldat und der Schreiner.
der schöne Jüngling nicht mehr da war, ward ihnen Angst, und sie
Hefen fort. Als sie ein wenig weg waren, sagte der Soldat: 'Ei, das ist
Unrecht, daß wir so fortgelaufen sind; wir wollen umkehren und sehen,
was dort ist.' — 'Nein,' sagte der andere, 'ich will mit dem Zauberwesen
nichts zu tun haben und mein ehrliches Auskommen in der Stadt suchen.'
Aber der Soldat ließ ihm keine Ruhe, bis er mit ihm zurückging.
Wie sie vors Schloß kamen, war alles voll Leben ; Pferde sprangen
durch den Hof, und Bediente liefen hin und her. Da gaben sie sich für
zwei arme Handwerker aas und baten um ein wenig Essen. Einer aus
dem Haufen sprach : 'Ja, kommt nur herein ! Heut wird allen Gutes
getan.' Sie wurden in ein schönes Zimmer geführt, und ward ihnen
Speise und Wein gegeben. Darnach wurden sie gefragt, ob sie nicht zwei
junge Leute von der Burg hätten kommen sehen. 'Nein,' sagten sie.
Als aber einer sah, daß sie Blut an den Händen hatten, fragte er, woher
das Blut käme. Da sprach der Soldat: 'Ich habe mich in den Finger
geschnitten.' Der Diener aber sagte es dem Herrn; der kam selber und
wollt es sehen, es war aber der schöne Jüngling, der ihnen beigestanden
hatte, und wie er sie mit Augen sah, rief er : 'Das sind sie, die das
Schloß errettet haben.' Da empfing er sie mit Ereuden und erzählte,
wie es zugegangen wäre : 'Im Schloß war eine Haushälterin mit ihren
zwei Kindern, die war eine heimliche Hexe; und als sie einmal von der
Herrschaft gescholten wurde, geriet sie in Bosheit und verwandelte alles,
was Leben hatte im Schloß, zu Steinen. Nur über drei andre böse Hof-
bediente, die auch Zauberei verstanden, hatte sie keine rechte Gewalt
und konnte sie nur in Tiere verwandeln, die nun oben im Schloß ihr
Wesen trieben ; dabei fürchtete sie sich vor ihnen und flüchtete mit ihren
Kindern in den Keller. Auch über mich hatte sie nur soviel Gewalt
gehabt, daß sie mich in eine weiße Taube außerhalb des Schlosses ver-
wandeln konnte. Wie ihr zwei ins Schloß kamt, da solltet ihr die Tiere
töten, damit sie frei würde, und zum Lohn wollte sie euch wieder um-
bringen. Aber Gott hat es besser gemacht, das Schloß ist erlöst, und die
Steine sind wieder lebendig geworden in dem Augenblick, wo die gott-
lose Hexe mit ihren Kindern getötet wurde; und das Gemurmel, das ihr
gehört, das waren die ersten Worte, welche die Freigewordenen
sprachen.'
Darauf führte er die zwei Gesellen zu dem Hausherrn, der hatte
zwei schöne Töchter, die wurden ihnen gegeben, und sie lebten vergnügt
ihr Lebenlang als große Bitter.
Aus dem Münster land. — Manches darin ist gut und recht
märchenhaft, doch scheint das Ganze gelitten zu haben, teils durch
131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. 71
Lücken, teils durch Verwirrung. Insbesondre fällt auf, daß die
Helden nicht von einer verzauberten Person zur Erlösung des
Schlosses angeleitet werden, sondern zufällig in den Streit der bos-
haften Zauberer hineingeraten. In der zweiten Auflage blieb das
Märchen fort. Abgedruckt bei Bahlmann, Münsterländische Märchen
1898 S. 10.
131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. ^s. 213.
1815 nr. 45 = 1819 nr. 131. Aus dem Paderbörnischen
durch die Familie v. Haxthausen am 27. Mai 1812. Danach Rochholz,
Alemannisches Kinderlied 1857 S. 164 und Böhme, Deutsches Kinder-
lied 1897 S. 247 nr. 1227 'Der Brautschatz'.
Sehr ähnlich aus Oldenburg in der anonymen Sammlung
'Aus dem Kinderleben' 1851 S. 71 'Die Freite'. Etwas verschieden
in Bremen (1822). Der Vater Bürstenbinder heißt Ohnethee, der
Bräutigam Pichelpachelpaltrie, die Mutter Dorothee, der Bruder Ohne-
stolz, die Schwester Kieseltraut und die Braut Katherliese. Die Be-
grüßungen, Fragen und Antworten wie in unserm Märchen, nur die
Reime etwas verschieden :
"Wo ist denn die Mutter Dorothee?
'Sie ist in der Küche und kocht den Tee.'
Wo ist der Bruder Ohnestolz ?
'Er ist im Stall und hackt das Holz.'
Wo ist die Schwester Kieseltraut?
'Sie ist im Garten und hackt das Kraut.'
Wo ist die Katherliese?
'Sie ist im Hanf und pflückt Radiese.'
Hernach geht die Mutter zu der Gevatterin und spricht :
Guten Tag, Frau Gevatterin.
'Schönen Dank, Frau Gevatterin, wo will sie hin?'
Nach Witzenhausen (in Hessen), Frau Gevatterin.
'Was will sie da machen, Frau Gevatterin?'
Rosmarin holen, Frau Gevatterin.
'Was will sie damit machen, Frau Gevatterin?'
Weiß sie nicht, daß meine Tochter eine Braut ist, Frau
Gevatterin ?
72 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie.
'Wen hats denn, Frau Gevatterin?'
Rat sie einmal, Frau Gevatterin!
'Einen Doktor?' — Viel besser.
'Einen Professor?' — Noch besser.
'Wohl gar einen Besenbinder?' — Sie hats geraten.
'Was kriegts alle mit, Frau Gevatterin?'
Eine Metze Hotzeln, eine Metze Schnitzeln, einen Bieter-
wamsrock, Schürzenfleckeln, einen Heller an barem
Geld. Ists nicht genug, Frau Gevatterin ? Kostet eine
Tochter nicht viel, wenn sie heiraten tut?
Der erste Teil dieses gereimten Gespräches, die Braut-
werbung, ist ein altes Gesellschaftsspiel. Einen nieder-
deutschen Text davon hat 1587 der Braunschweiger Kantor
0. S. Harnisch (Newe lustige teutsche Liedlein, Helmstedt 1587 nr.
12 = 1588 nr. 28) dreistimmig gesetzt; Abdruck bei Uhland, Volks-
lieder 1844 nr. 273, Böhme, Altdeutsches Liederbuch nr. 233 und Erk-
Böhme, Liederhort 2, 657 nr. 863. Hier fragt der Freier ebenso nach
dem Vater des begehrten Mädchens :
Wor is juwe Vader Hoenthei?
'Hei is im Hof und drift dat Vei.'
Guden Dach, Her Hoenthei,
Hir bin ick, Her, und kom to deck,
Und dat du wollest geven meck
Dine Dochter1) to der E.
Er wird aber weiter gewiesen an die Mutter, den Bruder und
die Schwester:
'Dat müsten deck gar und ganz wol bescheiden
Wolle Vader Hoenthei,
Wolle Moder Godegei,
Wolle Broder Volenstolt,
Wolle Süster Giseldrut,
Wolle sei dann noch sülven
De schnucker schnacker wacker Köckernölcken van Truthei.'
So fragt er die Genannten der Reihe nach:
Wor is juwe Moder Godegei?
'Sei is im Hof und melkt dat Vei.' —
Wor is juwe Broder Volenstolt?
'Hei is im Hof und haut dat Holt.' —
a) Irrig hat der Druck: Süster.
131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. 73
Wor is juwe Süster G-iseldrut?
'Sei is im Hof und weit (!) dat Krut.' —
Wor is juwe wacker Köckernölckn?
'Sei1) is im Hof und sckelt Zipölckn.'
In dem ähnlichen Liede aus dem Kuhländchen 'Wem gilt
der Besuch?' (Meinert, Volkslieder in der Mundart des Kuhländchens
1817 S. 241) begrüßt der Fremde den Hausvater, Viehtreiber, die
Wirtin, Köchin und Kuhmagd, ohne eine Werbung vorzubringen :
'Wie ies denn ounsa Voter, dar lange Mon? — Diett ai jeäner
Schaier meißt har dos Koen\
Eine Schweizer Aufzeichnung bei Kochholz, Kinderlied S. 167
nr. 279 läßt auch die Begrüßung der Hausgenossen fallen :
Wo ist denn der Vatter, der alte Mann?
'Er ist i der Chuchi und schärt die Pfann.'
Wo ist denn die Muetter, die alti Frau?
'Sie ist i der Chammer und rutscht im Strau.'
Wo ist denn der Sohn, der Grugelhuet?
'Er ist üfm Acher und zieht de Pflueg.'
Wo ist denn die Tochter, die Lützelhübsck?
'Sie ist i der Stube-n und mutzt sech hübsch.'
Wo ist denn die Chöchi, de Hasefratz?
'Sie ist i der Chuchi und spickt die Chatz.'
Vgl. noch die unten zu nr. 140 angeführte paderbörnische
Fassung.
Der zweite Teil unsres Scherzdialogs von der Bes enbinders-
hochzeit ist aus Anhalt-Dessau übereinstimmend mit der
Bremer Fassung überliefert bei Fiedler, Volkslieder und Volksreime
1847 S. 84 = Wegener, Volkstümliche Lieder aus Norddeutschland
1879S.48nr. 163. Man hat auch in Bremen noch den Reim (1822):
Bürstenbinders Tochter und Besenbinders Sohn
Die haben sich versprochen, sie wollen einander hon.
Die Mutter kam gelaufen und schrie im Laufen laut:
'Victoria, Victoria! meine Tochter ist ne Braut.
Und wenns erst zusammen sind und haben dann kein Haus,
So setzens sich ins Körbel ein und gucken oben heraus.'
Ebenso Simrock, Das deutsche Kinderbuch3 nr. 324. Böhme,
Kinderlied S. 129. Erk-Böhme, Liederhort 2, 677 nr. 884 'Bettelhoch-
J) Im Druck steht: Hei.
74 132. Der Fuchs und das Pferd.
zeit'. Schweiz : Brenner, Baslerische Kinderreime 1902 nr. 164.
Schwaben: E. Meier, Volkslieder 1855 S. 65 nr. 362. Baden : Bender,
Oberschefflenzer Volkslieder 1902 S. 251. Hessen: Hess. Blätter f.
Volkskunde 1902, 48. Hessler, Hessische Landeskunde 2, 290.
Halle: Kretzschmer, Volkslieder 1840 1, 259 nr. 147. Schlesien:
Weinhold, Zs. f. Volkskunde 3, 229. Böhmen: Hruschka-Toischer,
Volkslieder aus Böhmen 1891 S. 203 nr. 183. Rheinprovinz : Köhler-
Meier, Volkslieder von der Mosel 1, 345 nr. 334. In Prosa aus
Brandenburg : Kuhn, Märkische Sagen S. 267 'Die glückliche Besen-
bindersfrau'. — Auch in dem einst beliebten Singspiele 'Harlequins
Hochzeit' (1693 v. 425 bei Bolte, Die Singspiele der englischen
Komödianten 1893 S. 161) wird die Heirat einer Besenbindertochter
satirisch vorgeführt1). Zu der Aufzählung der ärmlichen Mitgift
vgl. Zs. f. Volkskunde 13, 224 nr. 14.
1856 s.2u. ^32. Der Fuchs und das Pferd.
1815 nr. 46 = 1819 nr. 132. Aus dem Münsterlande
durch die Familie v. Haxthausen (die Originalhandscbrift ist
erhalten).
An das Märchen vom alten Sultan (oben 1, 424) erinnert die
Einleitung von dem seines altgewordenen Haustieres über-
drüssigen Bauern 2). Die Haupthandlung, nach der das Pferd mit
Hilfe des Fuchses den Löwen überlistet und ihn gebunden an
seinem Schweife fortschleppt, finden wir mehrfach erzählt, nur daß
meist an die Stelle des Löwen ein Wolf getreten ist. Im
pommerschen Märchen 'Wie der Fuchs den Wolf an den Bauern
!) Puckert dagegen läßt in dem nach dem Finnischen bearbeiteten
Liede 'Annikas Freier' (Poetische Werke 1868 3, 217) das bescheidene
Mädchen statt des goldstrahlenden und des silbernen Jünglings den Reis-
mann wählen, vgl. Schröter, Finnische Runen 1834 S. 143. Neus, Ehstnische
Volkslieder 1850 S. 116. Kalewipoeg, deutsch von Reinthal 1861 S. 105.
Hurt, Setukeste laulud 1, 52 (1904).
2) Merkwürdig stimmt dazu der Eingang eines weißrussischen
Märchens bei Federowski 2, 31 nr. 34 (Dähnhardt, Natursagen 4, 84), wo der
von seinem Herrn verstoßene alte Graul dem Löwen begegnet und ihn
durch Kraftproben wie das tapfere Schneiderlein (oben 1, 149) in
Schrecken setzt.
132. Der Fuchs und das Pferd. 75
verriet' (Jahn, Volkssagen nr. 559) verspricht der vom Bauern
gefangene Fuchs diesem einen Wolfspelz als Lösegeld und verschafft
es ihm, indem er den Schwanz des Wolfes an den des Hengstes
bindet. Im ostpreußischen Zs. f. Volkskunde 15, 345 rät der
Fuchs dem hungrigen Wolfe, sich an den weidenden Schimmel her-
anzuschleichen und sich seinen Schweif um den Hals zu binden.
Ähnlich bei B. L. Fischer, Mundart des Samlandes 1896 S. 254 nr. 3
'Wi de Foaß dem Wulf möt da öle Kobbel anföad'. Weißrussisch
bei Sejn 2, 265 und Kolmacevskij S. 236.
Eine etwas abweichende Gestalt hat das Märchen in Nord-
europa gewonnen. Seine Urform gibt Aarne, Leitfaden der vgl.
Märchenforschung 1914 S. 80 nr. 47 folgendermaßen an: Der Fuchs
frißt ein totes Pferd; da kommt der Bär und fragt ihn, wie er es
gefangen habe. Der Fuchs sagt, er habe sich am Schwänze des in
der Sonne Kegenden Pferdes festgebissen und so gerissen, daß das
Pferd zu laufen anfing und lief, bis es tot umfiel. Der Bär geht,
um dasselbe Mittel zu versuchen, und das Pferd galoppiert, als der
Bär mit seinen Zähnen am Schwanz hängt, davon.
In der norwegischen Fassung Asbjörnsens (nr. 74, 4
'Mikkel vilde smage hestekjod' == Dasent 1874 p. 127) haben auf-
fälligerweise der sonst stets tölpelhafte Bär und der sonst so arglistige
Fuchs ihre Rollen vertauscht, und ein ätiologischer Schluß ist an-
gehängt. Wie der Fuchs vom Pferd fortgerissen wird, ruft ihm der
Hase zu: 'Wo fährst du hin, Michel?' 'In der Eilpost, lieber Jens',
antwortet der Fuchs. Da lacht der Hase sich die Lippen entzwei
und hat seitdem eine Hasenscharte1). Schwedisch: Hylten-
Cavallius, Wärend och Wirdarne 2, XXVI (Fuchs vom Hasen ver-
lacht). Allardt, Nyländska folkseder 1889 S. 100 (desgleichen).
Rancken-Vefvar, Djursagor frän Österbotten (Sv. lanclsmälen 1905, 44)
nr. 8 Vargen ock räven' (Wolf vom Pferde geschleift), nr. 9 (Fuchs
geschleift), nr. 36 'Räven ock hären' (Hase lacht).2) — Finnisch:
Krohn 1, 373. Aarnes Register nr. 47; vgl. Krohn, Bär und Fuchs
(Journal de la soc. finno-ougrienne 6, 70) und Dähnhardt, Natursagen
*) Zu dieser Erklärung der gespaltenen Lippe des Hasen
vgl. Dähnhardt, Natursagen 3, 22 f. 492. 4, 98 f. 237.
2) Auch im serbokroatischen Märchen bei Valjavec S. 278 nr. 66 =
Krauss 1, 5 nr. 2 'Der Esel als König der Tiere' wird der Wolf, der
seinen Schweif an den des Löwen gebunden hat, von diesem zu Tode
geschleift. Aber die Fabel gehört einem ganz andern Kreise an; der
durch den prahlenden Esel eingeschüchterte Löwe entspricht dem Tiger
76 132. Der Fuchs und das Pferd.
4, 237 F. — Estnisch: Kunder, Eesti muinasjutud 1885 S. 22. —
Lappisch: Qvigstad-Sandberg nr. 54 'Ulven og rseven', vgl.
5. XIII1 (Wolf und Fuchs). — In einem afghanischen Märchen
bei Thorburn p. 222 verheißt der Esel dem Wolf, der ihn fressen
will, ihn reiten zu lehren, nimmt ihn auf den Rücken und trägt ihn
ins Dorf, wo der Wolf übel empfangen wird. Im Negermärchen
bei Harris, Nights with Uncle Remus p. 6 nr. 2 'Brother Fox catches
Mr. Horse' läßt sich der Fuchs auf den Rat des Kaninchens an den
Schwanz des scheinbar schlafenden Pferdes anbinden; Foulet (Le
roman de Renard 1914 p. 558) 'erblickt darin eine direkte Über-
tragung gedruckter europäischer Literatur. Bei den Chickasaw-
Indianern (Journal of amer. folklore 26, 292), wo der Fuchs den
Wolf an den Schwanz des Pferdes bindet, und den Berbern
(Destaing, Beni-Snoüs 1, 254 nr. 4), wo der Schakal sich an den
Schweif des sich tot stellenden Esels anknüpft, ist die Entlehnung
noch deutlicher; ganz unzweifelhaft aber im neugriechischen
Märchen 'Die Träume der Füchse' (Kretschmer nr. 21), wo der Esel
des Popen die vom Fuchse gestohlenen Riemen seinem Herren
wiederzuschaffen verheißt.
In der 9. Branche des altfranzösischen Roman de Renart
(v. 1640 ed. Martin; vgl. J. Grimm, Reinhart Fuchs 1834 S. CXXXI.
Sudre, Les sources du roman de Renart 1892 p. 200. Foulet 1914
p. 444) nämlich streckt sich der Esel Tymer, der seinem Herren,
dem Bauern Lietart, den vom Fuchse gestohlenen Riemen und das
Fuchsenpaar herbeischaffen soll, scheintot vor Renarts Burg Mal-
pertuis zu Boden. Hermeline, die Gattin Renarts, öffnet die Tür,
erblickt die willkommene Speise und ruft Renart, der anfangs miß-
traut und den Toten durch Bisse prüft. Tymer rührt sich nicht.
Nun binden sich beide mit den Riemen an den Esel fest und ziehen
ihn fast bis zur Schwelle, da gewahrt Renart seitwärts, wie der
Tote ein Auge aufschlägt; schnell läßt er sich losbinden. Die
in der Sukasaptati (Textus simpl. nr. 42—44. Benfey, Pantsch. 1, 505),
den der Affe verlacht, weil er sich vor der bösen Frau fürchte ; aber als
diese den Affen schilt, weil er ihr nur einen Tiger statt der versprochenen
drei zum Verzehren bringe, ergreift der Tiger entsetzt die Flucht. Vgl.
Möghavijaya 4, c. 13 (Z. f. Vk. 16, 268; dazu ZdmG. 61, 69 nr. 2);
O'Connor nr. 13 (Tiger, Affe, Schakal); Steel-Temple p. 132; Folk-lore 19,
118; Grierson 7, 60. 9, 2,277; Rosen, Tuti-nanieh 2, 136; Sbornik Kavkaz.
17, 2, 164; Wlislocki, Volksdichtungen S. 404 = ZdmG. 42, 139; Krauss
1, 283 nr. 67 (Drache, Fuchs, Zigeuner).
132. Der Tuchs und das Pferd. 77
Füchsin spottet des Furchtsamen und knüpft sich noch fester. Jetzt
erhebt sich plötzlich Tymer und schleift die jammernde Hermeline
mit sich fort in das Bauernhaus.
Auf diese mittelalterliche Dichtung hätte sich Krohn (Journal
6, 70) berufen können, wenn er die Fassungen, in denen der Fuchs
und nicht der Bär oder Wolf geschleift wird, für die älteren erklärt.
Doch wendet A. v. Löwis (Dähnhardt, Natursagen 4, 236) mit Recht
ein, daß die 9. Branche als eine junge literarische Bearbeitung mit
der Überlieferung sehr frei schaltet und verschiedene Zutaten und
Abänderungen anbringt. Die ursprüngliche Form finden wir in der
7. Extravagante von Steinhöwels lateinisch-deutschem Äsop ed.
Oesterley 1873 S. 203 'De lupo et asino' (= Grimm, Keinhart Fuchs
S. 424 ; vgl. Hervieux, Fabulistes latins 22, 279. 308 und Camerarius,
Fabulae Aesopicae 1570 p. 203), wo wie im französischen Epos der
Esel allein ohne Ratgeber seine tapfere Tat ausführt, sein Gegner
aber nicht der Fuchs, sondern der Wolf ist. Als der Wolf den Esel
überfällt, bittet dieser, ihn doch nicht auf der Landstraße zu fressen,
sondern aus Gerten einen starken Strick zu drehen und ihn daran in
den Wald zu führen; dort möge er nach seinem Gefallen mit ihm
verfahren. Dem Wolfe gefällt der Vorschlag, er bindet das Seil dem
Esel um die Brust, und der Esel schnürt es dem Wolf um den Hals.
Als der Wolf aber in den Wald gehn will, zieht ihn der Esel vor
seines Herren Haus; dieser läuft mit seinen Knechten heraus, und
sie schlagen auf den Wolf, der mit knapper Not dem Tode entrinnt.
Steinhöwels Werk ist ins Französische (1484), Englische (1484. Neu-
druck von J. Jacobs 1889), Niederländische (1485), Spanische (1489)
und Cechische (um 1487, hsg. v. Ant. Truhlaf 1901 S. 138) übertragen;
auf ihm beruht ein 1547 verfaßtes Meisterlied des Hans Sachs
'Der Esel fing ein Wolf (Fabeln ed. Goetze-Drescher 4, 261 nr. 405).
— Diese Erzählung bietet ein Seitenstück zu der äsopischen
Fabel 'Der Esel und der Wolf (nr. 334 ed. Halm), wo der gleich-
falls Überfallene Esel den Wolf bittet, ihm einen Dorn aus dem Fuße
zu ziehen, und ihm darauf einen furchtbaren Hufschlag auf den Kopf
versetzt ; vgl. Oesterley zu Kirchhof, Wendunmut 7, nr. 43. Haltrich-
Wolff, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen S. 502. Thiele, Der
lat. Aesop, Einl. S. 58. Hervieux 22, 173 'De leone et equo' und 272
'De vulpe et mulo'. Sudre, Sources du roman de Kenart p. 332.
338. Etnogr. Zbirnyk 37—38, 56 nr. 41 (Wolf und Stute). 65 nr. 17.
78 133. Die zertanzten Schuhe.
1856 s. 215. 153. Die zertanzten Schuhe.
1815 nr. 47 = 1819 nr. 133. Aus dem Münsterland
durch die Familie v. Haxthausen ; die Originalhandschrift ist betitelt
'Die zwölf Prinzessinnen'.
Der Zug, daß der Soldat einen Schwamm unter das Kinn
bindet, in welchen er den Schlaftrunk laufen läßt, ist aus einer andern
päd er bö mischen Erzählung aufgenommen, die noch folgendes
Abweichende hat.
Es sind nur drei Königstöchter, deren Schuhe jeden Morgen entzwei
gefunden werden. Wer die Ursache herausbringt, soll die jüngste zur
Gemahlin haben, wer es aber nicht vermag, das Leben verlieren. Zwölf
sind schon aufgehängt, da meldet sich der Soldat als der dreizehnte.
Er schleicht ihnen nachts durch den heimlichen Gang nach (den un-
sichtbarmachenden Mantel hat er noch nicht). Die drei Fräulein gehen
bis zu einem See; da stehen drei große Riesen, jeder nimmt eine von
ihnen auf den Nacken und trägt sie durch das Wasser zu einem
kupfernen Schloß *). Der Soldat kann nicht nach, da erblickt er einen
Löwen und einen Fuchs, die haben einen Mantel und ein Paar Stiefeln,
wenn man die antut, so kommt man hin, wo man sich hinwTünscht. Die
beiden streiten sich, wer die Wunschdinge haben soll; da spricht er:
'Geht dreißig Schritte weit, dann fangt an zu laufen ! Wer am ersten
wieder hier ist, soll sie haben'. Kaum sind sie fort, so zieht er die Stiefel
an, hängt den Mantel um und wünscht sich zu den drei Königstöchtern2).
Er setzt sich unsichtbar zu der ältesten und ißt ihr alles vor dem Mund
weg. Nach dem Essen fängt der Tanz an, und sie tanzen so lang, bis
ihre Schuhe Löcher haben; dann tragen die Kiesen sie wieder über den
See zurück. Er wünscht sich in sein Bett, so daß sie ihn wie in tiefem
Schlafe finden. In der zweiten Nacht geht es ebenso, das Schloß ist
silbern, und der Soldat setzt sich zu der zweiten. In der dritten Nacht
ist es golden, und er sitzt bei der dritten, der zugesagten Braut. Am
dritten Tag entdeckt der Soldat dem König alles und erhält die jüngste
Schwester und nach des Alten Tod das Reich.
Eine dritte Erzählung aus Hessen hat viel Eigentümliches. Eine
Königstochter vertanzt alle Nacht zwölf Paar Schuhe, jeden Morgen muß
ein Schuster kommen und zwölf Paar neue anmessen, die abends ab-
*) Über die Reihe kupfern, silbern, golden vgl. S. 621 — .
2) Über die den Streitenden abgenommenen Wunsch dinge vgl.
oben 2, 331; auch Prato, Ena novella monferrina 1882 p. 17 — 41 und
Zachariae, Zs. f. Volksk. 16, 132 und Gott. gel. Anz. 1916, 572.
133. Die zertanzten Schuhe. 79
geliefert werden; dazu hält er zwölf Gesellen. Niemand weiss, wie die
Schuhe nachts zerrissen werden. Als eines Abends der jüngste von den
Gesellen die Schuhe herbeiträgt und die Jungfrau gerade nicht in ihrer
Kammer ist, denkt er: 'Du mußt herausbringen, wie die Schuhe zerrissen
werden', nnd legt sich unter ihr Bett. Nachts elf Uhr öffnet sich die
Falltüre, es kommen elf Königstöchter herauf, die küssen sich einander,
tun die neuen Schuhe an und steigen dann zusammen hinab. Der Gesell
der sich uusichtbar machen kann, gebt nach ; sie kommen an ein Wasser,
wo sie ein Schiffer in seinen Kahn nimmt. Dieser klagt, daß das Schiff
schwerer sei. 'Ach,' sagen die zwölf Jungfrauen, 'wir haben doch nichts
mitgenommen, kein Tuch, kein Päckchen.' Sie landen und gehen in zwölf
verscbiedene Gärten, jeder gehört einer davon ; sie brechen die schönsten
Blumen und schmücken sich damit. Nun gehen sie zu einem Schloß,
wo zwölf Königssöhne sie empfangen und mit ihnen tanzen; alle sind
lustig, nur eine nicht, die ist ieidmütig (es ist, als habe sie den schönen
Schusterbuben gesehen und sich in ihn verliebt).1) Sie kehren wieder
zurück, weil die Schuhe durchgetanzt sind. Oben werfen sie die zwölf
Paar zum Fenster hinaus, wo schon ein ganzer Haufen Schuhe liegt. Der
Gesell schleicht sich fort; am andern Morgen kommt der Meister und will
der Königstochter die neuen Schuhe anmessen, sie liegt aber noch im
Bett und heißt ihn wiederkommen. Als er wiederkommt, sagt sie, sie
wolle keine Schuhe mehr, sie brauche nur ein Paar, das solle er ihr durch
seinen jüngsten Gesellen schicken. Der aber sagt: 'Ich gehe nicht; erst
ist die Reihe am ältesten.' Dieser putzt sich und geht hin; sie will ihn
aber nicht, sondern den jüngsten. Der spricht wieder: 'Ich gehe nicht
eher, als bis es an mich kommt.' So geht der zweite, dritte und alle einer
nach dem andern hin, bis sie den elften auch zurückgeschickt hat. Da
sagt der jüngste: 'Soll ich hin, so geh ich, wie ich da bin, und ziehe
keine bessere Kleider an.' Wie er hinkommt, fällt sie ihm um den Hals
und sagt: 'Du hast mich von den elfen erlöst, in deren Gewalt ich ge-
wesen und von denen ich gepeinigt worden bin; ich liebe dich von
Herzen, du sollst mein Gemahl werden.'
Aus Niedersachsen bei Schambach-Müller S. 283 'Die zer-
tanzten Schuhe' (auf den Rat eines Zwerges stellt sich der Bauer
schlafend und folgt unsichtbar den sechs Königstöchtern). Aus Ost-
preußen bei Lemke 2, 62 nr. 7 'Der dwatsche Hans' (folgt der
l) Die Liebe der Prinzessin zum Schusterburschen stellt
Thomas Deloneys Erzählung 'The gentle craft' (1598. ed. byA. F. Lange
1903) dar, die in England zum Volksbuch ward und als Schauspiel auch
in Deutschland Verbreitung fand (Bolte, Das Danziger Theater 1895
S. 114).
80 133. Die zertanzten. Schuhe.
Prinzessin, da er sich durch ein wunderbares Handtuch unsichtbar
machen kann, in ihr unterirdisches Schloß, wo sie nicht tanzt, sondern
liest und schläft). Aus dem Temescher Banat bei Zeynek,
N.-Lausitzisches Magazin 42, 341 'Der Mantel' (den Tarnmantel erhält
Hans für den Dienst bei der Hexe; zum Wahrzeichen bricht er einen
kupfernen, silbernen und goldenen Zweig ab).
Dänisch in Grundtvigs hsl. Register nr. 23 'Troldebruden'.
Grundtvig, Minder 3, 11 'Prindsessen med de tolv Par Guldsko' =
Stroebe 1, 97; hier folgt der Bursch mit seinem unsichtbar machen-
den Stocke der Prinzessin, die allnächtlich zwölf Tänze mit dem
Trold hält, und tötet diesen, bevor er sie heiratet, durch einen Nadel-
stich und belebt die in Bäume verwandelten Menschen. —
Schwedisch: Aberg nr. 223 (Om prinsessan i det underjordiska
slottet'. — Norwegisch: Braset 2,186 'Kaangsdöttrin som va bort
om dansa om netha'. — Isländisch in eigentümlicher Umformung
bei Ärnason 1, 105. 107. 110. 115; Maurer S. 10; Lehmann-Filhes
1, 49; Rittershaus S. 316 nr. 85, 1 — 5 'Die verwünschte Eiben-
königin'. Der Wintergast muß am ersten Sommertage das Geheimnis
des Königs Oddur erraten haben oder das Leben verlieren; ersieht
in der Weihnachtsnacht den König in einen Sumpf springen, folgt
ihm und gewahrt, wie Oddur dort sich in Frauengewänder hüllt und
von einem unterirdischen Könige als Gattin begrüßt wird. Als er
dies am ersten Sommertage erzählt, dankt ihm Oddur, überträgt ihm
die Regierurig und verschwindet. So bei Rittershaus nr. 85, 1 ; in
andern Fassungen ist es ein Knecht, der die angebliche Wirt-
schafterin, eine zum Magddienst bei den Menschen verwünschte Eibin,
in der Weihnachtsnacht beobachtet und sie dadurch erlöst. —
Französisch: Deulin, Contes du roi Cambrinus 1874 p. 61 'Les
douze princesses dansantes' (sehr ähnlich der rumänischen Fassung).
— Portugiesisch: Consiglieri Pedroso p. 85 nr. 21 'The seven
iron slippers' (nur eine Prinzessin ; der Soldat folgt ihr in Nebelkappe
und Siebenmeilenstiefeln). — Griechisch: Deltion 1, 693 nr. 20
Tb ä(pav%0 OKOVcpdroi = Garnett 2, 199. — Rumänisch: Wlis-
locki, Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 470 (eine dankbare Tote berät den
Burschen ; vermischt mit der Merlinsage). Ispirescu nr. 22 = E. B. M.,
Roumanian fairy tales p. 1 'The slippers of the twelve princesses'
= Brun 1894 nr. 3 'Les douze filles de l'empereur'; vgl. Säinenu
p. 777 f. Archivio 1, 479. Melusine 8, 215. — Slowenisch:
Gabrscek S. 226 nr. 29 (dazu Leichenfresserin). — Serbokroatisch
133. Die zertanzten Schuhe. 81
aus Kroatien: Stojanovic, Pueke pripov. S. 154 nr. 34 (verbunden mit
der Hexenfahrt auf einen Berg, wie auch in einer isländischen, zwei
mährischen und einer magyarischen Fassung). Kres 5, 143 nr. 42
(Einleitung ähnlich oben 2, 190, Schluß von der Prinzessin im Sarge).
Aus Slawonien- Zbornik jslav. 18, 144 nr. 53 (die Prinzessin, die
mit den Vilen getanzt, wird von ihrem Gatten geschlagen, bis Feuer
von ihr fliegt). 18, 145 nr. 54 (vorher Tierschwäger, nachher
Leichenfresserin wie Wolf, DHM. S. 258). Aus Serbien: Nikolic
S. 221 nr. 23 = Chudjakov, Mater. S. 36 (der Held nimmt
drei streitenden Teufeln Teppich, Tarnkappe und Knüppel im Sack
ab; Schluß Hochzeit). Aus Syrmien: Bos. Vila 5, 74 (Hochzeit).
Aus Bosnien ebd. 10, 108 (dazu Prinzeß im Sarge). = Ostojic S. 66
= Leskien S. 296 nr. 64 'Die Nachtschwärmerin'. — Bulgarisch:
Sbornik za nar. umotvor. 1, 137 nr. 2 = Leskien S. 78 (der Held
gewinnt die Zaubergaben wie im Serbischen und löst übernatürliche
Aufgaben). 2, 187. 6, 173. 7, 159. 11, 132. Strauß S. 255. —
Öechisch aus Mähren: Miksicek 1, 221 = Kulda 2, 153 nr. 5
'Das verschlafene Haus' (der Held im Faß fängt einen Wolf, erhält
drei Wunschdinge; Prinzessin versinkt in die Hölle). Ed. Peck
nr. 52 (ebenso). Kulda 2, 96 nr. 86 (Gräfin mit ihren beiden
Töchtern versinkt). Stränecka S. 3 nr. 1 (der Bursch folgt mit
Tarnkappe, Gerte und Ranzen der Königstochter, die jede Nacht
zwölf Paar Schuhe zerreißt. Sie sinkt zum Schluß in die Hölle).
Vaclavek, Val. poh. S. 9 (Held heiratet die Prinzessin). Pfikryl
S. 273 (Prinzessin versinkt fluchend). Böhmen: Popelkovä, Na besede
S. 149 nr. 16 (Zauberranzen; Prinzessin gehängt, durch Verbrennung
des Leichnams erlöst). — Slowakisch: Sbornik mus. slov. spol. 17,
19 nr. 34 (die dritte Schwester, die nicht mittanzt, soll den Goldapfel,
Birne und Beutel der Hexe holen ; s. oben S. 37). 17, 92 nr. 41
(zwölf Prinzessinnen tanzen in der Hölle, auf Befehl des Königs von
Pferden zerrissen). — In einem polnischen Märchen, das Dobrowsky
vor 1822 den Brüdern Grimm mitteilte, zertanzen drei Königstöchter,
darunter zwei Zauberinnen, alle Tage zwei Paar Schuhe; sie waren
nachts über Land geflogen. Aus Österr. Schlesien bei Malinowski
1, 28 (dazu Prinzessin im Sarge). Aus dem Krakauer Lande: Kol-
berg 8, 141 nr. 55 und 56. Swietek S. 352 nr. 25 (Heirat). Wisla
8, 435 (ebenso). Lud 9, 179 — 183 (dazu Prinzessin im Sarge). Mater,
i prace komis. je,zyk 1, 42 nr. 3 (die Prinzessin fällt schließlich tot
nieder). — Kleinrussisch: Sadok Barg,cz2 S. 34 (der Teufel
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. Q
82 133. Die zertanzten Schuhe.
muß dem Helden die Verschreibung der Prinzessin herausgeben).
Bozdol'skyj nr. 63 (Etnogr. Zbirnyk 7, 129). Etnograf. Zbirnyk 15,
194 nr. 316 (dazu Prinzessin im Sarge). 29, 60 nr. 7 (aus Südungarn ; der
Held verschmäht die Prinzessinnen). — Großrussisch aus dem
Gouv. Orenburg: Afanasjev3 2, 223 nr. 167 (ähnlich Müller-Scham-
bach). Aus Gouv. Perm ebd. 2, 225. Aus Gouv. Samara: Sadovnikov
S. 52 nr. 7 = v. Löwis nr. 36 (Wunschdinge drei streitenden
Brüdern abgenommen; Hochzeit). Aus Gouv. Wologda: Ivanickij
S. 176 nr. 7 (wie im Portunatusmärchen entlockt die Frau dem
Helden die Kleinode). Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 2, 173
nr. 40. — Litauisch: Veckenstedt 1, 196 nr. 46 'Beslea'
(der Jüngling schneidet dem Sohne, den die Königstochter
dem Drachen geboren, den Schwanz ab und wirft ihn ihr am andern
Morgen ins Gesicht. Ob echt?) — Lettisch aus Livland: Treuland
S. 190 nr. 113. — Finnisch: Aarnes Begister nr. 306. — Magyarisch:
Erdelyi 2, 352 — Stier 1850 S. 51 'Der unsichtbare Schäferjunge'
= Jones-Kropf p. 141 nr. 28. — Zigeunerisch aus Nordungarn:
Groome p. 141 nr. 41 'The three girls' (nach B. v. Sowa). —
Türkisch: Künos, Ossman-Török nepköltesi gyüjtemeny 1, nr. 20
= Stambul S. 107 nr. 15. Sbomik Millera S. 192 nr. 20.
Die heimlich zur Nachtzeit tanzenden Prinzessinnen, in denen
Sartori, Zs. f. Volkskunde 4, 205 tanzende Nebel- und Wolkenwesen
erblickt, gehen wohl auf die Vorstellungen vom nächtlichen Tanze
der Elfen und von den Hexenversammlungen zurück (J. Grimm,
Mythologie3 S. 438. 1008). Um die Schuld der dem Helden zu-
gedachten Jungfrau abzuschwächen, heißt es bisweilen, sie sei als die
jüngste von den Schwestern mitgenommen, oder es sollten durch das
Tanzen verzauberte Prinzen erlöst werden.1) Meist befreit der Held
die Königstochter von dem auf ihr lastenden Banne und führt sie
als Braut heim; doch schließen auch mehrere slawische Fassungen mit
der Verdammnis derselben. In den isländischen Varianten dagegen
kehrt die in Menschengestalt dienende Elbin, nachdem ihr Wesen
erkannt ist, froh zu den Ihrigen zurück. Vgl. Polivka, Pohadkoslovne
1) In dem entstellten englischen Märchen 'Kate Crackernuts' bei
Jacobs 1, 198 nr. 37 muß ein kranker Königssohn allnächtlich im grünen
Hügel mit den Feen tanzen, bis eine Jungfrau ihm dreimal nachschleicht
und die Mittel erhält, ihre verzauberte Schwester und den Prinzen zu
heilen.
133. Die zertanzten Schuhe. 83
Studie S. 107—141 (Zs. f. Volkskunde 16, 207), der auch an die
erotische Bedeutung des Schuhes erinnert (Sartori, Zs. f. Volksk.
4, 157).
Eine verwandte Gruppe bilden die Märchen von der Braut
des Hexenmeisters, deren bekanntester Vertreter Andersens
'Beisekamerad' ist. Hier gibt eine Prinzessin, die in einen häßlichen
Zauberer verliebt ist1), ihren Freiern auf, ihre Gedanken zu erraten
oder einen verborgenen Gegenstand herbeizuschaffen ; dies gelingt
dem Helden mit Hilfe eines Dieners, der sich zuletzt als ein dank-
barer Toter2) offenbart. Deutsch aus Südwestungarn: Bunker
5. 237 nr. 86 'Der Hansl und der Tote'. Aus der Bheinprovinz :
Siinrock, Der gute Gerhard 1856 S. 89 = Simrock, Märchen S. 56
'Gedanken erraten'. Vom Harz: Ey S. 64 'Die verwünschte
Prinzessin' = Zaunert S. 237. Aus Holstein bei Wisser, Eutiner
Kalender 1917, 49 'Der dankbare Tote'. — Dänisch: Andersen,
Der Beisekamerad 1836 = Gesammelte Märchen 1847 3, 85
(Christensen, Danske Studier 1906, 164. Brix, Andersen 1907
S. 223). Berntsen 1, 80 nr. 9 'Den hvide Mand og Kongesonnnen'.
2, 43 nr. 5 'Folgesvenden'. Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 309
nr. 40 'Den gronne Dreng og de tre Hexe'. 4, 64 nr. 10 'Ligets
HJEelp'. Grundtvigs hsl. Begister nr. 67c 'Den dodes hjselp'. —
Schwedisch: Aberg nr. 96 'Om den frikostiga härm'. Allardt
nr. 81 lFöljis-vänn'. Hackmans Begister nr. 507. — Norwegisch:
Asbjörnsen nr. 100 'Folgesvenden' (zuerst 1855 gedruckt) = Stroebe
2, 25 = Dasent 1874 p. 71. Haukenses S. 62 'Kongesonnens drom'.
— Englisch: Halliwell, Populär rhymes p. 67 'Jack the giant
killer' = Hartland, English fairy tales p. 3 = Jacobs 1, 99 nr. 19.
Groome, Folk-lore 9, 237. Vgl. E. Köhler 1, 226 und Gerould,
The grateful dead 1907 p. 70. — Irisch: Kennedy, Legendär
fictions p. 32 'Jack the master and Jack the servant' = Knortz
1886 S. 75 nr. 41. Hyde p. 18 'The King of Ireland's son\ Dottin,
Contes et legendes d'Irlande p. 55 'Le mort reconnaissant et la
magicienne' = Gaelic Journal 10, 593. Larminie p. 155 'Beauty of
the world'. Curtin, Myths of Ireland p. 186 'Shaking-head'. Curtin,
*) Vgl. Kittredge, Studies and notes in philology of the Harvard
university 8, 250 (1903).
2) Vgl. über diesen Stoff Bolte, Zs. f. Volksk. 25, 33 'Der dank-
bare Tote'.
6*
84 134. Die sechs Diener.
Hero tales p. 122. 312. — Rumänisch: Schott, Die beiden
Kreuzbrüder (Hausblätter hsg. von Hackländer und Hoefer 1857, 4,
470. Der Tote bricht einen Zweig im eisernen und kupfernen
Walde ab und raubt in Katzengestalt beim Drachen Taschentuch,
Löffel und King der Prinzessin). — Serbokroatisch: Vuk Kara-
dzic 1870 S. 217 nr. 3 = 1897 S. 221 nr. 56 — Jagic nr. 21
(Archiv f. slav. Phil. 2, 621) — Krauss 1, 385 nr. 85 'Der
Vilaberg' (statt der Prinzessin eine Wila, deren Blick den Jüng-
ling stumm und blind macht; der vom Galgen Losgekaufte
nötigt die Wilen, ihn zu heilen und ihm eine Gattin zu geben). Bos.
Vila 23, 239. 253. 269. — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 11, 2.
Aarnes Register nr. 507 'Der Kopf des Unholdes'. — Durch die
Portugiesen ist das Märchen auch zu den Kaf fern an der Delagoa-
bai gelangt: Junod, Les Ba-Ronga p. 317 nr. 30 'La falle du roi'.
Die in dieser Märchengruppe auftretende Jungfrau, die allnächt-
lich einen Dämon besucht und ihre Freier in den Tod schickt, steht
in der Mitte zwischen der gleichfalls Rätsel aufgebenden buhlerischen
persischen Königstochter (oben 1, 198) und der mit bösen Geistern
oder Drachen behafteten Braut in den orientalischen Fassungen des
dankbaren Toten (Zs. f. Volksk. 25, 49). Denn wie in diesen der
Genosse des Jünglings in der Hochzeitsnacht die aus dem Munde der
Braut hervorkriechende Schlange tötet, ja die Braut in zwei Hälften
spaltet und wieder zusammensetzt, so wird bei Bunker, Ey, Andersen
und Asbjörnsen die Prinzessin erst in der Hochzeitsnacht durch ein
Bad völlig entzaubert.
1856 s 217 134. Die sechs Diener.
1819 nr. 48 aus dem Pader börnischen. — Siehe oben 2,
79 zu nr. 71 'Sechse kommen durch die ganze Welt'. Vgl. Benfey,
Kl. Schriften 3, 151 und Kittredge, Studies and notes in philology
and lit. of the Harvard university 8, 226 (1903). — Die 2, 80 ab-
gedruckte Fassung von 1783 ist in E. M. Arndts Märchen 1902
2, 223 'Der starke Hans' verbunden mit der Christophoruslegende
und dem Märchen von den drei Hunden. Die Erzählung der Gräfin
Aulnoy (2, 85) ist vielleicht aus einer Version hervorgegangen, in der
135. Die schwarze und die weiße Braut. 85
ein Geschlechts Wechsel des Helden stattfand wie im griechischen
Märchen bei Hahn nr. 58 = Kretschmer nr. 56, im rumänischen oben
S. 24 und in der altirischen Erzählung bei Gaidoz, Revue de bhist.
des religions 57, 317 ; vgl. Benfey, Pantschatantra 1, 42 und
Hertel, ZdmG. 61, 18. — Zu den Varianten unserer nr. 71
sei nachgetragen: Jegerlehner, Oberwallis S. 129 — Bächtold
S. 19. Westpreußisch : Preuß S. 56 'Prinzessin Bernstein'.
Schwedisch : Lindskoug nr. 4 'De tre proven'. Italienisch : Zanazzo
p. 123 nr. 21 'La barca'. Coronedi-Berti nr. 4 = 1883 nr. 17.
Griechisch : Hahn nr. 63 = Kretschmer nr. 57. Serbokroatisch :
Zbornik jslav. 17, 347. 19, 40. 61 nr. 12. Bos. Vila 27, 227. Krauß,
Tausend Sagen 1, 345 nr. 97. Bulgarisch: Sapkarev8 — 9,19 nr. 13
= Leskien S. 34 nr. 5. Cechisch: Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 134.
Ed. Peck nr. 32. Pfikryl S. 233. Polnisch: Wisla 13, 558. Kaschu-
bisch : Lorentz, Teksty S. 302 nr. 400. S. 429 nr. 547. Kleinrussisch :
Rudcenko 2, 78 nr. 25 — v. Löwis nr. 4. Zigeunerisch aus Böhmen :
Jesina S. 199. Armenisch: Chalatianz S. 51 = Folklore 22, 476.
Ingusch: Sbornik Daskov. 3, 151. Mongolisch: Bennigsen S. 55 nr. 29.
135. Die schwarze und die weisse Braut. 1856 s. 217.
1815 nr. 49: aus dem Mecklenburgischen und Pader-
börnischen. Von Jacob Grimm erzählt (Die Ente am Gossenstein).
Nach der einen Erzählung wird der Bruder nicht bloß unter
die Schlangen gesetzt, sondern wirklich umgebracht und unter die
Pferde im Stall begraben. Die Ente kommt abends ans Gatterloch
geschwommen und singt:
Macht auf die Tür, daß ich mich wärme!
Mein Bruder liegt unter den Pferden begraben.
Hauet den Kopf der Ente ab!
wodurch die Handlung des Königs, daß er ihr den Kopf abhaut,
woran ihre Lösung gebunden war, besser begründet wird. Am
Ende wird der Bruder im Stall ausgegraben und stattlich unter die
Erde gebracht ; vgl. den singenden Knochen (nr. 28).
Über die Bestandteile des dem Kreise der unter-
geschobenen Braut zugehörenden Märchens vgl. oben 1, 85 zu
86 135. Die schwarze und die weiße Braut.
nr. 11: Die gute Schwester erhält vom lieben Gott Schönheit und
Reichtum, die böse Häßlichkeit (B). Der einfache Gegensatz von
Schwärze und Weiße für Häßlichkeit und Schönheit, Sündlichkeit
und Reinheit läßt an die Mythe von Tag und Nacht (und der Nacht
Tochter) denken und an die Bertasage, die mit unserm Märchen
ebenso wie mit dem von der Gänsemagd (2, 273) verwandt ist;
Berta (die weiße, biort) drückt, wie W. Grimm bemerkt, schon im
"Wort den Tag und das Tagesbrechen, des Tages Anbruch aus1).
Beim Bruder sieht der König ein Bild der Schönen2) und sendet
ihn aus, um in seinem Namen um sie zu werben (C2). Der Name
Regirier ist in dieser Geschichte vielleicht schon alt ; aus den alten
Marschällen, Stallmeistern und Wagenführern sind in der späteren
Yolksansicht Kutscher geworden, wie aus den Helden Soldaten.
Darum, daß der Bruder bei den Pferden ist und unter ihnen
begraben wird, erinnert er an das Roß Falada in nr. 89, dessen
Stelle er hier vertritt. Eigentümlich ist das undeutliche Sprechen
des Bruders, das unterwegs die Stiefmutter ausnutzt, um der Braut
das Plochzeitskleid auszuziehen und sie ins Wasser zu stoßen (D1* 3).
Die Ertrunkene kommt als Ente nachts zurück, sich am Küchenfeuer
zu wärmen 3) und redet mit dem Küchenjungen wie in nr. 11 und 13
mit dem Hündchen oder der Magd, bis das drittemal der König
kommt und durch Enthauptung der Ente4) den Zauber löst (E2).
Nun wird der gefangen gesetzte Bruder (E) befreit und die An-
J) Indem die ins Wasser Gestoßene, sagt W. G-rimm, als schnee-
weiße Ente aufsteigt und fortlebt, erscheint sie als Schwanenjungfrau;
ebenso ist die nordische Schwanhild weiß und rein wie der Tag im Gegen-
satz zu ihren rabenschwarzen Stiefbrüdern. Auch gibt es eine altdeutsche
Erzählung von einem weißen und schwarzen Dieterich, Zwillingsbrüdern,
und eine schwarze und eine weiße Tochter kommen in einem schwedi-
schen Volksliede (Geijer und Afzelius nr. 16 'Den underbara harpan') vor.
2) So begehrt Pipin in der Weihen stephaner Chronik (Aretin 1803)
ein Bild der fernen Berta und sendet seinen Hofmeister, damit er prüfe,
ob sie dem Bildnis gleiche : 'Ist die Jungfrau als schön, als man sie hat
gemalt, so will ich sie gern haben zu einem Weibe'. Liebe durch
Bild: Chauvin, Bibl. arabe 5, 132.
3) So kehren Ertrunkene der altnordischen Sage mit ihren nassen
Kleidern nachts heim, setzen sich ans Feuer und winden die Rocke aus
(Eyrbyggja Saga S. 274. 276).
4) Entzauberung durch Enthauptung: oben 1, 9, ferner z. B.
Giuudtvig, Polkviser 2, 199 nr. 62. Landstad, Norske folkeviser nr. 1, v. 62.
Asbjörasen nr. 29. 31.
135. Die schwarze und die weiße Braut. 87
stifterin des Unheils wie oben 1, 108 in einem Nagelfasse zu Tode
gemartert (G).
In einem heanzischen Märchen bei Bunker nr. 64 = Zs. £.
Volksk. 8, 84 'Die Waisen' ruft nicht der Kutscher, sondern die im
Wagen neben der Königsbraut sitzende häßliche Begleiterin : 'Madl,
tunk ti, taß ti ta Beign nit aunspritzt und taß ti t Sun nit aunplitzt !
Sunst pist tu tes Tätas'. Aus Meiningen bei Bechstein 1845
S. 225 = 1874 S. 203 'Zitterinchen' ; hier hört der Diener nachts
eine weiße Gestalt mit Ketten rasseln und ihr Hündchen nach
ihrem Bruder, ihrem Bilde und nach der alten Kammerfrau fragen.
Aus Holstein bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 72 'De lütt Ent'
(B C2 D4 E F2).
Drei vi am i sehe Fassungen bei Wolf, DMS nr. 19 'Die beiden
Bräute', bei Firmenich 3, 664 'Van de swerte Mergriet' und bei De
Cock und de Mont, Wondersprookjes S. 164 nr. 20 'Van de schoone
schildersdochter, de booze zwarte Griete en Kokodeike', haben den
gleichen Verlauf (C2D1-3EF2) und lassen neben der falschen Braut,
der 'schwarzen Grete', ein treues Hündchen Gillegillegouwken oder
Kokodeike die Seereise mitmachen. In der ersten Version holt nicht
der Bruder die Königsbraut, sondern ein Gesandter, den die schwarze
Margarete mit ihrer Mutter unterwegs tötet ; in der zweiten sagt die
Magd dem Bruder, die Braut sei aus Versehen ins Wasser gestürzt,
und er willigt ein, sie für seine Schwester auszugeben ; in der dritten,
fehlt der Begleiter; der König sieht das Bild der Schönen auf d«r
Tabaksdose ihres Vaters. — Dänisch, wie schon 1,101 angeführt,
bei Grundtvig, Minder 3, 112 'Den lille And', Berntsen 1, lö^r/Den
lille hvide And', Kristensen 1, 111 'Jomfru Klaroje' und 1, llQiADea
lille Vildand' = Stroebe 1, 21 nr. 4 und Fra Bindestue 1, 41 'Deft
hvide And', ferner bei Grönborg S. 101 'Soster i Fjederham OgBrodei'
i Blätärn'. — Schwedisch: Hylten-Cavallius nr. 7c- ^ungfjrau;
Swanhwita und Jungfrau Bäfrumpa'. Volksbuch 'Sewe. eller-den.
talande Hunden' 1828 (Bäckström 3, 38). Aberg nr. 23 'Qm s.tyd^rpnj
som fikk gullhär o gullkläning' ; nr. 57 'Om stalldrängen,$,rsyster;;.§Qm
blef gift med en kung' (Meerweib tauscht Kleider mit deA.HeJdjin);
nr. 66 'Prinsen, som fria til stalldrändjis systron' (die;. Hex Bedeutet
des Bruders Mahnung, sich vor der Sonne zu schützen, der Heldin
falsch wie im Deutschen). Hackmans Register rnrr.L40^3a. Ij— Nor;
wegisch: Asbjörnsen nr. 55 'Bruskebruden' = J_)as.ent ^I8$9^pT.37i,
Bergh, Sogur S. 1 'Stygbödne'. Skar 6, 124 'Den umskapte -Piim*
88 135. Die schwarze und die weiße Braut.
sessa' (B C2 D3- 4 E F2). — Seltsam verzerrt und mit dem Motiv der
geduldigen Frau verquickt erscheint die Bertasage in dem isländi-
schen Märchen von Finna der Voraussichtigen (Arnason 2, 383 =
Poestion S. 186. Maurer S. 282. Rittershaus S. 85): infolge eines
Fluches der Stiefmutter muß Geir, der die kluge Finna gefreit hat,
mit seiner Schwester Ingibjörg drei Kinder zeugen1), und erst als
seine Gattin geduldig dazu schweigt und auch ihrem Bruder Schweigen
gebietet, ist der Fluch gelöst. — Mit vielen hübschen Zügen erzählt
die Gräfin d' Au In oy(Contes des fees 1702 S. 274 = Cabinet des fees
2, 230. 1785. Kletke 1, 167) das Märchen 'Rosette' (C^'^EF5).
Statt des einen Bruders der Heldin führt sie zwei ein, die dem
Pfauenkönig das Bildnis der Rosette zeigen, und läßt Rosette auf der
Seefahrt von niemandem begleiten als ihrer Amme, deren Tochter
und dem Hündchen Fretillon. Sie wird in ihrem Bette schlafend ins
Meer geworfen und landet gleich dem Könige Scyld Scefing in der
angelsächsischen Sage (Grundtvig bei J. Grimm, Kl. Schriften 4, 185),
der auf einem Strohbund schlafend angeschwommen kommt. Ihr
Hündchen holt ihr Speisen aus der königlichen Küche und veranlaßt
die Erkennung der wahren Braut. Nur einen schwachen Nachhall
bietet Blanchebelle in der Sammlung 'Les illustres fees' (Cabinet des
fees 5, 5). In der gasconischen Fassung bei Blade 1, 227 'Le drac'
(C2D1-3EF2. R. Köhler 1, 125) sind es ebenfalls zwei Brüder, die
dem Königssohn ihre Schwester holen sollen; der Kleidertausch in
der Kutsche wie im Deutschen, die Stiefmutter und deren Tochter
werden gleich nach der Ankunft ertränkt, die rechte Braut nach ihrer
Rettung aus dem Sumpfe nochmals vom Meerdrachen geraubt. Bei
Sebillot 3, 197 nr. 20 'La sirene' (C2D1-3EF2) kommt die von der
Nixe an einer Kette gehaltene Schwester aus dem Flusse auf das
Boot, auf dem ihr Bruder nackt mit Honig bestrichen gebunden liegt,
und wehrt ihm die Fliegen ab. Luzel, Contes 2, 371 nr. 9 'Les
enfants de la Croix-Ruduno'. Du Meril, Etudes S. 473. — Ita-
lienisch bei Basile 4, nr. 7 'Die zwei Kuchen' (B C2D1- 3E F2):
Marziella, die von ihrer Tante ins Meer gestürzt und von der Meer-
frau an eine Kette gelegt ist, füttert die am Ufer weidenden Gänse
des Königs, die daheim von ihrer Schönheit erzählen. Ebenso bei
*) In der rumänischen Fassung bei Schullerus nr. 36 befiehlt ein
König seinen drei Söhnen, ihre drei Schwestern zu heiraten ; der jüngste
Sohn und die jüngste Tochter erklären dies für Sünde und werden ver-
stoßen.
135. Die schwarze und die weiße Braut. 89
Gonzenback nr. 33 'Von der Schwester des Muntifiuri' (C2Dl- 3 EP2),
wo der Bruder enthauptet wird und die Schwester nachts an seinem
Grabe klagt, und nr. 34 'Von Quaddaruni und seiner Schwester' (B C2
D1' 3 E F2), wo uie rechte Braut mit ihrer JBase allein im Boote fährt
und wie im Deutschen die liebevollen Worte des am Strande entlang
gehenden Bruders nicht recht versteht. Pitre 2, 55 nr. 59 'La figghia
di Biancuciuri', nr. 60 'Ciciruni', nr. 61 'Burdilluni'. Imbriani2
S. 314 nr. 25 'Oraggio e Bianchettina' = Paul Heyse S. 101 = Crane
S. 58 nr. 12 (C2 D1, 3 E F2. Der Bruder ruft vom Ufer der Schwester
zu ; die Gänse erzählen von dem schönen Mädchen aus dem Meere.) *)
De Nino 3, 104 nr. 19 'La giovane ingraziata' (der Bruder fehlt.
Augen ausgestochen. Schluß abweichend). De Gubernatis, Die Tiere
S. 579 (C2D1-3EF2. Die Ente beweint ihre sieben Brüder; der
König tötet die Sirene und durchhaut die Kette). Finamore 1, 65
nr. 15 'Fiore e Cambedefiore' (BC2D1-3EF). Zanazzo p. 204 'Bei
Miele e Bei Sole'. Archivio 2, 36 'Lu re Ingria' (C D1- 3 E F2) aus
Sardinien ; ebd. 10, 245 'El pesse-can' (C2 D1- 3 F) aus Dalmatien mit
der gleichen Reihe von Verwandlungen wie in dem oben 1, 89 zu nr. 11
zitierten griechischen Märchen: aus dem Herzen des Haifisches, der
die rechte Braut verschluckt hat, entsprießt ein goldener Baum, den
die Kaiserin fällen läßt, und aus einem Scheit in der Hütte eines
armen Mannes wieder das Mädchen. Bei Schneller nr. 22 'Das Mädchen
mit den goldenen Zöpfen' (C2 D1, 3 F) darf ähnlich wie bei Gonzenbach
nr. 33, Finamore, B. Schmidt, Kres, Gerle kein Sonnenstrahl auf die
Braut fallen2), und der Bruder muß auf Betreiben der falschen
1) Dieser Schluß, daß die Gänse verkünden: 'Cocö, la bella padrona
ch' io ho', begegnet auch bei De Gubernatis, Novelline di Santo Stefano
nr. 9 'Le oche'.
2) Ein Sonnenstrahl verwandelt das Mädchen in eine Schlange:
Nerucci nr. 32 'La ragazza serpe', Pitre, Fiabe 2, 74 nr. 61 'Burdilluni',
Archivio 23, 417; er macht sie schwanger: Athaide Oliveira 1, 9 nr. 3
'A filha do sol'; abgeschwächt bei Strauß, Bulgarische Volksdichtungen
1895 S. 146 'Jana und die Sonne'; Etlar 1891 S. 197 'Klaus Soldat'.
Prinz Anilioos (Ohnesonne), der nachts die Zauberin Irene besucht,
stirbt, als ihn ein Sonnenstrahl trifft: Heuzey, Le mont Olympe 1860
p. 453; ebenso König Trojan bei Woycicki-Lewestam S. 3, Schles. Pro-
vinzialblätter 4, 92 (1865) und in einem Gedicht von E. Ferrand (Kletke,
Album deutscher Dichter 1862 S. 372). Nach nordischer Sage werden
Riesen und Zwerge durch die aufgehende Sonne zu Stein verwandelt
(Gering, Edda S. 86 und 156: Alvissrnöl 36 und Helgakvipa Hjorvarbs-
sonar 29. J. Grimm, Myth. 3, 158).
90 135. Die schwarze und die weiße Braut.
Königin eine Reihe schwieriger Aufgaben lösen. — Katalanisch
bei Maspons, Cuentos p. 18 = Sebillot, C. espagnols p. 77 'Sang et
neige'. — Portugiesisch bei Consiglieri-Pedroso S. 90 nr. 22
"Themaiden, from whose head pearls feil on combing herseif' (CD1-3
E F) ; die vom Walfisch verschluckte Jungfrau wird von einem Diener
gerettet und fragt den Hund Cylindra nach ihrem Bruder. Aus
Brasilien bei Romero nr. 29 'A rainha que sahiu do mar' (Augen aus-
gestochen). — Rumänisch: Schullerus nr. 36 'Die Tochter und der
Sohn des Königs' (Archiv 33, 469. C2 D3 E F1 G; Augen ausgestochen
und gekauft). Obert nr. 31 (Ausland 1858, 90); vgl. oben 279. —
Albanesisch: Pitre, Cartelli p. 371 nr. 2 'La bella fata' (die in
der Hochzeitsnacht untergeschobene Schöne zeigt dem Könige nach
dreizehn Jahren ihre damals empfangenen beiden Söhne). —
Griechisch bei B. Schmidt S. 98 nr. 13 'Der Riese vom Berge'.
Hier rühmt der Vater des Mädchens auf dessen Begehren dem
Riesen seine Tochter; durch einen Sonnenstrahl wird sie unterwegs
in eine Eidechse verwandelt. — Serbokroatisch im Kres 5, 199
nr. 45 : Die Heldin soll nach der Verwünschung ihrer Mutter zur
Schlange werden, sobald die Sonne sie beleuchte. Der Bruder, bei
dem sein Herr die Photographie der Schönen gesehen hat, fährt sie
in einem geschlossenen Wagen, aber von der Köchin überredet,
blickt sie hinaus, verwandelt sich in eine Schlange und wird von
der Köchin enthauptet ; doch aus der Asche des Schlangenkopfes
entstehen drei Rosen, die hinter das Bild der Jungfrau gesteckt,
wieder menschliche Gestalt annehmen. Stojanovic, Nar. pripov.
S. 150 'Die weiße und die schwarze Braut' (wohl aus Grimm
übersetzt; Reginer heißt Vladko). — Slowakisch bei Rimanski
102 nr. 8 = Xemcovä 1, 155 nr. 16 = Ausg. 1908 1, 281 =
Dobsinsky 4, 43 nr. 43. Anicka, welche die goldenen Enten
(Wasserjungfrauen) liebt, ist deshalb 'von Rosen umwachsen', ihre
unfreundliche Stiefschwester Kata aber von Dornen. Die Stief-
mutter stürzt Anicka auf der Fahrt zu dem Herrn, der sich nach
ihrem Bilde in sie verliebt hat, ins Wasser ; erzürnt jagt der Herr
die falsche Braut fort und läßt Anickas Bruder im Schornstein er-
sticken; als dort nachts eine Ente erscheint und klagt, hält er sie
fest, bis sie zur Jungfrau wird. Bei Skultety-Dobsinsky S. 156
nr. 16 = 2. Ausg. S. 376 nr. 28 besitzt der Bruder der goldhaarigen
Otolienka ein Haar von ihr, das (ebenso wie die Feder des Gold-
vogels bei R. Köhler 1, 467. 542) das Verlangen des Herrn erregt;
135. Die schwarze und die weiße Braut. 91
aber die Hexe hackt der Braut im Wagen Hände und Füße ab und
wirft sie ins Meer; der Bruder wird bis zum Gürtel eingegraben;
die zur Ente gewordene Jungfrau erhält für die geweinten Perlen
und die gelächeiten Rosen ihre Glieder zurück und sucht den
Bruder auf; die Hexe wird in ein Nagelf aß gesteckt. — Cechisch:
Die Sagen der böhmischen Vorzeit, Prag 1808 S. 141 — 185 enthalten
eine moderne schlechte Überarbeitung, deren Eingang von Blumen
und Perlenkämmen handelt; die Schöne muß vor freier Luft und
Sonnenstrahl gehütet werden, doch unterwegs zerbricht die böse Hjexe
das Kutschenfenster, daß Luft und Sonne eindringt, da wird sie in
eine goldene Ente verwandelt. Ebenso bei Gerle 2, 325 'Die goldene
Ente' ; vgl. Tille, Ö. poh. do r. 1848 S. 14. Vgl. oben 2, 277. —Wendisch:
Nawuka S.35 nr.23 (B C2 D1- 3 F2; Stiefmutter durch Pferd zu Tode ge-
schleift). — Polnisch aus dem Krakauer Land bei Kolberg 8, 54 nr. 22 :
nicht der Bruder, sondern ein Gärtnerssohn zeigt dem Könige das
Bild der goldhaarigen, Perlen weinenden und Posen lachenden
Jungfrau ; die untergeschobene Stiefschwester wird zurückgeschickt,
die ausgestochenen Augen für Perlen eingetauscht ; der König findet
die Schöne im Walde auf der Jagd. — Kaschubisch: Lorentz, Teksty
S.49nr.88(BC2D1-3EF1G). S. 568 nr. 699 (BC2D1-3E1F1G). — Klein-
russisch aus Ostgalizien bei Kolberg, Pokucie 4, 7 : die Hexentochter, die
der Jungfrau Maria ein Leinen für ihr Kind verweigert, wird von Petrus
und Paulus damit gestraft, daß Frösche aus ihrem Munde, Schlangen
aus der Nase und Eidechsen aus den Augen fallen, der gutherzigen
Stiefschwester aber goldene Ringe, Armspangen und Perlen. Der
Bruder der Schönen kommt aus dem Dienste des Kaisers in die
Kapelle, wo sie sich aufhält; aber die Hexe versetzt sie hinter den
Glasberg zur vierundzwanzigköpfigen Unholdin und stellt ihre Tochter
in die Kapelle, wo sie des Prinzen Soldaten abholen. Als der Prinz
den Betrug entdeckt, zieht er mit einem eisernen Stabe aus, die
rechte Braut zu suchen ; dann ähnlich wie im Trommler (nr. 193).
Aus dem Gouv. Poltawa bei Cubinskij 2, 454 nr. 139 (kein Bild;
Verwandlung in Ente beim Baden; eine alte Frau entzaubert sie)
und 140 (die Gaben stammen von zwei befreiten Hechten her; der
Koch des Prinzen kriecht im Walde in das neue Nest des ver-
zauberten Vogels und findet ein Kind); ebd. 2, 24 nr. 6: die Braut
des Prinzen, der beim Lachen Gold, beim Weinen Perlen entfallen
und unter deren Tritt Blumen aufsprießen, wird durch ihr Kammer-
mädchen geblendet und erhält die Augen für gestickte Handtücher
92 135. Die schwarze und die weiße Braut.
wieder (wie bei Weryho lett. nr. 22); aber die falsche Braut holt
die in einem Ei verborgene Seele der rechten aus der Schwarz-
pappel und schließt das Ei in einen Koffer; ein Knabe, den der
Prinz in der Kapelle beim Sarge gefunden, nimmt es und zerbricht
es; da lebt die Tote wieder auf. Ebd. 2, 27 nr. 7 ist der Eingang
dem Märchen vom dankbaren Toten entlehnt; die geblendete Schöne
erbaut ein Wirtshaus, wo der König sie sieht und liebgewinnt;
die eifersüchtige Königin läßt sie erstechen, aber sie gebiert ein
Knäblein, das die Mutter zum Leben erweckt. — Weißrussisch
bei Glihski 3, 94 nr. 5 = Chodzko S. 315 = Godin S. 90 'Von der
Jungfrau mit den Perlentränen, den unverwelklichen Rosen und den
goldenen Fischlem* (B C2 D1, 3 E F); als die in eine Ente verwandelte
rechte Braut nachts den Sarg des Bruders aufsucht, verbrennt der
König das von ihr abgelegte Gefieder. Aus dem Gouv. Grodno bei
Pederowski 2, 280 nr. 319 : zwei Greise begaben die Stiefschwestern,
der Bruder als Pferdehirt des Königs malt das Bild der Schönen,
Entengefieder verbrannt. — Großrussisch bei Afanasjev nr. 147:
die Braut fährt mit ihrem Bruder Prinz Dmitrij übers Meer zu
Prinz Iwan, der ihr Bildnis bei jenem gesehen hat; von der Amme
in eine Ente verwandelt, besucht sie nachts den eingekerkerten
Bruder; Iwan verbrennt ihr Federkleid1). Aus dem Gouv. Rjazan
bei Chudjakov 3, 139 nr. 113 (der Bruder nicht verurteilt ; das
goldene Fischlein erscheint in dem Schlafzimmer des Königspaares)
und 2, 71 nr. 56: (zuerst Motive aus Einäuglein oben nr. 130 und
Aschenputtel nr. 21; ein Jahr nach der Hochzeit lockt die Stief-
mutter die Heldin ins Dampfbad und verwandelt sie in einen
Luchs ; der Herr sieht, wie die Kinderfrau das Kind aufs Feld zum
Luchs trägt, und verbrennt die abgelegte Luchshaut2). Ähnlich, nur
kürzer bei Afanasjev3 2, 153 nr. 149. — Litauisch bei Dowojna
Sylwestrowicz 1, 292 (der Schustersohn bringt dem Prinz, mit dem
er zusammen erzogen ist, die Bilder von drei Prinzessinnen und
*) Dagegen gehören die nr. 194a— b Afanasjevs (= A. Meyer 2, 136),
die gleichfalls mit der Liebe zum Bildnis der Schönen beginnen, zum
Cymbelin -Kreise; vgl. Boccaccio, Dec. 2, nr. 9. R. Köhler 1, 212. 375.
581. 2, 463. Child, Ballads nr. 268. G. Paris, Bomania 32, 481. Modern
lang, notes 24, 218. Pypin, Ocerk liter. istorii star. pov. i skazok rus.
S. 277.
2) Das Motiv von der in ein Tier verwandelten jungen Mutter, die
nachts zu ihrem weinenden Säuglinge zurückkehrt, begegnete schon oben
1, 96 in nr. 11 und 13.
135. Die schwarze und die weiße Braut. 93
entführt die jüngste zu Schiff; dann wie der treue Johannes nr. 6)
und 1, 394 (Prinz kommt als Kaufmann zur Prinzeß). — Lettisch
bei Weryho S. 170 nr. 22 (die Braut im Walde von ihrer Freundin
geblendet, die dem Prinzen meldet, jene sei krank und sende sie
als Stellvertreterin; Bruder eingekerkert; Augen für Teppiche ein-
getauscht ; Wiedersehen im Wirtshause). — Estnisch bei Kallas nr. 48
'Das in eine Ente verwandelte Mädchen' (Bild vom Bruder gemalt;
Ente von der Wirtin entzaubert). Dähnhardt 3, 435 (Braut vertauscht
wie Aschenputtel; Kindbetterin von der Stiefmutter in eine Wölfin
verwandelt; der Mann verbrennt die Wolfshaut). — Finnisch bei
Salmelainen 1, 77 nr. 8 = Bertram, Jenseits der Scheeren S. 18 =
Schreck S. 74 'Das dem Meere entstiegene Mädchen' — Hertzberg
S. 67 = Chudjakov, Materialy S. 51 nr. 8 (C2D1-3EF2): das im
Meere gefangene Mädchen stickt eine Mütze, Hemd und Hosen und
sendet sie nachts durch ihr Hündchen Pilkka dem Königs-
sohne, um ihren Bruder aus der Schlangengrube zu befreien;
als der Prinz auf den Rat einer weisen Frau ihre Kette
durchschneidet, verwandelt sie sich in einen Wurm, eine Mücke,
eine Eidechse, einen Raben, aber er hält sie fest ; die Hexe wird
in der Badestube verbrannt (wie bei Dähnhardt). Suomi 2, 14, 46.
Aarnes Register nr. 403a. — Lappländisch bei Friis nr. 4 =
Poestion S. 39 nr. 6 'Altjis-ene' = Revue 4, 535; vgl. Jones in
Notes and queries 7. ser. 2, 104 und Liebrecht, Germania 15, 168
(Ente; ähnlich der finnischen Fassung). — Ungarisch: Berze
Nagy nr. 27 'Die aus einem Zweige gekommene Prinzessin'. — Bei
den Zigeunern in Südungarn (Wlislocki, Volksdichtungen 1890
S. 313 nr. 53 'Der falsche Bruder') ist das Märchen entstellt vor-
handen ; statt der bösen Amme oder Stiefmutter bringt der neidische
Bruder dem Könige als Braut ein häßliches Mädchen, und die Heldin
muß die Schafe des Königs hüten. — Türkisch im Sbornik V.
Miller S. 202 nr. 69 : der Pferdeknecht des Kaisers verfertigt ein
Bildnis seiner Schwester und verbirgt diese, als die Hexe sie auf
der Fahrt geblendet, bei sich; aber die Hexe gibt ihr drei Gift-
körner ein, und erst als der Kaiser auf der Jagd zur Gruft kommt
und die Körner aus ihrem Munde nimmt, erwacht sie; die aus-
gestochenen Augen werden ihr eingesetzt, und nach dreitägigem
Gebet kann sie wieder sehen. — Indisch bei Frere nr. 19 'Muchie
Lal' (D2, 3 F) : die Frau des Prinzen besucht ihre Stiefmutter und
Stiefschwester, wird von ihnen in den Fluß gestoßen und von der
94 136. Der Eisenhans.
siebenköpfigen Schlange aufgenommen ; der Gatte verstößt die in ihrem
Schmucke zu ihm kommende Schwester und sucht die rechte Frau,
die inzwischen einen Sohn geboren hat. Ähnlich in der Zeitschrift
Folk-lore 13, 79 'Puli Räja or the tiger prince'. Parker 2, 143
nr. 106 'The Machiyalle-gama princess' (D3). Stokes nr. 1 'Phul-
matti Rani' (D3 F) und 21 'The Bel-princess' (D3 F). — Arabisch:
Müller, Mehri-Sprache 3, 63 nr. 16 'Die Tochter des Armen' (D3;
gehört mehr zu Gr. 89). Tradition 20, 46. — Entstellungen zeigt
das Kabylenmärchen bei Riviere S. 51 nr. 5 'H'ab Sliman' (B C2
D1 E) : statt des Königs freit ein Schulmeister um das Mädchen,
das von der Stiefmutter geblendet und von Raben geheilt sich in
eine Taube und in einen Rosenstrauch verwandelt ; als ihr Bruder
diesem mit der Sichel naht, gibt sie sich zu erkennen und stirbt. —
Negermärchen aus Deutsch- Westafrika bei Karsten, Wer ist mein
Nächster 1903 S. 32: die Braut wird durch die Sklavin vom Schiff
ins Meer gestoßen, von einem Walfisch verschlungen und ans Land
ausgespien; der Prinz läßt die Sklavin, die er inzwischen geheiratet,
hängen. Aus Westindien Revue des trad. pop. 4, 535: ein häß-
liches Weib überredet die unter einem Baume zurückgelassene
Schöne, zu baden und die Kleider mit ihr zu tauschen, ertränkt sie;
dann die Verwandlungen.
Vgl. Arfert, Das Motiv von der unterschobenen Braut 1897
S. 11—17.
1856 s 218 136. Der Eisenhans.
Nach einer Erzählung aus den Maingegenden und in F.
v. Arnims Märchen aus dem (Böhmer) Gebirge 1844 nr. 17 'Der
eiserne Hans'. — In den früheren Ausgaben (1815 nr. 50 = 1819
nr. 136) stand die nachfolgende von der Familie v. Hasthausen mit-
geteilte Überlieferung aus dem Münsterlande, mit der Über-
schrift: 'De wilde Mann'.1)
*) = Bahlmann, Münsterländische Märchen 1898 S. 19 und Harten-
Henniger, Niedersächsische Volksmärchen 1908 1, 112.
136. Der Eisenhans. 95
Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket un genk bie
de Bueren in den Goren (Garten) un int Korn un moek alles to Schande.
Do klagden se an eeren Gutsheeren, se können eere Pacht nig mehr be-
talen ; un do leit de Gutsheer alle Jägers bie ene kämmen : we dat Dier
fangen könne, de soll ne graute Belohnung hebben. Do kümmt do en
ollen Jäger an, de segt, he wüll dat Dier wull fangen. Do mött se em
ne Pulle met Fusel (Branntwein) un ne Pulle met Wien un ne Pulle met
Beer gierwen (geben), de settet he an dat Water, wo sick dat Dier alle
Dage wäskt. Un do geit he achter en Baum stöhn, do kümmt dat Dier
un drinket ut de Pullen, do leckt et alle de Mund un kickt herum, ov
dat auck well süht. Do werd et drunken, un do geit et liegen un schlöpd.
Do geit de Jäger to un bind et an Händen un Böten; do weckt he et
wier up un segd : 'Du wilde Mann, goh met ! Sök säst du alle Dage
drinken !' Do nermt he et mit noh dat adlicke Schloß ; do settet se et do
in den Thornt, un de Heer geit to andre Nobers, de sollt seihn (sehen),
wat he för'n Dier fangen hed.
Do spült ene von de jungen Heerens met'n Ball un let de in den
Thornt fallen, un dat Kind segd: 'Wilde Mann, schmiet mie den BaU
wier to!' Do segd de wüde Mann: 'Den Ball most du sölvst wier
hahlen'. — 'Je,' segd dat Kind, 'ick heve kinen Schlüttel.' — 'Dann mack
du, dat du bie dien Moder eere Tasken kümmst, un stehl eer den
Schlüttel!' — Do schlüt dat Kind den Thornt oppen, un de wilde Mann
löpd derut. Do fänk dat Kind an to schreien: '0 wilde Mann, bliev doch
hier! Ich kriege süs Schläge.' Do nüemt de wilde Mann dat Kind up
de Nacken un lopd darmet de Wildniß herin. De wilde Mann was weg,
dat Kind was verloren.
De wilde Mann de tut dat Kind en schlechten Kiel (Kittel) an un
schickt et noh den Görner an den Kaisers Hof ; do mot et f rogen, ov de
kinen Görners-Jungen van dohn (nötig) hed. Do segd de, he wöre so
schmeerig antrocken, de annern wullen nig bie em schlopen. Do seg he,
he wull int Strauh liegen, un geit alltied des Morgens froh in den Goren,
do kümmt em de wilde Mann entgiergen, do seg he: 'Nu waske die, un
kämme die! Un de wilde Mann mäckt de Goren so schön, dat de Görner
et sölvst nig so gut kann. Un de Prinzessin süt alle Morgen den schönen
Jungen; do seg se to den Görner, de kleine Lehrjunge soll eer en Busk
Blomen brengen. Un se f rög dat Kind, van wat för Standt dat et wöre.
Do seg et, ja, dat wüs et nig; do giv se em en broden Hohn vull Du-
coeten. Es he in kümmt, giv he dat Geld sinen Heeren un seg: 'Wat
sali ick do met dohn! Dat brückt ji men !' Un he moste eer noh enen
Busk Blomen brengen; do giv se em ne Aant (Ente) vull Ducoeten, de
giv he wier an sinen Heeren. Un do noh en moel do giv se em ne Gans
vull Ducoeten, de giv de Junge wier an sinen Heeren. Do ment de Prinzessin
96 136. Der Eisenlians.
he hev Geld, un he liev nix, nn do hierothet se em int geheem. Un do weeren
eere Oeldern so beise un setten se in dat Brauhuse, do mot se sick met
Spinnen ernähren, un he geit in de Kücke un helpt den Kock de Broden
dreien und steld manxden (zuweilen) en Stück Fleesk un brengd et an
sine Frau.
Do kümmt so'n gewoltigen Krieg in Engelland, wo de Kaiser hin
mott un alle de grauten Heerens. Do seg de junge Mann, he wull do
auck hen, ov se nig noh enPerd in Stall hedden; un se saden, se hedden
noh ent, dat gönk up drei Beenen, dat wör em gut genog. He settet
sick up dat Perd, dat Perd dat geit alle: husepus, husepus. Do kümmt
em de wilde Mann in de Möte (entgegen) ; do döt sick so'n grauten Berg
up, do sind wull dusend Regimenter Soldaten un Offzeers in; do dät he
schöne Kleeder an un krigd so'n schön Perd. Do tut (zieht) he met alle
sin Volk in den Krieg noh Engelland. De Kaiser enfänk en so fröndlick
und begerd en, he mög em doh biestoen. He gewinnt de Schlacht un
verschleit alles. Do dät sick de Kaiser so bedanken vor em un frägd,
wat he för'n Heer wöre. He segd: 'Dat fragedmie men nig! Dat kann
ick jug nig seggen.' — He ritt met sin Volk wier ut Engelland; do
kümmt em de wilde Mann wier entgiergen un döt alle dat Volk wier in
den Berg, un he geit wier up sien dreibeenige Perd Sitten. Do seget de
Luide: 'Do kümmt usse Hunkepus wier an met dat dreibeenige Perd,'
un se froget: 'Wo hest du achter de Hierge (Hecke) lägen un best
schlopen?' 'Je,' segd he, 'wenn ick der nig wör west, dann hädde et in
Engelland nig gut gohn.' Se segget; 'Junge, schwieg stille, süs giv die
de Heer wat upd' Jack.'
Un so genk et noh tweenmoel, un ton derdenmoel gewient he
alles ; do kreeg he en Stick in den Arm, do niermt de Kaiser sinen Dock
(Tuch) un verbind em de Wunden. Do neidigt (nötigen) se em, he mög
do bliewen. 'Ni, ick bliewe nig bie ju; un wat ick sin, geit ju nig an.'
— Do kümmet em de wilde Mann wier entgiergen un deih alle dat Volk
wier in den Berg, un he genk wier up sin Perd Sitten un genk wier noh
Hues. Do lachten de Luide und segden: 'Do kümmt usse Hunkepus wier
an. Wo hest du doh lägen un schlopen?' He seg: 'Ick heve fürwohr
nig slopen; nu is ganz Engelland gewunnen, un et is en wohren Frerden
(Frieden).'
Do segde de Kaiser von den schönen Pitter, de em hev biestohen.
Do seg de junge Mann to en Kaiser: 'Wöre ick nig bie jug west, et wöre
nig guet gahen.' Do will de Kaiser em wat upn Buckel gieiwen. 'Ji,'
seg he, 'wenn ji dat nig gieiwen willt, will ick ju minen Arm wiesen.'
Uu asse he den Arm wiest un asse de Kaiser de Wunde süt, do wert he
ganz verwundert un segd: 'Villicht büst du Gott sölvst ader en Engel,
den mie Gott toschickt hev,' un bat em um Verzeihnüß, dat he so grov
136. Der Eisenlians. 97
met em handelt hädde, nn schenket em sin ganse Kaisers-Gut. Un de
wilde Mann was erlöset un stund ase en grauten Künig för em un ver-
telde em de ganse Sacke, un de Berg was en gans Künigs-Schloß, un
lie trock met sine Frau derup, un lerweten vergnögt bis an eren Daud.
Das Märchen, dem diese beiden Fassungen angehören, ist von
R. Köhler 1, 330, Breul (Sir Gowther 1886 S. 118) und Moe (bei
Heiland, Finmarkens amt 2, 600 = Norges land og folk 20, 2. 1906)
der Grindkopf, von Grundtvig (Register nr. 8) das Goldhaar,
von Panzer, Hilde-Gudrun 1901 S. 251 Goldener betitelt worden.
Seine Hauptmotive sind: A.1 Ein Königssohn läßt den von seinem
Vater gefangenen wilden Mann, den Eisenhans frei; A.2 Der Prinz
flieht vor den Nachstellungen seiner feindseligen oder buhlerischen
Stiefmutter; A.3 Der wilde Mann verhilft einem kinderlosen Ehe-
paare zu einem Sohne, doch muß dieser ihm nach einer bestimmten
Frist übergeben werden. — B. Der Knabe erwirbt beim Eisenhans,
dessen Verbot er übertritt, goldene Haare und wird entweder (B1)
in Güte entlassen oder (B2) entflieht auf einem sprechenden Posse.
— C. Er dient, nachdem er sein Goldhaar mit einem Hut oder
Tuch verdeckt hat, als Gärtner an einem Königshofe, wo sich die
Prinzessin in ihn verliebt. — D. Bei einem Turnier erscheint er
dreimal auf einem prächtigen Roß, das ihm der Eisenhans geliefert,
und erringt die Hand der Königstochter. — E. Er erweist seinen Adel
als Sieger in einer Schlacht, als Drachentöter, als Bringer eines
Heilmittels für den kranken König (vgl. nr. 97) oder auf einer Jagd,
wo er seine spottenden Schwäger beschämt. — F. Der Eisenhans
oder das hilfreiche Pferd wird erlöst.
In Vulpius' Ammenmärchen 1791 1, 173 'Der eiserne Mann
oder der Lohn des Gehorsams' (A1 C D F) fehlt zwar das Goldhaar
des Knaben, aber dieser erringt durch drei kostbare Äpfel, die ihm
der eiserne Mann geschenkt, die Gunst der Königstochter.1) Aus
dem Oberelsaß in Stöbers Alsatia 1873 — 74, 149 'Vom bösen
Büblein, das zuletzt König wird' (B2 F C E). Aus dem Schwarz-
wald in der Alemannia 26, 91 nr. 14 'Der Grindlappen' (B2 C E).
!) J. Kerners Märchen 'Goldener' (Dichterwald 1813 = "Werke ed.
Gaismaier 3, 276. Gottschalk, Volksmärchen 1, 286. 1814. Bechstein,
Märchenbuch 1845 S. 159) beruht, wie der Dichter ausdrücklich bemerkt,
auf keiner Volksüberlieferung. Vgl. auch Wilhelm Grimms Äußerung 1814
im Briefwechsel aus der Jugendzeit 1881 S. 392.
Grimm , Märchen-Anmerkungen III. 7
98 136. Der Eisenhans.
Aus Tirol bei Ziagerle KHM. I2, 138 nr. 28 Werweiß' (A^'CE
D F). I2, 157 nr. 32 'Goldener' (Kesselheizer bei einer alten Frau,
BJCE). 2, 198 'Der Grindkopf' (A3 B2 C D E F). Aus Nieder-
österreich bei Vernaleken, KHM. nr. 8 'Der Wunderschimmel'
(A1 B2 C E F), nr. 23 'Der Waldkater' (A3 B C E), nr. 60 'Da Seppl
mit di goldenen Hoar' (B2F). Heanzisch bei Bunker nr. 76 'Der
König mit dem Brandmal' = Zs. f. Volksk. 8, 192 (D C ; die Pferde
gibt dem Michel sein verstorbener Vater). Siebenbürgisch bei
Haltrich nr. 11 'Goldhaar' (A3B1CE). Aus Österreich isch-
Schlesien bei Peter 2, 180 'Der treue Hansel' (B2 C D E F) und
2, 185 'Hasenjackel' (A1 D ; Held heiratet die Königstochter, weil er
mit Hilfe des wilden Mannes drei Jahre lang die Hasen gehütet).
Aus Oberschlesien bei Przibilla S. 89 'Der Hundewärter' (Gaudeif,
oben 2, 60; dann B2 C D E). Aus der Nähe von Halle bei
Sommer S. 86 'Der eiserne Mann' (A1 B C E ; drei Bälle wie bei
Vulpius). Aus Unterfranken bei Spiegel 1914 nr. 4 'Der Grind-
hansel' (A3B2FC; dann Pervonto, oben 1, 487). Vom Odenwald
bei Wolf, Hausmärchen S. 269 'Das treue Fiillchen' (Einleitung wie
oben nr. 90; B2DE; C D E F) und S. 369 'Der Hinkelhirt' (A2 G
ED; Zauberpfeifchen, Drachen getötet). Aus dem Rheinlande
bei Simrock nr. 24 'Des Teufels Schürenbrand' (oben 2, 423 ; B2
CDF). Aus Hannover bei Busch S. 96 'Friedrich Goldhaar' (A3
B2CEF) und Schambach-Müller S. 278 'Häuschen Glasköpfchen'
(B C E ; eine alte Zauberin statt des wilden Mannes). Aus dem
Saterlande bei Bröring 2, 288 'Des Königs Kuhhirte' (CE). Aus
Holstein bei Müllenhoff S. 420 nr. 12 'Der starke Franz' (B3 F
C E). Aus Pommern bei Jahn, Schwanke S. 87 'Der Wollensack'
(A1 B ; dann der Hasenhüter, unten nr. 165) ; Bl. f. pomm. Volkskunde
4, 183 'Der Fischersohn' (A2B2CD). Aus Ostpreußen bei Lemke
2, 255 'Der Schäferknecht mit den goldenen Haaren' (B1 E ; Drachen-
zungen).— -Vlämisch: De Mont en de Cock, Wondersprookjes p. 40
'Van Siegfried den Koningszoon van Duitschland' (tötet als Schäfer
Räuber und Riesen, D E) und p. 294 (Glasberg). Vermast p. 85
'Van het paard met de gouden manen (A1 B2 C D E) und p. 125
'Mijnheer von den Glazenberg' (legt seinem Diener fünf Auf-
gaben auf, eine alte Frau hilft; B2FCD). Volkskunde 3, 110
'Jan de Rotter' (A3B2CEF; Drache getötet). Revue des
trad. pop. 16, 217 'Le garcon au bonnet rouge' (B2 C E D). —
Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 8 'Guldhäret'. Winther 1,
136. Der Eisenhans. 99
31 'Prindsen og havmanden'. Grundtvig, Minder 2, nr. 311 'Hans
med guldhäret'. = Stroebe 1, 55 nr. 12. Grundtvig, Folkeaev. 1,
175 nr. 15 'Vildmanden' = Leo 1, 228 (A'B'CDE). Madsen S. 76
'Gartnerdrengen' (A3BCDE). Berntsen 1, 34 nr. 4 'Hans Have-
dreng' (B2 C D E F). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 144 nr. 30 'Den
fangne Jiernmand' (A1BC; Goldäpfel wie bei Vulpius). 3, 193 nr.
36 'Drengen med det gyldne Haar' (Alte Frau statt des Eisenhans ;
B'CDE). 4, 138 nr. 26 'Den blaa Stud' (vorher das 'Erdkühlein',
oben S. 61). 4,. 159 nr. 30 'Esben hos Katten' (vgl. oben 2, 33).
4, 29 nr. 50 'Vildmanden' (A'B'CED). Skattegraveren 3, 200
'Drengen med solvhäret' (B2 C D F). 7, 135 'Skurrekop' (A1 B ODE;
Goldäpfel). 8, 163 'De tre guldaäbler' B2 C D E). — Schwedisch:
Hylten-Cavallius nr. 20 'Prinsessan uppä glasberget' = Turley,
Schwed. Volksmärchen 'Die Prinzessin auf dem gläsernen Berge'
(A1 C D) = Stroebe 1, 263 nr. 16 — Fuchs, Volksmärchen aus aller
Welt 1906 S. 176. Moe bei Heiland 2, 602. Wigström, Sv. lands-
mälen 5, 1, 42 'Trollet Boriax ock kungasonen' (A1 B C D). Aberg
nr. 129 'Askfis' (B2 C D ; vgl. oben 1, 155), nr. 130 'Pojken som
tjänade hin onde' (B2 C E), nr. 131 (A2 B2 C E), nr. 135 (B2 E),
nr. 199 'Fägelkungen' (A1 B1 C E ; Vogel statt des wilden Mannes).
Stroebe 1, 275 'Königin Kranich'. Hackmans Register nr. 314 und
502. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 14 'Enkesonnen'
(B2 CEF) = Bresemann 1, 86 = Thorpe p. 293 = Dasent 1859
p. 358. — Färöisch: Jakobsen S. 624 nr. 72 'Hans vid guld-
härinun' (B C D F), vgl. S. 296 nr. 16 'Bossadrongurin'. —
Isländisch: Pittershaus S. 95 nr. 24 'borsteinn mit dem Gold-
haar' (B2CEF). — Französisch: Luzel, Contes 2, 295 'Le Murlu
ou l'homme sauvage' (A1BCE; kein Goldhaar, Drachenzungen).
Sebillot, Contes 3, 74 nr. 9 'Jean le Teignous' (A3B2CDE).
Revue des trad. pop. 9, 341 'Le petit oiseau' (Vogel statt
des Eisenhans. A1 B C). Cosquin 1, 133 nr. 12 lLe prince et son
cheval' (B2 C D E) Carnoy, C. francais p. 42 'L'homme de fer'
(lothringisch. A^CD). Deulin, Cambrinus 1874 p. 151 'Caillou
qui biques !' Meyrac p. 493 'Jean le Tigneux' (B2 F C D E). Jeger-
lehner, Sagen aus dem Unterwallis 1909 S. 138 'Les trois pomraes
d'or = Jegerlehner, Am Herdfeuer der Sennen S. 156 'Die drei
goldenen Äpfel' (B2CDE). — Italienisch: Straparola 5, nr. 1 =
F. W. V. Schmidt, Märchen des Straparola 1817 S. 92 = Kletke,
Märchensaal 1, 71 nr. 16 = Keller, Ital. Novellenschatz 5, 100 (1851)
7*
100 136. Der Eisenhans.
'Der Waldmann' (A1B1E. Der von einer "Fee entzauberte Wald-
raensch begleitet den Prinzen Guerrino und hilft ihm, die ihm vom
König Zifroi gestellten Aufgaben lösen : zwei wilde Pferde bändigen
und die goldgelockte Prinzessin unter den beiden verschleierten
Schwestern herausfinden). Schneller nr. 20 'Der Prinz mit den
goldenen Haaren' (B2 C D E F). Eolk-lore Eecord 3, 44 'The little
mare' (A2B2CDE. Bisme brandmarkt seine Schwäger). R.Köhler,
Jahrbuch f. roman. Lit. 8, 253 'Der Grindkopf'; vgl. Köhler, Kl.
Sehr. 1,330 (A3B'CE; drei Marmorstatuen schenken Wunschbeutel,
Zauberrute und Samenkörner). Imbriani, Novellaja fior. 2 nr. 2 'II
contadino che aveva tre figlioli' (B2F; der Eingang mit der
Menschenfleischprobe wie bei Meyrac; die hilfreiche Stute ist die
entführte Tochter des Königs, die der Held heiratet). De Nino 3,
234 nr. 45 'La capigliera d'oro' (von drei Feen wird der schlafende
Köhlerjunge mit Goldhaar, Gitarre und Schwert begabt ; C E).
Finamore 1, 1, 75 nr. 17 'Lu tignusjelle' (A3 B2 C D E). Ortoli p. 108
'Le petit teigneux' (B2 C D ; Pferd Bayard wie bei Jegerlehner).
Gonzenbach nr. 26 'Vom tapferen Königssohn' (angehängt an das
Märchen von der treulosen Mutter ; von einem Einsiedler unter-
wiesen, gewinnt der Grindkopf die Königstochter, die aber seine
Schwester ist, und besiegt seines Vaters Feinde; DE); vgl. nr. 61
'Von einem mutigen Königssohn' (oben 2, 305; dann DE) und 67
'Paperarello' (treulose Mutter; C E). Pitre, Fiabe sie. 2, 136 nr. 79,
Variante 'Biamunti' (wie Gonzenbach nr. 26) und 2, 111 nr. P 8
'Lu tignusu (CD). — Katalanisch: Maspons 3, 21 nr. 1 'En Pere
revolt'. — Portugiesisch aus Brasilien: Bomero nr. 8 'O passaro
preto' (A1B1CD. Vogel statt des wilden Mannes) und nr. 38 '0
Carece' (A3B2CDE. Drachenzungen ausgeschnitten). — B askisch:
Webster p. 22 'The grateful Tartaro and the herensage' (A1 B1 C E ;
Drachenzungen ausgeschnitten) und p. 111 'Ezkabi-Fidel' (B2 C D E).
— Griechisch: Pio p. 179 '0 äyQiäd-Qonoc,'1 = Misotakis S. 1 'Der
wilde Mann' = Garnett 2, 261 (A1 B D). Hahn 2, 197 Var. 2 zu
nr. 6 'Vom Prinzen und seinem Fohlen' (A3 B2 C D E) und nr. 45
'Der Traum des Prinzen' (B2 D ; vorher Traum des Knaben wie oben
1, 324). Kretschmer nr. 41 'Der unglückliche König'. — Alba-
nesisch aus Sicilien: Pitre, Cartelli del popolo sie. 1913 p. 411 nr. 9
'Nini' (C E). — Rumänisch: Staufe nr. 10 'Der glückliche Aben-
teurer' (Zs. f. Volksk. 9, 85 : D) und nr. 36 'Der junge Gärtner und
die Fürstentochter' (C E ; drei Nachtwachen am Grabe des Vaters).
136. Der Eisenhans. 101
*Roumanian fairy tales p. 27. Säinenu p. 285 f. — Serbokroatisch:
Vuk Stefanovic Karadzic S. 208 nr. 52 'Cefa der Glatzkopf = Jagic
er. 17 (Archiv f. slav. Phil. 2, 618; vgl. R. Köhler 1, 419: C E,
Schlacht), ßos. nar. pripov. redovn. omlad. S. 11 nr. 4 = Mijatovies
p. 189 nr. 18 'One good tiirn deserves another' (A1, untreuer Diener,
CD). Aus Kroatien: Valjavec p. 136 nr. 9 = Leskien S. 199 nr. 45
(A1 C, Hasenhüter, D F). Kres 4, 247 nr. 16 = Krauss 1, 220 nr. 46
'Das wunderbare Pferd' (A2 B2 C D E). Krasic 2, 16 nr. 11 (der
12. Sohn entflieht nach Tausch der Bettplätze auf dem sprechenden
Pferde einer Hexe, D, setzt beim Turnier über den Graben). Aus
Slavonien: Zbornikjslav.il, 290 nr. 20 (Schafhirt erhält vom Drachen
Goldkrone, Gärtner; Jagd, Schlacht). Aus Bosnien: Krauss, Tausend
Sagen 1, 183 nr. 61 (Augen des Bockes von den Vilen geholt, Pferd,
Goldgewand, Kappe aus Schafsgekröse, C E, Schwäger beschämt).
Aus Serbien: Atan. Nikolic 1, nr. 15 = 2. Aufl. S. 227 nr. 24 (B2
C E). — Bulgarisch aus Mazedonien: Sapkare v 8 — 9, 124 nr. 92
= Leskien S. 21 nr. 7 (Zauberpferd gefangen, D E). Sprostranov
S. 107 nr. 20 (drei Nächte am Grabe des Vaters, C, Schwäger be-
schämt). Sbornik min. 8. 167 'Drei Samovilen, der alte Blinde und
der Grindkopf' (Augen des Herrn geholt, Zauberpferd, B2 C E, Ele-
fantenmilch). — Slovakisch: Skultety-Dobsinsky S. 270 = 2. Ausg.
S. 536 nr. 39 (A\ Speicherdieb gefangen, B^E). Czambel S. 313
nr. 159 (Wunschbeutel, Plöte und Gürtel Räubern abgenommen, C E,
Fortunatmotiv wie oben 1, 499). Dobsinsky 6, 16 (drei Jungfrauen
durch drei Qualnächte befreit, Haare goldig, Küchenjunge, C). —
Cechisch aus Böhmen: Rubes S. 253 = Waldau S. 50 'Der wilde
Mann' (A1 B1 C E D F), danach Milenowsky S. 147 'Vom wilden
Manne', vgl. Zs. f. dt. Mythologie 2, 444 nr. 6. Radostov 10, 3 =
2. Aufl. 2, 41 = 3. Aufl. S. 617 (einen der Zwillinge hat der schwarze
Ritter sich ausbedungen, B2, magische Flucht, C, Gärtner als Bär
verkleidet, F). Nemcovä 3, 133 nr. 45 'Prinz Bajaja' (A2 0, Prinz
stellt sich stumm, E, Drachentöter, Schlacht, D). Pohadky a pov. nas.
lidu S. 16 nr. 9 (B2 C). Popelkovä, Na besede S. 176 nr. 191 (A2
C E). Hsl. Sammlung Pfihoda nr. 8 (Orakel wie oben 1, 322;
Alexander verschlagen wird Gärtnerbursch und goldhaarig, C). Kubin,
Podkrkonosi 1, nr. 86. Aus Mähren: Kulda 1, 69 nr. 24 (Sohn
und Fohlen nach Genuß von Äpfeln geboren, A2 C E). Miksicek 1,
190 (B2CD) = Mensik, Jemnic. S. 146 nr. 47. Tille S. 39 nr. 21
(E, Drachentöter, Schlacht, F). Kulda 1, 46 nr. 17 = Wenzig S. 1
102 136. Der Eisenhans.
'Hänslein mit dem Strauße' (C D E, Zaubergaben der beschenkten
Bettler). Mensik, Jemnic. S. 206 nr. 64 (Goldener Mann, A1,
verbotenes Zimmer, Goldhirsch, Zaubergerte, Schafhirt, Trompete
und Trommel von den schwarzen Männern, E). Elpl S. 71 nr. 17
(ähnlich). Pfikryl S. 413 (B2, magische Flucht, C E F). Hsl. Samm-
lung Ed. Peck nr. 1 (Einleitung wie Hans mein Igel oben 2, 482;
Hexe verleiht goldenes Haar, C E). Aus Glatz : Kubin 1, 75 nr. 39
(Pferd im Erbsenfeld gefangen, Haare in der Quelle, CEF). —
Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 69 'Der goldene Apfel'. — ■
Polnisch aus dem Krakauer Land: Kolberg, Lud 8, 9 nr. 6 (A1,
Schwanjungfrau, Aufgaben des Vaters). 8, 52 nr. 21 (Knabe und
Fohlen nach Genuß eines Apfels geboren, A2 C). S\vie,tek S. 346 nr. 24
(Stiefsohn soll getötet werden, B2 C E). Wisla 17, 445 nr. 4 (B2 F C,
Muttermal der Prinzeß erraten, E). 8, 253 nr. 6 (A2 C, in Bärenhaut,
E, Schwäger beschämt). — Kleinrussisch aus Poltawa: Rudcenko
1, 109 nr. 48 'Neznajko' (d. h. Ich weiß nicht, wie bei Zingerle Wer
weiß. Sohn dem Drachen versprochen; A3B2CE> Aus dem Gouv.
Kiew ebd. 1, 100 nr. 47 (verirrter Kaufmann verspricht dem Drachen,
wovon er zu Hause 'nicht weiß'. B2 C E). Aus Galizien : Etnogr.
Zbirnyk 7, 57 nr. 40 (Höllenheizer, B2 C D). Aus Nordungarn: ebd.
4, 106 nr. 20 'Nemtuda' (B2 C D E). Aus Südungarn ebd 25, 70
nr. 16 [der Prinz läßt einen Vogel, nicht einen Mann aus dem Käfig,
C E F). Aus dem Gouv. Wolhynien : Cubinskij 2, 214 nr. 58 (Ne-
znajko. A2 C E). Aus dem Gouv. Jekaterinoslaw : Manzura S. 40
'Neznajko' (Fischersohn dem Meerdrachen verschrieben, B2 C E, Drachen-
töter). Aus Gouv. Wolhynien: Kokossowska S. 26 nr. 9 (Meer-
UDgeheuer, A1, untreuer Diener Neznajko, C E). Aus Nordungarn :
Etnogr. Zbirnyk 9, 54 nr. 27 (A1, Mutter des Knaben im Käfig;
treulose Mutter). Aus Gouv. Jekaterinoslaw : Cubinskij, Trudy 2, 219
nr. 59 (A3 B2 C D E). Ostgalizien : Öuchevyc S. 93 nr. 60 (der jüngste
Prinz kommt in den ehernen, silbernen, goldenen Wald; Pferd, Ich
weiß nicht, C E, Jagd). Rozdolskyj S. 11 nr. 4 (Pferde im Weizen-
feld, DE, Drachentöter). Aus Gouv. Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14,15
nr. 2 'Neznajko' (B2, magische Flucht, CE). Sadok Baracz S. 98
(B2CE). — Weiß russisch aus Gouv. Minsk: Sejn 2, 52 nr. 24
(die Cuda-Juda im Weizenfelde gefangen, vom Prinzen freigelassen,
A1, treuloser Diener, Cuda-Juda rettet Prinz und Prinzessin aus dem
Meere). Aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1,471 nr. 12 (ähnlicher
Eingang, A*E; Spannenlang-Ellenbart hilft die Pferde hüten). Afa-
136. Der Eisenhans. 103
nasjev 5, nr. 38 = 3. Aufl. 1, 116 nr. 69 (messingner Vogel im
Weizenfeld, A1 C E). Aus Gouv. Mogilev: Eomanov 3, 148 nr. 186
(A2CE, Drachentöter). Eederowski 1, 113 nr. 340 'Nieznajko' (A2
C E, Drachentöter). Romanov 6, 395 nr. 45 (ehernes Ungeheuer im
Weizenfeld, A1 C E, untreuer Diener, Pferde gehütet). 6, 26 nr. 4
(Zauberpferd hinter zwölf Türen verborgen, C E, Schwäger beschämt).
— Großrussisch : Eovinskij 1, 762 nr. 169 = Afanasjev 2, 217
= Dietrich S. 40 nr. 4 'Ritter Iwan der Bauernsohn' (B2 C D E ; Der
Held trägt eine Blase über dem Haar und nennt sich 'Ich weiß nicht').
Goldschmidt S. 22 'Der Stern der Zarewna' = Ralston p. 256. Aus
dem Gouv. Bjäsan: Chudjakov 2, 33 nr. 44 (A1, treuloser Diener;
Pferde mit Hilfe des wunderbaren Männleins geheilt, Prinzessin von
drei Drachen befreit). Aus Moskau ebd. 1, 21 nr. 4 'Prinz Dimitrij'
(Blase überm Goldhaar, C E). Aus Gouv. Wologda: Ivanickij S. 175
nr. 6 (wilder Mann, A1 E, Drachentöter). Afanasjev 5, nr. 37 =
3. Aufl. 1, 109 nr. 67 (Waldmann, A1, untreuer Diener, Pferde ge-
hütet, E). 1, 110 nr. 67 b aus Gouv. Woronesch (Nikanor im Erbsen-
feld, A1, untreuer Diener, E). 1, 114 nr. 68 (= 1. Aufl. 2, nr. 91
aus Gouv. Perm: A1 E, Drachentöter). Aus Gouv. Orel: Chudjakov 3,
143 nr. 115 (Männlein im Weizenfeld, untreuer Diener, C). Aus
Gouv. Olonetz: Oncukov S. 274 nr. 112 (A1, Prinz vom goldenen
Hirsch verlockt, Hirt beim alten Erzstirn). S. 358 nr. 150 (Mann mit
Erzstirn und Bleibauch, A1 C, dann Fortunatmotiv wie oben 1, 480).
Aus Gouv. Jenisejsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 17 nr. 4 'Neznajka' (Held
und Fohlen nach Genuß eines Fisches geboren, A2 C E, Drachentöter).
Aus Gouv. Moskau: Cudinskij S. 16 (C E, Drachentöter). Aus dem
Kaukasus: Sbornik Kavkaz. 15, 2, 3 nr. 1 (Prinzeß in Vogelgestalt
raubt die Goldäpfel, ihr Bruder zieht davon auf einem Zauberpferd,
Pferdehirt, C E, Schwäger beschämt). Afanasjev3 2, 209 nr. 165 a
'Xeznajko' (A2CE; Held in Stierhaut und Blase). 2, 212 nr. 165b
(aus Gouv. Archangelsk. C E). Bronicyn S. 61 = Naake p. 117
'Ivan Kruchina' (A2B2CD). Aus Gouv. Perm: Afanasjev3 2, 220 (der
Jüngling erhält durch Baden in zwei Quellen Stärke und Goldhaar
und kommt in den Palast des Cuda-Juda ; B2 C E). Aus Nordost-
sibirien, Kolym: Etnogr. Obozr. 72—73, 175—181 (A2 C E F). Über
hsl. Fassungen vgl. Zivaja Starina 20, 98. 102. ■ — Litauisch:
Leskien-Brugman S. 379 nr. 9 'Von dem Prinzen, der bei dem Satan
in Diensten stand und den König aus der Hölle befreite' (B2 C D
E F). Jurkschat 1, 129 nr. 63 'Die drei Rößlein (B2 C D E F). Do-
104 136. Der Eisenhans.
wojna S3rUvestrowicz 2, 22 (Zwillinge, der Held zieht löjährig zum
Gevatter, erhält drei Wunschhaare, C E). 1, 61 (B2 C E F). Karlo-
wicz S. 61 nr. 44 (Prinz dem Teufel vom Vater versprochen, Höllen-
heizer, B2, magische Flucht, CE). — Lettisch: Weryho S. 202
nr. 27 (Wunschdose ererbt, Schweinehirt, C E). — Estnisch: Kallas
nr. 7 'Der entflohene Königssohn' (Verhdl. 20, 119. B2 C E F). —
Finnisch: Salmelainen 1, nr. 12, III = Schreck S. 128 nr. 15 'Der
in einen Hengst verwandelte Jüngling' (B2 CEF) — Chudjakov,
Materialy S. 90. Aarnes Kegister nr. 314. 502. Suomi 2, 14, 35. —
Lappländisch: Friis nr. 18 = Germania 15, 176 nr. 6 'Der Rie3e
und der kleine Junge' = Poestion S. 84 nr. 21 (B2 C D E F). —
— Magyarisch: Gaal-Stier S. 61 nr. 8 'Weißnitle' (A2CDE;
Schwäger gebrandmarkt). Berze Nagy nr. 65 'Nemtudomka'. Sklarek
1, 114 nr. 12 'Der goldbärtige Mann (Ä'CDE; dankbare Tiere
helfen gleichfalls dem Helden). Sklarek 1, 130 nr. 13 'Der behaarte
Mann' (A^CE) = Kyelvör 4, 279. Sklarek 1, 135 nr. 14 'Der
goldhaarige Gärtnersbursch' (B2 C D E) = Merenyi 2, 65 Arany-
Gyulai 3, 332 'Der Milchbrunnen'. — Zigeunerisch aus Serbien:
Tih. Gjorgevic S. 116 'Eines Zigeuners listiger Trug' (ein goldener
Mann aus dem Sumpfe, A1 C, untreuer Diener, Stallknecht, Gaben
der Schwestern des goldenen Mannes). — Armenisch: Zs. f.
ATolksk. 20, 76 nr. 3 'Der Knabe mit dem goldenen Haar' (A3 B2 C
DE). Sbornik Kavkaz. 24, 2,152 nr. 20 (Zwillinge, A3B2CE; Held
holt Hirschmilch, goldene Nachtigall, goldhörnige Antilope, Lebens-
wasser, von den Schwägern im Schlaf ermordet, vom dankbaren
Löwen und Adler belebt). — Kabardinisch: ebd. 21, 2, 196 nr. 4
(A2CE; 'Narun' d. h. Ich weiß nicht). — Grusinisch aus Gouv.
Kutais: ebd. 18, 3, 383 (goldhaarige Zwillinge; Gärtner, C E, dann
Brüdermärchen oben 1, 542). 24, 2, 85 nr. 4 (CE; heilender Apfel
geholt, Schwäger beschämt). — Tatarisch aus Südsibirien: Radioff
2, 607 'Südäi Märgän und Joltai Märgän' (treulose Frau, hilfreiches
Pferd; die jüngste Schwester wählt den Bärenmenschen, Schwäger
beschämt). 3, 261 'Kosy Korpösch' (geht auf den Rat einer Alten
als Grindkopf zu seiner Braut Bajan ; nachts erleuchtet seih goldenes
Haar das Zelt). 3, 297 'Kan Schentäi (zieht auf den Rat seines
Pferdes als Grindkopf zur Hochzeit einer Fürstentochter und besiegt
deren Freier). — Aramäisch aus dem Tür 'Abdin bei Prym-Socin
2, 90 nr. 26 (Grindkopf von der Prinzessin erwählt, holt Löwenmilch,
brandmarkt die Schwäger; also nur DE) und 2, 152 nr. 39 (gehört
136. Der Eisenhans. 105
zum Erdmänneken, oben 2, 314. Der von den treulosen Brüdern im
Stich gelassene Held erscheint als Kahlkopf, eine Blase auf dem
Haar, dreimal im Turnier). Bergsträsser nr. 20 (A2 C D E. Der Grind-
kopf hat einen Zauberring bei der Flucht aus dem Vaterhause mit-
genommen). — Kirgisisch aus Bajan-Sul: Otec. Zapiski 1830 43,
252 (Afanasjev3 2, 221). — Kalmükisch: Siddhi-Kür nr. 5 bei Jülg
1866 S. 30 = Bergmann, Nomadische Streifereien 1, 298 (A^D;
der Pflegesohn des Einsiedlers soll mit der Eürstentochter zusammen
den Drachen vorgeworfen werden). — Indisch: Stokes nr. 10 'The
monkey prince' (vermischt mit dem Tierbräutigam, oben nr. 88) und
nr. 20 'The boy who had a moon on his forehead and a star on his
chin' (B2CDE; Schwäger gebrandmarkt); vgl. Cosquin 1, 150.
Minajev nr. 46 (A3B2; statt des Pferdes die Leichen der vom Unhold
Getöteten). Parker 1, 137 nr. 15 'The prince and the yakä' (A E, un-
treuer Diener, Drachentöter). — Siamesisch: Bastian, Die Völker
des östl. Asiens 4, 350 'Chaoh Gnoh' (1868. B1 C D E. Schwäger ver-
stümmelt); vgl. Cosquin 1, 146. — Malaiisch: Folk-lore 14, 385
'The story of Indra Bangsäcoan' (wird nach der Weisung eines
Zauberers Ziegenhirt, holt Tigermilch für die kranke Prinzeß, tötet
auf einem grünen Pferde den Greifen und besiegt das Heer der
neuen Nebenbuhler; als Einleitung die Sendung nach der wunder-
baren Schalmei, die sein Vater im Traum gesehen; vgl. oben 1, 511).
— Arabisch: Schmidt-Kahle, Palästina nr. 53 'Kahlköpfchen und
das Wunderpferd' (A2 B2 C D E). Spitta-Bey nr. 12 'Histoire du
prince et de son cheval' (A2 B2 C D E ; Schwäger gebrandmarkt).
Artin-Pacha 1895 nr. 7 'Le cheval enchante' (A2 B2 C E). Abel, Eine
Erzählung im Dialekt von Ermenne (Abh. der sächs. Ges. d. Wiss., phil.-
hist. Kl. 19, 8). Stumme, Schluh von Tazerwalt S. 146 nr. 17 'Von
einem Sultan, seinem Sohne, einem Garten und von zwei Mädchen
nebst ihren Westen' (A1 C D. Muhammed läßt den nachts seines
Vaters Garten verwüstenden Unhold gegen einen Zauberring frei;
ähnlich unsrer nr. 91 'Erdmänneken'). Revue des trad. pop. 27, 433
'Le roi bücheron' (C D E). Frobenius, Dekameron S. 76 'Der
Rassenreine' (C D E). — Suaheli: Steere p. 379 'The spirit
who was cheated by the sultan's son' (A3 B2 ; keine Zeit
niedrigen Dienstes, der Held baut sich ein Haus und wird
des Königs Schwiegersohn). — Pawnee -Indianer: Dorsey 1904
nr. 4L 'The boy and the horse' (der mitleidige Knabe erhält vom
Adler ein redendes Pferd, auf dem er sich im Kriege aus-
106 136. Der Eisenbaus.
zeichnet, und beiratet die Häuptlingstochter); vgl. Wake, Journal
of amer. folklore 20, 216.
Die einzelnen Züge des Märchens lassen sich bis ins Mittel-
alter zurückverfolgen. Im 13. Jahrhundert berichtet Snorre Stur-
luson (Heimskringla, Hälfdanar saga svarta, Kap. 8 ; vgl. Bugge,
Arkiv for nordisk filologi 16, 1. Heiland, Finmarkens amt 2, 581 \
daß der norwegische König Halfdan, als beim Julfest plötzlich
alle Speise und Trank verschwand, einen finnischen Zauberer
gefangen setzte, um von ihm den Täter zu erfahren. Der Finne
aber schwieg trotz den Martern und bewegte Halfdans jungen Sohn
Harald den Haarschönen, ihn aus dem Kerker zu befreien und mit
ihm zu einem Häuptling zu fliehen, wo er bis zum Tode seines
Vaters lebte. Zu dieser Erzählung fügt das um 1380 geschriebene
Flatöbuch (Fornmanna Sögur 10, 170) hinzu, daß Halfdan den Joten
Dovre, der seine Schatzkammer bestahl, in einer Falle fing; Harald
als fünfjähriger Knabe ließ ihn frei, dafür nahm ihn der Riese mit
sich und erzog ihn, bis er an seines Vaters Statt den Thron bestieg.
Über die hiervon abhängige Bord Snsefellsäss und die Kjalnesinga
saga vgl. Heiland 2, 589. Auch bei Saxo Grammaticus p. 19. 30 ed.
Holder wird Hading als landflüchtiger Königssohn von dem Riesen
Vagnhoved aufgezogen und in wunderbarer Weise beim Kampfe
unterstützt; bei der von Ragnild vorgenommenen Gattenwahl tritt
er vermummt auf, erst an einem Ringe, den sie früher in seine
Wunde am Beine gelegt, erkennt sie ihn (Olrik, Kilderne til Sakses
Oldhistorie 1, 40).
Der Grund, aus dem der König das dämonische Wesen fesseln
läßt, scheint ursprünglich das Verlangen nach seinem pro-
phetischen Wissen gewesen zu sein. So ließ Midas (Herodot
8, c. 138. Röscher, Mytholog. Lexikon 2,2954) den Seilenos fangen,
indem er (nach Xenophon und Theopomp) Wein in die Quelle goß,
aus der jener trank1), König Numa die Walddämonen Faunus und
Picus (Ovid, Fasti 3, 291. Röscher 2, 657), Salomo den Geister-
x) Das Berauschen des wilden Mannes durch Wein oder Brannt-
wein begegnete uns schon oben S. 95 in der mÜDsterländischen Fassung,
ferner bei Straparola 5, nr. 1 und magyarisch bei Sklarek 1, 115 nr. 12.
Vgl. dazu oben 2, 851; Sklarek 1, 292; Mannhardt, Wald- und Feldkulte
1, 96. 112. 2, 117 (1875—77). — Zu der Gestalt des Eisenhans vgl. die
oben 2, 541 erwähnten dämonischen Eisenkerle; auch Laistner, Zs. f.
dt. Altertum 38, 121.
136. Der Eisenbans. 107
fürsten Aschmedai (Babylonischer Talmud, Traktat Gittin bei Vogt,
Salomon und Marko lf 1, 213. Eisenmenger, Entdecktes Judentum
1, 351. ZdinG. 31, 220) oder König Kodarchus den Waldmann
Merlin (Vita Merlini bei San-Marte, Die Sagen von Merlin 1853
S. 280), womit Moe bei Heiland 2, 627 die Haffs saga (c. 7.
Eornaldar Sögur 2, 31) und andere skandinavische Überlieferungen
von einem gefangenen Meermännchen (Lehmann-Filhes 1, 65) ver-
gleicht. In den Grimnismöl (Gering, Edda S. 69. F. v. d. Leyen,
Das Märchen in den Göttersagen der Edda 1899 S. 53) läßt König
Geirrod Odin, der als Fremdling unter Grimnirs Namen zu ihm
kommt, festnehmen und acht Tage lang zwischen zwei Feuer setzen,
bis ihm der zehnjährige Königssohn Agnar einen Labetrunk reicht
und die Folterung eines Unschuldigen tadelt. Ähnlich wird im
cechischen Märchen bei Waldau S. 193 der gefangene Wassermann
an den heißen Ofen gesetzt.
Seltener wird die Flucht des Helden aus dem Vaterhause
durch die Bosheit einer Stiefmutter veranlaßt, so in Wolfs Haus-
märchen S. 369, in sicilischen, russischen, magyarischen, arabischen
und kalmükischen Fassungen. Ein drittes Motiv der Entfernung
(A3) ist ein Versprechen, das die lange kinderlos gebliebenen
Eltern vor der Geburt des Helden einem dämonischen Wesen
gegeben haben, ihm nach einer bestimmten Frist den Sohn zu über-
liefern.1) Es begegnet in fünf deutschen Fassungen, ferner in
niederländischen, dänischen, französischen, italienischen, griechischen,
russischen, cechischen, armenischen, indischen. Aus dieser Form
unseres Märchens ist im 12. Jahrhundert eine geistliche Umarbeitung,
die Legende von Robert dem Teufel, erwachsen.2) Die kinder-
lose Herzogin gelobt, wie Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques
ed. Lecoy de la Marche 1877 p. 145) berichtet, dem Teufel ihren
Sohn zu weihen, falls er ihr einen solchen verschaffe. Robert wird
ein Räuber und häuft Frevel auf Frevel, bis ihn Reue ergreift und
1) Vgl. oben 2, 319. 329.
2) Vgl. Liebrecht, Zur Volkskunde 1879 S. 106 und die ausführ-
liche Untersuchung von Breul, Sir Gowther 1886 S. 45 — 134; endlich
Studien zur vgl. Litgeschichte 4, 308. 334 (1904). Den altfranzösischen
Roman hat A. Keller, Altfranzösische Sagen 1840 2, 58 = 1876 S. 234
verdeutscht. Auch ein armenisches Märchen 'Der büßende Graf bei
Wlislocki 1891 nr. 56 gehört hierher; der verarmte Jüngling schließt aber
selber einen Vertrag mit dem Teufel, nicht seine Eltern.
108 136. Der Eisenhans.
ein Einsiedler ihm als Buße auferlegt, am Kaiserhofe den Stummen
und Narren zu spielen und mit den Hunden zu essen. Als aber
ein Heer der Ungläubigen heranzieht, eilt er als weißer Ritter drei-
mal dem Kaiser zu Hilfe und verschwindet. Das drittemal trifft
ihn ein Gefolgsmann mit der Lanze in den Schenkel. Der Sene-
schall gibt sich für den unbekannten Retter aus und soll mit der
stummen Tochter des Kaisers getraut werden ; da löst Gott ihre
Zunge, sie offenbart Roberts Geheimnis, der Einsiedler verkündet
diesem Vergebung seiner Sünden, und Robert wird zum Eidam des
Kaisers erhoben.
Der flüchtige Königssohn lebt dann bei dem wilden Mann,
übertritt aber sein Gebot1), indem er sich über den Gold-
brunnen neigt und sein Haar goldig färbt. Er wird darauf
entweder in Güte entlassen und empfängt später von seinem Pfleger
Beistand in Gefahren (B *), oder er entflieht auf einem redenden
Roß und wirft auf dessen Geheiß dem verfolgenden Riesen
zauberische Hindernisse in den Weg (B2). Diese magische
Flucht ist offenbar ein fremder Zug, der durch die Erinnerung an
andere Märchen (oben 2, 140) und zugleich mit dem aus 'Ferenand
getrü' (oben S. 18) stammenden sprechenden Pferde in unsere Er-
zählung eingedrungen ist; vgl. Panzer, Hilde-Gudrun S. 258.
Aus demselben Märchen 'Ferenand getrü' haben einige bisher
noch nicht erwähnte Fassungen ein weiteres Motiv (B 3j entlehnt,
den Rollentausch, zu dem der Held unterwegs von dem ver-
räterischen Diener gezwungen wird, und der in der 'Gänsemagd'
(oben 2, 284 *) ein weibliches Seitenstück findet. In dem schottischen
Vers-Roman des 15. Jahrh. 'Roswall and Lillian' (Lengert, Engl.
Studien 16, 321. 17, 341) muß der Sohn des Königs von Neapel, der
drei von seinem Vater gefangene Ritter aus Mitleid befreit hat und
darum auf Reisen geschickt wird, seinem treulosen Hofmeister
Kleider und Namen überlassen und dazu Schweigen geloben ; doch
liefern ihm jene Ritter, als er unter dem Namen Dissawar am Hofe
des Königs von Bealm dient, drei Turnierrüstungen, eine weiße,
eine rote und eine grüne, und Rosse und decken am Hochzeitstage
der schönen Lillian den an Roswall verübten Verrat auf2).
1) Über das Motiv der verbotenen Tür und des vergoldeten
Fingers vgl. oben 1, 21.
2) Auf der schottischen Dichtung beruhen ein Gedieht 'Haquin und
Dobra' von L. H. v. Nicolay (Vermischte Gedichte 8, 101. 1810) und eine
186. Der Eisenhans. 109
Im gälischen Märchen 'Bodach na craoibhe moire'
(Campbell 1, XCII = 2. Aufl. 1, LXXXVI. A^CE) muß der
Held mit einem rothaarigen Koch tauschen. Isländisch: Ritters-
haus S. 219 nr. 52 'Eösald und Geirald' (sehr abgeschwächt).
Serbokroatisch: Mijatovics p. 189 'One good turn deserves
another' (A1 B3 C E). Bulgarisch aus Mazedonien : Sbornik min. 3,
222 'Kiösut' der Kahlkopf (nur teilweise hergehörig). Russisch :
Dietrich S. 131 nr. 10 'Von Bulat dem braven Burschen' (A^CE)
= Vogl 1841 S. 55 = Eovinskij 1, 170 nr. 45. Afanasjev3 1, 233
nr. 67a. 1, 239 nr. 67b = v. Löwis nr. 24 'Der Zarensohn und sein
Diener' (A^DE). Chudjakov 2, 33 nr. 44. 3, 143 nr. 115.
Weißrussisch: Glihski 1, 183 = 3. Aufl. 1, 151 nr. 8 = Chodzko
p. 193 'Histoire du prince Slugobyl et du chevalier invisible'
(Nievidek dankt für die Rettung seiner von einem Adler befreiten
Tochter; B3 E). Estnisch: Kallas, Verh. 20, 115 nr. 1 'Der
Schützling des Steinkönigs'. Indisch aus Ceylon: Parker 1, 137
nr. 15 'The prince and the yakä' (A1B3CE; Zungen aus-
geschnitten). Tatarisch: Radioff 4, 385 'Der Peri' (A1 B3 C E).
Ferner Engl. Studien 17, 352—356.
Die Zeit des Knechtesdienstes, die der Held in ent-
stellender Verkleidung als Grind köpf am Fürstenhofe verlebt,
nur von der Prinzessin geliebt, nachdem ihr ein Zufall sein
Goldhaar entdeckt hat, bietet ein männliches Seitenstück zu
Allerleirauh (oben 2, 45), die in Tierfelle gehüllt als Küchen-
magd im Königshause dient und nur bei besonderer Gelegenheit
dreimal in Prachtkleidern auf dem Fest erscheint, um unerkannt
wieder zu entschlüpfen, und zu Aschenputtel, von dessen männlichen
Verwandten oben 1, 183 die Rede war. Gleich diesen kehrt der
Grindkopf heimlich nach dem königlichen Leben in seinen alten
Zustand zurück, sodaß er nur an einem äußeren Zeichen erkannt
wird. In Wien hörte J. Grimm 1814 (Briefwechsel aus der Jugend-
englische Ballade 'The lord of Lorn and the false Steward' (ChiJd, Eng-
lish pop. ballads 5, 1, 42 nr. 271); doch fehlt in letzterer die Befreiung
der gefangenen Ritter; die Entdeckung wird ähnlich wie in der 'Gänse-
magd' (oben 2, 275) durch eine von der Herzogstochter belauschte Klage
des als Stallknecht dienenden Jünglings herbeigeführt: 'Weh dir, Wallach!
Du hast den Herren von Lorn geschlagen. Als Edelmann ward ich ge-
boren und sollte ein Graf werden; mein Vater sandte mich übers Meer,
aber der falsche Hofmeister betrog mich.'
110 136. Der Eisenhans.
zeit 1881 S. 389) von dem Magdeburger Eckstein ein Märchen von
einem Königssohn namens Stiefelstoß, der in einen Bären verwandelt
unter der Treppe liegt; wer ins Haus geht, stößt und tritt ihn und
putzt sich die Stiefel an seinem Fell ab. In zwei Eskimo-Märchen
bei Rink 1866 nr. 1 'Kagsagsak' und 7 'Atlunguak' wird ein armer
Knabe in den Hundestall verstoßen und von allen mißhandelt, bis
er, von einem hilfreichen Tiere gestärkt, Heldentaten gegen Bären
ausführt. W. Grimm vermutet, das Märchen habe eine alte Grund-
lage und handle ursprünglich von einem göttlichen Wesen, das in
die Gewalt eines Unterirdischen geriet und niedrige Arbeiten ver-
richten mußte, bis es wieder zu seiner höheren Stellung gelangte ;
die goldenen leuchtenden Haare weisen darauf hin. Andre, wie
Laistner (Zs. f. dt. Altertum 38, 116), Beneze (Orendel, Wilhelm
von Orense und Robert der Teufel. 1897), Panzer (Hilde-Gudrun
1901 S. 264) haben aus dem Grindkopfmärchen eine Reihe mittel-
alterlicher Romane ganz oder teilweise abgeleitet: den Apollonius
von Tyrus, Jourdain de Blaie, den Cliges des Chrestien von Troyes,
Aioul, Philipps Abenteuer vor Montluisant in Charles le Chauve,
Moniage Guillaume, Elie de Saint Gilles, Karl und Galiene im
Mainet und in den daratis abgeleiteten Dichtungen, das Abenteuer
Huons von Bordeaux bei Yvonin, Gautier d'Aupais, Bovon de
Hampton, Hörn und Rimenild, Loher und Maller, Orendel, König
Rother, die Hildesage in der Gudrun, eine Episode aus dem Wolf-
dietrich D (Heldenbuch 4, 124 v. 135), die Orvar-Odd-saga, die Er-
zählung von Iron und Apollonius in der Thi'Örekssaga, auch die
jüdische Sage von dem durch Aschmedai verdrängten Salomo, der
als Koch beim Ammoniterkönig dient und die Liebe von dessen
Tochter Naama gewinnt.1) Allein die zeitweilige Erniedrigung eines
vertriebenen Helden, der am fremden Königshofe als Küchenjunge,
Stallknecht oder Gärtner unerkannt lebt, um dann desto glanzvoller
hervorzutreten, und das daraus nahezu von selbst entspringende
Motiv der unscheinbaren, entstellenden Tracht, sowie eines dämoni-
schen Helfers sind so verbreitete dichterische Vorstellungen, daß
man schwerlich in all diesen Fällen eine Bearbeitung oder Aus-
strahlung unseres Märchens annehmen darf. Eine einigermaßen
sichere Entlehnung aus diesem ist dagegen die Verkappung mittels
J) So im Emek hammelech (Eisenmenger, Entdecktes Judentum
1, 357. 1711) und im Ma'asehbuch (Wünsche, Midrasch Ruth Rabba 1883
S. 79).
136. Der Eisenlians. 111
einer über den Kopf gezogenen Tierblase, durch die der Prinz im
arabischen Märchen vom sorgenfreien König Hormoz (1001 Tag
übersetzt von F. v. d. Hagen 3, 101. 1827 = Cabinet des fees 15, 98.
Chauvin 6, 50 nr. 217) als grindköpfiger Gärtner der geliebten
Rezia naht. Dasselbe Motiv ist in die griechische Bearbeitung des
Apollonius-Romans bei Hahn nr. 50 'Von dem weiberscheuen Prinzen'
(Klebs, Apollonius aus Tyrus 1899 S. 457), in rumänische Märchen
bei Säinenu S. 317. 327. 331 und in manche Fassungen des Zauber-
lehrlings (oben 2, 63 bretonisch 'Koadalan' und polnisch : Mitt. der
schles. Ges. f. Vk. 2, 3, 15) und des Erdmännekens (oben 2, 305:
Hahn nr. 26. 70 u. a.) eingedrungen.1)
Die Vermählung der Königstochter mit dem seinen Stand
sorgfältig verbergenden Helden ist entweder die Folge einer öffent-
lichen Gatten wähl2), die der König seinen Töchtern überläßt und
bei der die jüngste dem Gärtnersjungen ihren Goldapfel zuwirft, oder
eines ritterlichen Turniers, auf dem der Jüngling als fremder
Pitter dreimal in verschiedener Rüstung erscheint und den Sieg
davonträgt. Das letztere Motiv ist aus mehreren mittelalterlichen
Ritterromanen wohlbekannt: aus Chrestiens Cliges, Richard Coeur
de Lion, Ipomedon, Lanzelet, Straparola 3, nr. 4 u. a. ; vgl. Engl.
Studien 17, 360, Child, Populär ballads 5, 1, 47 und Weston, The
three days' tournament 1902 p. 21 — 34. Verwandt damit ist das
Märchen von dem Glas berge, zu dem der Freier der Prinzessin
emporsprengen muß wie Siegfried im dänischen Liede zu Brunhild
(oben 1, 233. 2, 340); das gelingt dem Dummling, der für drei
Nachtwachen am Grabe seines Vaters drei prächtige Pferde erhalten
hat.3) Anstatt des Glasberges wird auch das dritte oder vierte
*) Insbesondre ist die Herleitung der Hildesage, die Panzer in
seinem anregenden, kenntnisreichen Buche S. 267 versucht, auf be-
gründeten Widerspruch gestoßen; vgl. R. Much, Archiv f. neuere
Sprachen 108, 395—416. Symons, Litbl. f. german. Phil. 1902, 325.
Ehrismann, Zs. f. dt. Philologie 37, 515. Droege, Zs. f. dt. Altert. 54, 163.
2) Zuwerfen des Apfels als Liebeszeichen: oben 2, 381. Chauvin
6, 3. 201. 8, 151.
3) Deutsch: Zingerle 2, 395 'Der Aschetagger' (Fels). Sommer
1, 96 'Der dumme Wirrschopf'. Strackerjan 2, 304 = 2. Aufl. 2, 449
'Der Glasberg'. Müllenhoff S. 437 Anm. Wisser, Plattdeutsche Vm.
S. 230 und Zs. f. Volkskunde 25, 305. Bartsch 1, 492 'Der dumme Krischan'
= Zaunert S. 268. Knoop, Hinter pommern S. 192 'Der dumme Hans'. Haas,
Rügen 1903 S. 262 = 1912 S. 193. — Dänisch: Grundtvig, Minder 1, 200
112 136. Der Eisenhans.
Stockwerk,1) ein Graben2) oder ein Mast mit einem Tuch daran3)
genannt. Auch das Märchen vom Hirten, der drei Riesen (oder
Drachen) erschlägt und in ihren Schlössern drei kostbare Rosse
'Den sorte best' und hsl. Register nr. 3 'Prinsessen paa glarbjterget'.
Madsen p. 41 'Knaesben Askefis'. Kamp 1, 99 nr. 9 'Prinsessen paa
Glasbjeerget' (vom Drachen geraubt). Kristensen, Aev. fra Jylland 2,126
nr. 17 (drei Hnnde). Kristensen, Danske folkeaev. nr. 26 (hilfreicher
Stier). Skattegraveren 6, 139 (hilfreiche Alte). 8, 193 (Königin vom
Troll geraubt). Schwedisch: Äberg nr. 209. 211. 240. Allardt nr. 128.
Hackmans Register nr. 530. Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 51
'Jomfruen paa Glasberget' = Bresemann 2, 189 = Dasent 1, 105. Berge
1914 p. 57. Paröisch: Jakobsen S. 280 nr. 14 '0skadölgur'. Ita-
lienisch: Rivista delle tradiz. pop. ital. 1, 590 'Le montagne di vetro'
(Variante zu unsrer nr. 93). Bulgarisch: Sprostranov S. 107 nr. 20
(Grindkopf). Wendisch: Veckenstedt S. 72 (Prinzessin vom Greifen ge-
raubt). Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 162 nr. 218. S. 585 nr. 721.
Polnisch: Ciszewski S. 194 nr. 142. Zbiör wiad. 16, 79 nr. 23.
Mater, antropol. 13, 139 nr. 9. 10, 259 nr. 33. Kleinrussisch: Cu-
binskij 2, 269 nr. 70 (Glasbrücke zum Palast). 2, 274 nr. 71. 2, 276
nr. 72 (Berg). Zdziarski, Gaisc basni S. 19 nr. 12. Mater, antropol. 13,
179 nr. 167. Rozdoljskyj S. 36 nr. 10. Etnogr. Zbirnyk 7, 136 nr. 65.
7, 139 nr. 67. Kolberg, Pokucie 4, 108 nr. 20. Großrussisch: Afa-
nasjev3 1, 293 nr. 106 b (die Prinzessin durch zwölf 'Gläser' küssen).
Sbornik Kavkaz. 42, 2, 1 (Fels). Lettisch: Treuland S. 223 nr.
119. S. 230 nr. 120. Ulanowska S. 298 nr. 24. Estnisch: Kreutzwald
1, 160 nr. 13 = v. Löwis 1916 S. 149 = Kirby 2, 40. Magyarisch:
Gaal-Stier 1857 nr. 6 (vgl. oben 2, 339). Zigeunerisch: Wlislocki,
Volksdichtungen 1890 S. 323 'Das Zauberpferd' (Prinzessin vom Drachen
geraubt). Türkisch: Künos, Stambul S. 125 nr. 17 (zu unsrer nr. 111),
dazu Ungar. Revue 8, 330. Vgl. Macculloch p. 363. 442 über den
Glasberg.
!) Lemke 2, 54. 58 = Zs. f. Ethnologie 15, Verh. S. 340. Bunker
S.202nr.76=Zs. f. Volksk. 8, 192.- Cechisch:Slavia 1878, 95 nr.35 (Burg-
mauer). PfikrylS.499. Slovakisch: Ökultety-Dobsinsky S. 310nr.32 =
2. Aufl. S. 585 nr. 43 (Turm). Polnisch: Toeppen S. 148. Chelchowski
2, 132 nr. 82 (3. Stockwerk). Kleinrussisch: Dragornanov S. 262 nr 4
(2. Stockwerk). Hrincenko 1, 170 nr. 161. Af anasjev 4, nr. 47 =3. Auil
1, 298 nr. 106 c. Etnogr. Zbirnyk 14, 169 nr. 21 (3. Stockwerk). Malinka
S. 300 nr. 26 (5. Stockwerk). Weißrussisch: Dobrovoljskij 1, 590 nr.
30 (3. Stockwerk). S. 594 nr. 31 (Balkon). Dmitriev S. 176 = Afanasjev
3, nr. 5 = 3. Aufl. 1, 289 nr. 105c (3. Stockwerk). Romanov 6, 470
nr. 53 (desgl.). Werjdio S. 75 nr. 23 (desgl.). Großrussisch: Afa-
nasjev3 1, 287 nr. 105a. 105b. 1, 292 nr. 106. 1, 300 (hohes Stockwerk).
Ralston p. 256. Chudjakov 2, 55 nr. 50 (Balkon). Kolosov S. 59
(3. Stockwerk). Oncukov S. 178 nr. 68 (desgl.). Chavannes, Die
136. Der Eisenhans. 118
erbeutet,4) schließt mit dem dreimaligen Siege des unbekannten
Ritters im Turnier.
Auf diese erste 'Adelsprobe' folgt in den meisten Auf-
zeichnungen die Vermählung mit der Königstochter; volle An-
erkennung erhält der Held aber erst, nachdem er in drei Schlachten
wiederum als unbekannter Helfer das feindliche Heer besiegt oder
ein Heilmittel für den erkrankten König (wie oben 1, 510 und 2,
399) herbeigeschafft und seine hochmütigen Schwäger beschämt hat.
Wissensch. im 19. Jahrh. 9, 100. Goldschmidt S. 22. Leskien-Brugmau
S. 525. Litauisch: Karlowicz S. 55 nr. 38. Leskien-Brugman S. 357
Dr. 4. Lettisch: Weryho S. 195 nr. 25 (Turm). Estnisch: Kallas nr.
15 — 17 (Verhdl. 20, 125). Einnisch: Salmelainen 1, nr. 6 = Grässe,
Märchenwelt S. 226 = Schreck S. 50. Aarnes Register nr. 530. Lappisch :
Qviostad-Sandberg nr. 25. Zigeunerisch: Groome nr. 45 = Journal
of the Gypsy-lore soc. 1, 84. Awarisch: Schiefner nr. 4; vgl. R. Köhler
1, 551. Mingrelisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 47 nr. 15 (20. Stockwerk).
Tschetschenisch: Zs. f. Ethnologie 14, Verh. S. 268 'Die drei Brüder'.
Georgisch: Wardrop p. 140. Aramäisch: Revue des trad. pop. 25, 20
'Le testament du roi'. Birmanisch: ZdmG. 57, 9 = Revue 18, 388
'Le prince et les chevaux volants1.
2) Serbokroatisch: Valjavec S. 38 = Leskien S. 193 nr. 43.
Mijatovics p. 248 'The dream of the king's son' ; vgl. R. Köhler 1, 432.
Bulgarisch: Sapkarev 8, 112 = Leskien S. 21. Polnisch: Kolberg,
Lud 8, 1 nr. 1 ('Festung' überspringen). Kleinrussisch: Etnogr.
Zbirnyk 7, 138 nr. 66 (Mauer). Großrussisch: Zapiski Krasnojarsk. 1,
105 nr. 54 (Schranke überspringen und das Taschentuch der Prinzessin
entreißen).
3) Cechisch: Pfikryl S. 498 (Ring an einer Schnur). Polnisch:
Ciszewski S. 142 nr. 141 (desgl.) Schiller nr. 4 (Mast). Mater, antropol.
8, 159. Weißrussisch: Glihski3 1, 32 nr. 2 (Turnier). Eederowski 2,
91 nr. 66 (Säule). Über das Drama von Z. Sarnecki vgl. Zdziarski,
Pierwiastek ludowy S. 509. Großrussisch: Zapiski Krasnojarsk. 2, 79
nr. 23 (Tuch auf einer Säule). Magyarisch: Erdelyi-Stier 1850 S. 91
nr. 14.
4) Deutsch: E. Meier nr. 1 'Der Schäfer und die drei Riesen';
nr. 29 'Hans und die Königstochter', dazu S. 306. Zingerle 2, 91. 96. 326.
372. Preuß, Westpreußen S. 18. — Vlämisch: Wodana 1, 158 = Wolf,
DMS. nr. 2 'Vom dummen Peter'. Irisch: Curtin, Myths p. 157 'The
13. son of the king of Erin'. Westermanns Monatshefte 84,50. Larminie
p. 196 (Eingang). Folklore 6, 309. Französisch: Cosquin 2, 89 nr. 43 'Le
petit berger'. Italienisch: Comparetti nr. 22 'II pastorello fortunato'
und 62 'Lo specchio incantato'. Visentini nr. 5 'I tre giganti'. Zigeune-
risch: Groome nr. 61 'The dragon' = Journal of the Gypsy-lore soc.
3, 84.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 8
114 137. De dre schwatten Prinzessinnen.
Im ersten Falle erfolgt die Entdeckung durch eine Wunde, die
der König (oder einer seiner Leute) seinem Retter beim Versuche
ihn festzuhalten beigebracht hat; im zweiten entlarvt er die Schwäger,
die ihm für das Heilmittel (oder die Jagdbeute) die Goldäpfel ihrer
Gattinnen übergeben oder sich durch Brandmarkung1) als Sklaven
hatten zeichnen lassen.
1856 s. 2i9. <i373 £>e ^re schwatten Prinzessinnen.
1815 nr. 51 = 1819 nr. 137. Aus dem Münsterland durch
die Familie v. Haxthausen ; die Originalhandschrift ist erhalten.
Aus teilweiser Entstellung strahlt der alte Kern des Märchens
hervor: auf den Rat der besorgten Mutter beleuchtet der Fischer-
sohn nachts die drei verwünschten Königstöchter, die er ein Jahr
lang nicht ansehen soll; als ein Tropfen von der geweihten Kerze
auf sie fällt, erwachen sie und klagen über die mißlungene Erlösung.2)
Ebenso erzählen die mittelalterlichen Gedichte von Parthenopeus
und von Friedrich von Schwaben (oben 2, 269. 347); doch während
hier die Helden, ähnlich der neugierigen Psyche bei Apuleius (oben
2, 268), nach weiteren Mühen und Prüfungen mit der Geliebten
vereinigt werden, versinkt in unserm Märchen das Schloß samt den
Jungfrauen auf Nimmerwiedersehen in die Erde.
J) Solche Brandmarkung neidischer Brüder oder Schwäger er-
scheint auch in mehreren Fassungen unsrer nr. 57, 91, 97; vgl. R. Köhler,
Zs. f. Volkskunde 6, 164 zu Gonzenbach nr. 61; Wetzel, Söhne Giaffers
.1895 S. 215; Chauvin 7, 152; Müller, Mehri S. 149; Hein-Müller, Mehii
S. 15. 139; North indian notes 5, 172 nr. 475. Kretschmer, Neu^riech.
Märchen 'S. 331.
2) Dazu bemerkt Wilhelm Grimm 1815 : Der Zauber in seiner
Entwicklung oder im Gang zu seiner bestimmten Auflösung durch über-
mächtige Eingriffe gestört, zieht Verderben oder gänzliche Vernichtung
nach sich. Er will heimlich bleiben, scheut Licht; darum sind die drei
Prinzessinnen schwarz und werden allmählich weiß. Er scheut auch
die Rede, und es ist ganz dasselbe, wenn beim Heben des Schatzes das
erste gesprochene Wort ihn siebenmal tiefer zu versinken zwingt (Grimm,
DS. nr. 213. Wuttke, Volksaberglaube § 641. Jegetlehner. Sagen aus
dem Oberwallis 1913 S. 298 zu nr. 3).
138. Knoist un sine dre Sühne. 115
Vermutlich war dem Barschen verboten, von (nicht mit) den
verwünschten Jungfrauen zu reden (vgl. oben 2, 321). Das stufen-
weise Weißwerden dor schwarzen Prinzessinnen findet sich z. B.
auch in einer zum 'König vom goldenen Berge' (oben 2, 320. 330)
gehörenden Erzählung bei Panzer 1, 191 'Die drei verwunschenen
Frauen', wo der Jüngling drei Qualnächte ertragen soll, sowie in
Varianten der 'Rabe' (oben 2, 335 Motiv A2) und dänisch bei
Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 321 nr. 41 'De freiste Prinsesser
und nr. 42 'Staalmanden' (vgl. oben 2, 542).
158. Knoist un sine dre Sühne.
1815 nr. 52 = 1819 nr. 138. Aus dem Sauerland und in
der dortigen Mundart durch ein Fräulein von Haxthausen. Es wird
singend und mit sehr lang gezogenen Silben erzählt. Werrel (Werl)
ist ein Wallfahrtsort in Westfalen, Soist ist Soest im Bergischen.
Es wird auch als Rätsel aufgegeben und, wenn man lang geraten
hat und nach der Auflösung fragt, geantwortet: 'eine Lüge'1).
Nach einer andern Erzählung gehn sie, nachdem der Nackende
den gefangenen Hasen in die Tasche gesteckt hat, in die Kirche,
wo der 'bocken Pastor' und der 'hageböcken Köster' das Weihwasser
austeilen. 'Dar keimen se bie een graut graut Waater, dat was so
breed, dat en Haan daröver schret; do wören drei Schippe up, dat
eene was leck, dat andere was leck, dat derde was kien Boaden in.
In dat, wo kien Boaden was, setten se sick alle drei in; de eene
versop, de annere verdrank, de derde kam der gar nig wier ut.' —
Ähnlich in den Münsterischen Geschichten 1825 S. 232 'Knost un sine
drei Söne', wo die einzelnen Sätze wie das Evangelium in der Kirche
gesungen werden. Danach Firmenich 1, 296 und Simrock, Kinder-
buch, 3. Aufl. nr. 1027. — Aus Heede im Kbl. für nd. Sprach-
forschung 7, 73 (1882) 'Olle-Bloum sine Vesper' — Medersachsen
17, 436. — Aus dem Saterlande bei Strackerjan 2, 297 = 2. Aufl.
155G S. ->20.
!) So bei Simrock, Rätselbuch3 S. 99 (= Volksbücher 7, 305 nr. 170).
Es ist sozusagen eine Parodie auf das Rätsel vom Vogel Federlos
(Müllenhoff-Scherer, Denkmäler nr. 7, 4. Wossidlo 1. 52 nr. 99). Tirolisch :
Zs. f. Volkskunde 5, 159 nr. 206. Wossidlo 1, 136 nr. 467.
8*
116 138. Knoist an sine dre Sühne.
2, 441 'Hageböken Evangelium'. Bröring, Saterland 2, 158 (1901).
Siebs, Zs. f. Volkskunde 3, 409. — Ähnlich Niedersachsen 17, 167
(1912) 'Dat hageboekene Evangillium'. — Aus dem Tecklenburger
Kreise (Westfalen) ebd. 17, 279 'De Schaulske Vesper'.
In der beliebten Form einer Predigtparodie1) werden hier
alte Züge von Lügenmärchen (wie unten in nr. 158 und 159) zu
einem Ganzen verbunden. Die Hasenjagd der drei schadhaften
Gesellen begegnet schon in einer gereimten Lügenpredigt des
15. Jahrh. (Zs. f. dt. Alt. 36, 152 v. 75), wo im Lande Kuckormürre
die Fußlosen nach den Hasen laufen und die Nackten sie in ihren
Busen stoßen. Ein Meisterlied in des speten Frawenlobs Thon
(Frankfurter Liederbüchlein 1582 nr. 141, Str. 3. Mittler nr. 1319)
erzählt :
Ich stund ein kleine Weil darbey,
Eiu Lahmer erlieff drey Hasen frey,
Ein Nackender nam jms alle drey
Und sties sie in den Busen so behende;
Das sah ein blinder Stum, der sprach . . .
Ähnlich um 1560 der Finckenritter (Bl. A 4a. Facsimiledruck
von Bolte 1913) in der 3. Tagreise : 'Ich zohe fürt, da begegneten
mir erstlich drey Gesellen, der ein was nackend, der ander blind,
der dritt gieng auff einer Steltzen. Der Blind der sähe ein Hasen,
der auff der Steltzen erlieff jhn, vnnd der Nacket schöbe jhn inn
Busen.' Ferner das alte ditmarsische Lügenlied bei Erk-Böhme,
Liederhort 3, 46 nr. 1104, Str. 3 (vgl. unten nr. 159):
It wolden dre Kerls einen Hasen fangen,
Se quemen up Kröcken und Stölten gangen;
De eine konde nicht hören,
De ander was blind, de drüdde stumm,
De verde konde nich en Vot rören.
Ebenso in den hochdeutschen Lügenliedern bei Erk-Böhme nr.
1104, Str. 3 (Kopp, Ältere Liedersammlungen 1906 S. 82. Mittler
nr. 1309) und nr. 1106, Str. 7, Uhland nr. 241, Str. 15 und 3—5
(Mittler nr. 1318. Böhme, Ad. Liederbuch nr. 278b), Kretzschmer-
*) Vgl. F. Lehr, Studien über den komischen Einzelvortrag in der
älteren deutschen Literatur 1: Die parodistische Predigt (Diss. Marburg
1907). Zs. f. Volkskunde 12, 224. 14, 364. 471. 19,175. Alemannia 14, hl.
Volkskunde (Gent) 20, 73. 117. 178. 232. 21, 37. 80. 101.150. 239. 22,80.
138. Knoist un sine dre Sühne. 117
Zuccalmaglio 1, 207 nr. 118, Str. 5 (Mittler nr. 1310. Walter nr. 139),
sowie bei A. Peter, Volkstümliches aus Österreichisch-Schlesien 1, 74
nr. 198, 23 und Rochholz, Alemannisches Kinderlied S. 264. Le-
walter, Kinderlied nr. 785 (Rätsel). Eine steirische Scherzpredigt bei
Rosegger, Alpensommer 1908 S. 222 == Zs. f. Volkskunde 19, 183;
eine deutsch-böhmische in Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 2, 395 ;
Mitt. f. sächs. Volkskunde 5, 126; Schweiz. Archiv für Volkskunde
18, 136. Im siebenbürgischen Märchen bei Haltrich nr. 59 streiten
'die drei lustigen Brüder', der Blinde, der Lahme und der Nackte,
um den gefangenen Hasen und -müssen von dem Richter jeder eine
Lügengeschichte vortragen. — -Niederländisch in einem Lügen-
liede bei Kalff, Het Lied 1884 p. 488. — Dänisch bei Kristensen,
Danske Folkegaader 1914 S. 216 und 280 'Det er Logn'. — Eng-
lisch aus Yorkshire bei Henderson 1866 p. 337 nr. 12 'Lying tale',
wo die Hörer zum Schluß rufen: 'Das ist eine Lüge'. — Französisch
aus der Bretagne bei Sebillot, Litt, orale p. 389 'Menteries' (die drei
Jäger bringen den Hasen in ein Haus mit drei löcherigen Töpfen).
— Italienisch bei De Nino 3, 307 (Schluß von nr. 61 'Occhio in
fronte') :
C'erano tre frati, Due nudi e uno spogliato ;
Due nudi e uno spogliato. Siamo iti a caccia
Irono a caccia senza pistola, Senza schioppetta, senza pistola;
Irono a caccia senza schioppetta, Abbiamo fatto tre lepri,
Bassarono a una casa. Due presi e uno scappato.'
Rispose quello che non ci stava : — 'Griusto giusto, ci stanno tre pignatte,
'Siamo tre frati, Due rotte e una sfasciata.'
Bernoni, Tradizioni pop. veneziane p. 18 = Crane p. 263 'The three
brothers'. Ive, Fiabe rovignesi 1878 nr. 4 'I tri fardai'. Mailly
nr. 203. Ortoli, Corse p. 278 'Les six freres' (sechs Hasen ; fünf löcherige
Töpfe, einer ohne Boden; ein Knochen springt dem einen Bruder ins
Auge; sechs ungeschickte Ärzte). — Türkisch: Künos, Stambul
1905 S. 399 'Kunterbunt'. — Estnisch bei Wiedemann, Aus dem
Leben der Ehsten 1876 S. 290 als Rätsel: uEine feurige Kutsche
kommt am Berge herab, darauf sitzt ein Blinder, ein Fußloser, ein
Nackter; ein Hase begegnet ihnen; der Blinde sieht ihn, der Fußlose
fängt ihn, und der Nackte steckt ihn in den Busen.' (Auflösung:
die untergehende Sonne, die Nacht, die Morgenröte, der Mond). —
Künstlicher ist ein gereimtes Rätsel bei Harsdörffer, Schauplatz lust-
und lehrreicher Geschichte 1660 2, 207 nr. 155 angelegt: ein Stummer
118 138. Knoist un sine dre Sühne.
ruft durch den Blinden und Lahmen einen handlosen Geiger, damit
er seinem tauben Sohne vorspiele. Danach Abraham a S. Clara,
Huy und Pfuy der Welt 1707 S. 200 (Werke 10, 605). Vgl. Müller-
Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 101 f. und Uhland, Schriften 3,
228. 232. 330.1)
Von den drei wunderlichen Schiffen berichtet der
Fhickenritter in der 4. Tagreise (Bl. A 6b): 'Also zohe ich für vnnd
käme an ein großen, mechtigen, erschröckenlichen, tieffen vnnd schiff-
reichen Bach, da was kein Wasser; darinn giengen drejr geladener
Schiff, das ein hat kein Boden, das ander hat keine Wend, das dritte
was nicht da. Ich gedacht, wie ich jhm thete, das ich vber das
Wasser kerne, vnd saß in das Schiff, das nicht da was, vnnd für
hinüber.' Das neu Schlauraffenland Str. 6 — 7 (Uhland, Volkslieder
nr. 241 = Mittler nr. 1318 = Böhme nr. 278b). Ich-erzählungen
und Scherzpredigten: Zs. f. Volkskunde 19, 177 f. 182 f. Kbl. f. nd.
Sprachf. 7, 73. Blätter f. pomm. Volksk. 10, 159. Lewalter, Kinder-
lied in Kassel nr. 493. 590. 602. 603. 730; vgl. S. 375. Frömmel,
Kinderreime 2, 53. 55 (1900).
Den hölzern en Pf arr er kennt schon das Lügenmärchen von
den Wachteln aus dem 14. Jahrh. (Wackernagel, Dt. Lesebuch l5.
1149. 1873) v. 67:
Die hunde sint mit muose behuot,
da sint die kircktüre guot
gemürt üz butern, got weiz!
und schinet diu sunne also heiz,
daz schadet in niht umbe ein här.
ein eichin pfaffe, daz ist war,
ein büechin messe singet.
swer da ze opfer dringet,
der antlaz im geben wirt,
daz im der rücke geswirt,
*) Im dänischen Lügenliede (Rasrnussen-Nyerup, Udvalg af danske
viser 1821 2, 92 Str. 8) tanzt der Lahme, der Stnmme singt, der Blinde
■webt Goldgewirk. Im schottischen (Buchan, Ancient ballads of Scot-
land 1828 1, 259 'The man to the Green Joe,' Str. 6) werfen 24 Hand-
lose (handless men, nicht headless) den Ball, da springt Fußlos herbei
und Hingt ihn weg; Mundlos lacht mit Lust, und Zunglos spricht seinen
Spruch.
138. Knoist un sine dre Sühne. 119
den segen man mit kolven gap.1)
ze hant huop ich mich herap :
Ton dem antlaz ich erschrac.
siben wachtel2) in den sac!
Auch im Ysengrimus ed. A^oigt 1884 1. 6, v. 381 : 'Teutonicus
miser et rudis est ut papa salignus.'. Der Meißner (MSH. 3,
108a Str. 13): 'Mir ist ein hülzin bischof vil lieber, dan ein
stummer herre, der niht git durch ere.' Geiler sagt : 'Vor zeyten
waren gülden priester und hultzen kelch, nue sein die priester
hültzen und die kelch gülden' (De generibus ebriosorum 1515 bei
Zarncke, Die dt. Universitäten 1, 151. Zimmerische Chronik 2, 589.
Müller-Fraureuth, Lügendichtungen S. 90). Man hat natürlich an die
geschnitzten und bemalten Heiligenbilder in Kirchen und Häusern
zu denken, ohne daß man mit Rochholz, Schweizersagen 1, 362 und
Deutscher Glaube und Brauch 2, 134 gleich in die germanische
Keidenzeit zurückzugehen braucht. In Schwaben sagt man von einem
ungelenken, unbehilflichen Menschen : 'Er steht da wie ein hölzerner
Herrgott, wie ein pappeter Jesus' (Fischer, Schwab. Wtb. 3, 1498).
In den schon angeführten Scherzreden Zs. f. Volkskunde 19, 177 f.
182 f. Lewalter nr. 493. 730 erscheint ein lederner, hölzerner,
papierener Pfaff , der eine buchnhagnfeichtne Messe liest ; im steiri-
schen Gasseispruch ebd. 6, 133 hat 'a rupferner Pforra a haberne
Mess gelesen' ; vgl. Veckenstedts Zs. f. Vk. 2, 395. Schweizer
Archiv f. Volkskunde 18, 143. Wolf, Hausmärchen S. 423.
Böhme, Kinderlied S. 307 nr. 1515. Brenner, Baseler Kinderreime
nr. 185.
*) Vgl. Lassberg, Liedersaal 3, 553 v. 80: 'Min houpt wart mir
gczwagen j mit hagenbuochner kragen.' v. d. Hagen, Gesamtabenteuer
3, 81 v. 1434 : 'Dri guote knütele eichen j ze guoter mäze wol gewegen |
diewaBren da der beste segen.' — Chaucer, Canterbury tales, the Harleian
ms. 7739 ed. by Furnivall (1S85) p. 143 in der unechten Tale of Gamelyn
v. 503 : 'Gamelyn sprengeth holywater with an oken spire.' Rochholz,
Kinderlied 1857 S. 528 verweist noch auf den Rosengarten D 434 (S. 137
ed. Holz), wo der Mönch Ilsan mit dem Schwerte Beichte hören will,
und auf Halbsuters Lied auf die Schlacht bei Sempach (Liliencron, Die
histor. Volkslieder 1, 126 Str. 8): 'Und wo sitzt denn der pfaffe, dem
einer bichten muß ? . . . Mit haleparten wirt er üch gen den segen.'
2) Die Wachteln bedeuten Lügen, wie man noch heute hört:
'Er lügt in seinen Sack'; s. Haupt, Zs. f. dt. Alt. 4, 578. Unland,
Schriften 8, 367 = Germ. 1, 328 f. Müller-Fraureuth, Lügendichtungen
S. 89.
120 139. Dat Mäken von Brakel.
1856 s. 221. 139. Dat Mäkcn von Brakel.
1815 nr. 53 = 1819 nr. 139. Aus dem Paderbörnischen
durch die Familie v. Haxthausen. St. Anna nämlich ist die Schutz-
patronin von Brakel, und ihre Kapelle liegt nicht weit von der
Stadt. Mudder ist aus dem Hochdeutschen herübergekommen,
Möhme aber der gemeine Ausdruck. Man hat dort noch einen andern
Spottvers 1):
0 hilge sünte Anne,
Help mie doch bald tom Manns !
0 hilgo sünte Viet,
Et is ietz die liogeste Tied !
St. Vitus ist der Schutzpatron des nahliegenden Korvey (bei Höxter).
— In einer neueren Fassung (Niedersachsen 19, 202. 1914) betet das
Mädchen von Brakel :
Hillge Mutter Anne,
Help du mi to'm Manne,
De mi nit sleit
Un nit to Beire geit !
Auch von der Kapelle zu Bellinghausen bei Essen (Nieder-
sachsen 19, 239) wird der Schwank berichtet, und die Verse
lauten hier:
Hilge Moder Anna, ich bä di an,
Gif mi bald enen goden Mann !
Ebenso Hannoverland 1912, 201. Im Hannoverschen wird er-
zählt, daß, als das Mädchen Gott um ein Zeichen bittet, ein Hirt,
x) Bei Erasmus Widmann, Musicalische Kurzweil 1611 nr. 30 wird
Sankt Florian von den ledigen Jungfern angerufen, in E. Meiers
Schwäbischen Volksliedern 185B S. 157 St. Johann und St. Anton,
in Boseggers Gedicht 'A betendi Jungfrau' (Schriften in steirisclier Mund-
art 1895 1, 314) St. Kilian, sonst aber vorwiegend St. Andreas
(B. Köhler 3, 271. Sartori, Sitte und Brauch 3, 10). In des Knaben Wunder-
horn 1, 341 (1806) steht ein Echolied mit Antworten an die
Betende 'Andreas, lieber Schutzpatron', 1772 von J. W. v. Beust verfaßt
(Böhme, Volkstümliche Lieder 1895 nr. 683. J. Meier, Kunstlieder im
Volksmunde 1906 S. 4 nr. 23). Über andre Andreaslieder von Chr. Weise
1668, J. F. Bothmann 1711, Picander 1732, Sperontes 1736 vgl. Spitta,
Vjschr. f. Musikwissenschaft 1, 65; Alemannia 3,168; Jb. f. Gesch. Elsaß-
Lothr. 12, 105.
139. Dat Mäken von Brakel. 121
der das ganze Gebet hinter einer Hecke mit angehört, einen alten
Schuh1) herüberwirft, wofür es Gott freudiglich dankt. Ähnlich wirft
in einem mecklenburgischen Schwanke bei Wossidlo, Aus dem
Lande Reuters 1910 S. 197 der auf dem Apfelbaume sitzende Junge
einen Stein in den Teich, als er die Magd beten hört: 'Peter heet
he, bi 'n Preester deent he, blag' Strümp hett he ; leew' Gott, giff
'n Teeken von 'n Himmel!' — Auch eine Sage aus Westfalen ge-
hört hierher (1822) : Et was mohl en Meken in Sauste (Soest), dat
kneide sick alle Morgen, wenn de Luhe olle uidt de Kerke würen,
für dat graute Herrgottsbild und behede. Da was dei Küster
nigelig (neugierig) un gink mohl hinner dat Bild stohen. Da seh
dat Meken:
'0 du graute leiwe Gott von Sauste,
Bescher mie doch usen Knecht den Jausten (Jost) !'
Da seh dei Küster: 'Meken, du krigst en nu nig.' Da seh dat
Meken: '0 du graute leiwe Gott, so boit (beiß) mie doch nig!' —
Im bayrischen Walde soll eine Jungfrau vor dem Bilde des
h. Hermann inbrünstig um einen Mann, aber nur keinen Roten, ge-
betet haben; da sagte der hinterm Altar hantierende Mesner: 'Es ist
kein andrer mehr da', und die wählerische Dirne lenkte schnell ein :
'Na, in Gotts Nam, nachher tuts der auch.' (Bronner, Bayerisches
Schelmenbüchlein 1911 S. 23). — Bei Aurbacher, Ein Volksbüchlein
2, 137 'Soll ich oder soll ich nicht?' kniet eine siebzigjährige Witwe
vor dem Marienbilde und fragt, ob sie noch einmal heiraten solle;
der Mesner macht am Haupt des Christkindes eine Vorrichtung und
bewegt dieses, als das Mütterlein andern Tags wiederum fragt, zum
Zeichen der Verneinung. Da ruft das Weib zornig: 'Was gehts denn
dich an, du Gschnapperl? Wenns nur der Mutter recht ist.' —
Ähnlich vlämisch De Mont en de Cock, Vertelsels S. 161 'Van het
meisje, dat o. 1. vrouw om een man bad'. Volkskunde 23, 132 nr. 3.
Vincx p. 154 nr. 26. — Englisch: Addy nr. 30 'The maid who
wanted to marry1. — Eranzösisch: Leroux, Dictionnaire comique
1786 s. v. Babouin = Revue des trad. pop. 7, 444 (Taisez-vous, petit
babouin, laisser parier votre mere; eile est plus sage que vous).
Revue 12, 335 (Tais-toi donc, petit gars. Ces choses ne te regar-
x) An eine besondre erotische Bedeutung des Schuhes denkt
Liebrecht, Germania 1, 210 und Orient u. Occ. 3, 372; vgl. Aigremont,
Fuß- und Schuhsymbolik und -erotik 1909 S. 55.
122 139. Dat Mäken von Brake!.
dent pas encore). Wallonia b, 184 'Une parole de mame Jesus.'
Sebillot, Joyeuses bist. p. 269 'L'enfant de ehoeur et la fille
amoureuse.' Perron, Proverbes de la Franche-Comte 1876 p. 30
(Sainte vierge Marie, Aussi blanche que du papier, Aussi douce que
du miel, Faut-il le prendre ou le laisser?). Niedersachsen 19, 239
und 286. — Italienisch: Balladoro p. 195 'Mandeme un Piero o
un Togno.' Maüly nr. 196. — Spanisch: Fulano, Cuentos andaluces
p. 189 'Lavirgeny el nifio Jesu.' — Serbokroatisch aus Dalmatien:
Krauß, TSM. 1, 406 nr. 120 'Die Wittib vor dem Standbild des h.
Laurentius'. — Cr roß russisch: Oncukov S. 544 nr. 263 — Finnisch :
Aarnes Register nr. 1476 (Setz dir deinen Fuß auf den Nacken).
Eine Weiterbildung dieses Schwankes ist Immermanns Gedicht
'St. Antonius' (Werke ed. Boxberger 11,94), wo der Liebhaber hinter
dem Heiligenbild verborgen antwortet, und ein Negermärchen aus
Louisiana bei Fortier p. 82 nr. 21 'The statue of St. Anthony', wo
der Knecht dem Jüngling hinterbringt, daß die hübsche Nachbars-
tochter dem Holzbild ein Loch ins Ohr gebohrt und ihre Liebe be-
kannt hat. Dagegen hetzt bei Abraham a S. Clara, Lauberhütt
1723 1, 56 ein Rauchfangkehrer seinen Hund auf den verliebten
Schuhknecht.
Anderwärts foppt der versteckte Schalk die Beterin, indem er
ihr ihren Geiz oder ihre Schleckerei vorwirft; so schon in Val.
Schumanns Nachtbüchlein 1559 nr. 42 'Von einem calfacter zu Wien
und einem alten reychen weyb, wie sie ihn kleydet.' — Den an-
dächtigen Männern ergehts nicht besser. Von einem Küster in dem
nordholländischen Dorfe Wormer teilt Hendrik Soeteboom, Oudheden
van Zaanland, Stavoren, Vronen en Waterland 1, 376 (Amsterdam
1702) eine ähnliche Geschichte mit. Ein Bäcker in dem Dorf war
dafür bekannt, daß er sein Brot zu leicht machte, und verlor deshalb
seine Nahrung. Er ging nun oft in die Kirche und verrichtete vor
der Jungfrau Maria, die mit dem Jesuskind im Arm an einem Pfeiler
stand, seine Andacht und bat sie um ihre Hilfe, damit seine Nahrung
wieder besser würde. Der Küster Klint, der das bemerkte, stellte
sich einmal hinter den Pfeiler, und als der Bäcker wieder sehr eifrig
seine Bitte vortrug, rief jener mit einer feinen Kindersprache:
'Bäcker, ihr müßt euer Brot was schwerer machen.' Darauf ant-
wortete der Bäcker schnell: 'Schweig, Junge, und laß deine Mutter
sprechen !' und ging damit fort. Gleiches wird in dem aus dem
Holländischen übersetzten Schwankbuche 'Der Geist von Jan Tarn-
139. Dat Mäken von Brakel. 123
baur' (um 1690. Berlin Yt 9901, 3) S. 176 von dem Bäcker Andreas Quat-
pfenning zu Steinwyck und in der Oberpfalz (Bauernfeind, Aus dem
Volksleben 1910 S. 188) von einem zum Wassertrinken ermahnten
Säufer erzählt. — ■ In einer Kölner (Leipziger Illustrierte Zeitung
1909, 25. Februar) und einer Ulmer Geschichte (Merkens, Was sich
das Volk erzählt 2, 105 nr. 128) heißt die um Wein betende Frau
das antwortende Jesuskind entrüstet schweigen. Simrock, Märchen
nr. 7 'Das fromme Gebet' (der trinklustigen Alten) und nr. 50 'Die
Besserung'. Hier lautet die Zwiesprache zwischen dem Studenten
und seiner kargen Wirtin :
Ach wer doch nur im Himmel war !
'In den Himmel kommst du nimmermehr.'
Warum denn nicht, du lieber Gott?
'Weii du kein Fleisch tust in den Pott.'
So will ichs besser machen gleich.
'Dann kommst du auch ins Himmelreich.'
Österreichisch im Urquell n. F. 2, 249 'Das beantwortete Gebet'
(karger Bauer). Blätter f. pomm. Volkskunde 10, 22 'Der liebe Gott
im Schornstein'. Jahn, Schwanke S. 74 'Die fromme Edelfrau' (und
der Küster). Wossidlo, Aus dem Lande Eeuters S. 97 'Peter Ott'.
H. Kruse, Seegeschichten 2, 171 (1889) 'Die Stimme von oben'.
'Eine Holzdiebin und der Eigentümer' bei Schild, Der Großätti us
'ein Leberberg2 3, 40 nr. 52. — Vlämisch: De Mont en de Cock,
Vertelsels p. 162 'Trieneken Sckandeveyle'. — Dänisch: Skatte-
graveren 2, 213. 214. Kristensen, Fra Bindestuen 1, 128 'Praesten
og hans dreng'. Kristensen, Vore fpedres kirketjeneste 1899 S. 210
nr. 73 'Praestens kone'. — Englisch: Addy nr. 3 'The Tailor and
his apprentices' (dem Schneider, der die Lehrlinge bis in die Nacht
arbeiten läßt, ruft einer von diesen zu: If thou keepest thy lads at
work tili eleven, thou shalt not enter the kingdom of heaven). —
Französisch: Fleury, Basse-JSTormandie p. 202 'Buveuses'. Sebillot,
Joyeuses hist. p. 271 'Perrotte et l'enfant de ehoeur' — Pevue des
trad. pop. 22, 114. Thuriet, Traditions pop. du Doubs p. 110 'Le
bon dieu de bois' (Gedicht. Die Alte ruft: Morveux, laisse parier
ton pere! Ton pere en sait plus long que toi). Perron, Proverbes
de la Franche-Comte 1876 p. 30 (Sainte Marie, baille-moi quelque fois
du lard, des pois; du vin tous les jours !).
Im portugiesischen Märchen bei Coelho 1879 nr. 68 'A
senhora da graca' stellt die Trinkerin ihren ergrimmten Mann an eine
124 139. Dat Mäken von Brakel.
Stelle, wo es ein Echo gibt, und heißt ihn laut rufen: 'Sag mir,
Maria voller Gnaden, wer hat den Wein getrunken, die Frau oder
die Katze?' Als es zurückschallt 'Die Katze', schlägt der Mann die
Katze tot. Das erinnert an die faule Spinnerin, oben S. 44.
Gröber klingt ein italienischer Schwank des 15. Jahrh. vom
geäfften Beter. In den Facezie del piovano Arlotto (ed. Baccini
1884 nr. 22; deutsch von Wesselski 1910 1, 54 mit der Anm. 1, 193)
naht ein einfältiger Schuster dem Bilde Johannes des Täufers mit
der Frage, ob sich seine Frau ehrbar halte und sein Sohn gut ein-
schlagen werde ; als ihm der boshafte Mesner zuruft, sein Weib habe
ihn oft hintergangen und sein Sohn werde am Galgen sterben, bricht
der ergrimmte Schuster in Schmähungen wider den Heiligen aus.
Danach Domenichi, Facetie 1548 Bl. F4a = 1581 S. 317 ; B. de la
Monnoye, Oeuvres choisies 1770 2, 190 'De pio quodam cerdone,
quem aedituus delusit'; H. Estienne, Apologie pour Herodote 1, 194
chap. 14, 14. 2, 310 chap. 39, 12 ; Zincgreff-Weidner, Apophthegmata
4, 257 (nach Estienne). Ähnlich Pitre, Fiabe siciliane 3, 328 nr. 182
'Lu viddanu santöcchiu' (Bauer und Crucifixus). — Anders die Farce
de George le Veau (Viollet Le Duc, Ancien theatre francais 1, 380;
vgl. Bolte-Seelmann, Nd. Schauspiele 1895 S. *29). Bonaventure des
Periers, Nouvelles recreations 1858 p. 381 nr. 124 'Coinme un Escossois
fut guary du mal de ventre au moyen que luy donna son hostesse'
(der Gefoppte schießt auf das Bild des h. Eutropius). Kirchhof,
Wendunmut 5, nr. 71 (Pfui dich, lieber Liendel). Bei E. Meier,
Volksmärchen aus Schwaben nr. 51 erhält der faule Frieder vom
Marienbilde die Antwort: 'Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.'
Bei Wolf, DMS. nr. 37 wird der trunkene Peter vom Crucifixus zu-
rechtgewiesen. In einer weißrussischen Erzählung (Serzputovskij S. 138
nr. 68; vgl. Zs. f. Vk. 13, 420. Revue des trad. pop. 6, 143) hört
Petrovskij von dem hinter dem Jesusbilde versteckten Priester, er sei
ein Lump, und schreit ergrimmt : 'Ich bin ein geborner Edelmann, du
bist ein Jude.' In einem berberischen Schwanke bei Wesselski,
Nasreddin 2, 63 nr. 403 = Basset, Fourberies de Si Djeha nr. 24
gebietet Si Dscheha dem Juden, der Gott bittet, sich ihm zu zeigen,
der Frau Si Dschehas hundert Dinare zu zahlen und läßt ihn dann
an einem Strick emporklimmen, den er losläßt.
Bemerkenswert ist der Schwank von dem Gebet der untreuen
Frau, die ihren Mann durch leckere Speisen blind zu machen
denkt, weil er aus Indien herstammt und seit dem 15. Jahrhundert
139. Dat Mäken von Brakel. 125
in Europa große Verbreitung gefunden hat. Der 1199 schreibende
Jainamönch Pürnabhadra1) erzählt im Paiicäkhyänaka B. 3, c. 17
von einer Ehebrecherin, die im Tempel der Göttin Devi ein Opfer
darbringt und sich vor der Statue verneigend fragt: 'Ehrwürdige,
auf welche Weise kann mein Mann blind werden?' Allein ihr Gatte
Tajiiadatta hat Verdacht geschöpft, ist ihr nachgegangen und ant-
wortet ungesehen: 'Wenn du dem Manne beständig Butterkuchen
und andre gute Speisen reichst, wird er schnell blind werden.' In
der späteren Pancäkhyänavärttika2) c. 28 heißt der Brahmane Harl-
datta, in dem vermutlich daraus schöpfenden Textus ornatior der
Cukasaptati3) c. 12 Ksemamkara; in einer Erzählung der Holhan bei
Bompas p. 482 nr. 22 'The cunning potter' und in einer andern der
North indian notes 5, 51 nr. 79 fThe Thakur and the goldsmith'
ist es ein Handwerker. In einem Märchen der Baschkiren (Revue
des trad. pop. 23, 59 'Le vieillard ruse') erscheint eine Nachbarin
als Helferin des betrogenen Gatten. Gagausisch: Radioff 10, 150
nr. 84. 84a. Suaheli: Lademann nr. 35 (Archiv 12, 78. Statt des
Mannes straft der Sohn die Buhlerin). Die erste europäische Be-
arbeitung des Stoffes ist eine gereimte italienische Novelle, die der
zu Anfang des 15. Jahrh. lebende Simone Prudenzani zu Orvieto
als nr. 10 seines Liber solatii abfaßte. Hier befragt Donna Fiore
den Geist der hohlen Eiche ; ihr dort versteckter Gatte, der ein-
äugige Magagnato, erteilt ihr den bekannten Rat, erschießt aber
später die schamlose Ehebrecherin mit der Armbrust, während ihr
Buhle Carglicosta ein gewaltiges Lösegeld zahlen muß.4) In einem
1541 entstandenen deutschen Meisterliede des Nürnbergers Hans
Vogel5) wendet sich die Frau an den h. Leonhard und wird von
dem beleidigten Gatten, der den Pfaffen erschießt, in den Bach ge-
*) R, Schmidt, Pancatantram 1901 S. 246; vgl. Benfey, Pantsch a-
tantra 1, 385. 2, 276 und Hertel, Das Pancatantra 1914 S. 15 'Butter-
blinder Brahmane'.
2) Hertel 1914 S. 133 f. 146 f.
3) R. Schmidt, Der Textus ornatior der Cukasaptati 1896 S. 28.
Vgl. A. Fries, Madunka (Lyrik-Almanach 1910 S. 32).
4) S. Debenedetti im 15. Supplemento des Giornale storico della lett.
italiana 1913 p. 45 und vorher in Miscellanea di studi critici in onore di
V. Crescini 1912 p. 523. Über die Komödie 'Milesia' des Florentiners
Donato Giannotti (f 1573) vgl. Creizenach, Gesch. des Dramas 2, 228.
5) Montan us, Schwankbücher 1899 S. 517; vgl. Bolte, Archiv f.
neuere Sprachen 127, 282.
126 139. Dat Mäken von Brakel.
stoßen. Ihm folgte H. Sachs 1549 mit einem Meisterliede 'Der plint
meßner mit dem pfaffen' (Fabeln 5, 12 nr. 602) und 1554 mit einem
ebenso betitelten Fastnachtspiele (Folio 4. 345 b = 17, 183 ed.
Keller-Goetze = Fastnachtspiele 6, 81 nr. 69. Stiefel, Zs. f. Voiksk.
8, 73. 10, 71). Verblaßt ist Montanus, Gartengesellschaft c. 72 (1899
S. 330, vgl. S. 611). Schreger, Zeitvertreib 1753 S. 602. Bunker
nr. 19. ZdmG. 42, 130 'Der versoffene Hans' (aus Siebenbürgen).
Zs. f. Voiksk. 7, 324 nr. 12 (vom Marchfelde). Simrock nr. CO.
Waldbrühl, Rhingscher Klaaf 1869 S. 280. Pröhle, KVM. nr. 51.
Jahrbücher f. Landeskunde von Schleswig-Holstein 4, 164 nr. 70 =
Grässe, Preuß. Sagenbuch 2, 1009 (Anfang verstümmelt). Blätter f.
pomm. Voiksk. 7, 163. Zs. f. Voiksk. 8, 225 (aus Pommern). Knoop,
Sagen aus Posen S. 2 ! 2. — Niederländisch: Dykstra 2, 121. Joos
2, 109 nr. 23. Cornelissen-Vervliet nr. 33. De Mont en de Cock,
Vertelsels p. 285. — Italienisch: Eillosi, Novelle 1797 p. 42 'L'orbo
che ci vede' (gereimt). Coronedi-Berti 1883 nr. 41. Nie. Tommaseo
1. 85 (1904). Grisanti, Isnello 2, 202. Ilg 2, 73. — Rumänisch:
Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 517. Wlislocki, ZdmG. 42, 131
(Ballade aus Siebenbürgen). — Serbokroatisch: Bos. Vila 2 (1887), 156.
Hadzi-Vasiljevic S. 341 nr. 4. Anthropophyteia 1. 191 nr. 159.
1, 448 nr. 338- 339. Bos. pripov. redovn. omlad. S. 87 nr. 24 (Mann
als Beichtvater verkleidet). — Bulgarisch : Sapkarev S. 54 nr. 48. —
Slovakisch: ZdmG. 42, 129. — Cechisch: Popelkova, Nabesede S.240nr.
29 (Kapuziner im Walde). Kubin 2, 13 nr. 9. — Polnisch: Swietek S. 420
nr. 48 (Petrus). Ciszewski, Krakowiacy S. 214 nr. 160 (Nikolaus).
S. 215 nr. 161. Gonet S. 237 nr. 1 (Pfarrer). — Kleinrussisch:
Sadok Baracz S. 30 (Nikolaus). Kolberg, Pokucie 4, 185 nr. 36
(Knecht als Bettler). Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 186 nr. 260.
2, 194 nr. 263. 2, 188 nr. 261. Etnogr. Zbirnyk 8, 98 nr. 47.
Cubinskij 2, 654 nr. 116. Rokossowska S. 37 nr. 12 (Johannes).
Zt'Vk. 8, 218. — Weißrussisch: Federowski 2, 344 nr. 403
(Knecht als Teufel). Dobrovoljskij 1, 699. Sejn 2, 219 nr. 102. — Groß-
russisch: Afanasjev3 2, 402 nr. 241 (Eiche). Oncukov S. 139 nr. 50
und S. 338 nr. 139 (Nikolaus). ZfVk. 8, 221. Kryptadia 1, 240. 4.
249. — Lettisch: Böhm 1910 nr. 40.
In dem indischen Märchen bei Frere nr. 7 "The wanderings
oc Vicram Maharajah' = Passow 1874 S. 16L rächt sich der in einen
Papagei verwandelte Held an seiner Feindin Champa Rani, welche
das Götzenbild um ihre Vez'setzuns: in den Himmel anfleht, indem er
139. Dat Mäken von Brakel. 127
statt der Göttin antwortet, sie solle ihre Habe den Armen geben
und ihr Haus dem Erdboden gleichmachen. Ähnlich Parker 2, 435
nr. 173 'How the parrot explained tbe law-suit' und Schiefner-Ealston,
Tibetan tales p. 173. — Im mongolischen Siddhi-kür (Jülg 1866
nr. 11. Kletke, Märchensaal 3, 10 nr. 6) dagegen versteckt sich ein
armer Mann in der hohlen Buddhastatue und gebietet dem reichen
Beter, seine Tochter an den zu vermählen, der am nächsten Morgen
zuerst vor seiner Tür erscheinen werde; er stellt sich dann selber
ein und erhält die Jungfrau zum Weibe, verliert sie aber und dazu
sein Leben. Ähnlich annamitisch bei A. des Michels 1888 nr. 1
'La fille epii veut epouser un roi', nur daß hier das Mädchen selber
das Gebet verrichtet.
Wie die Neckerei des Beters bisweilen zum Nachteil des
Foppers ausschlägt, zeigt der oben 1, 65 erwähnte Schwank von Nasr-
eddin und den 999 Goldstücken des Juden ; vgl. Wesselski, Nasreddin
1911 1, 220 nr. 54; Kubin 2, 176 nr. 51; Serzputovskij S. 138 nr. 68.
Verschiedene Märchen vom Meister diebe (unten nr. 192)
leiten damit ein, daß die Mutter oder der Vater des Helden das
Heiligenbild fragt, was der Sohn werden soll, und den Bescheid des
dahinter stehenden Schalks empfängt: 'Ein Dieb'. So in unsrer nr. 68
'De Gaudeif un sien Meester', im vlämischen 'Jan de Dief (Wolf,
Wodana 1, 173 = Wolf, DMS. nr. 5) und De Mont en de Cock,
Vertelsels p. 442 'Leer kern stelen.' Gälisch: Campbell2 1, 330 nr.
17 d 'The shifty lad, the widow's son'. Französisch: Sebillot, Folk-
lore de France 4, 164. Sebillot, Contes 1, 209 'Le fin voleur'.
Sebillot, Litt, orale de la Haute - Bretagne p. 112 'Le fin voleur'.
Fleury, Basse-Normandie p. 167 'Jacques le voleur'. Jegerlehner,
Sagen aus dem Unterwallis S. 8 'Demande d'une vocation'. Cechisch :
Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 56.
Die in all diesen Schwänken vorausgesetzte Überzeugung, daß
die Macht des Heiligen auch in seinem hölzernen oder steinernen
Abbilde lebe und daß dieses unter besondern Umständen sich be-
wegen oder reden könne,1) offenbart sich in mittelalterlichen Legenden
x) Vgl. Trede, Das Heidentum in der römischen Kirche 1889 — 1891
1, 149. 2, 94. 3, 264. 4, 394—398. Silvagni, La corte e la societä romana
2, 292 (1883). — Im französischen Fablei 'L'oie au chapelain' (Montaiglon-
Paynaud 6, nr. 143) macht der gefräßige Kaplan dem Pfarrer weis, das
Jesulein in der Kirche habe seine Grans verzehrt. Ähnlich Pineau, C. du
Poitou p. 227 nr.5; Meyrac p. 416 f. (Schinken) ; Haltrich4 nr. 46 (Speck) ;
128 139. Dat Mäken von Brakel.
häufig. Sankt Kümmernis läßt ihren Goldschuh für den armen Spiel-
mann fallen (unten nr. 157 a), das Bild des Christkindes ladet den
Knaben zu seinem Mahle (nr. 209), eine Marienstatue hält den King,
den der Jüngling an ihren ausgestreckten Finger gesteckt hat, fest
(Poncelets Verzeichnis der Marienwunder in den Analecta Bollandiana
21, 264 nr. 290. Landau, Zs. f. vgl. Litgesch. 1, 13. Mussafia, Denk-
schriften der Wiener Akademie, phil. hist. Kl. 44, 1, 35) ; eine andere
schützt durch eine Bewegung des Knies den zu ihr Geflüchteten vor
einem Pfeilschuß (Poncelet 21, 277 nr. 501) oder rettet den durch
den Teufel vom Gerüste herabgestürzten Maler (Poncelet 21, 267
nr. 345. v. d. Hagen, Gesamtabenteuer nr. 77. Klapper, Erzählungen
des MA. 1914 nr. 52), wieder eine andere bezeugt durch ihre Rede,
daß der vom Juden verklagte Christ die Schuldsumme zur gesetzten
Frist vor ihr niedergelegt habe (Poncelet 21, 247 nr. 41), oder erwidert
den Gruß des frommen Klerikers mit den Worten: 'Dominus tecum'
(Poncelet 21, 285 nr. 622).
Ein unfreundliches Gegenstück zu der letztgenannten Legende
bietet eine Sage, die Justi in seinem Taschenbuche 'Die Vorzeit' 1820,
259 von dem hl. Bernhard von Clairvaux berichtet1). Als dieser
einmal (1147) zu Speier war, ging er in den Dom, um dem Marien-
bilde seine Verehrung zu bezeigen. Er fiel dreimal vor ihm auf die
Knie und brach voll Andacht in die Worte aus: '0 du huldreiche,
du milde, du holdselige Mutter Gottes!' Das Bild fing hierauf an
zu reden: 'Sei mir willkommen, mein Bernhard!' Der Heilige aber,
den das verdroß, verwies der Himmelskönigin das Reden mit den
Worten : 'Schweig, ein Weib soll nicht reden in der Gemeinde !'
Das Bild ist noch im Dom zu sehen, wie die drei metallenen Platten,
welche die drei Steilen bezeichnen, wo der h. Bernhard kniete.
Ciszewski S. 268 nr. 216. 217. Kubin 2, 256 nr. 85. Lud 6, 360 nr. 8.
Sbornik min. 1, 121 nr. 4. Oncukov S. 105 nr. 41. Ulanowska S. 490 nr. 22
(drei Heiligenstatuen). Revue des trad. pop. 7, 488 nr. 77 (magyarisch).
Globus 69, 46 (japanisch).
J) Nach Eysengrein, Chronologicarum rerum urbis Spirae libri XVI
1564 Bl. d 4a; vgl. Chr. Lehmann, Chronica von Speier 1711 S. 438 a
(B. 5, cap. 52). Eine ähnliche Sage vom hl. Bernhard in Afflighem
steht in Miernes Patrolooia latina 185, 880.
140. Das Hausgesinde. 129
140. Das Hausgesinde. 1856 s »■
1815 nr. 54 =• 1819 nr. 140. Aus dem Paderbörnisclien
durch die Familie v. Haxthausen am 27. Mai 1812 (wie nr. 131).
Eine fast genau übereinstimmende Passung enthält die um
1750 gedruckte Sammlung 'Alle Arten von Scherz- und Pfänder-
spielen in lustigen Compagnien von Bruder Lustigen' (Frankfurt
und Leipzig o. J. Zs. f. Volkskunde 19, 408) S.3 nr. 1 'Ein Frage-
Spiel':
Willst du mit nach Walpe1)? — Ja.
Ich nach Walpe, du nach Walpe; wilst du mit, so komm!
Hast du denn auch einen Mann? — Ja.
Wie heißt dein Mann? — Gramm.
Mein Mann Gamm, dein Mann Gamm, ich nach Walpe, du nach Walpe,
wilst du mit, so komm !
Hast du denn auch ein Kind? — Ja.
Wie heißt dein Kind? — Bley.
Mein Kind Bley, dein Kind Bley, mein Mann Gamm etc.
Hast du denn auch eine Wiege? — Ja.
Wie heißt deine Wiege? — Hippedeugen.
Meine Wiege Hippedeugen, deine Wiege etc.
Hast du denn auch einen Knecht? — Ja.
Wie heißt dein Knecht? — Machmirsrecht.
Mein Knecht Machmirsrecht, dein Knecht etc.
Hast du denn auch eine Magd? — Ja.
Wie heißt deine Magd? — Kehrmirnheerd.
Meine Magd Kehrmirnheerd, deine Magd Kehrmirnheerd, mein Knecht
Machmirsrecht, dein Knecht Machmirsrecht, meine Wiege
Hippedeugen, deine Wiege Hippedeugen, mein Kind Bley,
dein Kind Bley, mein Mann Gamm, dein Mann Gamm, ich
nach Walpe, du nach Walpe. Wilst du mit, so komm!
Ähnlich aus Bremen: Am Urquell 5,107; aus Halle bei Erk-
Irmer, Volkslieder 1, 4, 44 nr. 40 (Willst du mit nach Walbe); aus
dem Magdeburgischen bei Wegener, Vtl. Lieder 1879 S. 60 nr.
182 (nach Weewerlingen).
J) Steckt in Walpe ein verkürzter Ortsname wie Walporzheim,
oder darf man an den Walperzug (Grimm, DWb. 13, 1322) am Wal-
purgistage, dem 1. Mai, denken?
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 9
130 140. Das Hausgesinde.
Aus einem 'Volkspilgerliede' hat Mus aus, Volksmärchen 5,
130 (1787. Melechsala) folgende, wohl etwas ausgeschmückte Stelle
aufbewahrt: Aus welcher Gegend kommt ihr? 'Von Sonnenaufgang.'
Wohin gedenkt ihr? 'Nach Sonnenniedergang.' In welches Reich?
'In die Heimat.' Wo ist die? 'Hundert Meilen ins Land hinein.'
Wie heißt du? 'Springinsfeld grüßt mich die Welt, Ehrenwert heißt
mein Schwert, Zeitvertreib nennt sich mein Weib, Spätestagt ruft sie
die Magd, Schlechtundrecht nennt sich der Knecht, Sausewind tauft
ich mein Kind, Knochenfaul schelt ich den Gaul, Sporenklang heißt
sein Gang, Höllenschlund lock ich den Hund, Wettermann kräht
(heißt) mein Hahn, Hupfinsstroh heißt mein Floh. Nun kennst du
mich mit Weib und Kind und allem meinem Hausgesind.' r) — Mit
einigen Abweichungen in den von F. Pocci und K. v. Räumer her-
ausgegebenen Kinderliedern 1852 nr. 9 = Böhme, Kinderlied S. 270
nr. 1266 b : 'Widewidewenne heißt meine Putthenne, Kannichtruhn
heißt mein Huhn, Wackelschwanz heißt meine Gans, Schwarzundweiß
heißt meine Geiß, Dreibein heißt mein Schwein, Wettermann heißt
mein Hahn, Kunterbunt heißt mein Huhn, Ehrenwert heißt mein
Pferd, Gutemuh heißt meine Kuh, Kuckheraus heißt mein Haus,
Schlupfheraus heißt meine Maus, Wohlgetan heißt mein Mann, Sause-
wind heißt mein Kind, Sammettatz heißt meine Katz, Hupfinsstroh heißt
mein Floh, Leberecht heißt mein Knecht, Spätbetagt heißt meine
Magd; nun kennt ihr mich mit Mann und Kind und meinem ganzen
Hausgesind.' — Ähnlich aus Österreichisch-Schlesien bei Peter,
Volkstümliches 1, nr. 129 (1865).
In den meisten Fassungen des verbreiteten Kinderspruches
wird die bloße Aufzählung des Hausgesindes umgewandelt in eine
Erzählung, wie der Redende allmählich zu diesem Besitze gelangt
ist : 'Ds erst Jahr, wo-n-i agf ange ha huse, da ha-n-i es Huen übercho'
(Züricher, Kinderlied im Kanton Bern 1902 nr. 450) oder: 'Ick was
so lang en armen Mann, bes mi Guod en Hähnken gaf ' (Münsterische
Geschichten 1825 S. 272), 'Als ich ein armes Weib war, zog ich über
den Rhein, beschert mir Gott ein Hühnelein' (Arnim - Brentano,
Wunderhorn 3, Anh. S. 41), 'Ich diente dem Bauern wohl ein Jahr,
da gab er mir ein Huhn' (Pröhle, Märchen f. d. Jugend S. 199, nr. 57),
J) So zählt Vidrich vor dem Kampfe mit dem Riesen Langbein
(Grundtvig, DgF. 1, 100 nr. 7 b, Str. 15. Grimm, Altdänische Helden-
lieder 1811 S. 19) die Namen von Vater, Mutter, Schild, Helm, Schwert
und Pferd auf.
140. Das Hausgesinde. 13 L
'Wenn ich will heiratn, muß ich ein Weib haben' (Köhler-Meier,
Volkslieder von der Mosel 1, 156 nr. 151), oder es wird auch von
einer andern Person berichtet: 'Et was enmäl en Edelmann, de
schafft sich sämtlich Veih woll an' (Bl. f. pomm. Volkskunde 2, 163).
— Aus der Schweiz: L. Tobler, Schweiz. Volkslieder 1, 152 nr. 57.
A. Tobler, Volkslied im Appenzellerlande 1903 S. 15. Schweizerisches
Archiv f. Volkskunde 7, 292. Züricher, Kinderlied in Bern 1902
5. 60. 161. Kochholz, Alemannisches Kinderlied 1857 S. 167.
Schwäbisch: Birlinger, Schwäbisch- Augsburgisches Wtb. S. 453.
Kretzschmer-Zuccalmaglio, Volkslieder 2, 678. Bayrisch: Feldigl,
Fromm und fröhlich Jahr 4, 79 'Wenn i amal reich werd'. Öster-
reichisch: Tschischka-Schottk}r, Österr. Volkslieder 1844 S. 30 =
Kretzschmer-Zuccalmaglio, VI. 2, 665. Gottschee: Hauff en, Gott-
schee 1895 S. 366 nr. 127. Siebenbürgisch: Schuster, Siebenbg.
Volkslieder 1865 S. 364 nr. 165 und 250. Firmenich 2, 814. Kbl. f.
siebbg. Landesk. 9, 67. Fränkisch: Ditfurth, Frank. Volkslieder
1855 2, 301 nr. 398 a — b. Schleicher, Volkstümliches aus Sonneberg
1858 S. 105 'Ging ich amoul nach Meerenland'. Sächsisch: Dähn-
hardt, Volkstümliches 2, 47 nr. 220. Mitt. f. sächs. Volksk. 3, 313
(1905). A. Müller, VI. aus dem Erzgebirge 1883 S. 218 'IwrschLand
fuhr ich'. John, VI. aus dem sächs. Erzgebirge 1909 nr. 123. 124.
Fiedler, Volksreime in Anhalt-Dessau 1847 S. 36 'Als ich drei Jahr
alt war'. Kheinländisch: Köhler-Meier, VI. von der Mosel nr. 151.
Jahrb. f. nd. Sprachforschung 32, 77. Kbl. f. nd. Spr. 8, 21. Zs. des
Aachener Geschichtsv. 10, 194. Westfälisch: Münsterische Ge-
schichten 1825 S. 272. Bahlmann, Münsterische Lieder 1896 S. 39.
Niedersachsen 10,478(1905). Oldenburgisch: Strackerjan2 2, 135
'Ick was so lang n armen Mann'. Kbl. f. nd. Sprachf. 3, 58. 8, 21.
Aus dem Kinderleben 1851 S. 62 'As ik n lütje Dären was'.
Schleswig-holsteinisch: Diermissen, Ut de Muskist 1862 nr. 23.
88. 201. Jahrbücher f. Landeskunde Schleswig-Holst. 3, 452 'Ik wull
enmal en Hohn hebbn'. 6, 393 'As ick noch lütt Deern weer'. 7, 377
'Ik deen bi een Jahr'. Heimath (Kiel) 1876, 119. Meyer, Platt-
deutsche Kinderreime 1908 S. 71. 78. 82. Schumann, Volksreime aus
Lübeck 1899 S. 144 nr. 573a— e. Magdeburg: Wegener, Vtl.
Lieder aus Norddeutschland 1879 S. 58 nr. 180—181. Braun-
schweig: Zs. f. Volkskunde 10, 337 'Et war emal en Mann.
Brandenburg: Firmenich 1, 125. 130. Erk-Irmer, Volkslieder 1,
6, 10 nr. 7 'As ick noch so kleene woar' und 2, 3, 56 nr. 50 'As ick
9*
132 140. Das Hausgesinde.
moal en riker Mann was'. Mecklenburg: Kbl. f. nd. Sprachf. 4,
22. Germania 21, 66. Firmenich 3, 65. Pommern: BL f. pomm.
Volkskunde 2, 163. 3, 15. 9, 90. Preußen: Frischbier, Preuß.
Volkslieder 1877 nr. 31 'Als öck emal e Hennke hadd' = Frommann,
Dt. Mundarten 7, 208. Jüdischdeutsch: Ginzburg u. Marek,
Evrejskija narodnyja pesni v Rossii 1901 nr. 127. Friesisch:
Dykstra en van der Meulen, Aide snypsnaren 1882 S. 13. — Nieder-
ländisch: Hoffmann v. F., Ndl. Volkslieder 1856 nr. 184 'Daar was
er eens een mannetje'. J. van Vloten, Ndl. baker- en kinder-
rijmen4 1894 S. 138 'Daar was ereis een mannetje'. 139 'Aleer ik was
een edelman'. Driemaandelijksche Bladen 5, 21 (1906) 'Der was er
n man, die was niet wis'. Willems, Oude vlaamsche liederen nr. 255
'Des avonds in den reine'. Lootens-Feys, Chants pop. namands
nr. 119 'Tsooren was een rijk man'. Bols, 100 oude vlaamsche liederen
nr. 98 'En als ik wil gaan huishoun'. F. van Duyse, Het oude ndl.
lied 2, 1369 nr. 376 a— f. Ghesquiere, 300 speien met zang 1905
nr. 235 'Stierf mij' meerken'. De Cock en Teirlinck, Kinderspel en
kinderlust in Zuid-Nederland 4, 279 nr. 42—43(1904).— Dänisch:
Thiele, Folkesagn 3, 163 (1820). Grundtvig, Minder 2, 147 nr. 287
'Ä ved mä sä gammel en mand'. 3, 187 'Jeg har tjent saa rig en
mand'. Feilberg, Fra Heden 1863 S. 140 'Ä tehn hos den rige mand'.
Madsen, Folkeminder fra Hanved Sogn 1870 S. 144. Skattegraveren
5, 145 — 156 'De morsomme navne'. Kristensen, Dyref abier 1896
S. 168 nr. 392 — 432 'Havde jeg mig bare en god ven', 'Der boer en
mand ved Gammelstrand' und lJeg tjente sä henge hos den Telebond-
mand'. — Norwegisch: Stoylen, Barnerim og leikar 1899 S. 9
nr. 56 — 62 'Eg tente meg so lenge hjaa ein telebondemann'. —
Englisch: Chambers, Pop. rhymes of Scotland 1870 p. 31 'I had a
wee cock, and I loved it well'. — Französisch: Terry et Chau-
mont, Eecueil d'airs de cramignons liegeois 1889 p. 192 nr. 90
'Madame Bertrand va-t-au marche'. Bujeaud, Chants pop. des pro-
vinces de l'ouest 1866 1, 43 'Ma mer' m'envoie-t-au marche'.
Durieux et Bruyelle, Chants du Cambresis 1864 1, 122 'Mon pere
m'envoie au marche'. — Serbokroatisch: Valjavec S. 308 nr. 24.
Zbornik jslav. 18. 360. — Slowenisch: Strekelj, Slovenske narodne
pesmi4,339 nr. 7518— 7532.— Wendisch: Nawuka S. 70 nr. 6. —
Cechisch: Erben, Pisne S. 427 nr. 126. Susi], Moravske nar. pisne
S. 621. — Slowakisch: Dobsinsky, Obycaje, povery p. 169 (Spiel).
Kollar, Zpiewanky 2, 49. — Russisch: ein Druck: Rossijskaja Erota
140. Das Hausgesinde. 133
3, 173. Sejn, Velikoruss. 1, 28 L nr. 979—981 (der Knecht be-
kommt im ersten Jahr ein Huhn, im 2. eine Ente, im 3. einen
Enterich, im 7. eine Ziege). Dobrovoljskij, Smolensk. 4, 489 nr. 62.
Eudcenko 1, 49 nr. 28 (der Mann kauft Huhn, Ente, Gans, Lamm,
Ziege. Kuh, Hund, Kater, Ochsen, Wagen; die Tierlaute werden jedes-
mal wiederholt).
Die vielerlei Abweichungen dieses Märchens, das W. Grimm ein
Gespräch mit dem Widerhall nennt, und die zahlreichen, oft in die
alte Sprache und Sage reichenden, poetischen Namen durchzugehen,
möchte zu weit führen.1) Als Beispiele mögen dienen eine pader-
börnische Fassung (1822), welche an die oben S.71zu nr. 131 an-
geführten Stücke erinnert :
Wie heißt der Wirt? 'Schmuckelbart, er steht vorm Spiegel, putzt
seinen Bart.' — Die Frau? 'Juckelpelz, sie steht hinterm Ofen und laust
ihren Pelz.' — Der Koch? 'Smorlilus, er steht in der Küche und rührt
sein Mus.' — Der Soldat? 'Reicherheld, er sitzt im Wirtshaus und hat viel
Geld.' — Der Schreiber? 'Federkiel, der sitzt am Tisch und schreibt
nicht viel.' — Der Knecht? 'Kinkelwurst, er steht im Keller und löscht
seinen Durst.' — Die Tochter? 'Agnes, sie sitzt in der Kammer und
macht die Käs.' — Die Magd? 'Flederwisch, sie steht in der Stube und
scheuert den Tisch.' — Der Junge? 'Galgenstrick, er steht im Stall und
streicht sein Vieh.'
Eine aus dem Aargau bei Rochholz, Alemannisches Kinderlied
S. 167 : 'Nienegnue heißt mi Chue, Heimlifeiß heißt mi Geis, Dürlistock
heißt mi Bock, Rübelhoor heißt mis Schoof, Haberstrau heißt mi Frau,
Rüfegrind heißt mis Chind.' — Ferner das schon genannte Kinderlied
aus des Knaben Wunderhorn 3, Anh. S. 41 : 'Bibberlein heißt mein
armes Hühnelein, 2) Entecpuentlein die Ente, Wackelschwänzlein die
Gans, Schmortopf das Schwein, Klipperbein die Ziege, Gutemuh die
Kuh, Guckheraus das Haus, Kegelbahn der Mann, Goldenring das
Kind, Hatergsagt die Magd, Haberecht der Knecht, Wettermann der
Hahn, Hüpfinsstroh der Floh.' — Im Wunderhorn 4, 214 (= Arnim,
Werke 21. 1854) = Alemannia 11, 68 (oberschwäbische Hs. des
*) Zu boshaftem Spotte benutzt, in dem Schwanke 'Die Scheune
brennt' (Wossidlo 1, 253 nr. 999. Zs. f. Volksk. 26, 8. 370. 27, . . .) ein
Knecht oder Gast die sonderbaren Namen, die der verschrobene
Bauer seinem Hausgesinde und Besitztümern beigelegt hat.
2) Jung Stilling, Jugend 1779 S. 78 führt nur die Zeile 'Gerberli
hieß mein Hüneli' an.
134 140. Das Hausgesinde.
18. Jahrh.): 'Bibele heißt mein kleins Hühnele, Dribledreble das
Entle, Langerhals die Gans, Weißesfleisch die Geiß, Blasebalg das
Kalb, Aufundzu die Kuh, Ehrenwert das Pferd, Guckheraus das
Haus, Aufderbschau die Frau, Goldigringle das Kindle.' — Die gleich-
falls oben erwähnte Fassung bei Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 57 :
'Unverzagt heißt meine Magd, Leberecht heißt mein Knecht, Schütte-
ling heißt mein Kind, Zeitvertreib heißt mein Weib, Hinundher heißt
mein Pferd, Ruhruh heißt meine Kuh, Jägerlein heißt mein Schwein,
Trippeltrappel heißt mein Schaf, Langhals heißt meine Gans, Kückel-
hahn heißt mein Hahn.' — Das holsteinische, bereits von Schütze,
Holsteinisches Idiotikon 2, 117. 4, 156 angeführte Lied lautet nach
Gr. F. Meyer, Plattdeutsche Kinderreime 1908 S. 82:
Br kam vun de Reis ut Engelland,
Un min Famili is wull bekannt;
Klappermitdekann heet min Mann,
Tiedverdrief heet min Wief,
Spelvordedör heet min Gör,
Tünunsteg heet min Knech,
Spinnichgern heet min Deern.
Lusbung heet min Jung,
Flessensteert heet min Peerd,
Peddb^tto heet min Koh,
Trappeltrin heet min Swin,
Trippeltr^g heet min Zqg,
Kiekünnertschapp heet min Katt,
Lopdenhoffrund heet min Hund,
Weest du mehr, segg dat rut,
Sünst is dat Rimels ut.
Niederländisch bei Hoffmann v. F. nr. 184:
Tjiptjip mijn hennetje,
Kokkelekaan zoo heet mijn haan,
Ble zoo heet mijn schaapje,
Ducdalf zoo heet mijn kalf,
Nametoe zoo heet mijn koe,
Viasstaart zo heet mijn paard,
Welbehagen zoo heet mijn wagen,
AI berecht zoo heet mijn knecht,
"Weibereid zoo heet mijn meid,
Zeergetrouw zoo heet mijn vrouw,
Welbemind zoo heet mijn kind.
140. Das Hausgesinde. 135
Ein anderes Lied (1822) beginnt: 'Kockeloery heet mijn haan,
Prijs heet mijn hennetjen'. — Dänisch bei Madsen, Eolkeminder
1870 S. 144:
Skrukkelidön hedder min hön,
Plask-i-vand hedder min and,
Skraffelhals hedder min gaas,
Stamp-i-jord hedder mit faar,
Grynt-i-sti hedder mit svin,
Klän-vän hedder min ko,
Klämmer-i-bäs hedder min hest,
Staa-i-lo hedder min karl,
Staa-i-k^kken hedder min pig,
Lig-i-seng hedder min kon,
Lig-i-vug hedder min barn.
Englisch bei Chambers, Populär rhymes p. 31:
My cock, lily cock, lily cock, coo,
My hen, chuckie, chuckie,
My duck, wheetie, wheetie,
My sheep, maie, maie,
My dog, bouffie, bouffie,
My cat, cheetie, cheetie,
My pig, squeakie, squeakie.
Französisch bei Terry et Chaumont, Cramignons p. 192:
La poul' qui fait ri qui qui qui,
Le coq qui fait ro co co co,
L'canard qui fait qwinc qwinc qwinc qwinc,
Le chien qui fait haw' haw' haw' haw',
Le chat qui fait miaw' miaw' miaw' miaw'.
Einzelne dieser sinnvollen Namen lassen sich in ältere Zeit
zurückverfolgen; nicht Zeitvertreib, aber Leidvertreib heißt das
Weib im andern Morolf v. 159. 1145 ; Lassberg, Liedersaal 2, 704
v. 352; v. d. Hagen, Gesamtabenteuer 2, 238 v. 728; MSH. 1, 92 b;
Liederbuch der Hätzlerin S. LXXTI, 31 u. ö. Eür den Knecht ist
statt Haberecht und Leberecht schon im 13. Jahrhundert der Name
Kuprecht üblich: Wartburgkrieg (MSH. 2, 4b); 1524 bei Schade,
Satiren und Pasquille 3, 196; in einem an unsre Haustierreihe an-
klingenden Spottliede auf den Pfaffen, der die Bauern an ihre Ab-
gaben mahnt, in Aufseß-Mones Anzeiger 1832, 299 und Des Knaben
Wunderhorn 4, 56 (1854); vgl. Wackernagel, Kl. Schriften 3, 173
136 140. Das Hausgesinde.
und Vogt, Schlesische Weihnachtspiele 1901 S. 115. Im Gedicht
vom Hausrat (Pfeiffer, Altdeutsches Übungsbuch 1866 S. 138) heißt
der Hund Grin, die Katze Zise, der Knecht Wise, das Pferd Kerne,
die Magd Hetze.1) Wenn der Tannhäuser (MSH. 2, 94a) sein Ge-
sinde Zadel, Zweifel, Schade und Unbereit nennt, so ist das schon
der Übergang der epischen Namen in die bewußte Allegorie, wie
z. B. in dem Spruch: 'Vielborgen hat eine Stiefmutter, heißt Ver-
kaufdeingut, die gebiert eine Tochter, heißt Gibswohlfeil, dieselbe
Tochter hat einen Bruder, der heißt Zumtorhinaus' (Lehmann,
Florilegiuin politicum 1641 2, 797). In der Mitte steht noch das
bekannte: 'Sparebrot (Vater) ist tot, Schmalhans heißt der Küchen-
meister' (Wander, Sprichwörterlexikon 4, 653); vgl. Wackernagel,
Kleinere Schriften 3, 97 (1874). — In der Gylfaginning c. 34 (Gering,
Die Edda S. 323) heißt der Saal der Hei Eljudnir, ihre Schüssel
Hungr, ihr Messer Sult, ihr Knecht Ganglati, ihre Magd Ganglot,
ihr Tor fallendes Unheil, ihr Bett Kor, ihr Vorhang bleiches Unglück.
In der Gautrekssaga sind andre bedeutsame Familiennamen: der
Vater Skapnartungur, die drei Söhne Fiolmodi, Ymsigull, Gillingr,
die Mutter samt den vier Töchtern Totra, Snotra, Hiotra, Fiotra; in
einer andern Sage der Mann Stedie, die Frau Brynia, die Tochter
Smidia, der Sohn Thöllur.2) In der Eigsbula (Gering, Edda S. HO), aus
der Bochholz (Alem. Kinderlied S. 156) allzu kühn unsern Kinder-
spruch ableiten will, wird eine sinnvolle Genealogie der drei Stände
der Unfreien, Freien und Edlen vorgeführt (vgl. unten zu nr. 180).
Einfacher ist die Benennung der Tiere nach ihrem Laute, der
ohne weitere Deutung nachgeahmt wird,3) in einigen der angeführten
Lieder. Die französischen Aufzeichnungen gehen in das Lied von
den verschiedenen Musikinstrumenten (Geige, Trompete, Trommel)
über, von dem Tardel in seinen Zwei Liedstudien (Progr. Bremen
1914 S. 30) ausführlich gehandelt hat.
x) Nichts derartiges enthalten die von Hampe gesammelten Ge-
dichte vom Hausrat aus dem 15. und 16. Jh. (1899) und das Basler Ge-
dicht vom Hausrat von 1569 (ed. Major 1912).
2J Über die Namengebung der altnordischen Theologen vgl. B. M.
Meyer, Altgermanische Beligionsgesckichte 1910 S. 538—556, der S. 391
auch den indischen Versucher Mära und seine Töchter Durst, Verlangen
und Unruhe heranzieht (Windisch, Mära und Buddha 1895 S. 197).
3) Wackernagel, Voces variae animantium 1869.
141. Das Lämmchen und Fischchen. — 142. Simeliberg. 137
141. Das Lämmchen und Fischchen. 1856 s 225
1815 nr. 55 = 1819 nr. 141. Aus dem Fürstentum Lippe,
wo es Frau von Haxthausen in frühester Jugend gehört hatte. —
Das Ende ist wohl unvollständig; der Erzählerin schwebte nur vor,
daß die Stiefmutter glaubt das Lämmchen gegessen zu haben und
vom Koch auch noch das Fischlein zubereitet verlangt. Der Koch
aber, als es anfängt zusprechen und zu klagen, tötet es nicht, bringts
zum Lämmchen und täuscht die Stiefmutter wieder, deren Bosheit
dem Vater zu Ohren kommt und bestraft wird.
Auch nr. 11 (Brüderchen und Schwesterchen) und 135 (die
weiße und die schwarze Braut) handeln von zwei durch eine arge
Stiefmutter verfolgten und in Tiergestalt gebannten Geschwistern ;
nur wird dort die Schwester erst, nachdem sie des Königs Gattin
geworden, von jener ins Wasser gestürzt und durch einen Fisch ver-
schlungen oder in eine Ente verwandelt. Die Reimverse des vom
Schlachtmesser bedrohten Lammes (oder Rehes) und der im Wasser
befindlichen Schwester kehren in der oben 1, 84 mitgeteilten han-
noverschen Fassung und in italienischen, slavischen und türkischen
Varianten wieder. — Über den Abzählreim im Eingänge des
Märchens vgl. oben 2, 484.
142. Simeliberg. isse s. 225.
1815 nr. 56 = 1819 nr. 142. Im Mai 1814 durch Ludowine
von Haxthausen vom Köterberge (s. 2, 380) im Münsterlande er-
halten, zusammen, mit dem 'Erdmänneken' (oben 2, 297), wie aus dem
Dankschreiben bei Reifferscheid, Freundesbriefe von W. und J.
Grimm 1878 S. 23 hervorgeht.1) — Inhalt: A. Ein armer Mann sieht,
*) Wilhelm Grimm schreibt am 29. Mai: 'Unter diesen [Er-
zählungen] gebe ich wieder den beiden von den drei Königstöchtern, die
erlöst werden, und dem Märchen von dem Köterberg den Vorzug; sie
sind auch so gut erzählt, daß ich nicht gern etwas daran ändern möchte.
Das letztere hat eine merkwürdige Ähnlichkeit mit einer orientalischen
Erzählung der 1001 Nacht.' Vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 25, 322.
138 142. Simeliberg.
wie Räuber ihre Schätze in einem Berge verstecken, der sich auf das
Losungswort 'Berg Semsi, tu dich auf und 'tu dich zu' öffnet und
schließt, und eignet sich von ihrem Golde an. B. Sein reicher Bruder,
von dem er sich einen Scheffel zum Geldmessen leiht, entlockt ihm
das Geheimnis; (C) geht gleichfalls in die Höhle, ruft aber 'Berg
Semeli' statt 'Semsi' und wird von den heimkehrenden Räubern um-
gebracht. — Die Brüder Grimm erblickten im Semeliberg eine Ent-
stellung von Simeliberg, das sie aus dem schweizerischen Liede
vom Vreneli ab em Guggisberg (Spazier, Wanderungen durch die
Schweiz 1790 S. 340. Kuhn, Kühreihen 1810 S. 20. Erk - Böhme,
Liederhort 2, 237 nr. 420. Greyerz, Im Röseligarte 1, 34 und Schweizer.
Archiv f. Volkskunde 6, 190. 16, 193) kannten und in einer Fuldaer
Urkunde um 867 bei Pistorius, Berum Germanicarum veteres scrip-
tores ed. Struvius 1726 3, 632 wiederzufinden glaubten. Hier aber
ist die Rede von 'montes, qui a quibusdam Similes (d. h. die
Gleichen), a quibusdam vero Steinberg et Bernberg vocantur.' Ob
der schweizerische Bergname von simel (mhd. sinwel, rund) oder von
einem Simon (Schweiz. Archiv 16, 196) herstammt, ist streitig ; für den
deutschen Ursprung des Märchens, in welchem ja Semeli nur als eine
Entstellung von Semsi auftritt, bietet er jedenfalls eine schwache
Stütze. Dieses ist vielmehr gleich den weiterhin zu musternden
Varianten aus dem arabischen Märchen von 'Ali Baba und den
vierzig Räubern' geflossen, an das W. Grimm sich schon 1814 er-
innert hatte ; nur der Schluß, die durch eine kluge Frau vereitelte
Rache der Räuber am Helden (D), fehlt.1)
Am Harz wird das Märchen nach Otmar (Volks-Sagen 1800
S. 225) von der Dummburg oder Hochburg erzählt, wo Geister statt
der Räuber Schätze hüten ; doch rührt die Lokalisierung in der
Dummburg wohl nur von Otmar her; denn Adalbert Kuhn hörte, wie
er im Literar. Cbl. 1856, 839 berichtet, einen Knaben aus Heteborn,
eine halbe Stunde von der Dummburg, das Märchen nicht von dieser,
sondern wie in vielen andern Gegenden vom Sesamberg erzählen.
Bei Otmar vergißt der habsüchtige Nachbar im Berg die Formel
'Türlein öffne dich' und besinnt sich nur auf die andre 'Türlein
schließe dich'. — Entstellt ist die schwäbische Fassung bei Meier
nr. 53 'Simson tu dich auf (in der Höhle sind Prinz und Prinzessin
gefangen); die rheinländische bei Simrock, Märchen S. 279 nr. 62
J) Vgl. G. Polivka, Zbornik jslav. 12, 1—48 (Zs. f. Volksk. 18, 218).
142. Simeliberg. 139
'Kleesam' (9 B C D) schließt sich dagegen dem arabischen Vorbilde
eng an ; die kluge Sklavin Morgiane ist zur listigen Tochter des Holz-
hackers Marianne geworden. Bei Prökle, M. f. d. Jugend S. 122
nr. 30 'Sim-Sim-seliger Berg' (A B C D) leitet ein sprechender Rabe
den Bauer zur Räuberhöhle. Aus Posen bei Knoop, Ostmärkische
Sagen 1, 157 nr. 78 'Die Räuber im Walde' (A B C D. 'Eiche, Eiche,
goldens Knäuel, öffne dich'). Am Urdsbrunnen 5, 151. Aus Pommern :
Bl. f. pomm. Vk. 8, 89 nr.8 'Sesam, tue dich auf (AB CD). Aus Ho Ist ein
bei Wisser, Plattdeutsche M. S. 230 'Simson tu dich auf ; doch wird
das Motiv A mit den nachts Hafer stehlenden Unholden und dem
Ritt auf den Glasberg verknüpft.
Vlämisch: Witteryck-Delplace nr. 2 'De twee boomsnaiers'
(A C D. 'Azarm ga open'). Cornelissen-Vervliet nr. 27 'Kavie, kavoe,
ga op en toe' (A B C). De Mont en de Cock, Vertelsels p. 331 'Van
den berg Semzi en de kabouters' (A; Berg Semzi und Semini ver-
wechselt). — Holländisch: Volkskunde 17, 95 'Van het roovershol'
(AB CD. 'Halleluja vlaig oop'n') nebst zwei Varianten (statt 'See-
zaad open u' ruft der Bruder des Holzhackers : 'Koolzaad, Raapzaad,
Mosterdzaad open u'). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 129
'Skattebjserget' (Se sä, luk dig op). Kristensen, Fra Mindebo p. 138
nr. 24 'Det glemte losen' (A C. 'Bjsergehimmel luk op'). —
Schwedisch: 'Vedhuggaren Ali och Massurs röfwareband, eller
den stora skatten' (Stockholm 1824 u. ö. Bäckström 3, 26). Chauvin
5, 82. — Norwegisch: Berge 1914 S. 44 Dei fyrretjuge rovarane'
(ABC. Berg blaa, lat deg upp). — Isländisch: Arnason 2, 9.
Rittershaus S. 228 nr. 55 'Die zwölf Käuber' (A B C D. 'Tu dich auf,
mein Stein'). — Englisch: Entertainment for the nursery 1832
p. 166 (aus 1001 Nacht). ■ — Französisch: Carnoy, Picardie p. 273
'La caverne des sept voleurs' (A B C D, verbunden mit Elementen des
'Bürle' nr. 61; 'Jean-Marie porte, ouvre-toi'). Orain, Gallo p. 257
'Les quarante voleurs' (AB CD 'Je suis le lievre blanc, ouvre-lui sans
crainte'). Revue des trad. pop. 9, 107 'Secundum, ouvre-toi' (A B).
— Italienisch: Visentini nr. 7 'La fante avveduta' (A B C D
'Apriti porta'). Nerucci nr. 54 'Cicerchia o i ventidua ladri' (A C D
'Cicerchia, apriti'). Ortoli p. 137 'Le tresor des sept voleurs' (A B C D.
'Serchia, ouvre-toi'). Gonzenbach 2, 122 nr. 79 'Die Geschichte von
den zwölf Räubern' (A C 'Grapiti, cicca'j und 2, 197 'Lu cuntu di li
du' cumpari' (ABC. 'Apriti, cicca'); dazu 2, 251 und Zs. f. Volks-
kunde 6, 169. Pitre, Fiabe sie. 2, 391 nr. 108 'Mastru Juseppi'
140 142. Simeliberg.
(A C D. 'Gräpiti pipi'). Grisanti 2, 181 'Apriti succerchio, e chiuditi
succerchio' (AB CD); vgl. 2, 18 L 'Apriti succercliio, e chiuditi
succerchio' (AB CD); vgl. 2, 191 'Le due comari' ('Apriti, pipi';
sonst abweichend). Prato, Romania 13, 173 nennt noch zwei
Fassungen aus Livorno 'Apriti cicerchia' und eine aus Messina 'I due
fratelli'. — Maltesisch: Hg 1, 104 nr. 30 'Die sieben Räuber' (A B C,
verbunden mit Motiven der beiden Wandrer, oben 2, 476. 'Falltüre,
schließe dich') und 1, 109 nr. 31 'Der Karren Seegras' (A B C D,
ebenso. 'Berg, schließe dich'). — Mallorkinisch: Ludwig Salvator
S.117 'Die zwölf Diebe' (A B C D. 'Öffne bitsoch'). — Katalanisch:
Maspons y Labrös, Rondallayre 2, 64 m\ 14 'Los lladres' (A B C D
'Abrete pefia'). — Portugiesisch: Athaide Oliveira 1, 292 nr. 129
'0 thesouro escondido' (A C D. 'Abre-te Semsam'). — Griechisch
aus Lesbos: Folk-lore 7, 155 'The forty thieves' (ADBC 'Ach Ka-
rakiz', 'Kapla Karakiz', dazu Menschenfleischprobe wie oben 2, 254
und vergessene Braut). Kretschmer, Lesb. Dialekt S. 514 nr. 17 =
Kretschmer, Neugriech. Märchen nr. 7 'Die vierzig Schläuche' (A C D).
Geldart p. 9 'The two brothers and the forty-nine dragons' (A B C D).
Das kyprische Märchen vom Trimmatos bei Sakellarios nr. 1 (oben
1, 402) enthält nur das Motiv D. — Aromunisch: Weigand 2, 257
nr. 124 'Ali Baba und die vierzig Räuber' (A C D ; ein Knabe sticht,
um zu naschen, in die Honigschläuche). — Serbokroatisch aus
Kroatien: Valjavec S. 204 nr. 29 (A B C D ; Gott weist den Armen
zu der Hütte der zwölf Räuber). Strohal 3, 141 nr. 3 (A B C D. 'Tor
öffne dich, Tor schließe dich'). M. Stojanovic, Pucke pripov. S. 59
nr. 2 (ABC; ein Greis lehrt den Armen den Zauberspruch). Aus
Bosnien: Tordinac S. 22 nr. 8 (drei Brüder. A B D). Aus Montenegro :
Krauß, Tausend Sagen 1, 105 nr. 33 'Der Schatz in dem Häuschen'. —
Bulgarisch aus Mazedonien : Sapkarev S. 7 nr. 6 (zwei Diener einer
menschenfressenden Prinzessin ; A B C D). S. 327 nr. 185 (Eiche öffne
dich! ABCD). — Slowenisch aus Görz : Gabrscek S. 280 nr. 36
(Trink nicht den Branntwein auf dem Tische! ABCD). — Cechisch
aus Mähren: Miksicek 1, 99 nr. 10 'Die Ölfässer (ABCD). Mensik,
Jemnic. S. 88 nr. 29 (ABCD) = Yäclavek, Poh. a pov. z. morav.
Val. 2, 1 1 nr. 3. Kulda 3, 61 nr. 6 (Zwei Gevattern ; Zentrum öffne dich !
A B C). Pfikryl S. 411 (A D). Aus Böhmen : Radostov 1, 14 = 2. Aufl.
1, 113('Sesäno öffne dich', A B C D). Hsl. Sammlung des Y. Pfihoda nr. 12
(AD, dann Mageionensage). Kubin, Podkrkonosi nr.41. 156. Aus Glatz :
Kubin 2, 1 LI nr. 28 (Mana öffne dich ! A B C). Ebd. 1, 78 nr. 40 (A. Siselo
142. Simeliberg. 141
heraus! oder: Sezamo heraus!). 1, 91 nr. 48 (Livacor d. i. Rübezahl
schlägt mit einem Stock an den Felsen : Sezamo öffne dich ! und heißt
den Bauer sich Edelsteine nehmen). 2, 88 nr. 23 (Beräno öffne dich !
Ein Wagen voll Dukaten fährt heraus). 2, 52 nr. 19 (Rebeno öffne
dich!). — Slowakisch: Dobsinsky 3, 67 (Hopsa horsa, Erde öffne
dich! AB CD). Sbornik mus. slov. spol. 1, 168 (Sonne, Mond, Sterne
öffne dich! AB CD). 16, 20 nr. 15 (Esion öffne dich! A B C D). —
Kaschubisch: Bronisch S. 40 nr. 3 (Cuyzama öffne dich! AB CD).
Lorentz, Teksty S. 601 nr. 740. — Polnisch: In einem von Dobrowsky
von 1822 den Brüdern Grimm mitgeteilten Märchen haben Räuber ihr
Raubnest in einer Höhle. Die Höhle öffnet sich, sobald sie sagen: 'Öffne
dich, Felsen, angelweit !' Ein Dummer bemerkt es und sagt es ihnen nach.
Aus Posen : Kolberg, Lud 14, 137 nr. 27 (Figa Berg öffne dich ! A B C D).
Oberschlesien : Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 6, 45 nr. 3. Österr.-Schlesien :
Malinowski 1, 46 (Efata. ABC D). Aus dem Krakauer Land : Kol-
berg, Lud 8, 84 nr. 32 (Susanna öffne dich ! ABC D). Ciszewski,
Krakowiacy S. 99 nr. 78 (Öffne dich Salsemo ! ABC). S. 100 nr. 79
(ABC). S. 101 nr. 80 (A B C D). S. 102 nr. 81 (Cezanna öffne dich.
ABC, die kartenspielenden Räuber mit heißem Öl begossen). S. 104
nr. 82 (Cezanna öffne dich. ABC). S. 105 nr.83 (Öffne dich Siezama!
AB CD). S. 105 nr. 84 (Cezama öffne dich! AB CD). AusGalizieu:
Zbiör 5, 263 nr. 64 (Sezami ! A B C D). 5, 52 nr. 37 (Diamant ! A B C D).
Mater, antropol. 6, 388 nr. 56 (ein armes Mädchen, ABC, Räuber-
bräutigam, Flucht der Braut). 6, 400 nr. 61 (Babilon ! A B C D).
Wisla 12, 732 nr. 13 (Öffne dich ! ABC). Aus dem Gouv. Plock :
Chetchowski 1, 183 nr. 29 (Alibaba. Sadzamin öffne dich! B C D.
Die Tochter heißt Maryjanna). — Kleinrussisch aus Nord un gar n :
Etnogr. Zbirnyk 3, 108 nr. 39 (ABC; 12 Räuber, durch die Wache
festgenommen). Aus Galizien : Siemienski, Podania i legendy polskie
S. 104 nr. 101 'Die Höhlen im Schwarzen Berge' = Woycicki, Klechdy
1837 1, 114 = 3. Aufl. S. 161 = Woycicki-Lewestam S. 52 'Die
Grotten im schwarzen Berge' (A B C. 'Türlein, tu dich auf). Baliiiski-
Woycicki, Powiesci ludowe 1842 S. 99 (der Fels öffnet sich dem,
der auf die Frage Wie lebst du, wie ißt und trinkst du?' ant-
wortet: 'Ich lebe kein Leben, esse mich nicht satt und trinke un-
schuldiges Blut' ; so wird eine geraubte Prinzessin befreit). Aus
Gouv. Kijev: Rudcenko 2, 139 nr. 33 (Tür öffne dich! AB CD)
— Weißrussisch aus dem Gouv. Mogilev: Romanov 3, 312 nr. 66
(zwölf Räuber, A B C D ; dankbare Toten retten). 3, 317 (Sofijin öffne
142 142. Simeliberg.
dich! Tochter entdeckt die Räuber in den Fässern). — Groß-
russisch aus dem Gouv. Perm: Afanasjev 2, 305 nr. 201 (Türen
öffnet euch ! A B C D). Chudjakov 3, 93 nr. 100 (Tür öffne dich !
A B C D). Aus Moskau: Cudinskij S. 41 nr. 4 (Alibaba und sein
Bruder Mustafa, Hauptmann beim Tanz erstochen. ABC D). —
Litauisch: Jurkschat 1, 76 nr. 38 'Berg, tu dich auf (A. Ein
Mädchen anstelle des Helden). Eine ausführlichere Fassung teilte
Hugo Weber in Eisenach 1891 an Reinhold Köhler mit: Es waren
eine reiche und eine arme Schwester. Als der Mann der armen
Schwester eines Abends auf die Jagd ging, sah er zwölf Männer
kommen und verkroch sich ins Gebüsch. Da hörte er sie sagen :
'Berg Minsel, tu dich auf !' Da öffnete sich der Berg, sie gingen
hinein und kamen nicht lange danach wieder heraus. Der Jäger
wartete, bis sie weit weg waren, und sprach, wie jene gesprochen
hatten: 'Berg Minsel, tu dich auf!' Der Berg öffnete sich, und er
trat ein, fand einen Haufen Geld und füllte damit Taschen und
Mütze. Daheim angekommen, sandte er seine älteste Tochter zu der
reichen Schwägerin und bat sie, ihm einen halben Scheffel zu leihen;
als er ihn zurückschickte, bestrich er den Boden mit Teer und ließ
einige Dukaten daran ankleben. Da lief die reiche Frau zum
Schwager und setzte ihm mit Fragen solange zu, bis er ihr das Ge-
heimnis der Räuberhöhle entdeckte. Am andern Morgen kam der
reiche Schwager mit einigen Eseln angeritten und forderte den Jäger
auf, mit ihm zu dem Berge zu gehen. Beide holten sich dort Schätze ;
als aber am folgenden Tage der Reiche wieder mit seinen Eseln er-
schien, sagte der Jäger: 'Ich habe nun genug; ein drittes Mal zu
gehn gibt ein Unglück.' Da machte sich der andre allein auf den
Weg, ließ die Esel vor dem Berg stehn und füllte drin die Säcke ;
aber wie er zur Tür hinauswollte, hatte er das Wort vergessen. Die
Räuber kehrten heim, fanden ihn und rissen ihn in Stücke und
hieben den Eseln die Köpfe ab. — ■ Lettisch: Treuland S. 280
nr. 138 (Wachse Berg 'Kalns augüt', öffne dich ! ABC). — Finnisch:
Aarnes Register nr. 676. — Magy arisch: Horger nr. 48. —
Türkisch: Künos, Stambul S. 231 'Der arme und der reiche Bruder'
(A C. Vierzig Dews. Tschanga und Tschunga); vgl. Ungarische Revue
1888, 334. Jubilej Sbornik Millera S. 197 nr. 42.
Die arabische Gestalt des Märchens 'Ali Baba und die
vierzig Räuber' gehört zu den Geschichten in Gallands 'Mille et une
nuits' (1712), für die bis vor kurzem keine arabische Vorlage bekannt war
142. Simeliberg. 143
(Chauvin 5, 79. Habichts Übersetzung 1840 9, 3. 13, 306. Henning
21, 59 nach Burton 1894 10, 209; vgl. Zotenberg, Notices et
extraits 28, 1, 196. 199 f. 1888); erst D. B. Macdonald hat im
Journal of the R. Asiatic Society 1910, 1, 327. 1913, 1, 41 einen
arabischen Text aus einer Oxforder Hs. herausgegeben, den Nöldeke
Zs. f. Assyriologie 28, 242 bespricht. Ali Baba, ein armer Holz-
hacker, hört auf einem Baume sitzend, wie vierzig Räuber einen
Felsen durch das Zauberwort 'Sesam tu dich auf öffnen, dringt
selber dort ein und belädt seine drei Esel mit dem gefundenen
Golde. Seine Frau will dieses messen und leiht dazu von seinem
reichen Bruder Kasim ein Maß (Wagschale). Kasims Frau aber
streicht aus Neugier etwas Talg auf dessen Boden und findet ein
Goldstück festgeklebt.1) Kasim nötigt nun seinen Bruder, ihm das
Geheimnis zu entdecken, und zieht mit zehn Eseln zu der Höhle,
vergißt aber das Zauberwort und wird von den zurückkehrenden
Bäubern überrascht und gevierteilt. _ Ali Baba, der auf Bitten seiner
Schwägerin ihm nachgeht, holt Nesims Leichnam und läßt ihn
feierlich bestatten, nachdem auf den Bat seiner klugen Sklavin
Morgiane (Mardschäne) ein Flickschuster (Schneider), den sie mit
verbundenen Augen ins Haus führt, die Stücke des Toten zusammen-
genäht und den Verdacht eines gewaltsamen Endes entfernt hat.
Aber dem Bäuberhauptmann gelingt es mit Hilfe jenes Schusters
Kasims Haus ausfindig zu machen, wobei Morgiane zweimal das
Kreidezeichen an der Tür entdeckt und die Nachbarhäuser auf
gleiche Weise zeichnet. Er verkleidet sich als Kaufmann und bittet
Ali Baba um Herberge für sich und seine neunzehn mit Ölschläuchen
beladenen Maultiere. Wiederum entdeckt Morgiane, welche nachts
öl für ihre Lampe bedarf, daß in den Schläuchen 37 Bäuber stecken
und nur ein Schlauch Ol enthält; sie siedet dies und gießt es in
die Schläuche, sodaß die Räuber alle umkommen. Nur der Haupt-
mann entrinnt und kehrt in andrer A^erkleidung zurück; da er beim
Mahle Speisen ohne Salz verlangt (um nicht durch den Genuß davon
zur Schonung seines Wirtes verpflichtet zu werden), schöpft Morgiane
Verdacht, erkennt den Bäuber und erdolcht ihn. Zum Lohne ver-
mählt Ali Baba sie mit seinem Sohne (Neffen).
a) Das zum G-eldmessen entliehene Scheffelmass begegnet
oben 1, 520. 2, 6 und in einigen Varianten zu nr. 33a and 61. Vgl.
R. Köhler zu Gonzenbach 2, 2442. 2512 und Zs. f. Volksk. 6, 69. Chauvin
5, 83*.
144 142. Simeliberg.
Diese arabische Erzählung ist seit dem Ende des 18. Jahr-
hunderts in deutschen, niederländischen, schwedischen, englischen,
französischen, spanischen, polnischen und russischen Volksbüchern1)
verbreitet und wiederholt für die Bühne bearbeitet2) worden. Aus
dem Volksmunde noch arabisch: Burton 8, 234 und Caise, 'Le
bücheron et le genie' (Feuilleton du Teil 1893, 221 nach Chauvin
4, 86), Desparmet 1, 183 'La caverne des ghouls' (A C D. Ouvre
toi Elqcibra). Indisch aus Kaschmir: Knowles p. 267 'The robbers
robbed' (A C D). Von den Tagalogs auf den Philippinen : Journal
of amer. folklore 20, 113 nr. 12 'The fifty-one thieves' (A C D, 'Open
the door'). Afrikanisch: Tremearne, Hausa superstitions p. 204
nr. 14 'Dodo, the robber and the magic door'. Held, M. der afrikan.
Neger S. 67 'Die fliehenden Kinder' (Hererosage). — Bei den
afrikanischen Negerstämmen ist die Geschichte zur Tierfabel
geworden. Bei den Masai (Hollis, The Masai 1905 p. 212) ruft der
Hase vor der Höhle der Löwin Tels, tu dich auf und 'Fels schließe
dich', die Hyäne aber ahmt ihm zu ihrem Unheil nach. Merker,
Die Masai 1904 S. 215 (Schakal). Nassau, Fetichism in West-Africa
1904 p. 358 'The thieves and their enchanted house'. Basset,
Afrique p. 217 'Le lezard et la tortue' (Pierre, ouvre-toi) = Bouche,
Etüde sur la langue nago 1880 p. 43. Frobenius, Der schwarze
Dekameron S. 202 (Reineke und Gierschlung. 'Kurie', 'Kurkib'.
Aus dem Sudan) und 278 (Kongo). Aus Jamaika: Jekyll p. 23
'Black-bird and woss-woss'; p. 120 'Open Sesame'.
Nach Nöldeke (Zs. f. Ass}rriologie 28, 250) stammt das durch
Gallands maronitischen Gewährsmann Hannä und die um 1800 ent-
standene Oxforder Hs. überlieferte Märchen aus Syrien und ist
schwerlich sehr alt. Eine allgemeine Ähnlichkeit mit der berühmten
Geschichte vom Schatzhaus des Rhampsinit (unten zu nr. 192) läßt
sich nicht verkennen: hier wie dort ein Einbruch in die wohl-
verwahrte Schatzkammer, beim zweiten Raube Tötung des einen
*) Chauvin 5, 79. Polnisch: Galland Antoni Tysiae Nocy i jedna
1768, 1772 u. ö. Russisch: 1763, 1771.
2) Pixerecourt, Ali Baba ou les quarante voleurs, melodrame 1822.
Opern von Marschner um 1822 (Text von Th. Hell), Crusell (Silla slaf vinnan
1824, nach Pixerecourt), Cherubini (Ali Baba 1833; Text von Scribe und
Melesville, nach einer hsl. Oper Koukourgi 1793), Bottesini (1871), J.
Strauß (Indigo; Text von M. Steiner. 1871), A Lecocq (1-87. Text von
Vanloo und Busnach).
143. Up Reisen gohn. 145
Diebes, darauf Bergung seines Leichnams durch seinen Bruder und
endlich Vereitelung der Entdeckung durch verschiedene Listen.1)
Nur ist hier die Rolle des Meisterdiebes auf den biederen Ali Baba
und seine gewitzte Magd verteilt.
Die Entdeckung und Tötung der in Fässern (Schläuchen)
versteckten Räuber begegnet auch in verschiedenen Fassungen
des 'Räuberbräutigams' (oben 1, 372): Andrews, C. ligures nr. 43 'La
femme du voleur', polnisch bei Chetchowski 1, 15 nr. 1 (Sezam öffne
dich), kaschubisch bei Lorentz, Teksty S. 601 nr. 740 (zwölf ölfässer) und
S. 607 nr. 748, litauisch bei Schleicher S. 22 nr. 11. Dieselbe List wird
in einer holsteinischen Sage bei Müllenhoff nr. 7 (Säcke), im weiß-
russischen Märchen bei Federowski 3, 43 nr. 91 und in einem klein-
russischen Liede auf die Eroberung von Asow berichtet ; vgl. Drago-
manov, Rozvidky 1, 129. Russkij filolog. Vestnik 56, 38. 63. 120.
Arabisch von der Einnahme von Samarkand und andern Städten
(Revue des trad. pop. 13, 243 nr. 99 mit Anm. Mas'oudi, Prairies
d'or ed. Barbier de Meynard 3, 189. Revue africaine 1886, 308).
Ägyptisch bei Maspero 1889 p. 147 'Comment Thoutii prit la ville de
Joppe' (Soldaten in Tongefäßen). Auch die Eroberung Trojas ver-
mittels des hölzernen Pferdes in der Iliupersis gehört schließlich
hierher.
145. Up Reisen gohn. lese s. 226.
1819 nr. 143, aus dem Münsterland; eingesetzt für 1815
nr. 57 'Die Kinder in Hungersnot' (unten nr. 143a).
Eine andere Erzählung aus dem Paderbör nisch en (vor 1822)
enthält neue Scherze:
x) Wie Morgiane das Kreidezeichen an der Haustür verviel-
fältigt, so tut es der Meisterdieb in verschiedenen unten zu nr. 192
angeführten Märchen ; auch der dienstbare Geist Aladdins mit der
Wunderlampe (oben 2, 541) handelt so. Archiv f. slav. Phil. 27,
622 (vom klugen Knaben). Bei Grimm, DS. nr. 404 und Boccaccio,
Dec. 3, nr. 2 schneidet der durch Abschneiden einer Locke ge-
kennzeichnete Stallknecht König Agilulfs allen seinen schlafenden
Genossen ebenfalls eine Locke ab; kan aresisch bei Clouston 2, 164.
Chauvin 5, 832. 7, 116. Bei Junod, Bas-Ronga p. 161 verteilt Moutipi die
Perlen seines Halsbandes an andre Knaben, um der Ermordung zu ent-
gehen.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 10
146 143. XJp Reisen gohn.
Et was wol en dummer Jungen, de däh jommer, wat em sine
Möhrne heiten hadde, men jummers unrecht. As he sick nu vermehet
(vermietet) hadde, segde em sin Heer, he mög up't Feld gähn un säen
un seggen dabie: 'Alle Jahre hundertfältige Früchte !' He gänk hen, do
gaimen da grade Luhe met ener Lieke (Leiche), do segde he: 'Alle Jahre
hundert!' As dat de Luhe hören, gaven se em wat drup. He quam to
Huus un säe to de Möhme: 'O Möhme, wo hat miegahen! Ick heve dohn,
wat mie min Heer heiten hat.' Do sehde de Moder: 'Häddest motten
seggen, sie ruhe in Frieden!' He gänk wedder hen, darup quam da en
Filier (Schinder) her met en daut Pferd, do segde he wedder: 'Sie ruhe
in Frieden !' De Filier verstand dat unrecht und gav em wat drup. He
gänk wedder na Hues un klaget sine Möhme, da säe se: 'Du hättest
müssen sagen, weg mit dem Aas !' He gänk up en andermal wedder
up't Feld, as da grads Hochtitsluhe herkeimen, do fänk he an: 'Weg met
dat As!' Se prugelnt en dugent (tüchtig) dur. '0, Möhme,' säg he
wedder, 'wo ist mie gahen' un vertelde. Se säg: 'Hättest müssen sagen,
hier ist Lust und Freude.' He gänk hen, up sinen Wege sah he, dat en
Hues brenne, do fänk he wedder an: 'Hier ist Lust und Freude!' Do
kregens her un prügeln en; do he dat sine Moder klaget hadde, säe se:
'Hättest müssen einen Eimer voll Wasser nehmen und ausgießen helfen.'
Do dachte he, as he da bie de Immenkörbe kam, an den Emmer mit
Water un gütt se daut. De Herr van de Immen nahm en Stoek un
fegede em, dat he leip. '0 Möhme, wo schlecht ist miegahen!' Se säe:
'Hättest müssen sagen, gib mir was mit!' Dor quam he mol bie enen
Kohstall vorbie, de wurde juste utemistet, do nahm he sinen Petzel (Kappe)
af un säe: 'Giv mie wat met!'
Der Schwank von dem Einfältigen, der Worte, die ihm für
einen bestimmten Fall gelehrt sind, bei dem ersten besten, durchaus
nicht passenden Fall anwendet und dann die ihm für diesen
empfohlenen wieder bei einem unpassenden, begegnet in verschiedenen
Einkleidungen.1) Zuerst um 1560 bei Montanus, Gartengesellschaft
cap. 50 'Ein Narr wollt ein Sack mit Mehl in der Mühlen holen'
(Schwankbücher 1899 S. 301, vgl. S. 602) und danach lateinisch bei
Hulsbusch, Sylva sermonum iucundissimorum 1568 p. 26. Neuerdings
aus Tirol bei Zingerle 2, 10 'Der Gang zur Apotheke' ; aus Sieben-
bürgen bei Haltrich4 nr. 68 'Wie soll ich denn sagen '?' ; aus Nieder-
österreich bei Leeb 1, 130 nr. 194 'Der vergessene Nix' und in
Blümmls Beiträgen zur deutschen Volksdichtung 1908 S. 123 'Die
Nixschwämme'; aus Hessen bei Hoffmeister S. 96 'Vom Juden-
*) Andre Narrenstreiche oben 1, 320 f.
143. Up Reisen gohn. 147
jungen'; aus Hannover bei Busch S. 35 nr. 16 'Der dumme Hans' ;
Colshorn nr. 19 'Wurst wider Wurst' = v. Harten-Henniger 1, 99; aus
Mecklenburg bei Wossidlo, Reuter S. 207 'Döshans'; aus Rügen bei
Haas 1903 nr. 220 = 1912 nr. 225 'Von den Jung, de Nicks halen sull'.—
Niederländisch: Lootens nr. 4 = Germ. 14, 88 'Aus einem Körnchen
drei'; Joos 2, 155 nr. 48 'Van nen Jongen en zijne aardige Woorden'.
2, 157 nr. 49 'Van Riksken die naar Leuven gong'. 2, 159 nr. 50
'Van nen Jongen die verkeerd handelt'. Cornelissen-Vervliet nr. 39
'Van lompen Toon' ; de Mont en de Cock, Vertelsels p. 264 'Van den
Jongen, die altijd verkeerd sprak'. — Dänisch: Grundtvig, Minder
1, 104 'Den tossede Dreng' und hsl. Register nr. 109 'Tossen';
Kristensen, Aev. 2, 177 nr. 23 'Drengens Rejse til Melle' = Stroebe
1, 164; 3, 241 nr. 43 'Den tossede Karls Giftermaal'; Skattegraveren
11, 192 'Den tossede Karl' und 12, 216 'Drengens Mollerejse'. Ein
ähnliches Gespräch bei Kristensen, Dyrefabler S. 215 und Bondeson,
Sv. folksagor nr. 16. — Schwedisch: Bondeson, Sv. folksagor nr. 17
'Den dumme pojken'. Bondeson, Hall, sagor nr. 30 'Mäldapägen'.
Hazelius S. 89 'Aldrig tili lags'. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe
nr. 87 'Galematthis'. — Isländisch: eingemischt in die der Er-
zählung Saxos von Amleth zu vergleichende Brjämssaga bei Arnason
2, 505 = Poestion nr. 13; vgl. Maurer S. 287 und Rittershaus S. 429
nr. 122; doch auch selbständig bei Rittershaus S. 431. — Englisch:
Jacobs 2, 195 nr. 84 'Stupid's cries'. Hartland, Folk tales p. 257
'Stupid's mistaken cries' = Folk-lore Record 3, 2, 153. Journal of
am. folk-lore 3,292 'The forgetful boy'. — Irisch: Kennedy, Fire-
side stories p. 30 'The unlucky messenger'. — Französisch:
Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 229 nr. 34 'Comment il arrive
malheur ä Jean le diot'. Revue des trad. pop. 9, 347 'Jean le diot'.
11, 321 'De mal en pis comme Tribuet'. 20, 94 'Jean l'innocent'.
Wallonia 1, 197. Gittee-Lemoine p. 86 'Le cornacu'. Melusine 1,
110 'Jacques l'idiot'. Tradition 21, 198. Revue des trad. pop. 23,
350 'Le grand nigaud'. Moncaut p. 101 'Ambreise le sot'. Blade 3,
137 = 1867 nr. 7 'Le voyage de Jeannot'. Carnoy, Picardie
p. 186 'Pierrot Sans memoire'. — Italienisch: Balladoro
p. 71 nr. 64 'Na quarta'. Rivista delle trad. pop. it. 1, 358.
Archivio 10, 48 nr. 2. Pitre, Fiabe sie. 3, 362 nr. 190, 7 'Giufä e
la ventri lavata' = Monnier p. 13. — Katalanisch: Maspons 1, 79
'Lo beneyt'. — Mallorkinisch: Ludwig Salvator S. 125 'Der
Magenpeter'. Alcover 1, 21 'Un festetjador. 1, 145 'En Pere de sa
10*
148 143. Up Reisen gohn.
butza'. — Portugiesisch: Coelho 1879 nr. 53 'Os simplorios'
(Davon leere ich sieben am Tage, soll die heiratsfähige Tochter sagen,
wenn sie einen Rocken voll Flachs sieht; sie sagt es aber vor einem
Napf voll Wein). — Rumänisch: S^äinenu p. 942. — Griechisch:
Hahn nr. 111 'Der dumme Junge, welcher Geld gewinnt'. — Serbo-
kroatisch: Krauß 2, 238 nr. 107 'Pavluha' (dazu Grimm nr. 32).
Vuk Vrcevie, Pripovijetke po najvise kratke S. 77 nr. 173. Bos. Vila
6, 219. 11, 324. 12, 108. Zbornik jsl. 16, 139 nr. 16. 19, 98 nr. 53.19,
353 nr. 4. — Bulgarisch: Sapkarev 8 — 9,308 nr. 170. Sbornikmin.
14, 114 nr. 5. — Böhmisch: Popelkova S.56 (Leinwand an eine Heiligen-
statue verkauft; dann ähnlich unsrer nr. 32). Vaclavek, Val. poh. a
pov. 2, 17 nr. 3. Mensik, Jemnic. S. 337. Pfikryl S. 278. —
Slovakisch: Dobsinsky 7, 10 nr. 7. — Polnisch: Kolberg, Lud
8, 199 nr. 80 (dazu Grimm nr. 59). Malinowski 2, 38 (desgl.). Chel-
chowski 2, 81 nr. 72. Wisla 19, 390 nr. 4. Mater, kom. jezyk. 1, 32.
— Kleinrussisch aus Galizien gereimt: Etnogr. Zbirnyk 5, 224.
Zs. Kievskaja Starina 70, 2, 89 (desgl ). Cubinskij 2, 439 nr. 12
(Prosa). Malinka S. 361 nr. 79. Manzura S. 80 nr. 53. Mater,
antropol. 2, 51 nr. 23 (Gouv. Wolhynien). Etnograf. Zbirnyk 6, 342
nr. 680 (aus Galizien; dazu Grimm nr. 59). Suchevye S. 150 nr. 87.
Weiß russisch: Romanov 3, 424 nr. 24. Sejn 2, 236 nr. 109. 110.
Federowski 3, 95 nr. 185. 3, 245 nr. 487. — Großrussisch: eine
gereimte Bearbeitung aus dem 18. Jahrh. steht in der Sammlung des
Kirsa Danilov hsg. von P. Scheffer 1901 S. 167; ein neueres Lied
aus Twer in Sejns Russischen Volksliedern 1, 279; vgl. Sumcov,
Anekd. S. 113. Prosaisch Afanasjev3 2, 366 nr. 226 a — b = Leger
p. 231 = Clouston, Book of noodles p. 128. Chudjakov 2, 116
nr. 69. Ivanickij S. 202 nr. 35. Oncukov S. 321 nr. 134. —
Lettisch: Zbiör wiadom. 18, 264 nr. 14. — Estnisch: Zs. Walgus
1891 nr. 18 (Pola, in Versen); vgl. Etnogr. Obozr. 15, 2, 45. —
Ungarisch: Kriza nr. 8 = Jones-Kropf p. 80 'The children of two
rieh men'. — Georgisch: Wardrop p. 165 nr. 8 'The fool's good
fortune'. — Türkisch: Wesselski, Nasreddin 1, 223 zu nr. 57. 381
(Kuh und Jungfrau angepriesen). — Arabisch: 1001 Tag übersetzt
durch v. d. Hagen 5, 108 (1827. Xallun); vgl. Chauvin 7, 155. —
Hürkanisch: Schiefner, Mem. de l'acad. de St. Petersbourg 7. serie
17, 8 S. 96 'Der Mulla Nasraddin' = Melusine 1,252. — Japanisch:
Globus 69, 47 'Der dumme Tempo' = Seidel, Asiat. Volksliteratur
S. 44 = Etzel, Aus Jurte und Kraal 1911 S. 47. — Chinesisch
143. Up Reisen gohn. 149
aus dem Tripitaka: Chavannes 3, 72 nr. 408 (ein Mönch erhält von
einem Reichen für einen Glückwunsch ein Geschenk, ein andrer aber
von dem inzwischen Verarmten Prügel). Dähnhardt, Schwanke S. 12
nr. 8 'Dummkopf auf Besuch'.
Diesen Narrenstreichen ähneln die Volksscherze von dem
Schwerhörigen, der alle Fragen verkehrt auslegt und beantwortet
(Wickram, Werke 3, 366. 8, 344. Euphorion 15, 9. Aarne, Schwanke
über schwerhörige Menschen, FFCommunications 20 — 21. 1915; dazu
Revue des trad. pop. 13, 277. 440. Mtsbl. des badischen Schwarz-
waldvereins 12, 93. 1909. Niedersachsen 10, 17. 11,208. Kretschmer
nr. 17. Zbornik jslav. 19, 94 nr. 42. Grgjic-Bjelokosic, Stotina
S. 79. Kica 9, nr. 18 S. 1. Lud 16, 300. Bezemer, Volksdichtg.
S. 186. Renel, Madagascar 2, 7 nr. 58), oder von der Schneidersfrau,
die ihres Mannes Worte absichtlich mißversteht und statt
Faden Fladen, statt Zwirn Birn kauft (Wickram 3, 365 zu Roll-
wagenbüchlein o. 16. Bode, Vorlagen zum Wunderhorn 1909 S. 310.
Finkenritter 1913 S. 8. 20), oder von Ayrers Jan Posset (Dramen ed.
Keller 5, 2873. 2892), der seinem Herrn statt Schreibzeug Feuer-
zeug, statt Papier Bier, statt Tinten zu trinken bringt. Ähnlich Kica
8, nr. 38 S. 1. In einem slovakischen Schwank (Dobsinsky 4, 32
nr. 40; vgl. oben 2, 404) kauft der Mann eine Gans (husku) ein,
während die Frau einen Rock, sollte er auch eng (uzku) sein, ver-
langt hatte. Dasselbe Mißverständnis in klein- und großrussischen
Erzählungen (Etnogr. Zbirnyk 6, 70 nr. 203. Rudcenko 1, 176
nr. 65. 66. Ivanickij S. 203 nr. 37). Schon Theophrast, Characteres
c. 14 merkt solche Beispiele von Stumpfsinn oder Zerstreutheit
(dvaio^rjoia) an.
Auch die Streiche, welche die Schüler des indischen Guru
Paramartan in dem tamulischen Volksbuche (Oesterley, Zs. f. vgl.
Litgesch. 1, 48. 1887) ihrem Meister spielen, lassen sich vergleichen.
Es sind ihrer fünf, Dummkopf, Pinsel, Klotz, Tropf und Narr. Als
sie einmal mit dem Meister über einen Fluß gegangen sind, zählt
einer, und da er sich selbst nicht mitzählt, so bringt er nur fünf
heraus, und sie glauben, einer sei ertrunken. Ein Reisender gibt
jedem einen Schlag auf den Rücken und heißt sie zählen, da
kommen die sechse wieder zum Vorschein.1) Geradeso können die
*) Oesterley, Zs. 1,50. R. Köhler 1, 112. Grillenvertreiber 2, cap.
25 (1603. Finger in dicke Milch). Birlinger, Volkstümliches 1, 438 (Nasen
150 143. Up Reisen gohn.
im Kreise sitzenden Laienbürger ihre Beine nicht finden, bis
ihnen darauf geschlagen wird,1) und in Poggios Facetiae (1798 1, 63.
iSemerau 1905 nr. 55) vermißt der Bauer Mancinus einen seiner
Esel, weil er sich selber auf diesen gesetzt hat.2) Guru verliert
in Kuhfladen). Hauff en, Gottschee S. 119. Polsterer, Fuülitates 2, 14 nr. 2.
Müllenhof f S. 94 nr. 111 (Kopisch, Werke 1, 280). Wossidlo, Reuter S. 183.
Germania 26, 118. 27,231. Alemannia 13,174. Am Urquell 2, 192. 4, 181. Bl.f.
pomm. Volksk. 9, 52. Knoop, Hinterpommern S. 95 nr. 199. 200. 231. Jahn,
Volkssagen nr. 644. Cornelissen nr. 82. Teirlinck p. 128. Kristensen,
Molbohistorier nr. 105. Äberg nr. 359. Hazlitt, Shakespeares Jest-books
3, 12 (Gotham nr. 10) = Jacobs, EFT. 2, 209. Campbell2 2, 391 nr. 48.
Blade 3, 130 = Blümml S. 74. Sebillot, C. de la H. -Bretagne 1, 244.
Sebillot, Joy. hist. p. 19. Beauquier, Blasou pop. p. 112. Melusine 2, 466.
Revue des trad. pop. 1, 335. 8,383 nr. 44. 11, 650. 12, 491 nr.2. Wallonia
1, 120. 3, 152. 5, 103. Romania 9, 138. Ispirescu S. 105 (Magazin 96, 613).
Zs. Karadzic 2, 85. Kica 9, nr. 12, S. 2. Väclavek, Val. poh. 2, 57 nr. 10
(Nasen im Schnee). Böhm, Lettische M. nr. 35. Zbiör wiadom. 18, 258.
Lorentz, Teksty S. 19 nr. 47 (Nasen im Kuhfladen) = S. 627 nr. 360.
Aarnes Register nr. 1287. Wlislocki 1890 S. 402. Knowles, Kashmir
p. 322 nr. 2. Swynnerton p. 436. Clouston, Noodles p. 28. ZdmG. 36, 15.
1) Laiebuch 1597 c. 29 = 1914 S. 110 nach Schumann, Nacht-
büchlein 1559 c. 8 = 1893 S. 31; vgl. S. 391. Waldis, Esopus 4, nr. 90,
51. Zimmerische Chronik2 1, 315. Melander, Jocoseria 1604 1, 71 nr. 75.
Doctae nugae 1713 p. 66. Birlinger, Volkstümliches 1, 454. Keller, Schwaben
S. 144. Merkens 2, nr. 26. Strackerjan 2, 286 = 2. Aufl. 2, 429. Haas, Schnurren
S. 55. Germania 14, 390. 18, 179. Nyerup, Morskabsleesning S. 275.
Kristensen, Molbohistorier nr. 105. Jacobs, EFT. 2, 209 = Dähnhardt,
Schwanke S. 96 nr. 40. Campbell2 2, 401. Jacobs, CFT. 2, 104. Melusine
1, 150. 2, 8. 46. 3, 228. Blade 3, 136. Balladoro nr. 127. Rivista delle
trad. pop. ital. 1, 478. 596. Georgeakis-Pineau p. 116. Kica 9, nr. 12
S. 2. Lorentz, Teksty S. 227 nr. 303. S. 500 nr. 639. Veckenstedt,
Zamaiten 1, 48. Aarnes Register nr. 1288.
2) H. Sachs, Fabeln 4, 70 nr. 283 (1546). Schumann, Nachtbüchlein
nr. 24. Montanus, Gartengesellschaft nr. 70. Lehmann, Exilium melan-
choliae 1643 S. 127. Erk- Böhme, Liederhort nr. 148 a. Dt. Musenalmanach
1831, 324. Blümml, Beiträge zur Volksdichtung S. 149 nr. 28. J. Soet,
Clement Marot 1655 S. 59. Clucktboeck 1576 S. 133 = Groot Klugtboek
1680 S. 131. Mery tales and quicke answers 1567 nr. 60 (Hazlitt 1, 80).
Thresor des recreations 1611 p. 196. Moulinet, Facecieux devis 1612
p. 91. Balladoro p. 216. Pitre, Proverbi sie. 4, 366. Cervantes, Don
Quixote2,c.57. Abbott, Macedonian folklore p.292. Vuk Vrcevic, Pripovijetke
po najvise kratke S. 76 nr. 171. Krauss, Zigeunerhumor S. 202. Tordinac
S. 4. Sapkarev 8—9, 90 nr. 71. Cbrzanowski, Facecye Mik. Reja 1894
p. 339. Bar-Hebraeus, Stories ed. Budge 1897 p. 145 nr. 569. Hanauer,
Holy land p. 84. Wesselski, Nasreddin 1, 267 nr. 261. Decourdemanche,
143 a. Die Kinder in Hungersnot. 151
seinen Turban und ist unwillig, daß ihn die Schüler nicht auf-
gehoben haben ; man müsse alles aufheben, sagt er. Einer läuft
zurück, holt den Turban, findet aber auch einen Pferdeapfel, hebt
ihn auf und tut ihn in den Turban. Guru gibt den Schülern nun
ein Verzeichnis von dem, was sie aufheben sollen. Bald darauf
fällt er in eine Grube, und nun ziehen sie ihn nicht heraus, weil
er nicht im Verzeichnis steht, und er muß sich erst unten noch
darauf schreiben, gerade wie in Ayrers Jan Posset (Oesterley, Zs.
1, 54. Bei Pauli nr. 139 und H. Sachs, Schwanke 6, nr. 893 ist
die Frau an Stelle des Dieners getreten. Harten, Historien 1603
S. 70. Manderssen in Guarnas Bellum grammaticale ed. Bolte 1908
S. * 24. Vade-mecum f. lustige Leute 2, nr. 167. 1768. Langbein,
Gedichte 2, 161. Schmeller, Mundarten S. 442. Dykstra 1, 114.
Tallemant des Reaux, Historiettes 7, 507. Romania 11, 413. 14,
136. Archiv f. slav. Phil. 13, 399).
145 a. Die Kinder in Hungersnot.
(1815 nr. 57.)
Es war einmal eine Frau mit ihren zwei Töchtern in solche Armut
geraten, daß sie auch nicht ein Bißchen Brot mehr in den Mund zu
stecken hatten. Wie nun der Hunger bei ihnen so groß ward, daß die
Mutter ganz außer sich und in Verzweiflung geiiet, sprach sie zu der
ältesten: 'Ich muß dich töten, damit ich etwas zu essen habe.' Die
Tochter sagte: 'Ach liebe Mutter, schont meiner! Ich will ausgehen
und sehen, daß ich etwas zu essen kriege ohne Bettelei.' Da ging sie
aus, kam wieder und hatte ein Stückchen Brot mitgebracht, das aßen
sie miteinander ; es war aber zu wenig, um den Hunger zu stillen.
Darum hub die Mutter zur andern Tochter an: 'So mußt du daran.'
Sie antwortete aber: 'Ach liebe Mutter, schont meiner! Ich will gehen
und unbemerkt etwas zu essen anderswo ausbringen.' Da ging sie hin,
kam wieder und hatte zwei Stückchen Brot eingebracht, das aßen sie
miteinander; es war aber zu wenig, um den Hunger zu stillen.
Fables turques p. 199. Prym-Socin, Tür 'Abdin 2, 183. — In klein-
russischen Schwänken bei Hrincenko 1, 229 nr. 185 und Manzura S. 103
handelt sichs um das Zählen von Schafen und Rindern, in einer Er-
zählung von G. Kvitka-Osnovjanenko (Wisla 6, 273. Sumcov, Anekdoty
S. 43) um Kosaken, in einer galizischen Anekdote (Zbiör wiadom. 17,
305) um die Kleidungsstücke eines schlafen gehenden Dummlings.
152 144. Das Eselein.
Darum sprach die Mutter nach etlichen Stunden abermals zu
ihnen: 'Ihr müsset doch sterben, denn wir müssen sonst verschmachten.'
Darauf antworteten sie; 'Liebe Mutter, wir wollen uns niederlegen und
schlafen und nicht eher wieder aufstehen, als bis der jüngste Tag
kommt.' Da legten sie sich hin und schliefen einen tiefen Schlaf, aus
dem sie niemand erwecken konnte. Die Mutter aber ist weggekommen,
und weiß kein Mensch, wo sie geblieben ist.
J. Prätori us im Abenteuerlichen Glückstopf 1669 S. 191
gibt die Sage, wie er sie gehört hat. Die Mutter soll zu Grafelitz
über Eger in Böhmen gelebt haben. — Dazu stimmt das von
Wolf (Nid. Sagen 1843 nr. 163) nacherzählte vlämische Volks-
lied von den schlafenden Kindern zu Stockum ; vgl. Prudens
van Duyse, Het Klav erblad 1848 p. 13 'De hinderen van
Stockhem'. Von einer Mutter, die in einer Hungersnot ihre
sieben Kinder umbringt, erzählt das Lied vom unbarmherzigen
Junker 'Es war einmal ein große Stadt' (Erk-Böhme, Deutscher
Liederhort 1, 625 nr. 210; vgl. nr. 209 g und Das Land 6, 14. 1898).
Von der hartherzigen Schwester berichtet die Kinderlegende
'Gottes Speise' (unten nr. 205). — ■ Zu dem langen Schlafe der Kinder
vgl. R. Köhler 2, 240.
Im griechischen Märchen von Asterinos und Pulja (Hahn
nr. 1 = Pio p. -1 = Geldart p. 31), das sonst unserer nr. 11
'Brüderchen und Schwesterchen' entspricht, brät die Frau statt der
von der Katze gefressenen Taube ihre eigene Brust, und das
Menschenfleisch mundet ihrem Manne so gut, daß er seine eignen
Kinder fressen will. Ebenso serbokroatisch bei Nikolic 1, 128 und
Naselja srpskih zemaljä 3, 487 ; bulgarisch bei Sapkarev 8 — 9, 203
nr. 119 und Sbornik min. 3, 212. 4, 1 nr. 513; slovakisch bei
Skultety Dobsinsky S. 230 nr. 24 = 2. Aufl. S. 506 nr. 37, Czambel
S. 329 nr. 165, 0. Broch, Studien slovak.-kleinruss. S. 44 ; türkisch
im Jubil. Sbornik Miller S. 198 nr. 52; gagausisch bei Radioff 10,
159 nr. 92.
1856 s. 227. 144. Das Eselein.
1815 nr. 58. — Dem lateinischen Gedichte Asinarius nach-
erzählt, das J. Grimm 1814 in einer Straßburger Handschrift aus der
144. Das Eselein. 153
zweiten Hälfte des 15. Jahrh. aufgefunden hatte1). Über die Art der
Bearbeitung vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 45.
Ins Schwedische übersetzt als 'Prins Asna' (Stockholm 1823; vgl.
Bäckström, Sv. folkböcker 3, 50).
Mone, der 1839 das lateinische Gedicht aus einer Heidelberger
Handschrift abdruckte, schrieb es voreilig einem Brabanter Gotfridus
de Thenis (Tirlemont) zu, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahr-
hunderts [?] einen lateinischen 'Punctus' in Hexametern (Reineri
Phagifacetus ed. Jacob, Lübeck 1838 p. 31) verfaßte2); dieser sonst
völlig unbekannte Dichter sollte auch der Autor des Luparius,
Brunellus, Militarius, Rapularius, der Probra mulierum und des
Alexander magnus gewesen sein, nur aus dem Grunde, weil diese
Gedichte3) in derselben Sammelhandschrift wie der Punctus stehen.
Heut sind acht Handschriften des Asinarius bekannt:
A. München, Cod. lat. 4413, Bl. 60c-70b ohne Titel (früher in
Augsburg), 14. Jahrh. Es fehlen die Verse 118-120. 170. 333. 381-382.
Vgl. Catalogus codicum ms. bibliothecae reg. Monacensis 3, 2, 162 (1871).
— B. Heidelberg, Salmansweiler Hs. VIII. 29b, geschrieben 1462 von
Konrat Worheim, rector parvulorum parochialis ecclesiae Franckfordiae,
Bl. 18a— 23a. Vgl. Mone, Anzeiger 1834, 161 und seinen Abdruck des
Asinarius ebd. 1839, 551—561. — C. Straßburg, Ms. Johann. C 105,
bei der Belagerung 1870 verbrannt , J. Grimms Abschrift der Verse 1—60.
135-138. 179-182. 191—194. 309-313. 365-404 ist im Berliner Ms.
germ. qu. 923 erhalten. — D. Kopenhagen kgl. Bibliothek, Gamle kgl.
samling 4° 1634 (früher in Bordesholm), geschrieben um 1470. Vgl.
E. Voigt, Kl. lat. Denkmäler 1878 S. 6. — E. Breslau Universitäts-
bibliothek, Hs. IV. Q. 126, Bl. 18a- 28b, geschrieben 1475 in Krakau.
Ausgefallen sind die Verse 176, 262, 378. Vgl. E. Voigt 1878 S. 7. —
F. Berlin kgl. Bibliothek, Ms. lat. qu. 94, Bl. 238a, geschrieben 1475,
vielleicht in Leipzig. Enthält nur die Verse 380—404. Vgl. V. Rose,
Die latein. Hss. 2, 1257 nr. 989. — G. Krakau Universitätsbibliothek,
Hs. BB. IX. 9, S. 270—287, geschrieben 1491 nach S. 438. Es fehlen
1) Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus der Jugendzeit
1881 S. 343.
2) Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1834, 159 'Gotf rit
von Thienen'. Vgl. Histoire litt, de la France 24, 431. Biographie nat.
de Belgique 8, 146. Gröber, Grundriß der roman. Philologie 2, 1, 415. 383.
Zwei Hss. des Punctus liegen in Leiden.
8) Abgedruckt sind sie bei E. Voigt, Kleinere lateinische Denkmäler
der Tiersage 1878 S. 58. 81. Anzeiger 1834, 266 (Militarius). 1839, 561
(Rapularius; unten nr. 146). 1836, 199 (Probra mulierum).
154 144. Das Eselein.
die Verse 189, 200—250. Vgl. Wislocki, Katalog rekopisow bibl. uni-
wersytetu Jagiellonskiego 2, 535 nr. 2233 (1881). Klapper, Mitt. der
schles. Ges. f. Volkskunde 19, 29. — H. St. Petersburg kais. öff.
Bibliothek, aus der 1. Hälfte des 15. Jahrh., einst dem Johannes Johannis
de Slupcza clericus Gneznensis dioecesis gehörig, Bl. 214 a — 223a mit
polnischen Glossen. Vgl. A. Brückner, Die mittelalterliche lateinische
Poesie in Polen (Bozprawy Akad. Umiej Ser. 2, 1, 348).
Die Dichtung ist also spätestens im 14. Jahrhundert entstanden ;
ob in Frankreich oder den südlichen Niederlanden, bleibt vorläufig
ungewiß. Der nachfolgende Text beruht auf der Handschrift A mit
Hinzuziehung von B C E F GL
Asinarius.
Rex erat ignotae quondam regionis et urbis,
Et nomen regis pagina nulla tenet.
Is sibi consortem regni thalamique sodalem
Sortitus fuerat nobilitate parem.
5 Quos licet imperii maiestas alta bearet
Amplaque congeries nobilitaret opum,
His tarnen adversa partum Lucina negabat,
Gratis enim Veneris excoluere iocos.
Hinc dolor, hinc gemitus ambos vexabat, eo quod
10 Heredem regni non habuere sui.
Denique regina misero compassa marito
Talia multiplici voce frequenter ait:
'Quid facimus? nil proficimus, iam vivere taedet
Nocturnisque pudet saepe vacasse iocis.
15 Femina sum misera sterilique simillima terrae,
Quae sine spe messis semina iacta vorat.
Pertruso sacco iuste me comparo, qui, quod
Ore patente capit, hoc aliunde vomit.
Heu, quid nobilitas, quid opes, quid gloria regni
20 Prosunt, heredem si mihi fata negant!'
Continuis igitur precibus pia numina pulsans,
Vt mater hat, nocte dieque rogat-
Quod petit, assequitur, breviter fit mater aselli,
Eius enim partus pulcher asellus erat.
Lesarten.
1 quiclam A — urbe A — 2 Sed BCEG — regis nomen C — fabula BEG —
docet CEG — 3 Hie BEG — thalami regnique E — 5 Quem A — 7 lucluna A, natura
E — negarat C — 9 eoque B — II misera B — 12 Tali sint compari B, Tali sive pari
CEG — 13 nil] vel B, vel quid G — 14 Nocturnis A — piget BCEG — seque A —
ludis E — 15 sterili A, sceleri G — nee ulli sum placens ipsa E — 16 iaetat agricola
E — vorat] ferent A — 17 Pertuso C, Protruso E — quidquid A, qui quid C — 19
gratia B — 20 si] cum A — fesla B — 21 pulsant A, pulsat G — 23 quod fit mater
144. Das Eselein. 155
25 0 qualis partus, ubi femina gignifc asellum,
0 res miranda, plus miseranda tarnen!
Hoc fetu viso mater, quae plauserat ante
Se concepisse, nunc peperisse dolet.
Ergo non esse mater quam mater aselli
30 Mallet et, ut detur piscibus esca, rogat.
At rex comperto mandato matris iniquo:
'Absit', ait, 'monstrum non moriatur idem.
Non moriatur', ait, 'reginae filius, immo
Vt vivat iubeo filius iste meus.
35 Quem dedit heredem quisquis fuit ille deorum,
In solio regni rex erit ille mei,
Portabitque Caput eius diadema paternum,
Et debetur ei gloria tota patris.' —
Tunc iussu regis roulto nutritur amore,
40 Vtpote qui regis nobile pignus erat.
Proficit et crescit, aures extendit in altum,
Iam coepit iuvenis indolis esse bonae.
Iam patris in regno vocitatur et est domicellus,
Iam reverendo timet aulicus omnis eum,
45 Oppida iam gyrat, iam regni circuit urbes,
Iam delectatur lusibus atque iocis
Et citharoedorum mage delectatur in arte
Et, si sors faveat, discere gestit eam.
Ergo frequenter adit, quem noverat arte peritum,
50 Qui famosus erat arte magister in hac.
Quem sie aggreditur et verbis talibus usus :
'Esto magister', alt, 'o citharista, meus !
Artem, quam nosti, fac scire tuum domicellum,
Vt non inferior te sit in arte tua!'
55 Dixerat hie ista, respondit ad hoc citharista:
'Quid petis a servo, mi domicelle, tuo?
O rex, quid quaeris, quod non tibi competit? Eheu
Erras, deeiperis, irrita vota geris.
Discere nequaquam potes hanc artem, quoniam sunt
sed B, et fit mater sed CEG — 25 ut A — 27 fetu visio A, fato viro C, fetu E, facto
partu G — quem B — senserat A — 28 iam BEG, vel non C — 29 mater mallet A —
30 Valuit A — 30 iubet CEG — 32 lusserat ut A, Absit ait BCEG — ne A, quod CE
— morietur BC — 33 ait] idem B, item Mone — 37 Portabit A — diademata A —
primum A, supernum B, paterni C — 39 nimio BEG — nutritus BC — honore BCEG
— 41 attollit BCEG — 42 Et C — 43 regnavit et domicellus C — 44 reverende EG —
anglicus A, aditus BG, edilus E — 46 laudibus E, cantibus G — 47 Sed BEG — citha-
rorum AC — dilatatur C — 48 glisit A, quaerit B, gliscit EG — cani C — 49 ante B,
esse CEG — 50 erat] in hac BCEG — in tiac] erat BCEG — 51 aggrediens verbis est
Mone — 52 Est A — 54 sim A, sicut C — 55 hec B — ei A, ad hec EG — 57 quid-
quid A — arte A, ast heu B, eheu C, heu quid E, heu G — 58 Liras EG — 61 Et BC
156 144. Das Eselein.
60 Enormes digiti, nii domicelle, tui.
Ac si pace tua liceat mihi vera fateri,
Quod natura negat, tu domicelle petis.
Non potes absque manu citharae distinguere chordas,
Quae, puto, dissilient, si pede tangis eas.
65 More suo rudit asinus, nunquam bene ludit,
Sacciferi vox est ista caneutis ya.'
Dixerat hoc mimus, fremit et tabescit asellus
Et motum cordis vix domat ipse sui.
'Annon est,' inquit, 'mea linea sanguinis alti?
70 An nescis, quod sum rex dominusque tuus?
Vnde tibi verbi, nequam, praesumptio tanti,
Vt mihi tarn dure non vereare loqui?
Quid tibi, leccator, de me, quid, scurra, videtur?
Me forsan pignus imperiale negas?'
75 'Non,' ait ille, 'nego, scd nee, domicelle, negabo,
Immo te dominum credo scioque meum'.
'Ergo meis', inquit, 'praeeeptis promptus oboedi,
Si patris in regno vis habitare meü'
Mimus ad haec: 'Domine, mentis compesce furorem!
80 En ego praeeeptis pareo sponte tuis.'
PraeciDit ergo lyrae dulces citharista canores,
Ast asinus docilis concinit arte pari;
Tempore nempe brevi tantum profecit in arte,
Vt doctore suo doctior ipse foret.
85 Nunc mimi more satis arguto canit ore,
Nun parat informi pollice dulce melos.
Cumque die quadam spatiando cireuit amnes,
Deformem voltum prodidit unda sibi.
Dum caput et capitis aures considerat, inquit:
90 'Pape, nimis miror, forma quid ista velit.'
Luminibusque suis percurrens crura pedesque
Respicit, et corpus displicet omne sibi.
Infrendens igitur furiis agitatur iniquis,
Talia blasphemo sibilat ore sibi:
— 62 tu] hoc BCEG — 63 pote A — 64 dissimilet A, dissimilent EG — 66 isla] orta
B, seva G — canoris A, caventer B — eya A, valde B, raro EG — 67 fremit mimus A,
mimus tremit B, nimium fremit E, nimium furit G — tabescit] lies tumescit ? — 68 inquis A
— mihi BEG — 71 nequam verbi BEG — 72 Et B — tibi A — velis arte A — 73 lecartor B
— 76 sociumque A — 77 semper A — 79 Servus BEG — adest A — lyra] fehlt A —
81 citherea A — tenores EG — 82 animo docili A — 83 nam parvo multum BEG — 85
mimus A — 86 Nunc et in B — deformi A — dulces B — 88 unda] ipse B — 89 et]
fehlt A — 91 In membrre A — 92 suum B — 93 lnfremens B — 94 plasphemans A —
144. Das Eselein. 157
9B 'Vix assem nieruit, quisquis fuit iste deorum,
Qai me compegit, qui dedit esse mihi.
Numquid asellus ego potiar diademate regis?
Num dici potero rex et asellus ego ?
Absit, ut hanc asini frontem diadema Coronet,
100 Nee saetas asini purpura munda tegat.
Ergo bulla meo non pendeat aurea collo,
Non decet hanc, fateor, aurea virga manum.
Heu, patre defuneto regni privabor honore,
Cogor praeterea multa molesta pati.
105 Est igitur melius, ut vivo patre recedam,
Ne post expellat me violenta manus.' —
Conveniens igitur de servis omnibus unum,
Cuius prodiderant experimenta fidem,
Huic exponebat, animo quaecumque gerebat,
110 Huncque suae comitem praeeipit esse viae.
Annuit ille suo dans assensum domicello
Iureque iurando ferre fatetur opem.
Musica tunc asinus imponens vasa ministro
Nocteque cum bipede quadrupes intrat iter,
115 Contiguique maris veniunt ad litus, et ecce
Navis adest. Metces nautica rite datur,
Carbasa tenduntur, sulcantur terga profundi
Cymbaque ventorum prosperitate volat.
Nauta refert: 'Iuvenem regem tantum quia duxi,
120 Sufficiet, domine, gloria tanta mihi.'
Immensoque mari longe lateque vagari
Coepit et effugii quaerit in orbe locum.
Extremos tandem libet orbis visere fines,
Phoebus ubi fessos in mare mergit equos,
125 Rex quidam regni caput exaltarat ibidem,
Virtutum clarus stemmate, clarus avis.
Huic, ut faraa docet, fuit unica filia tantum,
Heres praeter eam non fuit alter ei.
Si fortuna iuvet, si fata sinant, pater ipäam
180 Heredem regni sanxerat esse sui.
95 assem] esse G — 97 Quidquid A — ego] ait B — pacior dyademata A — 98 Non
B, Ac EG — 99 frontem asini A — 100 und 102 sind in BEG vertauscht — 100 aures A
■ — 101 pendat A, pendet B — aureo A — 102 hec A — 104 propterea B — 106 Quam
EG — me] fehlt B — 107 Convenit ergo mihi A — unus A — 109 exponebant A —
110 suum comitem praeeepit A — 115 mari A — ante A — 116 nataque A, navita B —
petit A — 117 submergunt A — 118—120 fehlen in A — 120 gracia G — 121 Emen-
soque B, Emersoque EG — 124 mersit B — 125 exaHavit EG — 126 Vir tantum A —
plenus C, carus EG — avis] erat BCEG — 129 iuvat AB — volunt A — pater] ut G
158 144. Das Eselein.
Virgo puellares ea iam compleverat annos,
Iam dederant teneros membra pudica pilos,
Vbera mammarum dederant iam Signa, quod ipsa
Vix queat absque viro sola cubare toro.
135 Cum veniens asinus regalem pergit ad aalam,
Clamitat et pulsat sicque locutus ait:
'Ianua pandatur, peregrinus ut ingrediatur!
Hospes prae foribus est. Aperite fores!'
Ianitor audito strepitu pulsantis aselli:
140 'Quid clamas,' inquit, 'tu quis es, unde venis?
Sic importune quid regis ad ostia pulsas?
Cur tanta valvas improbitate feris ?'
Eespondens asinus: 'Aperi velociter,' inquit,
'Prae foribus certe mimus honestus adest.'
145 Haec ubi dicta dedit, citharam pede tangere coepit
Et patulo dulce concinit ore melos.
Ianitor ut dulcem concentum percipit aure,
Prosilit, ut videat, quis Sit hie et quid agat,
Personamque videns rudis et deformis aselli
150 Hunc tarn composite psallere posse stupet.
Et miratus liomo penetrat penetralia regis
Prodere, quae vidit, prodigiosa volens.
Tunc ait: 'Ecce novi quiddam, rex inclite, venit,
Et si nosse velis, insinuabo tibi.
155 Stat foris ante fores mimus rarissimus', inquit,
'Rarior, ut credo, non erit alter eo.
Hie rarus mimus, o rex, est foedus asellus,
Qni psallit citliara, psallit et ore simul.
Hie petit introitum; si rex inbet, ingrediatur.'
160 Et rex respondens: 'Ingrediatur', ait.
Tunc mimus chordas asinino pollice tangens
Ingreditur modulos artieulando novos.
Hunc rex intuitus in risum laxat babenas
Et tanti risus fit modus absque modo.
— illam E — 131 und 133 sind in B vertauscht — 131 dum iam BEG, ut quae Mone
— 132 teneros] revera B, vere Mone — pudenda BEG — crines G — 133 viam mortui)
B, iamque viam Mone — ipsa] pubis Mone — 135 Hinc BE, Huc G — reginae tendit
C — 136 Clamat A — 140 Quid facis E — 141 inopportuno A — quid] fehlt A —
curianuasA — ad] fehlt B — 142 Cum A — validos A — importunitate G — fores A
— 145 Hunc ubi tunc videt A — 146 dulces A, dulei B — 148 et unde vadat A —
149 et] fehlt A — assellus A — 151 Nil quoque miratus A — miratur E — 152 Pro-
videre rara A — quod B — viderat BEG — 153 O rex ecce G — novus A, venit B —
quidam A, quoddam EG — rex in civitate A — novi BG, troni E — 154 Quod BEG
— 157 gnarus A — 159 iubes ingredietur E — 160 respondet B — 161 asinus G —
a summo BE — pulsans BEG — 163 Tunc A, Quem BEG — an risu B — 165 videns
144. Das Eselein. 159
165 Ac regina suo ridens ridente marito
Nil risu poterat impediente loqui.
Omnis condicio iuvenum senumque cachinnat,
Perstrepit et risu curia tota sonat.
Dum sie exsultant omnes et ludit asellus,
170 Clauditur interea sole ruente dies.
Legitimo cuisu regalis cena paratur,
Consedit castris diseubitura cohors.
Hex et regina regali sede locantur,
Discumbit matris filia pene latus.
175 lüde locantur et hi, quos militiae chlamys ambit,
Hinc servi resident inferiore loco.
Accedens igitur ex officialibus unus
Cum servis asinum iussit babere locum.
'Absit', asellus ait, 'ut sim conviva clientum,
180 Non bene servilis congruit ordo mibi.
Non sum vulgaris asinus nee sum stabularis,
Vrbana potius nobilitate te^or.'
'Visne,' minister ait, 'cum militibus sociari?'
'Absit', asellus ait, 'nee locus iste placet.
185 Hactenus absque mora me regia mensa sodalem
Extulit et largas praebuit illa dapes.'
'Quid tibi vis faciam?' dapifer l'espondet asello.
'Vt socier mensae regis,' asellus ait.
Qnod rex comperiens ait: 'Huc accedat asellus!'
190 Qui subito regis voce vocatus adest.
Tunc rex subridens ioculariter ore sereno
Dixit: 'Aselle, placet filia nostra tibi?'
Protinus attollens asinus caput in domicellam
Dirigit obtutus sieque locutus ait:
195 'Pape, quid inquiris, o rex, quid nosse laboras?
Cur non deberet ista placere mihi?
Immo placet, placet illa mihi, multum placet, inquam.
Ferreus est certe, cui placet ista nihil.
Candida delectat facies permixta rubore,
EG — riden A — 166 Nee A — praepedienle B, perpediente E — 167 bannizat A —
168 et] ex E — ridet aulaque tola pari A — paret B, sonat Mone — 169 et] quoque
B, quia CG, quos Mone, luditque E — 171 Digno modo A, De solito G — 172 Confluit
in castra BEG — 174 penes E — 175 locant alios B — ornat BEG — 179 non sum
BEG — 180 convenit BCEG — 181 nee] non CEG — sum] fehlt A — 182 regor BEG
— 185 modo E — sedem A — 186 lares A — 188 Sorcior ut A, Potiar ut B, Socier
ut E, Sortiar ut G, Vt potiar Mone — mense AEG — 189 Hoc E — 191 Cui C —
iocierans A, ioculanter C, iocanter E, ioealiter G — 194 Erigit intuitus A, Et tutus obli-
quos C, Dirigit obtuitus EG — 195 quidem inquit A — 197 Primo BC — multum placet
mihi et A — inquit EG — 198 Fatuus G — 199 colore A — 201 cervix] fehlt A —
160 144. Das Eselein.
200 Ac si contemplor lilia mixta rosis,
Caesariesque placet, delectat eburnea cervix
Et corpus fateor omne placere mihi.'
'Vis fore,' rex inquit, 'huius conviva puellae?'
Cui mox respondens exsul asellus ait:
205 'Hoc placet, hoc, inquam, cor aselli pauperis äuget,
Congruit haec sedes et locus iste mihi;
Hie contentus ero, si convescar domicellae,
Hoc mihi sufiieiens pondus honoris erit.'
'Vt placet', inquit rex, 'esto conviva puellae,
210 Escaque, praeeipio, vos eibet una dnos.'
'O rex, iure tibi regratior,' inquit asellus,
'Quod cedit per te gloria tanta mihi.'
Ascendensque gradum sedem sortitur in alto,
Convivamque locat hunc domicella sibi.
215 Inter cenandum bene servit asellus eidem
Comminuens panem collyridasque seeans.
Ipse scyphos paterasque levans offert bibiturae
Et mensale tenet, dum domicella bibit.
Singula quid memorem ? Breviter simul omnia tangam :
220 Omnia composite doctus asellus agit.
Nonnihil ergo suus placuit conviva puellae,
Sed, ni fallor, adhuc plus placiturus erit.
Discumbendo placet, plus coneumbendo placebit,
Huic dum dilecto nupserit illa viro.
225 Regem praeterea probitas delectat aselli,
Is quia plus asino morigeratus erat.
Hunc quoque militia laudum rumoribus eifert,
Et dignura laude praedicat ampla polis.
Cumque moras aliquas exsul fecisset ibidem,
230 Cogitat ad patrios velle redire lares.
Irrumpens igitur tristis penetralia regis
Demisso capite taliter orsus erat:
'Dulcius exsilio solet esse solum genitale,
Quaeque placent aliis, dico placere mihi.
235 Si salva pace mihi detur copia fandi
Enseque praecineto, rex, tibi dico vale.'
Ad quem rex inquit: 'Divortia nulla supersunt,
Nee dirimi patiar nos nisi Sorte necis.
205 nunquam E — angit A, urget BE — 210 habet BC — 213 sede A — alta A —
215 cenantes A — 216 Convivans A, Comminuensque B, Cominuansque E — dapes E
— tollit et usque secat A — calidas atque E — 217 ciphum preparans offert bibiture
puellae A — 218 cum BEG — 220 sicut AE — egit AE — 222 nisi BEG — 223 ex-
cumbendo A — 224 Uli A, Hec cum E — si nupserit A — marito A, iure B — 226 Hie
BE — 227 militiae B — offert A — 228 tandem A — polus A — 229 aliquis A — 231
ergo BE — 232 Dimisso A — talibus usus ait BE — 234 Quodque placet eunetis BE
— 235 detur mihi BE — 236 Nunc in praesenti B, En In praesenti E — 238 durum A
144. Das Eseleiu. 161
Pono Iovem testem, quod nulla licentia restat
240 Discidiique datur copia nulla tibi.
Non es tu, fili, nostro contentus honore?
Non es contentus filius esse meus?
Die, fili, quid obest, cur tristis et unde doloris
Pdvulus iste scatet ? Dicito, quaeso, mihi !
245 Non eris hie exsul nee iani reputaberis hospes
Nee debes cive quolibet esse minor.
Congeriemque boni cuiuslibet aeris habebis,
Haec sine mensura metior hercle tibi.
Num vestes vel equos aut cetera talia quaeris,
250 Quae sitit et quaerit deliciosus homo?
Testor ego superos et cetera numina ruris,
Si placet, et regnum dimidiabo tibi.'
Pollicitis asinus nequaquam flectitur istis,
Omnia natalis sprevit amore soli.
255 'Vna tibi,' rex inquit, 'adhuc datur optio, fili;
Quam si respueris, semper asellus eris.
Vis, ut nostra tuas tibi filia detur in ulnas,
Tecum nocturnis ut vacet ipsa iocis ?'
Tunc velut evigilans de somno clamat asellus:
260 'Ista placet, fateor, pactio sola mihi,
Iste mihi finis maeroris et anxietatis,
Ianua laetitiae, porta salutis erit.
Si factis tua dieta probes, o maxime regum,
Dicere tunc potero, quod Iove maior ero.
265 Iuppiter in caelis Iunone sua potiatur,
Sufficit in terris regia virgo mihi.
Sint tua, qnae tua sunt, o rex, tibi euneta reserves,
Virgo mihi detur, nil peto praeter eam.
Hac contentus ero dumtaxat virgine sola
270 Nee querar exsilium, rex reverende, meum.
Haec mihi sit patria, Sit honor, sit gloria regni,
Iam quoque sufficiens massa mihi sit opum.
Respondi tibi, rex, quod in hoc retinebis amicum;
Tantum dignare tu socer esse meus !'
275 Advocat ergo suam maiestas regia natam ;
Paret, adest illa, rexque paterque rogat:
— 241 tu] mi BE. — 243 cur abeis A, quid abest E — et] fehlt A — 244 Stimulus B —
cadat B — 245 hie hospes B, hospes E — reputaveris exsul BE — 246 Non a me E —
certe A — miser A, poteris E — 247 boni fili A, filii B, sitis fili E — habebis] fehlt AE —
248 Hoc E — heirte A, aera B, ercle E — 249 Dum A — 251 enim A — omnia E —
252 SicupisEG — 254 spernit EG — 255 sibi A — 257 Visne B — sulcias B — 259
quasi A — a sumpno A — 260 Haec mihi haec B, Haec placet et EG — 263 dederis A
— notes G — divum B — 264 nunc A — poteris B — 265 societur B — 267 Sunt AE —
tibi BEG — 268 decus B — 269 dumtaxat] contentus G — 270 queror A,. curo G —
273 Quam tibi despondi, rex inquit, habebis amicam BEG — 274 gener BEG — 276
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 11
162 144. Das Eselein.
'Tune viro iuveni vis nubere, filia regis?
Si vis, huic ergo, filia, nube viro!'
Virgo suo more faciem suffusa rubore
280 Patris ad lxanc vocem lumin a flectit humo
Nilque locuta brevi secum deliberat hora,
Quid respondere debeat ipsa patri,
Tandem prorumpens orisque repagula laxans :
'Expedit, ut patris iussio fiat,' ait.
285 'Non mea, sed patris fiat decreta voluntas;
Mi pater, ex voto pendeo tota tuo.
Cui me vovisti, sum, si vis, ipsius uxor,
Sis socer ipsius, Sit gener ipse tuus.'
Tunc asino gaudens rex inquit: 'Habeto puellam,
290 Vt sis sponsus ei, sponsa sit ipsa tibi !'
Suscipiens asinus patre comitante puellam,
Instituit celebrem rexque generque diem.
Tunc polis ornatur tantoque nitescit honore,
Vt placeat plane plus polis ipsa polo.
295 Confluit instar apum mimorum magna caterva,
Desudat quisquis doctus in arte sua.
Crura levans sursum suspensa caputque deoisum
Ambulat, atque manus dat pedis officium.
Post invitatur plebs et pransura locatur,
300 Fit quoque laetitiae baiula tota dies.
Cumque soporiferam clarus daret Hesperus horam,
Qua Veneri licitae femina virque vacant,
Virginis intrepidus tlialamum tunc intrat asellus,
Vt tenerae sponsae mulceat ipse sinum.
305 Ergo subit tlialamum dilectae virginis, in quo
Lumina sunt posita rege iubente duo;
Vt videat, quid agant hie asellus et haec domicella,
Sub velo servus nocte locatus erat.
Omnibus egressis, cum nullus adesse putatur,
310 Munitur vectis obice valva domus.
Parat ad haec A — 279 Ergo suo mala B, Ergo suam virgo C — facie AEG — 282
responderi delectat A — 283 operisque A — 285 liberata AB, liberta E, libera G —
288 illius BEG — ille B — 289 dixit B — 291 Sufficiens A — patrem B — convivante
A — 292 celebrem] diem A — paterque BEG — suus A — 293 tanto BG — 294 pape
B, pene tunc E, plene G — placet ipse polo A — 295 Concinit B, Constitit E, Constat
G — opum BG — 297 Levat caput A, llluviam pedes B, Crura pedes E, Muria suspensa
pedes G, llle pedes Mone — suspendit pedes A, suspensus caputque B, erigensque
caputque Mone — 299 tota ad pransa A — vocatur G — 300 die AB — 301 Postquam
somniferam A — satyrus B, satis EG, satyri Mone — dabat A — 302 licita B — 302
vacat A — 303 intrepidum A — 304 sponsae teneris B, sponte tenerum E, sponsam
teneram G — sue A, suum E, suam G — 305 immo A, aulam E — 307 agat B — 308
Post velum BEG — velatus A — adest EG — 309 probatur B — 310 noctis obice
144. Das Eselein. 163
Extemplo sponsus asininum ponit amictum
Et posita veteri pelle novus fit homo.
Virgo videns hominis formosi nobile corpus,
Cuius tunc asini turpis iinago fuit,
315 Mox incredibilem sponsi mirata decorem
In laquenm Veneris praecipitata ruit.
Tunc simul ambo suis stringunt sua colla lacertis
Et sua concedunt oribus ora suis.
Protinus in lectum salit hie sequiturque puella;
320 Quod sequitur, norunt, novit et ipse torus.
Nee reor omnino custodem posse latere,
Qui qaalesque ioci nocte geruntur ea.
Ille cupidineum pro tempore temperat aestum,
Vxorisque vices exhibet illa viro.
325 Dumque redit pulsis rutilans Aurora fugatis,
E gremio sponsae prosilit ille suae,
lüde revestitur asinino rursus amictu
Et fit a&ellus idem, sicut et ante fuit.
Mane pater veniens pulsansque fores ait: 'Eia,
330 Prae foribus pater est. Filia, pande fores!'
Illa seras laxans festina patremque salutans:
'O bene venisti, mi pater,' inquit, 'ave !
O pater, innumeras merito refero tibi grates,
Quod nupsi caro te mediante viro.'
335 'Estne tibi carus,' inquit pater, 'iste maritus?'
Tunc hilari voltu sie ait illa patri:
'In toto mundo non est mihi carior isto,
Et toto vere diligo corde virum.'
Non tarnen insinuat, quae sit persona mariti
340 Quodque sub informi pelle latei-et homo.
Dum mora parva foret, natam generumque relinquens
Ipse vale facto surgit abitque foras.
Impiger insequitur regis vestigia servus,
Qui sub cortina nocte cubabat ea,
ianua G — 311 deponit BC — 312 Deposita B, Exuta C — fit novus A — 313 formari
E, fore G — 314 tunc] iam ABG, tarn E — pridem BEG — 315 impossibilem A —
mutata A, gavisa E — 316 fuit B — 317 iungunt E — 318 contendans A, contendunt
EG — moribus A — 319 hie] fehlt A — 320 ipsa choors A — 321 custodem] fehlt
BED — posse latere laborem B, fuisse latere labore E, posse carere iabore G — 322
Quin quales A, Qualescunque B — gerantur B — ibi BEG — 323 Illa B — caput
iuvenis A, cupide meum B, viri cupide Mone, cupidinem G — cepit honeste A, temperat
esca G — 324 vires A — 325 venit G — 327 Atque Mone — vestitur A — 328 item
Mone — 329 pulsans ait ejaque fores B — ecce C — 330 est pater A — 331 fores AE —
festive B, festinans G — salutat A — 332 ei BEG — 333 referam B — 335 Nunc tibi
sit A — quaerit B — 336 ipse A — pater B — 337 illo BEG, ullus Mone — 340 sub-
formi A — latere A — 344 quod A — post curtinam BG — cubaret AEG, curabat B,
11*
164 144. Das Eselein.
345 Quem rex nocturnum vigilem decreverat esse,
Vt specularetur, hie quid et haec facereut.
Ergo quod audierat, quae viderat, expositnrus
Instillat regis auribus ista sui:
'0 rex invicte, rex inclite, rex venerande,
350 Dignanter servi pereipe verba tui!
Praeterita nocte sub cortina reeubanti
Res est visa mibi prodigiosa satis.
Cum gener iste tuus se solum tempore noctis
Coniuge cum sola crederet esse sua,
355 Ilico nudatur asinini velleris usu,
Tunc datur effigies imperialis ei.
Quid referam, domine, quae gesserit illa vel ille!
Quos Veneri tota nocte vacasse scias.
Cumque vale faceret sponsus sponsae Venerique,
360 Eursus amicitur pelle priore sua.
Nunc age, mi domine, si vis, quod suggero, nosse,
En ea Ventura nocte probare potes.
Hac igitur nocte thalamum secretius intra,
In quo pausabunt nata generque tuus,
365 Et quando reperis asininum vellus ibidem,
Ipsum clam genero subtrahe, trade f oco !
Cumque togam turpem fervens assumpserit ignis,
Ille manebit liomo mortis ad usque diem.'
Rex: 'Ita fiat', ait, 'quod suades, nocte probabo;
370 Forte, quod optavi, nox dabit ista milii.' —
Rex igitur thalamum sub opacae tempore noctis
Intrat, et ecce torum nata generque premunt.
Et quod post Venerem mos est obrepere somnum,
Oppressi fuerant ambo sopore gravi.
375 Leniter incedens rex appropriansque cubili
Formosum corpus cernit inesse toro;
Cui mox exuvias asinini velleris aufert
latebat Mone — ibi EG — 346 quid facerent hie et haec BE — 347 Ergo quid A, Ergo
quae BEG, Is quaeque Mone — quae] et BG — 349 generöse BG, gloriose E — 351
cubitanti BEG — 352 ista A — 353 solus A — 354 credidit A — 356 Et BEG — 357
quid B — gesserat A — 358 veneris A — 360 priori sue A — 361 mi] fehlt A — quod]
tibi A — 362 Ipse hac Mone — probare potes] fehlt B, videre velis Mone — 363 Hac
igitur nocte AEG, fehlt B, Tu modo sponsorum C — 364 pulsabunt A, pulsabit E — 365 En
A — dum repperies BE, dum reppereris C — vellusque A — eidem C — 366 Ipsam A,
Pellem B — 367 Cum pellem A — vehemens consumpserit BCEG — 369 ait ita fiat A
— 370 illa B — 371 ergo B, vero E — ocaci A, opaco BE, optato G — 372 petunt
A, premit BG — 373 Et quia CE, Quos quia Mone — mox coepit B — abrumpere A,
premere B, obrumpere C, surripere E, obrepuere G, prendere Mone — somnus B,
soporem G — 375 intendens A, accedens CE — aperiensque cubile A — 376 corpus A,
cernens BEG, cernit C — aceubitare BEG, aecumbere C — toro] virum BCEG — 377
144. Das Eselein. 165
Et genero minime comperiente fugit
Fornacemque iubet accendi fomite multo,
380 In qua fit peius rege iubente cinis.
B.ex quoque nosse volens, quid facturus foret ille,
Nocte manet tota pervigil ante fores.
Ergo gener mane surgens somno satiatus
Pelle volens asini sicut et ante tegi,
385 Quam non inveniens multo stimulante dolore
De sola coepit anxius esse fuga
Egrediturque foras. Sed rex foris obstat aitque:
'Quo properas, fili? Quid pateris, quid habes?
Omnino certe cassabitur ista voluntas
390 Atque tuum penitus impedietur iter.
Subtracta pelle tu nolo queraris aselli,
Cum sis formosus et bene comptus bomo.
Me vivente meum modo regnum divido tecum,
Post mea tu totum funera solus babe.'
395 Cui gener: 'Ista liberjs faciam tecumque manebo,
Et precor, ut finem dent bona coepta bonum.'
Ergo bipartitur res publica, portio semis
Offertur genero, pars manet una socro.
His ita patratis nondum rota volvitur anui,
400 Cum rex emeritus occidit ense necis.
Tumque Neoptolemus regni monarcha creatur,
Solus enim regnum vindicat omne sibi.
Idem praeterea patris sortitur bonorem
Sicque regit regum rex duo regna duum.
Qui BEG — In EG folgt: Mox impleturus consilium famuli — 379 accendere fodit in
illam B — 380 sit B — vellus A — 383 surgens mane A — surgit C — nocte B, ludo
Mone — 384 Vcllere F — 385 Qui A, Quod E — cruciatus multo dolore B, multo
dolore repletur EFG, maeret magnoque dolore Mone — pudore A — 387 astat E —
389 En modo EG, Cui modo F — 391 Subtractam pellem B — tu] fehlt ABCEFG —
voceris A, conqueraris B, claudaris C, censeris E, casseris FG — asellus AE, aselle FG
— 392 Dum A — natus C — 393 Me manente A, Vis manere B, Visne manere Mone
— mecum meum A, mecum rex modo B, meum tecum modo C, meum totum modo FG
— 395 inquit ita faciam BCE — 396 copia mea A, cepta opera F — In E folgt: Post
mortemque meam fiant omnia tua — 397 Sicque C — bipartita BCG — semis A, regni
BEG, regis C — 398 sibi A, seni BC, socro EFG — 399 ita praeteritis A, bipartitis B,
iam finitis E, finitis FG — 400 immeriti A, decrepitus C am Rande — Die Verse 401 f.
folgen in A auf 403 f. — 401 Tunc A, Cumque C — paratur C, vocatur F — 402 ist
in A durch drei ungefüge Zeilen ersetzt: Et regit sceptra terre regnique sui, Et illud
regnum regit sua magna potestate, Vsque finierat tempore vite sue — omne] ipse E, esse
FG — 403 Cuius A, Posthaec C — 404 Hicque A, Qui B, Atque Mone — nempe A,
regnum EFG — Unterschrift: Explicit A; Explicit liber dictus Asinarius vel Diadema
B; Explicit Asinarius deo gratias C; Item iste Asinarius est finitus nee non scriptus in
Cracovia per Georgium Schleyffir de Brega filium carnificis, qui ipsum terminavit in
ieiunio feria sexta ante palmarum anno domini MCCCCLXXV. Et cetera rinthfleysch etc.
E; Explicit Asinarius poeta foeliciter 1475 F; Explicit Asinarius poeta G.
166 144. Das Eselein.
Das breit, doch nicht ungefällig erzählte Märchen *) ist bereits
oben 2, 234 in der ersten Gruppe des Tierbräutigam- Kreises
angeführt worden. Gleich 'Hans mein Igel' (nr. 108) ist der Held,
dessen Eltern sich lange vergeblich ein Kind gewünscht hatten, als
Tier geboren2) und zieht allein aus, sich eine Braut zu holen. Daß
er gerade durch sein Lautenspiel Beifall und Gunst findet, mahnt
an die in mittelalterlichen Holzschnitzereien und Miniaturen häufig
auftretende Figur des musizierenden Esels,3) an das Lied von
unmöglichen Dingen : 'Der Esel wird die Laute schlagen' (Erk-
Böhme, Liederhort nr. 1108; ebenso Eyring, Proverbiorum copia 1,
282. 446) und an Sprichwörter wie: 'Welcher Esel nicht kann Lauten
(Pauken) schlagen, muß die Sack zur Mühle tragen'; 'Was tut der
Esel mit der Sackpfeifen.'4) Die Erzählung wendet sich bald zur
fröhlichen Lösung, da aus der Belauschung des nächtlichen Geheim-
nisses keine Störung des ehelichen Glückes erfolgt, wie in den
Märchen von Amor und Psyche, Melusine, dem Schwanenritter u. a.
Während Hans mein Igel bei der Verbrennung des Felles kohl-
schwarz wird und geheilt werden muß, will hier der Jüngling von
Schmerzen gequält zwar entfliehen, wird aber durch den Schwieger-
vater bald beruhigt. — Über ein indisches Märchen, welches
unserm ganz nahe kommt, vgl. oben 2, 240.
1) Die kecke Art, wie der Esel einen Platz am Tische des Königs
fordert und neben die Königstochter gesetzt wird, hat vermutlich G.
Freyta^ (Das Nest der Zaunkönige 1873 S. 59) bei seiner Schilderung
von Immos Aufnahme beim Grafen Gerhard vorgeschwebt.
2) Also nicht wie der Krautesel (nr. 122) durch eine Hexe verwandelt.
3) Vgl. Wickram, Werke 4, IX. 8, 347. Auf einem Hamburger
Grabstein ist ein Dudelsack spielender Esel dargestellt (Niedersachsen
16, 468. 1911). Schon im Altertum galt der Esel als ganz unmusikalisch ;
Lucian, Dialogi meretricii c. 14 p. 321: ÖVOC, CtVToZvQt^CüV. Paroemio-
graphi ed. Leutsch 2, 193 nr. 39: övog XvQl^üiV. 1, 291 nr. 33 övog
ÄVQCtg dxov(t)V. Erasmus, Adagia 1599 S. 825. Vgl. auch Zs. f. Volks-
kunde 13, 221 und Mones Anzeiger 1839, 560 (zwei Meisterlieder).
4) Wander, Sprichwörterlexikon 1, 858 nr. 97. 382 f. 524 f. 547.
593. — Cechisch aus dem 16. Jahrh. : 'als ob er einen Narren auf Eier
setzte oder einen Esel zur Geige' (Flajshans, Pfislovi 2, 57) und noch
jetzt: 'er versteht davon soviel wie der Esel von der Harfe und die
Henne vom Bier' (Celakovsky, Mudroslovi S. 562). Polnisch bei Pej im
Wizerunek 1558: 'der Esel möge Spreu fressen, aber die Laute in Ruhe
lassen' und bei Petrycy Sebastjan, Acht Bücher der Politik des Aristoteles
1605: 'Es ist vergeblich, den Esel zur Laute zu zwingen' (Adalberg,
Ksi^ga prz3Tslöw S. 363). Litauisch: Scheu-Kurschat S. 261 nr. 17.
145. Der undankbare Sohn. 167
145. Der undankbare Sohn. isse s 223.
1815 nr. 59 = 1819 nr. 145. Nach Job.. Paulis Schimpf und
Ernst 1522 cap. 437 (ed. Oesterley 1866). Ganz in der Art wie
Großvater und Enkel (oben 2, 135), der zarten Kindheit vor allem
naheliegend.
Schon im 13. Jahrhundert erzählt der Dominikaner Etienne
de Bourbon (Anecdotes historiques ed. Lecoy de la Marche 1877
nr. 163) die Geschichte als nicht lange zuvor zu Chinon geschehen;
erst nach einer Pilgerfahrt ins heilige Land sei die Kröte von dem
undankbaren Sohne abgefallen. Nach seinem Ordensgenossen
Thomas von Cantimpre (Bonum universale de apibus 2, 7, 4 =
R. Köhler 1, 473. Büsching in F. Schlegels Deutschem Museum 4,
82.1813. Kaufmann, Thomas von Chantimpre 1899 S. 131. W.vanderVet,
Het bienboec van Tho. van Cantimpre 1902 S. 311), der sich gleich-
falls auf einen Augenzeugen beruft, lebte der Sohn in der Normandie
und in Paris und ward erst nach Jahren durch Fürbitte der Heiligen
der Kröte ledig. Der Cisterzienser Cäsar ius von Heisterbach
(Dialogus miraculorum 6, c. 22 ed. Strange 1851 = Wolf, DMS.
nr. 35 = Annalen des hist. V. f. den Niederrhein 47, 175. Homiliae
1, 141. Schönbacb, Wiener SB. 163, 1, 22) berichtet einen ähnlichen
Fall aus dem Mosellande; der undankbare Sohn, welcher Heinrich
heißt, läßt, als seine bedürftige Mutter kommt, das Huhn durch den
Knecht in der Truhe verbergen ; dieses verwandelt sich in eine
Schlange, die sich um seinen Hals ringelt; um sie los zu werden,
läßt er sich zu verschiedenen Kirchen fahren, und seine Mutter, der
Kränkung vergessend, geleitet ihn. — Vgl. Speculum exemplorum
1487 dist. 5, 34 (nach Thomas). *Herolt, De eruditione Christi
fidelium, de quarto praeeepto (Thomas). Klapper, Erzählungen des
Mittelalters 1914 nr. 142 (in dyocesi Rothoraagensi). Catalogue of
romances in the dep. of ms. in the British museum 3, 545 nr. 58.
3, 600 nr. 23. Vincentius Bellovacensis, Speculum morale 1. 3, 10, 25
(1624 p. 1493). Arnoldus, Gnotosolitos 1476 1. 1,2,4,59. Bromyard,
Summa praedicantium F 5, 35 (Cäsarius). Bernardinus de Bustis,
Rosarium sermonum 1503 1, 124. Hollen, Preceptorium 1489 Bl. 76a.
Pelbartus, Pomerium sermonum 1562, S. de tempore, pars hiemalis
Bl. 22b. Johannes Junior, Scala celi 1480 Bl. 97a (s. v. Filii). Manlius,
Locorum communium collectanea 1590 p. 226. — Deutsch:
168 145. Der undankbare Sohn.
Selentroist 1484 Bl. 60 = Frommanns Deutsche Mundarten 1, 215
nr. 55—56. Pfeiffer, Altdeutsches Übungsbuch 1866 S. 194. Meister-
lied von der krotten und von dem Romer, der seinem sun sein hab
und gut übergab, in des Nachtigals senfften ton, Nürnberg 1509
(Goedeke, Grundriß2 1, 316 nr. 53). Geüer, Evangelibuch 1517 Bl.
195; Passion 1513 Bl. 50b (J2b,2); Postill 4, 37, g. Luther, Tisch-
reden 1, 206 ed. Förstemann. Kirchhof, Wendunmut 5, nr. 110.
Nie. Florus, Erinnerung vom Ampt der Kinder gegen jhren Eltern
1579 Bl. 16a = Zs. f. den dt. Unterricht 11, 800. Bütner, Epitome
hist. 1596 Bl. 497. Hondorf, Promptuarium exemplorum 2, 62a (1599).
Lautenberger 1617 (Alemannia 4, 264). Zanach, Histor. Erquick-
stunden 4, 1, 547 (um 1620). Hager, Jugendt-Spiegel 1634 S. 94.
Horst, Dämonomagie 1817 2, 479. Seidl, Schriften 2, 70 (1877).
Becker-Roose-Thiele, Litauische und preuß. Volkssagen 1847 S. 107
nr. 37; vgl. Berliner Ms. germ. oct. 316 nr. 9. Pröhle, M. f. d.
Jugend nr. 45 'Die geizige Schwiegertochter'. *) — Niederländisch:
De Vooys, Middelnederlandsche Legenden 1900 S. 346. Van der Vet,
Het Bienboec 1902 S. 311. Jan van Vloten, Nederlandsche Proza-
stukken 1851 S. 294. Nie. Beets, Gedichten5 3, 168 'Jan Janszen'
(Volkskunde 15, 1621). — Englisch: The Roxburghe ballads
ed. by Chappell 2, 74 (1874). — Französisch: Tresor de
l'äme (Legrand, Fabliaux 1829 4, 126). Histoire litt, de la France
23, 193. Doctrinal de sapience Bl. 21b. Mirouer et exemple des
enfants ingrats (Petit de Julleville, Repertoire du theatre comique
1886 p. 61). Hymans, Les images populaires flamandes au 16e siecle,
Liege 1869 p. 19 : L'enfant ingrat, Kupferstich von J. Sadeler mit
Versen. Melusine 1, 403 nr. 1 'Les enfants ingrats'; 8, 10 'L'enfant
ingrat' (gereimt). Sebillot, Folklore de France 3, 295. Luzel, Legendes
2, 179 'Le fils ingrat'. Thuriet, Trad. du Doubs p. 287. Dardy,
Albret 2, 87. Du Meril, Etudes 1862 p. 473. — Italienisch:
Storia di Stefano, canto 15 (ed. Rajna 1880 p. 145 ; vgl. Romania 10,2
•II figlio iügrato'). — Portugiesisch: Braga 2, 128 nr. 170 "0
capäo tornado sapo' (v. J. 1657). — Serbokroatisch im Koriz-
menjak, einem 1507 gedruckten glagolitischen Buche, das aus einem
lateinischen Werke des Frater Rubertus übersetzt ist (Archiv f. slav.
*) In einer badischen Sage (Baader 1851 nr. 64 = Bad. Sagenbuch
2, 79. 1899) verwandelt sich das den Bettlern versagte und in einen
Kasten geworfene Brot in Kröten und Schlangen, welche die geizige
Frau auffressen. Ebenso serbokroatisch im Zbornik jslav. 11, 281 nr. 5.
146. Die Rübe. 169
Phil. 6, 427 = Dähnhardt, Natursagen 4, 262). J. Habdelic 1674
nach Thomas Cantimpr. (Maretic, Zbornik jslav. 7, 226). Zs.
Karadzic 2, 187. 215. In einem Büchlein des dalmatinischen
Frater Jos. Banovac (1674, 2. Aufl. 1747 'Erzählungen auf die
Fastenfeste') = Archiv f. slav. Phil. 3, 215 'Der undankbare
Sohn und die Kröte' wird das mit der Schüssel zugedeckte Huhn
zu einer Schildkröte ; vgl. R. Köhler 1, 473. Vuk Stef. Karadzic,
Serbisches Lexikon s. v. Korhaca (Schildkröte entstanden aus
versteckten Kuchen, Huhn und Schüssel). Bos. Vila 12, 228 (1897.
Frosch aus dem versteckten Huhn). — Wendisch: Schulenburg,
Volkssagen S. 292 'Die Kröte' = Friedel-Mielke, Landeskunde der
Provinz Brandenburg 3, 234. — ■ Kleinrussisch: Dragomanov
S. 10 nr. 31 (Huhn wird zur Schildkröte). Am Urquell 3, 18
(ebenso); vgl. Dähnhardt 2, 264. Die geizige Tochter wird auf den
Fluch der Mutter selber zur Schildkröte bei Cubinskij, Trudy 1, 66.
Zytje i Slovo 1, 147 (Nordungarn. Christus und Petrus verwandeln
den Geizhals in einen Frosch). — Magyarisch: Klimo p. 100
(geizige Frau wird zur Schildkröte).
146. Die Rübe. issest.
1815 nr. 60 = 1819 nr. 146. — Schon der äußeren Form nach
ein altes Märchen ; es ist nämlich nacherzählt einem lateinischen Ge-
dichte des Mittelalters in elegischem Versmaß, Raparius über-
schrieben, das Jacob Grimm 1814 in einer Straßburger Handschrift
aufgefunden hatte; s. Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus
der Jugendzeit 1881 S. 343. 361, auch Hamann, Die literarischen
Vorlagen 1906 S. 48.
Wir teilen den Raparius nach der ältesten der vier seither bekannt
gewordenen Handschriften mit und verzeichnen die ziemlich umfänglichen
Abweichungen der übrigen: A. Wiener Hs. 1365 aus dem Anfange des
14. Jahrh. 432 Verse. Abgedruckt von A. "Wolf, Germania 7, 43—54;
vgl. Mussafia ebd. 7, 237. — B. Heidelberger Hs., in Frankfurt 1452 ge-
schrieben, aus Salmansweil stammend, 386 Verse. Abgedruckt von
Mone, Anzeiger für Kunde des teutschen Mittelalters 8, 561—580(1839);
vgl. 3, 162. — C. Göttinger Cod. theol. 114 aus dem 15. Jahrh. 422 Verse.
Abgedruckt von Oesterley, Jahrbuch für roman. Lit. 12, 241—268(1871).
170 146. Die Rübe.
— D. Straßbarger Hs. Johann. C. 102 aus dem 15. Jahrb., 1870 ver-
brannt, 392 Verse. J. Grimms teilweise Abschrift im Berliner Ms. germ.
qu.923 enthält die Verse 1—94. 97—98. 293— 398 nach der Zählung von B.
— C stellt eine Umarbeitung von A dar, aus der auch die Fassungen
BD geflossen sind, welche besonders im ersten Teile gegen C zusammen-
stimmen.
Raparius.
Fama fuisse duos testatur frivola fratres,
Quos uni mater edidit una viro.
Militiae titulus hos insignaverat ambos,
Ex quibus unus erat dives et alter inops.
5 Militis officium cum nomine dives habebat,
Alter egestatis triste ferebat onus.
Ne tarnen omnino possit mendicus haberi,
Pro dolor, insolitum discere coepit opus;
Mollius ergo solum rastro, modo scindit aratro,
10 Nunc radicosa manu rura ligone ferit
Et patulis sterilem sulcis commendat avenam,
Utpote cui parva copia farris erat;
Seminat et semen, cuius fit rapula fructus,
De quo fructificat immoderata seges.
15 Rapula crevit ei reliquis enormior una,
Quae dici pleno nomine rapa potest,
Tarn dilatata foliis, tarn corpore grandis,
Ut nemo penitus viderit ante parem.
Ipsius umbra viris duodenis sufficiebat,
20 Ne sub ea solis ureret aestus eos.
Tarn fuit enormis, ut carrum sola repleret
Vixqne boves traherent quatuor illud onus.
Lesarten.
1 frivola] prodiga B, provida D — mater] mulier B, viro C — viro] mater C —
3 titulis D — insigniverat BC — 4 Ex] De C — 5 fehlt D — habebat cum nomine
dives A, tenuit c. n. d. B — 6 bis 12 in BD:
Ast alter quaestu paupere vixit inops.
Hie igitur rebus subtractis desiit esse
Miles et elegit rusticus esse [ni]mis.
Ergo valefaciens Marti non militat ultra,
Sed potius Cereri, pro pudor, ipse vacat.
Ut sibi procuret miserae dispendia vitae,
Villani more rura ligone ferit.
7 mendicus posset C — 9 Mollibus C — rastris C — arastro A, aratri C — 10 ruga
sepius longe vertebat C — serit AB — 12 farris copia parva fuit C — 13 Sicque serit
BD — fit] sit C — Proventumque capit seminis inde sui BD — 17 bis 20 in BD:
Ipsaque tanta fuit, qualem non viderat ante
Sed neque vidisse creditur ullus homo.
21 quod currum BD, ut pratum C — 22 bis 24 in BD:
Et traherent pondus vix duo tale boves.
146. Die Kübe. 171
Ast pauper viso tarn grandi pondere fracta
Obstapet et secam dicere coepit ita:
25 'O deus omnipotens, caeli terraeque creator,
A quo conditus est primus et omnis homo,
Qui caelnm sole, luna stellisqne venustas
Et qui multiplici germine pingis humum
Quique facis variis habitabile piscibus aequor,
30 Arbitrio parent cancta creata tuo.
Absque tuo nutu folium non proicit arbor,
Nee sine te fruetus giguit ager vel homus,
Nee sine te crevit haec rapula prodigiosa,
Quae normam vincit transgreditarque modum.
35 Deprecor, ut fruetus hie Sit mihi causa salutis,
Sit paupertatis finis opumque dator.
Si nihil in terra iubet esse deus sine causa,
Hunc fruetum frustra non generavit humus.
Hactenus, heu domine, sub paupertate fatisco,
40 Quae me confundit degeneremque facit.
Magne deus, novi, quoniam de compede tali
Me potes eximere, si tarnen ipse voles.'
Ergo 6ub tali portento, quid sit agendum,
Consulit uxorem. Protinus uxor ad haec:
45 'Vilis erit pretii, si rapula veneat ista,
Proderit immo minus ventre vorata tuo.
Expedit, ut regi rarissima rapula detur,
Nam debent regi munera rara dari.
25 bis 44 in BD:
Rusticus hac visa quasi portento stimulatur
Insolitaeque rei de novitate stupet;
Dumque stupet, dicit: 'Non aeeidit hoc sine causa'
Nee tarnen est sortis praescius ipse bonae.
Qui dum miratur, quorsum sors ista feratur,
Indicium fati conicit ipse boni.
Et quia mens hominum non est praesaga futuri,
Consurgunt in eo spesque timorque simul.
Sed cum sors dubia dederit sperare timenti,
Ore quidem cauto se penes ista terit:
'O deus omnipotens, qui solus euneta creasti,
Qui, quorsum tendant singula, nosse potes,
Quo sine nulla comam deponere creditur arbor,
Quo sine nee minimum posset ad ima rui,
Te rogo, summe deus, qui euneta creata gubernas,
Ne solita prives me pietate tua.
Quicquid obesse potest, remove, largire, quod opto,
Rarus ut hie fruetus sit mihi praeco boni!
Hactenus en miserae patior dispendia vitae.
Deprecor ergo, deus, amodo verte vices!'
Haec cum dixisset homo, quid videatur agendum,
Discutit, ista sibi nemine teste loquens:
27 stellis lunaque C — 30 onusta C — 34 fehlt C — 39 fatiscor C — 41 fehlt C —
42 eripere C — 43 tormento C — 45 venditur BD — 46 meo BD — 47 bis 52 in BD:
172 146. Die Rübe.
Forsan es a rege magno ditandus honore,
50 Quem dare pro parvis munera magna decet.'
'Hoc placet, hoc plane faciam,' vir ait mulieri,
'Utile consilium propositamque tuum.'
Mox igitur carram componit et ordinat aptum,
Applicat et carro quattuor ipse boves.
55 Pondere sub tauto stridens gemit axis et ipse
It celer, ut regi munera rara ferat.
Solibus ergo tribus sie incedens vir honestus
Ecce die quarto regia castra petit.
Se praesentari regi petit, impetrat, intrat,
60 Utpote qui munus grande daturus erat.
Hoc etenim regum sibi curia sauxit, ut omnis,
Qui nihil attulerat, stet foris ante fores.
Nee tarnen introitum negat illi sanetio legum,
Qui cum muneribus limiua regis adit.
65 Ergo vir iste sui regis vectatur in aulam,
Qui coram rege stans reverenter ait:
'Accipe, mi domine, quoddam mirabile munus,
Quod soli regi censeo iure dari.'
Protinus inspecto fruetu tarn ridiculoso:
70 'Pape, quid hoc monstrum,' rex ait, 'esse potest,
Unde tibi, boue vir, haec rapula prodigiosa?
Unde tibi talis rapula, quaeso, refer!
Mnlta quidem mira scio me vidisse frequenter,
Sed nunquam vidit tale quid ullus horno.
75 Non est fortassis haec rapula filia terre,
Hanc igitur regi dabo rem tam prodigiosam,
Res etenim regem prodigiosa decet.'
Se penes haec pauper homo cum deliberat, inquit:
'Nil reor utilius restat, ut illud [hoc placet, hoc et B] agam.'
49 es a] eris C — ditatus C — 52 proposilum consiliumque C — 53 bis 66 in BD:
Accelerans igitur currum parat ocius aptum
Et super imponi tale iubebat onus
Combinansque boves binos fgeminos B] festinat ad aulam,
Offerat ut regi munera rara suo.
55 stridet et A — 57 Mensibus A — onustus C — 61 regis sibi cura C — 62 nisi attu-
lerit C — 63 Non C — interdum A — 65 Ergo ubi iste suam A — profectus ad aulam
C — 67 bis 68 in BD:
'Suscipe mi domine, munuscula pauperis huius,
Quae nulli potius quam tibi danda reor!
Si pretiosa minus censes, non rara negabis
Et regi merito iudico rara dari.'
69 tam grandi pondere fruetus B — 70 monstri C — 71 bis 77 in BD:
Multa quidem mira me conspexisse recordor,
Sed nunquam tale vidit homo nee ego
Die, rogo, die, unde fruetus provenerit ille,
Unde tibi species prodigiosa nimis!
Credo, quod hie fruetus fiat tibi causa salutis.
72 fehlt A — 73 rara C — 78 Iudiciumque A — 79 bis 98 in BD:
146. Die Rübe. 173
E caelo potins hanc cecidisse reor.
Haec erit, ut video, tibi fons et origo salutis,
Indiciumque reor ominis esse boni.
Die age simpliciter, tibi qui consanguinei sunt,
80 Quaeve tibi patria, quod genitale solum?'
Hisque peroratis a rege subintulit ille:
'Natus in imperii sum dicione tai,
Estqae parentela mihi nobilis et generosa.
Miles erat genitor, miles et ipse fui.
85 Testis adest miles geminae mihi nobilitatis,
Qaem mihi germanum fecit uterque parens,
Qui quamvis opibus multis fastuque tumescit,
Sed tarnen haud fratrem se negat esse meum.
Hunc tua maiestas primos habet inter amicos,
90 Vix est in regno ditior ullus eo.
Et mea continua sie me confundit egestas,
Ut coram notis sit mihi nullus honor,
Et mihi cottidie tantis cruciatibus angor,
Ut sit non parva vivere poena mihi.
95 Quanta putas, domine, quod sit mihi gloria fratris,
Cum me substernat indiga vita meis !
Quem natura parem mihi fecerat, ecce superbat,
Ast me pauperies rusticitasque premit.
Pro dolor, expeiior, quam sit sententia vera:
100 Dives ubique placet, pauper ubique iacet.
Ecce meus frater regi placet et placet orbi,
Heu mihi, me miserum despicit esse solum.
'Die age die, quis sis vel progenies tua quodve
Officium teneas quodve tibi sit opusl'
Regis homo verbis tarn dulcifluis animatus
Ilico responsis talibus ista tulit:
'Sum pauper factus, non paupere de patre natus;
De patre sum, domine, milite natus ego.
Dives adhuc superest frater, quem tu bene nosti,
Qui me germanum denegat esse suum.'
85 germen C — 87 magnis opibus flatuque C — 88 denegat C — 91 quottidie C —
93 Heu C — 95 domine mihi sit crux C — 96 Dum C — 98 Et C — 99 Pro pudor D
— 100 Pauper ubique iacet] Ovid, Fasti 1, 208 — 101 bis 113 in BD:
Frater enim meus ipse tibi placet et placet orbi,
Praedicat et pompa non medioeris eum.
Heu, paupertatis iaeeo sub sorde [faece B] sepultus
Et titulo careo nobilitatis ego.
Vulgus enim census pluris quam nobilitatem
Aestimat, ideirco pauper ubique iacet.
Materno dum me gremio natura beavit,
Tunc ego non casso nomine miles eram.
Cum mihi fortuna spondebat prosperitatem;
Florebam rebus, strenuitate magis;
Ast ubi crudelem mihi se fortuna novercam
Exhibuit, eunetas praeeipitavit opes;
174 146. Die Rübe.
Cum me desererent et opes et copia rernm,
Deposui gladinm militiaeque iocum
105 Et modo pro gladio manus utitur ista ligone,
Ut fodiam propria rura labore meo.
Hostes qui quondam cunctos terrere solebam,
Nunc stimulis pungo posteriora boum.
Qui quondam studui tractare negotia belli,
110 Nunc pauper propria semino rura manu.
Euricolae more miseram sie transigo vitam,
Inde mihi victus, vestis et inde mihi.
Inde mihi, domine, quam cernis, rapula praesens,
Quälern non vidit sive videbit homo.
IIB Et quia magna decent magnos, pro munere magno
Haec volui, prineeps maxime, ferre tibi.'
Ilico privatas aperiri rex iubet arcas,
Quas impraegnarat grandis acervus opum.
Rex igitur variis hominem tunc rebus onustum
120 Gazarum magno pondere farcit eum.
Exhinc militiae quasi factus inutilis esse
Contemptus coepi rusticitate mea.
Ah, quis pauperior est paupere milite! Nemo
Nosse potest, miles quid patiatur inops.
Idcirco tibi, rex, non milito rebus ademptis,
Sed cogor potius rusticitate frui.
Nunc enim aratro rura seco, nunc scindo ligone,
Ut quamvis tenuem det labor iste stipem.
Inde mihi fruetus praesentis maxima moles.
107 cunctos] gladio C — 109 studui] sevi C — 111 Rusticolo C — transeo C — 114
Quam nunquam C — 115 Ast B — 116 Me decet id regum BD — 117 bis 144 in B
(vielleicht auch D):
Auribus haec regis pariter dum disserit ille,
Demulcet blando rex pius ore virum:
'Hoc tarnen aeeepto munus carum quoque rarum,
Ut grates referam restituamque vicem.
De reliquo nee pauper eris nee inops nee egebis,
Nam dabitur rerum copia multa tibi.
Pone metum, spe coneepta constantior esto!
Nam bene nunc agitur res tua sorte bona.
Crede mihi, tantis a me ditabere rebus,
Ut bene germano par habeare tuo.'
Protinus advehitur pretiosi massa metalli
Praefatoque viro rege iubente datur.
Nee contentus eo iubet, ut diversa supellex
Detur, et effectum verba iubentis habent.
Additur agrorum possessio magna daturque
Cum grege balantum sexus uterque boum.
Indigus ut guttis pluvialibus amnis inundat,
Sic homini subito crescit acervus opum.
Ne foret ingratus, homo regem pronus adorat,
Inde vale faciens in sua laetus abit
Uxorique suae tarn dulcia munera prodit,
Ut fieret tanti testis et ipsa boni:
'Hei coniux', inquit, 'mihi congaude, quia nobis
Optima pro vili semine messis adestl'
146. Die Eübe. 175
Gazis addit equos, nee equis redimicala desunt,
Addit et armentam lanigerumque pecus.
Singula quid memorem, bona quanta viro dederit rex?
Dicere sufficiat multa dedisse viro.
125 Qui varia rerum variarum merce refertus
Disponit proprios dives adire lares,
Ergo valefaciens iegi gratesque rependens
Omnibus evectis ad sua vertit iter.
Ecce revertenti coniunx oecurrit eique
130 Oscula continaans dulcia dixit ave.
'Dissere', dixit, 'item, si quid profecaris ipse
Aut quid contulerit haec mora longa tibi,
Die age, die, qnid sis mercedis adeptus!' At ille
Gloria demonstrat, quae bona nactus erat.
135 Arrisit en', ait, 'mihi iam fortuna seeunda,
Contulit et regis baec mihi larga manus.
Ecce vide, bona quanta meto de semine vili,
Haec bona quanta dedit rapula magna mihi!
O mulier, grandis tibi copia suppetit omnis,
140 Amodo nequaquam pauper eris vel inops.
Prosperitas aderit ingensque opulentia nobis,
Paupertatis enim non patiemur onus.
Nunc igitui nostros dissolvent gaudia luctus,
Gaudia succedunt, nam labor omnis abest.'
145 Tunc accersiri iubet affines et amicos,
Omnibus eventus pandat ut ipse suos.
Ecce propinquorum grandis collecta gregatur,
Hisque ministratur copia multa dapum.
Cumque videret eos ioeundos et temulentos,
150 Successus proprios dicere coepit ita:
'Auscultate, precor, noti, mea verba notate!
Fortunam vobis insinuabo meam.
Nostis enim euneti, me quanta domarit egestas,
Sed salvatus ab hac sum bonitate dei.
118 Ut sibi pro raro munere magna daret C — 120 sarcit C — 131 Dicere C — quod
A — 132 quod A — 134 Gloria] lies Omnia? — 135 En, ait, arrisit C — 136 haec
regis et C — 137 meo de semine vulsi C — 138 Ouod pietas domini contulit alma mihi
C — 139 gaude, cui copia C — 141 ingens opulentia rerum C — 142 Quas mittente
deo tollere nemo potest C — 143 nostros solentur C — 144 in C wie v. 142 — 145
Hie B — 146 bis 159 in B (und D?):
Historiamque refert omnibus ipse rei.
Postque iubet eunetis convivia larga parari,
Cum [1. Tarn] dape quam potu pocula festa creat.
Affuit et miles convescens inter amicos.
151 verba pacienter, amici C — 153 domaret C — 159 Hoc C — 160 Quem supra B
176 146. Die Rübe.
1B5 Accidit, ut rara mihi rapula cresceret horto,
Haec eadem crevit grandis et absque mora.
Hanc ego donavi pro magno munere regi,
Pro qua divitias has dedit ille mihi.'
Haec dicente viro simul affuit inter amicos
160 Miles, quem fratrem diximus esse viri.
Hie quoque pestifero coepit tabescere zelo,
Cum vidit fratris crescere lucra sui.
Germanique sui subitum miratus honorem
Eius respectu se putat esse nihil.
165 Hoc equidem proprie sibi vindicat invidus omnis,
Ut putet alterius lucra nocere sibi.
— 161 bis 164 in B (und D?):
Isque videns fratrem tenus hac se pauperiorem
Tantum ditari deliciisque frui
Vidit et invidit se conieetans spoliari,
Dum fratris vidit crescere lucra sui.
161 Is C — 163 miratur C — 165 Hoc etenim B — proprium BC — 166 putat A —
166 bis 172 in B (und D?):
Alterius lucrum damna putare sua;
Huc accedit et hoc dumtaxat vera locutum,
Qui primum dixit: Semper avarus eget.
Huc aures adhibe, quisquis censeris avarus,
Quisquis avaritiae sub iuga sponte venis,
In te sermonis iaciuntur spicula nostri,
Forte salutiferum vulnus et ipsa dabunt.
Die aie, cui servas thesauros, quos coacervas,
In quibus heu fernere spemque [fidemque] locas?
Forsitan hos furi servas aut forte tyranno,
Ut für surripiat aut violenta manus.
Turpis es idolatra, Satan simulacra frequentas
Contemptoque colis turpiter aera deo.
Quid tibi fossus humi census, quid clausus in arca?
Aestimo, nullius utilitatis erit.
Sis igitur, dives, habitis contentus eisque
Utere, dum poteris utilis esse tibi,
lnvidiaeque tuae mordacem comprime dentem
Lucraque fraterna non tua damna putes!
Si ditatur inops, quid in hoc, miser invide, perdis?
Nil, nisi quod gratis invidus esse velis.
Si ditatur inops, frustra cruciaris, avare;
Lucra metit frater, perdis et inde nihil.
Ista relinquentes ad materiam redeuntes [1. redeamus]
Et coeptum rursus aggrediamur iter.
Auf 167 folgen in C vier Verse:
Si ditatur inops, non tua perdis ob hoc.
Invide, crede mihi, fortuna tibi nihil aufert,
Munere de cuius proficit alter homo.
Ergo tui fratris quare torqueris honore?
168 expedit] convenit C — 172 Aptius C — 173 bis 184 in B (D?)
Ille videns fratris inopinam prosperitatem,
Et quod pro voto res bene cedit ei,
Se velut exhaustum dolet et quasi rebus ademptum,
Possessas nihili pendere coepit opes.
Contexens igitur fratri sua retia tendit,
Ut venetur opes calliditate sua.
Corde tenus multa volvens iterumque revolvens
Talia comploso ruminat ore sibi:
'Hie sibi pro messe vili bona multa reeepit,
Plura reeepturus praemia multa dabo,'
146. Die Rübe. 177
Invide, die, quare fratris torqueris bonore?
Laetari potius expedit in.de tibi.
Huius fortuna non est tibi causa ruinae
170 Lucraque fraterna non tibi damna struent.
His super invidiae morbo breviter memoratis
Ipsius bistoriae nunc repetamus iter. —
Convivis igitur dapibus vinoque refertis
Et satur et laetus in sua quisque redit.
175 Tunc bominis frater etiam sua saepta revisit
Invidiae secum dira venena ferens.
Sic aurum sitiens, multo licet obrutus auro,
Tantalus ut mediis qnaerit aquas in aquis.
Tunc ut opes opibus venetnr et augeat, ecce
180 Pete novum texens calliditatis ait:
'Si meus bic frater, quem tanta premebat egestas,
Tantas pro vili merce reeepit opes,
Muneribus regem placabo satis pretiosis,
Quae rex restituet centuplicata mibi.'
185 Protinus argento proprio se privat et auro,
Scilicet ut regem muneret ipse suum.
Gemmarum tollit pretiosa monilia, quorum
Pasce Iaborabant scrinia clausa diu.
Complicat et vestes operoso sebemate textas,
190 De quibus ornari regia membra decet.
Omnibus bis adiungit equos pbaleris coopertos,
Quorum eingebaut fulva metalla iubas.
Taübus et paribus miles speciebus onustus
Pergit et evehitur regis ad usque fores.
195 Cumque salutasset, quo debuit ordine regem,
Singula demonstrans munera miles ait:
'Accipe, mi domine, tibi quae miles tuus offert!
Quae ne despicias, rex reverende, precor.
Parva quidem sunt baec minimeque decentia regem;
200 Cum dives fuero, tunc potiora dabo.'
173 refectis C — 175 saepta] teeta C — 177 ut] his A — 184 Et C — multiplicata C —
185 bis 201 in B (D?):
Mox igitur massam pretiosi congerit aeris,
Taliter ut regis sumat et urbis opes.
Vestes addit equis auro textas phaleratis,
Omnis et ornatus congregat omne genus.
Retibus utitur his novus aueeps divitiarum,
Sed deerit voto praeda cupita suo.
Surgit, abit, defert commercia singula secum
Et regi dona dat pretiosa suo.
Munere rex huius aeeepto divitis inquit:
186 Taübus C — muleeat C — 191 his] fehlt C — 193 et paribus] egregius C — 194
fores] domum C — 195 deeuit A — 198 non despicies C — 202 Hercle C — data]
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 12
178 146. Die Rübe.
Comminus his visis 'Grates,' rex inquit, 'liabeto.
Certe placent, fateor, munera data mihi.
Cardine sub caeli non creditur esse superstes,
Qui dederit regi tot pretiosa suo.'
205 Rex quoque, quid tanto possit confene datori,
Reginam fertnr consuluisse suam.
Ast ea regalis pollens ratione sophiae
Haec responsa viro reddidit ipsa suo:
'Inclite rex, opibus nimiis est ille refertus
210 Et dono penitus nescit egere tuo.
Argentumque tuum pariter fastidit et aurum,
Si gemmas dederis, grandinis instar erunt;
Si vestes dederis, si bellica dona quiritum,
Omnia despiciet, nil reputabit ea.
215 Ne tarnen omnino regia munera despiciat vir,
Restat, ut enormis rapula detur ei.
Hanc non despiciet, qui cetera despicit, immo
Supplebit rari muneris illa vicem.'
Dixerat haec mulier, cui rex respondit et infert :
220 'Utile consilium propositumque tuum.'
Nee mora, profertur ea rapula rege iubente,
Ipsaque fit munus imperiale viro.
'En ego,' rex inquit, 'te munero munere raro,
4anta C — 202 bis 204 in B (D?):
'O vere largum corde manuque virum!
Tempora prisca parem multis e milibus unum
Non norunt regi tanta dedisse suo.'
204 tot] tarn C — 205 Rex quid restituat ignarus quidve rependat B — 207 bis 211 in
B (D?):
Quo super illa bene postquam deliberat, infert [1. infit],
Extemplo verba reddit et illa viro :
'O rex, hie locuples nimis est opibusque refertus,
Et scito, quod dono non ille tuo satiatur.'
Aurum si dederis aut vestes, spernit utrumque.
212 dederis] gemmae B — 213 bis 215 in B (D?):
Non aeeeptat equos, sibi nam non arma peluntur.
Omnibus iste satis plenus abundat homo;
Nam pelagus nunquam pluvialibus indiget undis,
Cum plene propriis semper abundet aquis.
Si quidquam dederis, adeo fastidiet iste,
Ut satur escarum respuat omne genus.
Sed ne nil largo videare dedisse datori,
215 omnia A — regia] lies tua? — 216 Expedit, ut grandis B — 217 bis 222 in B (D?):
Auribus haec regis reginae verba monentis
Non placuere nihil; rex 'Ita fiel' ait.
Accitoque viro rex: 'O ditissime, magnas',
Inquit, 'ago grates; nam tua dona placent.
Sum tarnen ambiguus, quid pro mercede rependam,
Unde tibi reddam restituamque vicem.
218 Implebit C — ista C — 219 cui] sibi C — infert] lies infit? — 220 propositum
consiliumque C — 221 ea] haec C — 223 Si C — Sed vice mercedis B — raro] magno
146. Die Rübe. 179
Quo mihi non quidquam rarius esse potest.
225 Hanc etenim nuper quidam dederat mihi pauper,
Cui bona multa dedit dapsilis ista manus.'
Accipit ille miser non acceptabile munus;
Nempe, quod accepit, rapula vilis erat.
Sic decet, o fratres, ut supplantetur avarus,
230 Quem farcire nequit grandis acervus opum.
Mundus enim totus homini si detur avaro,
Se tarnen infelix credit habere nihil.
Sic homo praefatus, inopem quem copia fecit,
Privatur propriis, dum peregrina sitit.
235 Dum lucra venatur, stultus sua perdit et ecce,
Qui dederat magna, vile recepit o'.us.
Sic homo delirus propria deluditur arte,
Dum vult ditari, perdit et id, quod habet.
An non delirat bomo mittens in mare fontem?
240 Fonti tollit aquas, ut mare ditet aquis.
Hand secus hie miles, ut regem munere ditet,
Sic meruit propriis se spoüare bonis.
Iamque domum remeat et amaram convocat iram
Et gratis regi tanta dedisse dolet.
245 Infrendens igitur tantum sie murmurat ore:
'Ecce mei fratris haec fero damna dolo.
Hie exaltatur, ego (pro pudor) opprimor, ergo
Non impune feret per caput istud,' ait.
BC — 224 Quod A — nee cuiquam A, nee quiequam B — 225 Hoc BC — 226 Praemia
tunc digna contulit B — 227 bis 247 in B (D?):
Confestim rapam praesentat machina carrae [1. carri]
Ipsaque fit munus imperiale viro.
Ecce vir hie quali fortunae luditur arte!
Dum venatur opes, perdit idem, quod habet,
Et paupertatis in fossam praeeipitatur,
Quam licet ignarus foderat ipse sibi.
Ille videns non aequa dari nee digna rependi
Confestim regi tanta dedisse dolet
Turbatusque nimis sie secum murmurat ista:
'Quid miser aggrediar, quid faciam, quid agam!
Quis mihi mendico, quis compatietur egeno,
Qui propria Video me spoliasse manu!
Non mea für timidus, non praedo tulit violentus,
Für et praedo mihi pessimus ipse fui.'
Extunc livoris in fratrem spicula torquet,
Ac si pestiferae sit reus ipse rei:
'Haec tua sunt', inquit, 'frater, comrr.enta tuoque
Talia de famulo fraude doloque fero.'
Et velut a fratre compressus vulnere crudo:
227 Accepit A — 228 aeeeperat C — 229 o fratres] offerens A — 229 sarcire C —
233 Sic tunc affatur C — 234 Privatum C — 239 fontes C — 241 regem qui munere
ditat C — 242 Non meminit C — 243 quem amaram comeat esse C — 245 Et frendens
C — tanto A — 247 exultatur A, exaltatus C — dolor C — deprimor A — inops C —
248 feres B — 249 bis 272 in B (D?):
12*
180 146. Die Rübe.
Convocat ergo suos, quos noverat esse fideles,
250 Plusque leone furens dicere coepit ita:
'Nostis enim, quanta fuen't mihi gloria pridem,
Tarn mihi quam vobis haec generalis erat.
Nunc leccatoiis cuiusdam calliditate
In praeceps eadem gloria tota ruit,
255 Qua sublimabar, est omnis adempta facultas.
Heu paupertatis nunc grave porto iugum,
Heu cecidi miser, tarnen est vestrum meminisse,
In casu pariter vos cecidisse meo.
Nunc si sunt ulla pietatis viscera vobis
260 Et si quis vobis est pietatis honor,
Semper vos vindicta meum iaculetur in bostem
Et, quod commeruit, retribuatis ei !'
Sicque domum rediens furiis agitatus iniquis
In damnum fratris corde manuque furit
Accitisque suis, quos noverat esse fideles,
Quorum praebuerant experimenta fidem,
Alloquiturque viros compellans famine tali:
'Nunc decet, o socii, vos meminisse mei.
Nostis enim, quid sim, quibus et natalibus ortus
Et quanto fuerim gurgite mersus opum;
Nunc impostoris deceptus calliditate
Omnibus exhaustum me nihil esse queror.
Sit, rogo, communis vobis injuria nostra
Compatiendo quidem, non faciendo malum.
Est eadem mecum vobis iniuria facta,
Qui vobis semper rexque priorque fui.
Ergo fides veslra facti ratione probetur,
Dat quoque verus amor experimenta sui.'
Plura locuturo fletus fuit impedimentum,
Nam rigat ipsius lacrima crebra genas.
Taliter afflicto praesentes compatiuntur,
Uniusque dolor fit generale malum.
Aiunt ergo viro, cur fleret, scire volentes:
'Unde tibi, bone vir, hie dolor unde tibi?
Die, et erit curae nobis impendere curam.
Divide, quod portas, et leve pondus erit.'
Obstruit vir [1. his] dictis pauper fontem lacrimarum
Respondens: 'Ferre si mihi vultis opem,
Quod peto, spondete, vos scilicet esse paratos,
Ut, quidquid iubeo, vos faciatis idem!'
Hi spondent, tandemque fide mediante suorum
Mitius infestant ira furorque virum.
Tunc ait: 'Ite, locum vicinae quaerite vallis,
Quae fruticum multis vernat amieta comis!
Donec ibi veniam, sit ibidem sessio vestra.
Assumpto citius vos sequar hoste meo.
Hie per vos pereat traiectus viscera ferro
Aut laqueo furis more necetur homo.'
'Qui tuus est,' aiunt, 'nobis est par inimicus;
Impia facta luet, tu modo trade virum.'
Protinus armantur, adeunt penetralia saltus
Observantque loca lusibus apta malis.
251 fuerat C — 252 nobis C — 253 cuiusdam] deceptus C — 258 In caveam C —
meo] reor C — 260 Aut C — 261 Si per C — iactetur C — 262 Ut que C —
263 et nostris] hie et meus C; lies et nobis? — 267 nemorosa iosapha C — 268 vallis nunquamC
146. Die Rübe. 181
'Qui tuus est,' aiunt, 'et nostris est inimicus,
Et quodcumque iubes, hoc faciemus ei.'
265 Haec cum dixissent, animatar voce suorum
Et quasi mentis inops talia rursus ait:
'Haud procul est vallis nemorosis consita lignis,
Quae nullis unquam frugibus apta fuit.
Hanc, precor, assumptis intrate viriliter armis,
270 Sed causam penitus nemo sciat nisi vos.
Donec ego veniam, nolite recedere quoqnam!
Ocius assumpto vos sequar hoste meo.' —
Frater adit fratrem fellitus feile carentem
Et verbis false dulcibus usus ait:
275 '0 germane, mihi praeter te nemo superstes,
Quem mihi fraterno foedere iungat amor.
Nos sumus una caro, nee nos natura bipartit,
Nos olim mater edidit una viro.
Eorsan inest anima personis una duabus,
280 Quas individuus iungit et unit amor.
Est mihi secretum, quod nolo prodere cuiquam,
Et tarnen id fratrem nolo latere meum.
Est prope condensa vallis nee ab urbe remota,
Frondibus arboreis obsita, fruge carens.
285 Haec est tarn multa thesauri mole referta,
Ut tibi proficiat sufficiatque mihi.
Hunc ego fraterno tecum partibor amore,
Immo deum testor, pars tua maior erit.
— 270 Sed tarnen penitus C — 271 quoque A — 273 fietaque salute salutat B — 274
fraude C — ista refert C — 274 bis 276 in B:
Verbaque depromit dulcia plena dolis,
Ac si det mella medicus condita veneno,
In quibus ignaro potio mortis erit.
Pape, quid insanis, scelerate susurro bilinguis!
Cur fratrem ficto fallis amore tuo!
Scorpius est hominis, homini qui fingit amorem,
Et quasi sica latens est simulata fides.
Sic fratris frater turpis venator et aueeps
Dulcibus his verbis retia tendit ei:
'0 bone frater', ait, 'praeter quem nemo superstes,
Quem sie naturae condicione vocem,
Tu vitae spes sola meae baculusque seneetae.
273 iungit C — 278 olim] uni C — mulier B — 279 bis 287 in B (D?):
Rem tibi secretam, frater carissime, pandam,
Quam de te nullus experiatur homo.
Quae tibi sum soli dicturus, prodere noli,
Fac precor, ut tutis auribus ista loquar!
Est ostensa mihi pretiosi massa metalli,
Cujus te, si vis, portio magna manet.
Impiger ergo veni, nee te dilatio tentetl
281 pandere C — 282 Altamen C — celare C — 286 Ut mihi C — mihi] tibi C —
288 Testor enim superos B — 289 bis 291 in BC:
182 146. Die Rübe.
Nunc age, mmpe moras, absit dilatio, surge,
290 Pergamus nostram Demine teste viam!'
His bomo blanditiis irretitus simulati?,
Fiatris enim verbis nescit inesse dolos;
Annuifc ergo suo fratri simul ac monitori,
Surgit abitque carens suspicione mali.
295 It frater cum fratre suo, loca nota subintrat,
In quibus armati delituere viri.
Exsiliunt bi more canum iustumque nefande
Tractantes etiam mortificare parant.
Ut propra rapuere canes Actaeona quondam,
300 Civibus hand aliter praeda fit ille suis.
Iam vincire student bominem conamine toto,
Contendunt praedam iam iugulare suam;
Sed fortuna suum iuvat et tutatur alumnum,
Saepit et horrendum ciiminis huius iter. —
305 Accidit in terram quendam properare scholarem,
Qui per eam vallem solus iturus erat.
Venit equo residens sua cantica voce resultans,
More viatorum sie breviabat iter.
Cum levat bic vocem, simul echo reeiproce vocetn
310 Heddit et auditur longius iste sonus.
Ast ubi vox eadem lictorum perculit au res,
De sola fit eis proditione timor.
His iuramentis [irretitus B] homo magnae simplicitatis
Ad laqueum tendit eius ad instar avis.
292 fehlt B — 293 bis 295 in BC:
Ad loca declinat, loca scilicet insidiosa [insidiarum B]
297 bis 298 in BCD:
A^-sunt carnifices, coneurrunt more latronum [latranum B],
Iniciunt [Immittunt B] praedae bracchia saeva suae.
299 nocuere B — Actaeona] oceana C — 300 Sic datus es; praedae civibus iste BC
301 bis 321 in BCD:
Comminus interea resonat vox dulce canentis,
Et terram feriens ungula crebra sonat.
Venit enim iuvenis quidam pelulansque scholaris
More viatorum dulce canendo melos.
Nee mora, captivus in saecum praeeipitatur,
Arboris excelsae fronde ligatur homo.
Ocius effugiunt hi pendentemque relinquunt,
Nam propter fraudes has timuere nimis,
Nititur et quisquis socium praecurrere quamvis,
In fraudemque rei sie latuere viri.
Sic perturbatus hie pendel, et ecce scholaris
Transit eques, sed et hunc pendulus audit homo.
Et quia pertusa fuerat pars maxima sacci,
Nam Saccus ruptus dicitur arte viri,
Namque viri membra nequit hie concludere cuncla,
Utpote quem tempus triverat a que labor.
307 resultans] lies refundens oder retexens? — 322 bis 324 fehlt BD — 322 rimam C
323 Mox ut C — Auf 324 folgt in BCD:
Prospiciens igitur hominem cognovit eundem,
146. Die Rübe. 183
Et quia non licuit opus hoc implere scelestum,
In solam pavidi spem posuere fugam.
315 Ne tarnen hie fugiat, in saecum mittitur atque
Vivus in arborea fronde Jigatar homo.
Hie pendet, fagiunt lictores, insuper ipse
Criminis incentor non manet, immo fugit.
Ecce scholaris ibi cupiens pausare sub umbra
320 Arboris, in cuius fronde pependit homo.
Et qaia rimosum latas idem saccas habebat,
Per rimas iuvenem pendulus ille videt.
Hox abi rasaram capitis videt, ecce scholarem
Compeiit et clamans: 'Quisquis es,' inquit, 'ave!'
325 Ast nbi devenit vox ista scholaris ad aures,
Invasit nimius terror et horror eum.
Tunc surgens stupidus loca proxima gyrat ocellis,
Cuius ab ore sonet vox ea, nosse volens.
Cumque diu staret stupidus nullumque videret,
330 Aestimat illudi daernonis arte sibi.
Ocius ergo loco discedere cogitat illo,
Stare timor prohibet, sed vetat ire pudor.
Stat licet invitus Vincente pudore timorem
Seque salutanti personat ille loqui:
335 'Quisquis es aut ubi sis, a quo vox ista resultat,
Vellem, si possem, scire libenter ego.'
Ex saeco loquitur iterato pendulus ille:
'Nil timeas, iuvenis, sit proeul iste timor.
Enge triste caput, si vis speetare loquentem!
340 Possideo laetus aera, sperno solum.
In saeco sedeo, sedet hie Sapientia mecum,
Hie pendens didici tempore multa brevi.
Sed latuit nomen offieiique gradus.
Tunc quasi Socraticus [securus C] hunc laeta voce salutat
Et, quasi nil triste perpetiatur, ait:
'Salve, mi frater, hominum carissime, salve!
Huc ades, ut spero, sorte favente bona.'
325 bis 326 fehlt BD — 325 ubi] cito C — ipsa C — 327 bis 328 in BCD:
Erigit ille caput slupidosque regirat ocellos,
Ambigit, naec cuius vox sit et unde sonet.
329 fehlt BD — multumque C — auf 329 folgt in BCD:
Et [Dum BD] super hoc dubitat, utrum fugiat maneatve ;
Nam monet ire timor et vetat ire pudor.
330 bis 336 fehlt BD — 331 discedas A — cogitat discedere ille C — 332 fehlt C —
334 ille] ista C — 335 Tu quis es aut non C — Auf 336 folgt in BCD:
Sic sibi nutantem solidat constantia mentem,
Dixit: 'Item resonet vox tua, quisquis ades.'
337 De saeco rursus audita reeiproea vox est BC, auditur vox quoque seeundo D —
338 fehlt BD — Ne C — 339 Si dubitas, ubi sim, erige triste [suspice, tolle B] caput
BCD — 340 fehlt BD — 342 Hie studiis BD, Hicque sedens C — 344 tarnen AC —
184 146. Die Rübe.
Pape, scholas quaerunt longe lateque schoiares,
Hie tantum veras noveris esse scholas.
345 Utque scias, Saccus quid contulerit mihi praesens,
De multis saltem suggero pauca tibi.
Hie artes multas doeuit me philosophia,
Ut Sit nota mihi machina tota poli.
Hie ego stellarum didici cognoscere Signa,
850 Quatenus ex ipsis quaeque futura sciam.
Hie me naturas fateor didicisse ferarum,
Hie mibi natura panditur omnis avis.
Addo, quod herbarum didici discernere vires,
Ut bene coniciam, quae bona, quae mala sit.
355 Hie arbustarum didici vires lapidumque
Et didici, quid sit utilitatis in bis,
Et didici tumidi maris indagare profundum.
Hoc totum Saccus contulit ille mihi.
Audisti, qualis sacci natura sit huius,
360 Qui possessori dat bona tanta suo.
Hie certe Saccus pretioso dignior ostro,
Hegali melior utiliorque stola.
Experior certe deliros esse schoiares,
Qui multas quaerunt circumeuntque scholas.
Auf 344 folgen in C die Verse 365 bis 366, dann in BCD:
Hie si fas sit adhuc horam subsistere parvam,
Omnia plena dabit philosophia mihi.
Tunc cum prodiero, puto, me sapientior inter
Terrigenas omnes non erit ullus homo.
345 bis 347 fehlt in BD — auf 347 folgt in BCD:
Pectore clausa meo latet orbita totius anni.
348 Sic quoque siderei fabrica BD — Auf 349 folgt in BCD:
Lumina magna duo vi complector rationis
Nee sensus fugiunt astra minora meos.
Sed neque me signa possunt duodena latere.
350 bis 356 fehlen BD — scire futura queam C — 353 cognoscam C — 357 Quas vires
habeant singula membra mea B, signa scio C, quas et arena maris D — in D folgt:
Flatus ventorum bene cognovi variorum,
Cuilibet et morbo quae medicina valet.
Vires herbarum bene cognovi variarum
Et quae sit volucrum vis simul et lapidum.
Septem per partes cognovi quaslibet artes;
Si foret hie Cato, cederet atque Plato.
Quid dicam plura ! Novi bene singula iura,
Caesareas Ieges hie studui varias,
Qualiter et fraudes vitare queam muliebres.
Dann in BCD:
Quod mare, quod terras et quod colit aera, novi,
Gratulor haec isto me didicisse loco.
Hie totum didici, totus quod continet orbis.
358 continet iste meus BD — 359 bis 360 fehlen BD — 361 Nobilis hie BCD — fulvo
pretiosior auro C — 362 bis 371 in BCD:
De cuius gremio gratia tanta fluit.
Si semel intrares, daret experientia nosse,
Hie quantum Saccus utilitatis habet.
146. Die Rübe. 185
365 Quidam Parisius aut oppida cetera gyrant,
Expendunt multa proficiantque parum.
Hie ego momentum transegi sie sine sumptu
Et didici, quidquid sehe novisse fuit.
Hie tibi si detur saltem brevis hora studendi,
370 Disces, quid locus hie utilitatis habet.'
His nugis simplex iuvenis male traditus orat,
Quatenus in saeco possit habere locnm.
Pendulus 'Absit,' ait, 'nee enim sie deeipies me;
In saccam, socie, non ita venit homo.'
375 Et contra iuvenis vocem prorumpit in istam:
'Sacci, ni fallor, istius hospes ero.
Iam novi, quanta Saccus virtute redundet,
In cuius pausat philosophia sinu.
Iam satis es sciolus, adeo iam doctus es, ut te
380 In mundo nnllus doctior esse queat.
Quisquis es in saeco, quaero miserere miselli,
Quatenus in saeco sit mihi pausa brevis!
Si te forte precum non flectunt verba mearum^
Muneris, ut spero, te bene flectit amor.
385 Et ni sponte velis flecti mercedis amore,
Pendere curabo, quiequid habere voles.'
Tunc at invitus e saeco prodiit ille
Pendulus ac iterum verba rependit ei :
'Niteris in vanum, non est mihi tibia tanti,
390 Ut pretio Saccus veneat iste tuo
Utque scholas istas me velle relinquere speres.
Credulus his nugis infelix ille scholaris
372 Orat, ut BCD. Es folgt in BCD: Tunc velut invitus ex saeco prodeat, ille — 374
Dixit: In hunc saecum BCD — 375 bis 407 in BCD:
At si condigna merear mercede potiri,
Hie patiar parva te residere mora.
Sed precor, exspeeta, donec pertranseat hora;
Discendi modica portio [pars quia D] restat adhuc.'
Ille rei cupidus modicam non susiinet horam :
'Gratis', ait, 'praesens tempus et hora perit.
Eia rumpe mores, si vis praestare cupitum!
Urit enim pectus diva sophia meum.
En foris experior, quod habet dulcedinis intus
Saccus hie, unde mihi tarn bonus exit odor.'
Taliter oranti respondet pendulus ille:
'Me, frater, cogis linquere grande bonum,
Utque satisfaciam tibi, me demitle deorsum,
Et voti compos efficiere tui.'
Non differt ille, solvit saecumque virumque,
Denique pendendi tanta libido fuit.
Nonne vides hominem sua damna sibi fabricantem,
Sponte sua laqueum dum parat iste sibi?
Impiger in saecum iuvenis descendit apertum.
186 146. Die Rübe.
Absit, deciperis, spes tua tota perit.
Malo mori, socie, quam perdere delicias has,
Si mihi sim. nequam, cui bonns esse queo.
395 Non tibi delicias sacci me vendere speres,
Absit, in bunc saccum non ita venit bomo.
Non mihi continget istum venumdare saccum,
In cuius pausat philosophia sinu.
At quia discendi multo nammaris amore,
400 Cedo tibi gratis ad. breve tempus ego.
Cumque satis fueris potitus fönte sophiae,
Delicias sacci tunc mihi xedde mei!
Ocius ascende ramum restemque rescinde,
Ut voto compos efficiare tuo !'
405 Hoc miser audito pendenti laetus oboedit,
Ut sacci possit utilitate frui.
Exit hie, ast alter festinat, ut ingrediatur,
Seque trahi sursum postulat, ille negat.
'Differ,' ait, 'modicum, socie! Non sie habet ordo,
410 In saccum, socie, non ita venit homo.'
Deponensque caput ad humum talosque supinans
'Haec est lex sacci, sie eris intus,' ait.
Haec dicens miserum libravit in aethera suisum
Ac in nodoso stipite vinxit eum.
415 Stans igitur coepit sie insultare scholari
Et derisoris voce locutus ait:
'Ecce, quod optasti, quod quaesisti, quod amasti,
Nunc compos voti factus es ipse tui.
Iam, puto, coepisti doctissimus esse sophista,
420 Ut toto similis non sit in orbe tibi.
O te felicem nimis egregiumque magistrum,
Quem fovet in gremio philosophia suo !
Experiar certe, quantum modo delicieris,
393 Malo] Mallem A — 399 AI] Et A — 408 ille negat] absque mora BCD — 409 socie,
non sie habet] etenim sie congruus B, nee enim se sie habet C, nee sie tibi congruit D
— 411 Deponasque A — Deprimit ergo caput homini talosque [saecumque D] supinat
BCD — 412 bis 432 in BCD:
'Frater, in nunc saccum sie homo venit,' ait.
Ocius hunc miserum libravit in aera sursum:
'Sic est mos sacci, sie eris intus', ait:
Insultans risu pendenti sie ait: 'Eia,
In sacrum, socie, quomodo venit homo?
Iam puto, coepisti doctissimus esse sophista [poeta B],
Te tua, ni fallor, experimenta docent.
Ergo sede, donec sapientior efficiaris;
Nam vere stullus esse probare modo.'
His dictis conscendit equum pendentis abitque [loca deserit illa BD]
Quique pedes venit, in sua tendit eques. —
146. Die Rübe. 187
Quem talis sacci claustra beata tenent.
425 Philosophare modo, propone, quod hie didicisti,
Quantumcumque potes, philosophare modo!
Utere sorte tua, quam toto corde petisti
Quamque deus tribuit, utere sorte taa!
Nunc superest, ut pace tua mea teeta revisam,
430 Iam non in saecum curo venire meum.'
His dictis aseendit equum pendentis abitque
Et ciamans inquit: 'Magne sophista, vale!'
In C folgt:
Incolumis, laetus et iugi pace quietus
Decursat vitam sorte favente bona,
Divitiis floret, in prosperitate superbit,
Donec cuncla simul mors inimica tulit.
Die riesige Eübe gehört gleich dem oben 2, 515 erwähnten
großen Kohlkopfe zu den Scherzen der Lügenmärchen. So erzählt
in den 'Neuwen Zeytungen auß der gantzen Welt' (am Laiebuch
1597; vgl. v. Bahders Ausgabe 1914 S. LX; abgedruckt Zs. f. dt.
Alt. 16, 449 v. 461) ein Wandrer dem Wirte:
. . . Bei Straßburg hab icli gsehn
Ein ruben auf dem felde stehn,
Die ist gewachsen also groß,
Daß ich mit einem schnellen ros
In treien summertagen lang
Nicht hab können tun ein umbgang.
Ebenso heißt es im Volksbuch von dem lügenhaften Auf-
schneider Urban Fettsack (Scheibles Schaltjahr 4, 126. 1847. Auch
ins Schwedische übersetzt, Lund 1790) : Als ich nun weiter fort-
wanderte und nach Straßburg kam, sah ich daselbst auf dem Feld
eine solch große Rübe stehen, als ich noch niemals eine gesehen,, und
ich glaube, daß einer mit einem Roß in drei langen Sommertagen
dieselbe nicht umreiten könne.' 'Rüben gen Straßburg füren' be-
deutet daher in Jobins Vorrede zu Fischarts Ehezuchtbüchlein 1578
(Werke ed. Hauffen 3, 123) soviel wie eine unnütze Arbeit. Auch
in Fischarts Aller Practick Großmutter 1572 (1876 S. 24) und in
Arnolds Lustspiel in straßburgischer Mundart 'Der Pfingstmontag'
1816 S. 177 wird das Straßburger Gemüs gerühmt: 'Kruttköpf
vierdelszentnerschwer un zwölfpf ündji Retti'. Ein elsässisches Lügen-
märchen berichtet von einer Rübe so groß, 'daß emol e Has in e
Loch dri gsprunge isch, un Hund un Jäger noh, un sin siebe Johr
188 146. Die Rübe.
drin umrae gloffe, ob sie wieder use kho sin' (Stöbers Alsatia
1873—74, 147); in einem Lobenfelder Märchen (Alemannia 24, 182)
fressen sich Rind und Kuh in die gewaltige Rübe hinein, daß am
dritten Tage nur noch die Schwänze zu sehen sind ; vgl. E. Meier,
Vm. aus Schwaben nr. 24. Bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 187
müssen sieben Mann eine solche Rübe auf den Wagen heben. Sie zu
kochen, bedarf man natürlich eines noch größeren Kessels; vgl. die
Neuwen Zeytungen von 1597 und Müller-Fraureuth, Lügendichtungen
1881 S. 125; dazu Jones-Kropf, Folktales of the Magyars p. 361;
Aberg nr. 344 — 345; Hackmans Register nr. 1920a; Aarnes Register
nr. 1920a.
Das Märchen selbst zerfällt in zwei Teile: A. Ein armer Bauer
(oder ein verarmter Ritter), der eine auf seinem Acker gewachsene
außerordentlich große Rübe dem Könige zum Geschenke bringt, er-
hält dafür eine stattliche Belohnung; als sein reicher, aber habgieriger
Bruder in der Hoffnung auf noch höheren Lohn dem Herrscher kost-
barere Gaben darbringt, überreicht ihm dieser die seltene Rübe als
Entgelt. B. Wütend lockt der Getäuschte den Bruder in den Wald
und läßt ihn in einen Sack stecken ; der aber beredet, wie das Bürle
(oben 2, 10: H), einen vorüberreitenden Studenten, mit ihm zu
tauschen, und entrinnt wohlbehalten.
Den ersten Teil berichtet Erasmus in seinem 'Convivium
fabulosum' (Colloquia 1523 = Opera 1540 1,645) von einem französi-
schen Bauern Conon und König Ludwig XL ; der mißgünstige Hof-
mann ist jedoch nicht mit dem Bauern verwandt.
Ludovicus Galliarum rex, eius nominis undecimus, cum rebus domi
turbatis peregrinaretur apud Burgundiones, occasione venationis nactus
est familiaritatem cum Conone quodam, nomine rustico, sed animi sim-
plicis ac sinceri. Nam hoc genus hominibus delectantur monarchae. Ad
huius aedes frequenter diverterat rex ex venatu et, ut plebeis rebus non-
nunquam delectantur magni principes, apud eum magna cum voluptate
vescebatur rapis. Mox ubi Ludovicus restitutus iam rerum potiretur apud
Gallos, submonuit Cononem uxor, ut regem veteris hospitii commone-
faceret, adiret illum et rapas aliquot insignes illi dono adferret. Tergi-
versatus est Conon, se lusurum operam, principes enim non meminisse
talium officiorum. Sed vicit uxor; deligit Conon rapas aliquot insignes,
accingitur itineri. Verum ipse per viam captus illecebra cibi. paulatim
devoravit omnes, una duntaxat excepta insigniter magna. Ubi Cono
prorepsisset in aulam, qua rex erat iturus, statim agnitus est a rege et
accersitus. Ille magna cum alacritate detulit munus; rex maiore cum
146. Die Rübe. 189
alacritate accepit mandans cuidam e proximis, ut diligenter reponeretur
inter ea, quae haberet carissima. Cononem iubet secum prandere, a
prandio egit Cononi gratias et cupienti repetere rus säum iussit pro rapa
numerari mille coronatos aureos. — Huius rei fama cum, ut fit, per omne
regis famulitium esset pervagata, quidani ex aulicis dono dedit regi
equum non iuelegantem. Rex intelligens illum provocatum benignitate,
quam praestiterat Cononi, captari praedam, vultu maiorem in modum
alacri accepit munus et convocatis primoribus consultare coepit, quo
munere pensaret equum tarn bellum tamque pretiosum. Interim qui do-
narat equum, spes opimas animo concipiebat sie cogitans: Si sie pensavit
rapam donatam a rustico, quanto munificentius pensaturus est equum talem
oblatum ab aulico! Cum regi veluti de magna re consultanti alius aliud
responderet diuque vana spe laetatus esset captator, tandem rex: 'Venit,'
inquit, 'in mentem, quod illi donem.' Et accersito ex proeeribus quopiam
dicit in aurem, ut adferat id, quod reperiret in cubieulo (simulque locum
designat) serico diligenter obvolutum. Adfertur rapa; eam, ut erat ob-
voluta, rex sua manu donat aulico addens sibi videri bene pensatum
equum eimelio, quod sibi constitisset mille coronatis. Digressus aulicus
dum tollit linteum, pro thesauro reperit non carbones, quod aiunt, sed
rapam iam subaridam. Ita captator ille captus risui fuit omnibus.
Auf Erasmus gehen zurück die Berichte bei Gast, Convivales
sermones 1, 169 (1549); Maiolus, Dies caniculares 1613 p. 737 C;
Schertz mit der Warheyt 1550 Bl. la. Kirchhof, Wendunmut 2, c. 39
(1602). Lundorf, Wißbadisch Wiesenbrünnlein 2, 126 nr. 52 (1611).
Gerlach, Eutrapeliae 2, 80 nr. 226 (1662). Lehmann, Exilium
melancholiae 1669 S. 149 (ungenannter König; Rettig und Quitte).
C. A. M. v. W., Zeitvertreiber S. 24. Abraham a S. Clara, Bescheid-
essen 1717 S. 399 = Werke 9, 462. Helmhack, Fabelhannß nr. 136
(1729). Vademecum für lustige Leute 1, nr. 118 (1767). Chr. F.
Weiße, Lieder uud Fabeln für Kinder 1807 S. 224 'Die große Rübe'.
H. Wescht, Fastnachtspiel von der geschenkten Rübe (1575. Goedeke,
Grundriß 22, 396). Grosser, Die merckwürdigen Belohnungen des
ehemaligen Frantzösischen Königs Ludovici XL (Görlitzer Schul-
komödie 1724. Neues Lausitz. Magazin 43, 125). Niederländisch:
Cluchtboeck, Antwerpen 1576 p. 66 nr. 83 (Tijdschrift voor nederl.
taalkunde 10, 133). Englisch: Merry tales and quicke answeres
1567 cap. 23 (Shakespeare's Jest-books ed. Hazlitt 1881 p. 34). Mel-
bancke, Philotimus 1583 (Koppel, Studien zur Gesch. der italien.
Novelle 1892 S. 60). Französisch: Garon, Chasse-ennuy 1, 61
nr. 59. Nouveaux contes ä rire 1702 p. 129 = 1752 2, 28 'Le navet
190 146. Die Rübe.
de Louis XI' = Contes ä rire et aventures plaisantes 1881 p. 292.
Baraton, Poesies diverses 1705 p. 11 'La rave'. Italienisch:
Domenichi, Facetie 1562 Bl. 72b = 1571 p. 153. Brunetto, Lettere
1548 Bl. 15a. Cäsalicchio, L'utile col dolce p. 382 (3, 3, 3).
Spanisch: Juan Aragon es nr. 5 (ßiblioteca de autores esp. 3, 167).
— Auf Franz I. von Frankreich ist die Geschichte übertragen bei
Giraldi Cinthio, Hecatommithi 1565 6, nov. 9; auf Heinrich IV., der
auf Roquelaures Bat dem Bauern für den großen Kürbis ein Pferd
schenkt, bei Blade, Agenais 1874 p. 47 'Les deux presents' = Blade,
Gascogne 3, 272; auf Karl V. im Vermaekelyken Klugtvertelder,
Gent o. J. p. 16 = Wolf, DSM. nr. 287 'Kaiser Karl und der Rüben-
käs' und in Pasquils jests 1604 nr. 51 (Hazlitt, Shakespeare's jestbooks
3, 51); auf einen namenlosen König, der eine Traube und ein Roß
zum Geschenk erhält, bei L. H. v. Nicolay, Vermischte Gedichte 5,9
(1794) = Bamler, Fabeln und Erzählungen 1797 S. 45 'Die Traube';
auf einen ungenannten großen Herren, den der Köhler mit Erdäpfeln
bewirtet, bei Simrock, Märchen nr. 46 'Das Gegengeschenk'; vgl.
Hackmans Register nr. 1960 D.
In einem k 1 e i n ru ss i s c h e n Schwanke aus Südungarn
(Etnogr. Zbirnyk 30, 293 nr. 149) erhält der Bauer für seinen großen
Kürbis vom Kaiser zwei Ochsen, sein reicher Nachbar für zwei
Ochsen den Kürbis. Ähnlich Kolberg, Chelmskie 2, 117 nr. 18.
In einer andern Fassung aus dem Gouv. Cernigov bei Malinka S. 357
n r. 73 bringt der Bauer zur Weihnacht dem Herrn eine Gurke, der
Reiche aber im Sommer einen ganzen Wagen voll Gurken. Ebenso
Dragomanov, Rozvidky 2, 222, Cubinskij 2, 522 nr. 18 und Hrincenko,
Iz ust naroda S. 400 nr. 369. Weißrussisch bei Sejn 2, 299
nr. 139 (drei Knaben bringen einen im Acker gefundenen Diamanten,
ihr neidischer Onkel Haare, die er seinem Weibe ausgerissen). Bei
den Großrussen (Wesselofsky in der Zs. Altes und neues Ruß-
land 1876 nr. 4 S. 313 — Dragomanov, Rozvidky 2, 225) lohnt der
Zar Iwan der Schreckliche dem Bauern, der ihm eine große Rübe
und ein Paar Bastschuhe überreicht, indem er allen Edelleuten ge-
bietet, sich bei jenem Bastschuhe machen zu lassen; dem Reichen,
der ihm ein Pferd bringt, schenkt er die Rübe. Dies berichtet schon
der Engländer Collins im 17. Jahrh. (Savcenko S. 59). Kryptadia 1.
nr. 21 (1883). Bei Afanasjev3 2, 429 nr. 249ww sieht der Bauer,
wie ein Herr 50 Rubel für einen Kanarienvogel zahlt, und bringt
ihm einen Gänserich. Finnisch: Aarnes Register nr. 1960 D.
146. Die Eübe. 191
Singalesisch: Parker 2, 333 nr. 148 'The Ratemahatmayä's
presents'.
Von dem mißratenen Versuch den Glückserwerb zu über-
bieten, da doch das unschuldige Herz fehlt, erzählen auch andre
Märchen; so der oben 2, 74 angeführte italienische Schwank von
den beiden Genuesern im katzenlosen Lande, der auch in einem
provenzalischen Gedicht von G. Azais (Revue des langues rom. 27,
194 'Un present de roi') wiederkehrt. Nach dem im 7. Jahrhundert
geschriebenen Midrasch Wajikra rabba (übersetzt von Wünsche 1884
S. 169 cap. 25, 19, 3. Hurwitz, Sagen der Hebräer 1826 S. 69.
Jolowicz, Blüten rabbinischer Poesie 1845 1, 83. Levi, Parabeln
aus Talmud und Midrasch 1877 S. 173. Gelbhaus, Über Stoffe
altdeutscher Poesie 1887 S. 71) fragte Hadrian in Tiberias einen
hundertjährigen Juden, warum er Feigenbäume pflanze, da er deren
Früchte kaum erleben werde. Als aber die Bäumchen nach einigen
Jahren Feigen trugen, brachte der Greis einen Korb voll dem
Kaiser, der ihm dafür den Korb mit Goldstücken füllte. Da
schleppte auch sein habgieriger Nachbar einen Sack Feigen zum
Kaiser, um gleichen Lohn zu erhalten; der aber ließ ihn vors Tor
stellen und ihm die Feigen ins Gesicht werfen.1) In Palästina lebt
diese Geschichte, auf den Kalifen Harun er Raschid übertragen, fort
(Hanauer p. 161). In einer arabischen Geschichte aus Mesopotamien
(Meissner nr. 35. Beitr. 5, 63) wird sie verbunden mit der sinn-
reichen Teilung des Huhns (oben 2, 360). Ähnlich belohnt in der
152. Novelle Sacchettis (vgl. Francia, F. Sacchetti 1902 p. 117)
Bernabö Visconti einen spanischen Ritter für das Geschenk eines
zierlich abgerichteten Esels durch die Gegengabe eines stattlichen
Pferdes, während ein Florentiner, der ihm darauf zwei Esel schickt,
nur Spott erntet. In dem magyarischen Schwanke vom Ofener
Hundemarkt (Die österreichisch-ungarische Monarchie, Ungarn 1, 335..
1888) kauft König Matthias einem Schafhirten, dem die Türken alles
bis auf seine sechs Hunde geraubt, diese ab, jagt aber seinen
Nachbarn, der darauf mit einer großen Menge von Hunden kommt,
davon. So lohnt schon in der äsopischen Fabel vom Holzhauer und
*) Zu diesem letzten Zuge vgl. "VVesselski, Nasreddin 1, 227 nr. 71,
sowie R. Köhler 1, 494 und Clouston, Populär tales 2, 467. Kuttner,
Jüdische Sagen 4, 23 (Midrasch Kohelet 2, 20). Cento novelle antiche
nr. 74. A. dAncona, Studj 1880 p. 332 = Romania 3, 180.
192 146. Die Rübe.
Hermes (Halm nr. 308) der Gott dem Wahrhaftigen und Bescheidenen,
der nur seine in den Fluß gefallene Axt wiederbegehrt, durch das
Geschenk der goldenen und silbernen Axt, die jener als ihm nicht
gehörig zurückgewiesen hatte; der Lügner aber, der die Frage des
Hermes, ob er die goldene Axt verloren habe, bejaht, erhält auch die
eiserne nicht zurück. Vgl. Steinhöwel, Äsop S. 254 ed. Oesterley ;
Waldis, Esopus 3, nr. 72; H. Sachs, Fabeln 6, 188 nr. 964; Kirch-
hof, Wendunmut 7, nr. 15; Puchmajer (Zbornik jslav. 21, 11 nr. 12);
Leo Tolstoj, Der Bauer und der Wassergeist; Jurkschat 1, 19 nr. 4
(vgl. Basanowicz nach der Zahorska Kronika 6, 20); Castren, Finn.
Mythologie 1853 S. 75; oben 2, 227.
Die im zweiten Teile des Raparius vorkommende Erlösung
aus dem Sacke ist genau die List, durch die Unibos (oben 2, 7)
sich aus der Tonne rettet, worin die Bauern ihn ersäufen wollen,
indem er einem vorübergehenden Sauhirten weismacht, daß wer sich
hineinlege, zu großer Würde abgeholt werden solle. Statt der
Tonne ist es bei Valentin Schumann, in der Geschichte Camprianos,
Scarpacificos, Bertoldos und vieler andrer Seitenstücke zu unserm
Bürle (nr. 61) ein Sack, aus dem sich der schlaue Held durch
Tausch mit einem Einfältigen befreit. Auch die vom Biesen in
einen Sack gesperrte Meisterdiebin Molly Whuppie (oben S. 37)
macht die Riesenfrau so neugierig, daß diese statt ihrer hinein-
kriecht. Einen Sack des Ruhmes1) hält der Meisterdieb, als Engel
verkleidet, dem Pfarrer vor und läßt ihn hineinkriechen (unten zu
nr. 192). In der Tierfabel2) dagegen erlöst sich der Fuchs aus dem
Brunneneimer dadurch, daß er den dummen Wolf berückt, im andern
Eimer hinunter ins Himmelreich einzugehen, damit ihn dieser heraus-
ziehe; als sie sich unterwegs in den Eimern begegnen, sagt der
Fuchs spöttisch: 'So gehts in der Welt, der eine auf, der andere
nieder.'
Merkwürdig gemahnt die Vorspiegelung des im Sacke Ge-
fangenen, er lerne am Baume hangend Weisheit (Raparius
J) In einem Negermärchen (Kölle p. 179 nr. 10 = Bleek, Reineke
Fuchs in Afrika S. 97) steckt der Verstand in einem zugebundenen Sack;
ein Wiesel öffnet ihn und nimmt sich davon.
2) J. Grimm, Beinhart Fuchs 1834 S. 58. 356. 425. Voretzsch, Zs. f.
roman. Phil. 15, 358. Sudre, Sources da roman de Renart 1892 p. 226.
Foulet, Le roman de Renard 1914 p. 289. Kurz zu Waldis, Esopus 4,
nr. 8. Sv. landsmäl 3905, 47 nr. 12 (Fuchs und Hase).
147. Das junggeglühte Männlein. 1^3
v. 341), an die Art, auf die Odin geheimer Wissenschaft mächtig
wird. Nach der Edda (Hövamöl Str. 138. Gerings Übersetzung
S. 105) opfert er sich selbst, indem er sich an der Weltesche
Yggdrasil aufhängt und sich mit dem Speere verwundet:
Ich weiß, daß ich hing am windbewegten Baum
Neun Nächte hindurch — — —
Zu gedeihn begann ich und bedacht zu werden.
Angesichts der Bezeichnung 'cpiasi Socraticus', die der oben am
Baum Hängende in den Hs. BD des Raparius (S. 183 zu v. 324) er-
hält, könnte man sogar an Aristophanes Wolken erinnern, wo
Sokrates in einem Hängekorb schwebend spekuliert ; allein jener
Schreiber des 15. Jahrhunderts hat schwerlich etwas von den Aristo-
phanischen Komödien gewußt und vermutlich an das 28. Exemplurn
der Disciplina clericalis des Petrus Alfonsus gedacht, wo Sokrates
(wie sonst Diogenes) sich in die Einsamkeit des Waldes zurückzieht
und in einer Tonne wohnt.
147. Das junggeglühte Männlein. is« s. 231.
1815 nr. 61 = 1819 nr. 147. — Nach Hans Sachs, Ursprung
der Affen (1562. Folioausgabe 4, 3, 69b = 17, 290 ed. Keller-Goetze
= Fabeln und Schwanke ed. Goetze 2, 304 nr. 290. Zuvor schon
1536 in einem Meisterliede behandelt: Fabeln 3, 142 nr. 57); vgl.
Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 51. — Dra-
matisiert bei F. Roeber, Marionetten 1885 S. 1 14 'Das Märchen vom
h. Andreas'.
Hans Sachs benutzte augenscheinlich einen Spruch von Hans
Folz 'Von wannen die Affen kommen' (Zs. f. dt. Altertum 8, 537),
der auch einem kurzen Gedicht auf einem Holzschnittbogen des
Nürnbergers Georg Glockendon (f 1515. Wendeler, Archiv f.
Litgesch. 7, 330 = Dähnhardt, Natursagen 2, 162) zu Grunde liegt.
In neueren Fassungen fehlt meist der Schluß, daß die schwangeren
Frauen aus Entsetzen vor der Mißgestalt der verbrannten Alten ähn-
liche Mißgeburten zur Welt bringen. Im oberpfälzischen
Märchen bei Panzer 2, 18 = Merkens 1, 74 läßt der Schmied, der
Grimm, Märchan -Anmerkungen ITI. 13
194 147. Das junggeglülite Männlein.
über seine Werkstatt geschrieben hat 'Meister über alle Meister',
Christus flehentlich bitten, zurückzukehren und die verbrannte und
in Stücke geschlagene Nachbarin zu beleben ; der Herr legt die
Trümmer nochmals ins Feuer und auf den Amboß, aber er kann
nichts andres als einen Affen herausbringen. Aus Wald eck bei
Curtze S. 83 nr. 18 'Der Eiesenbezwinger' übertragen auf einen
Schmiedegesellen und verbunden mit den Abenteuern des Hasen-
hüters und Grindkopfes. Aus Luxemburg bei Gredt 1885 nr. 854, 1
(Geselle). Aus Pommern bei Jahn, Volksmärchen 1, 255 nr. 48
'St. Peter und der Schmied' (Christus fehlt) und Knoop 1885 S. 203
'Wie eine alte Frau umgeschmiedet wird' (Geselle). — Vlämisch:
De Mont en de Cock, Vertelsels p. 108 'De Oorsprong van den Aap'
(St. Elooi verjüngt die Alte, ein anderer Schmied versucht das Gleiche
vergeblich an seiner Frau). Vincx, Grappige Vertelsels, tweede reeks
1, 58 (1904. Dähnhardt 2, 288). Teirlinck, Contes flamands p. 89
'Creation des singes' (Christus). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Re-
gister nr. 119 'Vorherre og smeden'. Kristensen, Sagn og Overtro
fra Jylland 1, 239 nr. 329 'Lsekattens Oprindelse (Christus macht die
Alte zum Hermelin) und nr. 330 'Den ferste Ugle' (die Alte wird
zur Eule). For Ide og Virkelighed 1870, 1, 364 'Hvordan Uglen blev
til' (aus Jütland. Eule). — Schwedisch: Aberg nr. 155 'Smied för
alla smieder' (unvollständig) und nr. 123 'Smens tri önskningar1 (die
Frau bleibt tot ; dann der Spielhansel oben nr. 82). Hackmans
Register nr. 753. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 21 = Brese-
mann 1,148 'Vom Schmiede, den der Teufel nicht in die Hölle lassen
durfte' = Stroebe 2, 280 = Dasent 1859 p. 120 (die Frau bleibt
tot; dann der Spielhansel). M. Moe, Norske Univ. og Skole-
annaler 1880,249. — Französisch: Gittee-Lemoine p. 76 'L'origine
du singe' = La Tradition 3, 250. Wallonia6, 154 'La vieille devenue
singe'. — Italienisch: De Nino 4, 79 'Gesü Cristo, gli apostoli e
Sant' Eligio'. Archivio 4, 477 nr. 6 'Come nacque l'orso'. — Portu-
giesisch: Leite de Vasconcellos, Ensaios ethnograpbicos 4, 263
nr. 6 (1910) = Giornale di filologia romanza 4, 194 (1883). —
Serbisch: Rica 8 (1912), nr. 13 'Des Teufels Freund' (der Teufel
als Greis läßt sich vom Gesellen verjüngen ; der Meister versucht
es bei der Raiserin). — Öechisch: Slavische Blätter 1,241 (1865)
= Dähnhardt 2, 163. — Polnisch: Rolberg, Lud 8, 97. 21, 192
(Teufel statt Christus). Wisla 14, 68 (Jesus schmiedet die häßliche
Tochter des Schmiedes um; die Tochter der Schmiedsfrau, an der
147. Das junggeglühte Männlein. 195
der Mann das Gleiche versucht, verbrennt; aus ihrer Asche wächst
Tabak). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 155 nr. 208. S. 526
nr. 657. — Kleinrussisch: Cubinskij 1, 154. — Weißrussisch
aus dem Gouv. Wilno: Karlowicz S. 58 nr. 39. — Estnisch:
Dähnhardt 2, 167 nr. 7a — b. — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 1 =
Schreck S. 159 nr. 18 'Die wundersame Schmiede'. Suomi 3, 14, 81.
Aarnes Register nr. 753.
Während in diesen Erzählungen der vorwitzige Versuch, das
Wunder des Heilands oder des Apostels nachzuahmen, für die ins
Schmiedefeuer geworfene Frau schlimme Folgen hat, wird diese ander-
wärts durch den herbeigerufenen Meister schließlich doch verjüngt.1)
So in dem mittelenglischen Gedichte 'The sm}rth and his dame'
bei Hazlitt, Remains of the early populär poetry 3, 201, Horstmann,
Altengl. Legenden n. F. 1881 S. 322 und Kurz, Die junggeglühte
Frau, Progr. Gotha 1908. 4°. Hier beschämt Jesus einen hoffärtigen
Schmied in Ägypten, der sich Meister ohnegleichen nannte, indem
er dessen lahme Schwieger ins Feuer legt, mit dem Hammer be-
arbeitet und zu einer schönen Frau von dreißig Jahren macht. Trotz
seiner Warnung versucht der Schmied das Gleiche mit seinem blinden
Weibe, das unter seinen Händen stirbt; er rennt wie wahnsinnig
dem Herrn nach; dieser läßt sich erweichen, kehrt um und segnet
den verkohlten Leichnam, der nun jung und schön aufersteht.
Deutsch: Simrock, Deutsche Märchen S. 148 nr. 31b 'Der Meister
über alle Meister'. Französisch: Luzel, Legendes ehret. 1, 22 'La
fiancee de Saint-Pierre'. *Cadic, Contes de Bretagne (Revue des
trad. pop. 18, 602). Italienisch aus Wälschtirol : Hörmann, Zs. des
Ferdinandeums 1870, 226 'Wie es der Herr einem andern Schmied
gemacht hat' (nachdem Jesus den Petrus umgeschmiedet hat, will es
der Schmied mit seinem alten Vater ebenso machen). Aus Venetien :
Widter-Wolf nr. 5 'Der Herrgott, St. Peter und der Schmied' (Jahr-
J) Dies ist ein Seitenstück zu der Toten erweck ung, die der
Bruder Lustig (oben 2, 150: E) dem Apostel Petrus nachzumachen ver-
sucht. Zu den 2,155 angeführten italienischen Fassungen gehören noch:
Bagli 1887 p. 18 nr. 7 'San Giovanni ruba un fegato di agnello'. Nioc.
Tommaseo 1, 94 nr. 2 'Pipetta'. Pitre, Fiabe e leggende nr. 48 'Mastru
Franciscu e l'ancilu'. — In cechischen Schwänken bei Polivka, Povidky
opavsk. S. 94 nr. 30 und S. 115nr.43 und Kubin, Podkrkonosinr. 63. 252 foppt
ein Spaßvogel die Köchin und die Magd, die verjüngt werden wollen;
ähnlich in einem bretonischen Schwank Revue des trad. pop. 11, 299.
13*
196 147. Das junggeglühte Männlein.
buch f. roraan. Lit. 7, 28; vgl. R. Köhler 1, 296). Aus Verona:
Nicc. Tommaseo 2, 122 nr. 3 'El maestro de tuti i maestri'. *Gor-
tani, Tradizioni pop. friulane 1904 1, 82 'Li mestri sore duc i
mestris'. Aus Sicilien : Archivio 7, 384 nr. 3 'Lu primu mastru di lu
munnu'. Pitre, Fiabe e leggende nr. 47 'Lu mastru supra tutti li
mastri' (Jesus schmiedet den h. Joseph um). K a sc hu bisch :
Lorentz, Teksty S. 474 nr. 608 (der Gesell verjüngt den Hund, dann
den Meister; da aber die Tochter dazwischen kommt, bleibt ein
Fuß lahm). — Eine weißrussische Fassung bei Sejn 2, 144 =
Dähnhardt 2, 158 und zwei polnische (Mater, arch. etnogr. 1, 61
nr. 6. Kolberg 21, 192 nr. 11) stimmen darin zur waldeckischen, luxem-
burgischen und hinterpommerschen Aufzeichnung, daß nicht Christus,
sondern ein als Schmiedegeselle verkappter Teufel den Greis ver-
jüngt; der Teufel rettet auch nachher den Schmied, dessen Kur
mißlungen ist, vom Galgen. Ähnlich großrussisch bei Afanasjev,
Legendy S. 104 nr. 31 = Ralston p. 57 'The smith and the demon'
und aus dem Gouvernement Nowgorod in Zivaja Starina 4, 12
(1891); weißrussisch bei Federowski 1, 11 nr. 21 (Bruch-
stück); kleinrussisch aus Ostgalizien im Etnogr. Zbirnyk 15, 11
nr. 17, bei L. Borovikovskij, Otecest. Zapiski 1840 = Afanasjev.
Legendy S. 196 ; Hrincenko 2, 73 nr. 69 (ähnlich dem büßenden
Teufel oben 2, 294 dient ein Wolf dem Schmiede drei Jahre und
verjüngt seinen Hund, seine Mutter und andre alte Weiber) ; i m er e t i-
nisch im Sbornik Kavkaz. 13, 2, 27. Ein Negermärchen aus
Virginien bei Groome, Gypsy folk-tales p 291 == Athen «um 1887,
20. august p. 245 'De New Han'.
Wir haben also zwei bis ins 15. Jahrb. hinaufreichende
Varianten des Märchens, von denen die erste ätiologisch den Ursprung
der Affen oder Eulen begründet. Der beiden gemeinsame Grund-
gedanke, daß die Nachahmung eines Verjüngungswunders dem un-
befugten Menschen (in der Regel einem Schmiede) mißlingt, kehrt im
Spielhansel (oben 2, 150; auch Pitre, Fiabe e leggende 1888 p. 194 und
Zytje i Slovo 2, 182 nr. 11) und in der Legende von Eligius wieder,
dessen Name uns schon in vlämischen und italienischen Aufzeichnungen
begegnete. Der h. Eli giu s (Eloi, Loy), der 659 als Bischof von Noyon
starb, wird in Frankreich und Belgien um seiner früheren Tätigkeit
als Goldschmied willen als Schutzpatron der Schmiede und der Pferde
verehrt. Zahlreiche Bildwerke des 15. und 16. Jahrh. stellen ihn
dar, wie er einem Pferde einen Fuß abgenommen hat, um ein Hui-
147. Das junggegluhte Männlein. 197
eisen darauf zu schlagen *), bisweilen auch, wie er dabei einem als
Frau verkleideten Teufel mit der Zange in die Nase kneift2]. Die
gleichzeitige Volkssage, von der die alte Lebensbeschreibung in
Mignes Patrologia latina 87, 477 noch nichts weiß, lautet im 'Sumer-
teil der Heyligen Leben', Augspurg 1472 Bl. 65b, 2: 'Darnach hieß
im der küng sein pferd mit silberin hüfeysen beschlahen. Da schneyd
Sant Loy dem pferd die füß ab nach den gelidern, vnd da er es be-
schlagen het, da saczt er im die füß wider an on allen gebrechen.
Das sach sein knecht, der wolt es ouch tun, da mocht er es nit
getün vnd verderbet das pferd. Da machet Sant Loy das pferd
wider gesunt vnd strauffet den knecht. Da sprach er: Lieber herr,
ich wolt es ouch gelernet haben. Da sprach Sant Loy: Lieber sun,
es ist nit czimlich, das doch nit zimpt ze thün.' Vgl. die Legende
von St. Loy im Münchener cod. germ. 3899, Bl. 100. — Schweizerisch :
Henne am Rhyn, Die dt. Volkssage 1879 S. 469. Schwäbisch:
E. Meier, Sagen 1, 293 nr. 330 (Elogius); Birlinger, Volkstümliches
1, 405 nr. 632 (St. Loy). Viämisch : De Mont en de Cock, Vertelsels
S. 364 'Sint-Elooi en de Smid' (Meister über die Meister) ; Wolf,
DMS. nr. 17 'Von Elig dem Schmiede' (zu Elig, der sich Meister über
alle Meister nennt, kommt Jesus in der Gestalt eines Schmiedegesellen
und beschämt ihn); Cornelissen-Vervliet nr. 12 'Van Sint-Elooi enden
Smid'; Volkskunde 2, 168. Irisch: Kennedy 1866 p. 345 'How
St. Eloi was punished for the sin of pride' = Brueyre p. 329 =
Knortz S. 123, vgl. Gaidoz, Melusine 5, 104. Französisch: Luzel,
Legendes 1, 93. Blade, Contes 2, 152 — Blade, Agenais p. 61 'Le
voyage de Notre Seigneur'. Melusine 7, 25 pl. 1 (Bilderbogen aus
Epinal). *Guibert, Legendes du Limousin 1865 p. 75. — Statt des
Eligius erscheint St. Martin in der Revue des trad. pop. 18, 593;
St. Vin centius Ferrer bei Bertran y Bros, Rondallistica 1888 p. 76
nr. 10; Christus bei Carnoy, Picardie p. 67 Les diables et le
') Gaidoz, Melusine 5, 100. 170. 6, 125. 7, 25. 77. 8, 30. 122. 153.
208. R. Köhler 1,132. Lehrs, Repertorium für Kunstwissenschaft 16, 43.
Chevalier, Repertoire des sources hist. 1905 1, 1311. — Sehr kühn ver-
gleicht J. Grimm, Myth.3 S. XXXVI. 141 die Sage von dem nächtlichen
Reiter Odin und dem Schmiede (Unland, Schriften 8, 612. Dähn-
hardt 2, 170. Schreiber, Gedichte 1817 S. 14 'Meister Olaf'. Killinger,
Sagen 2, 85).
2) Melusine 7, 88. 8, 30. Nyrop, St. Eligius (Aarboger for nordisk
oldkyndighed 1899, 155).
198 147. Das junggeglühte Männlein.
forgeron', im wälschtiroler Märchen bei Hörmann, Zs. des Ferdi-
nandeums 1870, 224, im rumänischen bei Obert nr. 27 (Ausland 1857,
1075) und im ungarischen bei Sebestyen, Legenden nr. 7 ; ein Engel
bei Haas, Schnurren aus Rügen 1899 nr. 50 ; ein namenloser Geselle
im oberpfälzischen bei Schönwerth 3, 77 und im heanzischen Zs. f.
Volkskunde 24, 30. *Cerquand nr. 76.
Das Verjüngen von Greisen samt dem mißglückenden Nach-
ahmen erinnert an die griechische Sage von Medea, Äson und Pelias
(Röscher, Lexikon der griech. Mythologie 2, 2491. 2505), auch an den
Narrenstreich eines indischen Bettelmönches, der gesehen hat, wie
ein krummer Stab durch Öl und Wärme gerade gebogen wird, und
seinen alten Lehrer ebenso behandelt (Bharatakadvatrinoikä bei
Weber, Mtsber. der Berliner Akademie 1860, 69). Zu den beliebten
Volksscherzen aber gehört die Verjüngungskur alter Weiber durch
Baden in einem Jungbrunnen *), durch Umschmelzen in einem Glut-
ofen, durch Abschleifen der Runzeln und Falten in besonderen
Mühlen2) oder durch Aufsetzen neuer Köpfe3). In einem vor 1540
zu Zürich gedruckten Fastnachtspiel 'Wie man alte Weiber jung
schmiedet' erscheint ein kunstreicher Meister, zu dem sich ein hundert-
jähriges Weiblein auf einer Schiebkarre hinfahren läßt; nachdem sie
in der Schmiede drei Feuer ausgestanden hat, tritt sie als ein schönes
Jungfräulein heraus, zahlt freudig dem Meister seinen Lohn und
sieht sich alsbald von Freiern umworben, unter denen sie den vor-
nehmsten auswählt. Von ähnlichen Aufführungen hören wir aus
Lübeck und Thorn (1440), Möskirch (1483), Königsberg (1542),
Deventer (1544. 1555) und neuerdings aus Rußland; 1525 verfaßte
der Portugiese Gil Vicente seine 'Liebesschmiede'4). Ein Augsburger
*) Grimm, Myth.3 S. 554. 3, 167. Wendeler, Archiv f. Litgesch. 7,
329. Bulte, Archiv f. slav. Phil. 18, 1321. Toldo, Studi d. filol. romanza
9, 230. Dähnhardt 2, 154. 28S. Macculloch p. 93.
2) Bolte, Die Altweibermühle (Archiv f. neuere Sprachen 102,241);
vgl. Hoffmann-Krayer ebd. 104, 355. Kück-Sohnrey, Feste und Spiele
1909 S. 186. Haberlandt, Österreichische Volkskunst 1911 Taf . 97. Reiser,
Sagen des AUgäus 2, 46. Veckenstedts Zs. f. Volksk. 4, 32. Über
Land und Meer 117, 275 (1917). Heurck, Imagerie pop. flamande 1910
p. 579. 664. Norlind, Svenska allmogens lif 1912 S. 215. Cesky Lid 18,
404. Etnograf. Zbirnyk 6, 324.
8) Bolte, Jahrbuch f. Gesch. Elsaß-Lothringens 13, 165. Archiv 102,
2423. Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit 2, nr. 1098.
4) Archiv f. slav. Phil. 18, 133. Creizenach, Geschichte des neueren
Dramas 3, 274. Maksimov, Necistaja, nevedomaja i krestnaja sila 1903
148. Des Herrn und des Teufels Getier. 199
Bilderbogen des 16. Jahrh., der in Böhmen und Bußland nachgeahmt
ward, erzählt von einem auf der Insel Senecla befindlichen Altweiber-
ofen des Vulcanus1).
148. Des Herrn und des Teufels Getier. «es.»!
1815 nr. 62 = 1819 nr. 148. Nach Hans Sachs, Der dewffel
hat die gais erschaffen, hat in dewffel-augen eingeseezt (1556. Folio-
ausgabe 1, 5, 499 b = 5, 143 ed. Keller = Fabeln und Schwanke
ed. Goetze 1, 489 nr. 172; vgl. das Meisterlied ebd. 6, 224 nr. 984);
vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 51. 127,
der auch zwei Mißverständnisse der Vorlage nachweist.
Ein uralter Grund, sagt W. Grimm, bricht allenthalben durch
diese Fabel; sie gehört, wie aus Dähnhardts reichen Nachweisen in
den Natursagen 1, 127 — 205 erhellt, zu der großen Gruppe dua-
listischer Schöpfungssagen. Aus Eifersucht ahmt der Teufel Gottes '
Schöpfertätigkeit nach, ohne sie erreichen zu können ; er bildet
einen Wolf, eine Ziege, ein Pferd, vermag sie aber erst durch den
Namen Gottes zu beleben ; statt des Menschen erschafft er einen
Affen, statt der Biene die Wespe, statt der Nuß die Eichel; oder
er wird bei solchem Wettstreite geradezu geprellt. In einer Fassung
aus Tirol bei Alpenburg, Mythen S. 254 schafft der Teufel die
Gemsen, reißt ihnen aber dann die langen Schwänze ab. Aus Trier:
Görres, Wallfahrt nach Trier 1845 S. 199. Merkens 2, 38 nr. 35.
Aus Westpreußen: Preuß S. 7 'Die Erschaffung der Ziege'.
Lemke 2, 13 nr. 22. Bulgarisch: Dragomanov, Rozvidky 3, 131.
Cechisch: C. Lid 3, 30. Polnisch: Knoop, Sagen der Prov. Posen
1913 S. 159 nr. 244 und Volkstl. aus der Tierwelt S. 59. Swie>k
S. 582. Russisch: Jastrebov, Materialy S. 13 = Dähnhardt 1,
181. Etnogr. Zbirnyk 12, 27 nr. 26 = Zytje i Slowo 2, 185 nr. 13.
Bulasev S. 406., Cubinskij, Trudy 1, 49 = Romanov 4, 168 nr. 22
= Sadovnikov S. 251 nr. 82 — Etnogr. Obozrenie 6, 140. Wot-
jakisch: Veselovskij, Razyskanija 11 — 17, 367.
Die Wölfe als Gottes Hunde vergleichen sich den Wölfen
S. 299. — In der französischen 'Farce nouvelle des femmes qni fönt refondi e
leurs maris' (Viollet Leduc, Ancien theatre franeois 1, 63) bringen Jean-
nette und Perrette ihie alten Männer zum Wunderschmiede.
!) Bolte, Archiv f. slav. Philologie 18, 130. Cesky Lid 18, 401.
Rovinskij, Russkija narodnyja kartinki 1, nr. 210.
200 148. Des Herrn und des Teufels Getier.
Odins (Vidris grey) ; Grimm, My th. 3 S. 134. — In einer tirolischen
Sage bei Alpenburg, Mythen S. 288 und Vonbun, Sagen Voralbergs
1889 S. 145 reißt der Teufel der Ziege ebenfalls den Schwanz
aus, doch aus anderm Grunde. Wieder aus einem andern Grunde
in polnischen Sagen (Wisla 1893, 385; Zbiör 7, 109 nr. 6— 7) und
weißrussisch (Federowski 2,270 nr.302); vgl. Dähnhardt 1, 153. 165.
Die Zeitbestimmung 'wenn das Laub abfällt', d. h. im
Herbst, ist noch in der Schweiz üblich; dort heißt es 'bis zur Laub-
riesete' (Stalder, Idiotikon 2, 159. Schweizerisches Idiotikon 6, 1362.
1369). Häufig wird der Teuf el mit dieser Bestimmung geprellt, da
die Eiche noch immer alte Blätter behält, wenn auch schon das
junge Laub hervorsproßt: oberbayrisch Zs. f. Ethnologie 20, Verh.
S. 475; tirolisch bei Alpenburg, Mythen S. 391, Zingerle, Sagen2
nr. 657, Perger, Pflanzensagen S. 292 ; steirisch bei Krainz, Mythen
S. 266; österreichisch bei Baumgarten, Überlieferung der Heimat
1, 130; Urquell 2, 72 = Merkens 2, 185; siebenbürgisch bei Fr.
Müller, Sagen2 nr. 310; bergisch bei Schell, Sagen S. 536 = Mon-
tanus, Vorzeit (1870) 1, 193; braunschweigisch Zs. f. Volksk. 24,
415; mecklenburgisch bei Bartsch 1, 521 nr. 33; Niederhöffer 4,
140 = Henne am Rhyn 1879 S. 95; Wossidlo, Volkstümliches
1, 40 nr. 63 ; Urquell 5, 88 ; brandenburgisch bei Schwartz S. 45.
Dänisch: Thiele, Folkesagn 1843 1, 268. 2, 303; Skattegraveren 3,
29. Französisch: Revue des trad. pop. 7, 593 'Notre-seigneur et le
diable'. 17, 317 = Sebillot, Folklore de France 3, 370. Cechisch :
hsl. Sammlung Homolka nr. 19. Polnisch: Woycicki 1839 S. 105 =
Klechdy 1, 149 (Grimm, Myth. 3 S. 970); Knoop, Posener Märchen
(Progr. Rogasen 1909) S. 11 nr. 5 'Der Teufel und der Bauer';
Hessische Blätter f. Volkskunde 4, 29; Wisla 13, 220 nr. 269
(St. Martin und Teufel). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 12, 68 nr. 71
= Dähnhardt 1, 183; Dragomanov, Malorus pred. nr. 45; Cubinskij
1, 104; Hrincenko 1, 40 nr. 75. Polivka, Zs. f. Volkskunde 14, 347.
Lettisch: Lerchis - Puschkaitis 2, 7 nr. 4 — Dähnhardt 1, 184.
Armenisch : Veckenstedts Zs. f. Vk. 2, 28. Sbornik Kavkaz. 32, 2, 82
nr. 7. — In einer weißrussischen Legende bei Dobrovoljskij 1, 240
nr. 20 bedeuten die abfallenden Blätter, welche die Mutter Gottes
dem Teufel überläßt, während sie die grünen behält, die Seelen der
Verworfenen; diese muß dann ihr Sohn Jesus erlösen.
Über das Einsetzen anderer Augen vgl. oben 2, 552.
149. Der Hahnenbalken. 201
149. Der Hahnenbalken. isös s. 232,
1815 nr. 63 = 1819 nr. 149. Nach einem Gedicht von Friedrich
Kind 'Der Hahnenbalken' (W. G. Beckers Taschenbuch zum ge-
selligen Vergnügen 1812, 274 = Kind, Gedichte 2. Aufl. 1817 1, 231
'Der Balken') erzählt. Der oberste Gipfelbalken im Dachwerk heißt
Hahnenbalken, weil der Hahn darauf zu sitzen pflegt; hanboum in
Wolframs Parzival 194, 7; doch vgl. Grimm, DWB. 4, 2, 165.
Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 52.
Ähnlich berichtet schon Joh. Prätorius, Philosophia colus
1662 S. 59: Zu Frankenhausen machte ein Zauberer viel Ver-
blendungen und Wesen, heftete eine Tafel, die mit Kalk und Röte
besprützet. an eine Wand, und wer dieselbige anschauete durch ein
Löchlein, der sähe Wunder und Abenteur. Nun hatte er auch einen
Hahn mit einem großen und langen Schnabel übern Markt in der
Luft herfliegen, darvor jedermann erschrak und sich hoch ver-
wunderten. Eine Magd J) sähe den Hahn auffliegen und sprach : 'Ich
sehe nicht, daß der Hahn einen Balken, sondern ein Grase-Stengelein
in dem Schnabel schleifet.' Solches verdroß den Schwarzkünstler.
Am folgenden Tage, wie er abermal seine Teufel-Schule exercierete,
kommt die gute Magd mit einer Bürten Gras beladen auf ihren
Rücken, wirft sie von sich vor allen Volke, hebet und schürzet sich
auf bis an den Nabel, als wäre sie durch einen tiefen See oder Teich
gangen, und ging also übern Markt. Die Leute sahen das Wunder,
aber sie hatte keinen Menschen gesehen ; und also hat ihr der
Zauberer gelohnet, weil sie seinen Fuhrmann, den Haushahn mit dem
Baume, verspottet hatte.
J) Prätorius vergißt hier zu sagen, daß die Magd eiu vier-
blättriges Kleeblatt bei sich trug, obwohl er die Geschichte als An-
merkung zu einem 1654 verfaßten Gedichte 'Refutatae soperstitiones aniles
de tetraphyllo seu cytiso quadrifoliaceo' anführt. Vierblättriger Klee öffnet
die Augen, so daß man Zauber und Hexen erkennen kann (Wuttke, Volks-
aberglaube § 130. 373. Lütolf, Sagen 1862 nr. 354. Kuhn - Schwartz.
Norddeutsche Sagen S. 458 nr. 432. Kamp, Folkminder S. 167. Rolland,
Flore populaire 4, 146. Sebillot, Folklore de France 3, 483. Kronfeld,
Der Krieg im Aberglauben 1915 S. 243). Nach französischem Volks-
glauben wohnt die gleiche Kraft einem Eidechsenschwanz inne (Rolland,
Faune populaire 3, 12. Sebillot, Folklore de France 3, 285).
202 149. Der Hahnenbalken.
In einer mündlichen Überlieferung aus dein Paderborn i-
schen (vor 1822) fehlt die Rache des Zauberers. Er hatte danach
dem Hahn einen Strohhalm ans Bein gebunden, und in den Augen
der Menschen schien es ein groß Stück Holz ; doch ein Mädchen, das
eine Tracht Klee auf dem Kopf hatte, sah, daß es nur Stroh war;
denn es lag ein doppeltes Kleeblatt unter dem Klee, wodurch es
vom Zauber frei gehalten wurde. — Aus der Schweiz: Lütolf,
Sagen aus den fünf Orten 1862 nr. 307c 'Vom Hahn' und nr. 175.
Aus Schwaben: Baader 1851 nr. 278 'Gaukler' = Mones Anzeiger
1835, 409 nr. 28. Meier, Volkssagen 1, 251 nr. 281 'Das vierblättrige
Kleeblatt'. Birlinger, Volkstümliches 1, 336 nr. 563 'Zauberer
blindet'. Aus Österreich: Vernaleken, Mythen S. 312 (ohne die
Rache). Baumgarten, Aus der volksmäßigen Überlieferung der Heimat
1, 140. Aus Tirol: Alpenburg, Alpensagen S. 330 nr. 349 'sFritzl'.
Aus Siebenbürgen: F. Müller, Sagen 1857 nr. 31 'Der Zauberer'.
Aus Nordböhmen: Endt, Sagen aus dem Erzgebirge 1909 S. 97
nr. 93 'Der starke Hahn'. Kühnau 3, 230 nr. 1590 'Der zaubernde
Gaukler aus Altenbuch'. Aus dem Voigtland: Eisel, Sagenbuch
1871 nr. 396. Aus Erfurt: Kruspe, Sagen der Stadt Erfurt 1877
1, 52 (Faust); vgl. Scheibles Kloster 5, 485. Aus Lothringen:
Rolland, Flore populaire 4, 147 (1903). Aus Westfalen: Kuhn 2.
255 nr. 18 'Die Gaukelei', Firmenich 1, 277 'De Augenverkaikeligge'
(Gedicht). Montanus, Die Vorzeit 1870 1, 172 'Begaukeln des
Auges'. Aus Hildesheim: Schambach-Müller S. 171 nr. 190 'Augen
verblenden' = Seifart 2,63. Aus Oldenburg: Strackerjan2 1, 354. Aus
Holstein: Müllenhoff S. 556 nr. 563 'Ogen verschoelen'. Aus
Mecklenburg: F. Jacoby, Die geblendeten Leute und das behexte
Mädchen zu Neubrandenburg (Gedicht. Der Zauberer will durch den
Baum kriechen, lähmt das Mädchen) bei Niederhöffer 1, 126. Aus
Hinterpommern: Kuhn-Schwartz S. 121 nr. 139 'Taschenspieler
rächt sich' (er kriecht über eine gefällte Eiche statt unten durch).
Knoop 1885 S. 86 nr. 181 'Vierblättriges Kleeblatt' (ebenso; die
Rache fehlt).
Dänisch: Kamp, Folkeminder nr. 365 'Firkloveret' (der Gaukler
will mitten durch den Baumstamm kriechen). — Schwedisch:
Wigström, Folkdiktning 1, 165 (ebenso). — Französisch:1)
') In einer bretonischen Erzählung 'Le sorcier et le crapaud' (Revne
des trad. pop. 14, 557) verschlingt der Gaukler vor vielen Zuschauern
Schlangen; eine Frau mit einem Kieebüudel auf den Schultern, worin eine
149. Der Hahnenbalken. 203
Rolland, Faune populaire 3, 80 und 6, 99 (ein Salamander im Gras-
bündel hebt die Verblendung auf) = Fleury, Basse-Normandie p. 93.
Sebillot, Traditions 2, 220. — ßu manisch: Gaster, Germania 25,
294 (der Gaukler kriecht über den Balken; der Töpfer glaubt statt
seiner Töpfe Schafe zu sehen und schlägt darauf los). — Wendisch:
Schulenburg, Volkssagen S. 198 'Der Zauberer und die Magd'. —
Cechisch: Maly4 S. 193 = Wenzig S. 160 'Zitek der Hexenmeister'
(nicht volkstümlich).
Die erste der beiden Sinnestäuschungen1) berichtet auch
Grimm eishausen im Wunderb arlichen Vogelnest 1672 2, Kap/ 17
(Simplicianische Schriften ed. Tittmann 2, 254): zwei in geheimen
Künsten erfahrene Gesellen henken einem Hahn einen Strohhalm
samt einem Zettel von Jungfernpergament mit einem Faden, den eine
Jungfer an einem Samstag abends gesponnen, an den Hals, welches
hernach schien, als trüg er einen großen Balken. Und schon im
13. Jahrh. erzählt Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques 1877
nr. 233) gleiches : 'Quidam incantator sie adiurabat demones, quod ipsi
imprimebant in fantasia hominum, quod videbatur eis, quod unus
gallus, qui filo trahebat festucam, traheret maximam trabem cum
magnis funibus et quod, cum incantator modicam ligaturam feni divi-
deret per plures particulas, videretur aspicientibus, quod divideret
equum suum per frusta et cum eis mitteret frusta dieta per hospicia
eis reeeptis. Postea recedente illusione nil inveniebant nisi modicas
ligaturas feni.'
Verbreiteter ist die zweite Gaukelei. Zufolge der griechi-
schen Lebensbeschreibung des Bischofs Leo von Catania (Acta Sanc-
torum Febr. 3, 227 b) gab es im 8. Jahrhundert in Sicilien einen be-
rühmten Zauberer Heliodorus; dieser verblendete zum bloßen Zeit-
vertreib einst vorübergehende Frauen so, daß sie meinten einen Fluß
vor sich zu sehen und ihre Kleider bis zum Knie emporhoben.
Kröte sitzt, ruft: 'Das sind ja nur Bindfäden'; wie er ihr aber wütend
die Tracht entreißt, gesteht sie: 'Wahrhaftig, es sind Schlangen.'
l) Über solche scheinbare Verwandlung von Gestalten vgl.
E. Salveite, Des sciences oecultes 1856 p. 212—217 und Chauvin 5, 161
zu 1001 Nacht nr. 84 (Henning 2, 81), wo ein Zauberer den geschlachteten
Widder in einen menschlichen Leichnam verwandelt; ähnlich Meißner,
Mitt. des oriental. Seminars zu Berlin 8, 74. Auch der Magier Simon in
der Passio Petri et Pauli (Acta apostolorum apoerypha 1891 1, 146) ver-
blendet Nero, daß er einen Widder an seiner Statt enthaupten läßt.
Andre Sinnestäuschungen oben 2, 540 nr. 116.
204 149. Der Hahnenbalken.
Chaucer (Canterbury Tales v. 14019 = The frank lin's tale 2, 454)
erwähnt Zauberkünstler (tregetours), die bei Festlichkeiten plötzlich
den Saal mit Wasser füllten, auf dem ein Boot schwamm, und Löwen,
Blumen, Weintrauben oder ein Schloß erscheinen und im Augenblick
wieder verschwinden ließen; vgl. Hans von Montevilla bei Simrock,
Volksbücher 13, 113. 121; Yule, The book of Ser Marco Polo 1871
1, 342; Eichard Schmidt, Fakire und Fakirtum 1908 S. 50. 58. In
der französischen Histoire de Valentin et Orson eh. 30 (Troyes 1726
p. 87) heißt es vom Zauberer Adramain : 'Adramain leva une chape
par-dessus un pilier, en teile Sorte qu'il sembla ä ceux qui etoient
presens que par la salle couloit une riviere fort rapide, et en icelle
sembloit voir poissons en abondance. Et quand ceux du palais virent
l'eau si grande, ils leverent tous leur robes, corarae s'ils eussent eu
peur d'etre noyes.' Diese Stelle des 1521 von Ziely verdeutschten
Romans benutzte der Interpolator der Ausgabe B des Faustbuches
von 1587, um sie in das Gastmahl beim Grafen von Anhalt ein-
zufügen; vgl. den Abdruck in Scheibles Kloster 2, 1022 mit der Aus-
gabe von Petsch 1911 S. 90 Kap. 44a. Auch auf den berühmten
Zauberer Vergil ward derselbe Streich übertragen, da man diese
Rache an einer kaltherzigen Schönen anständiger fand als die im
Volksbuche von Virgil erzählte (Thoms, Altenglische Sagen deutsch
von Spazier 1830 1, XXIII. Comparetti-Dütschke, Virgil im Mittel-
alter 1875 S. 2813). Von andern Hexenmeistern wird dies Kunst-
stück bei Endt, Sagen aus dem Erzgebirge S. 42 f. 52. 55. 158, bei
Maurer, Isländische Volkssagen S. 163 (Sera Eirikr) und Gaster,
Germania 25, 294 (rumänisch) erzählt, von der schwedischen Wahl-
frau (skogssnufva) bei Nicolovius, Folklifwet i Skytts Härad 1847
S. 101 = Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 129. ») 1382 ward zu
Neapel, wie Jean Froissart, Chroniques 9, 470 ed. Kervyn de Letten-
hove berichtet, ein Zauberer enthauptet, der durch ein solches Blend-
werk die Königin Johanna von Neapel und den Herzog Otto von
Braunschweig im Castel del Uovo dazu gebracht hatte, sich ihren
*) Etwas andres ist es, wenn der Zaubrer eine Frau in dem Augen-
blick, wo sie ihr Kleid gehoben hat, festzaubert; so bei Knoop, Sagen
aus der Provinz Posen 1803 S. 20'2 der dumme Hans und in vielen
Varianten der goldenen Gans (oben 2, 41): Hahn 2, 153, Vojinovic S. 100,
Kolberg, Lud 19, 230, Etnogr. Zbirnyk 4, 137, Rokossowska S. 115,
Dowojna Sylwestrowicz 2, 318, Kunos, Adakaie 2, 276, Ungar. Revue
8, 334.
149. Der Hahnenbalken. 205
Feinden zu ergeben: 'Car il fist la mer si haute, que il sanibloit que
eile montast desus le castiel ; s'en furent si eshide eil qui ou castiel
estoient, que il leur sambloit que il deuissent estre tout noyet.' Zu
gleichem Zauber bietet Mephistopheles im 2. Teile von Goethes Faust
v. 10713 die Undinen auf. Im französischen Epos Huon von Bordeaux
vermag Auberon dem Fliehenden einen breiten Strom vorzuzaubern,
durch den der Furchtlose aber trocknen Fußes hindurchschreitet
(Voretzsch, Epische Studien 1, 263. 1900). Ein italienischer Gaukler
bestrich einem die Schläfe mit einer Salbe und hieß ihn dann ein
Geldstück von der Erde aufheben ; da taumelte der Mann, fiel hin
und meinte im Wasser zu ertrinken (Matthioli Commentarii
in libros Dioscoridis de medica materia 1570, Widmung Bl. 4a =
Delrio, Disquisitiones magicae lib. 3, 1, 4, 5). Eine eigentümliche
Wendung nimmt die arabisch-persische Sage von der Königin Balqls
von Saba. Nach Bel'ämi (im 10. Jahrh. Chronique de Tabari trad.
par Zotenberg 1, 437) ließ Salomo in seinem Schloß einen Kristall-
boden bauen, unter dem Wasser floß, weil ihm berichtet worden
war, Balqis habe Ziegenfüße ; da hob sie ihr Gewand und zeigte
wohlgeformte menschliche Beine. J) In der christlichen Sibyllen-
legende des 12. Jahrh. ist dann aus dem scheinbaren Wasser wirk-
liches geworden, das die Königin durchwatet, weil sie sich scheut,
das als Steg dienende Kreuzholz zu betreten. Nach einigen
Fassungen wurden hierbei durch ein Wunder ihre Gänsefüße in
menschliche verwandelt. 2J
Nicht fremde Zaubermacht, sondern die eigene Verwirrung
und Torheit ist es, die nach der langobardischen Sage bei Paulus
Diaconus 1, c. 20 (Grimm, DS. 2 nr. 395) den auf der Flucht zu einem
Flachsfelde gelangenden Herulern hier Wasser vorgaukelt, in
das sie sich stürzen. Dieser Zug kehrt in Aurbachers 'Abenteuern
der sieben Schwaben' (Ein Volksbüchlein 1827 1, 227. Hauffen,
v) Ähnlich bei Gildemeister, Österr. Vierteljahresschrift f. kath.
Theologie 12, 423 (Koran 27, 44), Hammer, Rosenöl 1, 154 und Weil,
Biblische Legenden der Muselmänner 1845 S. 243. Die gleiche Täuschung
durch einen kristallenen Fußboden erfährt Durjodhana im Mahabharata
(Lassen, Indische Altertumskunde 1, 676); ein ähnlicher Palast im Prem-
Sagär (Garcin de Tassy, Histoire de la litt, hindoui 1847 2, 174). Vgl.
W. Hertz, Gesammelte Abhandlungen 1905 S. 421. 427.
2) W.Hertz S. 442 f. Wesselofsky, Zur Geschichte der Entwicklung
der christlichen Legende, Kap. 2 (Zürn al min. nar. prosvesc. 184, 241 — 288).
F. v. d. Leyen, Archiv 115, 282. Hanauer, Holy Land p. 97.
206 150. Die alte Bettelfrau.
Gottschee S. 120. A. Keller, Die Schwaben in der Geschichte des
Volkshumors 1907 S. 343) und unter den Teterower Stückchen
(Wossidlo, Aus dem Lande F. Reuters S. 178) wieder wie in schwedi-
schen und französischen Schildbürgerstreichen : Bondeson, Halländska
sagor nr. 33 'Dai sy Smaulänningana'; Carnoy, C. francais p. 307 'Les
six compagnons' = Romania 8, 252; Sebillot, Litt, orale de la Haute-
ßretagne p. 253 'Les Jaguens ä l'auberge' ; Sebillot, C. pop. De la
Haute-Bretagne 1, 243 und Joy. hist. p. 18. 48. 55; Revue des trad.
pop. 12, 491. Doch auch bulgarisch: Sbornik min. 14, 116. 16 — 17,
Mater. S. 328; serbokroatisch Zhornik jslav. 11, 140 nr. 4, Danica 10
(1869), 32 nr. 3, Bos. Vila 25 (1910), 162; polnisch Wisla 6, 273.
7, 82. Lud 16, 337; kaschubisch Lorentz, Teksty S. 271 nr. 360;
kleinrussisch Sumcov, Razyskanija anekd. S. 18, Etnogr. Zbirnyk 6,
239 nr. 6. 16, 446; weißrussisch Serzputovskij S. 57; lettisch Böhm
S. 58 = v. Löwis 1916 S. 113. Ulanowska S. 257 nr 9; estnisch
Kreutzwald 2, 102 = v. Löwis 1916 S. 133. — Die westfälischen
Bauern aber springen auf dem Wege zur Frühmette in den Zitter-
teich, weil sie die im Wasser flimmernden Sterne für die Lichter
der Kirche halten (Kuhn 1, 103 nr. 104); ähnlich die Dutten zu
Altschüffen, die den Eingang zum Himmel suchen (Kuhn 1, 283
nr. 326. Grimm, Myth. 3 S. 512), und die Affen vor dem Meeres-
schaum im chinesischen Märchen (St. Julien, Les Avadänas 1, 194
nr. 54. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 114).
1856 s. 233. 150. Die alte Bettelfrau.
1815 nr. 64 = 1819 nr. 150. Ein Bruchstück und verworren.
Wird in Jung Stillings Jünglingsjahren 1778 S. 88 erzählt; vgl.
Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 31.
Es scheint, sagt W. Grimm, ein altes Volksmärchen, wobei die
es vortragende Amme oder Mutter den zuhörenden Kindern viel-
leicht auch den Gang der krummen, gebückten Alten mit dem Stock
in der wackelnden Hand vormacht. Der Schluß fehlt; vermutlich
rächt sich das Bettelweib durch eine Verwünschung, wie man mehr
Sagen von eintretenden pilgernden Bettlerinnen hat, die man nicht
ungestraft beleidigt; s. das Bettelweib von Locarno in Heinrich
151. Die drei Faulen. 207
v. Kleists Erzählungen 1811 (Werke ed. E. Schmidt 3, 354. 438).
Schon in einem Liede der Edda (oben S. 107) kehrt der in
Bettlergewand verhüllte Odin unter dem Namen Grimnir in die
Königshalle ein und wird von Geirrod zwischen zwei Feuer gesetzt,
daß ihm die Kleider anfangen zu brennen. Zu spät merkt der
König, dessen junger Sohn dem Fremden mitleidig ein Hörn zu
trinken bringt, des Pilgers Göttlichkeit, will ihn aus der Flamme
ziehen, fällt aber in sein eigenes Schwert.
151. Die drei Faulen. lsses. 233.
1815 nr. 65 = 1819 nr. 151. Nach Paulis Schimpf und
Ernst 1522 cap. 261 (ed. Oesterley 1866).
Die Gesta Pomanorum (c. 91 ed. Oesterley = c. 22 ed.
Dick ; Herrtage p. 238. Madden p. 191) nennen den König Polemius
und ändern die Ordnung der drei faulen Söhne, so daß der, welcher
sich lieber verbrennen lassen will, der erste ist; welcher sich lieber
will auf henken lassen, der zweite; der dritte aber spricht: 'Läge ich
in meinem Bett und mir fielen die Dachtropfen in beide Augen,
ehe ich mich auf eine Seite wendete, ehe ließ ich mir von den
Tropfen die Augen ausschlagen.' Danach Holkoth, In librum
sapientiae Salomonis 1586 p. 748 moralitas 47 ; Bromyard, Summa
praedicantium A 8, 17 (Acidia); Pithsanus, De oculo morali 1475
cap. 8, nr. 4; Alexander ab Ales, Destructorium viciorum 1496 1. 5,
cap. 2, 3. Bei Johannes Junior, Scala celi 1476 Bl. 5 b sind es fünf
Erben einer Grafschaft; der erste ist zu faul, beim Essen den Mund
zu schließen, da reißen ihm die Vögel das Brot fort; der zweite
zieht das Bein nicht vom Feuer zurück, der dritte läßt sich die
Ohren von Mäusen benagen, der vierte wird gehängt, obwohl er den
Strick leicht zerschneiden könnte, dem fünften schlagen die Regen-
tropfen überm Bett die Augen aus. — In Steinhöwels Aesopus
(um 1480), extravag. 13 'De patre et tribus filiis' = S. 223 ed.
Oesterley 1873 ist unsre Fabel mit zwei andern zusammengeschweißt:
ein Vater hinterläßt seinen drei Söhnen einen Birnbaum, einen Bock
und eine Mühle; den Baum sollen sie so teilen, daß keiner mehr hat
als der andre ; den Bock soll erhalten, wer ihn am größten wünschen
208 151. Die drei Faulen.
kann, und die Mühle, wer als der größte Lügner (nugax) erkannt
wird. Bei dem Streit um den Birnbaum ist Gesta Romanorum c.
196 benutzt,1) bei dem Bocke die oben 2, 515 angeführte lateinische
Dichtung, bei der Mühle der Wettkampf der drei Faulen. Der eine
Bruder will jahrelang unter einer Traufe geschlafen haben, so daß
die Tropfen zu dem einen Ohr hinein und zum andern herausflossen ;-)
der andre würde, wenn er vierzehn Tage gefastet hätte und zu
einem reichbesetzten Tisch käme, keinen Brocken essen, wenn ihm
nicht zwei den Mund aufbrächen und der dritte die Speise ein-
schübe; der dritte würde, wenn er bei größtem Durste im Wasser
stünde, sich nicht neigen, sondern es müßte ihm ein andrer den
Trunk eingießen. — Steinhöwels Erzählung formte bald darauf Hans
Folz zu einem Fastnachtspiel 'von dreien brudern, die rechtent
vor eim konig umb ein mul, pock und umb ein paum' (Keller, Fast-
nachtspiele aus dem 15. Jh. 1, 75; vgl. Stiefel, Archiv f. neuere
Sprachen 90, 1); er verbessert (1, 86, u) seine Vorlage dahin, daß
die Mühle dem zufallen soll, dem nicht bloß die größte Lügerei,
sondern auch Faulheit beiwohne, während H. Sachs im Meister-
liede 'Die drey faulen Brüder' (1551. Fabeln ed. Goetze 5, 249
nr. 760) die Lügenhaftigkeit ganz fallen läßt. — Dagegen gehen
auf die Gesta Romanorum außer Pauli noch zurück: Josefs nieder-
deutsches Gedicht von den sieben Todsünden ed. Babucke 1874
S. 37, ein Meisterlied Wolf Wagners 'Die drey Sön' im Rosenton
H. Sachsen (1555. Dresdener Hs. M. 195, Bl. 243 a), Eyring, Pro-
verbiorum copia 2, 614 'Faulheit lont mit Armut', ein Meisterlied
Ambrosius Metzgers (1626. Göttinger Cod. philol. 196, S. 421).
Manderssen, Jocoseria poetica 1689 nr. 293 (Guarna, Bellum gram-
maticale hsg. von Bolte 1908 S.*24). Ähnlich faßt Abraham a S.
Clara, Bescheidessen 1736 S. 484 das Märchen: ein menschliches
Faultier hatte drei Söhne und erklärte in seinem letzten Willen
denjenigen zum Haupterben, welcher der trägste sein würde. Nach
des Vaters frühem Tod wurden sie vor Gericht geladen und wegen
der Faulheit ins Verhör genommen. Der erste gestand, daß, wenn
sein Fuß auch auf glühenden Kohlen läge, er ihn nicht einmal
Jj Vgl. über diese Erzählung und andre Erbteilungen Zachariae,
Zs. f. Volkskunde 25, 821».
2) Darauf bezieht sich Fischart, der in der Flöhbatz 1577 v. 1885
(Werke 1, 57 ed. Hauffen) von einer Faulen sagt: 'Sie wendet sich nicht
umb ein Hör wie der, dems Wasser troff inns Or'.
151. Die drei Faulen. 209
zurückziehen würde; der zweite erklärte, daß er auf der Leiter,
welche zum Galgen führt, stehen bleiben und selbst den Strang am
Halse nicht abschneiden würde, und zwar bloß darum, weil er zu
trag wäre ein Messer aus der Tasche hervorzuholen ; der dritte gab
vor, daß er zu träge wäre die Augen zu schließen, geschweige die
Hand vorzuhalten, wenn es Nadeln regnete und er auf dem Rücken
läge. Der kurtzweilige Polyhistor, Cosmopoli 1719 S. 167 'Die selbst
gerühmte Faulheit' (drei Schwaben). Becker, Die drei faulen
Prinzen (Berlin Mgo. 310). Im kaschubischen Märchen bei
Lorentz, Teksty S. 100 nr. 147 soll der Faulste der drei Söhne das
Gut erben; da bleibt der dritte Sohn im Bett liegen und will nicht
einmal reden.
Andre Beispiele außergewöhnlicher Trägheit, wie man sie den
Schlaraffen (unten nr. 158) nachrühmt, werden aufgezählt bei A. Keller,
Alte gute Schwanke 1876 nr. 24 — 25, Hans Sachs, Die drey Faulen
(1550. Fabeln 5, 136 nr. 691), Wagenfeld, Bremische Volkssagen 1845
nr. 26 (Tardel, Niedersächs. Jahrbuch 1912, 1), Asmus-Knoop S. 75.
Valentin Schumann (Nachtbüchlein 1559 nr. 43 = ed. Bolte 1893
S. 410) flicht in seine Prosaauflösung von H. Sachsens Spruch von
Sant Peter mit dem Herrn und faulen Baurenknecht (1556. Folio 1,
5, 493 = Fabeln 1, 485 nr. 170. Meisterlied von 1547 in den Fabeln
4, 241 nr. 395)1) ein schon von Michael Be heim vor 1474 gereimtes
Beispiel von den drei unterm Birn- oder Pflaumenbaum liegenden
Faulen (Festschrift für Kelle 1908 1, 408) ein; der erste wünscht:
'Lieben Pflaumen, fallet mir ins Maul!', der andre: 'Wie möchtest du
sie kauen!', der dritte: 'Ei, verdrießt euch nicht die Red!' Ebenso
Hulsbusch, Sylva sermonum iucundissimorum 1568 p. 265 ; Bütner,
627 Historien von Claus Narren 1572 15, nr. 48 ; Ergötzliche Burger-
lust 1659 1, 66 = Gerlach, Eutrapeliae 1662 1, 218 nr. 533: Drei
faule Gesellen stellten mit einander eine Wette an, wer unter ihnen
der faulste wäre. Der erste sprach: 'Wenn man mir das Essen auf
den Tisch setzte, ich möchte nicht essen.' Der andere : 'Und wenn
man mirs in den Mund steckte und kaute mirs, ich möchte es nicht
hinunterschlucken.' Der dritte wollte vor Faulheit kaum den Mund
auftun und sprach gleichwohl: 'Ach, wie mögt ihr reden!', und dieser
*) In einem polnischen Märchen bei Chelchowski 2, 126 nr. 81
gibt Jesus ebenfalls dem Faulen unterm Birnbaum ein fleißiges Mädchen
zur Frau; wie der Hungrige aufsteht, läßt Jesus ein Brot fallen, dem
jener eine halbe Meile weit nachläuft, bis das rollende Brot liegen bleibt.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 14
210 151. Die drei Faulen.
behielt, wie billig, das Gewett. Dasselbe erzählt Abraham a S. Clara,
Judas der Ertzschelm 1, 375 (1752), nur daß der zweite spricht:
'Wenn man mir auch die Speisen mit Gewalt in den Mund steckte,
so würde ich sie doch nicht hinunterschlucken." *Vorrath artlicher
Ergötzlichkeiten 1702 S. 67. *Lyrum larum lyrissimum o. J. nr. 314.
— Mündlich hörten die Brüder Grimm vor 1822 : Drei faule Mädchen
sitzen unter einem Nußbaum; das erste spricht: 'Wenn auch alle die
reifen Nüsse herabfielen, ich möchte kein Reis schütteln'; das zweite:
'Wenn sie auch da lägen, wer wollte sie aufklauben !' ; das dritte :
'Ach wer mag davon reden!' — Ein Preis wird ausgesetzt in der
Erzählung bei Bütner-Steinhart, Epitome historiarum 1596 Bl. 73a
nr. 110, die Zanach (Didacus Apoliphtes), Historische Erquickstunden
4, 1, 414 und Blanckardus, Neuer historischer Lustgarten 1701 S. 87
nr. 27 wiederholen: ein Kaufmann, der von Frankfurt nach Leipzig
reitet, wird vor dem Tor von vier Bettlern angesprochen und ver-
heißt dem Faulsten einen Nürnbergischen Gulden. Da will der erste
keinen Finger darum regen, der zweite seinen Beutel nicht auf-
machen, der dritte (wie in den Gesta Romanorum), wenns auch regnet
und schneit, seine Augen nicht zumachen, der vierte will seine Füße
eher abbrennen und sich aufhängen lassen, als daß er sich rührte.
Im hannoverschen Schwank von den vier Tagedieben bei Colshorn
nr. 83 rühmen sich die Bettler ihrer Faulheit, weil der vorüber-
reitende Kaufmann dem Faulsten einen Taler versprochen hat ; als er
aber, um sie auf die Probe zu stellen, weiter reitet, rennen sie ihm
nach und strafen sich so selber Lügen. Anderwärts bleibt der dritte
Faule liegen und bittet den Herrn, ihm das Geldstück in die Tasche
zu stecken; Bütner-Steinhart, Epitome hist. 1596 Bl. 73a nr. 111 =
Zanach, Historische Erquickstunden 4, 1, 416; niederrheinisch bei
Schell, Bergischer Volkshumor S. 106 'Preis der Faulheit', luxem-
burgisch bei Firmenich 1, 541 'Wie wor de Faulsten', kölnisch bei
Mertens, Was sich das Volk erzählt 2, 96 nr. 119, mecklenburgisch
bei Dähnhardt, Schwanke nr. 78 'Wecker is de fuulst', A. Böttger
bei Hub, Komische Dichtung 3, 564. — Vlämisch: De Mont en de
Cock, Vertelsels p. 238 ' De drie luiaards' (wie Grimm). Joos 2, 161
nr. 51 'Van twee luieriken' (der Herr soll ihm das Geld in die Tasche
stecken) ; 2, 162 nr. 52 'Van drij luieriken' (unterm Feigenbaum). —
Schwedisch: Allardt nr. 202 'Latin' (Geld in die Tasche). —
Norwegisch: Aasen, Prover 1899 p. 94 'Ein Stor-Leting' =
Beauvois p. 137 (Taler in die Tasche). — Französisch: Sebillot,
151. Die drei Faulen. 211
C. de la Haute-Bretagne 1, 59 'Les quatre fils du meunier' (vgl.
oben S. 48). Monseur p. 46 'Les trois paresseus' (unterm Pflaumen-
baum). — Italienisch: Straparola 8, nr. 1 = Rumohr, Sammlung
für Kunst und Historie 2, 171 (1823), vgl. Rua, Giornale storico della
lett. ital. 16, 257; da der von drei Wandrern gefundene Ring dem
Faulsten zufallen soll, erzählt der eine, wie er eine gestohlene Feige
in den Mund gesteckt und schweigend geduldet hat, daß ihm das
vermeintliche Geschwür aufgeschnitten wurde; der andre hat unter
der Traufe liegend ein Auge eingebüßt, der dritte mit seiner Frau
gewettet, wer von ihnen nachts zuerst spreche, müsse die Tür zu-
machen (vgl. R. Köhler 2, 576. Volkskunde 16, 203. 239. Zs. f.
Volksk. 16, 1362. Wesselski, Nasreddin 1, 263 nr. 237). *Garzoni,
La sinagoga de gl'ignoranti 1605 p. 70 (Filarco). Pitre, Fiabe sie. 3,
126 nr. 145 'Li tri minchiuna di Palermu' (die Streiche des ersten und
zweiten Gesellen wie bei Straparola). Archivio21,360. Giamb.Basile 1,12.
— Spanisch: Bei Juan Ruiz Arcipreste de Hita, copla 431 (Bibl.
de autores esp. 57, 240. 1864) fragt ein Mädchen zwei Freier, wer
von ihnen der faulste sei ; der eine erzählt, daß er hinke und heiser
sei, weil er auf der Treppe den Fuß nicht ausgestreckt und trotz
großen Durstes beim Schwimmen den Mund nicht aufgemacht habe ;
der andre hat ein Auge verloren, weil er nachts unter der Traufe
sich nicht rührte. — Serbokroatisch: Vrcevic, Narodne basne
p. 95 = Krauß 2, 183 nr. 90 'Die zwei Faulenzer' (unterm Birn-
baum). — Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 309
'Die beiden faulen Brüder' (unterm Nußbaum). — Finnisch: Suomi
2, 16, 225. 3, 20, 286. Aarnes Register nr. 1950 'Die drei Faulen'.
— Ein türkisches Märchen hörte Moriz Hartmann in Konstanti-
nopel erzählen (Kölnische Zeitung 1854, nr. 175): Einem Mann war
die Arbeit so zuwider geworden, daß er sich am Ende nicht mehr
entschließen konnte, den Arm in die Höhe zu heben. Er lag in der
Straße, ließ die Sonne auf sich scheinen und hungerte. Da er arm
war, auch keinen Sklaven hatte, der ihm einen Bissen in den Mund
steckte, so sah er ein, daß er vor Hunger elendiglich sterben müßte ;
doch zog er den Tod der Arbeit vor. Durch die Gasse, in der er
lag, kam täglich der Henker, wenn er zum Richtplatz ging. Mehr-
mals wollte er ihn anreden, aber auch dazu war er zu träge; endlich
nahm er sich zusammen und sprach: 'Lieber Henker, ich will nicht
arbeiten und lieber sterben ; nimm mich mit auf den Richtplatz und
richte mich hin!' Der Henker erbarmte sich sein und nahm ihn mit.
U*
212 151. Die drei Faulen.
Als sie an das Tor kamen, trafen sie den Kapudan Pascha. 'Henker,
was hat dieser Mann getan, den du da zum Richtplatz führst?' fragte
dieser. 'Nichts hat er getan,' antwortete der Henker, 'aber er ist zu
träge zum Arbeiten, und weil er Hungers sterben müßte, so hat er
mich gebeten, ihn hinauszuführen und hinzurichten. Ich will es ihm
zu Gefallen tun, da ich seine Familie kenne.' 'Laß ihn los,' sprach
der Kapudan Pascha, 'ich habe daheim ein großes Magazin von Zwie-
back ; da setze ihn hinein, er kann essen, soviel er will.' Der Träge
fragte: 'Ja, aber ist auch der Zwieback schon geweicht?' 'Nein,'
antwortete der Pascha. 'Also gehen wir unseres Weges,' sagte der
Träge zu dem Henker.
Unvollständig ist die letzte Erzählung in Dschelaleddin
Rumis Mesnewi 6, 550 nr. 100 (Wiener SB. 7, 831), wo wie in den
Gesta Romanorum ein Mann sein Vermögen dem Lässigsten unter
seinen drei Söhnen vermacht. Ein Sanskritwerk des 14. Jahrh., die
Purushaparishä des Vidyäpatikavi (B. 1, c. 8. Berichte der k.
sächs. Ges. d. Wiss. phil.-hist. Ol. 9, 33. 1857) leitet die Prüfung der
vier Trägen auf neue Weise ein; der Minister läßt die Halle der
Almosenempfänger anzünden, um die Gauner und die Hilfsbedürftigen
zu unterscheiden ; da laufen die Gauner davon, der erste Faule aber
ruft nur: 'Was ist das für ein Lärm?' der zweite: 'Ich glaube, es
brennt', der dritte: 'Und niemand deckt uns mit nassen Tüchern zu',
der vierte: 'Seid doch still, ihr Schwätzer!'
In einem tamulischen Schwanke (Schlegels Indische Bibliothek
2, 265. 1827 = A. W. Schlegel, Werke 3, 81. 1846 = Dubois,
Pantcha-tantra 1826 p. 351, vgl. Clouston 2, 33) streiten vier Brah-
manen, welcher von ihnen der törichteste sei, weil diesem der
Gruß des ihnen begegnenden Kriegers gegolten hat *) ; und der dritte
erzählt dieselbe Schweigwette mit seiner Frau, die bei Straparola als
Beweis der Faulheit angeführt wird. Als einen Beweis von Torheit
berichtet auch ein chinesischer Schwank bei St. Julien, Avadänas 2,
68 nr. 94 'Le mari entre deux femmes', daß ein Mann, der zwischen
seinen zwei Frauen schläft, nachts nicht aufsteht, als ihm durch ein
*) Der Streit um einen Gruß begegnet auch in den oben S. 211
angeführten italienischen Schwänken des Archivio 21, 360 und des Giamb.
Basile 1, 12; ferner Revue des trad. pop. 21, 441 nr. 723 (arabisch), Thor-
burn, Bannü 1876 p. 196. 203; Schott S. 285 nr. 38 und Zs. f. Volksk. 9,
85 nr. 4 (rumänisch), Haltrich, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen
1885 S. 116 nr. 16.
151 a. Die zwölf faulen Knechte. 213
Loch im Dach Regen in die Augen fällt. Liebrecht, Zur Volkskunde
S. 119 verweist dazu (neben den falschen Zitaten D'Ouville, Contes
2, 117 und Journal asiat. 1. Serie 6, 238) auf den griechischen
Philogelos des Hierokles nr. 213 (ed. Eberhard 1869): als ein Fauler
seinem Schuldner begegnet und den ihm geliehenen Denar zurück-
verlangt, fordert ihn der ebenso träge Schuldner auf, sein Schnupf-
tuch aufzubinden und sich das Geld herauszunehmen. 'Nein,' sagt
der andre, 'dann erlasse ich dir die Schuld.'
Einen andern Fall von dem faulen Heinz (vgl. oben 1, 321;
unten nr. 164) erzählt Fischart 1582 im Gargantua c. 6 = 1891
S. 117: 'Eben wie jener Knecht, da man in frü weckt, die Vögelcken
pipen schon inn die Eörcken. 0, lat pipen, sagt er, lat pipen, die
Vögelcken hefen kleine Häuptcken, hefen bald utgeschlapen, aber
sein Häubtchen sey gar grot, thu im mehr Schlapen noht.' Ebenso
im Oberuferer Weihnachtspiel v. 385 (Schröer, Deutsche Weih-
nachtspiele aus Ungern 1858 S. 82); Schlossar, Volkslieder aus
Steiermark S. 44; Neue preuß. Provinzialblätter, andre Folge 7, 346
(1855); Frischbier, Volksreime nr. 915; Zs. f. den dt. Unterricht 7,
272. 8, 408. 595. 9, 146. Zs. f. Volkskunde 25, 4001.
151 a. Die zwölf faulen Knechte.
1857 eingefügt; nach Kellers Fastnachtspielen des 15. Jahr-
hunderts 2, 562 — 566 (1853) 'Spil von den zwelf pfaffenknechten'.
— Teilweise stimmt dazu der vielleicht von Hans Rosenplüt
herrührende Spruch 'Von den zwelff fauln pfaffenknecht' (Ich kam
zu einem külen prunnen. 143 Verse) in der Hs. 5339 a des
Germanischen Museums BL 320b, welcher um 1550 von Hans Betz
zu Nürnberg als 'Die faul schelmzunft der zwelf pfaffenknecht' (Eins
maks an eim külen prunnen. 190 Verse) und außerdem von einem
Anonymus in dem Münchner Cod. germ. 379, BL 151b (Ich gieng zu.
einem külen prunnen. Nur sieben Pfaffe nknechte) überarbeitet ward ;
vgl. Wagner, Wendeler und Steinmeyer in Wagners Archiv f. d.
Geschichte deutscher Sprache 1, 71. 436. 440 (1874).
1856 S. 235.
214 152. Das Hirtenbüblein.
läse & 236. 152. Das Hirtenbüblein.
1819 nr. 152. Aus Bayern. — Aus der Grimmschen Erzählung
ist die vlämische bei Joos 3, 67 'Van nen herdersknaap', die
schwedische bei Aberg nr. 262 'Den kloka vallpoitjin' und die
serbische bei Kiea 8, 2 nr. 1 'Der weise Hirtenknabe' abgeleitet.
Ein ähnliches Schweizer Märchen erwähnt Götzinger, Deutsche
Dichter5 1, 343: Der König fragt einen Bauern 1. Wie hoch ist der
Himmel (einen Steinwurf), 2. Wo ist die Mitte der Erde (hier),
3. Was denk ich (Ihr denkt, ich werde Eure Gedanken nicht erraten).
In Aurbachers Büchlein für die Jugend 1834 S. 91 fragt der
Bischof das Hirtenbüblein: 1. Wieviel Sterne sind am Himmel,
2. wieviel Tropfen im Meer, 3. wieviel Blätter an allen Bäumen?
Diese Weisheitsprobe durch drei schwierige Fragen, die ein
Knabe überraschend zu lösen weiß, *) gleicht den Proben der klugen
Bauerntochter (oben 2, 357): bisweilen ist sogar die Aufgabe, nicht
nackt und nicht bekleidet zum Könige zu kommen (2, 363),
von dorther in unser Märchen eingedrungen, z. B. in die schwäbische
Fassung 'Hans ohne Sorgen' (Meier nr. 28), die bayrische 'Der kluge
Müller' (Spiegel nr. 22), die friesische 'Hans zonder sorgen' (Dykstra
2, 68), eine unten zu erwähnende heanzische, mecklenburgische und
mehrere französische Varianten.2)
Ähnlich fragt schon in dem mhd. Gedicht Strickers vom
Pfaffen Amis (Lambel, Erzählungen und Schwanke 1872 S. 22
v. 98 — 180) der Bischof den lebenslustigen Untergebenen 1. Wieviel
ist des Meeres? 'Ein Fuder'. Wer beweist Euch das? 'Heißt alle
Wasser erst stillstehn, die ins Meer fließen, so will ichs messen
und Euch zeigen'. 2. Wieviel Tage sind seit Adam verflossen ?
'Sieben; sind die zu Ende, so heben sie wieder an, und das wird
fortgehen, solange die Welt steht'. 3. Wo ist die Mitte der Erde?
J) Vgl. R. Schevill, Some forms of the riddle question and the
exercise of the wits in populär fiction and formal literature (University
of California publications in modern philology 2, 183—238. 1911). Eine
Monographie über unser Märchen bereitet Dr. W. Anderson in Kasan vor.
2) Umgekehrt entlebnt eine irische Fassung der klugen Bauern-
tochter (Larminie p. 174; oben 2, 350) mebrere Fragen aus unserm
Märchen, eine siebenbürgische (Haltrich4 nr. 46; oben 2, 349) die heraus-
fordernde Insebrift 'Wir leben ohne Sorgen'. Zur letzteren vgl. auch
Wossidlo 1, 242 nr. 989.
152. Das Hirtenbüblein. 215
'Wo meine Kirche steht; laßt Eure Knechte mit einem Seil nach-
messen, und reicht es an einem Ende halmesbreit vor, will ich die
Kirche verloren haben.' 4. Wie weit ist von der Erde zum
Himmel? 'So weit ist vom Himmel zur Erde, daß ein Mann gar
wohl hinaufrufen könnte; steigt hinauf, und wenn Ihr nicht meinen
Ruf hört, so kommt wieder herab und nehmt meine Kirche zurück !'
5. Wie breit ist der Himmel? 'Tausend Klafter und tausend Ellen;
denn nehmt Ihr Sonne und Mond ab und was der Himmel an
Sternen hat, und rückt ihn dann überall zusammen, so wird er nicht
breiter sein.' — Im Eulenspiegel (1515 Kap. 28), dessen Verfasser
sich im Vorworte ausdrücklich auf den Pfaffen Amis beruft, kommen
dieselben fünf Fragen und Antworten vor; jene werden ihm von
dem Rektor der Universität Prag vorgelegt. Aus dem Eulenspiegel
wiederum schöpfte der unbekannte Verfasser des 2. Teiles des
spanischen Romans 'Lazarillo de Tormes' (1555 Kap. 18 = Aribau,
Novelistas auteriores a Cervantes 1846 p. 108) seine Schilderung des
Examens Lazaros auf der Universität Salamanca. — Bei B. Fernandez
de Velasco, Deleyte de la discrecion y facil escuela de la agudeza
1743 p. 22 errät ein Pfarrer drei Gedanken Philipps II., der auf der
Jagd bei ihm eingekehrt ist. — In der englischen Übersetzung
der Gesta Romanorum (c. 19 ed. Madden 1858 p. 55 = ed. Swan
1905 p. XL nr. 90. Grässe, Gesta Rom. 1842 2, 230) fragt der
Kaiser Andronicus einen bei ihm verdächtigten Ritter 1. Wie weit
ists vom Himmel zur Hölle? (einen Seufzer), 2. wie tief das Meer?
(einen Steinwurf), 3. wieviel Flaschen Salzwasser sind darin? (sag
erst, wieviel Flaschen Süßwasser). — Slowakisch: Czambel S. 331
nr. 167 (ein Slowake soll den Herren in Pest sagen, wie hoch der
Himmel und wo der Mittelpunkt der Erde ist; er fragt sie, wie
sein nach Amerika gewanderter Kamerad heißt). — Slowinzisch
aus Pommern: Lorentz, Teksty pomorskie S. 102 nr. 149 und S. 251
nr. 337 (der weise Schäfer sagt dem Könige, wie tief das Meer, wo
die Mitte der Erde und wie hoch der Himmel ist, oder wieviel Tage
seit der Erschaffung der Welt verflossen sind). — Kleinrussisch
aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 8, 119 nr. 65 (der verklagte Diener
beantwortet drei Fragen des Königs: Sterne, Mittelpunkt, Wert des
Königs). — In einem großrussischen Märchen bei Afanasjev 3 2, 282
nr. 187 sucht ein Invalide den Zaren auf, beantwortet seine Fragen,
wie hoch der Himmel, wie breit die Erde und wie tief das Meer,
und wird dadurch belohnt, daß der Zar dieselben Fragen seinen
216 152. Das Hirtenbiiblein.
Hofleuten vorlegt, die sich nun für gutes Geld bei dem Soldaten
Rat holen. Ähnlich aus dem Gouv. Samara bei Sadovnikov S. 116
nr. 25, kleinrussisch im Etnogr. Obozr. 31, 4—8 (1896 nr. 4)
und imeretinisch im Sbornik Kavkaz. 33, 3, 10 nr. 3. — Die
Armenier in Siebenbürgen erzählen von einem Sultan, der einem
christlichen Einsiedler die Fragen vorlegt 1. Wie weit ists zum
Himmel? (eine Tagereise, denn der gekreuzigte Jesus sprach zum
Schacher: Heut noch wirst du im Himmel sein), 2. Wie hoch
schätzest du mich? (29 Silberlinge), 3. Welches ist die beste
Religion? (sag vorher, welches deiner beiden Augen dir lieber ist).
Wlislocki, M. der Armenier S. 83 nr. SO = Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 106.
Vielleicht aber gehen diese Erzählungen auf eine etwas
künstlichere Urgestalt zurück, die. uns aus Bürgers Ballade 'Der
Kaiser und der Abt' geläufig ist und wohl aus dem Orient
herstammt. Hier ist der von einem strengen Herrscher Befragte (A)
nicht imstande, die vorgelegten Fragen zu beantworten, sondern
wendet sich an einen klugen Mann niedrigen Standes, der mit seinen
Kleidern angetan dem Könige die verlangte Auskunft erteilt (B)
und dafür das Amt des Befragten erhält (C x) oder gar den ungerechten
Herrscher selber absetzt (C2).
Die älteste Form überliefert uns der arabische Historiker
Ibn 'Abd el-Hakem (f 871), der in seiner 'Eroberung Ägyptens'
das Ende des Königs Bauiah, des biblischen Pharao Necho, nach
einheimischer Tradition berichtet. a) Bauiah, der seinen Wesieren
ihren Lohn nicht gönnte, legte ihnen drei Fragen vor, die sie bei
Todesstrafe in Monatsfrist beantworten sollten: 1. Wieviel Sterne
stehn am Himmel, 2. wieviel Tagelohn erhält die Sonne, 3. was tut
Gott an jedem Tage? Traurig gingen die Wesiere alle Tage vor
die Stadt Memphis und berieten sich. Ein Töpfer, der dort seinen
Ofen hatte, erbot sich, die Fragen an ihrer Stelle zu beantworten,
wenn sie ihm gute Kleider und ein Reittier gäben und unterdes
seinen Ofen besorgten. Er suchte den Sohn des früheren, in
Unglück geratenen Königs auf und verhieß ihm den Thron seines
Vaters ; dann trat er vor den König und zeigte ihm einen Sack voll
Sand: 'Dies ist die Zahl der Sterne; laß einen nachzählen, und du
wirst finden, daß ich recht habe. Die Sonne aber erhält gleich
1) Torrey, The egyptian protot3Tpe of 'King John and the abbot'
(Journal of the American oriental society 20, 209—216. 1899); über den
Autor vgl. Brockelmann, Gesch. der arab. Literatur 1, 148. 2, 692.
152. Das Hirtenbüblein. 217
jedem Tagelöhner für ihre tägliche Arbeit einen Qlrät.' Die
Antwort auf die dritte Frage verschob er auf den nächsten Tag;
da forderte er den König auf, mit ihm vor die Stadt zu reiten, und
zeigte ihm seinen Töpferofen und den für ihn arbeitenden Wesier:
'Siehe, das tut Gott alle Tage, er erniedrigt und erhöht die Menschen
und endet ihr Leben. Der Wesier arbeitet an meinem Ofen, ich
der Töpfer trage Hofkleider und reite auf königlichem Roß, und
dir hat jetzt der Prinz die Tore von Memphis verschlossen.' Voller
Hast kehrte der König zur Stadt zurück, aber das Volk setzte ihn
ab, da verlor er den Verstand und saß fortan blöde faselnd
am Stadttore.
Die Grausamkeit des Königs und seine Strafe wird in einer
neueren indischen Erzählung aus Ceylon bei Parker 1,50 nr. 18
'The three questions' noch gesteigert. Der König legt die drei
Fragen, die er von einem Fremden gehört hat, seinen Statthaltern
vor und läßt sie enthaupten, als sie keinen Bescheid geben können,
ebenso seine Minister. Sein geistlicher Rat, an den er sich darauf
wendet, erbittet einen Tag Aufschub und kehrt mit seinem Ziegen-
hirten zurück. Dieser erwidert auf die 1. Frage nach dem Mittel-
punkte des Landes: 'Hier', indem er seinen Stab in die Erde stößt;
auf die Frage nach der Zahl der Sterne: 'Zähle die Haare dieses
Ziegenfelles' ; für die Beantwortung der dritten, was der König der
Dewas tue, läßt er sich des Königs Kleider, Krone und Schwert
anlegen, setzt sich auf den Thron und gebietet, dem Könige das
Haupt abzuschlagen: 'Solche Vergeltung übt der König der Dewas.'
Die unerwartete Entthronung des gewalttätigen Herrschers
durch den klugen Jüngling, mit dem er im Scherz Kleid und Sitz
getauscht hat,1) wird in der singalesischen Chronik Mahävansa 1,
c. 35 vom König Yasalälaka-Tisse und seinem Läufer Subha be-
richtet und mag auf ältere Vorbilder zurückgehen. Sie erinnert an
die Überlistung des Königs Vikramäditya durch einen Zauberer
und die Demütigung des stolzen Salomo und des Kaisers Jovinianus
durch einen seine Gestalt annehmenden Engel.2) Etwas abge-
x) Der weise Heikar will auf die Frage Pharaos, wem sein Herr
Sancharib gleiche, nur antworten, wenn der König vom Thron aufstehe
(1001 Nacht 22, 27 Henning. Chauvin 6, 36).
2) Vgl. Varnhagen, Ein indisches Märchen auf seiner Wanderung
durch die asiatischen und europäischen Literaturen (1882) und Long-
fellows Tales of a wayside inn und ihre Quellen 1884 S. 18— G0; auch
Wetzel, Reise der Söhne Giaffers 1895 S. 208 und Chauvin 5, 286..
218 152. Das Hirtenbüblein.
schwächt ist sie in einer neueren arabischen Erzählung aus
Mesopotamien1) und in einem lateinischen Predigtmärlein des
13. Jahrh., das bei Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques ed.
Lecoy de la Marche 1877 nr. 86), Vincentius Bellovacensis (Spe-
culum morale 1, 4, 10 'De effectibus misericordie') und Martinus
Polonus (Promptuarium exemplorum c. 9, 4; hinter seinen Sermones,
Argentorati 1484) gleichlautend erzählt wird. Ein reicher und
weiser Mann soll dem Könige, der einen Anlaß Geld zu erpressen
sucht, sagen, wo der Mittelpunkt der Erde sei, wieviel Maß das
Meer enthalte und wie groß Gottes Barmherzigkeit sei. Auf den
Bat des Philosophen Elendentrost (Auxilium misero)2) stößt er am
bestimmten Tage seinen Stock in die Erde : 'Hier ist der Mittel-
punkt; beweise das Gegenteil!' Dann verlangt er, daß der König
alle Flüsse verstopfe, bis er das Meer gemessen habe, und fordert,
daß der König ihm für die dritte Antwort seinen Ornat und Thron
überlasse; als dies geschehen, ruft er: 'Seht, wie groß ist Gottes
Barmherzigkeit, der mich aus dem Kerker auf den Königsstuhl er-
hoben hat!'
In der christlichen Parabel wird also der Glückswechsel
zwischen dem Frager und Befragten, den die angeführte arabische
und indische Erzählung, doch auch andre christliche und jüdische
Überlieferungen3) als die stete Beschäftigung des "Weltenlenkers
J) Meißner, Iraq nr. 48 (Beiträge zur Assyriologie 5, 89). Der
Jüngling, der statt des gefragten Mannes zum Kalifeu geht, gibt auf die
Fragen nach der Mitte der Erde und der Zahl der Sterne dieselben Ant-
worten wie der Singalese oder Nasreddin, drittens zeigt er den Unter-
schied zwischen Hoch und Niedrig, indem er auf dem Königsthrone zu
sitzen begehrt; er wird darauf des Kalifen Schwiegersohn und heiratet
auch die Tochter des geretteten Mannes ; das war ihm durch einen Traum
von zwei Granatäpfeln vorher angedeutet worden.
2) Dieser geheimnisvolle Nothelfer, der nicht selber vor den
König tritt, führt in der katalanischen Fassung den Namen Seneca.
3) Als bei einem Besuche König Karls IH. in St. Gallen ein Ritter
den berühmten Notker fragt, was wohl jetzt Gott im Himmel mache, er-
widert dieser: 'Er tut, was er immer getan und was er dir auch gleich
tun wird; er erhebt die Niedrigen und erniedrigt die Hohen'. Und am
selben Tage stürzt der Spötter vom Pferde und bricht ein Bein (Ekke-
hard IV., Casus S. Galli. MGScr. 2, 96, 48). Dazu verweist Gaster,
Germ. 25, 288 nr. 4 auf den Midrasch Bereschit Rabba § 68, 4, wo eine
Antwort des Rabbi Jose ben Chalaphta auf dieselbe Frage erwähnt wird:
'Gott baut Leitern ; manche steigen hinauf, manche hinab; er macht Arme
zu Reichen und Reiche zu Armen, er erhöht und erniedrigt.'
152. Das Hirtenbüblein. 219
bezeichnen, als Gottes Barmherzigkeit aufgefaßt. Mehrfach aber
tritt an Stelle der dritten Frage nach Gottes Beschäftigung eine
neue, welche zu einer ähnlichen Demütigung des Herrschers führt.
In der Scala celi des südfranzösischen Dominikaners Johannes
Gobii Junior (Ulm 1480 Bl. 158 b cap. de principibus) fragt ein
König seine Lehnsleute, wie hoch sie ihn schätzen ; als die andern
zögern, ergreift der Ärmste unter ihnen das Wort: 'Da Christus,
Euer Herr, um dreißig Silberlinge verkauft ward, behaupte ich, daß
Ihr nur neunundzwanzig wert seid.' — In der ungedruckten kata-
lanischen Chronik 'Flos mundi' c. 125 (Ms. esp. 46 der Pariser
Nationalbibliothek. A. Graf, Borna del medio evo 2, 586. 1883)
sollen drei Bitter dem Kaiser Nero sagen, 1. was Gott im Himmel
mache, 2. wieviel Tagereisen die Sonne täglich zurücklege, 3. was
er wert sei; den Batlosen hilft der Philosoph Seneca. — Bei dem
1400 verstorbenen italienischen Novellisten Sacchetti (Nov. 4 =
Keller, Ital. Novellenschatz 1, 52; vgl. Francia, F. Sacchetti 1902
p. 112) fragt der mailändische Gewaltherrscher Bernabö Visconti
(f 1385) einen Abt 1. Wie weit ists zum Himmel, 2. Wieviel Wasser
ist im Meer, 3. was geschieht in der Hölle, 4. was bin ich wert?
Doch fügt der Verfasser hinzu, daß nach andern diese Geschichte
einem Papste begegnet sei, der an einen Abt die 1., 2. und 4. Frage
richtete und dazu eine weitere nach seinem merkwürdigsten Er-
lebnis. Der Müller, der im ersten Falle als Helfer auftritt, nennt
zwei beliebige hohe Zahlen, meint, in der Hölle werde ebenso ge-
köpft, gehängt und gezwickt wie auf Erden, und schätzt den Fürsten
auf 29 Silberlinge ; im zweiten Falle antwortet ein Gärtner des
Abtes: 1. dreißig Schrei hoch, 2. verstopfet zuerst die Ströme, 4. 28
Silberlinge, 5. daß ich aus einem Gärtner ein Abt wurde. — In der
altrussischen Geschichte vom Kaufmann Dimitrij Basarga sollen
die Kaufleute drei Bätsei des heidnischen Kaisers Nesmejan Gorde-
jevic lösen oder seinen Glauben annehmen Basargas siebenjähriger
Sohn Borzosmysl antwortet darauf: 1. Von Osten nach Westen sind
24 Stunden, 2. bei Tage schwindet der zehnte Teil der Erde, weil
die Sonnenhitze das Wasser auftrocknet; nachts aber wächst durch
den Tau das Verlorene wieder, 3. die Erde ist viel tiefer als der
Himmel, denn der Leib Christ ist drei Ellen tief eingegraben, und
noch können wir ihn nicht erwarten. Vgl. A. Wesselofsky, Izvestija
russ. Sprache u. Lit. 9, 2, 63; V. Sipovskij, Busskija Povesti 17. — 19.
cv. 1, 297; A. Markov, Etnogr. Obozr. 62, 1 (1904 nr. 3), der einen
220 152. Das Hirtenbübleia.
Zusammenhang mit dem großrussischen Liede vom Fürsten Gleb
Volodevic nachweist.
Schon vor Sacchetti hatte das Predigtmärlein in Deutschland
einen schwankhaften Charakter erhalten. Um 1340 hat der Augs-
burger Konrad Derrer folgende Erzählung in lateinischer Sprache
aufgezeichnet,1) in welcher wiederum ein Schäfer für den Abt ant-
wortet und zum Lohn sein Amt erhält, die Fragen aber dem
deutschen Volkswitz entstammen :
Ein reicher Edelmann erbaute ein Kloster. Als er darauf in Not ge-
riet, sagten seine Kate, er solle dem Abt einige Fragen vorlegen und
wenn er sie nicht löse, wegen seiner Unwissenheit von ibm eine große
Summe fordern. Da fragte der Herr den Abt: 'Welche sechs Dinge sind
nichts wert, welches sind die drei besten Steine und welches die drei
schlechtesten, welche vier Dinge kann man nicht halten, wie weit sind
Glück und Unglück von einander entfernt?' Weil aber der Abt keine
Antwort wußte, rief er seinen Schäfer und setzte ihn an seine Statt.
Als nun der Edelmann kam, saß der Schäfer in der Kutte auf dem Stuhl
des Abtes und sprach: 'Die sechs Dinge, die nichts taugen, sind Salz
säen und Kieselsteine mähen, aus leerem Becher trinken und einem
Blinden winken2), bei Tische Mangel tragen und in der Mühle Harfe
schlagen.' Weiter antwortet er: 'Die drei besten Steine sind der Altar,
der Wetzstein und der Mühlstein3), die drei schlechtesten sind der Hagel-
stein, der Stein im Aug und der Stein in der Blase.' Zum dritten ant-
wortet er: 'Die vier Dinge, die niemand festhalten kann, sind der Wolf
an der Braue, der Bär an der Klaue, die Schlange am Zagel, der Habicht
am Schnabel.' Endlich antwortet er: 'Glück und Unglück sind soweit
von einander wie Heut und Gestern.' Und da man ihn fragte, warum,
*) Aus dem Münchner Cod. lat. 903 abgedruckt von Leidinger, Zs.
des histor. Vereins für Schwaben 31, 104 (1904).
2) Vgl. Euling, DasPriamel 1905 S. 563: 'Wer einem plinten winkt
und aus einem leren pecher trinkt und der kißling seet und auf einer
plossen wisen meet . . . und einen kalen wil bescbern, der arbeit eitel
unnütz arbeit gern.' Ein tiroliscbes Kätsel Zs. f. Volkskunde 5, 159 nr.
207: 'Einem blinden Manne winken, aus einem leeren Glase trinken, den
Wind in eine Truhen sperren und den Schnee im Ofen dörren, was ist
das? Viermal nichts.' — Freidank 126, 27: 'Mich dunket niht, daz ieman
sül ze lange harpfen in der mül'. Helbling 3, v. 192: 'Niht guot ist ze
gigen in der müln gedoeze.' Zingerle, Sprichwörter 1864 S. 63.
3) Den Mühlstein vergleicht mit Edelsteinen Poggius, Facetiae
nr. 75; danach Pauli, Schimpf und Ernst nr. 164; H. Sachs, Fabeln 6,
321 nr. 462; Tabarin, Oeuvres 1858 1, 189.
152. Das Hirtenbiiblein. 221
sprach er: 'Gestern war ich ein Schäfer, und heut bin ich ein Abt.' Da
sprach der Herr, der das Kloster gestiftet hatte; 'Also sollt Ihr immer
Abt bleiben.'
Bei dem ziemlich unbeholfenen ostfriesischen Dichter
Josef des 15. Jahrb.. (Von den sieben Todsünden v. 1630—1687
ed. Babucke, Progr. Norden 1874 S. 18) löst ein Schweinehirt
namens Beineke vier Fragen, die der König seinem Abt aufgegeben
hatte: 1. wo die Erde am höchsten sei, 2. wann Unglück ein Ende
nehme, 3. wieviel der König wert sei, 4. wer seiner Ältermutter das
Magdtum genommen habe. Während die 2. und 3. Krage und
Antwort den übrigen Fassungen entspricht, begegnen die 1. und 4.
nur hier1). Ein Müller ist es in dem wohl von Hans Folz verfaßten
'Spil von einem keiser und eim apt' (Keller, Fastnachtspiele aus
dem 15. Jahrh. 1, 199 nr. 22), der das Wasser im Meere auf drei
Kufen schätzt, wenn diese nur groß genug seien, dann den Kaiser
vier Groschen oder 28 Pfennige wert achtet und die Frage, wer je
das Glück am nächsten gewann, auf sich selber bezieht. In
Joh. Paulis Schimpf und Ernst 1522 nr. 55 'Der Sauhirt ward ein
Abt' werden dem Abt von seinem Vogt die Fragen vorgelegt,
1. wie hoch er ihn schätze, 2. wo die Mitte der Erde und 3. wie
weit Glück vom Unglück entfernt sei. Der Hirt kommt in dem
Kleide des Abts und antwortet 1. 28 Silberlinge, weil unser Heiland
für dreißig verkauft worden und er den Kaiser zu 29 schätze ; 2. in
seinem Haus, wie beim Pfaffen Amis; 3. nicht länger als eine
Nachtzeit sei Glück und Unglück von einander entfernt, denn gestern
sei er ein Hirt gewesen, heute aber sei er ein Abt. Danach Schertz
mit der Warheit 1540 Bl. 61b (Stiefel, Archiv 95, 91), H. Sachs,
Die drei Frag dem Abt 1546 (Fabeln 4, 103 nr. 304) und Eyering,
Proverbiorum copia 1601 1, 165 'Bald anders' und 3, 23 'Heut ein Hirt,
morgen ein Abt'. Hulsbusch 1568 p. 252. Birlinger, Aus Schwaben 2,
371. Abweichend bei Wal dis, Esopus 1548 3 nr. 92 'Wie ein Sew-
hirt zum Abte wirt' : 1. wie hoch der Himmel, 2. wie tief das Meer,
J) Zur ersten Antwort 'Wo Christus gen Himmel fuhr' vgl. Legenda
aurea c. 2, 9: 'Ubi terra est altior omni coelo ? In coelo empyreo, ubi
residet corpns Christi'; zur vierten, die in der Hs. ausgerissen ist,
ß. Köhler 2, 7 'Die Erde als jungfräuliche Mutter Adams', ferner Nestle,
Archiv f. Religionswissenschaft 11, 414 und Vollmer, Adambuch S. 42
(Progr. Hamburg 1908).
222 152. Das Hirtenbüblein.
3. wieviel Kufen darin '), 4. wie weit Glück von Unglück. In des
Herzogs Heinrich Julius Comoedia von einem Edelmann, welcher
einem Abt drej Fragen auffgegeben (1594. Schauspiele S. 475
ed. Holland = S. 109 ed. Tittmann) gibt der Narr Bescheid über
die Mitte der Welt, den Wert des Edelmanns und seine Gedanken.
Ein Bauer antwortet statt des Gefangenen der Königin bei
J. P. de Memel, Lustige Gesellschaft 1656 nr. 658 = 1701 nr. 607
= Kurzweiliger Zeitvertreiber 1668 S. 70 = Schauplatz der
Betrieger 1687 S. 547 nr. 244 'Der betrübte Gefangene' = Stoeterogge,
Recueil von allerhand Collectaneis 7, 140 (1719). Von einem König
von Frankreich erzählt Schuppius, Regenten -Spiegel c. 10
(Schriften 1663 S. 95); die zweite und dritte Frage ist wie in der
englischen Ballade, die erste lautet wie in unserm Märchen, wieviel
Sterne am Himmel seien; ein Müller, der hier die Antwort gibt,
nennt eine große bestimmte Zahl und heißt den König nachzählen.
Danach Ernst, Hist. Lusthaus 2, 766 (1703). Curieuser Zeitvertreib
1693 nr. 63. Polischinello 1695 nr. 18 'Eines Müllers Verschlagenheit'.
Buch ohne Nahmen (c. 1700) S. 441 nr. 950. Vademecum für lustige
Leute 1, nr. 11 (1767). Berliner Ms. germ. qu. 616, 217 (Müller).
G. Cober, Cabinet-prediger 1719 2, 323 nr. 65 'Der getröstete Land-
mann' (Müller des Abts) = Gräter, Idunna und Hermode 1814, 131.
Angenehmer Anekdotenwirt. Nördlingen 1815 S. 47. C. H. W.,
Unterhaltende Räthsel-Spiele, Merseburg 1824, S. 15: 1. Wie weit
ists in den Himmel? Eine Tagereise, weil unterwegs kein Wirtshaus
ist. 2. Wie tief das Meer? Einen Bleiwurf. 3. Was ist besser als
ein goldener Wagen ? Der Regen, der zwischen Pfingsten und
Johannis vom Himmel fällt. 2) — Endlich kommt das Märchen als
Erklärung des Sprichworts 'Wie Kunz hinter das Vieh kömmt' 3) im
jüdischen Maasebuch c. 126 vor (Helvicus, Jüdische Historien
1617 1, 166 nr. 40. Grünbaum, Jüdisch -deutsche Chrestomathie
1882 S. 440 ; vgl. Steinschneider, Serapeum 25, 69. Kuttner,
Jüdische Sagen 2, 72 nr. 41. 1903. Mitt. f. jüd. Volkskunde 2, 5
v) Die Antwort 'eine Kufe, wenn sie nur groß genug wäre1, erinnert
an die Lüge ndi cht nng des Schnepperers (Zs. f. dt. Phil. 22, 317 v. 15),
wo Heinczlein eine große Flasche schmiedet, 'er schopffet gancz und gar
darein das mer, die Tunaw und den Rein, in aller weit wassers zuran'.
3) Vgl. dazu oben 2, 359.
3) Vgl. Eyering, Proverbiorum copia 1, 775 'Da fragt Cuntz on
sorgen wenig nach'. Wander 2, 1724.
152. Das Hirtenbüblein. 223
nr. 1): einem Rat des Königs werden die drei Fragen vorgelegt,
wovon die zwei ersten etwas abweichen, 1. wo die Sonne aufgehe,
2. wie weit es vom Himmel bis zur Erde sei ; hierauf folgen durch
einen Schäfer die schwachen Antworten, die Sonne gehe gen Morgen
auf und gen Abend nieder, und vom Himmel sei es gerade so weit
zur Erde als von der Erde zum Himmel. — Niederländisch:
Nieuwe Snakeryen (Keulen um 1700) S. 324 'De moolenaar waarzegger'
(Berlin Zh 6144). Kluchtvertelder (Gent um 1890) S. 5. — Dänisch
hsl. aus dem 16. Jahrh : Danske Studier 1907, 145 'Abbeden og hans
kok' (ähnlich Schuppius. 1. Wieviel Sterne, 2. wieviel Tropfen im
Meer, 3. was denk ich).
In der englischen Ballade des 16. Jahrh. 'King John and
the bishop' (Child, Ballads 1, 403 nr. 45 a = Percy's Folio Ms. 1867
1. 508) legt der kirchenfeindliche König Johann dem Bischof von
Canterbury drei Fragen vor, die er bei Verlust von Land und Leben
in zwanzig Tagen beantworten soll: 1. Was er, der König, mit der
goldenen Krone auf dem Haupte bis zu einem Pfennig wert sei,
2. wie bald er um die ganze Welt reiten könne, 3. was er gerade
denke. Der Bischof weiß sich nicht zu helfen, da verspricht ein
Schäfer seinen Beistand, kleidet sich als Abt, tritt vor den König
und gibt nun die Antworten : 1. Da der Herr Jesus für 30 Silberlinge
verkauft worden, sei der König nur 29 wert ; 2. wenn er mit der Sonne
ausziehe und reite, komme er in 24 Stunden um die ganze Welt ;
3. der König denke, er sei der Bischof von Canterbury, und er sei
doch nur ein armer Schäfer. *) — Tarlton's Jests 1590 = 1844 p. 59
'The tale of pope Boniface, and why he wore a miliers cap and a
malkin in purgatorie' (vgl. Koppel, Studien zur Gesch. der ital.
Novelle 1892 S. 62). — Französisch: Nicolas de Troyes, Parangon
des nouvelles nouvelles 1536 nr. 36 = 1869 p. 177 nr. 40 'D'ung
seigneur qui par force vouloit avoir la terre d'ung abbe, s'il ne luy
donnoit responce de trois choses qu'il demandoit, laquelle il fit par
v) In einer kürzeren Fassung aus dem 17. Jahrhundert (Child nr.
45b) und in der neuen Bearbeitung von Tho. Percy (Reliques of ancient
poetry 1767 2,306. Bodmer, Altenglische Balladen 2, 111. 1781. Dönniges,
Altschottische Volksballaden 1852 S. 152. v. Marees, Alt engl. Dichtungen
1857 S. 7. Ritter, Archiv f. neuere Sprachen 22, 222. A. v. d. Velde,
Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1889, 155; vgl. Hoenig, Engl. Studien
18, 307), die bei uns durch Bürger (Werke ed. Consentius 1914 2, 320)
seit 1784 heimisch wurde, ist für den Bischof ein Abt eingetreten.
224 152. Das Hirtenbüblein.
le moyen de son mounier' (Wert des Herren, Mitte der Erde,
Gedanken). Farce du meunier et du gentil-homrae 1628 (dieselben
Fragen); vgl. Petit de Julleville, Theatre comique fr. 1886 p. 179
und Toldo, Studi di filologia romanza 9, 199. Ouville, Elite des
contes 1703 1, 296 = 1876 p. 46 = 1883 1, 184 'D'un seigneur
de village et de son meunier' = Recreations franc. 1658 1, 292 =
1662 1, 161 = 1681 1, 207 = Nouveaux contes ä rire 1699 p. 230
'Le meunier astrologue' = 1702 p. 238 = Contes ä rire 1752 1,150;
vgl. R. Köhler 1, 494. Moisant de Brieux, Origines de quelques
coutumes anciennes 1672 = 1874 1, 147 'D'evesque devenir meunier'
(gegen Cotgrave, A french dictionary 1660 Bl. Ooo 3 a, 3 'Musnier').
Chasse-chagrin 1679 p. 40. — Italienisch: Teofilo Folengo (f 1544),
Orlandino canto 8; vgl. R. Köhler 1, 492: der Koch des Abtes
antwortet 1. Wie weit ists vom Himmel zur Erde? Nur einen
Sprung, wie ihn der Teufel machte; 2. Wie weit vom Osten nach
Westen? Eine Tagereise; 3. Wieviel Wassertropfen im Meere?
4. Was denk ich? M. Zezza, Opere poetiche 1818 2, 39 'Puö sapere
un villan piü d'un signore ?' — Spanisch: Timoneda, Patrahuelo
1576 nr. 14 = Bibl. de autores esp. 3, 154 (Koch des Abtes: Wert
des Königs, Mitte der Erde, Gedanke); vgl. Menendez y Pelayo,
Origenes de la novela 2, LVI (1907).
Die im 19. Jahrhundert aus dem Volksmunde aufgezeichneten
Fassungen bieten kaum neue Motive. Deutsch: B. Naubert, Volks-
mährchen 3, 323 'Der Müller von Eisenbüttel' (Kaiser und Abt). Auf
den alten Fritz übertragen nach F. L. Jahn, Werke 1884 1, 4 =
Zs. f. Volksk. 24, 83. Schwäbisch bei E. Meier 1852 S. 305 'Der
Bischof ohne Kreuz' (Wie weit ist's in den Himmel, wie tief das
Meer, wie viel Blätter an deiner Linde?); Birlinger, Aus Schwaben
2, 370 'Die Rätsel' (Wieviel ist der Kaiser wert, der Mairegen, wie
weit ist Glück und Unglück von einander? Mittelpunkt der Welt).
Bayrisch bei Sepp S. 554 'Gustav Adolf und der Abt von Benedikt-
beuern'. Heanzisch bei Bunker nr. 21 'Kaiser Josef und der ge-
scheite Koch' (Sterne und Haare des Schimmels zählen, Glück und
Unglück) = Zs. f. öst. Vk. 4, 174. Bunker nr. 22 'Kaiser Josef und
die Franziskaner' (der Zigeuner nennt den Himmel seufzerhoch und
das Meer stein vvurf tief, kommt nicht nackt und nicht bekleidet und
predigt, daß die Zuhörer vor ihm weinen und die hinten lachen) =
Zs. f. öst. Vk. 4, 175. Wolf, Hess. Sagen nr. 262 'Drei Rätsel'
(Kaiser Leopolds Narr antwortet dem türkischen Kaiser, wo die Welt
152. Das Hirtenbüblein. 225
abgehe, wie hoch der Himmel sei, was Gott denke. Der Schäfer
statt des Abtes, wie tief das Meer, wieviel Sterne, wie weit Glück
und Unglück). Schell 1897 S. 117 nr. 74 'Die Speckermönche zu
Düsseldorf (Was ist nicht krumm und nicht gerade? Kegelkugel.
Was ist nicht im Wege und nicht daneben? Karrengleis. Wo ist
der Mittelpunkt der Erde? Hier) = Annalen f. den Niederrhein 38,
98. Pröhle, Allgem. Mtschrift f. Wissenschaft u. Lit. 1854, 541 ; vgl.
Pröhle, G. A. Bürger 1856 S. 115. Holsteinisch: Müllenhoff nr. 208
'Der Müller ohne Sorgen' = Merkens 1, 231 nr. 270 (Wie schwer
der Mond, wie tief das Wasser, was denk ich?). Mecklenburgisch:
Bartsch 1, 496 'Der glückliche Pater' (nicht nackt und nicht be-
kleidet: 1. wie tief das Meer, 2. wie hoch der Himmel, 3. wie schwer
der Mond, 4. was der König wert, 5. wo der Mittelpunkt der Erde,
6. was der König denkt); Wossidlo 1, 237 nr. 987 'Wie hoch ist der
Himmel?' (7 Varianten). Pommeriscb: Jahn, Vra. 1, 155 nr. 27 'Der
alte Fritz und der Pastor'. Asmus-Knoop S. 9 'Der alte Fritz und
der Pastor' = Bl. f. pomm. Vk. 2, 135. Westpreußisch: Zs. des histor.
V. f. Marienwerder 35, 87 'Abt, Schäfer und Herzog'. Behrend nr. 16
'Der kluge Müller'.
Vlämisch: De Mont-de Cock, Vertelsels S. 253 'Keizer Karel
en het klooster zonder zorg' (Müller. Wie tief das Meer, wie weit
die Sonne, was denk ich?). Joos 2, 129 'Van het klooster zonder
zorg' (Koch). Cornelissen nr. 56 'Van Keizer Karel en het klooster
zonder zorg'. Vermast S. 111 'Keizer Karel en de monniken' (Mittel-
punkt der Erde, wieviel der Kaiser wert, was er denkt). Ons Volks-
leven 12, 113. — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 97 'De tre
sporgsmäl'. Grundtvig, Minder 1, 103 'Kongen og melieren' (Hirt)
= Firmenich 3, 834. Samlinger til jydsk Historie og Topografi 1,
165 (1866) 'Ribe bisp og byhyrde for kong Valdemar' (wieviel bin ich
wert, Mittelpunkt der Erde, meine richtigen und falschen Gedanken).
Feilberg, Jysk ordbog s. v. Sporgsmäl, Tanke, V«rd sorge, Stjserne,
Evighed. Skattegraveren 6, 153 'Fcerehyrden den klogeste' 9, 141.
11, 46 'Biskoppen og rögteren'. 11, 47 'Kongen og rögteren'.
Kristensen, Aev. fra Jylland 4, 288 nr. 57 'Uden sorg' (des Müllers
Hirt: der beste Vogel, Wert, Gedanken des Königs). Kristensen,
Kirketjeneste. 1899 S. 217. Kristensen, Fra Bindestue 1, 90 nr. 16
'Uden sorg og bekymring' (Hirt des Pastors. Mairegen mehr wert
als des Königs Thron). — Schwedisch: Kungen, Presten och
Klockaren, Imitation efter Tyskan, Malmö 1829 u. ö. (Bäckström 3, 82).
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 15
226 152. Das Hirtenbiiblein.
Sv. landsmälen 5, 1, 109 'Rungen ock klockaren' 5, 2, 22. Bondeson
Halländska sagor nr. 27 'Prästen ä kläkkarn'. Bondeson, Sv. folk-
sagor nr. 6 'Humlegubben och biskoppen' und 7 'Grefven och
fäherden'. Aberg nr. 285 'Om kungen och biskoppen' (Müller). 286
'Om mölnarn som bläi biskop'. 287 'Om prästen som skulle svara
kungen pä tre frägor'. 288 'Om den inmariga klokkarn'. Allardt
nr. 157 'Om bon, som va so riker, at an alder bihovd andras jölp'
(Knecht des Bauern beantwortet fünf Fragen). 158 'Mölnarn, som
int hadd nogo bisvser' (Knecht: wieviel Sandkörner im Meer, wie hoch
der Himmel, was denk ich?). Hackmans Register nr. 922. — Nor-
wegisch: Asbjörnsen nr. 86 'Prsesten og Klokkeren' = Stroebe 2,
277 = Dasent 1874 p. 158 (wie weit von Osten nach Westen).
Braset, Hollraoventyra S. 226 'Guten, som dsem itt villa sl?pp-fram
fer prsesten' (Wert, Gedanke). — Isländisch: Rittershaus nr. 115
'Der König und der Bischof (des Bischofs Bruder antwortet auf die
1. Frage, in wieviel Zeit er die Erde umsegeln könne: In den sieben
Wochentagen). — Schottisch: Campbell2 2, 406 nr. 50 'The three
questions' (Müller antwortet für den Schulmeister); vgl. R. Köhler 1,
267. A. Small, Roman antiquities discovered in Fife 1823 p. 289 =
Child, Ballads 1, 404a (Jakob V. und der Müller des Pfarrers von
Markinch). — Französisch aus Flandern und Belgien: Deulin, C.
d'un buveur de biere p. 185 'Le mayeur Sanssouci'. Revue des
trad. pop. 6, 694: Desrousseaux, Le bon berger (Gedicht). Bull, de
folklore 2, 11 nr. 1 'Les cinq questions' (Müller des Abts: wieviel
Sterne, wie groß der Mond, Mittelpunkt der Welt, Wert, Gedanke
des Königs). 2, 13 nr. 2 'Les trois questions'. 2, 251 nr. 3 'L'abbe
d'Alne' (Müller). 2, 252 nr. 4 'La grandeur et le poids de la lune'.
nr. 5 'Le soleil et la lune'. Aus der Bretagne: Luzel 3, 370 L'abbe
Sans-souci'. Sebillot, Joy. histoires p. 174 Le seigneur Sans-souci'
— Revue 9, 283 nr. 41 (Bauer; nicht gegangen noch geritten;
Mittelpunkt, wie tief die Erde, wann ist Jesus geboren?) Revue
des trad. pop. 6, 482 L'abbe Sans-souci' (Müller; nicht gegangen
noch geritten, Mittelpunkt, Gedanke). 9, 282 nr. 40 'L'abbe Sans-
souci'. 18, 363 nr. 3 Le fermier Sans-souci'. Dardy 2, 209 nr. 55
L'eveque et le meunier'. Pineau, C. du Poitou p. 237 L'abbe
Sans-soins'. Lespy, Proverbes du pays de Bearn 1876 p. 102. Cenac
Moncaut p. 50 Le meunier et le marquis'; vgl. R. Köhler 1, 82 und
3, 72 zur 4. Frage: welche Zahl ist in zwei Eiern enthalten?
Blade 3, 297 'L'eveque et le meunier' ; vgl. Puymaigre, Folklore
152. Das Hirtenbüblein. 227
1885 p. 241 = Archivio 3, 98. Armana prouvencau 1874, 33
(Gärtner des Pfarrers: Mitte, Mond, Wert, Gedanke des Bischofs).
— Italienisch: Imbriani, Nov. fiorentina 2 p. 621 nr. 5 'El coeugh'
= Crane p. 275. Pitre, Fiabe sie. 2, 323 nr. 97 'L'abbate senza
pinseri' = Crane p. 276; vgl. Pitre 4, 392. 437. Mango p. 79 nr. 1
'L'uccello fuggito' (1. Entfernung des Himmels : großes Knaul Bind-
faden. 2. Wieviel Steine hat der Palast? 2000000). *Fanfulla
della domenica 8, nr. 19. 20. 27. — Spanisch: Trueba, Cuentos
populäres 1875 p. 287 'La gramatica parda' ; vgl. Archiv f. Litgesch.
9, 423. — Portugiesisch: Braga 1, 157 nr. 71 'Frei Joäo sem
cuidados' (Müller). 2, 86 nr. 160 'Dom Simäo' (Gärtner). —
Baskisch: Cerquand 4, 121 nr. 108. Vinson p. 106 'Le eure'
(Müller) = Blümini, Schwanke S. 14 nr. 4. — Rumänisch: Ruinän.
Revue 1888, 114 'Der gelehrte Herr Pfarrer' = Zs. f. vgl. Litgesch.
7, 221. Ebd. 7, 222. Schullerus nr. 69 'Der Pfarrer ohne Sorgen'
(Archiv 33, 537. Schafhirt). Gaster, Letteratura pop. romana p. 146.
— Griechisch: Kretschmer nr. 37 'Der Bischof und der Abt'
(Gärtner). — Slowenisch: Görz, Nar. pripov. Sosk. plan. 2, 53
nr. 8 = Gabrscek S. 150 nr. 18 'Der Müller, sein Koch und der
König' (1. wieviel Sterne, 2. wie weit der Himmel, 3. Wert.
4. Gedanke des Königs). Baudouin de Courtenaj^, Mater, südslav,
Dialekte 2, 3 nr. 1 'Don Piero ohne Sorgen' (1. wie hoch der erste
Stern, 2. wieviel Sterne, 3. Gedanke des Kaisers. Müller). —
Serbokroatisch aus Kroatien: Valjavec S. 262 nr. 57 'Der Mönch
und der Sultan' (1. Mitte der Welt. 2. Was macht Gott? Er wundert
sich, daß der Mönch zu Pferd und der Sultan auf dem Esel sitzt.
3. Gedanke des Sultans). Zbornik jslav. 19, 274 'Kaiser Josef IL
und der Guardian von St. Leonhard' (Wo geht die Sonne auf?
Wert und Gedanke des Kaisers). Krauss 2, 252 nr. 112 'Müllerund
Kaiser' (Wie weit zum Himmel, Wert, Gedanke des Kaisers).
Dalmatien: Srbsko dalmat. Mag. 1864 23, 98 'Kaiser und Abt' (desgl.
Koch). Slawonien: Zbornik jslav. 11, 287 nr. 16 (Das Längste,
Höchste und Tiefste? Weg, Himmel, Erde. Was denkt der Kaiser?
Koch). Bosnien: Bos. Vila 13, 284 (1898). Vuk Vrcevic 1868 S. 103
nr. 225 'Der Kaiser und der Klosterbäcker' (Kaisers Bart, Himmel,
Gedanke). Montenegro: Rovinskij 2, 2, 608 nr. 13 (1. Wieviel Sterne?
soviel als Haare am Esel, 2. Wert des Königs? drei Regentage im
Sommer, 3. Gedanke). Serbien : Kica 7, 1 nr. 38 (als die Pfarrer des
Bischofs Gedanken erraten sollen, nimmt einer einen verkleideten
15*
22R 152. Das Hirten bübleirt.
Zigeuner mit). Srpski dialektol. Zbornik 2, 439 nr. 9 'Der Kaiser
und der Schäfer' (Was tut Gott? Der Schäfer geht statt des
Mönches zum Kaiser, heißt diesen zugleich mit ihm Brot in die
Milchschüssel einbrocken und mahnt ihn: 'Iß, was du eingebrockt
hast, und nicht, was ich eingebrockt habe!' Wie soll icli das
wissen? 'Wenn du nicht weißt, was du eben getan, wie kannst
du wissen, was Gott tut?). Herzegowina: Zs. Karadzic 1, 148
'Der Wesier, Bischof und Frater' (ähnlich Valjavec. Der Koch
tauscht seinen Esel mit dem Pferd des Wesiers). Skopska Crnagora:
Srpski etnogr. Zbornik 6, 493 nr. 15 (1. Sterne, 2. Mittelpunkt, 3.
Gedanke des Kaisers. Müller). — Gechisch: Ant. Puchmajer,
'König Georg und Vanek Vseboj' (Gedicht). Glatz: Kubin 2, 190
nr. 55 (zwei Ritter wollen Frieden machen, wenn der eine rät, 1. wie
schwer der Mond, 2. wie weit das Paradies ist, 3. was er denkt.
Holzhauer). Ostböhmen: PKhoda nr. 26 'Kaiser Josef IL und das
sorgenlose Kloster' (1. Wert des Kaisers, 2. Haare seines Schimmels,
3. wie weit Glück von Unglück. Hirt). — Slowakisch: Eine
literarische Bearbeitung von 1792 : Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 108. —
Polnisch aus Oberschlesien: Malinowski 2, 231 (Wie tief das
Meer, wie hoch der Himmel, wie weit Glück von Unglück). Galizien :
Ciszewski, Krak. S. 250 nr. 200 (Mitte, Sterne, Gedanke. Koch).
Swie_tek S. 431 nr. 53 'Ein Soldat ohne Sorgen' (Sterne, Haare an
des Kaisers Pferd, Gedanke. Müllerbursch). Mater, antropol. 10,
289 nr. 55 (Mitte der Erde. Schweinehirt). Wisla 13, 338 (Ritt
um die Erde, Wert, Gedanke. Schäfer). — Slow inzisch aus
Pommern : Lorentz, Slov. Texte S. 42 nr. 44 'Der alte Fritz, der
Pfarrer und der Schäfer' (desgl.). — ■ Kaschubisch: Ramult,
Slownik S. 295 nr. 2 (für den Guardian zu Kartaus antwortet der
Schäfer: Pitt um die Erde, Wert, Gedanke). Lorentz, Teksty pomorskie
S. 115 nr. 161 (desgl.). — Kleinrussisch aus Galizien: Etnogr.
Zbirnyk 6, 113 nr. 287 'Der Pfarrer ohne Sorgen' (Sterne, Mitte,
Gedanke, Diener). 6, 113 nr. 288 (Wert des Gutsherren, Mitte,
Gedanke. Müller). 6, 1 14 nr. 289 'Kaiser und Schweinehirt' (drei
Brüder: Mitte der Erde; Hitze, Flamme und Rauch einer verbrannten
Klafter Holz abwägen). 8, 118 nr. 64 'Der Basilianermönch und der
König' (Gedanke. Bettler). Ukraine: Öubinskij 2, 639 nr. 98 'Der
sorglose Pfarrer' (Himmel, Sterne, Gedanke. Soldat). — Weiß-
russisch: Federowski 3, 13 nr. 28 (Ritt um die Erde, Wert,
Gedanke des Königs. Müller). Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 386
152. Das Hirtenbüblein. 229
nr. 28 'Peter der Große und das Kloster ohne Sorgen' (Sterne, Wert,
Gedanke. Mönch). — Großrussisch: ein Gedicht von A. N. Majkov
'Der Hirte, spanische Legende' (Werke 7. Aufl. 2, 103) ähnelt dem
Grimmschen Märchen; auf die 3. .Frage 'Wieviel Tage hat Gott'
antwortet der Knabe: 'Die Zeit stiehlt Gott die Tage; befiehl der
Zeit, eine Weile still zu stehn, dann kann man die Tage zählen.'
Gouv. Nowgorod: Zivaja Star. 14, 49 'Der sorglose Pfarrer' (Sterne
zählen, Rauch eines Holzhaufens wägen, Gedanken des Kaisers er-
raten. Abgesetzter Küster). Gouv. Olonetz: Rybnikov 1, 314 nr. 49
'Kaiser Salaman' (Bauer will seinen Söhnen sein Gut geben, wenn
sie ihm sagen, was am schnellsten läuft, was das reinste Brot ist,
mit welchem Tier der Bauer redet. Der Knabe Salaman antwortet:
Sonne, Hostie, Pferd, und weiß auch das Getreidemaß des Bauern und
das einträglichste Vieh : Zähne, Schafe). 2,715 (Zar Ivan der Schreck-
liche soll den Thron verlassen, wenn er die Rätsel der fremden
Fürsten nicht löst: Was ist das Tapferste, das Liebste, das Süsseste?
Ein Syblis lehrt ihn die Antworten : die Augen, die Sonne, das Wasser);
vgl. Afanasjev3 2, 286. Oncukov S. 404 nr. 164 'Das sorglose Kloster'
(Wert und Gedanke des Kaisers. Laienbruder). Gouv. Jenisejsk:
Zap. Krasnojarsk. 1, 37 nr. 16 'Der Kaiser und der Trunkenbold'
(Sterne, Wert). Gouv. Woronez: Afanasjev 3 2, 288 (Tropfen im Meer,
Sterne am Himmel, Gedanke des Kaisers. Soldat). *Russkij Archiv
1869, 9, 989 = Ermans Archiv f. Rußland 24, 146 (1865) 'Das
kummerlose Kloster' — Grässe, Märchenwelt S. 187 (Müller vor
Peter L). Sbornik Kavkaz. 33, 3, 13 'Peter der Große und der
Pfarrer' (Himmel, Wert, Gedanke. Diakon). — Litauisch:
Veckenstedt, Zamaiten 2, 36 nr. 93 'Sztukkoris' (Mittelpunkt).
— Finnisch: Salmelainen 4, nr. 14. Suomi 3, 7, 66. Aarnes
Register nr. 922. — Magyarisch: Ethnolog. Mitt. aus Un-
garn 1, 365 = Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 110 'Der goldene
Pflug'. Zs. f. vgl. Litgesch. 5, 467 'Das Pfäfflein von Cinkota';
vgl. * Aurora für 1827. — Türkisch: Künos, Zs. f. vgl.
Litgesch. 5, 468. Wesselski, Nasreddin 1, 36 nr. 70; dazu S. 226
und R. Köhler 1, 492 (der Hodscha beantwortet die Fragen dreier
Mönche nach dem Mittelpunkt der Erde, der Zahl der Sterne und
seiner Barthaare; die letztere ist gleich der Zahl der Haare im
Eselsschwanz). — Mingrelisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 16 nr. 5
'Bischof Bogo' (Wert des Kaisers, Ritt um die Erde, unerhörte Lüge).
— Mongolisch: *Schiefner, St. Petersburger Zeitung 1849 nr. 79
230 152. Das Hirtenbüblein.
(Germ. 7, 506). — Indisch: Parker 1, 153 'The four difficult
questions' (Mönch für den Abt; Tiefe des Meers, Zahl der Sterne,
Mittelpunkt, Gedanke). — Arabisch aus Mesopotamien: Meißner
nr. 48 (Beiträge 5, 89). Nuzhat el-chawätir 5, 173 (Beirut 1877.
Zs. f. Volksk. 5, 64 3). Aus Kairo: Parker 1, 154 (Haschischesser:
Mittelpunkt, Stern enzahl = Eselshaare).
Die Sitte, drei Wahrheiten zu sagen, um sich dadurch aus
der Not zu helfen, begegnet schon in einer äsopischen Fabel vom
Wolf und Fuchs (Babrios nr. 53. Fabulae ed. Halm nr. 271.
Schakal und Ziege bei Frobenius, Dekameron S. 192), ferner in
Thorkills Fahrt zu Ugarthilokus bei Saxo, Grammaticus B. 8 und in
den Gesta Romanorum c. 58; vgl. P. E. Müller, Critisk undersögelse
af Danmarks sagnhistorie 1823 S. 145, Liebrecht, Zur Volkskunde
1879 S. 6 und Gering, Islendzk Aeventyri 2, 179 — 185; dazu noch
Zs. f . Vk. 6, 323 nr. 3 ; Grundtvig, D. f olkeaev. 2, 8 L = Leo-Strodtmann 2, 106
Wildering kongeson og Miseri mö' ; Kristensen, Jyske folkesagn S. 333
nr. 458 'Kongens tanke' ; Vinson, Folklore basque p. 10 ; auch unten zu
nr. 165. — Verlust des Kopfes steht auch im altnordischen Liede
von Wafthrudnir 7 (Gering, Edda S. 60. J. Grimm, Myth. 3 S. 862)
auf Nichtlösung der Rätselfragen, ebenso in der dänischen Ballade
'Svend Vonved' (Grundtvig, DgF. 1, 235 nr. 18. W. Grimm, Alt-
dänische Heldenlieder 1811 S. 227), im indischen Rätselwettstreit
zwischen Astävakra und Bandin, dem Redner des Königs Janaka
(H. Jacobi, Mahäbhärata 1903 S. 42 : III, 133. Holtzmann, Indische
Sagen 1. Aufl. 1847 3, 109) und in der Pehlewi-Erzählung vom
Rätselkampfe zwischen Gösht-i Fryäno und dem Zauberer Akht (The
book of Arda Viraf ed. by Haug and West 1872 p. 249). r) Dagegen
erhält der Jüngling, der drei Fragen zu beantworten weiß, die
Hand der Königstochter in den Gesta Romanorum c. 70 und
bei Klapper, Erzählungen des MA. nr. 11; vgl. oben 1, 200; ein
Nachhall ist die Dürnberger Hochzeitssitte, daß der Brautführer
zunächst eine Reihe von Rätseln lösen muß (Hartmann, Volks-
schauspiele 1880 S. 120). Auch der Bauernjunge im isländischen
') An ein Rätsel der Heivararsaga (Unland, Schriften 3,184. 7, 131)
vom einäugigen Odin und seinem achtfüßigen Rosse erinnert das 29. Rätsel
des Zauberers 'Was hat zehn Füße, drei Köpfe, sechs Augen, vier Hörner'
usw. (p. 261), dessen Lösung (Pflüger und Ochsengespann) dem Helden
durch einen Engel Aüharmazos mitgeteilt wird. Über andre Rätselwett-
streite s. oben 2, 3701.
152. Das Hirtenbüblein. 231
Märchen bei Rittershaus nr. 1, der bei Todesstrafe des Königs
Gedanken erraten soll, gehört hierher.
Von den Fragen unsres Märchens1) heben wir einige hervor,
die auch in anderm Zusammenhange vorkommen: 1. Das Hirten-
büblein, das die Tropfen im Meere erst zählen will, nachdem
der König alte Flüsse verstopft hat, erneuert eine List des Amasis,
der das Meer austrinken sollte (oben 2, 369; dazu Clouston, Persian
garden 1894 p. 306. 312; Chamberlain, Aino 1888 nr. 32; E. J.Robinson,
Tales and poems of South India 1886 p. 37 ; Kathämanjari nr. 76
nach W. Taylor, Oriental historical ms. 2. 1858). — 2. Wie hoch
ist der Himmel? Das Straßburger Rätselbüchlein ed. Butsch 1876
nr. 242 antwortet: 'Ein halb tagreis, dann Christus für zu mittag
hinuf; wer im mer zeyt not gewest, er hets nit verzogen'. Ebenso
Waldis. Die Rätselsammlung in der Zs. f. dt. Alt. 3, 32 nr. 15
dagegen sagt: 'Das waiß nach got nyemant dan der teufel, der hat
es gemessen und mag nit wider hinuff kommen'. In einer verbreiteten
Legende nämlich fragt der Teufel, der in Gestalt einer schönen
Jungfrau einen frommen Bischof zu verführen sucht, den Einlaß
begehrenden Pilger, wie weit es vom Himmel zur Hölle sei; und
dieser, in Wahrheit der h. Andreas, erwidert: 'Diesen Raum hast du
ja selbst bei deinem Sturze gemessen' (Legenda aurea c. 2, 9; dazu
oben S. 151). Ebenso antwortet die Schäferin dem Teufel bei
Bunker, Volksschauspiele 1915 S. 258; vgl. Folengo oben S. 224 und
B. de Torres Naharro, Propaladia (1517. ed. Menendez 1900 2,378):
,Einen Sprung'. Minder gelehrt sind die Antworten 'einen Seufzer'
(engl. Gesta Romanorum), 'einen Ruf (Amis), 'dreißig Schrei'
(Sacchetti), 'eine lange Leiter' (Campbell), 'einen Kalbsschwanz, falls
er lang genug ist' (Demands joyous bei Halliwell, Populär rhymes
p. 153), 'drei Fuchsschwänze, wenn sie lang genug sind' (Pauli,
Schimpf und Ernst c. 96), 'ein Knäuel Bindfaden' (Mango). —
3. Wie tief ist das Meer? Einen Steinwurf (englische Gesta;
E. Meier; Bunker; Wolf nr. 262b; Müllenhoff; Bartsch; Wossidlo).
— 4. Wieviel Sterne stehn am Himmel? Die Unzählbarkeit wird
durch die Gleichsetzung mit den Sandkörnern im Sacke, den Blättern
an der Linde oder den Haaren des Esels versinnlicht. Bei Milä y
Fontanals, Observaciones 1853 p. 187 nr. 13 bildet diese Frage die
Antwort des Mädchens auf die Frage des Königssohnes 'Wieviel
l) 51 Fragen verzeichnet Schevill 1911 S. 227.
232 152. Das Hirtenbüblein.
Blätter hat der Baum'. In dem Liede von den unmöglichen Dingen
(Erk-Böhme nr. 1090a) heißt es: 'Und soll ich dir die Sterne zähln,
die an dem Himmel scheinen, so mußt du mir ein Leiter baun, daß
ich darauf künnt steigen'. Ähnlich im ^irischen Märchen bei Larminie
p. 176. — 5. Wieviel Sekunden hat die Ewigkeit? Über das
zuerst bei Seuse auftauchende Bild vom Sandberg und Vöglein vgl.
R. Köhler 2, 37; dazu Pelbart, Sermones de tempore, Aestiv. 66 Z;
Beuschel, Weltgerichtsspiele 1906 S. 123. 339; Fischer -Tümpel,
Kirchenlied 5, 377; Bunker, Volksschauspiele 1915 S. 157; Zs. f.
Volkskunde 18, 188. — Ein Lied des Kölner Psälterleins (Haxthausen,
Geistl. Volkslieder 1850 S. 57) hebt dagegen an: 'Ins Feld geh,
zähle alles Gras, die Zahl wirst linden ohne Maß ; zur Ewigkeit doch
was ist das? Im Meer die Tropfen häufig zwar, im Himmel viel
der Sternen klar ; die Ewigkeit hat viel mehr Jahr.' — 6. Wie weit
ists von einem Ende der Welt bis ans andre? Das Straßburger
Rätselbüchlein nr. 263: 'Ein tagereis, als die sonn bezeugt mit irem
uffgang des morgens und nidergang des nachts'. Simrock, Rätsel-
buch nr. 372. Schwedisch : Zs. f. dt. Mythol. 3, 352 nr. 90. Spanisch :
Torres Naharro, Propaladia 2, 378 (1900). — 7. Wo ist der Mittel-
punkt der Erde? Hier. — Vgl. Haug. Vedische Rätselfragen
S. 43 (SB. der Münch. Akad. 1876). Polissoniana 1722 p. 19 =
Rolland, Devinettes 1877 nr. 353. Mittelpunkt der Erde zu sein
behaupten viele Orte, das altmärkische Dorf Poppau, das mecklen-
burgische Tulendorf wie das antike Delphi und Phlius (Temme,
Altmark S. 33 = Grässe, Preuß. Sagenbuch 1, 192 nr. 205. Wossidlo,
Mecklenburg. Volksüberl. 1, 328. Pausanias 10, 16, 3 und 2, 13, 7.
Daremberg-Saglio, Dict. des antiquites 4, 1, 197). — 8. Wieviel
wiegt der Mond? Ein Pfund, denn er hat vier Viertel. — Simrock,
Rätselbuch nr. 253. Hartmann, Volksschauspiele 1880 S. 192.
Colshorn nr. 26. — 9. Wieviel ist der König wert? 29 Pfennige.
— Vgl. R. Köhler 3, 533 nr. 40 und Wackernagel, ZfdAlt. 3, 33
nr. 38. Rolland, Devinettes nr. 355. Dieselbe Antwort erhält
'der hoffärtige Kaiser' in dem niederländischen Gedichte des
14. Jahrh. im Belgisch Museum 10, 57 von einem Knaben. In der
bulgarischen Bearbeitung von Äsops Leben (Archiv, f. slav. Phil. 7, 94)
schätzt Josopus, der für seinen Herren Xathius eintritt, den König
Digenes auf weniger als dreißig Silberlinge und die Königin auf
weniger als ein Schaf. Zur Vergleichung mit dem Mairegen
(Kristensen, Fra Bindestue 1, 90. Birlinger 2, 370) s. oben 2, 359
153. Die Sterntaler. 233
die Frage, wieviel des Königs Bart wert sei. — 10. Welches ist
der beste Vogel? — Die Gans, denn sie macht den Kohl süß und
das Bett weich (Kristensen, Aev. 4, 288). 'Den besten Vogel, den
ich weiß, das ist ein Gans', hebt G. Forster, Frische Liedlein 2, nr. 6
an; dazu die Anmerkung von E. Marriage 1903 S. 227 und Jürgensen,
Martinslieder 1910 S. 141. In Molfhak Spangenbergs 'Ganskönig'
Kap. 1 (1607) erwählen die Vögel die Gans zu ihrem Herrscher.
In einem 1842 in der Zs. Majak gedruckten großrussischen
Märchen (Chudjakov, Großrussische Rätsel 1864, Einl. S. 18) fragt
der Alte seine drei Schwiegertöchter, welches Vogels Stimme am
weitesten zu hören sei; die jüngste nennt die Gans, die zweite den
Kranich, die älteste sagt: 'Wenn ein Vögelchen vom Meer kommt,
so tränke und füttere es. ohne etwas dafür zu nehmen ; dann wird
seine Stimme weiter hörbar sein als die der Gans oder des Kranichs.' —
11. Was ist das Schnellste, Süßeste, Kostbarste? — Vgl.
oben 2, 857 f. 3, 16. 43; dazu Kristensen, Folkegaader S. 61. 197.
Skattegraveren 5, 119. Kubin, Povidky kladske 2. 194—196.
Povidky lidu opav. a han. S. 154 nr. 58. Zbiör wiadom. antropol. 5, 207
nr. 12. Zivaja Star. 14, 48 nr. 4.
153. Die Sterntaler. rsss s. 238.
1812 nr. 83 'Das arme Mädchen' = 1819 nr. 153. — Nach
dunkler Erinnerung aufgeschrieben ; möge es jemand ergänzen und
berichtigen ! — Jean Paul gedenkt seiner in der Unsichtbaren Loge
1, 214 (1793) = Sämtliche Werke 1840 1, 139. ») Auch A. v. Arnim
hat es in den Erzählungen 1812 S. 231 f. = Werke 1, 242 (Die
drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber) benutzt.
*) Hier erzählt einer den Kindern von einem abends ohne Obdach
umherirrenden armen blutjungen Mädchen, das. wenn ein Stern sich
putzte und herunterfuhr, unten einen hübschen Taler fand, auf den ein
silberner Engel aufgesetzt war, welcher Engel immer glänzender und
breiter wurde, bis er gar die Flügel aufmachte und vom Taler aufflog
gen Himmel und dann der Kleinen droben aus den vielen Sternen alles
holte, was sie nur haben wollte, und zwar herrliche Sachen, worauf der
Engel sich wieder auf das Silber setzte und sehr nett sich da zusammen-
schmieste.
234 153. Die Sterntaler.
Ein Gedicht von Bauernfeld 'Die Sterntaler' (Werke 1905 1, 27)
beruht auf Grimm, ebenso eins von Roose im Berliner Ms. germ. oct.
316 und ein schwedisches Volksbuch 'Stjern- Riksdalrarne'
(1846) nach Bäckström, Sv. folkböcker 3, 52. In Belgien scheint
eine ähnliche Sage bekannt zu sein nach *Coremans, L'annee de
l'ancienne Belgique p. 371 (Revue des trad. pop. 17, 573).
Sternschnuppen (Sternbutze, mhd. sternfürb, sternschoz)
gelten vielfach als Glückszeichen. Wie sie dem griechischen
Schiffer günstigen Wind verkünden (Theokrit 13, 50; vgl. Ilias 4, 75
und Seneca, Nat. quacst. 1, 1, 12), so fällt in dem oben 1, 492 an-
geführten holsteinischen Märchen bei Müllenhoff S. 409 nr. 8 eine
dem Mädchen in den Schoß, das Seide aus Flachs spinnen soll.
Nach schwäbischem Volksglauben (Birlinger, Volkstümliches 1, 190)
sind die Sternschnuppen Dochtbutzen, die von den Engeln an den
Himmelslichtern abgezwickt werden; wer einen findet, wird ein
reicher Mann, denn der Butzen ist von Gold und Silber. In der
Oberpfalz (Schönwerth 2, 61. 79) erzählt man, daß dort, wo eine
Sternschnuppe niederfalle, ein Kreuzer, der nie weicht, so oft man
ihn auch ausgibt,1) oder ein Napf Geld zu finden sei. Nach
tirolischem Glauben fällt sie auf die Stelle, wo ein Schatz2) verborgen
liegt (Zingerle, Sitten 1857 S. 134); ebenso schlesisch und böhmisch
(Drechsler, Sitte 2, 135. A. John, Westböhmen S. 234. Grohmann,
Aberglaube S. 32). Personifiziert wird die Sternschnuppe als ein
gottgesandter Engel (Bartsch, Mecklenburg 2, 201. Andree, Ethno-
graphische Parallelen 1, 112. 1878), anderwärts freilich als ein vom
Himmel herabgestoßener böser Geist (Dähnhardt, Natursagen 1, 134.
Zs. f. dt. Mythol. 1, 179. Revue des trad. pop. 11, 656. 16, 565.
19, 43. Zedlers Universallexikon 39, 1990: türkisch) oder als ein
Gelddrache (Birlinger, Vtl. 1, 189. Drechsler 2, 135. Bartsch
1, 256. 2, 201). 3)
*) In einer abessinischen Sage (Archiv f. Religionswissenschaft 11,
312) wird aus der Sternschnuppe ein glückbringendes graues Tierlein.
3) Eine freie Umdeutung Eichendorffs ist es wohl, wenn in seinem
Lustspiel 'Die Freier' (Werke 4, 643. 1864) ein Mädchen meint, wo der
erste Stein herunterfalle, da komme ihr Bräutigam her.
3) Allgemein verbreitet ist ferner der Glaube, es erfülle sich der
Wunsch, den man im Augenblicke, wo die Sternschnuppe fällt, aus-
spreche: Wuttke, Volksaberglaube § 451. Tobler, Appenzeller Sprachschatz
S. 408b. Zs. f. dt. Myth. 4, 6. Schweiz. Archiv 12, 279. E. H. Meyer,
Bad. Volksleben S. 516. Zingerle, Sitten S. 134. Schleicher, Sonneberg
154. Der gestohlene Heller. 235
154. Der gestohlene Heller. i656 s. 238.
1812 nr. 7 = 1819 nr. 154 Von Gretchen Wild in Kassel
1808. — Vgl. Wackernagel, Kl. Schriften 2, 407 = Altdeutsche
Blätter 1, 181. Nacherzählt von Bechstein, Neues Märchenbuch 18
1871 nr. 9 'Das Hellerlein'.
Ähnliche Bußen Verstorbener für einen geringfügigen
Diebstahl erscheinen bei Bechstein, Sagen des Rhöngebirges 1842
S. 271 nr. 135 'Das Dreierlein' und Knoop, Posener Geld- und
Schatzsagen (Progr. Rogasen 1908) S. 17 nr. 29 'Der gestohlene
Heller'; vgl. dort nr. 28 'Das wiedererscheinende Kind' und nr. 30
'Der verborgene Sechser'.
1856 S. 134. Zs. f. Vk. 9, 231. E. John, Erzgebirge 1909 S. 249.
Drechsler, Schlesien 2, 135. Strackerjan2 1, 19. Bartsch 2, 202. Zs. f .Vk.
5, 461. Kristensen, Sagn og overtro fra Jylland 2, 2, 23. Skattegraveren
8, 16. J.Wolf, Beiträge 1, 248. Sebillot, Folklore de France 1, 50.
Bevue des trad. pop. 17, 573. Weil, Bibl. Legenden der Muselmänner
S. 210. Ein von Bodenstedt verdeutschtes Gedicht der Gräfin Bostoptschin
in den Liedern aus der Fremde 1857 S. 7. — Endlich bedeutet der
fallende Stern, daß in diesem Augenblicke ein Mensch stirbt, und
Fromme sprechen dann ein Gebet: Plinius 2, 28. Eusebios von Alexandreia
bei Useuer, Religionsgeschichtliche Untersuchungen l2, 79 Anm. J. Grimm,
Myth.3 S. 685. 3, 210. 454. Wuttke, Volksaberglaube § 264. Erk-Böhme,
Liederhort nr. 218 'Es fielen drei Sterne vom Himmel herab'. Schweiz.
Archiv 2, 217. E. Meier, Sagen aus Schwaben 2, 506. Meyer, Bad.
Volksleben S. 516. Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 300. A. John,
Westböhmen S. 234. Grohmaun S. 31. Drechsler, Schlesien 2, 135.
Kuhn-Schwartz, Norddeutsche Sg. S. 457. Strackerjan2 1, 18. Bartsch
2, 201. Zs. f. Volksk. 5, 431. 8, 290 (isländisch). 22, 158 (rumänisch).
Volkskunde 17, 51. 19, 134. Skattegraveren 8, 16. Wigström, Folk-
diktning 1, 152. Sebillot, Folklore de France 1, 49. Beranger, Chansons
1861 p. 272 'Les etoiles qui filent'. Revue des trad. pop. 11, 656. 13,
178. 16, 565. 17, 572. 18, 99. 21, 104. 26, 161. 28, 82. Pitre, Usi 3,
9. Bibl. de las trad. pop. esp. 8, 268. Polites, JJaQadoOElc, 2, 860
nr. 273. Andree, Ethnogr. Parallelen 1, 111.
236 155. Die Brautscliau.
1856 s. 23a 155. Die Brautschau.
1819 nr. 155. — Aus der Schweiz, mitgeteilt von Wyß,
Idyllen 1815 8. 321 in der Anmerkung zu seiner Dichtung 'Die
Apfelprobe'1); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM.
1906 S. 79. Danach und nach einer mündlichen Zürcher Über-
lieferung bei Sutermeister nr. 40 'Die Käsprobe'. — Aus Schwaben
bei Meier nr. 30 'Die Brautschau'. Ein englisches Gedicht mit dem
Anfange 'There lived in York, an age ago, A man whose name was
Pimlico' wird in Notes and Queries 6. series 9, 357 (1884) angeführt.
Etwas Ähnliches hat Schütze, Holsteinisches Idiotikon 1, 334
(1800) = Müllenhof f S. 586 'Der Freier'. Ein junger Mann besuchte
drei Schwestern und fand ihre Wochen voll Flachs. Heimlich steckte er
einen Schlüssel in den Flachsüberzug der ältesten und fand ihn am
folgenden Tage im Flachs wieder. Ebenso gings ihm bei der
zweiten. Die dritte aber sagte ihm am nächsten Tage: :Se hebben
Eeren Slötel in minen Wocken steeken laten.' wDu bist die rechte',
sprach er und nahm die Fleißige zur Frau.2) — Ebenso dänisch
in Skattegraveren 12. 218 'Naglen i blärene'; schwedisch
bei Aberg nr. 340 'Om flickan, som var sä flink att spinna' und
nr. 341; Hackmans Register nr. 1453; norwegisch bei Braset
1, 98; finnisch in Aarnes Register nr. 1453. Ein nieder-
österreichischer Schwank von einem, der sich eine Braut
suchen will und sich einen Strohhalm, wie sie unterm Bett liegen,
zum Zähnestochern ausbittet, in der Zs. f. dt. Mythol. 4, 25. Im
1) Über die Freundesprobe durch einen geschenkten Apfel
vgl. oben 2, 392. R. Köhler, Zs. f. Volksk. 6, 173 zu Gonzenbach
nr. 90. Pitre, Cartelli 1918 p. 447 nr. 13. — Kaiser Karl erprobt durch
Äpfel den Gehorsam seiner Söhne (Vitry, Exempla 1890 nr. 123),
Salomo das Geschlecht der Kinder (oben 2, 58. Folklore 1, 133.
354. Stapfer bei Bächtold, Gesch. der dt. Lit. in der Schweiz 1892
S. 387), andre das eines als Frau verkleideten Räubers (Volkskunde
19, 26. Dykstra 2, 91. Kristensen, Gamle folkefoitsellinger om det
j.yske almueliv 5, 184. 1894 und Sagn og overtro 2, 1, 148). Über die
Wahl zwischen Apfel und Gulden als Probe der Zurechnungs-
fähigkeit s. oben 1, 203.
2) Ähnlich wird in einem Kölner Schwanke bei Metkens, Was sich
das Volk erzählt 1, 145 nr. 166 die Keuschheit des Pfarrers durch eine
in sein Bett gelegte Feuerzange erprobt.
155. Die Brautschau. 237
englischen Schwank bei Addy nr. 12 'The choice of a servant'
wird die neue Magd durch einen im Wege liegenden Besen
erprobt.
Drei lispelnde Schwestern, denen die Mutter während
des Besuches des Freiers Schweigen anempfohlen hat, brechen dieses
plötzlich, als der Faden am Spinnrade reißt oder eine Spinne
sichtbar wird. Davon berichtet schon ein Meisterlied des Hans Sachs
v. J. 1555 (Zs. f. Volkskunde 3, 60 = Schwanke ed. Goetze G, 171
nr. 953) und eine Reihe jüngerer Volksschwänke: Sutermeister nr. 22
'Die drei Töchtere'. Müllenhoff S. 413 'De dre Süstern' == Simrock,
Märchen S. 268. Wossidlo 1910 S. 98 'Die drei lispelnden Schwestern'.
Haas, Schnurren von Rügen 1899 nr. 91. Blätter f. pommersche
Vk. 1, 181. 3, 58. 5, 22. 9, 57. 10, 101. Hai trieb 4 S. 204 nr. 53.
Am Urquell 3, 293. 342. Bolte, Zs. f. Vk. 3, 58. 7, 320. Dähnhardt,
Schwanke nr. 16. Dänisch bei Grundtvig, Folkeaventyr 1884 p. 47.
Kristensen, Skjjemtesagn 1900 S.35. Schwedisch bei Nordland er, Sv.
landsm. 7, 8, 3. Norwegisch : Braset 1, 103. Sardinisch bei Mango
nr. 13 'Le tre stupide'; vgl. Imbriani, Conti pomiglianesi p. 223 nr. 7
A muzzella. Serbokroatisch in Bos. Vila 4, 12. Grdic-Bjelokosic,
Stotina S. 57. Zbornik jslav. 19, 94 nr. 10. Großrussisch
bei Ivanickij S. 200 nr. 31; Zap. Krasnojarsk. 1, 40 nr. 21;
Cudinskij2 S. 138. Weißrussisch bei Sejn 2, 314 nr. 149;
Federowski 3, 165 nr. 295 — 296. Kleinrussisch bei Sadok Baracz
S. 134 (verspottet den masurischen Dialekt). Hrincenko 2, 300 nr. 24.
Polnisch: Zbiör wiadom. 17, 125 nr. 1. Slowakisch: Slov.
Pohl'ady 16, 321 nr. 28. C e c h i s c h : Radostov 5, 3 = 2. Aufl. 1, 150
nr. 18. Lettisch bei Böhm nr. 12 = v. Lövvis 1916 S. 118.
Finnisch in Aarnes Register nr. 1457. Peruanisch bei
Duine 1896 p. 43.
Um zu beweisen, daß sie scharf sehen kann, zeigt ein halb-
blindes Mädchen dem Freier eine Nähnadel, klappt aber mit der
Hand in die Butter auf dem Tische, die sie für die Katze ansieht :
So aus Hannover bei Busch S. 12 'Ilsabein' = Kbl. f. nd. Sprach-
forschung 22, 16; aus Mecklenburg bei Wossidlo 1910 S. 99 'Die
Scharfsichtige'. Anthropophyteia 6, 277 nr. 2. Serbisch: Srpski
etnograf. Zbornik 16, 379 nr. 14. Kleinrussisch : Hrincenko 1, 125
nr. 142; Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 30 nr. 63; großrussisch:
Oncukov S. 480 m\ 210; Zap. Krasnojarsk. 1, 40 nr. 22. Finnisch:
Aarnes Register nr. 1456.
238 155. Die Brautschau.
Während bei diesen Brautproben Ordnungsliebe, Fleiß, scharfes
Auge und deutliche Bede verlangt wird, kommt es in der 'Erbsen-
probe' (nr. 182a) darauf an, die vornehme Abkunft durch die
Zartheit und Empfindlichkeit der Haut zu erweisen. Eine solche
gehörte vielfach ebenso zur vollkommenen Schönheit wie die Durch-
sichtigkeit des weißen Halses, der den roten Wein durchschimmern
läßt (R. Köhler 2, 348). In der indischen Baital Fachisi nr. 10
(übersetzt von Oesterley 1873 S. 90, vgl. 199) und in der Vetala-
Pantschavinsati nr. 10 (Tawney, Kathasaritsagara 2, 281 c. 85) lust-
wandelt ein König mit seinen drei Frauen, da fällt der einen eine
Lotosblüte auf den Fuß, und dieser bricht; die zweite wird von den
Mondstrahlen getroffen und bekommt Geschwüre, die dritte hört das
Stampfen einer hölzernen Mörserkeule und sinkt ohnmächtig um.1)
Die Cukasaptati nr. 5 und 9 (R. Schmidt, Textus simplicior 1894
S. 11. 22) freilich erklärt es für eitel Heuchelei, wenn die ehe-
brecherische Königin die männlichen Fische nicht anblicken will und
bei dem Schlag mit einer Blume ohnmächtig wird; und in der
persischen Erzählung bei Ciistoforo Armeno (J. Wetzel, Reise der
Söhne Giaffers 1583 S. 228 = ed. Fischer-Bolte 1895 S. 120,
vgl. 217) verstellen sich drei von den vier vor den König geführten
Jungfrauen ähnlich: die eine heuchelt Ohnmacht, als der König ihr
Rosenblätter an die Brust wirft und ein Rosenästchen dabei ihr ins
Gesicht springt, und deckt vor der Bildsäule eines Mannes2) ihr
Antlitz mit den Händen; die zweite ruft: 'Herr, geht weg! Denn
die Haare an eurem Pelz stechen mich' ; die dritte hält, wie sie im
See Fische springen sieht, ein Tuch vors Gesicht, weil Männlein
unter den Fischen sein könnten. Siamesisch bei Bastian,
Geographische und ethnologische Bilder 1873 S. 267. Bei D'Ouville
(Elite des contes 1680; ed. Brunet 1883 2, 149 'De la delicatesse de
quatre femmes' = Amusemens francois ou contes ä rire 1752 1, 204
'La fausse delicatesse') streiten vier Nachbarinnen, die durch ein
Rosenblatt, eine Falte im Bettlaken, drei nach der falschen Seite
*) Das erinnert an die griechischen Erzählungen von den Syba-
riten, deren einer Blasen auf dem Rücken bekommt, als er auf Rosen-
blättern gelegen hat (Aelian, Varia bist. 9, 24); ein andrer bekommt
einen Bruch, als er einen Arbeiter hacken sieht, ein dritter Seitenstiche,
als ihm davon erzählt wird (Timäus bei Atbetiäus 12, 3 p. 518 D = Müller,
Fragm. hist. Graec. 1, 205).
2) Vgl. dazu Wetzel ed. Fischer-Bolte S. 217.
157. Der Sperling und seine vier Kinder. 239
gekämmte Haare und eine gesprungene Ader viel gelitten haben, um
den Preis der Empfindlichkeit. Im italienischen Märchen bei
De Nino 3, 348 nr. 70 'La Vendetta' verhext eine Alte drei Königs-
töchter, indem sie ihnen die Bettücher verkehrt legt, ein Haar
ausreißt oder eine Jasminblüte gegen die Brust wirft. Im wälsch-
tiroler Märchen bei Schneller nr. 45 'Die Empfindlichste' endlich
begegnet ein heiratslustiger Prinz drei auf dieselbe Weise gequälten
Mädchen und wählt die dritte zur Frau.
In einem Schwanke aus Ostgalizien (Zbior wiadom. 17,305
nr. 3) denkt ein Dummling, der auf einer Bank geschlafen, nach,
warum ihn alle Glieder schmerzen, da erblickt er eine Gansfeder
auf der Bank und meint: Wenn eine einzige Feder so drücken
kann, wievielmehr muß ein ganzes Federbett drücken! Seitdem
schlief er nie mehr auf Federn.
156. Die Schlickerlinge. rase s. 239.
1819 nr. 156. Aus dem Mecklenburgischen. — Ähnlich
singt bei Wossidlo, Aus dem Lande Fritz Reuters 1910 S. 56 die
Magd beim Tanz:
Von mine Fru ehren Futikan (Pfui dich an)
Heff ik so'n bunten Bock von an.
Ebenda S. 56 'Knüpfen vors Knie'. — Gehört zu den Märchen, die
auf einfache Art eine alte Lehre geben, wie jenes von der Brautschau
(nr. 155). Das Spinnen ist die eigentliche Arbeit der Hausfrau nach
alten Sitten, ihr Leben und Weben.
157. Der Sperling und seine vier Kinder. lsseassa
1812 nr. 35, seit 1819 nr. 157. — Aus Schuppius, Fabul-
Hans 1660 Bl. B 10 b = Schriften (o. J.) S. 837; diese Schrift ist
jedoch nur eine neue Ausgabe der 7. Predigt in J. Mathesius
Historien von Dr. Martin Luther (1563), betitelt 'Von Jothams
Märlein' = Mathesius, Ausgewählte Werke ed. Loesche 3, 151
(2. Aufl. 1906), und die Erzählung gehört offenbar zu den von
240 157. Der Sperling und seine vier Kinder.
Mathesius gedichteten Fabeln, die er am 7. Mai 1557 an Paul Eber
sandte (Mathesius, Ausgewählte Werke 4, 5G9). Aus Mathesius
schöpfte Nathan Chytraeus (Hundert Fabeln 1571 nr. 16 'Sperling'),
den dann Rollenhagen im Froschmeuseler 1595 El. Aa5a =
1, 260 ed. Goedeke 1876 (2, 2, cap. 7 'Doctor Sperlings Rat') in
Reime brachte und breiter ausführte, und A. v. Arnim in der
Gräfin Dolores 2, 172 (Werke 8, 190) 'Die Schule der Erfahrung'.
Vgl. Hamann, Die literar. Vorlagen der KHM. 1906 S 28 und Steig,
Brentano und die Brüder Grimm 1914 S. 117.
Aber die Fabel geht tiefer ins Mittelalter zurück. Im Esope
nr. 92 erzählt Marie de France (Fabeln ed. Warnke 1898), wie
ein Rabe sein Kind lehrt, sich vor dem Menschen zu hüten, wenn er
sich nach einem Stein oder Stock bücke. 'Wenn ich aber sehe,'
fragt das Junge, 'daß er sich nicht bückt und nichts in den Händen
hat, muß ich mich da auch entfernen'?' Da fürchtet der alte Rabe
nicht mehr für seines Kindes Leben, da es sich selber helfen könne.
Ebenso in der lateinischen Fabel 'Quomodo corvus filios docuit' im
Romulus ed. Oesterley 1870 app. nr. 55 und Hervieux, Les fabulistes
latins 2, 612 nr. 70. Aus einem mlat. Gedichte 'Joealis' führt
E. Du Meril, Poesies ined. du m03ren äge 1854 p. 144 die Anspielung an :
Cornix mater ait pullo: Si forte lapillum
Quisquam tollit humo, fugias velocius illum!
Bei Hugo von Trimberg, Renner v. 14955 ed. Ehrismann und
Bonaventure des Periers, Nouvelles recreations 1558 nr. 87 'De la pie
et de ses piauz' ist aus dem Raben eine Elster geworden; beim
Franzosen erwähnen die Jungen das Zielen mit der Armbrust, das
Aufheben des Steins und als das Gefährlichste, wenn der Mensch
beständig einen Stein in der Hand trägt. Ein Meisterlied der
Kolmarer Hs. (ed. Bartsch 1862 S. 263) 'Driu exempel Ysopi' macht
aus dem Raben eine alte Krähe'), während Hans Sachs 1548 in seinem
Meisterliede 'Die Wölfin mit ihrem Jungen' (Schwanke 4, 380 nr. 496)
die Geschichte von einer Wölfin berichtet; diese warnt vor den
Menschen mit Jagdbüchse, Schweinsspieß und Hellebarde, heißt aber
ihren Sohn den Landsknecht mit dem langen Spieß unverzagt
angreifen. W. Grimm (Tierfabeln bei den Meistersängern, Abh. der
a) In einer kleinrussischen Fabel Etnogr. Zbirnj'k 37 — 38, 380 nr.
282—283 fragt eine Krähe ihre Jungen, indem sie sie über einen Fluß
trägt, wie sie sie im Alter pflegen werden, und läßt die älteren fallen,
weil sie übertriebene Versprechungen machen.
157 a. Die heilige Trau Kümmernis. 241
Berliner Akad. 1855, 248 = Kl. Schriften 4. 393) zieht hierzu noch
andere Tierfabeln heran, in denen der Löwe (Pauli c. 20 ed. Oesterley.
H. Sachs, Schwanke 3, 308 nr. 152) oder die Hirschkuh (Marie de
France nr. 91) ihre Jungen unterweisen.
Schottisch bei Campbell2 3, 133 nr. 71 'The hoodie
catechising the young one'. — Griechisch bei Carnoy et Nicolaides
p. 186 'Le moineau et ses enfants'. — Armenisch bei Vartan,
Choix de fables 1825 nr. 32 'Le corbeau et ses petits\
157a. Die heilige Frau Kümmernis.
(1815 nr. 66.)
Es war einmal eine fromme Jungfrau, die gelobte Gott, nicht zu
heiraten, und war wunderschön, so daß es ihr Vater nicht zugeben und
sie gern zur Ehe zwingen wollte. In dieser Not flehte sie Gott an, daß
er ihr einen Bart wachsen lassen sollte, welches alsogleich geschah.
Aber der König ergrimmte und ließ sie ans Kreuz schlagen, da ward sie
eine Heilige.
Nun geschah es, daß ein gar armer Spielmann in die Kirche kam,
wo ihr Bildnis stand, kniete davor nieder. Da freute es die Heilige, daß
dieser zuerst ihre Unschuld anerkannte, und das Bild, das mit güldenen
Pantoffeln angetan war, ließ einen davon los und herunterfallen, damit
er dem Pilgrim zugute käme. Der neigte sich dankbar und nahm die
Gabe.
Bald aber wurde der Goldschuh in der Kirche vermißt und geschah
allenthalben Frage, bis er zuletzt bei dem armen Geigerlein gefunden,
auch es als ein böser Dieb verdammt und ausgeführt wurde, um zu
hangen. Unterwegs aber ging der Zug an dem Gotteshaus vorbei, wo
die Bildsäule stand; begehrte der Spielmann hineingehen zu dürfen, daß
er zu guter Letzt Abschied nähme mit seinem Geiglein und seiner Gut-
täterin die Not seines Herzens klagen könnte. Dies wurde ihm nun
erlaubt.
Kaum aber hatt er den ersten Strich getan, siehe, so ließ das Bild
auch den andern güldnen Pantoffel herabfallen und zeigte damit, daß er
des Diebstahls unschuldig wäre. Also wurde der Geiger der Eisen und
Bande ledig, zog vergnügt seiner Straßen. Die heilige Jungfrau aber
hieß Kümmernis.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. \ß
242 157 a. Die heilige Frau Kümmernis.
Nach Andreas Strobl, Ovum paschale (Salzburg 1700) S. 216;
vgl. Hamann, Die literar. Vorlagen der KHM. 1906 8. 57. J. Prätorius,
Wünschelrute 1667 S. 152 wird zu Grimms Deutschen Sagen nr. 330
'Die Jungfrau mit dem Bart' als Quelle angeführt. 'Neigt sich (beißt
es 1815) wie nr. 81, 3, 87 und Kinderlegenden 9 aus der Heiligen-
legende ins Märchen.'
Die Legende von der h. Kümmernis oder Comeria (auch
Wilgefortis, Ontkomer, Liberata, Hülpe u. a. genannt) ist im 15. Jahr-
hundert entstanden aus einem Missverständnis der alten romanischen,
bekleideten und mit einer Krone versehenen Christusbilder, die den
Heiland als den lebenden Himmelskönig am Kreuze darstellen ; die
Darstellung des nackten, schmerzgequälten Crucifixus mit der Dornen-
krone kam im Abendlande erst im 13. Jahrhundert auf. x) Das Volk sah in
jenen alten Bildern eine gekreuzigte Königstochter, die gleich der h.
Paula (Acta Sanctorum Febr. 3, 174) und Galla zum Schutze ihrer Jung-
fräulichkeit bärtig geworden war, obwohl z. B. das Saalfelder Stein-
bild von 1516 die deutliche ßeischrift 'Salvator mundi' trug. Der
Kultus dieser von der Kirche niemals anerkannten Heiligen, von der
die Acta Sanctorum unter dem 20. Juli (Julii t. 5, 50 : Liberata) be-
richten, erstreckt sich über Deutschland, die Schweiz, Belgien, Eng-
land, Frankreich. Spanien und Portugal.
Die zweite Sage von dem einem armen Geiger geschenkten
goldenen Schuh des Heiligenbildes begegnet schon zu Anfang
des 13. Jahrh. in Verbindung mit einem solchen alten Christusbilde,
dem berühmten Volto Santo im Dome zu Lucca, das den aus Holz
geschnitzten Heiland in langem Gewände zeigt; der Schuh des
rechten Fußes ist gelöst und wird von einem darunter stehenden
Kelche aufgenommen (Sloet, De heilige Ontkommer of Wilgeforthis
1884 S. 73 Taf. 12—14. Schnürer, Freiburger Geschichtsblätter 9, 76
Fig. 1. 1902). Von dieser Statue berichtet nämlich damals der
Bologneser Buoncompagno in seiner Rhetorica antiqua: 'quod argen-
teum subtellarem proiecerit histrioni, qui ante ipsam tangebat
chitaram in dulcore' (Schönbach, Sitzungsberichte der Wiener Akademie
145, 89. 1902). Dargestellt wird die Geigerszene auf einem etwa
gleichzeitigen französischen Elfenbein-TrijDtychon (Kevue de l'art
chretien 10, 119. 1866), auf belgischen und böhmischen Kirchengemälden
') W. Grimm, Kl. Schriften 3, 184 und in seiner Ausgabe der
Goldenen Schmiede Konrads von Würzburg 1840 S. XLVH. Kraus,
Gesch. der christl. Kunst 2, 1, 311—324 (1897).
157 a. Die heilige Frau Kümmernis. 243
(Acta S. Julii 5, 59. 63) sowie auf einem römischen Kupferstich von
1723 (Freiburger Geschichtsblätter 10, 177 Taf. 4), erzählt im Lübecker
Passional 1492 und öfter, während Hans Burgkmair auf einem Holz-
schnittbogen 'die Bildnus zu Luca' mit der Kümmernislegende ver-
einigt (Jahresbericht des Neisser Altertumsvereins 7, 29. 1903). *) In
Prag ist ihr Altar in der Loretankirche am Hradschin und gleich-
falls diese Legende bekannt ; ihr Name wurde bokemisiert in Sv.
Starosta (starost = Kummer).
Aus der umfangreichen Literatur sei nur noch einiges hervor-
gehoben: Mones Anzeiger 7, 583. Benign. Kybl, Wunderspiegel 1,
505. Menzel, Christliche Symbolik 1854 S. 110. 528. 535. Walliser
Sagen 1907 1, 245. Menghin, Südtirol S. 83 nr. 39. E. Meier, Sagen
aus Schwaben 1, 44 (1852). Panzer, Beitrag 2, 420 (1855). Köhler,
Yolksbrauch im Vogtlande 1867 S. 618. Sepp, Altbayerischer Sagen-
schatz 1876 S. 175. Weinhold, Zs. f. Volkskunde 9, 322. R. Andree,
Votive und Weihegaben 1904 S. 14. Gusinde, Mitteil, der schles.
Ges. f. Vkunde 6, 81. Unser Egerland 4, 13. 5, 11. 6, 44 52.
7, 11. 25. 8, 38. 9, 24. Mitt. des nordböhm. Excursionsklubs 17,
317. 327. Deulin, Cambrinus 1874 p. 179 La viole d'amour'.
Schnürer, Die ältesten Legenden der hl. Kümmernis (Festschrift für
G. v. Hertling 1913 S. 96—107). Otte, Kirchliche Kunstarchäo-
logie des dt. Mittelalters5 1, 580 (1883). Kraus, Geschichte der
christl. Kunst 2, 1, 434.
Zu der letzten Spiel mannsbitte vgl. oben 2, 501. Man
hat mehr als eine Sage von Heiligenbildern, die aus Gnade einen
Finger der Hand ausstrecken, um den Ring daraus fallen zu lassen.
In den beiden Künigeskinnern (nr. 113) nickt der steinerne Christoph
mit dem Kopf. Der Leichnam des h. Sebald zu Nürnberg, als ein
frecher Gesell ihn am Bart zupft und fragt : 'Alter, wie schmeckt
*) Ein Lied in den Mitteilungen zur Volkskunde des Schönhengster
Landes 5, 157 (1909), ein andres auf die h. Wilgefort bei Kirschner,
Volksgesänge aus dem Aussiger Gau 1898 S. 38. J. Kerner hat in einem
Gedicht 'Der Geiger zu Gmünd' (1816; dazu sein Briefwechsel 1, 433.
1898 und eine Oper von Stich 1875) statt der hl. Kümmernis Cäcilia,
Guido Görres (Gedichte 1844 S. 128 'Der arme Spielmann') die Jungfrau
Maria eingesetzt. In Belgien wird die Geigerlegende von der bl.Philo-
mena (de Cock en Teirlinck, Brabantsch Sageuboek 2, 344. 1911), in
Bulgarien (Strauß, Die Bulgaren S. 311) vom hl. Spiridon, in einer
kleinrussischen Legende aus Ostgalizien (Etnograf. Zbirnyk 13, 246 nr. 427)
vom gekreuzigten Heiland erzäblt.
16*
244 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
dir der Most?' regt die Hand und gibt ihm eine Ohrfeige, daß die
fünf Finger auf der Wange unvertilgliche Spuren eindrücken
(Wagenseil, De civitate Noribergensi 1697 S. 45). Über die sich
bewegenden Heiligenstandbilder vgl. oben S. 127.
läse s. 239 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
1815 nr. 67 = 1819 nr. 158. Nach einem Gedichte des 14. Jahr-
hunderts 'So ist diz von lügenen' (Chph. Heinr. Müllers Sammlung
deutscher Gedichte aus dem 12. — 14. Jahrh. 3, Anhang S. XIV. 1784;
vgl. Haupt und Hoffmann, Altdeutsche Blätter 1, 163. 1836 und Erk-
Böhme, Liederhort nr. 1100). Doch sind bei der Übertragung ein
paar kleine Versehen, auf die Hamann, Die literarischen Vorlagen
1906 S. 54 aufmerksam macht, *) mit untergelaufen; auch hat W. Grimm
für den Anfang 'Ich sach eins mäles in der äffen zit'2) ohne weiteres
eingesetzt 'In der Schlauraff en zeit', obwohl die Dichtung sich
ganz in den Formen des Lügenmärchens bewegt und Anklänge an
die berühmten Schilderungen des Schlaraffenlandes bis auf die Linde
mit heißen Fladen und den Honigfluß fehlen.3) Zu dem Schlüsse
vergleicht E. Du Meril, Etudes 1862 p. 452 die in der Normandie
bekannte Formel: 'Alors le coq chanta kickeriki, et mon conte a fiui '
Die hier spaßhaft gewendete Idee eines Fabellandes steigt ohne
Frage in ein hohes Alter auf.4) In gläubigem Kinderernst erscheint
*) Ein bitterscharfes Schwert (ein vil boesez swert, d. h. ein sehr
stumpfes); zwei Kinder die würfen zwei Zicklein (dö sach ich zwei rinder
zwo geize bringen) ; im Hof standen vier Rosse, die droschen Korn aus
allen Kräften (dö sach ich vier rösser üz howe [Heu] körn dreschen).
2J Affenzeit ist ebenso wie Affenberg und Affental (Wackernagel,
Kl. Schriften 3, 125) eine lustige Umschreibung des frei Erdachten.
3) Poeschel in Paul-Braunes Beiträgen 5,419. Allerdings hat man
schon im 17. Jahrhundert den Namen 'Schlauraffenland' auch auf aller-
hand Schilderungen von unmöglichen Dingen übertragen (Müller-Frau-
reuth, Lügendichtungen 1881 S. 14. Bolte, Zs. f. Volkskunde 20, 193).
4) Vgl. Poeschel, Das Märchen vom Schlaraffenlande (Paul-Braunes
Beiträge 5, 389—427. 1878) und Erich Schmidt, Charakteristiken 23, 53-73
'Das Schlaraffenland' (1912). Ferner E. Rohde, Der griechische Roman2
1900 S. 210; Schenkl, Germ. 7, 193; A. Graf, Miti del medio evo 1, 1
(1892) 'II mito del paradiso terrestre' und 1, 229 'II paese di Cuccagna';
Eolte, Zs. f. Volkskunde 20, 187 'Das Schlaraffenland' ; Müller-Frau reu th,
Das Märchen vom Schlaraffenland (Dresdner Anzeiger 1912, Sonntags-
beilage nr. 33 f.)
158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 245
sie im Märchen vom Zuckerhäuschen, das mit Fladen gedeckt,
mit Zimmet gebalkt ist (oben 1, 115 nr. 15 'Hansel und Gretel'.
Pröhle, KVM. nr. 40 'Kickams Haus'. Zs. f. Volkskunde 15, 346),
und schließt sich an die noch tieferen Mythen von dem verlorenen
Paradies, worin Milch und Honig strömen. Vom goldenen Zeit-
alter unter der Herrschaft des Kronos, da die Menschen ohne
Schmerz und Sorgen genossen, was der Acker willig bot, erzählen
Hesiod, Werke und Tage v. 109 und Ovid, Metam. 1, 89. Als ein
Land märchenhaften Überflusses erscheint bei Herodot 3, 17 das
ferne Äthiopien, noch mehr geographische Fabeleien wurden durch
Ktesias u. a. auf das Wunderland Indien gehäuft. Vom irdischen
Paradiese, seinen Juwelen und Früchten, seinen Milch- und Honig-
strömen und dem Jugendquell, den der Welteroberer Alexander ver-
gebens suchte, berichten mittelalterliche Sagen; und die Entdecker
des 15. und 16. Jahrhunderts hofften in Amerika nicht nur das Gold-
land des Dorado, sondern auch den Jungbrunnen der Insel Bimini
zu finden, nach welcher 1513 der Spanier Ponce de Leon auszog. —
Solche schwärmerisch ausgemalten Schilderungen entgingen nicht der
lustigen oder gesalzenen Parodie. Von den attischen Komödien des
5. Jahrhunderts, die solch herrliche Schlemmerei aus dem Zeitalter
des Kronos auf der Bühne vorführten, sind freilich nur Bruchstücke
überliefert. In den Amphiktyonen des Telekleides z. B. floß der
Gießbach von Wein, die Fische brieten sich selber und trugen sich
auf, gebratene Vögel und feines Backwerk flog einem in den Mund.
In den @r]Qia des Krates sind die Geräte belebt; zum Tische sagt
man : Komm und decke dich ! zum Backtroge : Knete den Teig ! zum
Kruge: Schenk ein ! Bei Pherekrates in den MetaAZT/g führen die
Suppenströme gleich Löffel mit sich, herrliches Obst hängt über den
Häuptern, und alles, wovon man ißt und trinkt, verdoppelt sich als-
bald. In den JSeiQfjveg des Nikophon regnet es Mehl, Brot und
Brei.1) Noch wollüstiger beschreibt später der Schalk Lukian in
seiner 'Wahren Geschichte' 2, 3. 6 das rebenbewachsene Käseiland
im Milchmeer und die Insel der Seligen.
Unter den fahrenden Klerikern des Mittelalters lief die lustige
Sage um von dem Wunschreiche Cucania, als dessen Abt sich der
*) Meineke, Fragmenta comicorum Graecorum 2, 1, 361. 237. 299.
851 = Kock, Comicorum Atticorum fragmenta 1, 209. 133. 174. 777.
246 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
trinkfrohe Dichter der 'Confessio Goliae' um 1163 bezeichnet.1) Eine
nähere Beschreibung liefert jedoch erst das französische Fablei
de Cocaigne aus dem 13. Jahrhundert (Meon, Fabliaux 4, 175. 1808):
statt der Arbeit wird dort der Schlaf bezahlt; die Häuser sind aus
Fischen, Speck und Würsten erbaut; überall sind Tische gedeckt,
gebratene Gänse watscheln durch die Straßen, ein Bach führt weißen
und roten Wein, sowie goldene und silberne Becher mit sich; vier-
mal im Jahre feiert man Ostern und Fasching, die Fastenzeit aber
nur alle zwanzig Jahre einmal; dreimal in der Woche regnet es
Torten, gefüllte Börsen holt man vom Felde; das unvergleichlichste
Wunder aber ist der Jungbrunnen, la fontaine de jovent. Das
mittelenglische Gedicht 'Cokaygne' (Mätzner, Altenglische Sprach-
proben 1, 147. 1867) schildert das Schlaraffenleben von Mönchen und
Nonnen,2) zu dem aber nur gelangt, wer sieben Jahre im Schweine-
mist bis zum Kinn gewatet und Gottes nicht gedacht hat (vgl. oben
2, 4311), während eine niederländische Dichtung 'van dat edele
lant van Cockaengen' (Priebsch, Tijdschrift voor nederl. Taalkunde 13,
185) sich genauer an das französische Vorbild anschließt. — Iu
Italien faßt ein wohl von Giulio Cesare Croce verfaßtes 'Capitolo
di Cuccagna' in 57 Terzinen die hier längst verbreiteten Volks-
vorstellungen zusammen ;3) sein 'Trionfo de' poltroni' (Zenatti p. 63,
') Carmina Burana ed. Schindler p. 254. J. Grimm, Kl. Schriften
3, 78 = Abh. der Berliner Akad. 1843, 2361 führt Cueania zurück auf
Kuchen (ahd. chuocho), weil im Schlaraffenlande die Häuser mit Kuchen
und Fladen gedeckt sind; Diez und Littre denken an ein romanisches
Stammwort coca, couque, das gleichfalls auf die lateinische Wurzel
coquere zurückgeht. Auch das 'kokänisch gewant' imSeifrid Helbling8,
v. 738 gehört hierher.
3) Vgl. Matthaei, Das weltliche Klösterlein (Diss. Marburg 1908).
8) Nach einer Ausgabe von 1581 abgedruckt bei Zenatti, Storia di
Campriano contadino 1884 p. 55. LXI: 'Son stato nel paese di Cuccagna';
Vinetia 1625 (Mones Anzeiger 7, 406); Giovannino il Tranese 1715 (Giam-
battista Basile 2, 84. 1884). Alessandro da Siena, Historia nuova della
cittä di Cuccagua (vor 1500). Martin cieco da Lucca, Trionfo della
Cuccagna (bei Calmo, Lettere 1888 p. 400). Pietro di Piccioli, La nuova
Cucagua, Trevigi 1658 ('L'altro zorno. magnando una castagna' . . .).
Vgl. ferner Folengo, Opere maccheroniche ed. Portioli 1, 64. Calmo,
Lettere 2, nr. 31 (1548). Garzoni, Piazza universale 1587 p. 657. Lippi,
B Malmantile 1815 1, 131. Graf, Miti 1, 236. Gueiriui, Croce 1879 p. 453.
Novati, Giornale storico della lett. ital. 5, 263 und Lares 2, 167. Bossi in
158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 247
Str. 7) beschreibt den schon in Boccaccios (Dec. 8, nr. 3) Freudenland
Bengodi erwähnten Berg von geriebenem Käse, auf dessen Gipfel
Maccaroni und Klöße in einem großen Kessel kochen und dann den
Berg hinabrollen:
El ghe se un monte de formazo grattao,
ghe n' e de dolze e ghe n' e de salao,
e a torno ghe se un lago d' onto sottil descolao,
e in cima un calderon ch' e molto ben fortificao.
E tutti quanti che vuol de' maccaroni
vaga lä auanti che ghe se i so pironi,
ch' e sempre apparecchiai a posta lä per i poltroni,
che iio i e troppo caldi, guanche freddi, ma i e boni.
So berichtet auch der unter Basiles Namen schreibende Paler-
mitaner Giuseppe di Montagna in 'La Cuccagna conquistata' (1640)
von der alma cittä di Cuccagna:
Sedi Cnccagna suttu una montagna
di fnrmaggiu grattatu, et havi in cima
di maccaruni una caudara magna.
Der Käseberg nimmt auch auf einem öfter aufgelegten Bilder-
bogen 'La Cuccagna, descrittione del gran paese de Cuccagna, dove
che piu dorme piu guadagna' !) die Mitte ein ; darunter sieht man
u. a. einen Palast für die Schlafenden und ein Gefängnis für die beim
Arbeiten Betroffenen; die Faulen ziehen mit ihrem König Panigon
umher. Dazu die Unterschrift:
Questo un paese d'altro ch' Alamagna
Doue si guazza l'hosteria pagando,
Quiui si da buon tempo ognun mangiando
Senza dinari, e chiamasi Cuccagna.
seiner Ausgabe von Calmos Lettere 1888 p. 398—410. — Auch das
venezianische Märchen von Utopien, dessen Goethe 1795 in der ersten
Epistel v. 56 gedenkt, ist damit verwandt.
*) Einen Stich des 16. Jahrh. ohne Namen (37 : 50 cm) besitzt das
Dresdener Kupferstichkabinet, einen von 'Mathco Florino Formis' ge-
zeichneten aus dem 17. Jahrhundert die K. Bibliothek zu Berlin; ein
dritter im 18. Jahrh. bei Carlo Losi in Rom gedruckter ist reproduziert
bei E. van Heurck <fc Boekenoogen, L'imagerie populaire flamande 1910
p. 641. Nicht gesehen habe ich die Blätter des venezianischen Kupfer-
stechers Nicolö Nelli: II paese di Cucagna 1564, 11 trionfo di Carnavale
nel paese di Cucagna, La venerabil Poltroneria regina di Cucagna 1565.
248 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
Qui chi manco lauorar piu guadagDa
Et chi non e poltron, si li da bando
Qui senza alcuno pensier si ua cantando
La Ghirimetta che d'amor si lagna.
Qui producon da lor pagnotte i forni,
Piouendo pioue lasagne et offelli
Et folgorando cascan fegatelli.
Fonti e fiumi di grechi et moscatelli
Surgon d'ogni parate, e i prati adorni
Sono di torte frittate e friticelli.
Et altre cose belle,
Come uedete in questa geografia
Fatta da un ser cotal detto Bugia.
In Neapel führte man ehedem am Donnerstag vor Fastnacht
die Cuccagna als eine mit Gänsen, Würsten und andern Eßwaren
besetzte Pyramide durch die Straßen und gab sie darauf dem Volke
preis1). — In Spanien, wo schon Juan Ruiz Erzpriester von Hita
(copla 112 und 331. Biblioteca des autores esp. 57, 225. 260) um
1340 einen 'escolar goloso compafiero de Cucafia' erwähnt, lebt der
Name für eine ähnliche Volksbelustigung, einen dem französischen
mät de Cocagne entsprechenden Klettermast mit Lebensmitteln, fort.
Das Schlaraffenland heißt in einem Zwischenspiele von Lope de Rueda
(Obras 1, 50. 1895) und in zwei Romanzen (Duran nr. 1347. 1733.
Depping, Romancero castellano 1844 2, 430. 477) 'tierra de Jauja',
neuerdings auch 'tierra del Piripao'.
In Deutschland bietet schon das oben nr. 138 erwähnte
Wachtelmäre V. 50 (Unland, Schriften 3, 228) in der Schilderung des
Landes Kurrelmurre schlaraf fische Züge: Fladenhäuser, Wurst-
zäune, gebratene Gänse mit dem Messer im Schnabel und dem
Pfeffer im Nabel, ins Maul fliegende Schwalben. Sie kehren wieder
in den Lügenreimen vom ausreitenden Backofen (Zs. f. dt. Alt. 36,
152 v. 69: Kuckormürre) und in Geilers Predigten über das Narren-
schiff (Navicula s. Speculum fatuorum 1511 Bl. Aa. 2b): 'Terram
*) Poeschel, Beiträge 5, 409. Eine solche Lustbarkeit schildert
H. Sachs 1536 in dem Gedichte 'Sturm des vollen Bergs' (1, 5, 543 a =
Fabeln ed. Goetze 1, 138 nr. 43), das Hans Witzstat unter neuem Titel 'Vom
Baccho und seinen Gesellen' (o. J. Berlin Yh 901) plünderte und Fischart
im Gargan tua c. 4 (1891 S. 76. 143) benutzte; auch iu Wielands Pervonte
(Werke ed. Hempel 12, 66) spielt die 'Kockanje' eine Rolle.
158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 249
promissionis ridiculosam et fabulosam (schluraffenland), ubi tecta ex
laganis sunt confecta, montes incaseati, lapides zuccarei, fontes lacte
et fluvii melle fluentes, ubi albi panes triticei in arboribus pendent
cum phialis optimo vino plenis, sepesque ex farciminibus texti et
assatae columbae in ora volant hominum.' Audi Hans Rosenplüt er-
wähnt im 'Spruch, das alles in der Welt gut gehet', einen paumen,
der trug [ die allerpesten semel gut und clug, | der do in einen
weyer hing, | der laut da mit milich ging; | darein viln die semein
herab, | ein loffel man yederman gab, [ zu essen genug semel und
milch.' Im Zusammenhang mit Brant redet 1515 die Quaestio de
generibus ebriosorum (Zarncke, Die deutschen Universitäten 1, 121.
1857) von 'der preiten geselschafft, die do schiffen und segeln mit
halben wind versus Narragoniam, in Schlauraffenland, do die
heußer mit bratwürsten gezeunet und mit Honig bekleibt und mit
fladen gedeckt seyn, da uns die gebraten tauben in die meuler
fliegen.' Durch denselben Autor ist ein ungefähr gleichzeitiger ge-
reimter 'Spruch von Schlauraffenlanndt' (aus der Wiener Hs. 3027,
El. 118b in Brants Narrenschiff hsg. von Zarncke 1854 S. CXXI1)
angeregt, der sich im Eifern und Schelten auf die faule Bruderschaft
gar nicht genug tun kann. Brant hatte nämlich im 108. Kapitel
seines Narrenschiffs (1494) den Namen Schluraffe oder Schluderaffe,
d. h. faules, träges Geschöpf,1) auf die gedankenlose und üppige
Rotte angewendet, die zu Schiff miteinander gen Narragonia und
Schluraffenland fährt, ohne doch diese Gegend irgendwie anschaulich
zu machen. Das tat erst ein unbekannter Nürnberger Meistersänger,
der ohne moralisierende Zusätze 'ein abentheurisch Lied' im roten
Zwingerton2) abfaßte und ähnlich dem französischen Fablei ein ab-
gerundetes, lockendes Bild von jenem Lande grenzenlosen Genusses
entwarf. Ihn benutzte Hans Sachs, der 1530 in seinem Schwanke
'Das Schlauraff enlandt' (Folio 1, 5, 544a = Fabeln 1, 8 nr. 4. 110
Verse) eine köstliche, humorvolle und mit gesundem Gefühle alle
grobianischen und sexuellen Unflätereien seines Vorgängers unter-
') Über die Geschichte des Wortes, das bereits 1347 als Familien-
name erscheint und erst im 17. Jahrh. die Form Schlaraffe erhielt, vgl.
Grimm, DWb. 9, 493—498.
2) 'In disem land kan ich nymmer beleyben', 7 Str. Fliegendes
Blatt, Nürnberg, Kanegund Hergotin o. J. (1527-1538). In Berlin Yd
7821, 18. Abgedruckt in Zarnckes Brant S. 455; Facsimiledruck von
Clemen (Zwickau 1912).
250 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
drückende Schilderung gibt. Drei Meilen hinter Weihnachten liegt
das Land, zu dem man sich durch eine drei Meilen dicke Hirsebrei-
mauer hindurchessen muß; die Häuser sind mit Fladen gedeckt, aus
Speck und Lebzelten gefacht, die Zäune aus Bratwürsten geflochten,
aus den Brunnen rinnt Malvasier, auf den Weidenbäumen an den
Milchbächen reifen Semmeln, den Hungrigen schwimmen gesottene
Fische zu oder fliegen gebratene Tauben in den Mund, Bauern
wachsen auf Bäumen, unter denen schon Stiefel für sie bereitstehen,
Pferde legen Eier, Esel Feigen; die Greise erquickt ein Bad im
Jungbrunnen, die Schläfer erhalten stundenweise Bezahlung, den
Faulsten macht man zum König ; doch vernünftige, arbeitsame und
ehrbare Gesellen werden ausgewiesen. Hans Sachsens trefflicher
Schwank verbreitete sich rasch in Einzeldrucken und Bilderbogen
bis nach den Niederlanden ; in nächster Verwandtschaft zu ihm
stehn zwei Fassungen eines Liedes im Lindenschmidston.1) Ihn
zitiert Fischart im Gargantua c. 6 (1891 S. 143): 'In dem Land kan
ich nicht meh bleiben, der Lufft thut mich in Schlauraffen treiben,
drey Meil hinter Weihenacht, da seind die Lebkuchen wand, Schweine-
pratentröm, Malvasirpronnen, Bachschnittbach, Bachfischbäch, Eyer im
Schmaltz für Hartz, da die Taubenschlagmäuler gepraten Wachteln
fangen, da der Milchramregen, der Zuckererbsenhagel, der Speisold
und Schlaflon regieret; o der Pratwürstzäun, Honiggips, Fladen-
dächer!' Und schon Luther führt 1533 und 1537 'das ertichtet
Jüngelbad im Schlauraffenland' an (Werke, Weimarer Ausg. 38, 150.
45, 172). Ein 1551 in München von der Kanzel herab verkündetes
Ostermärlein (Historisch-politische Blätter 4, 375. 1839) berichtet von
törichten Leuten, die auf Krebsen nach Jerusalem reiten wollen :
'Oho, dacht ich, so kam ich lestlich in das schlaurafferlandt.' Von
*) 'Nun höret zu und schweiget still', 37 Str. mit Einleitung: 'Ein
Land das ist mir wohlbekannt', 4 Bl. o. J. (Berlin Ye 481) = Hoffmaun
v. F., Altdeutsche Blätter 1, 168. — 'Nun höret zu und schweiget still',
34 Str. Gedruckt 1611 (Zürich) = Wackernagel, Zs. f. dt. Alt. 2, 464 =
Mittler, Volkslieder 1855 nr. 1334 = Simrock, Kinderbuch3 nr. 1023 =
Böhme, Ad. Liederbuch nr. 278 a = Erk-Böhme, Liederhort 3, 40 nr. 1096.
— Vgl. dazu Stiefel, Hans Sachs-Forschungen 1894 S. 37 — 52 und Kochs
Studien zur vgl. Litgesch. 2, 154; Bolte, Zs. f. Volkskunde 20, 189. —
Auf dem ersten der beiden Lieder beruht Bechstein, Märchenbuch 1845
S. 189 = 1874 S. 173 'Vom Schlaraffenland' = Tewaag 1888 S. 83.
L. Fulda, Schlaraffenland, Märchenschwank in drei Aufzügen, 1900.
15S. Das Märchen, vom Schlauraffenland. 251
den zahlreichen Zeugnissen der folgenden Zeit1) sei nur das Mandat
des Königs von Schlauraffenlandt auf einem Nürnberger Bilderbogen
des 17. Jahrh. (Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit in
Bildern 2, nr. 1115. Zs. f. Volksk. 20, 191), der New außgebildete
Auffschneider (Nürnberg bey Paulus Fürsten. Zs. f. Volksk. 20, 193),
das Gespräch zwener lustiger Welt-Brüder 1750 S. 113, sowie das
schlesische Lügenlied über das Schnädäffland (Peter, Volkstümliches
1, 73 nr. 198, 9 — 20) angeführt. — Während in dem Liede bei Erk-
Böhme nr. 1096 Str. 2 der Berg, durch den sich jeder zum Schla-
raffenland Reisende durchbeißen muß, wie im mittelenglischen 'Poem
of Cocaygne' aus Dreck besteht, folgt S. v. Birken in Androfilo und
Sylvia 1656 S. 72 der appetitlicheren Version des Hans Sachs von
der Hirsebreimauer; Tewes berichtet dort: 'Ich habe mich drey
Meilen durch den Heidelbrey ins Schlauraffenland durchgefressen.'
Bei Arndt, Märchen 1818 1, 75 springt Klas Avenstaken in den
Pfannkuchenberg und ißt so lange, bis er wieder herauskommt. In
Osterreich wird erzählt, daß man durch einen ungeheuer langen
Darm schliefen müsse; wer stecken bleibt, ist verloren; wer aber
glücklich und standhaft sich durcharbeiten kann, wird in ein Land
kommen, wo es nichts als Wohlleben und gute Tage gibt (Höfer,
Wörterbuch der österr. Mundart 1815 3, 92).
In den Niederlanden erwuchs aus der Dichtung des Hans
Sachs eine breite Prosaübersetzung 'Van't Luye lecker landt',2) und
zwar 'int Jaer doemen schreef du}rsent Zuycker koecken, vijf hondert
Ej'er vladen, ende ses en veertich gebraden Hoenderen, inde Wijn
maendt, doen de Pasteyen wel smaeckten', d. h. im Jahre 1546,
später auch eine metrische Wiedergabe auf einem Amsterdamer
Bilderbogen3), dessen Holzschnitt der Nürnberger Illustration des
deutschen Schwankes unverkennbar nachfolgt: 'Lustig, Rinderen, nu
met hoopen door den Bry-Berg heen gekroopen' (100 Verse). Ein
auf Peter Bruegels Bild von 1567 zurückgehender Stich dagegen
enthält drei unter einem Baum liegende Schläfer, einen Geistlichen,
einen Bauer und einen Ritter; dazu die Unterschrift:
*) Vgl. Glimm, DWb. 9, 493; Müller-Fraureuth, Lügendichtungen
1881 S. 96; Bolte, Zs. f. Volksk. 20, 192.
2) Gedruckt in 'Veelderhande geneuclüicke dichten' (Antwerpen
1600; Neudruck Leiden 1899) Bl. F8a = Zs. f. dt. Altert. 36, 297.
3) E. van Heurck et Boekenoogen, Hist. de l'imagerie populaire
fiamande 1910 p. 129; vgl. Zs. f. Volksk. 20, 190.
252 1B8. Das Märchen -vom Schlauraffenland.
Dier daer luy en lecker syfc, boer, crisman oft elercken,
Die gheraeckfc daerin, smaekt ciaer van als sonder weicken,
Die tuijnen zijn worsten, die huijsen met vlaijen,
Cappuijnen en kieckens t'vliechter al ghebraijen.
Auf einem andern Amsterdamer Bilderbogen des 17. Jahrh. sind
die Freuden des Luilekkerlandes, unter denen auch das Tabak-
rauchen erscheint, auf acht kleinere Holzschnitte verteilt : 'Van alles
kunt gij hier krijgen, rijdende valt uw t geld te moet, Men hoeft
het niet te verzwijgen, alles komt uw te gemoet'. Ebenso enthält
ein um 1850 zu Turnhout gedruckter Bogen 'Luilekkerland, Pays de
Cocagne' zwanzig Einzelbilder, nur in erheblich roherer Ausführung,
mit gereimten Unterschriften. x) Ein Lied des 17. Jahrh. vom Luy-
Lekker-Land :3) 'My lust van hier te varen na een ri, ri, ri, rijcke
kust' (5 Str.) folgt wie die bei Harrebomee 3, 235 verzeichneten
Sprichwörter der Überlieferung, während ein neueres vlämisches
Handwerkerlied 'Sa, wevers met g'heel hoopen' (5 Str.) bei Lootens
et Feys, Chants populaires flamands 1879 p. 181 ein weit bescheideneres
Wunschland (Het weeldig land) ausmalt: die Geneverflasche, die
man vor die Tür stellt, regnet voll; auf der Kegelbahn steht eine
Weißbiertonne mit goldenem Hahn ; den Heiratslustigen schenkt der
Pfarrer die Aussteuer, und der Küster richtet ihnen die Hochzeit aus.
— In Dänemark führt das Schlaraffenland den Namen Over-
daadighedsverden, in Schweden Lättingarsland, in England
Lubberland, doch sind uns besondre Märchen darüber nicht
bekannt geworden. In Polen weist Podworzecki (Wrozki,
Krakau 1589; bei Adelberg, Ksie_ga przyslow S. 77) auf die
goldene Zeit hin: 'Schon sind nicht mehr jene Jahre, da man aus
Würsten Zäune flocht, die Häuser mit Speckseiten und Klößen
deckte und in den Strömen Met und Honig floß.' Ähnlich Cnapius
(1632; nach Wurzbach, Historische Sprichwörter der Polen S. 251):
'Wo sind die Zeiten hin, da die Würste auf der Welt herumflogen !'
Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 86 nr. 124 (das Schlaraffenland
genannte Königreich wird beschrieben). Finnisch: Aarnes Register
1) L. Maeterlinck, Le genre satirique dans la peinture flatnande 1907
p. 313. Jahrbuch der kunsthistor. Sammlungen des österr. Kaiserhauses
25, 125. E. van Heurck p. 458 und 128. Heidrich, Altniederländische
Malerei nr. 176. Zs. f. Vk. 25, 299 nr. 1 und 63.
2) D'Enchuyser Yboeken p. 132. Groot Hoorns Liede-Boeck 2, 284
= Kalff, Het. lied in de middeleeuwen 1884 p. 490.
158. Das Märchen vom Scblauraffenland. 253
nr. 1930. Chinesisch: St. Julien, Avadänas 2, 120 nr. 112
'L'homme d'un caractere rare' = Schnell 1903 S. 172.
In einem cechischen Märchen aus Nordostmähren bei Tille
S. 150 nr. 51 weiß ein Priester seiner Gemeinde so anschaulich zu
schildern, wie schön sie es einst im Himmel haben wird, daß die
Bauern ihn sogleich zum Pfarrer wählen. Solch schlaraffische Züge
trägt ein derbes bayrisches Lied des 18. Jahrh. vom Bauern-
himmel 'Wir gnießen die himmlischen Freuden', das der
Augustinerpater Marcellin Sturm um 1780 mit dem Anfange 'Nach
Kreuz und ausgestandnen Leiden' umformte.1) Da wachsen im
himmlischen Garten Spargel, Fisolen, Äpfel, Birnen und Trauben,
Rehböcke und Hasen laufen von selber zur Küche, Sankt Lukas
schlachtet den Ochsen, Martha kocht, die Engel backen Brot, Lau-
rentius röstet Leberwürste, Martin bringt ein gebratenes Gänslein,
Petrus fischt zum Fasttage Karpfen, Hechte und Forellen, der Wein
fließt reichlich, Cäcilia spielt mit ihrem Chor auf, nach Tisch geht
man zum Scheibenschießen und Kegelschieben. Gegenüber dieser
übermütigen und üppigen Verweltlichung der Seligkeit im Paradiese
klingt eine in Schlesien und Böhmen heimische Schilderung des
Jenseits rührend bescheiden.2) Die auf Erden von der Sorge ums
tägliche Brot und von der Furcht vor Amtmann, Gendarm und
Kaplan geplagten armen Leute freuen sich auf den Ort, wo es keine
Robot und keine Steuern gibt:
!) Erk-Böhme, Liederhort nr. 1765 (Nicolai 1778 2, nr. 19. Arnim-
Brentano 1, 365. Erk 2, 3, 12 nr. 9. Pröhle nr. 123. Alsatia 1853, 208
= Mittler nr. 1321. Schmitz 1, 136). Sturms Umdichtung ebd. nr.
1764 (Walter nr. 137. Kretzschmer 1, 279 nr. 157. 2, 628 nr. 347.
Norrenberg nr. 80. J. Meier, Kunstlieder im Volksmund 1906 nr. 231).
Ähnlich: '0 wie gehts im Himmel zu' (Arnim-Brentano 2, 403; dazu
Bode 1909 S. 261. Zs. f. Volksk. 5, 362. Mittler nr. 1322. Kretzschmer
2, 583 nr. 322. Erk 3, 1, 56 nr. 53. Ditfurth 2, 293 nr. 388. Münsterische
Geschichten S. 214. Simrock nr. 340. Gassmann 1906 nr. 112). —
Ein bayrisches Lied des 17. Jahrh. vom Bauer im Himmel (Bolte, Der
Bauer im dt. Liede 1890 nr. 29) enthält noch keine zusammenhängende
Schilderung.
2) Hoffmann v. F., Schlesische Volkslieder nr. 269. Erk-Böhme
nr. 1763. Amft nr. 164, Meinert S. 99. Firmenich 2, 361. Mittler nr.
1323—25. Peter 1, 334. Hruschka-Toischer S. 260 nr. 289 mit Anm.
S. 514. Zs. f. öst. Volksk. 14, 190.
254 158. Das Märchen vom Schlauraffenland.
Wenn ber warn ei Himmel kumma,
Hot die Plog an End genumma.
Ei dam Himmel is a Laba,
Nischt zu frassa ols Kucha und Baba (Napfkuchen).
Laberwürsta, Zwiebelfischa
Hot ma täglich ufern Tiseha.
Das Doppelbier wird nie sauer, Knastertabak kann man rauchen wie
die großen Herren, die Weiber können Kaffee trinken, soviel sie
wollen, Sonntags gibts im Kretscham Musik und Tanz.
Is dos nich a hübsches Laba?
Wenns doch Gott bal weide gaba!
Drüm laßt uns die Gebota hala,
Doß ber s Türla nich verfahla!
Auch der Soldatenhimmel wird in einem hessischen Liede
(Zs. f. Volkskunde 21, 407) ähnlich beschrieben.
Unser Märchen will indes kein erträumtes Wunschland mühe-
losen Genusses schildern, sondern durch Aufzählung unerhörter,
unsinniger Dinge aus einer verkehrten Welt, die der Erzähler
selber geschaut zu haben behauptet, ergötzen. Es stellt sich also
dem Lügenmärchen vom himmlischen Dreschflegel (oben 2, 506
nr. 112) und dem ditmarsischen Liede (nr. 159) an die Seite. Schon
in einem lateinischen Gedichte des 849 verstorbenen Reichenauer
Abtes Walafrid Strabo (Dümmler, Poetae aevi Carolini 2, 392 nr. 41
'Similitudo impossibilium'. Unland, Schriften 3, 319) werden
unmögliche Aufgaben gestellt, wie sie später auch der Tannhäuser
und Boppe (MSH. 2, 91b. 385b) als Forderungen der Geliebten
erwähnen. Im 13. Jahrhundert versuchen sich Reinmar der Alte
(MSH. 1, 197b nr. 53) und Reinmar von Zweter (MSH. 2, 206a
nr. 161. 162. Roethe 1887 S. 490. 608) in der Aufzählung unglaublicher
Dinge, ebenso der Manier (MSH. 2, 245 nr. 12. Strauch 1876 S. 166)
und manche Namenlose: der Lügensere (Zs. f. dt. Alt. 2, 560. v. d.
Hagens Germania 8, 308) ; Luderei (Laßberg, Liedersaal 2, 385. Pfeiffer,
Ad. Übungsbuch 1866 S. 158); Euling, Wolfenb. Hs. 1908 S. 86;
Wachtelmäre (Wackernagel, Lesebuch l5, 1149); Suchen vvirts Gedichte
ed. Primisser 1827 S. 148; Meisterlieder der Kolmarer Hs. ed. Bartsch
1862 S. 394. 432. 518; der Windbeutel (Keller, Erzählungen aus ad. Hss.
1855 S. 490); von den russin leuten (ebd. S. 487); der Backofen (Zs.
f. dt. Alt. 36, 150); Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrh. ed. Keller 1, 93;
158. Das Märchen vom Schlau raff enland, 255
Frankfurter Liederbüchlein 1582 (ed. Bergmann 1845) nr. 140 'Von
einem Schlüsselkorb' und 141 = Zs. f. dt. Alt. 2, 563 = Mittler
nr. 1319; 'Das new Schlauraffenland' (flieg. Blatt in Frankfurt a. M.)
bei Ubland, Volkslieder nr. 241 = Böhme, Ad. Liederbuck nr. 278b
= Mittler nr. 1318; Chr. Weise, Überflüssige Gedanken 1673 7, 9
= Bergliederbüchlein nr. 3 — 4 (Kopp, Ältere Liedersammlungen 1906
S. 11) = Erk-ßöhme nr. 1108; ferner die unten zu nr. 159
angeführten Varianten. Hans Sachs, Schwanke 1, 113 nr. 35 verlegt
'der alten Weib Roßmarkt' ins Schlaui-affenland. Luther in Cordatus
Tagebuch 1885 S. 152 nr. 639 (== Tischreden ed. Förstemann 1,
199: Milchbäche, Semmelbäume) und S. 378 nr. 1428 (Schlauraffen-
land). Brentano, Schriften 5, 455. — Bei Wyß, Schweizer
Kuhreihen 1818 S. 77 nr. 47 = Greyerz, Im Röseligarte 3,
66 (1910) kommt der Floh ins Schlaraffenland ; die Kühe gehn
auf Stelzen, die Geißen haben Stiefel angelegt, der Esel
tanzt auf einem Seil, die Bauern haben ihre Weiber feil von
Weihnachten bis Mai, die Kühe fliegen ins Storchnest und brüten
die Eier; es war ein heißer Sommer, alles ist erfroren. Stuhl und
Bänke schlagen sich, der Schrank schreit mörderlich, der Ofen
spricht zur Türe : 'Wären wir draußen !' Ähnlich nach einem
fliegenden Blatte des 18. Jahrh. bei Eric-Böhme nr. 1097 'Schnudelputz-
Hausstand' (12 Str.) und nr. 1098 'Schnützelputz-Häusel' (Frankfurter
gelehrte Anzeigen 1776, 120. Büsching u. v. d. Hagen 1807 nr. 23.
Erk 2, 1, 54 nr. 45. Kretzschmer-Zuccalmaglio 1, 213 nr. 122. Mittler
nr. 1317). Ein Solothurner Lügenlied, das mehrfach an unser
Märchen anklingt, bei Wackernagel, Deutsches Lesebuch 2, IX
(1836) = Mittler nr. 1315 = Erk-Böhme nr. 1101 = Tobler,
Schweizerische Volkslieder 2, 191 (1884). Aus dem Kuhländehen bei
Meinert, Der Fylgie 1, 282 (1817) = Mittler nr. 1316. Frommanns
Dt. Mundarten 5, 417. Ginsburg und Marek, Jüdische Volkslieder
in Rußland 1901 nr. 131. — Einen ganzen Lügenroman in Prosa
enthält das um 1560 zu Straßburg erschienene Volksbuch vom
Finkenritter (hsg. von ßolte, Zwickau 1913), dessen Fischart mehrmals
gedenkt. Im Bienenkorb 1579 Bl. 200b heißt es: 'Zur Zeit da die
Häuser flogen, die Thier redten, die Bach branten und man mit Stro
lescht, die Bauren boln, die Hund mit Spießen heraußloffen, nemlich
zur Zeit des strengen Finckenritters.' Durch die vierte Tagreise
dieses Helden ist das Lügenmärchen des Trebbiner Stadtschreibers
Bartholomäus Krüger im 35. Kapitel von Hans Ciawerts wercklichen
256 158. Das Märchen vom Schi aur äff enland.
Historien (1587. Neudruck 1882 S. 66) angeregt.1) Nach mecklen-
burgischer Volkssage (Wossidlo 2, 404) bringt der Storch, dem man
ein Messingschild mit einem Gruß an die Leute umgehängt hat, bei
denen er den Winter zubringt, die Antwort zurück : Wir wohnen in
Schlaraffenland, Deutschland und Holland ist nicht bekannt.
Noch fügen wir ein hierher gehöriges Märchen aus dem
Paderbörnischen (vor 1822) an, dessen Eingang an das Erd-
männeken (oben nr. 91) erinnert: Ick gink mol spatzeiern, da kam
ick in grauten Wald; do entmode mie (begegnete mir) so en graut
Dinges, dat hadde so en langen, langen Stert, de schlörde wall tegen
Ellen da hinner her. Da was ick so wellmök (mutwillig) un pecke
an den dicken Tost Höre un leit der mie so hinnerher schlüren.
Dat dürde nig lange, da keimen wie an en graut Schlot, da gink
dat Dinges herinner; ick seg nie (nicht) mol, wo et bleif, et gink dür
so vele Zimmers un schlürde mick in olle Ecken herümer, dat olle
de Brudlacken (Spinngewebe) an mie sitten bleiwen. Up einmal
bleif ick in eine Ecke hangen, un ose ick tosach, do hadde ick en
grauten Tost Höre in de Hand, de hadde ick den Dinges utritten.
Da leh ick sei so gigen mie un bleif do sitten, un de Dören wören
up einmol olle ümme mick tau, un ick wüste nie, wo dat Ding
bliefwen was. Up einmol stund do so'n klein Männeken für mie,
dat segde : 'Guden Obend.' Da seh ick: 'Grauten Dank.' 'Worümme
küm gi hier her?' Ick seh: 'Für min Piaseier.' Da seh dat
Männeken: 'Wat he gi anrichtet! Gi hewet usen Heren de Macht
benumen.' 'Ick ?' seh ick, 'et wulle gor nie nohegiewen, da hewe ick
en betten von Schwanz utrieten.' 'Dat wert mol en Unglücke
beduen ; et liegt do un randeirt (ringt) mit den Liewen, et wille
olle Eingerlank verrecken.' 'Wat schert mie den dat! Ick wull
ment, dat ick ut dusen Dinges weder heruter würe.' Da seh dat
Männeken : 'Ick sin Künig von 16 Twergen. Wat gifst du mie,
wenn ick die wedder herut bringen lote ? Sei sind olle up Scholen
west un hewet olles dur studeiert.' Da seh ick : 'Mine Möhme hat
ne Koh, un ick hewe ne Siee (Ziege); eint von den Deilen salst du
hewen.' Da gingen acht Twerge mit mie; ose wie für de Döre keimen,
da lag do en grauten Hund; do macken sei en Stock von Höpper-
*) Vgl. über deutsche Lügenlieder und Lügenmärchen Unland,
Schriften 3, 223 und Müller-Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 12. 89 ;
über die Schwanke von der verkehrten Welt auch Bolte, Zs. f. Volks-
kunde 15, 158. 17, 425.
158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 257
tänen (Froschzähnen), da schlögen sei em einmol up de Schnute, dat
hei wit trüge stauf (zurück stob, fuhr). Da gingen wie ne ganze
Ecke Wegs, da keimen wie an en graut Water, da mackten de
Twerge en Seil, un dat was macket von Frugenbart (Frauenbart) un
Fischhare, *) un da tröken sei mie mit heröwer. Da gingen wie
olltied dür den grauten Wald, un sei wüsten ackrot (accurat), wo
ick mit den Dinges her scklürt was. Up den sülvigen Weg was
ick bis für meiner Möhme Dör, da vertellde ick ur, wo ick west
was. Da gaf sei mie de Siee, da sette ick de Twerge na de Rige
up, de grötesten eist bis to lest den klenesten, do Seiten sei na der
Rige ose Orgelpipen; un da gaf ick der Siee en Schub, dat sei da
binnen hönne stauf, un ick hewe sei min Levvedage nie wier seien.
Lustige Reisebeschreibungen enthalten mehrere 'Nachtsprüche'
im Schweiz. Archiv f. Volkskunde 18, 135 — 145. Lügenmärchen aus
Schwaben bei Meier nr. 76; aus dem Odenwald bei Wolf, Haus-
märchen S. 422; aus Norddeutschland bei Pröhle, M. für die Jugend
S. 163 nr. 40 'Die Länder Knötchenbach, Kuhreibtsich, Katzeu-
klapperich und Lamm fälltsich'; aus Siebenbürgen bei Haltrich4 nr. 57.
Übereinstimmung mit deutschen Lügenliedern zeigen mehrere
modernisierte niederländische Stücke des 18. Jahrh. : 'De
droomende Reysiger' (Apollo's St. Nikiaasgift, um 1740, S. 52. De
Mars-drager of nieuwe Tover-lantaren 1754 S. 91. Berlin Zf. 7569,
1, nr. 4); 'De zingende Reyziger op een esel sonder staert' (De
nieuwe Amsterdamse Mercurius 1743 S. 3 = Scheltema, Nederlandsche
Liederen 1885 S. 252. De Schiedamsche Molenaer 1729 S. 17);
'Van de groote Man' (De roemruytige Haagsche Faam 1721 S. 16);
Bols, Oude vlaamsche Liederen 1897 nr. 79. 80 ; Nederlandsch Museum
1889, 279; Kalff, Het Lied 1884 p. 487; J. van Vloten, Nederl.
Baker- en Kinderrijmen 1894 p. 151. — Dänisch: Nyerup-
Rasmussen. Udvalg af danske Viser 1821 2, 91 nr. 36 'Quodlibet'.
Grundtvig, Minder 2, 147. Skattegraveren 2, 161. 212. Kristensen,
Skjsemteviser 1901 S. 252 nr. 84. Kristensen, Börnerim 1896 S. 412.
Kristensen, Molbohistorier 1892 S. 162. — Schwedisch: Arwidsson,
Sv. fornsänger 3, 131 nr. 53 'Den förvända werlden'. 3, 136 nr. 55
'Den bakvända visa'. — Norwegisch: Landstad, Norske folkeviser
S. 833. Moe og Mortensen, Fornkvsedi 1877 S. 33. — Französisch:
E. Du Meril, Etudes 1862 p. 452 (fatrasies). Arnaudin, Chants pop.
J) Vgl. das Seil aus Spreu oben 2, 513.
Grimm, Märchen -Anmerkungen III. 17
258 159. Das Ditmarsische Lügenmärchen.
de la Grande-Lande 1, 333. 338 (1912). — Polnisch: Tetzner, Die
Slawen in Deutschland 1902 S. 49G. — K asch u bisch : Tetzner
S. 467 = Urquell n. F. 1, 176. — Magyarisch: Stier- Gaal
1857 S. 193 nr. 18.
läse s. m 159. Das Ditmarsische Lügenmärchen.
1815 nr. 68 — 1819 nr. 159. Nach dem niederdeutschen
Liede des 16. Jahrh. bei Vieth, Beschreibung des Landes
Dithmarschen 1733 S. 111 = J. Adolfi Neocorus, Chronik des Landes
Dithmarschen 1827 2, 568 = Färoeischer Robinson 1756 S. 349 =
Müllenhoff, Schleswig-Holstein S. 474 = Unland, Volkslieder 1844
nr. 240a = Mittler, Volkslieder 1854 nr. 1308 == Erk- Böhme,
Liederhort 2, 46 nr. 1103; hochdeutsch bei Simrock, Kinderbuch3
nr. 1025 und Böhme, Kinderlied 1897 S. 258. Vgl. Müller-Fraureuth,
Lügendichtungen 1881 S. 95, Anm. 37. Ein Mißverständnis ist es,
wenn 'se segelten by groten hupen' wiedergegeben wird: 'Etliche
schifften über große Äcker hin' statt 'haufenweise' (Hamann 1906 S. 56).
Eine hochdeutsche Fassung von 12 Strophen enthält das
Bergliederbüchlein nr. 113 (Kopp, Ältere Liedersammlungen 1906
S. 82) = Unland nr. 240b = Mittler nr. 1309 =■- Böhme, Ad.
Liederbuch nr. 277a = Erk-Böhme nr. 1104. Ähnlich aus Pommern
bei Erk-Irmer, Volkslieder 1, 2, 38 nr. 39 = Mittler nr. 1311 =
Erk-Böhme nr. 1105. Nach einem fliegenden Blatte des 18. Jahrh.
bei Büsching und v. d. Hagen, Volkslieder 1807 S. 262 = Mittler
nr. 1312 = Erk-Böhme nr. 1106. Desgleichen bei Kretzschmer-
Zuccalmaglio, Volkslieder 1840 1, 207 nr. 118 — Mittler nr. 1310.
Walter, Volkslieder 1841 nr. 139 (9 Str.) Adamek, Volkslieder aus
dem Netzegau 1913 nr. 97 (2 Str.) Weckerlin, Chansons pop. de
l'Alsace 1883 2, 312 = Erk-Böhme nr. 1107. E. M. Arndt, Märchen
1902 (zuerst 1843) 2, 355.
Über die Hasenjagd des Blinden, Stummen und Lahmen vgl.
oben S. 116; über die verwandten Lügenmärchen oben S. 254.
Zum Schluß vgl. das französische Sprichwort aus der Normandie bei
E. Du Meril, Etudes 1862 p. 453: 'Ouvrez la fenetre. que les
mensone.es s'en aillent.'
160. Rätselmärchen. — 161. Sclineeweißchen und Rosenrot. 259
160. Rätselmärchen. isso s. 2*2.
1815 nr. 69 = 1819 nr. 160. Aus einem Volksbuch mit
Rätseln, das Jacob Grimm am 2. Februar 1814 zu Mümpelgart
gekauft hatte (Briefwechsel aus der Jugendzeit 1881 S. 238). Auch
in dem um 1505 gedruckten Straßburger Rätselbuch ed. Rutsch 1876
S. 29 nr. 29 und in der Augsburger Sammlung ed. Wackernagel,
Zs. f. dtsch. Altertum 3, 34. Chudjakov erwähnt das Märchen in der
Einleitung seiner Sammlung großrussischer Rätsel S. 20, doch ohne
Seitenstücke anzuführen.
Die Verwandlung in Blumen auf dem Felde kommt auch
im Liebsten Roland (1, 501) vor (vgl. auch 2, 125), und die Auflösung
hier erinnert an die Bienenkönigin, die den Honigmund herausfindet
(2, 28). Aarne, Register nr. 407.
Ein andres Rätselmärchen oben 1, 188, wieder andre bei
Wossidlo, Mecklenburgische Volksüberlieferungen 1, 191 — 255 und
R. Köhler 1, 350 'Das Rätselmärchen von dem ermordeten Geliebten'.
161. Schneeweißchen und Rosenrot, rasest.
1837 nr. 161. — Nach Karoline Stahl, Fabeln, Märchen und
Erzählungen für Kinder (Nürnberg 1818 und 1821) S. 206 'Der
undankbare Zwerg' von Wilhelm Grimm 'nach seiner Weise' erzählt.
Schneeweißchen, ein armes Kind, findet im Wald einen Zwerg, der
mit seinem Bart in einen gespaltenen Baum eingeklemmt ist; gut-
herzig holt es eine Schere und macht ihn frei. Der Zwerg zieht
hierauf einen Sack mit Geld unter dem Baum hervor und geht, ohne
etwas davon zu geben oder nur zu danken, damit fort. Bald darauf
findet Schneeweißchen mit seinem Schwesterchen Rosenrot denselben
Zwerg mit Fischfang beschäftigt; sein Bart hatte sich in die Angel-
schnur verwickelt, und ein Fisch, der angebissen, zog nun das
schreiende Männchen ins Wasser. Die Kinder halten es fest, aber
Bart und Schnur ist nicht zu entwirren. Schneeweißchen läuft beim,
holt die Schere und schneidet die Angelschnur entzwei. Da etwas
von dem Bart dabei verloren geht, so murrt der Zwerg darüber, und
ohne Dank macht er sich mit einem Sack voll Perlen auf den Weg.
Zum drittenmal befreien ihn die Kinder, als ein Adler ihn auf dem
17*
260 162. Der kluge Knecht.
Feld packen und forttragen will. Auch hier geht der Zwerg mit
einem Sack voll Edelsteine ohne Klang und Sang fort. Endlich
finden sie ihn unter den Tatzen eines Bären ; da sagt das falsche
Geschöpf: 'Lieber Bär, ich gebe dir mein Geld, Perlen und Edelsteine
und diese beiden Kinder da, die sind ein besserer Bissen als ich ;
laß mich nur los !' Der Bär aber kehrt sich nicht daran, frißt den
Zwerg und geht seiner Wege. Sclmeeweißchen und Rosenrot finden
nun die Reichtümer des undankbaren Zwergs, tragen sie heim und
befreien ihre Eltern und Geschwister aus aller Not. — Der Spruch
'Sclmeeweißchen, Rosenrot,
schlägst dir den Freier tot,'
der aus einem Volkslied genommen ist, findet sich in einer Erzählung
von F. Kind 'Das Schmetterlings -Cabinet' in dem Taschenbuch
Minerva für das Jahr 1813 S. 27 und mag sich auf das Märchen beziehen.
Vlämisch: Vincx S. 146 'Rozenroodje' (die Schwester fehlt;
statt des Bären ein Prinz, der von dem boshaften Zweige in einen
Zwerg verwandelt ist). — Französisch aus der Bretagne :
Sebillot, Contes 3, 150 'Blanche-neige' (und Rose-rouge. Bär). Aus
dem Berner Jura: Schweizer. Archiv f. Volksk. 16, 120 'Blanche-rose
et Rose-rouge' (statt des Bären ein Rehbock). — Finnisch: Aarnes
Register nr. 426.
Das Märchen, welches die moralisierende Absicht Sanftmut zu
lehren verrät, enthält gleichwohl alte, echte Züge: das Einklemmen
unholder Wesen (oben 1, 69. 2, 99. 299), die zum eigenen Schaden
unternommene Befreiung eines solchen (2, 420), die boshafte Natur
des Zwerges, die Entzauberung eines Bären. Vielleicht entstammt
es einer französischen Erzählung des 18. Jahrhunderts. Die Namen
der beiden Schwestern werden sonst als Eigenschaften ein und
derselben Jungfrau erwähnt: oben 1, 166 und 453.
1856 s. 243. 162. Der kluge Knecht.
1837 nr. 162. — Quelle ist 'Der 101. Psalm durch Martin
Luther ausgelegt' (Wittenberg, Hans Lufft 1534 in 4°) Bl. G3b
= Luther, Werke Erlanger Ausgabe 39, 302 (fehlt noch in der Weimarer
Ausgabe). Abgedruckt bei N. Chyträus, Hundert Fabeln 1591 nr. 14
= 1650 S. 35. Ohne Zweifel kannte Luther das Märchen aus
163. Der gläserne Sarg. — 164. Der faule Heinz. 261
mündlicher Überlieferung. Vgl. Hamann, die literarischen Vorlagen
der KHM. 1906 S. 81.
Vater und Sohn bei Simrock, Das deutsche Kinderbuch, 3. Aufl.
nr. 1019. Der Schwank wird in der Mark Brandenburg auch von
einem Bauernjungen, der Mäuse fangen wollte, erzählt. Ebenso
lettisch bei Böhm, Schwanke 1911 nr. 6 'Wie der Knecht Mäuse fing'.
165. Der gläserne Sarg.
1837 nr. 163. — Aus einem Roman 'Das verwöhnte Mutter-
Söhngen oder Polidors gantz besonderer und überaus lustiger
Lebens-Lauff auf Schulen und Universitäten von Sylvano' (Ereiberg
1728) S. 22—32. Einen wörtlichen Abdruck lieferte H. Ullrich,
Zs. f. Volkskunde 3, 452 'Des Schneiders Glück'; vgl. ebd. 6, 102
und Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 82. —
An dem Inhalt, sagt W. Grimm, ist nichts geändert, aber die breite
Erzählung nicht beibehalten; sie beruht gewiß auf einer echten Sage,
wenn sie auch überarbeitet und einiges zugesetzt ist. Ein Zauberer,
der die Prinzessin, die seine Liebe verschmäht, aus Rache in Schlaf
versenkt und in der Gestalt eines Stieres mit ihrem Befreier kämpft,
erscheint auch in dem Märchen von den drei Schwestern (oben 2,
197); in unsrer Erzählung aber sieht der Schneider dem Kampfe des
Stieres mit dem in einen Hirsch verwandelten Bruder der Schönen
bloß zu und gelangt ohne eignes Zutun zum Glück. Doch ist ein
Zusammenhang mit den Märchen von den Tierschwägern unver-
kennbar; vgl. unten zu nr. 197. — In einem gläsernen Sarge
wird auch Sneewittchen beigesetzt (Böklen, Sneewittchenstudien 1,
113. 1910). Zum Zauberschlafe der Prinzessin vgl. 1001 Tag
3, 7 (1827) = Chauvin 7, 71 und Cosciuin 1, 176 (1887).
1856 S. 243.
164. Der faule Heinz. issest
1837 nr. 164. — Die Grundlage ist genommen aus Eucharius
Eye ring, Proverbiorum Copia, etlich viel hundert lateinischer und
deutscher Sprichwörter (Eisleben 1601) 1, 70 — 73 'An Anschlegen
verleust man am meisten'. Eine noch ausführlichere Erzählung ebd.
2, 392—394 'Er leidt selbst gemachte Hungersnot'. Der Schluß von
262 164. Der faule Heinz.
der langsamen Schnecke kommt in den Briefen der Prinzessin
Elisabeth Charlotte von Orleans (3, 160. 323 ed. Holland) vor; vgl.
dazu Keller, Erzählungen aus altdeutschen Hss. 1855 S. 584 'Von
der snecken und Abraham a S. Clara, Judas 3, 24 (1692): 'Eylen
thut kein gut, sagte der Schneck, der sieben Jahr über die Brücken
gekrochen und gleichwol gestolpert.' Wander, Sprichwörterlexikon
1, 777. 5, 1220. Über die stilistischen Abänderungen W. Grimms
vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 83.
Eyerings Erzählung geht zurück auf einen indischen
Schwank,1) der in Deutschland zuerst 1480 in den Beispielen der
alten Weisen ed. Holland 1860 S. 130 erscheint und danach von
Hans Sachs 1538 in einem Meisterliede 'Der Einsiedel mit dem
Honigkrug' (Fabeln 3, 206 nr. 94) und 1560 in einem Spruchgedicht
(Folio 4, 3, 54 b = Fabeln 2, 237 nr. 268) bearbeitet ward. Der
Einsiedler will von dem Geld für den im Walde gesammelten Honig
zehn Schafe kaufen und durch weitere Steigerung endlich ein großes
Vermögen erwerben, dann eine schöne Frau nehmen und den Sohn,
den sie ihm gebären wird, mit seinem Stab strafen, wenn er nicht
gehorcht. Montanus, Gartengesellschaft (um 1560) c. 53 'Ein Wald-
bruder sagt, wie er Frau wollt nehmen und Kinder ziehen' —
Schwankbücher 1899 S. 303. Fischart, Gargantua 1575 cap. 36 =
1891 S. 356. Manlius, Locorum communium collectanea 1562 p. 370
= 1594 p. 375 = deutsch von Bagor 1566 1, Bl. Pp 4 b. Came-
rarius, Fabulae Aesopicae 1564 p. 227 'Vasculum mellis'. Peregri-
nation oder Reyse-spiegel Anankylomitens 1632 S. 28 = 1655 S. 46.
Chrys. Schultze, Esther 1636 Akt 5, 1 = Schwartz, Zs. f. vgl.
Litgesch. 9, 345. Kindermann, Die böse Sieben 1662 Bl. A 9 b.
Kurzweiliger Zeitvertreiber 1668 S. 467 = Fasciculus facetiarum
1670 S. 298 nr. 8. Schuppius, Schriften 1684 S. 275 = Merkens,
Deutscher Humor alter Zeit 1879 S. 422. J. P. de Memel, Lustige
Gesellschaft 1701 nr. 946. Caprimulgius Bidiculantius, Polischinello
1695 nr. 8 'Der nicht gelungene Anschlag'. Zeitvertreib 1748
S. 173.
») Vgl. die Untersuchungen von Max Müller, Essays 3, 303 (1872)
'Über die Wanderung der Märchen'; Joly, Histoire de deux fables de
La Fontaine p. 91 (Memoires de l'academie de Caeu 1877); Clouston,
Populär tales 2, 432 (1887) 'Don't count your chiekens until fchey are
hatched'; A. de Cock, Volkskunde 9, 1. 10, 78; Brechenmacher, Der
Schwäbische Schulmann 38, 17—27 (1917).
164. Der faule Heinz. 263
Ob dieser Schwank bereits in der ältesten Fassung des
indischen Pancatantra stand, ist nach den Untersuchungen
Hertels zweifelhaft, da ihn der im 11. Jahrb. lebende Somadeva
nicht in sein großes Märchenwerk aufgenommen hat. Er findet sich
jedoch in dem aus Kaschmir stammenden Tanträkhyäyika 5, nr. 1
'Der Vater des Sömasarman' (übersetzt von Hertel 1909 2, 148; vgl.
1, 140), danach ist Ksemendras Brihatkathämanjari (übersetzt von
Mankowski 1892 5, nr. 1); ferner im Südlichen Pancatantra (ed.
Hertel 1906 5, nr. 2; vgl. ZdmG. 60, 801: 5, nr. 2), Hitopadesa
(übersetzt von Fritze 1888 S. 115: 4, nr. 7: Gerstentopf im Töpfer-
laden), im Textus simplicior des Pancatantra 5, nr. 8 (Benfey 2, 345,
vgl. 1, 499. Fritze 1884 S. 382. Jacobs, Indian fairy tales 1892
p. 38 nr. 5) wie im Textus ornatior Pürnabhadras (deutsch von
E. Schmidt S. 301: 5, nr. 7) und im Auszuge Meghavijayas 5, nr. 7
(Zs. f. Volkskunde 16, 270). Aus der verlorenen Pahlavi-Über-
setzung, die der Perser Barzöl um 570 vom Pancatantra anfertigte,
sind der alte syrische Kalilag und Damnag (ed. Bickell 1876
B. 4, c. 1; ed. SchultheU 1911 2, 83) und die um 750 von Abdallah
ibn Almokaffa abgefaßte arabische Übertragung geflossen, auf
der die griechische, hebräische, spanische und mittelbar alle andern
europäischen Fassungen beruhen1) : Calila und Dimna oder die Fabeln
Bidpais, deutsch von Wolff 1837 2,3; die jüngere syrische Fassung,
englisch von Keith-Falconer 1885 p. 170; das persische Anwär-i-Suhaili
transl. by Eastwick 1854 p. 409, by Wollaston 1877 p. 316; das
türkische Humajam Kameh, deutsch von Souby Bey 1903 S. 14 ;
Cabinet des fees 18, 36 'Le santon qui a casse sa cruche' (Galland-
Cardonne nach dem Türkischen); der griechische Stephanites und
Ichnelates des Synieon Sethi c. 5 p. 336 ed. Stark 1697 = p. 240
ed. Puntoni 1889; der spanische Calila e Dymna c. 8 'Del religioso
que vertiö la miel et la manteca sobre su cabeza' (Gayangos,
Escritores en prosa anteriores al siglo 15. 1884 S. 57a); das
lateinische Dircctorium vitae humanae von Johannes de Capua c. 7
l) Vgl. für die indischen Fassungen des Werkes den Stammbaum
in Heitels Tanträkhyäyika 1909 1, 40; für die späteren Verzweigungen
die Tabellen bei Landau, Die Quellen des Dekameron 1884 zu S. 18;
Jacobs, The morall philosophic of Doni by Sir Thomas North 1888
p. LXXX; Chauvin, Bibliographie arabe 2, IX (1897); Hervieux, Les
fabulistes latins 5, 75 (1899). — Über die Fassungen unsrer Fabel vgl.
Benfey, Pantschatantra 1, 499 § 209. 2, 548 und Chauvin 2, 101. 218.
264 164. Der faule Heinz.
(Hervieux, Fabulistes latins 5, 259 und 635); die 16. Fabel Baidos
'De viro et vase olei' (Hervieux 5, 358) usw. — Ferner indisch:
Stokes p. 31 nr. 7 'Foolish Sachüli' (trägt einen Buttertopf) =
Clouston 2, 442 = Volkskunde 9, 4. Swynnerton, Indian nights'
entertainments 1892 p. 23 nr. 13 'Lull the idiot' = Folk-lore 6, 403
— Seidel, Asiat. Volksliteratur 1898 S. 325. North indian notes and
queries 1, 46 nr. 348 'Castles in the air'. Dracott p. 68 'Sheik Chilli'.
Parker 1, 197 nr. 26 'The kital seds'. 1, 304 nr. 53 'The pots of
oil'. Bompas p. 140 nr. 39. Tibet: O'Connor p. 31; vgl. Cosquin,
Romania 40, 417. Clouston, Noodles p. 158. Zurnal min. nar. prosv.
289, 281. — Malaiisch: Volkskunde 10, 79 'De kluizenaer en de
oliekruik'. — Arabisch: 1001 Nacht (Henning 15, 187. Chauvin
2, 218 nr. 3 'Gal'äd et Slmäs' und 6, 10 nr. 3). Hartmann, Zs. f.
Volkskunde 5, 42. C. Reinhardt, Ein arabischer Dialekt in 'Oman
1894 S. 331 'Luftschlösser'. — Aramäisch: Lidzbarski 1896 S. 140
'Die Übereilung'. — Türkisch: Vierzig Wesiere, englisch von Gibb
1886 p. 393. XXXVII; vgl. Chauvin 8, 173 nr. 196. Eigentümlich
umgewandelt im Tuti-Nameh übersetzt von Rosen 1858 2, 220 'Vom
Holzhauer, der zur Unzeit tanzte'. — Zigeunerisch: Wlislocki,
Volksdichtungen der Zigeuner 1890 S. 391 'Der Bettler mit den
drei Töpfen' (Milch, Honig, Wein) = Zs. d. morgenl. Ges. 42, 137.
— Rumänisch: A. Pann, Planul simigiului (Gaster, Literatura
popularä romänä 1883 S. 153).
An die Fassung des Hitopadesa erinnert in 1001 Nacht
(Henning 2, 85. Chauvin 5, 162 nr. 85) AI 'Assär, der fünfte Bruder
des Barbiers, der seine Zukunft auf einen Korb mit Glas waren
baut und in seinen Plänen soweit kommt, seiner künftigen Frau
seine Hoheit zu zeigen, wobei er den Korb umstößt. Danach
Addison, Spectator nr. 535 'Alnaschar', deutsch von Augustin 1866
S. 275, und Imbert, Historiettes et nouvelles en vers 1774 p. 43
'Alnascar'. Zytje i Slovo 4, 179 nr. 15. Hrincenko 1, 225
nr. 185. Ungarisch: ZdmGes. 42, 139 'Der Töpfer und sein Topf.
— Eine Fabel vom Schuster und Milchtopf erwähnt Rabelais,
Gargantua 1, c. 33. — Einen Eier korb stößt der Plänemacher um
bei E}rering, Proverbia 1, 652 'Die Beernhaut verkaufen'. Ruckard,
Die lachende Schule 1725 nr. 8; W. v. Waldbrühl (Zuccalmaglio),
Rhingscher Klaaf 1869 S. 295 'Di Eiermahn'. Vlämisch: De Mont en
de Cock, Vertelsels p. 381 — Volkskunde 9. 7 'Van den Man, die
zou Burgemeester worden' (stößt nachts im Gespräch mit seiner
164. Der faule Heinz. 265
Frau den Korb mit der brütenden Henne um). Dänisch : Grönborg,
Vendelbomäl 1884 p. 74 'Drengen med Gäseaegget' (der Junge findet
ein Gänseei wie der Tagelöhner bei Dähnhardt, Schwanke nr. 74).
Italienisch: Schneller nr. 47 'Die Bruthenne' (Ehepaar im Bett). Serbisch :
Gavrilovic S. 95, 18. Arabisch: Oestrup, C. de Damas 1897 p. 24. — Eine
schlaf eude Hindin findet bei Waldis, Esopus 1548 4 nr. 90 ein Wandrer;
statt sie aber zu erschlagen, überlegt er, was er für einen Gewinn
aus ihr ziehen werde, und verscheucht sie durch einen unbedachten
Schrei. Ähnlich erzählt ein 1567 gedichtetes Meisterlied Lorenz
Wesels 'Der Wandrer mit dem Hasen' (Zs. f. Volkskunde 21, 171).
Schwedisch: Djurklou, Ur Nerikes folkspräk 1860 p. 86 = Sagor
1883 p. 76 'Pojken ä räfven'. Entfernt ähnlich ist der isländische
Schwank vom Gastgeschenk der Jungfrau Maria bei Rittershaus
S. 356 nr. 99 (Kuh). Revue des trad. pop. 12, 412. Rumänisch :
Schullerus nr. 108 'Der Zigeuner und der Hase' (Archiv f. siebenbg.
Landesk. 33, 619). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 6, 182 nr. 408.
Weißrussisch: Sejn 2, 314 nr. 148. Großrussisch: Afanasjev 2, 433
nr. 219 . . i i i . . . Oncukov S. 551 nr. 271 ; vgl. Polivka, Zs. f. österr.
Volksk. 3, 377 und Archiv f. slav. Phil. 22, 307. 31, 385. Tatarisch:
Radioff 4, 260 nr. 11 'Der Hase' = Seidel, Asiat. Volksliteratur
1898 S. 192.
Vom Bauer und der Nachtigall handelt J. A. Schlegels
Fabel 'Das ausgerechnete Glück' (Fabeln und Erzählungen 1769
S. 65 = Ramlers Fabellese 2, 341. 1783); J. C. Krügers Lustspiel
'Herzog Michel' (1750); C. F. Pockels, Martin Hans oder die Luft-
schlösser (Olla potrida 1785, 3, 109). Monolog eines Dieners über
ein Lotterielos bei Collin d'Harleville, Les chäteaux en Espagne,
acte 3, sc. 8 (1803).
Daneben erscheint in Europa seit dem 13. Jahrhundert das
Seitenstück der auf dem Wege zum Markt Luftschlösser bauenden
Frau mit dem Mi Ich topfe1). Lateinisch als Predigtmärlein aus
Tours bei Delisle, Bibl de l'ecole des chartes 29, 601 (1868). 38, 662.
Jaccpies de Vitry, Exempla nr. 51. Etienne de Bourbon, Anecdotes
hist. 1877 p. 226 nr. 271. Nicolaus Pergamenus, Dialogus creaturarum
J) Dagegen stößt in Hans Sachsens Meisterlied 'Die Antlaseier'
(1554. Fabeln 6, 93 nr. 894; vgl. 2, 194 nr. 255, nach Pauli nr. 520) die
zu Markt ziehende Bauerntochter ihren Milchkrag in der Schlaftrunken-
heit um und stolpert aus der gleichen Ursache mit dem Eierkorbe.
266 164. Der faule Heinz.
nr. 100 (p. 250 ed. Grässe 1880). Ens, Epidorpidum libri II 1612
p. 206 'Mulier inani spe ditescendi inflata' (Gedicht) = Lange,
Democritus ridens 1649 p. 150. J. Eegnier, Apologia Phaedri 1643
1, nr. 25 'Pagana et eius mercis emptor'. Desbillons, Fabulae
Aesopicae 6, nr. 12 'Puella rustica et lactis cymbium' (nach Lafontaine).
Deutsch: Kirchhof, Wendunmut 1, nr. 171 (1563). Mala gallina
malum ovum (um 1710) S. 141 mit Kupferstich. Gleim, Die Milchfrau
(Werke 1811 3, 419). J. ß. Michaelis, Werke 2, 60 (1791). Schindler,
Mundarten Bayerns S. 545 'Das zerstörte Luftschloß'. Holländisch:
Antwerpener Cluchtboek 1576 p. 135 (Tijdschrift voor nederl. Taal-
kunde 10, 137). Dänisch: Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 368 nr. 68
'Luftslottcne' ; Kristensen, Fra Bindestue 1, 163 nr. 30 'Gode
Bcregninger'. Englisch: Baldwin, Fables ancient & modern p. 61
'The country maid and her milkpail' ; vgl. Knust zu Juan Manuel
1900 S. 317. Französisch: Philippe de Vigneulles, Nouvelles 1514 nr. 78
(Athenaeum francais 1853, 1137; angehängt die drei Wünsche, vgl. oben
2, 222). Des Periers, Nouvelles recreations 1558 nr. 12 'La bonne
femme qui portoit une potee de lait au marche' = Thresor des
recreations 1611 p. 230. Lafontaine, Fables 7, nr. 10 'La laitiere et
le pot au lait' (Oeuvres ed. Regnier 2, 145. Robert, Fables inedites
2, 89). Ein Gedicht 'Innocente et gracieuse' (Archiv f. neuere Spr.
19, 383. 1856). Italienisch: Pitre, Fiabe sie. 1, 77 zu nr. 8 Lu
furasteri e lu tratturi' (oben 2, 351). Pitre, Novelle pop. toscane
nr. 45 'La ricotta'. Maltesisch: Hg 2, 103 nr. 139 'Die Verkäuferin
der Schafkäschen'. Spanisch: Juan Manuel, Conde Lucanor c. 29
ed. Keller = c. 7 ed. Knust und BirchJJirschfeld 1900 S. 35. 316;
deutsch bei Eichendorff, Werke 6, 496 : Mädchen mit Honigtopf.
Gil Vicente, Auto de Mofina Mendez (Obras 1, 115. Ersch-G ruber,
Encyclopädie 1, 67, 330. F. Wolf, Studien 1859 S. 932. Rivista di
lett. pop. 1, 125). Lope de Rueda, Las aeeitunas (Rapp, Spanisches
Theater 1, 315. 1868. Puibusque, Histoire comparee des litt, espagnole
et francaise 1, 220 — 233). La Enciclopedia 5 de marzo 1879 p. 499.
Samaniego, Fabulas 2, nr. 11 'La lechera' p. 362. Portugiesisch:
Braga 2, 61 nr. 150 'A bilha de azeite' (= Gil Vicente). Coelho,
C. nacionaes nr. 8 '0 pote de azeite' (dergleichen). Serbokroatisch:
Yuk Vrcevic, Podrugacice S. 21 = Bogdanovic S. 307 nr. 76. Kica
1906 nr. 8 = Gavrilovic S. 96. Slovenisch: Polü'ady 1896 S. 321
nr. 29. Cechisch: Krameryus, Obnoveny Ezop 1805 nr. 26. Groß-
russisches Flugblatt 'Die zerstreute Milchfrau' nach Lafontaine bei
165. Der Vogel Greif. 267
Rovinskij, Russ. nar. kartinki 4, 192 nr. 80 — 81. Polivka, Archiv
19, 259 nr. 148.
Für den Milchtopf ist häufig der Eierkorb der Bäurin ein-
getreten. Lateinisch: Luscinius, Joci 1524 nr. 77 = Gast, Convivalium
sermonum über 1543 Bl. Xlb 'De villica' = 1554 1, 307. Hulsbusch,
Sylva sermonum 1568 p. 293 'Rustica defert ova ad mercatum'.
Deutsch: Die stoltze Beuerin, Meisterlied im Spiegelton Frauenlobs
(Dresdener Hs. M 5. 369). S. Franck, Sprichwörter 1541 1, 147b
'Ein schloß in den lufft bauen', vgl. 1, 3a. 2, 50a. Laiebuch 1597
c. 33 'Von einer Laiin, welche mit Eyern gen Marckt gieng' (1914
S. 120) = Schildbürger c. 33 (Bobertag, Volksbücher 1888 S. 392)
= Grillen vertreiber 1, 132 (1670). Eyering, Proverbiorum copia 2,
173 'Ein Schloß in den lufft bawen'. Sommer, Emplastrum Cornelianum
1609 nr. 23 (nach Luscinius; vgl. Euphorion 15, 7). Melchior
Kündig, St. Beatus 1635 (Bächtold, Gesch. der dt. Literatur in der
Schweiz 1892, Anmerkungen- S. 114). Vademecum für lustige Leute
1, nr. 90 (1767). Dänisch: Andersen, Konen med fegene (Samlede
Skrifter 12, 212. 1876. Gedicht). Italienisch: Domenichi, Facetie
1581 p. 285 (nach Luscinius). Balgarisch: Sbornik 6, 126.
Verwandt ist die hagre Liese (unten nr. 168).
165. Der Vogel Greif. lsse s. 244.
1837 nr. 165. Diese eigentümliche Fassung des Teufels mit
den drei goldenen Haaren (nr. 29) erhielten die Brüder Grimm
durch Wilhelm Wackernagel von dem Schweizer Friedrich Schmid
aus dem A arg au. Abgedruckt bei Sutermeister nr. 19.
Inhalt: A. Der Held vermag die Krankheit der Königstochter
durch die überbrachten Äpfel zu heilen, weil er dem begegnenden
Männlein auf seine Frage freundlich antwortet, während die beiden
älteren Brüder es barsch abwiesen. Das Männlcin hilft ihm auch
bei den Aufgaben, die er vor der Heirat mit der Königstochter
lösen soll: (B) ein Schiff bauen, das über Wasser und Land geht,
(C) dann hundert Hasen hüten und endlich (D) eine Feder des
Vogels Greif bringen. Das Motiv A begegnete bereits oben 2, 39
(A), B oben 2, 87 (B), D oben 1, 282 (B); und mehrere der dort
erwähnten Märchen sind hier nochmals anzuführen.
268 165. Der Vogel Greif.
In den Ammenmärchen 1791 1, 93 nr. 3 'Trudehen' sind die
Aufgaben verschieden.1) Ein König ist krank und kann nur durch
Feigen geheilt werden ; er verspricht dem, der sie bringt, seine
Tochter zur Gemahlin. Von drei Brüdern gelingt es dem jüngsten.
Ehe ihn aber die Königstochter nimmt, legt sie ihm schwere Auf-
gaben vor, die er durch Hilfe dankbarer Tiere vollbringt. Er muß
erstens einen Ring aus dem Wasser holen; ein Fisch trägt ihn
herbei, den er vorher aus dem Sand in sein Element gebracht hatte.
Zweitens soll er ein Kränzchen aus dem Himmel und einen Brand
aus der Hölle bringen ; jenen holt ein weißes Täubchen, diesen ein
schwarzes, die er beide einmal, als sie sich gebissen, auseinander
gejagt hatte. Drittens soll er neun Malter von neunerlei Getreide
auseinanderlesen; das vollbringen Ameisen, die er einmal gesättigt
hatte. Viertens soll er neunhundert Hasen hüten ; ein Pfeifchen, das
er erhalten hat, lockt sie immer wieder zusammen. Endlich soll er
einen Sack voll Wahrheiten sagen. — Aus Solothurn: B. Wyß,
Schwyzerdütsch S. 51 = Sutermeister nr. 45 'Der Figesack' (A C,
Getreidearten sondern, Sack mit Wahrheiten füllen). — Aus
Schwaben: Birlinger, Volkstümliches 1, 346 'Der Palmen' (A C).
Meier nr. 31 'Das Schiff, das zu Wasser und zu Lande geht' (B,
dann die vier kunstreichen Gesellen oben 2, 87). Aus Vorarlberg:
Vonbun, Sagen 1858 nr. 71 'Die drei Buben' (A). Dörler, ZföVk.
14, 88 nr. 6 'Hans, der glückliche Hasenhüter' (C, Sack voll Neuig-
keiten, Nebenbuhler riecht übel). Heanzisch: Bunker nr. 100
'Der Hasenhirt' = ZföVk. 4, 283 (C, drei Speicher voll Weizen, Brot
und Wein in drei Nächten leeren). Aus Niederösterreich:
Polsterer, Schwanke S. 92 nr. 55 'Das kunstreiche Luftschiff (B,
fünf kunstreiche Gesellen, oben 2, 87). Aus Böhmen: Vernaleken,
KHM. nr. 40 'Der pfiffige Hans' (C, Erbsen und Bohnen sondern,
Eier aus einem See holen). Mitteilg. z. Schönhengst. Vk. 1906, 28. Aus
dem Odenwald: Wolf, Hausmärchen S. 134 'Der Hasenhirt' (A C,
Sack mit Wahrheiten füllen); S. 322 'Die Mandelkörbchen' (A, Hirse
zusammenlesen, Schlüssel aus dem Meer holen, hundert Schafe einen
Monat auf einem Fleck weiden). Wolf, DMS. nr. 25 'Von dem
Schiff, das zu Wasser und zu Lande fuhr' (B, fünf kunstreiche
Gesellen, oben 2, 87). Aus Franken: Bechstein 1845 S. 128 =
1874 S. 130 'Der Hasenhüter' (C, Erbsen und Linsen sondern.
l) In der Einleitung das Märchen vom Wasser des Lebens (oben
2, 394), hernach das von der weißen Schlange (1, 131).
165. Der Vogel Greif. 269
Kammer voll Brot essen, Sack voll Lügen). Voigtland: Eisel
nr. 561 (C, Wahrheit sagen; oben 2, 528). Schlesisch: Peter 2,
185 'Hasenjackel' (C, sonst zu nr. 136 gehörig). Westfälisch:
Kuhn 2, 226 nr. 7 'Die grüne Feige' (A C, drei Säcke voll Wahr-
heiten). Vom Harze: Pröhle, KVM. nr. 76 'Das Schiff, das auf
dem trockenen Lande geht' (B, dann die drei Federn, oben 2, 32);
ebd. S. XLVII. Kuhn-Schwartz S. 331 nr. 7 'Das weiße Kätzchen'
(oben 2, 32). Aus Hannover: Schambach-Müller S. 289 nr. 18
'Das Schiff, das ohne Wind und Wasser fährt' (B, vier kunstreiche
Gesellen). Aus Oldenburg: Strackerjan 2, 326 nr. 628 'Hans Bär'
= 2. Aufl. 2, 472 (C, verschmolzen mit Gr. 90, 68 und 110). Aus
Holstein: Müllenhoff S. 457 nr. 21, Anm. (B, sechs Gesellen).
Wisser, Plattdt. Vm. S. 139 'Dre Sack vull Lögen' (A C, drei Säcke
voll lügen). Aus Pommern: Jahn, Schwanke S. 87 'Der Wollen-
sack' (C, Sack voll erzählen ; Einleitung wie Gr. 136). Bl. f. poram.
Vk. 3, 50 'Der dumme Hans' (B, Weizen aufsammeln, Bienen und
Hasen hüten, Sack voll Wahrheiten sagen). Aus Westpreußen:
Behrend nr. 12 'Der Sack voll Wahrheit' (B, vier Gesellen, Sack
voll Wahrheit). Aus Posen: Konrad S. 106 'Der Hasenhirt' (C).
Friesisch: Dykstra 2, 76 'De pruimejongen' (A C, drei Säcke
voll Narrheit). — Dänisch: Grundtvig, Minder 2, 20 'Sundhets-
trseet' (A, Bing aus dem Meer, Schloß aus Wachs, drei Höllenbrände
herbeischaffen) = Stroebe 1, 68. Grundtvig, Register nr. 18
'Sundhetsfrugterue'. Grundtvig, Folkesev. 3, 144 'Sundhetsfrugterne'
(A, Ring aus dem Meer holen, Schloß bauen, Höllenbrand holen).
Carit Etlar 1847 S. 124 = Thorpe, Yule-tide stories 1853 p. 369
'Temptations' (0, Sack voll Wahrheiten). Madsen S. 47 'Kncesben
Askfis' II (C, erschlägt als Kuhhirt drei Drachen). Kristensen, Aev.
fra Jylland 1, 73 nr. 10 'Jesper Harehyrde' (C, Kessel voll Wahr-
heiten). 1, 83 nr. 11 'Den tredje Ssekfuld' (A, Kornsorten sondern,
C, drei Säcke voll predigen). 3, 210 nr. 38 'Under Galgen St.-Hans
Nat' (B, Raben belauscht, dankbare Tiere). Skattegraveren 8, 65
'De gode folgesvende' (B, fünf Gesellen). — Schwedisch: Bondeson,
Halländska sagor nr. 4 'Askeprinsen ä hans bröra' (B). Wigström,
'Kungens harar' (Hazelius, Ur de nordiska folkens lif 1, 112. C
Tonne voll Wahrheit). Steffen 2, 16 'Skeppet som gick öfver vatten
och land' (B, sechs Gesellen). Folkminnen och folktankar 2, 141
'Skeppet som gick över vatten och land (B, vier Gesellen). Aberg
nr. 32 'Om skipe, som gikk över vatn o land' (B, drei Gesellen), 33
270 16B. Der Vogel Greif.
'Öepe, som sigla över vatn o land' (B, drei Gesellen), 34 'Om poitji
som valla kungns hara' (C, drei Kübel füllen) und 209 'Om poitjin
som bläi djift nie kungno dotro' (vgl. Gr. 136). Hackmans Register
nr. 513b (B), 570 (C) und 610 (A). — Norwegisch: Asbjörnsen
nr. 98 'Gjsete Kongens Harer' (C, Braukufe voll lügen) = Stroebe
2, 225. Arne, Slagelse-Egnen S. 63 (C) 'Tosse-Hans'. — Isländisch:
Arnason 2, 479 = Rittershaus nr. 118 'Der gefüllte Wunschsack'
(Thorstein füllt den Sack mit Worten, indem er berichtet, was die
Königstochter, Königin und der König getan, um ein Halsband,
Krone und Schachbrett zu erhalten). Arnason 2, 482 (Zaubernadel,
Schere und Axt verkauft) = Poestion nr. 20 'Ullarvindill'. — Aus
Schottland: Chambers, Pop. rhymes 1870 p. 103 'Jock and his
hüls' = Brueyre p. 60 (0). Campbell2 1, 244 nr. 16 'The king of
Lochlin's three daughters' (B, zwei wunderbare Gesellen, weitere
Abenteuer), vgl. R. Köhler 1, 191. — Französisch: Luzel 2, 146
'Le prix des belles pommes' (A C, Eichhörnchen, Sack voll Wahr-
heiten). 2, 161 'Les trois fils de la veuve ou les gardeurs de perdrix'
(die Pfeife erhält der Hüter der Rebhühner von Christus, den er
über den Bach getragen, und füllt den Sack mit Wahrheiten).
Sebillot, Contes 3, 56 nr. 7 'Le bäteau qui va sur terre comme sur
mer' (B, vier Gesellen, C). Orain, Gallo p. 11 'Le panier de peches'
(A C). Kiyptadia 2, 45 nr. 13 'Le gardeur de lievres' (A C, voll
Wahrheiten). Revue 6, 584 'Les oranges' (A C, Getreide sondern,
Sack voll Wahrheiten). Madelaine 1, 21 'La fille du roi de Paris'
(C). Dardy 2, 27 nr. 8 'La fille du roi et les peches' (A C). Pineau,
Contes p. 35 'Le petit vacher' (C, drei Säcke voll Wahrheiten ; vorher
Gr. 64). Deulin, C. d'un buveur p. 145 'Manneken-Pis' (A C, Ring
wiederschaffen, Sack mit Lügen füllen). Blade 2, 11 'Les trois
pommes d'orange' (A C). 3, 12 'Le navire marchant sur terre' (B,
vier Gesellen) = Blümml nr. 32. — Italienisch: Pitre, Nov. tose,
nr. 17 'Della figlia del re, che chi buttava giü l'albero, l'aveva per
isposa' (Baum fällen, Getreide sondern, C). Visentini nr. 25 'Le
streghe' (A, Zauberfiedel bringt Prinzessin zum Lachen) und 26 "La
pianta fatata' (Baum fällen, C, Getreide sondern, Sack mit Wasser
und Rauch füllen). Rivista delle trad. pop. ital. 2, 466 'Compare
PeddhY (C). Archivio 2, 499 'La cnlbulitta di li iichi' (A, Wache will
die Hälfte des Lohns). Zanazzo p. 123 nr. 21 'La barca' (B, zwei
Gesellen). Bagli p. 60 nr. 5 'AI trai liver' (A, Ring aus dem Meer,
C, Sack voll Wahrheiten). Coronedi-Berti 1883 nr. 17 'La fola del
165. Der Vogel Greif. 271
falegnam' = Prop. 7, 1, 204 nr. 4 (J3, zwei Gesellen). Knust nr. 10
(Jb. f. roman. Lit. 7, 395. B, sechs Gesellen). Gonzenbach nr. 80
'Ciccu' (A) und 75 'Von einem, der mit Hilfe des h. Joseph die
Königstochter gewann' (B, fünf Gesellen; oben 2, 89). — Katalanisch:
Maspons 2, 75 nr. 17 'Las peras' (A). Aus Mallorka: Ludwig Salvator
S. 137 'Der Lügensack' (Pinie fällen, Getreide sondern, dreizehn
Hähne hüten, Sack mit Lügen füllen). — Portugiesisch: Coelbo,
C. pop. nr. 45 'Os figos verdes' (AG). — Baskisch: *Cerquand 4,
nr. 107. — Griechisch: Halm 2, 243 nr. 37 Var. (C, Getreide
sichten, Ring holen, Prinzessin erkennen; dankbare Tiere wie oben
2, 19). Kretschmer nr. 34 'Der Derwisch' (C, Palast bauen, drei
Säcke mit Lügen füllen ; vorher Aladdin wie oben 2, 547). —
Slowenisch aus Steiermark: Kres 4, 611 nr. 32 — Krauß 1, 190
nr. 46 'Drei Brüder ziehen in die Welt, um deutsch zu lernen' (oben
2, 563. C, Mulde voll Worte). Aus Görz : Nar. pripov. sosk. plan.
3, 36 nr. 3 (C). Gabrscek S. 233 nr. 3 (G). — Serbokroatisch
aus Kroatien : Valjavec S. 136 nr. 9 (Einleitung wie bei Peter 2, 185
nr. 12; ein Bär wie sonst der Eisenhans aus dem Kerker gelassen,
C mit Hilfe des Bären. Aus Bosnien: Krauß, TSM. 1, 276 nr. 86
'Die Gaben dreier alter Waldfrauen' (A, dann Grindkopfmärchen,
oben nr. 136). Preindlsberger-Mrazovic S. 117 nr. 14 (die Prinzessinnen
bekommt, wer einen zehn, zwanzig, dreißig Ellen breiten Graben zu
Pferde überspringt, BC). Antropophyteia 2, 340 nr. 421 (C). 4,393
nr. 421 (AG). Aus Serbien: Kica 7, nr. 4, 2 'Das Pfeifchen' (AG).
— Bulgarisch: Sbornik min. 6, 176 (die zertanzten Schuhe, C
mit Hilfe eines aus der Zauberschüssel erscheinenden Negers; dann
Hirse, Korn und Weizen sondern). — Gechisch aus Mähren:
Mensik, Jemnic. S. 67 nr. 24 (AG). Kulda 1, 166 nr. 35 = Wenzig
S. 59 'Wie der Wagner König ward' (B, aber statt des Schiffes ein
selbstfahrender Wagen; drei Gesellen, Prinzessin lacht; G, drei
Scheffel Wahrheit messen). Sedläöek 1, 73 'Drei Säcke Wahrheit'
(Gedanken der Prinzessin erraten, G). Pfikryl S. 363 'Des Wagners
Söhne' (ähnlich Kulda). Aus Österr.-Schlesien : Polivka S. 25 nr. 7
(der Müller soll zum Baron kommen weder zu Fuß noch zu Pferd,
nicht nackt und nicht bekleidet, und Geschenk nicht Geschenk
bringen ; ein Bauer rät ; G, ein Sack voll Wahrheit). Aus Böhmen :
Pfihoda nr. 6 (A, der Held trunken im Walde verlassen; dann
Fortunatus wie oben 1, 470). — Wendisch: Schulenburg, Volkstum
S. 41 'Die Flöte' (C) — Polnisch aus Oberschlesien: Mitt. der
272 165. Der Vogel Greif.
schles. Ges. f. Vk. 3, 13. Aus Galizien: Ciszewski, Krakowiacy
S. 182 nr. 133 (C). S. 183 nr. 134 (C). Zbiör 5, 255 nr. 57 (C).
Swi^tek S. 363 nr. 29 (der verachtete Jüngste reitet den Diamant-
berg hinauf, soll in zwölf Stunden die goldenen Schafe aus der
ganzen Welt sammeln, in achtzehn Stunden die Hasen, C). Mater,
antropol. 1, 62 nr. 17 'Von den Feigen' (AC). — Kleinrussisch
aus Galizien: Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 252 nr. 286 (C). Kolberg,
Pokucie 4, 92 nr. 18 (Merkmale der Prinzessin erraten wie oben
2, 528; C). Aus Südungarn: Etnograf. Zbirnyk 29, 1 nr. 1 (ß C mit
Hilfe der wunderbaren Gefährten). Aus der Ukraine : Zbiör 13, 202
nr. 2 (C; ein drei Stock hohes Haus zu Pferde überspringen).
Tarasevskyj, Geschlechtleben 1, 399 nr. 296 (C). — Großrussisch:
Zavetnyja ras. skazki S. 150 nr. 53 = Kryptadia 1, 187 nr. 53 'Le
chalumeau merveilleux' (C). Aus dem Gouv. Archangelsk: Oncukov
S. 540 nr. 258 (C). — Litauisch: Jurkschat 1, 27 nr. 6 'Das
fliegende Schiff (B, sechs Gesellen). 1, 43 nr. 12 (C). Aus dem
Gouv. Kowno : Dowojna Sylwestrowicz 2, 451 — 458 (Einleitung wie
oben 2, 388. C). — Finnisch: Salmelainen 2, 28 nr. 1 (Schiefner,
Melanges russes 2, 611. B). Suomi 2, 13, 118 (B). Aarnes Register
nr. 513b (B) und 570 (C). — Lappisch: Friis nr. 21 = Poestion
nr. 24 'Aschenputtel, Riese und Teufel' (Goldbaum nachts bewacht,
B, vier Gesellen). — Ungarisch: Klimo p. 167 Les lievres du roi'
(C ; nach Benedek). Berze Nagy nr. 38.
Die erste der Freierproben unsres Märchens, das über Wasser
und Land fahrende Schiff, beruht auf einem uralten Volks-
wunsche, der vielleicht in den heidnischen Kultus zurückreicht. Um
1133 ward von den Tuchwebern in Corneli-Münster (Inda) ein Schiff
erbaut, mit Rädern versehen und nach Aachen und Mastricht gezogen,
wo es mit Jubel und Tanz empfangen wurde (MGScr. 10, 310). In
dem um 1215 entstandenen Gedicht Moriz von Craon (Zwei alt-
deutsche Rittermären hsg. von E. Schröder 1894 S. 22 v. 927. 723)
läßt der Held ein Schiff herstellen,
daz solte gän äne were
über velt als ufern mere . . .
sin gestehe daz was ein wagen,
lihte getrsemet
und als ein schif geschrsemet,
daz ze Kölne solte fliezen . . .
Er bläht dar in mit liste,
165. Der Vogel Greif. 273
daz ez lützel liute wiste,
ros, diu ez ziehen solten,
swan si varn wolten.
zwischen tuochen und den diln
da rillte man siln
unde spien diu ros dar in.
Mit solchen die Straßen entlang fahrenden Schiffen zogen 1235 die
Kölner der dem Kaiser Friedrich II. angetrauten Prinzessin Isabel
von England entgegen (MG. Scr. 28, 130, 33). J. Grimm (Myth.3
S. 236—244. 3, 86. Wolf, Beiträge 1, 158) erinnert an spätere
Schiffsumzüge zur Fastnacht, an das Narrenschiff Brants (Zarncke
1854 S. LX. Verwijs, Van vrouwen ende van minne 1871 p. 94)
und das bei Tacitus, Germ. 9 erwähnte Schiffsbild der Isis bei den
Sueben. Auf Bilderbogen des 17. Jahrh. finden wir eine holländische
Eisyacht und ein über Berge und Täler steuerndes Luftschiff1) dar-
gestellt (Zs. f. Volkskunde 15, 1631). Merkwürdig lebt das zusammen-
zufaltende Schiff SkiÖblaSnir aus der Edda (Gering S. 333. 365.
Grimm, Myth.3 S. 197), das die Zwerge dem Freyr gebaut haben, in
holsteinischen, dänischen und norwegischen Märchen fort (Müllen-
hoff S. 456. Kamp 1, 20. Asbjörnsen nr. 24 'Lillekort'). Über
ähnliche Sagen vom h. Olav vgl. Liestöl, Norske trollvisor 1915 S. 42.
Bei dem mit Lügen anzufüllenden Sack wird man an
den kecken Lügenerzähler denken, der oben 2, 506 den König
x) Dies Luftschiff gehört zu den Bildern aus der 'Verkehrten
Welt' und trägt die Unterschrift : 'Oft ein Klügling schifft im Sinn über
Berg und Tal dahin'. So verspottet auch Hans Sachs 3558 (Folio 2, 4,
89a = Fabeln 1, 588 nr. 199) die närrischen Lappenhäuser Bauern, die
zwei Jahre lang an einem Luftschiffe aus Gänsefedern und Haberstroh
bauen und damit von einem Berg in den Morgennebel hinein fahren
wollen, aber jämmerlich niederstürzen. Der Finkenritter (um 1560 Bl. B3a,
Neudruck 1913) segelt mit einem gleichen Nebel- oder Windschiff über
Stock und über Stauden, und Ähnliches berichten die Lügenlieder bei
Erk-Böhme nr. 1103 und 1106. Den Glauben aber an solche großen Luft-
fahrzeuge, der gleich den oben 2, 135 und bei Parker, Ceylon 2, 18 er-
wähnten Fliegermythen der Verwirklichung lange voraufeilte, treffen wir
schon im 9. Jahrhundert bei dem Erzbischofe Agobard von Lyon (Migue,
Patr. lat. 104, 147. Grimm, Myth.3 S. 604), der über das Wolkenschiff
der Zauberer aus dem Lande Magonia berichtet, im 13. Jahrh. bei dem
Augsburger Konrad Derrer (Zs. des histor. V. f. Schwaben 31, 105 nr. 14)
und im 19. in pommerschen Volkssagen (Jahn nr. 56. 57) an. Vgl. noch
Delrio, Disquisitiones magicae 1603 3,20. Feldhaus, Luftfahrten einstund
jetzt 1908 S. 33. Minor, Zs. f. Bücherfreunde n. F. 1, 64 (1909).
Q r i m m , Märchen-Anmerkungen III. 18
2?4 16ü. Der starke Hans. — 167. Das Bürle im Himmel.
schließlich in solchen Zorn bringt, daß er ihm Einhalt gebietet und ihn
als Schwiegersohn annimmt. Dieselbe Aufgabe wird z. B. bei
Oestrup, Damas p. 35 (oben 2, 508), bei Schiefner, Awarische Texte
nr. 4 (S. 39. XIV = R. Köhler 1, 554), bei Luzel 3, 346 (oben 1,
191. Sack voll Wahrheiten) gestellt und besagt im Grunde dasselbe
wie die Forderung, sich durch drei Wahrheiten, die der Fordernde
im voraus zu bestreiten gewillt ist, aus einer Lebensgefahr zu erretten ;
vgl. oben S. 226. Nicht auf unser Märchen zielt Heinrich Julius
von Braunschweigs Comoedia von Vincentio Ladislao 1594 VI, 2
'Mein Herr wird nun einen Sack voll Lügen wieder gesamlet haben,
die er weiter vorbringen kan'.
1856 s. 245. 166. Der starke Hans.
1837 nr. 166. — Von einem Schweizer Hagenbach aufgefaßt
und von W. Wackernagel mitgeteilt.
Eine A arg au er Variante bei Sutermeister nr. 8 'Der Bueb
mit dem isige Spazierstecke'. Vgl. die Anmerkungen zu den ver-
wandten Märchen vom jungen Riesen (2, 285) und vom Erdmänneken
(2, 297). Unser Märchen enthält die oben 2, 300 bezeichneten Teile
A2 ß1 D E F und die aus nr. 71 bekannten Gefährten mit wunderbaren
Eigenschaften.
1856 s 245. 167. Das Bürle im Himmel.
1837 nr. 167. — Von Friedrich Schmid in der Nähe von
Aar au auf das beste erzählt. Abgedruckt bei Sutermeister nr. 35.
Gereimt bei Simrock, Legenden 1855 S. 55 = Werke 1907 1, 101
'Der Bauer im Himmel' und üitfurth, Alte Schwank und Märlein
1877 S. 173 'Das Bäuerlein im Himmel'.
Dänisch: Skattegraveren 1, 12 nr. 11 'En herremand i
himmerig'. — Katalanisch: Mestres, Folklore cataki 1 (1895), nr. 31
'El rieh y el pobre'. — Serbokroatisch aus Warazdin: Krauß 2,
171 nr. 86 'Der Arme und der Reiche im Himmer.
168. Die hagere Liese. 275
Im schwäbischen Märlein bei Birlinger, Volkstümliches 1, 362
nr. 586 'Petrus und das Bäuerlein = Merkens, Was sich das Volk
erzählt 1, 68 nr. 80 ist es nicht ein reicher Mann, der so große
Himmelsfreude erregt, sondern ein Pf äff lein, da ein solches nur
alle fünfzig Jahre einmal komme1). Ähnliches berichtet Schubarts
Gedicht 'Märchen' (1774. Sämtliche Gedichte 1829 3, 50 = 1884
8. 343). — Vgl. R.Köhler, Aufsätze über Märchen 1894 S. 71 'Sanct
Petrus der Himmelspförtner'.
168. Die hagere Liese. isse s. 245.
1840 nr. 168. — Nach Kirchhofs Wendunmut 1, nr. 371
(1563) 'Ein Weib wirt mutwillig geschlagen'; vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen 1906 S. 85. Ayrer hat aus dieser und einer
vorhergehenden Erzählung Kirchhofs (1, nr. 363) sein singets Spiel
von dreyen bösen Weibern im Ton des englischen Rolands geformt
(Dramen ed. Keller 5, 3051; vgl. Bolte, Die Singspiele der englischen
Komödianten 1893 S. 12).
Derselbe Schwank erscheint schon in Hans Sachsens Meister-
lied 'Der Köbler mit der Kue' (1551. Fabeln 5, 219 nr. 740). In
Montan us Gartengesellschaft c. 78 (Schwankbücher 1899 S. 337)
geraten Eheleute einander in die Haare, weil sie darüber uneins
werden, was sie mit den Schweinen draußen machen sollten, wenn
sie ihnen gehörten. Ein um 1560 Wickrams Rollwagenbüchlein
als nr. 106 angehängter Schwank (Werke 3, 132) erzählt von einem
Schwaben, der mit seiner Frau ratschlagt, ob er eine Stute kaufen
solle, und sein Söhnlein prügelt, weil dies dann auf dem Füllen
reiten will. Danach Hulsbusch, Sylva sermonum 1568 p. 45 ; vgl.
l) Eine bissige Satire der Reformationszeit läßt den h. Franzis-
kus am Himmelstore immer noch auf den zweiten Franziskaner warten :
Hilarius Cortaesius, Volantillae (Paris 1533) p. 81 = Naogeorgus, Sylva
carminum in nostri temporis corruptelas 1553 p. 44 'De beato Francisco
iocus'; danach Sandrub, Delitiae historicae 1618 nr. 125 und La Monnoye,
Oeuvres choisies 2, 189 (1770). Ähnlich Waldis, Esopus 1548 4, nr. 4.
H. Sachs, Fabeln 5, 62 nr. 639 'Der staubig St. Franciscus' (1550). Probst,
Von dem Mann, der so hoch gewesen ist (Milt. f. Gesch. der Stadt Nürn-
berg 19, 123).
18*
276 169. Das Waldbaus.
Reuter, Läuschen un Rimels 1, nr. 54 'De Gedankensün'n' und den
mecklenburgischen Volksschwank vom gefundenen Gänseei und
Fohlen (Dähnhardt, Schwanke S. 147 nr. 74). Bei Kirchhof 2, nr. 131
schlägt sich ein Schneider mit seiner Frau, weil sie aus ihrem eben
zur Schule gebrachten Sohne einen Gelehrten machen will. Neue
Acerra philologica 5, nr. 51 (1708): zwei Brüder zu Padua.
VI am i seh: Volkskunde 9, 7 'Van den man, die zou burge-
meester worden'. — Friesisch bei Dykstra 2, 118 'Om rijk te
worden' (Streit über die Kuh). — Rumänisch: Schullerus nr. 28
'Der Zigeuner mit dem Pferd' (Archiv f. siebenbg. Landesk. 33, 449.
Ähnlich Wickram). — Serbisch: Wesselski, Nasreddin 1911 1,249
(Hufeisen gefunden). Vuk Vrcevic, Srp. pripov. kratke S. 33 nr. 77
= Krauß, Zigeunerhumor S. 125 'Das gefräßige Zigeunerkind'; S. 126
'Die unfolgsame Zigeunerin'. — Litauisch: Jurkschat 1, 127 nr. Gl
'Die Weißrussen und der Käse' (wünschen einen Käse zu finden und
streiten über dessen Verwendung). — Estnisch: Kbl. f. nd. Sprach-
forschung 19, 18 (1897). — Finnisch: Aarnes Register nr. 1430. —
Türkisch: üecourdemanche, Sottisier de Nasr-Eddin-Hodja 1878 nr. 84
= Wesselski, Nasreddin 1911 1, 86 nr. 163 (Eselsei). — Indisch:
Grierson, Linguistic survey 5, 2, 85 (Maithlll. Ehepaar). Ledere,
Contes laotiens p. 216 (Vater und Sohn). — Mongolisch: Siddhi-
Kür nr. 21 (Jülg, Mongolische Märchen 1868 S. 40. Benfej', Pant-
schatantra 2, 548). — Suaheli: Mendner nr. 6 'Der törichte Mann'.
Verwandt ist das Luftschlösser bauende Ehepaar in nr. 164,
das jedoch sein Mißgeschick friedlicher hinnimmt. — Ein Streit von
vier in Zukunftsträume versenkten Opiumrauchern begegnet in dem
türkischen Roman 'Die vierzig Veziere', übers, von Behrnauer 1851
S. 177, von Gibb 1886 p. 404; vgl. Chauvin 8, 178 nr. 209. Aus
ebenso nichtigem Grunde zanken in einem arabischen Schwanke zwei
Wandrer, die sich ihre Wünsche mitteilen (Revue des trad. pop. 13,
481 nr. 111) oder feststellen wollen, wie groß das Brot in Marokko
sei (Stumme, Schluh von Tazerwalt 1895 S. 179 nr. 24, 1).
1856 s -^- 169. Das Waldhaus.
1840 nr. 169. — Dies Märchen hat Karl Goedeke zu D eligse n
bei Alefeld nach mündlicher Überlieferung niedergeschrieben und den
Brüdern Grimm mitgeteilt. Das Zusammenleben der Menschen und
170. Lieb und Leid teilen. 277
Haustiere, wie es die alte Tiersage voraussetzt, ist gut geschildert ;
sie werden wie zur Familie gehörig betrachtet und gepflegt. Ver-
wandelte Menschen darin zu sehen, war erst später Veranlassung,
und der Alte, der die Stelle der Frau Holle vertritt, wollte nur das
gute Herz des Mädchens prüfen.
Aus Lobenfeld hat Pf äff (Festschrift zur Doktorjubelfeier
Weinholds 1896 S. 73 'Hinkel und Kätzel') eine badische Fassung
mitgeteilt: die in der AValdhütte ausgesetzten Geschwister fordern
vom Wolf, der nachts Einlaß begehrt, auf den Rat von Hahn und
Katze, er solle zuvor ein Haus bauen, es ausstatten und Wasser
tragen ; dabei bricht er den Hals. Als ihre Stiefgeschwister eben-
falls in eine Waldhütte ziehen und der Wolf nachts kommt, weigern
ihnen Hahn und Katze den Rat, weil sie keine Speise erhalten haben, und
der Wolf zerreißt sie. — Isländisch: Arnason 2, 450 = Poestionnr. 15
= Rittershaus S. 261 nr. 66 'Das Aschenbrödel'; auch Rittershaus S. 265
nr. 67 'Die drei Schwestern'. — Serbokroatisch: Wuk nr. 34
'Die Stiefmutter und ihr Stiefkind'. Stojanovic, Nar. prip. S. 115 =
Cox, Cinderella p. 400 'Tochter und Stieftochter'. — Cechisch:
Xemcova-Tille 3, 64 nr. 37 = Waldau S. 519 'Die dankbaren Tiere'.
-- Vgl. oben 1, 207 zu nr. 24 'Frau Holle'.
170. Lieb und Leid teilen. issss. sm
1840 nr. 170. — Aus Georg Wickrams Rollwagenbüchlein
1555 nr. 17 = Werke hsg. von Bolte 3, 23 'Einer leidt mit seiner
Frauen Lieb und Leidt'; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen
1906 S. 86.
Wickrams Vorbild war wohl ein Meisterlied des Hans Sachs
•Der mon dorft sein weib nit schlagen' (1551. Fabeln ed. Goetze
5, 231 nr. 748), dessen Schluß freilich nicht so witzig ausgefallen ist.
Der Mann bindet die keifende Frau an eine Säule und wirft mit
Äpfeln nach ihr; vor dem Richter verantwortet er sich, er habe nur
gescherzt: 'So oft ich sie traf, war ich froh; fehlte ich, so rief sie:
Gefehlt, du Tropf!' In einem andern Meistergesänge 'Drei los
antwort eins losen mans' (1546. Fabeln 4, 158 nr. 336) folgt der
vom Richter verwarnte Schneider seiner Frau, wie ihm geheißen war,
278 171. Der Zaunkönig.
aber mit Schlägen ; in einem dritten 'Die guetten wort' (1551. Fabeln
4, 218 nr. 739) schlägt der Mann, der sein Weib nur mit guten
Worten strafen sollte, ihr ein Gebetbuch an den Kopf. Noch gröber
rächt sich in Montanus' Wegkürzer 1557 nr. 2 (Schwankbücher 1899
5. 12) ein elsässischer Rebmann an seiner naschhaften und hinter-
listigen Frau, indem er sie bei einem Tanze so plötzlich fahren läßt,
daß sie die Stiege hinunterfällt. Bruno Seidelius, locus mariti
(Delitiae poetarum Germanorum 6, 115. 1612. Verbis bonis sanare).
B. Krüger, Hans Ciawert 1587 c. 8 = 1882 S. 21 (folgen).
Hennenberger, Erclerung der preußischen Landtaffel 1595 S. 482 —
Grässe, Sagenbuch des preuß. Staates 2, 626 nr. 681 'Wie ein armer
Gesell sich verbürgt hat, sein Weib nur mit guten Worten zu strafen'.
Melander, Joci atque seria 2, 67 nr. 52 (1604) = Verdeutschung
2, 25 nr. 23 (1605. Mit guten Worten strafen); danach Lundorp,
Wißbadisch Wisenbrünlein 2 (1611), nr. 57. Kurtzweiliger Zeit-
vertreiber durch C. A. M. von W. 1666 S. 369 = 1668 S. 415 =
1683 S. 445 == Wickram, Werke 3, 366. Fabulanus Kurtzweill.
Tischreden (Wiener Hs. 14914, geschrieben in München um 1770)
S. 981 nr. 44 'Alles muß nach meinem Kopfe gehn'. Lyrum Larum
1701 nr. 113. Abendstunden 2, 365 (1767) 'Der gehorsame Mann'.
Wander, Sprichwörterlexikon 4, 888 nr. 4: 'Ick straf min Fru mit
gauden Wührden, seggt jener Bur, un Schmitt ehr dei Bibel an 'n
Kopp'. — Französisch: Bouchet, Serees 1, nr. 9 (2, 166 ed. Roybet.
Elle me dit que tout iroit ä sa teste). B. de Verville, Le moyen de
parvenir c. 102—103 (1889 p. 367. Der Mann schlägt mit der Elle,
der Bibel, der geräucherten Ochsenzunge). Les recreations franooises
1, 101 (1662).
^ses. 246. 171. Der Zaunkönig.
1840 nr. 171. — Nach einer Auffassung von dem Pastor
J. Mus saus, die in den Jahrbüchern des Vereins für mecklen-
burgische Geschichte 5, 74 nr. 1 'Die Königswahl unter den Vögeln'
= Bartsch 1, 518 nr. 25 = Raabe, Plattdeutsches Volksbuch 1854
S. 151 abgedruckt ist, und nach einer andern von Karl Goedeke
in Lachendorf bei Celle aufgenommenen. Vgl. Hamann, Die literarischen
171. Der Zaunkönig. 279
Vorlagen 1906 S. 87. Eine gute Untersuchung über das Märchen
liefert A. v. Löwis bei Däknhardt, Natursagen 4, 160 — 184 (1912).
Es ist ein eigentümlicher Zug der Tierfabel, die Königswürde
entweder dem größten und mächtigsten oder umgekehrt dem
kleinsten und zierlichsten Geschöpf einer Gattung zu übertragen
(J. Grimm, Eeinhart Fuchs 1834 S. XLIV). Wie Zwerge oder der
Däumling oder das kluge Schneiderlein starke Riesen durch List
besiegen, so gewinnt hier der kleinste Vogel1) die Oberhand über
den Adler, den alten, ursprünglichen Herrscher der Vögel; vgl. oben
2, 435. So berichtete schon eine äsopische Fabel, die freilich
in unsern Sammlungen derselben nicht zu finden ist, nach dem
Zeugnisse Plutarchs, Praecepta gerendae reipublicae c. 12 p. 806 e:
'Wie Äsops Zaunkönig (ßaoiMoxog) auf des Adlers Achseln empor-
getragen plötzlich aufflog und ihm zuvorkam'. Darauf beziehen sich
auch die Worte des Aristoteles, Historia animalium 9, c. 11: 'Der
Zaunkönig (iQQyiXoc,) wird Ältester und König (ßaoiAEvg) genannt,
weshalb ihm auch, wie man erzählt, der Adler feind wurde' und des
Plinius Historia nat. 10, 74, 203: 'Dissident . . . aquilae et trochilus,
si credimus, quoniam rex appellatur avium' (G. Knaack, Berliner
Philologische Wochenschrift 1888, 507). Auf letzteren geht neben
vielen kürzeren Erwähnungen2) eine etwas ausführlichere Erzählung
*) Unland (Schriften 3, 83) meint, daß der goldfarbene Reif um den
Kopf des schmucken Sommerzaunkönigs, der deshalb auch Goldhähnchen
heiße, in Verbindung mit der Lust am Widerspiel den Königsnamen des
Zaunschlüpfers veranlaßt habe; allein dieser Reif eignet vielmehr zwei
Meisenarten, die Goldhähnlein heißen (Fischer, Schwab. Wtb. 3, 602.
Brehms Tierleben, 3. Aufl. Vögel 1, 154. 1900).
2) Z. B. Konrad von Megenberg, Buch der Natur 1861 S. 184., 16;
'Trochilus heißt ain künigel' . . . nach Thomas Cantimpratanus, Libei de
natura rerurn (Germania 6, 80); Geiler, Postill 1522 Bl. 155: 'Zun-
schlipferlin, das sich wider den Adler strueßet' (Frisch 2, 466a); Bellon,
Livre 7 de la nature des oyseaux 1555 p. 342. Vallaneey, Collectanca
de rebus hibernicis 13, 97 ( Brand- Hazlitt, Populär antiquities 1870 3, 188).
— Unter den Namen des Vogels sind noch bezeichnend: Schneekönig,
Dornkönig, Mäusekönig, Sommerkönig, steirisch Kinivogerl ; niederdeutsch
Mespelköningske, Netelkoning, Winterkonic; niederländisch Tuinkoningje;
dänisch Fuglekonge, Spurrekonge, Gjerdekonge; schwedisch Kungsfogel,
Sparfkung; englisch Kinglet; französisch roitelet, roi des oiseaux, roi de
froidure, roi Bertaud, roi Bertrand, empereur; italienisch regillo, reatino,
re meschino, re di siepe, redimacchia; spanisch reyezuelo; serbokroatisch
kraljic, kraljicak, stris, strijez; cechisch krälicek, pod plotnicek (plot =
Zaun), stfiz, stfizlik; polnisch mysi krölik (Mäusekönig), cesarzuk, strzyz.
280 171. Der Zaunkönig.
bei Alexander Neck am, De naturis rerum 1, c. 78 p. 122 ed.
Wright 1863 aus dem Ende des 12. Jahrh. zurück: 'Condixerunt
inter se aves, ut illa regiae celsitudinis gloriam sorfciretur, quae
sublimi volatu omnes alias vinceret. Parra igitur sub ascella aquilae
latitans opportunitatem ex tempore nacta est. Cum enim aquila
Iovis penetralibus vicinior dominium sibi vendicaret, ausa est parra
capiti aquilae insidere, victricem se esse asserens. Sicque nomen
reguli obtinuit.' — Daß die Vögel dem Zaunschlüpfer wirklich die
Königswürde übertrugen, fügt eine hebräische Tierfabel des in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrh. lebenden Barach ja Nikdani (Parabolae
vulpium ed. Hanel 1661 p. 147 = W. Grimm, Kl. Schriften 4, 364
= Zs. f. dt. Mythologie 1, 2) hinzu. Noch lebendiger malt 'Der
Vögel Gespräch', ein deutsches Gedicht des 15. Jahrh., das zu
der Gruppe der mittelalterlichen Vogelparlamente gehört (abgedruckt
von Pfeiffer, Germ. 6, 81 aus dem Cgm. 714; vgl. Seelmann, Jahr-
buch f. nd. Sprachforschung 14, 104), in der Einleitung den auf des
Falken Vorschlag vorgenommenen Wettflug aus; das Vöglein steigt
über den Adler empor, flüchtet aber, durch seine Drohungen
erschreckt, in die Hecke zurück und kommt erst hervor, als ihm die
Kohlmeise versichert, daß alle Vögel bereit seien, es als König zu
ehren. Endlich benutzt auch der Jesuit Jakob Bidermann (f 1639)
die Fabel in seinen Acroamata academica lib. 1, c. 1 — ed. Colon. 17U2
p. 1 : 'Ingeniorum certamina in volucrum fabella'. Schiller in der ersten
Fassung der Räuber 1781 I, 2 (Archiv für Litgesch. 9, 291): 'Du
hängst dich an den Adler Spiegelberg wie der Zaunkönig und
kommst mit ihm zur Sonne'.
Neuere Aufzeichnungen aus Deutschland: Aurbacher,
Büchlein für die Jugend 1834 S. 242 'Das Zaunköniglein'. Simrock,
Kinderbuch 1848 nr. 394 = 3. Aufl. nr. 800. Ch. Gilow, De Diere
1871 S. 668. Zs. f. dt. Myth. 1, 225. Aus der Grafschaft Mark: Woeste
1848 S. 93 'Die Königswahl der Vögel' = Firmenich 3, 189. =
Schell, Bergischer Volkshumor S. 81. Aus Waldeck: Curtze
S. 171 'De Tuunkünnig'. Aus Hannover: Schambach-Müller S. 319
'Der Zaunkönig'. Firmenich 1, 186 'De lütje Vogel ohne Namen'.
Pröhle, KVM. nr. 64 'Der Zaunkönig und die Hühnerwieke'. Aus
Oldenburg: Strackerjan 2, 106 = 2. Aufl. 2, 170. Aus Mecklen-
wolowe oezko (Ochsenäuglein); kleinrussisch kropyajanka, korötyk, volove
oko, orisek (orech = Nuss); großrussisch krapivnik (krapiva = Nessel),
koroljok (kleiner König); litauisch karalelis, nyksztukelis (Däumling).
171. Der Zaunkönig. 281
bürg: K. Schiller, Zum Tier- und Kräuterbuche 2, 17 (1861).
Wossidlo 2, 53. 366. Aus Brandenburg: Halling, Mones Anzeiger
1835, 312. Kuhn, Märkische Sagen S. 293 'Die Königswahl der
Vögel' = Friedel-Mielke, Landeskunde der Provinz Brandenburg 3,
235 (1912). Firmenich 3, 119 'Tuunkönig'. Gereimt von F. Schwerin,
Vöggel-Sproak un Snack 1858 S. 14 'De Tunkönig'. Aus Pommern:
Mones Anzeiger 1835, 14. Jahn, Volkssagen nr. 595 'Wie der Zaun-
könig ein König der Vögel geworden ist'. Asmus-Knoop S. 70 'Der
Zaunkönig'. Haas 1891 nr. 146 = 1903 nr. 178 = 1912 nr. 181
'Der Zaunkönig und die Eule'. Aus dem Samlande: Reusch, Sagen2
S. 39 nr. 34.
Niederländisch: Firmenich 3, 769 'De ooijevaar, de uil
en het winterkoningje'. L. Sloet, De dieren 1888 p. 209. De Mont
en de Cock, Vertelsels p. 98 'Van waar het koninksken zijnen
naam heeft' und 99 'Waarom de uil 's nachts moet vliegen'. Joos
1, 26 'Van 't koninksken en den uil'. Leopold, Van de Scheide tot
de Weichsel 1, 19 = Teirlinck, Contes flamands p. 92. Cornelissen-
Vervliet p. 222 nr. 63 'Waarom de uilen 's nachts vliegen'. Volks-
kunde 15, 72 'Van het winterkoninkje' (drei Fassungen). — Dänisch :
Grundtvigs hsl. Nachlaß Bd. 75: 'Fuglekongen' (aus Möen). Kamp,
Folkeminder p. 103 'Fuglekongen'. Skattegraveren 2, 31 nr. 232.
Kristensen, Sagn og overtro 2, 1, 375 nr. 673 'Fuglenes konge'.
Kristensen, üanske Sagn 2, 261 nr. 44 — 47. — Schwedisch:
Allardt S. 113 nr. 109 'Hur natlappen blef kung öfver fäglarna'. —
Englisch aus der Grafschaft Leitrim: Folklore 5, 197 'St. Stephen's
day\ — Schottisch: Campbell2 1, 285 nr. 17a, 15 'The eagle and
the wren' = Douglas p. 28 = Brueyre p. 371. Campbell, Clan
traditions 1895 p. 120. — Irisch: Morgenblatt 1841, nr. 156, S. 623.
Ysten Sioned 1882 p. 50 'Die Eule' (Litbl. f. german. Philologie
1883, 154). Folk-lore Record 4, 108 (1881). Thompson, Birds of
Ireland 2, 350. Kelly, Curiosities of indo-european folk-lore p. 78
(Dähnhardt, Natursagen 4, 171). — Französisch: Sebillot, Folk-
lore de France 3, 167. Rolland, Faune pop. 2, 293. Revue des
trad. pop. 1, 389 'L'aigle et le roitelet' (Champagne). 12, 549 'La
legende du roitelet' (Auvergne). Blade, Contes 3, 218 'L'aigle et le
roitelet'. Pradere, La Bretagne poetique p. 203. In einem bretonischen
Liede (Melusine 1, 193) kommen alle Vögel zu des Zaunkönigs
Hochzeit, nur der Adler nicht. — Italienisch: Gubernatis, Die
Tiere S. 500. Nerucci, Cincelle nr. 1 'Far'e patti' (Schluß) =
282 171. Der Zaunkönig.
Imbriani, Novellaja fior.2 p. 613. Pitre, Fiabe e leggende 1888 nr.
116 'Lu riiddu'. Pitre, Usi e costumi 3, 383 -Scricciolo e regolo'.
Ein Gedicht von Giov. Meli, L'aguila e lu riiddu. — Rumänisch:
Marianu, Ornitologia 1, 306 — 311. Papahagi p. 795 (Dähnhardt 4,
183. 171. Revue des trad. pop. 8, 595). — Serbokroatisch:
Glasnik muz. bos. herceg. 12, 347. — Slovakisch: Slov. Pohl'ady
12, 722 nr. 17. — Cechisch wird die äsopische Fabel im 16. Jahr-
hundert erwähnt: Veleslavin. Polit. S. 498, vgl. Flajshans, Pfislovi 1,
632. Sumlork 1, 182. — Wendisch: Zs.Luzican 1877,62. Schulen-
burg, Volkssagen S. 81 'Der Zaunkönig'. Veckenstedt S. 424.
— Polnisch: Zbiör 5, 166 (Dähnhardt 4, 171). Knoop, Tier-
welt S. 57 nr. 489. — Kleinrussisch: Dragomanov p. 386 = Bulasev
p. 474. Jastrebov p. 19 (Dähnhardt 4, 168. 183; vgl. Sumcov, Sovrem.
malorus. etnografija 2, 19). In Nordungarn Verchratskyj S. 113. 114.
119. 122. 127. 144. 164. Ihnatyj z Niklovyc S. 96 nr. 25 = Etnogr.
Zbirnyk 12, 28 nr. 29. Etnograf. Zbirnyk 37—38, 362 nr. 266. 37—38,
410, nr. 311. — Litauisch: Jurkschat 1, 41 nr. 11 'Der
Eule Wachsamkeit'. Mitt. der litau. literar. Gesellschaft 2, 48
(1883—87) 'Der König der Vögel'. Scheu-Kurschat nr. 71 'Der
Zaunkönig wird König der Vögel'. Dowojna Sylwestrowicz 2, 326
(Z. von Kwarabas zum Gott der Vögel bestimmt).
Verschiedentlich ist an die Stelle des Zaunkönigs ein andrer
kleiner Vogel getreten: ein Rotkehlchen in der griechischen
Überlieferung bei Politis, UaQaöÖGEig nr. 33! und in der bretonischen
bei Sebillot, Traditions 2, 215 (beree); ein Kuckuck im Klein-
russischen (Cubinskij 1, 763); der Popek (pyrotula maior), der auf
einer Taube übers Meer fliegt, im Polnischen (Swie^tek S. 588 nr. 13);
ein Habicht im Rumänischen (Jacimirskij, Skazocnoje bogatstvo
S. 96); eine Nachtigall im Rumänischen und Magyarischen (Marianu
J, 314. Revue 8, 595 *); ein Hänfling bei den Ojibway in Nord-
amerika (Swainson, Folk-lore of british birds p. 65. Algic rcsearches
2, 216); ein Kolibri bei den Malaien (Bezemer, Volksdichtung S. 388
'Die Vögel erwählen sich einen König' — Bijdragen tot de taalkunde
van Nederlandsch Indie 45, 230 nr. 17. 1895); eine Fledermaus
bei den Schweden in Finnland (Allardt nr. 109) und bei den Mongolen
(Potanin, Ocerki 4, 173. Potanin, Okraina 2, 313 nr. 2. Dähnhardt
4, 169); der kleine Vogel Bogorgeno bei den Mongolen (Potanin
4, 629 = Sumcov, Sovrem. malorus. etnogr. 2, 20). In einem
kaby lischen Märchen bei Riviere p. 139 prahlt der Zaunkönig
171. Der Zaunkönig. 283
gegenüber dem Kamel, in einem jüdischen aus dem Gouv. Jelisavetpol
(Sbornik kavkaz. 18, 3, 151) dünkt sieb die Ameise auf der Hand
Salomos als das Mächtigste.
Zum Eingange unsres Märchens vergleiche man die Deutung
der Handwerksgeräusche bei Hoffmeister, Hessische Volks-
dichtung 1869 S. 109; der Schleifstein ruft 'He tauget nix, un sä
tauget nix', der Pechdraht des Schusters 'Erbsen und Speck die mag
ich nicht', der Hammer des Schmiedes 'Sinn se balde weiche', die
Nadel des Schneiders 'Hätt ichs', der Hobel des Schreiners 'Da host
es'. Ähnlich Reusch, Samland 1863 S. 127; Haltrich, Zur Volkskunde
der Siebenbürger 1885 S. 151. Über die Mühlradsprache
handelt J. Grimm, Kl. Schriften 7, 163 = Zs. f. dt. Altertum 5, 511;
Toppen, Neue preu_ß. Provinzialblätter 1846, 436; Wackernagel, Variae
voces animantium 1869 S. 11 und Kl. Schriften 3, 4; Böhme,
Deutsches Kinderlied 1897 S. 229; Manderssen, Jocoseria 1689 nr. 79
(Guarna, Bellum grammaticale 1908 S. *25). Über die Deutungen
der Vogelrufe s. Wackernagel, Variae voces S. 12 und Kl.
Schriften 3, 3. 197; Rochholz, Alemannisches Kinderlied 1857 S. 75;
Böhme, Kinderlied S. 218; Wossidlo, Mecklenburg. Volksüber-
lieferungen 2, 45; Dähnhardt, Natursagen 3, 355.
Bedeutsam drückt die Formel 'Als noch die Tiere
sprachen' den Untergang eines im Glauben der Poesie einstmals
vorhandenen engeren Verkehrs mit den Tieren aus. Schon Aimoin,
De gestis Francorum 1, c. 10 (Bouquet, Recueil des historiens des
Gaules 3, 35. 1741) sagt: 'Eo in tempore, quo humanae copia eloquentiae
eunetis inerat animantibus terrae'. Einfacher ausgedrückt in den
Chroniques de Saint Denis 1, c. 13 (Bouquet 3, 165): 'En ce tems,
que les bestes parloient'. Rabelais, Gargantua 2, c. 15: 'Au temps
que les bestes parloyent, ü n'y ha pas trojrs iours'. Fischart,
Gargantua c. 36 (1891 S. 356): 'In illo tempore, da die Thier redten'.
Waldis, Esopus 1548 1, nr. 39: 'Vor Zeiten, als die Beume redten,
wie auch daselbs die Steine theten.' Straparola, Facetieuses nuits
13, nr. 1 (1857 2, 341): 'Au tems passe, que les bestes parloient.'
Croce, Bertoldop. 39: 'Quando le bestie parlavano'. Rückert, Die Beichte
der Tiere: 'Als die Tiere noch sprachen' (Poetische Werke 1868 3,
93. Nach Swift). Rußwurm, Sagen aus Hapsal 1861 S. 188: 'Vor
Alters konnten die Bäume reden'. F. Müller, Siebenbürgische
Sagen 1885 nr. 224: 'Es gab eine Zeit, da konnten alle Tiere sprechen.'
284 172. Die Scholle.
1S56S.247. 172, Die Scholle.
1840 nr. 172. — Nach Mussäus, Jahrbücher des V. f. mecklen-
burgische Geschichte 5, 77 nr. 2 'Die Königswahl unter den Fischen'
(1840) = Firmenich 1, 71 = Raabe, Plattdeutsches Volksbuch 1854
S. 154 — K. Schiller, Zum Tier- und Kräuterbuch 3, 21 (Schwerin
1864) = Bartsch 1, 518 nr. 26 = Sloet, De dieren 1888 S. 374;
vgl. Hamann. Die literarischen Vorlagen 1906 S. 88. — Gereimt 1859
von F. Reuter, De Afgunst (Läuschen un Rimels 2, nr. 59 = Werke
hsg. von Seelmann 1, 360). Nacherzählt von Beckstein, Neues
Märchenbuch18 1871 nr. 23 'Der Fischkönig'. Toppen, Neue preuß.
Provinzialblätter 1846, 447. Untersucht ist das Märehen von A. v. Löwis
bei Dähnhardt, Natursagen 4, 192—197 (1912).
Westfälisch: Kuhn, Sagen aus Westfalen 2, 80 'Die Flunder'.
Mecklenburgisch: Wossidlo 2, 23 und 346 nr. 104. P om-
ni er is eh.: Jahn, Volkssagen nr. 598 'Die Flunder'. Riehl, Land und
Leute S. 117. Asmus-Knoop S. 70 'Warum die Flunder ein schiefes
Maul hat'. Haas, Rügensche Sagen 1891 nr. 149 'Die Steinbutte' =
1903 nr. 180 = 1912 nr. 183. Haas, Pommersche Sagen nr. 208
•Die Scholle bei der KönigswahP = C. Gilow, DeDiere 1871 S. 538.
Blätter f. pomm. Volkskunde 2,151. 5,139.8,42. 9, 41. — Friesisch:
C. Johansen, Die nordfriesische Sprache 1862 S. 28. Kern-Willms,
Ostfriesland wie es denkt 1871 nr. 604 (Scholle ärgert sich über die
Garneele). — Niederländisch: Dykstra 2, 139 'De haring en de
bot'. Joos 1, 29 'Van den bot en zijn smoeleken'. Ons volksleven
J, 56 'Waarom de pladijs nen krommen snuit heeft' — Cornelissen-
Vervliet p. 224. De Mont & de Cock, Vertelsels p. 97 'Waarom de
bot een scheef muiltje heeft'. — Schwedisch: Hylten-Cavallius,
Wärend 2, XIX (die Flunder nennt den Hecht häßlich). — Eng-
lisch: Folklore Journal 4, 16 'The herring and the flounder'. In
einer Lobrede auf den Hering erzählt Thomas Nashe, Leuten Stuffe
1599 (Works ed. by McKerrow 3, 201. 1905. E. Phipson, Animal lore
of Shakespeare' s time 1883 p. 372), wie die Fische, denen die Vögel
wegen der Ermordung eines Falken den Krieg erklärt haben, sich
einen König wählen. Die Wahl fällt, da Walfisch und Delphin über
die drohende Gefahr nur spotten, auf den Hering, der seitdem eine
173. Rohrdommel nnd Wiedehopf. 285
kleine Krone auf dem Kopfe trägt *). Aber die Scholle und der Butt
stimmen nicht in den Heilruf auf den neuen König ein, sondern
ziehen ein schiefes Maul, und zur Strafe dafür behalten sie das
schiefe Maul.
Einige von den hier genannten Fassungen dieser Herleitung
des schiefen Mauls der Scholle erwähnen die Königswahl nicht,
sondern nur das Wettschwimmen2). Dähnhardt (Beiträge zur ver-
gleichenden Sagen- und Märchenforschung, Progr. Leipzig 1908 S.42)
stellt noch andre Erzählungen von einem Wettschwimmen zusammen,
bei dem der Kaulbarsch gleich dem Zaunkönig in nr. 171 oder
dem zu nr. 187 erwähnten Krebs sich an den Schwanz seines Gegners,
des großen Lachses, festbeißt oder festbindet : lettisch bei Lerchis-
Puschkaitis 5, 59 = Zivaja Starina 5, 443; schwedisch bei Aberg
nr. 197 und in Hackmans Register nr. 250; finnisch bei Schreck
S. 238 und in Aarnes Register nr. 250; lappländisch bei Friis nr. 2
= Poestion nr. 4.
175. Rohrdommel und Wiedehopf. lsses. 247.
1840 nr. 173. — Nach Muss aus, Jahrbücher des V. f. mecklenb.
Geschichte 5, 77 nr. 3 'Die Kuhhirten' (1840) = Bartsch 1, 520
nr. 31. Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 88 und
Singer, Schweizer Märchen 1, 45.
Aus dem A arg au bei Rochholz, Alemannisches Kinderlied 1857
S. 91 = Sutermeister nr. 56 'Die beiden Hirten'. Aus der Alt-
mark bei F. Schwerin, Vöggel-Sproak un Snack 1858 S. 19 'Huppk
un Drossel' (gereimt). Aus der Mark Brandenburg bei
Engelien-Lahn S. 111 nr. 1 'Wiedehopf, Kuckuk und Wild-
J) Ein Gedicht des 17. Jahrh. bei Toppen, Volkstümliche Dichtungen
1873 S. 83 = Altpreuß. Mtschr. 9, 524 beginnt : 'Hering in aller Welt ich
heiß, über alle Fische hab ich den Preiß, bin ihr König von großer
Macht'. Bei Dykstra 2, 139 singt der siegreiche Hering : 'Haring, haring
spant de kroon boven alle visschen schoon.' — Dagegen trägt nach
P. Lauremberg (Verneuwerte Acerra philologica 1650 S. 517. 3, nr. 80)
nur der König der Heringe ein Zeichen gleich einer Krone am Kopfe.
2) Eine estnische Sage (Dähnhardt 3, 25) leitet das schiefe Maul
der Butte aus einer spöttischen Antwort her, die sie Gott gegeben hat.
286 174. Die Eule.
taube'. Aus Mecklenburg bei Wossidlo 2, 45 'Rohrdommel
und Wiedehopf. *W. Heyse, Punschendörp S. 129. Aus
Pommern bei Drosihn, Deutsche Kinderreime 1897 nr. 146.
Aus Ostpreußen bei Frischbier, Altpreuß. Mtschr. 22, 290. Lemke
2, 19 (Bruchstück). — Dänisch: Kristensen, Danske Sagn 2, 205
nr. 63 (Schnepfen). — Rumänisch: Marianu, Ornitologia 2,165. —
Polnisch aus Kujawien: Knoop, Volkstümliches aus der Tierwelt
1905 S. 54 nr. 476 (zwei Bauern in Wildtaube und Wiedehopf ver-
wandelt).
Vgl. Dähnbardt, Natursagen 3, 394 und Wossidlo 2, 362.
1856 s .247. 174. Dic Eule.
1840 nr. 174. — Aus Kirchhofs Wendunmut 1 nr. 167 (1563.
Neudruck von Oesterley 1869), den auch Seifart, Sagen aus Hildes-
heim 1854 S. 112 benutzt; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen
1906 S. 88.
Kirchhof, der das Geschichtchen mitten unter einer Reihe von
Stichelschwänken auf einzelne Ortschaften anführt, benennt auch
die 'kleine Stadt' genauer; es ist das durch seine tapfere Verteidi-
gung gegen den Herzog Erich von Braunschweig in der Hildesheimer
Stiftsfehde (1519 — 1522) bekannte Schloß und Städtlein Peine, das
eine Eule im Stadtwappen führte und deshalb in den zeitgenössischen
Liedern als das Ulennest oder die Ule bezeichnet wird (Liliencron,
Die historischen Volkslieder 3, 271 nr. 324. 332—334. Lüntzel, Die
Stiftsfehde 1846 S. 273). In Daniel Fridericis Komödie Tobias
(Rostock 1637 S. 60) flucht der Narr: 'Gath, dat ju d'Stört vnd Süke
röhr, Gaht, dat ju d'Vhl van Pein wegföhr!' Spottlustige Nachbarn
übertrugen darum auf Peine den verbreiteten Schwank von der Ve r-
brennung eines Hauses1), in dem sich ein vermeintes, menschen-
fresserisches Tier befindet; vgl. oben 2, 721. — Schon bei Bebel,
*) Wie die Stadt Wimpfen niederbrannte, weil ein Esel, dem eine
Ente (aga) in den After gebissen, an einem Feuer vorüber in die Scheune
lief, erzählt Konrad Derrer 'De mirabili combustione' (Zs. des histor. V.
f. Schwaben 31, 102). Über den Schwank von der durch die Katze
angezündeten Scheune vgl. Zs. f. Volkskunde 26, 8. 370.
174. Die Eule. 287
Facetiae 2, nr. 144 (1508) 'De quodam histrione' wird ein Kalb auf
diese Weise umgebracht, weil man es im Verdacht hat, den Land-
fahrer bis auf die Füße aufgefressen zu haben; dieser aber hatte
einem Gehängten die Stiefel samt den Füßen abgeschnitten und
letztere im Nachtquartier zurückgelassen. Danach Gastius, Convi-
vales sermones 1543 1, 124; Larivey in der französischen Übersetzung
Straparolas (Les facetieuses nuits 1573 12, nr. 3 = 2, 334 ed. 1557
'Un basteleur, ostant les chausses ä un pendu, lui couppe les pieds'
etc.), Thresor des recreations, Rouen 1611 p. 76, M. de Roquelaure,
Roger Bontems en belle humeur 1757 2, 42; Domenichi, Facetie,
motti e burle 1581 p. 26; Franta, Frantova prava 1518 = ed. Zibrt
1905 S. 16; vgl. Spina, Die alttschechische Schelmenzunft 1909 S. 158.
Unabhängig von Bebel ist wohl das Meisterlied von einem Freyhet
und von Cuntz Zwergen (Goedeke, Liederbuch aus dem 16. Jahrh.
1867 S. 363 = Ambraser Liederbuch 1845 nr. 139), auf dem das
Fastnachtspiel von Contz Zwergen (Keller, Fastnachtspiele Nachlese
1858 S. 17 nr. 123) und zwei Schwanke des Hans Sachs (Fabeln 5,
112 nr. 675 'Der Freihirt mit dem Kalb' 1550. Fabeln 2, 136 nr. 239
'Warumb die Pauern Lanczknecht nit gern herbergen' 1559 = Folio
2, 4, 104 b) beruhen. Grimmeishausen, Landstörtzerin Courage cap.
26 (1670) = 3, 308 ed. Keller = 3. 130 ed. Kurz = 1, 108 ed.
Tittmann. Ernst Wohlgemuth, 500 frische Hauptpillen 1669 S. 71.
In neueren Volksschwänken wird nur das Kalb umgebracht, aber
nicht das Haus angezündet: schweizerisch im Schweiz. Archiv f. Vk.
5, 126 'Die Stiefel mit den Totenbeinen'. Stöbers Alsatia 1875, 205;
danach Reinhart, Bassledang 1877 S. 14 'Das Schneiderlein von
Hagenau'; hessisch Zs. f. dt. Mythologie 3, 36 = Firmenich 3, 558
'Der Fuhrmann'; schlesisch Zs. f. Volkskunde 21, 138 'Die Geburt
des Kalbes'; oldenburgisch Strackerjan 2, 362 = 2. Aufl. 2, 509 'De
Mann un dat Kalf ; pommerisch Bl. f. pomm. Volksk. 7, 120. 8, 104.
9, 50; ostpreußisch Neue preuß. Provinzialblätter 12, 173 (1851).
Dänisch: Tuxen, Molbo-historier 1866 S. 93 'Menneskerederen'.
Schwedisch: Allardt nr. 207 — 208 'Huru Bemböle fikk namn'. Hack-
mans Register nr. 1281. Isländisch: Arnason 2, 531. Irisch:
S. Lover, Legends and stories of Ireland 1848 1, 171 'Paddy the
piper'. Polnisch : Mik. Rej, Facecye (nach Brant), vgl. Chrzanowski
in Rozprawy der Krakauer Akademie, philo!. Kl. 2. Ser. 8, 354(1894).
Finnisch : Aarnes Register nr. 1281.
Auch den Ganslosern und Laien (Laiebuch 1597 cap. 44, S. 141
288 175. Der Mond.
ed. Bahder) sagte man nach, daß sie die teuer erkaufte Katze in-
folge einer mißverstandenen Auskunft für ein menschenfressendes Un-
geheuer hielten und darum das Haus, in dem sie saß, in Brand
steckten; vgl. oben 2, 72. — In den Exempla des Jacques de Vitry
ed. Crane p. 128 nr. 306 und in Paulis Schimpf und Ernst 1522
nr. 37 zündet ein ungeduldiger Narr, um der Fliegen plage in
seinem Hause ledig zu werden, das Haus an. Ebenso H. Sachs, Der
Pauer mit den Mücken (1551. Fabeln ed. Goetze 5, 229 nr. 74G),
Fischart, Flöhhatz 1573 v. 3459 (Scheuer der Patten wegen ver-
brannt), Gargantua 1575 c. 27 (1891 S. 291. Scheuer, Mäuse) und
Sebiz, Von dem Feldbau 1579 S. 8. Pollenhagen, Froschmeuseler
2, 2, 15 v. 139 (Fliegen). Fabulae Aesopicae ed. Camerarius 1570
p. 330 'Rusticus et muscae'. Lundorp, Wißbadisches Wisenbrünlein
2, nr. 5 (1611. Mühle). Peregrination oder Reyse-Spiegel 1631 S. 55
(Berlin Yt 8291). Schottelius, Bellum grammaticale 1673 S. 41
(Mücken). Die deutschen Mundarten ed. Frommann 2, 5471 (1855.
Spillkäfer: Wenn das nicht für die Wanzen ist). E.Meier, Vm. aus
Schwaben nr. 15 'Der Spielmann und die Wanzen'. Menghin, Aus
Südtirol 1884 S. 166. Schell, Bergischer Volkshumor 1907 S. 62
(Wenn das nicht gut für die Wanzen ist). Merry tales of the mad
men of Gotham nr. 6 (Hazlitt, Shakespeare's Jestbooks 3, 9).
Wesselski, Nasreddin 1, 72 nr. 137 (Flöhe) und 1, 244 (Mäuse).
1^56 s. 247. 175. Der Mond.
1857 nr. 175 eingesetzt für 'Das Unglück' (unten nr. 175a). —
Nach Pröhle, Märchen für die Jugend 1854 nr. 39 'Das Monden-
licht'; vgl. Pröhle, Allgem. Monatsschrift f ür Wiss. und Lit. 1854, 535.
Das Stück atmet, sagt W. Grimm, den Geist der ältesten Zeit
und könnte im finnischen Epos Kalevala, Rune 47 vorkommen:
Louhi, die auch den Sampo im Kupferberg verbarg, nimmt Sonne
und Mond gefangen. In einem Märchen aus der Gegend von
Archangelsk (Salmelainen 2, 1—28. Schiefner, Bulletin de l'Acad. imp.
de St. Petersbourg 12, 374. 1855) sind Sonne, Mond und Morgenrot
schon drei Jahre in der Gewalt dreier Drachen ; sie leuchten nur so
lange, als die, welche sie geraubt haben, aus dem Meer ans Ufer
175 a. Das Unglück. 289
kommen, um eine Königstochter in Empfang zu nehmen. Die drei
Drachen werden nacheinander von drei kühnen Jünglingen mit Hilfe
von Wölfen getötet, und damit Morgenrot, Mond und Sonne der Welt
wiedergegeben. Nach einer weißrussischen Überlieferung bei
Federowski 2, 269 nr. 301 fingen drei starke Brüder den ursprünglich
niedrig hängenden Mond und banden ihn an eine Eiche, damit er
nur ihnen leuchte; als die Menschen über die Finsternis klagten,
ließ Gott durch einen Engel den Mond hoch am Himmel aufhängen.
Die Bulgaren (Sbornik min. 13, 3, 183 nr. 2) erzählen, einst habe
der Mond dicht über der Erde gestanden und so stark wie die Sonne
geleuchtet ; da bewarf ihn ein Weib mit Kuhmist, so daß er Flecken
bekam, und Gott hob ihn empor. Ähnlich wotjakisch: Zivaja
Starina 10, 196. In einem englischen Märchen 'The buried moon'
(Folk-lore 2, 157 = Jacobs, English fairy tales 2, 102 nr. 66) wird
die Mondfrau, wie sie verhüllt durch die Sümpfe wandert, von den
Ungeheuern der Nacht an einen Baum gefesselt und mit einem Fels-
block bedeckt; als die Menschen endlich ihre Freundin befreien
wollen, rät eine weise Frau ihnen, einen Stein in den Mund und
einen Haselzweig in die Hand zu nehmen und an dem Ort zu suchen,
wo ein Sarg, ein Kreuz und ein Licht steht ; das tun sie, heben den
Stein und befreien die Gefangene. — Über Narrenschwänke von der
vermeintlichen Rettung des Mondes vgl. R. Köhler 1, 498 und
Wesselski, Nasreddin 1, 241.
175 a. Das Unglück.
(1840 nr. 175.)
Wen das Unglück aufsucht, der mag sich aus einer Ecke in die
andere verkriechen oder ins weite Feld fliehen, es weiß ihn dennoch zu
finden. Es war einmal ein Mann so arm geworden, daß er kein Scheit
Holz mehr hatte, um das Feuer auf seinem Herde zu erhalten. Da gieng
er hinaus in den Wald und wollte einen Baum fällen, aber sie waren
alle zu groß und stark; er gieng immer tiefer hinein, endlich fand er
einen, den er wohl bezwingen konnte. Als er eben die Axt aufgehoben
hatte, sah er aus dem Dickicht eine Schar Wölfe hervorbrechen und mit
Geheul auf ihn eindringen. Er warf die Axt hin, floh und erreichte eine
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 19
290 176. Die Lebenszeit.
Brücke. Das tiefe Wasser aber hatte die Brücke unterwühlt, und in dem
Augenblick, wo er darauf treten wollte, krachte sie und fiel zusammen.
Was sollte er thun? Blieb er stehen und erwartete die Wölfe, so zer-
rissen sie ihn. Er wagte in der Not einen Sprung in das Wasser, aber
da er nicht schwimmen konnte, sank er hinab. Ein paar Fischer, die an
dem jenseitigen Ufer saßen, sahen den Mann ins Wasser stürzen,
schwammen herbei und brachten ihn ans Land. Sie lehnten ihn an eine
alte Mauer, damit er sich in der Sonne erwärmen und wieder zu Kräften
kommen sollte. Als er aber aus der Ohnmacht erwachte, den Fischern
danken und ihnen sein Schicksal erzählen wollte, liel das Gemäuer über
ihn zusammen, und erschlug ihn.
Aus Kirchhofs Wendunmut 1, nr. 178 'Von einem, der ins
holtz gieng' (1563, Neudruck von Oesterley 1869), der aus dem
Buch der Beispiele der alten Weisen (ed. Holland 1860 S. 22)
schöpfte, das wiederum auf das arabische Kaiila und Dimna (Silvestre
de Sacy 1816 1, 4. Knatchbull 1819 p. 86. Ph. Wolff 1837 S. 5)
zurückgeht; vgl. Benfey, Pantschatantra 1, 99. 2, 529; Kalilag und
Damnag ed. Bickell S. CVI; Chauvin 2, 86 nr. 19 und 8, 79 (Syn-
tipas nr. 49) ; Liebrecht, Zur Volkskunde S. 32 (zu Grualtherus Mapes
2, 19) und S. 112 (zu Avadänas nr. 20). — Oesterley vergleicht noch
Luscinius, Joci 1524 p. 207 ; Cognatus, Narrationum silva 1567 p. 66
und Vartan, Fables 1825 nr. 40. — Im Wendunmut wird der Tage-
löhner durch seine Habsucht unglücklich, während die Brüder Grimm
die Unabwendbarkeit des Schicksals betonen; vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen 1906 S. 89.
i^ s. 248. 176. Die Lebenszeit.
1840 nr. 176. Dieses Märchen erzählte ein Bauer aus Zwehrn
bei Kassel auf dem Feld im Jahr 1838.
Merkwürdigerweise kommt es auch bei Babrios (nr. 74.
Halm, Fabulae Aesopicae nr. 173 "Innoc,, ßovg, xiiov xal äv&Qümog)
vor mit einigen Abweichungen. Nicht Esel, Hund und Affe treten
darin auf, sondern Pferd, Stier und Hund. Sie erscheinen zitternd
vor Frost bei dem Hause des Menschen, der ihnen seine Türe
öffnet und sie an seinem Feuer sich wärmen läßt. Dem Pferd gibt er
Gerste, dem Stier Hülsenfrucht, dem Hund Speise von seinem Tisch.
176. Die Lebenszeit. 291
Dankbar für die erwiesene Wohltat, machen sie dem Menschen ein
Gastgeschenk, indem sie ihm einen Teil ihrer Lebensjahre überlassen.
Das Pferd sogleich, darum ist der Mensch in der Jugend übermütig,
dann der Stier, darum müht sich der Mensch in der Mitte des
Lebens und sammelt Reichtümer. Der Hund schenkt die letzten
Jahre, darum sind die Alten immer mürrisch, schmeicheln nur dem,
der ihnen Nahrung gibt und achten die Gastfreundschaft gering.
Unser Märchen ist bedeutungsvoller an sich und innerlich zusammen-
hängender als das griechische; die Abgabe der Jahre wird natürlicher
begründet, denn man weiß dort nicht, wie der Mensch, dessen Alter
man nicht erfährt, und dem Mut und Freudigkeit nicht zu fehlen
scheint, Gebrauch von dem Geschenk des Pferdes machen soll. (Vgl.
W. Grimm, Kleinere Schriften 4, 389 und 395 — Zs. f. dt. Altertum 12,
228. 1865). Dem hessischen Märchen steht ein lateinisches Gedicht des
Spaniers Jayme Juan Falco (1522 — 1594) 'De partibus vitae' näher
(Falconis Opera poetica, Mantuae Carpentanorum 1600 Bl. 60 — P.
Köhler 1, 43 = Jahrbuch f. Litgeschichte 1, 197. 1865). Auch hier
bestimmt der Schöpfer (Juppiter) die Lebenszeit der Menschen und
des Esels auf dreißig Jahre, nimmt aber dem Esel auf seine Bitte
zwanzig Jahre ab, dem Hunde fünfundzwanzig von seinen 40 und
dem Affen sechzehn von seinen 24 und legt sie dem Menschen zu.1)
Hinc homo ter denos cum nondum venit ad annos,
30 Cantat, amat, donat, semper gaudere paratum
Pectus habet, sequitur pompas, convivia, ludos,
Morborum ignarus, curarum funditus expers
Nimirum vivit sua tempora. Cum tarnen itur
Ulterius paulum atque asini iam vivitur aevum,
35 Nil oneris fugimus, nihil evitamus acerbi,
Ut res hie illic partas censusque novos ad
Tecta reportemus, memores natüm atque nepotum.
Quinquaginta annos cum vita attingit et ultra
Progreditur, canis est actus, atque eius avarum
40 Venimus ad morem, iam non augemus ut ante,
Sed servamus opes et nobis parta negamus.
Extremum vitae est, quod simia sponte reliquit
l) Die verschiedene Lebenslange der Tiere stammt wohl nur aus
dem Wunsche des Dichters her, den lateinischen Ausdruck zu variieren
(tot annos, quot sunt in mense dies — Septem lustra et semis — Olympiades
sex — triginta autumnos).
19*
292 176. Die Lebenszeit.
Et misero transscriptum homini est. Hinc ora manusque
Sulcatus rugis aevoque ligatus et annis,
45 Non facti est dictive capax, non aptus ad ullnm
Vel belli vel pacis opus, tantum modo parvis
Neptibus indulget, gaudet mulcere nepotes,
Illorum irridet nugas, ridetur et illis.
Auf Falco geht vermutlich eine französische Fabel von Delaunay
(La verite fabuliste, comedie, avec un recueil de fables, 1731. Fable 1)
'Jupiter et les animaux' zurück, die von Hagedorn (Werke 1757
2, 115 = 1768 3, 45 'Jupiter, die Tiere und der Mensch') ins
Deutsche und von Ben Seeb (1764 — 1811. In der Zs. Meassef 5,
388, Königsberg 1788: 'Die Lebenstage des Menschen'; vgl.W. Grimm,
Kl. Sehr. 4, 396) ins Hebräische übertragen wurde. Bei Hagedorn
werden dem Hunde 25 Jahre von 35, dem Affen 8 von 24 ab-
genommen, bei Ben Seeb dem Affen 10 Jahre von 20. Bei
Aurbacher Ein Volksbüchlein (1827. 1835. 1879 1, 58 'Die Tiere
und der Mensch') erhalten alle drei Tiere gleichmäßig 30 Jahre und
geben jedes 20 davon zurück. Aus Pommern bei Jahn, Schwanke
und Schnurren S. 42 'Die Lebensalter' (der Mensch erhält 20 Esels-
jahre, zehn Hunde- und zehn Affenjahre). E. V., Des Menschen
Lebensjahre, eine alte Legende (Das neue Blatt 1880, 586). E.
Redenhall, Der Mensch und seine Jahre (Allgem. deutsche Criminal-
zeitung 9, 12. 1885). Dorfzeitung (Hildburghausen) 1882 nr. 237
S. 1243. — Italienisch: De Nino, Usi abruzzesi 4, 3 'Dopo la
creazione degli animali, l'etä dell'uomo'. — Serbokroatisch: Bos.
Vila 2, 170 (1887. Je 20 Jahre von Esel und Hund, 10 vom Affen).
— Bulgarisch: Sbornik min. 2, 168 = Sapkarev S. 337 nr. 194 =
Strauß, Die Bulgaren S. 43 'Die Verteilung der Lebensjahre' (Ochs,
Hund, Affe geben je 20 Jahre) = Schischmanoff, Legendes religieuses
1896 p. 36 nr. 28. — Cechisch aus Böhmen: Slavia 1873, 2, 2
(je 25 Jahre von Esel, Hund und Affen). — Kleinrussisch: Etnogr.
Zbirnyk 37—38, 324 nr. 244. 245. Etnogr. Obozr. 13—14, 91 =
Bulasev S. 144. — Litauisch: Scheu-Kurschat nr. 61 'Das Alter
des Menschen' (Pferd, Hund, Affe).
Das Märchen wurzelt in der verbreiteten Vergleichung mensch-
licher Charaktere und Altersstufen mit Tieren (Zs. f. Volkskunde
17, 437). Nach dem Midrasch Koheleth (Landsberger, Die Fabeln
des Sophos, syrisches Original des Syntipas 1859 S. LIX) gleicht
der Mensch anfangs einem Königssohne, dann einem Schweine, zehn-
177. Die Boten des Todes. 293
jährig einem Böcklein, zwanzigjährig einem Blosse, später einem Esel,
Hunde und Affen. Wie hier finden wir in Sprüchen und Bildern
des 15. und 16. Jahrhunderts häufig jene drei symbolischen Tier-
gestalten zu einer zehngliedrigen Eeihe erweitert, so etwa im
Liederbuche der Hätzlerin S. LX1X: Kitz, Kalb, Stier, Löwe, Fuchs,
Wolf, Katz, Hund, Esel, Gans. Vgl. Wackernagel, Die Lebensalter
1862 S. 35. Zacher, Zs. f. dt. Phil. 23, 401. Wickram, Werke 5,
XVIII. Englert, Zs. f. Volksk. 15, 399. 17, 16. E. van Heurck,
Imagerie populaire flamande 1910 p. 59. 441. Radioff, Volksliteratur
der türk. Stämme 6, 191 'Die kluge Wesirstochter'. Serbokroatisch
Bos. Vila 7, 29: mit 20 Jahren ist der Mensch unschuldig wie ein
Lamm, mit 30 wild wie ein Wolf, mit 40 klug wie ein Fuchs, mit
60 sanft wie ein Schaf, mit 100 gebrechlich wie ein Ei.
177. Die Boten des Todes. isss s. 349.
1840 nr. 177. — Nach Kirchhof, Wendunmut 1, 2, nr. 124
(1563, Neudruck von Oesterley 1869). Paralleler Abdruck der Vor-
lage und der Grimmschen Fassung bei Hamann, Die literarischen
Vorlagen 1906 S. 129, vgl. S. 90. — Eine Untersuchung 'Death's
messengers' von R. Morris im Folk-lore Journal 7, 179 — 191.
Schon der englische Dominikaner Johannes von Bromyard
(f um 1390) berichtet in seiner 'Summa praedicantium' (Druck o. J.
im Artikel 'Mors'; M 11, 5) wohl nach älteren Quellen: 'Quidam
pepigit cum Morte fedus (cum illis, qui dicunt: Percussimus fedus
cum morte, Esaie 28), quod nullo modo eum toll er et, nisi prius tres
vel quattuor nuncios ei mitteret. Accidit postmodum socium illum
infirmari. Cui medicus veniens eum premunivit, quod animam suam
disponeret, quia signum mortis invenit in pulsu et urina; ipse etiam
dixit se perdidisse appetitum comedendi et nihil se posse retinere.
Ad quem cito post Mors intrans illum vocavit. Cui ille: Adhuc non
veniam, quia nuncios non misisti, sicut dixisti. Cui illa: Imo oranes
misi, sicut promisi. Unum namque nuncium premisi, quando febris
te agitavit; alio etiam nuncio te premunivi, quando medicus dixit
mala signa esse in pulsu et urina; tertio te premunivi per appetitus
perditionem. Iniuste ergo conquereris. Surge igitur et veni !' —
Ebenso der ungarische Franziskaner Pelbartus (Sermones de
294 177. Die Boten des Todes.
tempore, aestiv. 45 B, nach Vincentius Ferrer ; vgl. Katona, Temesvari
Pelbart peldäi 1902 S. 78) und Pauli, Schimpf und Ernst 1522
c. 267. Ausführlich erzählt Hugo von Trimberg im Renner
v. 23 711 — 769, wie ein Mann den Tod bei der Taufe seines Kindes
zu Gevatter bittet (vgl. oben 1, 379. ZfdPh. 36, 371) und die Verheißung
von ihm empfängt, er solle mehrere Boten erhalten, ehe er mit dem Tode
von hinnen müsse.1) Als nach Jahren der Gevatter erscheint und
der Mann klagt, er habe keine Botschaft empfangen, erwidert der
Tod (v. 23 745):
Do einez iuch in die siten stach Und swinde gemüete iu wonte bi,
Und do ir sprächet: Awe mir, ach, Do sande ich iu boten dri.
We mir, we, waz sol diz sin ! Do iu diu bein niht wären snel
Seht, daz was min botelin. Und do sich rimpfende wart daz vel
Do iu diu oren begonden diezen Und do diu stimme iu heiser wart
Und diu ougen überfliezen Und do iu gräwende wart der bart,
Und gein der sunnen tunkel sin, Do sande ich iu vier botelin.
Do sande ich iu zwei botelin. Gevater, ich hän die triuwe min
Do iu die zene täten we Vil wol an iu behalten.
Und iuch der huoste mer twanc denne e
Auch in Hans Sachsens Meisterlied 'Der Tod schickt eim drei
Boten' (1548. Fabeln und Schwanke 4, 399 nr. 508) ist der Tod,
Gevatter des Mannes, dem er drei Boten, nämlich graues Haar
gebeugten Rücken und Krankheit, sendet. Auf humanistischer
Erfindung beruht der Eingang der lateinischen Fabel 'De mortis
nuntiis' bei Camerarius (Fabulae Aesopicae 1570 p. 375): der Tod
(Letum), dem der starke Herakles soeben die Seele der Alkestis
wieder entrissen hat, liegt matt neben ihrem Grabe, da labt ihn ein
vorübergehender Mann aus Pherä, und zum Dank verheißt der Tod
seinem Wohltäter, ihn nicht ungewarnt aus dem Leben abzurufen.
Ganz fortgefallen ist der Vertrag zwischen Mann und Tod in
einer oft nachgeahmten Fabel des Abstemius 'De sene mortem
differre volente' (1499. Neveleti Mythologia Aesopica 1610 p. 575
nr. 99). Ebenso Waldis, Esopus 1548 3, nr. 25 'Vom alten Mann
und dem Tod'. Zachariä, Fabeln in B. Waldis Manier 1771 S. 18
l) Dagegen schließt bei Brom3Tard M 11, 6, bei Thoms in Haupts
und Hoffmanns Altdeutschen Blättern 2,78 nr. 10 und bei Wright (Latin
Stories nr. 33 'De tribus praemunitionibus' = Percy Society 8, 35. 1842)
ein Mann einen Pakt mit dem Teufel, daß er ihn vor seinem Ende drei-
mal warne; der Teufel als Bettler veikleidet macht ihn auf seine grauen
Haare, den Husten und die gebückte Haltung aufmerksam.
177. Die Boten des Todes. 295
Der Bräutigam und der Tod'. Guicciardini, Höre de ricreatione
1583 Bl. 146 a 'La morte non solo non perdonare a creatura alcuna,
ma adhora admonirne in piu modi della venuta sua' (Rinaldo
Tornaquinci) ; deutsch von Federman 1574 S. 240, französisch von
Belleforest 1605 S. 139. M. Hammer, Histor. Rosengarten 1654 S. 47.
Haudent, 366 apologues d'Esope 1547 2, nr. 156 'D'un vieil homme
et de la mort'. La Fontaine, Fables 8, nr. 1 'La mort et le mourant'.
Casalicchio, L'utile col dolce 2, nr. 4. L'Estrange, Fables 1694
nr. 350 'An old man that was willing to put off death'. Arwaker,
Select fables 1708 4, nr. 14. Desbillons, Fabulae Aesopicae 1763 7,
nr. 23 'Senex et mors'. In dem Gedichte 'The three warnings' von
Hester Thrale-Piozzi (in Anna Williams' Miscellanies 1766) will
der Tod Dobson gerade an seinem Hochzeitstage holen, gewährt ihm
aber auf seine Klagen Aufschub und verheißt, ihm vor seiner
Wiederkehr drei Warnungen zu senden. Danach Mylius, Kleine
Romane 2, 347 (1783). Vademecum für lustige Leute 3, nr. 219
(1767). Auch in einem griechischen Volksliede bei Passow
(Tqayovdia §(0[tai'xd 1860 nr. 426. Liebrecht, Zur Volkskunde
S. 184) will der Hirt dem Charos nicht ohne Boten folgen.
In der geistlichen Literatur des Mittelalters begegnet die
Mahnung, auf die Boten des Todes zu achten, häufig. Der alte
Meistersänger Barthel Regenbogen läßt sie in dem Gebet eines
Sterbenden (MSH. 3, 345 = Bartsch, Meisterlieder der Kolmarer
Hs. S. 32 = Wackernagel, Das dt. Kirchenlied 2, 263 nr. 426)
durch den Tod selber aufzählen :
Gra schöpf, gra bart, der dritte bot ist daz gegiht,
Zanlos, toup, blint, der vünfte böte sumt sich niht,
Dempfig und hust, der sehste bot ist bös gesiht,
Der sibent bot macht dich ein kint, daz du dich uiht erkennest.
Johann Gerson (Opera 3, 914. Antv. 1706) predigt: 'Vides signa
iudicii tui per Universum corpus tuum et animam tuam; caput tuum
floret et fit canum, lumen oculorum debilitatur, memoria defecit,
ingenium induratur.' Hollen (Praeceptorium 1489 Bl. 91b, 1 nach
Hugo in libro de claustro anime) nennt drei Boten des Todes:
Canicies, Infirmitas und Senectus. Bromyard (Summa praedicantium
M 11, 4): 'Mors curialius venit ad senes quam ad quoscunque alios,
sc. eos premuniendo, ne eos non paratos inveniat. Multos enim certos
nuncios premittit, sicut tisim, tussim, faciem rugosam, caniciem capitis,
296 177. Die Boten des Todes.
que secundum libros medicorum est vexillum mortis, nasum et ungulas
lividas, oculorum caliginem, dorsi inclinationem et totius corporis cum
membris suis debilitationem'. Hampole, Pricke of conscience
2, 2021: 'Or tue dede come, or his messangere . . . His messangere
may be called seknes'. Altenglisches Gedicht vou den Boten des
Todes (Archiv f. neuere Spr. 79, 432. Englische Studien 14, 182).
Väterbuch v. 33464 ed. Beissenberger. Olivier de la Mar che, Le
chevalier delibere 1488, spanisch 1565 copla 370 (Serapeum 1854, 85).
William Bullein, Dialogue against the fever pestilence 1578
(Early engl, text Society, extra series 52, 115) usw., vgl. Folk-lore
Journal 7, 188 f., auch J. Grimm, Mythologie3 S. 8072.
Der Gedanke aber stammt vermutlich aus Indien. ImAnguttara-
Nikäja 3, 35 p. 138 ed. R. Morris lehrt Buddha, daß der Sünder vor
seiner Wiedergeburt vom Todesgott Yama gefragt wird, ob er die
drei Boten des Todes, grauhaarige, kranke und verfallende Männer
und Weiber nicht gesehen habe; dann muß er bekennen, daß er
diese Boten aus Gedankenlosigkeit nicht beachtet habe, und
empfängt dafür schwere Strafen. Auch im Mahädeva-Jätaka
(Jätakas 1, 173 nr. 9) und im Anwär-i-Suhaili (transl. by
Eastwick p. 72) werden die grauen Haare als Boten des Todes
bezeichnet. Zdanov, Socin 1 , 599 Anm. erblickt im ersten Teile
des Märchens den Kampf des Riesen mit dem Tode und erinnert
an den Spielhansel (oben 2, 163); zu den Boten des Todes ver-
gleicht er Lukian, Charon c. 17 (äyysZoi tov d-aväxov).
Die neueren Aufzeichnungen des Märchens aus dem Volks-
munde beginnen alle mit dem Vertrage. Aus Bayern bei Schneller,
Mundarten Bayerns 1821 S. 443 'Die Boten des Todes'; aus Sieben-
bürgen bei Haltrich4 nr. 12 'Unser Herrgott und der Kirchenvater.
Colshorn nr. 68 'Von des Todes Boten' nach Kirchhofs Wendunmut.
— Französisch bei Du Meril, Etudes p. 473 und 464 nr. 4. —
Maltesisch bei Ilg 1, 192 nr. 54 'Der Tod und seine Gesandten'.
— Spanisch bei Caballero, Cuentos andaluces p. 83 'Juan Holgado
y la muerte' = F. Wolf, Sb. der Wiener Akad. 31, 198 = Caballero,
Ausgew. Werke 16, 147 (verbunden mit Gevatter Tod, oben 1, 385). —
Kroatisch im Ausland 1875, 593; doch tritt hier die Pest (Mora) an
Stelle des Todes auf, ihre Boten sind Fieber, Schwindel, Augen- und
Ohrenschwäche. — Abessinisch bei Guidi, Giornale della soc.
asiatica italiana 5, 81 (1891): 'II ricco e la morte'; die Boten sind
178. Meister Pfriem. 297
liier der Tod der Ziege, der Hunde, der Kinder und der Frau.
Nach Rene Basset (Revue des trad. pop. 7, 408) kommt diese
Erzählung im Orient sonst nicht vor, sondern ist aus Europa in
Abessinien eingedrungen.
178. Meister Pfriem. lms-w.
1843 nr. 178. — Nach einer Erzählung in der Neusten Kinder-
bibliothek (Hildburghausen 1827) 2, 143 f. von W. Grimm im
Berliner Taschenbuch hsg. von H. Kletke, A. Duncker, E. Hänel
1843, S. 168 — 173 mit einem Kupfer von Hosemann veröffentlicht.
Der Hildburghauser Anonymus fußt aber offenbar auf Aurbachers
'Volksbüchlein' (München 1827. — 2. Aufl. 1835 S. 74. 3. Aufl. 1879
1, 60 'Hans Pfriem'), wo der Held noch richtig als Fuhrmann und
nicht als Schuster bezeichnet ist. Auf Aurbacher geht auch die
metrische Bearbeitung von L. Wiese (Sagen- und Mährchenwald im
Blüthenschmuck 1841 S. 257 'Hans Phriem' = Kindermärchen 1867
S. 211) zurück.
Dieser Typus eines naseweisen Nörglers und Besserwissers war
eine volkstümliche Gestalt des 16. und 17. Jahrhunderts. Eine von
0. Schade (Satiren und Pasquille aus der Reformationszeit 3, 139.
1858) abgedruckte Flugschrift 'Klag und antwort von Lutherischen
und Bebstischen pfaffen über die Reformacion, so neulich zu
Regenspurg der priester halben außgangen ist im Jar 1524' enthält
die Stelle : 'Welche leer euerm gewalt, eer und herligkait mer dienet
und füglicher ist, gott geb sie sei auß gott oder auß dem teufel, es
habs Claus Narr oder Niclas Pfriem geredt, die nempt ir an'.
1681 schildert der bayrische Chorherr Johann Albert Poyssl von
Loifling in einem Gedichte diesen Niclas Pfriem ausführlicher als
einen 'feinen' Mann, der sich in alle Händel mische, alle Pfifferling
aufrühre, alle Bäche trübe und alles durch die Hechel ziehe ; in
einem zweiten Teile v. J. 1682 berichtet er, wie Pfriem auf seine
Bitte von Petrus in den Himmel gelassen wird unter der Bedingung,
daß er nicht schmäle, schnarche und das Maul bere.
Ein halben Tag kaum Niclas war
Im. Himmel stül gesessen,
Schaugt auf die Welt herab ohn Gefahr,
Seines Gelübds vergessen.
298 178. Meister Pfriem.
Sach, wie ein Fuhrmann steckt im Kot
Mit Roß und Wagen in der Not,
Die Pferd spannt er an hinten,
Sich aus der Lach zu winden.
Sofort fährt Pfriem auf den Fuhrmann mit groben Scheltworten los;
da erinnert ihn Sankt Peter an seine Warnung und weist ihn aus
dem Himmel (Archiv für neuere Sprachen 122, 235). — Auch Luther
kannte das Märlein, nur nennt er den kecken Fuhrmann Hans, und
nicht wie die Bayern Niclas Pfriem. Im Dezember 1536 führte er
es an, als er bei Tisch über die 'scioli und critici' redete (Luthers
Tischreden in der Mathesischen Sammlung ed. Kroker 1903 nr. 718.
Lutheri Colloquia ed. Bindseil 1863 1, 429. Loesche, Analecta
Lutherana et Melanthoniana 1892 nr. 338) :
Gott will sein Regiment also füren, das im nimands soll ein-
sprechen, und die Welt kans doch nit unterlassen. Ideo fingitur fabula
de auriga paupere HansPfrim. Cui commissum est vivere in paradiso
et frui illius deliciis ea condicione, ut omnia permitteret vadere, sicut
vellent Dei voluntate. Ingressus invenit haurientes aquam vase sine
fundo et inani labore defatigari; praeterivit et vix potuit se continere.
Postea vidit duos fabros lignarios portantes lignum, quod in domum ferre
non poterant, quia neuter praecedere volebat, sondern gingen die quer;
hoc etiam difficile tacuit. Tertio invenit aurigam in luto haerentem ;
qui cum quatuor equis non posset liberari, spannet er zwei pferd hinden
an; hoc ille, cum de suo foro esset, non potuit simulare, incepit illum
increpare. Et ita transgressus est condicionem et expulsus est paradiso.
— Cui cum Petrus occurrisset, interrogavit, cur exiret. Respondit: 'Ich
mus heraus und hab dennoch unsern Herrgott nit verrathen, als du.'
Postea Paulum persecutorem calumniatus est, tertio Mosen incredulum
notavit: er wehre nicht ein solcher gewest. Et ita omnes homines
cavillatus. Tandem venerunt innocentes pueri; cum illis lusit, schüttelt
inen die Piren. Et tandem permansit in paradiso, simulans postea
egregie.
Auch in einer am 25. Mai 1544 zu Wittenberg gehaltenen,
aber erst 1563 von Andreas Poach in Druck gegebenen Predigt1)
*) Vier Predigten von der Toten Auferstehung und letzten Posaunen
Gottes aus 1. Cor. 15 geprediget, Erfurt 1563. — Luthers Werke,
Weimarer Ausg. 49, 423(1913) = Erlanger Ausg. 2. Aufl. 20, 2, 86(1881).
Vgl. auch Leonh. Meister, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache
2, 159—166 (1777). B. Ringwaldt, Van dem trüwen Eckardt, Hamburg
1598 Bl. Q7b (ins Niederdeutsche übersetzt).
178. Meister Pfriem. 299
weist Luther auf dieselbe Geschichte hin: 'Solchen Samen wollen
wir entgegensetzen einem groben Tölpel und unverständigen Narren,
der doch trefflich klug sein will und wohl Gott im Himmel
reformieren und meistern darf, wie man von dem Fuhrmann Hans
Pfriemen saget, daß er im Paradies alles habe wollen überklügeln
und meistern.' Als Erläuterung dazu gibt Poach in seiner Widmung
Bl. A4a folgende ausführliche Fassung des 'Getichts von Hans
Pfriemen' :
Gott wil sein Regiment also füren, das im niemand sol einreden;
die Welt aber kan es nicht lassen, sie mus dawiderreden, was Gott redet
und thut. Darumb hat man dis Getichte gemacht von Hans Pfriemen.
Der war ein armer Furman, dem zugelassen ward von Gott, das er
möchte im Paradis sein und mit geniessen aller Freude und Lust, so im
Paradis ist (wie man auch sagt, Furieute füren von Mund auff gen
Himel, wenn sie nicht so gern und grausam flucheten), doch mit dem
Bedinge, das er kein Einrede thun sölte in irgend einer Sachen, sondern
stillschweigen und im gefallen lassen, was er im Paradis hören und
sehen "würde. Da er nun im Paradis war und sich darinne umbsahe,
fand er etliche, die schepfften Wasser mit einem Vaß, welches keinen
Bodem hatte. Als es solchs sähe, ward er unwillig und dachte bey sich
selbs: 'Wie seltzam und nerrisch gehets hie zu? Warumb machen sich
diese müde mit vergeblicher Erbeit?' Denn er wolte das Pegiment im
Paradis messen nach dem Pegiment auff Erden, wie sich Furieute, Knecht
und Megde zum Wasserschepfen stellen und stellen müssen bey dem
Pferdstal und Küestal, und hette gern dawider geredt, gedachte doch
daran, mit was Bedinge er ins Paradis komen were für über, und schweig
stille. Er kam fürbas und war gewar, das zween Zimmermenner einen
grossen, langen Balken trugen, denselben hatten sie auff die Schultern
gefasset überzwericht und stiessen damit an an allen Seiten und künden
nicht fortkomen. Denen sähe er zu, dachte in seinem Hertzen : 'Welche
ungeschickte Tölpel sind das? Sie solten den Balcken in die Lenge
fassen, so künden sie damit fortkomen.' Und kund sich schwerlich ent-
halten, das er inen nicht einredet, doch enthielt er sich, gieng fort und
schweig stille. Da er fürbas gieng, fand er einen Furman, der hatte vier
Pferde vor einem Wagen und war besteckt blieben im Kot. Da er nu
aus dem Kot nicht komen kund, nam er zwey Pferde, so vor dem Wagen
giengen, und spannet sie hinden an den Wagen und treib die hindersten
Pferde eben so seer als die fördersten. Als sölchs Hans Pfriem sähe,
das es seines Handwercks war, kund er sich nicht mehr enthalten, schalt
den Furman und sprach: 'Ey du großer Narr, was machestu da? Wiltu
den Wagen auff stücken reissen und die Pferde mutwillig on alle Not
300 178. Meister Pfriem.
verderben ? Spanne die Pferde alle vier vor den "Wagen und treib sie
mit Gewalt an, so bringestu den Wagen aus dem Kot.' — Und meinete
der Thor, er hette es wol getroffen und recht ausgerichtet und mit seiner
Klugheit seinem Gespan aus dem Kot geholffen ; aber er hatte gehandelt
als ein Narr, da er am klügesten sein wolt, und wider das Bedinge gethan
und verdienet, das er aus dem Paradis solt gestossen werden. Darumb
ward zu im erstlich Petrus von Gott gesand, das er im den Befehl
bringen sölte. Derselbe kam und sprach: 'Hörestu, Hans Pfriem? Der
Herr leßt dir sagen, weil du das Bedinge nicht gehalten, sondern Gottes
Gebot übertretten hast, so soltu das Paradis reumen.' Hans Pfriem ant-
wortet: 'Wie? Sol ich das Paradis reumen, und hab es doch umb Gott
nicht so sehr verschuldet als du? Wie kan das recht sein? Hastu doch
unsern Herr Gott verrathen und bleibst dennoch im Paradis, und ich sol
umb eines Wort willen eraus gestoßen werden? Nein, nicht also.' Petrus
schemet sich und zoch ab. Da sandte Gott Paulum, der kam und sprach:
'Hans Pfriem, du solt das Paradis reumen.' Aber Hans Pfriem weiset
Paulum auch gröblich ab und sprach: 'Du hast die Gemeine Gottes ver-
folget und den Son Gottes gelestert und geschmehet und bleibest gleich-
wol im Paradis, und ich hab ein Wort oder zwei gered und sol heraus?'
Paulus schemet sich auch und lies von im ab. Da ward gesand Maria
Magdalena, derselben antwortet Hans Pfriem gleicher Weise und sprach :
'Du bist ein öffentliche Sünderin gewesen und heißest mich das Paradis
reumen ?' Es ward gesand der heilige Mann Moses, als den er billich
fürchten sölte, weil in die Feinde fürchten musten. Aber Hans Pfriem
bleib auff seiner Meinung und sprach zu Mosi: 'Wiltu mich aus dem
Paradis treiben? Weißestu nicht, das du unsern Herrn Gott durch Un-
glauben und Zweiffei geunheiliget hast für den Kindern Israel, da du
den Fels soltest schlahen mit dem Stabe, das er Wasser gebe?' Als nu
Hans Pfriem keinen Gesandten hören wolt und sie alle zu taddeln wüste,
sandte Gott zu im die unschuldigen Kindlin. Da dachte Hans Pfriem :
'Awe, das wil arg werden. Wie sol ich mich nu auffhalten, das ich im
Paradis bleibe? Die unschuldigen Kindlin kan ich nicht taddeln. Were
ich nur auf dis Mal loß, ich wolt hinfurt wol stillschweigen und wider
das Regiment im Paradis keine Einrede mehr thun.' Dachte bei sich
selbs: 'Ich weis, was ich thun wil; ich wil mit den Kindlin spielen und
versuchen, wie ich sie mit Güte von mir bringe.' Und ehe die un-
schuldigen Kindlin nahe zu im kamen, steig er auff einen Baum und
schüttelte viel Epf f el erab, rief f den Kindlin zu und sprach : 'Kompt her,
lieben Kindlein, kompt her, leset getrost auff! Wenn ir die Epffel unter
diesem Baum auffgelesen habt, so wil ich auff einen andern steigen und
mehr erab schütteln.' Sölchs gefiel den Kindlin wol, und gerieten also
an die Epffel und vergassen des Befehls, umb welches willen sie aus-
gesand waren; und las ein iglichs Kindlin seinen Geren vol, giengen
178. Meister Pfriem. 301
davon und ließen Hans Pfriemen bleiben. Also bleib Hans Pfriem im
Paradis und schweig hernach stille und lies im alles gefallen, was im
Paradis durch Gottes Regierung geschach.
Poachs Aufzeichnung des Märchens ist bald darauf in einen
hsl. geistlichen 'Wendunmut' aufgenommen und mit Illustrationen
versehen worden (aus dem Berliner Mgo. 60, Bl. 311a abgedruckt in
der Zs. f. dt. Philologie 22, 325). Ins Niederdeutsche übertrug sie
der Hamburger Herausgeber von B. Bingwalts Lehrgedicht 'Van
dem trüwen Eckardt' 1598 Bl. R3b: 'Ein Geistlick Gedichte van
dem Fuhrmanne Hans Pren [!], beschreuen vnde vthgelecht dörch
Andream Poach'. Ein streitbarer Theolog brachte sie in Reime
u. d. T. 'Hans Pfriem, Ein gar lustig mercklich Geticht, wider den
vnzeyttigen Fürwitz, Götliche Geheymnussen zuerforschen' (l3/4 Bogen
o. J. Berlin Yh 2366). Endlich ward auch der Grimmaer Schulmeister
Martin Hayneccius durch Poach zu einer Komödie angeregt, die
er 1581 lateinisch als 'Hansofrarnea sive Momoscopus' und 1582 in
deutscher Bearbeitung u. d. T. 'Hans Pfriem oder Meister Kecks'
(Neudruck Halle 1882; über die Schulaufführungen in Lochau, Anna-
berg und Brieg s. Zs. f. dt. Phil. 22, 331) herausgab. Ein wenig
hat Hayneccius allerdings das 'alte schöne Mehrlin', das er in der
Widmung nach M. Job. Boha (soll heißen Andr. Poach) erzählt, für
die Bühne erweitert. Dem Helden stellt er seine Frau Sostrata zur
Seite, welche sich im Paradiese mit Maria Magdalena unterhält und
von ihm ihrer Plauderhaftigkeit wegen gehörig gescholten wird;
ebenso hat der himmlische Pförtner Petrus eine Gattin Petrona, die
er recht derb die schandgeheite Thorwärterin titub'ert, weil sie den
alten Fuhrpech (ein von der Wagenschmiere hergenommener Spott-
name) habe einschlüpfen lassen. Die seltsamen Dinge, an denen
dieser sein blaues Wunder sieht, sind um etliche gemehrt; er
erblickt noch, wie Wasser durch Spinneweben geseiht und klein-
gestoßen, wie Netze aus Sand geflochten werden. Breit aus-
gesponnen werden die Szenen, in denen Hans Pfriem die Heiligen,
die ihn aus dem Paradiese weisen — außer den schon genannten
treten der gute Schacher und der Zöllner Zachäus auf — abtrumpft,
indem er ihnen ihre Sünden vorhält und mit echt lutherischer
Geringschätzung von der Heiligenverehrung redet. Doch ist der
Kern des Märchens unversehrt geblieben. — In Andreas Hartmanns
Comoedia vom Zustande im Himmel und in der Hellen (Magdeburgk
1600 Bl. G 7b), die auf Ringwalds Treuem Eckhart beruht, schilt
302 178. Meister Pfriem.
Petrus einen trotzigen Bauern: 'Du Tropff, du bist Hans Pfriemers
art'. Endlich ist der durch Luther sozusagen kanonisierte Hans Pfriem
in das protestantische Weihnachtspiel des 17. Jahrhunderts
aufgenommen worden. In der 'Heiligen Christfahrt', die Kroker in
den Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs 7, 213 (1904)
nach einem Drucke von 1720 herausgegeben hat,1) fährt der Fuhr-
gespan oder Pech Hans Pfriem den heiligen Christ, der im Geleit
seiner Engel und Heiligen die Kinder examiniert und beschenkt, im
himmlischen Kammerwagen und goldenen Schlitten von Haus zu
Haus, dem Knecht Ruprecht vergleichbar und auch darin seiner
Sinnesart getreu, daß er mit St. Peter grobe Scheltreden wechselt.
Des gleichen Amtes waltet er in den Weihnachtspielen aus Arnstadt,
Groß-Löbichau und Braunsroda.2)
Unser Märchen ist aus zwei verschiedenartigen Bestandteilen
zusammengewachsen. Der erste begegnet uns schon um 800 in der
griechischen Legende vom h. Arsenius, dem Erzieher des Arcadius
und Honorius.3) Diesem wurde in einem Gesichte die Verkehrtheit
des menschlichen Treibens offenbart: er erblickte einen Mohren, der
sich mühte, eine schwere Last Holz aufzuheben und immer mehr
Holz dazu legte, dann einen Mann, der Wasser in ein löchriges
Gefäß schöpfte, und endlich zwei Reiter, die einen Balken quer vor
sich haltend in ein Tor zu kommen suchten. Und auf seine Frage
erhielt er die Deutung, dies seien drei Arten von Menschen, die
unbußfertigen Sünder, die Bekehrten, welche durch neue Sünden
das Verdienst ihrer Besserung zu Schanden machen, und die
Hoffärtigen.4) Diese Legende ist häufig, auch ohne den Namen des
*) Ein andrer Druck, der sich als 2. Auflage bezeichnet, ist nach
Gottsched, Nöthiger Vorrath 1, 220 (1757) schon 1666 zu Jena er-
schienen.
2) Grosse, Progr. Arnstadt 1899 S. 3. 10. Klopfleisch, Zs. f. thüringische
Geschichte 6, 272. 283 (1865). Anz, ebd. 19, 367. Witzschel, Kleine Bei-
träge 2, 159 (1878). Vogt, Die schlesischen Weihnachtspiele 1901 S. 79.
3) Acta Sanctorum Julii 4, 626 E (cap. 3, 19).
4) Solche geheimnisvollen Strafen im Jenseits werden öfter in
Visionsmärchen berichtet: R. Köhler 1, 52. 132 undZs. f. Volksk. 6, 173 zu
Gonzenbach nr. 88. Klapper, Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 20, 24. Ritters-
hans, Neaisländ. Vm. S. 340. Sebülot, Folklore de France 3, 151. 211.
Archivio 23, 74. Archiv f. siebenbürg. Landesk. 33, 510. Leskien, Balkan-
märchen nr. 67. Krauß, Tausend Sagen 1, 321 nr. 94. Sklarek 1, nr. 39.
Jonrnal of american folklore 20, 111. 25,215.251. Monteil p. 106. Basset,
C. berberes 2, 240 zu nr. 47.
178. Meister Pfriem. 303
Arsenius, wieder erzählt worden;1) in einem Gedichte des Strickers
heißt ein Einsiedler den an der göttlichen Weltregierung irre
gewordenen Büßer auf seinen rechten Fuß treten (Zs. f. Volkskunde
6, 204. Jegerlehner, Oberwallis S. 297), worauf er die drei seltsamen
Dinge erblickt. Diese Züge kommen auch selbständig als Abbilder
fruchtloser Arbeit vor. Der an Sisyphos erinnernde Mann mit
der übergroßen Bürde Holz versinnlicht in einer Hs. des 15. Jahrh.
das Sprichwort 'Qui trop embrasse mal estraint' (Lacroix et Sere,
Le moyen äge et la renaissance 2, proverbes p. Vb); der Fuhrmann
mit den vorn und hinten angespannten Pferden erscheint auf einem
Bilderbogen des Hans Sachs (23, 360 ed. Goetze); das Schöpfen in
ein Gefäß ohne Boden stammt aus der antiken Sage von den
Danaiden und vergleicht sich der Redensart 'Wasser in den Brunnen
schütten' (Murner, Schelmenzunft c. 28. Wander, Sprichwörterlexikon
4, 1826. 1833), und die unverständigen Träger des Balkens kehren
in verschiedenen Schildbürgergeschichten wieder (E. Meier, Sagen
nr. 403. Müllenhoff, Sagen nr. 107. Strackerjan, Oldenburg 2, 281
= 2. Aufl. 2, 423. Chr. Weise, Der Tochter-Mord 1680 S. 84. Cats,
Sinnreiche Werke 6, 131. 1714. Wander 1, 224 nr. 19. Weinholds
Zs. f. Volkskunde 1, 329).
Den zweiten Teil, das Eindringen eines kecken und schlauen
Burschen in den Himmel, finden wir ähnlich im Schneider im
Himmel (nr. 35), Bruder Lustig (nr. 81) und Spielhansel (nr. 82) ;
doch ist ihm eigen, daß der Held dem Petrus, der ihn hinausweist,
und auch andern Heiligen ihre einstigen Verfehlungen ungescheut
vorhält. Von Bebeis 'Fabula de lanceariis' (Facetiae 1, nr. 84) war
schon oben 1, 343 und 2, 189 die Rede ; 1, 345 auch von W. Grimms
Versuch (Zs. f. dt. Mythol. 2, 4 = Kl. Schriften 4, 344) unser
J) Vitae patram 3, 38. 5, 18, 2. 7, 36, 3 (Migne 73, 763. 978. 1054).
Jacobus a Voragine, Legenda aurea c. 178. Honorius Augustodunensis,
Speculum ecclesiae (Migne 172, 1058c). Gesta Romanorum c. 165 mit
Oesterleys Anmerkung; c. 109. 139 ed. Dick; c. 37 ed. Herzstein. Klapper,
Erzählungen des Mittelalters 1914 nr. 186 'De heremita Romano'. Laß-
berg, Liedersaal 1, 591 nr. 79 = Rosenbagen, Die Heidelberger Hs. 1909
S. 61 (Stricker; ZfdPb. 22, 3341). Der Veter Buoch ed. Palm 1863 S. 30.
Väter buch ed. Reissenberger 1914 S. 336. Pfeiffer, Germania 3, 412 nr. 1
(elsässisch). Herberger, Herz-Postille 1852 2, 102b. Neue Acerra pbilo-
logica 1711 S. 808 (6, nr. 45). Kosegarten, Dichtungen 3, 145 (1812).
Passavanti, Specchio della vera penitenza 1856 p. 25 (2, c. 5).
304 178. Meister Pfriem.
Märchen mit Thors Kämpfen wider die Riesen in Verbindung zu
bringen. Näher steht das französische Fablel 'Du vilain qui conquist
paradis par piaist' (Montaiglon-Raynaud 3, 209 nr. 81 ; vgl. Histoire
litt, de France 23, 214), wo außer Petrus auch Thomas und Paulus
von dem Bauern durch Vorwürfe beschämt werden, und die um
1570 entstandene deutsche 'Historia von Sancto' (v. 219. Zs. f. dt.
Phil. 32, 354), wo dieselben drei Apostel auftreten. In dem ver-
wandten Gedichte 'Wie der molner in das himmelreich quam'
(Keller, Erzählungen aus ad. Hss. 1855 S. 97 ; vgl. Germania 32, 336.
R. Köhler, Aufsätze S. 52) erscheinen Petrus, Paulus, Christophorus
und Maria. Vgl. Curieuser Zeitvertreib, Colin 1693 nr. 134 (Petrus
und Müller. Berlin Yt 9941). Simrock, Märchen nr. 3 'Der Müller
im Himmel'. Mathesius (Syrach 1584 Bl. 48 b. Cap. 8, 1. Predigt)
erzählt, auf eine bekannte Fabel von Waldis (Esopus 4, nr. 69.
Sachs, Fabeln 5, 312 nr. 796) anspielend, von einem feisten Mönch,
den Petrus vom Himmelstor zurückweist und ärgerlich Hühnerfresser
schilt. 'Lieber Petre', erwidert der Mönch, 'schneide mir nicht den
Bauch auf; der Hahn möchte sonst krähen.' Worauf ihn Petrus
beschämt eintreten läßt. Vgl. ein Meisterlied Jobst Zolners von
1618 im Weimarer Mscr. Fol. 418, 1080; M. Sax, Christlicher Zeit-
vertreiber 4, 447 (1628) ; Schola curiositatis, editio III. 2, 163 ;
Langbein, St. Petrus und der Mönch (Schriften 2. Aufl. 4,
139). — Französisch: Deulin, Contes d'un buveur de biere 1873
p. 189 'Les muscades de la Guerliche' (Petrus, Paulus, Augustinus.
die unschuldigen Kinder). Sebillot, Litt, orale de la Haute-Bretagne
p. 207 'Le meunier en paradis' (St. Yves verteidigt ihn) ; vgl. Armana
prouvencau 1864, 45 'Jarjaio au paradis' und Revue des 1. romanes
15, 148 (1879). Im dänischen Märchen bei Kamp, Folkeseventyr 1,
111 nr. 10 'Hvordan Steffens sjsel kom i himmerig' geht Steffens
Witwe mit seiner Seele, die sie in einem Sacke aufgefangen, zur
Himmelstür und läßt sie, nachdem sie vergeblich bei Petrus, Maria
und Christus um ihre Aufnahme gebeten, heimlich hinein. Ebenso
isländisch bei Arnason 2, 39 = Rittershaus S. 342 nr. 93 = Zs. f.
roman. Phil. 6, 137. Dreister fordert die Frau in der englischen
Ballade 'The wanton wife of Bath' (Percy, Reliques of ancient poetry
1866 3, 147. v. Maries, Altenglische Dichtungen 1857 S. 166.
Anglia 17, 259) den Eintritt ins Paradies für sich selber und
bringt durch ihre boshafte Zunge alle Heiligen des Alten
und des Neuen Testaments zum Verstummen. Bekannt ist
179. Die Gäiisehirtin am Brunnen. 305
Bürgers diesem Vorbilde nachgeahmte 'Frau Schnips' (1782.
Gedichte ed. Consentius 1914 1, 181. 2, 309). Finnisch: Aarnes
Register nr. 801.
179. Die Gänschirtin am Brunnen. isse s. 251.
1843 nr. 179. — Nach einer Erzählung aus Wien von Andreas
Schumacher in Kletkes Almanach deutscher Volksmärchen 1840 S. 36
nr. 2 'Die Gänselhüterin'. Die mundartliche Fassung steht in
Schumachers Wiener Gesellschafter 1833 und danach in Kletkes
Märchensaal 2, 320 (1845) 'D'Ganslhiadarin' ; vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen der KHM. S. 91.
Das .Märchen gehört zu der Gruppe von Aschenputtel (oben 1,
165), Allerleirauh (2, 45) und Einäuglein (3, 60) und enthält die
.Motive A3 B1 C3 E. Die Hexe entspricht der fürsorglichen Fee oder
Patin, die alte Haut1) dem Krähenpelz oder Eselsfell in Allerleirauh
und Peau d'äne; und schöner als im französischen Märchen wirkt
die Belauschung der vertriebenen Jungfrau am Quell.
Unvollständig aber ist das Motiv 'Lieb wie das Salz'2)
durchgeführt; es fehlt die Beschämung des alten Königs, der durch
x) Auch in italienischen Fassungen von Allerleirauh (Corazzini
p. 435. Gubernatis, Novelline nr. 9. Giambattista Basile 1, 42), in einer
afrikanischen Variante (oben 2, 55) und bei Mary Summer, Contes de
l'Inde ancienne 1878 p. 23 'La fausse vieille' zieht sich die Heldin die
Haut eines alten Weibes übers Gesicht; ebenso bei Renel, C. de
Madagascar 1, 172 nr. 30 lLe roi du nord et le roi du sud' ein Jüngling.
Dagegen beschreibt der Roman von Malegis nicht näher, auf welche
Weise dieser Zauberer so oft die Gestalt eines Greises annimmt.
2) Auf die Verwandtschaft mit den Fragen Lears an seine drei
Töchter bei Shakespeare machte Schenkl, Germania 11, 450 aufmerksam ;
vgl. Simrock, Quellen des Shakespeare2 2, 233 (1872), Bode, Die Lear-
sage vor Shakspeare (Diss. Halle 1904) und Perrett, The story of king
Lear from Geoffrey of Monmouth to Shakespeare 1904 S. 9 (Pa-
laestra 35) ; ferner Cosquin, Revue des trad. pop. 28, 537—542.
— Auch die wegen eines Traumes von künftiger Herrlichkeit
(oben 1, 324) verstoßene Tochter nimmt später den Vater liebevoll
auf: Imbriani, C. pomiglianesi p. 42 'E tre figlie d'o re'; Pitre 1, 89
'II re di Francia1; Athaide Oliveira 1, 228 lA prineeza imperatriz';
Romero nr. 3 (oben 2, 245); Künos, Stambul S. 375 (oben 1,324); ebenso
in einer mährischen Ballade (Wenzig S. 276. Waldau, Böhmische Gra-
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 20
306 179. Die Gänseliirtin am Brunnen.
die ungesalzenen Speisen den Wert des Salzes erkennt und ein-
gesteht, die Versicherung seiner jüngsten Tochter, sie liebe ihn wie
das Salz, sei kein Spott gewesen. So erscheinen die Teile A3F
vereint in der Tiroler Erzählung bei Zingerle l2, 55 nr. 31 'Not-
wendigkeit des Salzes', der schwäbischen bei E. Meier nr. 27
'So lieb wie das Salz' und in der Alemannia 26, 88 nr. 13 'Das Salz'
sowie in Bechsteins Neuem Märchenbuch18 nr.22 'Das Unentbehrlichste'.
Meist aber sind damit noch andre der oben 1, 168 angeführten Motive
verbunden, so in der 2, 47 mitgeteilten 'Prinzessin Mäusehaut'
(A3-4C2D2EF).
Niederländisch: Lootens S. 55 = Germania 14, 91
(A^iD^F). Joos 2, 56 nr. 10 'Van het zout' (A3F). Volkskunde
2, 208 'Vuilvelleken' (A3B* C1D1E F). 2, 267 'Zoo geren as zout'
(A3F) = Teirlinck, Contes p. 67. De Mont en de Cock, Wonder-
sprookjes S. 155 'Sloddeken-vuil' (A^ßiC^DiEF). — Schwedisch:
Bondeson, Sv. folksagor S. 16 nr. 4 'Salt och bröd' (A3 F. Zum
Schluß verstößt der König die beiden älteren Töchter, die versichert
hatten, sie liebten ihn wie Gott im Himmel oder wie sich selbst.)
— Englisch aus Suffolk: Longmans' Magazine 13,441 (1889) 'Cap
o'rushes' = Folk-lore 1, 295 = County folk-lore 2, 40 (Gurdon,
Suffolk 1893) = Jacobs 1, 51 nr. 11 (A^D^F). Addy nr. 50
'Sugar and salt' (A3 E F). = County folk-lore 6, 166 (Gutch, Yorkshire
1912). — Französisch: Sebillot, Litt, orale p. 45 'La pouilleuse'
(A3 C D2 E F). Bevue des trad. pop. 22, 312 'Le sei de la princesse'
(ASC^EF). Monseur p. XXX (A3 F). Wallonia 3, 41. Gittee-
Lemoine p. 41 'Poivre et sei' (A3 B1 C3 D2 E F). Blade, Agenais p. 31
= Blade, Gascogne 1, 251 'La gardeuse de dindons' (A3,4C1D1EF.
Der Vater wird von den beiden älteren Töchtern aus dem Lande
getrieben wie König Lear und durch einen treuen Diener ernährt).
— Rätoromanisch: Decurtins, Chrestomathie 2, 105 nr. 83 'La
princeesa, che haveva bugien siu bab sco il sal' = Wettstein, Zur
Anthropologie des Kreises Disentis 1902 S. 148 = Singer, Kommentar
naten 2, 103) die dritte Tochter, welche die geringste Mitgift erhalten
hatte. Vgl. Hartland, The outcast child (FLJ. 4, 308) und Macculloch,
Childhood p. 362. — Im norwegischen Märchen bei Skar 6, 45 antwortet
die Frau auf die Frage, wie lieb sie ihren Gatten habe: 'Wie den Wind
im warmen Sonnenschein.' Ebenso kleinrussiscli bei Bulasev S. 160.
Unflätig erwidert der Ehemann auf dieselbe Frage bei Montanas, Garten-
gesellschaft nr. 54 und Kirchhof, Wendunmut 4, nr. 195.
179. Die Gänseliirtin am Brunnen. 307
2, 26 (A3BC3EF. Ein Fisch spendet die Schachteln mit Kleidern).
— Italienisch: Ortoli p. 48 'Marie la fille du roi' (A3CD!E.
Das Salz wird in der Antwort der Prinzessin nicht erwähnt. Prinz
belauscht die Ziegenhirtin im Eselsfell). Busk p. 403 'The value of
salt' (A3F). Pinamore 1, 130 nr. 26 'Lu scartozze de sale' (A3CDEF.
Die Hühner singen von der Schönheit ihrer Hüterin; Prinz lauscht
und raubt das abgelegte Fell); vgl. 1, 83 nr. 18 'Lu rre sselvagge'.
Coronedi-Berti nr. 3 (Propugnatore 7, 1, 200) = 1883 nr. 24 'La
föla del candlir' (Zizola soll getötet werden, verbirgt sich aber auf
Veranstaltung der Mutter in einem Leuchter). Comparetti p. 264
nr. 61 'Occhi-marci' = Nerucci nr. 13 (A3BC3EF. Die Amme kauft
ihr die Haut eines alten Weibes). Archivio 2, 45 'La Sendraroeula'
(A3 B C1 D1 E. Flüchtige Heldin in Eselshaut von Hexen beschenkt).
Bernoni, Fiabe p. 68 nr. 14 'Come '1 bon sale' (A3 B C3 E F. Von
einer alten Frau erhält die Heldin ein Stäbchen, das sie in eine
Greisin verwandelt, sobald sie es in den Busen steckt). Pitre, Fiabe
sie. 1, 83 nr. 10 'L'acqua e lu sali' = Kaden S. 50 = Crane p. 333
(A3 E F. Der Zauberer läßt sich vor der Hochzeit der Heldin töten
und verwandelt sich in Gold und Edelsteine). 1, 88 'II padre santo',
'II re di Francia', 'Lu sali'. — Maltesisch: Hg 1, 35 nr. 10 'Die
klage Königstochter' (A3 F). — Spanisch: Mila 1853 p. 181 nr. 5
'La hija menor' (A3-4C3EF) = F.Wolf, Wiener SB. 20,56(1856).
Bibl. de las trad. esp. 8, 175 nr. 1 'Xuanön del cortezön' = Sebillot,
C. esp. p. 47 nr. 6 (A3 E F. Der verkleidete Truthühnerhirt vom
Prinzen belauscht). — Portugiesisch: Braga 1, 122 nr. 50 '0 sal
e a agua' (A3 E F). Athaide Oliveira 1, 419 nr. 182 'A comida e o
sal' (A3,4EF). Vasconcellos, Ensaios ethnographicos 2, 117 nr. 62
(A3-4BEF). 2, 120 'A cortieeira' (A3 B E F). — Baskisch:
Webster p. 165 (A3EF). *Cercpiand nr. 104, 2. — Rumänisch:
P. Schullerus nr. 107 (Archiv 33, 618) 'Das Salz im Brot' (A3EF)
— Cechisch: Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 30. — Slovakisch:
Nemcova, Slov. 2, 69 nr. 37 = Dobsinsky 3, 22 nr. 25 (A3 B F ; die
jüngste Tochter bringt dem erkrankten Vater Salz und weist mit
einer Wünschelrute ein Salzbergwerk nach). — Polnisch aus dem
Gouv. Eadom: Kolberg, Lud 21, 200 nr. 16 (A3 C F. Im Gasthaus,
wo die jüngste Tochter dient, setzt sie dem Vater Kartoffeln ohne
Salz vor). — Finnisch: Aarnes Register nr. 923. — Magyarisch:
Sklarek 1. nr. 34 'Das verstoßene Mädchen' (A3 E F). Klimo p. 172
,Le sei' (nach Merenyi. A3CD1EF). — Indisch: Swynnerton,
20*
308 180. Die ungleichen Kinder Evas.
Indian nights p. 78 nr. 27 'The king and bis daughters' (A3 E F)
Indian Antiquary 22, 323 'The princess who loved her father like salt'
(1893). Stokes p. 164 nr. 23 'The princess who loved her father like
salt' (A3, scheintoter Prinz geheilt, C3EE); vgl. nr. 25 'The fan prince'
(A3. Auf die Frage 'Wer gibt dir Nahrung?' antwortet die jüngste
Tochter: 'Gott'. Oben 2, 265). — Berberisch: Stumme, ZdmG.
48, 393 = Seidel, Geschichten der Afrikaner S. 90 'Von einem
Könige und seinen drei Töchtern' (A3 F). — Hottentottisch:
Olpp, Mitt. der geogr. Ges. zu Jena 6, 25 nr. 22 (1888) = Seidel
S. 135 'Liebe bis zum Salz' (A3EF).
Die bis 1893 bekannten Fassungen bespricht M. C. Cox,
Cinderella p. 80—86. 469—471.
1856 S. 251.
180. Die ungleichen Kinder Evas.
1843 nr. 180. — Nach dem 1558 verfaßten Schwanke des Hans
Sachs 'Die ungleichen Kinder Evä' (Folio 2, 4, 83 a, 2 = Fabeln
ed. Goetze 1, 565 nr. 194), der durch übersichtliche Kürze und
lebendige Laune die drei früheren Bearbeitungen des Nürnberger
Meisters übertrifft. Über die kleinen Abweichungen vgl. Hamann,
Die literarischen Vorlagen 1906 S. 92.
Die im Beformationszeitalter vielfach dargestellte anmutige
Legende von der Kinderlehre Gottvaters und von der Entstehung
der Stände1) taucht zuerst auf in einem lateinischen Hirtengedicht
des 1448 geborenen Karmelitermönches Baptista Spagnuoli, nach
seiner Heimat Baptista Mantuanus genannt. Als Student zu
Padua um 1470 dichtete dieser nach dem Muster Vergils acht
Hirtengespräche. Als ihm später (1498) jenes Jugendwerk wieder
in die Hände fiel, gab er es in überarbeiteter Gestalt und um zwei
*) Vgl. dazu J. Grimm, Die ungleichen Kinder Evas (Zs. f. dt.
Altert. 2, 257. 1842 = Kl. Schriften 7, 106) und Mythologie3 S. 214. 540.
3, 163. Wackernagel, Kleinere Schriften 2, 132. 1873. Matthias, Zs. f. dt.
Philologie 21, 419. V. Schumann, Nachtbüchlein hs^. von Bolte 1893
S. 403. Winzer, Die ungleichen Kinder Evas in der Literatur des 16. Jhs.
(Diss. Greifswald 1908).
180. Die ungleichen Kinder Evas. 309
Eklogen vermehrt von neuem heraus1) und erntete großen Beifall.
In der 6. Ekloge 'Cornix de disceptatione rusticorum et civium'2)
reden zwei Hirten Fulica und Cornix von der Ungleichheit der
Bauern und Städter, und der erste weiß von deren Ursprung zu
berichten :
Im Anfange gesellte der Schöpfer dem Manne das Weib und hieß
sie Kinder zeugen. Bald gebar das Weib einen Knaben und ein Mädchen
und mehite alljährlich so das Menschengeschlecht. Nach fünfzehn
Jahren kam Gott sie zu besuchen. Das Weib blickte, während sie die
Kleinen kämmte, aus der Tür und sah ihn kommen; Adam aber war
fortgegangen, die Schafe zu hüten. Da ertötete die Frau, weil sie der
vielen Kinder halber den Vorwurf der Wollust fürchtete, und versteckte
einige ins Heu und Stroh. Gott aber trat ins Haus, grüßte sie und
sprach: 'Bring mir deine Kinder her!' Da ließ das Weib die Ältesten
vortreten, und Gott liebkoste sie und sprach freundlich zum ersten: 'Da
nimm das Szepter, du sollst König sein.' Dem zweiten gab er ein Schwert
und Waffen und sagte: 'Du sollst ein Feldherr sein.' Dann zog er Beil
und Butenbündel, Stab und Spieß, die Abzeichen römischer Beamten,
hervor und verteilte schweigend die Würden an die Kinder. Solcher
Gaben froh, eilte die Mutter in den Stall und holte die dort versteckten
Kinder und sprach: 'Auch diese Kinder hab ich geboren; gib ihnen, all-
mächtiger Vater, doch ein Geschenk!' Aber ihr Kopf war mit Spreu
bedeckt, auf den Schultern hingen Strohhalme und Spinneweben. Da
schaute Gott sie nicht freundlich an, sondern sprach mit ernstem Antlitz:
'Ihr riecht nach Heu, nach Stroh und Erde. Euer soll der Bilug sein,
das Ochsengespann und alles, was zum Acker gehört; Billiger sollt ihr
werden und Schäfer, Schnitter, Erdarbeiter, Matrosen und Viehhirten,
einige aber will ich in die Städte setzen als Wurstmacher, Fleischer,
Weinschenke, Bäcker und andre dergleichen, die immerdar im Schmutze
leben und für die Vornehmen schwitzen und dienen.' Der allmächtige
x) Baptista Mantuanus, Bucolica. Mantuae 1498 (und über 50 weitere
Auflagen; eine um 1500 im Augustinerkloster zu Bebdorf, dioc. Eyste-
tensis gemachte Abschrift auf der Bariser Nationalbibliothek, Nouveau
fonds latin 11347, Bl. 2a). Der älteste Druck u. d. T. 'Adolescentia'
scheint verloren. — Ins Englische übersetzt von Alexander Barclay
(The fyfte eglog of the cytezen and uplondyshman, London o. J. —
Percy Society 22. 1848) und George Tu rberville (Eglogs of J. B. Mantuan,
London 1567; benutzt von T. Harvey, Bucolics, Lond. 1656); ins Fran-
zösische von Michel d'Amboise (Bucoliques de B. Mantuan, Paris 1530)
und Laurent de la Graviere (Eglogues de B. Mantuan, Lyon 1554. 1558).
2) V. 53—104; abgedruckt in V. Schumanns Nachtbüchlein 189:3
S. 372.
310 130. Die ungleichen Kinder Evas.
Gott sprachs und schritt von dannen zum Himmel. So ist der dienende
Stand und der Unterschied zwischen Bauern und Städtern entstanden.
Daß der italienische Dichter aus einem Volksmärchen schöpft,
legt der gelehrte Pariser Buchdrucker Jodocus Badius Ascensius
1502 in seinem Kommentar zu dem Gedichte1) dar, indem er einige
ähnliche Schwanke anführt:
In einer Bauernfabel (apologo rusticano) erzählt der Dichter, wie
der Unterschied von Städtern und Bauern von Gott geschaffen sei.
Ähnliches berichten andre von der Verschiedenheit des Tagelohnes. Als
nämlich die Handwerker Gott fragten, wieviel Lohn sie fordern sollten,
und dieser den Schustern und andern Tagelöhnern zwei Groschen zu-
wies, den Steinmetzen, Zimmerleuten und Wagnern aber sechs, fragten
jene, wieviel Land sie denn für so wenig Lohn kaufen könnten. Er ant-
wortete: 'Soviel Morgen jährlich, als für euch und eure Kinder genügt.'
Als aber die andern fragten, wieviel sie kaufen könnten, antwortete er,
sie sollten täglich soviel Land kaufen, als sie ihre Axt rückwärts durch
die Beine zu werfen vermöchten. Da sie nun voll Habgier weit zu
werfen strebten, warfen sie sich die Axt in den Hintern, in den in der
Kegel noch jetzt hoher Tagelohn geht. — Ferner erzählt man von der
Entstehung der Frösche und Affen: Als eine kinderreiche Frau (Eva oder
eine andre) sich schämte, Gott bei seinem Besuche alle ihre Kinder zu
zeigen, versteckte sie einige im Ofen, einige unter dem großen Kessel.
Als aber Gott die andern mit Gaben beschenkt hatte und die Frau sagte,
sie habe weiter keine Kinder, verwandelte Gott die im Ofen in Affen
und die unter dem Kessel Versteckten in Frösche und Kröten. — Einem
solchen Märchen und Altweiberfabel folgt hier der Dichter.
Das Hauptmotiv des durch Baptista Mantuanus in Verse ge-
brachten Volksmärchens ist nicht die große Kinderz ahl des ersten
Menschenpaares, über die sich die Erläuterer der Genesis bisweilen
Gedanken gemacht haben,2) sondern die Herleitung der ver-
*) Abgedruckt in Schumanns Nachtbüchlein S. 373. — Auch andre
Gelehrte wie 1510 Joh. Murmellius in Münster und 1536 Andreas Vau-
rentinus in Toulouse schrieben über die Bucolica Erläuterungen und
hielten Vorlesungen; Wimpheling spendete 1503 ein empfehlendes Vor-
wort; Mutianus Kufus schätzte den Dichter ebenso wie Luther und
Sabinus (Michel, Knaust 1903 S. 26. 272).
2) Luther meint, es seien wohl bis in die zweihundert gewesen
(Tischreden 4, 422 ed. Förstemann = S. 287 nr. 574 ed. Kroker 1903.
Werke, Weimarer Ausg. 42, 251). Die alte Vita Adae et Evae redet nur
von 63 Kindern (W. Meyer, Abh. der Münchner Akad. 14, 3, 229. 1879.
Vollmer, Adambuch 1908 S. 26. Charles, The Apocrypha and P&eud-
epigrapha of the Old Testament 1913 2, 130).
180. Die ungleichen Kinder Evas. 311
schiedenen Stände und Berufe aus der Urzeit. Öfter taucht
im Mittelalter die Frage auf, wie der Unterschied von Freien und
Unfreien, Reichen und Armen entstanden sei. Trotzig heißt es in
dem verbreiteten Sprichwort, das 1382 ein aufrührerischer englischer
Priester John Ball zum Text einer Predigt wählte .-1) 'Da Adam
reutet und Eva spann, wer was da ein Edelmann?' Als Kaiser
Maximilian I. den Spruch einst an einem Ofen las, schrieb er darunter
die Antwort : 'Ich bin ein Mann wie ander Mann, allein daß mir
Gott die Ehr vergan'.2) Mehrfach führte man, wie der Sachsen-
spiegel3) berichtet, den Ursprung der Unfreiheit auf den über den
Brudermörder Kain, über Harn oder Esau verhängten Fluch zurück.
Ein Gedicht des 15. Jahrh. 'Wer der erst Edelmann gewest ist',4)
welches den Bauernstand mit warmen Worten preist, nennt Nimrod
als den ersten Adligen und Bauernschinder; es beginnt:
Nun wolt ich wissen also geren,
Wann die Edelleüt her kumen weren,
Sintemal das dy pösen vnd die frumen
Nit mer dann von Adam vnd Eua sind kumen.
Da Adam reutet vnd Eua span,
Wer was die zeit da ein Edelman?
Verbreiteter aber ist die Zurückführung der drei Stände der
Freien, Eitter und Leibeignen auf Noahs Söhne, wie zu Anfang des
!) Holinshed, Chronicus 1807 2, 749: 'WhenAdam delv'd and Eve
span, who was than a gentleman ?'
2) Loesche, Analecta Lutherana 1892 nr. 227 und Agricola, Sprich-
wörter nr. 264. Vgl. Wander, Sprichwörterlexikon 1, 27. 5, 711 f. Ähn-
lich schon Frei dank 135,10: 'Swie die liute geschaffen sint, wir sin doch
alle Adames kint.' Euling, Die Wolfenhüttier Handschrift 1908 S. 60:
'Wo was ein graff, ritter und edelman, do Adam hackt und Eva span?'
3) Buch 3, c. 42, 3 (l3, 333 ed. Homeyer). Über die Einteilung des
Volkes in Edle, Freie, Eio;ne oder Ritterbürtige, Bürger, Bauern oder
Schöffenbare, Pfleghafte, Landsassen handelt Homeyer, Abb.. der Berliner
Akad. 1852. 18. Waitz, Dt. Verfassungsgeschichte l3, 149. Kötschke, Dt.
Zs. f. Geschichtswissenschaft n. F. 2, Vierteljahrsh. S. 269 (1898). Andre
Einteilungen sind ehliches, geistliches, richterliches Leben (Hugo von
Trimberg v. 18167), Lehr-, Wehr- und Nährstand (Mathesius, Sarepta 1564
Bl. 66a).
4) Gedruckt zu Bamberg durch Hans Sporer um 1493 = Serapeum
24, 231.
312 180. Die ungleichen Kinder Evas.
12. Jahrh. Honorius Augustodunensis1) lehrt: 'Huius [Sem] tempore
divisum est genus humanuni in tria : in liberos, milites, servos.
Liberi de Sem, milites de Japhet, servi de Cham.' Ebenso der
Lucidarius (S. 8, 13 ed. Heidlauf), Jansen Enikel in seiner Weltchronik
v. 3045 (mit Strauchs Anm.), Heinrich Frauenlob (nr. 33 ed. Ettmüller =
MSH. 3, 358 a), der Teichner (Karajan 1855 S. 40), Michael Beheim
(Von den Wienern S. 130, 23 ed. Karajan: Kam Stammvater der
Bauern), Wittenweiler (Ring S. 193 ed. Bechstein), Eelix Hemmerlin,
De nobilitate et rusticitate 1450 c. 7 (Reber, F. Hemmerlin 1846
S. 205. 226), Gengenbach (Der Bundtschuh 1514 v. 89, S. 25 ed.
Goedeke. Priester, Edelmann, Bauer), H. Sachs (Fastnachtspiele 2,
29 = Folio 1, 5, 470b: Edelmann, Bürger, Bauer). Als Hugo von
Trimberg (Renner v. 1315) durch ein Dorf reitet und die ange-
trunkenen Bauern von ihm Bescheid verlangen, warum der eine
edel, der andere unedel sei, da sie doch alle von einer Mutter
herstammten, steigt er ab und beschwichtigt sie durch diese biblische
Geschichte von Noahs Söhnen. — Wohl erst im 15. Jahrh. entstanden
ist eine bildliche Darstellung, die nicht nur jene drei Stände, sondern
die ganze Vielheit der Berufe in der Zeit Adams entspringen läßt,
ohne sich an eine biblische Überlieferung zu binden. Zwei Tusch-
zeichnungen dieser Zeit2) zeigen 1. einen mit seinem Knechte
pflügenden Bauern, dazu die Verse :
Da got himel vnd erden beschuff
Vnd Adam Eua in dise werlt beruff,
Do was ein pawr der erste man.
Nu werdt ir vnterweist, wo der adel vieng an
Vnd auch etlich holltragender burger,
Der sich nennt von dem alten gesiecht her.
*) De imagine mundi lib. 3 (Migne, Patrol. lat. 172, 166). Nauclerus,
Chronicon 1544 S. 12 fügt hinzu, nach andern seien die drei Stände
sacerdotes, milites, servi, und Noah habe zu Sem, Japhet und Harn ge-
sagt: 'Tusupplex ora, tu protege tuque labora', der Teufel aber habe einen
bösen Wunsch angehängt: 'Tu fornicator, tu praedo tuque lecator.' —
Dieselbe Dreiheit der Sklaven, Freien und Edlen wird in der altnordischen
Rh?sbula (Gering, Edda S. 110) mythologisch begründet. Unter dem
Namen Rigr wandert der Ase Heimdallr zu drei Menschenpaaren und
gründet den Unterschied jener drei Stände. J. Grimm, Kl. Sehr. 7, 113
glaubte eiuen Einfluß dieser Erzählung auf unser Märchen annehmen zu
dürfen; schwerlich mit Recht.
2) Im Berliner Ms. germ. fol. 642, Bl. 32a hinter einem deutschen
Losbuche (Wickram, Werke 4, 313).
180. Die ungleichen. Kinder Evas. 313
2. einen Bauern, der hinter dem eggenden Knecht einherschreitend
kleine Menschlein in die Furchen streut; Unterschrift:
Dise pewrlin sind mein sat,
Zu hand mir darnach aufgat
Mein sawm, den ich geseet hab,
Vnd hoff, mir werd man ig stolczer knab,
Darauß ich den adel mag gecziehen,
Herren, ritter, knecht, burger, die das vnrecht fliehen.
Drei ähnliche Holzschnitte finden sich auf einem Bilderbogen1)
v. J. 1520: 1. Abel und Cayn mit drei Pferden pflügend, 2. Adam
streut Samen in Gestalt von Menschlein aus, während Eua auf einem
die Egge ziehenden Pferde hinterher reitet, 3. aus dem Acker
wachsen mit halbem Leibe hervor Kaiser, König. Papst, Kardinal,
Bischof, Mönch, Bauer, Narr, Schmied, Frau, Mädchen usw. Das
Gedicht dazu beginnt;
Nun nement war in der figur :
Am anfang so hat gesät der bur,
Genennt Adam der erste man.
Sein sam der ist also gethan,
Von krafft so ist er aller gleich,
Wie wol darauß wechst arm vnd reich,
Ain yetlicher in seinem, stat,
Dar zu in got geordnet hat usw.
Während hier nur die Abstammung aller Stände von dem
Ackersmann Adam hervorgehoben wird, schildert unser Märchen
ihre Einsetzung durch Gott.2) der Eva und ihre Kinderschar
besucht. Es fand in Deutschland während der Reformationszeit
weite Verbreitung. Ob es freilich schon 1516 in dem von Hans
Rudolf zu Freiberg inszenierten geistlichen Schauspiele verwertet
x) Getruckt zu Costentz durch Hansen Schäffeler. Anno 1520
(Gotha, Museum, Sammelband 1, 40). Auch in Wien, Albertina (Holz-
schnitte des 15. — IG. Jahrh. 1, nr. 46).
2) So empfangen auf dem Kupferstiche in J. v. d. Heydens Specu-
lum Cornelianum 1608 (Neudruck 1879) nr. 23 ein knieender Krieger,
König, Geistlicher und Bauer von vier aus den Wolken herabgestreckten
Händen Schwert, Zepter, Bibel und Dreschflegel, was von den gewöhn-
lichen Darstellungen der vier Stände (R. Köhler 2, 61. Melusine 6, 49.
97. 7, 145. 190. 222. Heurck-Boekenoogen, Imagerie flamande 1910 p. 695)
abweicht.
314 180. Die ungleichen Kinder Evas.
war, ist sehr zweifelhaft;1) doch lieferte 1529 Johannes Agricola,
Sprichwörter nr. 264 einen kurzen Auszug des lateinischen Gedichtes
zur Erläuterung der Reime 'Da Adam reutte und Eva span, wer
was da ein Edelman', ohne seine Quelle zu nennen. Ihn nutzte 1541
Seb. Frank2) zur Erklärung des Sprichwortes 'Du bist zu spat
kommen, biß du ein JBaur', 1547 Hans Sachs zu einem Meister-
liede3) und 1559 Valentin Schumann, Nachtbüchlein nr. 25 zu einer
breit ausgemalten Nacherzählung.4)
Die grundlegende Umgestaltung aber ward der lateinische
Brief, den Melanchthon am 23. März 1539 an den Grafen Johann IV.
von Wied richtete und gleichzeitig durch den Druck veröffentlichte5).
Kein Engel bringt die Botschaft von Gottes vorhabendem Besuch, sondern
Eva schaut zum Fenster hinaus und sieht ihn mit den Engeln
nahen. Sie hatte gerade wegen eines bevorstehenden Festtages die
Kinder zu waschen begonnen, war aber noch nicht mit allen fertig
geworden. Die ungewaschenen heißt sie also sich in Heu und Stroh
verstecken, aber die gewaschenen dem Herrn entgegentreten. Mit
ihnen hält nun Gott eine förmliche Kinderlehre. Abel sagt das
Credo weitläufig her, nach ihm werden Seth und die Schwestern
geprüft; alle bestehen aufs beste. Dann aber befiehlt der Herr,
auch Cain und die übrigen herzurufen, deren Abwesenheit dem All-
wissenden nicht entgangen war. Cain erscheint trotzig mit Stroh-
halmen und Heufasern im ungekämmten Haar, er kann, das Credo
1) A. Moller, Theatram Freibergense chronicum 1653 1, 162. 378
scheint in seinem Bericht über die von Gott examinierten sechs gehor-
samen und sechs ungehorsamen Söhne Adams durch die berühmte
Komödie des H. Sachs beeinflußt zu sein, mit der die Namen auffällig
übereinstimmen (Creizenach, Gesch. des n. Dramas 3, 422 1). Bei J. Bocerus,
Fribergum 1577 Bl. K7b und Mich. Neander, Orbis terrarum succincta
explicatio 1597 S. 140 ist davon noch nicht die Bede. Straumer, Brogr.
Freiberg 1868 S. 5.
2) Sprichwörter 1, 48b. Einen andern Bericht Franks führt Roch-
holz, Alemannisches Kinder lied 1857 S. 161 an.
3) H. Sachs, Fabeln und Schwanke 4, 243 nr. 395a.
4) Aus Agricola schöpft auch Aurbacher, Ein Volksbüchlein 1827
nr. 35 = 1879 1, 95 'Von der Ungleichheit der Stände'. Eine willkür-
liche Umdichtung liefert A. Silberstein, Das Loos der Menschen (Magazin
f. die Life des In- und Auslandes 1885; 579).
5) Corpus Reformatorum ed. Bretschneider 3, 653 (1836) = "Winzer
S. 18. — Danach Melander, Joci atque seria 1600 nr. 481; deutsch Lieh
1603 und Darmstadt 1617.
180. Die ungleichen Kinder Evas. 315
nur verkehrt und verstümmelt herausbringen und äußert sich frech.
Darauf läßt der Herr den Abel herantreten, legt ihm die Hände auf
und weiht ihn zum Priester, den Seth zum König, den bäurischen
Cain aber zum Knecht. Als Eva wehklagt, tröstet sie Gott, reicht
den Kindern beim Abschied die Rechte und wird von der Mutter
noch eine Strecke weit vom Haus begleitet, bis er sie heimkehren
heißt und in eine Wolke gehüllt gen Himmel steigt. Hier ist der
witzelnde Vortrag des italienischen Humanisten durch den schlichten
Legendenton ersetzt, der Gegensatz zwischen den sauberen Kindern
und den im Heu versteckten ungewaschenen zu einem moralischen
Unterschiede der wohlgezogenen und der rüpelhaften vertieft und
durch eine Katechismusprüfung, die Gottvater selber abhält, eine
Rechtfertigung der zehn Jahre zuvor in der evangelischen Kirche
eingeführten Kinderlehre eingeflochten.
Koch im November desselben Jahres ward die neue pro-
testantische Legende durch Melanchthons Freund Joh. Stigelius1)
zu einem lateinischen Hochzeitsgedichte für Heinrich VIII. von
England ;De ordinatione magistratus et subditorum elegia' ver-
wendet, in dem zugleich das Gedicht des Mantuanus durchklingt.
Verdeutschungen von Melanchthons Erzählung veröffentlichten Stephan
Vigilius, Caspar Brusch und Nathan Chythräus.2) Lucas Lossius
bearbeitete sie in seinem lateinischen Katechismus3) zu einem wirk-
x) Stigelius, Poemata ed. A. Siber, Jenae 1577 2, 337a. In ver-
kürzter Gestalt in den Poemata ed. J. Fincelius, Jenae 1566 1, Bl. J5b.
— Irrig behauptet Winzer S. 17, Melanchthon habe das Gedicht des
Stigelius benutzt.
2) Petrarca, De rebus memorandis verteütscbet durch St. Vigi lium,
Augspurg 1541, Widmung. — Caspar Brusch, Von Eua der ersten
Mutter vnd Abel, Seth vnd Cain jren Sünen. 1544 (Müncheu. Horawitz,
C. Bruschius 1874 S. 81). — N. Chyträus, Ein schöne vnd liebliche
Hystori, woher die Edellent vnd Bawrn jren Ursprung haben. Rostock
1568 (Celle) = Chyträus, Hundert Fabeln aus Esopo, Rostock 1571 Bl. 226
(Goedeke, Grundriß'2 2, 453; auch Hamburg 1650, Braunschweig 1672). —
Vgl. Winzer S. 22-36.
3) L. Lossius, Quaestiunculae methodicae de christiano catechismo
in formam dialogi, Wittembergae 1545 (Wolfenbüttel) BL T3a: 'Dialogus
pius et festivus de colloquio inter Deum (ut ferunt) et Evam eiusque
liberos habito, descriptus ex Epistola Phil. Melanthonis'. Ferner Witte-
bergae 1551. 1560, Francofurti 1553. 1558. 1560. 1568. 1573. — Der Dialog
steht noch nicht in der 1. Ausgabe Magdeburgae 1539 und in der griechi-
schen Übersetzung Francoforti 1554. Vgl. Görges, Progr. Lüneburg 1885
316 180. Die ungleichen Kinder Evas.
liehen Dialoge, in welchem außer Abel auch Seth und seine Schwester
Delbora1) examiniert werden. Die Einprägung des Katechismus ist
auch in der deutschen Bearbeitung von Johann Baum gart2) das
Hauptziel; dem frechen und flegelhaften Kain, der nichts von Gebet
und Glauben wissen will, droht Gott ernstlich und verheißt den
Kindern, die ihm gleichen, daß sie Capiteler, Bernheutter, Taglöner,
Leimklicker, Kalkschleger, Spitzbuben, Seuffer, Schwelger, Kofent-
junker, Pflastertreter, Düpier, Spieler, Schinder, Hundeschleger, Diebe
undSchelcke sein und bleiben sollen. AuchErasmus Alberus hatte sich
1541 durch Melanchthons Vorbild zu einem deutschen Gespräch3) an-
regen lassen, in welchem jedoch die Einsetzung der Stände fehlt. Der
Besuch Gottes wird durch Adam seiner Hausfrau angekündigt, so
daß ihr zu Vorbereitungen Zeit bleibt. Der trotzige Cain, den Abel
von einer Balgerei mit Gassenbuben herbeirufen muß, will sich nicht
S. 17. Ein Nachdruck ohne Autornamen steht in: Dialogi dao rerum
verborumque lepore et copia insignes : quornm prior continet colloquium
inter I)eum et Euam (ut ferunt) eiusque liberos, posterior Salamonis et
Marcolphi iueundissimam decertationem proponit. Argentinae o. J. =
Frondes caducae, reprinted at the Auchinleck Press, by Alexander Bos-
well 1816. 4°.
2) Delbora und Calmana erscheinen als Töchter Adams bei Pseudo-
Methodius (Fabricius, Codex pseudepigraphus Veteris testamenti 1722
1, 109. 2, 44), Petrus Comestor (Historia scholastica 1, c. 25. Migne 198,
1076), Vincentius Bellovacensis (Speculum historiaie 1, c. 56), bei Nau-
clerus (Chronicon 1544 p. 6), J. Puff (Adam und Eva 1550 v. 1937. 2233.
2489), J. Stricker (Fall Adams 1570), A. Quiting (Kinderzucht 1591),
M. Johansen (Cain 1652 S. 28. 106), Postel (Cain und Abel 1689) u. a.
Eine Tochter Noaba tritt in Bircks Drama (1547) auf.
2) Joh. Bau mgart (Pomarius), Catechismus . . . Eine Figur, wie
Gott selber Adam vnd Euen Kinder den Katechismum verhöret vnd die
gesegnet, Magdeburg 1559 (Goedeke2 2, 109. Winzer S. 37). — Eine Be-
arbeitung von Joh. Mathesius ist vor Schnurrs und Ketzels Schau-
spielen abgedruckt (Winzer S. 41).
3) E. Alberus, Von der Schlangen Verfürun? vnd Gnade Christi
vnsers Heilands, Ein gesprech. Berlin 1541 = Matthias, Zs. f. dt. Phil.
21, 419. — Leonhard Jacobi, Ein gesprech von der verfuhrung der
Schlangen. Erff urd 1544. Nachdrucke Nürnberg, F. Gutknecht o. J. und
ebd. Val. Neuber 1559. Vgl. Matthias 21, 432. — Neue Bearbeitung:
Dialogus Das tröstlich vnd lieblich Gespreche zwischen Gott, Adam, Eua,
Abel vnnd Cain, Leipzig 1553. 1555. 1559. o. J., Wittenberg 1553, o. O.
1559, Erfuit 1604. Vgl. Matthias 21, 434 und Zs. des Harzvereins 21, 382.
Schnorr v. Carolsfeld, E. Alberus 1893 S. 45.
180. Die ungleichen Kinder Evas. 317
waschen und strählen lassen und besteht im Examen übel; zuletzt
hält Adam als Muster eines christlichen Hausvaters eine Predigt. —
Zu einem Schauspiele gestaltete Melanchthons Epistel gleich nach
ihrem Erscheinen 1539 der Wittenberger Student Heinrich Knaust,1)
der mit der Einsetzung der Stände noch den Brudermord Kains
verband. 1547 folgte der Augsburger Sixt Birck2) mit einem
lateinischen Einakter Eva, 1553 Meister Hans Sachs3) mit zwei
deutschen Stücken, die nicht nur wie das Meisterlied von 1547 auf
Agricola fußen, sondern auch Züge aus Vigilius' Übersetzung der
Erzählung Melanchthons, Alberus und Knaust verwerten. In dem
kürzeren 'Spiele', das erst nach Abels Tod statthat, läßt Adam, dem
ein Engel den Besuch Gottes angekündigt hat, den Befehl zum
Scheuern des Hauses, zum Streuen der Maien und Schmücken der
Kinder ergehen. Eva wird also nicht wie bei Melanchthon beim
Waschen der Kinder für den Festtag vom Besuch überrascht, auch
fürchtet sie nicht wie bei Mantuanus und Agricola wegen der Menge
1) H. Cd ostin us, Tragedia von Verordnung der Stende oder
Regiment, vnd wie Cain Abel seinen Bruder, Göttlicher Ordnung halben,
erschlagen vnd ermord hat. Wittemberg 1539. — "Vgl. Michel, H. Knaust
1903 S. 25 und Winzer S. 42, der auf die Benutzung von Val. Voiths
Spiel vom Ursprung des Menschen (1538) hinweist.
2) Xystus Betulei us, Eva, mythologia Philipp! Melanthonis redacta
in actionem ludicram (Dramata sacra ex veteri testamento desumpta,
Basileae 1547 1, 67). Vgl. Winzer S. 51.
3) H. Sachs, Wie Gott der Herr Adam vrmd Eua jhre Kinder
segnet 1553, 23. Sept. (Folio 3, 1, 243a. 1561 = 11, 386 ed. Keller =
Fastnachtspiele 5,16 nr. 52); vgl. Schnorr v. Carolsfeld, Archiv f. Litgesch.
12, 177. Stiefel, Germ. 36, 33. — Comedia Die vngeleichen Kinder Eue,
wie sie Got der Herr anredt, 1553, 16. Nov. (Folio 1, 1, 10b. 1558 = 1, 53
ed. Keller = Dichtungen ed. Goedeke-Tittmann 3, 173. — Bisher un-
bekannt ein Sonderdruck des 16. Jahrh. im Britischen Museum: Tragedia
von | Cain vnd Abel, wie sie | vngleiche Kinder, auch j wie Cain seinem
Bruder Abel | feind ist, vnd jn zu todt schlegt | beschrieben durch den
berümpten j Deutschen Poeten Hans | Sachsen bürger zu | Nürmberg. | □ |
23 Bl. 8°. Eine von C. Andreae illustrierte Ausgabe Leipzig 1861. 4°).
1569, am 22. Januar agierte der Cantor Sigm. Hübner in Trautenau das
Spiel von den ungleichen Kindern Adam und Eva (Hütteis Chronik der
Stadt Trautenau 1881 S. 189). Eine hsl. Bearbeitung des Stückes, die um
1580 wohl in Regensburg aufgeführt wurde, ist im Münchner Cod. germ.
3635, Bl. 30a — 33b erhalten: 'Khurtze anmeldung der Frumen vnd bösen
Khinder Adae'. Einen Auszug lieferte J. D. Falk, Taschenbuch des
Scherzes und der Satire 1799, 361 = Satyrische Werke 3, 161 (1826).
318 180. Die ungleichen Kinder Evas.
ihrer Kinder einen Verweis von Gott und sucht darum einen Teil
davon zu bergen; es ist viel mütterlicher, daß Eva die schönen aus-
liest und die hässlichen versteckt. Die vier wohlgezogenen Söhne,
die das Vaterunser beten können, erhalten die Ämter des Königs,
Kitters, Bürgermeisters, Kaufmanns und dürfen das Paradies betreten,
den vier mißgestalten werden die Berufe des Schusters, Webers,
Schäfers, Bauern zugewiesen. In der 'Comedia' dagegen, in der
Hans Sachs gleich Knaust, Stricker, Quiting und Ketzel den Bruder-
mord anhängt, macht er von Alberus' vortrefflicher Charakteristik
des mürrischen und tückischen Kain Gebrauch und stellt den sechs
von Abel geführten gehorsamen Söhnen die vom Teufel aufgehetzte
Rotte Kains gegenüber; jene sollen bei der Einsetzung der Stände
'Köng, Fürsten und Potentaten, Gelert, Prediger und Prelaten'
werden, diese aber 'Bauern, Köbler, Schefer und Schinder, Badknecht,
Holzhackr und Besenbinder, Taglöner, Hirten, Büttel und Schergen,
Kerner, Wagenleut unde Fergen, Jacobsbrüder, Schustr und Lants-
knecht, auf Ert des hartseligst Geschlecht'. In seinem fünf Jahre
späteren Spruchgedichte, das dem Grimmschen Märchen zugrunde-
liegt, verzichtet der Dichter wiederum auf die Vorführung von Kain
und Abel; ohne Katechisation verleiht der Herrgott acht hohe und
zwölf niedere Berufe und belehrt Eva, die wie im Meisterliede und
im Spiele ihre Verwunderung über die ungleiche Verteilung äussert,
dass jeder Stand zum Bestehen des Menschengeschlechtes notwendig
sei. — Der Leipziger Theolog Xic. Selneccerus schließt sich in
seiner lateinischen Komödie 'Theophania' (1560;, die 1597 durch
B. Schnurr verdeutscht wurde,1) an Melanchthon an. kennt aber
auch Betulius und H. Sachs. Ebenso benutzt der Dortmunder Ar-
nold Quiting2) in seiner 'Kinderzucht' 1591 H. Sachsens Comedia
stark, obwohl er nur Pomarius als seine Quelle nennt. Dagegen
verfährt der begabte Holsteiner Pfarrer J. Stricker in seinem
*) B. Schnarr, Ein Spil, darinnen von dem Zustand vnserer
ersten Eltern vnd von der Bestellung vnd einsetzung Der Stand vnd
Empter im Menschlichen Geschlecht gehandelt wirdt, Nürnberg 1597
(vgl. Winzer S. 63).
2) A. Quiting, Kinderzucht. Ein wunder Liebliche vnd vberaus
gantz lustige Figur, wie vnser HErr Gott Adams vnd Euen Kinder nach
schöpffung der Welt den heiligen Catechismus selbst verhöret vnd die,
so den Catechismum kondten, gesegenet, vnd die denselben nicht kondten,
verflucht hat. Dortmund 1591 (in Stockholm. Vgl. AdB. 27, 57.
Winzer S. 54).
180. Die ungleichen Kinder Evas. 319
'Fall Adams und Even', dessen ursprüngliche niederdeutsche Fassung
von 1570 leider verloren ist1), durchaus selbständig; die Katechismus-
prüfung Abels, Seths und Kains führt er zwar im 4. Akte vor,
streift die Einsetzung der Stände aber kaum. In W. Ketzels
'Spiel von Adams vnnd Eva betrübten Jammerfall',2) das viele Ent-
lehnungen aus Schnurr aufweist, ist dies Motiv noch mehr verwischt;
im 4. Akte hält Adam das Examen mit den Kindern ab, weil der
Dichter sich scheut, die Person Gottes auf die Bühne zu bringen.
Diesen Schauspielen reiht sich endlich ein kurzer prosaischer Bericht
in Widmanns Faustbuch3) und eine gereimte Fassung von E.
Eyering4) an; beide gehen auf Agricola und H. Sachs zurück.
Auch über die Grenzen Deutschlands drang die von den pro-
testantischen Schriftstellern so oft bearbeitete Legende. Während
in England und Frankreich das Gedicht des Mantuanus Aufnahme
fand,5) wurde Melanchthons Epistel 1562 von Pawel Lucin ins
Böhmische,6) Lossius' Dialog 1619 von Arnold Schult und 1621 von
Petrus Petri ins Schwedische, 1693 von Theod. Thorlacius ins Is-
ländische,7) Selneccers Theophania 1575 von Lorenz Szegedi ins
Ungarische8) übertragen. Auch in eine zu Anfang des 17. Jahrh.
erschienene polnische 'Klage der Bauern über die Herren'9) ist die
Erzählung eingeflochten.
!) Erhalten ist eine hochdeutsche Übertragung, o. 0. 1602 (Stricker,
De düdesche Schlömer 1889 S. *11. Winzer S. 73).
2) W. Ketzel, Lapsus et reparatio hominis. Schmalkalden 1613
(Winzer S. 74).
3) G-. R. Widmann, Historie von D. Jon. Faustus, Kap. 29 1599
1, 257 = Scheibles Kloster 2, 466 (1846). Der Herr findet das Haus ver-
schlossen und klopft an; Adam und Eva erschauen ihn durch eine Lücke.
4) E. Eyering, Proverbiorum copia 1, 773 (1601).
£) Oben S. 3091 Der Amerikaner Charles T. Brooks (f 1883) über-
setzte 'The unlike children of Eve' von H. Sachs.
6) Jungmann, Historie literatury ceske 1849 S. 202.
7) Klein ming, Sveriges dramatiska litteratur 1879 S. 524. Half-
danus Einari, Sciagraphia historiae literariae islandicae 1777 S. 218.
8) Toldy-Steinacker, Geschichte der ungarischen Dichtung 1863
S. 201. Seh wicker, Geschichte der ungarischen Literatur 1889 S. 106.
G. Heinrich, Egyefcemes philologiai közlöny 11, 163 (1S87).
9) Lament chlopski na pany, abgedruckt von J. Kallenbach in
Badeckis Biale kruki 1 (Lemberg 1910); vgl. Lud 16, 109 (die Bauern
stammen von den versteckten Söhnen) und 358 (nach Baptista Mantuanus).
320 180. Die ungleichen Kinder Evas.
In den neueren Fassungen aus dem Volksmunde ist bisweilen
Christus statt Gottvater und eine namenlose Frau statt Eva einge-
treten. In der st eiermärkischen Germ. 10,429 'Die ungleichen
Kinder Adams und Evas' werden 500 von den 900 Kindern ver-
steckt, von ihnen stammen die armen Leute ab. Ähnlich Grimm ist
die pommerische Überlieferung bei Jahn, Schwanke S. 45 'Die
verschiedenen Stände'. — ■ Rätoromanisch: Decurtins, Chresto-
mathie 2, 106 nr. 85 'Niessegner et ils affons ded Adam et Eva'.
Italienisch: Archivio 2, 558 = Salomone-Marino, Costume ed
usanze di Sicilia 1897 p. 404 'Li ricchi e li poviri' (Adam zeigt Gott nur
12 seiner 24 Kinder; diese werden gesegnet, die andern bleiben
arm) — Crane p. 362. Bivista delle tradiz. pop. ital. 1, 510 (1893.
Eine Frau versteckt sieben ihrer Kinder vor Christus). 1, 672 'Süll'
origine della divisione delle classe' (drei Kinder im Schweinestall,
bleiben arm). Maltesisch: Ilg 1, 221 nr. 72 'Warum es Reiche
und Arme gibt' (Christus segnet die vier versteckten Kinder nicht).
Spanisch: F. Caballero, Cuadros de costumes 1858 p. 127 'Mas
honor que honores' = Ausgewählte Werke übers, von L. G. Lemcke
14, 164 (1862. Christus und die Kinder der Apostel). Bulgarisch
aus Prilep: Sbornik 2, 192 = Strauß, Die Bulgaren S. 85 =
Schischmanoff, Legendes p. 52 nr. 33 'Dieu en visite chez Eve'
(19 Kinder werden gesegnet, von den versteckten stammen die
Handwerker her). Cechisch: Slavia 1874, Heft 4, 3 (sechs Kinder
werden gesegnet, von den versteckten sechs stammen die Armen her).
Eine muham me danische Sage führt W. Menzel, Mythologische
Forschungen 1, 40 (1842) leider ohne Quellenangabe an: Eva gebar
sehr viele Kinder und schämte sich dieser großen Zahl, als sie ein-
mal von Gott überrascht wurde, und versteckte einige davon. Nun
rief Gott die Kinder zu sich und teilte alle Würden und Güter der
Erde unter sie aus. Die aber versteckt waren, bekamen nichts, und
von ihnen stammen die Bettler und die Fakirs ab.
In einer Erzählung aus Südtirol bei Menghin 1884 S. 87
'Evas Kinder' dagegen werden die Kinder, die Eva vor Gott ver-
heimlicht, zu Affen verzaubert, gerade wie in der oben S. 310 von
Badius erwähnten Volkssage. In einer serbokroatischen Sage
bei Krauß 2, 65 nr. 46 'Die Entstehung der Affen' sind es die beim
bethlehemitischen Kindermord unter Mulden verborgenen Kinder,
welche diese Verwandlung erfahren. Anders berichtet Folz (oben
S. 193), woher die Affen kamen. — Häufiger noch ist die Ver-
180. Die ungleichen Kinder Evas. 321
Wandlung in Zwerge oder Elfen.1) In einer Sage aus Amrum
bei Müllenhoff S. 279 nr. 379 'Die Erschaffung der Unterirdischen'
= Clement, Der Lappenkorb von Gabe Schneider 1846 S. 330 =
C. P. Hansen, ZfVk. 2, 409 nr. 1 werden die fünf häßlichen Kinder,
die eine Frau vor Christus im Keller versteckt, zu Unterirdischen.
Dänisch: Thiele, Danmarks Folkesagn 2, 175 'Troldfolkets
Oprindelse' (Evas ungewaschene Kinder) = Thorpe, Northern
mythology 3, 115. Schwedisch: Nordlander, Sv. fornminnes
föreningens tidskr. 14, 17 = Dähnhardt, Natursagen 1, 247.
Norwegisch: Haukenses 1, 118 'Huldrefolkets oprindelse'. Söegaard,
I fjeldbygderne 1868 S. 102 = Dähnhardt 1, 247. Isländisch:
J. Arnason 1, 5 'Huldumanna Genesis' = Firmen ich 3, 828 = C.
Andersen 1877 S. 1 = Lehmann-Filhes 1, 3 (1889) = Kittershaus
S. 302 nr. 78 'Eva und ihre Kinder'. Keightley-Wolff, Mythologie
der Feen 1, 263 (1828). Wallisisch: Rodenberg, Ein Herbst in
Wales 1858 S. 97 'Entstehung der Feen' (Frau versteckt die Hälfte
ihrer Kinder vor Christus). Serbokroatisch: Migne, Dictionnaire
des apocryphes 1, 335 (1856. Als Adam von seinen 30 Söhnen und
30 Töchtern drei Töchter versteckt, macht Gott diese zu Wilen);
ebenso S. Baring-Gould, Legends of Old testament characters 1, 55
(1871). Aus der Herzegovina Zs. Karadzic 2, 94 (die von Eva ver-
steckten Kinder verliefen sich teils im Walde, teils im Wasser und
wurden zu Wilen und Wasserpferden). Litauisch: Zähorskä Kronika
4, 35 nr. 13 (von den Gott gezeigten Kindern kommen die Guts-
besitzer her, von den versteckten die Armen und die Bauern).
Wotjakisch: Wichmann, Journal 19, 126 nr. 29 Wie der Wasser-
geist, der Bär, der Waldgeist und der Hausgeist entstanden' (aus
den vier beim Besuche Gottes von der Mutter versteckten Söhnen).
Armenisch: Revue des trad. pop. 10, 1 'Les peries' (Jesus fragt
bei der Einziehung des Zehnten nach den versteckten Kindern.
Eine Variante überträgt die Geschichte auf den die Arche ver-
lassenden Noah).
1) Nach andrer Überlieferung sind diese aus den gefallenen
Engeln hervorgegangen: Grimm, Irische Elfenmärchen S. XUI. Dähn-
hardt, Natursasren 2, 354.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 21
322 181. Die Nixe im Teich.
1856 s. 253. 181. Die Nixe im Teich.
1843 nr. 181. — Nach einer Erzählung von Moriz Haupt aus
der Oberlausitz in der Zs. f. dt. Altertum 2, 358 (1842); vgl.
Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 94.
In einer vollständigeren Fassung aus Dümpfel in der Ober-
pfalz (Schönwerth 2, 219) verheißt eine Wasserfrau dem Fischer
reichen Fang für das, was er zu Hause nicht wisse. Das ist ein
Kind, das seine Frau unterm Herzen trägt. Der Sohn wächst heran
und zieht in die Fremde. Unterwegs teilt er ein gefallenes Pferd
zwischen einem Bär, Fuchs, Falken und einer Ameise, die ihm dafür
die Grabe verleihen, ihre Gestalt anzunehmen. Er kommt in eine
Stadt, wo drei sich ganz ähnliche Königstöchter leben; wer die
mittelste errät, soll sie zur Frau erhalten und das Königreich dazu.
Als Falke läßt der Jüngling sich von der Prinzessin fangen, gewinnt
ihre Zuneigung, trifft bei der Wahl die rechte Schwester und wird
ihr Gemahl. Auf der Jagd aber gerät er, als er aus dem Bache
trinken will, in die Gewalt der Wasserfrau. Die Königin bietet
dieser einen goldenen Kamm, Ring und Pantoffel, wenn sie ihren
Gatten aus dem Wasser emporhebe. Beim dritten Male entfliegt er
als Falke ; doch die Königin wird durch die ergrimmte Nixe in
einen Drachen verwandelt und erst durch einen Zauberer im Glut-
ofen entzaubert.
Wir finden also folgende Motive vereinigt: A. Ohne es zu
wissen, verspricht ein Mann seinen Sohn einem Wasserweibe (vgl.
oben 2, 329. 516). — B. Der Sohn zieht als Jüngling aus und erhält
von dankbaren Tieren die Gabe der Verwandlung (oben 1, 536. 2, 22.
Cosquin 2, 172), — C. gewinnt die Hand einer Königstochter, —
D. fällt aber dann in die Gewalt der Nixe und wird durch seine
Frau, die jener drei goldene Kleinode schenkt, befreit — E. und
nach mehreren Jahren mit seiner Gattin wieder vereint.
Aus dem Oden w aide bei Wolf, Hausmärchen S. 377 'Das
graue Männchen' (A B C D entstellt; ein Männchen statt der Nixe,
eine in einen Bären verwünschte Dame statt der Tiere, das Männlein
erhält Uhr und Spiegel). Aus dem Harz bei Pröhle, KVM. nr. 6
'Der Mann ohne Leib' (B C ; vorher Heilung des geblendeten Helden
wie oben 2, 474; Tötung des Entführers der Prinzessin, dessen
Leben in einem Ei steckt wie oben 1, 134. 2, 340; der Held wird
181. Die Nixe im Teich. 323
vom Nebenbuhler ins Wasser gestürzt). Aus Pommern bei Jahn,
Volksmärchen 1, 340 nr. 62 'Der Kaufmann und die Seejungfrau'
(ABC DE). Aus Ostpreußen bei Wisser, Eutiner Kalender 1917,
42 'Die dankbaren Tiere'. — Dänisch: Grundtvig, Folkeseventyr
1, 1 nr. 1 'Ridder Grenhat' = Leo 1, 193 (ABCD; ein Greis statt
der Nixe, erzieht den Knaben wie der wilde Mann in nr. 136 und
verleiht ihm die Gabe der Verwandlung; Ritter Rot stößt ihn ins
Meer, eine Meerfrau fängt ihn auf und läßt ihn frei, als die beiden
Prinzessinnen verbrannt werden sollen). Grundtvigs hsl. Register
nr. 16 'Skovmandens fosterson'. Skattegraveren 1, 98 'Dyrenes gaver'
(vgl. zu nr. 197). — Schwedisch: Allardt nr. 43 'Om pojkin, som
fadran lova ot hävsfrün' (AD; Befreiung durch sein Flötenspiel).
Stroebe 1, 237 nr. 12 'Zuerst geboren, zuerst vermählt' (A; der von der
Meerfrau geraubte Prinz wird von einem Mädchen erlöst, das im Schlaf-
gemach sich nicht nach ihm umdreht, durch einen rollenden Apfel zur
Meerfrau geleitet wird und diese bewegt, ihr den Gatten abzutreten). —
Gälisch: Campbell2 1, 72 nr. 4 'The seamaiden' (ABCD; Eingang
wie oben 1, 534 nr. 60, A4; Leben des Unholds im Ei) = Brueyre
p. 84, vgl. R. Köhler 1, 175. — Französisch: Cosquin 1, 166
nr. 15 'Les dons des trois animaux' (B C ; der Drachentöter vom
Nebenbuhler ins Meer gestürzt, vom Walfisch beim Geigenspiel
eines Bettlers emporgehoben, entflieht als Adler, kommt zur Hochzeit
der Königstochter) mit lehrreicher Anmerkung. Luzel, 5e rapport
(Archives des missions scientifiques 3. Serie 1) p. 36 'L'epervier et la
sirene' (ABCD; Nebenbuhler). Luzel, Contes 2, 381 'La sirene et
l'epervier'. Deulin, Cambrinus p. 83 'La dame des clairs' (D; drei
Goldäpfel, welche die Frau ihrem Kinde gibt, rollen in den See; der
auftauchende Mann klimmt an den Flechten seiner Frau empor). —
Italienisch: Straparola 3, nr. 4 = Val. Schmidt S. 158 nr. 9 =
Keller, Italiänischer Novellenschatz 5, 49 (ABC D. Fortunio fällt
der Sirene zur Beute infolge einer Verwünschung seiner Pflege-
mutter). Bei Gubernatis, S. Stefano nr. 23 'La fanciulla e il mago'
(B C D) ist nicht der Jüngling, sondern die Prinzessin dem Zauberer
versprochen, und dieser zieht ihn in die Erde hinein, bis die
Prinzessin ihm eine gläserne, silberne und goldene Kugel zuwirft.
Spanisch: Machado, Bibl. de las trad. pop. esp. 1, 183 'La sirena'
(ABCDE). — Griechisch: Hahn nr. 5 'Vom Prinzen, der dem
Drakos gelobt wurde' (A B B D) nebst der Variante 2, 192. —
Lappländisch: Friis nr. 42 = Poestion nr. 51 'Der Knabe, die
21*
324 182. Die Geschenke des kleinen Volkes.
Meerfrau und Eitter Rot' (A B C D ; die Königstochter spielt am
Meere Geige).
Eine Meerfrau (Sirene) hält bei Basile 4, nr. 7 und in
andern Varianten der weißen und der schwarzen Braut (oben S. 88,
Gonzenbach nr. 33 und Zs. f. Volkskunde 6, 72) die ins Meer ge-
stoßene Heldin an einer Kette gefangen ; ihr Gatte ergreift die aus
dem Meer Auftauchende und feilt die Kette durch. Dagegen wird
in unserm Märchen die Wasserfrau durch glänzendes Goldgerät oder
durch ihre Liebe zur Musik bewogen, den Helden aus den Fluten
emporzuheben.
1856 s. 254 182. Die Geschenke des kleinen Volkes.
1850 eingesetzt für 'die Erbsenprobe' (nr. 182a) aus E. Sommer,
Sagen aus Sachsen und Thüringen 1, 82 nr. 1 'Der Berggeister
Geschenke' (1846. Mündlich aus Halle); vgl. Hamann, Die lite-
rarischen Vorlagen 1906 S. 101.
Das Märchen taucht im 17. Jahrhundert in Italien und Irland
auf und ist mehrfach dichterisch gestaltet worden.1) Der Beneventaner
Arzt Pietro Piperno (De nuce maga Beneventana, Neapoli 1647
p. 41, Casus H = Pitre, Fiabe 4, 432) erzählt, daß ein buckliger
Schuster Lomberto, der am Abend vor dem Fronleichnamsfeste aus
Benevent nach seinem Heimatsdorfe Altavilla wanderte, auf dem
Felde am Fluß eine tanzende Schar von Männern und Frauen
gewahrte, die er für Schnitter hielt. Er mischte sich unter sie und
setzte ihrem Gesänge 'Ben venga il giovedi e'l venerdi' die Worte
hinzu: 'E lo sabbato e la domenica'. Als sie dann unter dem großen
Nußbaume2) tafelten, schlug ihm einer der nächtlichen Tänzer so
heftig auf seinen Buckel, daß dieser vom Kücken auf die Brust glitt.
Erschreckt rief Lomberto: 'Jesus, Maria!' und plötzlich waren alle
*) Vgl. W. Menzel, Odin 1855 S. 255. Landau, Märchen auf der
Wanderung (Magazin f. d. Lit. des In- und Auslandes 1883, 477. 494).
Clouston, Populär tales 1, 352 'The hunchback and the fairies'. Monseur,
Les deus bossus et les nains (Bulletin de folklore 2, 73. 256. 1893 — 95).
Bedier, Les fabliaux2 p. 276.
2) Über den verrufenen Nußbaum zu Benevent vgl. oben 2,
481. Lippi, II Malmantile 1815 2, 94. 176.
182. Die Geschenke des kleinen Volkes. 325
Gäste samt dem Tisch und den Lichtern verschwunden. Da merkte
der Schuster, daß er es mit Hexen zu tun gehabt, und eilte weiter.
Als er im Morgengrauen an seine Tür pochte, wollte ihn seine Frau
zuerst nicht einlassen, weil er seinen Buckel nicht mehr hatte. —
Dagegen berichtet Francesco Redi (Opere 5,228. 1778 = Imbriani,
Novellaja fiorentina 1877 p. 561) in einem 1689 an Lorenzo Bellini
gesandten Briefe von zwei Buckligen. Dem einen nahmen die Teufel
auf dem Hexensabbat unterm Nußbaum zu Benevent, wo er anmutig
und zierlich mitgetanzt hatte, seinen Buckel mit einer Säge aus
Butter ab und schlössen die Wunde mit einem Marzipanpflaster.
Ein andrer Buckliger aber aus Peretola, der davon hörte und sich
gleichfalls zum Tanze der Hexen begab, führte sich dort so tölpelhaft
auf, daß ihm die Teufel zur Strafe den Buckel des ersten mit
Höllenpech auf die Brust klebten.1) — Aus der irischen Volksüber-
lieferung scheint Thomas Parne 11s Gedicht 'A fairy tale in the ancient
english style'2) geschöpft zu sein, das in König Arthurs Zeit und in
der aus Shakespeare und Spenser bekannten Feenwelt spielt. Um
die schöne Edith werben zwei junge Ritter, Edwin und Topaz, der
eine bucklig, der andre wohlgewachsen. Über seine Mißgestalt
trauernd, wandert Edwin einsam nachts zu einem verfallenen Schlosse
und sieht eine Schar des kleinen Volks mit Lichtern nahen. Oberon
fragt ihn freundlich nach seinem Kummer und heißt ihn am Tanze
der Elfen teilnehmen, und Bobin Goodfellow schleudert ihn gegen
die Decke, daß sein Höcker dort kleben bleibt. Als beim Hahnen-
schrei die lustige Schar verschwindet, fühlt sich Edwin seines Buckels
ledig und kehrt froh heim. Sein Nebenbuhler aber, der die Elfen
gleichfalls belauschen will, findet üble Aufnahme ; er wird gegen die
Decke geworfen und mit Edwins Höcker begabt.
Es handelt sich in diesen Fassungen um folgende Motive :
(A1) Ein Wanderer, der am Tanze der Hexen oder Unterirdischen
1) Eine Novelle 'I due gobbi' von Gasparo Gozzi führt Imbriani,
ein Gedicht von Frau Veronese-Mantovani Landau an.
2) Parnell, Poetical works 1833 p. 25 ('This tale a Sybil-nurse
ared, She softly strok'd my youngling head', heißt es zum Schluß).
Parnell ward 1679 zu Dublin geboren und starb 1717. Verdeutscht ist
sein Gedicht von Boie, Die Elfenburg (Vossischer Musenalmanach für
1796, 158 = Weinhold, Boie 1868 S. 350) und von Baggesen, Der Feyen-
ball (Poetische Werke in deutscher Sprache 5, 58. 1836). Auch Musäus
hat wohl Parnells Gedicht für sein 'Volksmärchen' von Ulrich mit dem
Bühel (1786. 4, 148) benutzt.
326 182. Die Geschenke des kleinen Volkes.
(Elfen) teilnimmt, dazu aufspielt oder (A2) ihren Gesang durch
weitere Wochentagsnamen ergänzt oder (A3) sich gutwillig scheren
und rasieren läßt, wird dafür (B1) seines Buckels entledigt oder (B2)
mit Gold begabt. Sein habgieriger und tölpelhafter Gefährte aber
erhält (C1) diesen Buckel, meist hinzu zu seinem bereits vorhandenen,
oder (C2) empfängt statt Gold Kohlen. — Die Hallische Erzählung
besteht also aus den Motiven A3 B2 C2, Pipernos Bericht aus A2
B1, Bedis aus A^C1, Parnells Gedicht aus A^C1.
Andre deutsche Fassungen stammen: aus Tirol bei Heyl,
Volkssagen 1897 S. 530 'Von den zwei buckligen Schustern und den
Hexen' (A2 B1 C1. Der erste läßt bei der Aufzählung der Wochen-
tage klüglich den Pfinztag als Hexentag aus). Aus Kärnten bei
Franzisci, Culturstudien 1879 S. 92 'Die zwei bucklichten Musikanten'
(A^C1) = Franzisci, Märchen S. 5 = Carinthia 1868, 12. Aus
Aachen bei A. v. Beumont, Aachens Liederkranz und Sagenwelt
1829 S. 333 'Die buckligen Musikanten' — A. v. Beumont, Bhein-
lands Sagen 1837 S. 78. Wolf, DMS. nr. 348 'Die zwei buckligen
Musikanten zu Aachen' (A1 B1 ■ 2 C1). Jos. Müller, Aachens Sagen
1858 S. 122. Grässe, Sagenbuch des preuß. Staats 2, 94. Aus
Eupen bei Firmenich 1, 495 'D' Häcksen op gene Twiyfel' (Gedicht.
A2B1C1). Aus dem Bergischen: Schell, Sagen 1897 S. 496
'Der bucklige Musikant' (nach W. Müllers Gedicht). Kretzschmer-
Zuccalmaglio, Volkslieder 1840 2, 106 'Der bucklichte Fiedler' (4 Str.)
Erk-Böhme, Liederhort 1, 37 nr. 15 (9 Str.). W. Müller von Königs-
winter, Der bucklige Musikant (Dichtungen 3, 196. 1873. A1 B1).
Aus Luxemburg bei Warker, Wintergrün 1890 S. 218 nr. 176
'Hexenlohn und Hexenstrafe' (A2 B1 C1. Lundi, mardi. Mercredi.
Jeudi). Aus Oldenburg bei Strackerjan 2, 324 = 2. Aufl. 2, 470
'Besser dreist als verzagt' (A1 B1 C1. Gespensterschloß wie oben nr. 4).
Aus Pommern bei Jahn, Volkssagen nr. 104 'Die Unterirdischen
und die Handwerksburschen' (A1B1C1).
Niederländisch: Dykstra 2, 13 'De aardmannetjes' (A2B1,2
C1). — Vlämisch: Wolf, DMS. nr. 349 'Der Doppelbuckel zu
Calkaer' (A1 B1 C1. Katzen). A. de Cock, Volkskunde 7, 57 'De twee
bultenaars en de tooverheksen' (fünf Varianten). Hond den heerd
1876, 30. De Mont en de Cock, Vertelsels p. 302 'De twee bulte-
naars' (A2 B1 C1. Zondag, maandag. Dinsdag. Woensda^) und 304
'De twee bultenaars en de katten' (A'B1^). Cornelissen-Vervliet
nr. 19 'Van de bultenaars en de witte vrouwen op de kruisbaan
182. Die Geschenke des kleinen Volkes. 327
(A1 B1 C1). Witteryck-Delplace nr. 8 'Bulte Wollekes en Lammen
Speleman' (A2 B1 C1. Maandag, Dijsendag, woensdag. Donderdag,
vrijdag, zaterdag). — Schottisch: Macdougall, Folk-tales and f airy
lore 1910 p. 205 'The hunchback of the Willow brake'. — Irisch :
Croker, Fairy legends 1825 nr. 2 = Jacobs, Celtic fairy tales 2, 156
'The legend of Knockgrafton' = Grimm, Irische Elfenmärchen 1826
S. 12. 199 nr. 3 'Fingerhütchen' (A^C1. Montag, Dienstag, Mittwoch,
Donnerstag, Freitag) = Brueyre p. 206. Keightley, Fairy mythology 1860
p. 438. Kennedy, Legendary fictions p. 103 = Knortz 1886 nr. 3 'Die Ge-
schichte von zwei Buckligen' (A2B1Cl). Von der Insel Man: Folk-
lore 19, 324. — Französisch: C. Tranois, Histoire de Coulommer
et de Guilchaud (Revue de la Bretagne 1834, 109. Zwei Schneider
bei den Zwergen, cornicanets. A2 B1 C1. Lundi, mardi et mercredi.
Jeudi et vendredi. Samedi et dimanche). Souvestre, Le foyer breton
1853 2, 113 'Les korils de Planden'. E. du Laurens de la Barre,
Les veillees de l'Armor 1857 p. 62. Ch. Narrey, Les deux bossus,
legende bretonne (Le monde des enfants 2, 161. 193. 225. 1869).
Melusine 1, 113 'Les fees et les deux bossus' 161. 241. Revue
celtique 1, 234. Revue des trad. pop. 5, 690 'Polichinelle'. 8, 549.
9, 285. 10, 575; vgl. 11, 234 'Les chats-sorciers'. Bulletin de folk-
lore ed. Monseur 2, 73. 256 (11 Varianten). Luzel, Contes pop. 2, 251 'Les
deux bossus et les nains' (A2B1C1). Roman. Forschungen 16, 345.
Sebillot, Contes de la Haute-Bretagne 2, 84 nr. 17 La danse des fees'
(A^C1). 2, 308 nr. 59 'Les sorciers de Knea' (A2 B1 C1). 2, 311 nr. 60
'Les chats-sorciers et les bossus' (A2BX C1). Herpin, La cöte d'Emeraude
1894 p. 183 = Bull. 2, 258. Sebillot, C. des provinces nr. 48 'Les
deux bossus et les nains' (A2BJ C1). Sebillot, Traditions 1, 279. Orain,
Gallo p. 295 Les deux bossus de Plechatel'. Sebillot, Auvergne p. 3.
Carnoy, Picardie p. 18 Les lutins et les deux bossus' (A2B* C1). Carnoy,
Legendes de France 1885 p. 259. Chapiseau, Beauce 2, 250 'Les deux
bossus' (A^C1). Thuriet, Trad. pop. de la Haute-Saone p. 27 'Le
bossu de Fontenois sur le pont de Vauchatru' (A2 B1 C1). Meyrac, Ar-
dennes p. 413 Le double bossu' (A2 B1 C1). Armana prouvencau
1869, 61. Sebillot, Folk-lore de France 1, 22. 289. 437. 2, 100. 3, 122.
4, 31. — Italienisch: Gradi, Saggio di letture varie 1865 p. 125.
Imbriani, Novellaja fior. 1877 p. 559 nr. 43 'I due gobbi' = Heyse
1914 S. 121 = Crane p. 103 (A2 B1 C1). Pitre, Novelle tose. nr. 22
'I du'gobbi' (A2B> C1). Gubernatis, S. Stefano p. 185 nr. 3. Busk p. 96
'The two hunchbacked brothers' (A2B* C1). Pitre, Fiabe sicil. 2, 94 nr. 64
328 182. Die Geschenke des kleinen Volkes.
'Lu scarparu e li diavuli'; vgl. 4, 432. Rivista delle trad. pop. ital. 1, 535.
677. — Spanisch: Thoms, Lays and legends of Spain p. 83 'Pepito
the hunchback' = Keightley p. 461; vgl. Quarterly Review 32, 206
(1825). Maspons, Rondallayre 3, 108 'Los dos geperuts' (A2 B1 C1).
— Portugiesisch: Braga, C. tradic. 1, 177 nr. 82 'Os corcundas'
(A^C1). Coelho, Revista d' ethnologia 1881, 200 nr. 312. —
Baskisch: Cerquand 2, 17 'Les deux bossus'. Vinson p. 14.
Webster p. 66 'The witches at the sabbat'. — Slowenisch:
Baudouin de Courtenay, Materialien 2, 91. — ■ Cechisch: Kulda
3, 126 nr. 16 (zwei Geister schneiden dem einen den Höcker ab und
setzen ihn dem andern an). — Russisch: Oncukov nr. 113. —
Litauisch: Kartowicz S. 73 nr. 51. — Lettisch: Böhm nr. 38
'Die beiden Buckligen'. — Türkisch: *The wonder world stories
1877 p. 139. — Mongolisch bei Jülg 1868 S. 3: Siddhikür nr. 14
'Die Knotennase' (der arme Bruder entwendet den tanzenden Geistern
einen Zauberhammer; der reiche begibt sich gleichfalls dahin und
erhält eine Knotennase ; vgl. oben nr. 142). — Japanisch: Mitford,
Tales 1, 284 (1871) = Melusine 1, 161 = Kohl 1, 317 (1875) =
Brauns, Japanische Märchen 1885 S. 78 'Die Warze und die Kobolde'
(A1 B1 C1. Statt des Buckels eine Warze auf der Stirn).
Abseits steht eine alte arabische Variante, die der aus
Kairo gebürtige Mohammed ben Hasan ben Ali ben 'Otmän an
Naweigi (1383 — 1455) überliefert1). Hier ist wohl von zwei Buck-
ligen, wie bei Redi und Späteren, die Rede, aber von keinem Tanze
geisterhafter Wesen oder Hexen, an dem jene teilnehmen; vielmehr
dringt ein Afrit (Dämon) in Gestalt eines Elephanten durch die
Mauer eines öffentlichen Bades zu einem einsam zechenden und
singenden Buckligen ein. Als ihn dieser, statt zu erschrecken, ein-
lädt sein Mahl zu teilen, fragt der Geist erfreut, ob er sich etwas
wünsche. 'Meine beiden Höcker auf Rücken und Brust wäre ich
gern los'. Da streicht der Afrit mit der Hand darüber und wirft
die Buckel an die Zimmerdecke (wie bei Parnell), so daß jener
schlank und vergnügt heimgehn kann. Ein andrer Buckliger, der
0 Aus seinem Buch 'Haibat al kumait' (Anthologie der Weinpoesie.
Brockelmann, G-esch. der arabischen Literatur 2, 56), Kairo 1299 der
Hedschra p. 49 übersetzt von Basset, Bulletin de folklore 2, 256 'Les
bossus et l'elephant'; auch bei Hasan el Aläti, Kitäb tarwih en nofus
(Gemütserheiterung), Kairo 18391,157. Ohne Quellenangabe bei Cardonne,
Nouveaux melanges de litt. Orientale 1, 164 (1801).
182. Die Geschenke des kleinen Volkes. 329
davon hört, stimmt im selben Gemache ein Lied an; als aber der
Afrit aus der Wand hervortritt, verstummt er zitternd, und aus
Ärger heftet der Geist ihm die beiden Höcker zu den zwei vor-
handenen an.
Die Musik und Tanz liebenden Elbe (Erdmännlein, Unter-
irdischen. J. Grimm, Myth. 3 S. 438. 3, 130. Wuttke, Volksaberglaube
§ 50. T. Lund, Dagligt liv i Norden i det 16. aarhundrede4 7, 227.
10, 83) unsres Märchens entsprechen ganz den Feen der keltischen
Volkssage (Keightley, Fairy mythology. W. Hertz, Spielmannsbuch
1900 S. 64. Sebillot, Folklore de France 1, 201. 229. 264. 268);
einer späteren Zeit entstammt die Schilderung der nächtlichen Tänzer
als teuflischer, einen Hexensabbat feiernder Geister (oben S. 17. Wuttke
§ 209 f. Sebillot 1, 203. 238. T. Lund 7, 223) oder gar als Katzen.
Die Elfen beschenken den gutherzigen Teilnehmer ihrer Fröhlichkeit,
geben aber, wenn sie mißgelaunt sind, dem Menschen gern eine häßliche
Gestalt und entstellen ihn. Das eigentümliche T anzlied der Elfen
mit den unvollständigen Wochentagsnamen, über das im Archiv für
neuere Sprachen 99, 14. 100, 154 gehandelt wird, ist auch in andre
französische Märchen eingedrungen, wie Melusine 1, 240 'Les trois
fees et les jours de la semaine' (vgl. unsre Nr. 87), Sebillot, Contes
de la Haute-Bretagne 3, 332 nr. 49 'Mercredi' (Taufpate für den
Knaben gesucht) und Blade, C. de la Gascogne 1, 296 'Le bätard'
(E. Köhler 1, 130; oben 1, 301).1) Nur in unsrer Hallischen Aufzeich-
nung findet sich dafür das Scheren des Haares durch Geister-
hand (Motiv A3), das vermutlich aus den oben 1, 241 erwähnten
Gespenstersagen herübergenommen ist. — Der Besuch des Schneiders
und des Goldschmiedes bei den Unterirdischen verläuft gerade so
verschieden wie das Schicksal der beiden Wanderer in nr. 107, des
armen und des reichen Bruders in nr. 142 (Simeliberg) und 146
(Die Rübe), der guten und der bösen Schwester in nr. 13 (Die drei
Männlein im Walde), 24 (Frau Holle) und 169 (Das Waldhaus), der
gastfreien und der ungastlichen Frau in nr. 87 (Der Arme und der
Reiche).
a) In einem serbokroatischen Märchen (Zbornik jslav. 19, 133 nr. 11)
beruhigt ein Bettler die Geister auf dem Friedhof, indem er ihr Vater-
unser zu Ende betet.
330 182 a. Die Erbsenprobe.
182a. Die Erbsenprobe.
(1843 nr. 182.)
Es war einmal ein König, der batte einen einzigen Sohn, der
wollte sich gern vermählen und bat seinen Vater um eine Frau. 'Dein
Wunsch soll erfüllt werden, mein Sohn,' sagte der König, 'aber es will
sich nicht schicken, daß du eine andere nimmst als eine Prinzessin, und
es ist gerade in der Nähe [k]eine zu haben. Indessen will ich es bekannt
machen lassen, vielleicht meldet sich eine aus der Ferne.' Es ging also
ein offenes Schreiben aus, und es dauerte nicht lange, so meldeten sich
Prinzessinnen genug. Fast jeden Tag kam eine; wenn aber nach ihrer
Geburt und Abstammung gefragt wurde, so ergab sichs, daß es keine
Prinzessin war, und sie mußte unverrichteter Sache wieder abziehen.
'Wenn das so fortgeht,' sagte der Prinz, 'so bekomm ich am Ende gar
keine Frau.' — 'Beruhige dich, mein Söhnchen,' sagte die Königin, 'eh
du dichs versiehst, so ist eine da ; das Glück steht oft vor der Türe,
man braucht sie nur aufzumachen.' Es war wirklich so, wie die Königin
gesagt hatte.
Bald hernach, an einem stürmischen Abend, als Wind und Regen
ans Fenster schlugen, ward heftig an das Tor des königlichen Palastes
geklopft. Die Diener öffneten, und ein wunderschönes Mädchen trat
herein, das verlangte gleich vor den König geführt zu werden. Der
König wunderte sich über den späten Besuch und fragte sie, woher sie
käme, wer sie wäre und was sie begehre. 'Ich komme aus weiter Ferne,'
antwortete sie, 'und bin die Tochter eines mächtigen Königs. Als eure
Bekanntmachung mit dem Bildnis eures Sohnes in meines Vaters Reich
gelangte, habe ich heftige Liebe zu ihm empfunden und mich gleich auf
den Weg gemacht, in der Absicht, seine Gemahlin zu werden.' 'Das
kommt mir ein wenig bedenklich vor,' sagte der König, 'auch siehst du
mir gar nicht aus wie eine Prinzessin. Seit wann reist eine Prinzessin
allein ohne alles Gefolge und in schlechten Kleidern?' — 'Das Gefolge
hätte mich nur aufgehalten,' erwiderte sie, 'die Farbe an meinen Kleidern
ist in der Sonne verschossen, und der Regen hat sie vollends heraus-
gewaschen. Glaubt ihr nicht, daß ich eine Prinzessin bin, so sendet nur
eine Botschaft an meinen Vater!' — 'Das ist mir zu weitläuftig,' sagte
der König, 'eine Gesandtschaft kann nicht so schnell reisen wie du. Die
Leute müssen die nötige Zeit dazu haben ; es würden Jahre vergehen,
ehe sie wieder zurückkämen. Kannst du nicht auf andere Art beweisen,
daß du eine Prinzessin bist, so blüht hier dein Weizen nicht, und du
tust besser, je eher je lieber dich wieder auf den Heimweg zu machen.'
182 a. Die Erbsenprobe. 331
— 'Laß sie nur bleiben,' sagte die Königin, 'ich will sie auf die Probe
stellen und will bald wissen, ob sie eine Prinzessin ist.'
Die Königin stieg selbst den Turm hinauf und ließ in einem
prächtigen Gemach ein Bett zurecht machen. Als die Matratze herbei-
gebracht war, legte sie drei Erbsen darauf, eine oben hin, eine in die
Mitte und eine unten hin, dann wurden noch secbs weiche Matratzen
darüber gebreitet, Linnentücher und eine Decke von Eiderdunen. Wie
alles fertig war, führte sie das Mädchen hinauf in die Schlafkammer.
'Nach dem weiten Weg wirst du müde sein, mein Kind,' sagte sie, 'schlaf
dich aus. Morgen wollen wir weiter sprechen.'
Kaum war der Tag angebrochen, so stieg die Königin schon den
Turm binauf in die Kammer. Sie dachte das Mädchen noch in tiefem
Schlaf zu finden, aber es war wach. 'Wie hast du geschlafen, mein
Töchterchen?' fragte sie. 'Erbärmlich,' antwortete die Prinzessin, 'ich
habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.' — 'Warum, mein Kind? War
das Bett nicht gut?' — 'In einem solchen Bett hab ich mein Lebtag noch
nicht gelegen, hart vom Kopf bis zu den Füßen; es war, als wenn ich
auf lauter Erbsen läge.' 'Ich sehe wohl,' sagte die Königin, 'du bist
eine echte Prinzessin. — Ich will dir königliche Kleider schicken, Perlen
und Edelsteine: schmücke dich wie eine Braut! Wir wollen noch heute
die Hochzeit feiern.'
Ohne Quellenangabe ; 1850 ward die Erzählung fortgelassen,
weil sie wahrscheinlich aus Andersens Märchen 'Prindsessan paa
serten' stammt. Über dieses vgl. G. Christensen, Danske Studier
1906, 169-174.
Schwedisch aus Westgotland bei Sundblad, Gammeldags
seder och bruk2 p. 191 'Prinsessan som lag pä sju ärter'. Litauisch
bei Jurkschat 1, 98 nr. 45 'Eine feinfühlige Prinzessin'. — Bei
Cavallius-Stephens 1, 180 nr. 12 'Slottet, som stod pä guldstolpar'
= Oberleitner S. 222 wird dagegen eine vom Prinzen geliebte
Bauerntochter vor der Bettprobe, der die Königin sie dreimal unter-
wirft, wie im 'Gestiefelten Kater' (nr. 33a) von ihrer Katze unter-
wiesen, morgens über das harte Lager zu klagen.1) Ähnlich bei
Segerstedt 1884 p. 95 'Den kloka hunden'. Bei Bondeson, Historie-
gubbar pä Dal p. 349 muß ein Knabe auf den Rat der Katze
ebenso am Königshofe seine edle Abkunft erweisen, desgleichen im
italienischen Märchen bei Imbriani 1877 nr. 10 = Monnier
J) Die Bettprobe fehlt in einem ähnlichen hannoverschen Märchen
bei Colshorn 1855 nr. 3 'Von dem Breikessel', wo auch statt des hilf-
reichen Vaters eine alte Frau die Heldin berät.
332 182 a. Die Erbsenprobe.
p. 254 'Le roi Happe-fumeV, wo aber keine Erbse ins Bett gelegt
wird.
Im siebenbürgischen Märchen vom 'Erbsenfinder' (Haltrich4
nr. 33) macht statt des Katers ein glücklicher Zufall den armen
Burschen zum Schwiegersohn des Königs. Er findet eine Erbse,
und weil er schon von dem großen Gewinn träumt, den er daraus
ziehen kann, bittet er den König, ihm tausend Säcke für seine
Erbsen zu leihen. Der König läßt ihm ein Strohlager bereiten, um
zu prüfen, ob er wirklich reich sei; werfe er sich darauf herum, so
sei er eben Besseres gewöhnt. Aber der Bursch verliert seine
Erbse im Stroh1) und wirft beim Suchen das Stroh auseinander;
das Rauschen hören die draußen lauschenden Mägde und meldens
dem König, der nun von der Vornehmheit des Gastes überzeugt ist.
Diese Erzählung ist auch den Ungarn (Kriza nr. 7 = Jones-Kropf
p. 76 'The student who was forcibly made king'), Rumänen
(Kremnitz S. 196 'Der Erbsenkaiser') und den Griechen (Hahn
nr. 17 'Der Mann mit der Erbse'. Pio p. 193 = Geldart p. 114
'The dragon') bekannt. Arabisch aus Mesopotamien bei Meißner
nr. 37 (Beiträge 5, 69).
Daß die Empfindlichkeit der Haut mehrfach als ein
Zeichen edler Geburt angesehen wurde, ist oben S. 238 bemerkt
worden. Von Nadirah, der Gattin des persischen Königs Schapur,
erzählt Masüdi (Les prairies d'or trad. par Barbier de Meynard 4,
84. Tabari, Chronique par Zotenberg 2, 83), daß sie nicht einschlafen
konnte, als ein Myrtenblatt unter ihrer Schulter lag. — Auch in der
indischen Vetäla-pantschavincati (Tawney, Kathasaritsagara 2, 271.
Oesterley, Baital Pachisi nr. 23) spürt der jüngste der drei empfind-
lichen Brüder ein Haar durch sieben Matratzen hindurch. Im
Roman von den sieben weisen Meistern (Sept sages ed. Keller v. 386 ;
Hans von Bühel, Dyocletianus v. 323 ; Simrock, Volksbücher 12, 122
usw.) wird dem Königssohne ein Eschenblatt unter die Bettstelle
gelegt; erwachend spricht der Jüngling: 'Entweder hat das Gewölbe
sich gesenkt, oder der Boden sich erhoben.'
l) Über den vorteilhaften Tauschhandel, der mit einer ver-
lorenen Erbse beginnt, s. oben 2, 201.
183. Der Riese und der Schneider. 333
183. Der Riese und der Schneider. i856 s. 254.
1843 nr. 183. Von einer Bäurin aus Döbling in Unter-
österreich. Nach. F. Ziska, Büschings Wöchentliche Nachrichten für
Freunde der Geschichte des Mittelalters 4, 124 (1819) und Öster-
reichische Volksmärchen 1822 S. 9 — 13 'Der Schneider und der
Riese'; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 95.
Die Prahlereien, mit denen der Schneider als Diener des
törichten Riesen (Trolls, Teufels) diesen von seiner Stärke überzeugt,
erinnern an die Kraftproben des tapferen Schneiderleins (oben 1, 149
Motiv B), doch ist der Ausgang kein ebenso rühmlicher. A) Statt
des Kruges voll Wasser will der Held gleich die Quelle holen,
B) statt einiger Scheite Holz den ganzen Wald abhauen, C)
statt zwei Wildschweine zum Abendessen gleich tausend auf
einen Schuß niederstrecken; D) als er sich aber auf eine Weiden-
rute setzt, um sie zu biegen, und wieder Atem schöpft, schnellt
ihn die Gerte so weit in die Höhe, daß er nicht mehr zu sehen ist.
Schweizerisch : Sutermeister nr. 7 'Junker Prahlhans' (kann
die verheißene Jagdbeute nicht liefern). Tirolisch: Zingerle l2,
81 nr. 18 'Starker HansP (überwindet den Teufel durch ähnliche
Prahlereien im Werfen und Blasen). Siebenbürgisch: Haltrich4
nr. 28 'Der listige Schulmeister und der Teufel' (AB); s. oben
1, 150. Holsteinisch: Wisser, Plattd. Vm. S. 58 'De Snider un
de Ries' (Dreschen, Mahlen, Baum tragen, D). Friesisch: Ehren-
trauts Archiv 2, 324 (A). Hinterpommern: Knoop 1885 S. 190
'Der dumme Hans und der Riese' (Dreschen, Mahlen, Baum tragen).
— Dänisch: C. Etlar 1847 S. 29 'Bjergmandens Dreng' (A).
Berntsen 1, 180 nr. 21 'Drengen hos Bjaergmanden' (A). Kamp,
Folkeminder S. 235 'Trolden og Drengen' (A B). Kristensen, Aev.
fra Jylland 1, 256 nr. 34 'Bjaergmandens Dreng' (AB). 1, 263 nr. 35
'Min Tjeneste ved Bjsergmanden' (AB). 3, 122 nr. 24 'Tjenesten
hos Bjsergmanden' (A B). Kristensen, Fra Bindestue 1, 78 nr. 13
'I Bjsergmandens Tjeneste' (A). Grönborg S. 76 'Povl Sten' (A).
Grundtvigs hsl. Register nr. 54 'Drengen hos Trolden'. —
Schwedisch: Bondeson, Sv. folksagor nr. 2 'Vaktepojken och
jätten' (A). Allardt S. 94 nr. 92 'Drängen och hin onde' (A).
Hackmans Register nr. 1049. 1051. — Norwegisch: Asbjörnsen-
Moe nr. 6 'Aschenbrödel, der mit dem Trollen um die Wette aß' (A).
334 183. Der Riese und der Schneider.
Braset, Hollraöventyr S. 34 'Gjetarguten aa bsergtraalle' (A); 40
'Guten aa bsergtraalle' (A). Olsen S. 215 'Gutten som tjente hos
trollet' (B). Skar 6, 65 'Oskefis' (AB). — Fseröisch: Jakobsen
S. 265 nr. 5 'Risin og Lokki' (C), vgl. S. 591. — Gälisch: Campbell,
West Highlands2 2, 328 nr. 45 'Mac-a-Rusgaich' (B), vgl. R. Köhler
1, 261. — Französisch: Cosquin 1, 258 nr. 25 'Le cordonnier et
les voleurs' (B). Kerbeuzek 1, 149 'Farouel' (AB). Sebillot, Auvergne
p. 65 'Pipete' (B). — Italienisch: Schneller nr. 53 'Hans der
Starke' (B) und 54 (B). Gonzenbach nr. 41 'Vom tapfern Schuster'
(A B). Gianandrea nr. 7 'Giuanni Benforte' (B). Jahrbuch f. roman.
Lit. 8, 246 nr. 2 'Der Vertrag wegen der Reue' (B), vgl. R. Köhler
1, 328. Archivio 3, 533 'L'occhio-in-fronte' (A). Coronedi-Berti 1883
nr. 32 'Zvan fort' (B). Widter-Wolf nr. 2 'Massafadiga' (A. Jahr-
buch 7, 13; R. Köhler 1, 290). — Maltesisch: 11g 1, 140 nr. 39
'Löwenkind und Menschenkind' (B). — Mallorkinisch: Ludwig
Salvator S. 257 'Der Sklave der entfloh' (AB). — Baskisch:
Webster p. 6 'Errua' (B) = Vinson p. 46 nr. 12 'Le fou et le
Tartaro'. Webster p. 11 (A) = Vinson p. 49. Cerquand nr. 60. —
Rumänisch: Kremnitz S. 10 nr. 1 'Stan Bolovan' (AB). Staufe
nr. 24 'Der Mann unter den Drachen' = Zs. f. dt. Mythologie 2,
203 nr. 8 (B). Schullerus nr. 4 'Von einem gescheiten Manne' (A B.
Archiv 33, 398) und Archiv 33, 373 'Elias und der Teufel' (BA). —
Griechisch: Hahn 1, 173 nr. 23 'Herr Lazarus und die Draken'
(AB). Kretschmer nr. 33 'Der Bartlose' (AB). — Albanesisch:
Dozon p. 17 nr. 3 'L'ours et le derviche' (BC) = Leskien S. 208
nr. 47. — Serbokroatisch: Schottky, Bartlos und der Riese
(B, Werfen. Büschings Wöchentliche Nachrichten für Freunde des
Mittelalters 4, 1041. 1819). Zs. Vila 3, 717 (1867). Tordinac S. 27
nr. 9 (A B). Zbornik jslav. 16, 156 (A). Ristic Loncarski S. 49
nr. 8 (A). Preindlsberger S. 73 'Der Zigeuner und die Riesen'
(BAD). — Bulgarisch: Sbornik nar. umotvor 2, 182 = Arnaudov
S. 47 nr. 35 = Strauß S. 260 (DA). — Polnisch: Mat. antropol.
etnogr. 4, 2, 235 nr. 9 (A). — Slovinzisch: Lorentz S. 17 nr. 15
(A). — Ka schubisch: Lorentz, Teksty S. 81 nr. 122 (AI S. 454
nr. 580 (A). — Kleinrussisch: Venok 2, 370 = Wratislaw
p. 150 nr. 26 'The devil and the Gipsy' (AB) = Erben S. 140.
Baracz S. 32 (A). Manzura S. 90 (AC). Rudcenko 2, 187 nr. 46
(A). Cubinskij 2, 120 nr. 40. 41 (AD). Zivaja Starina 5, 454
nr. 2 (A). Etnogr. Zbirnyk 29, 141 nr. 17 (AB). 143 nr. 18 (AB).
184. Der Nagel. 335
— Weißrussiscli: Federowski 1, 130 nr. 346 (A). — Groß-
russisch: Af anasjev 1, nr. 86 (A). Litauisch: Jurkschat 1, 102 nr. 41
'Das Waislein und das Rieslein', vgl. R. Köhler 1, 479. — Finnisch:
Salmelainen 4, nr. 19 b. Suomi 3, 2, 113. Aarne, Register nr. 1049.
1051. — Wot jakisch: Wichmann 2, 63 nr. 5 'Der Mann und der
Teufel' (B. Journal 19). — Zigeunerisch: Miklosich nr. 3 — Groorne
nr. 21 'The deluded dragon' (AB). — Türkisch: Künos, Stambul
S. 56 'Kara Mustafa der Held' (A). — Armenisch: Sbornik mater.
Kavkaz. 24, 2, 248 (A). — Mingrelisch: ebd. 24, 2, 39 nr. 24 (Krug
Wein aus dem Keller holen). 13, 2, 28 nr. 3. — Kabardinisch:
ebd. 12, 141 (D). — Persisch: Malcolm, Sketches of Persia 1828
2, 88 = Kletke, Märchensaal 3, 54 (A). — Berberisch: Mercier, Le
Chaouia de l'Aures 1896 p. 52 nr. 12 'Bechkerker et l'ogre' (AB).
Mehrfach gesellen sich zu den Motiven A B Züge, die wir
schon oben 1, 149 (B3-4-5) in den Fassungen des tapferen
Schneiderleins antrafen: der schwache Held läßt den Riesen vorauf-
gehen, als sie beide den gefällten Baum heimtragen wollen; als er
durch den vom Riesen losgelassenen Baumzweig in die Luft empor-
geschleudert wird, rühmt er sich seines gelungenen Sprunges; dem
nächtlichen Überfalle des Riesen entgeht er, indem er sich unter
das Bett legt, und nachher sagt er, ein Floh habe ihn gestochen.
184. Der Nagel. rssss. 254
1850 nr. 184. — Nach einer Erzählung in L. Aurbachers
Büchlein für die Jugend 1834 S. 71f. 'Vom Reiter und seinem Roß.'
Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 95. Gereimt von
Rückert, Der Herr und sein Knecht (Gesammelte Gedichte 1837 1,
55 = Poet. Werke 1868 4, 306).
Das Märchen scheint erwachsen zu sein aus einem seit dem
12. Jahrh. nachweisbaren Spruch, den es in Handlung umsetzt:
'Ein nagel behalt ein isen, ein isen ein ros, ein ros ein man, ein man
ein burch, ein burch ein lant' ; lateinisch :
Ferrum per clavum ferrumque eqaus, per equum vir,
Perque vir um castrum, per castrum patria durat
336 184. Der Nagel.
(Müllenhoff-Scherer, Denkmäler8 1, 196 nr. 49, 5). Freidank 79, 19:
Ich hoere sagen die wisen:
'Ein nagel behalt ein isen,
ein isn ein ros, ein ros den man,
ein man ein burc, der striten kan,
ein burc ein lant betwinget,
daz ez nach hnlden dinget.'
Der nagel der ist wol bewant,
der isen, ros, man, burc und lant
solcher ern geholfen hat,
da von sin name so hohe stät.
Reinmar von Zweter (MSH 2, 212b = Roethe, Reinmar von
Zweter 1887 S. 508 nr. 195) nutzt um 1245 den Spruch zu einem
Tadel des schwächlichen Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen.
Hugo von Trimberg, Renner v. 23 965 ed. Ehrismann (nach Frei-
dank). Straßburger Rätselbuch ed. Butsch 1876 nr. 20 = Zs. f. dt.
Alt. 3, 28 = Ratbökelin Bl. A4b (Goedeke, Gengenbach 1856 S.
5643). Lehmann, Florilegium politicum 1630 S. 263 = 1662 S. 289
nr. 39 : 'Umb eines Huffeysens willen verdirbt offt ein Reitpferd'.
Harsdörffer, Schauplatz lust- und lehrreicher Geschichte4 1660 1, 220
nr. 61, 6 (spanisch). J. H. Campe, Hamburgischer Kinderalmanach
auf das Jahr 1780, S. 156. Wander, Sprichwörterlexikon 2, 797. 3,
860. I. v. Düringsfeld, Sprichwörter der german. u. roman. Nationen
1, 393 nr. 751 (1872). — Niederländisch bei Harrebomee,
Spreekwoordenboek 2, 116a: 'Een nagel doet wel een hoefijzer ver-
liezen, een hoefijzer het paard, hetwelk dan wel den rijder doet
sneuvelen'. — Dänisch: 'For en sko mister man tidt en best'. —
Englisch: Outlandish proverbs 1640 nr. 499 (Lessing, Werke 19,
499 ed. Hempel = 15, 418 ed. Lachmann-Munker). B. Franklin, The
way to wealth 1757 (Works 1840 2, 98): 'A little neglect may creed
great mischief ; for want of a nail the shoe was lost, for want of a shoe
the horse was lost, for want of a horse the rider was lost, being over-
taken and slain by the enemy ; all for want of a little care about a horse-
shoe nail'. — Französisch: Franklin, La science du bonhomme
Richard, 2. ed. 1778 p. 14. — Provenzalisch: P. Meyer, Les
derniers troubadours 1871 p. 111 nr. 6:
Auzitai dir, e vay mi remenbrant,
C'un fer pert hom per fauta d'un clavel
Et per un fer, can ben m'o vauc pensant,
185. Der arme Junge im Grab. 337
Pert lo caval, pueis lo cors el castel;
Tot aysi'n pren ad homs que avars es
Car per lo mens pert lo mais mantas ves,
Car Drechura que Tort baissa confont
Cant a pujat gieta l'aval preon.
Italienisch: 0. Pescetti, Proverbi italiani 1611 (Rolland, Faune
populaire 4, 187) : 'Per un chiodo si perde un ferro di cavallo, e per
un ferro si perde un cavallo, e per un cavallo si perde un cavaliere.'
Giusti- Capponi, Proverbi toscani 1871 p. 85. Pitre, Proverbi siciliani
2, 58 (1880). — Maltesisch: Vassalli, Motti e proverbii maltesi
1828 nr. 81 'Per risparmiar un chiodo, perde la ferratura'. — Tür-
kisch: Schlechta-Wssehrd, Osmanische Sprichwörter 1865 nr. 152
= E. Köhler, Kl. Schriften 2, 60 'Der Nagel beschützt das Huf-
eisen, das Hufeisen beschützt das Pferd, das Pferd beschützt den
Mann, der Mann beschützt das Land'.
185. Der arme Junge im Grab. isse s. 255.
1843 nr. 185. — Nach einer Erzählung in Aurb ach ers Büch-
lein für die Jugend 1834 S. 167 — 172 'Des armen Waisen Leben
und Tod'. Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 96.
Die Grundlage der tragisch verlaufenden Geschichte bildet
wohl ein lustiger Schwank bei L. Abstemius (Hecatomythium
seeundum 1520 Bl. D5a = Neveleti Mythologia Aesopica 1610 p.
618 nr. 199 'De femina maritum ob pullos male servatos verberante').
Ein einfältiger Mann, der die Küchlein vor dem Habicht hüten soll,
bindet sie mit einem Faden zusammen, so daß der Habicht sie alle
zusammen davonträgt; da will er aus Angst vor den Schlägen seiner
Frau sich das Leben nehmen und verzehrt die eingemachten Feigen,
die ihm jene vorsorglich als Gift bezeichnet hatte ; wie er der heim-
kehrenden Frau erzählt, daß er den Tod erwarte, muß sie des Narren
lachen und verzeiht ihm. Danach J. Pontauus, Attica bellaria 1644
p. 91 = J. P. Langius, Democritus ridens 1689 p. 144 nr. 49 —
Doctae nugae Gaudentii Jocosi 1713 p. 142 = 1725 p. 113. Bei
Morlini, Novellae 1520 nr. 49 'De matre, quae filium custoditum
reliquit' handelt es sich dagegen um einen törichten Knaben, der
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 22
338 186. Die wahre Braut.
wie der gescheite Hans (oben 1, 316) den Wein auslaufen läßt, sich auf
die Hühnereier setzt, um sie auszubrüten, und darauf sich mit den
eingemachten Nüssen vergiften will. Aus Morlini schöpft Basile 1,
nr. 4 'Vardiello', aus diesem wieder ein deutsch-italienisches Zwischen-
spiel von 1691, 'Mißfallen umb zu gefallen' im Münchner cod. germ.
4080, Bl. 49, während Casalicchio, L'utile col dolce 1, nr. 13(1687;
deutsch als Utile cum dulci, Augsburg 1706) auf Abstemius zurück-
geht. Ferner deutsch: Albertinus, Hirnschleifer 1618 S. 210.
Fasciculus facetiarum novissimarum 1670 S. 298 (12, nr. 8). Der
kurtzweilige Arlequin 1691 S. 67. Philander, Zeitverkürzer 1702
nr. 101. Rottmann, Lustiger Historienschreiber 1717 S. 33 (1, nr. 21).
Abraham a S. Clara, Bescheidessen 1717 S. 68. Recueil von aller-
hand Collectaneis 7, 123 (1719). Gregander, Leben F. W. v. Kyau
3, 30 (1751). Babst, Pladdütsche Gedichte 1812 S. 209 'De
Aptekerburß'. Vogl, Erzählungen eines Großmütterchens 1846 S. 100.
G. Keller, Die mißlungene Vergiftung (Gegenwart 53, 13. 1898 ;
vgl. Bächtold, Gottfried Keller 4,37). — Dänisch: Nyt Vademecum
til Tidsfordriv 1783 nr. 590. — Englisch: Simple Simon's misfor-
tunes (Ashton, Chap-books of the 18 Century 1882 p. 258). — Por-
tugiesisch: Coelho, C. nacionaes nr. 14 ' Conto do bacorinho' (Frau).
— Serbokroatisch: Krauß 1, 265 nr. 57 'Vom Jungen Nimmer-
satt'. — Türkisch: Mehmed Tewfik, Die Schwanke des Nassr-ed-
din und Buadem, übersetzt von Müllendorff 1890 S. 51 (Buadem
nr. 25); vgl. Wesselski, Der Hodscha Nasreddin 1911 2, 237 nr. 522.
Die schwedische Erzählung in Hackmans Begister nr. 1876
und die finnische in Aarnes Register nr. 1876 'Die Gänse an der
Schnur' scheinen nicht mit unserm Märchen, sondern mit einem Jagd-
abenteuer Münchhausens zusammenzuhängen, über das in der Zs. f.
Volkskunde 24, 81 gehandelt wird.
1856 S. 255.
186. Die wahre Braut.
1843 nr. 186. Aus der Oberlausitz 1842 von Moriz Haupt
in der Zs. f. dtsch. Altertum 2, 481 mitgeteilt; vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen 1906 S. 98.
Das Märchen gehört mit nr. 56, 113, 193 zum Kreise der
vergessenen Braut. Es enthält folgende Teile : A) Die Heldin
187. Der Hase und der Igel. 339
löst mit Hilfe einer guten Fee die Aufgaben der bösen Stiefmutter:
Federn schleißen, Teich ausschöpfen, Schloß bauen. — B) Nach dem
Tode der Stiefmutter gewinnt ein Prinz ihre Liebe, vergißt sie aber
infolge eines Kusses [seiner Mutter]. — C) Als Hirtin sucht sie
durch ein Gespräch mit ihrem Kälbchen seine Erinnerung wach-
zurufen. — D) Dies gelingt ihr aber erst, als sie ihn bei seinem
Hochzeitsfeste küßt.
Zu Teil A vgl. Aschenputtel (1, 168); in einer klein-
russischen Erzählung (Mater, antropol. 2, 71 nr. 41) löst das Mädchen
die Aufgaben mit Hilfe der aus dem Grabe erscheinenden Mutter
und wird von der Stiefmutter erstochen. Zu BCD vgl. Die
beiden Königskinder (2, 517), wohin auch schon die zweite
und dritte Aufgabe der Heldin weist.
187. Der Hase und der Igel. lsse s. 255.
1843 nr. 187. Den Brüdern Grimm 1840 durch Prof. Firnhaber
in Kassel mitgeteilt, und zwar, wie 1856 in den Anmerkungen be-
hauptet wird, nach mündlicher Überlieferung in der Gegend von
Osnabrück; vgl. W. Grimm in Wolfs Zs. f. deutsche Mythologie
1, 381 (1853) = Kleinere Schriften 4, 361. Es liegt aber, wie H.
Garbers 1900 in der Zs. Niedersachsen 5, 299 nachwies, die 1840
von Wilhelm Schröder (f 1878) in seinem Hannoverschen Volks-
blatt Jahrg. 1, nr. 51 veröffentlichte Fassung aus der Gegend von
Stade zu Grunde1), die seitdem mehrfach wiederholt und bei Firme-
*) Schröder gab sie wieder heraus als: Hannoversche Stern-
schnuppen, ein Werkchen aus den komischen Papieren des Hannoveraners
Jocosus 1 (Hannover 1845) = Dat Wettlopen twischen den Swinegel un
den Haasen (ebd. 1868) = Haideland und Waterkant 4 (Berlin 1872). —
Abgedruckt bei Firmenich, Völkerstimmen 1, 210 (1841?); bei Th. v. Ko b be,
Humoristische Blätter 1844; anonym; De Wettlop twischen den Hasen
un den Schwinegel up de Buxtehuder Haide, Rostock 1849 und 1850;
von J. P. T. Lyser, De Swienegel als Wettrenner, Hamburg 1853; mit
einer hochdeutschen Übersetzung: Het Wetloopen tuschen den Haasen
und den Swinegel up de Buxtehuder Heid, in Bildern von Gust. Süss,
Düsseldorf 1855. — Vgl. Seelmann, Jahrbuch f. nd. Sprachforschung
22, 112 und 28, 98, auch Illnstr. Zeitung 1876 nr. 1701 und Gartenlaube
1878 nr. 42 S. 703.
22*
340 187. Der Hase und der Igel.
nicb, Germaniens Völkerstimmen 1, 214 in die Mundart von Sittensen
im Amte Zeven übertragen ist. Auch' ein hübsches Gedicht von
Klaus Groth ' Wa Swinegel un Matten Has' inne Wett lepen' (Quick-
born 1853 S. 185) stellt das gleiche Märchen dar. Bechstein,
Märchenbuch 1874 S. 148 übersetzt Schröder ins Hochdeutsche. Ein
ungedrucktes Gedicht von F. Becker 'Füchslein und Maulwürflein'
im Berliner Ms. germ. oct. 316, 1, Bl. 7a (um 1850) geht wohl auf
das Grimmsche Märchen zurück.
Dies Märchen vom Wettlaufe des unbeholfenen und des
hurtigen Tieres, der einen unerwarteten Ausgang nimmt1), zeichnet
sich durch hohes Alter und weite Verbreitung aus. Dähnhardt
(Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenforschung, Progr.
Leipzig 1908 S. 10—46 = Natursagen 4, 46—97. 1912) hat in einer
ausführlichen Untersuchung drei Formen festgestellt, die wohl sämt-
lich von Byzanz aus ihre Wanderung über die Erde angetreten
haben: 1. den Sieg der beharrlichen Schildkröte über den nach-
lässigen Hasen; 2. Sieg des listigen Igels über den Hirsch durch
Verwandtenhilfe; 3. Sieg des schlauen Krebses über den Fuchs
durch unbemerktes Hängen am Gegner. — Bisweilen gewahren wir
eine Mischung dieser Typen, und als Held tritt anstatt der nur in
südlichen Ländern beobachteten Schildkröte und des in Altgriechen-
land wie in Deutschland ehedem öfter als Haustier gehaltenen Igels2)
auch der Krebs, der Frosch, die Kröte oder die Schnecke auf,
während die Bolle des Gegners je nach Landesart dem Hasen, Beh,
Pferd, Fuchs, Wolf, Schakal, Löwen, Elefanten oder einem großen
Vogel zufällt. Die hauptsächlichsten Motive sind: A1 als Ver-
anlassung des Wettkampfes der Spott des Gegners über die Lang-
samkeit des Helden, A2 ein Streit bei der Ernteteilung (wie in nr.
189), A3 die Königswahl der Tiere (wie in nr. 171), A4 eine Braut-
J) In der lateinischen Fabel ■vom Kampf zwischen Stier und Mücke
(Hervieux, Fabulistes latins 22, 144 nr. 36. 22, 393: Neckam nr. 3) und
vom Streit zwischen Wolf und Hase (Odo nr. 58 bei Hervieux 4, 230.
263. 448. Bozon nr. 21. Libro de los gatos c. 58) siegt das schwächere
Tier durch behende Flucht.
2) Vgl. Brehm, Tierleben3, Säugetiere 2, 358-370. Pauly-Wissowa,
Bealencyclopädie des klass. Altertums 5, 1922. O. Keller, Die antike
Tierwelt 1, 18 (1909). Igel als Haustier der Leineweber: Pauli, Schimpf
und Ernst c. 603 und Kirchhof, Wendunmut 1, c. 235. Über die Fabel
vom Igel und Fuchs s. oben 2, 120, über ein andres Märchen vom Igel
oben 2, 483.
187. Der Hase und der Igel. 341
Werbung (vgl. Dähnhardt, Natursagen 4, 56), A5 Einsetzung eines
Schiedsrichters (vgl. Dähnhardt 4, 285. 256). — B1 Ort des Wettlaufs
ist entweder eine bestimmte Wegstrecke bis zu einer Stadt, (B2)
der Acker oder die Tenne oder (B3) ein Fluß oder See. — C1 Zum
Siege verhilft die eigne Beharrlichkeit, C2 der Beistand der den
Läufer ersetzenden Verwandten oder C3 das Anhängen an den
Schwanz des größeren Tieres. — D1 Schließlich gesteht der Gegner
die Überlegenheit des Helden zu, (D2) verzichtet auf den Preis oder
(D3) bricht nach mehrmaligem Laufe erschöpft zusammen.
Die Urform steht in den Äsopischen Fabeln nr. 420 ed. Halm
yzlüvri xai Aayoiög,1) etwas ausgeschmückter in der Variante nr.
420 b. Einst liefen die Schildkröte und der Hase um die Wette.
Der Hase, der jene ob ihres trägen Ganges verhöhnt hatte, verließ
sich auf seine angeborene Schnelligkeit und legte sich am Wege
schlafen; die Schildkröte aber, die sich ihrer Langsamkeit bewußt
war, lief ohne Unterlaß, überholte den schlafenden Hasen und gewann
den Sieg. Eine gereimte deutsche Bearbeitung in Fischarts Ehe-
zuchtbüchlein (1578. Werke ed. Hauffen 3, 161) schließt mit der
Lehre : 'So vil hat Emsigkeit und Fleis meh dans Leibs Gschwindig-
keyt den Preis'.2) In Waldis' Esopus 3, nr. 76 (1548), aus dem
Eyring, Proverbiorum copia 3, 154 schöpfte, wird dagegen die
Geschichte vom Hasen und der Schnecke erzählt, wie ja im
1) Angeführt von Tzetzes, Chiliades 7, 105. Lateinisch von Rimicius
in Aesopi Phrygis et aliorum fabulae, Moguntiae 1536 p. 278 'De lepore
et testadine' = Neveletus, Mythologia Aesopica 1610 p. 316 nr. 292.
Haqueville, Sermones 1530 Bl. 35 nr. 13 = Guillaume, Recherches sur
La Fontaine 1822 p. 27. Le Jay, Bibliotheca rhetorum 1, 744 (1725).
Metrisch von Desbillons, Fabulae Aesopicae 1768 lib. 5, nr. 33 'Lepus et
testudo'. Italienisch bei Verdizotti, Cento favole 1577 nr. 80 und
C. Pavesio, 150 favole 1587 nr. 150. Luigi Grillo, Favole nr. 66. Fran-
zösisch: Corrozet, Fables 1544 nr. 94. La Fontaine, Fables 1. 6, nr. 10
'Le lievre et la tortue'. Fables de La Fontaine en chansons 1749
1. 3, nr. 17. Benserade, Fable nr. 67 (Labyrinthe de Versailles 1677).
Arabisch bei Loqmän nr. 20 (Chauvin 3, 31). Syrisch bei Sophos
hsg. von Landsberger 1859 nr. 38. Berberisch bei Basset, Loqman
herbere 1890 nr. 20.
2) Eine Anspielung auf die Fabel scheint der 1399 geschriebene
Ackermann aus Böhmen (S. 26, 18 ed. Knieschek 1877) zu enthalten.
Dort sagt der Tod bei einer Aufzählung der rühmlichen Taten des
Menschen: 'Wir sahen geren den wetlauf, den du tettest mit dem hasen.'
342 187. Der Hase und der Igel.
Mittelalter 'snecke' sowohl das lateinische testudo wie limax oder
concha wiedergibt.1)
Ein Has belacht ein arme Schneck
Und sprach: 'Du liegst so tief im Dreck,
Solltest eim Hund also entlaufen,
Ja in der Pfützen würdst ersaufen.'
Da sprach die Schneck: '"Weil du nun mich
Verachtest so gar jämmerlich,
Des ich mich nit versehen hätt,
Will mit dir laufen in die Wett.
Der Fuchs soll stecken uns das Ziel,
Zwen Schritt zuvorn dir geben will ;
So soll man sehn heut diesen Tag,
Was die Schneck und der Has vermag.'
Dem gschah also; er (der Hase) nahm drei Schritt,
Da blieb er sitzen, achtets nit.
Ein süsser Traum ihn da ergriff,
Wohl in die dritte Stunde schlief,
Gedacht: 'Derhalben darfst nit Eil,
Geh gmach und nimm dir wohl der Weil!'
In dem säumet sich nit die Schneck,
In einem Gang kroch für sich weg,
Bis sie zum erst erlangt das Ziel;
Da fehlt dem Hasen noch gar viel.
Die Schneck kam bei scheinender Sonnen:
Da hätts dem Hasen angewonnen.
Mancher sich auf sein Stärk verlässt,
Ist wahrlich darumb nit der best,
Schläft deste länger, säumet gern.
Man sagt: 'Mit Mußen kompt man fern.'
Eine ungeschickte Abänderung hat die Fabel im 4. Jahrh. bei
dem Rhetor Libanios in einem Musteraufsatze (Progymnasmata.
Opera 4, 853 ed. Reiske) erfahren, auf dem die zweite der armenischen
Fabeln des Olympianos2) beruht. Libanios setzt für den flinken
Hasen ein Pferd ein; dieses reizt durch seinen Spott die Schild-
kröte, es zu einer öffentlichen Probe der Schnelligkeit herauszu-
') Doch haben auch Guill. Haudent (Apologues d'Esope 2, nr. 40
1547) und G. Cognatus (Narrationum sylva 1567 p. 14 'De limace cum
lepore de cursu certante') die Schildkröte in eine Schnecke verwandelt.
2) Übersetzt in W. Roths Leben und Erstlingsschriften 1862 S. 67.
ZdmG. 2, 121.
187. Der Hase und der Igel. 343
fordern. Als der festgesetzte Tag kommt, hat es die Schildkröte
durch stete Übung dahin gebracht, daß sie das in Trägheit ver-
sunkene Pferd im Lauf überwindet.
Dagegen hat sich die ältere Form der griechischen Fabel in
einer serbokroatischen Erzählung bei Vrcevic, Basne S. 109
(Schildkröte und Hase; vgl. Zbornik jslav. 18, 224 nr. 16) und
durch die arabische Übersetzung Loqmans noch heut in Nord-
afrika lebendig erhalten; s. Basset, Etüde sur la Zenatia de
l'Ouarsenis 1895 p. 70 'Le lievre et la tortue'. In Samoa wird sie
von einer Schildkröte und einem Huhn erzählt, die um den Besitz
einer Quelle streiten; sie machen aus, wer am nächsten Morgen
zuerst dort ist, dem soll sie gehören; die Schildkröte macht sich
zeitig auf den Weg, das Huhn aber schläft bis zum Sonnenaufgang
(Turner, Samoa 1884 p. 217). Ebenso verläuft in einer Fabel der
Odjib wa-Indianer bei Schoolcraft, Algic researches p. 181 der
Wettlauf der Schildkröte und des Taubenfalken. — In einer
holländischen Erzählung,, die im übrigen mit mehreren unten
S. 352 aufgezählten französischen Fassungen durch das Motiv des
geschlossenen Stadttors zusammenhängt (Volkskunde 15, 75 nr. 28
'Van den kikvorsch en de slak'), wetten Frosch und Schnecke, wer
zuerst in die Stadt komme; der Frosch hüpft munter voran, findet
aber, da es schon Abend ist, das Tor geschlossen; die Schnecke
kriecht unverdrossen hinterher und klettert über das Tor hinüber.
Unterhaltsamer als solche Verherrlichung der Beharrlichkeit
wirkten die Listen, durch die in den andern Formen der Fabel der
Schwache den stärkeren Gegner überwindet. Für die zweite Gruppe,
in welcher die Hilfe der Verwandten die Besiegung des
schnelleren Gegners ermöglicht, liefert ein lateinisches Gedicht des
13. Jahrh. von des Igels Wettlauf1) das älteste literarische Zeugnis.
Hirsch und Igel bestellen gemeinsam ein Feld, geraten aber bei der
Teilung der Ernte in Streit, weil der Hirsch den Acker nicht
*) Aus dem Additional ms. 11619 des Britischen Museum gedruckt
bei Wright, Latin stories 1842 p. 171 = Zs. f. dt. Alt. 12, 527 (1865) =
Hervieux, Fabulistes 22, 755 nr. 34. — In einer hsl. Lüneburger Samm-
lung Versus proverbiales v. J. 1494 steht:
Ericius fatur: supra omnia sors dominatur,
Festinans contra celerem [1. cervum] sumens cibi cursum.
Glück walt als spil, spricht man,
Do lief der ygel den berenn [?] an.
344 187. Der Hase und der Igel.
gehörig gegen wilde Tiere bewacht hat. Sie rufen den Eber als
Schiedsrichter an, und dieser fällt den Spruch, wer die Flur am
schnellsten durcheile, dem solle der Acker gehören. Als der Igel
jammernd nach Hause kommt, weiß seine Frau klugen Rat; sie will
sich an dem andern Ende des Feldes aufstellen und den Hirsch zu
schnellerem Laufe reizen ; wenn der Igel das gleiche tue, werde der
Hirsch verwirrt den Kampf aufgeben. Und wie die Igelin geraten,
geschieht es.
1 Cervas et hericius agram consevere,
quem cum seges creverat, vastaverunt ferae.
super hoc consilium simul iniere,
quis custodiret agrum, sortemque dedere.
2 cervus, custos segetis primo deputatus,
hanc cum feris reliquis est depopulatus.
quod cum suus socius fuit perscrutatus,
rem tulit indigne, damnum portare gravatus.
3 'cerve frater', retulit, 'tu nos ambos prodis.
ego te solertior Omnibus sum modis,
en minus sollicite rem nostram custodis,
irasci dum tu vicinis pluribus odis.
4 si placet, custodia mihi deputetur,
ne pars haec, quae remanet, feris devoretur.
si mihi vis credere, cum fructu metetur.'
'hoc tibi,' cervus ait, 'pacto non cura negetur.'
5 custos agri pervigil circuit attente,
perterrendo bestias buccina clangeute,
hinc maturae tempore messis imminente
campum partiri studnit cervoque monente.
6 tota die pertica illum metientes
non secum conveniunt, sed sunt dissidentes,
confüctu non impari mane concurrentes,
partibus imparibus, sibi non sunt convenientes.
7 aprum die tertio cervus secum duxit,
formam litis initae prndenter instruxit,
ut litem dirimeret, iudicem conduxit,
nam nimis ecce diu litis discordia fluxit.
8 aper, sagax arbiter, partes convocavit.
'stabitis iudicio vos meo?' rogavit.
illis concedentibus diem protelavit,
nam nox instabat: sie ad sua quisque meavit.
187. Der Hase und der Igel. 345
9 mane facta siquidem lis est renovata.
ab apro sententia fertur promulgata:
'haec perfecta semper sit agri dominata,
quae citius sepis poterit percurrere prata.'
10 'heu me,' fit hericius, 'non est [tibi] curae
de cervi longissimo et de meo crure.
hoc est impossibile, contra ius naturae,
ut mibi proveniat illo victoria iure.'
11 in hunc modum queritans flens domum perrexit.
quem ut sua mulier dolentem conspexit,
quaerere quid boc[ce] sit, minime neglexit:
ille rei seriem fido sermone retexit.
12 tunc ait hericia veritate scita:
'notum tibi satis est, quod nos sumus ita
conformes et similes in bac ambo vita,
ut meus discernat inter nos nulla perita.
13 igitur consilium sanum tibi dabo,
vobis simul stantibus ego contra stabo;
cum ad me cucurrerit, tunc ego clamabo
'perveni citius ; ex hoc tibi prata negabo.'
14 hoc idem tu facies, donec sit confusus
et recedat penitus lassus et illusus.'
hoc artis ingenio cervus est conclusus,
contra spem misero fructus conceditur usus.
15 igitur a simili deus, rector poli,
superbos humiliat, mites iubet coli;
et quia non omnia praestat uni soli,
corporis exigui vires contemnere noli!
16 hoc designat fabula, qaod modo narravit,
uni quod omnipotens cuncta non donavit,
sed ex parte erigit, quos ex parte stravit.
consilio pollet, cui vim natura negavit.
Den Eingang dieser Erzählung, den gemeinsamen Ackerbau
beider Tiere und den Streit bei der Ernteteilung, treffen wir auch
in der unten bei Besprechung der dritten Gruppe anzuführenden
armenischen Fabel des 13. Jahrh. wieder an. Daraus haben A.Weber
(Indische Studien 3, 23. 39. 1855) und Dähnhardt (Natursagen 4,
86 — 90) auf gemeinsamen Ursprung aus byzantinischer Überlieferung
geschlossen ; Dähnhardt verweist dazu noch auf die beiden alt-
griechischen Fabeln von der Schlauheit des Igels, der durch Sich-
totstellen sein Leben rettet (oben 2, 120), während der prahlende
346 187. Der Hase und der Igel.
Fuchs umkommt, und ein andermal die Schlange, bei der er zu Gast
ist, aus ihrer Behausung verdrängt (Oesterley zu Kirchhof, Wend-
unmut 7, nr. 74. Wossidlo 2, 357 nr. 209). Ihm war entgangen,
daß schon 1879 0. Crusius (De Babrii aetate. Leipziger Studien zur
klassischen Philologie 2, 222) auf ein antikes Zeugnis für die Fabel
aufmerksam gemacht hatte. Eine schwarzfigurige Vase des 5. Jahrh.
vor Chr.,1) die als Hauptbild den bärtigen Dionysos mit seinem
Gefolge von Silenen enthält, zeigt auf der Rückseite ein reiches
Palmettenornament, umgeben von zwei auf Kranichen reitenden
keulenschwingenden Pygmäen, darunter einen Igel, einen Hasen und
einen zweiten Igel, welche sämtlich nach rechts auf einen Fuchs
zulaufen, der den Kopf zurückwendend die rechte Vorderpfote hebt.
Man wird die Vermutung nicht für zu kühn halten, daß hier der
Wettlauf des Hasen mit einem Igel dargestellt ist, der vorher einen
Genossen auf der Wegstrecke aufgestellt hat; der Fuchs scheint als
Kampfrichter dabeizustehen.2) Daß uns eine literarische Nachricht
von dieser Fabel mangelt, darf bei der lückenhaften und zufälligen
Überlieferung der griechischen Tiermärchen nicht Wunder nehmen
(Hausrath, Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum 1, 305).
Zu den oben auf Wilhelm Schröder zurückgeführten Erzählungen
gesellen sich die mecklenburgischen Redensarten bei Wossidlo 2, 32
nr. 172 und 212 : 'Ok all wedder dor, säd de Voß to'n Swinägel, dor
lepen se Weddbahn' oder 'Dat kümmt up'n Versöök an, säd de
Swinägel to'n Hasen'; ferner in dem oben 1, 424 angezogenen pader-
börnischen Märchen vom Bären und Fuchs. — Schwedisch:
x) E. Gerhard, Auserlesene griechische Vasenbilder 4, 89 Taf.
317 — 318, 4; vgl. S. Reinach, Repertoire de vases peints 2, 156.
2) Allerdings wird diese Deutung von neueren Archäologen be-
stritten, die hier nur 'raumfüllende Tiergebilde' erkennen (Waser in
Roschers Mytholog. Lexicon 3, 3300). Die sog. Northampton-Vase gehört
nämlich, worauf Carl Robert brieflich aufmerksam macht, zu einer Gruppe
kleinasiatischer Tongefäße (aus Klazomenä?), auf denen ähnliche Tier-
figuren in Verbindung mit Ornamenten wie auf den älteren Fikellura-
Vasen vorkommen (Boehlau, Aus ionischen Nekropolen 1898 S. 52.
Endt, Beiträge zur ionischen Vasenmalerei 1899 S. 21. Zahn, Berliner
philol. Wochenschrift 1902, 1261. Sieveking und Hackl, Vasensammlung
zu München 1, 62. 1912). Der Fuchs gleicht z. B. dem Hunde bei Sieve-
king 1, 59 Abb. 69; zwei springende Hasen r. und 1. von einer Palmette
ebd. 1, 62 Abb. 73. Aber gerade auf unserm Bilde fehlt die dort übliche
symmetrische Anordnung.
187. Der Hase und der Igel. 347
*Hembygden 1910, 215 (Hase und Igel). Hackmans Register nr.
275. — Englisch aus Northamptonshire : T. Sternberg in Notes
and Queries 3, 3. 1851 und 5, 364. 1852 (ganz wie in der Grimm-
schen Fassung, nur läuft statt des Hasen der Fuchs). — Franzö-
sisch: Rolland, Faune pop. 3, 61 (Fuchs und Kröte streiten um den
Ertrag des gemeinsam bearbeiteten Ackers); vgl. Sebillot, Folklore
3, 299. Rolland 3. 208. Souche, Proverbes, traditions et conjurations
(Bull, de la soc. de statistique des Deux-Sevres 1882) p. 19. Revue
des trad. pop. 6, 314 'Pourquoi le lievre a la babine fendue' (Hase
und Schnecke). 6, 315 (Fuchs und Reh). Sebillot, Litt, orale de la
Haute-Bretagne p. 237 (Fuchs und Schnecke); gereimt bei Sebillot,
La Bretagne enchantee 1900 p. 251 nr. 70 'Le colimacon et le renard'.
— Italienisch: Archivio 24, 81 nr. 1 (Hase und Frosch). — Mal-
tesisch: Stumme S. 86 nr. 33 'Der Schakal und der Igel' (bei der
Teilung der geernteten Rüben und des Weizens übervorteilt der
Igel den Schakal, wie unten in nr. 189 der Bauer den Teufel, und
stellt bei dem vom Schiedsrichter angeordneten Wettlaufe seine drei
Brüder am Wege von der Tenne zum Berge auf). — Serbo-
kroatisch: Valjavec S. 287 nr. 72 (der Igel kugelt sich hinunter,
das Reh zerschmettert sich den Kopf an einem Baum). — Polnisch:
Sumcov, Etnogr. Obozr. 3, nr. 10 S. 81 (Igel und Hase). Zbiör
wiadom. 11, 37 nr. 3 (Igel und Hase) = Ciszewski, Lud
rolniczo-görniczy S. 187. Chelchowski, Powiesci 2, 97 (Igel und
Hase). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 412
nr. 528 (Kröte und Hase). S. 37 nr. 76 (Igel und Hase). —
Slovinzisch: Lorentz, Texte S. 38 nr. 39e (Kröte und Hase). —
Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 37 — 38, 174 nr. 134 (Igel und
Hase). — Weißrussisch: Mater, kom. jez. 2, 156 nr. 2 (Igel und
Hase). — Lettisch: Zivaja Starina 5, 442 (Igel und Hase); vgl.
Dähnhardt 4, 71. — Finnisch: Aarnes Register nr. 1074 (Hase und
Wildschwein). — Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen S.
415 (Schwalbe und Frosch wollen den Bach entlang fliegen und
schwimmen). — In Nordafrika tritt wie in Malta ein Schakal an
die Stelle des Hasen, so in Marokko bei Quedenfeldt, Zs. f. Ethno-
logie 18, 682 (1886), bei den Zuaven in Algier nach Basset, C.
berberes 1, 14 nr. 6 'Le herisson et le chacal' (Ernteteilung).
Destaing, Beni-Snoüs 1, 249 nr. 2. Mercier, Chaouia 1896 p. 70 nr.
15 (Ernteteilung). Wolf und Igel laufen um die Wette bei Stumme,
Märchen der Berber von Tamazratt 1900 nr. 19.
348 187. Der Hase und der Igel.
Im übrigen Afrika, in Amerika und. Asien fällt regelmäßig der
Schildkröte die Rolle des schwerfälligen, aber schlauen Helden
zu, wie in der äsopischen Fabel. Wenn nach John Brinckman
(Aus dem Volk für das Volk 1, 8. 1854; vgl. Pröhle, Feldgarben
1859 S. 397) ein englisches Fabelbuch dieselbe Geschichte von einem
Windspiel und einer Schildkröte erzählt, so geht diese Variante
vermutlich auf ein amerikanisches oder asiatisches Vorbild zurück.
Indisch aus Ceylon: Steele, Kusa Jätakaya p. 257 'Cunning beats
strength' (Löwe und Schildkröte wollen über einen Fluß setzen).
The Orientalist 1, 87 (ebenso) = Clouston 1, 271. Parker 1, 241
nr. 37 'The lion and the turtle'. Bompas, Santal Paganas p. 328
nr. 115 'The elephant and the ants'. Aus einer Bearbeitung des
Pantsch atantra stammt die siamesische Geschichte vom Vogel
Phaya Khruth und der Schildkröte, die Bastian (Geographische Bilder
1873 S. 287 = Orient und Occident 3, 497; vgl. Dähnhardt 4, 63)
aus dem Nonthuk-Pakkaranam verdeutscht hat, und die von Hertel,
Journal asiatique 1908, 393 nr. 14 'Garuda et les tortues' aus dem
in der Lao- Sprache verfaßten Mulla- Tan tai übersetzte. Im
chinesischen Tcia-päo-che-T'ienn-ki (Journal asiatique 1881, 2, 541
= Aus fernen Landen 1, 34. 1903) ist es ein Rabe, der mit einer
Schildkröte wegen der Fluß-Überschreitung wettet. Annamitisch:
Globus 81, 304 (Tiger und Schildkröte). 92, 33. Anthropos 1, 82
(1906) 'Un sapo y un tigre'. Malaiisch: Tijdschrift voor ind.
taalkunde 37, 39. 133 (1894. Zwerghirsch und Wasserschnecke) —
Bezemer, Volksdichtung S. 20. Bijdragen tot de taalkunde van
Nederlandsch lndie 45, 222 nr. 12—14 = Globus 67, 387 (Eisvogel und
Seeschnecke; Strandläufer oder Hirsch und Seeschnecke). Skeat,
Eastern forest p. 33 (Seidenschwanz und Wasserschnecke). Fidschi-
Inseln: The Orientalist 1, 88 (Kranich und Taschenkrebs = Clouston
1, 267. — Berberisch bei den Schaui: Mercier, Le Chaouia 1896
p. 45 nr. 8 (Hase und Schildkröte). Kabylisch aus Algier:
Tradition 20, 270 (Schakal und Schildkröte). Wadschagga in
Ostafrika: Gutmann, Volksbuch der Wadschagga S. 208 nr. 153
(Antilope und Schildkröte). Wakonde: Mitt. des Orient. Seminars
2, 3, 82 = Dähnhardt 4, 51 = Basset, C. d'Afrique p. 277 (Elefant
und Schildkröte). Soubiya: Jacottet, Etudes sur les langues du
Haut-Zambeze 2, 40 nr. 10 (1899. Gazelle und Schildkröte). Gaca
bei Lourenzo-Marques : Revue des trad. pop. 10, 390 (Hase und
Schildkröte). Madagaskar: Renel 2, 150 nr. 98 (Wildschwein
187. Der Hase und der Igel. 349
ertrinkt beim Wettschwimmen mit dem Frosch). Mossutho in
Transvaal : C. Hoffmann, Der afrikanische Großvater 1907 S. 27 'Wie
Schildkröte des Königs Schwiegersohn ward' (die auf die Wegstrecke
verteilten Eier der Schildkröte antworten dem laufenden Wildbock,
ähnlich oben 2, 5271). Betschuanen: Ausland 1858, 232 (Stein-
bock und Schildkröte). Hottentotten: Bleek, Reineke Fuchs S. 25
(Strauße und Schildkröten; kein eigentlicher Wettlauf). Fang am
Kongo: Bull, de la soc. Neuchätelloise de geographie 16, 216
r Antilope und Schildkröte). Loango: Pechuel-Loesche, Die Loango-
Expedition 3, 1, 106 (1907. Krabbe und Schildkröte). Kamerun:
B. Schwarz, Kamerun 1886 S. 162 (Elefant und Schildkröte).
Meinhof, M. aus Kamerun S. 47 — Seidel, Afrikaner S. 162. v. Held
1904 S. 99 (Hase und Schildkröte). Lederbogen S. 40 nr. 18
(Antilope und Schildkröte). Mansfeld, Urwald-Dokumente 1908
S. 224 nr. 3 (ebenso). — Aus Brasilien: C. F. Hartt, Amazonian
tortoise myths 1875 p. 7 = Herbert Smith, Brazil 1879 p. 543 —
Bolland, Faune pop. 3, 3 (Beh und Schildkröte). Couto de Magalhäes,
O seivagem 1876 1, 185 = Magalhäes, Contes indiens du Bresil
1882 p. 18 = Zs. f. Ethnologie 19 (1887), 341 (Beh und Schildkröte)
= Anthropos 1, 189 (1906). Bomero p. 273 'Jabuti e o veado'.
J. de Santa Anna-Nery, Folklore bresilien 3, 191 (Hirsch und Schild-
kröte). E. St. Vraz, Cesty svetem 1, 378 (Hirsch und Schildkröte;
aus Yacita). Araukanisch aus Argentinien : Zs. f. Volkskunde 16,
160 nr. 3 (Fuchs und Frosch) = 14. Amerikanisten-Kongreß S. 686
(1906). Bahama: Edwards, Bahama songs and stories 1895 p. 69
(Entstellt. Seeschildkröte und Muschel). Jamaika: Jekyll 1907
p. 39 (Esel und Kröte). Negermärchen aus Nordamerika: Harris,
Uncle Bemus 1902 p. 86 nr. 18 (Kaninchen und Schildkröte, Bussard
Schiedsrichter). Hartt 1875 p. 12 — Biverside Magazine 1868, Nov.
(aus Carolina. Beh und Schildkröte1). Lippincott's Magazine 1877,
751 (Hirsch und Schildkröte) ; vgl. Crane, Journal of american folklore
1, 13. Ebd. 11, 284 (Beh und Schildkröte). Annuaire des trad.
pop. 2, 61 (1887. Louisiana. Brautgewinnung durch Wettlauf).
Cora-Indianer in Mexiko; Preuß, Nayarit-Expedition 1, 209 nr. 6
(1912. Wolf und Heuschrecke). Boas, Journal of am. folklore 25,
249 führt noch an: Dorsey, Traditions of the Caddo 1905 p. 104
(Coyote und Schildkröte) und Traditions of the Arikara 1904 p. 143 ;
Speck, Algonquin Indian tales p. 246; The Jesup North Pacific
Expedition 8, 395 (Teit, Mythology of the Thompson Indians);
350 187. Der Hase und der Igel.
Lumholtz, Unknown Mexico 1, 306 (1902. Frosch und Coyote);
Goddard, Anthropological papers of the American Museum of natural
history 8, 237 (1911. Frosch und Antilope). Cherokesen: Mooney,
Myths of the Cherokee p. 270 (Kaninchen und Schildkröte).
Kootenay-Indianer in Britisch Columbien : Am Urquell 3, 213
(Reh und Frosch). Zuhi: Cushing, Zuni folk-tales p. 277 = Dähn-
hardt 4, 59 (Mensch und Eichhörnchen).
Diese Form unsres Märchens wird in Schweden auch auf
ein Mädchen Tita Grä übertragen, die sich verpflichtet, in des Teufels
Dienst zu treten, wenn dieser sie im Laufe überwindet. Sie stellt
ihre Schwester Grä Lora am Ziele auf, und der Teufel rennt so lange
hin und wieder zurück, bis er sich die Beine bis zum Knie abgelaufen
hat (Henriksson, Plägseder och skrock 1889 S. 58; ähnlich Bondeson,
Historiegubbar 1886 S. 109. Hackmans Register nr. 1074). In
Finnland täuscht der Bauer Matti den Teufel ebenso mit Hilfe
seines Bruders oder seiner Frau (Dähnhardt 4, 94 nr. 72 a. Aarnes
Register nr. 1074).
Auf andre Weise wird in der dritten Gruppe der listige
Fuchs von dem kleinen Krebs betrogen. Das antike Sprichwort für
einen ganz unglaublichen Vorfall: KaQXivog Accyaiöv aiQEi, Cancer
leporem capit, Der Krebs will einen Hasen erlaufen,1) das in ver-
schiedenen mittelalterlichen Lügensprüchen widerklingt, erscheint hier
in Handlung umgesetzt. Statt des Hasen tritt aber der Fuchs ein,
der durch seine Stärke und Klugheit einen gewichtigeren Gegner
abgibt, und durch seinen langen, buschigen Schweif dem Krebs die
Möglichkeit bietet, sich unbemerkt anzuhängen. Als Vorbild mag
auch die antike Fabel vom Wettfluge des Adlers und des Zaun-
königs (oben S. 279) gedient haben. Eine lateinische Aufzeichnung
*) Diogenian 5, 96 (Paroemiographi ed. Leutsch-Schneidewin 1, 269.
2, 73. 469). Erasmus, Adagioram chiliades 1599 p. 37. Eyering, Pro-
verbiorum copia 2, 447. — Vgl. Erk-Böhme, Liederhort nr. 1103, 6:
'De krevet de dede den Hasen entlopen.' Reinmar von Zweter ed. Roethe
1887 S. 490 nr. 159, 9: 'Ein crebze vlouc mit einer tüben ze wette, ein
phunt err an gewan.' nr. 160, 6: 'Ein snegge wolte springen vür den
lebart beidiu berc unt tal.' Marner ed. Strauch XIV, 180: 'Ein snegge
tüsend klafter wol vür einen lebart spranc' Freidank 139, 19: 'Swer
lobt des snecken springen, der kam nie, da der lebart spranc' Suchen-
wirt 45, 100: 'Ein igel doch mit einem raben über meer, piz er gewan.'
Harrebomee, Spreekwoordenboek 2, 248: 'De schildpad zou eerder den
haas voorbij loopen.'
187. Der Hase und der Igel. 351
steht in den Fabulae Aesopicae des Joachim Camerarius 1570 p. 289
'Vulpes et testudo':
Suscepto cnrsus certamine inter valpem et testudinem, dicitur
testudo se caudae vulpinae implicaisse et ita hanc a currente vulpe
raptatam fuisse ad locum praefinitum, a quo cum proxime abesset vulpes,
respexisse fertur et per iocum dixisse, non se putasse tarn celerem esse
testudinem, cum illa de cauda ad Signum conversa arrepere perrexit et
non animadvertente vulpecula illud tenuit.
Es ist jedoch ungewiß, ob Camerarius hier eine ältere lateinische
oder gar griechische Fassung benutzte oder eine heimische Fabel in
lateinisches Gewand kleidete. Denn daß sie schon im 13. Jahrh.
bekannt war, beweist ein deutsches Gedicht, das Maßmann
(ZfdAlt. 1, 393 ; vgl. ZfdMythol. 2, 122. Goedeke, Mittelalter S. 637 b)
aus einer Wiener Hs. bekannt gemacht hat; dieses erzählt, wie
der Fuchs den Krebs im Grase liegen sieht und seines langsamen
Ganges spottet: 'Wann wollt Ihr über die Wiese kommen? Ihr könnt
besser rückwärts als vorwärts gehen.' Der Krebs antwortet stolz, er
könne besser als die Götter laufen, und bietet ihm einen Wettlauf
von einer Meile an, von Lune bis Toskan. Der Fuchs willigt ein,
und es wird ein Pfand gesetzt. Der Krebs will etwas voraus geben
und hinter dem Fuchs laufen. Dieser kehrt ihm also den Hinterteil
zu, und der Krebs packt seinen Gegner, ohne daß dieser es merkt,
mit der Schere an den Schwanz. Der Fuchs läuft, was er kann, und
als er am Ziel angelangt ist, kehrt er sich um und ruft: 'Wo ist
nun der Krebs?' Dieser, der vor ihm steht, antwortet: 'Da bin ich,
wie seid Ihr so langsam gelaufen!' Damit hat der Fuchs die Wette
verloren. Auch Fischart erinnert im Ehezuchtbüchlein (Werke 3,
162, 23 ed. Hauffen) mitten in der Fabel vom Hasen und der Schild-
kröte an diese Fassung; der Hase sagt:
Gut ists, das ich nickt wie der Fuchs
Hab einen Schwanz, du wirsts sonst flugs
Dich wie der Krebs auch bengen dran,
Das ich dich zum Zil schlenckert dan.
Wenig abweichend ist eine märkische Sage bei Kuhn 1843 S. 243
= Schwartz, Sagen aus Brandenburg S. 180 nr. 121 — Gander
nr. 324 ; nur der Schluß wird etwas verschieden erzählt. Der Krebs,
als sie dem Ziele nahe sind, kneipt den Fuchs in den Schwanz, so
daß dieser wütend um sich schlägt und jener an das Ziel geschleudert
352 187. Der Hase und der Igel.
wird, der jetzt als Sieger 'Krebs juchhe' schreit. An der Stelle
ward nachmals ein Dorf gebaut, das den Namen Krebsjuchhe erhielt,
woraus späterhin Krebsjauche entstanden ist. In einer p o mm er-
sehe n Passung (Bl. f. pomm. Vk. 3, 65 'Fuchs und Krebs') zahlt der
Fuchs, nachdem der Lauf mehrmals mit gleichem Ausgange wiederholt
ist, in der Schenke zwei Quart Schnaps als Preis der Wette. Auf
dem Heimwege offenbart der redselig gewordene Krebs seine List,
der Fuchs will ihm das Genick umdrehen, aber der Krebs springt in
den nahen Teich. Siebenbürgisch: Kbl. des V. f. siebenbürg.
Landeskunde 17, 111 (1894) 'Wie der Krebs den Fuchs überlistet'.
Ein ungedrucktes Gedicht von G. Thiele 'Krebs und Füchslein'
(um 1850) im Berliner Ms. germ. oct. 316, 3, Bl. 3 a. In einer
zweiten pommerschen Variante (Bl. f. pomm. Vk. 9, 38 = Brunk,
Garzigar S. 6 'Foß un Schwinegel') hängt sich ein Igel, in einer
Schweizer (J. Merz, Der poetische Appenzeller 1828 — Sutermeister
nr. 60), Tiroler (Zs. f. Volks k. 10, 58) und Siebenbürger (Haltrich,
Vm. nr. 112 = Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 56 nr. 19 und
S. 510) eine Schnecke an den Schwanz des Fuchses. — Schwedisch:
Allardt, Nyländska folkseder 1889 S. 100 = Dähnhardt 4, 94 nr.72b
(Fuchs und Pferd). — Norwegisch: Nicolaissen 1889 S. 52 (Fuchs
und Krebs). — Französisch: Kolland, Faune pop. 3, 208 (Fuchs
und Schnecke). Sauve p. 319 (Fuchs und Schnecke). Bei Clement-
Jannin, Sobriquets de la Cöte d'Or 1, 55. 2, 88 = Tradition 20, 273
= Kolland 3, 208; vgl. Sebillot, FL. 3, 338 wetten Wolf und
Schnecke, wer zuerst in Dijon sein werde ; als der Wolf vor das
Stadttor kommt, ist dieses geschlossen; die Schnecke läßt sich von
seinem Schwänze herunterfallen, kriecht unterm Tor durch die Mauer
hinauf und ruft von oben: 'Wo bleibst du, ich warte schon lange.'
Ebenso Wallonia 6, 48 (Fuchs und Schnecke vor Lüttich). —
Italienisch: A. Cornazano, Proverbii in facetie 1518 nr. 8, ver-
deutscht von Wesselski 1906 S. 75 (Fuchs und Krebs. 'Du kannst
ja ein guter Läufer sein, aber du siehst nicht danach aus'). Nerucci,
Cincelle da bambini p. 8 = Imbriani, Nov. fiorentina 1877 p. 613
nr. 49 'Far'e patti' = Marc Monnier p. 233 (Wolf und Krebs). —
Griechisch: Georgeakis-Pineau p. 95 'Le renard et le crabe' (Fuchs
und Krebs streiten bei der Teilung des gemeinsam gemähten und
gedroschenen Getreides). — Serbokroatisch aus Bosnien: Zs. f.
Ethnologie 20 (1888), *121. Krauß, Am Urquell 3, 214 (Fuchs und
Krebs). — Cechisch aus Mähren: hsl. Sammlung des Ed. Peck
187. Der Hase und der Igel. 353
nr. 24. — Wendisch bei Haupt-Schmaler, Volkslieder 2, 160 =
Haupt, Sagenbuch der Lausitz 2, 222 nr. 321. Der Fuchs kommt
zu einem Teich und will trinken. Ein Frosch quakt ihn an, und
der Fuchs droht: 'Geh weg, oder ich verschlinge dich.' 'Nicht so
hochmütig,' erwidert der Frosch, 'ich bin hurtiger als du'. Der
Fuchs lacht ihn aus und spricht: 'Wir wollen in die Stadt laufen,
da wird es sich zeigen.' Der Fuchs kehrt sich um, und der Frosch
springt in seinen Schwanz. Reinhart fängt nun an zu laufen ; als er
nahe beim Tor ist, dreht er sich um und will sehen, ob der Frosch
nachkomme; in dem Augenblick springt dieser von dem Schwanz
herab und in das Tor hinein. Als der Fuchs sich wieder umgekehrt
hat und in das Tor kommt, sitzt der Frosch schon am Ziel und ruft
ihm zu: 'Bist du endlich da? Ich bin schon auf dem Heimweg und
dachte, du würdest gar nicht kommen'. = Nawuka, Serbske nar. baje
S. 71 nr. 7 (Fuchs und Frosch). — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk
37—38, 479 nr. 369. 370 (Fuchs und Krebs). J. Franko, Als noch die
Tiere sprachen S. 13 nr. 4. — Großrussisch aus Gouv. Tambov: Afa-
nasjev 3 1, 25 nr. 15 = Gubernatis, Die Tiere S. 613 = Gerber 1891 nr. 22
(Fuchs und Krebs). — ■ Weißrussisch: Federowski 2, 1, 31 = Dähn-
hardt 3, 84 (Löwe und Dorn). Mater, kom. je^zyk. 2, 156 nr. 2. —
Litauisch: Veckenstedt, Zamaiten 2, 174 (Fuchs und Krebs). —
Lettisch: Ziv. Starina 5, 442 (Igel und Hase). — Finnisch: K.
Krohn 1, 388 (Fuchs und Krebs); vgl. Aarnes Register nr. 275 und
Dähnhardt 4, 81. — Zigeunerisch aus Ungarn: Wlislocki, Volks-
dichtungen 1890 S. 411 'Der Fuchs und der Krebs'. — Armenisch:
in den Wartan (f 1271) zugeschriebenen Fabeln (Choix de fables de
Vartan par J. Saint-Martin 1825 p. 15 nr. 8) und bei Olympianos nr. 22
(W. Roths Leben 1862 S. 76) streiten Fuchs und Krebs wie im griechi-
schen Märchen über das Korn, das sie zusammen gesät und eingeerntet
haben. — Ebenso in der neuaramäischen Fassung bei Lidzbarski
S. 91 nr. 9 : auf des Fuchses Vorschlag wird das ausgedroschene
Stroh auf die eine Seite der Tenne gelegt und die Körner auf die
andre; und der Haufen, zu dem ein jeder zuerst gelangt, soll ihm
zufallen; natürlich bekommt der Krebs das Getreide. — Indisch
in der Chiru-Sprache : Grierson 3, 3, 233 (Tiger und Schnecke). —
In zwei anamitischen Erzählungen (A. des Michels,- Contes
plaisants p. 47 und Bull, de l'ecole franc. d'Extreme-Orient 1901 =
Globus 81, 302) hängt sich die Kröte beim Wettlauf mit dem Tiger,
in einem Märchen der Ainos (Chamberlain p. 18) sogar der Fuchs
Grimm, Märchen-Anmerkungen TIL 23
354 187. Der Hase und der Igel.
an den Schwanz des Tigers. Noch entfernter steht eine Variante
aus den Fidschi-Inseln (The Orientalist 1, 88 = Clouston 1, 268);
hier setzt sich bei einem Wettfluge von Schmetterling und Kranich
der Schmetterling auf des Vogels Rücken und flattert, sobald der
Kranich sich langsamer fortbewegt, voran und ruft 'Hier bin ich',
bis der Vogel vor Ermattung stirbt. — Mauritius: Baissac, Les
contes pop. creoles de l'ile Maurice 1885 (Hase und Schnecke.
Schuchardt, Litbl. f. germ. Phil. 1885, 417). In den Fassungen aus
Madagaskar (Sibree, Folk-lore Journal 2, 79. 166. Bull, de
corresp. africaine 2, 180. Kenel 2, 229 nr. 129 und 296 nr. 148)
springt einmal der Frosch, das andremal das träge Chamäleon dem
Wildschwein auf den Hals und gewinnt so den Preis. Bei den
Mambettu nordöstlich vom Albert-Nyanza (Casati, Zehn Jahre in
Äquatoria 1, 154) steigt das Chamäleon auf den Schwanz des
Elefanten, stellt aber außerdem (wie in der zweiten Gruppe unsres
Märchens) viele seiner Brüder am Wege entlang auf. Bei denYao
am Nyassa (Ferstl, Mitt. des Seminars f. oriental. Sprachen 3, 3, 102
= Held S. 132 = Basset, C. d'Afrique p. 283) klettert die Schild-
kröte unbemerkt auf den Rücken des Löwen und gewinnt die vier
ausgesetzten Elfenbeinzähne. Bei dem Ga-Stamme an der Gold-
küste (Globus 93, 32. 1908) wollen die Tiere des Waldes den zum
Könige machen, der im Wettlaufe siegt; der Elefant langt zuerst am
Ziel an und will sich auf den Thron setzen, da ruft der Zwerghirsch,
der sich an seinen Schwanz angeklammert hat : 'Zerdrück mich nicht ;
siehst du nicht, daß ich hier schon sitze?' Ähnlich aus Togo vom
Hund und Chamäleon bei Schönhärl S. 77 nr. 24. Schönhärl S. 76
nr. 23: Fuchs und Krabbe. Suaheli: Mendner 1915 S. 31 nr. 21
(Hund und Chamäleon). — Brasilianisch: Hartt, Amazonian tortoise
myths p. 11. Archivos do Museo nacional de Rio Janeiro 6, 137.
1885 ; vgl. Andree, Zs. f. Ethnologie 19 (1887) S. 340. 674 (Reh und
Holzzecke). E. Nordenskiöld, Indianerleben 1912 S. 292 (Strauß und
Zecke). Araukanisch: R. Lenz 1896 S. 44 nr. 10 (Fuchs und
Bremse) = Lenz, Introduccion a los estudios araucanos 1896 — 97
p. 187. 314.
Auf ein Wettschwimmen zweier Fische übertragen erscheint
das Märchen in Finnland. Schwedisch bei Aberg S. 223 nr. 197 und
in Hackmans Register nr. 250 (der Kaulbars hält sich am Schwänze
des Hechts fest); finnisch bei Krohn 1, 430 = Schreck S. 238 nr. 12
(Lachs und Kaulbars) und Aarnes Register nr. 250: lappisch bei
1S3. Spindel usw. — 189. Der Bauer und der Teufel. 355
Friis nr. 2 = Poestion nr. 4 (Lachs und Meerbarsch); lettisch bei
Lerchis-Puschkaitis 5, 59 nr. 2 = Zivaja Starina 5, 443; vgl.
Dähnhardt 4, 92. Über das gleichartige Wett fliegen von Adler
und Zaunkönig vgl. oben S. 278.
Entfernter steht die von W. Grimm angezogene Fabel von dem
aus dem Netze springenden Hecht, der den rückwärts kriechenden
Krebs verlacht (Waldis, Esopus 4, nr. 79), die afrikanische von der
Ratte und der Kröte, die zwischen den Menschen umherläuft, weil
sie niemand ihrer Bitterkeit wegen anrühren mag (Koelle p. 174 nr. 8
= Bleek S 151 nr. 29), und die bei Dähnhardt 4, 93 genannten
Wettstreite von Schnecke und Maikäfer (Bl. f. pomm. Vk. 3, 44), von
Hase und Erde (Casati, Zehn Jahre in Äquatoria 1, 309) und von
Elefant und Affe (J. L. Wilson, Western Africa 1856 p. 382). — Eine
seltsame astrale Deutung unsres Märchens trägt K. von den Steinen,
Zs. f. Volksk. 25, 260 'Orpheus, der Mond und Swinegel' vor.
188. Spindel, Weberschiffchen und Nadel, issest
259.
1843 nr. 188. — Nach Aurbachers Büchlein für die Jugend
1834 S. 160 — 166 'Die Patengeschenke'. Vgl. Hamann, Die literarischen
Vorlagen 1906 S. 96.
Der Königssohn will das Mädchen heiraten, das zugleich das
ärmste und das reichste ist. Da erweisen Spindel, Weberschiffchen
und Nadel sich der Fleißigen wie gute Geister dankbar und führen
ihr das Glück zu. — Eine geistliche Ausdeutung auf die Passion
Christi gibt die andächtige Nähterin ihrer Elle, Nadel, Schere und
andern Werkzeugen in dem Liede bei Ditfurth, Fränkische Volks-
lieder 2, 248 nr. 325 (1855) und im Volksliederbuch für Männer-
chor 1907 nr. 106.
189. Der Bauer und der Teufel.
1843 nr. 189. — Nach Aurbachers Büchlein für die Jugend
1834 S. 249—251 'Der Teufel und der Bauer'; vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen 1906 S. 97. Ausgelassen ist ein schlecht er-
dachter Schluß, wonach der Teufel und der Bauer versuchen, wer
am meisten Hitze aushalten kann.
23*
1856 S. 259.
356 189. Der Bauer und der Teufel.
In einem Nürnberger Bildergedicht aus der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts 'Wunderliche Zeitung von dem neuen Wunder-
Krieg und erlangten Weiber-Sieg'1) wird der bei der Rüben- und
Kornernte geprellte Teufel, als er rachsüchtig wiederkommt, von
dem bösen Weibe des Bauern mit Rockenstiel und Ofengabel in
die Flucht gejagt. Dagegen verknüpft die folgende Erzählung 'Wie
ein Bauer den Teuffei betrog' (Mancherley artige annehmliche Hi-
storien und Geschichte, oder Zeit-Verkürtzer, Augspurg 1675, Bl. B6a.
Berlin Yt 9641) unser Märchen mit der schon bei Rabelais ihm an-
gehängten Kratzwette, bei der die listige Bäurin dem Teufel
Angst vor der Stärke ihres Mannes einzuflößen weiß : 2)
Ein Bauer und der Teuffei hatten allebeyde ein Stück Landes zu-
sammen, welches der Bauer besäen muste. Auff eine Zeit kam der
Teuffei und sagte, sie wolten darumb werffen, wer die höchste Augen
hette, der solte erwehlen, von dem, was gesäet würde, zunehmen oben oder
in der Erden. Sie warffen, und warff der Teuffei 12 Augen, gewan also
dieß Jahr und forderte, was über der Erde. Der Bauer noch schlimmer,
säet lauter Gelbe Rüben, gab also dem Teuffei das Kraut, und er behielt
also das beste. Das ander Jahr spielten sie wieder, und gewann der
Teuffei wieder, forderte damahls also das unter der Erden. Da säete der
Bauer Korn, und ward der Teuf fei wieder betrogen, welcher auch böse
wurde und zum Bauren sagte, er muste sich mit ihm kratzen.
Da ward der arme Bauer betrübt. Dieses merckte seine Frau und
fragte, was ihm wäre. 'Ach,' sagte der Bauer, 'was soll mir seyn! Ich
soll mich mit dem Teuffei kratzen, und darumb ist mir so angst.' —
'Ho, Ho,' sagte die Frau, 'welche Zeit?' — 'Nachmittag Glocke 2,' sagte
der Bauer. 'Gehet ihr nur aus, ich will es für euch abnehmen,' sprach
sie. Und wie es Zwey schlug, gieng sie an den Ort, wo das Kratzen
solte angehen, hub sich rings umbher auff, legte sich nieder auff die
*) Abgedruckt Zs. f. Volkskunde 8, 21. Nach dem Druckvermerk
'bei Paulus Fürsten Wittib und Erben' ist das Blatt zwischen 1667 und
1696 erschienen (ebd. 20, 202). — Zu dem Kampfe des bösen Weibes
mit dem Teufel vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 15, 150; auch Brietzmann,
Die böse Frau 1912 S. 193. 199 und die Bilder bei Diederichs, Deutsches
Leben der Vergangenheit 1, nr. 397, 462 und 619.
2) Derselbe Text steht auch in einem aus dem Holländischen über-
setzten Schwankbuche 'Der Geist von Jan Tambaur, gedruckt in diesem
itzigen Jahr' S. 120 'Ein Baur der den Teuffei betrog' (Berlin Yt 9901, 3).
Holländisch: De geest van Jan Tamboer 1, 138 'Van een Boer die de
Duyvel bedroogh' (Amsterdam 1664. Eine Ausgabe von 1656 verzeichnet
Graesse, Tresor de livres rares 3, 450a).
189. Der Bauer und der Teufel. 357
Erde und ließ beyde Casteel fein von ander stehen. Da kam der Teuffei
und rieff: 'Herausser, Bauer, heraus!' — 'Ja,' antwortete des Bauern
seine Frau, 'der Schelm ist wieder nach dem Schmid und lasset sich die
Nägel schärffen. Er hat mir mit seinen kleinen Fingern solche zwey
Biß gemachet, die nimmermehr zu heylen stehen.' — 'So habe ich nichts
mit ihm zu thun', sagte der Teuffei und schied davon.
Andre Fassungen setzen an die Stelle des pfiffigen Bauern
(Zigeuners) einen Heiligen (Petrus, Johannes, Martin, Crispin,
Michael, Sabbas) und an die des geprellten Teufels einen Berggeist
oder einen Bären, ja einige verwandeln die Erzählung in ein Tier-
märchen, dessen Helden Fuchs und Bär (Wolf) oder Ziege und
Wolf oder Igel und Schakal (Wolf) sind. Daß dies in Frankreich,
Schottland, Skandinavien, Finnland und Rußland verbreitete Tier-
märchen erst aus dem Schwanke vom geprellten Teufel hervorge-
gangen ist, hat Krohn1) dargelegt.
Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Oberwallis S. 232 'Der
Hofnarr Makolbus' (Kartoffeln und Korn); Schweiz. Archiv f. Volksk.
17, 95 'Teufel und Macolvi' (ebenso) = Küffer, Lenker Sg. S. 57.
Aus Tirol bei Alpenburg, Alpensagen nr. 63 'Ein Zillertaler be-
trügt den Teufel' (Weizen, Buben). Aus Kärnten bei Graber
nr. 390 'Der geprellte Teufel' (Rüben, Weizen). Aus Sieben-
bürgen im Kbl. f. siebenbürgische Landeskunde 9, 58 (1886.
Zigeuner und Teufel). Aus der Eifel bei Schmitz 2, 142 'Till
Eulenspiegel zu Dahnen' (teilt mit den Bauern Korn und Kartoffeln).
Aus dem Amte Beverstedt bei Köster, Altertümer der Herzog-
tümer Bremen und Verden 1856 S. 227 = v. Harten und Henniger
2, 85 'Der dumme Teufel' (Rüben, Weizen). Aus Holstein bei
Müllenhoff S. 278 nr. 377 'Die geteilte Wette' = Merkens, Was
sich das Volk erzählt 1, nr. 103 (Rüben, Weizen, Kratzwette).2)
J) Krohn, Bär nnd Fuchs (Journal de la soc. finno-ougrienne 6.
1889) S. 104—111. Wünsche (Der Sagenkreis vom geprellten Teufel 1905
S. 70 — 79) bietet hierzu nichts Neues.
2) Der Teufel, als er sich betrogen sieht, droht, übermorgen wolle
er kommen, dann solle der Bauer sich mit ihm kratzen. Dem Bauer
wird angst; seine Frau aber spricht ihm Mut ein, sie wolle schon mit
dem Teufel fertig werden. Der Bauer geht fort, und als der Teufel
kommt, sagt sie ihm : 'Da hat mein Mann mit dem Nagel seines kleinen
Fingers diesen großen Riß quer in meinen schönen eichenen Tisch ge-
macht.' 'Wo ist er denn?' spricht der Teufe). 'Wo anders als beim
Schmied? Da läßt er sich die Nägel schärfen.' Worauf der Teufel
sachte sich fortmacht.
358 189. Der Bauer und der Teufel.
Aus Pommern bei Asmus-Knoop S. 24 'Der dumme Teufel' (Rog-
gen, Kartoffeln, Erbsen; Stiefel voll Geld). Aus Posen bei Knoop,
Sagen aus Posen 1893 S. 107. Rogasener Familienblatt 1912, 51
'Ein Bauer wettet mit dem Teufel' (Rüben, Klee). Aus Ostpreußen
bei Lemke 2, 15 'Auf die Hälfte säen' (Roggen, Kartoffeln, Erbsen ;
Stiefel im Schornstein).
Niederländisch: De geest von Jan Tamboer 1656 (oben S.
3562). Landschoot, Volksvertelsels in het Meetjesland 1895 nr. 2 'De
boer en de duivel' (Korn, Rüben). — Dänisch: Thiele, Folkesagn
1843 2, 240 'En bonde narrer en trold' (Rüben, Korn). Kristensen,
Sagn fra Jylland S. 278 nr. 399 'Bonde og bjsergmand i fsellig'
(Roggen, Kartoffeln; Buchweizen soll der haben, der ein unbekanntes
Tier zeigen kann).1) Skattegraveren 2, 68 'Bjsergmanden og bonden
i fsellig' (Kartoffeln, Erbsen, Schweine; Kratzwette). — Schwedisch:
Bondeson, Halländska sagor nr. 17 'Drängen ä skam'. Bondeson,
Svenska folksagor nr. 47 'Sankte Pär och den onde' (Petrus; Wald,
Roggen, Kartoffeln, Schweine). Bergström-Nordlander, Sv. landsmälen
5, 2, 19 'Björnens ock räfvens samarbete' (Rüben, Korn). Russwurm,
Sagen aus Hapsal 1861 S. XVII zu nr. 170 'Der Bär und der Bauer'.
Aberg nr. 27 'Gubben och bärgsrädet' (Kartoffeln, Hafer; wunder-
liches Tier); nr. 136 'När Petrus o den unda va i bolag me var-
andra' (Roggen, Rüben, Schweine). Hackmans Register nr. 1030.
— Norwegisch: Asbjörnsen nr. 74 'Björnen og rseven, 3 De
skulde have ager i sameie' (Fuchs und Bär; Korn, Rüben) = Dasent
1874 p. 126. Aasen, Prover af landsmaalet2 1899 S. 76 'Bjoinn aa rseven'.
— Schottisch: Campbell2 3, 108 nr. 65 'The keg of butter' (Fuchs
und Wolf; Butter vom Fuchs heimlich ausgeleckt wie oben 1, 10;
Hafer, Kartoffeln ; Name auf dem Huf der Stute, vgl. oben S.
77) == Brueyre p. 362. — Wallisisch: Folk-lore 15, 85 'Jack
Kent' (Jack und Teufel; Rüben, Weizen). — Französisch bei
Rabelais, Gargantua B. 4, cap. 45 — 47 (1533. Korn, Rettige; Kratz-
wette); danach Lafontaine, Contes 4, nr. 6 'Le diable de Papefiguiere'.
In der Normandie erzählt das Volk noch heute, wie sich der h.
l) Das für den Teufel rätselhafte Tier ist die auf allen Vieren
kriechende Frau, die sich nackt mit Teig bestrichen und in Vogelfedern
gewälzt hat; vgl. die Nachweise oben 1, 4111 und dazu Schweizerisches
Archiv 17, 81. 18, 92. Feilberg, Zs. f. Volkskunde 8, 2662. Hnatjuk,
Geschlechtleben 1, 185. 2, 269. Hackmans Register nr. 1091. Aarnes
Register nr. 1091.
189. Der Bauer und der Teufel. 359
Michael mit dem Teufel gestritten habe, wer die schönste Kirche
erbauen könne. Der Teufel baut eine steinerne, Michael fügt die
schönere aus Eis zusammen. Als diese hernach schmilzt, wollen
beide den Boden bebauen; der Teufel wählt das obere Kraut, Mi-
chael behält das in der Erde steckende (J. Grimm, Mythologie3 S.
981. Sauvage, Legendes normandes 1869 p. 25). Fleury p. 113
(Martin und Teufel. Korn, Buben). Sebillot, Contes 3, 315 nr. 45
'Le diable laboureur et marin' (Mohrrüben, Buben, Tabak). Gittee-
Lemoine p. 32 'Le diable dupe' (Getreide; Kratzwette). Zeliqzon-
Thiriot p. 3 'L'espiegle et le diable' (Kampf mit langem und kurzem
Stab; Kartoffeln, Getreide; Alter erraten, Tabak). Monseur p. 58
'Le diable et le paysan' (Getreide, Buben). Sebillot, Trad. de la
Haute- Bretagne 1, 326 'Saint Michel et le diable' (Schloß aus Eis
und aus Stein; Weizen, Buben; Kampf mit langem und kurzem
Stab); 1, 181. Madelaine, Au bon vieux temps 1, 193 'Les navets'
(Petrus. Buben, Korn, unbekanntes Tier). Dardy 2, 215 nr. 58 'Le
metayer et le diable'. Carnoy, Picardie p. 62 'Saint Crepin et le
diable' (Buben, Korn; unbekannte Pflanze). Carnoy, Legendes de
France p. 19 'Saint Martin et le diable'. Laisnel de la Salle, Le
Berry p. 148 (Martins Eismühle ; Kartoffeln, Weizen) ; p. 156 (Fuchs
und Wolf teilen Nüsse und Obst). Laisnel de la Salle, Croyances
du centre de la France 1, 130. Berenger-Feraud, Superstitions et
survivances 4, 425. Froidure d'Aubigne, Contes licencieux de l'Alsace
1906 p. 119 nr. 28 'L'animal inconnu' (Kartoffeln, Korn; unbekanntes
Tier). Sauve p. 289 (St. Martin. Getreide, Buben). Thuriet, Jura
p. 176 = Thuriet, Haute -Saone 1892 p. 596 'St. Pierre et Satan
fermiers du bon Dieu'. Bolland, Faune pop. de la France 1, 150
'Le loup et le renard' (aus Ardeche. Buben). Blade, Agenais p. 26
'La chevre et le loup' (Ziege und Wolf. Buben, Korn. Wolf in
der Kirche und im Brunnen) = Blade, Gascogne 3, 159; vgl. B.
Köhler 1, 136. Arnaudin p. 57 'Le bon Dieu et le diable' (Buben,
Getreide. Windmühle aus Stein und aus Eis). Bevue des langues
romanes 28, 47 'La femme est plus rusee que le diable' (Buben,
Getreide; Kratzwette). Bevue des trad. pop. 3, 166 'La chaine du
diable' (Gott und Teufel; Korn, Kartoffeln). 6, 169 'Le diable et le
cultivateur' (Korn, Kartoffeln). 6, 545 'Saint Guenole et le diable'
(Steinhaus, Eishaus ; Buben, Getreide ; Kampf mit Knüttel und
Messer, Heugabel und Pfriem). 9, 346 nr. 58 'Le diable dupe'
(Kohl, Mohrrüben). 9, 350 nr. 65 'Le loup et le renard' (Getreide,
360 189. Der Bauer und der Teufel.
Rüben). Auch bei A. Dumas pere, Contes pour les petits o. J. p.
146 'Le roi des quilles' benutzt. Maupassant, Clair de lune 1909
p. 101 'Legende du Mont-Saint-Michel'. Roman. Forschungen
16, 326. — Italienisch: Rainardo e Leserigrino ed. Teza 1869
p. 13. 50 f. (Ziege und Wolf). Schneller, Wälschtirol nr. 2 'St.
Johannes und der Teufel' (Dachschindeln anfädeln, Rüben. Weizen).
— Maltesisch: Stumme nr. 33 'Der Schakal und der Igel' (Rüben,
Weizen; Wettlauf wie oben nr. 187). — Spanisch um 1329 bei
Juan Manuel, El conde Lucanor nr. 43 ed. Knust 1900 = Eichen-
dorff, Werke 3864 6, 532 nr. 41; vgl. Chauvin 2, 159: der Böse
übervorteilt viermal den Guten, indem er von den Schafen die Milch
und Wolle nimmt und jenem von den Schweinen Milch und Borsten
läßt, dann von den Rüben den unteren Teil beansprucht und jenem
den unteren Teil des Kohls gibt; als aber die Sklavin dem Bösen
ein Kind gebiert, darf sie es nicht säugen, weil dem Guten das, was
über dem Gürtel ist, gehört. — Portugiesisch: Braga 1, 175
nr. 81 '0 compadre diabo' (Weizen, Kartoffeln; Kratzwette). —
Baskisch: Webster p. 43 'Acheria the fox' (Fuchs und Wolf, unten
in der Kanne ist Kot, darüber Sahne). — Serbokroatisch: Wuk 1870
S. 274 nr. 20= 1897 S. 280 nr. 70 = Jagic, Archiv 2, 640 nr. 35 'Der h.
Sabbas und der Teufel' = Krauß 2, 411 nr. 153 (Zwiebeln, Kohl,
Erdäpfel, Weizen, Wein), vgl. R. Köhler 1, 431. Brastvo 12—13,
149 nr. 15 (Sava und Teufel; Zwiebeln, Hanf, Erdäpfel, Apfelbaum,
Rüben, Weinreben, Melonen; der Teufel erhält die Früchte der
wilden Rose, des Weißdorns und die Brombeeren). — Bulgarisch:
Sbornik min. 2, 186 = Sapkarev 8—9, 93 nr. 74 = Strauß S. 263 (Zwiebeln,
Weizen). Sbornik min. 3, 302 nr. 2 (Bauer und Bär, wie Afanasjevnr. 7b).
— Slovakisch: Slovenske Pohl'ady 1892 S. 611 nr. 2 (Kraut,
Rüben). 1895 S. 329 nr. 5 (Korn, Erdäpfel). — Cechisch aus
Böhmen : C. Lid 20, 448 (Getreide, Rüben, Erdäpfel). Aus Mähren :
Mensik, Jemnic. S. 157 (Erdäpfel, Korn; der vom Teufel ge-
rodete Acker fällt dem Weibe zu). Kulda 2, 228 nr. 120 (Mohn,
Mohrrüben; Teufel und böses Weib). Pfikryl S. 186 (Teufel als
Knecht heiratet eine Witwe; Mohn, Mohrrüben). — Wendisch:
Ad. Cerny S. 363 nr. 195 (Petrus und der Teufel stehlen zusammen
ein Schwein, Kraut und Rüben ; der Teufel erhält den Schwanz, die
Wurzeln des Kohls und die Blätter der Rüben). — Polnisch:
Kolberg, Lud 3, 185 nr. 39 (Hirse, Rüben). 8, 230 nr. 96 (Erdäpfel,
Kraut). 12, 228 (Teufel und Weib; Weizen, Rüben). 14, 237 nr. 57
189. Der Bauer und der Teufel. 361
(Bier gebraut, Buben) aus Przyjaciel ludu 1838 nr. 31, bearbeitet
von Fr. Morawski, Bauer und Teufel; vgl. Zdziarski, Pierwiastek
ludowy S. 242 und Nitschmann, Iris 1880 S. 168. Kolberg, Lud 21,
198 nr. 14 (Hirse, Buben). Zbiör 5, 3, 209 nr. 16. 246 nr. 50 (Erd-
äpfel, Getreide). Wisla 6, 313 nr. 6 (Teufel als Knecht; Korn,
Buben). Bawicz -Witanowski, Lud wsi Stradomia (Wisla 10, 366).
Mater, antropol. 13, 139 nr. 16 (Buben, Weizen). Malinowski 1, 45
(Mohn, Mohrrüben). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 356
nr. 462 (Bauer und Teufel; Wruken, Korn). S. 608 nr. 749 (ebenso).
— Kleinrussisch: Etnograf. Zbirnyk 6, 71, nr. 206 (Mohn, Mohr-
rüben). 14, 312 nr. 66 (Erdäpfel, Mohn). 33, 49 nr. 131 (Korn, Erd-
äpfel). 37 — 38, 156 nr. 125 (Bauer und Bär; Buben, Mohn; Bär mit
der Heugabel aus dem Stall vertrieben). 37 — 38, 158 nr. 126 (Bauer,
Bär und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b, dazu Prellung des Fuchses;
Weizen, Buben). Jubil. Sbornik Millera S. 174 (aus Odessa). Zbiör 9,
130 nr. 21 (Buben, Hirse). Budcenko 1, 52 nr. 29 (Erdäpfel, Mohn).
Hrincenko 2, 85 nr. 73 (Mohrrüben, Mohn). Öuckevye S. 9 nr. 3
(Gott und Teufel; Buben, Weizen). — Weißrussisch: Glinski 3,
191 nr. 11 (Teufel im Joch; Bier, Buben, Erbsen). Dobrovoljskij 1,
638 nr. 4 (Wie ein Müller den Teufel überlistete. Weizen, Buben).
Sejn 2, 31 nr. 18 (Sperling und Maus; Weizen, Buben). Federowski 1,
171 nr. 558 (Buben, Weizen). Bomanov 3, 26 nr. 18 b (Bauer, Bär
und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b. Hirse, Buben). — Großrussisch:
Afanasjev3 1, 14 nr. 7 a 'Bauer, Bär und Fuchs' (aus Gouv. Tula.
Buben; der Fuchs befreit den Bauer); nr. 7b (Gouv. Tambov. Buben,
Weizen; Fuchs befreit den Bauer wie im Estnischen); 1, 15 nr. 7c
(Gouv. Astrachan. Ebenso) = Hins 1883 p. 75 = Brandt 1904 S. 87
'De boer, de beer en de vos'; vgl. Gubernatis, Die Tiere S. 331. 426.
Aus Gouv. Kursk: Mater, velikorus. goverov. 9, 154 (Korn, Buben;
Fuchs rettet den Bauer vom Bären). Zap. Krasnojarsk. 2, 159 nr. 38
(Maus und Sperling; Buben, Weizen; Krieg der Tiere). — Litauisch:
Dowojna Sylwestrowicz 1, 211 (Getreide, Buben). — Lettisch:
Bevue des trad. pop. 2, 486 nr. 8 (Gott und Teufel ; Buben, Kohl).
Zivaja Starina 5, 84 (Gott und Teufel; Buben). — Estnisch: Bosen-
plänter, Beiträge zur Kenntnis der estnischen Sprache 8, 131 (1817) =
Grimm, Beinhart Fuchs 1834 S. CCLXXXVIII nr. 6 'Bär und Mann'
(Buben, Hafer!; der Fuchs bringt es durch List dahin, daß der Bär, der
dem Mann die Ochsen wegnehmen will, gebunden und getötet wird)
= Bußwurm, Sagen aus Hapsal 1861 nr. 170 'Der Bär und der
362 189. Der Bauer und der Teufel.
Bauer' = v. Löwis 1916 S. 70. Kallas nr. 64 'Gott und der
Böse' (Rüben, Gerste, Kartoffeln, Branntwein. Verhandlungen 20,
188). — Finnisch: Salmelainen 3, nr. 13 = Schreck S. 212 'Der
Bauer und der Bär' (Rüben, Weizen ; Fuchs rettet). Krohn 1, 411
nr. 49; vgl. Krohn, Bär und Fuchs (Journal de la soc. finno-
ougrienne 6) S. 103 — 108; Aarnes Register nr. 1030. — Mor-
dwinisch: Paasonen, Proben 1, 148 nr. 16 'Fuchs und Bär (Weizen,
Rüben. Journal 12) = Obrazcy 1883 2, 11 nr. 5 = Anikin S. 49.
Obrazcy 2, 51 nr. 13 (Bauer, Bär und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b).
Sachmatov S. 322 (Jäger statt des Fuchses). — Wot jakisch: Wich-
mann, Sprachproben 2, 116 nr. 23 'Der Mensch und der Bär' (Rüben,
Weizen) und 2, 124 nr. 28 'Der Wassergeist und der Bär' (Rüben,
Roggen. Journal 19). Izvestija archeol. Kasan 3, 234 nr. 9 (Rüben,
Erbsen). — Tschuwassisch: Ahlquist, Muistelmia matkoilta
Wenäjällä vuosina 1859 S. 147. Spir. Michajlov, Cuvas. razgovory
S. 50 (Gerste, Rüben; Tatzen des Bären eingeklemmt). — Grusi-
nisch: Sbornik Kavkaz. 17, 128 (Gott und Teufel; Getreide, Knob-
lauch), vgl. Sumcov, Razysk. anekdot. S. 179. — Kaukasisch:
Bestuschev im Magazin f. Lit. des Auslandes 1834, 533 = Kletke,
Märchensaal 3, 94 'Der arme Teufel' (Rettige und Rüben). — Indisch:
Parker 1, 322 nr. 59 'The Gamaräla and the washerman' (Reis, Zwiebeln;
Büffel, Holz von verschiedenen Bäumen). — Neuaramäisch: Lidz-
barski 1896 S. 73 'Der Mossulaner und der Teufel' (Zwiebeln, Weizen ;
Kampf mit langem und kurzem Stecken) = Zs. f. Assyriologie 9, 261. —
Arabisch: Rückert, Der betrogene Teufel (Wendts Musenalmanach
1830, 50 = Poetische Werke 1868 4, 110; englisch bei P. Carus,
History of the devil 1900 p. 254) nach einer unbekannten Quelle;
das Magasin pittoresque 8, 133 (bei Laisnel de la Salle, Croyances
du centre de la France 1, 130. 1875) führt aus einem 'orientalischen
Gedichte' folgende mit Rückert übereinstimmende Stelle an: 'Vous
savez que la moitie du monde est ä moi, ainsi la moitie de votre
moisson m' appartiendra.' Certeux-Carnoy, L'Algerie traditionnelle
1, 55 nr. 19 (1884). *Trumelet, L'Algerie legendaire 1892. Stumme,
ZdmG. 48, 396 nr. 3 'Wolf und Igel' (aus Tazerwalt) = Seidel,
Geschichten und Lieder der Afrikaner 1896 S. 91. Mercier, Essai
sur le Chaouia de l'Aures 1896 p. 70 nr. 15 'Histoire du Hon, de
l'änesse, du chacal et de l'herisson' und Basset, C. berberes 1, 14
nr. 6 'Le herisson et le chacal' (Zwiebeln, Getreide; Wettlauf wie
in unsrer nr. 187), vgl. 2, 193.
189. Der Bauer und der Teufel. 363
Die Teilung der Ernte in eine obere und eine untere Half te
tritt schon in der spanischen Fassung Juan Manuels auf, die sonst
manches Eigentümliche bietet.1) In einer lateinischen Fabel von
Desbillons (Fabulae Aesopicae 1763 Hb. 6, fab. 21 'Pueri duo') teilen
zwei Knaben Nüsse und Oliven so, daß der Schlaue von den Nüssen
die Kerne und von den Oliven die Schalen erhält. In einer mecklen-
burgischen Sage (Bartsch 1, 97 nr. 111) willigt der Teufel in die
Teilung der Butter, erhält aber nur wenig, weil er sich nicht gleiche
Teile ausbedungen hat. Nach deutschem Volksglauben müssen
Früchte, die über der Erde wachsen, in zunehmendem Mond-
lichte, die unter der Erde in abnehmendem Lichte gesät werden
(J. Grimm, Myth.3 S. 628. Beiser, Allgäu 2, 253. Drechsler,
Schlesien 2, 50. 54. A. John, Volksglauben in Westböhmen 1905
S. 198. Strackerjan, Oldenburg2 1, 54).
Die Kratzwette, welche bei Babelais, Jan Tamboer und
sonst als Schluß verwendet wird, erscheint auch als selbständiger, oft
bedenklich schmutziger Schwank.*2) So bei Hans Sachs, Der ver-
schnitten Bär (Fabeln 3, 81 nr. 25 = Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 455;
vgl. 11, 70) und Ernst Wolgemuth, Der träumende Musen-Freund
(um 1670) S. 83 nr. 95 = Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 70 (Köhler und
Teufel). Aus Holstein bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 78 'De grot
Gatz' (Teufel); H. Seidel, Gedichte 1903 S.209 'Der betrogene Teufel'
(Biß im Eichentisch) ; aus Pommern bei Jahn, Vm. 1, 375 zu nr. 50
(Teufel, Frau als Ulenkücken); Knoop, Kbl. f. nd. Sprachforschung
14, 22 (Wolf vom Bauer verschnitten); vgl. 14, 35. Französisch:
Kryptadia 2, 53. 3, 354. Italienisch : Straparola 6, nr. 2 (Castor von
Sandrino verschnitten). Gubernatis, S. Stefano nr. 34 'II diavolo e il
contadino'. Zorzut p. 77. Griechisch : Nicolaides 1906 p. 77 'Le cadi
chätre' und p. 93 'Le dragon et le laboureur'. 1, 58. Südslavisch :
Anthropophyteia 1, 364. 494; vgl. 154 nr. 129. Polnisch: Kryptadia
4, 76. 197. Malinowski 2, 11 und 28. Kleinrussisch: Etnograf.
Zbirnyk 15, 13 nr. 18. Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 450 nr. 319
*) Über die Teilung der Frau vgl. Pfannmüller, Die vier
Eedaktionen des Heidin 1911 S. 112—122. 490.
2) Eine ganz entfernte Ähnlichkeit zeigt die 21. Branche desBoman
de Benart (2, 254 ed. Martin), wo des Bauern Frau durch Aufdecken
ihres breiten Gesäßes dem Bären und Wolf den Schinken abgewinnt;
vgl. Martin, Observations 1887 p. 92; Sudre, Les sources 1892 p. 189;
Foulet, Le roman de Benard 1914 p. 486.
364 189. Der Bauer und der Teufel.
(Wolf). 2, 266 nr. 291 (Teufel). Weißrussisch : Serzputovskij
S. 176 nr. 76. Großrussisch: Rovinskij 1, 415 nr. 180 (Bilderbogen
von 1820—1840). Oncukov S. 476 nr. 205. Rus. zavetnyja skazki
S. 5 nr. 3. Kryptadia 1, 58. Lettisch: Ulanowska S. 262. Estnisch:
Kallas nr. 67 'Des Weibes List' (Teufel. Verhandlungen 20, 192).
Finnisch: Aarnes Register nr. 153. 1095. 1133. Indisch: Somadeva
Buch 6, cap. 28 (Brockhaus, Berichte der sächs. Ges. der Wiss. 1860, 120
= Tawney, Kathasaritsagara 1, 255; vgl. R. Köhler 1, 77. Der Brak-
mane und der Dämon Pisäca).
Vergleichbar mit unserm Märchen ist der Vertrag mit dem
Teufel über die Zeit, wenn alle Bäume kahl sind; vgl. oben
S. 200. — Ebenso der Vertrag über eine letzte Saat. Die
Mönche zu Dünwald werden um einen Acker geprellt, dessen Be-
sitzer sich ausbedingt, nur noch eine Saat darauf zu ernten, und
eine Eichelsaat anlegt: Montanus, Die Vorzeit 1837 1, 92 'Die
Saat'. Spitz, Rheinischer Sagenschatz 1843 1, 108. Schell, Bergische
Sagen S. 283. 588. Gedichte von Simrock (Rheinsagen 1869 nr. 14
'Die Eichelsaat'), Waldbrühl-Zuccalmaglio (Rhingscher Klaaf 1869
S. 79 'Di Soht'), Greif (Gedichte 1881 S. 170 'Die letzte Saat'),
Maubach (Fliegende Blätter 108, 99 'Die letzte Saat'. 1898). Firmenich
1, 301 'Von dem Abte, der in einen Raben verwandelt wurde'.
Schambach-Müller, Niedersächs. Sagen nr. 45 'Der Strahlenkamp',
nr. 48 'Das Wendfeld', nr. 170 'Der Teufel betrogen'. — Endlich
der gestrichene Scheffel. Der Bauer, der dem Teufel für den
gehäuften Scheffel Geld übers Jahr nur einen gestrichenen wieder-
geben soll, streicht den Haufen sogleich ab und gibt das Übrige
zurück: oben S. 143; dazu Schell, Neue bergische Sagen 1905 S. 110.
Schwedisch: Hackmans Register nr. 1182. Italienisch: Mailly nr. 140.
Polnisch: Knoop, Sagen der Provinz Posen 1913 nr. 171 = Rogasener
Familienblatt 8, 3. Finnisch: Aarnes Register nr. 1182. — Der
Teufel muß erraten, was die angefangene Arbeit des Schmiedes
werden soll : Kleeberger, Volkskundliches aus Fischbach 1902 S. 65.
Über andre Überlistungen des dummen Teufels vgl. nr. 183-
194. 195, auch Aarnes Register nr. 1030 — 1199, sowie Wünsche,
Der Sagenkreis vom geprellten Teufel (1905).
190. Die Brosamen auf dem Tisch. — 191. Das Meerhäschen. 365
190. Die Brosamen auf dem Tisch. 1856 * aeo.
1843 nr. 190. — Aus der Schweiz (Aargau) von W. Wacker-
nagel in der Zs. f. deutsches Altertum 3, 36 nr. 4 (1843) = Wacker-
nagel, Voces variae animantium 1869 S. 9 — Colshorn nr. 64 =
Sutermeister nr. 4 = Bächtold S. 119; zuerst jedoch im Wanderer
in der Schweiz 1835, S. 132. Vgl. Singer, Schweizer Märchen 1, 40.
Der Hahn verführt die Hühner, in die Stube zu gehn und auf
dem Tisch die Brosamen aufzupicken, worauf die Frau sie mit dem
Stecken hinausjagt. Die Worte, die das Märchen schließlich den
Hühnern und dem Hahne beilegt, geben ein anmutiges Beispiel für
die Art, in der das kindlich dichterische Volk die Laute aus der
unvernünftigen und leblosen Welt in artikulierte Menschenrede
umsetzt. — In einer Züricher Variante bei Wackernagel 1869
S. 1 = Sutermeister S. 202 führt der Hahn die furchtsamen Hühner
in den Weinberg ; da begrüßt ihn der Fuchs und beißt ihm den
Kopf ab. In zwei andern Stücken bei Sutermeister S. 20 L f. schreit
der Spatz, dem die leckerhafte Frau die Flügel gestutzt hat, 'Dieb',
und die Eule ruft einem alten Ehepaare eine Mahnung an den Tod zu.
Andre Ausdeutungen der Tierstimmen findet man bei
Wackernagel, Bochholz (Alemannisches Kinderlied 1857 S. 75—97),
Böhme (Deutsches Kinderlied 1897 S. 218—229), Wossidlo (Mecklen-
burgische Volksüberlieferungen 2. 1899), Dähnhardt (Natursagen 3,
355. 1910) und oben S. 283.
191. Das Meerhäschen.
1857 nr. 191; eingesetzt für nr. 191a. — Aus Sieben-
bürgen; nach Haltrich, Deutsche Volksmärchen aus Siebenbürgen
1856 nr. 38 'Von der Königstochter, die aus ihrem Schlosse alles in
ihrem Reich sah' = 1885 nr. 39. — Wie in den Märchen von der
weißen Schlange (oben 1, 134) und von der Bienenkönigin (2, 21)
helfen dem Helden drei dankbare Tiere bei der Lösung der
Aufgaben, durch die er die Königstochter zur Gattin gewinnt; er
muß sich aber dreimal vor der Prinzessin verstecken, die durch
366 191. Das Meerhäschen.
einen Zauberspiegel (hier zwölf Glasfenster) alles, was auf Erden
geschieht, sehen kann; nachdem sie ihn im Rabenei und im Fisch-
bauch entdeckt hat, läßt er sich das drittemal vom Fuchs in ein
Meerhäschen verwandeln und kriecht unter den Zopf der Jungfrau;
als sie ihn nicht entdeckt, zerschlägt sie im Zorn die Glasscheiben.
Aus Mähren bei Kosch S. 55 'Vom weißen Reh' = Haller
S. 58 (vorher wie unsre nr. 93, oben 2, 336). — Rumänisch:
Schott S. 153 nr. 13 'Die Prinzessin und der Schweinhirt' (er wird
zuletzt vom Waldgeist in eine Rose verwandelt und zerschlägt den
Spiegel); S. 184 nr. 17 'Juliana Kosseschana' (das hilfreiche Pferd
verwandelt das dritte Mal den Helden in eine Laus auf des Königs
Kopf). Vgl. Säinenu p. 770. — Griechisch: Hahn nr. 61 'Der
Jäger und der Spiegel, der alles sieht' (der Fuchs gräbt dem Helden
einen Gang bis unter den Sitz der Prinzessin). — Serbokroatisch:
Stefanovic S. 43 nr. 7 = Archiv f. slav. Phil. 1, 270 nr. Ib. Valjavec S. 191
nr. 24 (dem Soldaten helfen Fisch, Vogel und Rosmarinstaude; zuletzt
steckt er als Rosmarinblatt im Ohr der Prinzessin, die einen
'Planeten' statt des Spiegels besitzt). — B ul garisch aus Mazedonien :
Sapkarev 8, 221 nr. 123 (Adler, Fisch, Teufel helfen ; zuletzt wird
der Held in einen Apfel verwandelt, den die Prinzessin einsteckt).
— Slowakisch aus Oberungarn: Skultety-Dobsinsky S. 548 nr. 62
= 2. Aufl. S. 250 nr. 20 (der Freier der Zauberin wird zum Fisch,
Vogel und zur Nelke, muß aber noch andre Aufgaben lösen). —
Kleinrussisch aus Südungarn : Etnogr. Zbirnyk 30, 64 nr. 34 (der
vom Helden mit einem Zauberstabe belebte Fisch versteckt ihn drei-
mal). — Weiß russisch aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1,223
nr. 1 (der Greif, dessen Junge vor dem Hagel gerettet wurden, hilft).
— Großrussisch: Afanasjev3 2, 101 nr. 130a = Anna Meyer 2, 95
'Jelena die Weise' (ein Soldat, der den Teufel aus dem Gefängnis
befreit hat, fliegt als Vogel in das Schlafgemach der weisen Jelena
und soll sterben, wenn er sich nicht dreimal verstecken kann; der
Teufel verwandelt ihn in eine Nadel und legt sie in das Zauberbuch
der Prinzessin ; diese schlägt vergeblich darin nach und wirft es
zornig auf den Boden, da steht der Jüngling vor ihr). 2, 103 nr.
130b (der Held sucht die entflohene Schwanjungfrau, heiratet dann
aber die Dienerin, die ihn hinter dem Zauberspiegel versteckt hat).
Chudjakov 2, 101 nr. 63 (der Held heiratet die Dienerin, die ihn im
Wäschekoffer versteckte). Ivanickij S. 186 nr. 11 (dazu Schwan-
jungfrau). Aus Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 2, 111 nr. 28 (Wal-
191. Das Heerhäschen. 367
fisch, Greif, Löwe helfen ; ein Mädchen versteckt ihn hinter dem
Zauberspiegel und einer Falltür). — Ungarisch: Rona-Sklarek 2, 220
nr. 21 'Der kleine Schweinehirt'. — Zigeunerisch: Wlislocki 1885
S. 111 nr. 47 'Der Spiegel, der alles sieht' (Fisch, Adler, Ameise). —
Awarisch: Schiefner S. 59 nr. 7 'Der schwarze Fuchs' (verwandelt
das vierte Mal den Helden in einen Floh, der sich im Gewände der
Prinzessin verbirgt); vgl. R. Köhler 1, 559. — Mingrelisch:
Wardrop p. 124 'The prince who befriended the beasts' — Mourier
p. 73 nr. 6 = Magazin f. d. Literatur 1884, 375 nr. 4 (Fisch, Adler,
Hirsch ; Schakal gräbt einen Gang bis unter den Sitz der Prinzessin ;
diese zerschlägt den Spiegel). — Kabardinisch: Sbornik kavkaz.
12, 1, 17 (Adler, Gemse, Fisch, Fuchs).
In einem andern siebenbürgischen Märchen (Haltrich4 nr. 41
'Die versteckte Königstochter') besteht die Aufgabe darin, dreimal die
verborgene Prinzessin zu suchen, was wiederum mit der Hilfe
dankbarer Tiere gelingt. Ähnlich schwedisch bei Wigström, Sv.
landsm. 5, 1, 55 'Skytten Bryte'. Die Stute ist zu suchen:
rumänisch bei Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 659 ; serbisch bei
Wuk S. 35 nr. 4.
Ein merkwürdiges Seitenstück liefert eine vermutlich auf alter
Überlieferung beruhende färöische Ballade 'Lokes Gesang'
(Hammershaimb, SjürÖar kvseÖi 1851 S. 140 = Lyngbye, Fseroiske
kv8ederl822 S. 500 = Unland, Schriften 7, 371 = Warrens, Norwegische
Volkslieder 1866 S. 183). Hier versteckt sich der Knabe, den der Kiese
seinem Vater im Spiel abgewonnen hat, dreimal mit Hilfe der Götter Odin,
HöniundLoki, die ihn in ein Gerstenkorn, eine Schwanfeder und ein Fisch-
rogenkörnchen verwandeln; das drittemal entschlüpft er, der Kiese stürzt
ihm nach und rennt sich den Kopf ein. Dem entspricht das dänische
Märchen bei Grundtvig, Minder 1,3 nr. 2 'Den fattige mand og hans
hjselpere' (alte Frau statt des Riesen ; ein alter Mann versteckt den
Helden im Baum, Schilf, Fisch); vgl. DgF. 2, VI1 und Grundtvigs
hsl. Register nr. 51 'Godt gsemt'. Kleinrussisch aus Ostgalizien:
Zdziarski, Garsc basni S. 15 nr. 9 (der Witwensohn versteckt sich
auf die Aufforderung des Gutsherren als Rose, Taube und mit Hilfe
des durch eine geweihte Keule bezwungenen Teufels in dem Feuer-
stein, aus dem der Herr morgens Feuer schlägt, um seine Pfeife an-
zuzünden). Weißrussisch aus dem Gouv. Witebsk: Romanov 6, 488
nr. 55 (der zauberkundige Kaiser verheißt seine Tochter dem, der
sich vor ihm verstecken kann; der Jüngling wird zum schwarzen
368 191. Das Meerhäschen.
Zobel, weißen Wiesel, grauen Hasen, zu bunten Blumen, zum Barsch,
zur Nadel und endlich zur Feder, die der Greif nachts dem Kaiser
unter die Arme legt). Großrussisch : Oncukov nr. 2 = v. Löwis nr. 43
'Der Schwarzkünstler-Zar'. In dem Liede vom Witwensohn 'Vanka
und dem Zaren Volsan (Bybnikov 1, 443 = 2. Aufl. 2, 136 nr. 126) hilft
der Vogel Mogul (Greif), dessen Jungen der Held vor Kälte geschützt
hatte; vgl. Machal, 0 bohat. epose slov. S. 200 und A. Weselowskij,
Juzno-russkija byliny 4, 11, 50. Finnisch: Aarnes Begister nr. 329.
Die 99 Pfähle vor dem Königsschloß, auf denen die Köpfe
der im Wettkampf unterlegenen Freier aufgesteckt sind,1) erinnern
an die antike Sage vom König Oenomaos, der auf gleiche Art die
Werber seiner Tochter Hippodamia abzuschrecken trachtete (Hygin,
Fabulae c. 84. Boscher, Mythol. Lexikon 3, 765. 775), und an den
Boman von Apollonius von Tyrus (Klebs, Die Erzählung von Apollo-
nius von Tyrus 1899 S. 4. Gesta Bomanorum c. 153. Shakespeare,
Perikles von Tyrus I, 1); sie sind aber auch aus dem Turandotkreise
bekannt (Nisami bei Schack, Anthologie morgenländ. Dichtungen 2,
175. 1893. 1001 Nacht 22, 82 ed. Henning; vgl. Chauvin 5, 194.
Lidzbarski S. 267: 99 Köpfe. Bevue des trad. pop. 29, 207:
maurisch). Im Ortnit 1, 19 (Deutsches Heldenbuch 3, 5) schlägt
der König Machorel den um seine Tochter Werbenden den Kopf
ab, und 72 Köpfe sieht man auf den Zinnen von Montabur
prangen. Auch Wolfdietrich (D 6, 13. Dt. Heldenbuch 4, 74) er-
blickt an König Beliäns Burg einen Turm, auf dem die Häupter der
Buhler seiner Tochter aufgesteckt sind. Ähnlich schildert Saxo,
9. Buch p. 425 Müller, die Burg des Biesenkönigs Geirröd: 'Pali
propugnaculis intersiti desecta virorum capita praef erebant' ; vgl. Lady
Guest, Mabinogion 1839 2, 138 = 1877 p. 183 und Le Grand, Fabliaux
1, 18 (1779) 'La mule sans frein'. Grundtvig, DgF. 4, 56 nr. 184
'Den farlige Jomfru' = W. Grimm, Altdänische Heldenlieder S. 110.
In den Märchen vom Bätsei (oben 1, 188), von den zertanzten
Schuhen (oben S. 78), den sechs Dienern (oben S. 84) wird
mehrfach den Freiern, welche die gestellten Aufgaben nicht lösen,
das Haupt abgeschlagen; vgl. auch Gesta Bomanorum c. 60 und
*) Vgl. die Ausführungen Grundtvigs, DgF. 4, 51—54 (1883). Meist
ist es der eifersüchtige Vater, der die unterliegenden Freier tötet, bis-
weilen aber auch die umworbene hartherzige Prinzessin (Grimm nr. 191 ;
Hahn nr. 61; auch Atalante bei Ovid, Met. 10, 572 und Herrn utbruda bei
Saxo B. 4 p. 156 ed. Müller).
191a. Der Räuber und seine Sühne. 869
1001 Nacht 5, 152 'Kamaressamän', dazu Chauvin 5, 206. 239.
Rumänisch: Schott S. 187; Schullerus, Archiv 33, 659. Griechisch:
Hahn 1, 168 nr. 22. Serbokroatisch: Wuk 1854 S. 35 und 151.
Vojinovic nr. 5 = Archiv f. slav. Phil. 1, 277 nr. 5, dazu R. Köhler
1, 411. Russisch: Afanasjev1 8, nr. 8 'Marja Morevna' = Ralston
p. 93. Awarisch: Schief ner S. 62 nr. 7.
191a. Der Räuber und seine Söhne. lsses.seo.
(1843 nr. 191).
Es war einmal ein Räuber, der hauste in einem großen Walde
und lebte mit seinen Gesellen in Schluchten und Felsenhöhlen, und wenn
Fürsten, Herren und reiche Kaufleute auf der Landstraße zogen, so lauerte
er ihnen auf und raubte ihnen Geld und Gut. Als er zu Jahren kam,
so gefiel ihm das Handwerk nicht mehr, und es gereute ihn, daß er so
viel Böses getan hatte. Er hub also an ein besseres Leben zu führen,
lebte redlich und tat Gutes, wo er konnte. Die Leute wunderten sich,
daß er sich so schnell bekehrt hatte, aber sie freuten sich darüber. Er
hatte drei Söhne; als die herangewachsen waren, rief er sie vorsieh und
sprach: 'Liebe Kinder, sagt mir, was für ein Handwerk wollt ihr erwählen,
womit ihr euch ehrlich nähren könnt?' Die Söhne besprachen sich mit-
einander und gaben ihm dann zur Antwort: 'Der Apfel fällt nicht weit
vom Stamm, wir wollen uns ernähren, wie Ihr euch ernährt habt: wir
wollen Räuber werden. Ein Handwerk, wobei wir von Morgen bis
Abend uns abarbeiten und doch wenig Gewinn und ein mühseliges
Leben haben, das gefällt uns nicht.' 'Ach, liebe Kinder,' antwortete der
Vater, 'warum wollt ihr nicht ruhig leben und mit wenigem zufrieden
sein? Ehrlich währt am längsten. Die Räuberei ist eine böse und gott-
lose Sache, die zu einem schlimmen Ende führt; an dem Reichtum, den
ihr zusammenbringt, habt ihr keine Freude; ich weiß ja, "wie es mir dabei
zu Mut gewesen ist. Ich sage euch, es nimmt einen schlechten Aus-
gang. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht; ihr werdet
zuletzt ergriffen und an den Galgen gehenkt.' Die Söhne aber achteten
nicht auf seine Ermahnungen und blieben bei ihrem Vorsatz.
Nun wollten die drei Jünglinge gleich ihr Probestück machen.
Sie wußten, daß die Königin in ihrem Stall ein schönes Pferd hatte, das
von großem Wert war, das wollten sie ihr stehlen. Sie wußten auch,
daß das Pferd kein ander Futter fraß als ein saftiges Gras, das allein in
einem feuchten Wald wuchs. Sie gingen also hinaus, schnitten das Gras
Grimm, Märchen -Anmerkungen III. 24
370 191a. Der Räuber und seine Söhne.
ab und machten einen großen Bündel daraus, in welchen die beiden
'ältesten den jüngsten und kleinsten steckten, so daß er nicht konnte ge-
sehen werden. Sie trugen den Bündel auf den Markt, wo der Stall-
meister der Königin ihn kaufte, zu dem Pferd in den Stall tragen und
hinlegen ließ. Als es Mitternacht war und jedermann schlief, machte
sich der Kleine aus dem Grasbündel heraus, band das Pferd ab, zäumte
es mit dem goldenen Zaum und legte ihm das goldgestickte Reitzeug an,
und die Schellen, die daran hingen, verstopfte er mit Wachs, damit sie
keinen Klang gäben. Dann öffnete er die verschlossene Pforte und ritt
auf dem Pferd in aller Eile fort nach dem Ort, wohin ihn seine Brüder
beschieden hatten. Allein die Wächter in der Stadt bemerkten den
Dieb, eilten ihm nach, und als sie ihn draußen mit seinen Brüdern
fanden, nahmen sie alle drei gefangen und führten sie in das Gefängnis.
Am andern Morgen wurden sie vor die Königin geführt, und als
diese sah, daß es drei schöne Jünglinge waren, so forschte sie nach ihrer
Herkunft und vernahm, daß es die Söhne des alten Räubers waren, der
seine Lebensweise geändert und als ein gehorsamer Untertan gelebt
hatte. Sie ließ sie also wieder in das Gefängnis zurückführen und bei
dem Vater anfragen, ob er seine Söhne lösen wollte. Der Alte kam und
sagte: 'Meine Söhne sind nicht wert, daß ich sie mit einem Pfennig löse.'
Da sprach die Königin zu ihm: 'Du bist ein weitbekannter, verrufener
Räuber gewesen; erzähle mir das merkwürdigste Abenteuer aus deinem
Räuberleben, so will ich dir deine Kinder wiedergeben.'
Als der Alte das vernahm, hub er an: 'Prau Königin, hört meine
Rede, ich ■will euch ein Ereignis erzählen, was mich mehr erschreckt hat
als Feuer und Wasser. Ich brachte in Erfahrung, daß in einer wilden
Waldschlucht zwischen zwei Bergen, zwanzig Meilen von den Menschen
entfernt, ein Riese lebte, der einen großen Schatz, viel tausend Mark
Silber und Gold besäße. Ich wählte also aus meinen Gesellen so viele
aus, daß unser hundert waren, und wir zogen hin. Es war ein langer,
mühsamer Weg zwischen Felsen und Abgründen. Wir fanden den Riesen
nicht zu Haus, waren froh darüber und nahmen von dem Gold und
Silber so viel, wie wir tragen konnten. Als wir damit uns auf den
Heimweg machen wollten und ganz sicher zu sein glaubten, da kam der
Riese mit zehn andern Riesen unversehens daher und nahm uns alle
gefangen. Sie teüten uns unter sich aus; jeder erhielt zehen von uns,
und ich fiel mit neun meiner Gesellen dem Riesen zu, dem wir seinen
Schatz genommen hatten. Er band uns die Hände auf den Rücken und
trieb uns wie Schafe in seine Felsenhöhle. Wir waren bereit, uns mit
Geld und Gut zu lösen, er aber antwortete: 'Eure Schätze brauche ich
nicht; ich will euch behalten und euer Fleisch verzehren, das ist mir
lieber.' Dann befühlte er uns alle, wählte einen aus und sprach: 'Der
191a. Der Räuber und seine Söhne. 371
ist der fetteste, mit dem will ich den Anfang machen.' Dann schlug er
ihn nieder, warf das zerschnittene Fleisch in einen Kessel mit Wasser,
den er über das Feuer setzte, und als es gesotten war, hielt er seine
Mahlzeit. So aß er jeden Tag einen von uns, und weil ich der magerste
war, so sollte ich der letzte sein. Als nun meine neun Gesellen auf-
gezehrt waren und die Reihe an mich kam, so besann ich mich auf eine
List. 'Ich sehe wohl, daß du böse Augen hast,' sprach ich zu ihm, 'und
am Gesicht leidest. Ich bin ein Arzt und bin in meiner Kunst wohl er-
fahren, ich will dir deine Augen heilen, wenn du mir mein Leben lassen
willst.' Er sicherte mir mein Leben zu, wenn ich das vermöchte. Er
gab mir alles, was ich dazu verlangte. Ich tat Ol in einen Kessel,
mengte Schwefel, Pech, Salz, Arsenik und andere verderbliche Dinge
hinein und stellte den Kessel über das Feuer, als wollte ich ein Pflaster
für seine Augen bereiten. Sobald das Ol im Sieden war, mußte der Riese
sich niederlegen, und ich goß ihm alles, was im Kessel war, auf die
Augen, über den Hals und den Leib, so daß er das Gesicht völlig verlor
und die Haut am ganzen Leib verbrannte und zusammenschrumpfte. Er
fuhr mit entsetzlichem Geheul in die Höhe, warf sich wieder zur Erde,
wälzte sich hin und her und schrie und brüllte dabei wie ein Löwe oder
ein Ochse. Dann sprang er in Wut auf, packte eine große Keule, und
in dem Haus umherlaufend schlug er auf die Erde und gegen die Wand
und dachte mich zu treffen. Entfliehen konnte ich nicht, denn das Haus
war überall von hohen Mauern umgeben und die Türen waren mit
eisernen Riegeln verschlossen. Ich sprang aus einem Winkel in den
andern, endlich wußte ich mir nicht anders zu helfen, ich stieg auf einer
Leiter bis zu dem Dach und hing mich mit beiden Händen an den
Hahnenbalken. Da hing ich einen Tag und eine Nacht; als ich es aber
nicht länger aushalten konnte, so stieg ich wieder herab und mischte
mich unter die Schafe. Da mußte ich behend sein und immer mit den
Tieren zwischen seinen Beinen hindurchlaufen, ohne daß er mich gewahr
ward. Endlich fand ich in einer Ecke unter den Schafen die Haut eines
Widders liegen, ich schlüpfte hinein und wußte es so zu machen, daß mir
die Hörner des Tiers gerade auf dem Kopf standen- Der Riese hatte die
Gewohnheit, wenn die Schafe hinaus auf die Weide gehen sollten, so ließ
er sie vorher durch seine Beine laufen. Da zählte er sie und welches
am feistesten war, das packte er, kochte es, hielt dann seine Mahlzeit.
Ich wäre bei dieser Gelegenheit gerne davon gelaufen und drängte mich
durch seine Beine, wie die Schafe taten; als er mich aber packte und
merkte, daß ich schwer war, so sprach er: 'Du bist feist, du sollst mir
heute meinen Bauch füllen.' Ich tat einen Satz und entsprang ihm aus
den Händen, aber er ergriff mich wieder. Ich entkam nochmals, aber er
packte mich aufs neue, und so ging es siebenmal. Da ward er zornig
und sprach: 'Lauf hin, die Wolf e mögen dich fressen, du hast mich genug
24*
372 191a. Der Räuber und seine Söhne.
genarrt.' Als ich draußen war, warf ich die Haut ab, rief ihm spöttisch
zu, daß ich ihm doch entsprungen wäre, und höhnte ihn. Er zog einen
Ring vom Finger und sprach: 'Nimm diesen goldenen Bing als eine Gabe
von mir; du hast ihn wohl verdient. Es ziemt sich nicht, daß ein so
listiger und behender Mann unbeschenkt von mir gehe.' Ich nahm den
Ring und steckte ihn an meinen Finger, aber ich wußte nicht, daß ein
Zauber darin lag. Von dem Augenblick an, wo er mir am Finger saß,
mußte ich unaufhörlich rufen: 'Hier bin ich, hier bin ich!' ich mochte
wollen oder nicht. Da der Riese daran merken konnte, wo ich mich be-
fand, so lief er mir in den Wald nach. Dabei rannte er, weil er blind
war, jeden Augenblick gegen einen Ast oder einen Stamm und fiel nieder
wie ein mächtiger Baum ; aber er erhob sich schnell wieder, und da er
lange Beine hatte und große Schritte machen konnte, so holte er mich
immer wieder ein und war mir schon ganz nahe; denn ich rief ohne
Unterlaß: 'Hier bin ich, hier bin ich.' Ich merkte wohl, daß der Ring
die Ursache meines Geschreies war und wollte ihn abziehen, aber ich
vermochte es nicht. Da blieb mir nichts anderes übrig, ich biß mir mit
meinen Zähnen den Finger ab. In dem Augenblick hörte ich auf zu
rufen, und ich entlief glücklich dem Riesen. Zwar hatte ich meinen
Finger verloren, aber ich hatte doch mein Leben behalten.'
'Frau Königin', sprach der Räuber, 'ich habe euch diese Geschichte
erzählt, um einen meiner Söhne zu erlösen; jetzt will ich, um den zweiten
zu befreien, berichten, was sich weiter zutrug. Als ich den Händen des
Riesen entronnen war, irrte ich in der Wildnis umher und wußte nicht,
wo ich mich hinwenden sollte. Ich stieg auf die höchsten Tannen und
auf die Gipfel der Berge, aber wohin ich blickte, weit und breit war kein
Haus, kein Acker, keine Spur von menschlichem Dasein, überall nichts
als eine schreckliche Wildnis. Ich stieg von himmelhohen Bergen herab
in Täler, die waren aber wie die tiefsten Abgründe. Mir begegneten
Löwen, Bären, Büffel, Waldesel, giftige Schlangen und scheußliches Ge-
würm; ich sah wilde, behaarte Waldmenschen, Leute mit Hörnern und
Schnäbeln so entsetzlich, daß mir noch jetzt schaudert, wenn ich daran
zurückdenke. Ich zog immer weiter, Hunger und Durst quälten mich,
und ich mußte jeden Augenblick befürchten, vor Müdigkeit umzusinken.
Endlich, eben als die Sonne untergehen wollte, kam ich auf einen hohen
Berg, da sah ich in einem öden Tal einen Rauch aufsteigen, wie aus
einem angezündeten Backofen. Ich lief, so schnell ich konnte, den Berg
herab nach dem Rauch zu; als ich unten ankam, sah ich drei tote
Männer, die waren an dem Ast eines Baumes aufgehängt. Ich erschrak,
denn ich dachte, ich würde in die Gewalt eines anderen Riesen kommen,
und war um mein Leben besorgt. Doch faßte ich mir ein Herz, ging
weiter und fand ein kleines Haus, dessen Tür weit offen stand; und bei
191a. Der Räuber und seine Söhne. 373
dem Feuer des Herds saß da eine Frau mit ihrem Kinde. Ich trat ein,
grüßte sie und fragte, warum sie hier so allein säße und wo ihr Mann
sich befände; ich fragte auch, ob es noch weit bis dahin wäre, wo
Menschen wohnten. Sie antwortete mir, das Land, wo Menschen wohnten,
das läge in weiter Ferne, und erzählte mit weinenden Augen, in voriger
Nacht wären die wilden Waldangeheuer gekommen und hätten sie und
das Kind von der Seite ihres Mannes weggeraubt und in diese Wildnis
gebracht; dann wären sie am Morgen wieder ausgezogen und hätten ihr
geboten, das Kind zu töten und zu kochen, weil sie es, wenn sie zurück-
kämen, aufessen wollten. Als ich das gehört hatte, empfand ich großes
Mitleid mit der Frau und dem Kinde und beschloß, sie aus ihrer Not zu
erlösen. Ich lief fort zu dem Baum, an welchem die drei Diebe auf-
gehängt waren, nahm den Mittelsten, der wohlbeleibt war, herab und
trug ihn in das Haus. Ich zerteilte ihn in Stücke und sagte der Frau
sie sollte ihn den Riesen zu essen geben. Das Kind aber nahm ich und
versteckte es in einen hohlen Baum ; dann verbarg ich mich selbst hinter
das Haus, so daß ich bemerken konnte, wo die wilden Menschen her-
kämen und ob es Not wäre, der Frau selbst zu Hilfe zu eilen. Als die
Sonne untergehen wollte, sah ich die Ungeheuer von dem Berge herab-
laufen; sie waren greulich und furchtbar anzusehen, den Affen an Gestalt
ähnlich. Sie schleppten einen toten Leib hinter sich her, aber ich konnte
nicht sehen, wer es war. Als sie in das Haus kamen, zündeten sie ein
großes Feuer an, zerrissen den blutigen Leib mit ihren Zähnen und ver-
zehrten ihn. Darnach nahmen sie den Kessel, in dem das Fleisch des
Diebes gekocht war, vom Feuer und zerteilten die Stücke unter sich zum
Abendessen. Als sie fertig waren, fragte einer, der ihr Oberhaupt zu sein
schien, die Frau, ob das, was sie gegessen hätten, das Fleisch ihres
Kindes gewesen wäre. Die Frau sagte 'ja'. Da sprach das Ungeheuer
'Ich glaube, du hast dein Kind versteckt und uns einen von den Dieben
gekocht, die an dem Ast hängen.' Er hieß drei von seinen Gesellen hin-
laufen und ihm von einem jeden der drei Diebe ein Stück Fleisch bringen,
damit er sähe, daß sie noch alle dort wären. Als ich das hörte, lief ich
schnell voraus und hing mich mit meinen Händen mitten zwischen die
zwei Diebe an das Seil, von dem ich den dritten abgenommen hatte.
Als nun die Ungeheuer kamen, schnitten sie einem jeden ein Stück
Fleisch aus den Lenden. Auch mir schnitten sie ein Stück heraus, aber
ich duldete es, ohne einen Laut von mir zu geben. Ich habe zum Zeugnis
noch die Narbe an meinem Leib.'
Hier schwieg der Räuber einen Augenblick und sprach dann:
'Frau Königin, ich habe euch dies Abenteuer erzählt für meinen zweiten
Sohn, jetzt will ich euch für den dritten den Schluß der Geschichte be-
richten. Als das wilde Volk mit den drei Stücken Fleisch fortgelaufen
374 191a. Der Räuber und seine Söhne.
war, so ließ ich. mich wieder herab und verband meine Wunde mit
Streifen von meinem Hemd, so gut ich konnte, doch das Blut ließ sich
nicht stillen, sondern strömte an mir herab. Aber ich achtete nicht dar-
auf, sondern dachte nur, wie ich der Frau mein Versprechen halten und
sie und das Kind retten wollte. Ich eilte also wieder zu dem Haus
zurück, hielt mich verborgen und horchte auf das, was geschah, aber ich
konnte mich nur mit Mühe aufrecht erhalten ; mich schmerzte die Wunde,
und ich war von Hunger und Durst ganz abgemattet. Indessen versuchte
der Riese die drei Stücke Fleisch, die ihm gebracht waren, und als er
das gekostet hatte, das mir ausgeschnitten und noch blutig war, so sprach
er: 'Lauft und bringt mir den mittelsten Dieb, sein Fleisch ist noch frisch
und behagt mir!' Als ich das hörte, eilte ich zurück zu dem Galgen und
hing mich wieder an das Seil zwischen die zwei Toten. Bald darauf
kamen die Ungeheuer, nahmen mich von dem Galgen herab und schleiften
mich über Dornen und Distel zu dem Haus, wo sie mich auf den Boden
hinstreckten. Sie schärften ihre Zähne, wetzten ihre Messer über mir
und bereiteten sich, mich zu schlachten und zu essen. Eben wollten sie
Hand anlegen, als plötzlich ein solches Ungewitter mit Blitz, Donner und
Wind sich erhob, daß die Ungeheuer selbst in Schrecken gerieten und
mit gräßlichem Geschrei zu den Fenstern, Türen und zum Dach hinaus-
fuhren und mich auf dem Boden liegen ließen. Nach drei Stunden be-
gann es Tag zu werden, und die klare Sonne stieg empor. Ich machte
mich mit der Frau und dem Kinde auf, wir wanderten vierzig Tage durch
die Wildnis und hatten keine andere Nahrung als Wurzeln, Beeren und
Kräuter, die im Walde wuchsen. Endlich kam ich wieder unter Menschen
und brachte die Frau mit dem Kinde wieder zu ihrem Mann ; wie groß
seine Freude war, kann sich jeder leicht denken.'
Damit war die Geschichte des Räubers zu Ende. 'Du hast durch
die Befreiung der Frau und des Kindes viel Böses, was du getan hast,
wieder gut gemacht,' sprach die Königin zu ihm, 'ich gebe dir deine drei
Söhne frei.'
Nach einer deutschen Prosaerzählung aus einer Leipziger Hs.
des 15. Jahrb., die M. Haupt in den Altdeutschen Blättern 1,
119 — 127 (1836) mitgeteilt hat; vgl. Hamann, Die literarischen Vor-
lagen 1906 S. 100. Erst später erkannten die Brüder Grimm, daß
diese aus dem um 1185 geschriebenen lateinischen Dolopathos
des lothringischen Mönches Johannes de Alta Silva (ed. Oesterley
1873 S. 65 = ed. Hilka 1913 S. 71; vgl. Herbert, Li romans de
Dolopathos ed. A. de Montaiglon 1856 p. 276) geflossen sei; vgl.
Mussafia, Wiener SB. 57, 39 und Chauvin 8, 204 nr. 247 'Les trois
191a. Der Räuber und seine Söhne. 375
voleurs'. Bis auf den Schluß stimmt damit überein das schottische
Märchen bei Campbell2 1, 105 nr. 5 'Conall Cra Bhuidhe'; vgl. R.
Köhler 1, 181. Auch in Bojar dos Orlando innamorato B. 3, 3, St.
22—60 (vgl. Ariost 17, St. 23) befreien Mandricardo und Gradasso
auf ähnliche Weise eine Frau von einem Menschenfresser.
Die erste der Erzählungen, durch die der alte Räuber seine
gefangenen drei Söhne löst, gleicht auffällig dem Abenteuer des
Odysseus bei Polyp hem (Odyssee 9, 106—545), worauf Johannes
de Alta Silva p. 71, 21 selber durch Anführung des Namens 'Poli-
phemus' hinweist; nur bohrt der Räuber dem Riesen nicht sein ein-
ziges Auge im Schlafe aus, sondern gießt ihm unter dem Versprechen,
seine Augen zu heilen, siedendes Wasser hinein, und auf die Flucht
im Widderfell folgt noch ein Versuch des Riesen, ihn durch einen
geschenkten Zauberring in seine Gewalt zu bekommen, der ihn zu
lautem Rufen zwingt; auch fehlt der Betrug des Riesen durch den
falschen Namen Niemand. Vgl. dazu die Untersuchungen von W.
Grimm, Die Sage von Polyphem (Abh. der Berliner Akad. 1857, 1
= Kleinere Schriften 4, 428); K. Nyrop, Sagnet om Odysseus og
Polyphem 1881 (aus Nordisk Tidskrift for Filologi, ny R. 5, 216):
Polivka, Nachträge zur Polyphemsage 1898 (Archiv für Religions-
wissenschaft 1, 305 — 336. 377); Hackman, Die Polyphemsage in der
Volksüberlieferung (Helsingfors 1904); Chauvin 7, 15 nr. 373c und
8, 205; Hollander, The source of the Polyphemos-episode of the
Hrölfssaga Gautrekssonar (Journal of engl. & germanic phil. 11, 61 — 81).
Man kann mit Hackman in den verschiedenen Varianten fol-
gende Motive unterscheiden : A1) Der Held stößt dem schlafenden
Riesen einen Speer oder Pfahl ins Auge, oder A2) gießt ihm unter
der Vorspiegelung, sein Auge zu heilen, eine glühende Masse hinein ;
B1) er flieht unter einem Schafe angeklammert oder B2) in ein Schaf-
fell gehüllt aus dem vom blinden Riesen gehüteten Eingange ; C) der
Riese sucht sich durch das Geschenk eines Zauberringes, Beiles oder
Säbels seiner wieder zu bemächtigen.
Siebenbürgisch bei Haltrich nr. 36 'Die drei Brüder und
der Hüne' (AJC); aus dem Harz bei Pröhle, KVm. S. 137 nr. 43
'Von einem Reisenden, der die Weisheit Gottes ergründen wollte'
(A1); aus Schlesien in den Mitt. f. schles. Vk. 7, 14, 61. Am
Urquell 5, 85 (1894). — Vlämisch: Joos 1, 178 nr. 97 'Van
den Reusen en den Dwerg' (A2 B2) = Goyert und Wolter, Vläm.
Sagen S. 165. — Schwedisch: Bondeson, Historiegubbar p. 28
376 191a. Der Räuber und seine Söhne.
'Gossen och jätten' (A2 B2) und Lindholm p. 110 'Den bedragne
jätten' — Poestion, Lappl. Märchen S. 122, vgl. Hackman S. 34
(A2B2). Hackmans Register nr. 1137. — Norwegisch: Hackman
S. 37—40 (A2B2). — Isländisch in der Egilssaga (Fornaldar
sögur 3, 365. A2 B2 C), Hrölfssaga (Detter, Zwei Fornaldarsögur
1891 S. 32. A1), Halfssaga (ed. Andrews 1909; Boer, Arkiv 8, 97),
einer Marienlegende (Unger, Mariu Saga 1871 p. 1054 nr. 217 =
Cederschiöld, Sv. landsmälen 5, 6, 42. A1 B2), und bei Arnason 2,
348 = Poestion S. 254 nr. 31 = Rittershaus 8. 126 nr. 29 'Die
Königskinder in der Höhle der Riesin' (B2); färöisch bei Jakobsen
S. 273 nr. 9 (A1 B1); vgl. nr. 5. 8. 57 (A1). - Schottisch: Mac
Innes p. 263 nr. 7 (A1). — Irisch: Larminie, West irish folktales
p. 27 (A1).— Englisch: Folk4ore 1, 130 (A1 B2) = Jacobs 2, 85 nr.
61 'The blinded giant' (A1 B2). — Französisch: Luzel 2, 243
'Le perroquet sorcier' (B2). Sebillot, Revue des trad. pop. 9, 106
'Le geant qui n'avait qu' un oeil' = Contes des Landes p. 196 ; vgl.
Schweiz. Archiv f. Vkunde 5, 65 (A^1). Blade 1, 32 'Le becut'
(A1 B2). Roche p. 157 'Les enfants qui se rendaient ä Saint-Jacques'
(A1 B2). Lambert, Revue des 1. rom. 28, 124 'Le loup-garou' (A1 B2).
— Italienisch: Archivio 1, 518 (A1 B2) und 3, 532 (A^C).
Nyrop bei Hackman S. 13 (A1 B2 C). Pitre, Fiabe sie. 2, 1 nr. 51
'Lu munacheddu' (A1 B1) = Kaden S. XVIII = Grane p. 89. 345.
Finamore 1, 190 nr. 38 'Lu fatte delP uocchie-n-fronde' (A2 B2 C)
und 2, 57 nr. 68 'L'ucchie-m-brande' (A2 B2 C). De Nino 3, 304
nr. 61 'Occhio in fronte' (A1 B2 C). Comparetti nr. 44 'II Fiorentino'
(A2C) = Kaden S. XXII = Heyse S. 80. Comparetti nr. 70
'I Ciclopi'. — Portugiesisch: Archivio 1, 270 '0 alicornio'
(A1 B2). — Baskisch: Cerquand 3, 8 nr. 52 'Le Tartare et les deux
soldats' (A1B2C); nr. 53 'Le Tartare aveugle' (A1 B2 C) = Webster
p. 4; nr. 54 'Le Tartare et Tenfant' (A1B2C); nr. 55 Le Tartare
et Petit homme' (A1B2C); nr. 16 'Le gentilhomme et le valet avise'
(A1 B2). Vinson p. 43 'Basa-Jaun aveugle' (A1 B2 C). p. 46 'Le Tartaro'
(C) = Webster p. 4. — Rumänisch: Obert nr. 9 'Der überwundene
Riese' (Ausland 1856, 717) und Schullerus, Archiv 33, 505 'Drei
Schafbesitzer und der Teufel' (A1 C B1). — Griechisch: L. Roß,
Erinnerungen aus Griechenland 1863 S. 281 'Georg und die Störche'
(B2), vgl. R. Köhler 1, 366. Drosinis-Boltz, Nord-Euböa 1884 S. 170
(A1 B1). Politis, IIctQCiööoEic, nr. 134 = Zs. f. Volkskunde 15, 381
'Der Einäugige' (A1). AeXtIov 1, 147 = Garnett 2, 80 'The famous
191a. Der Räuber und seine Söhne. 377
dhrako' (A1 B1). — Albanesisch: Comparetti nr. 70 'I Ciclopi'
(AXB2) = Kaden S. XIX. Nopcsa, Aus Sala und Klementi (Zur
Kunde der Balkanhalbinsel, H. 11, Sarajevo 1910) S. 68 = Glasnik
zem. muz. bos. herceg, 22, 357 (Mönche blenden den Riesen) = Revue
des trad. pop. 29, 49 'Le cyclope' (A1B1). — Slowenisch: Krek,
Einl. 1887 S. 737 (A1). — Serbokroatisch: Krauß, TSM. 1,
386 nr. 113 'Das Abenteuer mit den drei Einaugriesen und mit der
Pestfrau' (B1). Begovic S. 202 (A1 C). Rovinskij, Öernogorija 2, 2,
593 nr. 4 (A1 B1 C. Flöte statt Stock). Krek S. 736 (A1). Zbornik
jslav. 10, 194 (A^C). Wuk Stef. Karadzic nr. 38 = Krauß
1, 169 nr. 35 (A1 B2 C) = Glasnik zem muz. bos. herceg. 32, 357.
Luca 6, 672 (1900). Kiea 8, nr. 30—31 (A1). 7, nr. 38. S. 2
(Hundsköpfe. B1 C). Im Letopis Mat. srpske 250, 29 weist VI. Corovic
auf eine unvollständige Passung in der Zs. Zora 1899, 71 hin. —
Bulgarisch: Sbornik min. 1, 101 nr. 2 (A1 B1) = Leskien, Balkan-
märchen S. 46. — Ce chi seh: Radostov1 12, 66 = Krek S. 684
(A^C). Kubin 2, 114 nr. 30 (A1 C). Aus Mähren: Pfikryl S. 253
(A^C; beide Augen). - Slowakisch: Slov. Pohl' ady 15, 325
nr. 2 = Polivka, Archiv f. Relig. 1, 320 (A1 B1). 15, 326 nr. 3
= Polivka 1,333 (A1 B2 C). Sbornik raus. slov. spol. 17, 89 nr. 38
(A1BT). Das von Polivka 1, 320 angeführte Märchen bei Dobsinsky
8, 65 nr. 87 Aschenbrödel' ist eine Variante des oben 1, 124. 173
angeführten Märchens 'Pinette Cendron' der Aulnoy ; die gefangenen
Mädchen stoßen ein glühendes Eisen in das einzige Auge des
Menschenfressers. — ■ Polnisch: Kolberg, Lud 8, 148 nr. 60 =
Krek S. 686 (C). Mater, antropol. 10, 232 nr. 2 (A1 B1). — Klein-
russisch aus Gouv. Jekaterinoslaw : Dragomanov S. 384 (A2). Aus
Gouv. Kiew: Cubinskij 2, 85 nr. 21 (A^C) = Krek S. 682 (A1
B2C). Etnograf. Obozr. 4, 94 nr. 2 (A1 B2). Aus Gouv. Cernigov:
Hrincenko 2, 2 nr. 4 = Polivka, Archiv 1, 330 (A1 B2). Aus Gouv.
Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14, 186 nr. 26 (A1 B2 C). Aus Gouv.
Cherson: Jastrebov S. 139 (A^1). 139 f. (A2 B2 C). 140 f . (A1 B2 C).
Aus Galizien : Rozdoljskyj S. 63 nr. 18 (C). Etnogr. Zbirnyk 7, 2 nr. 26
(A1). Suchevyc S. 105 nr. 66 (A1 B2 C). Mater, antropolog. 13, 144
nr. 22 (der Schmied kuriert das einzige Auge der Unholdin und versteckt
sich unter das Bett). Kijevskaja Starina 1903, H. 10 'Vom Hundskopf und
dem Schmiede'. — Weiß russisch aus Gouv. Minsk: Sejn 2, 151 nr. 71
AXB2 C). Aus Gouv. Mogilev: Romanov 3, 211 nr. 29 (A1 ß abgeändert,
C). 3, 224 nr. 35 (A geändert, B2 C). 3, 212 nr. 30 (A2 B1 C). 3, 205 nr.28
378 191a. Der Räuber und seine Söhne.
(A2B1C). Aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 150 nr. 86 (A2
B1^. — Großrussisch aus Gouv. Woronez : Afanasjev3 2, 229
nr. 170 (AXB3C). Aus Gouv. Samara: Sadovnikov S. 18 nr. 2 (A2
B1 C). S. 22 nr. 3 (A^1 C). Aus Gouv. Archangelsk: Oncukov S. 89
nr. 31 (A2B1). S. 129 nr. 48 (A2B2C). S. 149 nr. 57 (A2j. S. 564
nr. 282 (A2 C). Aus Gouv. Olonetz : Oncukov S. 230 nr. 85 (C).
S. 399 nr. 160 (A^1). S. 445 nr. 181 (ins Auge geschossen, BJC).
Zap. Krasnojarsk. 2, 96 nr. 26 (A2B1C). — Litauisch: Vecken-
stedts Zs. f. Volkskunde 1,87 'Der einäugige Riese' (echt?). Bezzen-
berger, Gott. gel. Anzeigen 1895, 400 (A2 B2 C). Dowojna Sylwe-
strowicz 1, 193 und 41 2 (A2 B2 C). — L e 1 1 i s ch bei Komarov 1886 S. 36.
— Finnisch1) bei Sahnelainen 1. 223 nr. 14, 2 = Schreck nr. 16 'Die
wunderbare Flöte' (A1) = Bertram, Jenseits der Scheeren S. 9.
Hackman S. 77 — 87. Aarnes Register nr. 1137. — Lappisch: Hack-
man S. 87. — Syrjänisch ebd. S. 89. — Wotjakisch: Wich-
mann, Journal de la soc. finno-ougr. 19, 133 (A2 B2). — Ungarisch:
Gaal-Stier S. 146 nr. 14 'Die drei Flüchtlinge' (A1 B1). — Türkis ch :
Künos, Adakaie S. 237 nr. 34 (A1). Gagausisch bei Radioff 10, 38
nr. 28 (A*B2). 10, 39 nr. 28a (A2B2C). — Tatarisch: Sbornik
kavkaz. 32, 1, 19 nr. 4 (A1 B2 C). 32, 1, 34 nr. 2 (A1 B2). —
Oghuzisch aus einem mittelalterlichen Geschichtswerk bei H. F.
v. Diez, Der neuentdeckte oghuzische Cyklop 1815 — W. Grimm,
Kl. Schriften 4, 435 (A1 B2 C). — Georgisch, ossetisch, kabar-
dinisch, tsche ts chenzis ch , kirgisisch bei Hackman S. 94;
das ossetische Märchen nr. 113 auch im Globus 41, 335 = Seidel,
Asiat. Volksliteratur S. 364 (Urysmag. A1 B2). — Armenisch:
Globus 94, 205. — Syrisch bei Prym-Socin, Tür 'Abdin 2, 115
nr. 115 (AiB1). — Arabisch in 1001 Nacht, Sindbads 3. Reise
(Henning 10, 31. Chauvin 7, 15. A1) und Sa'if al mulük (Henning 13,
529. Chauvin 7, 64. A1). Chauvin 7, 69. 8, 205 (A2B2C). Schmidt-
Kahle, Palästina nr. 55 'Potyphem'. — Persisch: Bricteux, Contes
persans 1910 p. 286 (Hadjdjädj). — Koreanisch: J. S. Gale,
Korean folk-tales p. 101 'The man who lost his legs' (A^1).
*) Auf Finnland und die russischen Ostseeprovinzen beschränkt ist
eine von Hackman S. 134 — 154 besprochene Märchengrnppe, welche das
Motiv A2 mit dem Niemand-Motiv vereinigt; der Held, der dem Unhold
ein neues Auge zu gießen verspricht, nennt sich Ichselbst; vgl. J. Grimm,
Mythologie3 S. 979 (estnisch), Jannsen 1, 18, Aarnes Register nr. 1135,
Aberg nr. 2, Hackmans Register nr. 1135, Russwurm, Sagen S. 136.
192. Der Meisterdieb. 379
192. Der Meisterdieb. lsses. aso.
1843 nr. 192. — Nach einer von Friedrich Stertzing in Thüringen
aufgefaßten und in der Zs. für deutsches Altertum 3, 292 — 299 (1843)
mitgeteilten Überlieferung ; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen
1906 S. 100. Danach auch Bechstein 1845 S. 21 = 1874 S. 14 'Die
Probestücke des Meisterdiebes'.
Inhalt : A. Ein seinen Eltern entlaufener Taugenichts kehrt als
stattlicher Herr zurück, rühmt sich seiner Geschicklichkeit als Meister-
dieb und legt vor dem Grafen, seinem Paten, drei Proben davon ab.
B. Er stiehlt des Grafen Pferd, indem er als alte Frau verkleidet die
Knechte trunken macht ; C. der Gräfin Bettuch und Trauring, indem
er den Grafen verlockt, einen Toten statt seiner zu erschießen und
zu begraben; D. bringt Pfarrer und Küster in einem Sacke1) herbei,
denen er vorgeredet hat, er sei Petrus und wolle sie jetzt, da der
jüngste Tag anbreche, in den Himmel führen.
Eine Erzählung bei Nie. Remigius, Daemonolatria 1693 3, 39
'Der vermeinte zauberische Dieb', die auf Straparola 1, nr. 2 zurück-
gehn mag, enthält nur das Motiv C : auf Verlangen des 0 bristen
von Panzano stiehlt der geschickte Dieb Adrastus von Pontoise diesem
das Bett unterm Leibe weg. Aus dem Ober wallis bei Jegerlehner,
Sagen aus dem Oberwallis S. 53 nr. 75 'Der Meisterdieb' (A B C D)
= Bächtold S. 59. Aus Schwaben bei Meier nr. 55 'Der kluge
Martin' (stiehlt einem wandernden Metzger Kalb, Kleider und Geld,
macht die Husaren betrunken und kleidet sie als Kapuziner, tanzt
beim Kaiser, der Goldstücke in den Saal gestreut hat, und gewinnt
den Preis im Turnier). Aus Vorarlberg bei Dörler, Zs. f. öster.
Volksk. 14, 165 'Die drei Proben' (BDC; Heirat mit der Tochter
des Bitters). Aus Südtirol bei Menghin S. 61 'Der Maiser Student'
(B C D). Aus Niederösterreich bei Vernaleken, Mythen S. 27
(B D ; Hans, der das 'Stangelputzen' gelernt, gewinnt den Schimmel
dadurch, daß er sich für den Sunnawendfeuermann mit dem breiten
Hut ausgibt) und Vernaleken, KHM. nr. 57 'Der Betenkrämerhansl'
(D). Hean zisch bei Bunker nr. 14 'Schölmstickl' (der Bub stiehlt
dem Bauern einen Ochsen vom Pflug; B C D). Siebenbürgis ch
J) Einen andern in den Sack stecken ist ein verbreitetes
Scbwankmotiv; vgl. oben 2, 1571, ferner Wander, Sprichwörterlexikon 3,
1816 und Seiler, Zs. f. dt. Phil. 47, 256 nr. 156.
380 192. Der Meisterdieb.
im Kbl. f. siebenbürg. Landeskunde 1900, 107 'Vom ungeratenen
Sohn' (AB CD). Aus dem Rheinlande bei Simrock 1864 S. 253
nr. 54 'Die Himmelfahrt' (D. Pfarrer, Küster, Pfarrköchin). Aus
Hannover bei Schambach-Müller S. 316 nr. 27 'Der gelernte Dieb'
(AB; Pferd vom Wagen und Ochse vom Pflug gestohlen). Kuhn-
Schwartz S. 362 nr. 19 'Der Meisterdieb' (ABC; Ochse gestohlen).
Aus Dithmarschen bei Hansen nr. 1 'De Spitzbow, de allens
stehlen kunn, wat he wull' (Zs. f. schlesw. Gesch. 7, 217. B C D).
Aus Holstein bei Wisser, Heimat 10, 43 'De Spitzboof (AB CD).
Wisser, Grotmudder 2, 81 'De Spitzboof (ABC D). Wisser, Plattd.
M. S. 252 'De Spitzböfmeister' (Proben beim Räuberhauptmann, zwei
Ochsen und ein Pferd; AB CD); Wisser, Zs. f. Volkskunde 13, 301.
Aus Pommern bei Jahn 1,276 nr. 53 'Der Meisterdieb' = Baltische
Studien 36, 55. 1886 (Kalb dem Schlächter gestohlen ; ABCD); 1,
367 und 1, 376 f. Bl. f. pomm. Vk. 10, 102 'Der Meisterdieb'(A C D).
Aus Ostpreußen bei Lemke 2, 81 nr. 11 'Der dwatsche Hans' (A B).
— Niederländisch: Wolf, DMS. S. 30 nr. 5 'Jan der Dieb'
(Prophezeiung wie in nr. 139; D C B. Hemd der Frau) = Wodana
S. 173. Lootens-Feys nr. 7 'Meester-Gauwdief (A C B D) = Germ.
14, 90 = Leopold, Van de Scheide tot de Weichsel 1, 24 (1882).
Leopold 1, 73 (G. Segers, De slimme dief). De Mont en de Cock,
Vertelsels p. 393 'Van den doortrapten dief (ABCD; Hemd der
Frau). Witteryck-Delplace nr. 3 'Drie slimme gasten' (zuerst die drei
kunstreichen Brüder, oben nr. 124. A B C). Cornelissen-Vervliet nr. 48
Wan Robber den dief (Prophezeiung wie in nr. 139 ; A D B C).
Volkskunde 1, 289 'Van Summen Jan' (B C D, Befreiung aus dem
Sack). 1, 292 (ABCD). 15, 189 'Van den Meesterdief (Probestück
die Beraubung eines Bauern). — Dänisch: Grundtvig, Minder 3, 68
Hans Mestertyv' (ABCD; die drei Aufgaben stellt der Pfarrer,
dem Hans Brot und Fleisch gestohlen hat, um eine arme Familie zu
speisen; Hans macht in der Kirche solchen Lärm, daß Pfarrer und
Küster in den vor die Tür gehängten Sack hineinflüchten). Grundt-
vigs hsl. Register nr. 110 'Mestertyven og k?ellingen i kisten'.
Berntsen 1, 160 nr. 19 'Mestertyven' (Hemd des Schlächters und
Pflugochse gestohlen ; ABC). Skattegraveren 2, 13 L 'Mestertyven'
(Ochsen gestohlen, B C D ; dann die vier kunstreichen Brüder, oben
nr. 129). 8, 129 'Mestertyven' (Ochse, Hasenbraten, B C D). Efterslset
p. 176 'Mestertyven' (Ochsen; ABCD; Heirat mit des Edelmanns
Tochter). Kristensen, Fra Bindestue 1, 153 nr. 29 'Mestertyven'
192. Der Meisterdieb. 381
(AB, Ochsen vom Pfluge, CD). — Schwedisch: Historia om en
mästertjuf, Lund 1846 (nach Asbjörnsen nr. 34. Bäckström, Folkböcker
3, 90). Bondeson, Sv. folksagor nr. 79 'Mästertjufven' (A, Hofhund,
B C). Steffen 2, 62 'Mästertjufven' (ABC D). iberg nr. 272
'Mästertjufen' und 304 'Matte och prästen' (A, Hund, C D). Allardt
nr. 154 'Om torparpojken, som gick i tjufskolan' (Ochse, C D) und
155 'Pojken, som skulle gä i skolan' (Ochse, Hunde, B C ; Befreiung
aus dem Sacke wie im Bürle, oben nr. 61). Hackmans Register
nr. 1525a. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 34 = Bresemann
2, 29 'Der Meisterdieb' = Stroebe 2, 67 = Thorpe p. 265 = Dasent
1859 p. 268 (Ochsen, A, Braten, D B, Reitpferd, C ; Heirat mit des
Amtmanns Tochter). — Fseröisch: Jakobsen p. 341 nr. 26 'Meistar-
tjövurin' (^Schinken, BD). — Isländisch: Arnason 2, 511 'Gramann'
= Powell-Magnusson 2, 609 = Poestion S. 125 nr. 16 = Ritters-
haus S. 368 nr. 105 'Der Meisterdieb' (ein einfältiger Bauer tauscht
seine Kuh gegen einen Sack, aus dem ein grauer Mann springt, der
ihm gestohlene Schafe bringt, wie im dänischen Märchen bei Grundt-
vig. Dilfor stiehlt des Königs Ochsen, Bettlaken und endlich König
und Königin und heiratet ihre Tochter). Magnus Jönsson, The
knavish milier 1663 (Ward, Cat. of romances in the British museum
1, 842. 856 nr. 94). — Englisch bezeugt aus Londoner Arbeits-
häusern bei *Mayhew, London labour and London poor 1861 3, 388
= Groome, Gypsy folk-tales p. 49. — Schottisch: Campbell, West
Highlands2 2, 253 nr. 40 'The son of the scottish yeoman who stole
the bishop's horse and daughter, and the bishop himself; vgl. R.
Köhler 1, 255 (B, Tochter, D). Campbell 2, 272 (Pferd, Tochter). —
Irisch: Kennedy, Stories of Ireland p. 38 = Jacobs, Celtic f. t.
2, 11 nr. 28 'Jack the cunning thief (stiehlt Ziege, Widder, Ochsen;
A, Gänsebraten, BC; Heirat mit des Edelmanns Tochter).
Französisch: Luzel, Veillees bretonnes 1879 p. 218 'Les
finesses de Bilz' (Prophezeiung aus der Bildsäule wie oben nr. 139;
AB, Hasenpastete, C; Befreiung aus dem Sacke wie oben nr. 61);
vgl. Luzel,( 5e rapport 1872 p. 42. *Nouvelle revue de Bretagne 3,
280 'Le comte, le eure et le paysan' von C. Tranois. Sebillot, C. de
la HauteJiretagne 1, 209 nr. 32 'Le fin larron' (Prophezeiung hinterm
Marienbilde; B, Brot, C, Reitpferd, Besteck, Befreiung aus dem
Sack, D, Tochter des Königs). Sebillot, Litt, orale p. 112 'Le fin
voleur' = Blümml S. 27 nr. 10 (Prophezeiung, Diebe in der Kirche
wie in Wickrams Rollwagenbüchlein c. 56, Mehl, Brot, B C D, Züge
382 192. Der Meisterdieb.
aus dem Unibos, oben nr. 61). Sebillot, Joy. histoires p. 260 nr. 73 'La
chevre qui fait sonner les cloches' (D). Revue des trad. pop. 9, 343.
'La Jeannaie' (oben nr. 61 ; CB, Braten). Meyrac p. 428 'Le fin
voleur' (Ochsen; C, Befreiung aus dem Sack); p. 430. Cosquin
nr. 70 'Le franc voleur' = Romania 10, 162 (AB, Ochsen, D).
Fleury p. 167 'Jacques le voleur' = Blümml S. 126 nr. 14 (Prophe-
zeiung, A, Kuh, B, Brot, C, Braten, D). Cenac Moncaut p. 99
'Jean-le-faineant' (B). Blade, Armagnac p. 16 nr. 6 = Gascogne
3, 5 'Joan lou pigre' (AB) = Blümml S. 80 nr. 31. Roche p. 66
'Le metayer l'Espiegle' (B, Braten, Pasteten, C D, Befreiung aus dem
Sacke). Revue 11, 102 nr. 8 'Le fileur d'or' (Brot aus dem
Backofen, Bettlaken, CB). 24, 345 'Le petit sorcier gris' (Ein-
leitung wie im Isländischen; Stier, Bettlaken). Schweiz. Archiv f.
Volksk. 18, 85 'Les trois freres qui voulaient apprendre un metier'
(Kuh, sechs Ochsen, AB, Getreide, C). — Italienisch bei Straparola
1, nr. 2 (= Ulrich, Schelmennovellen 1905 S. 144), wo der Gauner
Cassandrino drei ganz ähnliche Aufgaben des Stadtrichters von
Perugia löst : er stiehlt diesem das Bett, nachdem er durch ein Loch
in der Zimmerdecke einen Leichnam geworfen hat ; dann führt er
den Schimmel weg, auf dem der schlafende Stallknecht sitzt, indem
er ein Gestell unter den Sattel schiebt; endlich bringt er als Engel
verkleidet den Pfarrer in einem Sack, während dieser glaubt in den
Himmel getragen zu werden (C B D). Pitre, Nov. tose. nr. 41 Tl
ladro' (ABC D). Weber nr. 4 'II capoassassino' (ABC D). Andrews
Dr. 30 'Le fin voleur' (A, Ring, Siegel, C). De Gubernatis, St.
Stefano nr. 29 'II ladro' (A, Ochsen, Ring) = Gubernatis, Florilegio
p. 158. De Gubernatis, Die Tiere S. 2531. Finamore 1, 1, 117
nr. 24 'Frangeschjielle'. Revista delle tradiz. pop. ital. 2, 25 'Gli
impiccati' (A, Uhr, B, Ochsen). Coronedi-Berti 1883 nr. 39 'AI ladr'
unurä' (zwei Ochsen, Pferd, Börse unterm Kopfkissen). Nieri, C.
raeconti lucchesi nr. 65 'Basta una volta' (D). Zorzut, Instoris
p. 107 (D C B); Ridiculis p. 43 (D). Mailly nr. 11. 112. 238. — Malte-
sisch: Hg 1, 84 nr. 25 'Der Meister der Diebe' (C; vorher Schatz-
haus des Rhampsinit). — • Mallorkinisch: Alcover 1, 167 'En
Salom en es batle' (Ochsen, Frau). — Katalanisch: Maspons,
Rondallayre 3, 67 'Lo espabilat' (B C D). — Baskisch: Webster
p. 140 'The mother and her idiot son, or the clever thief (ABC D).
— Albanisch: Dozon p. 169 nr. 22 'Les deux voleurs' (D: Kadi
in der Truhe). — Rumänisch: Staufe nr. 13 'Der Pfarrer und der
192. Der Meisterdieb. 383
Mesner' (D) und nr. 21 'Der geschickte Dieb' (Pferd, Ochsen. Zs. f.
Volksk. 8, 86). Sckullerus nr. 114 'Radu Bolfe' (Ochsen, B CD.
Siebenbg. Archiv 33, 626). S^äinenu p. 872. — Serbokroatisch:
Vojinovic nr. 10 = Jagic, Archiv f. slav. Phil. 1, 283 nr. 10 'Der
größte Spitzbube von der Welt' (300 Pferde, Braten, Ring) ; vgl. R.
Köhler 1, 415. Kres 4, 88 nr. 6 = Krauß 1, 259 nr. 55 'Vom Burschen,
der sich auf Zigeunerstreiche verstand' (ABC, Ring, D; Küfer geprügelt).
Zbornik jslav. 10, 134 nr. 137 (B C, Ring, D). 12, 150 nr. 41 (A B).
Stankov Kukic S. 67—74 (A B C, Ring, D). Krasic 1, 29 nr. 6 (B D,
300 Tauben in einen Sack, Groldkästchen). Strohal 1, 193 nr. 59
(ABC, Ring, D). Bos. Vila 10, 331 (B, Ring, Bettlaken, A, Pferd;
dazu Rhampsinits Schatz). 10, 255 (D). — Cechisch aus Böhmen :
C. Vcela 1845 nr. 73, S. 293 = Tille, 1848 S. 56 (A C B D). Benes
Tfebizsky S. 79 nr. 9 (D). Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 57 (CD,
Ochse des Fleischers). Glatz: Kubin, Pov. kladske 1, 41 nr. 19
(AB CD). Mähren: Miksicek 1, 160 nr. 22 (ABC). Kulda
1. 278 nr. 53 (ABC). Tille S. 73 nr. 27 (C B D). Ö. Lid 5,
457 nr. 4 (C B). 6, 200 nr. 14 (B; Schiff, das über Land
fährt). Zahorska Kronika 4, 25 (B C, dazu das Bürle nr. 61).
Schlesien : Polivka S. 50 nr. 13 (D). Vestnik mat. opavske 14,
38 (D). -- Slowakisch: Cod. divers, auct. A 91 nr. 31 — Dob-
sinsky 3, 6 nr. 23 (C, mit unsrer nr. 129). 4, 79 nr. 46 (B). Nem-
cova ed. Tille 1, 129 nr. 19 (ABD). Närodopisay Vestaik 4, 218
nr. 4 (A, Hund, BD). Czambel S. 236 nr. 125 (D). — Wendisch:
Veckenstedt S. 228 'Der kluge Dieb' (A C, Ochse). — Polnisch aus
Schlesien : Schiller nr. 16 'Der Kunstspitzbube' (A B, Tochter ge-
stohlen und dem Teufel wieder abgenommen ; vgl. die mallorkinische
Fassung) = Mater, antropol. 8, 163. Malinowski 1, 64 (B). 2, 129
(drei Hunde, B C D). 2, 235 (ABC D). Mitt. f. schles. Vk. 4, 8, 65
(zwei Hunde, BCD; die vom Zauberer gestohlene Tochter des Herrn
befreit, wie oben nr. 129). Aus Posen: Kolberg 14, 345 nr. 102
(verblaßt. AB, Hunde, C, Ring, Hemd, D). Knoop, Ostmark. S. 1,
160 nr. 79 'Der Dieb' (Ziege, Ochse vom Pfluge, B; in einer Falle
gefangen). 1, 167 nr. 80 'Der Dieb von Chludowo' (C B). ZfVk. 26,
206 nr. 3 'Der Taugenichts' (C D). Kolberg 14, 288 nr. 7 1 (D). Aus dem
Krakauer Land : Ciszewski S. 252 nr. 202 (B C, Hemd, Ring, Geld ; Herren-
tochter aus der Hölle befreit). S. 254 nr. 203 (A, Vorhängeschloß vom
Tisch, C, Ring). Beskiden : Zbiör 5, 238 nr. 42 (A, Ochsen, B). 7, 60
nr. 122 (Tochter, B ; Liebe der Tochter zum Diebe). 15, 36 nr. 17 (B,
384 192. Der Meisterdieb.
Schwein aus dem Stall, Hase vom Bratspieß, C, Hemd, Bing, Geldkasten).
Swie>k S. 409 nr. 49 (A B, zwölf Pferde, Braten, CD). Mater, antropol.
3, 133 nr. 7 (A B C, Hemd, D). Zbiör 13, 109 nr. 4 (A, Petersilie,
B C D). 13, 113 (C). 16, 60 nr. 3 (A, Hemd des Hirten, B, Brau,
den Teufeln verkauft und abgenommen, Pferde und Wagen).
Gouv. Lublin: Wisla 11, 457 (AB, Pferde, Ochsen, Geld, C,
Brau, aus der Hölle befreit). Wisla 16, 619 nr. 12 (Dieb
hat Zauberkräfte, vermag den eisernen Geldkasten zu öffnen).
Gouv. Sedlec: Zbiör 8, 311 nr. 10 (B C, Geldkasten, Bing).
8, 312 nr. 11 (B C, Mutter aus der Hölle holen). Koztowski
S. 353 nr. 16 (ABC, Brau den Teufeln verkauft). Gouv. Kielce:
Kolberg, Lud 19, 243 nr. 19 (B C, Koffer, Herrentochter aus der
Hölle holen). Aus Galizien : Mater, antropol. 10, 299 nr. 73 (A B C,
Geld). 10, 292 nr. 57 (D). Gouv. Block: Chelchowski 1, 112
nr. 17 (der Meisterdieb verbindet sich mit den öffentlichen Dieben,
stiehlt das Geld, gibt den Hunden Brot in Branntwein getränkt,
hängt sie an den Schwänzen auf). — Kaschubisch: Bronisch
S. 24 nr. 6 (z. T. wie unsre nr. 111; D B C) S. 52 nr. 1 (B C).
Lorentz, Teksty pomorskie S. 152 nr. 205 (D B C). S. 432 nr. 550 (B).
S. 405 nr. 520 (B). S. 564 nr. 696 (A D B C). S. 580 nr. 715 (zwei
Diebe. B). S. 593 nr. 730 (zwei Brüder, B C, Bing). S. 525 nr. 656
(B C, Bettzeug, D). — Kleinrussisch aus Oberungarn: Etnograf.
Zbirnyk 3, 205 nr. 31 (B, Frau gestohlen und von den Teufeln
befreit, Kloster in der Hölle). 3, 210 nr. 32 (B, Brau). 9, 5
nr. 4 (jüngster Bäuber, B C, Ring, Geldkasten ; er soll in der
Hölle sehen, was für ein Bett der König dort hat, befreit
mehrere Seelen). Aus Südungarn: ebd. 30, 239 nr. 121 (ABC,
Ring, D). Aus Galizien : Zytje i Slovo 4, 358 nr. 24 (A B, Schwein :
betrunkene Hunde mit den Schwänzen an die Glocke gebunden).
Etnogr. Zbirnyk 6, 356 nr. 694 (Stier, Bferd, B, Brau, Wette mit
dem Teufel; Zornwette wie oben 2, 293). 8, 26 nr. 9 (A, Hunde
betrunken). 8, 28 nr. 10 (A B C, Brau, Wette mit Teufeln). 8, 144
nr. 84 (A B C, Bing, Brau, Wette mit Teufeln). 6, 48 nr. 135. 136
(D). 6, 121 nr. 295 (D). 9, 13 nr. 8 (D). Ukraina: Rudcenko 1,
67 nr. 36 (A B C, Geldkasten, Brau, Kloster in der Hölle). Gouv.
Boltawa: ebd. 1, 196 nr. 74 (drei Brüder; Hunde trunken; Dieb er-
zählt im Schlafzimmer ein Märchen: Wem gehören die Kleider?
C, Brau). Gouv. Kiew: ebd. 1, 191 nr. 73 (ähnlich). Öubinskij
2, 620 nr. 89 (drei Diebe, Hunde trunken; der Dieb erzählt dem Herrn
192. Der Meisterdieb. 385
und fragt, wem der Rock zufallen soll ; D). Gouv. Podolien : ebd .
S. 618 nr. 88 (B C, Eing, Kirchenkreuz, D). S. 621 nr. 90 (B, Geld-
kasten, C, Pferdegespann, Frau; Frau den Juden verkauft, Wett-
laufen mit dem Hasen, dem 'Kinde'). S. 670 nr. 134 (A, Geldkasten ;
Dieb als Märchenerzähler). Gouv. Charkow: Hrincenko 1, 214 nr. 75
(AB, Frau; Kloster in der Hölle, Wettlauf). Gouv. Wolhynien:
Rokossowska S. 75 nr. 45 (B, Ochs, Pferd, C, Geldkasten). S. 99
nr. 72 (B C, Geldkasten, Frau ; Wette). Gouv. Grodno : Öubinskij 2,
362 nr. 98 (BC, Ring, Frau ; Wette). Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 63
nr. 93 (D). Anthropophjteia 7, 416 nr. 788 (D). — Weißrussisch:
Federowski 2, 255 nr. 274 (B, Frau. Geschrei : Die Scheune brennt,
Frau vom Teufel befreit). 3, 140 nr. 255 (B, Kuh, Pferd, Frau
stehlen, Kirche in der Hölle bauen). 3, 143 nr. 258 (A C, Hemd und
Laken, Braten vom Tisch stehlen; Hasen aus dem Sacke gelassen).
3, 145 nr. 259 (B, Hengst und Ochse an einer Schlinge durch die
Dachluke gezogen, D). 3, 137 nr. 249 (D). Serzputovskij S. 52
nr. 27 (D). Karlowicz S. 32 nr. 22 (B, Geldkasten, Hunde). Mater,
kom. jejzyk 2, 85 (A B C, Laken). Sejn 2, 120 nr. 57 (Einleitung wie
oben 2, 15 ; Hemd und Frau stehlen, vom Teufel befreien). 2, 297
nr. 138 (Frau eines andern Herrn stehlen, B, Käse des Pächters ;
Hunde trunken gemacht, Kirche in der Hölle). — Großrussisch
von Culkov gegen Ende des 18. Jahrh. erzählt, Auszug bei Afanasjev3
2, 350 (C, Laken und Hemd der Frau und des Herrn). Afanasjev3
2. 341 nr. 219a (B, der Dieb als Herr verkleidet läßt sich das Pferd
vorführen, D) = Hildebrand 2, 36. Afanasjev3 2, 343 nr. 219d
(Diebslehrling schleicht sich beim General ein und läßt
seinen Meister ein. AB, Tischgeschirr; als Teufel verkleidet
vertreibt er die Gäste). Gouv. Orel : ebd. 2, 342 nr. 219b
(A, Geldkasten vom verkleideten Teufel gestohlen, B). Gouv. Tula:
Erlenwein S. 94 nr. 26 (A B, Geldkasten, Frau) = Gubernatis,
Florilegio p. 157 'Klinika'. Gouv. Woronesch : Afanasjev3 2, 343
nr. 219c (die zur Mühle geschickten Pferde mit Getreide). Gouv.
Kursk: ebd. 2, 345 nr. 219e (ABC, Geld, Frau; Tausch im Sacke)
Aus Moskau: Chudjakov 1. 121 nr. 34 (Lehrling hilft den Räubern
stehlen, stiehlt ihnen das Schwein). Gouv. Samara: Sadovnikov S. 139
nr. 31 (Hund, B C, Geld, Fraii ; aufgehängte Strohpuppe den Teufeln
verkauft). Gouv. Wjatka: Kolosov S. 279 nr. 4 (AB, Geld). Gouv.
Olonetz : Oncukov S. 243 nr. 92 (A, Glas und Tischtuch, B C, Bett-
laken; verkleidet als Lakai). S. 461 nr. 197 (A B C, Bettlaken, Frau).
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 25
386 102. Der Meisterdieb.
Gouv. Archangelsk: ebd. S. 522 nr. 245 (ABC, Laken, Geld, Frau).
Wladikavvkaz: Sbornik kavkaz. 15, 2, 103 nr. 11 (AB, Frau; der
Herr, mit dem der Dieb die Kleider getauscht, wird geprügelt; Frau
von den Teufeln befreit). 15, 2, 193 (A B C. Vater und Mutter be-
stohlen). Gouv. Tobolsk: Zap. Krasnojarsk 1, 120 nr. 60 (andre
Diebsstreiche ; unten S. 390). Afanasjev3 2, 346 nr. 219 f (Dieb im Stroh-
bund über die Mauer geworfen, Hunde trunken gemacht ; Märchen :
Wem gehört der Pelz). 2, 347 nr. 219g (AB). — Litauisch:
Schleicher S. 13 'Vom schlauen Jungen' (nachdem er Wagen, Ziege und
Kleider für die Räuberbande gestohlen, wird er Schenkwirt ; seine beiden
Gesellen stehlen ihm zweimal ein Mastschwein, werden aber von ihm
darum betrogen). Leskien-Brugman S. 480 nr. 37 'Von einem Dieb'
(ABC D). Langkusch, Altpreuß. Monatsschrift 15, 454 nr. 31 'Wer
war sein Ahn' (Ochsen; BD). — Lettisch: Treuland S. 184 nr. 112
(Schatz des Rhampsinit; A, zwei Hunde, B C, Ring). WeryhoS. 217
nr. 30 (B, Hund, C, Ring, Frau). — Estnisch: Kallas nr. 62 'Hans
der Dieb' (Ochse, Schwein; B, Geld an geteerten Stiefelsohlen, CD;
Züge aus Salomo und Markolf, weder zu Fuß noch reitend). —
Finnisch: Aarnes Register nr. 1525a 'Meisterdieb'. Suomi 2, 16,
174. 3, 10, 24. 3, 17, 85. 4, 2, 116. Aarne nr. 1737 (D). — Mor-
dwinisch: Paasonen, Journal de la soc. finno-ougr. 12, 96 nr. 4
(Motros stiehlt einen Wagen, Ochsen, einen Hengst, Geschirr, Bett-
zeug, steckt den Priester in einen Sack, den er an den Glocken-
klöppel bindet; jeder Bestohlene will ihm die Tat verzeihen, wenn
er einen andern ebenso schädige). — Magyarisch: Horger nr. 53.
Berze Nagy nr. 41. — Zigeunerisch: Constantinescu, Probe de
limba si literatura Tsiganilor din Romänia 1878 nr. 6 = Journal of
the Gypsy-lore soc. 3, 142 = Groome p. 41 nr. 11 'The two thieves'
(Eier der brütenden Krähe, Schatzhaus des Rhampsinit, D). R. v. Sowa.
Mundart der slovakischen Zigeuner 1887 p. 174 nr. 8 = ZdmG. 39,
514 nr. 3. 'Der Zigeuner und der Priester' = Groome p. 46 nr. 12 (D).
Friedr. Müller, Romsprache nr. 1 (Wiener SB. 61, 151: C entstellt,
ebd. 70, 87: C). Groome p. 48 (aus Wales. Zwei Schafe), p. 49
(ebd. Schaf, C). - Syrjänisch: Ziv. Starina 17, 96 (ABC, Geld,
Bettzeug, Frau). — Min g relisch: Sbornik kavkaz. 18, 8, 34
(Bruchstück). — Tschetschenisch: ebd. 32, 2, 60 nr. 2 (B C,
Geldkasten, Frau). - Ossetisch: ebd. 6, 2, 213. 7, 2, 13. —
Kirgisisch: H:Divajev, Etuogr. mater. vyp. 11 (1906) nr. 1. — Im
mongolischen Siddhi- Kür (Jülg 1886 nr. 12 — Kletke, Märchen-
192. Der Meisterdieb. 387
saal 3, 5 'Chan Kindersinn') gebietet ein törichter Fürst einem
klugen Manne, ihm seinen Lebenstalisman zu stehlen, will ihn aber
töten lassen, als er die Aufgabe durch Berauschung der Wächter
gelöst hat ; da schlägt der Mann den Talisman auf einen Stein, und
alsbald stirbt der Fürst. Bennigsen S. 68 nr. 31 (A; der Dieb, der
ein geweihtes Gefäß stehlen soll, schläfert durch Zauber die Wächter
ein, setzt die Reiter auf Kuhmist, gibt ihnen Stöcke statt Waffen
in die Hände, dem Hunde Fleisch, dem Kamel Salz, dem Stier und
Hengst Heu usw.). — Indisch: O'Connor p. 80 nr. 14 'The three
thieves' (sollen drei Perlen aus dem kaiserlichen Schatz stehlen).
North indian notes and queries 3, 67 nr. 135 'The master-thieP (der
Prinz stiehlt seines Vaters Becher und Speisenbrett sowie das Pferd
eines andern Königs). 3, 69 nr. 136 und 82 nr. 172 'The master-
thief (der vierte Sohn eines Raja stiehlt ein Pferd und Kamel;
Zeichen an der Tür vervielfältigt). Knowles p. 104 'Shabrang prince
and thief (stiehlt Vogeleier, Hasen u. a., gibt sich dem Könige als
der gesuchte Dieb zu erkennen und führt ihm seine Mutter, des
Königs verlassene Frau, zu). North indian notes 3, 171 nr. 370
'The half-married daughter of the gardener' (ähnlich). — Neu ara-
mäisch: Lidzbarski S. 241 nr. 14 'Der Meisterdieb' (Eier der brü-
tenden Störchin, Hosen des Diebes ; Schatzhaus, D). Prym-Socin,
Tür-Abdin 2, 170 nr. 42 (Eier und Hosen ; Schatzhaus ; Leichnam
von der Tochter des Statthalters bewacht, ausgestreutes Geld an
Wachssohlen, Statthalter von Aleppo im Sarge). — Mexikanisch:
Journ. of am. folklore 24, 411 nr. 5 'Los tres hermanos' (Widder,
Geldbeutel unterm Kopfkissen des Königs); vgl. 27, 215. — India-
nisch: ebd. 26, 224 'Mteza'. — Hawaii: Westervelt 1915 p. 148
= Hambruch S. 271 nr. 66 'Iwa, der Meisterdieb von Oahu' (Tiger-
muschel, Steinbeil, Bettdecke; Wettestehlen mit den sechs Leibdieben).
Fast dieselben Aufgaben, die hier einem gelernten Diebe ge-
stellt werden, mutet bei Basile 3, nr. 7 ein König seinem wackeren
Diener Cor vetto zu, weil Neider ihm dessen angebliche Prahlereien
gemeldet haben ; vgl. über diesen Märchenkreis oben S. 33. —
Einen kecken Pferdediebstahl berichtet schon Walther Mapes,-
Nugae curialium 2, c. 25 'De Cheveslino füre' (p. 101 ed. Wright
1850; vgl. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 33) um 1190 aus Wales;
der Dieb bindet der Stute den Teppich, auf dem die vier Wächter
schlafen, an den Schwanz und zieht jene im Davonreiten mitten
durchs Feuer. In Bojardos Orlando innamorato 2, 5, St. 40 (Regis'
25*
388 192. Der Meisterdieb.
Verdeutschung 1840 S. 169) raubt der behende Erzdieb Brunello
nicht nur der Angelika ihren Zauberring und der Marfisa das Schwert,
sondern auch dem in Trauer versunkenen Sakripant den Gaul, auf
dem er sitzt:
Der Dieb sprach: 'Seht den. Kerl, es ist zum Lachen!
Hat solch ein Boß und schläft im Stehen fast.
Ein andermal will ich dicli lehren wachen.'
Und damit nahm er einen großen Ast,
Zerschnitt den Gurt, ohn ein Geräusch zu machen,
Stemmt auf den Zacken dann der Bügel Last
Und jagt, eh Sakripant was merkt, im Schusse
Davon, und der Girkasser blieb zu Fuße.
Auf gleiche Art wird in Cervantes Don Quixote 2, c. 4 dem
schlafenden Sancho der Esel unterm Leibe fortgezogen, indem ein
Dieb (wie bei Straparola) vier Stangen an den vier Ecken des
Sattels in den Boden steckt und ihn schwebend erhält ; vgl. Ouville,
Elite des contes 1883 2, 65 = Contes ä rire 1752 1, 54 = Contes
ä rire et aventures plaisantes 1881 p. 34 'L'äne vole sous les jambes
de son maitre'. — Wenn unser Meisterdieb das Pferd, nachdem er
die Wächter betrunken gemacht hat, entführt, so erinnert
das an die Entführung der Leiche im Schatzhause des Rhampsinit
(unten S. 396), an die des h. Theodotus durch den Priester Eronto (Acta
Sanctorum Maii 4, 162) und an Wetzel, Peise der Söhne Giaffers
1896 S. 109.
Die List des Meisterdiebs, nachts Krebse mit aufgeklebten
Wachslichtern1) über den Kirchhof laufen zu lassen, welche
Pfarrer und Küster für die Seelen Gestorbener halten, wird schon
von dem protestantischen Geistlichen Z. Rivander, Fest-Chronica
1591 1, Bl. 106b erwähnt: 'Etliche der Mönchen und Pfaffen er-
*) Schon bei Aristophanes (Acharner v. 920) hat Nikarchos den
Gedanken, man könnte einer Schabe (ziepr}) einen brennenden Docht
(&QvaÄAig) anbinden und sie ins Arsenal schicken, um die Schiffe da-
mit anzuzünden. Daß die griechischen Kinder Käfern Wachslichtchen
aufklebten und sie so herumlaufen ließen, erwähnt Eustathios zur Ilias
21,394 und Papasliotes, Über die Kinderspiele bei den alten Griechen
S. 21; vgl. F. Boehm, Zs. f. Gesch. der Erziehung 6, 146 (1916). — In
Sacchettis 191. Novelle läßt der Florentiner Maler Bonamico nachts Käfer
mit aufgespießten Lichtchen in die Schlafkammer seines Meisters Tafo,
wTeil ihn dieser immer so früh weckt; Tafo wagt nicht aufzustehen, weil
er Teufel zu sehen meint.
192. Der Meisterdieb. . 389
dichteten diese Betriegerey. An Allerseelen-Abend oder umb dieselbe
Zeit namen sie Krebs und ander Thier unnd Gewürm, so auff der
Erden kriechen und lauffen, steckten und machten denselben kleine
angezündete brennende Wachsliechtlein auff, satzten sie auff die
Kirchhöfe und gaben für und beredeten sie, es weren die Seelen
der Verstorbenen, die im Fegfewer sessen oder also herumb walleten
und könten nicht zu Gnaden kommen. Ließen sich aber sonderlich
zu dieser Zeit sehen, weil sie wüsten und hoffeten, das an Aller-
seelentag Seelmessen gehalten und sie dadurch aus dem Fegfewer
erlöset und zu Gnaden bracht wurden. Derwegen ein jeder, desto
mehr verursacht und bewegt ward, seinen Verstorbenen eine Seel-
meß halten zu lassen und die Seel zu Gnaden, Fried und Kühe zu
bringen.' — Ebenso erzählt Gryse, Spegel des antichristischen Pawest-
doms 1593 Bl. LI 4a = Baltische Studien 36, 61 ; kürzer Delrio,
Disquisitiones magicae 1612 p. 272b (cancris vel testudinibus cum
candelulis affixis) und danach Anhorn, Magiologia 1674 p. 555. Die
Quelle dafür ist wohl ein Brief des Erasmus von 1528 (Epistolarum
opus 1538 p. 854): 'Parochus quidam sub diem parasceues clam
immisit in coemiterium vivos cancros affixis ad latus cereolis ardenti-
bus. Qui cum reperent inter sepulchra, visum est noctu terribile
spectaculum, nee quisquam ausus est accedere propius. Hinc rumor
atrox. Consternatis Omnibus, parochus e suggestu docet populum
has esse defunetorum animas, quae missis et eleemosynis flagitarent
a cruciatu liberari. Fucus ita proditus est : reperti sunt tandem
unus et alter Cancer inter rudera, facem exstinetam gestantes, quos
parochus non recollegerat.' Deutsch bei Ludwig Lavater, Von Ge-
spänsten 1578 Bl. 34b (uff den heiligen Pfingstag) = Theatrum de
veneficis 1586 S. 129b. — In Italien läßt man noch heut in Monte-
nero di Bisaccia zum Gedächtnis der Toten große Käfer mit brennen-
den Kerzen auf dem Rücken durch die Kirche laufen (De Nino, Usi
abruzzesi 1, 141). In Senigallia bildet dies eine Belustigung der
Knaben, die dazu rufen: '0 guarda un anima che passa!' (Archivio
delle tradiz. pop. 3, 191).
Zahlreich sind in den oben aufgezählten Varianten unsres
Märchens die Berührungen mit andern Diebsschwänken.1) Oft
J) Die'Histoire generale des larrons' (Paris 1623—25 u. ö. vom Sieur
d'Aubrincourt oder F. D. C. Lyonnois), verdeutscht als 'Beutelsckneyder,
d. i. newe Diebs-Historien' (Frankfurt 1641 u. ö.) enthält nichts Herge-
höriges; wirkliche Schwanke stehn im 'Schauplatz der Betrieger' (1687).
390 192. Der Meisterdieb.
ist der Held der jüngste von drei Brüdern, die ausziehen, um
jeder ein Handwerk zu lernen,1) wie oben S. 10 und 45; oder
er empfängt seinen Beruf durch ein seiner Mutter vom Heiligenbilde
erteiltes Orakel, wie in einigen zum 'Mädchen von Brakel' (oben
S. 124) angeführten Schwänken. Während seiner Lehrzeit erweist
er seine Geschicklichkeit durch verschiedene Streiche: er stiehlt
einem zum Markte ziehenden Bauer seinen Ochsen oder Widder,
indem er ihn durch Hinlegen von einzelnen Schuhen, von Säbel
und Scheide, von Messer und Gabel verleitet, umzukehren und sein
Vieh unbewacht auf dem Wege stehn zu lassen;2) dasselbe erreicht
1) Schambach - Müller S. 316. U. Jahn 1, 276. Cosquin 2, 271.
Sakellarios nr. 6. Zap. Krasnojarsk. 1, 320 nr. 60. Afanasjev3 2, 347
nr. 219g. Oncukov S. 157 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 205 nr. 31. 3, 210
nr. 32. 3, 233 nr. 117. Zytje i Slovo 4, 358 nr. 24. Etnogr. Zb. 8, 26
nr. 9. Suchevyc S. 144 nr. 84. Kolberg, Pokucie 4, 237 nr. 58. Mali-
nowski 1, 64. 2, 54. Ciszewski, Krak. nr. 204. Chelchowski 1, 112 nr. 17.
Gryf 1, 158. Kubin, Pov. kladske 1, 41 nr. 19. Miksicek 1, 160. Dob-
sinsky 4, 79 nr. 46. Narodop. Vestnik 4, 218 nr. 4.
2) E. Köhler 1, 210. Neue Abendstunden 5, 209 (1770) 'Die drei
Betrüger'. E. Meier nr. 155. Wolf, Hausm. S. 398. Pröhle, KVM. nr. 49.
Reuter, Läuschen un Daniels 2, nr. 28 'De Kaiverbrad'. Haase, Sagen
aus Ruppin 1887 nr. 110. Wisser, Plattd. Vm. S. 252 nr. 73. Jabn 1,
269. 367. Lemke 2, 82. 85. Dykstra 2, 81. Etlar 1891 S. 251. Berntsen
1, 163. Skattegraveren 8, 129. 9, 97. Asbjörnsen-Moe nr. 34. Campbell2
1, 335 nr. 17d. Kennedy, Fireside stories p. 39. Wallonia 4, 102.
Deulin, C. d'un buveur p. 183. Sakellarios nr. 6, Legrand p. 205.
Kretschmer S. 55 nr. 16. Veckenstedts Zs. f. Volksk. 2, 267. Wuk
nr. 46. Bos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Gröie-Bjelokosic S. 38. Zbornik
jslav. 10, 191. Afanasjev3 2, 345 nr. 219e. 2, 348 nr. 219h. Sadovnikov
S. 142 nr. 31. Kolosov S. 279 nr. 4. Oncukov S. 157 nr. 59. 396 nr.
160. 461 nr. 197. Zap. Krasnojarsk. 1, 121 nr. 60. 1, 97 nr. 50. Fede-
rowski 3, 140 nr. 255. 3, 142 nr. 256. 3,143 nr. 258. Sejn 2, 122 nr. 57
2, 203 nr. 95. Mater, kom. jejz. 2, 82. Etnogr. Zbirnyk 8, 25 nr. 8. 30,
236 nr. 119. 30, 237 nr. 120. Suchevyc S. 143 nr. 83. 84. Cubinskij
S. 670 nr. 134. Hrincenko 1, 214 nr.- 175. Rudcenko 1, 67 nr. 36.
Dykariv S. 24 nr. 25. Zbiör 7, 37 nr. 96. 8, 319 nr. 9. 8, 143 nr. 73.
Mater, antropol. 3, 133 nr. 7. Ciszewski nr. 204. Chelchowski 1, 114
nr. 17. Zawilihski S. 98. Wisla 11, 457. Lorentz, Texte S. 121 nr. 105.
Maly4 S. 182. Miksicek 1, 161 (Säbel mit Scheide). Kulda 1, 279 nr. 53.
Kubin, Podkrk. nr. 56. Malinowski 2, 54. Procbäzka S. 71. Czambel
S. 253 nr. 139. Altpreuß. Mtscbr. 15, 454. Jurkscbat 1, 128 nr. 62.
Treuland S. 184 nr. 112. Kallas nr. 62. Krauß, Zigeunerhumor S. 233.
Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 395. Radioff 10, 132 nr. 71. Sbornik
kavkaz. 12, 1, 133 (kabardinisch) 29, 2, 206 (armenisch). Ramstedt 1, 3
192. Der Meisterdieb. 391
er, indem er sich im Walde mehrmals scheinbar aufhängt1) oder
das Brüllen des Viehes nachahmt2) oder sich selber an die Stelle
des gestohlenen Esels begibt und dem Bauer vorredet, er sei zur
Strafe seiner Sünden für eine Weile in einen Esel verwandelt
worden.3) Bisweilen haut er dem angebundenen Ochsen (Widder)
nr. 3 = Revue des trad. pop. 27, 323. O'Connor p. 131 nr. 18. Knowles
p. 300 = Revue des trad. pop. 28, 252. Day p. 167. Swynnerton p. 49
nr. 21. Clouston 2, 43. 50. Hanauer p. 275. Swaheli stories 1886 p. 7.
— Der Dieb legt ein Fell auf den Weg: Cubinskij S. 618 nr. 89. 90.
Rokossowska S. 99 nr. 72. Federowski 3, 146 nr. 259. Karlowicz S. 32
nr. 22. Zbiör 8, 311 nr. 10. 11. 13, 109 nr. 4. 15, 36 nr. 17. 16, 60 nr. 3.
C. Lid 5, 457 nr. 4.
J) R. Köhler 1, 210. 348. Der lustige Kirmeßbruder 1847 S. 19
(Volksbücher ed. Wolff nr. 45). Schambach - Müller S. 318. Kuhn-
Sehwartz S. 363. Wisser, Plattd. Vm. S. 232. Jahn 1, 276. Skatte-
graveren 2, 132. Asbjörnsen nr. 34. Rittershaus nr. 105. Poestion nr. 16.
Kennedy p. 39. Schweiz. Archiv f. Vk. 18, 86. Deulin, Contes p. 181.
Meyrac p. 428. Revue des trad. pop. 24, 346. Grubernatis, S. Stefano
nr. 29. Kretschmer S. 55 nr. 16. Afanasjev 2, 342 nr. 219b. 219c. 219e.
Sadovnikov S. 141 nr. 31 (Strohpuppe). Federowski 1, 143 nr. 258.
Suchevyc S. 146 nr. 84. Cubinskij S. 622 nr. 90. Ciszewski nr. 204.
Zbiör 5, 238 nr. 42. 16, 61 nr. 3. Öwietek S. 411. K. Prochazka S. 71.
Rona-Sklarek 2, 180 nr. 15.
2) E. Meier S. 194. Dykstra2, 81. Asbjörnsen-Moe nr. 34. Legrand
p. 205. Kretschmer S. 56 nr. 16. Eos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Sadov-
nikov S. 143 nr. 31. Rudcenko 1, 67 nr. 36. Etnogr. Zbirnyk 30, 233
nr. 117. 30, 238 nr. 120. Hrincenko 1, 215 nr. 175. Federowski 3, 144
nr. 258. Swietek S. 412. Miksicek 1, 161. Lorentz, Teksty pom. S. 172
nr. 230. 485 nr. 621. 254 nr. 313. Schleicher S. 13 nr. 9. Clouston 2, 44.
— Geschrei: Bunker nr. 14. Blümml, Beitr. S. 127 nr. 28.
Schambach-Müller S. 316. Lemke 2, 83. Legrand p. 205. Veckenstedts
Zs. 2, 267. Vuk Karadzic nr. 46. Zbornik jslav. 10, 191, Etnogr.
Zbirnyk 3, 208 nr. 31. 3, 211 nr. 32. Hrincenko 1, 216 nr. 175. Mater,
antropol. 3, 134 nr. 7. C. Lid 5, 458 nr. 4. Lorentz, Teksty S. 254 nr.
343. 331 nr. 431. 592 nr. 728. Sbornik Kavkaz. 18, 3, 34. Pekotsch, Er-
innerungen türk. Gesch. 1911 S. 15. — Räuber erschreckt: Schweiz.
Archiv f. Vk. 18, 189. Veckenstedts Zs. 2, 268. Vuk Karadzic nr. 46.
Erlenwein S. 94 nr. 26. Sadovnikov S. 143 nr. 31. Zap. Krasnojarsk. 1,
121 nr. 60. 1, 97 nr. 50. Oncukov S. 157 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3,
212 nr. 32. 30, 235 nr. 118. 119. Suchevyc S. 145 nr. 84. Hrincenko 1,
214 nr. 175. Dykariv S. 25 nr. 25. Miksicek 1, 162. Lorentz, Teksty S. 172
nr. 230. 331 nr. 431. 391 nr. 502. 485 nr. 621. 582 nr. 728. Schleicher
S. 13. 20. Radioff 10, 132 nr. 71.
3) Vgl. oben S. 9; dazu Varnhagen, Longfellows Tales 1884 S. 124.
Das blaue Buch zum Todtlachen (um 1800) S. 31 nr. 49. Heyl, Volks-
392 192. Der Meisterdieb.
den Kopf (Schwanz) ab und pflanzt ihn in den Sumpf1) oder steckt
den abgeschnittenen Schwanz des einen Ochsen dem andern ins
Maul,2) um dem Bauern weiß zu machen, daß das Tier in die Tiefe
gesunken oder von dem andern verzehrt sei. Oder er lockt die
Bauernknechte, dem angeblich ausgeackerten Geld nachzugraben;3)
er entwendet dem Bestohlenen ferner seine Kleider, indem er ihn
bittet, in den Brunnen hinabzusteigen und einen angeblich hinein-
gefallenen Geldbeutel herauszuholen.4) Mehrfach wird das an-
sagen aus Tirol 1897 S. 30. Motz bei Dälmhardt, Heimatklänge 2, 83
(1902). Schell, Bergischer Volkshumor 1907 S. 88. Niedersachsen 1, 190.
De Mont en de Cock, Vertelsels p. 140. Sebillot, Joyeuses bist. p. 26.
Balladoro 1900 p. 201. Boira, Libro de los cuentos 1862 1, 259.
B. Lindau, Erzählungen eines Effendi 1896 S. 157. Bbodokanakis,
Dofär S. 21.
*) E. Meier S. 194 nr. 155. Pröhle, KVM. nr. 49. Blümml,
Beiträge S. 127 nr. 28. Bl. f. pomm. Volksk. 4, 59 nr. 1. Jahn
1, 277 (Schwanz). Bittershaus S. 426 nr. 121. Carnoy, Litt, de la
Picardie p. 323. Gubernatis, Die Tiere S. 181. Arcbivio 24, 154
nr. 2. Kretschmer nr. 16. Federowski 3, 142 nr. 256. Sejn 2,
203 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 206 nr. 31. 8, 25 nr. 8. Kolberg,
Pokucie 4, 237 nr. 58. Suchevyc S. 145 nr. 84 Cubinskij S. 670
nr. 134. Hrincenko 1, 215 nr. 175. Zbiör 16, 60 nr. 3. Mater,
antropol. 3, 133 nr. 7. Chelchowski 1, 114 nr. 17. Miksicek 1, 161.
Malinowski 2, 54. Czambel S. 250 nr. 139. Lorentz, Teksty S. 251 nr.
343. 331 nr. 431. 435 nr. 621. Mitt. f. jüd. Vk. n. F. 2, Heft 18, 69 nr. 5.
— Vgl. B. Köhler 1, 150. 327 und ZfVk. 6, 74 zu Gonzenbacb nr. 37.
H. Sachs, Schwanke 5, 181 nr. 717 (Pferdeschwanz eingepflanzt).
2) Bunker nr. 14. Blümml, Beiträge S. 127 nr. 28. Sehambach-
Müller S. 316 nr. 27. Schweiz. Archiv 18, 88. Afanasjev 2, 351 nr. 219a.
Etnogr. Zbirnyk 3, 211 nr. 32. Hrineenko 1, 216 nr. 175. Mater, kom.
je,zyk. S. 86. Federowski 3, 139 nr. 254. Kolberg, Pokucie 4, 238 nr. 59.
Malinowski 2, 235. Lorentz, Teksty S. 592 nr. 728. C. Lid 5, 458 nr. 4.
Miksicek 1, 162. Kulda 1, 280 nr. 53. Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 56.
Dobsinsky 4, 81 nr. 46. Nemcovä, Slov. ed. Tille 1, 130 nr. 19. Vecken-
stedt, Wend. Sb. S. 228 nr. 8. AVI islocki, Volksdichtungen S. 396.
3) Kulda 1, 279 nr. 53. Nerncovä-Tille 1, 130 nr. 9. Malinowski
2, 235. Badloff 10, 135 nr. 74. — Gänse und Hühner aus einem Sack
entlassen : Scbullerus S. 240 nr. 114. Zbornik jslav. 12, 150 nr. 41.
Stankov Kukic S. 627. Strobal 1, 193 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 213
nr. 32. 30, 239 nr. 121. Mater, kom. j§zyk. S. 86. Dobsinsky 4*^ 81 nr. 46.
• — Gerupfter Hahn: Afanasjev3 2, 341 nr. 219a. VvTislocki, Volks-
dichtungen S. 396.
4) Dscbelaleddin Bumi ed. Wbinfield 1898 = Wesselski. Das
lachende Buch 1914 nr. 118. Basset, Mission au Senegal 1, 627. —
192. Der Meisterdieb. 393
französische Fablel von Barat und Haimet (oben S. 57) er-
neuert, wo ein Schelm einer brütenden Elster unvermerkt die Eier
aus dem Nest stiehlt, während sein Genosse ihm ebenso unver-
merkt die Hosen abzieht.1) Aus der Unibos-Fabel (oben 2, 6. 18)
stammt die Befreiung des Helden aus dem Sacke, in den zu
kriechen er einen Dummkopf überredet (vgl. oben S. 192).
Andre Diebsschwänke sind: 1. Zwei Diebe betrügen einander
beim Tausch: AVickram, Werke 3, 370 nr. 31. Miksicek, Pohädky S. 46
nr. 6. Chauvin 8, 107. Parker 2, 90 nr. 94. Schmidt-Kahle, Palästina
nr. 23. Müller, Mehri-Sprache 2, 76. Basset, C. berberes 1, 114. Riviere
p. 21 nr. 4. — 2. Elbegast geht nachts mit König Karl stehlen:
Carel ende Elegast ed. Hoffmann v. F. 1836, Jonckbloet 1859. Karlmeinefc
ed. Keller 1858 S. 575. 846. Bech, Germ. 9, 320. Lübben, Jb. f. nd.
Spracbf. 6, 20 (Lübecker Fastnachtspiel 1450). Vernaleken, KHM. nr. 19.
Ähnlich: Jahn 1, 276 nr. 53. Etnogr. Zbirnyk 3, 206 nr. 31. 30, 233
nr. 117. Sucbevyc S. 145 nr. 84. Cubinskij S. 670 nr. 134. Zbiör 16,
60 nr. 3. Miksicek 1, 161. Malinowski 2, 54. Czambel S. 253 nr. 139.
Schleicher S. 16. Sbornik Kavkaz. 12, 1, 134 (kabardinisch).
') Vgl. noch Truhelka 2, 60 nr. 9. Afanasjev3 2, 342 nr. 219b.
2, 347 nr. 219g. 219h. Sadovnikov S. 142 nr. 31. Zap. Krasnojarsk. 1,
121 nr. 60. Oncukov S. 158 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 9, 98 nr. 56.
Cubinskij 2, 601 nr. 80. Romanov 3, 410 nr. 19. Lorentz, Teksty
pomorskie S. 536 nr. 666. Künos, Adakaie S. 261 nr. 39. Sbornik
Kavkaz. 24, 2, 53. Zapis. geogr.-etnogr. 17, 2, 176 (karagasisch). Knowles
p. 104. O'Connor p, 80 nr. 14. — Auch der zweite Teil des Fablels, wo
zwei Diebe ihrem früheren Genossen, der sich verheiratet hat. einen
Schinken stehlen, einbüßen und wieder gewinnen, hat weite
Verbreitung; s. Belgisch Museum 10,69. Grundtvigs hsl. Register nr. 111
'Tyvens Iteiiing'. Kamp, Folkeminder S. 131. Kristensen, Aev. fra
Jylland 2, 79 nr. 10 = Stroebe 1, 135. Gering, Islendzk äventyri 2, 210
nr. 90. Angeloni, Novella ed. Cappelli 1870 (R. Köhler 2, 593. Marchesi,
Per la storia della novella italiana nel secolo XVII. 1897 p. 103). Vacalerio,
LArcadia in Brenta 1680 p. 275. Gradi, Saggio 1865 p. 107. Visentini
nr. 43. Rivista di letteratura pop. 1, 85. PeUicani, Cento novelle 1881
p. 206. Balladoro, Novelline 1900 p. 147. Dozon nr. 21. Zbornik jslav.
10, 194. Grgjic-Bjelokosic, Stotina S. 13 (Widder). Sbornik za nar
umotvor. 8, 204 nr. 2. Afanasjev3 2, 531 (Culkov, Ende des 18. Jahrb.).
Suchevye S. 141 nr. 82. Cubinskij S. 620 nr. 89. Rudöenko 1, 192
nr. 73. Sbornik Charkov. 6, 168 nr. 170. Malinka S. 345 nr. 62. Mater,
antropol. 10, 231 nr. 2 (Geld). Sbornik Kavkaz. 12, 1, 130 (kabardinisch)
15, 2, 184 nr. 2. 18, 3, 27 (mingrelisch). 23, 2, 6 (kurdisch. Ziege).
Scbleicher S. 13. Aarnes Register nr. 1525E. Behrnauer, Die vierzig
Veziere 1851 S. 214 (Chauvin 8, 136).
394 192. Der Meisterdieb.
Jahn, Volkssagen aus Pommern nr. 630 'Der alte Fritz und sein Soldat'.
Jahn, Volksmärchen 1, 158 nr. 29. Haas, Rügensche Sagen 1891 nr. 200
'König Fritz'. Karlskronike (Brandt, Romantisk digtning fra middel-
alderen 3, 1. 1877. Chr. Pedersen, Danske Skrifter 5. 1856. Elberling,
Danske Folkebßger 1,1. 1867. Nyerup, Morskabskesning S. 85). Grundt-
vigs hsl. Eegister nr. 80, a. Bäckström, Folkböcker 3, 62: 'Carl XI. och
Skober'. *Svensen, Lönns sagor p.4 'Kungen o gardisten'. Allardt nr. 156.
Karlamagnus-Saga ed. Unger 1860 (Basin). Veckenstedt S. 229 'Der ehrliche
Soldat'. R. v. d. Meulen, Tijdschrift voor nederl. Taalkunde 32, 89 (litauisch).
Russische Byline von Volch Vseslavjevic (Wollner, Volksepik S. 84. L. N.
Tolstoj, Werke 4, 613. Uhlenbeck, Tijdschrift 12, 198). Afanasjev3 2, 351»
(C ulko v, 18. Jahrb.). Saveenko, Rus. nar. skazka S. 59 (Collins). Potanin, Oeerki
severo-zapadnoj Mongoliji 4, 323 = Kern, Tijdschrift 12,196 'Edzenj Chan'.
Benary, Zs. f. Volkskunde 23, 299. Bamondt, Karel ende Elegast 1917. —
3. Vertauschung zweier schlafender Ehepaare durch Elbegast:
Bartsch, Meisterlieder der Kolmarer Hs. 1862 S. 303 (R. Köhler 2, 305).
IL Sachs, Der Schwarzkünstner mit dem Markgrafen 1541 (Fabeln 3, 257.
Bolte, Forschungen zur brandenburg. Gesch. 11, 201). Ayrer, Dramen
ed. Keller 4, 2391. Behrend, Westpreußen nr. 10 'Der geschickte Prinz'
und 17 'Der Schneidergraf'. Bl. f. pomm. Vk. 9, 60 'Die böse Frau'.
Luzel, Legendes ehret. 2, 219 nr. 30. Gasp. Gozzi bei A. Keller, Italien.
Novcllenschatz 6, 65. Busk, Folklore of Rome p. 348. Corazzini p. 451
nr. 12 'A reggina e a trippara'. Toppen, Masuren S. 165 'Belohnte
Mildtätigkeit'. Polivka, Archiv f. slav. Phil. 19, 262 nr. 228 und
Pryvit Iv. Frankovi 1916 2, 317. Vikar nr. 4. Über die Dramen
von Je von (The devil of a wife. 1686), Coffey, Sedaine, W. v. Borck,
Weisse u. a. vgl. A. v. Weilen, Shakespeares Vorspiel zu der Wider-
spänstigen Zähmung 1884 S. 64; Brunnhuber, Sidneys Arcadia 1903
S. 51; Calmus, Die ersten deutschen Singspiele 1908 S. 2. — 4. Ein als
Bischof oder Graf ausstaffierter Bettler wird beim Wirte als Pfand
zurückgelassen: Noel du Fail, Contes d'Eutrapel 1586 c. 17 (Oeuvres
ed. Assezat 1874 2, 91). Aleman, Guzman de Alfarache 1, c. 58. 1599;
deutsch von Albertinus 1615 S. 482. Bidermann, Utopia 1640 S. 270;
deutsch von Hör], Bacchusia 1677 S. 271. Stechan, Barbarossa von
Kyburg (Bolte, Singspiele der engl. Komödianten 1893 S. 24). Grams-
bergen, Haartog van Pierlepon 1650. Holberg, Den pandsatte bonde-
dreng 1731 (A. v. Weilen, Shakespeares Vorspiel 1884 S. 53. 84. Nyrop,
Dania 10, 134). Volksschauspiel vom Schinderhannes (Zs. f. Volkskunde
12, 332). Pröhle, KVM. nr. 49 'Der gelehrige Dieb'. Aarnes Register
nr. 1526. — 5. Ein Bursch, den Räuber um ein Schwein oder eine Ziege
betrügen, rächt sich in verschiedenen Verkleidungen am Räuber-
hauptmann. Diese boshaften Streiche gelten in. dem schmutzigen fran-
zösischen Romane 'T ruber t' des Douin de Lavesne (13. Jahrhundert.
192. Der Meisterdieb. 395
Hsg. von Ulrich. 1904; deutsch, hei Ulrich, Schelmennovellen 1905 S. 1)
einem Herzoge, der dem Bauern jungen nichts zu leide getan hat. Hack-
mans Register nr. 1538. Asbjörnsen nr. 80 'Gutten, som vilde blive
handelskarl' = Dasent 1874 p. 258. Cosquin nr. 81 'Le jeune homme
au cochon'. Sebillot, Joyeuses hist. p. 242 'Les moines et le honhomme'
= Revue des trad. pop. 11, 633. Sebillot, Folklore de France 4, 247. 284.
Roche p. 150 'Le gamin et les voleurs'. Pineau, C. du Poitou p. 49
'Louis Bernard'. *Armana prouvencau 1880, 74. Decurtins, Rätoroman.
Chrestomathie 2, 124 nr. 99 'II tapagnac cun il marti'. Pitre, Nov. pop.
tose. nr. 59 'II porco e il castrato'. Busk p. 336 'A yard of nose'.
Gonzeubach nr. 82 'Vom klugen Peppe'. Pitre, Fiabe sie. 3, 223 nr. 162
'Lu scarparu e li monaci'. Maspons, Rondallayre 3, 93 'En Joanot'.
Kretschmer nr. 29 'Choromangirio'. Jacob, Türkische Bibliothek 6, 1
(Xoroskardasch). Serbische Bearbeitung in Jerem. Obrad. Karadzic
5. 5—19. Glasnik bos.-herceg. 25, 345. Aarnes Register nr. 1538. —
6. Ein Dieb, der nachts auf dem Kirchhofe seinen Genossen, den Hammel-
dieb, erwartend, Nüsse knackt, erschreckt den Küster und den
von diesem getragenen Pfarrer, indem er ruft: 'Ist er auch fett?' Mont-
aiglon-Raynaud, Fabliaux 4, 87 nr. 96 'Estula'. Brom3rard, Summa
predicantium O, 2, § 6 und Johannes Junior, Scala celi, de furto § 5 =
Wickram, Werke 3, 334. Pauli, Schimpf und Ernst cap. 82. Hans Sachs,
Fabeln 1, 292. 3, 93. 4, 317. Wickram, Werke 3, 378 zu nr. 56. 8, 345;
dazu Jegerlehner, Unterwallis 1909 S. 8 nr. 5; Wisser, Plattdt. Vm. S. 85 ;
Volkskunde 19, 63; Hackmans Register nr. 1791; Annales de Bretagne
27, 91; Revue des trad. pop. 9, 349 nr. 55. 24, 137; Zbornik jslav. 10,
194; Bos. Vila 5, 29 (1890); Krauß, Tausend SM. 1, 141 nr. 47; Pa-
mjatniki drevnej pismen 1878 — 79, 120; Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 286;
Kozlowski S. 344; Böhm, Lettische Schwanke nr. 39; Aarnes Register
nr. 1791; Chauvin 8, 107. Vgl. die törichte Frau oben 1,521 (Motiv II).
Endlich ist auch die alte ägyptische, aus Herodot 2, 121 be-
kannte Erzählung vom Schatzhaus des Rham psinit J) mit unserm
Stoffe in Verbindung getreten. Sterbend offenbart der Baumeister
des königlichen Schatzhauses seinen beiden Söhnen, daß er einen
J) Maspero, Contes pop. de l'Egypte ancienne 1889 p. 245 und XLVII.
Wiedemann, Altägyptische Sagen 1906 S. 145 und Herodots zweites Buch
1890 S. 447. R. Köhler 1, 200. Clouston, Populär tales 1887 2, 115.
480. Prato, La leggenda del tesoro di Rampsinite (Como 1882). G. Paris,
Le conte de Rhampsinite (1874, gedr. 1907 in Revue de 1' hist. des reli-
gions 55, 151. 267). Klinger, Märchenmotive in Herodots Geschichten
(Kijev 1903, russisch) S. 168. F. v. d. Leyen, Archiv f. n. Spr. 115, 10.
116, 14. Chauvin 8, 185. K. Campbell, The seven sages of Rome 1907
p. LXXXV.
396 192. Der Meisterdieb.
der Steinblöcke so eingerichtet hat, daß man ihn ohne Mühe heraus-
nehmen kann. Heimlich rauben die Brüder nachts dort Schätze,
bis der König Fallen aufstellt und der eine Dieb festgehalten wird.
Er bittet seinen Bruder, ihm den Kopf abzuschneiden, damit er
nicht erkannt und auch der andre ins Verderben gestürzt werde.
Der Bruder gehorcht. Wie nun der König den Rumpf an der
Mauer aufhängen läßt, um zu sehen, ob einer der Vorübergehenden
Mitleid zeige,1) dringt die Mutter in den überlebenden Sohn, ihr
den Leichnam zu bringen. Er beladet zwei Esel mit Weinschläuchen
und öffnet diese angesichts der Wächter, die herzulaufen und sich
berauschen, schert den Schlafenden die rechten Backen2) und zieht
mit dem Toten heim. Voll Begierde, den schlauen Dieb zu er-
greifen, gibt Rhampsinit seine Tochter preis; sie soll aber jeden
Mann, der ihr naht, zuerst seine klügste und seine gottloseste Tat
erzählen lassen. Der Dieb merkt des Königs Absicht; er schneidet
einer Leiche den Arm ab und berichtet der Königstochter wahr-
heitsgemäß seine Streiche ; als sie ihn aber festhalten will, läßt er
die Totenhand fahren und entrinnt. So bleibt dem Herrscher nichts
übrig, als dem Diebe Straflosigkeit zuzusichern und seine Tochter
zur Frau zu geben. — Die Geschichte, deren ägyptischen Ursprung
man ohne hinreichenden Grund bezweifelt hat, ist wohl schon vor
Herodot durch Eugammon von Kyrene, den Dichter der Telegonie,
auf zwei griechische Baumeister der mythischen Zeit, Agamedes
und seinen Stiefsohn Trophonios, übertragen worden (Pauly-Wissowa,
Realencyclopädie 1, 719). Nach Charax von Pergamon (2.-3. Jahrh.
nach Chr. bei C. Müller, Fragmenta historicorum Graec. 3, 637 fr. 6)
bestahlen diese mit Kerkyon den Schatz des Königs Augeias von
Elis, der ihnen auf Rat des Daidalos Schlingen legte; Trophonios
köpfte den Vater und floh nach Lebadeia in Böotien. Nach Kallippos
von Orchomenos dagegen (Pausanias 9, 37, 5) waren beide Diebe
Brüder und beraubten den böotischen König Hyrieus.
x) Daraus, daß Herodot nichts von der Klage der vorübergehenden
Gattin berichtet, folgert Frazer (Pausanias translated 5, 179. 1898), daß
Herodot die Sage in abgekürzter Gestalt überliefert.
2) Auf dieselbe Weise verunstaltet die listige Giovanna bei
Imbriani, Novellaja florentina2 nr. 4 die betrunken gemachten Freier;
desgleichen die diebische Nonne bei Pitre, Fiabe sie. 1, 209 nr. 23 und
bei Prato, Earnpsinite p. 32. Auch Morolf (Salman und Morolf ed. Vogt
S. 60 Str. 290. 315) schert zweimal seinen durch einen Schlaftrunk be-
täubten Wächtern Platten.
192. Der Meister dieb. 397
Bis in die neueste Zeit ist Herodots Bericht wiederholt
worden,1) doch hat das Märchen auch während des Mittelalters in
Indien wie im Abendlande beträchtliche Abänderungen und Zusätze
erfahren. Im 12. Jahrhundert taucht es in den okzidentalen Fassungen
des Romans von den sieben weisen Meistern auf, für die G.
Paris eine byzantinische Vorstufe annimmt ; obgleich es in der
orientalischen Gruppe fehlt, über deren Erzählungen die Tabelle in
der Historia Septem sapientum I ed. Hilka 1912 S. XXIV einen
Überblick gewährt, scheint es doch durch eine indische Version be-
einflußt zu sein, die bereits im 3. Jahrhundert nachzuweisen ist.
Um 1190 verfaßte der lothringische Cistercienser Johannes in der
Abtei Haute-Seille seine lateinische Bearbeitung 'Dolopathos s.
De rege et Septem sapientibus', in welcher der zweite Weise die
Geschichte vom Schatzhause vorträgt (ed. Oesterley 1873 S. 45 =
ed. Hilka 1913 S. 49). Die Diebe sind nicht zwei Brüder, sondern
(wie bei Charax) Vater und Sohn. Der alte Ritter, der früher den
Schatzturm hütete, bricht, um seinem verarmten Sohne zu helfen,
nachts mit diesem ein Loch in die Mauer und trägt Schätze davon.
Der König erhält (wie bei Charax von Daidalos) von einem alten
Räuber, dem er die Augen hat ausstechen lassen, listigen Rat: er
läßt im Turm Gras verbrennen, um durch den Rauch das Einsteig-
loch zu entdecken, dann einen Pechkessel darunter stellen, in den
der Alte bis zum Kinn versinkt, den geköpften Leichnam durch die
Straßen schleifen und an einem Gerüste aufhängen. Neu ist, wie
J) Von Bearbeitungen seien hier genannt: Camerarius, Appendix
fabularum Aesopicarum 1539 Bl. 40a. Bandello, Novelle 1, m\ 25 (1554).
Ein Hinweis auf den 'ägyptischen Dieb' bei Shakespeare, Was ihr wollt
V, 1. A. Albertinus, Lusthaus 1612 S. 154. Hossmann, Bestendigkeit
ungeferbter Liebe 1613 S. 111. Zanach, D. Apoliphtes Historische Er-
quickstunden 2, 557 (1616). Lauremberg, Acerra philologica 1650 1, nr. 44.
J. Prätorius, Ausbund von Wünschelruthen 1667 S. 73. Vademecum für
lustige Leute 1, nr. 109 (1767). Münch, Mährleinbuch für meine lieben
Nachbarsleute 1799 S. 84 nr. 5. Platen, Der Schatz des Rhampsinit
(1824). Heine, Rhampsenit (Romanzero 1851. Werke ed. Elster 1, 329).
Mertens, Märchenspiele 1 (1880. Nach Platen). A, Kauders, Der Schatz
des Rhampsinit (Oper. 1887). L. Winternitz, König Rhampsinit (Operette
von V. Holländer 1891). — Noch in einer Erzählung von Ludwig Thoma
(Der Postsekretär im Himmel u. a. 1914 S. 311) wird einem erschossenen
Tiroler Wilderer, um seine Erkennung zu verhüten, von seinen Genossen
der Kopf abgeschnitten und mit einer Strohpuppe eingesargt und feier-
lich begraben.
398 192. Der Meisterdieb.
der Sohn die Wehklagen der Seinigen beim Anblicke des Toten auf
unverdächtige Weise zu erklären weiß ; er schneidet sich das erste
Mal den linken Daumen ab und stößt dann sein Kind in den
Brunnen. Auch berauscht er nicht die Wächter am Galgen, sondern
reitet halb schwarz, halb weiß gekleidet mitten durch die schwarze
und weiße Schar1) hindurch. Es fehlt dagegen die dem Mönche
anstößige Preisgabe der Königstochter und ihre Vermählung mit dem
Diebe. Diesen Schluß, in welchem die Prinzessin den Dieb durch einen
schwarzen Fleck auf der Stirn zeichnet2) und ein Kind (in der
ältesten indischen Fassung sein Kind) ihm ein Messer reicht, treffen
wir erst in dem französischen Versromane an, den Herbert (Dolo-
pathos ed. Montaiglon 1856 p. 183—220) um 1220 auf Grund der
lateinischen Prosa verfaßte. Jünger ist die in den Altdeutschen
Blättern 1, 136 veröffentlichte Verdeutschung des Dolopathos. —
Weit kürzer lautet in den übrigen Fassungen des Romans von den
sieben weisen Meistern3) die hier der arglistigen Stiefmutter
*) Die zwanzig weißen und zwanzig schwarzen Reiter erinnern an
die fünfzehn weißen und fünfzehn schwarzen Soldaten in dem Epigramme
vom Josephspiel bei Riese, Anthologia latina 1, 2, 184 (Bolte, Euphorion
1, 362. Ahrens, Archiv für Kulturgeschichte 11, 132) und an einige
Fassungen des Märchens vom klugen Knaben (Archiv f. s!av. Phil. 27, 623 J,
die halb schwarze, halb weiße Kleidung des Meisterdiebes erinnert an den
gleichen Anstrich, den Kapitän Thierichens im März 1915 seinem Hilfs-
kreuzer 'Eitel Friedrich' gab, um unbemerkt durch die englische Flotte
im Atlantischen Ozean hindurchzukommen.
2) Vgl. oben S. 1451.
3) G. Paris 1876 p. II und K. Campbell 1907 p. XXII. XXXV unter-
scheiden fünf oder acht Gruppen : A. Liber de Septem sapientibus, aus
dem Johannes Junior in der Scala celi (Goedeke, Orient und Occident 3,
408. Mussafia, Wiener SB. 57, 83) einen Auszug bietet. — B. Historia
Septem sapientnm ed. Buchner 1889 p. 24. H. Fischer, Diss. Greifswald
1902 S. 115. Deutsch Augsburg 1473 (Simrock, Volksbücher 12, 148.
1865). Niederländisch 1479 (ed. Botermans 1898). Schwedisch: Klemming,
Prosadikter frän Sveriges medeltid 1887—89 p. 127. Bäckström, Folk-
böcker 1,23. Englisch: K. Campbell, The sevensages 1907p. 45 undLXXXV.
Französisch: Paris, Deux redactions du roman des sept sages de Rorne
1876 p. 87. Katalanisch : Mussafia, Denkschriften der Wiener Akademie 1876.
Cechisch, polnisch und russisch : Murko, Wiener SB. 122, 10 (1890) und Zs. f.
vgl. Litgesch. 5, 29 (armenisch). Bulgarisch und serbisch : Murko im Rad
jugoslav. Akad. 100 (1890). Russisch : Pypin, Ocerk S. 258, gedruckt 1780 von
D. M. Culkov. Auch in den deutschen Gesta Romanorum ed. Keller 184L
S. 113 und Grässe 1842 2, 180. Hans von Bühel, Dyocletianus ed. Keller
1841 v. 2041. Keller, Altdeutsche Gedichte 1846 S^ 72. H. Sachs, Der
192. Der Meisterdieb. 399
in den Mund gelegte Erzählung, in welcher der Kaiser oft Octavianus
heißt, sein blinder Ratgeber ganz fehlt und der Jüngling bei den
Wehklagen seiner Schwestern sich ein Messer in den Schenkel
stößt, alles Weitere aber wegfällt. — ■ In der französischen 'Histoire
du chevalier Berinus' (R. Köhler 1, 20C. Clouston, Pop. tales
2, 103. 126. Paris, Revue 55, 166) gerät Berinus, der vom Sohne
des Baumeisters des Kaisers Philipp das Geheimnis des beweglichen
Steines erfahren hat, in das Pechfaß und bittet seinen Sohn Aigres,
ihm das Haupt abzuschlagen; dieser raubt den Leichnam vom
Galgen und schleicht zum Bett der Prinzessin Nullie, wird aber mit
schwarzer Farbe an der Stirn gezeichnet. Bei dem Florentiner S er
Giovanni,1) der im Pecorone 9, nr. 1 den Vorfall nach Venedig
verlegt, dringt der Baumeister Bindo selber mit Hilfe des verschieb-
baren Steines in das Schatzhaus ; sein Sohn Ricardo verscheucht in
Teufelskleidung die Wächter des Leichnams, stiehlt das frische
Kalbfleisch, erschlägt den spionierenden Bettler, dem seine Mutter
ein Stück davon gegeben hat, und schwärzt, als die Tochter des
Dogen ihm einen Strich ins Gesicht macht, auch die andern Jüng-
linge. In dem altniederländischen Gedicht 'De Deif van
Brügge' (ZfdA. 5, 385) plündern zwei Diebe aus Paris und Brügge
den Schatz des Königs von Frankreich ; der Brügger köpft den
gefangenen Genossen, haut sich in die Hand, als dessen Frau beim
Anblick der Leiche jammert, bringt den Wächtern einen Schlaftrunk
bei und zieht ihnen Mönchskutten an und entgeht wie bei Ser
Schatzturm 1532 (Fabeln 3, 86 nr. 28. Stiefei, Studien z. vgl. Litgesch.
2, 173). — C. Li romans des sept sages ed. Keller 1836 p. 111; danach
die Prosaauflösung bei G. Paris 1876 p. 34. — D. Versio italica, lateinisch
ed. Mussafia, Wiener SB. 57, 107. Italienische Fassungen ed. Della
Lucia 1832, Capelli 1865, Rajna (Storia di Stefano 1880 p. 89), Roediger
1883, Cesari 1896. Erasto 1546 c. 15. — E. Roman des sept sages (Prosa)
bei Loiseleur, Essai sur les fahles indiennes 1838 2, 29. II libro dei sette
savi ed. A. D'Ancona 1864 p. 27, Varnhagen 1881. — Die von Campbell
p. LXXXVI angeführte Novelle bei Sansovino, Cento novelle scelte 1561
p. 105 (III, nr. 4) finde ich in der Ausgabe von 1571 nicht.
x) Gubernatis, Florilegio p. 181 = Keller, Ital. Novellen schätz 1, 167
= Ulrich, Romanische Schelmennovellen 1905 S. 93; vgl. R. Köhler 1,
203 und Gorra, Studi di critica letteraria 1892 p. 296. — Auf dieser No-
velle, die Painter 1566 im Palace of pleasure 1, nr. 48 übertrug, beruht
das 1591 in London gespielte englische Drama 'Bendo and Richardo', das
1626 englische Komödianten in Dresden u. d. T. 'Der behende Dieb' auf-
führten (Dessoff, Studien zur vgl. Litgesch. 1, 420).
400 192. Der Meisterdieb.
Giovanni der Entdeckung durch die Prinzessin. Tragisch1) endet
der Meisterdieb dagegen bei Sercambi, Novelle ed. Renier 1889
p. 206 nr. 58 'De latrones et bona iustitia'; nicht bloß der im Leim-
kübel gefangene Bovitoro findet seinen Tod, sondern auch sein
Bruder Belluccio, obwohl er, um die Wehklagen der Frauen zu er-
klären, sich in die Hand schneidet.
Neuere Aufzeichnungen aus dem Volksmunde liegen vor aus
Tirol bei Zingerle 2, 300 'Die zwei Beutelschneider' (der preußische
Beutelschneider wird in der auf den Rat eines blinden Diebes auf-
gestellten Falle gefangen ; der polnische köpft seinen Kameraden,
stiehlt den Leichnam vom Galgen, fängt den Hirsch mit vergoldeten
Hörnern, gibt dem blinden Bettler von der Hirschsuppe und löscht
die Rötelstriche an seiner Tür aus). Aus dem Odenwald bei Wolf,
Hausmärchen S. 397 'Vom Räuberhauptmann Hans Kühstock' (hat
einen Stock, vor dem alle Türen aufspringen; stiehlt Ochsen, köpft
seinen Gesellen und holt den Leichnam). Aus Oberbayern bei
Sepp S. 574 nr. 157 'Die Schatzkammer und der listige Dieb'. Aus
Unterfranken bei Spiegel 1914 nr. 24 'Des Königs Schatzkammer'
(die Falle faßt nur die Hand des Lurz ; Hans trägt den Verwundeten
heim, liest die im Festsaale ausgestreuten Goldstücke auf, indem er
seine Sohlen mit Pech bestreicht, küßt das Mädchen und färbt die
andern im Gesicht). Aus dem Harz bei Pröhle, M. für die Jugend
nr. 38 'Der Maurerlehrling' (schneidet dem gefangenen Meister den
Kopf ab und stiehlt den Rumpf vom Galgen) und Pröhle, KVM.
S. 144 nr. 48 'Der König von Papierland und von Kummerland'
(Student, der einen Tarnmantel, Weisheitsring und eine Spring-
wurzel besitzt, plündert die Schatzkammer und küßt die Königs-
tochter). Aus Schlesien bei Arnim 1, 27 nr. 5 'Der Räuberprinz'
(Prinz als Hutmachergesell und Tischler; Fallbeil in der Schatz-
kammer ; Pantoffel und Nachthaube der Prinzessin gestohlen ;
schwarzes Zeichen auf der Stirn), Aus Holstein bei Wisser, Plattd.
Vm. S. 285 'De Könissöhn' (drei Proben beim Räuberhauptmann:
Ochse, grünes Tuch, Müllertochter; alle Räuber bis auf den Haupt-
mann werden erschossen; der Prinz erhält einen Zauberriug,
bestiehlt als Schusters;eselle mit dem Meister den königlichen
*) So auch in dem unten erwähnten schottischen Märchen und in
den orientalischen Fassungen von Day, Müller (Mehri-Sprache) und
Basset.
192. Der Meisterdieb. 401
Schatz, köpft den Gefangenen, stiehlt den Leichnam und legt
sich zur Königstochter). Aus Pommern bei Jahn 1, 266 nr. 52
'Die russische Finetee und die russische Galethee' (des Prinzen
Probestücke bei der Eäuberbande; er öffnet mit seiner Zauber-
gerte die Mauern der Schatzkammer und macht sich mit einer
Kugel im Munde unsichtbar; schneidet dem Schuhmacher, den die
Soldaten über die Mauer ziehen, den Kopf ab, küßt die Prinzessin).
Aus Westpreußen bei Behrend nr. 10 'Der geschickte Prinz'
(lernt bei einem Diebe stehlen, vertauscht zwei Ehepaare, bricht in
die Schatzkammer, köpft den gefangenen Gesellen, stiehlt seine Leiche
und der Prinzessin Hasen und Hing). — Dänisch: Etlar 1847
p. 165 = 1891 p. 30 'Klaus Skolemester' (R. Köhler 1, 208. 251).
Grundtvigs hsl. Register nr. 80 'Kongens skatkammer'. Kristensen,
Aev. 2, 49 nr. 7 'Klted' stejle'. 2, 63 nr. 8 'Karlen, der kom til at
kleede Stejle'. 2, 74 nr. 9 'Den listige Prins'. Kristensen, Fra
Bindestue 2,97 nr. 18 'Prinsen, der klsedte Stejle'. — Schwedisch:
Aberg nr. 218 'Banktjufven'. — Norwegisch; *M. Moe, Eventyrlige
sagn p. 576. — Isländisch: Rittershaus S. 451 nr. 127 'Rikkur,
der listige Baumeister'. — Schottisch: Campbell, West Highlands2
1, 330 nr. 17d 'The shifty lad, the widow's son'; vgl. B. Köhler 1,
198 (Orakel in der Kirche, Probestücke des Diebes, Einbruch im
Schatzhause mit einem Zimmermann, Pechfaß, Schwein soll die Leiche
aufscharren, Tanz mit der Prinzessin, ein Kind reicht dem Diebe den
Apfel). — Irisch: Larminie p. 106 'Jack' (stößt den Schneider tief
ins Pech und schneidet sich in den Finger, als die Frau beim An-
blick der Leiche aufschreit).1) — Französisch: Luzel, C.deBasse-
Bretagne 3, 351 'Le voleur avise' = Melusine 1, 17 (Efflam hat
Bäubern einen Zaubermantel, Tarnhut und Gamaschen weggenommen).
Luzel 3, 367 'Variante' = Melusine 1, 23 (ähnlich dem Dolopathos).
*) Vorher foppt Jack die ehebrecherische Bäurin, deren
Buhlen und den Bauer, wie bei Hans Sachs (Fabeln 5, 181. Zs. f. vgl.
Litgesch. 7, 463) der verschlagene Bauernknecht. Vgl. Rosenhagen, Die
Heidelberger Hs. Pal. germ. 341 1909 S.20Ö 'Der geäffte Pfaffe'; Haltrich4
nr. 60 'Der lose Knecht'; Branky, Zs. f. dt. Phil. 8, 84; Blümml, Beiträge
zur Volksdichtung 1908 S. 121 nr. 21; Bunker 1906 nr. 6 'Der gescheite
Hans' = ZfVk.7,310; Busch, Ut 61er Tid S. 63 'Der kluge Knecht' ; Wisser,
Plattdeutsche Vm. S. 111 'Sülbn verraden'. Kristensen, Aev. 3, 365 nr. 67
'Den slemme Jens'. Berntsen 1, 191 nr. 24 'Mikkel'. Grundtvigs hsl.
Register nr. 99 'Prsesten pä eeventyr' und Aarnes Register nr. 1725.
Zanazzo p. 293 'Caroso'. Chauvin 6, 178 nr. 340.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 9Q
402 192. Der Meisterdieb.
Revue des trad. pop. 10, 205 'Le filou de Paris et le filou de Madrid'
(die Schwester des getöteten Diebes gibt zwei Frauen das Gehirn
desselben als Heilmittel für den kranken König, doch der Madrider
bringt die Frauen um und bringt ihr Hirn dem Könige). —
Italienisch: Comparetti nr. 13 'Crich e Croch' = Heyse S. 47.
Pitre, Novelle toscane p. 222 'Cricche Crocche'. Gradi, Saggio p. 105
'Cricche, Crocche e Manico d'uncino'. Coronedi-Berti nr. 2 'Lira e
Mezalira' (Propugnatore 7, 1, 194) = 1883 nr. 37. Pitre, Fiabe sie.
3, 205 nr. 159 'Mbroglia e Sbroglia'. 3, 210 nr. 160 'Lu muraturi e
so figghiu' = Crane p. 163 nr. 44. Gubernatis, Florilegio p. 167
'I tre ladri' (Einbruch in die Münze) = Prato 1882 p. 1. *A. Bartoli,
Una novellina e una poesia gragnolesi (Firenze 1881). — Portu-
giesisch: *Consiglieri Pedroso, Ensaios criticos 3, 5 (1881) '0 ladräo
fino'. — Maltesisch: Hg 1, 84 nr. 25 (s. oben). — Griechisch:
Sakellarios, KvTiQiaxd 3, 157 nr. 6 = Liebrecht, Jb. f. roman.
Lit. 11, 367 nr. 6 'Der Meisterdieb' = Legrand p. 205 = Garnett
2, 400 (Probestücke ; Oheim und Neffe im Schatzhause, Pechkessel,
Leiche entführt, Goldstücke an den Sohlen, Kamel geschlachtet,
Königstochter, Totenhand). Kretschmer nr. 16 'Der Meisterdieb' (aus
Lesbos. Probestücke; Oheim und Neffe im Schatzhause, Pechkessel,
Leiche entführt; der begnadigte Dieb holt als Todesengel verkleidet
einen andern König im Koffer). Kretschmer, Lesb. Dialekt 1905
S. 481 nr. 3. — Rumänisch: S^äinenu p. 70 — 78. Ispirescu nr. 34.
— Serbokroatisch: Bos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Bos. Vila 2,
92. 10, 331. — Bulgarisch aus Mazedonien: Sbornik min. 11, 110.
112. §apkarev S. 412 nr. 247. — Großrussisch: Sibarsa und Iwan
der Schreckliche. Russkij Archiv 1863, nr. 5 — 6. Wesselofsky in
Drevnjaja i novaja Rossija 2. Jahrg. 1, nr. 4 S. 317 — Melusine 1,
136 = Clouston 2, 139; vgl. Galachov, Istorija rus. slov.3 1, 442.
Aus Gouv. Archangelsk: Oncukov S. 68 nr. 17. S. 157 nr. 59. Gouv.
Olonetz: ebd. S. 420 nr. 168. S. 396 nr. 160. Etnograf. Obozr. 57,
161. Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 97 nr. 50 = v. Löwis
S. 286 nr. 49. Afanasjev3 2, 348 nr. 219h. — Weißrussisch aus
Gouv. Minsk: Sejn 2, 203 nr. 95. 96. Gouv. Mogilev: Romanov 3,
4L0 nr. 19. Mater, kom. je^zyk. 2, 82. — Kleinrussisch aus Nord-
ungarn: Verchratskjrj S. 165 — 168. Etnogr. Zbirnyk 3, 195 nr. 30.
9, 98 nr. 56. Galizien: Sadok Baracz S. 242. Etnogr. Zbirnyk 8,
17 nr. 5. 8, 141 nr. 73. Zdziarski, Gars6 S. 21 nr. 13. Ukraina :
Cubinskij 2, 601 nr. 80. Etnogr. Zbirnyk 14, 285 nr. 56. Malinka
192. Der Meisterdieb. 403
S. 339 nr. 57. — Polnisch: Ciszewski S. 256 nr. 204 Gonet
S. 227 nr. 2. CheJchowski 1, 246 nr. 39. — Kaschubisch: Gryf
1, 158. 165. Lorentz, Teksty S. 366 nr. 472. — Öechisch: Pfihoda
nr. 23 (dem Prinzen ist prophezeit, daß er im 18. Jahr gehängt wird).
Kubin, Podkrkonosi zap. nr. 56. Aus Mähren: Poh. a pov. nas. lidu
S. 24 nr. 12. Bayer 2, 57 nr. 17 (drei Raben prophezeien, daß dem
Prinzen der Gralgen in Spanien bestimmt ist). Tille S. 71 nr. 28.
Revue des trad. pop. 23, 161. — Slowakisch: Cod. divers, auct.
A 93, nr. 34. Czambel S. 253 nr. 139. — Lettisch: Böhm nr. 50
'Der Königssohn als Meisterdieb' = v. Löwis 1916 S. 105 (Graben
voll Pech ; Kinder verbrüht, als sie beim Anblick der Leiche schreien,
Bock gekocht, Goldstücke an den Sohlen; Dieb fällt in das Loch vor
der Schlafkammer der Prinzessin und ruft Feuer). Böhm S. 122f.
(zwei Varianten). — Finnisch: Aarnes Register nr. 950. —
Magyarisch: Horger nr. 38 = Röna-Sklarek 2, 180 nr. 15 (Tier-
schwäger). — Zigeunerisch aus der Bukowina : Constantinescu nr. 6
= Groome nr. 11 (oben S. 386). Aus Serbien: Gjorgjevic 2, 101. —
Türkisch: Künos, Adakaie S. 261 nr. 39. — Gagausisch: Radioff
10, 135 nr. 74 (Bruchstück). — Mingrelisch: Mourier p. 51 nr. 3
= Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1883, 541. Wardrop, Georgian
folk tales p.89nr. 14 'The two thieves'. — Im eretinisch: Sbornik
Kavkaz. 24, 2, 53—56. — Armenisch: ebd. 42, 2, 53 nr. 8. —
Tatarisch: Radioff 3, 332 'Eshigäldi' (verübt Streiche des Bürle,
oben 2, 16 und des Trubert, stiehlt hingelegtes Geld durch leim-
bestrichene Sohlen, schlachtet das Kamel, tötet die Spionin, läßt der
Fürstentochter eine Leichenhand zurück, bringt den feindlichen
Fürsten und seine Frau im Kasten). 4, 193 'Der Dieb' (stiehlt dem
Eierdiebe die Hosen ; Leimgefäß ; die weinende Mutter des Toten
zerbricht ihren Milchtopf; der Dieb des Geldsackes färbt wie im
Dolopathos seine eine Seite weiß, die andre schwarz, entführt des
Fürsten Tochter, schlachtet desselben Kamel, fängt die Alte, die das
Fleisch aufgefunden, und bringt einen feindlichen Fürsten und seine
Frau im Sacke) = Prato 1882 p. 14.
In Indien ist der ägyptisch-griechische Meisterdieb zu einer
Inkarnation Buddhas geworden1), wie eine Erzählung des um 266
l) Im 305. Jätaka (Cowell 3, 12) freilich erhält der Bodhisätta die
Tochter des Brahmanen, die dieser dem besten Diebe unter seinen
Schülern versprochen hat, weil er das Stehlen für Sünde erklärt.
26*
404 192. Der Meisterdieb.
ins Chinesische übersetzten Werkes 'Cheng king' lehrt, die Huber
im Bulletin de l'Ecole francaise d'Extreme-Orient 4, 701 u. d. T.
'Le tresor du roi Rhampsinite' mitgeteilt hat. Als ein Dieb mit
seinem Neffen durch einen selbstgegrabenen unterirdischen Gang das
Schatzhaus des Königs plündert, stellt dieser Wächter auf, die beim
nächsten Versuche den Oheim festnehmen. Der Neffe schneidet ihm
den Kopf ab, verbrennt den in den Straßen herumgefahrenen Rumpf,
auf den er zwei Karren mit Brennholz stürzt, und raubt nach Be-
rauschung der Wache auch die übrig gebliebenen Gebeine. Da
setzt der König seine Tochter in eine Laube am Fluß ; trotz der auf-
gestellten Soldaten schwimmt der kecke Jüngling auf einem Baumstamme
herzu, büßt seine Lust und läßt, als die Prinzessin ihn festhalten will,
den Arm eines Toten zurück. Später, als der von der Königstochter
geborene Knabe herumgeführt wird, reicht er ihm, als Bäcker verkleidet,
Kuchen und entführt ihn der trunken gemachten Amme. Er tritt
in den Dienst eines andern Königs und erhält auf dessen Fürwort
die Hand der Prinzessin. (Vgl. Chavamus nr. 379.) Ganz ähnlich
lautet die ebenfalls aus indischer Quelle geflossene Fassung im
tibetischen Kandjur 3, 132 bei Schief ner, Bull, de l'acad. de St.
Petersbourg 14, 299 = Melanges asiatiques 6, 163 — Ralston, Tibetan
tales p. 37 nr. 4 'The clever thief ; nur tritt hier die Rolle des Knaben,
der dem unbekannten Vater einen Kranz reicht (wie oben 1, 486,
im französischen Dolopathos und im schottischen Märchen bei R.
Köhler 1, 200), deutlicher hervor. Bei Somadeva, Kathäsaritsägara
10, c. 65 (Tawney 2, 93 — Co well, Journal of philology 1, 67 =
Schiefner, Melanges asiat. 6, 171), der den Schatzraub ganz fallen
läßt, wird Karpara hingerichtet, weil er bei der Königstochter liegend
entdeckt worden ist; sein Freund Ghata beklagt ihn, indem er
doppelsinnig seinen zerbrochenen Milchtopf Karpara (Scherbe) an-
redet, betäubt die Wächter des Leichnams durch vergiftete Speise
und Zaubersprüche und entflieht mit der Königstochter. Entfernter
steht eine von Hertel (ZdmG. 61, 60; vgl. Hertel, Pancatantra
1914 S. 306) aus einem südindischen Text des Pancatantra III. 8
übersetzte Geschichte 'Der Räubersohn befreit das Haupt seines
hingerichteten Vaters'. Das Abenteuer mit der Prinzessin fehlt dort
und ebenso in einer neueren Fassung aus Ceylon (The Orientalist
1, 56. 1884), wo das Steckenbleiben des älteren Räubers im unter-
irdischen Gange wie in der Tierfabel oben 2, 109 f. mit seinem
Dickfressen erklärt wird; sein Sohn enthauptet ihn und läßt sich,
192. Der Meisterdieb. 405
als die Mutter den Leichnam durch die Straße schleifen sieht, vom
Baume herabfallen. Aus Bengalen bei Day p. 174 'Adventures
of two thieves and their sons' : der Dieb entwendet das Halsband
der schlafenden Königin, nachdem er ihre Dienerin geköpft hat, und
das goldbeladene Kamel, wird aber durch einen als Frau verkleideten
andern Dieb entdeckt und lebendig begraben1). Eine Erzählung
aus Mirzapur 'The piety of the brahman' (North indian notes and
queries 3, 65 nr. 132) beginnt wie 'der Arme und der Bleiche' (oben
2, 210); aber der arme Brahmane geht in seiner Gastlichkeit gegen
die bei ihm eingekehrten Götter Mahadeva und Paramesvara so weit,
daß er nachts mit seinem Sohne bei einem Geldwechsler einbricht
und, als sein Sohn festgehalten wird, diesen köpft. — Neu ara-
mäisch: Lidzbarski S. 241 nr. 14 'Der Meisterdieb' (oben S. 387).
Prym-Socin, Tür-Abdin 2, 170 nr. 42 (oben S. 387). — Arabisch in
einem Buche von 'Ali az Zibaq (Beirut 1866) — Nöldeke, ZdmG.
42, 70 (Onkel und Neffe, die Mutter läßt am Leichnam ihren Krug
fallen). D. H. Müller, Mehri- und Soqotri-Sprache 2, 84 nr. 15 'Der
Unglückssklave' (verleitet seinen Herren zum Diebstahl, stiehlt des
Sultans Kamel, tötet die Spionin, wird aber endlich entdeckt und
hingerichtet). Hein, Mehri-Texte S. 32 'Zwei Diebe' (Kamel ge-
stohlen, Zeichen am Hause vervielfacht) und 58 'Die beiden Diebe'
(Eier dem Vogel und dem Diebe gestohlen; Schatzhaus, Topf zer-
brochen, Kuh). Rhodokanakis, Dofär S. 21 nr. 4 'Die drei diebischen
Brüder' (Ei, Kamel, Widder gestohlen, Spionin getötet; Geldgrube,
Honigbrunnen; Leiche geraubt; Sultanstochter, Zeichen am Tor,
Bart mit Petroleum bestrichen, Schmuck der Sultansfrau). — Aus
Nordafrika: Artin-Pacha p. 201 nr. 17 'Souheim-el-leyl' (nimmt
wie Trubert an den Räubern Rache, stiehlt das Kamel des Kadi,
vervielfacht das Zeichen an seiner Tür und erschreckt als Azrael
den Sultan). Maspero, Une Version arabe du conte de Rhampsinite
(Journal asiatique 8. serie 6, 149. 1885. Stammt aus seinen eignen
l) Entfernte Ähnlichkeit hat die von Clouston 2, 152 damit ver-
glichene Geschichte im persischen Bahär-i Danush (transl. by J. Scott
2, 225), wo der Dieb den goldenen Fisch unterm Kopfkissen des Königs
stiehlt und beim Vergraben von einem andern Diebe belauscht wird,
den er dann beim Könige verklagt; vgl. Knowles p. 297 'The day-
thief and the night-thief. Der Dieb an Stelle des Haussklaven am
Bette des Paschas auch bei Chauvin 5, 253. 8, 149; Künos, Stambul
S. 290 = Ulrich, Schelmennovellen S. XXIV.
406 193. Der Trommler.
Contes de l'Egypte ancienne). J. A. St. John, Tales of the Ramadhan
3, 67 = Clouston, Pop. tales 2, 480. *Mornand, La vie arabe 1856
p. 123 (Revue des trad. pop. 6, 454). Rochemonteix, Oeuvres div.
p. 439 'Les voleurs du tresor royal' = Journal asiatique 8. Serie
13, 220. Largeau, Flore Saharienne 1879 p. 28 'Histoire d'un ruse
voleur'. Socin-Stumme, Houwära nr. 9 (Abh. der sächs. Akad. 36,
107) 'Pfund und Halbpfund' (Eier dem Vogel und dem Diebe ge-
stohlen ; Schatzhaus, Pechkessel ; Geld an den Sohlen, Goldkugel,
Strauß gestohlen, Zeichen an der Tür vervielfacht, Bart geschoren).
Stumme, ZdmG. 48, 394 nr. 2 'Von den Menschen und den Tieren,
die er aus dem Brunnen hervorzog' (vermischt mit dem bei Benfey,
Pantschatantra 1, 392, Chauvin 2, 106 und Hertel, ZdmG. 61, 24. 70
besprochenen Märchen; die dankbare Ratte bestiehlt das Schatzhaus,
der undankbare Mensch verrät den Retter, die dankbare Schlange
umschnürt das Kind des Königs ; vgl. Stumme, Tazerwalt 1895 S. 207).
Basset, C. berberes 2, 149 nr. 113 'L'adroit voleur' (Eier, Schatzhaus,
Teerkessel ; Leiche und Strauß gestohlen ; aber die Spionin macht den
Dieb ausfindig, und er wird gehängt). Riviere p. 13 nr. 3 'Les deux
freres' (schlafender Sperber gestohlen und wieder ins Nest gelegt; Schatz-
haus, Falle; die Mutter wirft den Krug hin; Leiche, Goldstücke an
den Füßen der Kamele, Gazelle gestohlen ; Spionin getötet ; Bart
halb abgeschnitten). Laoust, Dialecte berbere du Chenoua p. 186
nr. 19 'Histoire d'un voleur'.
isse s. 26i. 193. Der Trommler.
1843 nr. 193. Nach einer Erzählung aus dem Eichsfeld,
die Karl Goedeke (geb. 1814, gest. 1887) den Brüdern Grimm mit-
geteilt hatte.
Es sind hier zwei verschiedene Märchen zusammengeschweißt,
erstens die gewonnene, entflohene und wieder aufgesuchte Schwan-
jungfrau, zweitens das oben 1, 442. 2, 517 charakterisierte
Märchen von den mit Hilfe der Liebsten gelösten Aufgaben der
Hexe und dem Vergessen der Braut. Den Anlaß zu dieser
Verbindung hat vermutlich eine Fassung des zweiten Märchens ge-
geben, in welcher der Held auf dem Wege zum Unhold sich den
Beistand der jüngsten Tochter des Dämons dadurch zu sichern sucht,
193. Der Trommler. 407
daß er der Badenden das Schwan- oder Entengewand raubt und
erst gegen das Versprechen ihrer Hilfe zurückgibt. Solche Fassungen
sind oben 2, 517 zu nr. 113 mehrfach aufgeführt.
Wir unterscheiden folgende Teile: A) Der Held raubt einer
badenden Schwanjungfrau ihr Federgewand und gewinnt sie zur
Frau. — B) Die Frau findet das versteckte Gewand und entflieht
in ihre Heimat (zum Glasberg). — C) Der Held folgt ihr und ge-
winnt sie wieder, nachdem er (C1) Hilfe von Riesen oder Vögeln
und verschiedene Wunschdinge (Sattel, Hut, Mantel, Stiefel, Schwert)
erhalten (wie in nr. 92. 93) oder (C2) Aufgaben (wie in nr. 113)
gelöst hat. — C3) Bisweilen auch gemeinsame magische Flucht.
Deutsch: Musäus 3, 112 (1784) 'Der geraubte Schleier'
(ABC; ein Eremit, der selbst die geliebte Schwan Jungfrau verloren,
unterweist den Helden).1) Schwäbisch: E.Meier nr. 7 'Von drei
Schwänen' (AB; Erlösung durch Peinigung während dreier Nächte,
wie in Varianten unsrer nr. 93). F. Kauffmann, Geschichte der
schwäbischen Mundart 1890 S. 348 (A B C1, hilfreiche Tiere. Aus
Horb). Oberpfalz: Panzer 2, 120 (A, Fortsetzung entstellt).
Tirolisch: Zingerle l2, 191 nr. 37 'Der gläserne Berg' (ABC1"2)
— Panzer 2, 122. He an zisch: Bunker nr. 73 'Schwanhild' (vgl.
Veckenstedt, Wendische Sagen S. 127). Siebenbürgisch: Haltrich
nr. 5 'Die Schwanenfrau' (ABC1). Odenwald: Wolf, Hausmärchen
S. 217 'Von der schönen Schwanenjungfer' (Verbot, von der
Braut zu sprechen, wie im Lai de Lanval oben 2, 327; der Vogel
Greif trägt den Helden zur 'finstern Welt' empor; Peinigung
während dreier Nächte). Hessisch: Hoffmeister S. 58 'Vom Glas-
berge' (ABC1,2). Böhmisch: Vernaleken nr. 47 'Die drei weißen
Tauben' (ABC2; der befreite Drache schenkt dem Helden drei
Leben, hilfreiches Pferd); nr. 48 'Die Jungfrau auf dem gläsernen
Berge' (drei Enten; ABC2; hilfreiche Tiere) ; nr. 49 'Wie Hans sein
Weib findet' (ABC2-3; Verwandlungen auf der Flucht); nr. 50
J) Vgl. E. Jahn, Musäus 1914 S. 30. Vogl schließt seine Ballade
'Die Schwanenjungfrau' (1851 S. 43i) wie die schwedische Sage bei
Afzelius mit der Flucht der Heldin. In einem Gedicht F. Kinds 'Ottern-
königs Töchterlein' (Gedichte 1817 2, 288), das Zuccalmaglio in einem
angeblichen Volksliede 'Kronschlänglein' (Kretzschmer 1, 77 = Erk-
Böhme 1, 34 nr. 13a) nachgeahmt hat, raubt der Held der badenden
Schlangen Jungfrau ihr Krönlein, und sie behält nun menschliche Ge-
stalt und wird seine Frau.
408 193. Der Trommler.
'Der Trommler' (drei Tauben; ABC1,2'3). Niederrheinisch:
Simrock, Der gute Gerhard 1856 S. 68 'Der gläserne Berg' (ABC2;
ein Vogel trägt empor), vgl. S. 144 =■ Simrock, Märchen nr. 65.
Holsteinisch: Wisser 3, 5 = Niedersachsen 11, 353 'De twölf
Swön' (Hans belauscht die im Weizenfeld tanzenden Jungfrauen,
erhält für den geraubten Mantel einen Wunschbeutel und erlöst
jene mit Hilfe eines redenden Schimmels). Pommerisch: Knoop
1885 S. 104 'Der Hühnerberg' (ABC2). Westpreußisch: Behrend
S. 81 'Die beiden Schwäne' (ABC2; Ring statt Gewand). Ost-
preußisch: Lemke 2, 188 'Der junge Kaufmann und die Schwanen-
jungfrau' (ABC2; hilfreiche Tiere, magische Flucht, vergessene
Braut); 2, 204 'Der Jäger und die Schwanenjungfrau' (ABC2; hilf-
reiche Tiere).
Vlämisch: De Mont en de Cook, Wondersprokjes p. 84 'De
Koning van Zevenbergen' (vgl. oben 2, 518). — Dänisch bei Mol-
bech nr. 47 'Den nedtraadte Ager' (A B C). Grundtvigs hsl. Register
nr. 1 'Prinsesse i federham' (vermischt mit unsrer nr. 92 — 93).
Grundtvig Folkeaev. 2, 19 'Jomfru Lene af Sondervand' = Strodt-
mann 2, 24 (A B C1. Die Schwanjungfrau kommt nach einem Jahr
am Johannistage, um Hochzeit zu halten, kehrt aber um, weil der
König zugegen ist). Berntsen 2, 129 nr. 18 'Svanehammen' (A B C1).
Kamp 1, 176 nr. 17 'Slottet det gyldne guds lam' (AB C1). Kristensen,
Aev. fra Jylland 1, 1 nr. 1 'Prinsessen i Babylonien' ; nr. 2 'Det
forgyldte Taarn ved Verdens Ende'; nr. 3 'Prinsessen med 0nske-
ringen'. Kristensen, Danske folkesev. nr. 29 'Prinsessen pä Verdens
osterligste slot'. — Schwedisch: Afzelius, Sagohäfder 2, 143 =
Afzelius - Ungewitter 2, 301 'Die geflügelten Elfen' (AB).1) Hylten-
Cavallius nr. 8 'Das schöne Schloß östlich von der Sonne, nördlich
von der Erde' (drei Taubenjungfrauen zertreten die Wiese; ABC1).
Riegel, Die Quellen von W. Morris' Dichtung The earthly paradise,
Erlangen 1890 S. 41. Aberg nr. 220 'Lisa, som bodde norr om solen
och söder om jorden'. 221 'Vatugärdsslott'. Allardt nr. 119 'Pojken,
*) Diese bei J. Grimm, Myth.3 S. 1216 und in den *Nederlandsche
Volksoverleveringen (Groningen 1845; nach J. W. Wolfs Nid. Sagen)
S. 217 angeführte schwedische Fassung wird vom Baron Reiffenberg
(Le Chevalier au cygne 1846 1, LXU) und von F. H. von der Hagen
(Die Schwanensage, Abh. der Berliner Akademie 1846 S. 549) irrtümlich
dem 1489 verfaßten 'Dialogus de lamiis et pythonicis mulieribus' des
Konstanzers Ulrich Molitoris zugewiesen.
193. Der Trommler. 409
som blef gift med en förtrollad prinsessa'. Hackmans Register nr. 400.
— Norwegisch: Jansson nr. 12 = Stroebe 2, 253 'Südlicher als
Süden und nördlicher als Norden und in dem großen Goldberg'
(drei Tauben im Weizenfeld, A C1). Olsen p. 159 'Daverdana av
Egreteland' AC1; Stelldichein dreimal verschlafen, oben 2, 336).
Skar 6, 58 'Sol ramme' (A). — Isländisch: Rittershaus S. 211
nr. 50 'Die Burg östlich vom Mond und nördlich von der Sonne'
(ABC; drei Schwanjungfrauen holen nachts die Blumen fort ; der
Held fragt Vögel und Winde). — Färöisch: Jakobsen S. 421 nr.
45 'KongarikiÖ verÖsins endi' (AB C). Zs. d. V. f. Volkskunde 2, 15
nr. 18 'Das Seehundweibchen' (AB). — Englisch von den Shet-
lands-Inseln : Hibbert, Description of the Shetland islands 1822 p. 569
= Keightley-Wolff, Mythologie der Feen 1828 1, 280 'Die verheiratete
Meermaid' (Seehundsfell geraubt; AB). Aus Sutherlandshire : *J.
Macdonald, Religion and myth. 1893 p. 191 = Frazer, The golden
bough3 7, 2, 131. — Irisch: Folk-lore Journal 1, 316 'Grey Norris1 (A;
oben 2, 520). — Französisch: Luzel bei Sebillot, Folklore de France
3, 207. Luzel, C. de Basse-Bretagne 2, 349 'Pipi Menou et les
femmes volantes' (A). Die schon oben 2, 520 angeführten Märchen
bei Luzel 2, 355; Cosquin 2, 9 nr. 32; Revue des trad. pop. 9, 170;
Gittee p. 7. Entstellt bei Carno}r, C. francais p. 120 'Le fidele
serviteur'. — Rätoromanisch: Decurtins 2, 40 = Jecklin 1, 134
'Die Schwanenjungfrau'. — - Italienisch: Schneller nr. 13 'Die
Heirat mit der Hexe' (B C ; statt des geraubten Schwanenkleides die
Bedingung, die Gattin nie bei Kerzenlicht anzusehen) und nr. 27
27 'Die drei Tauben' (oben 2, 520). Comparetti nr. 50 'L'isola della
felicitä' (ABC) = Heyse S. 87, vgl. R.Köhler 2, 412. Prato, Una
novellina popolare monferrina, Como 1882 p. 15 (A), dazu p. 44 — 59.
Gonzenbach nr. 6 'Von Joseph, der auszog sein Glück zu suchen'
(ABC; Einleitung wie in 1001 Nacht, wo ein Vogel den in eine
Tierhaut eingenähten Helden auf den Diamantberg trägt), vgl. ZfVk.
6, 61. Pitre, Fiabe sie. 1, 410 nr. 50 'Dammi lu velu' (ABC) =
Kaden S. 107 = Crane p. 77. 344. Imbriani, Nov. fior2. p. 411 'El
re del sol' (A), s. oben 2, 520. Finamore 1, 87 nr. 19 'Lu fijje de
lu marenare'. — Spanisch: 'El marques dei Sol' (oben 2, 521). —
Portugiesisch: Consiglieri nr. 8 'The spell-bound giant' (Einleitung
wie 1001 Nacht). — Baskisch: Webster p. 120 (oben 2, 521). —
Griechisch: Hahn nr. 15 'Von dem Prinzen und der Schwanenjung-
frau' = Pio p. 76 = Kretschmer nr. 61 = Geldart p. 88 (Einleitung
410 193. Der Trommler.
wie in 1001 Nacht ; ABC). Hahn nr. 54 'Der Jüngling, der Teufel
und seine Tochter' (oben 2, 521). B. Schmidt S. 133 'Die Nera'ide'
(A B). Nationalzeitung 1890, 9. Mai nr. 264. NeoeAZ^viuu 'AvdXsKia
1, 56 nr. 11 'Der Sohn der Witwe' = Garnett 2, 219 (R. Köhler
1, 374). Georgeakis p. 11 'Le mont des cailloux' (ABC). — Alba-
nisch: Dozon p. 83 nr. 12 'La loubie et la belle de la terre' =
Leskien, Balkan S. 216 nr. 49 (entstellt). — Eumänisch: Schott
S. 199 nr. 19 'Der verstoßene Sohn' (A B C1). §äinenu p. 264 'Tipulü
Neraida'. — Serbokroatisch: Stefanovic S. 135 nr. 16 = Ostojic
— 8. 91 nr. 17 — Jagic nr. 49 'Der Prinz und die drei Schwäne'
(Archiv f. slav. Phil. 5, 45 : ABC2), vgl. R. Köhler 1, 444. Valjavec
S. 29 nr. 6 (ABC2- 3) = Krauß 1, 409 nr. 89 'Die Vila in der goldenen
Burg'. Valjavec S. 104 nr. 1 (A B C2 • 3). Strohal 1, 106 nr. 17 (A B ; dann
abweichend, der Schlüssel des Glasbergs liegt im Herzen eines Drachen) ;
2, 19 nr. 4 (zuerst Aladdins Lampe; A B C1, Befreiung des verwünschten
Schlosses). Valjavec S. 240 nr. 47 = Wratislaw p. 290 nr. 55 'The she-
wolf (AB). Kres 5, 615 nr. 72 = Krauß 2, 81 nr. 54 'Die Frau eineWölfin
(AB, der Wolfhirt hilft die Frau wiedergewinnen). Krauß 1, 315 nr. 76
'Der verlorene Sohn' (BBC1, dazu der im verbotenen Zimmer gefesselte
Drache). Krauß, Tausend SM. 1, 119 nr. 37 (AB). Tordinac S. 17
nr. 7 (ABC1). Mikulicic S. 47 nr. 12 = Archiv f. slav. Phil. 5,45
(ABC2-3). Aus Montenegro: Rovinskij 2, 2, 587 (Schluß zu nr. 1.
A B, die Fee entflieht auf der Hochzeit ihres neunten Sohnes). —
Bulgarisch: Sbornik min. 4, 188 (AB, dann Tierschwäger). 5,
137 nr. 2 (A B, dann abweichend Tod beider). 12, 157 — Leskien
S. 61 nr. 15 'Der Hirt und die drei Samovilen' (A B C1). Strauß,
Bulgar. Volksdichtungen 1895 S. 111 'Ivan Popov' (AB). Dozon,
Chansons pop. bulgares p. 152. — Böhmisch: Tille, Ces. poh. do
r. 1848 S. 35 « Waldau S. 555 'Die Seejungfrau' (ABC1. Gleicht
ganz Schott nr. 19 und Vernaleken nr. 26). Tille, S. 57 (ABC2,3).
B. Nemcova 3, 3 nr. 31 = Waldau S. 248 'Der goldene Berg
(ABC2-3. Flucht mit Verwandlungen). Sumlork 1, 448 = Tille
S. 100 (AC2-3). Mensik, Jemnic. S. 283 nr. 80 = Slavia 2, 1
(1878. ABC1). Kulda 1, 74 nr. 25 = Wenzig S. 69 'Die Taube
mit den drei goldnen Federn' (A B C2J. Kulda 4, 77 nr. 6 (ABC.
Der Held kann sich in Tiere verwandeln, überwindet dadurch den
Drachen und befreit die Jungfrau). C. Lid 6, 195 nr. 11 (ABC1'2' 3).
Pfikryl S. 262 (A; die Braut wird zu einem Pferd, auf dem der Held
drei Tage ohne Speise und Trank reiten soll ; er muß sie im gläsernen
193. Der Trommler. 411
Palast suchen; C1 ; es hilft der von Trau gekreuzigte Vater der Braut).
S. 438 (für die im Spiel mit dem Teufel verlorene Seele soll der
Prinz hundert schwarze Ochsenpaare liefern, wird von der Schwan-
jungfrau, der er zweimal das Gewand zurückgibt, in einen Hasen und
einen Baum verwandelt, aber durch einen Greis erlöst. A C2 ■ 3).
Ed. Pecks hsl. Sammlung nr. 32 (Braut vom Greifen geholt, C2 mit
Hilfe von Eiese, Wind, Prost; Schluß ähnlich Pfikyl S. 262). Kubin,
Podkrkonosi nr. 84 (ABC1-2); nr. 136 (Taube, der der Held drei
goldene Federn ausreißt, wird zur Jungfrau, A B ; er hütet die Pferde
der Hexe mit Hilfe dankbarer Tiere, erhält ein Zauberschwert, tötet
den Drachen und befreit die drei Tauben). Malinowski 2, 70 — 78
(ABC; ein Zauberer gibt dem Helden die Macht, sich in einen
Hasen, Fisch oder Fliege zu verwandeln). — Slowakisch: Sbornik
muz. slov. spol. 17, 81 nr. 35 (der jüngste Sohn fängt die drei
Schwanjungfrauen, die die Goldbirnen stehlen, mit Hilfe einer Maus;
die Schöne verschwindet, als eine Hexe in der dritten Nacht ihre
goldenen Haare abschneidet, bis hinter das rote Meer. C1). Skultety-
Dobsinsky S. 342 nr. 35 = 2. Aufl. S. 883 nr. 62 (AB; dann
Erlösung der Prinzessinnen im eisernen, kupfernen und gläsernen
Berg). — Wendisch: Veckenstedt S. 120 (ABC. Trommler).
Kühn S. 133 'Der Trommler'; vgl. S. 83. — Polnisch: Toppen
S. 140 'Die goldenen Tauben' (ABC1,2). Kolberg 8, 13 nr. 7
(ABC1-3). 8, 8 nr. 5 (A C2). 14, 12 nr. 4 (ABC. Mit Hilfe dank-
barer Tiere gelangt der Held auf den Glasberg, besiegt den Drachen,
öffnet mit dem Schlüssel, den er der aus diesem entfliegenden Taube
entnommen, das verwünschte Schloß). Wisla 12, 721 nr. 3 (ABC1).
Zs. f. Vk. 26, 204 nr. 1 (A C2 • 3). — Kleinrussisch: Öubinskij
2, 195 nr. 55 (ABC1-2-3). 2, 358 nr. 95 (ABC1). 2, 390 nr. 109
(AC2-3; dann nr. 113, Motiv D). Rudeenko 1, 96 nr. 46 (ABC1;
dann neue Züge). Dragomanov S. 278 nr. 8 (ABC2, 3). Etnograf.
Zbirnyk 4, 16 nr. 3 (ABC; dankbare Tiere). 7, 1 nr. 26 (Polyphem
als Einleitung; ABC1'2'3). 9, 15 nr. 9 (ABC2-8; auf dem Wege
zum zwölfköpfigen Drachen werden dem Helden Fragen aufgetragen).
— Weißrussisch: Glinski 4, 75 nr. 4 (ABC1). Romanov 6, 105
nr. 12 (C'ABC1. Hilfreiche Tiere, Unhold im verbotenen Gemach
entfesselt). Karlowicz S. 108 nr. 77 (A C2 • 3). Federowski 2, 189
nr. 164 (A^BC2). — Großrussisch: Sbornik Kavkaz. 15, 2, 76
nr. 8 (ABC1-3). Ralston p. 120 (oben 2, 522) = Ralston, Songs
of the russian people 1872 p. 79. Rambaud, La Russie epique
412 193. Der Trommler.
p. 91. Afanasjev1 7, 304 = 3. Aufl. 2, 101 nr. 130a = Anna Meyer 1,
95 nr. 7. 2, 103 nr. 130b = Curtin, Myths 1890 p. 218 'Yelena the
wise'. Über die formelhafte Bitte der ihrer Flügel beraubten Jung-
frau vgl. v. Löwis, Der Held im russischen Märchen 1912 S. 70.
Dagegen hat die als Einleitung zum epischen Liede von Michael
Potok dienende Szene von 'Marie mit dem weißen Schwane' mit
unserm Märchen nichts gemein ; vgl. Loboda, Russische epische
Lieder vom Heiratszug S. 95 — 105. — Litauisch: Langkusch nr. 2
und 3 (Altpreuß. Monatsschrift 15, 414). Veckenstedt, Zamaiten 1, 149
(AB. Schlange). Dowojna Sylwestrowicz 1, 88 — 90 (A C2). — Fin-
nisch: Aarnes Register nr. 400. Salmelainen 1, nr. 5 = Schreck
S. 35 nr. 5 'Der Aschenhocker' (ABC1, 2). H. Brockhaus im
Dresdener Album 1847 S. 193 'Die drei Brüder' (ABC1-2). Hertz-
berg p. 56 'Just ingenting'. — Tscheremissisch: Genetz nr. 17
(Journal de la soc. finno-ougrienne 7, 195). — Lappländisch:
Friis nr. 80 = Poestion S. 55 nr. 10 'Das Mädchen aus dem Meere'
(A B C). Friis nr. 45 = Poestion S. 236 nr. 54 'Die Tochter des
Beivekönigs' (ABC1,2) = Germania 15, 170. — Mordwinisch:
Sachmatov S. 275 nr. 7 (Sohn dem Teufel verschrieben; AC2,3).
S. 355 (ähnlich, AC2,3; oben 2, 516). — Samojedisch: Castren,
Ethnol. Vorlesungen 1857 S. 172. — Ungarisch: Kriza nr. 15 =
Jones-Kropf p. 95 'Fairy Elizabeth'. Berze Nagy nr. 33 = Rona-
Sklarek 2, 1 nr. 1 'Tauperlen-Janos' (ABC). — Zigeunerisch:
Groomep. 188 nr. 50 'The witch (ABC2,3). — Türkisch: Künos
S. 76 (oben 2, 524); vgl. Ungarische Revue 1888, 436. — A wa-
risch: Schiefner nr. 1 'Das Meerroß' S. 7 (A); vgl. R. Köhler 1, 537.
Die ar ab is che Erzählung vom Juwelier Hassan von Basra
in der 1001 Nacht (Henning 13, 132. Chauvin 7, 29) gehört zu den
ausführlichsten und ausgeschmücktesten der Sammlung. Ein tückischer
Magier will sich durch den jungen Hassan das kostbare Holz vom
Wolkenberge verschaffen, dessen er zu seinen alchimistischen Ar-
beiten bedarf. Nachdem der Jüngling in eine Tierhaut genäht und
von einem Geier zu dem unersteigbaren Gipfel emporgetragen1) ist
J) Vgl. dazu Sindbads Abenteuer (Chauvin 7,10); Katkasaritsägara
transl. by Tawney 1, 77 ; Huon von Bordeaux (J. Grimm, Kl. Schriften
4, 40); Herzog Ernst ed. Bartsch 1869 S. 92. CXIX. CLVH; Goedeke,
Reinfrit von Braunschweig 1849 S. 107; Albrecht von Scharfenberg,
Seifrit de Ardemont ed. Panzer 1902 Str. 433; Zs. f. dt. Alt. 7, 296; Zs. f.
Volksk. 6, 61.
193. Der Trommler. 413
und das verlangte Holz seinem Meister hinuntergeworfen hat,1) über-
läßt ihn dieser seinem Schicksale. Hassan stürzt sich ins Meer und
gelangt zu einem Schlosse, wo er von weiblichen Genien freundlich
aufgenommen wird. Nachdem er eine verbotene Tür geöffnet, be-
lauscht er in einem Garten zehn badende Schwanjungfrauen, gewinnt
eine davon zur Gattin und zieht mit ihr heim zu seiner Mutter.
Nach Jahren findet die Frau während seiner Abwesenheit ihr Feder-
kleid und entfliegt mit ihren beiden Kindern nach den Inseln Wäk
(Japan?). Hassan folgt ihr und befreit nach vielen Abenteuern, von
einer häßlichen Alten unterstützt und mit Hilfe einer unsichtbar
machenden Mütze und eines Zauberstabes, die er streitenden Erben
abgenommen, die Seinigen aus der Gewalt der grausamen Königs-
tochter Nür-el-Hudä, der Schwester seiner Gattin. — Eine kürzere
und ursprünglichere Form bietet die Geschichte Azems in derselben
Sammlung (Scott 6, 283. Chauvin 7, 35), während die Geschichte
Dschänschähs ebenda (Henning 9, 93. Chauvin 7,39) den Helden
zu einem Prinzen macht, der bei der Verfolgung einer Gazelle in
die Reiche der Affen und der Ameisen kommt und von einem
jüdischen Zauberer zum Diamantberg gebracht wird ; statt der
Schwäne erblickt er. drei Tauben; die Heimat, in die seine Gattin
zurückfliegt, heißt Takni. — Aus Südarabien bei Jahn, Die Mehri-
Sprache 1902 S. 118 nr. 24 'Die Hexen' (AB). — Aramäisch:
Prym-Socin, Tür Abdin 2, 115 nr. 32 (drei Tauben; ABC). —
Tatarisch: Badloff 4, 318 'Zyhanza' (= Dschänschäh in 1001 Nacht.
A). Sbornik Kavkaz. 21, 2, 38: der Held beschleicht drei badende
Königstöchter, die seine Schwester in Taubengestalt besuchen, in
dem verschlossenen Parke, raubt das Taubengewand der einen und
macht sie zu seiner Frau, wird aber wegen des gebrochenen Gast-
rechts von seinem Vater verstoßen ; als er wider die Vorschrift der
Frau sein erstes Kind in die Hände nimmt, zerreißt es die Frau;
als er es beim zweiten wiederholt, verschwindet sie ; um sie noch
einmal zu sehen, verbrennt er die mit ihrem Gelde gekauften Waren.
— Ajsorisch: Sbornik Kavkaz. 18, 3, 96 nr. 6: Zar Bagrej findet
im Palaste des Zaren Kischmir einen marmornen Springbrunnen, zu dem
täglich drei Königstöchter aus dem Diamantenreiche als Tauben geflogen
kommen, und gewinnt eine von ihnen; sie verläßt ihn, weil sie ge-
*) Dies erinnert an Herodots (3, c. 111) Erzählung von der Art,
wie die Araber die Zimmetrinde aus den Vogelnestern gewinnen.
414 193. Der Trommler.
zwungen ist sich mit dem Schwert zu wehren; er läßt sich vom
Adler zu ihrem Vater tragen und kehrt nach einigen Jahren mit ihr
heim. — In ähnlichen mongolischen Überlieferungen findet die
Wiedergewinnung der entflohenen Schwanfrau ohne Verwicklung
statt; vgl. Potanin, Orientalische Motive im mittelalterlichen europäi-
schen Epos (russisch, 1899) S. 92. 97. 102. 239. 616. 804. — Per-
sisch bei Einaiut Oollah, Bahar-Danush transl. by Scott 2, 213
(Peris in Taubengestalt. A B). Bahram Ghur und Husn Banu
(Clouston 1, 183. Vier Tauben; A). Bricteux, Contes persans 1910
p. 277 'Hadjdjädj' (A) und p. 399 'Behram Goür' (A). — Indisch:
Somadeva, Kathasaritsagara c. 108 (Tawney 2, 452. ABC; die ent-
fliehende Fee heißt den Einsiedler ihr Kind kochen und verzehren,
dann vermöge er ihr zu folgen). Steel-Temple p. 27 'The faithful
prince' (Bahrämgor and Shähpasand. A B C). Swynnerton p. 342
nr. 82 'Prince Bairäm and the fairy bride' (ABC). Stokes p. 6
'Phülmati Rani'. Stack, The Mikirs 1908 p. 55 'Harata Kunwar'.
Grierson 3, 2, 218. Indian Antiquary 4, 10 'Toria the goatherd and
the daughter of the sun' (A) ; vgl. 4. 57. North Indian Notes & Q.
2, 153 'The king's son and his fairy bride' und 4, 153 'The monkey
princess'. Revue des trad. pop. 4, 433 'L'histoire des sept princes'
(Äffin. ABC1). Das Lied von Namber im Ausland 1871, 1243
(ABC2; dankbare Tiere). — Annamitisch: Landes 1886 p. 123
nr. 47 'L'etoile du soir et l'etoile du matin' (A B ; der Mann sucht
mit seinem Kinde die Gattin auf, stürzt aber ins Meer und wird in
den Abendstern verwandelt, sie in den Morgenstern). — Ein bir-
manisches Drama: Journal of the Asiatic Soc. of Bengal 8, 536
(1839. Cosquin 2, 19). The silver Hill, transl. by Sladen and Sparkes
1856 = Wollheim da Fonseca, Nationalliteratur der Völker des
Orients 2, 853. — Tibetanisch: Kandjur 2, 202 — Schiefner,
Memoires de l'Acad. de St. Petersbourg 19, 6, XXIV = Ralston
p. 44 'Sudhana Avadana', vgl. p. XL VIII. — Chinesisch: Dennys
1876 p. 140 (AB). — Japanisch: F. W. K. Müller, T'oung pao
6, 65 (1895. Wakun Sansai Dzuye). Mitford, Geschichten aus Alt-
Japan 1, 188 — Brauns S. 349 'Das Federkleid'. Bousquet, Revue
des deux mondes 1874, aoüt p. 752 (Drama). — Philippinen:
Journal of amer. folk-lore 20, 95. — Java: Bezemer 1903 S. 62 =
1904 S. 46 'Dewi Nawang Wulan' (AB. Widödari heißen die
Himmelsnymphen); vgl. Revue des trad. popul. 20, 6. — Sumatra:
Pleyte p. 109 'Malin Deman' (A B C1) = Bijdragen tot de Taalkunde
193. Der Trommler. 415
van Nederlandsch Indie 1866, 255. Pleyte p. 217 'Radja Urang
mandopa' (ABC) = Eijdragen 1866, 278. Warneck, Mitteilungen
des oriental. Seminars 2, 1, 128 (1899. ABC). — Celebes: Zs.
der d. morgen!. Ges. 6, 536 = Schirren, Die Wandersagen der Neu-
seeländer 1856 S. 126 = L. de Backer, L' Archipel indien 1874
p. 98 (A B C). Hickson, A naturalist in North Celebes 1889 p. 264.
— Mentawai: Morris, Die Mentawai-Sprache 1900 Si 57 'Ägämu-
lalaibi' (AB C). — B an ks -Inseln : Codrington, The Melanesians 1891
p. 397 nr. 9 'The winged wife' (ABC; aber der Held stürzt beim
Herunterklettern ab); vgl. p. 379 nr. 4 'The ghost-wife'. — Mada-
gassisch: Folk-lore Journal 1, 202 'The way in which Andrianöro
obtained a wife from heaven' (ABC1; dankbare Tiere) = Revue
des trad. pop. 4, 305. — Suaheli: Steere p. 331 'Hasseebu Kareem
ed-deen and the king of the snakes' (Einleitung wie in 1001 Nacht).
— Nordafrika: Stumme, Tunisische M. 2, 13 nr. 2 'Hassan aus
Bassra' (1001 Nacht). Stumme, Tazerwalt S. 102 nr. 10. Certeux et
Carnoy 1, 87 (A B). — Guyana: Brett p. 29 'The royal vultures'
(ABC; der Jüngling wird von der Vogelfrau in ihr Wolkenreich
getragen, verläßt sie, um seine Mutter aufzusuchen, kämpft gegen
die Geier, um sein Weib wiederzuerhalten, und wird vom uner-
kannten eignen Sohn erschlagen) ; vgl. Im Thurn, Among the Indians
of Guiana 1883 p. 381. — Jamaika: Lewis 1834 p. 301 (oben 2,
525). — Algonquin: Leland p. 142. — Eskimo: Rink 1866
p. 91 nr. 18 'Om manden, som fik en fiskeand til kone' (A B). Boas,
Zs. f. Ethnol. 20 (1888), Verh. S. 398 = 6. annual report of the
bureau of ethnology of the Smithsonian Institution 1888 p. 615
'Ititaujang' (A B ; die Wildgans verwandelt sich, nachdem ihr der
Held ihre Schuhe wiedergegeben hat, in ein Mädchen und wird sein
Weib; als er aber einmal verlangt, daß sie von dem erlegten Wal-
fisch esse, rafft sie Vogelfedern auf, wird mit ihrem Kinde zur
Wildgans und entfliegt ; der Held findet sie nach verschiedenen
Abenteuern mit einem andern Gatten auf einer fernen Insel und
tötet sie).
Angesichts der weitreichenden und frühen Bezeugung unsres
Märchens in Asien wird man geneigt sein, auch den europäischen
Fassungen einen orientalischen Ursprung zuzuschreiben, und sicher
sind einige Fassungen aus Portugal, Sicilien, Griechenland, vielleicht
sogar Musäus von der 1001 Nacht beeinflußt. Aber die Vorstellung
vom Verkehr halbgöttlicher Schwan Jungfrauen mit sterblichen
416 193. Der Trommler.
Helden tritt auch bereits in der germanischen Dichtung früh auf.1)
In der Völundarkvi[)a (Edda übersetzt von Gering S. 141) lassen
sich drei solche Walküren am Seestrande nieder, um zu baden ;
Wölund und seine Brüder nehmen ihnen ihre Schwanhemden und
machen sie zu ihren Frauen, aber im neunten Winter entfliegen
diese. Nach der Helreib Brynhildar 7 (Gering S. 239) raubte auch
Agnar acht Walküren ihre Schwanhemden und zwang sie dadurch
in seinen Dienst. Im Nibelungenliede 1474 nötigt Hagen auf gleiche
Weise die Donaunixen, ihm zu weissagen2). Im Epos 'Friedrich von
Schwaben' (ed. Jellinek 1904 v. 4389 ; vgl. Pschmadt, ZfdA. 53, 313
und oben 2, 347) endlich nimmt der Held der schönen Angelburg,
die mittags mit ihren zwei Jungfrauen in Tauben gestalt zu einem
Quell fliegt, während des Bades die Gewänder und gibt sie nicht
eher heraus, als bis ihm Angelburg die Ehe angelobt hat. Hier
waltet also ein alter Zusammenhang zwischen Orient und Occident.
— Auf andre Sagen von Ehen mit überirdischen Weibern, wie
Melusine, Liombruno (oben 2, 269. 322. 326), brauchen wir hier nicht
einzugehen; doch sei auf das irische Märchen (Croker p. 177 — Knortz
S. 63 'Die Nixe von Gollerus') hingewiesen, wo die geraubte Mütze3)
der Meerfrau diese in die Gewalt des Fischers bringt, und auf das
galizische (Am Urquell n. F. 2, 80), wo der geraubte Schuh der
1) J. Grimm, Mythologie3 S. 398. 1055. Unland, Schriften 1, 488.
Golther, Deutsche Mythologie S. 115. 321. — Clouston 1, 182 'Bird-
maidens'. Hartland, The science of fairy tales 1891 p. 255 — 332 'Swan-
maidens'. Kohler, Melusinensage 1895 S. 6. 64. Macculloch, Childhood
of fiction 1905 p. 342 'The swanmaiden'. Chauvin 8, 206.
2) Wie der Gewandräuber es hier nicht darauf abgesehen hat, eine
der badenden Schwanjungfrauen zum Weibe zu gewinnen, so nötigt in
einem katalanischen Märchen (Maspons 1, 41 'Lo castell del sol') der Held
auf dieselbe Art drei badende Mädchen, ihm den Weg zum Schloß der
Sonne zu zeigen, in einem samojedisehen (Castren, Noidische Beisen 4,
172 nr. 4), die Herzen seiner Feinde zu stehlen, und in einem singalesi-
schen (Parker 2, 345 nr. 151 'A royal princess and a turtle'), ihm eine
Wunderblume auszuliefern ; vgl. oben S. 407. — Ein Gegenstück von drei
Vögeln, welche ihr Gefieder am Wasser ablegen und zu Jünglingen
werden, liefert ein italienisches Märchen 'L'uccello che porta via il
diadema della principessa' (Prato, Una novellina pop. monferrina 1882
p. 53) und eine kalmükiscke Erzählung bei Bamstedt (Journal 27, 136).
3) So werden auch die Zwerge, denen man ihre Nebelkappe ab-
schlägt, wehrlos (Grimm, D3.2 nr. 153. 154. 156; vgl. J. Grimm, Myth.3
S. 431. 3, 132).
194. Die Kornähre. 417
wilden Frau das Gleiche vollbringt. — Der in holsteinischen, skandi-
navischen, finnischen und lappländischen Fassungen erscheinende
Eingang, daß der jüngste von drei Brüdern auf dem Felde wacht,
um den ausfindig zu machen, der nachts die Saat zertritt oder
den Garten plündert, ist wohl aus einem andern Märchen (oben 1,
514. 2, 301 nr. B2) herübergenommen. — Zu dem Glasberg,
der mehrfach durch einen Silber-, Gold- oder Smaragdberg oder
ein Wolkenreich ersetzt wird, vgl. oben 1, 233. 2, 273. — Zur
Befragung der Winde oben 2, 272. — Über die den strei-
tenden Erben abgenommenen Wuns chdinge oben 2, 331.
194. Die Kornähre. i856 s. sei.
1850 nr. 194. — Aus Schmalkalden, woher es Ph. Hoff-
meister in der Zs. des Vereins für hessische Geschichte 4, 114
(1847) mitgeteilt hat; abgedruckt bei Witzschel, Kleine Beiträge zur
dt. Mythologie 2, 34 (1878). Vgl. Hamann, Die literarischen Vor-
lagen 1906 S. 102.
Alte Leute sagten (nach einer Aufzeichnung von Jacob Grimm),
in den Urzeiten wuchsen die Ähren an den Halmen bis auf den
Boden. Weil aber die Menschen schlimm wurden, wollte der liebe
Gott die Ähren ganz abstreichen; und wie er im Abstreichen be-
griffen war, trat die himmlische Mutter herzu und bat, er möge nur
die Köppla für die Hühner und Kätzla stehn lassen ; er willfahrte.
Andere erzählen: Die Menschen achteten das Brot sowenig, daß sie
den Kindern den Hintern damit auswischten. Da war der Herr
erzürnt und wollte alles Korn erschlagen. Da bat Maria, nur weniges
für die Hunde und Kätzle stehen zu lassen. Früher hing der ganze Halm
voller Ähren. — Aus der S c h w e i z : Walliser Sagen 1870 S. 108 = 1897
1, 250 nr. 232 'Der Kornfluch'. Aus Kärnten bei Graber nr. 480
'Der Hund als Retter' (legt Fürbitte für die Menschen ein ; die Ähre
wird so lang wie eine Hundszunge).1) Aus Steiermark bei Rosegger,
Tannenharz und Fichtennadeln 1881 S. 92 = 1895 S. 156 'Unser
J) Nach estnischer Überlieferung (Dähnhardt, Natursagen 4, 73)
verwahrte der Hund während einer Hungersnot ein Roggenkörnchen, aus
dem eine neue Saat entstand.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 27
418 194. Die Kornähre.
liabi Frau und dVögerla'. Aus We stungarn bei Bunker S. 72 nr. 32
'Das sündhafte Weib' (reinigt ihr Kind mit Brot). Aus Bayern bei
Sepp, Sagenschatz S. 617 'Das Wunder mit den Weizenähren';
Maximilian Schmidt, Die Blinde von Kunterweg (Über Land und Meer
52, nr. 41 S. 827. 1884); Schönwerth 1, 408. Aus Thüringen bei
Bechstein, Märchenbuch 1845 S. 113 = 1874 S. 114 'Die Korn-
ähren'. Aus Böhmen bei Blümml, Beiträge z. Volksdichtung S. 148
nr. 26. Mitt. des nordböhm. Excursionsclubs 16, 337. Aus Schlesien
bei Peter 2, 132 'Die Getreideähren' ; Philo vom Walde S. 87 'Das
Getreide'.
Französisch: Sebillot, Folklore de France 3, 448. Tradition
1894, 36. Sauve, Hautes-Vosges p. 198. Revue des trad. pop. 12,
177. 17, 56. — Italienisch: Pitre, Usi sie. 3, 294 'Lupino'. Ar-
chivio 9, 528 = Dähnhardt, Natursagen 2, 60. — Griechisch aus
Kleinasien : Carnoy-Nicolaides p. 243 (Kind gereinigt). — Slowenisch
aus Steiermark : Pajek S. 177 (die Frauen wischen ihre Kinder mit
dem Weizen ab). B. Krek S. 44 nr. 18. — Serbokroatisch:
Gavrilovic 1906 S. 85 nr. 15 = Dähnhardt 2, 276. Zs. Karadzic 2.
216. Bos. Vila 2 (1887), S. 76. — Bulgarisch: Afanasjev, Poet,
vozzrenija 1, 482 (am Tage des h. Elias, wo jede Ähre eine halbe
Metze lieferte, wischt eine Schnitterin mit den Ähren ihr Kind ab;
da donnert es, Elias will alles Korn fortnehmen, doch ein Hund
bittet um Gnade). Sbornik min. 9, 3, 134 nr. 1 (Kind mit Stroh
abgewischt ; anderwärts mit dem Mehl, das einst wie Schnee nieder-
fiel). — Slovakisch: Medvecky = C. Lid 3, 30 (Eva wischt ihr
Kind mit Kuchen ab, Maria bittet für sie). Slov. Pohl'ady 1886.
1892, 644 nr. 9. Cas. mus. slov. spol. 3, 22. — Öechisch: Jos.
Linda erzählt in seinem Romane Zäfe nad pokanstvem 1818 (Tille,
C. poh. do r. 1848 S. 4), daß die Ähren einst so groß wie Tannen
waren ; die schwarzen Götter wollten sie verbrennen, aber die Göttin
Ziva ergriff eine brennende Ähre; seitdem sind die Ähren nur so
groß wie diese gerettete. Hrase, Vyprav. babiccino S. 58 (die
geizige Bäurin weist die Bitte der Maria mit dem Jesuskinde ab).
— Polnisch: Öwi^tek, Lud nadrabski S. 332 nr. 12 (Kinder mit
Brot abgewischt). Wisla 1, 143. 14, 464 nr. 17. 777. Mater, antropol.
13, 56 nr. 24. Wasilewski, Jagodne S. 98 nr. 28 (Schnitterin mäht
liegend). Zbiör 6, 213. 11, 63. Bulasev S. 374 (Bäurin wirft den
Kuchen dem Hunde vor, um den die Mutter Gottes bittet). — Klein-
russisch: Afanasjev 1, 482 = Ralston p. 328. Etnograf. Zbirnyk
194. Die Kornähre. 419
5, 82 (Brotkrumen auf den Mist geworfen). 12, 77 nr. 90. 12, 78
nr. 92 (wie Swietek S. 332 nr. 12). 12, 78 nr. 91 (Christus straft
die Menschen). Dragomanov S. 14 nr. 39 = Mater, antropol. 13,
176 nr. 162 (wie Swie,tek S. 332). Suchevyc S. 258 (Maiskolben;
Fürbitte der Maria). Etnogr. Obozr. 7, 77 (Gouv. Charkov. Die
Bäurin reicht Christus und Petrus den Kuchen, mit dem sie eben
die Bank gesäubert hat). Kolberg, Chelmskie 2, 180 (Sünde der
Menschen) = Kevue des trad. pop. 12, 58 nr. 1. Zbiör 6, 213. 11,
220. 13, 191. Nowosielski 2, 14 (die Bäurin wirft einen be-
schmutzten Kuchen dem Bettler zu). — Weißrussisch: Dobrovoljskij
1, 289 nr. 58 (faule Schnitterin klagt über die Größe der Ähren). 1,
289 nr. 59 (Adam und Eva brachten so kleine Ähren aus dem
Paradies). Federowski 1, 170 nr. 548 (wie 6wi§tek S. 332 nr. 12).
2, 273 nr. 307 (der Bettler erhält die Krumen, mit denen dem Kinde
die Nase gewischt war). Romanov 4, 169 nr. 28 = Sejn 2, 357
nr. 207 (wie Wasilewski). Sejn 2, 355 nr. 206 (wie äwietek). 2,
359 nr. 209 (Bauer gibt dem Bettler die am Boden liegenden Brot-
krumen). 2, 358 nr. 208 (die Hunde, denen Gott vom Himmel eine
Ähre zuwirft, reißen sie einander fort; aus den in die Erde gefallenen
Körnern erwächst im nächsten Jahre eine reiche Ernte; seitdem
pflegen die Menschen das Korn). — Großrussisch: Zivaja Starina
14, 4. *Terescenko, Byt russk. naroda 5, 48 (Afanasjev, Legendy
S. VIII. Paule Schnitterinnen fluchen über das schwere Korn).
Ausland 1872, 1178 nr. 5. — Lettisch: Zbiör 15, 273 (Kind be-
schmutzt). Treuland S. 43 nr. 40. Zivaja Star. 5, 438. — Magy-
arisch: Arany-Gyulai 1, 492.
Nach einer mohammedanischen Legende fiel Adam mit
dem Getreide vom Himmel; die Körner waren damals sehr groG und
erst nach dem Pall so klein, als sie jetzt sind (Hammer, Rosenöl 1,
23. 26. 1813. Weil, Biblische Legenden der Muselmänner 1845
S. 26. 41). Die magyarische Sage erzählt dagegen, daß Gott die
Länge der Ähren verkürzte, als Adam ungenügsam mehr Land be-
säte, als ihm zugewiesen war (Revue des trad. pop. 7, 481. Dähn-
hardt, Natursagen 1, 213); nach weißrussischer und magyari-
scher Überlieferung (Dähnhardt 1, 264. Strauß, Die Bulgaren
S. 90) gab das Schnapsbrennen die Ursache. Nach einer mongo-
lischen Sage bei Potanin (Skizzen aus der nordwestl. Mongolei 4
= Etnogr-i Obozr. 6, 11) streifte ein Mann mit dem Fuße die Körner,
die den Halm von oben bis zur Erde bedeckten, ab ; doch legte der
27*
420 195. Der Grabhügel.
Hund Fürbitte ein, daß noch einige Körner an der Ähre blieben ;
nach einer andern fiel ehedem weißes Mehl statt des Schnees vom
Himmel. Die Torguten im Tarbagatoj-Bezirk in Chiva erzählen,
daß die Menschen das Gras, das ihnen und den Pferden einst als
Nahrung diente, für sich allein verbrauchten; da ließ Gott für sie
Mehl vom Himmel fallen ; als aber ein Knabe den Mehlsack im Zelt
verunreinigte, fiel nur Schnee herab; auf des Hundes Bitte schickte
Gott ein Korn. Ähnlich bei den Kirgisen bis auf die statt des
Mehls erwähnten Graupen (Etnograf. Obozr. 7, 263—265) und bei
den Santal Paganas (Bompas p. 401).
1866 s. 26i. 195. Der Grabhügel.
1850 nr. 195. — Aus Schmalkalden, woher es Ph. Hoff-
meister in der Zs. des Vereins für hessische Geschichte 4, 115 (1847)
als 'Das Märchen vom dummen Teufel' mitgeteilt hat; — Hoffmeister,
Hessische Volksdichtung 1869 S. 169.
Der Bauer, welcher die Leiche des Amtmannes drei Nächte
hindurch vor dem Teufel bewacht,1) erscheint auch in dem nord-
deutschen Märchen 'Der Bauer und der Teufel' bei Pröhle, KVM.
nr. 19 und in der hessischen Sage 'Wie die Heerwische entstehen'
(Zs. f. dt. Mythologie 1, 246). Aus Westungarn bei Bunker nr. 45
'Die zwei Brüder = Zs. f. öst. Vk. 3, 92 (der Teufel zieht dem Toten
die Haut ab). Aus Hannover bei Busch S. 128 nr. 30 (Haut des
Wucherers). Aus Hinterpommern bei Knoop 1885 S. 144 nr. 293
(ebenso). Cechisch: Narodopisny Vestnik 10, 85 nr. 17. Kvety
1844 nr. 26 S. 383 = Tille, C. poh. do r. 1848 S. 50. Nemcovä 2,
56 'Die Nachtwache'. Hosek 2, 30 nr. 48. Popelkovä S. 265
nr. 36. Mensik S. 227 nr. 18. Elpl S. 61 nr. 14. Hsl. Samm-
lung Ed. Peck nr. 56. Kubin, Podkrkonosi zap. nr. 44. Kubin.
Pov. kladske 2, 241 nr. 76. Slovakisch: Slovenske Pohl'ady
x) Drei Nächte wacht auch der jüngste Sohn am Grabe des
Verstorbenen und erbält dafür die allen drei Brüdern bestimmten Gaben
(R. Köhler 1, 551. Oben S. lll3). Es ist dies als eine Ausdehnung
der vielfach noch üblichen Wache an der im Hause aufgebahrten Leiche
(Sartori, Sitte und Brauch 1, 139. 1910) zu betrachten.
195. Der Grabhügel. 421
15 (1895), 322 nr. 1. 15, 324. Sbornik mus. slov. spol. 6, 82.
15, 133 nr. 5. Cas. mus. slov. spol. 17, 27. Czambel S. 320 nr. 160.
Kaschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 44 nr. 83. S. 262 nr. 352.
S. 486 nr. 623. S. 561 nr. 693. Polnisch: Ciszewski S. 172 nr. 125.
126. Mater, antropol. 3, 129 nr. 5. Kleinrussisch aus Nord-
ungarn: Etnogr. Zbirnyk 4, 148 nr. 33. Aus Galizien: Kolberg,
Pokucie 4, 162 nr. 29. Etnogr. Zbirnyk 34, 19 nr. 608. 34, 38 nr. 652.
Die List, den Teufel einen Sack (Stiefel, Hut) ohne Boden
mit Geld füllen zu lassen, wird meist ohne jene Einleitung erzählt;
so 1549 von Hans Sachs in einem verlorenen Meisterliede 'Der
podenlos Pfaffensack' l) (Schwanke ed. Goetze-Drescher 4, 502 nr. 584)
und 1563 in dem Schwank 'Der Pawer mit dem podenlosen Sack'
(Folio 5, 3, 387b = Keller-Goetze 21, 215 = Schwanke 2, 532
nr. 350), wo der Bauer auf dem First seines Stadels sitzt und den
Mehlsack zum Firstloch hineinhält; als er hernach dem Pfarrer seinen
Vertrag mit dem Teufel berichtet, verlangt dieser den Sack für sich.
Der Nürnberger Meistersänger benutzte wahrscheinlich eine Legende
vom h. Benedikt, auf die Theobald Hock, Schönes Blumenfeld 1601
cap 56 = 1899 S. 80 anspielt:
Denn bodenloß
Ist die Begierdt, rnags glauben;
Gleich wie man schreyt, das gwest ein Zeit
Deß Fortunati Beutel weit,
Vnd wie der Stieffei auch zu Speyr
Durch Abentheur
Sant Benedits, den solte
Der Teuffei ein mit Thallern füllen
Eim Gselln zum Spillen,
Sein darnach sein er wolte.
Aus Oberösterreich bei Baumgarten, Linzer Musealbericht
24, 129 (Stiefelröhre im Dachfirst). Aus Kärnten bei Graber
nr. 427 'Teufel und Bauer' (Schaff über einem Loch). Aus Nieder-
bayern bei Spiegel 1914 nr. IIb 'Der schlaue Bauer' (Hut auf dem
Stadelfirst). Schönwerth 3, 61 (Stiefel über der Stubendecke). Aus
Oberhessen bei Bindewald S. 148 'Der arme Teufel' (Sack). Aus
l) Das Sprichwort 'Pf äff ensack hat keinen Boden' erscheint schon
1521 im Dialog 'Neuw Karstbans' (Schade, Satiren und Pasquille 2,
24,9); vgl. Wander, Sprichwörter lexikon 3, 1241. 5,1652. Grimm, BWb.
7, 1592. Bl. f. pomm. Volkskunde 9, 32.
422 195. Der Grabhügel.
dem Rheinlande in der Zs. f. rhein. Volkskunde 4, 131 (Sack im
Schornstein). Aus Brandenburg bei Schwartz, Sagen und alte
Geschichten S. 137. Aus Pommern: Zs. für dt. Mythologie 2, 147
'Der betrogene Teufel' (Stiefel). Haas, Rügensche Sagen 1903 nr. 32
'Der Puk' (Stiefel). Jahn, Volkssagen nr. 150 'Das Huhn im Brimbusch'
(der verwandelte Teufel verlangt Arbeit). Knoop, Hinterpommern
S. 130 nr. 263 'Der betrogene Teufel' (Stiefel im Scheunendach).
Asmus-Knoop S 25 'Der dumme Teufel' und S. 97 'Der Schmied und
der Teufel' (Stiefel im Schornstein). Bl. f. pomm. Volkskunde 4, 162
nr. 71 'Der Rotjäckte' (Stiefel im Scheunendach). 8, 56 nr. 48
'Kobold soll einen Sack ohne Boden füllen'. Am Urquell 4, 114.
Aus Ostpreußen: Lemke 2, 16 'Auf die Hälfte säen'. Aus dem
Samland bei Reusch2 S. 71 'Der Alf (Stiefel). — Friesisch:
Dijkstra 1, 139 'De laars'. — Schwedisch: Hackmans Register S. 35
'Wie der Sack des Pfarrers bodenlos wurde'. — Isländisch:
Ärnason 2, 15 = Rittershaus S 331 nr. 88 'Der Teufel und der Geld-
sack' (über einer Grube) = Andersen S. 293 = Powell & Magnusson
2, 23. — Aus der Bretagne: Sebillot, Litt, orale p. 175 'Misere'
(verlangt den Kamin voll Geld. Variante zum 'Spielhansel' oben 2,
187). Eevue des trad. pop. 9, 346 nr. 58 'Le diable dupe' (Schorn-
stein). — Cechisch aus Mähren: Cas. Mat. Morav. 7 (1875) 89.
— Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 108 'Der Plön und der
Prediger' (der satirische Schluß 'Pfaffensack hat keinen Boden' wie
bei H. Sachs und Arnason). Schulenburg, Volkstum S. 51 'Der hungrige
Plön' (Strumpf in der Scheune). Veckenstedt S. 389 'Der Drache'
(Stiefel). — Polnisch: Kolberg, Lud 14, 247 nr. 59. S\vie>k, Lud
nadrabski S. 462. — K aschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 13
nr. 37. S. 45 nr. 83. S. 262 nr. 352. S. 347 nr. 449. S. 349 nr. 454.
S. 486 nr. 623. — Masurisch: Toeppen S. 128 'Der Teufelsberg in
der Borkener Heide' (Scheffel). Lorentz, Slovinz. Texte S. 23 nr. 21.
— Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 6, nr. 692. 34, 243 nr. 1149.
Hrincenko, Iz ust naroda S. 4 nr.. 6 — 7 (Drache). Malinka S. 266.
Rudcenko 1, 62. Cubinskij 2, 385. Afanasjev3 1, 204 aus der
Sammlung Boricevskij v. J. 1840. — Weißrussisch: Serzputovskij
S. 70. 111. — Großrussisch: Oncukov S. 175 nr. 402. Afanasjev8
1, 200 nr. 87. 1, 201 nr. 88. 1, 203 nr. 89. — Litauisch:
Siemienski, Podania (bei Afanasjev 1, 204). — Lettisch:
Ulanowska S. 262 nr. 11. — Estnisch: Kalewipoeg verdeutscht
von Reinthal und Bertram 1861 S. 237 (Hut); vgl. Schott, Abh.
196. 011 Rinkrank. 423
der Berliner Akad. 1862, 469. Inland 1852, 845 (Hans Lang).
1861, nr. 17 (Schiefner). — Wot jakisch: Wichmann 2, 116
(Journal finno-ougr. 19) 'Der Mensch und der Wassergeist' (Mühlstein
für einen Hut voll Geld verkauft). — Lappisch: Archivio 6, 399
'L'astuto Lappone' (Hut) = Düben, Om Lappland 1873. • — Nord-
amerika: Knortz, Streifzüge auf dem Gebiete amerikanischer Volks-
kunde 1902 S. 131 (General Jonathan Moulton; Stiefel ohne Sohle).
Über die Vorstellung von dem fliegenden Geldteufel oder
Drachen vgl. Bolte, Zs. f. dt. Altertum 48, 55 und Gaidoz, Melusine
6, 193. 7, 3. 49. 8, 94. 187; auch oben S. 234.
Die List, einen dienstbaren Teufel durch unmögliche Auf-
gaben zu äffen, bis er ermüdet den Pakt zerreißt, begegnet in
vielen Schwankmärchen; s. oben S. 161.
196. Oll Rinkrank. usses. an.
1850 nr. 196. — Aus Oestringen; nach dem Friesischen
Archiv von H. G. Ehrentraut 1, 162 (1849).
Eine Königstochter, die mit ihrem Freier über den Glasberg
(Gletscher?) gelaufen und dabei in eine tiefe Höhle versunken ist,
befreit sich selber aus der Gefangenschaft des unheimlichen lahmen
Alten, indem sie seinen Bart in eine Fensterluke einklemmt. Sie
steigt auf seiner Leiter zu Vater und Bräutigam empor; der König
läßt den Alten töten und erbeutet seine Schätze. — Das Märchen,
zu dem wir keine vollständige Parallele anzuführen wissen, klingt
mit einzelnen Zügen an bekannte an. Der Glasberg, über den
die Freier der Prinzessin laufen müssen, ohne auszugleiten, ist uns in
einzelnen Fassungen der Rabe (oben 2, 340) und des Grindkopfes
(oben S. 111) schon begegnet. — Der unheimliche Zwerg oder
Päuber ist ein Gegenstück zu dem gutherzigen Männlein Spannen-
lang und dem heiligen Joseph im Walde (unten nr. 201), der ebenso
wie das Männlein im Waldhause (oben 1, 212. 226) die dienstfertige
Schwester belohnt, die ungute aber straft. Die Reime, mit denen
er Einlaß in seine Höhle begehrt, entsprechen den Worten des
Zwerges in dem oben 1, 226 als Seitenstück unsrer Frau Holle an-
geführten anhaltischen Märchen (Firmenich 2, 224): 'Ich bin Beene-
424 197. Die Kristallkugel.
langmann Beenelangbart, schönes Mädchen, mach die Türe auf . . .
decke den Tisch .... setze dich bei mich und iß . . . leg dich mit
ins Bette!' Auf den Rat des Hühnchens, Hähnchens, Hündchens,
Kätzchens und Mäuschens erfüllt das Mädchen all diese Befehle und
erwacht am andern Morgen daheim auf einem Sack voll Goldstücke.
Noch genauer aber stimmen dazu norwegische Fassungen des-
selben Märchens von der guten und der bösen Schwester. Bei Arne,
Fortsellinger i Slagelse-Egnen 1862 S. 49 'Ridder Ranke' ruft der
Alte:
Luk op for Ridder Ranke med de lange Stanke og den forgyeldte
Fod ! — Giv Mad til Ridder Ranke . . . Laan Haus til . . . Red Seng
til . . . Klted af nu . . . Klö Ryggen paa R. R.
Bei Janson, Folke-eventyr i Sandeherad 1878 nr. 2 'Kjetta':
Laat up fyre meg, fyr mine lange Laar og mine forgylte Skjenker!
— Giv Stol fyre meg . . . Giv Mad til meg . . . Giv Seng til meg . . .
Kvil nseter aat meg . . .
Bei Skar, Gamalt or Ssetesdal 6, 77 (1913) 'Kongsdotteri og
Dronningdotteri' :
Lat upp for meg og mine forgjyllene Skankjir! Skaffe Sess for
meg . . . Skaffe Mat . . . Skaffe Seng . . .
Auch hier wird die gute Schwester, welche den Alten unverdrossen
pflegt, mit reichem Lohn entlassen. — Der Name Rinkrank im
friesischen Märchen scheint also entstanden aus Ridder Rank, wie
der Name Rinroth im holsteinischen Märchen bei Müllenhof f S. 453
nr. 21 aus Ritter Rot, der in skandinavischen Erzählungen häufigen
Bezeichnung des tückischen Neiders (oben S. 184).
lese s. 262 197. Die Kristallkugel.
1850 nr. 197. — Aus dem (schlesischen) Gebirge. Nach
Friedmund v. Arnim 1, 92 nr. 14 'Vom Schloß der goldenen Sonne'
(1844); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen S. 103.
Wir haben hier eine abgeblaßte Fassung des zuerst bei Basile
4, nr. 3 auftauchenden Märchens von den Tier seh Wägern, das
uns schon in den aus Mus aus Erzählung abgeleiteten 'Drei
197. Die Kristallkugel. 425
Schwestern' (oben 2, 190) in vollerer Gestalt entgegentrat.1) Dort sucht
ein Königssohn seine drei Schwestern auf, die sein Vater bereits vor
seiner Geburt an einen Bären, Adler und Walfisch (bei Basile
einen Falken, Hirsch und Delphin) vermählt hatte, besiegt mit Hilfe
seiner Schwäger einen übernatürlichen Stier (bei Basile Drachen)
und befreit dadurch eine gefangene Jungfrau und zugleich seine in
Tiergestalt verwünschten Schwäger. In unserer Fassung sucht der
Held statt der Tierschwäger zwei in Adler und Walfisch verzauberte
Brüder auf; außerdem ist das oben 2, 331 besprochene Motiv des
den streitenden Riesen weggenommenen Wünschhutes eingeschaltet,
und in dem Ei des getöteten Auerochsen, das bei Musäus den
Schlüssel zum Gefängnis der Prinzessin enthält, steckt als Dotter
eine Kristallkugel, welche die Macht des Zauberers vernichtet,
während bei Basile dies wunderbar eingeschachtelte Ei ganz fehlt.
Den durch den eifersüchtigen Dämon bewirkten Zauberschlaf der
Jungfrau (oben 2, 198. 3, 261), von dem Basile und ebenso unsre
Fassung nichts weiß, hat Musäus offenbar aus der persischen Er-
zählung 'Seyf el-Muluk' (1001 Tag, deutsch 1827 3, 7; vgl. Chauvin
7, 71 und W. Schiller, Zs. f. Bücherfreunde n. F. 1, 54. 1909) ent-
lehnt; dort bricht der Held ebenfalls den Zauber, indem er die
Marmortafel umstößt. Auch der kirgisische Held Säipül Mälik in dem
Büchergesange bei Radioff 3, 661 sieht auf dem Kopfe des schlafen-
den Mädchens eine beschriebene Tafel und entfernt sie. In dem
persischen Roman 'Der Frauenhüter' (Barb, Naurus-Blätter 1846
S. 90) führt der Jüngling, indem er den Schlafzettel auf die Erde
wirft, nicht nur das Erwachen der Schönen, sondern auch den Tod
des Divs herbei. In indischen Märchen (Indian Antiquary 1, 116.
Day p. 81. 251. Stokes p. 54 nr. 11. p. 180 nr. 24) erwacht die
Jungfrau, als der Prinz sie mit dem neben ihr liegenden goldenen
Stäbchen berührt, und schläft ein, wenn er statt dessen das silberne
Stäbchen nimmt. In andern Fassungen (Day p. 224. Steel-Temple
p. 56. Calcutta Review 51, 124 = Revue des trad. pop. 4, 532;
vgl. Cosquin 1, 176) wird das Wunder noch gesteigert: enthauptet
liegt die Prinzessin da, erwacht aber zum Leben, als der Held
*) Vielleicht bildete eine französische Bearbeitung das Mittelglied
zwischen Basile und Musäus. E. Jahn, Die Volksmärchen von Musäus
1914 S. 23 f. weist allzu voreilig diese Abhängigkeit zurück. Auch 'der
gläserne Sarg' (oben S. 261), der schon 1728 gedruckt war, hängt mit
unserm Märchen zusammen.
426 197. Die Kristallkugel.
Haupt und Rumpf zusammenfügt.1) — Auf Musäus, dessen erstes
Märchen auch einzeln als Volksbuch2) fortgepflanzt wurde,
gehen zurück die waldeckische Überlieferung bei Curtze
S. 96 nr. 20 'Reinhold das Wunderkind', die norddeutsche
bei Pröhle, KVM. nr. 1 'Bärenheid, Adelheid und Wall-
fiid', die holsteinische 'De dree verwünschten Prinzen', die G.
F. Meyer in der 'Heimat' 19, 248 (Kiel 1909) mitteilt, und die
schlesische bei Philo. vom Walde S. 43 'Das Edelreis', ein von
Wenzel Müller komponiertes Singspiel von Gleich 'Adler, Fisch und
Bär' (1820); ebenso Ingemanns dänisches Schauspiel 'Reinald Un-
derbarnet' (1815) und das schwedische Volksbuch 'Saga om
Reinald Underbarnet' (Wexiö 1838. Bäckström, Sv. folkböcker 3, 51).
In dem kärntischen Märchen 'Das Zauberbüchel' (Pogatschnigg
nr. 5a. Carinthia 1865, 399), das zu den 'treuen Tieren' (oben 2,
455 nr. 104a) gehört, schenken die drei Riesen ihrem Schwager
Wunschstiefel, Beutel und Mantel, so daß er dadurch und mit Hilfe
zweier Ratten Zaubertalisman und Gattin wiedergewinnen kann.
Dieselbe Verbindung mit nr. 104a finden wir im dänischen
bei Grundtvig, Folkeseventyr 2, 34 nr. 3 'önskedaasen = Leo-
Strodtmann 2, 45 (vgl. Grundtvigs hsl. Register nr. 7 lDe tre dyre-
brude') und im bretonischen bei Sebillot, C. de la Haute-Bretagne
3, 180 nr. 18 'Le chäteau suspendu dans les airs' (König der Fische,
der Vögel und Ratten) = Sebillot, C. des provinces p. 15 nr. 2. —
Schwedisch: Hackmans Register nr. 552. — Irisch: Curtin,
Myths p. 64 'The weaver's son and the giant of the white hill'
(Widder, Lachs, Adler; Leben des Zauberers im Ei). — Italienisch:
1) Ein männliches Seitenstück bietet der Prinz Tadeo in Basiles
Einleitung zum Pentamerone; vgl. Gonzenbach nr. 11. Archivio 10, 311
nr. 12. Hahn nr. 12. Garnett 2, 40. Künos, Stambul S. 215. Wlislocki
1886 nr. 18. Chalatianz S. VI. Artin Pacha p. 69. Stokes nr. 23 (oben
S. 308). Indian Antiquary 1, 219 nr. 5. Day p. 9 = M. Summer, Contes
de l'Inde ancienne p. 35. Steel-Temple p. 30 (Kuß). Cosquin, Revue
des trad. pop. 28, 333. 29, 98. — Nicht durch einen verschmähten Lieb-
haber, sondern durch eine Hexe hervorgerufen ist der Zauberschlaf
Dornröschens (oben 1, 440) und Sneewittchens (1, 363); vgl. Basset, Revue
des trad. pop. 11, 285.
2) Die drey Schwestern, eine Geschichte von vielen Abentheuern
und Bezauberungen, auch deren Lösung durch Reinald, genannt das
Wunderkind (o. 0. 1794. — Leipzig, Solbrig o. J. — Leipzig, Taubert o. J.).
Marbachs Volksbücher 11 (Leipzig 1838).
197. Die Kristallkugel. 427
Basile 4, nr. 3 'Li tre rri anemale'. Comparetti nr. 20 'La bella
Fiorita' (statt der Tierschwäger ein Schweinehirt, Jäger und Toten-
gräber ; ihre Graben helfen dem Helden die Aufgaben des Königs
lösen: ein Gewölbe voll Früchte verzehren, die Prinzessin durch
Vogelgesang einschläfern, in einer Nacht ein zweijähriges Kind zeugen)
= Kaden S. 134 — Crane p. 342 nr. 13. Knust nr. 2 'Die vier Königs-
kinder' (Jahrbuch 7, 384. Schornsteinfeger. Kesselflicker, Schirmmacher).
Gonzenbach nr. 29 'Von der schönen Cardia' (König der Raben, der
wilden Tiere, der Vögel; Aufgaben der Hexe); vgl. Zs. f. Volkskunde
6, 70. Pitre, Novelline pop. siciliane 1873 nr. 1 'Lu re di li setti
muntagni d'oru'. Pitre, Fiabe sie. 1, 142 nr. 16 'Li tri figghi obbi-
dienti' (Schweinetreiber, Vogelsteller; Aufgaben des Königs : Garten,
Stallreinigung). Finamore 1, 109 nr. 23 'Lu brastunelle'. De Nino
3, 112 nr. 20 'La bella del mondo' (Vento maggiore, Scirocco, Sole).
— Katalanisch: Maspons 3, 164 nr. 27 'Los tres prineeps'. —
Portugiesisch: Braga nr. 8 'Cravo, rosa e jasmim'. Coelho, C.
populäres nr. 16 'A torre de Babylonia'. Romero nr. 1 '0 bicho
manjaleo'. — Rumänisch: Schullerus, Archiv 33, 583 nr. 90 'Juon
ohne Furcht' (drei Drachen) und 33, 687 nr. 11 'Schöne der Welt'
(drei Raben). SJiinenu p. 458 'Animale-cumnati'. — Griechisch:
Hahn 1, 180 nr. 25 'Der Schwager des Löwen, des Tigers und des
Adlers' = Pio p. 40 = Geldart p. 50. Buchon 1843 p. 267 =
Legrand p. 145 'Le dracophage' = Misotakis S. 152. Kretschmer
nr. 26 'Die Tochter des Königs Tsun Matsun'. — Albanesisch:
Dozon p. 121 nr. 15 'Les trois freres et les trois soeurs' = Leskien
S. 272 nr. 59 (Sonne, Mond, Südwind). — Serbokroatisch:
Valjavec nr. 1 = Krauß 1, 333 nr. 79 'Der Königssohn und die
Vila' (Wind, Sonne, Mond). Kres 5, 143 nr. 42 (Bär, Adler, Fisch).
Vuk St. Karadzic S. 187 nr. 51 'Bas Öelik' = Jagic, Archiv 2, 614
nr. 16 = Krauß 1, 143 nr. 34 'Stahlpascha' = Mijatovics p. 146
(Drache, Falk, Adler). Gleiche Einleitung hat Vuk St. Karadzic
S. 89 nr. 17 = Krauß 1, 452 nr. 100 'Der Brüder Schwur'; ähnlich
Zs. Vila hsg. von St. Novakovic 3, 777 (1867) und Bos. Vila 2, 13
(1887). 6, 92 (1891). ' 7, 327 (1892). Nikolic S. 53 nr. 6 (verbunden
mit nr. 111; auf einem Berg ein Sumpf, darin eine Wildente, in deren
Ei die Seele des 'roten Windes'). — Bulgarisch: Sbornik min.
3, 208 nr. 2 (drei Adler). 4, 188 (König der Ameisen, Affen, Vögel).
9, 141 (drei Riesen) = Strauß S. 185. Periodicesko Spisanie 12,121
= Arnaudov S. 28 nr. 3 (König der Ameisen, Fliegen, Adler).
428 197. Die Kristallkugel.
Sapkarev 8 — 9, 452 nr. 268 (eine Schwester mit dem Adler vermählt). —
Öechisch: Sumlork 1, 605 (Bär, Adler, Karpfen. Entstellt; S.Tille,
Ceske poh. do r. 1848 S. 104). Nemcova 1, 125 nr. 11 = Waldau
S. 440 nr. 30 'Sonnenkönig, Mondkönig, Wildkönig'. Radostov
1. Aufl. 8, 41 (Bär, Adler, Fisch). Mensik S. 37 nr. 6 (Bär, Adler,
Tisch). Straneckä S. 32 nr. 7 (Adler, Löwe, Walfisch). Soukal
S. 86—93. Elpl S. 29 nr. 5 (Bär, Adler, Fisch). Kubin, Podkrko-
nosi zap. nr. 23 S. 281. — Slovakisch: Kimauski S. 53 nr. 5 =
Nemcova, Slov. 2, 158 nr. 49 (Bär, Adler, Fisch). Nemcova, Slov. 2,
82 nr. 39 'Vom Sonnenkönig, Mondkönig, Windkönig, der schönen
Uliana und zwei Zauberpferden'. Skultety-Dobsinsky S. 310 nr. 32
(drei Drachen mit 3, 6, 9 Köpfen). Czambel S. 221 § 118 (Drache,
Adler, Fisch). S. 424 § 277 (Teufel). — Polnisch: Zbior wiad. 5,
223 nr. 31 (Frost, Wind, Hegen). Mitt. der schles. Ges. f. Volks-
kunde 8, 62 (Hirsch. Walfisch, Adler). — Kaschubisch: Lorentz,
Teksty pom. S. 318 nr. 418 (im Ei ein Schlüssel zum Zaubergarten).
— ■ Kleinrussisch aus dem Gouv. Poltawa: Rudcenko 1, 85 nr. 44
(Wind, Frost, Sonne). Gouv. Wolhynien : Cubinskij, Trudy 2, 172
nr. 52 (drei Drachen). Gouv. Jekaterinoslav : Manzura S. 14 (drei
Drachen). Aus Süd-Ungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 122 nr. 22 (drei
Drachen mit 3, 6, 9 Köpfen). — WeiJßrussisch: Federowski
1, 116 nr. 341 (Löwe, Walfisch, Adler). B,omanov 6, 205 nr. 24
(Rabe, Falke, Adler). 6, 213 nr. 25 (Donner, Frost, Regen). 6, 233
nr. 27 (König der Vögel, Sturm, Wind). 6, 225 nr. 26 (zwei
Schwestern; Sonne, Donner). — Großrussisch: Rovinskij 1, 123
nr. 36 = Afanasjev3 1, 237—241 (Bär und Meerungeheuer). Afa-
nasjev 1, 230 nr. 94 = Ralston p. 85 'Marya Morevna' (Falk,
Adler, Rabe). 1, 234 nr. 95 (Wind, Hagel, Donner). 1, 67 nr. 49
(Sonne, Mond, Rabe). Chudjakov 1, 77 nr. 20 (Rabe, Adler,
Falke). 1, 287 nr. 62 (Rabe, Falke, Adler). Erlenwein S. 139 nr. 33
= De Gubernatis, Florilegio p. 212 (Bär, Vogel, Hecht). S. 81
nr. 24 (drei Drachen mit 20, 30, 40 Köpfen). Oncukov S. 202
nr. 78 (Löwe, Bär, Rabe). S. 416 nr. 167 (drei Schwestern entführt
von 12 Bären, 12 Kaulbarschen, 12 Schwänen). — Litauisch:
Leskien-Brugman S. 423 nr. 20 'Von dem Königssohn, der auszog,
um seine drei Schwestern zu suchen' (Falk, Greif, Adler). —
Lettisch: Weryho S. 211 nr. 29 (drei böse Geister, Nalobiejs.
Entstellt). — Estnisch: Kallas nr. 11 'Jaan der Königssohn' (Rabe,
Wind, Blitz. Verheil. 20, 122). — Finnisch: Aarne, Register
197. Die Kristallkugel. 429
nr. 552. — Magyarisch: Gaal-Stier nr. 1 'Die sechs Drachen';
vgl. nr. 13 'Strohkönig' (Sonne, Mond, Wind). Horger nr. 38 —
Bona-Sklarek 2, 167 nr. 15 'Der Schwager von Rabe, Bär und Fisch.'
Horger nr. 17. — Zigeunerisch: Mitteil. f. Zigeunerkunde 2, 92
'Das väterliche Vermächtnis' (nur eine Schwester einem Drachen
vermählt). Wlislocki 1886 S. 21 nr. 11 'Der Fischer und die Urme'
(Wind, Sonne, Mond). Groome p. 166 nr. 46 (statt der Seele
der Hausschlüssel). — Türkisch: Künos, Stambul S. 126 nr. 17
'Der Windteufel' (Löwe, Tiger und der smaragdene Anka- Vogel). —
Armenisch: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 116 nr. 10 (Storch, Taube,
Adler). — Awarisch: Schiefner 1873 nr. 4 'Der schwarze Nart'
(Held wacht drei Nächte auf dem Grabe seines Vaters und erhält
dreiEosse; Wolf, Habicht, Falke). — Mingrelisch: Mourier 1888
p. 43 = Wardrop p. 112 'Kazba-ndii' (Wache am Grabe des Vaters,
drei Devis). — Tschetschenisch: Zs. f. Ethnologie 14 (1882),
Verh. S. 271 'Von einem tschetschenischen Helden und einem nogaii-
schen Biesen' (der Schwager belebt mit Hilfe einer Hexe den er-
schlagenen Helden wieder) = Buss. Bevue 20, 186. 23, 158. —
Neuaramäisch: Lidzbarski S. 45 nr. 1 'Geschichte vom Kaufmann,
seinen drei Söhnen und drei Töchtern' (der jüngste Sohn holt für
den kranken Vater Lebensapfel und Nachtigall, wird von den
neidischen Brüdern in den Brunnen gestoßen und erhält vom dritten
Schwager ein Blitzschwert; oben 1, 510). Brym-Socin, Tür 'Abdin 2,
60 nr. 18 (Wolf, Adler und Vogel Simer beleben den von Schamäl
erschlagenen Schwager und helfen ihm seine beiden von Schamäl
geraubten Weiber wiedergewinnen). — Arabisch: Jahn, Mehri-
Sprache S. 89 nr. 17 'Der Wunschring'. Hein-Müller, Mehri-Texte
S. 54 und 111 'Die drei Schwäger' (Vogel, Ameise, Dämon). —
Indisch: Hahn, Kols 1906 nr. 16 'Der Knabe und sein Ochse'
(Tiger, Schlange und Ochse helfen ihrem Bruder die Königstochter
gewinnen ; er soll Tigermilch und Lotosblumen holen und einen
Elephanten töten). — Aus Nord-Nigeria bei Tremearne, Hausa
superstitions 1913 p. 131 (Stier, Widder, Hund, Habicht helfen dem
Schwager das in einer Taube, Gazelle, einem Felsen und See ein-
gekapselte Kästchen mit dem Leben des Königs gewinnen).
Verschieden davon sind die Erzählungen, in denen der Held
seinem dämonischen Schwager feindlich entgegentritt, um die
Schwester wieder heimzuführen. So gelingt es in dem schwäbischen
Märchen bei E. Meier S. 29 nr. 6 'Donner, Blitz und Wetter' dem
430 197. Die Kristallkugel.
bei der Hexe aufgenommenen Helden, mit Hilfe dreier dankbarer
Tiere, des Wolfes, Fisches und der Hornisse, ihre Aufgaben zu
lösen; er soll ihre drei Pferde, das sind seine Schwäger, die diese
Gestalt angenommen haben, hüten und bringt sie jedesmal abends
richtig heim ; darauf tötet er sie allesamt, indem er ein vierköpfiges
Pferd enthauptet. In einem dänischen Seitenstück bei Berntsen 1,
116 nr. 13 'Ungerod' zieht der Held mit einem Hasen, Fuchs, Wolf
und Bären zu dem rotbärtigen Troll, der seine Schwester entführt
und zwei ältere Brüder umgebracht hat, und läßt dessen Mutter
und ihn durch seine Tiere zerreißen. Ähnlich bei Kristensen, Aev.
fra Jylland 1, 271 nr. 36 'Bjsergmandens banemand' (Knüppel, Hund
lind Pferd) und norwegisch bei Löland S. 199 'Svarteliten' (Hund,
Fuchs, Wolf, Bär), *Hauken3es, Hardanger 2, 233 'Askepotten og
bans tjenere' und Liestöl, Norske trollvisor 1915 S. 87 'Askefisen
som freiste soster sin'. Schwedisch Runa 1844, 98 'Ole Lur' (erhält
von einer Alten Zauberhandschuhe und befreit seine drei von den
Riesen geraubten Schwestern aus dem Berge). In dem schottischen
Märchen bei Jamieson, Illustrations of northern antiquities 1814
p 397 = Jacobs, English f. tales 1, 117 nr. 21 'Childe Rowland'
besiegt der jüngste der drei Brüder, der sich von Merlin beraten
läßt, den Elfenkönig im Zweikampf und nötigt ihn, die entführte
Schwester Ellen und die versteinerten Brüder herauszugeben.1) Da-
gegen entrinnt in der dänischen Ballade von Rosmer (Grundtvig,
DFv. 2, 72 nr. 41. Grimm, Altdänische Heldenlieder S. 201. Land-
stad, NFv. nr. 5. Hammershaimb, Fseröiske kvseder nr. 16) die vom
Meermanne geraubte Schwester durch List, indem sie sich in der
Goldkiste verbirgt, die der Meermann dem scheidenden Schwager
als Geschenk mitgibt. Im serbischen Märchen 'Stojscha und Mladen'
(Wuk nr. 5 = Leskien S. 107 nr. 24) läßt sich der Held zuerst von
seinen Drachenschwägern bewirten, um sie dann im Verein mit dem
l) Einige Zeilen der zugrunde liegenden Ballade führt der wahn-
sinnige Edgar in Shakespeares 'König Lear' III, 4 an:
Childe Rowland to the dark tower came . . .
His word was still: 'Fie, foh and fum,
I smell the blood of a british man'.
Auch in Peeles Schauspiel 'The old wives' tale' (1595) ziehen zwei
Brüder Calypha und Thelea aus, ihre von Sacrapant verzauberte Schwester
zu erlösen. Ebenso in Mi Rons Comus (1631), wo ein als Schäfer ver-
kleideter Schutzgeist den Brüdern ein Kraut gibt, das sie gegen den
Zauberer Comus schützt.
197. D/e Kristallkugel. 431
Drachenkaiser zu töten. Zbornik jslav. 12, 139 nr. 27 (der nach-
geborene Bruder). Auch rumänische (Schott S. 85 nr. 1 'Der
Kaiserin Wundersohn'. Kremnitz nr. 14 'Der arme Junge') und
türkische Märchen (Künos, Stambul S. 95 'Der Aschenbrödelsohn')
berichten von solcher Befreiung der entführten Schwester. Weiß-
russisch: &ejn 2, 149 nr. 70. Federowski 1, 127 nr. 345. 1, 110 nr.
338 (der nachgeborene Erbsensohn) = Dmitrijev S. 152 = Afanasjev
1, 142 nr. 74 b. Bomanov 3, 88 nr. 12 (Mutter). Kleinrussisch aus Süd-
ungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 111 nr. 21 (drei Drachen); aus Galizien
ebd. 7, 32 nr. 33 (eine Schwester beim Drachen), Sadok Baracz S. 90 ;
Rozdoljskyj S. 21 nr. 7 (drei böse Geister auf drei Glasbergen);
teilweise auch Etnograf. Zbirnyk 29, 140 nr. 17. 29, 152 nr. 20. 29,
165 nr. 21; Afanasjev 1, 141 nr. 74a; Manzura S. 18 nr. 18. Groß-
russisch bei Bronicyn 1838 — Afanasjev 1, 149; Chudjakov 3,
147 nr. 117. 3, 109 nr. 108 (der nachgeborene Sohn); Zapiski Kras-
nojarsk 2, 115 nr. 29. Slovakisch: Nemcovä2, 58 nr.36 (ein Fisch). Grön-
ländisch: Bink p. 75 nr. 11 'Om to piger' (Adler und Walfisch von
den Brüdern getötet; in nr. 13 'Brodrenes besag hos deres soster'
ziehen die Brüder heim, ohne ihre Schwester aus der Macht des
Menschenfressers befreit zu haben). In den 1001 Nacht übers, von
Habicht 12, 132 (Chauvin 5, 234 nr. 134 'Les deux princes de la
Cochinchine et leur soeur') überwindet Murad, von einem dankbaren
Geiste beraten, seinen Schwager, den Zauberer Abutawil, welcher
seinen Bruder Khanzad in einen Hund verwandelt hat, dreht dem
Vogel, an den Abutawils Leben geknüpft ist, den Hals um und
zieht mit Bruder und Schwester heim.
In einer verwandten Gruppe handelt es sich nicht um die
Befreiung der Schwester, sondern um die der Braut sowie der
Brüder, oder der Mutter. Eine holsteinische Fassung bei
Müllenhoff S. 404 nr. 7 = Bechstein, Märchenbuch 1874 S. 84 be-
richtet 'vom Manne ohne Herz', einem alten Zauberer, dessen Leben
in einem Vogel in einer fernen Kirche steckt; der verwandelt sechs
Brüder samt ihren Bräuten in Stein1) und nimmt die Braut des
daheim gebliebenen jüngsten Bruders zu sich; dieser bemächtigt
sich, unterstützt von einem dankbaren Ochsen, Wildschwein und
Greifen, des Vogels, tötet den Riesen und zieht mit den Erlösten
*) Die Versteinerung und Entzauberung durch die besiegte Hexe
selber erinnert an den Schluß des Brüdermärchens (oben 1, B54).
432 197. Die Kristallkugel.
davon. Ähnlich bei Harten-Henniger 2, 46 'Vom Zauberer, der
kein Herz im Leibe hatte.' Siebenbürgisch bei Haltrich4 nr. 34
'Von den zwölf Brüdern, die zwölf Schwestern zu Frauen suchen'
(Löwe, Adler, Fisch helfen den Talisman der Hexe, ein Ei, gewinnen).
In der entstellten waldeckischen Fassung bei Curtze S. 129
nr. 22 'Die sieben Prinzessinnen und der Zauberer' offenbart der
Zwerg selber dem Helden das Geheimnis seiner im Ei verborgenen
Seele und wird zu einem Prinzen entzaubert. — Dänisch:
Kristensen, Aev. fra Jylland 4, 89 nr. 15 'Troldens hjaerte' (sieben
Brüder); Skattegraveren 6, 230 'Troldens hjserte' (neun Brüder)*
11, 177 'Troldens sjsel' (zehn Brüder); Efterslaet S. 115 'Bjaerg-
mandens hjaerte' (zwölf Brüder). — Schwedisch: Allardt nr. 129
'Om torparens sju söner'. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 36
= Bresemann 2, 58 'Von dem Riesen, der kein Herz im Leibe hatte'
(sieben Brüder; Rabe, Lachs, Wolf) = Denhardt, Norwegische
Volksmärchen und Waldgeistersagen 1881 S. 44 = Stroebe 2,
119 = Dasent 1859 p. 55. — Schottisch: Macdougall p. 63.
— Italienisch: Weber 1900 nr. 2 'I dodici figlioli'. —
Rumänisch: Schullerus, Archiv 33, 578 nr. 89 'Fritz der tapfre,
geboren aus Blumen' (gewinnt zwei Eier aus Ente und Sau und
nötigt den Drachen, der seine Mutter geheiratet hat, den versteinerten
Vater und sein Heer zu entzaubern ; keine dankbaren Tiere ; vgl.
oben 1, 539). — Griechisch: Geldart p. 55 (der Drache, der die
Schwester entführte, hat drei goldene Haare am Kopfe, mit denen
man das Zimmer mit den drei Tauben, an die sein Leben geknüpft
ist, öffnen kann). — Serbokroatisch: Wuk nr. 8 'Der Drache
und der Kaisersohn' (drei Brüder; Hunde, Falke) = Leskien S. 119
nr. 26. Valjavec S. 154 = Leskien S. 204 nr. 46 'Ein Bursche erlöst
zwölf verwunschene Mädchen'. Kica 7, nr. 26. Ljetopis mat srpske
147, 133 nr. 6 (Held als Löwe, Vogel und Ameise, tötet einen
Drachen, in dem ein Ei steckt). — Bulgarisch: Sbornik min. 3,
220 nr. 2 (Mutter von einem Drachen entführt; in seinem Pelz eine
Dose mit drei goldenen Hühnchen). — Polnisch aus Posen:
Hessische Blätter f. Volkskunde 6, 94 nr. 8 'Der Mann ohne Herz'
(sieben Brüder; der jüngste holt mit Hilfe eines Ochsen, Schweins
und Adlers das in einer von Wasser umgebenen Kirche aufgehängte
Herz des Zauberers). Kolberg, Lud 14, 12 nr. 4 (Schwan Jungfrau
bei einem Drachen; Held als Löwe, Hund, Habicht und Ameise über-
wältigt den Drachen, Hasen, die Taube und findet im Ei die drei
197. Die Kristallkugel. 433
Schlüssel). — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 4, 53. 29, 230
nr. 32. Aus Gouv. Kiev: Öubinskij, Trudy 2, 239 nr. 64. — Weiß-
russisch: Romanov 6, 122. 130. 144 nr. 13 — 15. — Großrussisch:
Chudjakov 3, 6 nr. 82 (der jüngste Sohn befreit die vom Winde ent-
führte Mutter und verbrennt das Sandkorn, in das dieser sich ver-
wandelt; wird von den Brüdern in der Unterwelt zurückgelassen).
Afanasjev 1, 217 nr. 93a (die entführte Mutter entlockt dem unsterb-
lichen Koscej sein Geheimnis; dankbarer Wolf, Rabe, Hecht). 1,219
nr. 93b (Braut von Koscej entführt; Habicht, Bär, Hecht). 1, 224
nr. 93c (ähnlich; Hund, Adler, Krebs). Sadovnikov S. 201 nr. 61.
Zap. Krasnojarsk. 2, 59 nr. 15 (Braut entführt; Ei in einer Ente
unter einer Eiche am Meer; Hecht hilft). 2, 132 nr. 31 (Mutter).
— Lettisch: Weryho S. 136 nr. 16 (treulose Brüder). —
Magyarisch: Mailath 1837 2, 133 'Pengö' = Kletke, Märchen-
saal 2, 12 (vgl. oben 2, 504. Pengös ältere Brüder erlegen den
Geier und Eber und heiraten die von diesen umworbenen Königs-
töchter ; Pengö, dessen Gattin vom spannenlangen Mann geraubt wird,
sucht diesen auf und bringt sein in einem Käfer verborgenes Leben
mit Hilfe von Wolf, Adler und Rabe an sich). — Zigeunerisch:
Miklosich nr. 4 = Groome p.85 'The seer' (Mutter, treulose Brüder;
Tötung de3 Drachen fehlt). — Türkisch: Jubil. Sbornik Miller
S. 218 nr. 96. Hörn Pascha, Vom märkschen und türkschen Land
1903 S. 251 'Vom Teufel Nietun nagelfest'. — Tartarisch: Sbornik
Kavkaz. 13, 2, 317. — Imeretinisch: Sbornik Daskov. 3, 153
(Mutter vom jüngsten Sohne befreit, der sich am Strick hinab-
läßt und den Entführer mit dessen Schwert tötet). —
Lappländisch: Friis nr. 17 — Germania 15, 174 = Poestion
nr. 20 = Kauffmann, Balder S. 138 'Der Riese, dessen Leben in
einem Hühnerei verborgen war' (Bär, Wolf, Habicht, Seetaucher
helfen). — Samojedisch: Castren, Nordische Reisen 4, 172 nr. 4
(der Held nötigt eine Schwanjungfrau, deren Gewand er raubt, den
sieben Brüdern ohne Herz, die ihm die Schwester entführt und die
Mutter getötet haben, ihre sieben Herzen zu stehlen ; sechs Herzen
wirft er zu Boden und zwingt den noch übrigen ältesten Bruder,
seine Mutter w*ieder zu belebe ). — Indisch: Frere nr. 1 'Punchkin'
= Passow S. 31 = Jacobs, Indian fairy tales nr. 4 (vgl. oben
S. 65. Der Sohn der siebenten Prinzessin befreit seine Mutter,
seinen versteinerten Vater und seine sechs Oheime, nachdem ein
dankbarer Adler ihn zu dem Papagei getragen, an den des Zauberers
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 28
43-4 197. Die Kriatallkugel.
Leben geknüpft ist) ; vgl. Clodd, Folklore Journal 2, 289. The Indian
Antiquary 1, 170. Knowles, Kashmir p. 43. Day, Bengal p. 117.
O'Connor, Tibet p. 154 (ohne die dankbaren Tiere). Parker,
Ceylon 1, 186 nr. 24 'How a prince was chased by a Yaksani,
and what befel' (Leben im Papagei). Shaik Chilli, Folk-tales of
Hindustan p. 105 (Parker 1, 277. Vögel). Minaef nr. 10 (Cosquin
1, 175). — Arabisch aus Ägypten: Spitta-Bey p. 12 nr. 2 'Histoire
d'Ours-de-cuisine' (der listige Mohammed holt die Flasche, in der
das Leben der Dämonin steckt, sowie die Augen seiner Mutter und
der 39 andern Frauen des Königs, und nötigt die Dämonin, die
Augen wieder einzusetzen; als er ihr dann die Flasche reicht, läßt
sie diese aus Angst zu Boden fallen ; vgl. zu den ausgestochenen
Augen Parker, Ceylon 1, 270 nr. 48 'The seven princesses' und
Frazer8 7, 2, 138). — Senegambien: Equilbecq 2, 88 'Ntyi vain-
queur du boa'.
Vermutlich ist die Erzählung von den Tierschwägern hervor-
gegangen aus dem einfacheren Märchen von dem im Ei ver-
borgenen Leben des Unholds,1) dessen sich der Held, der zur
Befreiung einer von jenem gefangen gehaltenen Jungfrau ausgezogen
ist, bemächtigt, indem er sich entweder mit Hilfe dankbarer Tiere3)
in die Gestalt eines Löwen, Vogels und Fisches verwandelt (A1) oder
indem diese selber (wie oben die Tierschwäger) auf seinen Ruf herbei-
eilen (A2). Schlesisch bei Peter 2, 145 'Die dankbaren Tiere'
(Riese, Hund, Adler, Ameise. A1); norddeutsch bei Pröhle,
KVm. nr. 6 'Der Mann ohne Leib' (entstellt. Löwe, Hund, Rabe,
Ameise. A1), holsteinisch bei Wisser, Grotmoder 2, 5 = Plattdt.
Vm. S. 200 'Windhund, Kreih un Migelrem' (A1); pommerisch
bei Jahn, Volksmärchen 1, 340 nr. 62 'Der Kaufmann und die See-
jungfrau' (Anfang wie unsre nr. 181. Vogel, Maus, Windhund, Löwe.
A1); ostpreußisch bei Lemke 2, 204 'Der Jäger und die Schwanjung-
*) Vgl. dazu oben 1, 134. 2, 3401. R. Köhler 1, 158. Cosquin 1,
173. Feilberg, Ordbog over jyske almuesmäl 1, 631a. 2,438b. Chauvin
2, 193. 5, 176. Steel-Temple, Wide awake stories p. 404. Parker, Ceylon
1, 166. 2, 168. Ciouston, Populär tales 1, 347. 2, 145. Jones-Kropf, Magyars
p. 400. Macculloch, Childhood of fiction p. 118 'The separable soul'.
Frazer, The golden bough2 3, 351 = 3. edition 7, 2, 95—152 'The external
soul in folk-tales' (1913). F. Kauffmann, Balder 1902 S. 137. G-. A.
Wilken, Verspreide Geschritten 3, 289. 551 (1912).
2) Gewöhnlich teilt er ein gefallenes Tier, um das sie streiten,
unter sie oder speist sie oder errettet sie aus Lebensgefahr, wie oben 2, 22.
197. Die Kristallkugel. 435
frau' (A1); posensch bei Konrad S. 35 'Prinz Wilhelm' (Löwe, Adler,
Ameise. A1). — Vlä misch: Wolf, DMS. nr. 20 'Ohneseele' (Fliege,
Adler, Bär, Löwe. A1). Joos 2, 3 nr. 1 'Van den vrouwenfretter'
(A1). 3, 87 nr. 29 'Van Ronkaard' (A1) = Teirlinck p. 73. De Mont
en de Cock, Wondersprookjes nr. 1 'De man zonder ziel' (A2). —
Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 17 'Troldens hjterte og
svenden i dyrenes hamme'. Grundtvig, Folkeaev. 2, 148 nr. 12
'Skomagerdrengen' = Leo-Strodtmann 2, 194 (Hund, Bär, Falke,
Ameise. A1). Berntsen 1, 88 nr. 10 'Askepot' (Wolf, Rabe, Fisch.
A2). 1, 229 nr. 29 'Fiskerens son' (Löwe, Hund, Falke. A1). Kamp
1, 221 zu nr. 8. Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 103 nr. 21 'De to
brodre' (Anfang wie unsre nr. 60. Löwe, Falke, Hund, Ameise. A1).
Kristensen, Fra Bindestue 1,23 nr. 4 'Love, falk, hund og orm' (A1).
2, 30 nr. 5 'Fuglen med guldnaal i kraasen' (Löwe. Falke, Hund,
Ameise. A1). Skattegraveren 1, 98 'Dyrenes gaver' (verbunden mit
nr, 181. Löwe, Hund, Falke, Maus. A1). 4, 18 'Dyrenes gaver'
(Löwe, Hund, Rabe. A1). 4, 24 'Love, falk og mynde' (unsichtbare
Bettgenossin beleuchtet, vgl. oben 2, 269). 12, 87 'Hans fiskersön'
(ebenso). 12, 106 'Love, and og myre' (Fuchs gewährt die drei
Tierverwandlungen für seine Rettung vor den Hunden). Kristensen,
Fra Mindebo S. 44 'Mit ophold paa det foronskede slot' (Bettgenossin
beleuchtet. Hund, Falke, Löwe. A1). — Schwedisch: In einer
'Plistoria om konungasonen, som künde förskapa sig tili läjon, björn,
hynda, falk ock myra', die Ahlström, Sv. landsmälen 11, 1, 89 aus
einer Hs. von 1702 veröffentlicht hat, teilt Prinz Alexander einen
Büffel unter einen Löwen, Bären, Hund, Falken und Ameise, fliegt
als Falk in die Kammer der Königstochter, wird ihr vermählt, muß
sie dann aber aus dem Berge, in den sie ein Troll entführt, befreien
und ein Steinchen holen, das in einer Taube, einem Hasen und
einem Drachen steckt; als er dies auf den Berg schleudert, wird
dieser zu einem Palast, der Troll wird entzaubert und heiratet eine
Schwägerin des Helden. Nicolovius, Folklifwet i SkyttsHärad 1847
S. 34 'De tolf feta galtarna'. Henriksson S. 24 'Läjonet, vildhunden,
falken ock myran'. Bondeson, Sv. folksagor nr. 22 'Pojken, som
künde skapa sig tili läjon och korp och myra'. Afzelius, Sagohäfder
3, 143 'Läjon, varg, örn\ Lindskoug nr. 2 'Draken i Frankrike'
(Ameise, Rabe, Hund, Wolf) = Folkminnen och folktankar 2, 145.
Aberg nr. 180 'Skräddarepojken, som kom sig tili en prinsessa'
(Löwe, Schwan, Hase, Hund, Ameise). Allardt nr. 127 'Skräddarepojken,
28*
436 197. Die Kristallkugel.
som frälste prinsessan frän trollet' (Löwe, Hund. Schwan, Ameise).
Hackmans Register nr. 302. — Norwegisch: Asbjörnsen nr. 70
'Gutten, som gjorde sig til love, falk og myre' = Dasent 1874 p. 223.
Janson, Sandeherad nr. 10. Löland p. 1 'Dyrestyrk og dyremod'
(Bär, Wolf, Fuchs, Ameise, Falke). Braset, Hollraöventyra S. 231
'Kusin, som itt ha naakkaa hjart' (Ente, Lachs). S. 257 'BsergtraaDe,
som ha a?g ti siun brors liv i Aengellann'. — Isländisch:
Rittershaus S. 162 nr. 37 'Die hilfreichen Tiere' (Vögel, Hunde,
Rinder; Lebenseier der 13 Riesinnen). S. 36 nr. 8 'Rautüboli' (der
Stier, der dem Helden das Lebensei des Riesen gewinnen hilft, ist
ein verzauberter Königssohn). Bei Arnason 2, 431 = Poestion S. 49
= Rittershaus S. 173 nr. 41 'Der von Riesinnen geraubte Königs-
sohn', vgl. Maurer S. 277, wird der geraubte Prinz Hlini von der
Bauerntochter Signy in der Höhle aufgesucht und fragt auf ihren
Rat die Riesin nach ihrem Lebensei; mit Signy zusammen fährt er
auf dem Zauberbette zum Walde und zerbricht das Ei. — Schottisch:
Campbell 1, 1 nr. 1 'The young king of Easaidh Ruadh' = Brueyre
p. 71; vgl. R. Köhler 1, 158 (Hund, Habicht und Otter helfen dem
Könige das Lebensei des Riesen gewinnen, der seine Gattin entführt
hat). Campbell 1, 72 nr. 4 'The seamaiden' = Jacobs, Celtic f. tales
1, 144 nr. 17 = Brueyre p. 84; vgl. R. Köhler 1, 175 (verbunden
mit unsrer nr. 181 und dem Motiv des Lebenswahrzeichens im
Brüdermärchen, oben 1, 545. Hund, Falke, Otter; in andern
Fassungen Löwe, Wolf, Falke oder Fuchs, Wolf, Krähe). Curtin,
Myths of Ireland p. 78 'Fair, Brown and Trembling' = Jacobs 1,
169 nr. 19 (oben 1, 172. Verblaßt). Mac Innes 1890 p. 95 nr. 4
'The herding of Cruachan' (Habicht, Ente, Fuchs, Otter). Macdougall
1891 p. 76 'The bare-stripping hangman' (p. 107. 284. Hund, Otter,
Falke. A2). — Bretonisch: Troude et Müin 1870 p. 261 'Le
corps-sans-äme (Löwe, Tiger, Wolf, Bär, Fuchs, Ameise, Rabe). Luzel,
Contespop. 1,427 'Le corps-sans-äme' (Ameisen, Fisch). Luzel, Cinquieme
rapport p. 10 'Le poirier aux poires d'or et le corps-sans-äme' (Archives
des missions scientifiques 7, 101. 1871. Vgl. oben 2, 304). Luzel, Veillees
bretonnes p. 105 'Le pecheur qui vendit son äme au diable' (Mabik
und die in eine Eselin verwandelte Prinzessin). Sebillot, Contes de
la Haute-Bretagne 1, 61 nr. 9 'Le geant aux sept femmes' (Wolf,
Ameise, Vogel). 2, 126 nr. 24 'Le corps-sans-äme' (die hilfreichen
Tiere fehlen). — Französisch: Cosquin 1, 166 nr. 15 'Les dons
des trois animaux' (Löwe, Adler, Ameise). ° 128 nr. 50 'Fortune'
197. Die Kristallkugel. 437
(Wolf, Adler, Ameise). Carnoy, Contes francais p. 275 'Le corps-
sans-äme, ou le lion, la pie et la fournii' = Romania 8, 240. Dardy
2, 223 nr. 61 'La fourmi, l'aigle et le lion'. — Italienisch: Andrews
nr. 46 'Corps-sans-äme' (Löwe, Hund, Adler, Ameise). Comparetti nr. 32
'La nuvolaccia' (Löwe, Adler, Ameise) = Crane p. 30, und nr. 55 'La
vedova e il figliuolo' (Bettgenossin beleuchtet. Hund, Löwe, Adler,
Ameise). Visentini nr. 37 'Pietro il buon soldato' (Löwe, Tiger, Hund,
Fuchs, Gans, Ameise). Coronedi-Berti 1883 nr. 12 'La tor d'Fedelcina'
(unsre nr. 129 und 93. Löwe, Adler, Ameise). Imbriani, Nov. fior. 2
nr. 26 'Zelinda e il mostro' — Crane p. 7 (oben 2, 243. Keine dank-
baren Tiere). Busk p. 168 'How Cajusse was married' (keine Tiere) =
Clouston 1, 314. Finamore 1, 1, 87 nr. 19 'Lu fijje de lu marenare'
(Löwe, Ameise, Taube). Gubernatis, St. Stefano nr. 23 'La fanciulla
e il mago'. Gonzenbach nr. 16 'Von dem Kaufmannssohne Peppino'
(vgl. oben 2, 269. Keine Tiere; entstellt); vgl. Zs. f. Volkskunde
6, 66. Pitre, Fiabe sie. 2, 214 nr. 81, Variante 'La lanterna' = La
lanterna, ed. F. Sabatini 1878 (Ameise, Adler, Löwe). Pitre 2,
216 nr. 82 'Lu'mperaturi Scursuni' (keine Tiere) = Kaden S. 211.
— Katalanisch: Haspons, Rondallayre 1, 72 'Lo fill del pescador'
(beleuchtet im Zauberschloß die Bettgenossin wie oben 2, 269, erhält
von ihr die Gabe, sich in eine Ameise oder Taube zu verwandeln,
und holt den Edelstein aus dem Kopf einer Schlange). Alcover 2,
219 'Es fig des pescador' (Löwe, Hund, Falke, Ameise). — Baskisch:
Vinson p. 84 'Malbrouc' (Wolf, Hund, Habicht, Ameise. A1) =
Webster p. 80. Cerquand 4, 62. 67. 72. — Griechisch: Hahn
nr. 64 'Der starke Hans' (Leben des Zauberers, der des Helden Frau
entführt hat, in einer zehnköpfigen Schlange; keine Tiere) und die
Varianten 2, 260 und 275. — Albanesisch aus Sicilien: Pitre,
Cartelli 1913 p. 429 nr. 11 'L'uccisione dell'orco' (drei Feen). — •
Rumänisch: S^äinenu p. 666 'Tipulü Dalila'. — Slovenisch:
Nar. pripov. Sosk. 3, 41 nr. 4 'Der Deserteur' = Gabrscek S. 339
nr. 44 (Adler, Bär, Hund, Ameise). — Serbokroatisch:
Zbornik jslav. 17, 167 = Leskien S. 177 nr. 39 'Der Schwieger-
sohn aus der Fremde'. — Bulgarisch: §apkarev 8 — 9,
374 nr. 227 (Ameise, Löwe, Adler). 9, 400 nr. 243 (neun
Herzen im Eber, darunter das des Unholds). — Slovakisch:
Rimauski S. 36 =» Dobsinsky 5, 51 =» Wenzig S. 182
'Das Sonnenroß' (Kampf zweier Zauberer; keine Tierverwandlung).
Dobsinsky 7, 75 (Löwe, Windhund, Rabe). Nemcovä, Slov. 2, 61
438 197. Die Kristallkogel.
(Löwe, Windhund, Rabe). — Cechisch aus Böhmen: Pfihoda
nr. 1 (Löwe, Krähe, Maus). Aus Mähren: Kulda 3, 217 (Löwe, Hund,
Adler). 4, 34 (Löwe, Fuchs, Adler; vgl. Archiv f. slav. Phil. 19,
241). 4, 87 (Löwe, Windhund, Habicht, Ameise). Pfikryl S. 311
(Löwe, Windhund, Habicht, Ameise ; Drache, Hase, Taube, Korn). —
Polnisch: Ciszewski, Krakowiacy 1, nr. 49 (Archiv 17, 573). Kol-
berg, Lud 3, 133 nr. 9. Malinowski 2, 193 (Löwe, Hund, Ameise,
Adler). — Kleinrussisch: Öubinskij 2, 178. 248. Chodzko p. 205
'L'esprit des steppes'. — Weißrussisch: Glihski 1, 90 = Erben
104. Romanov 3, 72 nr. 8. 6, 2. 122. 144. 222. 226. 343. — Groß-
russisch: Deduskiny progulki 1819 S. 13 = Afanasjev3 1, 229 =
Dietrich S. 15 nr. 2 Won der höchst wunderbaren und herrlichen
selbstspielenden Harfe' = Vogl 1 ; metrisch bei Gaudy, Sämtliche
Werke 1844 16, 50 'Die selbstspielende Harfe'. Afanasjev3 1, 217
nr. 93 — v. Löwis S. 160 nr. 29 'Der unsterbliche Koschtschej' =
Ralston p. 100 = Curtin, Myths of the Russians p. 106. Afanasjev 1,
245 nr. 97 'Der Kristallberg' (ohne hilfreiche Tiere). 2, 158. Sadov-
nikov p. 199 nr. 61. Oncukov S. 267 nr. 107. Zap. Krasnojarsk. 1,
85 nr. 43. — Litauisch: Kartowicz S. 96 nr. 66 (unter dem Bett
des Vaters der Prinzessin steht die Kiste mit Hasen, Ente, Ei).
Dowojna Sylwestrowicz 1, 313. 2, 355 (Löwe, Windhund, Falke,
Ameise). — Finnisch: Krohn-Lilius 2, 255. Suomi 2, 8, 240.
263. 2, 14, 52. 2, 16, 218. Aarnes Register nr. 302. — Ungarisch:
Rona-Sklarek 2, 226 nr. 22 'Cserneki' (keine Tiere). Busk, Folklore
of Rome p. 167 (Iatvan und der Zwergenkönig). Klimo p. 136
'L'arbre merveilleux' = Revue des trad. pop. 12, 472. — Zigeune-
risch: Wlislocki, Volksdichtungen S. 274 nr. 40 (Wolf, Bär, Fuchs).
— Armenisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 260 nr. 38 (dankbare
Krähen und Greife; Seele in einer Blase im Kopf eines Hirsches).
Macler p. 18 nr. 1. — Kürinisch: Sbornik Kavkaz. 14, 2, 208
(Wolf). — Mingrelisch: Mourier p. 56 — Wardrop p. 118
'Geria the poor man's son' (keine Tierverwandlung). — S artisch:
Ostroumov 2, 86 (Herz in einer Taube im zehnten der vergrabenen
Koffer). — Tatarisch: Radioff 3, 597 'Säipül Mälik' (erweckt
S. 661 die gefangene Jungfrau, indem er die Zaubertafel weg-
nimmt wie oben 2, 198 bei Musäus, und tötet S. 671 den
Zauberer, dessen Leben in einer Taube in einem ins Meer ver-
senkten Kasten liegt). 6, 131 'Säipül Mülük' (Taube im Kasten).
4, 81 'Kara Kököl' (befreit seine vom Zauberer gefangene
197. Die Kristallkugel. 439
Schwägerin, ohne von seiner Verwandlungskunst in Tiere Ge-
branch zu machen; dazu Motive aus dem Brüdermärchen nr. 60);
vgl. 4, 502 'Chosha Sultan' (gewinnt durch dankbare Tiere das
steinerne Herz seiner erzürnten Geliebten wieder; oben 2, 340).1)
Schiefner. Heldensagen der Minussinsehen Tataren 1859 S. 175. 364.
XXV. — Indisch: Leitner, Languages of Dardistan 3, 8 (Cosquin 1,
174. Seele im Schnee). Stokes p. 260 nr. 11 'Brave Hiralalbasa' (keine
dankbaren Tiere ; Leben im Vogel). Steel-Temple p. 59. Bompas
p. 224 nr. 73. O'Connor p. 103 nr. 16 'The prince and the
ogre's Castle' (der Held erfährt von der gefangenen Prinzessin,
wie er den Unhold enthaupten und den Knaben, in dem
sein Leben verborgen ist, erstechen kann ; dann belebt er die
Mensehen, deren Herzen der Unhold gefressen hat). — Arabisch:
1001 Nacht übers, von Henning 13, 59 'Seif el-Mulük und Badiat
el-Dschamäl' (S. 102 die Seele des Dschinni im Sperling in einer ins
Meer versenkten Büchse, durch den Ring Salomos heraufgeholt) ;
vgl. Chauvin 7, 64, der persische, türkische, tatarische, indische und
malaiische Übersetzungen anführt. In einer andern Geschichte
derselben Sammlung (Habicht 12, 189; vgl. Chauvin 5, 175 'Benazir')
entdeckt die gefangene Prinzessin aus den Zauberbüchern, daß das
Leben des Dämons an seinen Säbel geknüpft ist, und tötet ihn
selber. — Mauritius: Baissac p. 358 'Corps-sans-äme et Colle-des-
coeurs' (Peur-de-rien erhält vom Löwen und Papagei die Verwand-
lungsgabe und bemächtigt sich des im Ei enthaltenen Lebens des
Zauberers, der seine Gattin entführt hat). — Sudan: Monteil p. 150
'Les trois insatiables' (der König stirbt, als der Held ihm sagt, sein
Leben sei in dem und dem Kästchen verborgen). — Kabylisch:
Puviere p. 187 'Moh'amed ben Soltan' (der Unhold offenbart dem
Helden selber, daß sein Schicksal in einem Ei stecke).
Die Vorstellung von der außerhalb des Leibes in einem Ei
(doch auch in einem Kästchen, Edelstein, Halsband, Schwert, in
x) Im großrussischen Märchen bei Afanasjev3 2, 91 nr. 128a muß
der Held die verborgene Liebe der Schwan Jungfrau ebenso aus Eiche,
Koffer, Hase, Ente, Ei holen; als die Schöne das Ei verzehrt, entbrennt
sie in Liebe zu dem Jüngling. Ahnlich ebd. 2, 156 nr. 150 b (Erosch-
prinzessin. Stier, Ente, Ei; es helfen Bär, Habicht, Hecht). Zap.
Krasnojarsk. 2, 200 nr. 48. Weißrussisch: Federowski 2, 213 nr. 199.
440 197. Die Kristallkugel.
einer Biene, einem Vogel, Fisch, Baum) verborgenen Seele,1)
die den Besitzer gegen Hieb und Stich unüberwindlich macht,
begegnet uns schon im altägyptischen Brüdermärchen (oben 3, 33.
Zs. f. dt. Mythologie 4, 232. Wiedemann, Altägyptische Sagen 1906
S. 58. Maspero, Contes pop. de l'Egypte ancienne 1889 p. 5. Flinders
Petrie, Egyptian tales 2, 36). Hier erfährt der König durch das
Weib des Bata-u, daß dieser sein Herz in der Spitze der Akazien-
blüte versteckt hat, und läßt den Baum umhauen ; aber Anepu, der
ältere Bruder des Getöteten, legt das Herz in Wasser, da lebt Bata-u
wieder auf. An die Einschachtelung in mehrere Tierleiber
erinnert die Einschachtelung des Zauberbuches in sechs Kisten im
ägyptischen Märchen von Setna (Wiedemann S. 125. Maspero p. 177).
Verwandt ist die Verknüpfung eines Menschenlebens mit einem
bestimmten Baume (Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 45. 2, 23)
oder mit einem dem Feuer entrissenen Holzscheite, wie in der
griechischen Sage von Meleager, den seine Mutter tötet, indem sie
das Scheit verbrennt (Röscher, Mytholog. Lexikon 2, 2, 2591. Rhein.
*) In dem oben S. 432 angeführten siebenbürgischen Märchen
Haltrichs nr. 34 enthält das Ei ein brennendes Lebenslicht (vgl. oben
1, 388); im slovinzisclien bei Lorentz, Texte S. 93 nr. 93 muß der Held
das Feuer im Entenei auslöschen; im arabischen bei Desparmet, Blida
1, 363 mehrere Kerzen. — Das Leben steckt in einem Edelstein (Busk,
Borne p. 165. Jülg, Siddhi-Kür S. 110 nr. 12. Steinchen im Schwert,
albanisch: Truhelka 1, 62), Messer (karatschaisch : Sbornik Kavkaz. 21,
2, 76 nr. 10), in der Säule (Knowles, Kashmir p. 134), in einer Biene
(Knowles p. 383), im Fisch (Grundtvig, Folkesev. 1, 36 = Leo 1, 45.
Ossetisch: Sbornik Daskov 1, 136 nr. 4), in einer zwölfköpfigen Schlange
(Castren, Ethnolog. Vorlesungen über die altaischen Völker S. 228), in
einem Vogel (serbokroatisch: Bosanska Vila 9, 300. 1894. Vuk S. 8 =
Ostojic S. 177. Desparmet, Blida 1, 363), im dreibeinigen Pferde oder
in der lahmen Ziege (Bos. Vila 6, 124. 12, 332), im goldenen Widder
oder Hasen (mongolisch: Bennigsen S. 85. 94) usw. — Im magyarischen
Märchen bei Erdelyi 3, nr. 4 = Jones-Kropf p. 205 = Klimo p. 248 sind
zwei Käfer in der Taube eingeschachtelt; der schwarze ist die Kraft
der Hexe, der leuchtende ihr Leben. Im burjatischen (Balagan. Sbornik
S. 56) hat ein Held sogar drei Seelen, die eine in einer Elster, die
zweite in einem Tempel, wo dreizehn Wachteln sitzen, die dritte im
weißen Steine im See, worauf ein silberner Hase sitzt; die Seelen eines
andern Helden stecken in drei Fischen in einer Grube im Tempel, in
einem Hunde und einem Hasen. Im altaischen Märchen bei Castren,
Vorlesungen S. 173 hängen die Brüder, bevor sie sich schlafen legen,
ihre Herzen auf einen Baum.
197. Die Kristallkugel. 441
Museum 49, 57. 310. Kauffmann, Balder S. 164). Das Leben des
Riesen steckt in einem neueren indischen Märchen (Indian Antiquary
22, 249 'The prince and the Kambals') in drei Palmen, in einem
mongolischen (ßennigsen S. 84) in einer Pappel. In den 101 nuits
p. 124 'Histoire d'etoile de lumiere' kann der Ifrit nur durch ein
Schwert aus Bambusholz getödtet werden. In der persischen
Heldensage (Firdusi übersetzt von Schack 1865 S. 423) führt der
Wundervogel Simurg den Helden Rüstern zu einer fernen Ulme, an
die das Leben seines Feindes Isfendiar gebunden ist, und unter-
weist ihn :
— 'Brich nun sogleich
Von diesem Banm den längsten, stärksten Zweig!
Geheftet ist an ihn Isfendiars Leben
Und so der Feind in deine Hand gegeben.
Im Feuer mußt du härten diesen Ast,
Zwei Eisenspitzen sei'n ihm angepaßt
Und an den Schaft drei Federn festgeheftet,
Dann ist Isfendiar wider dich entkräftet.'
Wenn hier der Gegenstand, in welchem Isfendiars Leben ruht, als
Waffe gegen ihn gekehrt wird,1) so kann man damit mehrere der
l) Frazer und Kauffmann ziehen die isländische Gestaltung der
vielnmstrittenen Balder- Sage hierher, nach der Loki von Frigg erfährt,
daß dem Balder nichts schaden könne außer dem Mistelzweige, dem sie
nicht wie allen andern Dingen einen Eid abgenommen habe, ihrem Lieb-
linge kein Leid zuzufügen. Loki macht darauf aus dem Mistelzweige
einen Pfeil, den der blinde Höder auf Balder abschießt (Gylfaginning
c. 49; Snorra Edda 1, 172. Gering, Edda S. 343). Beide Gelehrte ver-
muten nämlich, daß ursprünglich in dem Mistelzweige Balders Seele ver-
borgen war, während F. v. d. Leyen (Das Märchen in den Göttersagen
der Edda 1899 S. 22. Deutsches Sagenbuch 1, 119. 1909) gleich andern
in dem Mistelzweige einen mißverstandenen Schwertnamen Mistelteinn
erblickt, da in der dänischen Fassung bei Saxo Grammaticus (Buch 3
p. 70 ed. Holder = Herrmanns Übersetzung 1, 89. Olrik, Kilderne til
Sakses Oldhistorie 1, 13) Balder nur durch Mimings Schwert fallen
kann; mitgewirkt habe der Märchenzug von dem übersehenen Gegen-
stand, der dem Helden verderblich wird, wie die Spindel dem Dorn-
röschen (oben 1, 440), der Besen hinter der Tür der schönen Angiola
(Gonzenbach nr. 53j, der vergessene Hahn dem bauenden Teufel (Wenzig
S. 176). — Minder einleuchtend erscheint v. d. Leyens Ansicht (Sagen-
buch 1, 50), die auch C. W. v. Sydow (Danske Studier 1914, 113 =
Folkminnen och Folktankar 1, 113) vertritt, daß das Märchen vom Riesen
ohne Seele der Hymiskvipa (Gering, Edda S. 28) zugrunde liege; denn
442 197. Die Kristallkugel.
oben erwähnten Fassungen (dänisch, schwedisch, lothringisch, italienisch,
slovenisch, cechisch, litauisch) vergleichen, in denen der Held das
Lebensei auf dem Kopfe des Unholds zerschlägt; doch mag auch die
Überlegung mitgewirkt haben, daß es für einen Helden geziemender
sei, seinem Feinde einen Streich aufs Haupt zu versetzen, als ihn
aus der Ferne durch Zerdrücken seines Herzens zu töten.1) In
Zigeunermärchen (Wlislocki, Volksdichtungen S. 203. 277) wird das
Lebensei ins Wasser oder Feuer geworfen, wie sonst auch das
Schwert, in dem das Leben des Helden steckt (bulgarisch Sbornik
min. 6, 3, 171; Sprostranov S. 19; armenisch Macler p. 37; indisch
Steel-Temple p. 63 = Cosquin 1, 25 ; Parker 1, 164). Der slovakische
Held dagegen trinkt das Ei aus, um dadurch die Kraft des
Zauberers zu erhalten, während dieser schwach wie ein Kind wird
(Rimauski S. 36 = Dobsinsky 5, 51; ähnlich Rimauski S. 19 — Dob-
sinsky 6, 50 = Nemcovä Slov. ed. Tille 1, 208), oder er verzehrt zu
gleichem Zwecke das Herz des Täuberichs (Sbornik mus. slov. spol.
18, 85). In einer Erzählung der Armenier in der Bukowina (Wlislocki
1891 S. 7 = Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 2, 26) stirbt der goldene
Vogel, der des Riesen Leben enthält, als der Held aus seinem
Brunnen trinkt; in einem Blaubartmärchen der Zigeuner (Wlislocki,
Volksdichtungen S. 335) stirbt der Zauberer, als er von seiner Lebens-
kröte ißt, die ihm seine dritte Frau gebraten vorsetzt, statt sie zu
füttern
Das Motiv gelangt noch in andern Verbindungen zur Ver-
wendung. So kommt in einer dänischen Sage bei Thiele 1, 8
Hymir, an dessen Stirn Thor den Becher des Riesen zerschmettert,
verliert zwar auf diese Weise seinen geliebten Becher, bleibt aber selber
am Leben.
*) In einem Florentiner Märchen (Imbriani, Novellaja fior.3 p. 9 =
Monnier p. 362) läßt sich die geraubte Jungfrau vom Orco dessen Lebensei
zeigen und schlägt ihn auf die Hand, daß das Ei hinfällt und zerbricht.
Bei Pineau, Contes du Poitou p. 88 stirbt das Untier, als ihm ein
Spinnenei [!] auf den Kopf fällt. Eine weitere Entstellung ist es, wenn
in deutschen Märchen bei Curtze, Waldeck S. 129 'Die sieben Prin-
zessinnen und der Zauberer'; Pröhle, KVM. S. 24 'Der Mann ohne Leib';
Wolf, DHM. S. 96 'Der graue Wackenstein' durch das Zerbrechen des
Eies ein verwünschter Prinz oder eine Jungfrau erlöst wird. Bei
Asbjörnsen-Moe, Nord. VM. 2, 153 wird die Prinzessin erlöst, wenn der
Held ein Sandkorn findet, das unter der neunten Zunge des neunten
Drachen liegt.
198. Jungfrau Maleen. 443
während des Zweikampfes zwischen dem Christenkönig und dem
Heidenkönig eine mit einer Goldkette geschmückte weiße Hin de
gesprungen ; die Christenkrieger erschießen sie, da sinkt der Heiden-
könig tot nieder. In einer siamesischen Erzählung (Bastian, Die
Völker des östlichen Asiens 4, 340. 1868) vermag Eama seinen
Gegner, den König Thossakan, nicht zu verwunden, da dieser seine
Seele einem Einsiedler in Verwahrung gegeben hat; erst als sein
Begleiter Hanuman Thossakans Gestalt annimmt und das Kästchen
dem Einsiedler abfordert und zerdrückt, endet des Zauberers Leben.
Dagegen ist in dem malaiischen Gedichte 'Sjair Bidasari' (Verhande-
lingen van het Bataviaasch Genootschap van Wetenschapen 19, 1.
1843; vgl. G. A. Wilken, Verspreide Geschriften 3, 296. 559) das
Leben der unschuldig verfolgten Heldin in einen goldenen Fisch
gebannt; solange ihre Widersacherin diesen am Halse trägt, sinkt
Bidasari in totenähnliche Starrheit (ebenso wie Prinz Dalim bei
Day, Folk-tales of Bengal p. 6. 8); wird der Fisch aber in Wasser
gelegt, so lebt sie auf wie im altägyptischen Brüdermärchen ; vgl.
oben 1, 460 'Princess Aubergine'. In dem von Kläsi (Der malaiische
Eeineke Fuchs 1912 S. 107) verdeutschten malaiischen Tiermärchen
verlockt der listige Zwerghirsch den Affenkönig, in ein Wespen-
nest zu schlagen, weil darin die Seele seines Feindes verborgen sei.
198. Jungfrau Maleen. im s. m
1850 nr. 198. — Aus Meldorf, nach Müllenhoffs Sagen von
Schleswig-Holstein 1845 S. 391 nr. 5. Vgl. Hamann, Die literarischen
Vorlagen 1906 S. 105. — Maleen, Marlene ist abgekürzt aus Maria
Magdalena. Der Schlußreim 'Kling klang kloria, wer sitt in diesen
Thoria' usw. gehört einem Kinderspiele von der vermauerten
Königstochter an: Böhme, Deutsches Kinderlied 1897 S. 457 — 464;
De Cock en Teirlinck. Kinderspel in Zuid-Nederland 1, 160; Van
Duyse, Het oude nederl. Lied nr. 402 ; Kristensen, Börnerim S. 292.
634; vgl. Lewalter, Kinderlied in Kassel 1914 S. 330 und 417 zu
nr. 242.
444 198. Jungfrau Maleen.
Dieses durch Gehalt und Vollständigkeit ausgezeichnete
Märchen,1) welches die so oft (oben 1, 85. 100. 2, 277. 3, 85) vor-
kommende Erkennung der wahren Braut schön darstellt, ist im
skandinavischen Norden heimisch und auf deutschem Boden nur noch
in einer zweiten holsteinischen Fassung bei Wisser, Grotmoder
2, 11 «= Plattdt. Vm. S. 206 'De Könisdochter in'n Keller' = Die
Heimat 12, 236 (Kiel 1902) nachgewiesen. Auch hier wird (A) die
Königstochter, die ihrem Verlobten treu bleiben will, von dem er-
grimmten Vater samt ihrer Dienerin in einem unterirdischen Gemach3)
verschlossen ; (B) als die beiden nach sieben Jahren nichts mehr zu
essen haben und auch die im Keller wachsenden Nesseln verzehrt
sind, schlüpft die Prinzessin durch die morsch gewordene Tür hinaus,
nachdem ihre Dienerin durch die davor gelagerten Löwen zerrissen
worden ist, und findet ihres Vaters Burg niedergebrannt und öde.
(C) Im Schlosse ihres einstigen Verlobten nimmt sie unerkannt als
Küchenmagd Dienst an und wird von dessen Braut, welche in Kinds-
nöten ist, gezwungen, in ihrem Kleid an der Seite des Prinzen zur
Trauung zu gehen. (D) Wie sie in der ersten Passung auf dem
Kirchgange durch Anreden an den Nesselbusch, die Brücke und
Kirchtür und durch Erwähnung des Namens Maleen des Prinzen Er-
innerung weckt, so spricht sie hier am Keller vorüberschreitend :
Nettel, Nettel grön,
Wat steihs du hier so schön !
Wie oft hab ich dich ungesalzt
Und ungeschmalzt gegessen!
Vor dem abgebrannten Schlosse ihres Vaters:
Hier liegen die schneeweißen Palken
Von meines Vaters Hausbalken.
Und weiterhin :
Hier stehen die schönen Linden,
Die ich gepflanzet hab mit meinem goldnen Ringe.
*) Vgl. darüber Arfert, Das Motiv von der unterschobenen Braut
(Rostock 1897) S. 34—37. Ein Pappenspiel 'Jungfrau Maleen' bei F. Roeber,
Marionetten 1885 S. 257— 28ß; eine Ballade vom Brennesselbusch bei
B. v. Münchhausen, Das Herz im Harnisch 1911 S. 12; M. Maeterlinck,
Princesse Maleine 1889.
a) Ebenso war in Müllenhoffs Vorlage nicht von einem hohen
Turme, sondern von einem unterirdischen Gewölbe die Rede.
198. Jungfrau Maleen. 445
(E) Aus der Kirche zurückgekehrt, gibt sie der Braut ihr Kleid zu-
rück ; als abends der Prinz diese nach den unterwegs gesprochenen
Worten fragt, muß sie jedesmal hinausgehen und sich bei der Magd
Bescheid holen. Als er aber die Halskette1) sehen will, die er ihr
umgelegt und deren Schlüssel er bei sich behalten hat, kommt die
Wahrheit an den Tag. (F) Er verstößt die falsche und behält die
ihm angetraute Braut.
Die zahlreichen dänischen Fassungen2) versetzen durchweg
die Heldin in einen Erdhügel,3) aus dem sie sich nach sieben Jahren
herausgräbt, und bezeichnen als den Grund, aus dem die Braut beim
Kirchgange eine Stellvertreterin wählt, gleich der zweiten holsteini-
schen Aufzeichnung ihre Schwangerschaft,4) nicht wie die Müllen-
hoffsche Variante ihre Häßlichkeit. Nur Eintkongs Tochter Usmatone
(Skattegraveren 9, 185) wagt die Kirche nicht zu betreten, weil sie
eine Hexe ist, bei Grundtvig 2, 157 fürchtet die Braut sich das
x) Eine Halskette oder einen Gürtel legt der Prinz auch in den
dänischen Fassungen seiner Braut um; bei Grundtvig 2, 24. 157 und
Kristensen, Aev. 1, 72 aber führt die Erkennung der Heldin ein Hand-
schuh herbei, den sie in der Kirche vom Prinzen erhält und nur in seine
eigne Hand zurückgeben darf.
2) Grundtvigs hsl. Register nr. 48 'Prinsessen i jordhulen'. Grundt-
vig, Minder 2, 25 'Guldtserning' ; vgl. Cox, Cinderella p. 228 und 495
'Bosenröd'. Grundtvig 2, 157 'Prindsessen pä oen' = Ströbe 1, 14 nr. 3.
Molbech4 S. 62 nr. 22 'Pigen i maseskindspelsen', vgl. Cox, Cinderella
p. 328. Berntsen 1, 187 nr. 23 'Hyldekong og Binkong'. Kamp, Folkeaev.
1, 34 nr. 3 'Kongedatteren i hojen'. Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 62
nr. 8 'Prinsessen i hojen'. 1, 68 nr. 9 'Karl Finkelfaders dotter'.
Kristensen, Danske folkeeev. nr. 37 'Prinsessen i hojen'. Kristensen, Fra
Mindebo S. 36 nr. 7 'Prinsessen i hojen'. Skattegraveren 9, 185 'Prin-
sessen i hulen'.
3) Nur bei Grundtvig, Minder 2, 157 wird sie in einem Schloß auf
einer Insel untergebracht. Hier entbrennt ein Krieg um ihretwillen,
weil ihr Vater die Werbung des englischen Prinzen zurückgewiesen hat.
Ähnlich 'Prinsesse Trsetröje' bei Cox p. 239 nr. 282.
4) Bei Kamp 1, 45 ruft der Kuckuck dem Brautpaare zu:
Prinsessen, den onde Kvinde,
Sidder i Stalden inde,
Feder hun der saa lidet et Kind
Og lsegger det under Krybbestenen ind.
Ähnlich bei Hylten-Cavallius S. 270. 275 und Janson. Eine Nachtigall
warnt bei Grundtvig, DgF. 5, 312 zu nr. 274 den Bräutigam, wie oben
1, 167 eine Taube oder ein Hund.
446 198. Jungfrau Maleen.
Pferd Blank zu reiten, und bei Molbech plant sie die Flucht mit
einem andern Jüngling, in den sie sich verliebt hat. Mehrfach hat
die Königstochter wie bei Wisser künstliche Webearbeiten auszu-
führen, welche die Braut für ihr eignes Werk ausgibt, so bei Grundtvig
2, 157 und bei Kamp 1, 34, wo Henriks Braut Lavrette die Stief-
schwester der Heldin Sandine ist. Bei Kristensen nr. 8 spricht die
Heldin, die an Jungfrau Malfreds Statt zur Trauung reiten soll, zu
dem Happen, in dem sie ein Roß ihres Vaters wiedererkennt:
Blak, buk for mig!
Min Fader liar saa tit lagt Sadlen paa dig.1)
Vor dem Hügel gedenkt sie des Wolfes,2) der eine Öffnung darein
gekratzt hat, und des Kohlenbrenners, bei dem sie zuerst Aufnahme fand :
Syv Aar sad jeg i Skoven her,
Alle Aeventyr glemte jeg der;
Ulv har jeg reden,
Kul har jeg sveden,
Idag staar jeg Brud for min unge Frue.8)
Und vor der Brücke:
Bro, brag, brist ej under mig!
Jeg har saa mange Gange redet over dig.4)
In Kristensens nächster nr. 9 fällt in der Kirche der Blick der
Königstochter auf die neben dem Altar hängenden Bilder ihrer
Eltern, und sie bittet diese, sich umzudrehen :
Vender jer om, I Billeder fin !
Jeg ved, I er kjeer Fader og Moder min.5)
Bei Berntsen 1, 187 sieht sie auf einem Pfahle das Fell ihres
Hundes hängen, den sie einst im Erdhügel in bittrer Hungerqual
verzehrt hatte : 6)
!) Vgl. Grundtvig, Minder 2, 25 und 160. Aberg S. 317. Allardt
S. 192. Bugge-Berge 1, 55.
2) Durch einen Wolf wird Sandine bei Kamp mit ihren sieben
Jungfrauen im Hügel ernährt.
s) Vgl. Hylten - Cavallius S. 270. Aberg S. 317. Cox p. 174.
Janson nr. 3. Bugge-Berge 1, 55.
4) Vgl. Grundtvig 2, 159 und auch 2, 25. Allardt S. 193. Cox p. 174.
5) Ebenso Molbech4 S. 64 und Skattegraveren 9, 185.
6) Wie anderwärts Mäuse und Fledermäuse: Molbech4 S. 64.
Grundtvig 2, 25. 160. Kristensen, Aev. 1, 71. Kristensen, Fra Mindebo S.40.
198. Jungfrau Maleen. 447
Her h senger du Skind
Paa liden 'n Pind.
Kun Himlen ved,
Hvad dermede vi led.
Und zu den krächzenden Raben sagt sie :
Du Ravn, hu hej,
Hvi skriger du saa?
Brüden sidder hjemme og steger en Steg,
Og den skal du faa.1)
Bei Kristensen, Fra Mindebo S. 36 schaut sie auf das in Trümmern
liegende Schloß ihres Vaters Lind :
Her har tilforn veeret drukken haade Mjod og Vin,
Her roder nu baade Hons og Svin.2)
In der schwedischen Variante bei Hylten-Cavallius nr. 16
'Die Prinzessin in der Erdhöhle' — Thorpe S. 236 wird Asa, die in
andern Aufzeichnungen Klara oder Lossamente heißt, durch einen
Wolf, dem sie dafür ihren Hund ausliefern muß, übers Wasser ge-
tragen. Sie vollendet für die Braut das Goldgewebe und wäscht
die Flecken aus dem Handtuche,3) das sie einst selber ihrem Verlobten
als Erinnerungszeichen übergeben hatte. Unter ihren Reimversen,
die zu den dänischen stimmen, ist einer an die Linde gerichtet,
unter der sie mit dem Prinzen die Ringe tauschte:
Star du här, du gamla lind!
Här har jag fästat guld-ringar med aldra kärasten min.
Bondeson, Historiegubbar p. 22 'Prinsässan i jordkulan', vgl. Cox
p. 173. Ericsson, 'Den tillfälliga bruden' (Cox, Folk-lore 18, 198).
*) Deutlicher bei Grtmdtvig 2, 25 :
Der üyver en Ravn saa sort;
Den unge Brud ligger i Ovnsgraven
Og foder en Son, ham skal du have.
Vgl. Aberg S. 317. Allardt S. 193. Skar 6, 14.
2) Ähnlich bei Hylten-Cavallius S. 275:
Här gä nu bade kattor och svin,
Der fordom dracks bade mjöd och vin,
När Fin, far min, lefde.
Vgl. iberg S. 318. Allardt S. 193. Skar 6, 14. Ärnason 2, 322.
3) Auch in skandinavischen und französischen Fassungen des
Löweneckerchens (oben 2, 247 f. 250) vermag nur die rechte Braut die
Talgflecken aus dem Hemd zu waschen.
448 198. Jungfrau Maleen.
P. Säve 'Den nedgravede prinsesse' (Folk-lore 18, 202). Erik Wrangel,
Fröken Snöhwits Tragoedia 1737, Prolog — Hylten-Cavallius 1, 493.
Aberg nr. 249 'Prinsessan, som var sju är i jordkulan'; nr. 215 'Prin-
sessan i jordkulan'. Allardt nr. 148 'Om hönspigan, som blef kungens
gemal'. Hackman, Register nr.870. — Norwegisch bezeugt durch den
Pastor Herman Rüge in Valders (1706 — 1764; vgl. N. M. Petersen,
Den danske literaturs historie 5, 1, 134. 1870), welcher die Worte
der Königstochter als 'alten norwegischen Spruch' anführt:
Syv Aar jeg in Jord-Hougen sat,
Viser og Eventyr jeg forgadt.
Janson nr. 3 'Kongsdotteri i haugen' = Löland S. 284, vgl. Cox
p. 267. Der letzte Reim lautet:
Statt still no Grind
So fager og fin!
Deg byde Kong Finn,
Som var Fader min.
Skar 6, 12 'Gjenta i jordhola'. Bugge-Berge 1, 51 'Finnkongjens
dotter'. — Ein isländisches Märchen, von dem Arnason drei
Fassungen mitteilt (2, 320 = Rittershaus S. 113 'Die rechte Braut' ;
2, 315 = Poestion nr. 1 'Fertram und Isol die lichte'; 2, 321 Anm.),
ist in ziemlich äußerlicher Weise mit der Tristansage1) verknüpft.
Hier wird die blonde Isöl nicht vom Vater aus Besorgnis vor dem
Ausgange des gefährlichen Krieges in einer Erdhöhle geborgen,
sondern wird (wie in unsrer nr. 89 und 135) von ihrer Stiefmutter
nebst ihren zwei Dienerinnen in eine tiefe Grube gestoßen. Sie
entrinnt aber glücklich und kehrt unerkannt als Magd unter dem
Namen Nsefrakolla an den Hof zurück, wo ihr Jugendgespiele und
Verlobter Tistram, der von der argen Königin einen Vergessenheits-
trank erhalten hat, mit ihrer Stiefschwester, der schwarzen Isota,
Hochzeit halten soll. Da diese aber eben heimlich ein Kind geboren
hat, muß statt ihrer Nsefrakolla in bräutlichem Schmuck mit Tistram
in den Wald reiten. Sie grüßt in Reimversen3) die Trümmer des
*) Über die Entwicklung der 1226 nach Norwegen gedrungenen
Tristansage vgl. Golther, Zs. f. französ. Sprache 22, 1, G. Paris,
Poemes et legendes du moyen-äge 1900 S. 113 und A. Olrik, Danmarks
gamle folkeviser 8, 29 nr. 470 'Tistram og Isold'.
2) Die Verse, die sie bei Arnason 2, 317 beim Anlegen der Reit-
ärmel spricht, die früher ihr Eigentum gewesen waren, (Gut passen die
Ärmel für der Eignerin Arme) erscheinen auch im Dänischen bei
Berntsen 1, 190.
198. Jungfrau Maleen. 449
Vaterhauses, den Bach, der ihr Verlöbnis mit Tistram gesehen, und
die Grube, in der ihre beiden Mägde gestorben sind. Als Tistram
abends daheim Isota fragt, was sie unterwegs gesagt habe, und den
Trug entdeckt, ersticht er in der Wut die Braut und deren Mutter
und vermählt sich mit Nsefrakolla.
Ob der Eingang des isländischen Märchens, wie Adeline
Bittershaus glaubt, ursprünglicher ist als der sämtlicher übrigen
skandinavischen und deutschen Fassungen, erscheint zweifelhaft.
Aus der Tristansage sind nur die Namen der drei Hauptpersonen
herübergenommen, aber nichts von der eigentlichen Handlung. Viel-
mehr spiegelt sich die Brangäne-Episode, in der eine treue
Dienerin selbstlos für die Braut, die ihr Magdtum bereits verloren,
eintritt und wieder zurücktritt, genauer wieder in einer andern islän-
dischen Erzählung bei Arnason 2, 424 = Poestion nr. 17 'Märthöll'
= Bittershaus S. 68 'Der Fluch der Patin' und in dem dänischen
Märchen bei Grundtvig, Folkeseventyr 2, 72 nr. 6 'Hindeprinsessen'
= Leo-Strodtmann 2, 95; dort ist die Prinzessin verwünscht, in der
Hochzeitsnacht zu einem Sperling oder Beh zu werden, und ihre
Dienerin tritt an ihre Stelle, bis der Gatte im rechten Augenblicke
die Tierhaut verbrennt oder durch einen Schwerthieb den Zauber
bricht. In andern Dichtungen, die Arfert (Das Motiv der unter-
schobenen Braut 1897 S. 39 — 48) ausführlich besprochen hat, weigert
sich die Dienerin, nach der Hochzeitsnacht der Herrin ihren Platz
wieder einzuräumen, und wird von ihr getötet,1) oder ein wahrsagender
Gegenstand, das Bett, das Schwert oder eine Nachtigall, die der
Bräutigam über die Keuschheit seiner Braut befragt, offenbart ihm
die Unterschiebung der Dienerin.2) So bewegt in einer dänischen
Erzählung bei Kristensen 1, 57 nr. 7 'Bitte Mette', die in der zweiten
Hälfte zu unserm Märchen stimmt, die vornehme Braut das Schäfer -
mädchen Mette, in ihrem Gewände zur Hochzeit zu gehen, weil sie
befürchtet, von dem wahrsagenden Steine vor des Prinzen Tür der
Unkeuschheit geziehen zu werden, wie es vordem schon drei vom
*) B. Köhler 2, 393. Euling, Studien über Heinrich Kaufringer
1900 S. 87. Chauvin, Bibl. arabe 5, 217.
2) Grundtvig, DgF. 5, 1, 304 nr. 274 'Brud ikke Mö'; 5, 1, 321 nr. 276
'Ingelilles Bryllup'; auch 8, 235 nr. 480 'Terkel Trundesen'. Geijer-
Afzelius2 nr. 33 'Biddar Olle'. Cbild, English and scottisb pop. ballads 1,
nr. 5 'Gil Brenton'. — Über andre Prüfmittel der Keuschheit vgl. "Wetzel,
Söhne Giaffers 1895 S. 216.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 29
450 199. Der Stiefel von Büffelleder.
Prinzen erkorenen und verstoßenen Bräuten ergangen ist. Ebenso
das Gänsemädchen Aase im norwegischen Märchen bei Asbjörnsen-
Moe nr. 29 — Bresemann 1, 208 = Dasent 1859 p. 478 und die Magd
im großrussischen Märchen aus dem Gouv. Samara bei Sadovnikov
nr. 66. Dagegen scheint die ungedruckte f i n n i s c h e Erzählung von
der Prinzessin in der Erdhöhle (Aarnes Register nr. 870) der voll-
ständigen skandinavischen Überlieferung zu entsprechen.
Der Eingang unsres Märchens von der im Erdhügel ver-
borgenen Königstochter ist, wie A. Olrik (Zs. f. Volksk. 2,
367. Kilderne til Sakses Oldhistorie 2, 247) gezeigt hat, ein altes
nordisches Sagenmotiv. Nach Saxo Grammaticus B. 7 S. 351M. ver-
steckte der norwegische König Regnald, als der schwedische See-
räuber Gunnar sein Land verheerte, seine einzige Tochter Drott mit
Dienern und Speise in einer unterirdischen Höhle ; er wurde aber
im Kampfe von Gunnar erschlagen, der nach der Prinzessin suchte,
sie in der Höhle auffand und zu seinem Weibe machte. In einer
dänischen Volkssage (Thiele, Danmarks Folkesagn 1, 8 'De trende
Jomfruers Grav'. Welcker, Zoegas Leben 1, 211. 1819) werden die
drei versteckten Königstöchter durch das Bellen ihres Hündchens
den wilden Kämpen, die ihren Vater erschlagen, verraten, erstechen
sich aber, um jenen nicht in die Hände zu fallen.1)
1856 s. 262. 199. Der Stiefel von Büffelleder.
1850 nr. 199. — Aus Schlesien, nach Friedmund v. Arnim
1, 22 nr. 4 'Vom Bruder Stiefelschmeer' (1844). Vgl. Hamann, Die
literarischen Vorlagen 1906 S. 104.
Ein abgedankter Soldat trifft im Walde den König, der als
einfacher Jäger gekleidet ist, kehrt mit ihm in einer Räuberherberge
ein und macht durch Unerschrockenkeit und Zauberkunst die Räuber
unschädlich ; in der Stadt gibt sich der König zu erkennen und
x) Anders verwendet die dänische Ballade von König Göreis
Tochter (Grundtvig-Olrik, DgF. 7, 327 nr. 430. W. Grimm, Altdänische
Heldenlieder S. 101) das Erdhügelmotiv: Als Mädchen verkleidet schleicht
sich Graf Hendrik bei ihr ein. Vgl. Hahn, Griech. Märchen nr. 13 (Jüng-
ling als goldenes Lamm) und Jacobs, Celtic f. t. 1, 65 'Deirdne', sowie
Jakobsen, Ftereske folkesagn p. 417 nr. 44. Montanus, Schwankbücher
S. 569. Oben 1, 46.
199. Der Stiefel von Büffelleder. 451
belohnt seinen Retter reichlich. — Minder gut aus dem Odenwalde
bei Wolf, Hausmärchen S. 65 'Die schlechten Kameraden' (der
Schuster gießt den Räubern heißes Öl ins Gesicht und haut sie
nieder). Aus dem Rheinlande bei Simrock nr. 10 'Bruder Stiefel-
schmer' (der Fleischer macht die Räuber betrunken). Aus Nord-
böhmen bei Kirschner, Sagenschatz aus dem Eibtal 1911 S. 43
(Scharfrichter und Teplitzer Syndikus). Aus Norddeutschland
bei Pröhle, M. f. die Jugend nr. 34 'Der Scharfrichter und die
Handwerksburschen' (statt des Königs werden ein Schuster, ein
Schneider und ein Tischler vom Scharfrichter gerettet, der die Räuber
festbannt). Aus Holstein bei Wisser, Grotmoder 2, 75 'De Koni
un de Schinnerknech' — Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 248 (der
Schinder bannt die Räuber fest ; vorher übernachtet er mit dem
alten Fritz bei einem Bauern, der diesen zweimal prügelt, weil er
nicht früh aus dem Bett will).1) Aus der Mark Bran denburg bei
J) So zaust bei Camerarius, Appendix fabularum Aesopicarum 1539
Bl. 18a 'Viatores duo' die Wirtin den vornan im Bett liegenden Hand-
werksbarschen, weil er noch nicht aufgestanden ist, und am nächsten
Morgen den hinten liegenden; es ist aber derselbe wie Tags zuvor, weil
er aus Vorsicht seinen Platz gewechselt hat. Bei Hans Sachs, Fabeln 5,
184 nr. 719 (1551. Dähnhardt, Natursagen 2, 172. Stiefel, Studien zur
vgl. Litgesch. 8, 306) auf den mit Christus wandernden Petrus über-
tragen. Bütner, Claus Narr 1572 Bl. F5a (Petrus und Narr). Sandrub,
Delitiae historicae 1618 nr. 123. Lütolf S. 109. Rochholz, Schweizer-
sagen 2, 312 = Dähnhardt, Schwanke S. 71 nr. 34 = Busch, Dt. Volks-
humor S. 227. Stöbers Alsatia 1851, 30. Stöber, Sagen des Elsasses 1852
S. 221. Hertz, Dt. Sage S. 42. 199. Reinhart, Bassledang 1877 S. 9. Zs. f. dt.
Mythol. 1, 41 (Odenwald). 4, 50 (Gedicht von Petersen). Reiser, Allgäu 1, 354nr. 2.
E. Meier, Vm. aus Schwaben nr. 11. Hörmann, Mytholog. Beiträge 1870
S. 20. Menghin, Aus Wälschtirol 1884 S. 92. Hauffen, Gottschee S. 109.
110. Haltrich, Vm. nr. 19 = Henne am Rhyn S. 429 nr. 689. Müller,
Siebenbürg. Sagen 1885 nr. 225. 229. Panzer 2, 20. Spiegel nr. 19.
Unser Egerland 2, 15. Schönwerth 3, 301. Simrock, Märchen S. 132
nr. 27 = Zs. f. dt. Myth. 2, 13. Kuhn, Westfalen 2, 238 ; vgl. Rochholz
2, 313. Wisser, Grotmoder 2, 75. W. Schwartz, Sagen der Mark Branden-
burg 1886 nr. 98 (Ziethen und der alte Fritz) = Mark. Forschungen
8, 170. Jahn, Vm. aus Pommern 1, 369. Rogasener Familienblatt 1903,
41 (der alte Fritz). Samotschiner Ztg. 1908, Beilage S. 32. Vlämisch : De
Cock-Teirlinck, Brabantsch Sagenboek 2,48 nr. 275; De Mont en de Cock,
Vertelsels p. 150; Wolf, DMS. nr. 30 ; Volkskunde 2, 88. 168; Revue des trad.
pop. 26, 403. Goyert-Wolter S. 61 = Teirlinck p. 25. Isländisch : Ward, Cat. of
romances 1, 856 nr. 46. Französisch: Gittee-Lemoine p. 105; Sebillot,
C. de la Haute-Bretagne 1, 317 nr. 53 = Sebillot, C. des prov. nr. 35;
29*
452 199. Der Stiefel von Büffelleder.
Engelien-Lahn 1, 134 'König und Zaldoet' (Soldat gießt wie bei
Wolf den Räubern heißen Wein und heißes öl ins Gesicht; der
Hauptmann heißt Katusch = Cartouche). Aus Rügen bei Haas
1891 nr. 227 'Die Räuberhöhle' (der Scharfrichter bannt die Räuber
fest; statt des Prinzen ein Schlächter) und 228 'Eine Räuber-
geschichte'.— Holländisch: Volkskunde 17, 103 'Van den soldaat
en den koning' (kochendes Wasser ins Gesicht). — Dänisch:
Grundtvigs hsl. Register nr. 98 'Kongen og matrosen' (bisweilen auf
Friedrich V. oder Ludwig XVIII. übertragen). Kristensen, Aev. fra
Jylland 3, 63 nr. 11 'Soldaten og den forklsedte Konge' (kochendes
Wasser). Kristensen, Bindestuens Saga S 162 'De bundne Rovere'
(vom Scharfrichter festgebannt; statt des Prinzen ein Totengräber).
— Schwedisch: Hackmans Register nr. 952. — Norwegisch:
A. L. Broch, Et ferunderligt Eventyr om Hans Tinddol, hvorledes
han fra ringe Soldat blev Konge over Norge, Sverige og Dan-
mark, Christiania 1834 (Norsk Polkekultur 3, 96. 1917). Skar 6,
52 'Lille Hans'. — Französisch: Cosquin 2, 29 nr. 33 'La
maison de la foret' (der Soldat La Ramee schlägt den ins Fenster
einsteigenden Räubern die Köpfe ab, der König gibt ihm seine
Schwester zur Frau). — Italienisch: Widter-Wolf nr. 7 'Beppo
Pipetta' (Jahrb. f. roman. Lit. 7, 121. R. Köhler 1, 303. Crane
Sebillot, Traditions 1, 306; Luzel, Legendes ehret. 1, 19. 359; Revue celt.
3, 233. Italienisch: A. deNino 4, 71. Portugiesisch: G-iornale di filologia
romanza 4, 192 = Leite de Vasconcellos, Ensaios ethnographicos 4, 255.
Rumänisch: Staufe nr. 18 (Zs. f. dt. Myth. 1, 472). Slovenisch: Archiv
f. slav. Phil. 8, 115 nr. 6. Serbokroatisch: Ljetopis mat. srpske 149, 141
nr. 11. Mikulicic S. 140. Bos. Vila 3 (1888), 12. Cechisch: Nemcovä 4,
98 nr. 63 = Wenzig S. 87. Kubin, Podkrkonosi nr. 166. Slowakisch:
Slov. Pohl'ady 1896 S. 210 nr. 13. Dobsinsky 4, 59. Prochäzka, Kolärov.
drät. S. 66 Polnisch: Öwietek S. 324 nr. 7. Malinowski 2, 59. Mater-
yaly antrop. 3, 151 nr. 16. 11, 26 nr. 24. Mater, kom. jez. 1, 5 nr. 6.
Zaranie slaskie 2, 192. Lad 16, 199. Kleinrussisch: Etnogr. Obozr. 5, 146.
9, 213 = Bulasev S. 152. 168. *Kievs. Star. 1894, 2, 335. Drahomanov
S. 125 nr. 26. S. 129 nr. 27. Cubinskij, Trudy 1, 153. 158. 2, 329 nr. 82
(Poltava). Etnogr. Zbirnyk 2, 9 nr. 7. 3, 65 nr. 28. 9, 93 nr. 50. 30, 33
nr. 26. Jastrebov nr. 4. Verchratskyj S. 137. Weißruseisch; Sejn
2, nr. 216. Dobrovoljskij 1, 307 nr. 6 (Smolensk). Litauisch: Mitt.
d. lit. liter. Ges. 2, 258. Dowojna - Sylwestrowicz 1, 47 (Petrus). Ma-
gyarisch: Sklarek 1, XVIII. Gagausisch: Radioff 10, 17 nr. 5. 5 b. —
Bei Hans Sachs und sonst häufig folgt das wunderbare Au sdreschen
des Korns durch Feuer (Aarnes Register nr. 752).
199. Der Stiefel von Biiffelleder. 453
p. 222. Oben 2, 159). — Serbokroatisch: Bos. Vila 6 (1891), 251.
— Öechisch: Badostov3 S. 13 (Episode). Miksicek S. 166 nr. 22
(Episode). Mensik, Jemnic. S. 151 nr. 48. Tille, Pov. valass. S. 88
nr. 31. Kubin, Pov. kladske 2, 141 nr. 34. — Slovakisch: Koläf
2, 105 nr. 44. Czambel S. 324 nr. 163. — Polnisch: Malinowski
2, 14. Ciszewski S. 290 nr. 241. 242. — Kleinrussisch ausNord-
ungarn: Verchratskyj S. 150. Etnogr. Zbirnyk 3, 191 nr. 28. 29.
Ostgalizien: ebd. 7, 152 nr. 73. Gouv. Podol: Cubinskij 2, 593 nr. 78.
599 nr. 79. Gouv. Poltawa: Etnogr. Zb. 14, 219 nr. 31. — Weiß-
russisch aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1, 381 nr. 24. —
Großrussisch: Afanasjev 2, 298 nr. 197 — Hildebrand 1, 50 nr. 6.
— Finnisch: Aarnes Register nr. 952.
Das Festbannen der Räuber, zu welchem der Scharfrichter
in der rügenschen Fassung sein Schwarzkunstbuch braucht, entspricht
einem verbreiteten Aberglauben. Solche Diebssegen sind auf-
gezeichnet bei J. Grimm, Mythologie 3, 559. Eomanusbüchlein in
Scheibles Kloster 3, 497 (1845). Albertus Magnus, Egyptische
Geheimnisse 20. Auflage 1, 53. R. Köhler 3, 559. Wuttke, Volks-
aberglaube 8 § 241. 642. Zs. f. Volkskunde 1, 188. 5, 297. 22, 299.
Alemannia 2, 127. Zf dMy th. 4, 130. Rochholz, Schweizersagen 1, 78 nr. 64.
Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 274. Kleeberger, Volkskundliches aus
Fischbach 1902 S. 56. 62. Witzschel 2, 290. Köhler, Volksbrauch
im Voigtlande S. 406. Schönwerth 3, 213. A. John, Volksglaube in
Westböhmen S. 300. Mitt. f. sächs. Volkskunde 3, 265 f. 270 (1905).
Drechsler, Sitte in Schlesien 2, 45. Zs. f. rhein. Volksk. 1, 151. 300.
Niedersachsen 4, 112. Strackerjan 2 1, 119. Kuhn, Westfalen 2, 193.
Kuhn-Schwartz S. 448. Müllenhoff nr. 272. Bartsch 2, 335. Jahn,
Balt. Studien 36, 219 = Höfer, Germ. 1, 106. Bl. f. pomm. Vk. 4,
169. Knoop, Hinterpommern S. 170. Frischbier, Hexenspruch 1870
S. 112. Toppen, Masuren S. 58. Eine metrische Überarbeitung
'Maria in den Garten trat' bei Arnim-Brentano, Wunderhorn 1, 75;
vgl. Bode, Vorlagen in des Knaben Wunderhorn 1909 S. 699.
Dänisch: Kristensen, Sagn og overtro fra Jylland 2, 2, 389 (1888-
Jyske folkeminder 9). Öechisch : Grohmann, Aberglauben aus Böhmen
1, 202. — Erzählungen von festgezauberten Dieben bei Endt, Sagen
aus dem Erzgebirge 1909 S. 47. 67. 74. 178. 181. 193. Rank,
Aus dem Böhmerwalde 1843 S. 279. Kühnau, Schlesische Sagen 3,
175. 189. 224. 237. Henne am Rhyn, Volkssage 1879 S. 477. Jeger-
lehner, Unterwallis S. 15. 132. 178: Oberwallis S. 98. — Hilf-
454 199. Der Stiefel von Büffelleder.
reiche Tiere schützen den ins Räuberhaus geratenen Helden:
oben 1, 533. 546.
Ohne Zauberei überwältigt ein im Walde von einem Räuber
überfallener und seiner Waffe beraubter Bursch den Räuber in einer
Anekdote, die der Augsburger Magister Konrad Derrer um 1340
aufgezeichnet hat (Zs. des histor. Vereins f. Schwaben 31, 116 nr. 37
nach dem Clm. 903):
Quedam mulier relicta residebat circa silvam, que dicitur nigra
silva, et habebat filium valde recentem, qui semper transivit silvam can-
tando audacter. Accidit autem, quod sex latrones erant in ista silva, qui
spoliabant omnes transeuntes. Postquam autem transiret, scilicet filius
vidue, dixit unus ad alterum : 'Nolumus illum spoliare?' Tunc dixerunt:
'Ipse est ita recens, ipse interficit nos omnes.' Tunc dixit unus ex eis:
'Ego volo eum spoliare, si vultis michi derelinquere, quid sibi accipio.'
Dixerunt omnes : 'Volumus.' Ille ergo latro accessit eum sine armis et
ivit sicut unus nuncius cum bacillo. Postquam venisset ad eum, tunc
dixit: 'Vultis me dimittere esse comitem vestrum?' Ille dixit: 'Volo'.
Tunc iverunt simul. Tunc dixit latro: 'Vos habetis bona vestimenta.'
Alter dixit: 'Ita.' Tunc dixit latro: 'Vos habetis bonum gladium.' Ille
dixit: 'Ita.' Et evaginavit gladium et dimicavit hinc inde. Tunc dixit
latro: 'Ostendite michi gladium!' Et ostendit sibi. Tunc latro dixit:
'Date michi omnia, que habetis, vel interiicio vos.' Oportebat, quod ille
daret sibi. Postquam autem dedisset sibi, tunc dixit: 'Recepisti michi
modo omnia.' Dixit: 'Sic' Tunc dixit; 'Veni, karissime, amputa michi
manum, ne aliquis dicat, quod sine defensione accepisses michi!' Tunc
dixit ille: 'Vade et teneas tibi manum tuam!' Ille iterum rogavit. Tunc
dixit latro: 'Certe ego facio.' Et posuit sibi manum super unum truncum
et respexit, cum alter percuteret manum. Et alter percussit gladio [?],
quod non poterat acquirere, et alter apprehendit eum et recepit gladium
et amputavit sibi caput, scilicet latroni, et ipse recepit vestimenta sua et
ivit et cantavit sicut prius. Tunc latrones iverunt et dixerunt; 'Vadamus,
videamus, ubi sit socius noster,' et invenerunt eum occisum. Tunc
dixeiunt: 'Ecce dixi, quod interficeret nos omnes.'
Ähnliches erzählt das Theatrum Europaeum 13, 246 (1698) als
eine im Dezember 1687 bei Schöneberg im Mecklenburgischen vor-
gefallene Begebenheit; dort erschlägt der Räuber den Hund des
Metzgers mit seinem bis dahin versteckt gehaltenen Beile; als er
dem Metzger die Hand abhauen will, zieht jener sie schnell weg,
und das Beil bleibt im Stamme stecken. Ferner : Der anmuhtige
Historicus 1702 S. 101. Hilarius Salustius, Melancholini Weeg-
Gefärth 1717 S. 375. Bunker S. 262 nr. 87 'Der Fleischhackerbub'.
200. Der goldene Schlüssel. 455
Simrock, Märchen S. 244 nr. 52. Pröhle, M. f. d. Jugend S. 144 nr. 35.
Niederländisch : Volkskunde 18, 95 nr. 93. Armenisch : Ethnol. Mitt.
aus Ungarn 3, 91. — Bei J. P. de Memel, Lustige Gesellschaft 1660
nr. 244 und 1118 (Anno 1649) bittet der Knecht den Käuber, ihm
ein Loch durch den Hut zu schießen; ebenso Lolivetta, Das
Teutsche Gespenst 1684 S. 62; Manderssen, Joco-seria poetica 1689
nr. 230 = Guarna, Bellum grammaticale 1908 S. *24; Bl. f. pomm.
Volksk. 9, 166. Vlämisch : Joos 3, 109. Koreanisch : Zs. f. Volksk.
22, 78 nr. 45.
200. Der goldene Schlüssel. me s. 202
1815 nr. 70; 1819 nr. 161; 1837 nr. 168; 1840 nr. 178; 1843
nr. 194; 1856 nr. 200. — Von der Marie im Wildschen Hause zu
Kassel, Mai 1813.
Ähnlich aus dem Bernburgischen in dem Deutschen
Sprachbuch von Adolf Gutbier (Augsburg 1853) S. 843 = Firmenich
2, 227 : Hühnchen findet ein Schlüsselchen im Mist, und Hähnchen
findet ein Kästchen. Es wird aufgeschlossen, und es liegt darin ein
kleines, kurzes, rotseidenes Pelzchen. Wäre das Pelzchen länger
gewesen, so wäre auch das Märchen länger geworden. Aus dem
Vogtlande in den Mitteilungen d. V. f. sächs. Volkskunde 6, 156
(1914) 'A guldigs Schlüssele'. Aus Pommern bei Jahn, Schwanke
S. 63 'Das Kästchen'. Aus Posen bei Knoop, Ostmk. Sagen 1, 193
nr. 90 'Die kleine Geschichte'. Gereimt bei Gaudy, Sämtl. Werke
16, 46 'Vom goldenen Schlüssel' (1844). — Niederländisch bei
Dykstra 2, 146 'De gouden sleutel'. — Norwegisch: Asbjörnsen
nr. 91 'Skrinet met det Rare i' (Kalbsschwanz). Bergh 3, 33. —
Schottisch: Campbell2 2, 494 nr. 57 'The tau' = Jacobs, More
celtic f. tales nr. 46. — Portugiesisch: *Coelho, Jogos e rimas
infantis p. 39. — • Serbokroatisch: Krauß 1, 272 nr. 61 'Eine
kurze Mär'. 1, 273 nr. 62 'Die merkwürdige Geschichte'. —
Wendisch: Nawuka S. 79 (Wäre der Flachs länger gewesen, wäre
auch das Märchen länger). S. 112 nr. 28 (Mann und Eule schauen
einander an). — Zigeunerisch: Wlislocki 1886 nr. 63 'Das kurze
456 200. Der goldene Schlüssel.
Märchen' (Kiste) und Volksdichtungen 1890 S. 430 'Das kurze
Märchen' (Hundeschwanz). — Lettisch: Böhm nr. 54a 'Die
Spatzen'.
Über ähnliche Neckmärchen vgl. oben 2, 210. Ein englischer
Kinderreim von den drei klugen Leuten von Gotham, die in einer
Schüssel übers Meer fahren (Halliwell, Nursery rhymes p. 59 nr. 65)
schließt : 'And if the bowl had been stronger, my song would have
been longer'. Ähnlich ebd. p. 65 nr. 76.
201. Der heilige Joseph, im Walde. 457
Kinderlegenden « s .»
(Nr. 201—210).
Die ersten sieben dieser Erzählungen erhielten die Brüder
Grimm aus dem Paderbörnischen durch die Familie v. Haxthausen,
der sie so manches in ihrer Sammlung verdankten. Es sind Märchen,
auf die heilige Geschichte angewendet, die auf ähnliche Weise von
der lebendigen Volksdichtung in manchem einzelnen Glauben fort-
gebildet wird.1)
201. Der heilige Joseph im Walde.
1856 S. 263.
1819 2, 289 nr. 1. Aus dem Paderbörnischen. Danach
vlämisch bei Joos 3, 163 nr. 52 'Van Sint Jozef en de drij
Kindjes'. — Die Erzählung gehört zu dem Märchen von der guten
und bösen Schwester, die nacheinander bei einem überirdischen
Wesen, wie Erau Holle oder den Haulemännlein (oben 1, 226. 99),
2) So glaubt man, jeden Sonnabend scheine einmal die Sonne.
Alle Freitage nämlich geht die Mutter Gottes durch das Fegfeuer, dann
kommen die armen Seelen und küssen den Saum ihres Kleides und
weinen soviel auf den Schlepp desselben, daß er ganz naß wird. Darum
scheint am Sonnabend immer einmal die Sonne, damit er wieder trockne.
(Ähnlich Birlinger, Volkstümliches aus Schwaben 1, 189. Haltrich, Zur
Vk. der Siebenbürger Sachsen 1885 S. 294. 299. Nach französischem
Volksglauben will die Mutter Gottes Sonnabends das Hemdchen für ihr
Kind trocknen : Revue des trad. pop. 17, 340. 18, 101. Sebillot, Folklore
de France 1, 48). — Um die Zeit, wann Maria übers Gebirge geht,
wächst reichlich eine Art kleiner Blumen, die heißen Muttergottes-
p antöff eichen, weil sie damit über das Gebirge geschritten ist; vgl.
Dähnhardt, Natursagen 2, 258. — Gott schaut alle Jahre dreimal
vom Himmel herab; "wen er dann müßig sitzen sieht, der kann auch
müßig sitzen, solange er lebt, er bat doch etwas zu leben und braucht
nicht für den kommenden Tag zu sorgen; wer aber gerade arbeitet, der
muß auch sein Lebtage arbeiten. Darum sagt man : 'Wo einen unser Herr
Gott bei sieht, da läßt er einen auch bei.' (1822).
458 201. Der heilige Joseph im Walde.
in Dienst treten und für ihre Demut und Freundlichkeit Lohn, für
Stolz und Habgier aber Strafe empfangen. Statt der zwei Schwestern
treten hier drei auf.
In einer deutschböhmischen Erzählung von den beiden
Stiefschwestern, die der Student J. Kral aus Solisbad [Solislau?] bei
Mies den Brüdern Grimm mitteilte, wie er sie von seiner Amme
gehört, muß zuerst die böse Schwester aus dem Elternhause und
folgt dem rollenden Kuchen ins Waldhaus, wo ein Männlein der
Erlösung harrt : 1)
Es war einmal ein Witwer, der hatte eine Tochter; er heiratete
eine Witwe, die hatte auch eine Tochter. Diese zwei Töchter konnten
sich nun nicht gut miteinander vertragen ; denn die Tochter des Mannes
war sehr gutherzig, die Tochter von der Frau war aber sehr bösartig.
Da nun sehr oft Streitereien vorfielen, so befahl der Mann dem Weibe,
daß sie ihre Tochter wohin in Dienst schicken sollte. Da nun kein Wider-
reden half, so nahm sie ein sehr schönes Mehl, Eier, Butter usw. und
buk ihrer Tochter einen Kuchen. Mit diesem machte sich nun das
Mädchen auf den Weg und ging fort, bis sie auf einen Hügel kam, wo
sie nicht wußte, wohin sie sich begeben sollte. Sie kam auf den Einfall,
ihren Kuchen fortrollen zu lassen und ihm nachzugehen. Gedacht, getan.
Sie ließ den Kuchen laufen und ging ihm bis zu einem kleinen Häuschen
nach, wo er stehen blieb. Ohne sich lange zu besinnen, ging sie hinein,
um ein Nachtlager zu begehren. Doch da sie hineinkam, fand sie nie-
manden darin als einen Hund und eine Katze. Sie dachte: Vielleicht
wird doch jemand kommen, und setzte sich, um ihren Kuchen zu ver-
zehren. Kaum brach sie ihn auseinander, als sich ihr der Hund
schmeichelnd näherte und sie um ein Stückchen bat. Zornig stieß sie ihn
aber mit dem Fuße weg, indem sie sagte: 'Dergleichen Sachen gehören
nicht für einen Hund.' Eben dies widerfuhr der bittenden Katze. Als
die Nacht einbrach und noch niemand kam, sah sie sich ängstlich um
und erblickte in der Ecke ein Bett. Gleich fragte sie den Hund und die
Katze, ob sie sich wohl hineinlegen könnte. Diese aber antworteten ihr,
daß sie selbst gegessen, folglich sich selbst raten könne. Nach langem
*) Ähnlich raten im oberfränkischen Märchen bei Spiegel nr. 12 die
dankbaren Tiere dem Mädchen, das Mann lein Spannenlang zu küssen
und so zu erlösen. In der deutsch-böhmischen Fassung bei Laube 1902
S. 106 = Haller S. 126 verwandelt sich das Männlein Spannenlang aber
nicht in einen Jüngling; vgl. Arnim S. 19 und Firmenich 2, 224 (oben
1, 212), die slowakische Erzählung oben 1, 218, sowie oben S. 423 'Oll
Binkrank'. — Der rollende Kuchen z. B. bei Spiegel nr. 1 'Die Gold-
tür und die Bechtür' und cechisch oben 1, 217.
201. Der heilige Joseph, im "Walde. 459
Hin- und Herzweifeln legte sie sich doch in das Bett. Kaum aher hatte
sie sich niedergelegt, so hörte sie ein großes Gepolter an der Türe und
eine dumpfe Stimme, welche ihr befahl, aufzumachen. Da sie sich aber
immer mehr in das Kissen einhüllte, so sprang die Türe auf; ein Faß
wälzte sich hinein, aus diesem kroch ein kleines dickes Männchen hervor,
sprang auf das Bett zu und zerriß sie entzwei.
Als nun ein Jahr vergangen war und die Tochter nicht kam, so
brachte es die Mutter dahin, daß auch der Mann seine Tochter hinweg-
schicken mußte. Nachdem sie ihr aus "Wasser und dem schwärzesten
Mehl einen Kuchen gemacht, ging die Arme mit Tränen in den Augen
fort. Auch sie kam auf den Hügel, beschloß ihrem Kuchen zu folgen
und gelangte so zu der nämlichen Hütte, wo sie auch den Hund und die
Katze wieder antraf. Als sie ihren Kuchen verzehrte, so gab sie jedem
ein Stück, ohne darum gebeten zu werden, und bedauerte nur, daß sie
nichts Besseres geben konnte. Nun legte sie sich auf Anraten der Tiere
in das Bett und schlief ein. Nach einer Weile hörte sie ein Gepolter
und eine Stimme, welche ihr aufzumachen befahl. Auf Anraten der Tiere
machte sie auf. Als nun das kleine Männchen aus dem Fasse kroch,
befahl es ihr, ihn auszukleiden und zu sich ins Bette zu nehmen. Alles
dies tat sie auf den Bat der Tiere. Als sie aber früh erwachte, erblickte
sie statt des kleinen Männchens einen schönen Jüngling, von dem sie
erfuhr, daß er ein verwunschener Prinz war und sie ihn durch ihre Gut-
mütigkeit erlöst hätte. Die Tiere hatten sich in Hausbediente, das
Häuschen aber in ein Schloß verwandelt. Sie ließ ihre Eltern holen,
ward mit dem Prinzen getraut und lebte bis an ihr Ende sehr vergnügt.
Zu dem oben 1, 212 f. angeführten Märchen von den beiden
Schachteln, die ein gutes Schwesterchen und ein böses Brüderlein
von einem Bettler erhalten, (Zingerle 1, 1. 2, 39. Haller S. 36 'Lohn
und Strafe'. Kuhn-Schwartz S. 335 nr. 9 ; auch vlämisch und
norwegisch) sei hier noch eine kurze Fassung von J. Grimms Hand
aus dem Nachlasse nachgetragen, betitelt 'Der gute und böse Geist' :
Brüderchen und Schwesterchen gehen zusammen in den Wald, da
begegnet ihnen ein alter Mann und bittet um ein Stückchen Brot. Der
Bruder gibt nichts, aber die Schwester. Dafür erhält jener eine schwarze,
diese eine weiße Schachtel geschenkt, sollen sie aber nur in verschlossener
Kammer aufmachen. In der schwarzen befindet sich ein Teufelchen, in
der weißen ein Engelchen, die springen heraus.
460 202. Die zwölf Apostel. 203. Die Rose.
i85o s. 263. 202. Die zwölf Apostel.
1819 2, 293 nr. 2. Aus dem Paderbörnischen. — Ver-
wandt mit den Sagen von den sieben Schläfern (J. Koch, Die Sieben-
schläferlegende 1883. M. Huber, Die Wanderlegende von den
Siebenschläfern 1910) und von den in Bergen schlafenden Helden,
die erst zu der bestimmten Zeit wieder erwachen, wie die drei Teile
bei Grimm, DS.2 nr. 298. J. Grimm, Myth.3 S. 903. Rohde,
Psyche2 1, 123. Hartland, Science of folktales p. 170. 207. A. van
Gennep, Formation des legendes 1910 p. 194. Mitt. der schles. Ges. f.
Vk. 6, 47. Huber, Siebenschläfer S. 390 (bergentrückte Helden).
Die böhmische Sage von den Rittern im Blanik ist nach E. Kraus
(Narodop. Vestnik ceskoslov. 12, 113) aus hussitischer Tradition in
der Zeit der Gegenreformation entstanden. Drahomanov, Rozvidky
2, 95. Kuzelja, Uhorskyj korolj Matvij Korvin (Zap. tov im. Sev-
cenka 70, 86). Veselovskij, Zumal min. narod. prosv. 1875 179, 97.
Weryho, Spiacy rycerze (Wisla 3, 845).
1856 S. 264.
203. Die Rose.
1819 2, 294 nr. 3. Aus dem Paderbörnischen. — Danach
das Gedicht 'Dei Räuse' in westfälischer Mundart bei Firmenich 1,
351 und P. van Duyse, Het Klaverblad 1848 S. 52 'De Roozeknop'.
— Die weiße Rose wird auch sonst als das Vorbild des Todes,
ihr Aufblühen als das Eröffnen des ewigen Lebens betrachtet; vgl.
Grimm, D. Myth.3 S. 786. 919. Bechstein, Sagenschatz des Thüringer-
landes 1838 4, 221 nr. 39 'De wiß Jaumpfer offer Wallfaihrt'. Grimm,
DS.2 nr. 264. 265 'Rebundus im Dom zu Lübeck'. Kühnau 3, 502
nr. 1904. 1905. Studien zur vgl. Litgesch. 6, 413 f. N. Hocker, Die
Stammsagen der Hohenzollern und Weifen 1857 S. 33.
204. Armut und Demut. 205. Gottes Speise. 461
204. Armut und Demut führen zum Himmel, lsse s. »>
1819 2, 295 nr. 4. Aus dem Paderbörnischen. — Die
Erzählung von dem geduldigen, unter der Treppe liegenden Aschen-
sohn, der sich die ewige Freude des Himmels erwirbt, ist nach der
Legende des h. Alexius gebildet. Vgl. Acta Sanctorum Julii 4,
238; Gesta Romanorum c. 105 ed. Oesterley; H. von Hoffmannsthal,
Prosaische Schriften 1, 25 ; Konrad von Würzburg, Alexius hsg. von
Henczynski 1898; Millien, Litt, orale du Nivernais 1, 41 (1906);
Magnanelli, Canti narrativi religiosi 1, 15 (1909); Archivio 20, 292;
Blau, Germania 33, 181 ; Amiaud, La legende syriaque de Saint
Alexis 1889; Zs. f. Volkskunde 19, 363 (armenisch). 23, 313 (serbo-
kroatisch); Toldo, Studien zur vgl. Litgesch. 2, 93.
Sieben Jahre lang zieht auch im südfranzösischen Märchen
(Revue des 1. rom. 31, 586) ein Mädchen zur Buße in der Ferne
umher und stirbt hier zuletzt unerkannt im väterlichen Hause ; vgl.
die Ballade von des Markgrafen Töchterlein (Erk-Böhme, Liederhort
nr. 182 c. e).
Über die aus dem Grabe des lange verkannten Frommen auf-
blühende Lilie vgl. Blümml, Studien zur vgl. Litgesch. 6, 412.
426. 7, 161. J. Meier, Volksliedstudien 1917 S. 147.
205. Gottes Speise. isse s. %*.
1819 2,297 nr. 5. Aus dem Paderbörnischen. — Erinnert
an das Lied von der reichen und der armen Schwester in Holland:
'Ach wer will hören singen' (J. Koler, Hundert christenliche Hauß-
gesenge 1, nr. 5. 1569 — Erk-Böhme, Liederhort 1, 622 nr. 209 e).
Zwo newe Zeytunge, Nürnberg 1587 (Berlin Ye 4761). Jüngere
Fassungen nennen z. T. andere Orte: Erk-Böhme 1, 619 nr. 209a — 209f;
Scherer, Jungbrunnen nr. 130; Rosegger, Ausgewählte Schriften 4,
373 (1882) ; Wolfram, Nassauische Volkslieder nr. 41 ; Amft, Volks-
lieder der Grafschaft Glatz nr. 36 ; Parisius nr. 13 (Jsb. des altmärk.
V. f. Gesch. 19, 155); Blätter f. pommersche Volkskunde 4, 122;
Adamek, Netzegau 1913 nr. 31 ; Frischbier, 100 ostpreuß. Volkslieder
1893 nr. 28. Wolgakolonien 1914 nr. 46. — Niederländisch:
462 205. Gottes Speise.
Bols, 100 oude vlaamsche Liederen 1897 nr. 54 == F. van Duyse,
Het oude nederlandsche Lied 3, 2618 nr. 677; vgl. Blyau en Tasseel,
Iepersch oud liedboek 1902 nr. 39 'Van de bakkersvrouwe'. P. van
Duyse, Het klaverblad 1848 S. 75 'De twee zusters'. — Dänisch:
Kristensen, Gamle jyske Folkeviser 2 (1876), S. 30 nr. 18 ; Kristensen,
Gamle Viser i Folkemunde 4 (1891), S. 189 nr. 70; Skattegraveren
4,226. 6, 179. — Schwedisch: Hazelius, Ur de nordiska Folkens
Lif 1882 S. 126. 152. — Spanisch: F. Wolf, Beiträge zur span.
Volkspoesie 1859 S. 15 = Sitzgsb. der Wiener Akad. 31, 143 'Ko-
mance del pan de Dios' (das Brot blutet). — Polnisch: Gorczynski,
Das Brot (Nitschmann, Der polnische Parnaß 1875 S. 296).
Ähnliche Prosaberichte1) finden sich bei Fincelius, Wunder-
zeichen 3, Bl. Hjb (1567); Hondorff, Promptuarium exemplorum 1570
1, 343 a (geschehen 1557 zu Leia in Holland) = 1598 2, 261b;
W. Bütner, Epitome historiarum 1576 Bl. 384 a = 1596 Bl. 304 b;
M. Hammer, Historischer Eosengarten 1654 S. 113; M. Zeiler, Hand-
buch von allerlei nützlichen Sachen 1655 S. 27 (Danzig) ; G. v. Fürst,
Curieuse Eeisen 1739 S. 88 (steinernes Brot in Leiden aufbewahrt);
Grimm, DS.2 nr. 241 'Brot zu Stein geworden' ; E. Meier, Sagen aus
Schwaben 1852 1, 319 nr. 39 'Der steinerne Brotlaib'; Franzisci,
Märchen aus Kärnten 1884 S. 62 'Das blutende Brot' ; Münsterische
Geschichten 1825 S. 169. 249; vgl. Bahlmann, Münsterländische
Märchen 1898 S. 124. 184; Schell, Bergische Sagen S. 9; Hüllenhoff,
Sagen S. 145 nr. 199 'Das versteinerte Brot'; Das Land 3, 123. 188
(1895). — Niederländisch: Wolf, Mederld. Sagen nr. 158 (Gent)
= Goyert-Wolter S. 86; Wolf nr. 362 (Dokkum), 363 (Leiden); De
Cock en Teirlinck, Brabantsch Sagenboek 2, 276 nr. 492 ; Dykstra
1, 29 (Bonifatius). — Dänisch: Thiele, Danmarks Folkesagn 2, 310
'Forstenet Brod'. Kamp, Folkeminder S. 171 nr. 59. Eevue des
trad. pop. 7, 594 nr. 32. — Französisch: Annuaire des trad. pop.
1887, 21 = Sebillot, Folklore de France 1, 308. — Cechisch:
Hrase, Povidky 2, 115. Sbornik Bozena Nemcova S. 242 (Teller,
Sagen der Herrschaft Nachod. 1839). — Tatarisch aus Gouv. Jeli-
savetpol: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 303 nr. 4 (Erbsen).
*) Brot, das den Bettlern vorenthalten worden, wird zu Schlangen
und Kröten, oben S. 1681. Erbsen werden zu Stein bei Wolf, Hessische
Sagen 1853 nr. 230, Linsen bei Graber, Sagen aus Kärnten 1914 nr. 345.
Der h. Peregrinus (Acta Sanctorum Januarii 3, 758) verwandelt das Brot
der hartherzigen Frau in Stein. Vgl. Luzel, Gwerziou Breiz-Izel 1, 81.
206. Die drei grünen Zweige. 463
Wie die arme Mutter hier von ihren drei verstorbenen Kindern
sagt, Gott habe sie gesättigt, so wird unten S. 474 der Tod
des frommen Knaben als eine Ladung zum Tische Gottes bezeichnet.
Dagegen leitet eine sächsische Ortssage bei Grässe, Sagenschatz des
Königreichs Sachsen2 2, 6 nr. 606 den Namen des Dorfes Gottes-
speise bei Zwickau davon ab, daß ein im Schneegestöber verirrter
Knabe nach drei Tagen unversehrt aufgefunden wurde; ein Engel
hatte ihn mit Käse und Brot gespeist.
206. Die drei grünen Zweige. lsse s. 264.
1819 2,298 nr. 6. Aus dem Paderbörnischen. — Illustriert
von C. Alf auf dem Münchner Bilderbogen nr. 894. — Ähnlich
französisch bei Luzel, Legendes ehret. 1, 204 'Le brigand sauve
avant Termite' (der Stab des Räubers bekommt eher Blätter als der
des Waldbruders) und verblaßt ebd. 1, 209 'L'ermite et le vieux
brigand'. Serbokroatisch: Stankov Kukic, Srps. nar. umotvor.
S. 103. Kl ein russisch aus Galizien : Etnogr. Zbirnyk 13, 141
nr. 333. 334.
Während hier das Hauptgewicht auf die strenge Buße fällt,
die dem Einsiedler für ein einziges hartherziges Wort1) auferlegt
wird und die auch die wilden Räuber erschüttert, tritt in andern
Legenden die Bekehrung des sündenbeladenen Räubers in den
Vordergrund. Jakob von Vitry (Exempla ed. Crane 1890 nr. 72)
erzählt von einem Räuber, der einem Einsiedler seine Mordtaten
beichtete, aber keine andre Buße auf sich nehmen wollte als vor jedem
Kreuz am Wege kniend ein Vaterunser zu beten. Wie der Räuber
die Zelle verließ, sah er Verwandte eines von ihm Erschlagenen auf
sich zuschreiten ; er floh, hielt aber vor dem nächsten Kruzifix an,
um sein Gelübde zu erfüllen, und ward von den Verfolgern erschlagen.
Da gewahrte der Einsiedler, wie Engel seine Seele zum Himmel
trugen, und murrte über die dem Sünder erwiesene Gnade Gottes;
er beschloß ins Weltleben zurückzukehren, aber der Teufel legte ihm
J) Ähnlich wird ein frommes Mädchen für eine selbstgerechte
Äußerung bestraft: Melusine 1, 300 'Christic' ; Revue des 1. rom. 31, 586
'Cecüe'; Webster, Basque legends p. 209 'The saintly orphan girl'.
464 206. Die drei grünen Zweige.
ein Hindernis in den Weg, daß er fiel und den Hals brach, und
seine Seele fuhr zur Hölle. Ebenso bei Herolt, Sermones 1495
49, R und im Promptuarium exemplorum M, nr. 25 ; Klapper, Er-
zählungen des Mittelalters 1914 nr. 117 'De penitentia s. de cruce' ;
Odo de Ceritona (Cat. of romances in the British museum 2, 60 nr. 12) ;
Caesarius von Heisterbach, Libri VIII miraculorum 1901 S. 214 nr. 1
'De poenitentia imposita' ; Etienne de Bourbon, Anecdotes historiques
ed. Lecoy de la Marche nr. 26 ; danach Magnum speculum exem-
plorum 1610 p. 809 (Poenitentia nr. 10; aus Nicolaus Dünckelspühel).
Meon, Nouveau recueil de fabliaux 1823 2, 202 'De Termite qui se
desespera pour le larron qui ala en paradis avant que lui, ou du
larron qui se converti' (aus Vie des anciens peres; s. Jahrbuch f
roman. Lit. 7, 417 nr. 28). Eior de virtü historiato, Trento o. J. (um
1700. Berlin Np 1608) Bl. 35b 'Dell' incostanza esempio' (nella
Vita de'santi padri) ; danach Hans Vintler, Pluemen der Tugent ed.
Zingerle 1874 v. 4862 'Von der unstät'. In einem mittelenglischen
Gedichte 'The eremyte and the outlawe' (ed. Kaluza, Engl. Studien
14, 165; vgl. ebd. 16, 434 und Kittredge, ebd. 19, 177) sind Eäuber
und Einsiedler Brüder. An einem Karfreitag geht der Räuber zur
Kirche und beichtet einem Vikar, weist aber alle Bußwerke zurück,
bis ihn der Geistliche fragt, was ihm am meisten zuwider sei.
'Wassertrinken', antwortet er. 'So trink heut keinen Tropfen Wasser!
Dann absolviere ich dich'.1) Nachdem der Eäuber dies gelobt, über-
fällt ihn auf dem Heimwege ft.^uterlicher Durst. Drei Mädchen mit
Wasserkannen begegnen ihm und wollen ihn laben ; er aber bleibt
standhaft, zieht endlich sein Messer, sticht sich in den Arm und
schlürft das hervorströmende Blut, bis er erschöpft und betend ver-
scheidet. Der Eremit sieht seines Bruders Seele durch Engel davon-
tragen und murrt wider Gott; aber ein Engel belehrt ihn, und er
bestattet im Verein mit dem Vikar den Leib des Toten.
*) So fragt bei Jakob von Vitry nr. 284 der Beichtiger eine Frau,
welche Speise ihr am meisten zuwider sei, und verordnet, als sie Zwiebeln
nennt, daß sie sich dieser eo Ehalte. Ebenso bei Etienne de Bourbon
nr. 166, Pauli, Schimpf und Ernst nr. 317, Schmeller, Bayerns Mund-
arten 1821 S. 497. — Im Fablel 'Le Chevalier au barizel' (Barbazan-Meon
1, 208. Hertz, Spielmannsbuch 1900 S. 218) wird die leichte Aufgabe,
ein Fäßlein mit Wasser zu füllen, für den Raubritter ein mühevolles
Bußwerk.
206. Die drei grünen Zweige. 465
Neuere Volksmärchen verbinden mit dieser Legende ein weiteres
Motiv, die Erlösung eines vom Vater dem Teufel verschrie-
benen Knaben.1) Wir unterscheiden folgende Teile:
A. Ein Knabe, der vor seiner Geburt vom Vater dem Teufel
verschrieben worden war, wandert zu diesem hin. — B. Ein Ein-
siedler, den er nach dem Weg zur Hölle fragt, weist ihn an den
Räuber, seinen Bruder. — C. Der Räuber führt ihn zur Hölle. —
I)1. Dort erhält der Knabe die Verschreibung zurück und (D2) sieht
das für den Räuber bereitete feurige Bett oder den Stuhl. — E1. Der
Räuber tut darauf Buße und stirbt selig; (E2) sein Stab treibt Blüten
und Früchte. — F1. Der Einsiedler wundert sich, fügt sich aber in
Gottes Ratschluß, oder (F2) lästert ihn und verfällt der Verdammnis.
Häufig wird der Name des Räubers genannt: Matthes, englisch
Mathew, polnisch Madej (Amadeus), Abraham, slovakisch Mataj,
Matüs, Hamadej, weißrussisch Mazeusz, Juda, dänisch Midian, litauisch
Dimijan, deutsch und wendisch Barabas, Hütl, wendisch Lipskuljan,
kleinrussisch Prokop, großrussisch Räch, kaschubisch Robin, Remiasz,
litauisch Remiasz, Judoszius, Mikodemas, Andrejus, cechisch Lokes,
Dobiäs, Benes, Setnik (Hauptmann), Zahof, serbokroatisch Ignjat,
Matias, Beno, schwedisch Karl, dänisch Cyprianus, magyarisch
Stephan und Pilinko, kroatisch Petar Rauber, gagausisch Peter
Sodom. — Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Was die Sennen er-
zählen S. 216 'Des großen Mörders Bekehrung' (ABCD'EF2) =
Jegerlehner, Sagen aus Oberwallis S. 45 'Der große Mörder' (P1) =
Bächtold S. 89. Elsaß: Stöber, Elsässische Neujahrsblätter 1846,
230 'Vom Söhnlein, das seinen Vater erlöste' (AD'E1,2. Statt des
Räubers erscheint der verstorbene Vater, der ein Bäumchen mit
seinen Tränen begießen muß). Baden: Baader 1851 nr. 301 'Kind
dem Teufel verschrieben' (A B C D1 • 2 E1 P2) — Simrock, Der gute
Gerhard 1856 S. 38. Schwaben: Meier, Volksmärchen nr. 16
LDer Räuber Matthes' (A, Maria beschreibt den Weg zur Hölle,
CD1,2 E1, nach zwölf Jahren absolviert der Knabe, der Priester ge-
worden, den Räuber: der Einsiedler fehlt). Baj^ern: Sepp, Sagen-
schatz 1876 S. 591 nr. 162 'Tannhäusersage' (E1-2). Schönwerth 3,
35 'Der Gang nach der Hölle' (AÜD^E*-2; Hütl). Steiermark:
Rosegger, Volksleben in Steiermark 1888 S. 535 (ABCD1-^1!12;
der Knabe zerschneidet den Räuber) = Rosegger, Ausgewählte
J) Vgl. dazu oben 1, 21. 302. 2, 329. 3, 107; auch 1, 98. 490.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 3Q
466 206. Die drei grünen Zweige.
Schriften 1882 4, 407. Kärnten: Carinthia 1865, 402 'Der dem
Teufel Verschriebene' (AB CD1'2E1*2F2; der Knabe heilt des
Räubers Sohn mit einer Salbe, die er vom dritten Einsiedler erhalten)
= Franzisci, Sagen 2, 19. He anzisch: Bunker nr. 83 'Der Räuber-
hauptmann und der Einsiedler' (E1-2F2). Siebenbürgen: Haltrich
nr.29 'Des Teufels Hilfe' (ACD^E1; entstellt) und nr. 31 'Die Er-
lösung' (CD1-2E1-2). Lothringen: Peters, Aus Lothringen S. 167
'Der Teufelsbanner' (A B C D1"2 E1 F2; der Teufelsbanner läßt sich
vom Knaben in 857 Stücke schneiden). Schlesien: Schlesische
Provinzialblätter n. F. 4, 26 nr. 4 (A C D1' 2 E1 • 2; Madejas Keule wird
ein Apfelbaum, der Knabe wird Bischof und absolviert ihn). Przi-
billa S. 81 'Vom Madeja-Bette' (A C D1 • 2 E1 • 2. Madeja kniet unterm
Apfelbaum, bis der Knabe als Bischof wiederkehrt). Hannover:
Schambach-Müller S. 320 nr. 32 'Wer wird selig?' (ACE^2. Ent-
stellt; die Mutter verspricht den Sohn dem Teufel, der Räuber läßt
sich zerschneiden, ein Pastor lästert). Harz: Pröhle, M. f. d. Jugend
nr. 63 'Barrabas' (AD1-2E1-2) und S. 235 (A B C D1' 2E' F2). Pom-
mern: Jahn, Vm. 1, 336 nr. 61 'Der schwarze Frosch' (A C D1-2 E1 ■ 2).
Asmus-Knoop S. 90 'Der gerettete Mörder (ACD1-2E1-2; dazu die
dem Wanderer aufgetragenen Fragen, oben 1, 282). Posen: Knoop,
Posener Märchen, Progr. 1909 S. 3 nr. 1 'Der Vertrag mit dem Teufel'
(ACD1'2E1-2). Aus dem Posener Lande 2, 60 (1907) 'Die Keule
des Madej'. *Posener Heimatkunde 3, nr. 8. — Dänisch: Grundt-
vig, Minder 2, 61 'Haltefanden og Studenten' (A C D1 ■ 2 E1 ■ 2. Midians
Bett) — Grundtvig, Folkeaeventyr 3, 174 'Haltefanden'. Grundtvigs
hsl. Register nr. 58' 'Frelse fra den onde'. Skattegraveren 4, 103
'Cypri bisp' (Per, der nachts auf dem Kreuzweg dem verkappten
Teufel in der Meinung, es sei seine Geliebte Stine, Treue gelobt
hat, erhält vom Zauberer Cypri bisp d. i. Cyprianus einen Brief an
den Höllenfürsten; Cypri läßt sich von ihm mit Dornen zu Tode
peitschen. CD1-2E1). — Schwedisch: Aberg nr. 114 'Karl Röf-
vares sang' (ACD1,2E1F2. Kind von der Mutter dem Teufel ver-
sprochen, der Räuber läßt sich totpeitschen, über seine Errettung
ärgert sich eine fromme Frau). — Irisch: Folk-lore Journal 2, 34
'The gentleman traveller' (der Held verschreibt sich dem Teufel, der
ihm als schöne Jungfrau erscheint, und wird vom Papst an den
Priester gewiesen, von diesem an den Kartenspieler Mathew ; B C
D1,aE1F1; Mathew läßt sich verbrennen). In einer schottischen Sage
(Grimm, Irische Elfenmärchen S.XXXV=W. Grimm, Kl. Schriften 1,424
206. Die drei grünen Zweige. 467
nach W. Grant Stewart, Populär superstitions of the Highlanders 1823) ge-
wahrt der von dem Zauberer Michael Scott in die Hölle Gesandte dort
das für Michael bestimmte Marterbett. Kennedy, Fireside stories p. 126.
— Französisch: Luzel, 5e rapport (Archives des missions seien -
tifiques 3. Serie 1. 37. 1873) 'Le pere qui vendit son fils au diable'.
Luzel, Leg. ehret. 1, 175 'L'enfant voue au diable et le brigand qui
se fait ermite' (A B C D1 ■ 2 E1 F2. Räuber läßt sich kreuzigen). 1, 187
'Le brigand et son frere Termite' (Pächter holt die Quittung vom
verstorbenen Herren aus der Hölle. BCD1-2E1F2. Räuber zerhackt
und verbrannt). 1, 267 'Le marquis de Tromelin, qui vendit son fils
au diable et alla dans l'enfer retirer le titre de vente' (der Vater,
durch eine in die Brust eingenähte Hostie geschützt, geht statt des
Sohnes zur Hölle. A B C D1 ■ 2 E1 F1. Räuber läßt sich zerfleischen).
Jegerlehner, Sagen aus dem Unterwallis S. 86 'Le deux Crierins'
(ACD^F2). — Rumänisch: Schott S. 165 nr. 15 'Der Versöh-
nungsbaum' (ACD^E1-2). — Slovenisch: Krek S. 62 nr. 26
(A D1 • 2 E1 • 2). Kres 5, 302 (1885. A D1 • 2 E1 • 2). Nar. pripov. Soskih
plan. 1, 17 nr. 2 — Gabrscek S. 21 nr. 2 (entstellt; anstatt des
Räubers büßt Lucifer auf Schwertern kniend; seitdem ist die Hölle
ohne Herrscher). Saselj, Bisernice 1, 226 nr. 7 (AD1,8E1,2). —
Serbokroatisch: Preindlsberger-Mrazovic S. 1 (AD1-2E1,2, ein-
gestreut eine Vampirgeschichte). Krauß, TSM. 1, 64 nr. 18. Miku-
licic S. 116 nr. 21 (AB CD1-2; der Räuber pilgert kniend nach
Rom) = Krasic 2, 28 nr. 13; vgl. Wisla 5, 54. Strohal 1,75 nr. 11
(AB.D1**E1-*F1). 2, 51 nr. 19 (Petar Rauber; AD^'E1'3).
M. Stojanovic, Pucke pripov. S. 35 nr. 6 (Beno. A D1 " 2 E1 ■ 2). Corovie
S. 19 = Bogdanovi6 S. 148 nr. 19. Risti6 - Loncarski S. 8 nr. 2.
Zbornik jslav. 10, 193. 19, 52 nr. 7 (A D1 ■ 2 E1 ■ 2). 21, 140 nr. 3
(A D1 • 2 E1 2). Danica 10, 478 nr. 17 (1869). Rovinskij, Öernogorija
2,2, 567 (der hl. Demetrius). StankovKukic S. 103. — Bulgarisch:
Sbornik min. 8, 191. — Wendisch: Haupt-Schmaler, Volkslieder 2,
176 nr. 15 'Lipskulijans Bette' (ACD1,2E'-2) — Haupt, Sagen-
buch 2, 217 nr. 318. Schxilenburg, Volkssagen S. 60 'Der Räuber'
(Barabas. CD2E1,2). Schulenburg, Volkstum S. 13 'Lipskuljans
Bette'. Nawuka S. 95 nr. 21 (AD1<2E1-2). — Öechisch: Slavia 2,
56 nr. 16. 1878 (A B ; der Räuber zwingt den Teufel selber, dem
jungen Priester die Verschreibung zurückzugeben, beichtet dann
und stirbt selig ; der Einsiedler lästert und wird nicht mehr vom
Engel gespeist); vgl. Wisla 3, 107. Väclavek, Poh. a pov. Val. 3,
30*
468 206. Die drei grünen Zweige.
25 (A D1 • a E1 • a). Närodopisny Vestnik 2, 133 (AD1-2 E1 • 2). Öes.
Lid 5, 55 nr. 1 (ADll2E1>2). Aus Mähren: Kulda 3, 171 nr. 24
(A B C D1 • 2 E1 • 2). Kulda 3, 47 nr. 4 (andre Einleitung. D1 ■ 2 E1 ■ 2).
Kulda, Mor. nar. poh. 2, 203 nr. 117 (A D1 • 2 E1 • 2). Väclavek, Poh. a
pov. Val. 3, 25 (A D1 • 2 El • 2). Vaclavek, Val. poh. a pov. S. 84
(A D1 • 2 E1 • 2). Hs. Peck nr. 46. Pfikryl, Zah. Krön. S. 213 (A BD1-2
E1 • 2). Aus der Grafschaft Glatz : Kubin, 2, 258 nr. 86 (Bruchstück. E2j.
K.J.Erbens Gedicht Zähof ovo loze.— Slovakisch:Cod.Eev.CS.69— 72
= Prostonar. Zabav. 4, 295 (A C D1 • 2 E1 • 2) = Prostonar Zabav. 5, 12.
Cod. Tis. C S. 11—17 --= Sbornik Mat. slov. 2, 139 (AD1-2E1-2j =
Dobsinsky 2, 12 (Mataj). Prochazka, Kolär. draten. S. 72 (AD1-2
E1 • 2). Sbornik mus. slov. spol. 18, 10 nr. 46 (A D1 ■ 2 E1 . 2j. Slov.
Pohl'ady 21, 596 (AD1>2E1-2). Bei Czambel S. 419 ist 'Hamadejs
Bett' in ein Märchen von einer verwünschten Prinzessin eingeschaltet.
— Polnisch: Woycicki p. 105 = Woycicki-Lewestam S. 74
'Madey' = Kletke, Märchensaal 2, 111 = Naake p. 220. Haupt-
Schmaler, Volkslieder der Wenden 2, 315 'Das Bett des Madaj'.
Poplinski, Wybör prozy i poezyi polskiej 1853 S. 139 (Toppen,
Aberglauben aus Masuren 1867 S. 1232). Hess. Blätter f. Volksk. 4,
71 'Der Vertrag' (ACD1-2E1-2. Madaj). Malinowski 2, 3 (AD1-2
E1-2); 2, 97 (ACD1-2E1-2); 2, 176 (AD1-2E1-2j. Ciszewski,
Krakowiacy S. 67 nr. 60 (AD*-2E1-2); S. 69 nr. 61; S. 71
nr. 62 (desgl.). Zbiör 11. 106 = Ciszewski, Lud rolniczo-
görniczy S. 256 nr. 15 (A D1 • 2 E1 ■ 2). Kolberg, Lud 8, 122 nr. 49
(Madej A E2 ; der junge Priester hört des Räubers Beichte, wandert
in die Hölle und kehrt erst nach 40 Jahren zurück). 14, 197 nr. 45
(AD1-2E1-2; aus Posen). 14, 201 nr. 46 (AD1-2E1-2; aus Posen).
Karlowicz, Wisla 2, 804. 3,103 (AD1.»!1.1; aus Lublin und Gouv.
Plock). 300. 602. 5, 43. 46 (D2). Mater, antropol. 10, 246 nr. 22
(A D1 • 2 E1 • 2). Sprawozdania Korn. je.z. 5, 91 (A D1 ■ 2 E1 ■ 2). Polaczek,
Wies Kudawa S. 247 (entstellt. Der vom Herrn in die Hölle ge-
schickte Knecht begegnet einem, der nach Madejs Bett fragt).
St. Zdziarski, Ludowosc w poezyi pols. (Lud 10, 389) : Gedicht von
A. Czajkowski ; andre literarische Bearbeitungen bespricht Karlowicz,
Wisla 3, 104. — Kaschubisch: Hilferding S.| 90 und 134
(Remiasz). Lorentz, Teksty S. 420 nr. 537 (AD1.2 E1-2). 451 nr. 577
(Bruchstück. E1,2). 594 nr. 731 (desgl.) — Kleinrussisch:
Kolberg, Pokucie 4, 145 nr. 26 (A Dl • * E1 • »> Wisla 3, 302. Aus
Galizien: Etnogr. Zbirnyk 13, 143 nr. 335 (eine Ledertasche, in der
206. Die drei grünen Zweige. 469
der Räuber Steine tragen soll, fällt ab, nachdem er einen Bösewicht
getötet). 13, 144 nr. 336 (der eiserne Reifen, den der Räuber um
den Kopf trägt, springt bei gleichem Anlaß). 13, 146 nr. 338 (AD1- 3
E1-3). 13, 149 nr.339 (ÄD1-1B1-1). 13,150 nr.340 (AD1- 2E1 • 2).
13, 151 nr. 341 (dem Räuber, der als Knabe dem Teufel verschrieben
war, legt der Priester Buße auf ; zwei Äpfel fallen nicht von dem
wunderbar wachsenden Apfelbaum ab, weil der Räuber seine Eltern
erschlagen hat). 14, 251 nr. 46 (ADt,2E1,2; der Räuber verbrennt
sich selber, sein Kopf muß einen tiefen Brunnen vom Schlamm
reinigen). 25, 188 nr. 28 (A D1 ■ 2 E1 • 2. Südungarn). 3, 121 nr. 47
(AD1-2E1-2. Nordungarn). 9, 31 nr. 16 (AD1,8E1<S; dazu andre
Motive). 33, 67 nr. 141 (A Di • 2 E1 ■ 2). Zs. f. Ost. Vk. 6, 236 (AD1 ■ 2
E1 • 2. Bukowina). MateryaJy antropol. 2, 98 nr. 71 (drei Bussen:
Scheiterhaufen, Apfelbaum aus seinem Stock, Steine in eisernen
Säcken tragen). 13, 197 nr. 173 (stark gekürzt. Galizien). Zivaja
Starina 12, 465 nr. 3 (AD1'^1'8. Gouv. Siedlec und Lublin).
Malinka S. 305 nr. 29 (E2 ; erst als der Elternmörder dreimal nackt
durch Dornen kriecht, fallen die letzten zwei Äpfel ab. Gouv.
Cernigov). Ignatij z Niklovic S. 3 nr. 2 (A D1 . 2 E1 ■ 2) = Drago-
manov S. 406. Dragomanov S. 50 nr. 17 (nur die Einleitung). S. 131
nr. 2. Kulis, Zapiski 1, 309 (AD1-2E1,2, eingeflochten in einen
Höllenbesuch ; zwei Äpfel bleiben hängen, weil der Räuber seine
Eltern ermordet hatte). — Weißrussisch: Glihski 4, 5 nr. 1
'Madej' = Chodzko p. 103 (AD^E1-2). Federowski 2, 311 nr.343
(E1*2). Romanov 3, 307 nr. 65 (Elternmörder vom Einsiedler ver-
brannt). Wisla 3, 602 (AD^E1-2. Gouv. Wilna). Dobrovoljskij 1,
158 nr. 91 (der Räuber muß selber seinen Scheiterhaufen errichten).
Sejn 2, 371 nr. 217. — Großrussisch: Afanasjev, Legendy nr. 27
= Ralston p. 376. Chudjakov 3, 95 nr. 101 (BD1-2; der sündige
Kaufmann, zu dem der Einsiedler den Knaben schickt, wird verbrannt
und selig). Sadovnikov S. 292 nr. 99a (A B ; der Räuber holt selber
den Schein aus der Hölle, wird verbrannt; seine Seele begießt
drei Scheite); S 295 nr. 99b (entstellt); S. 297 nr. 99c (E2;
der Sünder wird zu Stein, da ihm der Incest mit Mutter und
Schwester wohl verziehen wird, aber nicht der mit der Gevatterin) ;
S. 299 nr. 99 d (der reuige Räuber soll schwarze Schafe weiden, bis
sie weiß werden ; das geschieht, als er den Tabak verbrennt, den
einige Fuhrleute auf den Markt führen);1) S. 300 nr. 99 e (zwei
*) Auch in einer Erzählung aus dem Gouv. Stauropol (Wisla 5, 57
470 206. Die drei grünen Zweige.
Schlösser, die der Räuber in den Ohren trägt, fallen ab). —
Litauisch: Schleicher S. 75 'Vom Studenten, der in die Hölle
und in den Himmel ging' (ACD1,2E1,2). Leskien-Brugman S. 500
nr. 45 'Vom armen Mann, der seinen Sohn, noch ehe er zur Welt
kam, dem Teufel verschrieb' (ACD1,JE1,J. Dimijans Bett). Do-
wojna-Sylwestrowicz 1, 119 (A; der Jüngling, der die Verschreibung
von dem Sünder Judoszius holen will, soll ihm den Bescheid des
Einsiedlers bringen, wie er Buße tun könne; er wird selig, als er
sich einen Scheiterhaufen baut und in die Flammen springt). 2, 268
(ACD1-2E1-2). 2, 271 (ACD'-'E1'2). 2, 279 (ACD1-^1-2;
verstümmelt). — Lettisch: Zbiör wiad. 18, 344 nr. 35 (Einleitung
gekürzt. D1-2E1-2). — Lappländisch: Friis nr. 46 — Poestion
nr. 55 'Der arme Bursch, der Teufel und die goldene Burg' (AD1;
dann der König vom goldenen Berge, oben 2, 325). — Ma-
gyarisch: Magyar Nyelvör 15, 569 = Zs. f. Volkskunde 13, 70
'Der alte Pilinko' (ACD1>sEllS). Kriza nr. 18 = Notes and queries
6. ser. 10, 63 (1884) — Jones-Kropf p. 7 'Stephen the murderer'.
— Gagausisch: Radloff 10, 78 nr. 46 (Peter Sodom. AD1'2
Gott selbst in Gestalt eines alten Holzhauers berät den zur
Hölle wandernden Jüngling; die Erfüllung der auferlegten Buße
fehlt). — Zigeunerisch: Fr. Müller, Romsprache (Wiener
SB. 61, 172) nr. 3 'Der wallachische Zigeuner' enthält einen Anklang
an das Motiv E2, den dürren Ast, den der Einsiedler mit sich trägt,
bis drei grüne Zweige daraus sprießen; der Zigeuner, der seinen Vater
erschlagen hat, pflanzt seinen Stock auf das Grab und begießt ihn 24 Jahre
lang auf den Knien rutschend mit Wasser, das er im Munde aus
dem Bache herzuträgt, bis ein großer Apfelbaum daraus wird. Doch
klingt diese Stelle auch an eine bulgarische Sage von der Buße Loths
und dem Kreuzholz Christi bei Strauß 1898 S. 115 und an eine
kleinrussische Parallele zur Gregorlegende bei Dragomanov p. 130
nach dem Sbornik Kavkaz. 7) wird der büßende Sünder erlöst, als er
Tabakshändler tötet. Ebenso Sbornik Kavkaz. 16, 1, 201, wo die schwarzen
Schafe weiß werden, als der Geist des toten Sünders die Tabakshändler
umbringt. Über die hier zugrunde liegende Lehre der Raskolniki vgl.
Polivka, Festschrift für Jagic S. 387 und Javorskyj, Naukovo-liter.
Sbornik 1901 S. 50. In andern slawischen Fassungen muß der Büßer
einen andern Bösewicht töten; so erfüllt er in Nekrasovs Gedicht 'Wem
ist gut in Rußland zu leben' (Socinenija 2, 257. 1886) die Aufgabe, eine
uralte Eiche mit seinem Messer zu fällen, indem er einen grausamen
Gutsherrn ersticht.
207. Mutter-Gottes- Gläschen. 471
= Russische Revue 17, 139 (1880) an.1) —Mongolisch: eine Erzählung
'Syttychtur-burchan' aus Potanins Ocerki severozap. Mongolit S. 531 wird
in der Wisla 5, 58 mit unserm Märchen verglichen. — Arab i s ch Schmidt-
Kahle, Palästina nr. 61 'Wer kommt in den Himmel und wer in die
Hölle?' Pihan, Choix de fables et historiettes 1866 p. 98 = Eevue
des trad. pop. 22, 291 nr. 3.
207. Mutler-Gottes-Gläschen. ^ s. 264.
1819 2, 301 nr. 7. Aus dem Paderbörnischen. — Wie
in vielen Märchen wird hier der Lohn der Liebe und Milde gezeigt.
Vgl. Reling und Bohnhorst, Unsere Pflanzen2 1889 S. 163. Vlämisch:
De Mont & de Cock, Vertelsels p. 119 '0. L. Vrouwe-Glazeken' =
Rond den Heerd 7, 175. Teirlinck, Folklore flamand p. 38. Goyert-
l) Eine Legende (*Fleur des Bollandistes, 14. Sept. Stndien z. vgl.
Litg. 8, 54. Väterbuch S. 323. 162 ed. Reissenberger. Anders Acta
Sanctorum Martii 3, 696) berichtet, daß der ägyptische Einsiedler
Johannes der Zwerg zum Zeichen seines Gehorsams drei Jahre lang
täglich einen dürren Stab begießt, bis er Blätter treibt; ebenso der
h. Baldus von Frankreich (*Fleur, 29. Okt.). Ebenso in den Legenden
von Loth (Brückner, Apokryfy sredniowieczne S. 271), vom büßenden
Sohne (Klapper, Erzähl, des MA. S. 399 nr. 194. Veselovskij, Razy-
skanija 6 — 10, 379. Zdanov, Russ. bylev. epos S. 325) und andern (Jb.
f. rom. Lit. 7, 408. Luzel, Legendes 2, 97. Strekelj, Slov. nar. pesmi
1, 493 nr. 484—490. Etnogr. Zbirnyk 13, 141 nr. 332. Federowski 2,
310 nr. 342. Wlislocki, Armenier S. 156 nr. 56; vgl. oben S. 1072). Das
Vorbild dieses Sagenzuges, der in der Christoph-, Tannhäuser-, Georg-,
Polykarp-, Bernhard-, Franziskus-, Brigitta- und vielen andern Legen-
den wiederkehrt, ist der Knospen und Mandeln tragende Stab
Aarons (4. Mose 17, 8) ; vgl. Gressmann, ZfVk. 23, 29 ; Liebrecht,
Gervasius von Tilbury 1S56 S. 112 ; E. C. Brewer, Dictionary of
miracles 1884 p. 53; Er. Schmidt, Charakteristiken2 2, 33; Bevue des
trad. pop. 19, 65. 336. 532. 21, 123. 22, 289. 25, 141. 28, 63 'Le bäton qui
reverdit'; Toldo, Studien z. vgl. Litgesch. 8, 49— 56; Marriage, Alemannia
26, 115; J. Meier, Volksliedstudien 1917 S. 144; Arnaudov, Period. Spi-
sanie 71, 206; Sumcov, Razb. etnograf. trudov E. R. Romanova S. 72;
J. Franko, Cesky Lid 4, 22; A. Fischer, Lud 15, 202. 16, 34; Polivka,
Närodop. vestnik ceskoslov. 12, 33 (über die Lebenszeichen) ; Chauvin
5, 51.
472 208. Das alte Mütterchen.
Wolter S. 74. — Über andere nach der Jungfrau Maria benannte
Blumen s. J. Grimm, Myth.3 S. 1146. 3, 350 und Dähnhardt, Natur-
sagen 2, 260. Anderwärts wird die Ackerwinde (Convolvulus
arvensis) freilich auch Teufelsdarm genannt.
1856 s. 264. 208. Das alte Mütterchen.
1819 2, 301 nr. 8. Aus Hessen. — Die Legende ist verwandt
mit der verbreiteten Sage von der nächtlichen Messe der Toten1) oder
der Geisterkirche, von der schon Gregor von Tours, In gloria
confessorum c. 72 (MG. Scr. rer. Meroving. 1, 790: Autun. Zs. f. dt.
Mythol. 4, 80), Thietmar von Merseburg, Chronicon 1, c. 7 (MG. Scr.
3, 737: Walsleben, Magdeburg, Deventer; danach der Annalista
Saxo z. J. 929, MG. Scr. 6, 597), Enoch Widmann in seiner
Chronik von Hof (ed. Chr. Meyer 1894 S. 113 z. J. 1516. Grimm,
DS.2 nr. 176) und die Zimmerasche Chronik (4, 113: Meßkirch 1562.
Badisches Sagenbuch 1, 210. 1898) berichten. 1584 hörte man zu
Rossitten in Livland aus einer zerstörten Kirche lieblichen Gesang-
tönen und fand dort eine Schar von Toten, welche das Nahen des
jüngsten Tages verkündeten (Unland, Volkslieder nr. 357 und
Schriften 4, 324). — Neuere Aufzeichnungen aus der Schweiz :
Henne am Bhyn. Die deutsche Volkssage2 S. 587. Jecklin 3.
21 = 1916 S. 12. 402. Elsaß: Stöber-Mündel, Sagen 2, 25
nr. 26. Baden: Baader, Sagen nr. 202. 314. 355. 446. Allgäu:
Reiser 1, 401 nr. 489. 490. Bayern: Panzer, Beitrag 2, 109. Tirol:
Zingerle, Sagen2 nr. 467. 481— 485 mit Anm.; Menghin S. 87 ; Alpen-
burg, Alpensagen nr. 373. Salzburg: Vernaleken, Alpensagen S. 65;
Weinhold, Zs. f Vk. 6, 442. Kärnten: Graber, Sagen 1914
x) Von einer Totenprozession, die in der Allerseelen- oder Weih-
nacht stattfindet, erzählt man in Oberwallis (Jegerlehner 2, 202 nr. 100
bis 102. 2, 271 nr. 29), Schlesien (Kühnau 1, 375 nr. 369—371), Posen
(Knoop, Sagen 1913 S. 11 nr. 21), Frankreich (Le Enaz 2, 102), Italien
(Pitre, Nov. pop. toscane p. 136 nr. 20), bei den Cechen (Cesky Lid 5,
236. W. Popelka, hsl. Sammlung S. 42. Charvät S. 123), Kleinrussen
[Materyaly antropol. 13, 15S nr. 37), Weißrussen (Federowski 1, nr. 1045)
und anderwärts.
208. Das alte Mütterchen. 473
nr. 245 — 249. Niederösterreich: Leeb nr. 119. Oberpfalz: Schön-
werth 1, 277. 305. Hessen: Wolf, Hessische Sagen nr. 169.
Thüringen: Bechstein, Sagenschatz 3, 104; Wucke, Sagen 1891
nr. 573. Vogtland: Eisel, Sagenbuch nr. 283—285; Köhler, Volks-
brauch S. 530; Meiche, Sagenbuch nr. 305. Böhmen: Zs. f. öst.
Vk. 4, 304. Langer, Das östl. Deutschböhmen 2, 123. 12, 151. 185.
Schlesien: Kühnau, Schles. Sagen 1, 210 nr. 299—302. 3, 352
nr. 1731. Kühnau, S. aus Schlesien nr. 10. Mitt. f. schles. Vk.
15—16, 85. 114. Posen: Knoop, Sagen 1893 S. 136; Sagen 1913
S. 12. 30. Köln: Bethany, Zs. f. Vk. 6, 441. Westfalen: Zs. f.
rhein. Vk. 7, 151. Harz: Pröhle, Harzsagen S. 96. 118; Pröhle,
Unterharzische Sagen S. 163; Ey S. 208. Hannover: Schambach-
Müller S. 236. Holstein: Müllenhoff, Sagen nr. 232. 233. Mecklen-
burg: Kuhn-Schwartz nr. 5 ; Bartsch 1, 363 nr. 497 — 498. Branden-
burg: Engelien-Lahn nr. 42. Pommern: Jahn, Volkssagen nr. 525.
Asmus-Knoop S. 42. Blätter f. pomm. Volksk. 5, 4. 37. 6, 69. 8, 129.
9,63. Ostpreußen: Lemke 3, 112 nr. 75. 76. — Niederländisch:
Wolf, Ndl. Sagen nr. 581. — Dänisch: Kristensen, Sagn og
overtro fra Jylland 2, 1, 378 nr. 682—683. Feilberg, Jul 2, 327.
— Schwedisch: Dybeck, Runa 3, 19. Feilberg, Jul 2, 328.
Stroebe 1, 200. — Norwegisch: Asbjörnsen, Vm. und Wald-
geistersagen übers, von Denhardt S. 11 = Stroebe 2, 14. Feilberg,
Jul 1, 69. 2, 34. 327. — Isländisch: Maurer S. 57. 75. —
Irisch: Lover, Legends of Ireland 1848 p. 187 'The priest's ghost'.
— Bretonisch: Le Braz, La legende de la mort 1902 1, 63. 2,
104. Luzel, Legendes 2, 352. Revue des trad. pop. 3, 599. —
Französisch: Blade, Gascogne 2, 266 'La messe des fantömes'.
Sebillot, Auvergne p. 103. — Italienisch: Schneller S. 240.
Savj-Lopez, Le valli di Lanzo 1886 p. 187. Gr. di Giovanni, Usi
del Canavese 1889 p. 138. Grisanti, Usi di Isnello 1, 134 =
Archivio 17, 314. Rivista delle tradiz. pop. italiane 1, 143 (Sardinien).
Mailly nr. 23 'Das Totenbein' ; nr. 40 = Archivio 20, 296 nr. 13. —
Cechisch: Sedlacek, Nar. poh. a pov. 1, 21. Pohadky a pov. naseho
lidu S. 96. — Polnisch: Toppen S. 114. — Kleinrussisch:
Zs. f. österr. Volksk. 1, 297. Etnogr. Zbirnyk 15, 124 nr. 211. 212.
34, 29 nr. 637. — Ungarisch: Zs. f. Vk. 4, 314 nach
Versenyi, Progr. Kremnitz 1892 S. 16. — Jüdisch aus Galizien:
Am Urquell n. F. 1, 345. Zbiör 17, 266 nr. 3. Mitt. f. jüd. Vk.
18, 62.
474 209. Die himmlische Hochzeit.
Wie das Mütterchen in der Kirche ihre Kinder in der Gestalt
erblickt, die sie ohne ihren frühen Tod erhalten hätten, so die
freiwillig kinderlose Frau in einem kleinrussischen Märchen Zs.
f. Völkskunde 10, 437 und in den bretonischen und italienischen
Seitenstücken Euphorion 4, 331. Der Mutter des h. Arnulfus ver-
kündet ein Engel, das verstorbene Kind, um das sie trauere, sei
einem schlimmeren Schicksale entgangen (Acta Sanctorum Augusti
3, 231).
1856 s. 264. 209. Die himmüsche Hochzeit.
1815 nr. 35 = 1819 2, 203 nr. 9. Aus dem Mecklen-
burgischen 1814, 11. August, doch auch im Münsterland bekannt.
Schon zu Anfang des 12. Jahrh. erzählt G-uibert von Nogent,
De pignoribus sanctorum 1, c. 2, 2 (Migne, Patrol. lat. 156, 617:
'Acolythus puer imaginem alloquitur, cui et ipsa dedit responsum'),
wie ein zum Altardienst verordneter Knabe beim Hochamt zu Saint-
Quentin mit den Abendmahlsbroten das am Lettner angebrachte
Kruzifix anredete: 'Herr, willst du von meinem Brot?' Da antwortete
das Steinbild: 'Bald werde ich dir von meinem Brote geben'. Und
wenige Tage darauf starb der Knabe.1] — Bei Grautier von Cluny,
De miraculis b. v. Mariae c. 3 (Migne 173, 1383) kniet eine Frau,
die ihr kleines Kind im Arm hält, vor einem Standbilde Marias mit
dem Jesusknaben. Das Kind bietet diesem ein Stück von seinem
Brot an : 'Kind, iß !' und weint, als das Bild sich nicht regt. Da
spricht Jesus : 'In drei Tagen werde ich mit dir speisen'. Vollständig
lautet der Text :
Accidit, ut quaedam pauper mulier cum parvulo filio, quem in ulnis
ferehat, sola supradictam ecclesiam ingrederetur nemine in ecclesia con-
1) . . .Patenam autem cum hostia, quae erat of ferenda, gerebat. Imago
denique a fronte cancelli gypsea, crucifixi Domini speciem praeferens,
eminebat, quae non longe a Quintini martyris sepulcro distabat. Cumque
imagini assisteret et of ferenda deferret, puerili tarn verbo quam sensu ad
imaginem dixit : 'Vultis', ait, 'Domine, de pane meo ?' Cui ille evidentissime
respondere dignatur : 'Ego', ait, 'in proximo tibi de meo pane dabo.' Qui
his auditis morbo corripitur et infra dies paucissimos suo, quem brevi
tenuerat, exutus hominiculo, compos trabeae coelestis efficitur et ante
imaginem, quae id sibi spoponderat, sepelitur.
209. Die himmlische Hochzeit. 475
sistente; quod ubi mulier conspexit, coram Dei genitricis imagine genua
ponens orationem propriam coepit dicere et, ut sibi dignaretur adesse,
sapplex orare. Forte parvalus, quem mulier in brachiis tenebat, frustum
panis dentibus adhuc infirmis ruminabat; qui intuens puerum, quem beata
Virgo in manibus tenebat, partem panis sui fregit et imagini filii Virginis
porrexit balbutiendo dicens : 'Infans, comede.' Quod dum saepius iteraret
et puero similitudo, utpote insensibilis, minime responderet, coepit infans
mulieris flere, quia videbat alium puerum de pane sicco nolle comedere.
Nunquam obliviscenda dementia salvatoris. Imago pueri illius per vir-
tutem sancti Spiritus locuta dixit puero flenti: 'Usque tertiam diem tecum
epulabor.' Stupefacta mulier, quae filium tenebat in ulnis, cum audivisset
imaginem loquentem ad filium, exclamavit prae timore. Sanctimoniales
mox adveniunt, causam clamoris inquirunt; narrat mulier tremens, quo-
modo pueri sanctissimi imago locuta sit ad filium suum, et quid ei dixerit.
Audito miraculo tanto accurrunt omnes tarn clerici quam laici dantque
consilium, ut infans retineatur in ecclesia usque in tertiam diem, ut
viderent, quid ei accideret. Quod cum placuisset omuibus, mater cum
puero in ecclesia mansit usque in diem tertium. Tertia autem die facies
pueri ultra solitum resplenduit, et in ipso splendoie sine angustia spiri-
tum exhalavit, complevitque ei Dominus, quod promiserat, dans ei panem
angelorum, quo nutriuntur omnes ordines coelestium virtutum. Corpus-
culum autem sancti pueri intra eandem ecclesiam sepelierunt ad laudem
et gloriam Domini Jesu Christi.
Nach Spei er ist das Wunder verlegt bei Aegidius Zamorensis,
Liber Mariae 16, c. 6 (Boletin de la real Academia de la historia
7, 129 nr. 44, Madrid 1885. Mussafia, Studien zu den mittelalter-
lichen Marienlegenden 1, 42 und 76, aus Wiener SB. 113) und
Yincentius Bellovacensis, Speculum historiale 1. 8, c. 99 (Herolt,
Miracula nr. 17. Mielot, Miracles de Nostre Dame ed. Warner 1885
nr. 28. Bozon, Contes moralises 1889 nr. 119 mit Anm. Maerlant,
Spieghel historiael 1, 7, c. 71 = 2, 249 ed. Clignett 1785. De Vooys,
MdL Marienlegenden 2, 185 nr. 330. Wolf, DMS. nr. 100). Ferner
bei Herolt, Promptuarium exemplorum Y, 3 ; metrisch bei Nigellus
de Longo campo 2, c. 7 (Mussafia, Studien 3, 5 nr. 11 = Wiener
SB. 119) und in Analecta Bollandiana 20, 399 nr. 16, eine franzö-
sische gereimte Fassung bei Mussafia 5, 5 nr. 17 (SB. 139), Vie des
anciens peres bei A. Weber, Hsl. Studien auf dem Gebiete der
romanischen Lit. 1876 S. 19 nr. 73, eine spanische bei Alfonso dem
Weisen, Cantigas de S. Maria 1889 2, 209 nr. 139 'Como Santa Maria
fez que falasse o fillo, que tinna nos bracos, ao da bona moller que
476 209. Die himmlische Hochzeit.
lle disse pappa'. Über andere lateinische Fassungen vgl. Mussana,
Studien 1, 50 nr. 44. 1, 55 nr. 104. 2, 38 nr. 46. 4, 4 (SB. 113.
115. 123) und besonders Poncelet, Analecta Bollandiana 21, 245 nr. 10.
— Im Speculum exemplorum 9, nr. 78 setzt ein einfältiger junger Mönch
dem Bilde des Jesuskindes täglich Speise vor und findet nachher
die Schüssel immer geleert ; als ihn einst das Jesuskind zum Essen
einladet, holt er den Abt herbei; ebenso Pauli, Schimpf und Ernst
nr. 665 und das Predigtmärlein in der Germania 3, 427 nr. 20;
Alfonso il Sabio, Cantigas 1889 2, 491 nr. 353 'Como un menino' etc.
— Der h. Hermann reicht als Knabe dem Jesuskinde einen Apfel
(Acta Sanctorum Aprilis 1, 685). In mehreren niederländischen
Legenden, die DeVooys (Mnl. Legenden en Exempelen 1900 S. 116)
gut besprochen und in den Mnl. Marienlegenden 1, 140 nr. 75. 2, 185
nr. 331. 2, 222 nr. 347 herausgegeben hat, bietet das Kind nicht
dem Jesusknaben, sondern dem Marienbilde zu essen an. In
andern greift der im Kloster aufwachsende Knabe nach dem Apfel
des kleinen Jesus und spielt mit ihm (de Vooys, Mnl. Marienlegenden
1, 143 nr. 76. 2, 221 nr. 346; vgl. 1, 237 nr. 117 und 1, 311
nr. 148. Kirchhofer, Die Legende vom zwölfjährigen Mönchlein,
Diss. 1866).
Heanzisch bei Bunker nr. 26 'Der kleine Bube und der
steinerne Herrgott'. Vlämisch bei Joos 1, 122 nr. 75 'Van Onnoozel
Janneken'. Italienisch: Schneller nr. 1 'Der Herrgott vom
Bäuchlein' (Kruzifix). Mailly nr. 6 'Das Paradies'. Pitre, Nov. pop.
toscane nr. 25 'II citto che va a cercare il paradiso'. Gonzenbach
nr. 86 'Von dem frommen Kinde' ; vgl. Crane p. 366. Pitre, Fiabe
sie. 3, 6 nr. 112 'Lu puvireddu'; vgl. Crane p. 211. Rumänisch:
Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 233 nr. 109. Serbokroatisch:
Srb.-dalm. Magaz. 25, 85. Archiv f. slav. Phil. 12, 89 (aus Maze-
donien). Öechisch: Hruska, Nahejte S. 13 nr. 1. Kulda 3, 272 nr. 42.
Miksicek 1, 125. Hs. Peck nr. 41. Kubin, Glatz 2, 287 nr. 93 (mit
der Anm.). Slovakisch: Nemcova ed. Tille 1, 112 nr. 15 =
Dobsinsky 8, 87. Eine Dichtung von Jul. Zeyer, Samko Ptak; vgl.
V. Tille, Öes. Lid 6, 5. 179. 13, 291. 365. Polnisch: Lud 16, 203
nr. 7. Auch in einer indischen Sage bei Polier, Myth. des Hindous
2, 302 verzehrt ein Götterbild, was ein unschuldiger Knabe ihm
vorsetzt. J. Grimm, Myth.8 S. 103.
In der Schweiz erzählt man von einem frommen Knaben, der
im Kloster diente; er ward geheißen, Wasser in einem Siebe
210. Die Haselrute. 477
zu tragen,1) und weil er unschuldig war, tat ers, und kein Tropfen
floß durch. Im Väterbuch S. 312 ed. Reissenberger schöpft ein Bruder
Wasser ohne Eimer. Der irische Heilige Comgall trägt Milch in einem
Topf ohne Boden (Acta Sanctorum Maii 2, 579), sein Schüler Lugith
oder Lua gießt, als ihm unterwegs der Milchkrug zerbricht, Wasser in
den löcherigen Krug, das sich darauf in Milch verwandelt (Acta S.
Augusti 1, 346), ähnlich der h. Columban (Fleur des Bollandistes,
21. Nov.) Ebenso trägt die indische Mariatale, so lang ihre Gedanken
rein sind, ohne Gefäß das zu Kugeln geballte Wasser (Sonnerat,
Reise nach Ostindien 1786 1, 205. Goethe, Der Paria).
210. Die Haselrute.
1850, Kinderlegenden nr. 10. Aus Vonbun, Vorarlbergische
Sagen 1847 S. 7. — Bei Vonbun, Sagen Vorarlbergs 1858 S. 54 'Die
Muttergottes und die Natter' (Vonbun, Beiträge zur dt. Mythologie
1862 S. 127. Erommanns Dt. Mundarten 3, 210. H. Müller, Aus
Davos S. 54) schlägt Maria die Natter mit einem Haselzweige. Aus
Vorarlberg noch bei Vernaleken, Alpensagen nr. 208 'Der Hasel-
strauch'. In Süddeutschland glaubt man, daß ein Streich mit der
Haselrute die Natter sofort tötet (Zingerle, Sitten 1857 S. 63 nr. 510.
Baumgarten, Aus der Heimat 1, 136. Weinhold, Zs. f . Volksk. 11, 7.
Panzer 1, 191). Nach englischem Volksglauben wehrt ein Haselzweig
jeglichem Zauber (Folklore 7, 89. 1896.) Vgl. noch Elsässische
Monatsschrift 1913, 581.
Nach einer andern Legende suchte Maria einst während eines
Gewitters Schutz unter einer Haselstaude, und seitdem schlägt
der Blitz nie in eine Hasel (Baumgarten, Aus der Heimat 1, 135.
Alpenburg, Mythen Tirols S. 393. Heyl, Volkssagen aus Tyrol S. 793.
Leoprechting, Aus dem Lechrain S. 98. Mitt. d. V. f. schles. Vk. 4,
75. Weinhold, ZfVk. 11, 5). Italienisch: Pitre, Tradizioni sicil. 3,
241. Polnisch: Zbiör wiad. 7, 117 nr. 38 = Dähnhardt, Natursagen 2, 43.
1856 S. 264.
*) Vgl. J. Grimm, Myth.3 S. 1066. 3, 322. Eyring, Copia prover-
biornm 2, 445: 'Wann einer was unnütz anfecht, dem sagt man dieses
Sprichwort recht: He dregkt Wather in holde Vat, met enem Siffe put
he wat.' — Über den schlauen Rat, das Sieb mit Moos und Lehm zu
verstopfen, vgl. oben 1, 51. 2152. 219; dazu Kühn au, Schlesische Sagen 3,
47. Chambers, Populär rhymes p. 104.
478 211. Der Mann vom Galgen.
Bruchstücke
(Nr. 211—216).
1856 8.267. 211. Der Mann vom Galgen.
Eine alte Frau bekommt spät abends Gäste und hat nichts mehr
von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen,
wo ein Toter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den
Fremden, welche sie aufessen. Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die
Frau macht auf; es ist ein Toter mit kahlem Haupt, ohne Augen und
mit einer Wunde im Leib.
'Wo sind deine Haare?' — Die hat mir der Wind abgeweht.
'Wo sind deine Augen?' — Die haben mir die Raben ausgehackt.
'Wo haste deine Leber?' — Die hast du gefressen.
1812 S. 257 Bruchstücke nr. 1. Ohne Angabe der Herkunft. —
Aus Niederösterreich in Pommers Zs. Das deutsche Volkslied 4,
103 (1902) 'Lumpl und Leber'. Nachdem die Frau auf des Toten Ver-
langen nach seiner Lunge und Leber dreimal erwidert hat 'Ich hab
sie nicht', ruft der Erzähler plötzlich laut : 'Du . hast sie'. Aus
Rothenburg o. T. bei Spiegel nr. 26 'Die Frau und der Mann
vom Gralgen' (Rippe). Aus Schlesien bei Kühnau 1, 601 nr. 638
'Das Geschlinke des Gehenkten' (holt der Mann für seine Frau). Aus
Magdeburg bei Wegner, Geschichtsblätter f. Magdeburg 15, 74
nr. 79 'Main Ainjewaide her!' Aus Cottbus bei Kuhn-Schwartz
S. 357 nr. 15 'Ahlemann' (die naschhafte Frau holt die Leber für
ihren Mann, der Tote dreht ihr den Hals um). Aus Jever: Zs. f.
dt. Mythol. 2, 137 'Dat Vertelsel von de Läwer' (der Mann holt sie
für die gierige Frau). Aus Stralsund bei Lyser, Abendländische
1001 Nacht 8, 98. Aus Posen bei Knoop, Erzählungen 1893
S. 113 nr. 34 (Lunge) und Ostmark. Sagen 1, 181 nr. 85
'Die gestohlene Leber'. — Niederländisch: Volkskunde
15, 229 nr. 45 'Van domme Griet' (holt ein Stück aus der Lende
einer Leiche). Lehemrbe nr. 19 'Het vleesch van het spook'. — ■
211. Der Mann vom Galgen. 479
Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 87 'Gengangeren'. Skatte-
graveren 2, 75 'Roverens lever'. 2, 166 'A, mi kjör!' 11, 8 'Tag
mig min tarm'. 11, 9 'Roverens kjöd.' 11, 10 'Kallunet'. Kristensen,
Sagn fra Jylland 1880 S. 144 nr. 209 'Mandens Mave'. Kristensen,
Skjsemtesagn 1, 74 nr. 107 — 116 'Raedehistorier'. Feilberg, Am Ur-
quell 3, 334. — Isländisch: Arnason 1, 237 'Fa Öu mer beneiS
mitt, Gunna'. — Englisch: Halliwell, Populär rhymes p. 25 'Teeny-
tiny' (Give me my bone) = Jacobs 1, 57 nr. 12. Hunt, Populär
romances 1871 p. 452 'Cornish teeny-tiny' (Zähne auf dem Kirchhofe
gefunden). — Französisch: Cosquin 2, 76 nr. 41 'Le pendu'
(Schenkel). Blade, Agenais p. 29 = 1886 2, 328 'La goulue' (Bein).
Revue des'trad. pop. 4, 457. 18, 361 'Le pendu qui a perdu sa cuisse'. —
Italienisch: Bernoni, Tradizioni pop. venez. p. 125 'La coraela'
(der Mann holt für seine gierige Frau das Geschlinge einer Toten.
'Isabela, dame la mia coraela!').1) — Katalanisch: Milä, Obser-
vaciones 1853 p. 186 nr. 10 = W. Grimm, Kl. Schriften 4, 354 =
Zs. f. dt. Altertum 11, 212 (der Tote, dessen Leber das Mädchen
geholt hat, kommt nachts und ruft, gleich der Tante der Cattarinetta
in Schnellers M. aus Wälschtirol nr. 5 und dem Nono Cocon bei
Bernoni, Trad. p. 76 : 'Schon bin ich auf der ersten Treppenstufe,
schon auf der zweiten . .'). Maspons, Rondallayre 2, 100 'Lo mort'
(ebenso). — Portugiesisch: Athaide Oliveira 1, 201 nr. 79 'A
fressura do velho'. — Serbokroatisch: Strohal 1, 157 nr. 43. —
Cechisch aus Schlesien: Povidky lidu opavs. a hanac. S. 65. Aus
Böhmen ebd. S. 66. Aus Mähren: Väclavek, Valasske poh. S. 110
nr. 37. — Slovakisch: Prostonär. Zabav. 3, 22 (hsl. v. J.
1844) = Povidky lidu opavs. S. 67. — Weißrussisch: Federowski
1, 60 nr. 179. — In einer malaiischen Erzählung bei Skeat p. 59
'Patäni' ersetzt ein Koch das vom Geier geraubte Herz der Ziege
durch ein Menschenherz ; dies mundet dem Fürsten so, daß er fortan
nur Menschenfleisch ißt. Ähnlich ein Märchen bei Tremearne, Hausa
superstitions 1913 p. 447 nr. 97 'The king with the cannibal tastes'.
Auch im Dolopathos (oben S. 373) läßt ein Menschenfresser drei Ge-
hängten ein Stück aus der Lende schneiden und verzehrt es.
l) Irrig wollte Goethe (Werke, Weimarer Ausgabe 32, 351. 431.
Schenkl, Germania 11, 452) ein italienisches Gesprächlied 'Ghiurigium a
te' auf die Zerstückelung eines Gehängten beziehen; es ist vielmehr ein
Scherzspiel zwischen einem Jungen und einer gurrenden Taube; vgl.
W. Müller, Egeria 1829 S. 19 und Kopisch, Agrumi 1837 S. 168.
480 211. Der Mann vom Galgen.
Nicht zur Speise, sondern zu Zauberzwecken holt bei "Remigius,
Daemonolatria 1693 2, 250 (= E. Francisci, Höllischer Proteus 2. Aufl.
1695 S. 771 = Grässe, Sagenbuch des preuß. Staates 1, 173. S. de
Vries, De Satan 1692 2, 348 = Wolf, Dt. Märchen nr. 132) ein Brannt-
weinbrenner zu Stendal die Hirnschale eines gehängten Diebes *) ;
nachts erscheint der Tote und ruft: 'Gevt mi min Hövt wedder!
Ebenso fordert bei Erasmus Francisci (Höllischer Proteus 1695 S. 773
= Wolf, Dt. Märchen nr. 133) ein vom Anatomen sezierter Verbrecher
seine Haut beim Gerber wieder. Schönwerth, Oberpfalz 3, 152
(Schädel zum Lottoorakel). Cechisch aus Böhmen: Ö. Lid 5, 236.
Slovakisch: Slov. Pohl'ady 16, 267 nr. 27. Kleinrussisch: Etnogr.
Zbirnyk 15, 141 nr. 240 (der Tote packt den Mann, der ihm seine
Hand zur Zauberei abhauen will, daß er entsetzt den Geist aufgibt).
— Eine verwandte Sage aus der Schwalmgegend, die sich im
Nachlasse von W. Grimms Hand aufgezeichnet vorfand, lautet :
Die goldenen Beinchen.
Es war einmal eine Generalin, die hatte ein Kind, und das Kind,
wie es auf die Welt kam, hatte zweierlei Beinchen, eins von Gold und
eins von Demant, und starb am dritten Tage. Sie dachte aber: Wozu
soll das Kind die Beinchen mit in das Grab nehmen? löste sie ab und
tat sie in ein Sammetkästchen. In der folgenden Nacht aber kam das
Kind und sprach, es wollte seine Beinchen von Gold und Demant wieder
haben. So kam es drei Nächte hintereinander. In der dritten sagte die
Generalin endlich : 'Ich muß ihm die Beinchen wiedergeben, sonst hats
keine Buhe im Grab' und holte das Sammetkästchen und gab sie ihm.
Da nahm sie das Kind und ist nicht wieder erschienen.2)
Eine andre Fassung beginnt : Zwei Eheleute hatten keine
Kinder; sprach die Frau: 'Hätt ich ein Kind, und wenns nur ein
Bein [hätte] !' Da kriegte sie ein Kind, das hatte nur ein Beinchen.
Da ließ sie ihm ein andres von Gold machen. — In einer hannover-
schen Sage 'Vom gollenen Beineken' (Colshorn nr. 6) raubt dagegen
x) Wie sonst einen Diebsdaumen (Widmann, Chronik der Stadt
Hof 1894 S. 113. Wuttke, Volksaberglaube § 189. Blätter f. pomm. Volks-
kunde 10, 130).
2) W. Grimm bemerkt dazu: Hat etwas Befremdendes. Es ist aber
auch Volksglauben, wenn Kinder in der Wiege mit ihren Händchen
spielen und sie angreifen, als hätten sie ein besonderes Wohlgefallen
daran, so tun sie es bloß darum, weil ihnen Ärmchen und Händchen
ganz wie von Gold und glänzend vorkommen. Vgl. das Märchen vom
Marienkind, dessen einer Finger golden wird (oben 1, 13).
211. Der Mann vom Galgen. 481
der Totengräber aus Gewinnsucht das künstliche goldene Bein des
toten Mädchens und wird dafür mehrere Nächte von deren Geist
geplagt. Ebenso holsteinisch bei Müllenhoff S. 465 nr. 26 'Das
goldene Bein' ; oldenburgisch bei Strackerjan 1, 155 = 2. Aufl. 1,
198; friesisch Snypsnaren2 S. 88 und Dykstra 2, 31 'Het gouden
armpje' ; niederländisch Volkskunde 3, 16 'De spookhand' (Hand mit
Ring vom Totengräber abgeschnitten); 15, 227 'Van het silveren been'
(mit Varianten); englisch Baring Gould nr. 14 'The golden arm'
(Henderson, Notes on the folklore 1866 p. 338 = Jacobs, English
fairy tales 1, 138 nr. 24); französisch bei Blade, Agenais p. 22 =
Gascogne 2, 324 'La jambe d'or', Sebillot, Traditions de la Haute-
Bretagne 1, 259. Roussey, Bournois 1894 p. 196 nr. 20 'La jambe
d'or' ; italienisch bei Pitre, Novelle pop. tose. nr. 19 'La gamba' ;
Pitre, Novelline pop. toscane 1878 nr. 3 'La gamba' ; Pitre, Fiabe
sie. 3, 73 nr. 128 'Saddaedda' = Crane p. 238. Bernoni, Tradizioni
p. 123 'Gamba mea, pepa mea!' und p. 124; *Papanti, Novelline pop.
livornesi 1877 p. 7 nr. 1 'La Mencherina. Schaurig ist die toska-
nische und die venezianische Passung; da holen sich drei blutarme
Schwestern, weil sie nachts frieren, aus dem Grabe der Mutter ihr
Hemde, ihren Unterrock und ihre Strümpfe; aber die jüngste reißt
mit dem einen Strumpf auch ihr Bein ab ; da pocht nachts die Tote
an die Tür und erdrosselt die jüngste Tochter. Mailly nr. 25. Bul-
garisch : Sbornik min. 2, 189 (Finger mit Ring). Cechisch : Miksicek,
Pohädky S. 105 nr. 15 (Stelzfuß voll Dukaten). Kleinrussisch:
Jastrebov S. 215 nr. 20 (Hand mit Ringen). Weißrussisch : Federowski
1, 60 nr. 179 (Eingeweide). Großrussisch: Öudinskij S. 94 nr. 18. —
Daß Tote auch das ihnen geraubte Hemd oder Leichentuch drohend
zurückfordern, lehrt neben anderm eine 1818 von der Familie
v. Haxthausen im Paderbörnischen aufgezeichnete Sage:
Ein Totengräber grub mal ein Grab für ein reiches Edelmanns-
kind; und als er beim Begraben sah, daß es ein so fein leinen Toten-
hemdeben anhatte, dachte er bei sich: Ei, das ist doch schade, daß das
mit in die Erde soll ; du willst nachher, wenn die Begräbnis vorbei ist,
das wieder ausziehen. Er grub auch dieselbe Nacht das Grab wieder
offen. Als er aber das schöne Kindchen so fromm daliegen sah, konnte
er nimmermehr das Hemdchen ihm ausziehen und schnitt sich nur die
beiden Möggekens (Hemdsärmel) heraus und machte alles wieder zu.
Die nächste Nacht aber kam das Kind, stellte sich im Mondschein an die
Tür, schudderte so ineinander, als wenn es so fror, und : \l ■:■ : 'Gif mie
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 31
482 211. Der Mann vom Galgen.
mine Möggekes wier, gif mie mine Möggekes wier !' Er aber drehte sich
nach der Wand um, als wenn er nichts sähe, und legte die Ohren fest
ins Kissen. Die Nacht darauf kam das Kind wieder : 'Gif mie mine
Möggekes wier, gif mie mine Möggekes wier !' Da drehte er sich wieder
um. Wie nun alles wieder still war, sagte die Frau: 'Ach, hast du dem
Kinde das Grab nicht tief genug gegraben oder was in den Sarg gelegt,
daß das kleine Kind nicht im Grabe bleiben kann?' Sie bat ihn solange,
bis er es ihr erzählte ; da redete sie ihm zu, wenn das Kind nun noch-
mal wiederkommen sollte, ihm seine Möggekens wiederzugeben. Die dritte
Nacht kam es bis in die Mitte der Kammer: 'Gif mie mine Möggekes
wier, gif mie mine Möggekes wier!' Da warf ihm der Totengräber die
Möggekes zu, und es verschwand.
Ebenso Blätter f. pomm. Volkskunde 5, 37 'Die Diebin. 9, 63;
friesisch bei Dykstra 2, 131 'De hemdsmouw' ; niederländisch Volks-
kunde 15, 229 'Van het hemd met een mouw'; bretonisch bei Luzel,
Legendes ehret. 2, 155.
Singer (Anzeiger f. dt. Altertum 17, 334) will unser Märchen
mit der Herzmäre in Verbindung bringen, Macculloch (Childhood of
fiction p. 1 142) denkt an die wunderbaren Verwandlungen einer von
ihrer Nebenbuhlerin umgebrachten Jungfrau ; natürlicher jedoch ist
die Ableitung aus dem Glauben an die Rache der Toten, die
den frevelhaften Störer ihrer Ruhe wie den Räuber ihres Eigentums r)
und ihrer Gliedmaßen2) verfolgt und selbst eine Verspottung wie die
x) Von dem geraubten Totenhemde erzählt Goethes Ballade vom
Totentanz (oben 1, 341. Seifart, Hildesheim 2, 31 nr. 23. Federowski
1, 70 nr. 208), andere Sagen von Totenlaken (Sebillot, Contes 1, 303.
Sebillot, Litt, orale de la Haute-Bretagne p. 195. Hrincenko, Iz ust
naroda S. 134 nr. 171. Malinka S. 270 nr. 6. Federowski 1, 67 nr. 199.
Afanasjev3 2, 314 nr. 205 a. b), von einer Mütze (Klarmann-Spiegel,
Cteigerwald 1912 S. 105. Bartsch 1, 223 nr. 288. Cesky Lid 9, 256.
Slov. Pohl'ady 1896 S. 266 nr. 26. Malinowski 2, 121. Materyaly 10,
125. Etnogr. Zbirnyk 15, 137 nr. 235. 236. Malinka S. 275 nr. 14.
Subiuskij 2, 422 nr. 125. Zs. für österr. Volkskunde 1, 297), von Stiefeln
(Afanasjev 2, 318 nr. 205), von Goldringen (Strackerjan2 1, 199. Le Braa
1, 304. Hosek S. 35. 80. Blazek S. 131. Etnogr. Zbirnyk 34, 78 nr. 749.
750), von einem Sargnagel (Krauß, Slav. Volkforschungen 1908 S. 113),
von abgepflückten Grabesblumen (Bartsch 2, 98. Zs. f. Volkskunde 10,
133).
2) Die h. Anastasia erscheint dem Mönche Gottschalk, der aus
ihrem Sarg zu Verona einen Knochen gestohlen (Scheffel, Ekkehard 1871
S. 360 abweichend von Schmeller, Gel. Anzeigen der Bayr. Akad. 30, 39.
1850). Der beherzte Bursch im Beinhause: Reiser 1, 413; Strackerjan2
212. Die Laus. 483
des Leontius oder Don Juan1) nicht ungestraft läßt. — Der im
mündlichen Vortrage noch eindringlicher wirkende Schlußdialog,
den auch englische und italienische Fassungen kennen, erinnert an
Rotkäppchens Gespräch mit dem verkappten Wolf im Bette (oben
1, 237).
212. Die Laus.
1856 S. 267
Es war einmal eine Königstochter, die war so reinlich, daß es
gewiß keine reinlichere auf der Welt gab; sie duldete nicht den kleinsten
Schmutz oder Flecken an sich. Doch ihrer Reinlichkeit zum Trotz ge-
schah es, daß man zu einer Zeit eine Laus auf ihrem Kopfe fand. Ein
jeder rief: 'Das ist ein großes Wunder; die Laus darf nicht getötet, sie
muß mit Milch groß gefüttert werden.' Sie ward also mit Sorgfalt herab-
genommen. Von der guten Nahrung wuchs sie und ward viel größer,
als sonst wohl eine Laus wird, ja am Ende so groß wie ein Kalb. Als
sie gestorben war, ließ ihr die Königstochter das Fell abziehen, gerben
und zubereiten und sich ein Kleid daraus machen. Kam nun ein Freier,
so gab sie ihm auf zu raten, von welchem Tiere das Fell wäre, das sie
zum Kleide trage. Da aber keiner so glücklich war, es herauszubringen,
so mußten sie nacheinander wieder abziehen. Endlich aber kam einer
doch hinter das Geheimnis.
1812 nr. 85b 'Prinzessin mit der Laus'; dann 1822 S. 257,
Bruchstücke nr. 2. Von der Marie zu Kassel am 18. April 1811.
Die ungeheure Laus ist ein alter Volksscherz, den schon
Melander (Jocorum atque seriorum centuriae 1626 3, 41 nr. 41 'De
adolescente quodam sutore') einem Aufschneider in den Mund legt;
dieser will in Kopenhagen eine vom König gehegte Laus von der
Größe einer Ente gesehen haben, die an einer Kette lag und täglich
ein feistes Schaf verzehrte.2) In Poitou glaubt man, wenn man eine
1, 199; Zs. f. Volksk. 16, 294 nr. 33; Joos 2, 148 nr. 45. Le Braz, Legende
de la mort2 1, 288. 2, 10. Blade, Gascogne 2, 324. Knoop, Rogasener
Familienblatt 11, 17 (1912).
*) Bolte, Zs. f. vgl. Litgesch. 13, 389. Klapper, Erz. des MA. 1914
nr. 164. A. de Cock, Verslagen der k. vlaamsche Acad. 1909, 641.
2) 'Vidi ego Hafniae Cimbrorum pediculum anatis magnitudine. Hunc
rex veluti octavum mundi miraculum in deliciis habebat. Quod autem
mirum in modum mordax esset, rex eum catena ferrea, ut nehominesneu
animantia cetera morderet, constrictum asservabat. Erat insuper hie ipse
pediculus ita vorax, ut diebus singulis opimam ovem absumeret. Morie-
31*
484 212. Die Laus.
Laus in einen Topf voll Schmalz setze, werde sie so groß, daß man
einen Handschuh aus ihrer Haut machen kann (Souche, Proverbes,
traditions et conjurations 1882 p. 20).
Daß der König auf das Erraten der Laus- oder Flohhaut,
aus der bisweilen ein Kastenbezug, Trommelfell, Kleid, Schuhe oder
Handschuhe augefertigt werden, die Hand seiner Tochter als Preis
setzt, kommt zuerst bei Basile vor.1) Norwegisch bei *H. Bergh,
Nye folkeev. fra Yalders p. 32 'Lsegdegutten', vgl. Qvigstad-Sandberg
S. X. Im lappischen Märchen bei Qvigstad-Sandberg nr. 52 'Kongen
og lusen' erkennt der Bursch die Laus, weil er sie selber aufgezogen
hat; im litauischen bei Bezzenberger 1882 S. 37 nr. 2 vernimmt der
Bettler das Geheimnis von den Köchen und überlistet auf unsaubere
Art den mit ihm im Zimmer der Prinzessin übernachtenden Neben-
buhler (vgl. R. Köhler 1, 465), im dänischen 'Luseskindspelsen'
(Skattegraveren 11, 235) hilft eine dankbare Ameise dem Freier das
Pätsel lösen und den Nebenbuhler überwinden ; im ligurischen bei
Andrews nr. 3 'La peau de puce' sucht der Jüngling die Magd zu
bestechen ; in den französischen bei Moncaut p. 184 'Le coffret de la
princesse' und Blade, Armagnac p. 18 nr. 5 = Blade, Gascogne 3, 36
'Estienne l'habile' = Blümml S. 90 helfen ihm vier Gesellen mit wunder-
baren Eigenschaften das Geheimnis erraten und den Widerstand des
Königs überwinden. Im portugiesischen (Coelho nr. 39 'A pelle do piolho')
flüstert die Prinzeß dem Ritter die Lösung zu, aber statt seiner hört
sie ein Diener und erhebt Anspruch auf die Hand der Schönen; im
serbokroatischen bei Krauß 1, 279 nr. 65 'Graf und Hirt' rät der
Bursch von selber das Lausfell, muß aber noch andre Aufgaben
erfüllen. In einem andern serbokroatischen (Zbornik jslav. 19, 47
nr. 5) wird die Laus gebraten, und man soll erraten, was für Fleisch
es ist. Slovakisch: Dobsinsky 1,63. Czambel S. 397. Kleinrussisch:
Zdanov, Russ. bylev. epos S. 452 (das Tier in der Büchse soll er-
batur autem, cum menses iam sex Hafniae confecissem, rege interim in-
teritum eius dolenter admodum acerbeque ferente. Vita functum tum in
templo honorifice sepeliendum, tum tumulo eius saxum marmoreum im-
ponendum rex curavit. Lapidi sepulcrali ipse pediculus incisus est, ne
eius memoriam ulla unquam deleat oblivio.' — Das Flohlied in Goethes
Faust I v. 2207 setzt diesen Scherz fort.
J) Vgl. oben 1, 444, wo der verkleidete Bröselbart die Haut der
Wölfin errät und die Prinzessin heimführt. Ebenso errät Twardowski
(Woycieki-Lewestam S. 79) die Biene im Glase. S. auch R. Köhler, Zs.
f. Volksk. 6, 68 zu Gonzenbach nr. 22.
212. Die Laus. 485
raten werden). Drahomanov, Rozvidky 2, 109. 129. Sadok Baracz
S. 76. Großrussisch: Oncukov S. 147 nr. 56.
Mehrfach erscheint unser Märchen mit andern Stoffen verbunden,
denen es als Einleitung dient. So zur Erlösung des Tierbräu-
tigams (oben 2, 236. 247): dänisch bei Grundtvig, Folkeseventyr
1, 192 nr. 16 'Ulv kongeson' = Leo-Strodtmann 1, 252, Grundtvigs
hsl. Register nr. 26 b 'Luseskindet', Skattegraveren 12, 120 'Hugormen
og lusebselgen' ; schwedisch bei Hylten-Cavallius och Stephens 1, 325
nr. 19 a 'Ulf-prinsen' mit Anm. und Aberg nr. 228 'Prins Löpandiorm';
estnisch bei Dähnhardt, Natursagen 3, 473. — Sodann zu slovaki-
schen und kleinrussischen Passungen des Königs Drosselbart
(oben 1, 449. Schuh aus Lausleder). — Perner zur Flucht
aus dem Hause des Räuberbräutigams (oben 1, 399) im sicilia-
nischen Märchen bei Gonzenbach nr. 22 'Vom Räuber, der einen
Hexenkopf hatte'; der Rätsellöser tötet wie Blaubart zwei Schwestern,
die dritte aber verbrennt den wahrsagenden Kopf, in dem sein Leben
steckt, und belebt die Getöteten. Serbokroatisch bei Mikulicic S. 97
nr. 18 (Handschuhe aus Laushaut). Polnisch: Malinowski 2, 127
(Prinzessin vom Teufel besessen). — Die vom Menschenfresser ge-
fangene Heldin wird durch sieben Brüder mit wunderbaren
Eigenschaften (oben 2, 79. 3, 45) erlöst bei Basile 1, nr. 5 'Lo
polece' (vgl. oben 2, 84); ähnlich bei Schneller nr. 31 'Die Frau des
Teufels' (Handschuhe aus Lausfell; vier Gesellen); griechisch einge-
legt in die Erzählung 'Das goldene Kästchen' bei Pio p. 104 =
Mitsotakis S. 58 = Geldart p. 118 (Ameisenhaut, Mohr, sieben
Brüder) und Revue des trad. pop. 12, 201 'L'epouse du diable' (aus
Lesbos; drei Brüder); NeosAAfjVixä 'AvccAextcc 2, 118 nr. 35 (aus
Naxos. Teufel); albanisch bei Mitkos nr. 10 — Archiv f. Litgesch.
12, 118 nr. 8 'Die sieben Brüder mit den Wundergaben' (vgl. R.
Köhler 1, 389) und Dozon nr. 4 'Le pou' ; rumänisch bei S^äinenu
p. 768 'Pelea de purice' ; bulgarisch Sbornik min. 5, 149. 11, 138
(Arnaudov S. 44 nr. 28). 16—17, 280 = Leskien S. 84 nr. 20
'Der Teufel, der das Flohfell erkannte'. — Statt des Teufels
erhält in einem italienischen Märchen aus der Romagna
(Archivio 22, 123 'E're Ggobbetto') ein Buckliger, der das
Geheimnis des Lausfells erlauscht hat, die Hand der Königs-
tochter; sie wird aber bald seiner ledig, da ein Knecht, der die
Leichen dreier Buckligen fortgetragen hat, aus Ärger über den
immer wiederkehrenden Buckligen auch ihn ins Wasser wirft. Diese
486 212. Die Laus.
Verbindung mit dem mittelalterlichen Schwank von den drei Buck-
ligen treffen wir bereits in einer 1545 gedruckten Novelle von Doni
an, in der jedoch nicht ein Lausfell, sondern die Lunge einer Eidechse
ausgestellt wird, die zum Umfange eines halben Krokodils herange-
füttert worden war (Doni, Novelle ed. Gamba 1815 nr. 1. Pillet,
Das Fableau von den trois bossus menestrels 1901 S. 35). In einer
abenteuerlichen spanischen Fassung bei Caballero, Cuentos populäres,
1878 p. 62 'La joroba' muß die Königstochter einen buckligen
Bettler heiraten, weil dieser herausbringt, daß ihr Tamburin aus
einem Fenchelstengel und einem Lausfell besteht; zwar zerfällt er
beim Durchwaten eines Flusses in Stücke, aber sein Buckel haftet
an ihr; sie wird Küchenmagd im Schloß, heiratet den Prinzen und
befreit sich vom Buckel. Ähnlich aus Chile bei Lenz, Cuentos de
adivinanzas nr. 3 a 'Palito de hinojo. tamborcito de piojo' und 3 b
'El piojo de rei' (Revista de folklore chileno 2, 360). In einem bas-
kischen Märchen 'Le pou' (Vinson p. 70; vgl. Webster p. 191) ist
der Rätselrater der Teufel; er wählt die jüngste Königstochter Fifine
zur Frau und fährt mit ihr davon; aber die hilfreiche Schimmelstute
bannt ihn für sieben Jahre in die Erde und rät Fifine, sich als
Mann zu kleiden usw. In einem rumänischen Seitenstück bei
Schott S. 171 nr. 16 'Die Kaiserstochter und das Füllen' weiß der
Drache durch seine Zauberkunst, daß die Trommel mit Laushaut be-
spannt ist; aber die Schöne entrinnt ihm als Mann verkleidet auf ihrem
treuen Ross. Auch im türkischen bei Künos, Stambul S. 172 = Jubil.
Sborn ik Miller S. 191 nr. 18 rettet 'Kamertaj das Mondroß' die Prinzeß zwei-
mal vor dem Dew, der sie durch Erraten des Lausfells gewonnen (dazu
Briefvertauschung wie oben 1, 20. 301). In der arabischen 'Histoire de
Daläl' (Spitta-Bey p. 61) entrinnt die Prinzeß dem Menschenfresser
das erstemal durch Kleidertausch mit einer Alten, später rettet die
h. Zenab sie vor ihm gegen das Versprechen ihres ersten Kindes
(vgl. oben 1, 19). *Green p. 83. Eine Variante bei Desparmet 1,
407 'Le ghoul blesse en maraude' beginnt wie die zweite Gruppe
des ßäuberbräutigams oben 1, 373, die Prinzeß verrät selber dem
Ghül den Ursprung des Lausfells, ein Löwe rettet sie vor diesem.
213. Der starke Hans. 214. Der gestiefelte Kater. 487
213. Der starke Hans. im s. aa&
Der starke Hans kommt zum Teufel in die Hölle und will ihm
dienen, da sieht er die Töpfe beim Feuer stehen, worin die Seelen stecken.
Mitleidig hebt er die Deckel auf und erlöst sie, worauf ihn der Teufel
wegjagt.
1822 S. 258 nr. 3 ohne Angabe der Herkunft. — Vgl. oben 2,
423 nr. 100. Eine ähnliche Schilderung der Hölle bei Bächtold,
Schweizer Märchen 1916 S. 47 'Der Geißbub im Illgraben'. M. Moe
zu dem norwegischen Märchen 'Soldaten, som koka for den vonde'
(Norvegia 1,39. 1908). — Zu den Nachweisen über die Seelen der
Ertrunkenen in Töpfen oben 2, 423 x vgl. noch Mitt. f. schles. Vk.
8, 107. Schulenburg, Volkssagen S. 124. Öesky Lid 6, 160. Poh.
a pov. nas. lidu S. 75. Pfikryl S. 333. Wlislocki, Volksdichtungen
S. 226 nr. 22.
214. Der gestiefelte Kater. 1356 s 26a
Das Märchen wird gewöhnlich nach Perraul ts französischer
Darstellung erzählt, doch hat sich bei den Siebenbürger Sachsen
(Haltrich nr. 13) eine eigentümliche und gute Überlieferung erhalten,
der Federkönig. — Vgl. oben 1, 325 nr. 33a. Dazu norwegisch:
Bergh nr. 2 = Stroebe 2, 242 'Helge-Hai im blauen Berg'. Berge
1914 S. 74 'Aasmund min herre'. Bugge-Berge 2, 15 'Kong kat paa
Hoiborg slot med fireogtyve forgjddte kroner'. Slovakisch: Casopis
muz. slov. spol. 17, 7 nr. 9 (1914). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk
37, 265 nr. 205—208 (aus Galizien). Weißrussisch: Sejn 2, 128
nr. 58 = v. Löwis nr. 15. Keunion: Pevue de linguistique 16,
64 (1885). Berberisch: Laoust p. 192 'L'homme et le singe'. —
Zu 1, 3321: Leskien nr. 37 (= Bos. nar. pripov. S. 60 nr. 15);
Armenisch : Servanzdiantz, Manana nr. 9 = Folklore 23, 220.
488 215. Die böse Schwiegermutter.
1856 s. 269. 215. Die böse Schwiegermutter.
Es war ein König und eine Königin, die hatte eine bitterböse
Schwiegermutter. Einmal zog der König ins Feld, da ließ die alte
Königin ihre Schwiegertochter unten in einen dumpfigen Keller ein-
sperren und ibre zwei Söhnlein zu ihr. Eines Tags nun spracb sie zu
sich selbst: 'Ich hätte so Lust, das eine von den Kindern zu essen, rief
ihren Koch und hieß ihn hinuntersteigen, das eine Söbnlein zu nehmen,
zu schlachten und zuzurichten. 'Mit was für einer Brühe?' fragte der
Koch. 'Mit einer braunen,' sprach die alte Königin. Da ging der Koch
in den Keller und sprach: 'Ach Frau Königin, die alte Frau Königin will
haben, ich soll heut abend Euren einen Sohn schlachten und kochen.'
Da war die junge Königin herzlich betrübt und sagte : 'Ach, wollen wir
nicht ein Schweinchen nehmen ? Das koch doch so, wie sies haben will,
und sprich, es wäre mein Kind gewesen!' Der Koch tat so und trug das
Schweinchen in brauner Brühe auf: 'Da wäre das Kind;' und sie aß es
auf mit großem Appetit.
Bald darauf dachte die Alte: 'Das Kinderfleisch hat mir so zart
geschmeckt, du willst das zweite auch essen,' rief den Koch und hieß ihn
in den Keller gehen und den zweiten Sohn schlachten. 'Mit was für
einer Brühe soll ich ihn kochen?' — 'Ei, mit einer weißen,' sprach die
alte Königin. Der Koch ging hinunter und sagte: 'Ach, die alte Frau
Königin hat mich geheißen, daß ich nun auch Euer zweites kleines
Söhnlein schlachten und kochen soll.' Die junge Königin sprach: 'Nimm
doch ein Spanfei kelchen und koch es, wie sie es gern haben will!' Das
tat der Koch und setzte es der Alten vor in einer weißen Brühe, und sie
speiste es mit noch größerm Appetit.
Endlich dachte die Alte: 'Nun sind die Kinder in meinem Leib,
du willst nun auch die junge Königin essen,' rief den Koch und befahl
ihm, die junge Königin zu kochen. (Fragment. Beim dritten Mal
schlachtet der Koch eine Hirschkuh. Nun hat aber die junge Königin
ihre Not, daß sie ihre Kinder vom Schreien abhält, damit die Alte nicht
hört, sie seien noch am Leben, usw.)
1812 nr. 84; gekürzt 1822 S. 259 nr. 5. Von Hassenpflugs in
Kassel am 18. April 1811. — Das italienische und französische
Märchen vom Dornröschen bei Perrault und Basile (5, nr. 5) stimmen
in ihrem Schluß hiermit überein, welcher aber im deutschen fehlt.
Vgl. oben 1, 435. 438.
216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern. 489
216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern. 1836 s 270.
Wickerlin, Weckerlin,
Wut mit mir essen?
Bring [mir] ein Messer. —
Wickerlein, Weckerlein,
Lauf übers Ackerlein,
Hat mehr Bein dann meiner Hund kein.
Fischart, Geschichtklitterung cap. 25 im Spielverzeichnis an
zwei verschiedenen Stellen (1891 S. 263a und 267a, zuerst 1575 und
1582). — Die ersten Zeilen bezeichnen wohl ein Kinderspiel;
der Schluß ist ein Rätsel von der Egge (Rausch, Jahrbuch f. Gesch.
Elsaß-Lothringens 24, 142); vgl. Wossidlo 1, 61 nr. 109—110 mit
der Anm.
Die Finger krachen,
Die Männer wachen.
Eischart, ebd. (1891 S. 264b, zuerst 1575). — Ein Spiel
der Mädchen, die sich an den Eingern ziehen. So vielmal sie
krachen, so viele Jahre muß man noch bis zum Heiraten warten
(Rausch, Jahrbuch 24, 137).
Mathes, gang ein ! Pilatus, gang aus !
Ist eine arme Seele draus.
Arme Seele, wo kommst du her? — — —
Aus Regen und Wind,
Aus dem feurigen Ring.
Andreas Gryphius, Horribilicribrifax 1663, 1. Aufzug =
Gedichte 1698 S. 768 = Lustspiele ed. Palm 1878 S. 76. — Die
Worte gehören zu den Besegnungen, mit denen die alte Hexe
Cyrilla jedesmal (auch S. 91 und 139 bei Palm) auftritt. In der
Geliebten Dornrose (3. Aufzug. Palm S. 307 f.) nennt die alte Salome
ihre ähnlichen Zaubersprüche 'schöne Gebetlein'.
490 217. Der dankbare Tote.
Märchen aus dem Nachlasse
der Brüder Grimm.
(Nr. 217—225.)
217. Der dankbare Tote und die aus der
Sklaverei erlöste Königstochter.
Da sied mal drey Brüder gewesen, und de sied üb drey Schippe
up ein grot Water gangen. Un as ße wieder an dat Land kummen sied,
da es de jüngste Broder in en Wirzhus gangen. Unn as he in de Güken
(Küche) kummet, da sit da in den Schorrenstein ein arm Mann, un da secht
he für den Wert: 'Warum sit de Mann da? Ik wir ünne loß maken.'
— 'Neh,' seh de Werd, 'de kummt nie laus, bis he siene Vertehr betalt
hat.' Un da hat sick den jüngste Broder drei Dage da verlettet (auf-
gehalten) un het alles, wat he hat hat, verkaupet; un ase de drei Dage
umm waren, da wor de arme Mann in den Schornstein schon dautd, un
da hat de ünne örrentlig begrafen lautden.
Un asse he wieder an den Watter kam, da wassen siene Broder
wech schippet, un da is he in eine Schuiee (Schute) sie nah trocken.
Awer asse de Broder sahen, dat he wieder da was, da hat sie in asse
Schlawen an den türgkischen Sultan verkopt. Un die Türkensultan hatte
ein Dochter, die hatte den Schlawen so leif, weil he son schön Utsicht
hatte un so wacker spielen und flöten kun. Un da het mal de türkische
Sultan ein anner Schip fangen, un da is eine adelige Frohlen mit fief
Kammermekens up west. De hat awer schwere Arbeit doen mutten, un
de Schlawe hat sie alle seß mutten vor eine Plog spannen und hat die
Land damit ackern mutten. Un dat hett die Sultansdochter ansehn un
is to ihren Vater gangen un hat üne Hänn un Föten küsset unhatsegt:
'Lewe Vater, gewet mir den Schlawe to mien Ehmann!' Aber den
Sultan is bösie worn un hat secht: 'Du, du rieke Dochter, wollst den
armen Schiperjungen to dienen Manne niemen?' Un da het sie ant-
wortet: 'Un wenn ik den Schiper jungen nit hewen soll, so mutt ik mit
gesunen Hertten sterwen.' — Un asse et da de VaderVerloft giwen het,
da het de Schlawe to sienen Brut segt, sie möchte doch auk für die seß
217. Der dankbare Tote. 491
Jungfrnhen bitten, he kun nicht mehr ansehen, dat sie ihr Schweis un
Blot in den Ploch vergotten. 'Ja', sie de Vater, 'weil du meine einzige
Dochter bist, so will ik dat auk die togiwe; un nun set die mit deinen
Brumen (Bräutigam) in den Kutschen un besüh man dat ganze Land!'
Un dat het sie auk dahen, und do sind so viele Kutschen hinnenher
trocken, un in einer het de Brut mit ihren Brumen satten, und in den
annern hat de adelige Frohlen setten, und in den dritten de Kammer-
mäkens, un in noch vile Wagens Hochtitgäste, und in noch ander
Kutschen Spiellühe mit Walthören, Trompetten un alle den schöne Musik,
de sick ein Mensch nur erdenken kan.
Da sied sie in dat ganze Land herum trocken, un asse an dat
Water quamen, da hat die Brumen segt: 'Nun hewe wie dat ganze Land
besehn; nun mut mine Brut auk sehen, we et up den Water utsüt.
Kum, meine liebste Braut, nun mußt du mich Verlöf giewen,
daß ich erst mit den sechs Frauensleuten spreche, und wenn ich dann
damit gesprochen habe, so komm ich wieder zu dir.' Un do hat he de
seß Jungfrauen in ein Schut fohit, un da is he wieder an de Kutsche
von de Sultansdochtcr gahen und hat to ihr secht: 'Du bist eine brafe
Maken, awer ik häwe mi schon mit der Frohlen verlowet. Wüst du nun
wemütig von uns scheiden un nah deinen Vater toruge gehen, ode mit
uns nah usen Lanne gehen?' Un do hat de Sultansdochter stark grinen
un is mit de Hochtitsgesten wieder to eren Vater trocken.
Un he is mit siener Brut un den fief Kamermeken nach siem
Vatterland torüge kert un hat sick an den Uwer in einen kleinen Huse
settet un hat sick da erlig ernehrt, und de Kammermekens he wet stricket
und neihet, und asse noch ein half Gar was herum, hewet se einen
kleinen wakern Sohn bekumen. Und da het de Frühe segt: 'Ach, wan
dat min Vater, de Konig von Engeland, sieht, so wüst er nicht, was er
vor Freuden tuhen sollte.' Do het die Mann in de Hende schlagen und
het sick sehr verwunnert, dat sine Früh des Königs von Engeland
Dochter wer. Und ase wieder twe Monde wassen herum, da is de
hüpsche Früh des Morgens to ünne kommen un hat segt: 'Mein liewe
Johannes, mi het diese Nachte draumet, dat du eine Reise nah min Vater
machtest un he die sehr gut upnemen de. Wolltes du wohl über Watter
nach ünne ?' — 'O ja', seh de Mann, 'dat will ik dohen.' Un da is de
Frühe hinsahen fürihrSchrin und het drei rohte schöne gestikte Fahnen
langet und hat to ihrn Manne secht : 'Mein liebe Man, wen du vor Enge-
land kommst, so lat de Fahn in den Wind wehen!'
Un as he nun vor Engeland kummen is, do het he dat auk dahen,
un da sieht de Schiplühe ünne kummen unn het ünne mit sine drei
Fahnen einfangen ; dan es dorfe kein Schip ase men den Kuning sine so
schöne Fahnen dragen. Un da het se üne gefangen settet, un da het he
492 217. Der dankbare Tote.
so lange setten, dat sin Bath ganz lank was, un da het de Richter schwer
über ün urteilt, dat he in drei Tage soll dot maket wehrn. Da hat he
ein von den Tokeke (Tüchlein), de üne siene Früh mitgiwe het, an den
Kunig schiket, und da is mit goldenen Bokstawen einen Breif upstiken
west von siner Dochter. Un asse dat de Kunig seht, do hat he in den
Gefengnisse schicket und het inne to sik ropen laten. He het aber nicht
herut wollen, bis ers de Bard afschniden is. Un ase do ton Konig
kummt, do het he in de twe andern Doke auk giewen un het unne alles
vertelt. De Kunig is awer so voller Froden west und het segt: 'Ach,
lewet mine Dochter Theresia noch! Nun bin ik wieder froh. Ach min
liebe Johann, ich will meine Tochter und deine ehlige Frau mit allerlei
Instrumente holen lassen.' Und da kamen alle Freunde und Verwante
von den Konig und setsen sick mit Johanne und den Musekanten to
Schipe, um de Konistochter to holen.
Un asse nun wieder mit der Königstochter und den kleinen
Kindchen torucke gingen, do was so ein böser Bedienter, de will de Früh
gerne frige, un do schtot he den Johannes in den Watter un sah to de
Früh, wenn sei dat wieder sagte, so woll he ihr auk ut den Schip
werpen. Und Johannes ret drei Spalierhold af, un damit halp he sik
wieder torige bit bald bi den Lanne. Do hörde er eine Stemm : 'Johannen,
lustig voran!' Un ase nn an den Laune kam, do stand da de Mann,
den he damals in den Schorrenstein hette funnen, un de sähe to üne:
'Nu machts du dik wat wünschen.' — 'Ick will, dat ik in Engel and wehr.'
— 'Do do schollst du glik sein. Und da buhet dien Früh eine Kerke, da
soll seh sik mit Gewalt mit den bösen Bedienten in tosammen giwen laten.
Do kannst du für twelf Mann in arbeiten.'
Un da was he auk gleich in Engeland, do meld he sik bi den Bau-
meister an für twelf Tage arbeiten. Un as he nu da an is, da kom mit
seß schwarten Perden de Königstochter gefahren, und als dat de Johannes
sa, da wischte he sik mit den schwarten Dok, de se in giewen het, druge
hie sik de . . . [Der Schluß mit der frohen Wiedervereinigung der Gatten
fehlt.]
Aus dem Münsterlande, in den Jahren 1812 — 1814 durch
die Familie von Haxthausen erhalten. Gedruckt 1915 in der Zs. f.
Volkskunde 25, 34 durch J. Bolte.
Eine aus gleicher Quelle stammende Erzählung 'Des Toten
Dank' (Zs. f. Volkskunde 25, 33) stimmt nur im Anfange überein;
der Geist des bestatteten Gehängten verhilft dann als Bedienter des
barmherzigen Schneidergesellen diesem zu Reichtum.
Et was emoel en Schniederbursen, de wull reisen un heff nix mehr
asse drey Dahler Geld; do kümmt he buten by et Gericht (Galgen) her,
217. Der dankbare Tote. 493
do henkt do en armen Sünder an. Do seg he: 'Wat döt mi dat leed,
dat du do henkst vor Schimp un Spott!' Un so geit he no en Richter,
he mög em doch den armen Sünder gierwen. Do seg de Richter: 'Ne,
dat doh ick nich, dat heff he verdeint.' Men de Schnieder begehrt em:
'0 doht et doch, ick will ja auck mine drey Dahler gierwen.' Do gifft
em de Richter; he geit fohrts hen und nimmt en vont Gericht äff un
begräff en in de Erde un seg : 'Nu lieg in Gottes Namen !'
Esse dat verbie is, geiht he weg un kiimmt in en grauten Wold, do
kümt en son erschrecklich unnüsel (unbegreiflich) grauten Kerl in de
Möte (entgegen), de süt so gruelig ut, dat he dervör in ene schreckt. Do
seg de Kerl to em: 'Wo wut du hen?' — 'Ick wull reisen, ick sin en
Schnieder.' — 'Je,' seg de gruelige Kerl, 'ick will dien Bedienten sien.' —
'O Heer,' seg de Schnieder met Schrecken, 'ick hebbe sölfst nich to lerwen.'
— 'Kum du men to,' seg de Kerl. Do goht se no de Stadt un no en
Kledermaker un köfft em drey Kleder, met Gold un Sülwer sticket, un
mackt em sine Hoere so nett asse der to; un do geiht de graute Bedienten
no den kaiserlicken Hoff un seg, do wör en jungen Ridder, de wull gern
Middag met an de Tafel gohn. Froget se em, wu de hedde. 'Je', seg he,
'et is mien Heer, de Name segge ick ju nich, de mot verschwiegen sien.'
Also kümt he den Middag, se nimt en ganz fröndlick up, he is so schön
un so ardig, ene will den no leiwer by Sitten asse de andere; un de Graute
geit der achter stöhn un wachtet em up. No den Disk spierlt se in
Karten, un he gewinnt alles, by den twerlfdusend Dahler. Do neidiget
(nötigten) se em wier to det Owenderten (Abendessen), men de Graute
seg, he soll nu met gohn. He döt sick bedanken un geit ~reg. Do huert
(mietet) em de Graute en Wagen met sess Rerde, do settet he sick in
und föhrt weg bes in en Wold.
Do is do son graut olt Schiott; kloppet de Graute an: 'Du Olle,
mak orpen ! Mien Heer sali hier wurnen.' Do kümt der en griesen ollen
Mann, de heff en Mantel um und heff en Bort, de henk em bes up de
Schöbe, de seg : '0 late mi doch met Frerden ! Ick hebbe no sierwen
Bröers, de ligget unnen in en Keller, de sind met Kierden (Ketten) an-
schlorten, un wann de los keimen, de terrierten alles. Also hier kann
kien Mensk wuhnnen.' — 'Ne,' seg de Graute, 'mien Heer sali hier
wuhrnen.' Seg de Griese: 'Ick will di gern alles gierwen; lat mi doch
met Frerden!' — 'Dann giff mienen Heeren en goldenen Wagen met
seß schwatte Perde un en goldenen Degen un ne goldene Uhr un Milli-
jonen Dahler Geld!' Dat giff he em auk alle. Esse de Schnieder dat
heff, schleit dat Schiott in de Erde herinn, un he kann nich sein, wo et
stöhn heft hedde.
Do seg de graute Kerl, off he auk wüste, wat he vor enen by
sich hedde. 'Ne', seg de. 'Ick sin de arme Sünder, de du hest von de
494 217. Der dankbare Tote.
Galge normen. De Geister sind in sierwen Klassen, ik sin von de dank-
boren Geister.' Un he verschwindt, an de Schnieder hef f genog vor sien
ganze Lerwen.
Diese beiden Erzählungen sind mehrfach getrübte und gekürzte
Fassungen des Märchens vom dankbaren Toten, dem bereits
verschiedene ausführliche Untersuchungen gewidmet worden sind.1)
Seine Hauptzüge sind folgende : A. Der Edelmut des Helden zeigt
sich, indem er (A1) den von hartherzigen Gläubigern mißhandelten
Leichnam eines Schuldners loskauft und bestattet und (A2j eine
gefangene Jungfrau aus türkischer Sklaverei oder aus der Gewalt von
Räubern befreit oder (A3) die befreite schöne Jungfrau ihrem Ver-
lobten zurückgibt. — B. Er wird durch Leiden auf die Probe
gestellt: (B1) sein Vater enterbt ihn als leichtsinnigen Verschwender,
(B2) seine treulosen Brüder verlassen ihn, (B3) ein Neider stürzt ihn
ins Meer und trennt ihn von seiner Gattin. — C. Der Geist des
Toten, der als Greis, Diener oder Fuchs auftritt, belohnt ihn : (C1)
er verhilft ihm zu Reichtum und zur Heirat mit einer Prinzessin ;
oder (C3) bringt den ins Meer Gestürzten zu seiner Gattin; (C3) er
verlangt die Teilung der Frau, aber nur, um die in ihrem Leibe
steckenden Giftschlangen zu entfernen oder (C4) um nochmals die
Treue des Jünglings zu prüfen und sich dann zu offenbaren. —
Danach besteht unsere zweite münsterländische Fassung aus den
Motiven A1 C1, die erste dagegen aus A1B2A2B3C2; doch ist in ihr
vor B3 noch ein besonderer Zug (D) eingeschaltet : die befreite
Jungfrau sendet nach ihrer Heirat mit dem Helden diesen nach England
und gibt ihm eine Fahne mit, die er am Schiffe wehen lassen soll ; hier-
aus oder aus einem gestickten Tuch erkennt der König von England, daß
er von seiner Tochter abgesandt ist. Anderwärts ist es ein Bild der
jungen Frau, das die Erkennung herbeiführt. Eine Entstellung der
Überlieferung zeigt der Anfang von dem im Schornstein des Wirts-
hauses sitzenden Schuldner, der, bevor der Held ihn befreien kann,
a) Vgl. insbesondere K. Simrock, Der gute Gerhard und die dank-
baren Toten (1856); R, Köhler, Kleinere Schriften 1, 5—39. 220. 424.441
(1898) ; Hippe, Untersuchungen zu der megl. Romanze von Sir Amadas
(Archiv f. neuere Sprachen 81, 141—183. 1888); Dutz, Der Dank des
Toten in der englischen Literatur (Progr. Troppau 1894); G. H. Gerould,
The grateful dead, the history of a folk story (London 1908); W. Benary,
Hervis von Metz und die Sage vom dankbaren Toten (Zs. f. roman.
Philologie 37, 57—92. 129-144. 38, 229—232).
217. Der dankbare Tote. 495
verscheidet. Vielmehr wird im Romane vom Herzog Herpin der
tote Schuldner in einem Sack in den Schornstein gehängt, wie auch
Woestes westfälische, Wissers holsteinische und die dänische Fassung
im Skattegraveren 9, 177 berichten.1)
Bei der Musterung der übrigen Fassungen wollen wir zunächst
die seit dem 16. Jahrhundert in Prosa und Versen, auch in dramatischer
Form aufgezeichneten ins Auge fassen und uns darauf den mittel-
alterlichen zuwenden.
Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Am Herdfeuer der Sennen
S. 179 = Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis S. 118 nr. 142 'Vom
Pflasterbub zum Prinzen' (A1- 2 B1, 3C2. Toter als Hase) = Bächtold S. 306.
Aus Schwaben bei E. Meier nr. 42 'Der Sohn des Kaufmanns' =
Simrock, Gerhard S. 54 nr. 3 (A* * B1' ■ C*. Toter als Vogel, Karl
erklärt dem König sein Gemälde). Aus Tirol bei Zingerle, Zs. f. dt.
Mythol. 2, 337 'Der tote Schuldner' = Simrock, Gerhard S. 62 nr. 5
(A1- 2 D B6 C2). AusSiebenbürgenbei Haltrich nr. 9 'Die Hälfte von
allem' (A1- 2 B1 C2' 4) Aus dem 0 d e n w a 1 d bei Plönnies, Zs. f. dt. Myth.
2, 374 'Des Toten Dank' = Simrock, Gerhard S. 51 nr. 2 = Zaunert
S. 245 (A1'2B1DB3C4. Als Küchenjunge wirft der Held seinen
Ring in die Suppe der Prinzeß ; der Geist verlangt die Hälfte seines
Kindes). Aus dem Rheinlande: Wolf, Hausmärchen S. 243 'Des
Toten Dank' = Simrock, Gerhard S. 46 nr. 1 (A1' 2 B1 D B3 C4. Der
Tote als Schwarzer, Erkennung durch Gemälde, Hälfte des Kindes
verlangt). Simrock, Märchen S. 304 'Der dankbare Tote' = Simrock,
Gerhard S. 65 nr. 6 (aus Xanten. A2- » D B3 C2). Simrock S. 308
'Der gläserne Berg' = Simrock, Gerhard S. 68 nr. 7 (aus Xanten.
A1 C2, angeschlossen an den 'Trommler', oben S. 408). Aus Westfalen:
Woeste, Zs. f. dt. Mythol. 3, 46 'De witte Swane' = Simrock, Gerhard
S. 75 nr. 8 = Dähnhardt, Dt. Märchenbuch 2, 30 (A1- 2D B3 O «.
Toter als Schwan und Männchen, Erkennung durch Ring in der
Tasse, Hälfte des Sohns verlangt). Aus Hannover bei Busch
S. 47 'Der Königssohn mit der goldenen Kette' (A1- 2 B3 C2. Er-
kennung durch Flötenspiel). Vom Harz bei Pröhle, KVM. S. 239
nr. 78 'Die rote Fahne und der Ring der Königstochter' = Simrock
S. 58 nr. 4 (A1- 2 B1 D B3 C2. Erkennung durch Ring). Aus 0 1 d e n-
l) Als Strafe und Marter für Lebende kommt das in den Rauch
hängen bei Pröhle, KVM. nr. 46, im slowakischen Märchen von der unter-
geschobenen Braut bei Nemcovä 1, 159 nr. 16 und in Erzählungen über
die Gewalttaten schwedischer Soldaten (Simrock, Gerhard S. 153) vor.
496 217. Der dankbare Tote.
bürg bei Strackerjan 2, 308 = 2. Aufl. 2, 453 'Der dankbare Tote'
(A1-2B1DB3 C2. Toter als Taube, Eing im Becher), Aus Holstein
bei Wisser, Plattd. Vm. S. 107 'De Kopmannssöhn' (A1' 2 B3 C2. Toter im
Schornstein, zwölf Mädchen im Pfluge, Toter als Fisch, die durch den Eid
zum Schweigen gezwungene Prinzessin klagt ihr Leid dem Stein). Wisser,
Eutiner Kalender 1917, 53. Aus Pommern bei Jahn l,182nr. 34 'Der
Schiffer und die drei Königstöchter von Engelland' (A1,2B1 D B3 C2.
Toter am Galgen, feindseliger Schwager, Toter als Adler trägt den Helden
und überreicht ihm den Bauplan des Turmes, den die Königstöchter
verlangen); 1, 190 nr. 35 'Die Mädchen im Pfluge' (A1-2 B3 C2. Toter
als Vogel, der Held läßt sich von der Hochzeitstafel Braten und
Wein holen); 1, 370 (A2DA1B3C2. Bilder der Königstochter und
ihrer beiden Mägde, Erkennung durch Ring im Becher). Bl. f. pomm.
Volksk. 9, 158 'Die Königstochter und der Bauernsohu' (A2 B8 A1 C2.
Entstellt). Aus Westpreußen bei Behrend nr. 13 'Der barm-
herzige Edelmann und sein Läufer' (A1C1-4. Der Diener verschafft
ihm Wunschbeutel, Mantel und Schwert und bekämpft für ihn den
Drachen); nr. 25 'Die geraubte Prinzessin' (A2,1DB3C2. Johann
flieht mit der Jungfrau aus der Räuberhöhle und schlichtet nachts
den Streit dreier Geister, malt die Zimmer des Schlosses aus).
Holländisch aus der Nähe von Amsterdam in der Genter
Zs. Volkskunde 16, 94 nr. 51 'De dankbaare doode' (A1- 2 D Bs C2.
Gerrit entflieht mit der Prinzeß aus der Räuberhöhle; beider Kind
wird durch den Geist der toten Frau herbeigeholt, nachdem der
treulose Schiffskapitän den Helden ins Meer gestoßen hat, und
bezeugt vor dem Könige die Erzählung Gerrits). — Vlämisch:
P. de Mont en de Cock, Wondersprookjes p. 208 'Van de konings-
dochter en den bakkersknecht' = Revue des trad. pop. 2, 421 'De
la Alle de roi' (A2B3A1C1. Der Bäckergesell verschafft dem diebischen
Toten Grabesruhe, indem er das gestohlene Geld dem Eigentümer
zustellt, und erhält dafür dessen Haus). — Dänisch: Grundtvigs
hsl. Register nr. 67 'Den dodes hjcelp'. Grundtvig, Minder 1, 71
'Det fattige Lig' (A1^); 1, 96 'De tre Mark' (A1^. Kirchendach
dient als Schiff). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 288 nr. 38 (A1 C1
verbunden mit dem Märchen Gr. 22 'Das Rätsel', vgl. oben 1, 190)
und 3, II 'Engelens Folgeskab' (ebenso); 1, 301 nr. 39 'Den hvide
Silkedreng' (A1 O 4. An den gestiefelten Kater, oben 1, 331, erinnert
die Art, wie der weiße Diener dem armen Burschen Land und Herren-
haus verschafft); 1, 309 nr. 40 'Den gronne Dreng og de tre Hexe'
217. Der dankbare Tote. 497
(A1 C1. Der grüne Diener holt sich Wunschmantel, Degen und Börse
und schafft den von der Prinzessin versteckten Ring, Halskette und
Hexenhaupt, wie in Andersens 'Reisekamerad' oben S. 83); 2, 282
nr. 43 'Baadsmand Ole' (A2B3C2. Anfang ähnlich Gr. 125. Ole
rettet die Königstochter aus der Räuberhöhle; ein altes Weib, dem
er Kautabak reicht, schenkt ihm eine Wunschbörse und schafft ihn,
als ihn Skidimomme ins Meer stößt, nach England); 4, 64 nr. 10
'Ligets Hja3lp' (A1C1; gehört zu Andersens 'Reisekamerad'). Kristensen,
Danske Folkesev. nr. 32 'Den dode hjcelper' (A1 C1. Führt den
Soldaten im Bleischiff nach England und verschafft ihm Schloß und
Land wie der gestiefelte Kater). Skattegraveren 7, 154 'Den dodes
bjselp' (A2,1B3C2. Jan kauft in China eine englische Prinzessin los;
der Geeist der begrabenen Chinesin schafft ihn nach England ;
Erkennung durch Harfenspiel); 9, 177 'Den dodes hjselp' (A^DB3^.
Karl Edvard sieht die englische Prinzeß mit ihrem Kammermädchen
den Pflug ziehen; in London erkennt die Prinzeß das ans Fenster
des Gefängnisses gehängte Taschentuch). Madsen 1870 S. 22 'Stakkels
Jonas' (A1,2 B1 D B3 C2-4. Schwedische Königstochter im Pfluge;
Ring im Becher; Sohn dem Vogel versprochen). Kamp, Folkesev. 2,
150 nr. 15 'Hans Vovehals' (A2- * B3 C2- 4. Rettet die Königstochter
von England aus der Räuberhöhle ; sie erkennt das gestickte Hemde
am Zaun ; Teilung des Kindes verlangt). — Schwedisch: Hammar-
ske'-"! och Imnelius, Svenska folksagor 1819 1, 157 'Pelle Bätsman',
auch als Volksbuch 1824 u. ö. gedruckt (Bäckström, Sv. folkböcker
2, 144—156), enthält die Motive A1, 2 B3 C2; der Schuhmacherlehrling
Pelle befreit die armenische Königstochter Clelia aus der Gewalt der
Räuber und weist ihr, als er ihr Schuhe bringt, den von ihr
gearbeiteten Geldbeutel vor. Aberg nr. 97 'Pälle Bäsman' (dasselbe
vergröbert) und nr. 256 'Skepparen, som blef gift med kungens
dotter' (A2B1#3C2. Zwei Mädchen im Pflug; Erkennung durch Ring
im Becher; statt des dankbaren Toten schafft Jesus den Helden von
der Insel zu seiner Braut). Allardt nr. 130 'Om karlen som räddade
prinsessan' (A2 B3 A1 C2) ; nr. 131 'Hans, som frälste prinsessan frän
sjöröf varena' (A2 B3 A1 C2 ; Prinzessin von Preußen, zwei Tote schlagen
sich). Hackmans Register nr. 506. — Norwegisch: Asbjörnsen-
Moe nr. 99 'Krambodgutten med Gammelostlasten' (A1,2B3C2). *Moe,
Indberetning p. 18 (Norske Univ. og skoleannaler 1880, 253). —
Isländisch: Arnason 2, 473 = Poestion S. 274 nr. 33 'Thorstein
der Königssohn' (A1, 2 B3 C2). Rittershaus nr. 57 'Der dankbare Tote'
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 32
498 217. Der dankbare Tote.
(A2, 1 B3 C2. Vilhjalmur wird von Rautiur ins Meer gestürzt, und Asa
muß Schweigen geloben). — Englisch: G. Peeles Märchenkomödie
'The old wives' tele' (1595. Works ed. Bullen 1888 1, 297. Gayley,
Representative english comedies 1, 349; vgl. Dutz, Progr. Troppau
1894 und Holthausen, Archiv f. n. Spr. 119, 177) enthält die Motive
AXC1,4: der irrende Ritter Eumenides bezahlt das Begräbnis des
Trunkenbolds Jack, wofür ihm dessen Geist als Diener folgt, Geld in
seine Börse zaubert und als Lohn für seine Dienste nur die Hälfte
dessen verlangt, was jener auf seiner Fahrt erbeuten werde. Jack
hilft dem Ritter seine Dame aus der Gewalt des Zauberers Sacrapant
erlösen, tötet diesen und verlangt die versprochene Hälfte ; als aber
Eumenides wirklich die Geliebte mit dem Schwerte zerteilen will,
fällt ihm der Geist in den Arm, gibt sich zu erkennen und ver-
schwindet. Eine öfter gedruckte Volksballade 'The factor's garland'
oder 'The Turkey factor' (Gerould p. 110. Hennemans in Publ. of
the Mod. language assoc. of America 22, XVI angekündigte Ausgabe
ist nicht erschienen) nähert sich dem Typus des Jean de Calais
(AJ^DB'C8'4). - Schottisch: Campbell2 2, 121 nr. 32 'The Barra
widow's son' (A1- 2DB3C2,4; statt der Fahne gibt die spanische
Prinzessin ihrem Befreier Jain Kleider, Ring, Pfeife und Buch mit;
diese Gegenstände erkennen ihre Eltern, als er in der Kirche sitzt);
vgl. R. Köhler 1, 220. Macdougall, Folk tales 1910 p. 75 'Blackhaired
John of Lewis, sailor' (A2, 1 B3 C2 ; er verschafft drei Enthaupteten
die Grabesruhe, indem er jedem Rumpfe den rechten Kopf beilegt).
— Irisch: Larminie p. 155 "Beauty of the world' (A1 C1-4; vermischt
mit dem Andersenschen 'Reisekameraden').
Unter den französischen Fassungen ist die älteste und
einflußreichste die 1723 erschienene Novelle der Frau von Gomez
'Histoire de Jean de Calais',1) welche die Motive A^B1 D B3 C2, 4
enthält. Jean ist ein Kaufmannssohn aus Calais, der auf der Insel
*) Mrne. de Gomez, Les journees amüsantes. 3. edition 1736 2,
208—260. Italienisch Venezia 1758, deutsch Berlin 1761 1, 360-400; vgl.
Bibliotheque universelle des romans vol. 12, Decembre 1776 p. 134 — 154
und R. Köhler 1, 12. — Die Verfasserin behauptet, die Geschichte aus
der 'Histoire fabuleuse de la maison des rois de Portugal' entlehnt zu
haben: doch ist diese Quelle bisher nicht entdeckt worden. Die 'Anace-
phalaeosis i. e. Summa capita actorum regum Lusitaniae' des Jesuiten
Ant. Vasconcellius (Antverpiae 1621), an die Liebrecht, Germania 5, 56
denkt, ist es nicht; vielleicht aber lagen Trancosos Contos e historias de
proveito e exemplo 2, nr. 2 (1575) zugrunde.
217. Der dankbare Tote. 499
Orimanie einen von Hunden zerfleischten Leichnam bestattet, nachdem
er die Schulden des Toten bezahlt hat, und zwei von einem Korsaren
gefangene Sklavinnen loskauft. Er vermählt sich mit der einen,
namens Constanze, wird aber von seinem Vater, der die Heirat miß-
billigt, verstoßen. Nach einem Jahre ist der Vater milder gestimmt
und sendet Jean wiederum mit einem Handelsschiffe aus. Dieser
läßt auf Bitten seiner Frau ihr Bild, das ihres Söhnchens und ihrer
Freundin Isabelle auf sein Schiff malen und landet zunächst in
Lissabon vor dem Königsschloß. Der König von Portugal erkennt
in Constanzes Bildnis seine geraubte Tochter, nimmt Jean als
Schwiegersohn auf nnd sendet ihn dann mit einem vom Prinzen Dom
Juan befehligten Geschwader heim, um seine Familie zu holen. Auf
der Rückfahrt nach Portugal stößt der eifersüchtige Dom Juan den
Helden unbemerkt ins Meer; die Prinzessin kommt voller Verzweiflung
bei ihrem Vater an ; Dom Juan wirbt um ihre Hand und soll sie
auch erhalten. Inzwischen hatte Jean sich durch Schwimmen auf
eine einsame Insel gerettet und lebte hier zwei Jahre lang einsam.
Da trat plötzlich ein Unbekannter zu ihm, erzählte ihm von der
bevorstehenden Hochzeit seiner Frau und erbot sich zur Hilfe, wenn
Jean ihm später die Hälfte von dem, was er am liebsten habe, geben
wolle. So gelangte Jean im Schlafe nach Lissabon und diente als
Holzträger in der Schloßküche. Dort erblickte ihn Isabelle, erkannte
ihn und führte ihn vor Constanze und den König, der den Verräter
Dom Juan zum Tode verurteilte und seinem Eidam zu Ehren ein
großes Fest veranstaltete. Auch der unbekannte Helfer erschien hier,
erinnerte Jean an sein Versprechen und forderte die Hälfte seines
Söhnleins. Vergeblich baten alle Anwesenden um Schonung des
Kinde3 ; endlich reichte Jean seinen Sohn dem Fremden, weil er sein
Wort halten wollte; doch dieser gab ihn dem Vater zurück und
offenbarte sich als den Geist jenes Toten, dem Jean ein ehrliches
Begräbnis verschafft hatte. — Diese Novelle ist auch als Volksbuch
wiederholt bearbeitet worden,1) angeblich 'sur de nouveaux memoires';
aber der eine Bearbeiter macht aus dem Geiste des Toten einen
Schutzengel und merzt die Prüfung des Helden durch die Forderung,
sein Liebstes mit jenem Helfer zu teilen, aus; der andere streicht
!) In der Bibliotheque bleue (Paris 1770. 1776. Liege 1787. Troyes,
Baudot o. J.), ferner Epinal o. J. Paris 1849. 1856. Toulouse o. J. Vgl.
Nisard, Histoire des livres populaires 1854 2, 450; E. Köhler 1, 15; Le
Braz, La legende de la mort 1902 2, 232.
32*
500 217. Der dankbare Tote.
sogar den Loskauf des Toten. Auf die französische, italienische,
spanische, portugiesische und deutsche Volksüberlieferung hat die
Erzählung Einfluß geübt. — Souvestre, Le foyer breton 1853 2, 1
'L'heureux Mao' (A1C1; entstellt). Luzel, Contes 1, 403 'Jouenn
Kermenou l'homme de parole' (A1-2 B1 D B3 C2, 4. Frage vom alten
Schlüssel). Luzel, Legendes 2, 40 'Cantique spirituel sur la charite
admirable que montra St. Corentin' (A1 C1 B3 C2- 4. Als der Tote das
Kind teilen will, erscheinen die h. Jungfrau und Corentin). Sebillot,
Contes 3, 164 nr. 16 'Jean de Calais' (A1-2 B1 D B3 C2"4). Le Braz
1902 2, 211 'JeanCarre' (A2DA1B3C2). Gittee-Lemoine p. 57 'Jean
de Calais' (A1- 2 B1- 2 C2- 4. Babe). Cenac Moncaut p. 5 'Rira bien qui
rira le dernier' (A1,2. Entstellt). Blade 2, 67 'Jean de Calais'
(A1, !DB3 C2, 4. Toter als weißer Vogel). Bevue des trad. pop. 9,
177 'Le corps du moit reconnaissant' (A1 C1. Die Brüder rauben
dem Helden die Jungfrau ; der Tote gibt ihm einen Vogel als Führer
und ein Schwert). 9, 179 'Jean de Bordeaux' (A2B1-3C2-4. Fuchs)
22, 273 'Histoire de Jean de Callae' (B A1 C2. Die Braut sieht das
gestickte Taschentuch des Küchenjungen). 26, 39 'Le mort reconnaissant'
(Ai. 2 d B3 Q2). 27, 387 'Le Als du roi de Brest' (A1-2 B1 D B3 C2).
Almanach de Phare 1891, 108. — Rätoromanisch: Decurtins, Chresto-
mathie 2, 100 nr. 80 'II miert e las duos sclavas (A^ßiC2. Toter
als Fuchs).
Italienisch: Straparola, Notti piacevoli 11, nr. 2 (A1,aC8"4)
schließt sich darin an die noch zu besprechenden mittelalterlichen
Fassungen an, daß die Seefahrt, der Sturz ins Meer und die Bettung
durch den Toten fehlen und der Dummling Bertuccio dem fremden
Bitter, der ihm Boß und prächtige Kleider gibt, dafür verspricht,
alles, was er erwirbt, mit ihm zu teilen. Das wohl zu Ende des
18. Jahrh. entstandene Gedicht des G. 0. Brunetto 'Istoria di Stellante-
Costantina' (abgedruckt Zs. f. Volksk. 25, 372) folgt dagegen der
Erzählung der Frau Gomez. Andrews, John of Calais (Folk-lore
Becord 3, 48. Aus Mentone). Andrews, C. ligures nr. 26 'Le mort
reconnaissant' und 41 'Le mort reconnaissant, ou Jean de Calais'. Ive,
Fiabe pop. rovignesi 1877 p. 19 'Biela Fronte' — Crane p. 131 'Fair
Brow' (A1 • 2 B1 D C2- 4. Geht auf Brunettos Gedicht zurück' . Nerucci
nr. 52 'La lieprina' (A1 C1 B2 C2. Peppe gewinnt eine Wunschbörse
und ein Pferd, kauft seine Brüder vom Galgen los und wird von
ihnen ins Wasser gestürzt ; Toter als Häsin rettet). De Nino 3, 309
nr. 62 'Giuseppe Ciüfolo' (A1^- 4). — M altesisch: Hg 1, 44 nr. 13
217. Der dankbare Tote. 501
'Prinz Dschuseppi' (B1 A1 ' 2 B3 ; der Dank des Toten wird nicht er-
wähnt, aber der Held stellt sich als Bettler am Vorabend der Hoch-
zeit seiner Frau ein). — Spanisch: Biblioteca de las trad. pop.
esp. 8, 194 'Juan de Calais' (A1 B3 C2 ■ 4). Duran, Romancero general
2, 299 nr. 1291—1292 'La princesa cautiva' (A1'2B8C2). — Kata-
lanisch: Maspons, Eondallayre 2, 34 nr. 5 'L'estandart' (A1,2DB3
C2). Alcover 2, 65 'Es port de sa cibolla blanca'. — Portugie-
sisch: Historia de Joäo de Calais 1783 u. ö. (Braga, 0 povo portu-
guez 1885 2, 486). *Caldas Barbosa, Viola de Lereno (Braga 1, 489).
Bei Gr. F. Trancoso, Contos e historias de proveito e exemplo 2, nr. 2
(1575 u. ö. Menendez y Pelayo, Origenes de la novela 1907 2, XCV)
ist der Tote durch zwei christliche Heilige ersetzt, deren Gebeine
der Kaufmannssohn in Fez kauft und die ihm später als fahrende
Sänger dazu verhelfen, daß er die Hand der von ihm losgekauften
und heimgesandten englischen Königstochter im Turnier gewinnt
(Ai.2-3BiDC2). _ Baskisch: Webster p. 146 'Juan Dekos, the
blockhead'^-^DBSC2-4. Engel statt des Toten); p. 151 'Juan
de Kaiais' (A1 B1 A2 D B3 C2 • ». Toter als Fuchs). Cerquand 4, nr. 101.
Rumänisch: P. Schullerus, Archiv f. siebenbg. Landesk. 33, 676
'Gottes Lohn' (A1-2B3 C2. Toter als Rabe, Ring in der Suppe, Frage
vom alten Schlüssel). Wlislocki, Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 470 (A1 C1,
vermischt mit Gr. 133 'Die zertanzten Schuhe' und der Merlinsage.
Statt des toten Mannes eine tote Frau). S^äinenu S. 622. 636 —
*Revista Nouä 1 'Deli-Satirü'.
Serbokroatisch: Vuk 1870 S. 246 nr. 14 = 1897 S. 251
nr. 64 -■ Jagic nr. 29 'Die guten Werke gehen nicht verloren'
(Archiv f. slav. Phil. 2, 631) = Krauß 2, 310 nr. 133 *= Mijatovics
p. 96; vgl. R. Köhler 1, 424 (A2- J B1 D B3 C2- 4. Erkennung; der
Helfer ist ein Engel, wie in der jüngeren Bearbeitung des französischen
Volksbuches). Vuk 1897 S. 221 nr. 56 = Krauß 1, 385 nr. 85 'Der
Vilaberg' (A1). Stefanovic nr. 15 — Jagic nr. 48 'Vlatko und der
dankbare Tote' (Archiv f. slav. Phil. 5, 40. R. Köhler 1, 441. A1
C1-3. Schlange in der Brautnacht getötet). Stojanovic nr. 31 =
Archiv 5, 41 (A1 C1). Letopis Matice srp. 105, 145 nr. 6 (1862) =
Archiv 5, 42 'Ein Goldfisch' (A1^-3. Der hilfreiche Diener ist
eigentlich ein vom Helden verschonter Fisch, wie im armenischen
Märchen). Bos. Vila 1, 236 = Krauß, Sreca 1886 S. 22 (Mitt. der
Anthropol. Ges. in Wien 16, 108. A1 C1. Der Gefährte tötet in der
Hochzeitsnacht die aus dem Munde der Prinzeß hervorkriechende
502 217. Der dankbare Tote.
Schlange). Bos. Vila 11, 210. 23, 239. 253. 269 (A1. Gehört zu
Grimm nr. 133). 24, 108 (A1^-». Der Gefährte tötet die aus der
schlafenden Prinzeß hervorschlüpfenden Schlangen und einen Drachen ;
vor Schrecken speit die Prinzeß noch drei Schlangen aus). Kica 7
(1911), nr. 36—37 (A2>1B3C2-4. Salz im salzlosen Lande ver-
kauft; der Helfer verlangt den Sohn des Helden). Aus Bosnien
bei Blagajic S. 113 (der dankbare Froschkönig statt des Toten
befreit die Braut des Helden vom Drachen; dann der treue Johannes).
— Bulgarisch: Schischmanoff p. 202 'Le berger, son fils et l'ar-
change'. Period. spisanie 14, 317 nr. 2 (1885. A1. Der Helfer
tötet die aus dem Munde kriechende Schlange; die Prinzeß speit
noch eine aus). Sapkarev, Sbornik 8 — 9, 455 nr. 265 (A1 ; Katze
und Hahn in der Fremde verkauft). 8 — 9, 131 nr. 93 = Sapkarev,
Prikazki S. 34 nr. 26 (aus Mazedonien. A1C1,8. Drei Schlangen
in der Prinzeß). 8—9, 263 nr. 142 (aus Kicevo. Ähnlich) = Leskien S. 3.
Sbornik min. 4, 133 (drei Lehren gekauft; Engel hilfreich, ohne daß der
Jüngling einen Toten bestattet hätte; C3). 5, 143 nr. 2 (dankbarer Fisch
statt des Toten). 6, 150 nr. 2 = Strauß S.183 (A^B^C8. Der Tote als
Adler holt nach sieben Jahren den Sohn des Helden). 8, 178 (wie
Tobias). 10, 149 (A1 0 3). 16—17, Materiali S. 319 (A^C1'"). —
Cechisch: Radostov 6, 37 = 2. Aufl. 2, 3 nr. 1 = 3. Aufl. S. 306
nr. 33 = Waldau S. 213 'Bolemir' (A^B1 DB3 C2). Zs. Dennice
1840 2, 310 = Tille, Poh. do r. 1848 S. 51 (A1. Der Tote rettet
als Brett den ins Meer gestürzten Helden, lehrt ihn sich in ein Tier
verwandeln, wie bei Woycicki, und erweckt den vom Neider Ge-
töteten wieder). Maly 1838 S. 42 nr. 4 = 3. Aufl. S. 46 nr. 5 (zu
Grimm nr. 57). Benes Tf ebizsky S. 61 nr. 7 (ähnlich ; der Fuchs
wird zum Schluß geköpft, und eine Taube fliegt zum Himmel). Soukal,
Prost poh. S. 81 nr. 9 (A1; der Held soll seidene Wiesen bewachen
und eine in eine Stute verwandelte Prinzessin befreien). Pf ikrjd S. 206
(A1 0 ?; keine Teüung der Frau verlangt) und 223 (A1 ■ 2B1- 3C2). Aus
Mähren: Miksicek 1, 121 (A1. Der Tote lehrt den Helden die kranke
Prinzessin heilen und tötet die nachts aus ihr kriechenden Schlangen).
Mensik, Jemnic. S. 80 nr. 28 A1-2B3C4; Sohn soll geteilt werden).
Aus Böhmen: Poh. a pov. nas. lidu S. 48 nr. 20 (der Tote hilft dem
Helden die Wiesen hüten und die in ein Pferd verwandelte Prinzeß
entzaubern) ; S. 99 nr. 16 (A1. Hilft die Sibylla überlisten und ihr
den Ring rauben). Popelka, Pohädky a pov. S. 70 nr.4(A2 D). Kubin,
Podkrkonosi Zäp. nr. 71. — Slowakisch in Handschriften des Museums
217. Der dankbare Tote. 503
in Türe. Sv. Martin, so in der Hs. Prostonarodni Zabavnik d. III v Levoci
1844—45 S. 209 '0 Filkovi' (A1 C3. Filko weist dem Helden ein Wunder-
sckwert, Mantel und Geldbeutel, erschlägt zwölf böse Geister, die
aber Wiederaufleben und die Trau des Helden entführen) und in der
Hs. H. 14 (der Amalia Sirotkovä 8—9) und Hs. H. 8e des P. Dob-
sinsky (AC3. Zwölf Räuber, Schlangen aus dem Munde der schla-
fenden Prinzeß). Danach Skultety-Dobsinsky S. 524 nr. 59 —
2. Aufl. S. 745 nr. 52 (AlC3; zu Grimm nr. 133). — Wendisch:
Veckenstedt S. 145 'Die Riesen' nr. 6 (A2 DB3 C2 ; aber die Bestattung
des Toten fehlt; als Retter des Schiffbrüchigen erscheinen Schiffer).
— Kaschubisch: Bronisch S. 11 'Der Dumme und die Gespenster'
(zwei Geister schlagen den Toten ; dieser rät dem Dummen, mit
einem Knochen die Teufel aus der Kirche zu jagen). — Polnisch:
Woycicki, Klechdy 2, 66 = Erben, Ölt. S. 117 = Woycicki-Lewe-
stam S. 130 'Das Gespenst' = Leger p. 119 'L'esprit du mort' —
Wratislaw p. 121 (A1 C2 B3. Vom Toten lernt der Held, sich in eine
Krähe, Hasen oder Reh zu verwandeln, und schafft das siegbringende
Schwert des Königs herbei). Aus Posen bei Kolberg 14, 179 nr. 40
(A1* 2 B1. Aus dem Räuberhause befreit der Tote). Aus Oberschlesien
bei Malinowski 2, 127 (A1, vermischt mit Grimm nr. 22 'Das Rätsel' ;
Schuhe der Prinzeß aus Lausleder). Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 6,
50 (A1 ; Toter als Wolf hilft den Goldvogel für den Vater des Helden
holen). Wisla 17, 79 (A1; der Tote hilft drei Prinzessinen von
Krankheit und Verzauberung befreien und die Winde durch Heben
der vergrabenen Schätze stillen; die beiden Brüder des Helden
heiraten zwei Prinzessinnen). — ■ Kleinrussisch aus Galizien:
Etnograf. Zbirnyk 7, 69 nr. 43 (A1 ; zuerst der Zauberlehrling Grimm
68; drei Prinzessinnen durch Qualnächte erlöst; Zaubergegenstände
streitenden Erben abgenommen ; unsichtbar bei der Hochzeit der
Frau; Frage vom alten Schlüssel). 7, 107 nr. 56 (A1 C3. Räuberhaus;
Schlangen aus dem Munde der Prinzessin). Suchevyc S. 64 nr. 51
(A1 C3; Fragen aufgetragen wie bei Grimm 29). S. 123 nr. 72 (zu
Grimm 57; Toter als schwarzer Hund). Aus der Bukowina: Kolberg,
Pokucie 4, 123 nr. 23 (A1,2B3. Wunschring gegen das Versprechen
des Kindes.) Aus Südungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 76 nr. 17 (oben
2, 398). Aus dem Gouv. Kijev: Cubinskij 2, 27 nr. 7 (der Kauf-
mann kauft den Toten und den h. Nikolaus, der sich für diesen ver-
bürgt hatte, los ; Nikolaus hilft ihm drei Nächte in der Kirche bei
der verzauberten Prinzeß Schildwache stehen). Hrincenko 2, 271
504 217. Der dankbare Tote.
nr. 188 (Erhängter abgeschnitten ; die Jungfrau bringt als Ente
sechs goldene Haare ihres Vaters, der Helfer als Käfer ein ganzes
Büschel davon). Aus Gouv. Poltawa: Rudcenko 2, 27 nr. 12 (Niko-
laus). Aus Gouv. Jekaterinoslav : Sbornik Charkov. 6, 165 (Nikolaus).
Aus Gouv. Cherson: Jastrebov S. 184 nr. 5 (Nikolaus). — ■ Weiß-
russisch: Federowski 2, 308 nr. 340 (der h. Johannes als Bürge
des Schuldners geprügelt, losgekauft; Prinzessin im Sarge). Weryho
S. 45 nr. 11 (A1. Nikolaus; Prinzessin im Sarge). Gliiiski 1, 115
nr. 6 (A1. Toter als Pferd). Aus dem Gouv. Mogilev: Romanov 4,
143 nr. 82 (A1; zu Grimm 6). 6, 462 nr. 52 (oben 2, 339). Sejn
2, 66 nr. 33 (A1; Prinzeß im Sarge). Aus dem Gouv. Minsk : 2, 401
nr. 227 (Der h. Georg Bürge des Toten. Prinzeß im Sarge). Aus
Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 165 nr. 104 (A1. Räuberhaus).
S. 547 nr. 23 (Nikolaus; Prinzeß im Sarge). — Großrussisch:
Flugblatt v. J. 1786 bei Rovinskij. Nar. kartinki 1, 148 nr. 41 =
v. Löwis S. 320 nr. 55 'Ssila Zarewitsch und Iwaschka Weißes Hemd'
(A1 C1; der weiße Gefährte tötet in der Hochzeitsnacht den geflügelten
Drachen, spaltet die Königstochter Truda, daß alle Schlangen aus
ihrem Leibe hervorkommen, und belebt sie wieder) = Dietrich S. 199
nr. 16; vgl. Archiv f. slav. Phil. 5, 480. Afanasjev1 6, 323 =
3. Aufl. 2, 319 nr. 205 i = Schiefner, Orient u. Occ, 2, 174, vgl.
Archiv 5, 43 = R. Köhler 1, 424 (der Tote ist der Bruder des
Helden, der ihm die Verzeihung der Mutter erwirkt; er tötet in der
Hochzeitsnacht den Drachen). Afanasjev8 1, 224 nr. 93 c (A1; oben
1, 51) = Hildebrand 1, 76 = v. Löwis nr. 29 'Der unsterbliche Kosch-
tschej'. Afanasjev3 1, 278 nr. 104 f (oben 2, 308). Aus dem Gouv. Nize-
gorod : Chudjakov 3, 165 nr. 122 = Folk-lore 9, 229 ; vgl. Köhler
1, 21 (A1^-8). Aus Gouv. Olonetz: Oncukov S. 423 nr. 169 (A1 C1).
Gouv. Samara: Sadovnikov S. 41 nr. 5 (A1; der Tote köpft die aus
dem Munde der Zarentochter kriechende Schlange und nimmt auch
die anderen Schlangen heraus ; dazu der von Kater und Hund zu-
rückgeholte Zauberring, oben 2, 457). Erlenwein S. 37 (A1; Pulka
erhält von drei bestatteten Helden deren Pferde und Kräfte). Aus
dem Gouv. Jenisejsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 15 nr. 3 (Nikolaus;
Prinzeß im Sarge). Aus Gouv. Tomsk ebd. 1, 99 nr. 51 = v. Löwis
nr. 48 (ähnlich). — Litauisch: Schleicher S. 100 'Von der goldenen
Brücke' (ähnlich Woycieki, aber entstellt). Geitler, Litauische
Studien 1876 S. 21 = R. Köhler 1, 425 = Archiv f. slav. Phil. 2.
632 (A^BSC2. Frage vom alten Schlüssel). R. Köhler 1, 427 =
217. Der dankbare Tote. 505
Archiv 2, 633 (A1- 2DB3C2'4). Dowojna Sylwestrowicz 1, 327 (der
Soldat bringt dem Toten den Segen der Mutter, nachdem er deren
Grab geöffnet, und heiratet die Prinzeß, nachdem der Tote den drei-
köpfigen Drachen zerrissen hat). 1, 430 (A1 C3. Prinzeß durch
Riechen an drei Fläschchen geheilt). 1, 444 (A1; Jungfrau durch
Qualnächte erlöst; vorher eine angeblich wahrsagende Kalbshaut wie
oben 2, 10) — Lettisch: Treuland 1887 S. 248 nr. 126 = Charu-
zina, Skazki rusk. inorodcev 1898 = Melusine 9, 18 'Le fils du
marchand et de la fille du tsar' (A1- ^DB3 C2. Toter als Schwan).
— Finnisch: Salmelainen 4 (1866) = Liebrecht, Germania 24, 131
(A1 C1. Der Gefährte bringt in der Hochzeitsnacht frischgeschnittene
Zweige, mit denen die dreigehörnte Königstochter gepeitscht wird,
bis die Hörner abfallen). Suomi 3, 2, 205. 3, 20, 292. Aarnes
Register nr. 506. — Lappisch: Qvigstad-Sandberg S, 55 nr. 14
'Den menneskekjeerlige mand og engelen' (A1C1-4. Der Gefährte
schafft die vom Kaiser verlangte Silberbrücke und das Goldschloß)
— Magyarisch: Erdelyi-Stier S. 110 nr. 16 'Marsi' (ähnlich der
polnischen Fassung Woycickis). Gaal-Stier S. 153 nr. 15 'Der mit-
leidige Kaufmann' (A1-2B2C1). — Zigeunerisch: Paspati p. 601
nr. 2 = Groome nr. 1 'The dead man's gratitude' (A1C1-3. Der
Drache fährt aus dem Munde der Braut). Aus Serbien : Mitt. f.
Zigeunerkunde 2, 102 'Wie ein Toter seinen Wohltäter belohnt hat'
(A1 C3 ; der Tote zwingt mit gezogenem Messer die Paschatochter,
die Schlange auszuspeien). 2, 106 'Vom Jüngling und seinem Wahl-
bruder, einem Vampir' (A1 ; Prinzessin im Sarge).
Armenisch: Haxthausen, Transkaukasia 1, 333 (A1C1-3).
Macler p. 149 'Le poisson ä la tete d'or' (A1B1C1-3. Drache ge-
tötet).1) Sbornik Kavkaz. 9, 2, 185 nr. 3 (Zs. f. Volkskunde 20, 48 l).
32, 2, 270 nr. 40 (A1; der Tote bringt dem Helden die gestohlene
Zauberlampe des Derwischs zurück). 42, 2, 30 nr. 2 (A1. Der Tote
erhält wie in der ajsorischen Fassung Schätze von den Divs, heilt
die Prinzeß, der er einen Frosch aus dem Gehirn nimmt, verlangt
zum Lohne ein Taschentuch und 50 Rubel). 42, 2, 38 nr. 4 (A1. Alis
Braut wird gespalten und Schlangen aus ihrem Leibe genommen.
Vorher Tiersprache vom König der Fische gelehrt, Aladdins Ring).
— Mingre lisch: Sbornik Kavkaz. 32, 2, 43 nr. 14 (A1 C1 C3. Der
l) Der bunte goldene Fisch erscheint auch in anderen kaukasi-
schen Fassungen: Sbornik Kavkaz. 9, 2, 75. 10, 325. 12, 1, 74; Sbornik
dlja svedenij o kavkaz. gorcach S, Beilage S. 14 — 18.
506 217. Der dankbare Tote.
Tote will die Prinzeß teilen, da springt aus ihrem Mund eine Schlange ;
er heilt auch den blinden Vater des Helden). — Ajsorisch:
Sbornik Kavkaz. 20, 2, 47 (A1. Der tote Rustam, der von Gott auf
ein Jahr das Leben wiedererhalten hat, führt die Karawane des
Kaufmann ssohnes vonlspahan nach Konstantinopel, erhält die Schwester
von sieben Dews, erlöst in einem Brunnen die in einen Frosch ver-
wünschte Braut eines andern Dews, heilt mit dem Gehirn eines
Widders die kranke Kaiserstochter in Konstantinopel, die der Kauf-
mannssohn heiratet; die Schwester der Dews erhält sein Bruder).
— Tatarisch: Sbornik Kavkaz. 23, 3, 3 nr. 1 (der seine geraubte
Braut suchende Zanov findet ein totes Pferd, einen Eber und Waffen
und vergräbt alles; da gesellt sich ein Reiter in der Haut eines
Fohlens zu ihm, hilft ihm, Räubern eine Herde abzunehmen und dem
Effendi abzuliefern; dieser nötigt den Chan, die entführte Frau
zurückzugeben). Radioff 1, 329 nr. 4 (A1 01' 3. Der Kaufmannssohn
bezahlt die Schuld des Bauern, als dessen Bürge ein Heiligenbild
von Soldaten geprügelt wird; der Heilige spaltet die Braut und
verjüngt sie durch Verbrennen). — Kalmükisch: Ramstedt 1, 89
nr. 15 (A1C1; der Diener tötet nachts Unholde, heilt die kranke
Chanstochter mit Katzengalle und erschlägt wie der treue Johannes
die den schlafenden Helden bedrohende Schlange). — Aus Celebes:
Bezemer 1904 S. 321 'Die goldenen Armbänder' (A1-2 D B3 C2-4). —
Annamitisch: Landes, Contes annamites 1886 p. 162 'La recon-
naissance de l'etudiant mort' (der Tote flüstert seinem Wohltäter die
Antworten in der Staatsprüfung zu). — Koreanisch: J. S. Gale
1913 p. 80 nr. 18 'The grateful ghost' (um 1700 von Im Bang auf-
gezeichnet. Als der zur Prüfung reitende Student im Busch niesen
hört, findet er einen Schädel, dem Wurzeln durch die Augenhöhlen
gewachsen sind, reinigt und bestattet ihn. Im Traum erscheint ihm
der Tote und gibt ihm die Lösung seiner Aufgabe an). Zs. f. Volks-
kunde 21, 366 'Die dankbare Elster' (verschafft in Gestalt eines
Dieners dem Jüngling zwei Frauen, nachdem er deren Bräutigame
als eine Schlange und einen Fuchs entlarvt hat. Statt des toten
Mannes ein Tier, wie im Serbischen und Armenischen ein Fisch). —
Hebräisch aus Palästina : *Reischer, Scha'are Jerüschälajim 1880 p.88
= Gaster, Germania 26, 200 (A1 C2. Den Schiffbrüchigen rettet der
Tote in Gestalt eines Steines und eines weißen Adlers). — Arabisch
aus Tanger : Meißner, Mitt. des Orient. Seminars zu Berlin 8, 2, 79
nr. 3 (A1C1*8. Der Begleiter tötet nachts vierzig Räuber, befreit
217. Der dankbare Tote. 507
eine Jungfrau von einem Drachen ; bei der Teilung derselben fallen
zwei Dracheneier aus ihrem Leibe). — Berberisch: Moulieras,
Legendes de la Grande Kabylie 1896 p. 421 'Ali Demmou, le genie
qui enleve les fiancees, le fils du roi et la houri du soleil' (Revue
des trad pop. 20, 6 6). Mercier, Le Chaouia 1896 p. 57 nr. 13 .Histoire
de celle qui dormait dans ses cheveux' (A1C1; entstellt). — Suaheli:
Lademann, Archiv f. dt. Kolonialsprachen 12, 99 nr. 71 'Der Sultan und
sein Kind' (A1 O 4).
Außer den oben aufgezählten Fassungen unseres Märchens gibt
es auch eine mittelalterliche Gestalt, die uns seit dem 13. Jahr-
hundert in verschiedenen Ritterromanen entgegentritt und deren
Nachwirkung wir noch im 16. bei Straparola, Trancoso und Peele
verspüren. Ein junger Ritter, der sein Vermögen leichtsinnig ver-
geudet hat, zieht zu einem Turnier, das ein reicher Fürst ausge-
schrieben hat mit der Verheißung, seine einzige Tochter dem Sieger
zu vermählen. Unterwegs gewahrt er die unbestattet daliegende
Leiche eines ansehnlichen Mannes, entweder vor einer Kapelle
(Dianese) von der jammernden Frau beklagt (Pippin, Amadas, Viaticum
narrationum) oder im Miste (Rittertreue), auf dem Dache (Richars),
im Rauchfange (Herpin) aufbewahrt, und erfährt, daß die Gläubiger
des Toten seine Bestattung hinderten. Gutherzig gibt er seine Pferde
und Ausrüstung hin, um die Schulden des Toten zu bezahlen und
ihm ein ehrliches Begräbnis zu verschaffen. Einsam zieht er seine
Straße weiter, da gesellt sich ein weißer Ritter1) zu ihm und bietet
ihm Geld, Waffen und Rosse an, wenn er dafür allen Gewinn mit
ihm teilen wolle. Im Turnier siegt der Jüngling über alle Gegner
und erhält die Hand der Prinzessin samt dem halben Königreich.
Als darauf der weiße Ritter seinen Anteil fordert, läßt ihm der Held
alle Güter und will nur die Frau behalten (Richars, Herpin, Dianese,
Pippin) oder ist selbst bereit, sein Kind und seine Gattin in Stücke
zu hauen (Olivier, Rittertreue, Amadas, Viaticum narrationum); aber
jener gibt sich als den Geist des Toten zu erkennen, den der Jüngling
von Schmach erlöst hat, und verschwindet.
Französisch2) ward dieser Stoff in den beiden Epen 'Richars
J) Weiß ist die Farbe abgeschiedener Seelen (Kühnau, Mitt. der
schles. Ges. f. Volkskunde 15, 200).
2) Riebars li biaas bsg. von W. Förster 1874. — Über die in zwei
Pariser Hss. (F. fr. 22 555 und 351) erhaltene Chanson de Lion de Bourges
vgl. Wilhelmi, Diss. Halle 1894. — Der auf Veranlassung des burgundi-
508 217. Der dankbare Tote.
li biaus' und 'Lion (oder Herpin) de Bourges' und in dem vor 1472
von Philipp Camus verfaßten Prosaromane 'Olivier de Castille et
Artus d'Algarbe' behandelt und mit verschiedenen anderen Motiven
verbunden. Das erste Gedicht, das noch im 13. Jahrhundert ge-
schrieben ist, verlegt das Turnier nach Montorgueil ; im zweiten
gewinnt Lion zu Montluisant die Liebe Florentines, der Tochter des
Königs Heinrich von Sicilien, wird aber erst nach mannigfachen
Abenteuern mit ihr vereinigt; sein Vater ist der geschichtlich nach-
weisbare Graf Eudes Harpin von Bourges, der 1098 nach dem heiligen
Lande zog und nach 1109 als Mönch in der Abtei Cluni starb. Im
Prosaromane wird die Freundschaftssage von Amicus und Amelius
eingeflochten ; der dankbare Tote ist ein englischer Ritter Talbot, mit
dessen Beistand der kastilische Prinz Olivier die englische Königs-
tochter Helene erringt. Eine um 1300 entstandene italienische
Novelle1) verlegt das Turnier nach Cornwall und nennt den in der
Mark Trevigi ansässigen Ritter Dianese und den dankbaren Toten
Gigliotto. Im Deutschen2) haben wir außer dem Gedicht 'Ritter-
schen Rates Johann von Croy, Grafen von Chimay (f 1472) angeblich
aus dem Lateinischen übertragene Roman 'Olivier et Artus' erschien
zuerst im Drucke zu Genf 1482, eine spanische Übersetzung Burgos 1499,
eine niederländische Antwerpen um 1510, eine englische London 1518,
eine deutsche Basel 1521, eine italienische Venedig 1552; vgl. Foulche-
Delbosc, Revue hispanique 9, 587 (1902). Auf der spanischen Übersetzung
beruht Lope de Vegas Lustspiel Don Juan de Castro (Comedias ed.
Hartzenbusch 4, 373; Schaeffer, Gesch. des span. Nationaldramas 1, 141;
Wurzbach. Lope de Vega 1899 S. 206) und das von Belmonte, Rojas und
Calderon verfaßte Drama 'El mejor amigo el muerto' (Calderon, Comedias
ed. Hartzenbusch 4, 471; R. Köhler 1, 29; Schaeffer 2, 283).
x) Novella di Messer Dianese e di Messer Gigliotto ed. A. d'Ancona
lS68 = Papanti, Catalogo dei novelliert italiani in prosa 1871 1, XXXVIII
nr. 21 (aus dem Cod. Palatino-Panciatichiano 138); vgl. A. d'Ancona,
Studj di critica 1880 p. 353 und Ulrich, Die hundert alten Erzählungen
1905 S. 109.
2) Goedeke, Grundriss2 1, 223. 358. 2, 19. F. v. d. Hagen, Gesamt-
abenteuer 1, 101 nr. 6 'Rittertreue'; erneuert von Baumbach, Abenteuer
und Schwanke 1884 S. 1 'Der Ritter im Rauch'. — Über die Hss. des
Herpin vgl. E. Müller, Diss. Halle 1905 und Beth, Jahrbuch der k. preuss.
Kunstsamml. 29, 264; gedruckt noch in Marbach-Wolffs Volksbüchern
41—43 und in Simrocks Volksbüchern 11, 213. Isländisch nach Halfdanus
Einari, Sciagraphia bist. lit. Islandicae 1777 p. 103: 'Historia Herpeni
ducis et Leonis filii eius'. — Ein 1459 in Lübeck aufgeführtes Fastnacht-
spiel 'Wo de arme ridder myt woldaet des konyngs dochter vorwarff
217. Der dankbare Tote. 509
treue', in welchem der Held Willekin von Muntaburg heißt, eine im
15. Jahrhundert gemachte Prosabearbeitung des Herzogs Herpin und
seines Sohnes Leu, die zu einem Volksbuche wurde und, wie der
Zug des im Schornstein aufgehängten Schuldners beweist, noch auf
die Volksmärchen des 19. Jahrhunderts einwirkte,1) und Wilhelm
Zielys Übersetzung des Olwyer und Artus v. J. 1521, die 1556 von
Hans Sachs dramatisiert wurde. Noch im 13. Jahrhundert, vor 1270
aufgezeichnet ist die kurze s chwedis che Erzählung über den Ahn
Karls des Großen 'Om Pippinus Franka konung, eller sagan om det
jordade liket', wo nicht hartherzige Gläubiger, sondern die Armut
der Witwe das Begräbnis des toten Ritters hindern.2) Ihr steht in
dieser Beziehung nahe die mittelenglische Romanze 'Sir Amadas';3)
weit genauer aber stimmt dazu die lateinische Erzählung aus
dem 'Viaticum narrationum' des Henmannus Bonon[iensis], die in
der Zs. f. Volksk. 25, 376 nach zwei Kopenhagener Handschriften
des 15. Jahrhunderts gedruckt ist. Denn diese beginnt gleich der
schwedischen Fassung nicht mit der Verarmung des Helden, sondern
mit der Veranstaltung des Turniers, auf dem die Erbin des franzö-
sischen Thrones ihre Hand als Preis für den Sieger verheißt; hier
wie dort nimmt der Ritter Quartier bei einer Witwe, deren Gatte
unbestattet auf der Bahre liegt, und sorgt für dessen ehrenvolles
Begräbnis ; hier wie dort erscheint der Tote dann nicht als Ritter,
sondern als Knappe (famulus, servus), der dem Helden das treffliche
Streitroß unter der bekannten Bedingung überläßt. Nur darin weicht
die ausführlichere, doch sicherlich auf die gleiche Quelle zurück-
gehende lateinische Fassung ab, daß der Held nicht Herzog Pippin
(Nd. Jahibuch 6, 4. 29. 27, 17) hält C. Walther mit dem englischen
Amadas zusammen, dessen Name in Hamburg schon im 13. Jahrhundert
begegnet. — Über Ziely vgl. Frölicher, Thüring von Ringoltingens
Melusine, Zürcher Diss. 1889 S. 61; H.Sachs, Folioausgabe 2, 3, 58; über
Auff ülirungen des 'Weissen Ritters' s. Bolte, Das Danziger Theater 1895
S. 28. 59, auch Braunschweig. Magazin 1902, 68.
!) Vgl. oben S. 494 f.
2) Ett fornsvenskt Legendarium ed. Gr. Stephens 2, 731 nr. 148
(Stockholm 1858) = *Stephens, Grhost-thanks or The grateful unburied,
a mythic tale, Kbh. 1860.
3) Weber, Metrical romances 3, 241 (1810); Robson, Three early
english metrical romances 1842 p. 42. Vgl. Hippe, Archiv f. neuere
Sprachen 81, 160.
510 217. Der dankbare Tote.
von Lothringen heißt, sondern ein armer Bitter ist, der von dem lebt,
was er auf den Turnieren gewinnt.
Schon im Mittelalter hat dieser Ritterroman Veränderungen
erlitten, die ihm einen legendenhaften Charakter aufprägen. Bei
dem südfranzösischen Dominikaner des 14. Jahrhunderts Johannes
Gobii Junior (Scala celi s. v. Elemosina — Zs. f. Volksk. 25, 397;
vgl. Simrock, Gerhard S. 106) ist an die Stelle des dankbaren Toten
der heilige Nicolaus getreten, der seinem Verehrer in der Be-
drängnis ebenso beisteht, weil dieser seine ganze Barschaft zur
Wiederherstellung einer Kirche des Heiligen hingegeben hat ; 1) er
stellt ihm, als er mit der geliebten Sultanstochter fliehen will, ein
Schiff zur Verfügung, das beide von Alexandria nach Bordeaux führt.
Es liegen also mit einigen Veränderungen die Motive A1- 2 B1 D C2
vor. Im sicilischen Märchen bei Gonzenbach nr. 74 'Von einem, der
mit Hilfe des h. Joseph die Königstochter gewann', das die wunder-
baren Gesellen (oben 2, 89) einmischt, hat der Jüngling dem h. Joseph
zu Ehren Tag und Nacht eine Lampe vor seinem Bette brennen
lassen; im griechischen bei Hahn nr. 53 'Belohnte Treue' = Kretschmer
nr. 55 hat der Vater seinen Sohn verkauft, um die Lampe für seinen
Heiligen unterhalten zu können ; in der oben angeführten portugiesischen
Erzählung Trancosos kauft der Held die Reliquien zweier Heiligen,
und in allen drei Fällen prüft ihn der Heilige zum Schlüsse durch
das Verlangen, die Braut in zwei Stücke zu teilen (C4). — Auch in
dem altfranzösischen Romane 'Her vis von Metz' (ed. Stengel 1903),
der mit der Nicolauslegende bei Johannes Junior näher verwandt ist,
fehlt der Loskauf des Toten gänzlich, und der Edelmut des jungen
Hervis bewährt sich nur in der Erlösung der gefangenen Beatrix
(A2B1D; Benary, Zs. f. roman. Phil. 37, 67. 90), während Rudolf von
Ems im Guten Gerhard als zweite Edelmutsprobe die Rückgabe
der losgekauften Jungfrau an ihren Bräutigam (A3) anfügt und nur
durch vereinzelte Züge wie die Bortenwirkerei der norwegischen
Königstochter, den sie von ihrem ersten Verlobten Wilhelm von
England trennenden Sturm und die Wiedererkennung mittels eines
Ringes einen Zusammenhang mit der alten Erzählung leise durch-
x) In einem russischen Märchen (v. Löwis nr. 48; vgl. Radioff 1,
329) kauft der Held ein Bild des h. Nicolaus, das als Bürge des armen
Schuldners geprügelt werden soll. Bei Bin Gorion, Der Born Judas 1,
172. 361 verhilft nicht der Tote, sondern der Prophet Elia dem Helden
zur Braut.
217. Der dankbare Tote. 511
schimmern läßt.1) In den Grundzügen stimmt mit dem Guten
Gerhard eine hebräische Erzählung überein, die sich in dem um
1030 zu Kairuan in Nordafrika geschriebenen Maassijöth mehajeschuäh
des Rabbi Nissim ben Jakob2) findet; nur ist da von keiner Seefahrt
und keiner Königstochter die Rede, und statt des Kölner Kaufmanns
tritt ein frommer Metzger als Held auf.
Wenn wir nun auch bei der Aufzählung der Varianten unseres
Märchens bis ins 13. Jahrhundert zurückgelangt sind, so ist damit
seine Wurzel noch nicht bloßgelegt ; wir müssen daher seine Bestand-
teile einzeln betrachten. Dabei ergibt sich leicht, daß das Haupt-
motiv A1, die als verdienstliche Tat gepriesene Bestattung des
unbekannten Toten, in uralte Zeit zurückreicht. Man braucht
nur an den ägyptischen Glauben an die durch die Erhaltung des
Leibes bedingte Fortdauer der Seele zu denken, an Patroklos und
Elpenors Bitten um Bestattung ihres Leichnams bei Homer oder an
das athenische Gesetz, das den Wanderer verpflichtete, den am Wege
liegenden Toten mit Erde zu bedecken.3) Und auch von dem Lohne
solcher Wohltat wird berichtet; dem Dichter Simonides erscheint der
von ihm Bestattete im Traum und warnt ihn, das zum Untergange
bestimmte Schiff zu besteigen;4) des frommen Tobit Sohn geleitet
der gottgesandte Engel Raphael in die Fremde und verhilft ihm zu
einer reichen Braut. In unserem Märchen erscheint die Wohltat um
so größer, als der Leichnam zumeist einem hartherzigen Gläubiger
abgekauft werden muß. Von einem so strengen Verfahren gegen den
x) Rudolf von Ems, Der gute Gerhard ed. Haupt 1840 v. 2916.
3996. 4591; Simrock, Gerhard S, 118. Vgl. nochR. Köhler 1, 18, 32 und
Gerould, Publications of the Modern language association 20, 529 über
die Fabel im allgemeinen. Der Verzicht auf die Braut wird dadurch
natürlicher, daß ihr Befreier, der gute Gerhard, sie nicht für sich begehrt,
sondern mit seinem Sohne verlobt hat.
2) Aus A. Jellineks Beth hamidräsch 5, 136 (1873) verdeutscht von
Gaster, Germania 25, 280; vorher bei Tendlau, Fellmeiers Abende 1856
S. 110 = Germania 12, 55 = R. Köhler 1, 32 = Wünsche, Aus
Israels Lehrhallen 4, 133 (1909). Bin Gorion, Der Born Judas 1, 114.
117. 355. Nach Steinschneider wäre der Verfasser jedoch Rabbi Nissim
ben Ascher ben Meschullam im 13. Jahrhundert gewesen.
3) Erman, Ägypten 2, 415 (1887); Rohde, Psyche 1894 S. 200. 627.
Homer, II. 23, 71. Od. 11, 71; Aelian, Varia bist. 5, 14; Horaz, Od. 1,
82; Gerould p. 163.
4) Cicero, De div. 1, 27; Valerius Maximus 1, 7 ext. 3; Petrarca,
Rerum memorandarum lib. 4 c. 3, 33 ; Lafontaine, Pables 1, nr. 14.
512 217. Der dankbare Tote.
bösen Schuldner weiß zwar das deutsche Recht1) nichts ; aber in
Ägypten hatte Bokchoris dieses Gesetz erlassen, und in Athen durfte
der im Schuldgefängnis verstorbene Miltiades nicht eher begraben
werden, als bis sein Sohn Kimon für ihn in den Kerker ging.2) Auf
der Insel Timor herrschte sogar noch im Jahre 1870 die Bestimmung,
daß die feierliche Bestattung des Toten, die wegen ihrer Umständ-
lichkeit und Kostspieligkeit oft ein Jahr lang aufgeschoben ward,
nicht eher stattfinden durfte, als bis alle Schulden des Verstorbenen
bezahlt waren.3) Es ist also wohl denkbar, daß unser Märchen gleich
der von Simrock4) bis auf das römische Zwölftafelgesetz zurück-
geführten Fabel vom Fleischpfande in eine Kulturstufe zurückreicht,
in der ein Gläubiger nicht nur über Leben und Tod seines Schuldners,
sondern auch nach seinem Tode über seinen Leichnam zu verfügen
hatte. Eine Umwandlung unserer Erzählung im christlichen Sinne
zeigen die bereits von Hippe (Archiv 81, 167) zusammengestellten
russischen, schwedischen und isländischen Passungen, in denen es
sich nicht um die Beerdigung des Toten, sondern um seine Grabes-
ruhe durch Aussöhnung mit der Mutter oder dem Gläubiger handelt.5)
Überhaupt wird im Mittelalter die Christenpflicht betont, für die
Seelen der Entschlafenen zu beten und so die Qualen des Fegfeuers
zu lindern. Zum Danke dafür zeugen Tote für den fälschlich ver-
J) J. Grimm, RA.4 2, 161—168 ; über das unehrliche Begräbnis von
Selbstmördern und Verrätern ebd. 2, 325 ; Rohde, Psyche S. 201.
2) Herodot 2, 136; Diodor 1, 94; Valerius Maximus 5, 3 ext. 3.
5, 4 ext. 2. — Auf der Erzählung von Kimon beruht wohl das von
Gerould p. 43 angeführte Schauspiel Massingers 'The fatal dowry' (1632),
das Rowe in 'The fair penitent' (1703) benutzte.
3) Gramberg in Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap
36, 212; Huet, Revue des trad. pop. 24, 307.
4) Simrock, Die Quellen des Shakespeare5 1, 238 (1872). Ihm
stimmt Huet bei.
5) In einem kleinrussischen Märchen aus dem Gouv. Kursk (Etnograf .
Zbirnyk 34, 30 nr. 640) geht der Gläubiger eine Woche lang zum Grabe
des verstorbenen Schuldners und schmäht ihn ; erst als dieser nachts
erscheint und ihn prügelt, gibt er es auf, ihn zu mahnen. Im vlämischen
Märchen hat der Scbneider im Grabe nicht eher Ruhe, als das von ihm
gestohlene Geld zurückgegeben ist. Vereinzelt steht das oben S. 498 an-
geführte schottische Märchen, in welchem drei Tote keine Ruhe finden,
weil ihre Köpfe vertauscht sind.
217. Der dankbare Tote. 513
klagten Priester,1) beschirmen den Bitter wider seine Verfolger,21)
verschaffen dem Bedürftigen Unterhalt5) oder hüten die Ehre einer
Jungfrau ; 4) insbesondere hebt eine Schweizer Sage5) die Dankbarkeit
der Hingerichteten hervor, wie ja auch in der zweiten münster-
ländischen Passung ein Gehängter als dienstbarer Geist des Schneiders
auftritt. In unserem Märchen stattet der Tote dem Helden seinen
Dank entweder dadurch ab, daß er ihm eine schöne und vornehme
Braut erringen hilft (C1) oder den durch einen Nebenbuhler in die
See Gestoßenen rettet und mit seiner Gattin vereinigt (C2). In einer
holländischen und einer dänischen Fassung tritt der Geist einer toten
Frau als Helfer auf.
Der Loskauf der gefangenen Königstochter (Aa)
erscheint schon bei Johannes Junior, im Hervis von Metz, im Guten
Gerhard und beim Babbi Nissim ; da er aber in der ritterlich-
romantischen Form der Erzählung, im Bichars, Herpin, Olivier, Dianese.
Willekin, Pippinus, Viaticum narrationum und Amadas, fehlt, wird
man dies Motiv für einen Zusatz des Legendendichters halten, der
eich um Ersatz für das fortgefallene Motiv der Totenbestattung
bemühen mußte. Später haben Straparola, Frau von Gomez und viele
neuere Erzähler beide Züge A1 und Aa vereinigt, während Peele
z. B. noch dem Bitterromane folgt.
J) Jac. a Voraglne, Legenda aurea c. 163; Klapper, Exempla 1911
nr. 36 ; Klapper, Erzählungen des MA. 1914 nr. 90. 190 ; Libro de los
enxemplos c. 228 (Bibl. de autores esp. 51, 504).
2) Geiler, Emeis 1517 Bl. 39a = Stöber, Zur Geschichte des Volks-
aberglaubens 1856 S. 24 ; Abraham a S. Clara, Lösch Wien 1688 S. 35 ;
Schweizer Volkskunde 3, 93 (1914). 4, 93; Kohlrusch, Schweizer. Sagen-
buch 1854 S. 422 ; Herzog, Schweizersagen 1, 161 (1887) ; Jegerlehner, Sagen
aus dem Unterwallis S. 78 nr. 13 'Die unsichtbare Leibwache' ; dazu 2,
299 ; Stöber-Mündel, Sagen des Elsasses 2, 24 nr. 25 ; Zingerle, Sagen
aus Tirol2 nr. 480; Seifart, Hildesheim 1, 16; Wolf, DMS.nr. 386; Wolf,
Ndl. Sagen nr. 318 = A. de Cock, Brabantsch Sagenboek 1, 183 =■
Goyert- Wolter S. 133 ; Busk, Folk-lore of Borne p. 259.
8) Busk p. 261 'The dead man's letter'.
4) Chevalier de la Tour Landry 1854 eh. 3 = Bitter vom Turn
cap. 2. — Tote beten für die sterbende Nonne : Menzel, Geschichte der
dt. Dichtung 2, 167. Der tote Gast freut sich beim De prof undis : Pauli,
Schimpf und Ernst c. 467 ; Gering, Islendzk Aeventyri nr. 34.
5) Lütolf, Sagen aus den fünf Orten 1862 nr. 80 'Die dankbaren
Toten zu Ingenbohl'. Vgl. über den Kultus der Hingerichteten
Beinsberg-Düringsfeid, Ethnogr. Curiositäten 1879 2, 26, Hartland, Folk-lore
21, 168 und Pitre, Proverbi, motti e scongiuri sicil. 1910 p. 416.
G-riinm. Märchen-Anmerknngan III. gg
514 217. Der dankbare Tote.
Uro die Erkennung der geraubten und losgekauften Prinzessin
herbeizuführen, ward das Motiv D der kunstvollen Stickerei
(bei Johannes Junior) ersonnen, für die später auch eine Fahne oder
ein Bildnis eintrat. Vielleicht ist dieser Zug, der in Schondochs
Königin von Frankreich (H. Heintz 1908 8. 7), im Busant, in der
guten Frau und in der Berthasage (Maßmann, Kaiserchronik 3,
975) wiederkehrt, orientalischen Erzählungen entlehnt; denn auch in
1001 Nacht (Henning 7, 59 'Ali Schar und Sumurrud' ; 15, 33 'Ali
Nureddin und Marjam'. Chauvin 5, 52. 89. Parker 2. 130 nr. 104)
führt der von der losgekauften Jungfrau angefertigte Vorhang oder
Gürtel, den der Jüngling verkauft, einen Schicksalswechsel herbei.
Weitverbreitet und nicht erst für unser Märchen erfunden ist
das Motiv von dem unverhofften Erscheinen des totgeglaubten
Gatten (oder Verlobten) auf der Hochzeit seiner Frau mit einem
anderen Manne.1)
Die vom hilfreichen Toten ausbedungene Teilung alles
Gewinnes wird in der ritterlich-romantischen Form unsers Märchens
lediglich in der Absicht eingeführt, den Helden als ehrenfesten
Worthalter zu schildern : dieser verzichtet, um seine Frau zu behalten,
auf alle Reichtümer (Richars, Herpin, Dianese, Pippinus) oder hebt
das Schwert, um seine Gattin (Amadas, Viaticum narr.) oder sein
Töchterchen (Olivier) zu zerhauen, oder öffnet sogar dem Genossen
weinend die Tür zum Ehegemach (Willekin). In einer Reihe späterer
Fassungen dagegen (in serbischen, russischen, zigeunerischen, arme-
nischen, tatarischen, kalmükischen, arabischen) wird die Teilung
der Frau nicht wie im Amadas zur Prüfung der Treue (C4) gefordert,
sondern um den Helden vor den im Leibe der Braut verborgenen
Giftschlangen zu bewahren (C3).2) Im zigeunerischen und armenischen
!) Vgl. oben 2, 59. 319. 348; R. Köhler 1, 117. 584; Splettstösser,
Der heimkehrende Gatte und sein Weib in der Weltliteratur 1899
S. 31 — 44 ; Sozonovic, Zur Frage über den abendländischen Einfluß auf
die slawische und russische Literatur 1898 S. 260—545.
2) Im grusinischen Volksepos von Tariel streiten zwei Brüder um
die aus der Gefangenschaft der Dämonen befreite Schöne ; als der eine
das Schwert zückt, um sie in zwei Stücke zu teilen, speit sie erschreckt
kleine Teufel aus (Sbornik Kavkaz. 12, 1, 74 Anm.). Dagegen wird in
der kabardinischen Erzählung 'Karabatyr-Zane und seine Hochzeit' (ebd.
12, 1, 51) die treulose Frau, deren Teilung der Gefährte des Helden
verlangt hat, nicht wieder belebt.
217. Der dankbare Tote. 515
Märchen gleitet der Braut, als sie in zwei Hälften gespalten werden
soll, die Schlange aus dem Munde; im tatarischen und im russischen
Chudjakovs wird die Trau wirklich zerlegt und wunderbar wieder
zusammengesetzt. Augenscheinlich liegt hier, wie Gerould p. 44 er-
kannt hat, der Einfluß der Fabel vom Giftmädchen vor, die im
12. Jahrhundert durch die aus dem Arabischen übersetzte pseudo-
aristotelische Schrift 'De secretis secretorum' in die europäische
Literatur, z. B. in die Gesta Romanorum c. 11, drang.1) Aus anderer
Quelle stammt der Kampf des geisterhaften Helfers mit einem
Dämon oder Drachen, der in der Brautnacht den Freier des
Mädchens umzubringen trachtet. Dies ist ein Motiv des vielgelesenen
apokrypkischen Buches Tobit,2) dessen Einfluß sich z. B. in mehreren
russischen Fassungen unseres Märchens offenbart, und ist uns auch
aus den Märchen vom treuen Johannes (oben 1,46) und dem 'Reise-
kameradenr Andersens (oben S. 83) bekannt. Wir haben somit keine
zwingende Veranlassung, mit Benfey (Pantschatantra 1, 219) und
Hippe (Archiv 81, 175) in der jungen armenischen Fassung vmd
ihren nächsten Verwandten die orientalische Urform unserer Erzählung
zu sehen und diese, wie von anderer Seite geschehen ist, für die
Vorlage des Buches Tobit zu erklären. Wo der Gedanke zuerst
entstand, den Geist des bestatteten Toten in einer Sage oder einem
Märchen als Diener und Helfer des gutherzigen Helden auftreten zu
lassen, wissen wir vorläufig nicht. Sicher aber ist, daß dieser Stoff
sich außerordentlich geeignet erwies, mit verschiedenen anderen
Märchenmotiven Verbindungen einzugehen, die, wie Gerould p. 173
hübsch bemerkt, keine Konvenienzheiraten waren, sondern auf Neigung
und Anpassungsfähigkeit beruhten.
Außer den bereits berührten Motiven der losgekauften Jung-
frau, des Giftmädchens und des in der Brautnacht erscheinenden
Dämons kommt in Betracht der gleichfalls schon genannte 'Reise-
kamerad', der die Aufgaben der Braut des Hexenmeisters für den
1) W. Hertz, Die Sage vom Giftmädchen (Abh. der Münchner Akad,
1893, 89 = Hertz, Gesammelte Abhandlungen 1905 S. 156).
2) Vgl. Wickram, Werke 6, VI und über das Verhältnis zu unserem
Märchen Groome, Folk-lore 9, 226 (1898); Cosquin, Bevue biblique inter-
nationale 8, 50 (1899); M. Plath, Theol. Studien und Kritiken 1901, 377;
Charles, The apocrypha of the old testament 1, 188 (1913) ; Bousset, Nachr.
der Göttinger Ges. der Wiss. 1916, 494; auchHuet, Revue des trad. pop.
24, 300 f.
516 217. Der dankbare Tote.
Helden löst und den Hexenmeister enthauptet (oben 8. 83). Dem
'treuen Johannes' (oben 1, 42) ist der dankbare Tote zu ver-
gleichen, der im ostpreußischen Märchen (Lemke 2, 88 'Vom Prinzen,
der gehängt werden sollte') nachts mit drei bösen Geistern ringt.
Im spanischen 'El marques del Sol', das zu den 'beiden Königs-
kindern' (oben 2, 521) gehört, weist der dankbare Tote den Jüng-
ling zu den badenden Schwanjungfrauen. In deutschen, irischen
und italienischen (Ey S. 113 'Der Schneidergesell und der Geist'.
Hyde p. 19; Dottin p. 55; Gonzenbach nr. 74) gesellt er sich zu den
Gefährten mit wunderbaren Eigenschaften (Grimm 71;
oben 2, 87). Er erscheint ferner in einer gasconischen Variante des
'Erdmännekens' (oben 2, 304) bei Blade 2, 46 'L'homme de
toutes couleurs' und in einer irischen Parodie des 'Bruder Lustig'
(oben 2, 159) bei Hyde p. 148 'Neil O'Carree'. In einer bretonischen
Legende bei Luzel, Legendes ehret. 1, 68 'Le fils de St. Pierre'
trägt ein dankbarer Toter den Jüngling, der seinen Vater im Paradiese
besuchen will, übers Meer. Ein solcher tritt auch in einer russischen
Fassung der Zwillingsbrüder (oben 1, 541) bei Oncukov nr. 152
auf; in einer ostpreußischen Variante der klugen Tiere (oben 2,
455) bei Lemke 2, 264 'Vom Prinzen, der eine Beeßkröte küßte'
schenkt er dem Helden einen Zauberring; in einem spanischen
Seitenstück zu 'Ferenand getrü' (oben S. 23) bei Caballero 1878
p. 23 'Bella Flor' erscheint er sogar als ratgebender Schimmel.
Tiergestalt nimmt er auch in vielen Fassungen des 'goldenen
Vogels' (oben 1, 504) an, die Gerould p. 127 — 152 z. T. bespricht:
Zingerle, KHM.2 1, 254 nr. 49 'Der blinde König' = Simrock,
Gerhard S. 80 (Wolf); schwedisch bei Wigström, Folkdiktning 1,261
'Fogel Grip' (Fuchs); französisch Cosquin 1, 208 nr. 19 'Le petit
bossu' ; Luzel, C. 2, 176 'La princesse Marcassa et l'oiseau Dredaine';
2, 209 'La princesse de Hongrie' ; Sebillot, C. 1, 1 'Le petit roi
Jeannot'; Pineau, C. du Poitou p. 21 'Le merle blanc'; Revue des
trad. pop. 9, 177 'Le merle blanc' (Fuchs holt später die Hälfte des
ersten Kindes); italienisch Nerucci nr. 52 'Lalieprina' (oben S. 500);
Archivio 3, 233. 373. 551 'II merlo bianco' ; maltesisch Stumme nr. 12 ;
portugiesisch Romero nr. 10, baskisch Webster p. 182; Cerquand
nr. 101; cechisch Nemcova 1, 116 nr. 10; mexikanisch Journal of
amer. folklore 25, 194 nr. 3. Auch in einer Vorstufe dieses Märchens,
dem im 13. Jahrhundert aus dem Französischen übersetzten nieder-
ländischen Versroman Walewein (oben 1, 511), wird das Liebes-
218. Die getreue Frau. 517
paar durch den Geist des roten Ritters, der für seine Bestattung
danken will, aus dem Gefängnis befreit, nachdem vorher ein Tuchs
dem Helden Helferdienste erwiesen hat. — Wir sehen, überall er-
füllt hier der dankbare Tote die gleiche Aufgabe wie anderwärts
eine freundliche Fee, ein Zwerg, ein Bettler, in dessen Gestalt sich
ein Heiliger gehüllt hat, oder ein dankbares Tier: er tritt dem
Helden, nachdem er ihn als gutherzig und mildtätig erprobt hat,
als Berater und Helfer in Gefahren zur Seite.
218. Die getreue Frau.
Et was emoel en Graf, de was ungefähr drey veerdel Jahrs ver-
hierodet, do most he reisen, do kam he unner de Schlawen in de Tiirkie.
Esse he do unner de Schlawen is, do werd gar sien Himd nich schwatt.
Do meldt se dat an den Türkenkünig, de lät en vor sick kämen un frögt
em, wu dat wöre. Do seg he, he wöre en Graf un hädde sone schöne
Erau, de hädde em dat Himd giewen, un dat würd nich eher schwatt,
büs he eer ungetrüe wörde. Do seg de Künig, he soll an sine Frau
schriewen, dat se keime, dann wull he em auk los giewen. Asse de
Groff dat hörde, do kreg he de Angst, un he schickde int geheem an
sine Frau un leit eer seggen, se mög sick verbergen, de Türkenkünig
wull se halen loten. No en paar Dage do schickde de Künig enen von
sine Deiners, de kämm up dat Schiott von den Grofen, men der was
kiene Frau to Huse. Un do word he so quat un gaff sick ant Rabellen
un Schennen (Schelten), dat was te dull un te erg; men dat kann em
alle nix helpen, de Frau Gräfinn konn he nich finden. De Frau awer
leit sick die Hoore afschnieden un trock sick an esse en Pilger, un ere
Harfe de honk se um ; den se konn eislicke rare up de Harfe spielen.
Asse se sick nu so utmondert hadde, do konn eer kien Mensk kennen, un
se gonk hen no dat Schipp, wo auk de leige (widerwärtige) Türke up was,
und begehrde den Schipper : Tck sin son armen Pilger, ick wull so gern int
Türkenland. Nimmt mi doch met!' Sey de Schipper em wier, datkönn
nich sien; up eer Schipp wor en Türke, de schlög alles in twe; de wor
den so dull, dat he de schöne Gräfinn nich hädde finden können. Do
seg de Pilger, he wull dor met ferdig weren, wenn he auk unner de
Trappe liggen moste. Do nimmt em endlicks de Schipper in dat Schipp,
un he geit unner de Trappe liggen un spielt up de Harfe. Asse de Türk
dat hört, do geföllt em dat so gut, dat he den Pilger met no 6inen Künig
nimmt, den mot he wat vorspielen.
518 218. Die getreue Frau.
Emoel do is de Pilger auk met den Künig in en Gohren, wo de
armen Schlawen to arbeiden sind, un de Graf is auk derbie. Do fänk de
Pilger an to spielen up sine Harfe un singt:
1. Ich kam vor kurzer Zeit in einen schönen Garten,
Darinnen sah ich stehn viel Blumen schöner Arten.
Und unter diesen sah ich eine Rose blühn,
Nichts mehr gedachte ich als die nach mir zu ziehn.
2. 0 edle Rose du, die du in Dornen sitzest,
Und ■wenn du auch sogleich mein zarten Leib zerritzest,
So will aus Liebe ich die Wunden tragen gern1).
Vergönn mir doch die Ehr und gedenke doch an mich !
3. Nun muß ich ganz betrübt aus diesem Garten gehen,
Niemand wird fragen mich, der mich betrübt gesehen.
Ich weiß die Ursach wohl, darf Selbsten mich nicht fragen ;
Der Himmel hat jetzt Lust, mein Herz also zu plagen.
4. 0 weh, ich irre sehr, wie hab ich mich vergangen!
Was ich so herzlich sucht, das kann ich nicht erlangen.
Nunmehro ist die Rose für mich gewachsen nicht;
Vielleicht geschieht es bald, daß sie ein andrer bricht.
So sunk de Pilger. Un asse de Grof dat hörde, do ducht em, he
kennde de Stemme; men de Pilger gaff sick nich to erkennen. DeKünig
gewunn den Pilger so leif , dat he altiet by em sien moste un spielen em
wat vor up sine Harfe. Do versprack he em, he wull altiet by em
bliewen, wenn he drey kristlicke Schlawen de Frieheit giewen wull.
Dat versprack de Künig, un de Pilger sochte drey uht, den Grofen un
twe annere. Asse nu dat Schipp met de drey wegschippen wull, do.bat
de Pilger den Schipper, he mög doch unner sien Fenster her schippen
un do leit he sick uht dat Fenster int Schipp un kämm glücklich
met weg.
Asse se nu in dat Schipp tosamen Seiten, sede de Grof: 'In dat
Türkenland was son schön Wicht (Mädchen), de mog ick so gern lieden ;
dat däht mi doch leed, dat ick eer kien Adjuß hebbe seggen könnt.' Un
asse he dat segt hadde, do worde sien Himd witt-schwatt, un de Frau in
dat Pilgertueg ärgde sick, dat eer Mann eer ungetrue worden was, men
se stuerde sick (hielt sich zurück) no en lück (wenig) un gaff sick nich to
erkennen. Do keimen se glücklich in Dütskland an. Asse se nn ut dat
Schipp Stegen, begehrde de Frau den Schipper, he mög maken, dat de
Graf sick no en lück lettede (aufhielte), eher he no sien Schiott gönk.
x) Vermutlich ist zu lesen: So will aus Liebe gern die Wunden
tragen ich.
218. Die getreue Frau. 519
Un se leip veruht nn troek ehr olle Tueg wier an un settede en
Prüek met schöne Hoere up un kam so eeren Mann in de Möte. De freude
sick, dat he siene Frau wier soeg, un se setteden sick to Diske. De
Grof vertelde alle von den guden Pilger un wüste nich, wo de so lange
bleef. Do stond de Frau up und trock eer Pilgertueg wier an un nahm
eere Harfe un gonk wier in dat Zimmer no eeren Mann un sunk dat
Leed, wat se in den Gohren in Türkenland sungen hadde. Do erkannde
de Grof, dat de Pilger siene Frau war un dat de em uht de Schlawerie
erlöset hadde, un he foll ehr to Föten un bat eer um Vergiebnüß, dat he
eer bo!d wör ungetrüe worden. Men de Frau böhrde (hob) em up un
dückde (küsste) em un sede, et soll alle vergerten und vergiewen sien.
Do gongen se wier to Diske Sitten un eiten un drünken un leweden
glücklich bes an eer seliges End. Un dat Pilgertueg un de Harfe höngen
se up in de Kapelle von dat Schiott to en ewigen Angedenken.
Aus dem Münsterlande in den Jahren 1812 — 1814 durch
die Familie von Haxtbausen erhalten. Gedruckt 1916 von Bolte in
der Zs. f. Volkskunde 26, 19. — In einer kürzeren hochdeutschen
Fassung aus derselben Gegend gibt die Prinzessin ihrem Gatten ein
weißes Tuch mit, solange das weiß bliebe, wäre sie ihm treu; als
Pilger verkleidet, bittet sie den König, ihr den vor den Pflug ge-
spannten Sklaven und dessen Vetter im blauen Kock freizugeben,
und zieht mit dem Vetter mit. Ihr Mann läßt sich von seiner Mutter
bewegen, wieder zu heiraten, und ladet seinen Vetter und den Pilger
zur Hochzeit. Dieser reicht dem Bräutigam im Weinglase den
Treuring und wirft seinen Mantel ab, da steht seine Frau im
Hochzeitskleide vor ihm. Die eingelegten Verse fehlen völlig, ebenso
die Versuchung durch den Gesandten des Sultans.
Die Hauptmotive dieser Erzählung sind : A. Ein Graf gerät
in türkische Sklaverei. — B1. Da er ein Hemd (Tuch) trägt, das weiß
bleibt, solange seine Frau daheim ihm die Treue wahrt, (B2) versucht
ein Abgesandter des Sultans die Frau zu verführen, doch vergeblich.
— C. Diese folgt als Pilger verkleidet dem Türken und erringt
durch ihr Harfenspiel und ihren Gesang des Sultans Gunst, so daß
er ihr drei Christensklaven schenkt, darunter ihren Gatten. — D.
Als der Graf heimgekehrt bedenkliche Eeden über die lange Zeit
verschwunden gewesene Gattin vernimmt, tritt sie ihm in ihrer
Pilgertracht entgegen und gibt sich als seine Befreierin zu erkennen.
Weitere Aufzeichnungen aus dem Volksmunde liegen vor aus
Wembach im Odenwalde bei W. v. Plönnies, Zs. f. dt. Mythol. 2.
377 -Die getreue Frau' (AB1,2 CD; 9 Strophen), aus Beichelsheim
620 218. Die getreue Frau.
ebenda bei Wolf, Hausmärchen S. 98 'Die getreue Frau' (AB1-2CD;
drei Brüder, das bei der Gattin zurückgelassene blanke Schwert
wird trübe; 6 Strophen), aus dem Rheinlande bei Simrock,
Märchen nr. 4 'Der Mann im Pflug' (AB1-2 CD; 10 Str.), aus Gartrop
bei Wesel (1842) in der Zs. f. Volksk. 26, 20 (AB1 CD; 5 Str.);
aus Deringhausen in Waldeck bei Curtze S. 141 'Die treue Frau'
(AB13 CD; zwei Brüder; 11 Str.), aus Holstein bei Müllenhoff
S. 586 nr. 607 'Von dem König von Spanien und seiner Frau'
(A B1- 2 C D ; 1 Str.) und Zs. f. Volkskunde 2, 201 'Die sieben Grafen'
(AB1*3 CD; 13 Str.), aus Mecklenburg bei Bartsch 1, 482 'Die
singende Besenbinderstochter' (ACD; keine Verse), aus Branden-
burg (1847) in der Zs. f. Volksk. 26, 22 (Liebhaber im goldenen
Ziegenbock versteckt; AB1,2 CD; 9 Str.) und aus Pommern bei
Jahn 1, 168 nr. 32 'Der Pilger' (ACD; 10 Str. Zwei Brüder befreit;
die arglistige Schwägerin verklagt die Königin); vgl. S. 369 (Besen-
binderstochter, von ihrer Schwägerin beneidet. ACD) und Jb. f. nd
Sprachforschung 12, 158. An bestimmte Personen und Orte geknüpft,
erscheint dieselbe Erzählung in einer kärntischen Sage von
Heinrich von Taggenbrunn bei Graber 1914 nr. 536 'Das weiße Hemd'
(AB1,2 CD; keine Verse), einer oberösterreichischen von
Christoph von Haym bei Gloning 1912 S. 76 (ACD; keine Verse)
und einer hessischen von Konrad von Tannenberg bei Wolf,
Hessische Sagen nr. 238 (ACD; keine Verse).
Als eine eigentümliche Besonderheit unsres Märchens wirken
die gleich Arien in die Prosaerzählung eingelegten Strophen,
welche in den meisten der aufgezählten Fassungen der als Spiel-
mann verkleideten Heldin, bisweilen auch ihrem Gatten in den Mund
gelegt werden. Plönnies berichtet, daß im Odenwalde beim Absingen
der Strophen die Zuhörer als Chor einfielen; nach Jahn werden sie
in Pommern auch selbständig gesungen, nachdem das Märchen in
ungebundener E,ede vorgetragen ist, ebenso wie der Erzähler der
Historie von der h. Genovefa zum Schlüsse gemeinsam mit seinen
Zuhörern das Lied von der Genovefa anstimmt. Woher stammen
aber diese sentimentalen Alexandriner? Man kann bestimmter als
Thurau (Singen und Sagen 1912 S. 100) vermuten: aus einem
Schauspiele oder Singspiele des 18. Jahrhunderts. Dafür spricht
schon die Tatsache, daß die Liedstrophen sich seit etwa 1780 auf
fliegenden Blättern, betitelt 'Fünf schöne anmuthige Arien' (Berlin
218. Die getreue Frau. 521
Yd 7911, 48) oder ähnlich, gedruckt nachweisen lassen.1) Aus der
'Ganz neuen Lust-Rose' 1807 nr. 21 abgeschrieben steht der Text
'Was fehlet dir, mein Herz, daß du so in mir schlagest?' (14 Str.)
in einer von K. T. Heinze zusammengestellten Liedersammlung auf
der Bonner Universitätsbibliothek S. 504 nr. 6 und in F. v. d. Hagens
Berliner Ms. germ. oct. 405, nr. 99. Freilich sucht man vergeblich
nach einem Hinweis auf das Schauspiel oder die Namen der Personen ;
nur in einem um 1800 entstandenen Blatte der Solbrigschen -Buch-
druckerei in Leipzig2) heißt es vor Str. 9 'Antwort des Geliebten'
und vor Str. 11 'Antwort der Geliebten'. Aber bei weiterer Umschau
gewahren wir eine ziemlich ausgedehnte literarische Vergangenheit
des Märchenstoffes.
Vor allem gebührt unsere Aufmerksamkeit dem aus dem Ende
des 15. Jahrhunderts stammenden Mainzer Meisterliede vom Grafen
Alexander von Mainz in der Zugweise Frauenlobs, des berühmten,
in Mainz bestatteten Minnesängers: 'Ein edler herr was zu Mencz
gesessen'.1) Es behandelt in 31 Strophen zu 17 Zeilen die Motive
i) Berlin Yd 7905, 32. 58. Yd 7908, 60. Yd 7909, 89. Yd 7911,
39. 48. Yd 7912, 20. Yd 7921, 33. Erks Nachlaß 4, 358. 7, 17. 16,
276. 316. 33, 306. 755. Hamburg, Bibl. des V. f. hamburg. Geschichte :
F. A. Cropp, Hamburger Drehorgellieder 2, 178. J. Meier, Kunstlieder
im Volksmunde 1906 S. 85 nr. 549. — Aus dem Volksmunde 6elber
schöpfen: Ditfurth, Volks- und Gesellechaftslieder 1872 nr. 32^(14 Str.),
Erk, Volkslieder 2, 1 nr. 3 (1841. 7 Str.) = Erk-Böhme, Liederhort 2,
492 nr. 694 = Mittler nr. 784, Zs. f. Volksk. 26, 21. 23, Mündel, Elsässische
VI. 1884 nr. 81 (9 Str.), Wolfram, Nassauische VI. 1897 nr. 237 (6 Str.)
Heeger, VI. aus der Rheinpfalz 2, 21 nr. 168 (1909. 11 Str.), Birlinger
und Crecelius, Deutsche Lieder 1876 S. 8 (3 Str.), Heß, Liebeslieder von
unbekannten Verfassern 1911 nr. 35 (9 Str.), J. E. u. P. S., VI. aus den
Wolgakolonien 1914 nr. 68 (5 Str.). — Man hat doch wohl anzunehmen,
daß diese Strophen von vornherein für unsre Situation gedichtet wurden.
In die Ballade vom edlen Möringer (Erk-Böhme nr. 28) sind allerdings,
worauf Dr. F. Bieser hinweist, zwei Strophen aus einem Minneliede
Walthers von der Vogelweide als Gesang des unerkannten Pilgers ein-
gelegt.
5) Berlin Yd 7912, 20. Es wurde 1802 in Dresden der Zensur-
behörde vorgelegt (Mitt. des V. f. sächs. Volkskunde 4, 304).
8) Die histori von dem grafen in dem pflüg. Bamberg, hinter sant
Merty [Hans Sporer] 1493. 4° (Panzer, Annalen 1, 207 nr. 366). — Von
dem graffen in dem pflüg, gesangweisz von Meincz. Erffort, Hans
Sporer 1495 (Berlin Yd 8150). Abgedruckt Zs. f. Volkskunde 26, 88
Über andre Drucke vgl. ebd. 26, 262.
522 218. Die getreue Frau.
AB1,2 CD und klingt im Eingange an das ältere Lied vom edlen
Möringer an, der gleichfalls nachts plötzlich der neben ihm ruhenden
Gattin seinen Entschluß, ins heilige Land zu wallfahren, mitteilt.1)
Als der Graf alle Abmahnungen seiner besorgten Frau rauh zurück-
weist, betet sie zu Gott; und dieser sendet einen Engel, der sie ein
Hemd für den Gatten machen heißt ; das werde weiß bleiben, solange
sie ihre Ehre behalte. Auch wie der heidnische Ritter ihr verheißt,
den Gefangenen heimzusenden, wenn sie seines Willens pflegen wolle,
erscheint ein Engel und rät ihr, ein Mönchsgewand anzulegen, sich
eine Platte scheren zu lassen und mit ihrem Saitenspiel dem Eitter
zu folgen. So gelangt sie zum Heidenkönig und erfreut ihn durch
ihre Kunst dermaßen, daß er ihr erlaubt, sich unter den gefangenen
Christen einen Reisegefährten zu wählen. Sie führt den vom Pfluge
erlösten Grafen heim, verläßt ihn aber eine Tagereise vor Mainz,
angeblich um ins Kloster zurückzukehren. In weiblicher Tracht
empfängt sie daheim den Gatten ; seine Mutter aber klagt ihm, zween
Monat und ein ganzes Jahr sei seine Frau nicht hier gewesen. Da
geht diese hinaus, legt ihre Mönchskutte an, tritt wieder herein und
widerlegt durch Alexanders Brief und ein Stück von seinem Hemd,
das sie sich nach seiner Befreiung ausgebeten hatte, die Anschuldigung.
Zum Beschluß berichtet der Dichter, daß man zu Mainz am Grabe
der beiden Eheleute noch das Hemd und die Kutte zeige und ihren
Jahrestag froh begehe.
Dies umfängliche Meisterlied in künstlichen, doch allzu lang-
atmigen Strophen ist, soweit wir wissen, die älteste Behandlung des
Sagenstoffes, von dem die Mainzer Lokalüberlieferungen keine Spur
*) Erk-Böhme, Liederhort 1, 89 nr. 28; vgl. F. Vogt, Paul-Braunes
Beiträge 12, 435. Das Vorbild für diesen Eingang lieferte vermutlich die
Sage von Heinrich dem Löwen; auch Reinfried von Braunschweig
(v. 13617 ed. Bartsch 1871) und der namenlose Herzog von Braunschweig
in Michel Wyssenkerres Gedicht (Str. 2 ed. Seehausen 1913 S. 151) teilen
nachts der Gattin den gleichen Entschluß mit; aber beidemale ist dieser
durch ein voraufgegangenes Traumgesicht begründet ; dem Reinfried, der
seit zehn Jahren vergebens auf einen Erben wartet, hat die Jungfrau
Maria einen Sohn verheißen, wenn er eine Fahrt ins heilige Land unter-
nehme. Dagegen läßt Heinrich Göding im Gedicht von Heinrich dem
Löwen (1585. Paul-Braune, Beitr. 13, 296) diese ganze Einleitung fort.
In den Gesta Romanorum c. 249 ed. Oesterley faßt Octavianus, der Gatte
der hartgeprüften treuen Frau, zwar in einer Nacht den Plan einer
Palästinafahrt, redet aber erst am Morgen davon zu Frau und Bruder.
218. Die getreue Fi au. B23
mehr enthalten, und zugleich die unmittelbare oder mittelbare Quelle
aller folgenden Bearbeitungen. Von dem Erfurter Drucke von 1495,
der uns die zwei Jahre zuvor in Bamberg bei demselben Buchdrucker
Hans Sporer1) erschienene Erstausgabe ersetzen muli, weichen merk-
würdigerweise alle folgenden Drucke darin ab, daß sie die Heimat
des Helden von Mencz (so lautet die volkstümliche Schreibung des
15. Jahrhunderts für Mainz; vgl. Chroniken der dt. Städte 17, 3. 412)
nach Metz verlegen. Schon die niederdeutsche Prosafassung, die
1500 zu Magdeburg erschien, zeigt diese vermutlich aus einer Ver-
lesung der Abkürzung Mecz hervorgegangene Angabe und fügt, um
den Ort der Handlung zu charakterisieren, 'eine clene Vorrede van
der werdygken stad Metze' hinzu, die auf Schedels Chronik von 1493
Bl. 110 b fußt.
Sehr bald aber trat eine modernisierte Umgestaltung mit dem
Meisterlied e in Wettbewerb.2) Inhaltlich unterscheidet sich dies in
zwei Fassungen vorliegende Lied vom Grafen von Rom von jenem
dadurch, daß es das wunderbare Hemd (B1) und die zweimalige
Engelerscheinung fortläßt; der Heidenkönig will den Grafen nur
dann freigeben, wenn seine Frau ihn abhole, und sendet einen
Boten mit dem Schreiben des Grafen an die Frau ; diese schlägt aus
Furcht für ihre Ehre das Verlangen ab, zieht aber als Mönch ver-
kleidet mit ihrer Harfe hin und erlöst den Gatten. Außer diesen
eine realistische Auffassung verratenden Abweichungen erwies sich
die Wahl einer kürzeren Strophenform vorteilhaft, und zwar ward
die nur bruchstückweise erhaltene Fassung in dreizehnzeiligen
Strophen3) völlig verdrängt durch das nach einer eigenen achtzeiligen
Weise gesungene Lied 'Ich verkünd euch neue Märe' 4) (31 Str.), das
bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts gedruckt und ins
*) Vgl. über ihn Allgem. d. Biographie 35, 271.
2) Richtig nimmt Unland (Schriften 4, 305) den Alexander von
Metz für älter an als den Grafen von Rom, wenn ihm auch gleich allen
späteren Forschern seine Mainzer Herkunft verborgen blieb.
8) Ain Spruch von aim grafen : 'Nach singen tichten stet mein
mut', 11 Strophen in Herzog Ernsts Ton, unvollständig. Aus einer
Regensburger Hs. des 16. Jahrh. (Cgm. 5919, 340) abgedruckt bei Keller,
Erzählungen aus altdeutschen Hss. 1855 S. 168.
4) Der G-raff von Rom. Nuremberg, Adam Dyon 1510 (Erlangen).
Erk-Böhme, Liederhort 1, 93 nr. 29. Über andre Drucke vgl. Zs. f.
Volkskunde 26, 282.
524 218. Die getreue Frau.
Niederdeutsche,1) Niederländische, Dänische, Schwedische und Is-
ländische3) übersetzt wurde.
Diese beiden kurz vor 1500 und kurz darauf entstandenen
Balladen haben mehrfach auf Literatur und Volkssage eingewirkt-
Den Alexander von Metz im weißen Badhembd im Pflug' erwähnt
nicht bloß Fischart im 5. Kapitel des Gargantua (1891 S. 107),
sondern es versuchte auch 1584 der Buchhändler Clemens Stephani
in Eger sein Schauspiel 'Alexander im Pflug' mit Schulknaben zur
Aufführung zu bringen, freilich vergeblich; dagegen wurde 1595 auf der
Wilhelmsburg zu Schmalkalden vor dem Landgrafen Moritz von Hessen
eine Komödie vom Grafen Alexander am Pflug wirklich gespielt.8) —
Eine niederdeutsche Prosabearbeitung war schon 1500 in Magde-
burg bei Simeon Koch im Druck erschienen.4) Von einer nieder-
ländischen Prosaerzählung, die Kalif5) in die erste Hälfte des 16.
Jahrhunderts setzt, liegt nur ein später Druck vor: 'Eene schoone
Historie van Alexander van Mets, hoe hij in Turckijen ghevangen
werdt ende hoe hem zijn Huysvrouwe verloste gekleet als eenen
Moninck' (Amsterdam 1645); sie ward indes schon 1621 unter dem
Titel 'Florentina de ghetrouwe, Huysvrouwe van Alexander van Mets,
dewelcke haeren Man met groote verduldigheyt verlost heeft uyt de
*) Twe Leder. Hamburg, J. Low (um 1560. In Wolfenbüttel
'Ick verkiind iuw nye meere'.
s) Das niederländische Lied 'van den grave van Roomen' ist
verloren gegangen (F. van Duyse, Het oude nederlandsche lied 1, 271).
— Dänisch: 'Vise om en Greve i Rom, som blev fanget iHedenskabet
og der maatte drage Plog', 1711 (Nyerup og Eahbek, Udvalgte danske
Viser fra Middelalderen 5, 67. 1814). — Schwedisch: 'Jagh will edher
seije nye mere', 31 Str. (Geijer-Afzelius, Svenska folkvisor 1880 nr. 53.
Noreen-Schück, 1500- og 1600-talens visböcker 1, 16. 1884) ; deutsch
bearbeitet bei Studach, Schwedische Volksharfe 1826 S. 48 'Frauentreue'.
— Isländisch: 'I Rom bjö einn rykur greyfi' (Antiquarisk Tidsskrift
1849—1851, 232 nr. 67. "Ward, Cat. of romances 2, 91).
8) Gradl, Mitt. f. Gesch. der Deutschen in Böhmen 33, 317 (1895).
Habicht, Zs. f. hennebergiscbe Geschichte 3, 21 (1880).
4) Abgedruckt im Jahrbach f. nd. Sprachforschung 42, 60.
5) Kalff, Geschiednies der nederl. letterkunde in de 16. eeuw 1, 386
(1889) und Geschiedenis der nederl. letterkunde 3, 169 (1907). Van den
Bergh, Nederl. Volksromans 1837 p. 52. Mone, Niederl. Volksliteratur
1838 S. 64. Unland, Schriften 4, 305. Grimm, Dt. Sagen2 nr. 537 'Der
Mann im Pflog'. — Ein seh wedi sehe s Volksbuch 'Alexander af Metz,
eller Historia om Riddaren för Plogen' (Jönköping 1852).
218. Die getreue Frau. 525
slavernye' in das Volksbuch 'De Vrouwen-peerle, ofte dryvoudighe
Historie van Helena de Verduldighe, Griseldis de Saeghtmoedige,
Florentina de Getrouwe' (Antwerpen 1621. Neudruck Haerlem 1910)
aufgenommen. Neu ist der Name der Heldin Florentina und ihre
Pilgrimstracht statt der Mönchskutte, sonst ist der Anschluß an das
deutsche Lied, wie Uhland im einzelnen nachweist, unverkennbar;
aus der Schwieger ist wohl durch Mißverständnis ein 'Zwaeger' ge-
worden. Nachdem die Brüder Grimm 1818 den Inhalt des nieder-
ländischen Volksbuches in ihren Deutschen Sagen wiedergegeben
hatten, legte es Hermann Kurz 1858 seiner zur Zeit Barbarossas
und Saladins spielenden Erzählung 'Das weiße Hemd' zugrunde
(Sämtliche Werke hsg. von H. Fischer 1903 10, 5—24). J. G. S ei dls
Gedicht 'Das Pilgerhemde' (Bifolien, 3. Lese nr. 8 = Gesammelte
Schriften 1877, 2, 136) und Hoffmanns v. F. Operntext 'Der Graf
im Pfluge' (Zwei Opern, 1868) gehen wohl auf dieselbe Quelle zurück.
Eine Nacherzählung der 'lieblichen Geschieht', die 'von einem
Römischen Grafen gelesen und gesungen wird', gab der Pfarrer
Wolf gang Bütner (Epitome Historiarum 1576 Bl. 350 a — 1596
Bl. 259 a. Archiv f. Litgesch. 6, 324) zur Erläuterung des 6. Gebotes ;
ihn schrieben J. Zanach (Didacus Apolephtes, Historische Erquick-
stunden 4, 2, 61 — 65. Um 1615) und C. Blanckardus (Neuer
historischer Lustgarten 1701 S. 165 nr. 52) wörtlich aus. Auf der
Ballade vom Grafen von Rom beruhte auch, wie es scheint, ein um
1550 abgefaßtes, aber verlorenes Stück des Hamburgers Heinrich
Knaust: 'Comoedia germanica de comite proficiscente Hierosolymam
ad videndum sepulchrum Christi, capto in itinere et in aratrum subacto
a Soldano rege Aegypti' (Michel, H. Knaust 1903 S. 285). In die
Zeit der Gegenreformation fällt die lateinische Novelle 'Virtus celata
clarior' des begabten Jesuiten Jakob Bidermann,1) welche das
Ehepaar Bertulfus und Ansberta nennt und durch Ausmalung ein-
zelner Situationen, wie des Erscheinens des unbekannten Harfen-
spielers oder seiner Ohnmacht beim Anblicke des in den Pflug ge-
spannten Ritters, durch Mitteilung der Briefe beider Gatten und
durch die pathetische Sprache Spannung zu erregen versteht. Aus
Bidermann schöpften seine Ordensgenossen, die Dramatiker N.
!) Bidermann, Acroamata academica (vor 1639) lib. 2, c. 2 = ed.
Colon. 1702 p. 202—233. B. will ein Ereignis aus der heimatlichen Ge-
schichte erzählen, 'quamquam alibi non modo pervulgatum iam est, sed et
populi sermonibus et poetarum versibus valde celebratur'.
526 218. Die getreue Frau.
Avancini (1667) und P. AI er (1701), den Stoff zu lateinischen
Schulkomödien1); ein deutsches 'List- und Lust-Spiel Ehlicher Treu,
oder von seiner Gemahlin Arisberta auß Band und Feßlen unverhofft
erlöster Bertulf us' gab M. Martinus Lintner 1687 zu Salzburg
heraus, und in Kaufbeuren spielte 1726 die dortige Agentengesell-
schaft 'Vom weiblichen Lautenisten, oder Bertulfus und Ansberta';
auch von der evangelischen bürgerlichen Komödiantengesellschaft zu
Biberach wurde 1742 Bertulfus und Ansberta dargestellt.2) Auf die
Ballade vom Grafen zum Born greift Leonhard Wächter (Sagen
der Vorzeit 2, 399 — 450. ß. Aufl. 1790) in seiner Prosaerzählung
'Der graue Bruder' zurück; er nennt das Ehepaar Siegmund und
Maria von Hengsperg und mischt in seine geziert altertümelnde
Darstellung bisweilen Liedstrophen ein. Durch Wächter wurde F.
A. A. Meyers Lustspiel 'Der graue Bruder' (Olla Potrida 1792, 2,
50 — 67) angeregt. Die Gedichte von Luise Brachmann (Dichtungen
1824 2, 56 'Der: Befreite') und B. Baumbach (Abenteuer und
Schwanke 1884 S. 205 'Der Graf im Pfluge') scheinen aus der Lek-
türe des 'Wunderhorns' hervorgegangen zu sein.
Merkwürdig ist ein um 1800 in Kanton Wallis von Lukas de
Schallen in Alexandrinern gedichtetes Volksdrama 'von den Grafen
Philibert und Rodolf von Paqueville' dadurch, daß hier die
Ballade vom Grafen von Born mit der bereits oben S. 522 erwähnten
Sage vom Möringer zusammengeschweißt wird.3) Beide Grafen ge-
raten in türkische Gefangenschaft; Rodolf wird von seiner treuen
Gattin Boserta, die als Musikant verkleidet den Pascha durch ihren
J) Fides coniugalis s. Ansberta sui coniugis Bertulfi e dura captivitate
liberatrix, Viennae Austr. 1667 — Avancini, Poesis dramatica 2, 253
(Col. 1675) ; auch eine deutsche Fassung existiert. — P. AI er, Ansberta
(1702 in Poesis varia p. 265, besonders 1708 und 1711). — Jesuiten-
aufführungen fanden statt: 1652 Wien, 1660 Neuburg, 1667 Wien,
1681 Jülich, 1701 Köln, 1723 Eegensburg, 1729 München (?), 1732 Luzern,
1751 Aachen, 1752 Neuß, 1760 Unterinntal, 1769 Fritzlar, 1792 Innsbruck ;
französisch 1688 Ath, niederländisch 1716 Gent (Zs. f. Volkskunde 3, 63.
462. Bahlmann, Jesuitendramen 1897 S. 20. 89. 114. 188. Zs. des Fer-
dinandeums 3. Folge 50, 368. 365. Faber, Theätre francais en Belgique 4,
366. 1880. Belgisch Museum 1845, 316).
2) Mitteilung von Karl Trautmann in München. Offterdinger,
Württembergische Vjsh. f. Landesgeschichte 6, 43 (1883).
3) W. v. Plönnies in Hennebergers Jahrbuch f. dt. Litgesch. 1,
1 — 31 (1855). Bächtold. Geschichte der dt. Literatur in der Schweiz
1892, S. 466; Anm. S. 153.
218. Die getreue Frau. 527
Gesang zu rühren weiß, befreit; seinen ungestümen Bruder Philibert
aber versetzen die Jungfrau Maria und St. Julian gerade an dem
Tage in die Heimat zurück, an dem seine Frau Mechtild sich mit
einem anderen Ritter vermählen will. Diese Heimkehrsage geht auf
eine oft wiederholte Erzählung des französischen Jesuiten Louis
Richeome (1604) zurück.1)
Durch unsere Musterung der literarischen Überlieferung haben
wir zwei Ströme kennen gelernt, die von den beiden unter sich ver-
wandten Balladen von Alexander im Pfluge und vom Grafen von
Rom ausgehen. Leider zeigte sich nirgends eine vollkommene Über-
einstimmung mit unserm Märchen. Wohl bewahrt dieses verschiedene
Züge aus dem Liede vom Grafen Alexander, namentlich das wunder-
bare Hemd; aber nirgends fanden wir die in jenes eingelegten Lied-
strophen, die schon um 1780 gedruckt nachgewiesen sind; auch tritt
Ansberta bei Bidermann, Avancini und Aler nur als Harfenspielerin,
nicht als Sängerin auf. Es bleibt freilich die Möglichkeit, daß die
Strophen dem 1726 und 1742 aufgeführten Schauspiele 'Bertulfus
und Ansberta' entstammen, über welches keine nähere Nachricht
vorliegt; aber dies wird ebensowenig wie Bidermanns lateinische
Novelle das Wunderhemd enthalten haben. Vielleicht vermögen
andere Forscher diese Lücke zu ergänzen.
Im Auslande scheint sich unser Märchen keiner großen Ver-
breitung erfreut zu haben.2) Ziemlich entstellt ist ein rumänisches
Märchen bei Schullerus nr. 39 'Eine Wette' (Archiv f. siebenbürg.
Landeskunde 33, 477. AB1-2C), dessen Einleitung der Verkauf einer
Katze im katzenlosen Lande (oben 2, 75) bildet; der Mann wird von
einem Wirte, dessen drei Katzen brennende Kerzen halten, ein-
gesperrt; seine Frau foppt die Versucher und befreit als Mönch
!) R. Köhler, Kl. Schriften 1, 584 f. (wo es Tournay 1622 und 1630
heißen muß) ; dazu Martel de Bacqueville bei Butler-Godescard, Vie des
saints 11, 10 und R. Andree, Votive 1904 S. 44. Schauspiele : Amores
Baquevilli et Bonillae (Wiener Cod. 13364); Kaspar Abyberg, Graf
Paqueville 1643 ; Julian Graf von Paquevill 1754. 1770. 1790. 1792 (Zs.
des Ferdinandeums 3. F. 50. 362. 365); Kralik -Winter, Dt. Puppenspiele
1885 S. 43. Balladen: Kretzschmer-Zuccalmaglio, Volkslieder 2, 13 nr. 4;
Zs. f. Volkskunde 3, 65 ; Lerond, Lothringische Sammelmappe 1, 47 (1890);
Schweizer Volkskunde 3, 6 (1913). — Man erinnere sich, daß auch in
einigen Fassungen des Volksmärchens mehrere Brüder des Helden
zugleich mit ihm in türkische Gefangenschaft geraten.
2) Vgl. G. Polivka, Närodopisny Vestnik 6, 1.
528 218. Die getraue Frau.
verkleidet ihren Mann, indem sie die Katzen durch vorgehaltene
Mäuse in Bewegung versetzt (R. Köhler 2, 640. Cosquin, Romania
40, 373). — Ein kroatisches Märchen aus Karlstadt bei Strohal
2, 109 nr. 48 (AB1 CD) hat den neuen Zug, daß die treue Frau,
als sie mit ihrer 'citra' in die Türkei zieht, eich einen Mönch, der
schön singen kann, zum Gefährten wählt.1) — Andere slawische
Fassungen, in denen das weißbleibende Hemde des Gefangenen (B1)
fehlt, stehen dadurch der Ballade vom Grafen von Rom näher. In
einem cechischen Märchen bei Miksicek 1, 207 (zuerst 1845 in
Sbirka povestf mor. a slezskych Heft 4, nr. 13) übergibt der Graf
vor der Pilgerfahrt nach Jerusalem, die er in der Krankheit gelobt
hat, seine Frau in die Obhut eines Barons, der ihrer Ehre nachstellt.
Sie entflieht zu einer Freundin, hört durch einen Pilger von der
harten Gefangenschaft des Grafen bei den Türken, kleidet sich samt
ihrer Magd als Harfner und erwirkt durch ihr Spiel ihres Gatten
Befreiung. Als sie daheim diesen in weiblicher Tracht begrüßt und
vom treulosen Baron verleumdet wird, zückt der Graf im Zorne das
Messer auf sie. Sie entrinnt, kehrt als Harfner zurück und singt vor
der Tür das ihm bekannte Lied. — Auf ein noch ungedrucktes
kleinrussisches Lied aus der Ukraine gehen zwei neuere
Dichtungen von V. Cajcenko und M. S. Kononenko zurück, die
N. Jancuk im Jubilej. Sbornik Millera S. 354 bespricht. Hier wird
der junge Fürst in der Schlacht von den Türken gefangen und
sendet im vierten Jahre seiner Gattin einen Brief mit der Bitte, ihn
loszukaufen. Sie schneidet ihre Haare ab, legt Männertracht an und
zieht mit ihrer dreißigsaitigen 'Kobza' zum Sultan, den ihr Spiel zu
Tränen rührt. Als er ihr einen Wunsch freistellt, erbittet sie sich
einen Gefangenen als Begleiter auf dem Heimwege. Der Verlauf
entspricht der deutschen Ballade. Der Fürst schließt die verklagte
x) Dagegen befreit in einem kroatischen Liede von der Insel
Veglia (Hrvat. nar. pjesme iz Nase Sloge 1, 31 nr. 11) die treue Frau des
in Konstantinopel gefangen liegenden Ansiö Stjepan auf die Botschaft
einer Schwalbe den Gatten mit Gewalt; in einem andern von der Insel
Meleda (Hrvat. nar. pjesme Mat. Hrvat. 2, 433) fordert Markos Frau
einige Helden zu seiner Befreiung auf. Im serbischen Liede bei Vuk
Stefanoviö Karadzic 3, nr. 48 erhält die Frau einen Brief des gefangenen
Gatten mit dem Gebote, einen andern zu heiraten. Ähnlich berichten
bulgarische Lieder bei Sozonovic, Pösni o dövuske voine i bylina o
Stavre Godinovice S. 45; Br. Miladinov, Bälgarski nar. pesmi3 S. 132
nr. 89. S. 299 nr. 189; Sbornik min. 12, 57 nr. 3.
218. Die getreue Frau. 529
Gattin in ihr Zimmer und beruft ein Gericht, das sie zum Tode
verurteilt. Als er die Tür des Zimmers öffnet, erblickt er den
jungen Kobzaspieler. — Noch näher steht der Ballade vom Grafen
von Rom das großrussische Märchen vom Gußlispieler bei
Afanasjev3 2, 297 nr. 195 'Carica-guslar' = Goldschmidt S. 124 (ACD),
auf dessen deutschen oder literarischen Ursprung schon Orest Miller
(Ilja Muromec S. 635) und Vsevolod Miller (Ocerki rus. nar. sloves-
nosti S. 276) hingewiesen haben. Der Zar, der auf einer Reise ins
heilige Land gefangen wird und den Pflug ziehen muß, schreibt
seiner Gattin, sie solle alles verkaufen und ihn erlösen. Heimgekehrt
würdigt er sie keines Blickes, weil sie seine Bitte nicht erfüllt habe.
Da verläßt sie das Zimmer, kleidet sich als Guslar und spielt auf
dem Hof ihre Weise. Sechs Liedstrophen sind in die Erzählung
eingelegt. — ■ Zweifelhaft ist dagegen der Zusammenhang mit dem
großrussischen Liede von Staver Godinovic (Vsev. Miller, Oeerki rus.
nar. slov. S. 263; oben 2, 58) ; denn Stavers Frau kleidet sich, als sie hört,
er sei vom Fürsten Wladimir eingekerkert, nicht als Spielmann,
sondern als Gesandter und reitet mit prächtigem Gefolge nach Kiew.
Beim Gastmahl wünscht sie einen Leierspieler zu hören ; Staver wird
geholt, und der angebliche Gesandte erklärt, er wolle auf den
geforderten Tribut verzichten, wenn ihm Staver ausgeliefert werde.
In einer Prosafassung des 18. Jahrh. meldet Staver seiner Frau durch
einen Boten seine Einkerkerung (Tichonravov und Vs. Miller, Russkija
byliny staroj i novoj zapisi 1, 54). Daß in einer Variante des
Liedes (ebenda S. 208 nr. 59) der Held Astovert Gordinovic heißt,
und dieser Name an'Bidermanns Heldin Ansberta zu erinnern scheint,
ist wohl Zufall (Alex. N. Veselovskij, Zumal min. nar. prosv. 268, 44.
Vs. Miller S. 276).1) — Von einem finnischen Märchen bei Krohn-
Lilius, Suomalaisia kansansatuja 2, 160 liegt nur eine knappe Inhalts-
angabe vor: Der Mann prahlt mit seinem Weibe, wird vom Kaiser
J) Wenn G. Potanin (Etnograf. Obozr. 10, 40) dazu eine Episode
aus den mongolischen Taten Bogda Gesser-Chans (J. J. Schmidt 1839
S. 273 — 282) vergleicht, in der Gessers Frau als garstige Alte ihren in
einen Esel verwandelten Mann befreit, indem sie sich ihn als Reittier
aasbittet, so hat dies mit unserm Stoffe nichts mehr zu tun. — Auch
das cechische Märchen bei Radostov2 1, 156, nr. 19 vom Bauern Do-
brodej, der aus harter Gefangenschaft entlassen wird, weil er die Tochter
seines Herrn vom Ertrinken gerettet hat, gehört nicht hierher.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III, 34
530 218. Die getreue Frau.
gefangen ; die Frau in Männerkleidern verlobt sich mit der Tochter
des Kaisers, entflieht mit ihrem Manne.1)
Es scheint somit, daß alle deutschen und ausländischen
Fassungen unseres Märchens, literarische wie volksmäßige, aus einer
Ortssage des 15. Jahrhunderts hervorgegangen sind, die sich an
ein im Mainzer Dome befindliches Grabmal und ein dort aufgehängtes
Hemd und Mönchsgewand anknüpfte. Wieviel der unbekannte
Mainzer Meistersänger, der sich diese Sage kurz vor oder nach 1490
zur Behandlung erkor, aus Eigenem zur Überlieferung hinzufügte,
läßt sich kaum feststellen. Inmitten der bisher nur bei Goedeke
(Grundriß l2, 309) zu überschauenden Kleinepik des 15. Jahrhunderts,
welche so manchen Balladenstoff in meistersängerliche Form kleidete,
ist sein Werk sicherlich eine unverächtliche Leistung. Daß der
Eingang des 'Grafen im Pflug' gleich dem 'Möringer' auf die Sage
von Heinrich dem Löwen zurückgeht, ward schon S. 522 l bemerkt. Auch
der Zug, daß eine Frau als Spielmann verkleidet auszieht,
um ihren Geliebten zu suchen, begegnet in mittelalterlichen Epen.
So tritt Nicolette vor den um sie trauernden Aucassin ; als Harfner
kommt Rosemunde zu ihrem Gatten Namenlos und muß mit ansehen,
wie er ihrer schönen Begleiterin Isabele den Hof macht; als Harfner
forscht die Königsnichte Martha nach dem Sohne Tristans und
Isoldes, dem sie ein Kind geboren.2) Mittelalterlich ist auch das als
Hebel der Handlung dienende weiße Hemd des Grafen Alexander,
das seine Frau auf Geheiß des Engels gewebt hat, das aber in der
Ballade vom Grafen zu Rom als ein zu märchenhaftes Motiv aus-
geschaltet und nicht sehr glücklich ersetzt worden ist. Vermutlich
lieferte das 69. Kapitel der Gesta Romanorum das Vorbild; dort
erhält ein Zimmermann von seiner Schwiegermutter ein Hemd zum
Geschenk, das keiner Wäsche bedarf, solange Mann und Frau ein-
ander Treue bewahren. Als der Meister dem Könige einen Palast
baut, hören mehrere Ritter von der Tugend des Hemdes und
versuchen die Frau zu verführen, werden jedoch einer nach dem
J) Aarne, Finnische Märchenvarianten 1911 S. 72 nr. 880 (F. F.
Communications 5).
2) W. Hertz, Spielmannsbuch2 1900 S. 35. 310. 335, — In einer
italienischen Novelle von Granucci (La piacevol notte e lieto giorno 1574
Bl. 129a) zieht Griulia in Männerkleidun<r nach Konstantinopel, wo ihr
Geliebter Federico gefangen liegt, und läßt sich, um das Lösegeld für ihn
aufzubringen, selber als Sklaven verkaufen.
219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache. 531
andern von ihr in eine Kammer gesperrt. In parallelen Er-
zählungen, die R. Köhler, Kl. Schriften 2, 444 und G. Paris, Romania
23, 102 verglichen haben, ist eine frischbleibende Rose (Adam of
Cobsam, The wright's chaste wife; Perceforest; Al-farag ba'd assida';
Nachschebis Papageienbuch S. 30 Iken; 1,83. 109 Rosen; vgl. Kubin,
Kladske povidky 2, 280. Polivka, Närodop. vestnik ceskoslov. 12, 33),
Lotosblüte (Somadeva 1, 137 Brockhaus = 1, 85 c. 13 Tawney.
Swynnerton, Indian nights' entertainments p. 177. 188), ein Bildnis
(Bandello 1, nr. 21 ; Senece) oder Ringstein (Faveurs et disgraces de
l'amour 1696) als Prüf mittel der Gattentreue1) an die Stelle des Hemdes
getreten. Meist übergibt die Frau dem fortreisenden Manne den
Talisman, nur bei Adam von Cobsam die Schwieger, wie in den
Gesta Romanorum.
219. Die Prinzessin im Sarge und die Schild-
wache.
Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten aber gar
keine Kinder; da wurde der König einmal recht böse, und da rief er:
'Nun wollte ich doch, daß ich ein Kind hätte, und wenn es auch der
lebendige Teufel wäre.' Und alsbald bekam die Königin eine Tochter,
die war so schwarz wie eine Rabe und so häßlich, daß man ordentlich
angst wurde, wenn man sie ansah; und sie brüllte wie ein Tier und war
ganz unklug. Und da sie nun zwölf Jahr alt war, sagte sie zum König,
er möchte ihr ein Grab mauern lassen. Das wollte er aber gar nicht
tun ; da fing sie aber so an zu brüllen, daß er es aus Angst tat. Und
da ließ der König ihr ein Grab mauern in der Kirche gerade hinter dem
Altar; da legte sie sich hinein, und es wurde ein Deckel drauf gelegt,
den konnte sie aber selbst wieder davonwerfen. Und alle Nacht mußten
sechs Soldaten sich abwechseln, um bei ihrem Grabe zu wachen, so hatte
*) Über solche Prüf mittel vgl. Zs. f. Volkskunde 19, 67. 20, 69.
Hrincenko, Iz ust naroda p. 208 nr. 234 (Hemd). Bin Gorion, Born
Judas 1, 104 (Hemd). Sbornik min. 16—17, Mater. S. 97 (Rosenkranz).
Merim^e, Guzla 1842 p. 377 'Le seigneur Mercure' (Archiv f. slav. Phil.
28, 336): 'Prends ce chapelet d'ambre; si tu m'es fidele, il restera entier ;
si tu m'es infidele, le fil cassera et les grains tomberont'. Vgl. Polivka,
Närodop. vestnik ceskoslov. 12, 211 (Bing). 215 (Hemd).
34*
532 219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache.
sie es befohlen. Wenn man aber des Morgens in die Kirche kam. so
hatte die Prinzessin alle umgebracht; und die andere Nacht mußten
wieder sechs andere beim Grabe wachen, und die brachte sie wieder um,
und das währte zwei Jahr.
Da ging der König einmal spazieren, da begegnete ihm ein Junge,
da sagte der König: 'Mein Sohn, wo willst du hin?' Da antwortete der
Junge: 'Ach, ich wollte mich gerne vermieten bei einem Schuster oder
Schneider.' Da antwortete der König: 'Wie heißt du denn?' 'Ich heiße
Friedrich.' Da sprach der König: 'Du sollst dich nicht vermieten, sondern
du sollst bei mir Soldat werden. Du kannst Offizier oder du kannst
werden, was du willst; nur mußt du eine Nacht bei dem Grabe meiner
Tochter wachen.' Das wollte aber Friedrich gar nicht tun; denn er
wußte wohl, wie es den Soldaten immer erging. Da ihn aber der König
so viel quälte, da tat er es endlich. — Wie er aber nun des Abends in
die Kirche kam, da ward es ihm so angst ums Herz, daß er wieder her-
auslief. Als er aber vor das Tor kam, da stand da so ein weißes
Männchen, das sagte: 'Wo willst du hin, mein Sohn?' Da sagte Friedrich :
'Ach, ich wollte nur ein wenig Spazierengehen.' Da sagte das Männchen:
'Ich weiß es wohl, du willst desertieren, weil du angst bist, die Prinzeß
würde dich auch umbringen. Geh aber nur wieder zurück, sie soll dir
nichts tun. Und nun will ich dir auch sagen, was du tun mußt. Wenn
du in die Kirche kommst, dann mußt du beide Arme ausbreiten, und dann
mußt du vor den Altar hinknien und beten und immer an Gott denken ;
und was dir dann auch geschehen mag, du darfst gar nicht aufsehen
und auch nicht von der Stelle gehen.' — Friedrich tat so, wie ihm das
weiße Männchen gesagt hatte. Als es nun elf Uhr war, da stand die
Prinzeß aus ihrem Grab auf und nahm einen Säbel und schlug Friedrich
so damit, daß das Blut immer herunterlief, aber er fühlte gar keine
Schmerzen und betete immer zu Gott. Sie fing so fürchterlich an zu
brüllen, daß es die Leute in der Stadt hören konnten, und sie sagte ihm,
er möchte doch aus der Kirche gehen; aber er stand gar nicht auf, und
die Prinzeß schlug ihn immerzu, bis es zwölf Uhr war, da ging sie wieder
in ihr Grab.
Wie nun der König den andern Morgen in die Kirche kam und
sehen wollte, wie es dem Friedrich ergangen, da saß er noch vor dem
Altar und betete. Da wunderte sich der König sehr, und die ganze
Stadt freute sich. Die folgende Nacht mußten wieder sechs Soldaten
wachen, die hatte sie aber alle wieder umgebracht; und die dritte Nacht
sollte Friedrich wieder wachen.
Da er nun in die Kirche kam, wurde ihm aber so angst, daß er
schnell fortlief. Vor dem Tore begegnet ihm wieder das weiße Männchen:
er sollte gar nicht angst sein, heute Nacht aber sollte er sich in der
219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache. 533
Länge vor den Altar aufs Gesicht legen nnd gar nicht aufsehen und
immer beten. Und Friedrich ging a ach wieder zurück und tat alles, wie
das weiße Männchen befohlen hatte. Und als es elf Uhr schlug, kam
wieder die schwarze Prinzeß und fing ganz schrecklich an zu brüllen und
schlug ihn; aber er betete immer zu Gott, bis es zwölf Uhr war; da ging
sie wieder in ihr Grab.
Der König konnte das Wunder gar nicht begreifen, da er den
Friedrich noch im Leben sah, und er versprach ihm viel Gold und Silber,
wenn er noch eine Nacht bei ihr wachen wollte. Das wollte Friedrich
aber gar nicht tun, denn er dachte : 'Heute Nacht bringt sie dich gewiß
um, und lieber will ich so weit laufen, als mich meine Füße tragen
können.' Er ging also heimlich fort; als er aber vor das Tor kam, da
kam das weiße Männchen wieder her und sagt: 'Mein Sohn, heute Nacht
mußt du noch beim Grabe wachen, und dann wirst du deine Belohnung
auch bekommen. Wenn die Prinzessin heute Nacht aufsteht, so mußt du
dich gleich in ihr Grab legen und immer beten und an Gott denken;
und wenn sie auch noch soviel bittet, du möchtest aus ihrem Grabe
gehen, so darfst du es doch nicht eher tun, bis sie ganz schneehagel-
weiß vor dir steht ; und wenn sie dann an zu weinen fängt, so kannst
du aufstehen.'
Als Friedrich nun in der Kirche war, betete er recht andächtig zu
Gott. Und da es elf Uhr war, stand die Prinzessin auf, und Friedrich
legte sich geschwinde in ihr Grab. Da fing sie so an zu schmälen und
zu brüllen, daß man glaubte, die ganze Kirche wäre eingesunken; aber
Friedrich betete immer zu Gott. Endlich fing sie an zu bitten und sagte
ihm, er möchte nur aus ihrem Grabe gehen, sie wollte ihm auch nichts
tun. Da sah er so ein bißchen auf, da hatte sie ein weißes Fleckchen
über den Augen ; und wie er da wieder aufsah, war die Stirne ganz weiß,
und dann das ganze Gesicht. Da betete er recht zu Gott, und als es
bald zwölf Uhr war, da stand sie ganz schneehagelweiß vor ihm und
glänzte wie die Sonne und fing an zu weinen und sagte: 'Stehe nur auf,
lieber Friedrich! Ich tue dir nichts mehr, denn du hast mich erlöst.'
Und wie sie dies sagte, schlug es zwölf Uhr, und er stand auf. Da er-
zählte sie ihm, daß sie vierzehn Jahre wäre verwünscht gewesen, weil
ihr Vater damals gesagt habe, er wollte ein Kind haben, und wenn es
auch der lebendige Teufel wäre.
Und wie sie ihm so erzählte, taten sich auf einmal alle Gräber auf,
und alle Soldaten, die die Prinzessin umgebracht hatte, waren wieder
lebendig, aber die Barte waren ihnen so lang gewachsen, daß sie bald
auf der Erde schlurrten. Und als der König in die Kirche kam, war sie
ganz voll von Soldaten, und an der Tür trat ihm Friedrich mit der
Prinzeß entgegen. Die war aber so schön, daß er es gar nicht glauben
534 219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache.
wollte, daß sie seine Tochter wäre; wie sie ihm aber erzählte, daß
Friedrich sie erlöst habe, gab er sie ihm zur Frau. Und der König ließ
noch am selbigen Tage ein großes Gastmahl anrichten, wo alle die
Soldaten mitaßen; denn sie waren sehr hungrig. Friedrich aber wurde
nach dem Tode des Königs König.
Um 1818 durch die Familie v. Haxthausen aus Westfalen
erhalten. Gedruckt 1917 in der Zs. f. Volksk. 27, 49. — Das
Märchen erinnert an die oben S. 83 erwähnte 'Braut des Zauberers',
aber die Erlösung der verwünschten Jungfrau vollzieht sich hier
anders : A. Durch einen unbedachten Wunsch der Eltern (vgl. oben 1,228
2,345.561) ist die Prinzessin dem Teufel verfallen; — B. Nach ihrem
Tode verläßt sie nachts ihr Grab in der Kirche und erwürgt gleich
einem Vampir1) die wachehaltenden Soldaten. — C. Endlich erlöst
sie einer, nicht durch stillschweigendes Ertragen von Qualen (wie
oben 2, 330. 335. 3, 1), sondern indem er sich auf den Rat eines
Greises auf der Kanzel, am Altar und im Sarge selber verbirgt.
Aus dem Oberwallis bei Jegerlehner 1913 S. 114 nr. 139
'Die verwünschte Königstochter' = Bächtold, Schweizer Märchen
1916 S. 166. Heanzisch bei Bunker nr. 85 'S Müllpächkint'. Aus
Oberhessen: Wolf, Hausmärchen S. 258 'Die Leichenfresserin'-
Bindewald, Oberhessisches Sagenbuch 1873 S. 142 'Gehobener
Teufelsbann'. Tägliche Rundschau (Berlin) 1917, 10. Sept.
nr. 212: R. Wagner, Das Männchen auf der Kirchentreppe.
Aus dem Rheinlande: Simrock, Märchen nr. 2 'Das Königs-
kind'. Aus der Gegend von Halle: Sommer 1846 S. 104 nr. 5 "Die
Königstochter im Sarge und der Soldat'. Aus Waldeck: Curtze
S. 168 nr. 28 'Die Königstochter und der Soldat'. Aus Hannover:
Busch, Ut öler Welt S. 9 nr. 2 'Die schwarze Prinzessin'. Ganz
entstellt bei Seifart, Sagen aus Hildesheim 1, 83 'Der kluge Schäfer'
(Prinzessin vom Zauberer zur Menschenfresserin verwünscht). Aus
dem Harze: Ey S. 1 'Die Schildwache'. Pröhle, M. für die Jugend
nr. 11 'Wache, Wache, Ronde raus'. Aus Olden bürg: Strackerjan2
2, 500 zu § 635 'Von dem Jüngling, der nicht bange war' (einer
Variante zu Grimm 4). Aus Pommern: Jahn, Volksmärchen 1, 90
nr. 16 'Hans der Grafensohn und die schwarze Prinzessin' und S.
*) Vgl. Hock, DieVampyrsagen und ihre Verwertung in der deutschen
Literatur (1900); auch JeUinek, Zs. f. Volkskunde 14, 322.
219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache. 535
356 ; danach Zaunert S. 189. Blätter f. pommersche Volkskunde 2, 24
'Die verwunschene Königstochter' und 7,81 'Die Teufelsprinzessin'.
Aus Posen: Knoop, Posener Märchen, Progr. 1909 S. 6 nr. 3 'Die
verhexte Königin'. Aus Ostpreußen: Lemke, Volkstümliches 3, 167
nr. 64 'Die stumme Prinzessin'. — Dänisch: Grundtvig, Folke-
aeventyr 1, 142 nr. 142 = Leo-Strodtmann 1, 148 'Die Prinzessin
im Sarge'. Grundtvigs hsl. Register nr. 138. Kristensen, Danske
folkeseventyr 1888 S. 219 nr. 33 'Prinsessen i kisten'. Kristensen,
Aev. fra Jylland 3, 265 nr. 50 ' Vagten i Kirken'. — Norwegisch:
Skar 6, 90 'Den svarte Jomfruva'. — Isländisch: Arnason 2, 440
= Poestion S. 233 = Rittershaus S. 150 nr. 33 'Bängsimon' (ent-
stellt). — Französisch: Sebillot, Contes pop. de la Haute-Bretagne
3, 38 als Fortsetzung des zu Grimm nr. 16 gehörigen Märchens
nr. 3 'La rose'. Luzel, Legendes ehret, de la Basse-Bretagne 2, 309
'Le soldat qui delivra une princesse de l'enfer' (vorher die treulose
Gattin, oben 1, 127); Revue des trad. pop. 7, 693 'Le grillon,
le hanneton, l'araignee' (zuerst Streiche des Meisterdiebs) ; 15, 641
'L'enfant du diable'; 19, 367 'La fille vampire'. — Italienisch:
Widter-Wolf nr. 13 'Die Prinzessin im Sarg und die Schildwache'
(Jahrbuch f. roman. Lit. 7, 257); vgl. R. Köhler 1, 320. Finamore
1, 2, 16 als Fortsetzung des zu Grimm 29 gehörigen Märchens
nr. 56 'Le tre pile de lu dijavule'. — Rumänisch: Obert nr. 34
'Der alte Husar' (Ausland 1858, 117). P. Schullerus nr. 54 'Die
Kirche des Teufels' (Archiv f. siebenbürg. Landesk. 33, 507).
§äinenu S. 873. — Serbokroatisch: Mijat Stojanovic, Pucke
pripov. S. 137 nr. 31. Stojanov-Stefanovic S. 132. Strohal 1, 109
nr. 18. 19. 2, 90 nr. 37 = Leskien, Balkanmärchen nr. 35 (vorher
die Blume auf dem Grabe der Teufelsbraut, vgl. oben 2, 126);
Strohal 2, 254 nr. 12. Kres 4, 350 nr. 19 — Krauß 1, 424 nr. 93
'Das Liebespaar'. Zbornik jslav. 18, 145 nr. 54. — Slovenisch:
Slov. Glasnik 8, 31. Gabrscek S. 226 nr. 29. — Slovakisch:
Czambel S. 391 § 204. Sbornik mus. slov. spol. 15, 134 nr. 6. —
Cechisch aus Böhmen: Nemcova, Nar. bäch. 2, 19 nr. 14. Mary
S. 145 nr. 13. Popelka 1880 1, 27 nr. 6 = 1888 S. 103 nr. 8. Popel-
kovä S. 156. Hosek 2, 2, 148 nr. 20. Pfihoda nr. 9. Kubin, Podkr-
konosi zäp. nr. 27 und 137 (Publ. der böhm. Akademie der Wiss.) Aus
Mähren : Kulda 2, 8 nr. 60. 3, 147 nr. 14. Cesky Lid 5, 460 nr. 7. Tille
S. 59 nr. 26 a; S. 81 nr. 29; S. 94 nr. 34 (Narodopisny Sbornik 7,
103. 125. 8, 39). Elpl S. 40 nr. 8. Aus Österr.-Schlesien : Polivka, Povidky
536 219. Die Prinzessin im Sarge und die Schild wache.
lidu opav. a han. S. 74 nr. 29. — Wendisch: Eabenau, Spree-
wald S. 128 — Öerny S. 206. Veckenstedt S. 338 nr. 5. —
Polnisch: Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 1, 25 'Die Tochter des
Schulzen und der Kirchensänger'. Mitt. der schles. Ges. f. Volksk.
3, 6, 44. Malinowski 1, 29 und 70. Zaranie slaskie 2, 189. Kolberg
7, 71 nr. 151. 152 (verbunden mit einer Mahrtensage). 8, 138 nr. 55.
56. 14, 72 nr. 16. 17 (aus Posen). 19, 228 nr. 10. Ciszewski, Krak.
1, 175 nr. 128. Mater, antropol. 6, 150 nr. 6. 10, 269 nr. 40. Lud
9, 182. Chelchowski 1, 124 nr. 19 (vgl. Knoop 1909 S. 7). Literarische Be-
arbeitung von Zamarski 1852 S. 106. — Kleinrussisch: Sadok Barq.cz
S. 137. Etnograf. Zbirnyk 7, 24 nr. 30. 7, 90 nr. 48. 49. 12, 167
er. 170. Dragomanov S. 267 nr. 5. Cubinskij 2, 27 nr. 7. 2, 410
nr. 118. Eudcenko 2, 27 nr. 12. Manzura S. 60. Sbornik Charkov.
istor.-filolog. 6, 165. Letopis istor.-filolog. novoross. univ. 3, 122. 184
nr. 5. Hrincenko, Mater. 2, 325 nr. 232. Sbornik Miller S. 182. —
In andern Fassungen muß der Held seine zauberkundige Braut in
der Kirche oder auf dem Friedhofe hüten (Zbiör 4, 33 nr. 3.
Etnograf. Zbirnyk 34, 140 nr. 913. Sbornik Charkov. 3, 201.
Dragomanov S. 395. Cubinskij 1, 200. Manzura S. 136. Hrincenko
2, 110 nr. 88; oder auch im Hause der Gestorbenen (Dragomanov S. 71
nr. 14. Hrincenko 1, 66 nr. 92. 93. 1, 284 nr. 209. Mater. Grodn. 2, 371
nr. 15). Auf Grund der Volkssagen dichtete Gogol seine Erzählung
'Vij'; vgl. darüber N. Th. Sumcov in der Kijevskaja Starina 1892,
Heft 3 und N. Nevirova in den Zapysky ukrain. nauk. tov. Kijev
5, 42. — Weißrussisch: Karlowicz S. 29 nr. 19. Weryho S. 45
nr. 11. Dobrovoljskij 1, 547 nr. 23. 1. 554 nr. 24. Eomanov 4
124 nr. 65. Sejn, Mater. 2, 66 nr. 33. 2, 402 nr. 227. Federowski
2, 308 nr. 340. — Großrussisch: Afanasjev3 2, 324 nr. 207.
2, 325 nr. 208 a. 2, 326 nr. 208 c = Ealston p. 271 'The headless
princess' und p. 274 'The soldier's midnight watch.' Chudjakov 1, 45
nr. 11. 12. Sadovnikov S. 44 nr. 5 (der jüngere Bruder des
Bräutigams tötet eine aus dem Munde der Prinzessin kriechende
Schlange); S. 309 nr. 104. Oncukov S. 369 nr. 152 (der dankbare
Tote). Zapiski Krasnojarsk. 1, 99 nr. 51 = v. Löwis nr. 48 (statt
des dankbaren Toten hilft der h. Nikolaus, dessen Bild den Kauf-
mannssohn vor Schlägen bewahrt hat, wie bei Eadloff 1, 329).
1, 125 nr. 63. 1, 15 nr. 3 (Nikolaus). 2, 31 nr. 9. Etnogr.
Obozr. 53, 98 (Einsiedler statt des hl. Nikolaus). — Litauisch:
Dowojna Sylwestrowicz 1, 196. 2, 129. — Lettisch: Treuland
220. Fürchten lernen. 537
S. 244 nr. 125. S. 247-250 (ein Engel rettet den Helden). Zbior
18, 369 nr. 41. — Estnisch: Kletke, Märchensaal 2, 60 'Die
bezauberte Prinzessin' = Ausflug nach Ehstland 1807 (Meiningen
1830) S. 186 (sie wird zuletzt zerhauen, einer Schlange entledigt und
zusammengefügt, wie in einigen Märchen vom dankbaren Toten, z. B.
in dem tatarischen [im Sbornik Kavkaz. 9, 2, 82 nr. 1, wo ein ge-
retteter Fisch die Stelle des dankbaren Toten vertritt). — Finnisch:
Aarnes Register nr. 307 'Die Prinzessin im Sarge'. — Magyarisch:
Stier-Gaal S. 97 nr. 10 'Die Prinzessin im Sarge'. Berze Nagy
nr. 53 'Die zum Tanze gehenden Prinzessinnen' und nr. 54 'Baka
Janos'. — Zigeunerisch aus Serbien: Mitt f. Zigeunerkunde
2, 106. Aus Oberungarn : Groome S. 141 nr. 41 (an Grimm 133). —
Armenisch aus der Bukowina: Wlislocki, M. der Armenier 1891
S. 91 nr. 33 'Die Menschenfresserin' (der Bruder tötet sie, stellt
den Sarg in eine Kapelle und holt auf den Rat des Mönches von
der Zauberin einen jene belebenden Goldring). — Kafferisch:
Junod, Ba-Ronga p. 320 (angehängt an eine Variante zu Grimm
133; oben S. 84).
220. Fürchten lernen.
Et was mol enen Jungen, de wnll upt Graelen reisen. Do seg
he to sin Moder: 'Giff mi en Buelken met Appeln!' — 'Dat will ick dohn,
dat will ick dohn.' Da gonk de Junge wnll dör den Wold, he kam vor
son graut Hues: Klink, klink, klink, klink. 'Well is der vor?' — 'Ick sin
en Jungen, de wull upt Graelen reisen.' — 'Dünn kämm men hier! Wi
hebt en Timmer, do spöckt et up'. — 'Dat döt em nich, dat döt em
nich! Giffet mi en Pötken met "Water, dat'k Appelsoppe koken kann!'
— Un as he de Soppe f erdig hadde, un as de Klocke twerlwe schlog, do
gonk de Döhr up emoel los, da keimen twö Kerls herinn, de hadd'n Sark
up'n Nacken un en dauden Kerl derinn. Se settet en dornen. 'Ick will
di lück von mine Soppe giewen; un löst du et mi ut et Muhl laupen,
dann giewe ick die en vör't Muhl'. Nu giff he em wier en Liepel vull,
dat löt he ut et Muhl laupen. Klaps, giff he em een upt Muhl. Da
richtet sick de Daude up in 't Sark un seg to den Jungen : 'Krieg du de
Schute (Schaufel) ut dat Sark!' — 'Dat doh du sölwen!' Da nam de daude
Kerl de Schute up'n Nacken: 'Nu folge mi un grafe mi en Lock!' —
538 221. Sankt Peters Mutter.
'Dat doh da sölwer!' Un de Daude gröff en Lock, do seg he to de
Jungen: 'Treck de drey Pötte met Geld herut!' — 'Dat doh. du sölwer!'
He trock drey Pötte met Geld herut: 'Eenen is vor dy, enen vor de
Lüde in Huse, enen vor de armen Lüde'. Un do verschwant dat Geist.
Da nam de Junge den Pott met Geld un gonk wier to sine Moder; 'Do,
Moder, hebbe ji en Pott mit Geld; dat is von't Gruelen reisen.' — 'Reise
morgen du men wier upt Gruelen!' — 'Je, et is alle Dage kene Kenniß.'
Dat un dat is ute,
Nu will wi es no Mickschen [Marie] gohn,
Dat heff sone schewe Schnute.
Aus dem Münsterland um 1815 durch die Familie v. Haxt-
hausen erhalten. Gedruckt 1917 in der Zs. f. Volksk. 27, 52. —
Das Märchen gehört zu unsrer nr. 4 'Von einem, der auszog, das
Fürchten zu lernen (oben 1, 22).
221. Sankt Peters Mutter.
Als Petrus im Himmel ankam und sah, daß seine Mutter noch im
Fegefeuer war, ward er sehr betrübt und bat: 'Lieber Herr, erlaube mir,
daß ich meine Mutter aus dem Fegefeuer erlöse!' Seine Bitte ward ihm
gewährt. Als nun Petrus mit seiner Mutter sich aus dem Fegefeuer
erhob, um gen Himmel zu fahren, da hatten sich viel arme Seelen an
seiner Mutter Bock gehängt und hofften mit herauszukommen. Die aber
war neidisch und schüttelte sich, daß alle wieder herabfielen. Petrus
aber erkannte daraus das böse Herz seiner Mutter und ließ auch sie
wieder los. Da fuhr sie wieder hinab ins Fegefeuer, wo sie noch wohl
sein mag, wenn sie sich nicht gebessert hat.
Aus dem Münsterland um 1815 durch die Familie v. Haxt-
hausen erhalten. Gedruckt 1917 in der Zs. f. Volksk. 27, 53.
Aus Schlesien bei Philo vom Walde 1883 S. 89 'Die Mutter
des hl. Petrus'. Aus dem Böhm er wal d: Zs. f. Volkskunde 17, 100 'Die
Mutter des hl. Martin'. Aus der deutschen Sprachinsel L u s e r n in Nord-
italien bei Bacher, Lusern 1905 S. 82 'Die Mutter von St. Peter'.
— Schwedisch: Selma Lagerlöf, Kristuslegender, 3. uppl. 1906
p. 185 = Christuslegenden 1904 S. 199 'Unser Herr und der hl.
Petrus' (Lud 14, 166). — Italienisch aus Wälschtirol : Schneller
1867 S. 7 nr. 4 'Die Mutter des hl. Petrus'. Aus Friaul: Oster-
221. Sankt Peters Mutter. B39
mann, Proverbi friulani 1876 p. 216. Mailly nr. 180. Aus Veglia:
Arehivio 20, 297 nr. 14. Aus Corsica: Ortoli p. 235 'La mere de
St. Pierre'. Aus Venedig: Bernoni, Leggende nr. 8 'De la mare de
San Petro, che la vien fora da l'inferno oto giorni ogni ano.' Aus
Verona: Balladoro, Folklore veronese 1900 nr. 36 'La mare de san
Piero'. AusBrescia: Eivista delle trad. pop. ital. 1, 856. *Mazucchi,
Tradizioni dell'alto Polesine 1898 'La madre di S. Pietro'. Pitre,
Novelle pop. tose. nr. 26 'La mamma di san Pietro'. Gradi, Proverbi
p. 23 und Saggio di letture varie p. 52. Pico Luri di Vassano (L.
Passarini), Modi di dire proverbiali 1874 p. 219 nr. 452. Bagli,
Novelle in dialetto romagnolo 1887 p. 22 'La mamma di S. Pietro'
(Atti della Deputazione di storia patria per le prov. di Eomagna
3. serie, 5). Aus Benevent : Corazzini p. 472. *GL de Giacomo, 11
popolo di Calabria 1, 119 nr. 41. Aus Sicilien: Pitre, Saggio di
fiabe nr. 2; Studio critico sui canti pop. 1868 p. 39; Fiabe pop.
sie. 3, 65 nr. 126 'Lu porru di S. Petru' = Crane p. 192, vgl.
p. 362 = Monnier p. 31. *Mamo, Li eunticeddi di me nanna 1881
nr. 12. Aus Sardinien : Arehivio 15, 403 'Di donna Bisöra'1) und
21, 152. — Portugiesisch: Braga nr. 120 'Lenda da mäe de sam
Pedro'. — Griechisch: Tommaseo bei Gradi. — Rumänisch:
Miklosich, Wandrungen der Eumunen 1879 S. 9 (Denkschriften der
Wiener Akademie, phil. histor. Cl. 30). — Slo venisch: Strekelj,
Volkslieder 1, 444 nr. 413—414. Ebd. 1, 448 nr. 419 holt der hl.
Thomas Vater, Bruder und Schwester glücklich aus der Hölle, wirft
aber die Mutter zurück, weil sie nach dem Branntwein verlangt.
Zwei weißkrainische Lieder bei Saselj S. 56 nr. 17a — b. — Serbo-
kroatisch: Ein Volkslied aus Kroatien bei Strekelj 1, 443 nr. 412;
aus Istrien in Hrvat. nar. pjesme Mat. Hrvat. 1, 41 nr. 22; aus
Dalmatien ebd. 1, 39 nr. 21; andre Fassungen ebd. 1, 506 — 508.
Ein Lied aus dem östlichen Serbien bei Vuk Stef. Karadzic, Srpske
nar. pjesme 1891 1, 138 nr. 208 = Kapper, Gesänge der Serben
1852 2, 350 'Sanct Peters eigne Mutter'. Fragmentarisch vom Amsel-
felde bei Jastrebov, Obycaji S. 123. Eine montenegrinische Prosa-
legende bei Rovinskij, Cernogorija 2, 2, 496. Andre Volkslieder aus
Istrien in Nasa Sloga Abt. 6, 6 nr. 4; ebd. S. 5, nr. 3 wird Petrus'
Vater nicht ins Paradies eingelassen. Aus Westungarn bei Kurelac
x) Hier und in einer andern sardischen Legende (Arehivio 21, 66
nr. 6) tritt S. Peters Mutter sogar als Hexe Jesus feindlich entgegen.
540 221. Sankt Peters Mutter.
S. 130 nr. 488. — Bulgarisch: Colakov S. 341 nr. 90. Aus West-
bulgarien im Sbornik rnin. 4, 130 nr. 2 = Sapkarev 8 — 9, 388
nr. 238 (Mutter des verstorbenen Kindes). Aus Etropol ebd. 4, 129
nr. 3 (der Engel zieht die Frau am Zwiebelstengel empor). Volks-
lied aus Mazedonien bei Struga Miladinovci S. 47 nr. 44 (deutsch
bei Kosen, Bulgarische Volksdichtungen 1879 S. 150j; aus Prilep
ebd. S. 49 nr. 45 (Rosen S. 146) ; ferner S. 50 nr. 46 und aus
Sofia S. 56 nr. 49. Ilies S. 104 nr. 75 (Mutter abgewiesen). —
Cechisch: in einem Volksliede aus Mähren bei Susil S. 2 nr. 2
hört König David von Maria, daß seine Mutter in der Hölle sitze,
und befreit sie durch sein Geigenspiel, womit er den Teufel über-
windet. — Polnisch aus Posen: Kolberg 15, 172. Aus dem Gouv.
Lublin : Kolberg 17, 207 nr. 20. Aus dem Gouv. Plock : Chelchowski
2, 92 nr. 75 (Petrus zieht seine Mutter dreimal am Zwiebelstengel
aus der Hölle). Aus dem Bez. Wieliczka: Mater, antropol. 4,
192. Kalendarz Lubelski na rok 1893: 'Petri Mutter' (s. Wisla
7, 624). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 137 nr. 186.
— Kleinrussisch aus Galizien: Etnograf. Zbirnyk 13, 101
nr. 287. 13, 254 nr. 434 (Gott zieht eine sündige Seele an
einem Knoblauchstengel empor). Lud 9, 69 nr. 4. Aus Südungarn:
Etnogr. Zb. 30, 85 nr. 41 (Maria zieht die Frau an den Blättern
von der Tochter Gebetbuch empor). Volkslied von St. Peters
Mutter bei Holovackyj 2, 45. Aus der Ukraine: Kulis, Zapiski 1,
307 (Seher Onysym). Aus dem Gouv. Charkov: Etnograf. Obozr.
13 — 14, 85 = Sumcov 1893 S. 4 (Bettler zieht sie an der ihm ge-
schenkten Zwiebel empor). Etnogr. Obozr. 18, 106 (Salomos Mutter,
Zwiebelstengel). Gouv. Minsk: Karskij, Mater, severnomalorus.
2, 49 (Mutter eines armen Mannes). Gouv. Sedlec-Lublin : Zivaja
Star. 12, 464 (Vater, der kein Vaterunser gebetet hat, sinkt
in die Hölle). — Weißrussisch: Karlowicz S. 45 nr. 30a (fremde
Frau). Gouv. Minsk: Sejn 2, 363 nr. 212 wie bei Karlowicz nr. 30b
(ungenannter Sohn). Federowski 3, 274 nr. 540 (Gott, Zwiebel-
stengel). Romanov 4, 32 nr. 27 ('Bruder Christi'; Strick aus Hanf
und Spreu reißt, als die Mutter schilt). 4, 188, nr. 47 (Haarbüschel
bleibt in der Hand des Sohnes). — Großrussisch nach einer Hs.
des 17. Jahrh. in Pamjatniki star. rus. literatury 1, 99 — 102 (der
Sohn einer Sünderin betet um ihre Erlösung aus der Hölle, packt
sie an den Haaren und wirft sie aus dem Pfuhl zur linken in das
klare Wasser zur rechten). Dagegen gehört das Lied von der
221. Sankt Peters Mutter. 541
sündigen Mutter bei Kirejevskij, Russkije nar. stichi (Moskauer
Ctenija 3, 9, 212) nicht zu unsrer Legende, sondern ist durch, das
Speculum Magnum veranlaßt; vgl. Wladimirov, Velikoje zercalo 1884
und Karnejev, Das Lied von dem barmherzigen Weibe (£urn. min.
nar. prosv. 1892 6, 225). Dostojevskij, Brüder Karamasov 3, cap. 7,
3 legt die Legende dem Freudenmädchen Gruschenka in den Mund
(Engel, Weib, Zwiebelstengel). Afanasjev, Nar. rus. legendy S. 30
nr. 8 (Bruder Christi, Strick aus Flachshede). In einem Märchen
aus dem Terekgebiete am Kaukasus (Sbornik Kavkaz. 15, 2, 135
nr. 16) fällt die alte Frau des an der Erbsenranke zum Himmel
kletternden Greises von seinem Rücken herab ; er läßt sich an einem
aus seinen Almosen zusammengesetzten Stricke zu ihr hinunter, aber
der Strick trägt keine sündigen Menschen. Aus dem Gouv. Moskau:
Ziv. Starina 16, 5, 15 (die geizige Schwieger nagt im Jenseits an
dem Kraute, das sie einst einem Bettler geschenkt). — Lettisch
aus Kurland : Treuland S. 276 nr. 135 (der Geist der Schwieger, die
nur einmal einem Bettler zwei Rädchen aus Baumrinde geschenkt,
wünscht sich Essen von jenem Tische). — In einer tscheremissi-
schen Sage (Znamenskij 1867 in Vestnik Jevropy 12, 62), die N.
Th. Sumcow, Die Legende von der sündigen Mutter (Kiew 1893
S. 71 ; aus Kievskaja starina 1893) und Alex. N. Veselovskij, Razy-
skanija v oblasti rus. duchov. sticha 5, 153 (1889) erwähnen, ver-
sucht ein Mann den andern an einer Zwiebel aus der Hölle zu
ziehen. In einer mongolischen bei G. Potanin, Ocerki severo-
zapadnoj Mongolii 2, Anmerkgen S. 36 25 soll der gottlose Reiche
von der Erde verschlungen werden, aber das Büschel Pferdehaare,
das er Moses geschenkt, hält ihn mitten zwischen Erdoberfläche und
Hölle fest.
In einem Aufsatze über St. Petrus den Himmelspförtner ver-
gleicht R. Köhler (Aufsätze über Märchen 1894 S. 48) ein deutsches
Gedicht des 15. Jahrh. (Mones Anzeiger 1836, 192. Germania 33,
270), in welchem Petrus einen Holzhauer, der wohl fleißig ge-
arbeitet, aber sonst nichts Gutes getan hat, auf seine Bitte an seinem
Schlägel in den Himmel zu ziehen versucht. Als sie aber zur
obersten Staffel kommen, fällt der Stiel, an dem der Mann sich
festhält, aus dem Schlägel, und er stürzt hinab zur Hölle. Auch
ein niedersächsischer Schwank bei Schambach-Müller S. 322 Wes-
halb die Pfarrer keine Perücken mehr tragen' gehört hierher : Petrus
will einen Pfarrer in den Himmel hinaufholen und faßt ihn bei
542 222. Warum die Hunde den Katzen feind sind.
den Haaren; aber da behält er die Perücke des Pfarrers in der
Hand, und dieser fällt hinunter.
Die Legende weiß von St. Peters Frau Perpetua und seiner
Tochter Petronilla nicht viel zu berichten; doch die Volkssage hat
sich auch mit diesen beschäftigt. Seine Gattin Petrona führt
Hayneccius 1562 in seiner Komödie 'Hans Pfriem' (oben S. 301) vor;
drei Töchter von tierischer Beschaffenheit schildert ein dänisches
Märchen (Zs. f. Volkskunde 11, 252. 19, 314); von seinen Schwestern
reden italienische Märchen bei Schneller nr. 3, Pitre, Fiabe e leggende
nr. 46, Archivio 22, 222 und ein englischer Nachtsegen bei Chaucer
(Canterbury Tales, The milleres tale v. 300; Academy 18, 64. 156.
1880).
222. Warum die Hunde den Katzen und die
Katzen den Mäusen feind sind.
Ein Hund hatte viele Jahre lang dem Löwen getreulich gedient;
deshalb dachte der König im Tierreiche seinen ehrlichen Diener mit
Ehren zu belohnen, sagte daher eines Tages zu ihm: 'Höre, du sollst
fürderhin unter meinen Edelleuten sein'. Und er gab ihm einen Adels-
brief von Pergament, zierlich geschrieben und mit Gold verbrämt.
Hierüber freute sich der treue Hund erstaunlich und ging zur
Katze, mit der er im vertraulichsten Umgange lebte, und sagte zu ihr:
'Frau Gevatterin, der König hat mich zu hohen Ehren erhoben und mir
darüber einen Brief gegeben von Pergament, gar zierlich geschrieben
und mit Gold verbrämt. Wollt Ihr wohl so gut sein und mir diesen
Brief aufheben und dann und wann nachsehen, damit er nicht verderbe
und nicht gestohlen werde, bis ich einmal wiederkommen werde, ihn
abzuholen?' Die Katze versprach dies zu tun und versteckte den Brief
auf einem hohen Eichbaum in ein Loch, wo er recht gut verborgen zu
sein schien. Auch schaute sie dem Gevatter Hund zuliebe anfangs
fleißig nach, ob das Pergament nicht vom Regen verdorben sei; endlich
aber dachte sie nicht mehr daran und ließ Pergament Pergament sein.
Und in dieser Zeit entdeckte es ein hungriges Mäuslein und nagte all-
täglich vom Briefe, bis er endlich zerfetzt und zerlumpt war.
Da kam der Hund zur Katze und wollte sein Pergament haben,
weil er es zum Turnier am Königshofe mitbringen mußte. Da entdeckte
223. Warum die Hunde einander beriechen. B43
diese das Unglück, das die Maus im hohlen Baume angerichtet hatte.
Darüber erbost schwor die Katze der Maus und der Hund der Katze
ewige Feindschaft, und seit der Zeit können sie sich einander nicht
mehr ausstehen.
223. Warum die Hunde einander beriechen.
Bei einer Mahlzeit des Löwen, zu der die meisten Tiere eingeladen
waren, bemerkte man, daß es an Pfeffer fehle. Sogleich rief der Löwe
einem Hunde, der mit an der großen Tafel saß, und sagte ihm, er solle
nur recht geschwind in die nächste Stadt laufen und einen Pfeffer holen.
Der Hund, der knurrte und war sehr verdrießlich, daß er so manchen
köstlichen Bissen, den er schon mit seinen Augen verschlungen hatte,
zurücklassen mußte; doch ging er fort, weil er sonst Prügel empfangen
hätte. Aber statt den Pfeffer zu bringen, spielte er den Schabernack
und lief mit dem Pfeffer davon.
Man wartete eine Stande und noch eine Stunde; wer aber nicht
kam, das war der Hund. Das machte den Löwen böse, und er schickte
die übrigen Hunde aus, daß sie den Hund mit dem Pfeffer suchten; und
wo sie ihn fänden, da sollten sie ihn in Stücke zerreißen; und so lange
sie den Hund mit dem Pfeffer nicht finden und sich an ihm rächen
würden, so lange sollten sie an der Königstafel statt des Fleisches nur
die Knochen bekommen. Seit der Zeit beschnüffeln sich einander die
Hunde, um den Hund mit dem Pfeffer ausfindig zu machen; sie haben
ihn aber noch nicht gefunden.
Die beiden voraufgehenden, inhaltlich verwandten Erzählungen
sind vor 1819 in Bayern aufgezeichnet. Sie stehen auf einem
Doppelblatte zusammen mit nr. 152 und den oben 2, 96 und 108 an-
geführten Fassungen von nr. 72 und 73. Wir vermuten in dem Ein-
sender den Münchner Kadettenhausprofessor Ludwig Aurbacher
(1784 — 1847), aus dessen 'Büchlein für die Jugend' W. Grimm später
seine nr. 184 entnahm. Denn in Aurbachers 1827 erschienenem
'Volksbüchlein' (1879 1, 62) kehrt unter dem Titel 'Ei so beiß' die
auf demselben Blatte stehende Geschichte von der Maus in der
Schüssel oder der neuen Eva1) fast wörtlich genau wieder.
l) Vgl. über diesen Stoff Oesterley zu Pauli nr. 398 und R. Köhler,
Kl. Sehr. 3, 13; ferner Warnke, Quellen der Marie de France 1900 S. 42.
Klapper, Erzählungen des MA. 1914 nr. 1B4. Wesselski, Mönchslatein
544 223. Warum die Hunde einander beriechen.
Den Widerwillen der Hunde gegen die Katzen be-
gründet schon eine Reimfabel des 14. bis 15. Jahrh. 'Von der katzen
und von dem hunde' (Alemannia 34, 118) durch einen Zank, den ein
Hund und eine Katze, die gemeinsam zu einer Hochzeit zogen, dort
um die guten Bissen anhüben. Im Ackermann aus Böhmen cap. 6
heißt es: 'Ein katz krellet einen hunt, der do slafen wollt, immer
muß sie des hundes veintschaft tragen.' Wieder andre Ableitungen
ihrer Feindschaft begegnen uns im rheinischen Märchen (Zs. f. dt.
Myth. 1, 224 = Birlinger, Nimm mich mit S. 238), bei Veckenstedt,
Zamaiten 2, 175, Lademann, Suaheli S. 117 (s. Dähnhardt 4, 142 f.
301), Wilhelm, Chinesische M. nr. 14 (Wiedergewinnung des
Zauberringes wie oben 2, 453). Am meisten Verbreitung jedoch er-
langte die Erzählung von dem durch die Nachlässigkeit der Katzen
verlorenen Privileg der Hunde,1) die uns zuerst in einem
cechischen Werke des 15. Jahrh. entgegentritt. Der mährische
Landeshauptmann Ctibor To vacovsky von Cimburk legt in seinem
1467 abgefaßten und dem Könige Georg Podiebrad gewidmeten
'Streit der Wahrheit und der Lüge'2) dem Geize folgende Fabel in
den Mund:
Die Bauern, die mit den Wölfen einen gütlichen Vergleich schließen
wollten, besprachen mit ihnen die beiderseitigen Bedingungen. Zuletzt
bestimmten sie, daß ihre Helfer, die Hunde, alles verzehren dürften, was
S. 165. 244. Hervieux 4, 408 nr. 8. Das Buch ohne Nahmen
(c. 1700) nr. 989. Harten-Henniger 2, 21. Wossidlo, Reuter S. 200.
Veckenstedts Zs. f. Vk. 4, 26 — Dähnhardt, Schwanke S. 133 nr. 66. Zaunert
S. 95. Schweizer. Archiv 6, 197. Arcbiv f. n. Spr. 117, 83. Aberg nr. 260.
Berge, Norske folkeev. 1914 S. 46. Braset 2, 231. Sebillot, FL.'de France
3, 215, Auvergne p. 43 und La Bretagne enchantee 1900 nr. 19. Luzel,
Annuaire des trad. pop. 3, 1. Archivio 21, 367. Busk, Folklore of Rome
p. 341. Cechisch aus Böhmen in der hsl. Sammlung von Fr. Homolka
nr. 17; aus Mähren bei Mensik, Jemnic. S. 197 nr. 62. Polnisch: Brückner,
Literatura religijna 1, 98 (Zwischenspiele des 17.— 18. Jahrh.); Mater,
antropol. 10, 241 nr. 17. Kleinrussisch: Bessaraba S. 46 nr. 9 (Herr und
Bauer). Großrussisch: Sbornik Kavkaz. 32, 99 nr. 12 (Bauer und Herr,
Maus in der Schüssel). Bulgarisch aus Mazedonien : Sbornik min. 16 — 17,
Mater. S. 305, Anm.
x) Vgl. darüber A. v. Löwis of Menar, Die Feindschaft zwischen
Hund und Katze, Katze und Maus und warum die Hunde einander
beschnüffeln (Dähnhardt,' Natursagen 4, 103—160. 290-302).
a) Gedruckt 1539, Bl. 34a; vgl. Tobolka, Öasopis vlasteneckeho
muzejniho spolku v Olomouci 11, 149 (1894). Verdeutscht^von G. Polivka,
Zs. f. Volkskunde 21, 167 = Dähnhardt 4, 104.
223. Warum die Hunde einander beriechen. 645
vom Festmahle der Wölfe übrig bliebe. Und als sie alle Punkte ver-
abredet hatten, setzten sie einen schriftlichen Vertrag auf und gelobten
ihn zu halten. Und sie bedachten, wem sie diesen Vertrag anvertrauen
könnten und sollten; nachdem sie viele treue Freunde gesucht hatten,
konnten sie keinen so trefflichen finden als die Katze; denn diese sieht
bei Tag und bei Nacht. Ihr vertrauten sie nun den Schatz an, damit
sie ihn treu bewahre und jeder Partei übet gebe, falls es nottäte. Als die
Katze die Urkunde übernahm, versprach sie, diese vor Schaden zu be-
wahren und zu behüten, und legte sie in einen geheimen Winkel, wohin
die Leute nicht kamen, und hoffte, daß sie nun sicher sei. Aber die
naseweise Maus, die alles durchstöberte und in allen Winkeln herum-
schnupperte, kam dahin, erblickte das Schriftstück in einer Bitze, und
wie sie es lesen wollte, da waren die Blätter mit dem Siegel zusammen-
geklebt; weil sie nun die Schrift nicht sehen konnte, begann sie zu
na^en, um hineinzugelangen und den Vertrag durchzulesen. Lange Zeit
danach wurden die Bauern [von den Wölfen] geschädigt. Die Hunde
stellten sich krank und wollten ihnen nicht gegen die Wölfe helfen. Als
die Bauern das merkten, jagten sie die Hunde fort und gaben ihnen
nicht zu fressen. Da schlugen die hungrigen Hunde auf die Wölfe los
und vertrieben sie. Als die Wölfe sich wieder sammelten, sprachen sie:
'Seht, ihrer sind viele, aber von verschiedener Farbe, die einen rot, die
andern weiß, die dritten schwarz und die vierten bunt, und wir sind alle
grau. Darum wollen wir sie im Vertrauen auf unser Pecht und auf
Gottes Beistand angreifen.' Und sie erwürgten viele Hunde. Als die
Hunde geschlagen wurden und viele Verluste hatten, bereuten sie ihre
Tat, schickten zu den Wölfen und mahnten sie an ihren Vertrag. Die
Wölfe verlangten, daß der Vertrag vorgelegt und verlesen werde. Da
baten die Hunde die Katze, ihn herbeizubringen. Weil aber die Katze
nicht wußte, was die Maus getan, brachte sie die verdorbenen und
geradezu ausgerissenen Blätter. Als die Wölfe dies sahen, rotteten sie
sich zusammen und zerrissen die Hunde, so daß nur wenige übrig blieben,
die nach Hause flohen. Aus diesem Grunde ist der Hund der Katze
feind, und die Katze der Maus; und die arme Maus kriecht aus Furcht
vor der Katze in die Winkel und kritzelt, kritzelt, als ob sie die Blätter
wieder aufschreiben wollte.
Hier ist also das kostbare Dokument ein Vertrag zwischen den
Hunden und den Wölfen, der den Hunden einen Anteil an der
Mahlzeit der Wölfe zusichert (A1). Als nun die Hunde ihren neuen
Bundesgenossen zuliebe die Herden der Bauern nicht mehr bewachen,
werden sie von ihren Herren durch Entziehung der Nahrung ge-
zwungen, in den Kampf gegen die Wölfe zu ziehen, unterliegen
jedoch schmählich (B), zumal da der einer Katze zur Aufbewahrung
Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 35
646 228. "Warum die Hunde einander beriechen.
übergebene Vertrag, auf den sie sich berufen, inzwischen von einer
Maus zernagt und ungiltig geworden ist (C). Daraus leitet sich die
dauernde Feindschaft der Hunde mit den Katzen (D1) und der Katzen
mit den Mäusen (D2) her. Die Erzählung findet sich nicht in der
voraufgehenden Fabelliteratur des Mittelalters; daß sie gleichwohl
teilweise bis ins griechische Altertum zurückreicht, geht aus der
eigentümlichen Überlegung hervor, mit der die Wölfe ihre Sieges-
zuversicht begründen: 'Die Hunde sind von verschiedenen Farben,
wir aber sind alle gleichmäßig grau.' Das ist nichts anders als die
Umkehrung der Rede des achäischen Hundes in der 85. Fabel des
Babrios, die in einem Kriege zwischen Hunden und Wölfen den
hohen Wert gleichartiger Abstammung und Gesinnung darlegen
will.1) Als die Hunde zur Schlacht drängen, zaudert ihr Anführer
und spricht:
'Höret,
Weshalb ich immer im Versteck die Schlacht meide
Und auf der Hut bin! Stets muß man sich vorsehen.
Nun seh ich, daß die Feinde von Geschlecht alle
Dieselben sind; die Unsern aber teils Kreta,
Teils der Molosser und Akarnaner Flur sandte,
Von Dolopern, Thrakern, Kypriern andre herstammen
Und andre noch von anderswo. Daß ichs kurz sage,
Selbst nicht von einer Farbe sind wir gleich jenen.
Schwarz sind die einen, doch die andern aschfarben,
Hellrot sind manche und am Halse weißscheckig,
Schneeweiß noch andre. Wie nun könnt ich anführen
Zum Kriege sie, die gar nicht übereinstimmen,
Mit denen, die in allen Stücken gleichartig?'
Da nur eine griechische Prosafassung dieser Fabel (Halm,
Fabulae Aesopicae nr. 267), aber keine lateinische Übersetzung
existiert, scheint der Zug durch byzantinische Vermittlung2), wenn
auch auf Umwegen, zu den Westslawen gedrungen zu sein.
l) Während 0. Keller (4. Suppl. der Jahrbücher f. klass. Phil.
S. 388. 1862), dem Dähnhardt 4, 290 folgt, hierin eine Anspielung auf
die Ohnmacht des achäischen Bundes sah, erblickt O. Crusius (Leipziger
Studien zur class. Philologie 2, 148. 1879) mit mehr Recht darin eine
Parodie der zuversichtlichen Ansprache Agamemnons an das Griechen-
heer (Rias 2, 369).
*) Vgl. Krumbacher, Geschichte der byzantin. Literatur1 S. 877
über die von Wagner, Carmina graeca medii aevi 1874 p. 141 heraus-
gegebene 'Kindergeschichte von den Vierfüßlern'.
223. Warum die Hunde einander beriechen. 547
In Deutschland wurde unser Märchen während des 16. Jahrh.
durch verschiedene Bilderbogen verbreitet, wie Fischart und Ayrer
bezeugen. Jener sagt 1573 irn Epilog der 'Flöhhaz' (Werke ed.
Hauffen 1, 28. Zs. f. Volksk. 17, 425):
Wer sieht nicht, was für seltzam streit
Unser Brieffmaler malen heut,
Da sie führen zu Feld die Katzen
Wider die Hund, Mäuß und die Ratzen?
Und in Ayrers Fastnachtspiel von Meister Simon (4, 2367, 34 ed.
Keller) erzählt der Maler Bruno :
Die weil man uns angedingt hat
Zu mahln die Menß mit den Ratzen,
Die ein Krieg führn mit den Katzen;
Das soll ich mahlen auff ein Tuch.
Erhalten ist nur ein Holzschnitt des von 1531 bis 1543 tätigen
Nürnberger Brief maiers Albrecht Grlockendon und ein Nachdruck
des Frankfurter Formschneiders Anthony Corthoys. In dem bei-
gefügten Bildergedicht, das durch Einflechtung von Nürnberger
Ortlichkeiten und Personennamen ein besonderes Lokalkolorit emp-
fängt (abgedruckt in M. Montanus Schwankbüchern 1899 S. 487),
ist von den Wölfen nicht mehr die Rede, durch die freilich die
Bauern in Mähren im 15. Jahrhundert mehr zu leiden hatten als die
Nürnberger; die Buntfarbigkeit der Hunde wird nur nebenher im
Eingange erwähnt:
Und wenn sy haben ein hochzeyt,
So seind ir all weg vil bereit;
Von jung und alten, klein und groß
Laufft durch einander ein großer stoß,
Schwartz, graw, rot, gescheckelt und weissen.
Ihr Privileg datiert aus der Zeit nach der Sündflut, wo Vater
Noah ihnen die Eingeweide der geschlachteten Rinder und Schweine
zusicherte (A.2). Als sie einst zur Fastnacht eine Menge Gedärme
erhielten, luden sie die Katzen zum Schmause, zeigten ihnen ihr ver-
brieftes Recht und gaben ihnen die Urkunde zur Aufbewahrung.
Wie ein Jahr darauf ein armer Mann seine Kuh schlachtete und die
Hunde wieder ihren Anteil forderten, sollten sie ihm ihr Schriftstück
vorzeigen (B2). Sie schickten deshalb zu den Katzen, die ihnen die
Urkunde in einem Mäuseloche verwahrt hatten; aber dort war sie
35*
548 223. Warum die Hunde einander beriechen.
von den Mäusen zernagt worden (C). Seitdem herrschte beständiger
Hader zwischen ihnen (D1,2). Die Hunde jedoch (und das ist ein
neues Motiv E) schickten einen der Ihrigen zur Erneuerung des
Privilegs übers Meer; allein dieser kehrte nicht wieder, und darum
beschnuppern die Hunde noch jetzt jeden fremden Hund
Und fragen in alsbaldt darnoch,
Ob er in bring- den brieff vom mer,
Den in soll scbicken der mechtig her.
Der frembd bund spricht bald : 'Nain ich zwar,
Ich bring euch keinen brieff von mar;
Darzu ist mir die sach zu schwer,
So weyt zu ziehen über mer.'
Dieser Bilderbogen hat verschiedene Nürnberger Meistersinger
zu weiteren Dichtungen angeregt: den Rechenmeister Peter Probst
zu einem Meisterliede von 1544 (Dähnhardt 4, 107. Mitteilungen des
V. f. Gesch. der Stadt Nürnberg 19, 128. 1911), den Hans Sachs
1547 zu einem Meisterliede (Fabeln ed. Goetze-Drescher 4, 210 nr.
374) und 1558 zu einem Spruchgedichte 'Warümb die hünd den
kaczen und die kaczen den mewssen so piter feint sein' (Folio 2, 4,
90a = Fabeln 1, 591 nr. 200), zwei Ungenannte zu Meisterliedern
von 1560 (Dähnhardt 4, 108; unterzeichnet H. S.) und von 1592
(Montanus 1899 S. 492), endlich den Nadler Peter Heiberg er in
Steier 1614 zu einem Meisterliede (Zs. f. Volkskunde 21, 168). All
diese Fassungen behalten den Kern der Erzählung bei, nach welchem
die Urkunde den Katzen anvertraut, aber von den Mäusen zerfressen
wird (Cj und so ein Krieg der Tiere anhebt (D1 ■ 2), aber die Ein-
leitung (A) wird geändert. Noahs Name erscheint nur im Liede von
1592; 1560 ist nur von einer alten Verpflichtung der Metzger die
Rede, zur Fastnacht den Hunden ein Mahl zu geben; Probst leitet
dies Recht aus einem selbstherrlichen Beschluß der Hunde ab ; Hans
Sachs, der Anonymus H. S. und Heiberger aber motivieren besser;
hier verleiht der Papst den Hunden die Freiheit, Freitags Fleisch zu
essen, weil sie für die Pfaffen Wildpret fangen. Ebenso zeigt der
Schluß (E) Abweichungen. Im Liede von 1592 geht die Gesandt_
schaft, die ein neues Privileg erbitten soll, zum großen Chan ins
Cathaierland, d. h. nach China ; 1560 fehlt das Motiv E ganz ; Probst,
der die Anführer der beiden Parteien den Alten vom Hundsberg und
den Herrn von Katzwang (Ort an der Regnitz) tituliert, vergißt die
Absendung der Boten zu erwähnen, obwohl er von ihrer erwarteten
223. Warum die Hunde einander beriechen. 549
Rückkehr redet; nur Hans Sachs läßt die Abgesandten folgerichtig
zum Papste wallfahrten und in Italien, wo sie sich am süssen Wein
berauschen, umkommen; ihm folgt Heiberger.
Von einem von Hans Weiditz um 1530 gezeichneten Straß-
burger Bilderbogen, der die Belagerung der Katzenburg durch die
Ratzen darstellt, ist leider der Text verloren.1) Vielleicht war dort
jener Krieg aus unserm Märchen begründet.
Nur teilweise erscheint das letztere 1557 im Wegkürzer des
Elsässers Martin Montanus2) u. d. T. 'Warurnb die hund einander
für den hindern schmecken'. Freilich wird im Eingange flüchtig des
Vorrechtes der Hunde (A) und ihrer Feindschaft mit den Katzen (D1)
J) E, Heitz (Eine Abbildung der Hohkönigsburg aus dem 16. Jahrb..
Straßburg 1907) hat den alten Holzstock abgedruckt. Von einem auf der
Pariser Nationalbibliothek befindlichen Bilderbogen 'La grande et mer-
veilleuse Bataille d'entre les Chats et les Rats', Lyon 1610 fehlt nähere
Kunde. Auf einem Amsterdamer Holzschnitt von J. Kannewet 'Kinders,
wie heeft dit oyt meer verzonnen, Dat d' Ratten met Katten den Krijg
begonnen' (Heurck, Imagerie populaire flamande 1910 p. 545) stürmen die
Ratten gegen die Katzenburg. Ähnlich auf einem bei Paul Fürst in
Nürnberg erschienenen Kupferstiche 'Der Maus und Katzen Krieg'
(Hampe, Mitt. a. d. Germ. Nationalmuseum 1914 — 15, 115 nr. 299. Gedicht:
'Nachdem das Katzen Volck viel Ratzen-Blut vergossen' . . .), während
ein andrer Stich desselben Verlages 'Der Thier und Jäger Krieg' v. J.
1652 (Hampe nr. 298. Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit 1,
245 nr. 839) eine Festung der Menschen zeigt, die von verschiedenen
Tieren unter Anführung des Löwen belagert wird; vgl. Bolte, ZfVk. 17,
4271. — In Zusammenhang damit steht wohl ein italienisches, dem
Moden eser Kanonikus Giuseppe Mainoldi zugeschriebenes Gedicht 'La
gran battaglia delli gatti contra gli sorgi', von dem verschiedene Drucke
aus Modena, Florenz, Venedig, Trevigi und Pistoia aus den Jahren
1580 — 1630, jeder 8 S. 4° mit Holzschnitt, bekannt sind; vgl. Novati,
Lares 2, 167 nr. 59, Segarizzi, Stampe pop. italiane 1, 152 nr. 164 und
Milchsack e A. d'Ancona, Due farse del secolo 16. 1882 p. 253 nr. 89.
Über des Theodoros Prodromos Dramolet Galeomyomachia (ed. Hercher
1873. Dornavius, Amphitheatrum 1, 15. 1619) vgl. Krumbacher, Byzantin.
Lit. 2 S. 751; schon Babrios nr. 31 schildert eine Schlacht zwischen
Wieseln und Mäusen.
2) Montanus, Schwankbücher 1899 S. 35 nr. 14 = Dähnhardt 4,
110. Lateinisch bei Hulsbusch, Sylva sermonum iucundissimorum 1568
p. 168 = Montanus 1899 S. 486. Niederdeutsch im Wegekörter 1592
nr. 2 ; s. Jahrbuch f. nd. Sprachforschung 20, 133.
B50 223. Warum die Hunde einander beriechen.
gedacht, aber die Zerstörung der Urkunde durch die Mäuse (Cj fehlt
völlig; nur das Motiv E wird ausgemalt: die Hunde verlieren das
von einem fernen Könige erteilte Privileg, als beim Durchschwimmen
eines Stromes der eine Abgesandte es unter seinen Schwanz nimmt.
— Dagegen berichtet Eyring, Proverbiorum copia 3, 547 nr. 237
(1604) = Zs. f. Vk. 21, 169 nicht von einem Privileg, sondern von
einem Reichstagsbeschluß sämtlicher Tiere (A8). Als der darin ver-
kündete Landfriede durch einen mutwilligen Angriff eines Hundes
auf einen Hasen gebrochen wird, sucht man nach der den Katzen
übergebenen Urkunde und findet sie von Mäusen zernagt (C); da
brechen die alten Fehden zwischen Hunden und Katzen (D1) und
zwischen Katzen und Mäusen (D2) wieder aus, und endlich wollen die
Mäuse der Katze eine Schelle anhängen.1)
In Frankreich scheint der Schulmeister Guillaume H a u d e n t
zu Rouen der erste gewesen zu sein, der das Märchen in Verse
brachte. 1547 berichtet er in seinen 366 apologues d'Esope (livre 2,
fab. 61 = Zs. f. Volksk. 21, 169) 'De la guerre des chiens, des chatz
et des souris', wie einst die Hunde, um nicht von ihren Herren fort-
gejagt zu werden (also wie bei Tovaoovsky), mit diesen einen Vertrag
schlössen, in welchem ihre Pflichten festgesetzt wurden. Diese
Urkunde gaben sie den Katzen zur Aufbewahrung, entdeckten aber
bald, daß die Mäuse das Schriftstück zerfressen hatten, und wurden
nun den Katzen feind, die ihrerseits die Mäuse verfolgten. 1694 er-
neuerte J. de La Fontaine (Fables 12, nr. 8 'La quereile des
chiens et des chats et celle des chats et des souris' = Oeuvres ed.
H. Regnier 3, 225. 1885) ohne wesentliche Änderungen Haudents
Fabel. Der beiden fehlende Schlußteil E taucht 1622 beiTabarin
(Oeuvres ed. Aventin 1, 35. 1858) auf, der gleich Montanus nur er-
klären will, 'pourquoy les chiens, s'entre saluant, se flairent au derriere
Fun de l'autre': um sich unabhängig zu machen, wollen die Hunde
einen Handel mit indischen Gewürzen anfangen; allein ihr Abgesandter
wird bei einem Sturm über Bord geworfen.
l) Vgl. über diese letzte Fabel Oesterley zu Pauli nr. 634 und zu
Kirchhof, Wendunmut 7, nr. 105. H. Sachs, Fabeln 4, 30 nr. 259.
Chauvin 2, 109. Wesselski, Arlottos Schwanke 2, 226 (1910). Dähnhardt,
Natursagen 4, 145. 301. Zs. f. Volkskunde 17, 4271 (Nürnberger Bilder-
bogen) und 21, 363 nr. 14 (koreanisch).
223. Warum die Hunde einander beriechen. 551
In den neueren Aufzeichnungen aus dem Volksmunde kehren
die alten Motive sämtlich wieder.1) Beachtung verdient, daß die bei
Tovacovsky erwähnten Wölfe nur noch bei den Polen, .Russen, Finnen
und den Schweden Finnlands eine Rolle spielen und daß das Be-
schnüffeln der Hunde (E) vorwiegend in deutschen und französischen
Erzählungen vorkommt.
In der ersten bayrischen Erzählung nr. 222 (ACD1-3) be-
steht die Urkunde in einem vom Löwen verliehenen Adelsbrief, den
die Hunde beim Turnier vorweisen müssen ; die zweite nr. 223 führt
das Motiv E ähnlich wie Tabarin aus, doch soll der nach Pfeffer
ausgeschickte Hund diesen für das Mahl des Löwen holen. Ebenso
eine rheinländische aus Oppenheim Zs. f. d. Myth. 1, 225
'Warum die Hunde einander beriechen, wenn sie sich begegnen'
(E) = Dähnhardt 4, 136 = Revue des trad. pop. 2, 433. West-
fälisch: Zs. f. d. Myth. 1, 460 'Warum die Hunde sich beriechen'
= Kuhn 2, 237 = Dähnhardt 4, 131 (beim Durchschwimmen eines
Flusses verliert der Hund das Gerichtsurteil, daß die Bauern den
Hunden nicht nur Knochen, sondern auch Fleisch geben sollen, und
ertrinkt); vgl H. Wette, Spökenkieker 1907 S. 38. Zs. f. rhein.
Volksk. 6, 23 = Dähnhardt 4, 113 nr. 2 (ein gleicher Vertrag
zwischen Herr und Jagdhund wird der Katze anvertraut und von
den Mäusen zerfressen. ACD1). Waldeckisch: Curtze S. 240
nr. 78 = Dähnhardt 4, 123 nr. 3 (Vertrag über das Fleisch im
Strom verloren). Niedersächsisch: L. Woort, Plattdeutsche
Dichtungen 1861 S. 8 (A C D1 ■ 2) = Dähnhardt 4, 120. Strackerjan
2, 88 = 2. Aufl. 2, 144 = Dähnhardt 4, 122 (ACD1- 2). Nieder-
Sachsen 14, 57 (1909. Gerichtsurteil im Strom verloren) = Dähn-
hardt 4, 131. Schambach-Müller S. 130 (Gerichtsurteil von den
Katzen ins Wasser geworfen) — Dähnhardt 4, 134. Mecklen-
burgisch: Wossidlo, Reuter S. 159 (ACD1'2) = Dähnhardt 4
113. Wossidlo S. 160 (Gerichtsurteil im Strom verloren) = Dähn-
hardt 4, 130. Wossidlo S. 160 (Hund soll Rosinen aus Paris holen)
= Dähnhardt 4, 136. Pcmmerisch: Asmus-Knoop S. 68 = Bl.
f. pomm. Vk. 8, 169 = Dähnhardt 4, 121 (ACD1- 2). Jahn, Volks-
sagen nr. 568 = Dähnhardt 4, 130 (Beschwerdeschrift im Strom
x) Simrock, Märchen S. 127 nr. 25 'Warum die Hände sich be-
riechen' = Zs. f. d. Myth. 2, 16 (1855) schöpft aus Hans Sachsens
Sprachgedicht.
552 223. Warum die Hunde einander beriechen.
verloren). Westpreußisch: Preuß S. 62 'Warum Hunde, Katzen
und Mäuse in Feindschaft leben' (Vertrag zwischen Hunden und
Katzen. ACD1,2). — Vlämisch: De Mont en de Cock, Vertelsels
p. 434 'Waarom de Honden onder elkanders staart rieken' = Volks-
kunde 2, 65. 8, 106 = Dähnhardt 4, 132 (der Hund läßt die Bitt-
schrift an Jupiter in die Suppe fallen und verschluckt sie). Revue
des trad. pop. 3, 98 = Dähnhardt 4, 120 (entstellt; Heiratskontrakt
des Hundes und der Katze). — Schwedisch: Orsaken, hwarföra
hundarne nosa pä hwarandra, eller deras priwilegier samt fri- og
rättigheder, innefattande äfwen anledningen tili sä wäl hundars och
kattors, som kattors och rättors ewiga fiendskap mot hwarandra,
Stockholm 1823 u. ö. (Bäckström 3, 155. Liebrecht, Germ. 24, 138).
Bondeson, Halländska sagor p. 61 'Hekstorian om wafför honnana
hada katterna ä katterna hada rötterna' = Dähnhardt 4, 113 (A C D).
Hackmans Register nr. 200 (C D). Dähnhardt 4, 121 nr. 6 (Paß der
Katze vom Hund im Fluß verloren). Sv. landsmäl 1905, 61 — 64
nr. 31 — 33 = Dähnhardt 4, 294 (Vertrag zwischen Hunden und
Wölfen, CD1-2. E. Urkunde im Fluß verloren). — Französisch:
Revue des trad. pop. 2, 433 'Pourquoi les chiens ont i'habitude de
se regarder sous la queue' (bretonisch). 3, 97 (Hainaut). 9, 165
(Bittschrift mit der Suppe verschlungen). 10, 26 (Troyes) = Sebillot,
Folklore 3, 76 = Dähnhardt 4, 137 (Hund stiehlt Uhr). 10, 176
(Provence. Hund stiehlt Mostrich) = Sebillot 3, 76 = Dähnhardt
4, 137. 14, 379 (Papiere bei der Sündflut unter den Schwanz ge-
bunden) = Dähnhardt 4, 133 — Sebillot, Joy. hist. p. 213. Wallonia
4, 77 'Pourquoi les chiens n'aiment pas les chats' = Dähnhardt 4,
140 (Vertrag von einer Katze dem Hunde entrissen und verschlungen).
— Italienisch: Busk p. 421 'Why cats and dogs always quarrel'
(entstellt. Die Hunde geben den Katzen ihre Papiere und jagen
die Ratten, darüber sind die Katzen entrüstet). — Portugiesisch:
Braga 2, 152 nr. 202 'Porque os cäes se cheiram' (Pfeffer geholt).
Athaide Oliveira 1, 66 nr. 25 'A razäo porque os cäes se cheiram'
= Dähnhardt 4, 121 (Gerichtsurteil vom Hund unterwegs verloren).
— Rumänisch: Flachs, Vossische Ztg. 1902, 17. Juni = Dähn-
hardt 4, 128 (Maus frißt die von der Katze für den Hund aufgesetzte
Bittschrift an Gott). Papahagi, Din literatura poporanä a Arominilor
1900 p. 766 = Dähnhardt 4, 130 (Privileg im Fluß verloren). —
Griechisch: AeZxtov r.fjg ioxoQixfjs stetig lag 1, 532 nr. 5 (1883)
= Polites, JlaQaööaeig 1, 627 nr. 1011 = Dähnhardt 4, 121
223. Warum die Hunde einander beriechen. 553
(iCD1'2). Polites nr. 1010 = 'Dähnhardt 4, 135 (E. Hund soll
Medizin holen, unterschlägt das Geld). — Slowenisch: Kres 6,
145 nr. 74 = Dähnhardt 4, 116 (ACD1-2). — Serbokroatisch:
Krauß 1, 53 nr. 18 (ACD1- 2). Zbornik jslav. 19, 83 nr. 2 (E. Ge-
würz holen). — Cechisch: Kulda 2, 114 nr. 93 = Zs. f. dt. Mythol.
4, 384 = Wenzig S. 44 = Dähnhardt 4, 127 (A C D1 • 2). Kolaf-Kochovsky,
Chudobinky S.28 nr. 9 = Dähnhardt 4, 119 (Heiratskontrakt vom Fuchs
aufgesetzt. ACD1' 2). Pfikryl S. 133 (der Hund liefert dem Wolfe
nicht die versprochenen Stiefel; Wolf, Bär und Eber führen Krieg
gegen Hund, Katze und Enterich. Als später der Wolf eine neue
Herausforderung schickt, soll der Kater den Brief für den Hund
aufbewahren. CD1-2). — Wendisch: Veckenstedt S. 422 ==
Dähnhardt 4, 116 (ACD1-2). Schulenburg, Volkssagen S. 80 (E.
Hund nach Medizin ausgesandt). Nawuka S. 6 nr. 3 (die Spinne
und Fliege berufen sich dem Hauswirt gegenüber auf ihr Privileg,
die Katze Solls holen, aber die Maus hat es zernagt; seitdem zürnt
die Spinne den Fliegen, und die Katze den Mäusen). — Kaschu-
bisch: Lorentz, Teksty S. 369 nr. 476 (Vertrag des Hundes mit
dem Menschen. C D1 ■ 2). S. 401 nr. 514 (Vertrag des Mannes mit
Hund und Katze; der Mann schlägt den Hund. CD1,2). S. 404
nr. 518 (E. Bittschrift der Hunde an den König). — Polnisch:
Zbiör wiad. 9, 71 nr 5 = Dähnhardt 4, 119 (ACD1'2). Wisla 5,
42 = Tradition 5, 68 = Dähnhardt 4, 119 (ACD1-2). Matusiak,
Gwara Lasowska 1880 S. 93 = Dähnhardt 4, 123 (ACD1-2).
Zbiör 5, 216 nr. 24 (Privileg des Hundes auf alles, was er auf der Erde
findet. C D1 • 2). 5, 177 = Dähnhardt 4, 125 (Wolf ^übergibt>ein
Dokument dem Hund, dieser der Katze. ACD1,2) Zbiör 11, 3, 37 ■==
Ciszewski, Lud z okolic Slawkowa S. 187 = Dähnhardt 4, 128 (CuD2).
Swietek, Lud nadrabski S. 583 = Dähnhardt 4, 128 (ACD1- 2).
Aus Schlesien: Mitt. f. schles. Vk. 3,8 (E. Pfeffer holen). — Klein-
russisch: Aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 37 — 38, 214 nr. 169
(Hund, Kater und Schlange wandern, erhalten von der Mäusemutter
einen Zauberstein, der eine goldene Brücke hervorbringen' kann ; da
aber der Hund die Zauberworte vergißt, lädt er am Meere den Kater,
der den Stein ins Maul nimmt, auf den Rücken und schwimmt hin-
über; der Kater läßt den Stein fallen und springt am Ufer auf einen
Baum; seitdem herrscht zwischen ihnen Feindschaft). 37—38, 215
nr. 170 (Dienstbuch des Hundes. CD1). 217 nr. 171 (CD1-2).
217 nr. 172 (Wolf und Hund tauschen Stärke und Geruchsinn,
554 223. Warum die Hunde einander beriechen.
wechseln aber wieder und schließen einen Vertrag. A1 C D1 ■ 2).
218 nr. 173 (Ebenso. ACD1'2). 209 nr. 164 (E. Pfeffer holen).
Kaindl, ZföVk. 8, 120 = Dähnhardt, 4, 123 (ACD1-2). Nowo-
sielski 2, 138 (Privileg der Hunde. CD1'2). Öubinskij 1, 53
— Dähnhardt 4, 118 (ACD1-2). Dragomanov S. 197 nr. 44 =
Dähnhardt 4, 119 (ACD1). Hrincenko 1, 7 nr. 13 = Bulasev
S. 412 = Dähnhardt 4, 115 (Dokument im Ofen verbrannt, wo-
hin der Kater es gelegt. ACD1). Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 399
nr. 352 (Pfeffer holen. E). 2, 417 nr. 378 (Schmalz holen. E).
Aus Gouv. Cernigov: Malinka S. 317 nr. 37 (Wolf gibt seinen Paß
dem Hunde, dieser dem Kater. C). S. 318 nr. 38 (Wölfe und
Hunde machen Frieden. A1 C D1 ■ 2. Bei einer neuen Zusammen-
kunft werden die Abgesandten der Hunde, die sich wohlriechende
Flaschen unter den Schwanz gebunden, von den Wölfen zerrissen. E). — ■
Weißrussisch: Romanov 3, 20 nr. 14 = Dähnhardt 4, 117 (Adels-
brief. ACD1 -2). §ejn 2, 349 nr. 195 = Dähnhardt 4, 117 (Adels-
brief. ACD1- 2). 2, 348 nr. 194 = Dähnhardt 4, 125 (das vom
Hund der Katze übergebene Dokument gehört ursprünglich dem
Wolf. ACD1- 2). Federowski 3, 125 nr. 219 = Dähnhardt 4, 137
(Pfeffer holen. E). — Litauisch: Veckenstedt, Zamaiten 2,173 nr.
32 = Dähnhardt 4, 124 (Katzen von den Hunden über den Fluß
gesetzt. ACD1- 2). Dowojna Sylwestrowicz S. 400 = Dähnhardt 4,
126 (Adelsbrief des Wolfes dem Hunde übergeben. ACD1' 2). Jur-
kschat 1, 52 nr. 17 = Dähnhardt 4, 134 (Hund soll einen Brief des
Königs überbringen. E). — Estnisch: Jannsen 1, 157 = Dähn-
hardt 4, 114 (ACD1-2 E). Dähnhardt 4, 297 (A C D1). 4, 298 (A C D1).
4, 134 (bewilligte Bittschrift verloren. E). — Finnisch: Krohn 1,
152 nr. 133 = Dähnhardt 4, 292 (Gerichtsurteil über den Streit der
Hunde und Wölfe. ACD1,2); dazu die Varianten bcd bei Dähn-
hardt. Krohn 1, 153 nr. 134 und 1, 409 = Dähnhardt 4, 294 (Privileg
der Hunde nach einem Sieg über die Wölfe. ACD1,2E). Krohn 1,
211 nr. 181 = Dähnhardt 4, 297 (ACD1'2). Varianten bei Dähn-
hardt 4, 299. Krohn 1, 211 nr. 182 = Dähnhardt 4,300 (die Katzen
verlieren im Fluß die unter den Schwanz gesteckten Pässe, ebenso
die Hunde, während die Ratten den Paß ins Maul nahmen. D1 ■ 2).
Varianten bei Dähnhardt. Dähnhardt 4, 293, e (ein Hund verliert
den gemeinsamen Paß im Fluß. E). Aarnes Register nr. 200 (CD)
und Finnische Ursprungssagen (FFC. 8, 11) nr. 56: CD. —
Magyarisch: Arany S. 316 = Notes and queries 6, 10, 141 —
223. Warum die Hunde einander beriechen. 555
Eevue des trad. pop. 7, 479 = Dähnhardt 4, 126 (Schwein übergibt
seine Urkunde dem Hund. ACD1-2). Nyelvör 14, 129. 16, 571. 23,
333 = Dähnhardt 4, 118 (Adelsbrief. ACD1-2). — Arabisch:
Hanauer, Palestine Exploration Fund 36, 265 (1904) = Dähnhardt 4,
124 (auf Antrieb des neidischen Pferdes, Esels und Ochsen zernagen
die Patten die Privilegien des Hundes und der Katze. ACD1,2).
Wie Sebillot und A. v. Löwis bemerkt haben, knüpft das schon
in Glockendons Bildergedicht auftretende Motiv E, die vergebliche
Erwartung des zum fernen König abgeschickten Hundes, an eine
Fabel desPhädrus von der verunglückten Audienz der Hunde
an (4, nr. 18 'Canes legati ad Jovem'. Hervieux 22, 49. Dähnhardt
4, 137. Nicht im Bomulus aufgenommen). Auch hier senden die
Hunde einige der Ihrigen zu Jupiter mit der Bitte, ihr elendes Los
zu bessern; doch weil sie bei Hofe den Anstand gröblich verletzen,
werden sie in den Kerker geworfen, und einer zweiten Gesandtschaft
ergeht es nicht besser. Die Fabel schließt:
Ita nunc legatos exspectant et posteri;
Novum venire qui videt, culum olfacit.
In einem deutschen Märchen aus Pommern 'Warum sich die
Hunde immer beriechen' (JB1. f. pomm. Vk. 1, 83) jagt Petrus die im
Vorzimmer des Himmels sich unanständig benehmenden Hunde hin-
aus. Friesisch bei Dykstra 2, 137 = Volkskunde 8, 107 = Eevue
des trad. pop. 10, 301 = Dähnhardt 4,140. Französisch aus der
Bretagne : Eevue des trad. pop. 2, 433 = Sebillot, Folklore 3, 75 =
Dähnhardt 4, 138 = Sebillot, Joy. hist. p. 211. Aus Belgien : Wallonia
5, 11 'Pourquoi les chiens se sentent' = Dähnhardt 4, 138. Wallonia
3, 16 — Dähnhardt 4, 139 (die Hunde wollen über die Hinterlist
der Katzen klagen). Serbokroatisch aus Slawonien: Anthro-
pophyteia 7, 289 nr. 25 (Petrus). In einem Negermärchen aus
Louisiana bei Fortier p. 45 = Dähnhardt 4, 141 läßt Mr. Jupiter den
kecken Hund Brisetout mit Terpentin und Pfeffer einreiben und eine
zweite Gesandtschaft prügeln. Hier sieht man also den unmittelbaren
Einfluß der antiken Fabel deutlich durchschimmern.
656 224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser und der Starke.
224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser
und der Starke.
Ein armer Mann, der sozusagen vom Tagelohn lebte, hatte aber
dabei ein so gutes Gehör, daß er das Gras wachsen hörte. Dem wollte
es nun zu Haus nicht mehr gefallen, und er entschloß sich in der Welt
rum zu reisen und zu sehen, ob er auf sein gut Gehör etwas verdienen
könnte. Er ging auch wirklich fort. Wie er nun eine Zeitlang gegangen
hatte [!], so begegnete ihm ein Mann, der gar stark lief. 'Woher und
wohin, guter Freund?' frug er ihn. Der Läufer antwortete: 'Ich habe
heute schon vierzig Meilen Wegs her gelaufen und will noch zehn laufen.'
Halt, dachte unser Mann, das war was, wenn der so mit dir reiste. Sie
wurdens einig und gingen nun auch miteinander fort.
Wie sie nun wieder eine Zeitlang gegangen waren, so sahen sie
auf einem hohen Berg einen Mann stehen, der die Arme in die Seite
gestemmt hatte und blies. Sie gingen hin, um zu sehen, was der da
machte. Wie sie nauf kamen, so fragen sie ihn, was er denn da machte.
'Ey, seht ihr denn nicht,' sagte er, 'hier rum die zweihundert Wind-
mühlen? Die muß ich alle mit meinem Wind im Gange halten.' Darauf
fragten ihn die andern beiden, ob er denn damit auch brav verdiente.
'Ach,' sagte er, 'wenig oder gar nichts.' Sie sprachen mit ihm und er-
zählten ihm, was sie konnten und was ihr Wille sei, und wenn er wollte,
so sollte er auch mitgehen, sie wollten schon was verdienen. Er wars
zufrieden, und nun reisten sie alle drei miteinander fort.
Wie sie nun wieder eine Zeitlang gegangen waren, da begegnete
ihnen ein Mann, der war so stark, daß er wohl ein Haus hätte fort-
tragen können. Mit diesem sprachen die drei nun auch, und er wars
auch gleich zufrieden und dachte: Wenn ihr mir lange macht, so prügle
ich euch tüchtig durch. Na, nun reisten sie alle vier fort. Sie hatten
nun eben kein Geld mehr und mußten sehen, wo sie nun was kriegten.
Der Läufer mußte als Hasen und Wildpret greifen ; dann ging der Bläser
bei ein Dorf und machte draußen so ein starken Wind, daß alles um-
fallen wollte, und dann gingen die Leute heraus, um ihre Sachen zu
retten, oder er ging so vor ein Haus und fing so an zu blasen, daß die
Leute alle durch den Schornstein rauf flogen, und dann ging er ins Haus
und holte Brot, Fleisch, Eier und was er so kriegen konnte. Da mußte
denn der Starke als mit, daß sie recht viel fortbringen konnten. Auch
224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser und der Starke. 557
der, der so gut hören konnte, mußte als mit, weil manchmal die
Husaren oder sonst Soldaten hinter sie kamen, daß er hörte, ob
sie anmarschiert kämen oder nicht, damit sie sich bei Zeiten fort-
machen konnten.
So trieben sie sich alle vier nun eine Zeitlang herum; endlich
kamen sie mal in eine Residenz, wo dem Fürst seine einzige Tochter
sehr krank war. Sie hatten zwar alle Doktors gebraucht, aber keiner
hatte dieselbe kurieren können. Und lange würde es nicht dauern,
sagten die Doktors, so stürbe sie; es wüchse aber noch 100 Meilen von
da ein Kraut, wenn sie dieses in Zeit von 24 Stunden hier haben könnten,
so könnte sie noch gerettet werden. Nun ließ der Fürst bekannt machen,
wer in dieser Zeit das Kraut anzuschaffen gedächte, der sollte sich so-
gleich bei ihm melden; er sollte haben, was er haben wollte. Jetzt
gingen die vier Männer hin, und der Läufer erbot sich, solches in den
24 Stunden zu holen. Die Doktors beschrieben es ihm genau, und nun
machte er sich fort. Die andern drei wurden indessen aufs beste be-
wirtet. Es waren noch keine 24 Stunden rum, so war der Läufer
schon wieder mit dem Kraute da. Es wurde gebraucht, und in
derselben Zeit wurde auch gleich die Tochter des Fürsten wieder ganz
gesund.
Der Fürst war ganz froh und frug nun den Läufer, was er denn
haben wollte. Der sagte nun, wenn er ihm soviel Geld gäbe, wie da
sein Bruder (das war der Starke) tragen könnte, so wollte er zufrieden
sein. Der Fürst glaubte nicht, daß der so stark wäre, und sagte ja.
Nun machte sich dieser einen großen, großen Sack und ging damit zu
dem Fürsten. Er wurde in das Geldmagazin geführt; da raffte er denn
alles ein. Es war ihm aber noch nicht schwer genug, und der Fürst
ließ also sonsther noch vier Wagen voll kommen; das steckte er auch
alle in seinen Sack, es war ihm aber noch nicht genug, und der Fürst
mußte alle sein Geld, noch acht Wagen voll, kommen lassen, das tat er
auch noch alle in den Sack, und er hätte noch mehr nein getan. Der
Fürst sagte aber, er hätte nichts mehr. 'Na, wenns denn nicht anders
ist, so mags so bleiben', sagte der Starke, huckte seinen Sack auf, und
so gingen sie alle vier weg.
Wie sie weg waren, so ärgerte den Fürst das viele Geld, and er
schickte alsogleich ein Regiment Husaren hinter den vieren her, die es
ihnen wieder abnehmen sollten. Der so gut hören konnte, sagte, wie
sie ein weites Stück schon fort waren: 'Halt mal!' Er legte sich auf
die Erde und hörte, und da sagte er: 'Es kommt ein ganz Regiment
Husaren hinter uns her.' Nun mußte der Läufer gleich zurücklaufen
und sehen zu, ob es wahr wäre. Der kam auch bald wieder und
558 225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen.
sagte: 'Ja, sie kommen.' Nun sagte der starke Bläser: 'Geht dort
in den Wald! Ich will hier bleiben und will denn schon mit den-
selben fertig werden.' Das geschah, die drei gingen weg, und er blieb
allein da stehen.
Das Regiment Husaren kam an, und sie sahen diesen Mann,
wollten gleich auf ihn los. Er stellte sich aber hin und fing an zu
blasen, erst sachte, daß die Husaren ordentlich zurückweichen mußten ;
einige fielen von den Pferden, und was sonst noch so alle war. Sie
wurden aber nun böse und rückten mit Gewalt auf ihn los. Jetzt fing
er aber ganz stark an zu blasen, so daß die ganzen Husaren in die Luft
flogen und keiner mehr zu hören und zu sehen war. Nun ging er ganz
ruhig nach den andern Dreien hin und erzählte ihnen, wie ers den
Husaren gemacht hätte. Und da teilten sie nun ihr Geld; es trug jedem
soviel, daß er nun herrlich davon leben konnte. Sie gingen zusammen
fort nnd kamen in eine Stadt, wo sich jeder denn ein Haus kaufte und
da recht vergnügt lebte. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben
sie noch immer.
Aus den Schwalmgegenden von Siebert am 11. Dezember
1813. Es ist die oben 2, 79 erwähnte Fassung des 71. Märchens
'Sechse kommen durch die Welt'.
225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen.
Es war einmal ein Mäuschen und ein Bratwürstchen, die hielten
zusammen Haus; einen Sonntag ging das Mäuschen in die Kirche, den
andern das Bratwürstchen ; was zu Hause blieb, kochte. Da hatte einmal
das Bratwürstchen braunen Kohl gekocht, und wie er bald gar war, lief
es dardurch. Wie nun das Mäuschen aus der Kirche kam, setzten sie
sich zusammen hin und aßen. Sagte das Mäuschen: 'Der Kohl schmeckt
ja so gut.' 'Ja,' sagte das Bratwürstchen und lachte, 'da bin ich dar-
durch gelaufen, davon ist er so fett.' 'Halt,' dachte das Mäuschen, 'das
will ich mir merken.' Den andern Sonntag, wie an ihm die Reihe war,
kochts auch braunen Kohl, und wie er bald fertig ist, wills auch durch-
laufen, da bleibts aber in der Mitte stecken und verbrennt. Nun kommt
das Bratwürstchen aus der Kirche, und weil das Mäuschen nicht da ist,
denkts : 'Das ist ausgegangen' und wartet. Weils aber so starken Hunger
hat, fängts an zu essen; auf einmal kommts an ein Schwänzchen, da
225. Vom Mäuschen und -vom Bratwürstchen. 659
ißts noch, ein bißchen weiter, da kommts an den Leib, und noch ein
bißchen weiter, da kommts ans Köpfchen, so ist das ganze Mäuschen da.
Da hat sich das Bratwür stehen so erschrocken, daß es nicht weiter
essen konnte, und ist vor Betrübnis geplatzt.
Von Dortchen Grimm, Februar 1857 (eigenhändig), vermutlich
aus Kasseler Jugenderinnerungen. — Vgl. oben 1, 206 zu nr. 23, wo
noch eine bayrische Fassung bei Spiegel nr. 17 'Maus, Wurst und
Frosch' und eine holsteinische in der Heimat 23, 210 (Kiel 1913)
'Mus un Mettwuß' nachzutragen ist.
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W. Hosäus. Paderborn 1862 (= F. Caballero, Ausgewählte
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Sagen. Berlin 1885.
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logische Vorlesungen über die altaischen Völker nebst samo-
jedischen Märchen und tatarischen Heldensagen. St. Petersburg
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Cenac-Moncaut. — Contes populaires de la Gascogne. Paris 1861.
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Przebieczany im Bezirke Wieliczka] = Materyafy antropolog. 1,
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— rep. 1870.
570 Anhang.
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nekotoryje obrjady u severnych Burjat [Märchen, Aberglauben
und einige Gebräuche der nördlichen Buräten]. Tomsk 1903
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Chapelot (J.) — Contes balzatois. Angouleme 1877. — 5. ed. 1883.
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Chatelain (H.) — Folk-tales of Angola. Boston 1894.
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Chavannes (E.) — Cinq cent contes et apologues extraits du
Tripitaka chinois et traduits en francais 1 — 3. Paris 1910 — 11.
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Cheap (J.) — The chapman's library: The scottish chap literature
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von Przasnysz, Gouv. Plock, gesammelt] 1 — 2. Warszawa 1889 — 90.
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powiecie Olkuskim, opisal [Das Ackerbau und Bergbau treibende
Volk aus der Umgebung von Slawkov im Bezirk Olkusz, be-
schrieben]. Krakauer Akademie, Zbior S. 207 — 277 (S. A. aus
Zbiör 10—11).
— — Krakowiacy, monografja etnograficzna 1 : Podania, powiesci
fantastyczne, powiesci anegdotyczno-obyczajowo-moralne, bajki o
zwierze_tach, zagadki i iamigiowki [Das Krakauer Volk, eine
ethnographische Monographie 1 : Traditionen, Märchen, Anekdoten.
Tierfabeln, Rätsel]. Krakau 1894. — (277 nr.)
Clement (K. J.) — Der Lappenkorb von Gabe Schneider aus
Westfriesland. Leipzig 1846. (S. 317 nordfriesische Märchen
und Schwanke). — vgl. J.H. Halb ertsma, De Lapekoer fen Gabe
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Anhang. 571
Clouston (W. A.) — Populär Tales and Fictions, their inigrations
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— — Eastern Romances. London 1889.
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Cock CA. de) — Rond den Heerd. Gent [1890].
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Coeckelbergs (F.) — Sprookjes, Legenden, Sagen, Liederen te
Heyst-op-den-Berg. Antwerpen 1908.
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— — Contos nacionaes. Lisboa 1882. (26 nr.)
Colshorn (C. und Th.) — Märchen und Sagen. Hannover 1854.
Comparetti (D.) — Novelline popolari italiane. Torino 1875. (70 nr.)
Consiglieri-Pedroso — Portuguese Folk -Tales translated by
H. Monteiro. London 1882 (Publ. of the Folk-lore Society 9).
Constantinescu (B.) — Probe de limbä si literatura Tiganilorü
in Romänia. Bukarest 1878
Contes licencieux de l'Alsace, racontes par le magnin de Rougemont.
Kleinbronn-Paris 1906.
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italiana nei princi pali dialetti. Benevento 1877.
Cornelissen (P. J.) en Vervliet (J. B.) — Vlaamsche Volks-
vertelsels en kindersprookjes. Lier 1900.
Coronedi-Berti (C.) — ISTovelline popolari bolognesi. Bologna
1874 (aus Propugnatore 7 — 9. — 21 nr.). — 2. ediz. Bologna
1883. (50 nr.)
Cosquin (E.) — Contes populaires de Lorraine 1 — 2. Paris [1887].
(84 nr. mit ausführlichen Anmerkungen). — Zuerst in der Roman ia
5-1U (1876—1881).
Co well: s. Jätaka.
Crane (T. F.) — Italian populär Tales. London 1885.
Cronise (F. M.) and Ward (H. W.). — Cunnie Rabbit, Mr. Spider
and the other beef. West african folktales. London 1903.
Croker (T. C.) — Fairy Legends and Traditions of the South of
Ireland 1—3. 1825—28. New edition London 1834. 1862. —
Der 1. Teil deutsch von Wilh. Grimm, Irische Elfenmärchen.
Leipzig 1826 und München 1906.
Crooke (W.) — An Introduction to the populär Religion and
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minster 1896.
Cukasaptati, Textus simplicior übersetzt von R. Schmidt. Kiel
1894. — Textus ornatior. Stuttgart 1896.
572 Anhang.
Curtin (Jer.) — Myths and Folk-tales of the Russians, Western
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des slovakischen Museums] Bd. 1 f. Türe. sv. Martin 1898 f.
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Cesky Lid, Sbornik venovany studiu lidu ceskeho v Cechach, na
Morave, ve Slezsku a na Slovensku. Red. Cenek Zibrt [Das
böhmische Volk, ein Sammelwerk gewidmet dem Studium des
böhmischen Volkes in Böhmen, Mähren, Schlesien und in der
Slovakei] 1—23. Prag 1891—1914.
Colakov (V.) — Bälgarskij naroden sbornik 1. [Bulgarischer Volks-
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Cubinskij (P. P.) — Trudy etnograficesko-statisticeskoj ekspedicii v
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obscestvom. Jugozapadnyjotdel. Materialy i izsledovanija sobrannyja
[Arbeiten der ethnographisch-statistischen Kommission, die von
der kais. russischen geographischen Gesellschaft in die west-
russischen Länder ausgesandt wurde, Südwestliche Abteilung.
Materialien und Forschungen gesammelt] 2. Band, hsg. unter
Aufsicht von P. A. Hiltebrandt: Kleinrussische Märchen.
St. Petersburg 1878. — (146 mythische Märchen und 146
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Anhang. 573
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Märchen, Fabeln und Legenden, 1 : Sagen zum Alten Testament. 2 :
Sagen zum Neuen Testament. 3 — 4: Tiersagen. Leipzig 1907 — 1912.
Dania, Tidsskrift for Folkemäl og Folkeminder, udgivet af
0. Jespersen og K. Nyrop 1 — 10. Kopenhagen 1890 — 1903.
Danica, List za zabavu i knjizevnost [Zeitschrift für Unterhaltung
und Literatur] Bd. 8—9. U Novom Sadu [Ujvidek] 1868—69.
Danske Studier udg. af M. Kristensen og A. Olrik, Kopenhagen
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Dasent: s. Asbjörnsen.
DaviSsson (Olafur) — Islenzkar bjo<5sögur. Reykjavik 1895.
Day (Lal Behary) — Folk-tales of Bengal. London 1883.
Dayrell (E.) — Folk stories from Southern Nigeria, West Africa.
London 1910.
Decourdemanche (J. A.) — Les plaisanteries de Nasr Eddin
Hodja. Paris 1876.
— — Sottisier de Nasr Eddin Hodja. Bruxelles 1878.
Fables turques. Paris 1882. (149 nr.)
Decurtins (C.) — Rätoromanische Chrestomathie, 2. Band: Sur-
selvisch, Subselvisch. Erlangen 1901. (S. 1—128: 103 Märchen.
Die nr. 11—30 sind bei Jecklin 1, 101 = 1916 S. 583
verdeutscht.) — 10. Band: Sursettisch, Sutsettisch. 1916
(S. 610—643: 22 Märchen). — 11. Band: Bergellisch, Unter-
engadinisch. 1917 (S. 220-235: 4 Märchen).
AeZtiov vfjg lo-TOQixfjs zai i&voZoyixrjg eiaiglag %f]g 'EXXddog
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Desparmet (J.) — Contes populaires sur les ogres, recueillis ä Blida.
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Destaing (E.) — Etüde sur le dialecte berbere des Beni-Snoüs.
1—2. Paris 1907—1911.
De uli n(Ch.) — Contes d'un buveur de biere (1870). 6. ed. Paris 1873.
— — Contes du roi Cambrinus. Paris 1874.
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Diermissen (J.) — Ut de Musskist. Kiel 1862.
Dieter ich (K.) — Sprache und Volksüberlieferungen der südlichen
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574 Anhang.
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Dykariv (M.) — Cornomorski narodni kazky i anekdoty [Volks-
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Elpl (Fr.) — Eada pohädek a povesti nasbiranych v Lisni u Brna
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Engelien (A.) und Lahn (W.) — Der Volksmund in der Mark
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Erdelj^i (J.) — Nepdalok es mondäk [Volkslieder und Sagen] 1—3.
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Erk (L.) und Böhme (F. M.) — Deutscher Liederhort 1-3.
Leipzig 1893—1894.
Erlenvejn (A. A.) — Narodnyja russkija skazki i zagadki
sobrannyja seljskimi uciteljami Tuljskoj gubernii v 1862 i 1863
576 Anhang.
godach [Russische Volksmärchen und Rätsel, gesammelt von den
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Etnograficeskoje obozronije, izdanije Etnograficeskago otdela
imper. obscestva ljubitelej estestvoznanija antropologii i etnografii,
sostojascago pri Moskovskom Universitete [Ethnographische Rund-
schau, hsg. von der ethnographischen Sektion der kais. Gesellschaft
der Freunde der Naturwissenschaften, Anthropologie und Ethno-
graphie an der Moskauer Universität. Red. V. Th. Miller und
N. A. Jancuk] 1—13. Moskau 1889—1901.
Etnograficnyj Zbirnyk, vydaje Naukove tovarystvo imeny
Sevcenka [Ethnographischer Sammelband, hsg. von der wissen-
schaftlichen Sevcenko-Gesellschaft] 1 — 38. Lemberg 1895 — 1916.
— (vgl. Polivka, Archiv 21, 285. 22, 300.)
Ethnologische Mitteilungen aus Ungarn 1 — 6. Budapest
1887—1904.
E t z e 1 (G.) — Aus Jurte und Kraal. Geschichten der Eingeborenen
aus Asien und Afrika. München 1911.
Ey (A.) — Harzmärchenbuch, oder Sagen und Märchen aus dem
Oberharze. Stade 1862.
Faye (A.) — Norske folkesagn. 2. opl. Kristiania 1844.
Federowski (M.) — Lud bialoruski na Rusi litewskiej, Materyaly
do etnografii slowianskiej zgromadzone w latach 1877 — 1893,
1: Wiara, wierzenia i przesady ludu z okolic Wolkowyska,
Slonima, Lidy i Sokölki. 2 : Basnie, przypowiesci i podania ludu
z okolic Wolkowyska, Slonima, Lidy i Sokölki [Das weißrussische
Volk in Russisch-Litauen, Materialien zur slawischen Ethno-
graphie gesammelt in den Jahren 1877 — 1893, 1 : Glaube, Aber-
glaube usw. des Volkes aus der Umgebung von Wolkowysk,
Slonim, Lida und Sokölka. 2: Märchen, Erzählungen und Sagen].
Krakau 1897—1902. — (vgl. Polivka, Archiv 21, 259. 29, 445).
— — Lud okolic Zarek, Siewierza i Pilicy, jego zwyczaje, sposöb
zycia, obrze,dy, podania, gusla, zabobony, piesni, zabawy,przyslowia,
zagadki i wlasciwosci mowy [Das Volk aus der Gegend von Zarki,
Siewierz und Pilica, seine Gebräuche, Traditionen, Aberglauben,
Lieder, Spiele, Sprichwörter, Rätsel usw.] 1 — 2. Warschau
1888—1891 (Bibl. Wisly 1—2). — Auf S. 37—346 Traditionen
und Märchen.
Anhang. 577
Feenmärchen. Braunschweig 1801.
Fe er (L.) — Contes Indiens. Les 32 recits du tröne (Batris-sin-
hasan) ou les merveilleux exploits de Vikramaditya, traduits du
bengali. Paris 1883.
Feilberg (H. F.) — Fra Heden. Hadersleben 1863.
— — Bidrag til en Ordbok over jyske Almuesmäl 1 — 4. Kopen-
hagen 1886—1914.
Ferrand (Gr.) — Contes populaires malgaches. Paris 1893.
FF Communications edited for the Folklore Fe llows byj. Bolte,
K. Krohn, A. Olrik, C. W. v. Sydow 1—16. Helsingfors
1910-14.
Finamore (G.) — Tradizioni popolari abruzzesi 1 — 2: Novelle.
Lanciano 1882—86. (122 nr.)
Firmenich (J. M.) — Germaniens Völkerstimmen 1 — 3. Berlin
1843—68.
Fischer (E. L.) — Grammatik und Wortschatz der plattdeutschen
Mundart im preuß. Samland. Halle 1896.
Fleury (J.) — Litterature orale de la Basse-Normandie. Paris 1883.
Foersom (P.) — Om Samlinger of danske Landskabsord. Kopen-
hagen 1820.
Folk-lore Society (seit 1878) gab heraus:
Folk-lore Becord 1—5. London 1878—82.
Folk-lore Journal 1—7. London 1883—89.
Folk-lore 1—24. London 1890—1913.
Folk-lore andaluz. Sevilla 1882—83.
Folk-lore catala 1 — 6. Barcelona 1884—91. — Eine neue Serie,
Bd. 1. Barcelona 1895.
Folkminnen och folktankar 1 — 2. Lund 1914 — 15.
Fortier (A.) — Louisiana Folk-tales. Boston 1895.
Franzisci (F.) — Kulturstudien über Volksleben in Kärnten. Wien
1879, S. 87-103 (sechs Märchen).
— — Märchen aus Kärnten (19 nr.). Klagenfurt, J. Leon [1884], —
Sagen und Märchen aus Kärnten (11 nr.) ebd. [1884] = Kärntner
Volksbücher nr. 1 und 6.
Frere (M.) — Old Deccan Days, or Hindoo Fairy Legends. London
1868. — Deutsch von A. Passow: Märchen aus der indischea
Vergangenheit. Jena 1874.
Frey (J.) — Gartengesellschaft (1556) hsg. von J. Bolte Tübingen 1896.
Friedel (E.) und Mielke (R.) — Landeskunde der Provinz Branden-
burg, 3. Band: Die Volkskunde. Berlin 1912 (enthält S. 226—236 :
W. v. Schulenburg, Märchen).
Friis (A ) — Lappiske eventyr og folkesagn. Kristiania 1871.
Frobenius (L.) — Der schwarze Dekameron, Belege und Akten-
stücke über Liebe, Witz und Heldentum in Innerafrika. Berlin 1910.
Fry er (A.) — English fairy tales from the North country. London 1881.
Fuchs (H) — Sagen, Mythen und Sitten der Masai. Jena 1910.
Grimm, Märchen-Anmerkungen III, 37
578 Anhang.
Fundescu (J. C.) — Basme, poesii, päcäliturisi ghicitori [Märchen,
Dichtungen, Schwanke und Rätsel]. Bukarest 1867. — 3. Aufl. 1873.
v. O aal (Gr.) — Märchen der Magyaren. Wien 1822.
— — Magyar Nepmesegyüjtemenye [Ungarische Märchensammlung,
hsg. von Gr. Kazinczy und F. Toldy 1—3. Pest 1857— 60. (53 nr.)
— — Ungarische Volksmärchen übersetzt von G. Stier. Pest 1857.
Gabrscek (A.) — Narodne pripovedke v Soskih planinah. Iz
naroda za narod zbral in napisal [Volksmärchen in den Isonzo-
Alpen, aus dem Volke für das Volk gesammelt und aufgezeichnet]
1—2. Görz 1894—1895 (Slavische Bibliothek 25. 29). Neue Auf-
lage Görz 1910. — Heft 3vonJ.Kenda. Görz 1896 (Slavische
Bibl. 47).
Gaidoz (H.) et Sebillot (P.) — Blason populaire de la France.
Paris 1884.
GJ-ale (J. S.) — Korean folk tales. London 1913.
G-argiolli (C.) — Novelline e canti popolari delle Marche. Fano 1878.
Garnett (Lucy M. J.) — The Women of Turkey and their Folk-
lore 1—2. London 1890—91.
— — Greek f olk-poesy 1 : Folk-verse ; 2 : Folk-prose. London 1896.
Gaster (M.) — Beiträge zur vergleichenden Märchen- und Sagen-
kunde. Bukarest 1883 (aus : Monatsschrift für Geschichte des
Judentums 29—30).
— — Literatura popularä romänä. Bukarest 1883.
— - — Greeko-slavonic Literature. London 1887.
Gavrilovic (A.) — Dvadeset srpskih narodnih pripovedaka [Zwanzig
serbische Volksmärchen]. Belgrad 1906. — (Vgl. Polivka, Archiv
29, 469).
Geldart (E. M.) — Modern Greek Folk-lore: the Tales of the
People. London 1884. (Meist nach Pio.)
Genetz (A.) — Ost-tscheremissische Sprachproben (in: Journal de la
Societe finno-ougrienne 7. 1889).
van Gennep (A.) — Mythes et legendes d'Australie. Paris 1906.
Georgeakis (G.) et P ine au (L.) — Le folk-lore de Lesbos
Paris 1894.
Gerber ( A.) — Great Russian Animal Tales. Baltimore 1891 (aus :
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Gering (H.) — Islendzk Aeventyri, isländische Legenden, Novellen
und Märchen hsg. 1—2. Halle 1882—83.
Gerle (W. A.) — Volksmärchen der Böhmen 1—2. Prag 1819.
Germania, Vierteljahrsschrift für deutsche Altertumskunde 1 — 37.
Stuttgart 1856—92.
Gesta Romanorum hsg. von H. Oesterley. Berlin 1872.
Giambattista Basile: s. Basile.
Gianandrea (A.). — Biblioteca delle tradizioni popolari marchi-
giane 1. Jesi 1876.
Gigli (G.) — Superstizioni, pregiudizi e tradizioni in Terra d'Otranto-
Firenze 1893.
Anhang. 579
Gill (W. W.) — Myths and songs from the South Pacific. London 1876.
Gittee (A.) et Lemoine (J.) — Contes populaires du pays wallon.
Gand 1891.
Gjor gjevic (Tihomir R.) — Die Zigeuner in Serbien, 2. Teil
(= Mitteilungen zur Zigeunerkunde, Organ der Gesellschaft für
Zigeunerforschung, Beiblatt der Ethnologischen Mitteilungen aus
Ungarn. Budapest 1906).
Glasnik zemalskog muzeja u Bosni i Hercegovini [Anzeiger des
Landesmuseums in Bosnien und Herzegovina]. Urednik Ciro
Truhelka 1, 1. Sarajevo 1889.
Gligorijevic (A.) — Iz duse narodne [Aus der Seele des Volkes].
Belgrad 1897. (7 nr.)
Glinski (A. J.) — Bajarz polski; basni, powiesci i gawe^dy ludowe
[Polnischer Märchenerzähler; Volksmärchen, Sagen und Er-
zählungen. 1862] 3. Aufl. Wilna 1881 (12 + 11 + 13 nr.).
Globus 1—68. Braunschweig 1862—95.
Gloni.ng (K. A.) — OberösterreichischeVolkssagen. 2. Aufl. Linz 1912.
Godin (A.) — Polnische Volksmärchen. Leipzig [1877]. (17 nr.
nach Glinski).
Goldschmidt (W.) — Russische Märchen. Leipzig 1883.
Gonet (S.) — Opowiadania ludowe z okolic Andrzychowa [Volks-
erzählungen in der Gegend von Andrzychow, Westgalizien] =
Materyaly antroprol. 4, 226—282 (43 nr. Vgl. Polivka, ZföVk.
7, 195).
Gonzenbach (L.) — Sicilianische Volksmärchen. Mit Anmerkungen
von R. Köhler. 1—2. Leipzig 1870. (92 nr.) — Nachträge
Köhlers in der Zs. f. Volkskunde 6, 58. 161.
Görres (J.) — Die teutschen Volksbücher. Heidelberg 1807.
Goyert (G.) und Wolter (K.) — Vlämische Sagen, Legenden und
Volksmärchen. Jena 1917.
Grab er (G.) — Sagen aus Kärnten. Leipzig 1914.
Gradi (T.) — La vigilia di pasqua di Ceppo. Torino 1860.
— — Saggio di letture varie per i giovani. Torino 1865.
Grajnert ( J.) — ■ Zapiski etnograficzne z okolic Wielunia i Radomska
[Ethnographische Aufzeichnungen aus der Gegend von Wielun
und Radomsk] in: Zbiör 4, 3, 184—261.
Grässe (J. G. Th.) — Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen.
Dresden 1855. — 2. Aufl. 1—2. Dresden 1874.
■ — — Sagenbuch des preußischen Staates 1 — 2. Glogau 1866 — 71.
Gredt (N.) — Sagenschatz des Luxemburger Landes. Luxemburg
1883-85.
Greenough (W. P.) — Canadian folk-life and folk-lore. New-
York 1897.
Gress (K.) — Holzlandsagen. Sagen, Märchen und Geschichten aus
den Vorbergen des Thüringer Waldes. Leipzig 1870. — 2. Aufl. 1899.
Grgjic-Bjelokosi6 (Luka) — Stotina saljivih prica iz srpskog
zivota u Herceg-Bosni [Hundert Schwanke aus dem serbischen
Leben in Herzegowina und Bosnien]. U Mostaru 1902.
37*
580 Anhang.
Grierson (G. A.) — Linguistic survey of India 1 — 9. Calcutta
1903-1909.
Griffis (W. E.) — The Japanese fairy world. London 1887.
Grimm (Albert Ludwig). — Kindermärchen. Heidelberg 1808. —
2. Aufl. 1817. — 3. Aufl. Frankfurt a. M. 1839.
— — Linas Märchenbuch 1 — 2. Frankfurt 1816.
Grimm (J.) — Deutsche Mythologie. Göttingen 1835. 1844. 1854.
— 4. Aufl. von E. H. Meyer 1—3, Berlin 1875—78.
— — Reinhart Fuchs. Berlin 1834.
Kleinere Schriften 1—8. Berlin 1864—90.
Grimm (W.) — Kleinere Schriften 1—4. Berlin 1881—87.
Grimm (J. und W.) — Deutsche Sagen 1—2. Berlin 1816—18.
1865. 1891. — 4. Aufl. von R. Steig 1906.
— — Irische Elfenmärchen. Leipzig 1826. — München 1906. (vgl.
Croker.)
— — Briefwechsel aus der Jugendzeit, hsg. von H. Grimm und
G. Hinrichs. Weimar 1881.
— — Freundesbriefe, hsg. von A. Reifferscheid. Heilbronn 1878.
Grisanti (C.) — Folklore di Isnello. Usi, credenze, proverbi e
racconti popolari di Isnello, 1—2. Palermo 1899. 1909.
Grohmann (J. V.) — Sagen aus Böhmen. Prag 1863. — Aber-
glauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. Prag 1864.
Grönborg (0. L.) — Optegnelser pä Vendelbomäl. Kopenhagen 1884.
Groome (F. H.) — Gypsy Folk Tales. London 1899.
Grünbaum (M.) — Jüdisch-deutsche Chrestomathie. Leipzig 1882.
Grundtvig (F. L.) — Svenske minder fra Tjust, Anders Eklunds
fortaellinger. Kebenhavn 1882.
Grundtvig (S.) — Gamle danske Minder i Folkemunde 1 — 3.
Kopenhagen 1854 — 1861.
— — Danske Folkeseventyr, efter utrykte Kilder 1 — 3. Kopenhagen
1876-1884. — Bd. 1—2 deutsch von W. Leo und A. Strodtmann :
Dänische Volksmärchen, Leipzig 1878 — 1879. — Bd. 2 — 3
schwedisch von R. Bergström und G. af Geijerstam, Stockholm
1879-84.
— — Hsl. Register: Danmarks Folkeseventyr (1861 — 1883), fortgesetzt
von A. Olrik (Kopenhagen, Königl. Bibliothek) ; vgl. A.Lunding,
The System of tales in the Folklore collection of Copenhagen,
Helsingfors 1910 = FF Communications 2.
— — Danmarks gamle Folkeviser 1 — 8. Kopenhagen 1853 — 1912.
Gry f. Pismo dla spraw kaszubskich [Ein Blatt für kaschubische
Angelegenheiten]. Red. Majkowski 1. 1909.
Guarnerio (P. E.) — II dialetto catalano d'Alghero, fiabe 1 — 10
(Archivio glottologico italiano 9, 298 — 327. Roma 1886).
de Gubernatis (A.) — Novelline di Santo-Stefano di Calcinaja
(aus : Rivista contemporanea naz. italiana) Torino 1869 ; ferner
Roma 1894. (35 nr.; fünf weitere nr. in Rivista di lett. pop. 1,
81. 1878).
Anhang. 581
de Gubernatis (A.) — Florilegio delle novelline popolari. Milano
1883. (= Storia universale della lefteratura vol. 8).
— — Zoological Mythology, or the Legends of Animals 1 — 2. London
1872. — Deutsch von M. Hartmann : Die Tiere in der indo-
germanischen Mythologie, Leipzig 1874. — Französisch von
Regnaud. Paris 1874.
Günther (Chr. W.) — Kindermärchen aus mündlichen Erzählungen
gesammelt. Erfurt 1787 (4 nr.) — 2. Aufl. Jena 1857 (nr. 1—3).
Gurdon (E. C.) — Suffolk. London 1893. (County folk-lore,
printed extracts 2).
Gut mann (B.) — Volksbuch der Wadschagga ; Sagen, Märchen,
Fabeln und Schwanke den Dschagganegern nacherzählt. Leipzig
1914.
Maas (A.) — Rügensche Sagen und Märchen. Greif 8 wald 1891. —
2. Aufl. 1896. — 3. Aufl. Stettin 1903.
— — Schnurren, Schwanke und Erzählungen von der Insel Rügen.
Greifswald 1899.
— — Pommersche Sagen. Berlin-Friedenau (1912).
Haas (H.) — Japanische Erzählungen und Märchen. Berlin (1907).
Haase(K. H.) — Sagen aus der Grafschaft Ruppin. Neu-Ruppin 1887.
Hack man (0.) — Katalog der Märchen der finnländischen Schweden.
Leipzig 1911. — FF Communications 6.
Hacquard (A.) et Dupuis — Manuel de la langue sofigay.
Paris 1897.
Hadzi-Vasiljevic (J.) — Juzna Stara Srbija, istorijska, etnografska
i politicka istrazivanja 1 [Das südliche Altserbien, historische,
ethnographische und politische Forschungen]. Belgrad 1909.
v. d. Hagen (F. H.) — Erzählungen und Märchen, 2. Band.
Prenzlau 1826.
Hagerup (E.) — Om de danske sprog i Angel. Kobenhavn 1854.
— 2 Udg. 1867 (S. 168 zehn Historien).
Hahn (F.) — Blicke in die Geisteswelt der heidnischen Kols. Sagen,
Märchen und Lieder der Oraon in Chota Naypur. Gütersloh 1906.
v. Hahn (J. G.) — Albanesische Studien. Jena 1859 (2, 163 fünf
toskische Märchen.)
Griechische und albanesische Märchen 1 — 2. Leipzig 1864. (114 nr.)
Hall er (K.) — Volksmärchen aus Österreich. Wien (1915).
Halliwell (J. 0.) — The nursery rhymes of England. London 1843.
— — Populär rhymes and nursery tales. London 1849.
Haltrich (J.) — Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in
Siebenbürgen. Berlin 1856. — 4. Aufl. Wien 1885 (119 nr.)
Hamann (H.) — Die literarischen Vorlagen der Kinder- und Haus-
märchen und ihre Bearbeitung durch die Brüder Grimm. Berlin
1906. (Palaestra 47).
v. Hammer (J.) — Rosenöl, oder Sagen und Kunden des Morgen-
landes, aus arabischen, persischen und türkischen Quellen ge-
sammelt, 1—2. Stuttgart 1813.
B82 Anhang.
Hanauer (J. E.) — Folk-lore of the Holy land, Moslem, Christian
and Jewish. London 1907.
Hansen (R.) — Ditmarsische Märchen (Zs. f. schleswig-holsteinische
Geschichte 7, 213-234. 1877).
Harris (J. C.) — Uncle Remus, his songs and his sayings. New York
1881. — New edition 1902.
— — Nights with Uncle Remus. Myths and legends of the old
plantation. New York 1881.
v. Harten (J.) und Henniger. (K.) — Niedersächsische Volks-
märchen und Schwanke, 1 — 2. Bremen 1908 (fast alles aus
gedruckten Quellen).
Hartland (E. S.) — English Fairy and Folk Tales. London (1892).
— — The Science of Fairy Tales. London 1891.
The Legend of Perseus 1—3. London 1894—1896.
Hartt (Ch. F.) — Amazonian tortoise myths. Rio de Janeiro 1875.
Hauffen (A.) — Die deutsche Sprachinsel Gottschee. Graz 1895.
Haukensea (Th. S.) — Norsk Eventyrskat. Bergen 1888.
Haupt (K.) — Sagenbuch der Lausitz 1 — 2. Leipzig 1862 — 63.
(2, 197 deutsche und wendische Märchen) = Neues Lausitzisches
Magazin 40.
Haupt (L.) und Schmaler (J. E.) — Volkslieder der Wenden in
der Ober- und Nieder-Lausitz 1 — 2. Grimma 1843. (2, 157 Märchen.)
Hausratb (A.) und Marx (A.) — Griechische Märchen . . . aus
dem klassischen Altertum. Jena 1913.
v. Haxthausen (A.) — Transkaukasia 1 — 2. Leipzig 1856.
Hazelius (A.) — Fosterländsk Läsning. 2. Uppl. Stockholm 1869.
— — Bidrag tili vär odlings häfder 2: Ur de nordiska folkens lif.
Stockholm 1882. S. 82 — 111 E. Vigström, Skämtsägner frän
Skäne (13 nr.)
Heimat, Monatsschrift des V. zur Pflege der Natur- und Landes-
kunde in Schleswig-Holstein 1—23. Kiel 1891—1913.
v. Held (T.) — Märchen und Sagen der afrikanischen Neger.
Jena 1904.
Helvicus (C.) — Jüdische Historien 1 — 2. Gießen 1617.
Henderson (W.) — Notes on the Folk-lore of the Northern
Counties of England and the Borders. London 1866. — Der
Anhang (p. 299 -344) enthält 16 Household Tales von
S. Baring-Gould.
Hendle (J.) — Die Sprache der Waporogo (Deutsch -Ostafrika).
Berlin 1907.
Henriksson (J.) • — Plägseder och skrock bland Dalslands allmoge
fordomdags. Amäl 1889.
Hertel (J.) — Bunte Geschichten vom Himalaja. Novellen, Schwanke
und Märchen von Somadeva. München 1903.
— — Ausgewählte Erzählungen aus Hemacandras Parisistaparvan.
Leipzig 1908.
Anhang. 583
Hertel (J.) — Tanträkhyäyika, die älteste Fassung des Pancatantra,
aus dem Sanskrit übersetzt. Leipzig 1909.
— — Das Pancatantra, seine Geschichte und seine Verbreitung.
Leipzig 1914.
Hertz (W.) — Deutsche Sage im Elsaß. Stuttgart 1872.
— — Gesammelte Abhandlungen. Stuttgart 1905.
Hertzberg (P.) — Finska folksagor. Helsingfors 1880. (9 nr.)
Hervieux (L.) — Les fabulistes latins, 2. ed. 1 — 5. Paris 1893 — 1899.
Hessische Blätter für Volkskunde 1—13. Leipzig 1902—1914.
vanHeurck (E.) et Boekenoogen (G. J.) — Histoire de l'imagerie
populaire flamande et de ses rapports avec les imageries
etrangeres. Brüssel 1910.
Heyl (J. A.) — Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol.
Brixen 1897.
Heyse (P.) — Italienische Volksmärchen. München 1914. (25 nr.
aus Comparetti, Imbriani, Capuana.)
H igelin (M.) — Die Sagen des Sundgaues. Altkirch 1909.
Hins (E.) — La Pussie devoilee au moyen de sa litterature
populaire. Paris 1883.
Hnatjuk (V.) — Etnograficni materyjaly z uhorskoji Rusy zibrav
1—4 [Ethnographische Materialien bei den Kleinrussen Nord-
ungarns gesammelt]. Lemberg 1897 — 1909. (= Etnograf. Zbirnyk
3. 4. 9. 25. — 38 + 27 +39+39 nr.) — (vgl. Polivka, Archiv 3 1,594.)
Halycko-ruski anekdoty [Galizisch-russische Anekdoten]. Lemberg
1899. (= Zbirnyk 6. — 700 nr.)
— — Das Geschlechtleben des ukrainischen Bauernvolkes in der
russischen Ukraine und in Österreich -Ungarn, folkloristische
Erhebungen, 1.— 2. Teil. Leipzig 1909. 1912. 4° (Beiwerke
zum Studium der Anthropophyteia Bd. 3 und 5). Vgl. Tarasevskyj.
Hofberg (H.) — Svenska folksägner, samlade. Stockholm 1882.
Hoff man (W. J.) — The Menomini Indians (14. Peport of the
Smithsonian Institution 1, 11 — 328. 1896).
Hoffmann (C) — Was der afrikanische Großvater seinen Enkeln
erzählt. Fabeln und Märchen aus Nord-Transvaal. Berlin 1907.
Hoffmeister (Ph.) — Hessische Volksdichtung. Marburg 1869.
H ollis (A. C.) — The Masai Oxford 1905. The Nandi. Oxford 1909.
Holuby (J. L.) — Povesti a rozprävocky z Bosackej doliny, z üst
l'udu prepisal [Märchen und Erzählungen aus dem Tale Bosäca,
aus dem Munde des Volkes aufgezeichnet], in: Slovenske Pohl'ady,
Öasopis zabavno-poucny [Slovakische Umschau] 15 — 16, Tufc.
Sv. Martin (Turocz-Sz-Märton) 1895—96.
Horger (A.) — Hetfalusi Csängö nepsemek [Hetf aluer Csango-
Volksmärchen]. Budapest 1908. (= Magyar nepköltesi gyüjt. 10.)
(53 nr.)
H o s e k (I.) — Naf eci ceskomoravske [Der böhmisch-mährische Dialekt]
1 — 2. Prag, Akademie der Wissenschaften 1900 und 1905.
584 Anhang.
Et rase (J. K. — Povidky naseho lidu [Erzählungen unsres Volkes]
1 — 4. Nove Mesto 1869. Babiccino vypravoväni [Was Groß-
mutter erzählt]. Prag 1880 und 1893 (Nova Knihovna mlädeze 2, 30).
Hrincenko (B. D.) — Etnograficeskije Materialy, sobrannyje v
Cernigovskoj i sosednich s nej gubernijach 1 — 2 [Ethnographische
Materialien, gesammelt im Gouv. Cernigov und in den benach-
barten Gouvernements]. Cernigov 1895 — 1897.
— — Iz ust naroda, malorusskije razskazy, ekazki i. pr. [Aus dem
Munde des Volkes, kleinrussische Erzählungen, Märchen u. a.]
Cernigov 1900. (Beilage zum Zemskij Sbornik 12.)
Hruska (J. Fr.) — Na hejte. Chodske pohädky [Abendplausch.
Chodische Märchen]. Praha 1917.
Hunt (R.) — Populär Romances of the West of England. 3. Ed.
London 1881.
Hurwitz (H.) — Hebrew tales. 2. ed. London 1826. — Sagen der
Hebräer. Leipzig 1826.
Hyde (D.) — Beside the Fire, a Collection of irish gaelic folk-
stories. London 1890.
Hylten - Cavallius (G. 0.) und Stephens (G.) — Svenska
Folksagor och Äfventyr 1, 1-2. Stockholm 1844—1849.
(22 nr.) — Omarbetade av E. Djurklou-Aschan 1 — 2. Stockholm
1915 — 16 (in andrer Reihenfolge, ohne die Anmerkungen). —
Schwedische Vblkssagen und Märchen, deutsch von C. Oberleitner,
Wien 1848. — Auswahl : Stockholm 1875, deutsch von B. Turley,
Leipzig 1881 ; englisch von A. Alberg, Old norse fairy tales,
London 1882.
— — Wärend och Wirdarne, ett försök i svensk ethnologi 1 — 2.
Stockholm 1864—1868.
Ihnatyj zNiklovyc. — Kazky zibrav [Märchen gesammelt von].
Lviv [Lemberg] 1861.
II g (B.) — Maltesische Märchen und Schwanke 1 — 2. Leipzig
1906—1907. (139 nr.)
Imbriani (V.) — La novellaja fiorentina. Napoli 1871 (33 nr.) —
Ristampa accresciuta. Livorno 1877 (50 nr, dazu die 1872
erschienene Novellaja milanese).
— — Dodici conti pomiglianesi. Napoli 1877.
Im Thurn (E. F.) — Among the Indians of Guiana, being Sketches
chiefly anthropologic from the Interior of British Guiana. London
1883. — p. 371—388: Folk-lore.
Indian Antiquary, a Journal of oriental Research in Archeology,
History, Literature, Languages, Philosophy, Religion, Folk-lore
etc. 1—41. Bombay 1872—1912.
Ispirescu (P.) — Snöve saü povesti populäre [Volksanekdoten
oder Geschichten]. 2. ed. Bukarest 1875.
— — Legende saü basmele Romänilorü [Sagen oder Märchen der
Rumänen]. Bukarest 1882.
Anhang. 585
Ivanickij (N. A.) — Materialj po etnografii Vologodskoj gubernii
(in: Sbornik svedenij dlja izuöenija byta krestjanskago naselenija
Rossiji, Vypusk 2 = Izvestija Imper. Obscestva ljubitelej
jestestvoznanija, antropologii i etnografii 69 ; Trudy etno-
graficeskago otdelenija 11, 1, S. 165 — 220. Moskau 1890. —
55 nr.) — [Materialien zur Ethnographie des Gouv. Wologda. in :
Sammelband von Berichten zum Studium des Lebens der Bauern-
bevölkerung Rußlands, Heft 2 = Nachrichten der kais. Gesellschaft
der Freunde der Naturwissenschaft, Anthropologie und Ethno-
graphie 69: Arbeiten der etnograph. Abteilung 11, 1.]
Ivanov (P. V.) — Narodnyje razskazy o ved'mach i upyrjach.
Materialy dlja charakteristiki mirosozercanija krestjanskago
naselenija Kupjanskago ujezda [Volkserzählungen über Hexen
und Vampyre, Materialien zur Charakteristik der Weltanschauung
der Bauernbevölkerung des Bezirkes Kupjansk]. in: Sbornik
Charkovskago istoriko-filologiceskago obscestva 3, 156 — 228.
1891. [Jahrbuch der Charkower historisch - philologischen Ge-
sellschaft].
— — Narodnyje razskazy o dolje [Volkserzählungen über das Schick-
sal], ebenda 4, 54-89. 1892.
— — Narodnyje razskazy o domovych, lesich, vodjanych i rusalkach
[Volkserzählungen über Haus-, Wald-, Wassergeister und Rusalki],
ebenda 5, 23—74. 1893.
Ivanov (S.) i Sprostranov (E.) — Prikazki ot selo Cürsko,
Bitolsko [Erzählungen ans dem Dorfe Cürsko bei Bitol-Monastir,
Macedonien] in: Sbornik za narodni umotvorenija 19, 2, 1 — 131.
Ive (A.) — Fiabe popolari rovignesi. Venezia 1878.
Izvestija obscestva archeologii, istorii i etnografii pri imper.
Kazanskom universitete [Nachrichten der Gesellschaft für
Archäologie, Geschichte und Ethnographie bei der kais.
Universität in Kasan]. 3. Kasan 1884.
J a b a (A.) — Recueil de notices et recits kourdes. St. Petersburg 1860.
Jacob (G.) — Türkische Bibliothek 1—10. Berlin 1904—1909.
Jacobs (J.) — English Fairv Tales. London 1890 (nr. 1—43). —
More English Fairy Tales. L. 1895. (nr. 44—87.)
Celtic Fairy Tales. London 1892 (nr. 1—26). — More Celtic
Fairy Tales. L. 1894 (nr. 27-46).
Indian Fairy Tales. London 1894.
Jacottet (E.) — Contes populaires des Bassoutos. Paris 1895.
■ Etudes sur les langues du Haut-Zambeze 1 — 3. Paris 1896 — 1901.
The Treasury of Ba-suto Lore, being original Se-suto Texts, 1.
London 1908.
Jacques de Vitry — Exempla ed. by T. F. Crane. London 1890.
Jagio (V.) — Aus dem südslavischen Märchenschatz nr. 1 — 58.
(Archiv f. slavische Philologie 1, 267—289. 2, 614—641. 5, 17—79.
1876 — 89). Mit Anmerkungen von R. Köhler; vgl. dessen
Kleinere Schriften 1. 407—468.
586 Anhang.
Jahn (A.) — Die Mehri-Sprache in Südarabien. Wien 1902. (Süd-
arabische Expedition 3).
Jahn (U.) — Schwanke und Schnurren aus Bauern Mund. Berlin [1890].
— — Volksmärchen aus Pommern 1. Norden 1891.
Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Literatur Elsaß-Lothringens,
1—30. Straßburg 1885—1914.
Jahrbuch für romanische und englische Literatur 1 — 12. Berlin
1859—1871. - Neue F. 1—3. Leipzig 1874—76.
Jakobsen (J.) — Fseröske folkesagn og seventyr. Kopenhagen
1898—1901.
Jannsen (H.) — Märchen und Sagen des estnischen Volkes 1 — 2.
Dorpat 1881. Eiga 1888. (18 + 58 nr.)
Janson (K.) — Folke-Eventjo- uppskrivne i Sandeherad. Kristiania
1878.
Jarnik (J. U.) — Zur albanesischen Sprachenkunde. Leipzig 1881.
— — Pflspevky ku poznäni näfeci Albanskych [Beiträge zur Kenntnis
der albanischen Mundarten]. Prag 1883. — Deutsch in Vecken-
stedts Zs. f. Volkskunde 2, 264. 345. 421 (1889). 3, 184. 218.
264. 296 (1891).
Jastrebov (V. N.) — Materialy po etnografii novorossijskago kraja
sobrannyje v jelisavetgradskom i aleksandrijskom ujezdach
chersonskoj gubernii [Materialien zur Ethnographie des neu-
russischen Landes, gesammelt in den Bezirken Jelisavetgrad und
Alexandrijsk desGouv. Cherson] in: Letopis istoriko-filologiceskago
obscestva pri imperat novorossijskom universitete [Jahrbuch der
histor.-philol. Gesellschaft bei der kais. neurussischen Universität]
3, 59—260. Odessa 1894. — (42 nr.)
Jätaka ou Stories of the Buddha's former births, translated from
the Päli under the editorship of E. B. Co well 1 — 6. Cambridge
1895—1907.
Jätakam, das Buch der Erzählungen aus den früheren Existenzen
Buddhas, aus dem Pali übersetzt von J. Dutoit 1 — 5. Leipzig
1907—1914.
Jecklin (D) — Volkstümliches aus Graubünden 1 — 3. Chur
1874 — 78. — Neue Auflage in veränderter Anordnung ohne
Verfassernamen, Chur 1916.
Jegerlehner (J.) — Was die Sennen erzählen. Märchen und
Sagen aus dem Wallis. Bern 1906. — 3. Aufl. 1908.
Am Herdfeuer der Sennen. Neue Märchen und Sagen aus
dem Wallis. Bern 1908.
— — Sagen aus dem Unterwallis. Basel 1909. — Sagen und
Märchen aus dem Oberwallis, mit Anhang von H. Bächtold.
Basel 1913.
Jekyll (W.) — Jamaican song and story. Annancy stories etc.
London 1907.
Jephson (A. J. M.) — Stories told in an african forrest. London 1893.
Jesina (P.Jos.) — Cikansko-ceske pohädky a povidky [Zigeunerisch-
böhmische Märchen und Erzählungen]. V Hofe-Kutne 1889.
Anhang. 587
Johnston (H.) — The Uganda-Protectorate 1 — 2. London 1902.
Jones (J. A.) — Tales of an Indian camp. — 2. ed. Traditions of
the North- American Indians. London 1830. — Deutsch: Sagen
der Nordamerikanischen Indianer. Altenburg 1837.
Jones (W. H.) and Kropf (L.) — Folk-tales of the Magyars.
London 1889. (53 nr.)
Joos (A.) — Vertelsels van het vlaamsche Volk 1 — 4. Brügge
1889—92.
Jourdanne (Gr.) — Contribution au folk-lore de PAude. Paris
1899—1900. (p. 119—124 Märchen).
Journal of american folk-lore 1 — 27. Boston 1888 — 1914.
— — de la societe finno-ougrienne 1 — 27. Helsingfors 1866 — 1912.
of the Gypsy-lore society 1—3. Edinburgh 1889—1892.
Juan Manuel — El libro de los enxiemplos del Conde Lucanor;
Text und Anmerkungen aus dem Nachlasse von H Knust hsg.
von A. Birch-Hirschfeld. Leipzig 1900. — Deutsch von J. v.
Eichendorff, Werke 6, 381. Leipzig 1864.
Jubilejnyj Sbornik v cest Vsevoloda Millera [Sammelband zum
Jubiläum V. Millers]. Moskau 1900.
Jülg (B.) — Kalmükische Märchen. Die Märchen des Siddhi-Kür,
aus dem Kalmükischen übersetzt. Leipzig 1866.
— — Mongolische Märchen. Die neun Nachtrags-Erzählungen des
Siddhi-Kür und die Geschichte des Ardschi-Bordschi Chan, aus
dem Mongolischen übersetzt. Innsbruck 1868. — Beides englisch
von [Busk], Sagas from the far East, London 1873.
Julien (S.) — Les Avadänas, contes et apologues indiens 1 — 3.
Paris 1859. — Deutsch von A. Schnell, Rostock 1908.
Junker von Langegg (F. A.) — Japanische Theegeschichten. Volks-
und geschichtliche Sagen, Legenden und Märchen der Japaner.
1. Cyklus. Wien 1884.
Junod (H. A.) — Les chants et les contes des Ba-Ronga de la
baie de Delagoa. Lausanne 1897. — Nouveaux contes B-onga.
Neufchatel 1898.
Jurkschat (C.) — Litauische Märchen und Erzählungen 1.
Heidelberg 1898.
rvacanovskij (V.) — Pamjatniki bolgarskago narodnago tvorcestva
1 : Sbornik zapadno-bolgarskich pesen [Denkmäler der bulgarischen
Volksdichtung 1: Sammlung westbulgarischer Lieder]. St. Peters-
burg 1882. (= Sbornik für russ. Sprache und Literatur der
kais. russ. Akademie der Wiss. Bd. 30, 1).
Kaden (W.) — Unter den Olivenbäumen, süditalische Volksmärchen.
Leipzig 1880. (Übersetzung aus Comparetti, Imbriani, Pitre
ohne Quellenangabe; vgl. Nuove effemeridi siciliane 1881.)
Kallas (0.) — Märchen der Ljutziner Esten (== Verhandlungen der
Gelehrten estnischen Gesellschaft 20, 83—405. Jurjew 1900).
Kamp (J.) — Danske Folkeminder. Odense 1877.
Danske Folkeaeventyr 1 — 2. Kopenhagen 1879—1891.
68 8 Anhang.
Kampuroglus (Marianna Gr.) — 'Ad-rjva'ixä Tiaqafiv&ia (22 nr.)
Deltion 1, 138. 289. 533. 681. — Neue Ausgabe von D. G.
Kampuroglus: Ha^a^vd-ia, Athen 1912.
Karadzic (J. 0.) — Srpske narodne pripovijetke [Serbische Volks-
märchen]. Mostar 1905.
Karadzic: s. Wuk.
Karadzic, List za srpski narodni zivot, obicaje i predanje [Zeit-
schrift für serbisches Volksleben, Gebräuche und Traditionen].
Red. Tih. R. Gjorgjevic, 1—3. Alexinac 1899—1901.
Karlowicz (J.) — Podania i bajki ludowe zebrane na Litwie
staraniem (Volkssagen und Märchen in Litauen gesammelt]
Krakau 1887 = Zbiör 11 — 12. — (84 polnische, weißrussische,
litauische und lettische Märchen aus den Gouv. Wilna, Minsk
und Kowno in polnischer Wiedergabe.)
Karsten (Paula) — Wer ist mein Nächster? Negertypen aus
Deutschwestafrika. Berlin 1903.
Kasik (A.) — Popis a rozbor näfeci stredobecevskeho [Beschreibung
und Untersuchung des Dialekts von der mittleren Becva].
Prag, Akademie 1908.
Kathakoca, or Treasury of Stories, translated from Sanscrit Mscr.
by C. H. Tawney. London 1895.
Kathasaritsägara: s. Somadeva.
Kehrein (J.) — Volkssprache und Volkssitte im Herzogtum Nassau
1-2. Weilburg 1862.
Keightley (T.) — Fairy mythology. London 1828. 1833. 1850.
1882. — Deutsch von 0. L. B. Wolff, Mythologie der Feen
und Elfen 1—2. Weimar 1828.
Kennedy (P.) — The Legendary Fictions of the Irish Celts.
London 1866.
— — The Fireside Stories of Ireland. Dublin 1875.
de Kerbeuzec (H.) (= F. Duine) — Cojou-Breiz. Legendes,
poemes et contes bretons 1 : Plougasnou. Paris 1896.
Kica, List za salu, zabavu i prikuplanje narodnich umotvorina [Blatt
für Scherz, Unterhaltung und Sammeln von Volksüberlieferungen]
Bd. 7-9. Nisch 1911-13.
v. Killinger (H.) — Sagen und Märchen 1—2. Stuttgart 1847—49.
(= Erin, Auswahl irischer Erzählungen Bd. 3 — 4.)
Kingscote (H.) and NatesaSastri — Tales of the Sun, or
folh-lore in Southern-India. London 1890.
Kirby (W. T.) — The Hero of Esthonia 1—2. London 1895.
Kirchhof (H. W.) - Wendunmut (1563—1603) hsg. von H. Oesterley
1—5. Tübingen 1869.
Kirschner (A.) — Sagenschatz aus dem Elbetal zwischen Leitmeritz
und der Landesgrenze. Aussig 1911.
Klapper (J.) — Erzählungen des Mittelalters in deutscher Über-
setzung und lateinischem Urtext. Breslau 1914.
Anhang. 589
Klarmann (J. L.) und Spiegel (K.) — Sagen und Skizzen aus
dem Steigerwald. Gerolzhofen 1912.
Kläsi (C.) — Der malaiische Eeineke Fuchs und anderes. Frauen-
feld 1912.
Kletke (H.) — Almanach deutscher Volksmärchen. Berlin 1840.
— — Das Buch deutscher Volks- und Kindermärchen. Berlin [1849]
(enthält nur ein echtes Volksmärchen).
Märchensaal 1—3. Berlin 1844—1845.
Klimo (M.) — Contes et legendes de Hongrie. Paris 1898.
Knoop (0.) — Volkssagen, Erzählungen, Aberglauben, Gebräuche
und Märchen aus dem östlichen Hinterpommern. Posen 1885.
— — Sagen und Erzählungen aus der Provinz Posen. Posen 1893.
— — Posener Geld- und Schatzsagen. Progr. Rogasen 1908.
— — Posener Märchen. Progr. Rogasen 1909.
— — Ostmärkische Sagen, Märchen und Erzählungen, 1. Bändchen.
Lissa i. P. 1909.
— — Sagen der Provinz Posen. Berlin-Friedenau 1913.
— — Rogasener Familienblatt 1 — 17 (Beilage zum Rogasener Wochen-
blatt 1901—1914).
— — Volkstümliches aus der Tierwelt. (Beiträge zur Volkskunde
der Provinz Posen, 1). Rogasen 1905.
Knortz (K.) — Irländische Märchen wiedererzählt. Zürich 1886.
Knowles (J. H.) — Folk-Tales of Kashmir. London 1888. — 2. ed.
1893. (64 nr.)
Knust (E.) — Italienische Märchen (in: Jahrbuch für romanische
und engl. Literatur 7, 381—401. 1866).
Köhler (J. A. E.) — Volksbrauch, Aberglauben und andre alte
Überlieferungen aus dem Voigtlande. Leipzig 1867.
Köhler (R.) — Aufsätze über Märchen und Volkslieder. Berlin 1894.
— — Kleinere Schriften hsg. von J. Bolte. 1 : Zur Märchen-
forschung. 2: Zur erzählenden Dichtung des Mittelalters.
3: Zur neueren Literaturgeschichte, Volkskunde und Wort-
forschung. Weimar 1898—1900.
Kolaf-Ko cho vsky (J. B.) — Z chatek moravske Slovace, Pohädky
apovestizokoliühersko-Brodskeho [Aus den Hütten der mährischen
Slovakei, Märchen und Sagen aus der Umgegend von Ungarisch-
Brod]. Groß-Meseritsch 1888. (30 nr.)
— — Chudobinky z luhü moravske Slovace, Narodni pohädky a
povesti z okoli Uhersko-Brodskeho [Maßliebchen aus den Auen
der mährischen Slovakei, Volksmärchen und Sagen aus der Um-
gebung von Ungarisch-Brod]. Groß-Meseritsch o. J. — (16 nr.)
Kolberg (0.) — Lud, jego zwyczaje, sposöb zycia, mowa, podania,
przyslowia, obrz^dy, gusla, zabawy, piesni, muzyka i tahce [Das
Volk, seine Gebräuche, Lebensweise, Sprache, Traditionen, Sprich-
wörter usw.] 1—21, Warschau 1857—1867. Bd. 5, Krakau
1871—1888. — Märchen und Sagen enthalten Bd. 2, 273-276
(Das Sandomirer Land); 3, 113—194 (Kujawien) ; 8, 1—238
(Krakauer Land); 14, 1-388 (Posen); 17, 180—208 (Lubliner
Landj; 19, 218— 250 (Gouv. Kielce); 21, 172— 220 (Gouv. Radom).
590 Anhang.
Kolberg (0.) — Pokucie, obraz etnograficzny [Das Pokutie-Land, ein
ethnographisches Bild] 1-4. Krakaul882— 1889. — Bd.3,81— 131:
Kosmogonische Legenden und Sagen von mythischen Wesen.
4, 1—294: 77 Märchen, Legenden und Fabeln.
— — Chelmskie, obraz etnograficzny [Das Chelmer Land, ein ethno-
graphisches Bild] 1—2. Krakau 1890—1891. — 2, 83—127: 30
Märchen, Sagen und Anecdoten.
— — Przemyskie, etnograficzny zarys [Die Przemysler Gegend, ein
ethnographischer Versuch]. Krakow 1891.
Koelle (S. W.) — African native literature. London 1854.
Kolosov (M. A.) — Zametki o jazyke i narodnoj poesii v oblasti
severno-velikorusskago narecija. [Untersuchungen über die Sprache
und Volkspoesie im Gebiete der nordgroßrussischen Mundart].
Sankt Petersburg 1877. (Sbornik Otdel. Bus. jaz. i slov. Imp.
Akad. Nauk. T. 17 Nr. 3).
Konrad (H.) — Neues Märchenbuch. 2. Aufl. Lissa i. P. 1906
— — Aus der Heimat, für die Heimat 1 — 7 (Monatliche Beilage zur
Samotschiner Zeitung 1905 — 1911).
Kopernicki (J.) — - Gadki ludowe gorali bieskidowych z okolic
Babki [22 Volksmärchen der Gebirgsbewohner der Beskiden].
in: Zbiör 15, 3, 3—43.
Kordunas (M. B.) — Zbirka srpskih narodnih uinotvorina iz
goriie Krajine, Kn. 3 — 4: Srpske narodne pripovijetke [Eine
Sammlung serbischer Volkspoesie aus der oberen Grenze, H. 3 — 4:
Serbische Volkserzählungen]. Neusatz 1892—1900.
Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprach-
forschung 1—36. Hamburg 1877—1917.
Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landes-
kunde, 1-40. Hermannstadt 1878—1917.
Kosch (M.) — Deutsche Volksmärchen aus Mähren. Kremsier (1898).
Kosinski (W.) — Materyjaly do etnografii gorali Bieskidowych
[Materialien zur Ethnographie der Gebirgsbewohner der Beskiden].
in: Zbiör 5, 3, 187-265. 7, 3, 3—105. - (137 Märchen).
Kozlowski (K.) — Lud; Piesni, podania, baäni, zwyczaje i przesady
ludu z Mazowsza Czerskiego [Das Volk; Lieder, Sagen, Märchen,
Gebräuche und Aberglauben des Volkes im Czersker Masowien].
Warschau 1869.
Krainz (J.) — Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande.
Brück a. d. Mur 1880.
Krasic (V.) — Srpske narodne pripovijetke iz Gorne Krajine [20
serbische Volksmärchen aus der oberen Militärgrenze]. in:Letopis
Matice Srpske [Jahrbuch der serbischen Matica] 145 — 149.
151—152. Neusatz 1886—1887.
— — Narodne pripovetke [Volksmärchen] 1 — 2. Neusatz 1897.
Krauss (Fr.) — Sagen und Märchen der Südslaven 1 — 2. Leipzig
1883-1884. (109 + 160 nr.)
— — Sreca, Glück und Schicksal im Volksglauben der Südslaven.
Wien 1886. (aus: Mitteilungen der Anthropologischen Ges. in Wien
16, 102-162).
Anhang. 591
Kr au ss (Fr.) — Zigeunerhumor, 250 Schnurren, Schwanke und
Märchen. Leipzig 1907.
— — Slavische Volkforschungen. Leipzig 1908.
— — Tausend Sagen und Märchen der Südslawen, gesammelt und
verdeutscht. 1. Band. Leipzig (1914). (140 nr.)
Kre k (B.) — Slovenske narodne pravljice in pripovedke [50 Slovenische
Volkserzählungen und Märchen]. Marburg 1886. (Ljudska
Knjiznica 13 — 14).
Kremnitz (M.) — Rumänische Märchen. Leipzig 1883. (20 nr.)
Kres, Leposloven in znanstven list [Zeitschrift für schöne Literatur
und Wissenschaft], unter Mitarbeit von G. Krek und D. Trstenjak
hsg. von J. Sket, 1—5. Klagenfurt 1881 — 1885.
Kretschmer (P.) — Neugriechische Märchen. Jena 1917. (66 nr.)
— — Der heutige Lesbische Dialekt 1905 S. 473. (Schriften der
Balkankommission der Wiener Akademie 3, 1. — 29 Märchen).
Kreutzwald (F.) — Ehstnische Märchen, übersetzt von F. Löwe,
mit Anmerkungen von R. Köhler. Halle 1869 (24 nr.) — Zweite
Hälfte. Dorpat 1881. (20 nr.)
Kristensen (E. Tang) — Aeventyr fra Jylland 1 — 4. Kopenhagen
1881—1897 (= Jyske Folkeminder 5. 7. 12. 13). — (50 + 59 +
68 + 83 nr.)
— — Skattegraveren, et tidsskrift udgivet af Dansk samfund til
indsamling af folkeminder, 1-12. Kolding 1884-89. — Efter-
slset til Skattegraveren. Kolding 1890.
— — Danske folkeseventyr, optegnede af Folkemindesamfundets
medlemmer. Viborg [1884 -] 1888. (62 Märchen.)
— — Molbo- og Aggerbohistorier samt andre dermed beslsegtede
fortjellinger, 1-2. Viborg 1892 und Arhus 1903.
— — Kuriose Overhoringer i Skole og Kirke, 1 — 2. Aarhus
1892—1899.
— — Fra Bindestue og Kelle, jyske Folkeseventyr, 1 — 2. Kopen-
hagen 1896—1897. (30 + 28 nr.)
— — Danske Dyrefabler og Kjaederemser samlede af Folkemunde.
Arhus 1896.
— — Bindestuens Saga, jyske Folkeseventj-r. Kopenhagen 1897.
(30 nr.)
— — Fra Mindebo, jyske Folkeseventyr. Aarhus 1898. (29 nr.)
— — Vore Fsedres Kirketjeneste, belyst ved Exempler optegnede
efter Folkemunde. Aarhus 1899.
— — Danske Skjsemtesagn, samlede af Folkemunde, 1. Aarhus 1900.
— (vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 15, 448).
Kriza (J.) — Vadrözsak [Wilde Rosen]. Kolozsvärtt 1863 (20 nr.) —
2. Aufl. 1911 in Magyar nepköltesi gyüjt. 11 — 12.
Krohn (K.) — Bär (Wolf) und Fuchs (Journal de la Soc. finno-
ougrienne 6). Helsingfors 1888.
— — Mann und Fuchs. Helsingfors 1891.
— — und Lilius (L.) Suomalaisia kansansatuja [Finnische Volks-
märchen] 1—2. Helsingfors 1886-93.
Kryptadia 1-9. Heilbronn 1883-89. Paris 1897—1905.
592 Anhang.
Kubfn (J.) — Povidky Kladske [Glatzer Erzählungen] mit einem
kritischen bibliographischen Kommentar von Gr. Polivka.
1—2. Prag 1908 und 1910—14.
— — Lidove povidky z ceskeho Podkrkonosf . Podhofi zapadni. Z üst
. lidu zapsal J. Kubin, vydal a komentafem kriticko-bibliografickym
opatfil Jifi Polivka [Volkserzählungen aus dem westlichen
böhmischen Vorlande des Riesengebirges, aufgezeichnet von
J. Kubin mit Anmerkungen von G. Polivka]. Prag, Akademie
der Wiss. (im Druck).
Kuhn (A.) — Märkische Sagen und Märchen. Berlin 1843.
— — Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen 1 — 2.
Leipzig 1859.
— — und Schwartz (W.) — Norddeutsche Sagen, Märchen und
Gebräuche. Leipzig 1848.
Kühn (E.) — Der Spreewald und seine Bewohner. Cottbus 1889. —
Auf S. 63 — 143: Rabenau, Originalmärchen der Wenden.
Kühn au (R.) — Schlesische Sagen 1—4. Leipzig 1910 — 13. —
(Unter den 1349 nr. sind auch mehrere Märchen).
Kukic: s. Stankov Kukic.
Kulda (B. M.) — Moravske narodni pohädky, povesti obyceje a
povery [Mährische Volksmärchen, Sagen, Gebräuche und Aber-
glauben] 1—4. Prag 1874-75. 1892—94. — (124 + 43 4- 18 nr.)
Kulis (P.) — Zapiski o juznoj Rusi [Aufzeichnungen über Südruß-
land] 1—2. St. Petersburg 1856—1857. — 2, 10—82 (einige
Märchen).
— — Ukrajinskija narodnyja predanija, 1 [Volksüberlieferungen aus
der Ukraine]. Moskau 1874.
Kund er (J.) — Eesti Muinasjutud [Estnische Märchen]. Rakweres 1885.
Künos (J.) — Türkische Volksmärchen aus Stambul. Leiden 1905.
(51 nr.)
— ■ — Osmanische Volksmärchen (Ungarische Revue 7 — 10. 1887 — 1890).
■ Türkische Volksmärchen aus Adakaie. 1 — 2. Leipzig 1907. (51 nr.)
Kurskij Sbornik. Izdanije Kurskago gubernskago statisticeskago
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Kurskoj gubernii, cast 3 : Sborniki A. S. Maskina [Sammlungen
ethnographischer Materialien aus dem Gouvernement Kursk,
Heft 4: V. J. Rezanov, Materialien zur Volkskunde. Samm-
lungen von A. S. Maskin]. Kursk 1903.
Kuttner (B.) — Jüdische Sagen und Legenden 1 — 4. Prankfurt a. M.
1902—1906. (97 nr.)
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bleus. P. 1884.
Lacoglu fCh. N.) und Astardziev (N. M.) — Zbornik ot razni
bälgarski narodni prikasky i pesnil [Sammlung verschiedener bul-
garischer Volksmärchen und Lieder]. Rustscbuk 1870.
Lademann (G.) — Tierfabeln und andere Erzählungen in Suaheli.
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Bd. 12).
Anhang. 593
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Paris 1900.
Lal Behari Day: s. Day.
Lambert (L.) — Contes populaires du Languedoc. Montpellier 1899.
(Vgl. Eevue des langues romanes 27, 84. 28, 47. 124. 31, 554).
Lande ro in (M.) et Tilho (J.) — Oframmaire et contes haoussas.
Paris 1909 (11 Märchen).
Landes (A.) — Contes et legendes annamites. Saigon 1886 (aus
Cochinchine francaise, excursions et reconnaissances 1884 — 1886).
(127 + 22 nr.) '
— - — Contes tjames. Saigon 1887.
van Landschoot (J.) — Volksvertelsels. Cent 1895.
Lang (A.) — The blue fairv book. London 1889. — The red fairy
book. 1890. — The green fairy book. 1892.
Lang (P.) — Schnurren und Schwanke aus Bayern. Würzburg 1916.
v. Langegg: s. F. A. Junker.
Langer (E.) — Deutsche Volkskunde aus dem östlichen Böhmen 1.
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Langer (Th. L.) — Dalsländska folksägner. Uddevalla 1908.
Langkusch (A. C.) — Litauische Sagen (in: Altpreußische Monats-
schrift 15, 412—459. 1878).
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Laographia 1—4. Athen 1909—1912. (N. Polites).
Laoust (E.) — Etüde sur le dialecte berbere du Chenoua. Paris 1912.
L a r g e a u (V.) — Flore Saharienne, histoires et legendes traduites de
l'arabe. Paris 1879.
Laube (C C.) — Volkstümliche Überlief eruugen aus Teplitz und
Umgebung. 1896. — 2. Aufl. Prag 1902.
Larminie ( W.) — West Irish Folk Tales and Romances. London 1893.
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1—2. Paris 1902.
Ledere (A.) — Cambodge, contes et legendes. Paris 1895.
— — Contes laotiens et contes cambodgiens. Paris 1903.
Leeb (W. L.) — Sagen Niederösterreichs, 1. Wien 1892.
Leger (L.) — Recueil de contes populaires slaves. Paris 1882.
Legrand (E.) — Recueil de contes populaires grecs. Paris 1881.
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6, 3, 69 (1901—1903).
Lehemrbe (L.) — Volksvertelsels. Lier 1893.
Lehmann-Filhes (M.) — Isländische Volkssagen (nach J. Arnason)
1—2. Berlin 1889—1891.
Leib in g (F.) — Sagen und Märchen des Bergischen Landes.
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Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 38
594 Anhang.
Leite de Vasconcellos: s. Vasconcellos.
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1884. 1887. Alienstein 1899.
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Quellen. Cassel 1902.
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Nordchaldäer. St. Petersburg 1857.
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1893 und Yper 1896. — (8 + 6 + 5 nr.)
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und Kroatien. Jena 1915. (67 nr.)
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Acht Kamba-Märchen. Leipzig 1905.
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schen Handschriften zu Berlin. Weimar 1896.
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frän Södra Lappland. Stockholm 1884.
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Brugschen tongval. Brüssel 1868. — (vgl. Liebrecht, Germania
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kunde in Lemberg] 1 ff. Lemberg 1895 ff.
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Mac Innes (D.) — [Celtic] Folk and Hero Tales. London 1890.
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Magyar nepköltesi gyüjtemen}- [Sammlung ungarischer Volks-
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Sebestyen, Vikar.
Magyar Nyelvör [ungarischer Sprachwart] 1 f f . Budapest 1871 ff.
Mailand (0.) — Szekelyföldi gyüjtes [Szekler Sammlung]. Budapest
1905. (= Magyar nepköltesi gyüjt. 7.J (13 nr.)
Mailath (J. Graf) — Magyarische Sagen und Märchen. Brunn
1825. — 2. Aufl. 1—2. Stuttgart 1837.
38*
596 Anhang.
Mailly (A.j — Sagenschatz aus dem Küstenlande (Manuskript 1917).
Maksimov (S.V.) — Necistaja, nevedomaja i krestnaja sila [Heine
und unreine Wesen, Elemente und Kräfte]. St. Petersburg 1903.
Maksimovic (M.) — Tri skazki i odna pobasenka [Drei Märchen
und eine Schnurre]. Kiew 1845.
Malcolm (J.) — Sketches of Persia 1 — 2. London 1828. — Danach:
Kisseh-Khün, der persische Erzähler. Berlin 1829.
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polnischen Volkes in Schlesien, 1. aus dem Fürstentum Teschen.
2. aus Oberschlesien] in : Materyaly antropol. Krakau 4, 1 — 8.
5, 1—272.
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kleinerer Schriften 3: Volksmärchen]. Prag 1876. (41 nr.)
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Mansfeld (A.) — Urwald-Dokumente. Berlin 1908. (S. 223:
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Manzura (J.) — Skazki, poslovicy i. t. p. zapisannyja v Jeka-
terinoslavskoj i Charkovskoj gub. [Märchen, Sprichwörter u. ä.
aufgezeichnet im Gouv. Jekaterinoslaw und Charkow] Charkow
1890. (= Sbornik istor. filolog. obscestva Charkov 2) [Jahrbuch
der historisch-philologischen Gesellschaft in Charkow].
— — Malorusskija skazki, predanija, poslovicy i poverja v
Jekaterinoslav. gub. [Kleinrussische Märchen, Sagen, Sprichwörter
und Aberglauben im Gouv. Jekaterinoslaw]. Charkow 1894.
(= Sbornik 6, 161—197.)
Mar eile (Ch.) — Affenschwanz et variantes orales des contes
populaires francais et etrangers. Braunschweig 1885.
Marianü (St. F.) — Ornitologia poporanä romänä 1 — 2. Cernäuti 1883.
Marinov (D.) — Basnenik ili Sbornik ot narodni basni [Fabelbuch].
Sofia 1894.
Marno (E.) — Reise in der ägyptischen Äquatorialprovinz und in
Kordofan (Wien 1878). S. 257—286: Sudanesische Tierfabeln.
Marx (A.) — Griechische Märchen von dankbaren Tieren. Stuttgart
1889.
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traduits et commentes. Paris 1882. — 2.-4. ed. 1889. 1905. 1911.'
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1871 — 74. (vgl. F. Liebrecht, Heidelberger Jahrbücher der Lit.
1872, 887).
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Materyaly antropologiczno-archeologiczne i etnograficzne wydawane
staraniem komisyi antropologicznej Akademii umieje_tnosci w
Krakowie [Anthropologisch - archäologische und ethnographische
Materialien hsg. von der Anthropologischen Kommission der
Akademie der Wissenschaften in Krakau] 1 ff. Krakau 1896 ff.
Anhang. 597
MateryaZy i prace komisyi je_zykowej Akademii umiejetaosci w
Krakowie [Materialien und Arbeiten der dialektologischen
Kommission bei der Akademie der Wissenschaften in Krakau] 1 f.
Krakau 1901 f.
Materialy po etnografii Grodnenskoj gubernii, 1—2: Po poruceniju
upravlenija Vilenskago ucebnago okruga redaktiroval E. Romanov
[Materialien zur Volkskunde des Gouvernements Grodno, hsg. von
E. Eomanov]. Vilna 1911—12.
Materialy dlja izucenija velikorusskich govorev 8 — 9 [Materialien
zur Kenntnis der großrussischen Mundarten]. Sbornik otdel.
russk. jazyka i sloves. Akademii Nauk, Bd. 83 und 87, nr. 5 S. 272.
Maurer (K.) — Isländische Sagen der Gegenwart. Leipzig 1860.
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1905. — (vgl. Polivka, Archiv 29, 458.)
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— — Deutsche Sagen, Sitten und Gebränche aus Schwaben.
Stuttgart 1852.
Meinhof (K.) — Lehrbuch der Namasprache. Berlin 1909.
(S. 151 Texte.)
Meinhold (C.) — Die Dichtung der Afrikaner. Berlin 1911.
Meinhold (E.) — Märchen aus Kamerun, erzählt von Njo Dibone.
2. A. Straßburg 1889.
Meissner (Br.) — Neuarabische Geschichten aus dem Iraq (Beiträge
zur Assyriologie 5, 1 — 148. Leipzig 1906). (55 nr.)
Melusine, Revue de mythologie, litterature üopulaire, traditions
et usages 1—11. Paris 1878—1912.
M e n d n e r (R.) — Ostafrikanisches Dämmerstündchen. Suaheli-
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Menghin (A.) — Aus dem deutschen Südtirol. Meran 1884.
Mensik (J. S.) — Moravske narodni pohadky a povesti z okoli
Jemnickeho [Mährische Volksmärchen und Sagen aus der Um-
gebung von Jamnitz]. Brunn 1856.
— — Moravske pohadky a povesti [Mährische Märchen und Sagen].
Brunn 1862.
Mercier (G.) — Le Chaouia de l'Aures. Paris 1896. — (16 Er-
zählungen).
Merensky (A.) — Deutsche Arbeit am Njassa. Berlin 1894.
Merenyi (L) — Eredeti nepmesek [Originale Volksmärchen] 1 — 2.
Pest 1861.
— — Sajövölgyi eredeti nepmesek [Sajovölgyer originale Volks-
märchen]. 1862.
— — Dunamelleki eredeti nepmesek [Originale Volksmärchen aus
der Donaugegend]. 1863.
M e r k e n s (H.) — Was sich das Volk erzählt. Deutscher Volks-
humor 1—3. Jena 1892—1900.
Merk er (M.) — Die Masai. Berlin 1904.
598 Anhang.
Meyer (G.) — Albanische Märchen 1 — 14 (Archiv für Literatur-
geschichte 12, 92 — 148. 1884). — Nach Mitkos und Jarnik, mit
Anm. von R. Köhler.
Meyrac (A.) — Traditions, coutümes, legendes et contes des
Ardennes. Charleville 1890.
Michels: s. Des Michels.
Michon (0.) — Contes et legendes du pays de France. Paris 1886.
Mijatovics (C.) — Serbian Folk-tales ed. by W. Denton. London 1874.
Miklosich (F.) — Über die Mundarten der Zigeuner Europas 4.
(Abh. der Wiener Akademie derWiss. 23, 277—327. 1874). — (15 nr.)
— — Beiträge zur Kenntnis der Zigeuner-Mundarten 4 (Sitzgsber.
der Wiener Akad. 90, 245. 1878). — (3 nr.)
Miksicek (M.) — Närodni bächorky moravske a slezske 1.
[Mährische und schlesische Volksmärchen]. Prag o. J. — (37 nr.)
— — Pohädky a povidky lidu moravskeho [Märchen und Erzählungen
des Volkes in Mähren]. Brunn 1847. — Neudruck von V.Tille.
Prag 1912.
Mikulicic (F.) — Narodne pripovietke iz hrvatskoga primorja
[Volkserzählungen aus dem kroatischen Küstenland]. Portore 1876.
Milenowsky (J.) — Volksmärchen aus Böhmen. Breslau 1853.
Minajev (J. P.) — Indijskija skazki i legendy [Indische Märchen
und Legenden]. St. Petersburg 1877.
Misotakis (J.) — Ausgewählte griechische Volksmärchen. Berlin
[1822]. (Aus Pio, Buchon und Neohellenika Analekta.)
Mitford (A. B.) — Tales of Old Japan 1—2. London 1871. —
Deutsch von J. Gr. Kohl 1 — 2. Leipzig 1875.
Mit kos (E.) — 'Alßavmi] [isXiGOa. 1878. — Vgl. G. Meyer.
Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde 1 — 52.
Hamburg 1898—1914.
Mitteilungen der Litauischen literarischen Gesellschaft 1 — 5.
Heidelberg 1883—1911.
Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen 1 — 13.
Berlin 1898—1910.
Mitteilungen der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde 1 — 16.
Breslau 1894-1914.
Mitteilungen zur Volkskunde des Schönhengster Landes 1 f .
Mährisch-Trübau 1905 f.
M o 1 b e c h (C.) — Udvalgte Eventyr og Fortällinger. Kopenhagen 1843.
4. Udg. 1882.
Möller (J. P.) — Folkesagn fra Bornholm. Kopenhagen 1869.
Moncaut (C.) : s. Cenac-Moncaut.
Monnier (M.) — Contes populaires en Italic Paris 1880. (aus
Revue des deux mondes 1875, 1877, 1879.)
Monseur (E.) — Le folklore wallon. Brüssel 1892.
Mont (P. de) en A. de Cock — Vlaamsche Wondersprookjes.
Gent 1896.
Vlaamsche Vertelsels. Gent 1898.
Anhang. 599
Montanus (M.) — Schwankbücher hsg. von J. Bolte. Tübingen 1899.
Montanus (= V. v. Zuccalmaglio) — Die Vorzeit der Länder
Cleve - Mark, Jülich - Berg und Westphalen 1 — 2. Solingen
1837—39. — Neue Ausg. Elberfeld 1870.
Monteil (C.) — Contes soudanais. Paris 1905.
Monteiro (H.) — Tales of Old Lusitania. London 1892. (nach Coelho.)
Montel (A.) et Lambert (L.) — Contes populaires du Languedoc.
Montpellier 1874.
Mordovcev (D.) — Malorusskij literaturnyj sbornik [Kiemrussischer
literarischer Sammelband]. Saratov 1859. — (S. 355 — 376 vier
Märchen.)
Morosi (Gr.) — Studi sui dialetti greci della Terra d'Otranto. Lecce
1870. (p. 73—77 fünf Märchen.)
Morris (M.) — Die Mentawai-Sprache. Berlin 1900.
Moszynska (J.) — Bajki i zagadki ludu ukraihskiego [Märchen
und Rätsel des ukrainischen Volkes] in : Zbiör 9, 3, 73 — 172.
Moulieras (A.) — Les fourberies de Si Djeh'a. Paris 1892.
— — Legendes et contes merveilleux de la Grande Kabylie 1 — 2.
Paris 1893 — 97. (85 nr. ohne Übersetzung.)
Mourier (J.) — Contes et legendes du Caucase. Paris 1888.
Mulden er (R.) — Nordisches Märchenbuch. Langensalza 1863.
Märchen aus Süd und West. Langensalza 1865.
Müllenhoff (K.) — Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer
Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845. (S. 383—504
54 Märchen und Lieder).
Müller (D. H.) — Die Mehri- und Soqotri-Sprache 1 — 3. Wien
1902—1907 (Südarabische Expedition Bd. 4. 6. 7).
— — Mehri- und Hadrami-Texte, gesammelt i. J. 1902 in Gischin
von W. Hein, bearbeitet und hsg. Wien 1909 (Südarabische
Expedition Bd. 9).
Müller (Fr.) — Beiträge zur Kenntnis der Romsprache 1 — 2
(Sitzungsberichte der Wiener Akademie 61, 149. 1869 und
70, 85. 1872).
Müller (Hans) — Aus Davos. Basel 1875.
Müller (Max) — Sechs russische Volksmärchen übersetzt. Progr.
Görlitz 1903.
M ü n c h ( J. G.) — Das Märleinbuch für meine lieben Nachbarsleute.
1-2. Leipzig 1799.
Mundarten, die deutschen, Bd. 1 — 6. Nördlingen 1853 — 59. —
N. F. Halle 1877.
Mus aus (J. K. A.) — Volksmärchen der Deutschen 1 — 5. Gotha
1782 — 1786. — Oft wiederholt; Facsimile der ersten Ausgabe
Berlin 1908. — Einen 6. Band verfaßte G. G. Fülleborn,
Halle 1789.
Mus sä us (J.) — Mecklenburgische Volksmärchen 1 — 14 (Jahrbücher
des Vereins für mecklenburgische Geschichte 5, 74 — 100.
Schwerin 1840).
600 Anhang.
Naake (J.) — Slavonic Fairy Tales collected and translated.
London 1874.
Nacht: s. Tausend und eine Nacht.
Narodopisny Sbornik ceskoslovansky, vydava Narodopisna
Spolecnost ceskoslovanska a Närodopisne Museum ceskoslovanske
[Cechoslavischer ethnographischer Sammelband, hsg. von der
cechoslavischen ethnographischen Gesellschaft und dem cecho-
slavischen Museum in Prag] 1—11. Prag 1897—1905. — Bd. 3—5
red. von F. Pastrnek, 6 — 7 von Gr. Polivka, 8 von Polivka und
A. Cerny.
Narodopisny Vestnik ceskoslovansky, v vydavä Spolecnost
narodopisneho Musea ceskoslovanskeho [Cechoslavische ethno-
graphische Zeitschrift, hsg. von der Gesellschaft des cecho-
slavischen ethnographischen Museums] 1 — 12. Prag 1905 — 1917.
— Hsg. von G. Polivka.
Na sr eddin, der Hodscha. Türkische, arabische, berberische,
maltesische, sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und
griechische Märlein und Schwanke gesammelt von A. Wesselski
1-2. Berlin 1911.
Nassau (R. H.) — Fetichism in West Africa. London 1904.
(p. 332 acht Märchen.)
Natesa Sastri. — Folk-lore in Southern India, 1 — 3. Bombay
1884—1888.
— — Tales of Tennäliräma. Madras 1900.
Indian folk-tales. Madras 1908.
Nawuka (Michal) — Baje, bajki a basnicki serbske narodne,
1. zesiwk. Zezbjerawsi pfiprawil [Serbische Volksmärchen und
Fabeln, 1. Heft. Gesammelt und bearbeitet], w Budysinie
[Bautzen] 1914.
N e m c o v a (B.) — Narodni bachorky a povesti [Volksmärchen und
Sagen] 1—2. Prag 1880. -= Gesammelte Schriften Bd. 5—6.
Prag, L. Kober. Neue Ausgabe von V. Tille, Heft 1 — 4. Prag
1904. — (27 + 39 nr.)
— — Slovenske pohadky a povesti [Slowakische Märchen und Sagen]
1 — 2. Prag o. J. = Gesammelte Schriften Bd. 7 — 8. Prag,
L. Kober. (29 + 30 nr.) — Hsg. von V. Tille. Prag, J. Laichter
1908—1909.
NeoEÄArjvixä 'Avdtexxa TtEQioöixöjg ixdidöfieva öjiö %ov WiAo-
Aoyixov HvMöyov IlaQvaooov 1. Athen 1870 — 1872. (vgl.
E. Köhler 1, 365).
Nerucci (G.) — Sessanta novelle popolari Montalesi. Firenze 1880.
— — Cincelle da bambini. Pistoia 1880. — (13 Märchen.)
Neyman (C.) — MateryaZy etnograficzne z okolic Pliskowa w pow.
Lipowieckimzebraneprzez pann^Z.D. [Ethnographische Materialien
aus der Umgegend von Pliskow im Bez. Lipow, Gouv. Kiew,
gesammelt von Fräulein Z. D.] in: Zbiör 8, 3, 115—246. —
(S. 234 — 245 einige Märchen.)
Anhang. 601
Nicolaid.es (J.) — Contes licencieux de Constantinople et de
l'Asie mineure. Kleinbronn-Paris 1906.
Nicolaissen (0.) — Sagn og eventyr fra Nordland 1 — 2. Kristiania
1879 und 1887.
Fra Nordlands Fortid. Kristiania 1889.
Nicolovius (= Nils Loven) — Folklif wet i Skytts Härad i Skäne
wid början af detta ärhundrade. Lund 1847. — Neue Aufl.
Skäne 1868.
Niederhöffer (A.) — Volkssagen Mecklenburgs 1 — 4. Leipzig
1858—62.
Niedersachsen 1 — 20. Bremen 1895 — 1915.
Nielsen (0.) — Garnla segner fraa Valdriis. Kristiania 1871.
Nieri (J.) — Cento racconti popolari lucchesi. Livorno 1906.
Nikolic (A.) — Srpske narodne pripovetke [Serbische Volksmärchen],
neue Ausgabe, Belgrad 1899. — (25 nr. — Vgl. Polivka,
Archiv 22, 313).
de N i n o (A.) — Usi e costumi abruzzesi, vol. 3 : Fiabe. Firenze
1883. (75 nr.) — vol. 4: Sacre leggende. Fir. 1887.
Nisard (Ch.) — Histoire des livres populaires, 1 — 2. Paris 1854. —
2. Aufl. 1864.
Nordenskiöld (E.) — Indianerleben. Leipzig 1912.
Nordlander (J.) — Svenska folksagor. Stockholm 1892.
— — Smäplock, historier og mässningar, grötrim och hvarjehanda.
Stockholm 1889. (= Sv. landsmälen 7, 8.)
Norsk Folkekultur, folkeminne-tidskrift 1 — 3. Bisör 1915 — 17.
North Indian Notes and Queries ed. by W. Crooke 1 — 5.
Allahabad 1891—96.
Nouri (Ali) — Nasreddin Khodjas Schwanke und Streiche. Türkische
Geschichten aus Timurlenks Tagen. Breslau 1904.
Nowosielski (A.) — Lud ukraihski, jego piesni, bajki, podania
klechdy it. d. [Das ukrainische Volk, seine Lieder, Fabeln,
Überlieferungen, Märchen usw.] 1 — 2. Wilna 1857.
Nyerup (R ) — Almindelig Morskabslaesning i Danmark og Norge.
Kopenhagen 1816.
Obedenaru (M. Gr.) — Texte macedo-romäne. Bukarest 1891.
(2 Märchen und 30 Lieder mit französischer Übersetzung).
Obert (F.) — Romanische Märchen und Sagen 1 — 35 (Ausland
1856—58). — Ferner: Magazin f. Geschichte Siebenbürgens n. F.
1, 112—121 (1859).
Obrazcy mordovskoj narodnoj slovesnosti, Vypusk 1: Pesni na
erzjanskom i nekotoryja na Moksanskom narecii. Vypusk 2 : Skazki
i zagadki na erzjanskom narecii [Beispiele der mordwinischen
Volksliteratur, Heft 1 : Lieder im ersanischen und teilweise im
mokschanischen Dialekt. Heft 2: Märchen und Rätsel im
ersanischen Dialekt]. Kasan 1882 — 83.
602 Anhang.
O'Connor (W. F.) — Folk-tales from Tibet. London 1906.
Oestrup (J.) — Contes de Damas. Leiden 1897.
Olsen (0. T.) — Norske folkeeventyr og sagn samlet i Nordland.
Kristiania 1912. — vgl. Christiansen, Zs. f. Vk. 25, 416.
Oncukov (N. E.) — Severnyja skazki [Märchen des Nordens].
St. Petersburg 1908 (= Zapiski imper. rus. geograf. obscestva
po otdeleniju etnografii 33). — • vgl. Polivka, Archiv 31, 259.
Ons Volksleven 1 f . Brecht 1889 £.
Orain (A.) — Contes de l'Ille-et-Vilaine. Paris 1901.
— — Contes du pays Gallo. Paris 1904.
Orbelian (S. S.) — Kniga mudrosti i lci [grusinische Märchen]
russisch von A. Tsagarelli. St. Petersburg 1878.
Orient und Occident insbesondere in ihren gegenseitigen Be-
ziehungen; Forschungen und Mitteilungen, hsg. von Th. Benfey,
1—3. Göttingen 1860—66.
Orientalist, The. A Journal of oriental literature, arts and
sciences, folklore etc. 1 — 4. Bombay 1884 — 92.
Ortoli (J. B. F.) — Les contes populaires de l'ile de Corse. Paris 1883.
Ostojic (T.) — Srpske narodne pripovijetke [Serbische Volks-
märchen]. Ragusa 1911.
Ostroumov (N. P.) — Sarty, etnograficeskije materialy [Die Sarten,
ethnographische Materialien] 1 — 3. Taschkent 1890 — 95. — In
Bd. 2 26 Märchen.
raasonen (H.) — Mordwinische Märchen = Journal de la societe
finno-ougrienne 12, 80—154 (1894).
Pajek (Jos.) — Crtice iz dusevnega zitka staj. Slovencev. Sestavil
[Skizzen aus dem geistigen Leben der Slovenen in Steiermark].
Laibach 1884.
PafLcatantram (textus ornatior) übersetzt von R. Schmidt.
Leipzig 1901.
Pantschatantra: s. Benfey und Hertel.
Panzer (F.) — Beitrag zur deutschen Mythologie: Bayerische
Sagen und Bräuche 1 — 2. München 1848 — 55.
Papahagi-Vurduna (P. N.) — Basme aromäne [Mazedo-rumänische
Märchen]. Bukarest 1905.
Papanti (G.) — Novelline popolari livornesi. Livorno 1877.
Parker (H.) — Village folk-tales of Ceylon 1—4. London 1910—1915.
Parkinson (R.) — - Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttgart 1907.
Paspati (A. G.) — Etudes sur les Tchinghianes de l'empire ottoman.
Constantinople 1870.
Pauli (J.) — Schimpf und Ernst (1522) hsg. von H. Oesterlev.
Tübingen 1866.
Pavie (A.) — Contes populaires du Cambodge, du Laos et du Siam.
Paris 1903. (5 nr.)
Anhang. 603
Pechuel-Loesche (E.) — Die Loango-Expedition 1873 — 76. 3. Abt.,
1.— 2. Hälfte. Leipzig 1882—1907. (2, 100—111 Erzählungen.)
Peck (Ed.) — Handschriftliche Sammlung 'walachischer' Volks-
märchen aus Vyzovic, Mähren aus den Jahren 1883 — 84 (Archiv
des cechoslavischen ethnographischen Museums in Prag).
Pedersen (H.) — - Albanesische Texte. 1895 = Abh. der sächs.
Ges. der Wiss. 15, 3. — vgl. Jarnik, Zs. f. Volksk. 6, 388.
— — Zur albanesischen Volkskunde. Kopenhagen 1898.
Pekotsch (L.) — Erinnerungen. Türkische Geschichten. Wien 1911.
Pellizzari (P.) — Fiabe e canzoni popolari del contado di Maglie.
Maglie 1884.
Permskij Sbornik, povremennoje izdanije [Permer Sammelband,
periodische Publikation] 1 — 2. Moskau 1859 — 1860.
Perrault (Ch.) — Histoires ou contes du temps passe (Contes de
ma mere Loye). Paris 1697. — Neudruck von A. Lefevre,
Paris o. J , und A. Lang, Oxford 1888.
Peter (A.) — Volkstümliches aus Oesterreichisch-Schlesien, 2. Band:
Sagen und Märchen, Bräuche und Volksaberglauben. Troppau 1867.
Peters (F.) — Aus Lothringen. Sagen und Märchen. Leipzig 1887.
— — Märchen aus Lothringen. Straßburg 1888.
Petrow (A.) — Lud ziemi Dobrzynskiej, jego charakter, mowa,
zwyczaje, obrz^dy, piesni, przyslowia, zagadki [Das Volk des
Landes Dobrzyn, sein Charakter, Sprache, Gewohnheiten,
Zeremonien, Lieder, Sprichwörter, Rätsel] — Zbior 2, 3, 3 — 182
(auf S. 140 — 173 einige Sagen, Märchen und Schwanke).
Pf äff (F.) — Märchen aus Lobenfeld (Schwarzwald) = Festschrift
zur 50jährigen Doktorjubelfeier K. Weinholds, Straßburg 1896
S. 62—83 (6 Märchen). — nr. 7—14 in der Alemannia 24,
179—183. 26, 79—95.
Philo vom Walde [J. Reinelt] — Schlesien in Sage und Brauch.
Berlin [1883].
P ine au (L.) — Les contes populaires du Poitou. Paris 1891. —
(48 nr.)
Folk-lore du Poitou. Paris 1892.
Pio (J.) — Contes populaires grecs. Copenhague 1879. (47 nr.)
Pitre (G.) — Otto fiabe e novelle siciliane. Bologna 1873. (aus
Propugnatore 6.)
— — Novelline popolari siciliane. Palermo 1873. (7 nr.)
— — Nuovo saggio di fiabe e novelle popolari siciliane. Imola 1873
(aus Rivista di filologia romanza 1).
— — Fiabe, novelle e racconti popolari siciliane 1 — 4. Palermo 1875
(== Biblioteca delle tradizioni pop. siciliane 4 — 7). (307 nr.)
Fiabe e leggende popolari siciliane. Palermo 1888 (== Biblioteca 18).
— — Novelle popolari toscane. Firenze 1885. (76 nr.)
— — Usi e costumi, credenze e pregiudizi del popolo siciliano 1 — 4.
Palermo 1889 (= Bibl. 14—17).
— — Cartelli, pasquinate , canti, leggende, usi sicil. Palermo 1913
(= Bibl. 24). — p. 354 vierzehn albanische Märchen.
604 Anhang.
Pleszczynski (A.) — Bojarzy Mie,dzyrzeccy, Studium etnograficzne
[Das Adelsvolk in Mie_dzyrzece, im Gouv. Siedlec]. Warschau
1893 (= BibljotekaWisJyll). — Auf S. 144— 157 Märchen und
Legenden.
Pleyte(E. M.) — Bataksche Vertellingen. Utrecht 1894.
Plohl-Herdvigov (R. F.) — Hrvatske narodne pjesme i pripoviedke
u Vrbovcu skupio [Kroatische Volkslieder und Erzählungen, in
Vrbovec gesammelt]. Warasdin 1868.
Podbereski (A) — Materyaly do demonologii ludu ukramskiego,
z opowiadan ludowych w powiecie Czehryiiskim [Materialien zur
Dämonologie des ukrainischen Volkes, aus Volkserzählungen im
Bezirk Öehryn] = Zbiör 4, 3, 3 — 82. — Über mythische Wesen,
Vampyre, Cholera, Werwölfe, Hexen, Alp, Teufel.
Podsavniski. — Slovenske pripovedke iz Motnika, nabral in v
izvirnem jeziku napisal [Slowenische Märchen aus Motnik in
Krain]. 1874.
Poestion (A.) — Isländische Märchen. Wien 1884.
— — Lappländische Märchen Wien 1886.
Pogatschnigg (V.) — Märchen aus Kärnten, in: Carinthia 55 — 56,
Klagenfurt 1865—66.
Pohadky a povesti naseho lidu [Märchen und Sagen unsres
Volkes]. Prag 1882. (Volkskundliche Sammlungen, hsg. von
dem Verein Slavia).
Polaczek (St.) — Wies Rudawa; lud, jego zwyczaje, obyczaje,
obrz^dy, piosnki, powiastki i zagadki [Das Dorf Rudawa bei
Krakau; das Volk, seine Gebräuche, Lieder, Erzählungen und
Rätsel]. Warschau 1892 = Bibljoteka Wisly 9. — Auf S. 82
bis 95 Sagen, 219—251 Märchen.
Polderer (J.) — Schwanke und Bauernerzählungen aus Nieder-
österreich. Wien 1908. (= Futilitates 3.)
Polites (N. G.) — IlaQaööoEis 1—2. Athen 1904.
Polivka (Jifi) — Povidky lidu opavskeho a hanäckeho, vydal a
komentafem kriticko-bibliografickym opatfil [Volkserzählungen
aus dem Troppauer Lande und Hanakei, hsg. und mit einem
kritischen und bibliographischen Kommentar versehen]. Prag, Aka-
demie der Wiss. 1916.
Popelka (F. L.) — Povesti a bächorky (Prostonarodni besedy 3)
[Sagen und Märchen : Volkstümliche Unterhaltungen nr. 3]
Policka 1880. — Praha o. J. (Narodni kvety 3).
— • — Pohadky a povesti [Märchen und Sagen]. Prag 1894.
Popelka (Vaclav) — Pohadky z Policska [Märchen aus der Um-
gebung von Polieka], Hsl. Sammlung im Archiv des cecho-
slavischen Museums in Prag.
Popelkovä (Anna) — Na besede. Pohadky [Plauderstunden.
Märchen]. V Policce 1897.
Popescu (N. D.) — Carte de basme. culegere de basme si legende
populäre. 2. ed. 1—4. Bukarest 1892.
Anhang. 605
Po tan in (Gr. N.) — Ocerki severo-zapadnoj Mongolii [Skizzen aus
der nordwestlichen Mongolei] 1 — 4. St. Petersburg 1881 — 84.
Prato (St.) — Quattro novelline popolari livornesi. Spoleto 1880.
— — Una novellina popolare monferrina raccolta e illustrata.
Como 1882.
Preindlsb erger- Mrazovic (M.) — Bosnische Volksmärchen. Inns-
bruck 1905.
Preuss (K. Th.) — Die Nayarit-Expedition 1: Die Religion der
Cora-Indianer. Leipzig 1912.
Preuss (Th.) — Tiersagen, Märchen und Legenden in Westpreußen
gesammelt. Danzig 1912.
PHhoda (Vaclav). — Pohadky z Policska, zapsala Kristina Popel-
kovä, vyprävel [Märchen aus der Umgebung von Policka, nieder-
geschrieben von Kr. P., erzählt von V. P.] (Handschriftliche Samm-
lung im Archiv des cechoslavischen ethnographischen Museums
in Prag.)
Pfikryl (Frant. P.) — Zähorskä Kronika. Pohadky a povesti ze
Zahofi [Chronik aus dem sogen. Zahofi in Ostmähren. Märchen und
Sagen aus dem sogen. Zahofi]. V Sobechlebich 1895 [Olmütz].
Prochazka (K.) — - Kolaro victi dratenici [Die Drahtbinder von
Kolarowitz im Komitat Trentschin]. Prag [1905].
Pröhle (H.) — Kinder- und Volksmärchen. Leipzig 1853. (81 nr.)
— — Märchen für die Jugend. Halle 1854. (64 nr.)
— — Märchenstrauß, ausgewählt. Berlin 1882. (29 nr.)
Prostonarodni Zabavnik [Volkstümliches Unterhaltungsblatt]
1—2. Presburg 1842—43. — 3—4. Levoc 1844—45. — 5. Stävnice
1844 — 45. (Hsl. Sammlungen slovakischer Volksüberlieferungen,
im Archiv des Museums in Türe. sv. Martin).
Prym (E.) und So ein (A.) — Der neuaramäische Dialekt des Tür
'Abdin, 1—2 Göttingen 1881.
Kurdische Sammlungen 1—2. St. Petersburg 1887. 1890.
Przibilla (F.) — Oberschlesische Sagen und Märchen. Breslau 1913.
Püttmann(H.) — Nordische Elfenmärchen und Lieder. Leipzig 1844.
V^vigstad (J.) og Sandberg (Gr.) — Lappiske eventyr og folke-
sagn. Kristiania 1887.
Kadi off (W.) — Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme
Südsibiriens 1 — 6. St. Petersburg 1866 — 86. — Die gleichzeitig
erschienene russische Ausgabe ist bis zum 10. Bande (1904)
fortgeführt. Bd. 10 betrifft die bessarabischen Gagausen.
Radostov (J. K.) — ■ Närodni pohadky [Volksmärchen]. 3. Auflage.
Prag 1883. — 82 nr.
Ralston (W. R. S.) — Russian folk-tales. London 1873.
— — - Tibetan tales, derived from indian sources. London 1884. —
(nach Schiefner, Indische Erzählungen. 50 nr.)
Ramstedt (Gr. J.) — Kalmückische Märchen — Memoires de la soc.
finno-ougrienne 27, 1 — 154.
606 Anhang.
Ramult (St.) — Stownik j^zyka pomorskiego czyli kaszubskiego
[Wörterbuch, der kasckubischen Sprache]. Krakau, Akademie 1893.
Rand (S. T.) — Legends of the Micmacs. New- York 1894.
Rank (J.) — Aus dem Böhmerwalde. Leipzig 1843 und Prag 1917.
Rattray (R. S.) — Some folk-lore in Chinyanja. London 1907
Raum (J.) — Grammatik der Dschaggasprache. Berlin 1909.
Reinhardt (C.) — Ein arabischer Dialekt in Oman und Zanzibar.
Stuttgart 1894. (S. 29 7 Texte).
Reinisch (L.) — Die Nuba-Sprache. Wien 1879.
Die Bilin-Sprache 1—2. Leipzig 1883—87.
Die 'Afar-Sprache. Wien 1885 = Sitzungsberichte der Wiener
Akademie, phil.-hist. XL 111.
— — Die Xunama - Sprache in Nordost - Afrika. Wien 1889 =
Sitzungsberichte 119.
Die Saho-Sprache 1—2. Wien 1889—90.
Die Somali-Sprache 1. Wien 1900.
Reiser (X. A.) — Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus
1—2. Xempten 1895—1902.
Rene! (Ch.) — Contes de Madagascar 1—2. Paris 1910.
Resetar (M.) — Die serbokroatischen Xölonien Süditaliens. Wien
1911 (Schriften der Balkankommission, linguistische Abt. 9).
Reusch (R. F.) — Sagen des preußischen Samlandes. Xönigsberg
1838. — 2. Aufl. 1863.
Revista de folklöre chilenö 1 — 2. Santiago de Chile 1909 — -12.
Revista lusitana 1—4. Porto 1887—95.
Revue celtique 1—34. Paris 1870—1913.
Revue de l'histoire des religions 1 — 68. Paris 1880 — 1913.
Revue des laagues römanes 1 — 56. Montpellier 1870 — 1914.
Revue des traditiöns populaires 1 — 29. Paris 1886 — 1914.
Rhodökanakis (N.) — Der vulgärarabische Dialekt im Dofär 1.
Wien 1908. (Südarab. Expedition 8).
Rhys (J.) — Celtic folk-lore, welsh and mancx 1 — 2. Oxford 1901.
Rimauski (J.) — Slovenskje pövesti [Slovakische Märchen].
Leutschau 1845.
Rink (H.) — Eskimoiske eventyr og sagn. Xopenhagen 1866 — 71. —
Tales and traditiöns of the Eskimos. Edinburg 1875.
Ristic (X.) i Vasa Loncarski — Srpske narodne pripovetke [Ser-
bische Volksmärchen]. Novi Sad 1891.
Ritson (J.) — Fany tales. London 1831.
Rittershaus (A.) — Die neuisländischen Volksmärchen. Halle 1902.
(127 nr.)
Ri viere (J.) — Recueil de contes populaires de la Xabylie du
Djurdjura. Paris 1882.
Rivista di letteratura popolare 1. Torino 1877 — 79.
Rivista delle tradizioni popolari italiane 1 — 2. Roma 1893 — 94.
Anhang. 607
Roche (D.) — Contes lirnousins. Paris 1909.
Rochemonteix (M. de) — Oeuvres diverses. Paris 1894.
Rochholz (E. L.) — Schweizersagen aus dem Aargau 1 — 2.
Aarau 1856.
Rodenberg (J.) — Ein Herbst in Wales. Hannover 1857. —
(Märchen aus Croker und Keightley).
Rodopski napredäk. Mesecno iljustrovano spisanije za nauka,
obscestveni znanija i narodni umotvorenija [Rhodoper Fortschritt,
illustrierte Monatsschrift für Wissenschaft usw.] 1 f. 1903 f.
Rogasener Eamilienblatt hsg. von 0. Knoop 1--13. Rogasen
1898—1914.
Rokossowska (Zofia) — Bajki ze wsi Jurkowszczyzny, powiatu
Zwiahelskiego gubernii Wolynskiej [Märchen aus dem Dorfe
Jurkowszczyzna, Kreis Zwiahel, Gouv. Wolhvnien] = Materialy
Krakow 2, 14—118. — (89 nr.)
Rolland (E.) — La faune populaire de la Erance 1 — 12. Paris
1876—1910.
Flore populaire de la France 1—7. Paris 1896 — 1906.
Romania 1-42. Paris 1872—1913.
Romanov (E.) — Belorusskij Sbornik [Weißrussischer Sammelbandj
1—6. Kiew 1886, Vitebsk 1887. 1891. 1901. — (Im 3. Bd.
27 Tierfabeln, 95 mythische und 29 humoristische Märchen, im
4. Bd. 148 kosmogonische und Kulturmärchen. Vgl. Polivka,
Archiv 29, 454.)
Rom er o (S.) — Contos populäres de Brazil. Lisboa 1885.
Röna-Sklarek: s. Sklarek.
Rondallayre: s. Maspons.
Röscher (W.) — Lexikon der griechischen und römischen Mythologie
1, 1—3, 2. Leipzig 1884—1902.
Ross (H.) — Ein Soge-Bundel. Kristiania 1869.
Roth (H. Ling) — The natives of Sarawak and British North Borneo.
London 1896. (1, 299—358 Legends).
Roumanian fairy tales and legends. London 1881.
Roussey (Ch.) — Contes populaires recueillis ä Bournois. Paris 1894.
Rovinskij (D.) — Russkija narodnyja kartinki [Russische Volks-
bilderbogen] 1 — 5. St. Petersburg 1881 (= Sbornik otdel. russk.
jazyka i slov. imp. akademii nauk 23 — 27).
Rovinskij (P.) — Cernogorija v jeja proslom i nastojascem.
Geografija, istorija, etnografija, archeologija, sovrem. polozenije
[Montenegro einst und jetzt. Geographie, Geschichte, Volks-
kunde, Altertumswissenschaft und jetzige Verhältnisse]. Bd. 2,
Teil 2. St. Petersburg 1901. (Sbornik otdel. russ. jaz. i slov-
imperat. akademii nauk 69, 1.)
Rozdolskyj (Osyp) — Halycki narodni skazki, v Berlyni, pov.
Brodskoho iz ust naroda [Galizische Volksmärchen, in Berlin,
Kreis Brody aus dem Munde des Volkes] = Zbirnyk 1, 1 — 96.
7, 168. — (vgl. Polivka, Zs. f. öst. Volksk. 2, 221. 7, 93. 130.)
608 Anhang.
Rozdolskyj (Osyp) — Halycki narodni noveli [Galizische Volks-
novellen] = Zbirnyk 8. — (vgl. Polivka, Zs. f. öst. Volksk. 8, 143.;
Rudbeck (E.): s. Salmelainen.
Rudcenko (J.) — Narodnyja juznorusskija skazki [Südrussische
Volksmärchen] 1—2. Kiew 1870. — (83 + 54 nr.)
Rulikowski (E) — Zapiski etnograficzne z Ukrainy [Ethno-
graphische Aufzeichnungen aus der Ukraine] = Zbiör 3, 3, 62— 166.
Eusswurm (C.) — Eibofolke 1—2. Eeval 1855.
— — Sagen aus Hapsal, der Wiek, Ösel und Bunö. Reval 1861.
Rybnikov (P. N.) — Pesni [Lieder], neue Ausgabe von A. E.
Gruzinskij 1—3. Moskau 1909—10.
Eye (0.) — Eventyr og fortsellinger fra Sonderjylland. Aarhus 1886.
Oacharov (J. P.) — Skazanija russkago naroda [Erzählungen des
russischen Volkes] 3. Aufl. 1 — 2. Moskau 1841 — 49.
Sachau(E.) — Skizze des Eellichi-Dialekts. Berlin 1895. (Philosoph,
und histor. Abhandlungen der k. Akademie der Wiss.)
Sachs (Hans) — Sämtliche Fabeln und Schwanke, hsg. von E. Goetze
und K. Drescher, 1-6. HaUe 1893-1913.
Sadok-Bar^cz: s. Baracz.
Sadovnikov (D. N.) — Skazki i predanija Samarskago kraja
[Märchen und Sagen des Samarischen Landes] = Zapiski imperat.
russkago geograf. obscestva po otdeleniju etnografii [Nachrichten
der kais. russ. geographischen Gesellschaft, Abt. f. Ethnographie]
12. St. Petersburg 1884. - 124 nr.
Sakellarios (A.) — Kypriaka 1-3. Athen 1855-68. — 2. Aufl.
1 — 2. Athen 1891. (2, 299 16 Märchen; vgl. F. Liebrecht,
Jahrbuch f. roman. Lit. 11, 345 — 386).
Salmelainen (Eero = Erik Rudbeck) — Suomen kansan satuja ja
tarinoita [Märchen und Sagen des finnischen Volkes] 1—4. Hel-
singfors 1852—66.
Samotschiner Zeitung, Beilage: Aus der Heimat für die Heimat
1-8. 1905-12.
Sant' Anna Nery (F. J. de) — Folklore bresilien. Paris 1889.
Sarnelli (P.) — La Posilecheata (1684) ed. V. Imbriani. Napoli 1885.
Sauve (L. F.) — Le folk-lore des Hautes-Vosges. Paris 1889.
Sbornik Charkovskago istoriko-filologiceskago obscestva [Sammel-
bände der historisch - philologischen Gesellschaft in Charkov].
lf. Charkov 1888 f.
Sbornik materialov dlja opisanija mestnostej i plemen Kavkaza,
izdanie upravlenija Kavkazskago ucebnago okruga [Sammel-
band von Materialien für die Beschreibung der Ortschaften und
Völker des Kaukasus, hsg. von der Direktion des kaukasischen
Schuldistriktes] 1-29. Tiflis 1881-1901.
Sbornik za narodni umotvorenija nauka i kniznina, izdava
Ministerstvoto na narodnoto prosvescenie [Sammelband für
Volkskunde, Wissenschaft und Literatur, hsg. vom Ministerium
Anhang. 609
für Volksauf klärung] 1—18. Sofia 1889—1901. Bd. 19-23
(1903 — 1907) hsg. von der bulgarischen Gesellschaft für Literatur.
— Volkskundliches Material enthält die 3. Abteilung in Bd 1 — 15,
eine eigne Beilage in Bd. 16 — 18 und in Bd. 19 — 23 die 2. Ab-
teilung.
Sbornik materialov po ethnografii, izdavajemyj pri Daskovskom etno-
graficeskom muzeje, pod redakcijej V. Th. Millera [Sammel-
band ethnographischer Materialien hsg. vom Daschkovschen
ethnographischen Museum, unter der Bedaktion V. Th. Millers]
1—3. Moskau 1885-88.
Sbornik slovenskych narodnich piesni, povesti, prislovi, porekadiel,
hädok, hier, obycajov a povier. Vydäva Matica Slovenskä.
Sammlung slowakischer Volkslieder, Sagen, Sprichwörter usw.
hsg. von der Gesellschaft Matica Slovenskä] 1—2. Vo Viedni
1870. 1874.
Sbornik museälnej slovenskej spolocnosti [Sammelband der slova-
kischen Musealgesellschaft] 1 — 6. Türe Sv. Martin 1896 — 1906.
Sachmatov (A. A.) — Mordovskij etnograficeskij sbornik [Mordwinischer
ethnographischer Sammelband]. St Petersburg, Akademie 1910.
S, äinenu (L.) — Basmele romäne [Rumänische Märchen]. Bukarest 1895.
Schambach (G.) und Müller (W.) — Niedersächsische Sagen
und Märchen. Göttingen 1855.
Sapkarev (K. A.) — Sbornik ot bälgarski narodni umotvorenija, cast
2: Prostonarodna bälgarska filosofija ili bälgarski narodni prikazki,
verovanija, poslovici, gatanki. igri i pr. Otdel 1 : Bälgarski prikaski
i verovanija s pribavljenie na nekolko makedonovlaski i albanski
[Sammelband bulgarischer Volksüberlieferungen, 2. Teil: Die
volkstümliche bulgarische Philosophie oder die bulgarischen
Volkserzählungen, Aberglauben, Sprichwörter, Rätsel, Spiele
usw. 1. Abt.: Bulgarische Märchen und Aberglauben mit einigen
hinzugefügten macedorumänischen und albanesischen] Bd. 8 — 9;
Sofia 1892. — Enthält 292 nr., darunter 7 macedorumänische,
5 albanische und 2 türkische.
Saselj (J.) — Bisernice iz belokranjskega narodnega blaga [Perlen-
schnüre aus dem Schatze der Weißkrainer]. 1 — 2. Laibach
1906. 1909.
Sejn (P. V.) — Materialy dla izucenija byta i jazyka russkago
naselenija severo-zapadnago kraja, tom 2 : Skazki, anekdoty,
legendy, predanije, vospominanija, poslovicy, zagadki, privetstvija,
pozelanija, bozba, prokljatija, rugan, zagovory, duchovnj'je stichi
i proc. [Materialien zum Studium des Lebens und der Sprache
der russischen Bevölkerung des nordwestlichen Landes, Bd. 2:
Märchen, Anekdoten, Legenden, Traditionen, Sprichwörter, Rätsel
usw.] = Sbornik otdelenija russkago jazyka i slovesnosti imp.
Akademiji nauk 57. St Petersburg. — In der 1. Abt. S. 1 — 471
stehn 244 Märchen und Sagen.
Schell (O.) — Bergische Sagen. Elberfeld 1897. — Neue bergische
Sagen. E. 1905. — Bergischer Volkshumor. Leipzig 1907.
Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 39
610 Anhang.
Scheu(H.) und Kurschat(A.) — Pasakos apie paukscius. Zemaitische
Tierfabeln, Text, Wörterverzeichnis und Übersetzung. Heidelberg
1913. - 81 nr.
Schiefner (A.) — Über den Mythengehalt der finnischen Märchen
(Bulletin de l'Akad. imp. de St. Petersbourg 12, 369—388. 1855).
— — Ossetische Sagen und Märchen. St. Petersburg 1867. (Melanges
asiatiques 5, 673).
— — Awarische Texte (Memoires de l'academie de St. -Petersbourg
7. serie, t. 19, nr. 6. 1873). - Vgl. R. Köhler 1, 537.
Indische Erzählungen 1— 47 (Melanges asiatiques 7 — 8. 1873—81);
vgl. Ralston.
— — Hürkanische Studien (Memoires de l'academie de St.-Petersbourg
7. ser. 17, nr 8). — Kürinische Studien (ebd. 7. ser. 20, nr. 2. 1873).
Schiller (A.) — Schlesische Volksmärchen. Breslau 1907.
Schisc hmanoff (Lydia) — Legendes religieuses bulgares. Paris 1896.
Skultety (A. K.) a Dobsinsky (P.) — Slovenske povesti, kniha
1 : Povesti prastarych bäjecnych casov [Slovakische Märchen,
1. Band: Märchen der uralten mythischen Zeiten]. Rosenau 1858.
— 2. und 3. Aufl. Rosenberg 1896. (65 nr.)
Schleicher (A.) — Litauische Märchen, Sprichworte, Rätsel und
Lieder. Weimar 1857.
— — Volkstümliches aus Sonneberg. Weimar 1858.
S c h 1 e i c h e r (A. W.) — Somali-Texte, hsg. von L. Reinisch. Wien 1900.
Schlenker (C. F.) — A collection of Temne traditions, fables and
proverbs. London 1861.
Schlossar (A.) — Cultur- und Sittenbilder aus Steiermark. Graz
1885. — (Auf S. 203—219 drei Märchen).
Schlossar(P.) — Der Sagenkreis derPostela. Marburg a. d. Drau 1912.
Schmeller (J.) — Die Mundarten Bayerns. München 1821.
Schmidt (B.) — Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder.
Leipzig 1877.
Schmidt (F. W. Val.) — Märchensaal. 1817. s. Straparola.
Schmidt (H.) und Kahle (P.) — Volkserzählungen aus Palästina.
Göttingen 1918.
Schmitz (J. H.) — Sitten und Sagen des Einer Volkes 1 — 2.
Trier 1856—58.
Schneller(C) — Märchen und Sagen aus Wälschtirol. Innsbruck 1867.
Schön (J. F.) — ■ Magäna Hausa. Native literature, or proverbs,
tales, fables and historical fragments in the Hausa language, with
a translation, 1 — 2. London 1885 — 86.
Schönhärl (J.) — Volkskundliches aus Togo. Märchen und Fabeln,
Sprichwörter und Rätsel, Lieder und Spiele der Ewe-Neger.
Dresden 1909.
Schönwerth (F.) — Aus der Oberpfalz 1 — 3. Augsburg 1857 — 59.
Schott (Arthur und Albert). — Walachische Märchen. Stuttgart 1845.
Schreck (Emmy). — - Finnische Märchen. Weimar 1887.
Suchevyc (V.) — Huculscyna [Die Huzulen], 5. Teil. Lemberg 1908.
Anhang. 611
v. Schulenburg (W.) — Wendische Volkssagen. Leipzig 1880.
Wendisches Volkstum. Berlin 1882.
Schullerus (P.) — Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren
Harbachtale. Hermannstadt 1906 (Archiv des V. f. sieben-
bürgische Landeskunde n. F. 33, 302—692).
Schumann (V.) — Nachtbüchlein (1559) hsg. von H. Bolte.
Tübingen 1893.
Schwartz (W.) — Sagen und alte Geschichten der Mark Branden-
burg. Berlin 1871. 1886. — 4. Aufl. Stuttgart 1903.
Schwarz (B.) — Kamerun. Leipzig 1886.
Schwarz (J. Alb. T.) — Tontemboansche Teksten 2: Vertaling-
Leiden 1907. — (141 nr.)
Schweizerisches Archiv für Volkskunde 1 — 21. Zürich
1898—1917.
Symcenko (Opanas) — Ukrajihski ljudski vvhadky [Ukrainische
Volksanekdoten] = Zbirnyk 1, 1—28.
Sebestyen (GL) — Dunäntüli gyüjtes [Sammlung aus dem recht-
seitigen Donaugebiet]. Budapest 1906. (= Magyar nepköltesi
gyüjt. 8).
Sebillot (P.) — Contes populaires de la Haute-Bretagne 1 — 3.
Paris 1880—82.
— — Litterature orale de la Haute-Bretagne. Paris 1881.
— — Traditions et superstitions de la Haute-Bretagne 1 — 2. Paris 1882.
Contes des provinces de France. Paris 1884.
— — Contes de terre et de mer, legendes de la Haute-Bretagne.
Paris 1883.
Litterature orale de l'Auvergne Paris 1898.
La Bretagne enchantee. Paris 1900.
— — Contes espagnols. Paris [1900].
— — Contes des Landes et des Greves. Rennes 1900.
Folk-lore de France 1—4. Paris 1904-1907.
— — Les joyeuses histoires de Bretagne. Paris 1910.
Sedläcek (F. A.) — Pohadky a povesti od hör Krkonosskych
(Märchen und Sagen aus dem Riesengebirge). Prag 1878. (=
Nova Knihovna pro mladez, sv. 84).
— — Narodni pohadky a povesti z okoli Velko-Meziricskeho a
Jihlavskeho na Morave [Volksmärchen und Sagen aus der Um-
gebung von Groß-Meseritsch und Iglau] 1 — 2. Groß-Meseritsch
1879. — (22 nr.)
Segel (B. W.) — Materyaly do etnografii zydöw wschodnio-gali-
cyjskich [Materialien zur Ethnographie der ostgalizischen Juden]
= Zbiör 17, 2, 201—332. — Auf S. 201-306 36 Sagen und
Märchen.
Seger stedt (A.) — Svenska folksagor och äfventyr. Stockholm 1884.
— Norwegisch von O. S. Pedersen, Fortsellinger for born
1—2. Kristiania 1881-85.
Seidel (A.) — Geschichten undLieder der Afrikaner. Berlin [1896].
— — Anthologie aus der asiatischen Volksliteratur. Weimar 1898.
39*
612 Anhang.
Seifart (K.) — Sagen, Märchen, Schwanke und Gebräuche aus
Hildesheim 1—2. Göttingen 1854—1860. — 3 Aufl. Hildesheim
1914 (ohne die Anmerkungen).
Sepp (J.) — Altbayrischer Sagenschatz zur Bereicherung der indo-
germanischen Mythologie München 1876. (1893).
S erzputo vskij (A. K) — Skazki i razskazy Belorussov Polesukov,
materialy k izuceniju tvorcestva Belorussov i ich govora [Märchen
und Erzählungen der Weißrussen des Polesje, Materialien zum
Studium der Schöpfungen und Dialekte der Weißrussen].
St. Petersburg, Akademie 1911.
Siarkowski (K W.) — Podania i legendy o zwierz^tach, drzewach
i roslinach [Sagen und Legenden von Tieren, Bäumen und
Pflanzen] = Zbiör wiadom. do antropol. Krajowej 7, 3. 106 — 119.
— 45 nr.
Siddhi-Kür: s. Jülg.
Siemienski (L.) — Podania i legendy polskie, ruskie i litewskie
[Polnische, kleinrussische und litauische Sagen und Legenden].
Posen 1845.
Sierich (0.) — Samoanische Märchen 1 — 5 (Internat. Archiv für
Ethnographie 13, 223—237. 14, 15—23. 1900—1901).
S im rock (K.) — Der gute Gerhard und die dankbaren Toten.
Bonn 1856.
— — Deutsche Märchen. Stuttgart 1864.
— — Die deutschen Volksbücher 1 — 13. Frankfurt a. M. 1845 — 65.
Singer (S ) — Schweizer Märchen. Anfang eines Kommentars.
1—2. Bern 1903—1906.
Skar (J.) — Sogur 1 (Gamalt ur Seetesdal 6). Kristiania 1913. —
vgl. Christiansen, Zs. f Vk. 25, 417.
Skazki russkija zavetnyja [Contes licencieux russes]. 2. izdanije
Valaam (Genf o. J.)
Skeat (W.) — Fables and folk-tales from an eastern forest. Cam-
bridge 1901. 4°.
Sklarek(E) — Ungarische Volksmärchen 1—2. Leipzig 1901— 1909.
Slama (F) — Slezske pohadky a povesti [Schlesische Märchen und
Sagen]. Troppau 1893.
Slavia I — Närodni pohadky, pisne, hry a ob}*ceje [Volksmärchen,
Lieder, Spiele und Gebräuche, hsg. vom Verein Slavia] Heft 1 — 4.
Prag 1873.
Slavia II = Narodni pisne, pohadky, povesti, fikadla, prislovi,
pofekadla, obyceje [Volkslieder, Märchen, Sagen, Sprichwörter,
Spruchreden, Gebräuche] hsg. vom liter. Verein Slavia, Reihe 2,
Abt. 2: Volksmärchen und Sagen. Prag 1878. — (58 nr.)
Slavjanskij Sbornik tom 3. hsg. von P. A. Hiltebrandt.
St. Petersburg 1876.
Slavische Blätter, illustrierte Zeitschrift für die Gesamtinter-
essen des Slaventums 1 — 2. Wien 1865 — 66.
Anhang. 613
Slovenske Pohl'ady, Casopis pre literaturu, vedu, unienie a poli-
tiku [Slovakische Rundschau, Zeitschrift für Literatur, Wissen-
schaft, Kunst und Politik]. V Türe Sv. Martine. Bd. 1. 1881.
SlovenskiGlasnik [Slovenisches Unterhaltungsblatt]. Lepoznansko-
poducen list. Uredil A. Janezic 1 — 3. U Celovcu 1858 — 59.
Smith (H. H.) — Brazil, the Amazons and the coast. New-York
1879. (p. 541 Myths and folk-lore of the Amazonian Indians).
Socin (A.) — Die neuaramäischen Dialekte von Urmia bis Mosul.
Tübingen 1882.
— — Zum arabischen Dialekt von Marokko. Leipzig 1 894 (Abh. der
k. sächs. Ges. der Wissenschaften, phil.-histor. Kl. 14, 3).
— — und Stumme (H.) — Houwära. Leipzig 1895 (Abh. 15, 1).
Somadeva. — Kathä sarit sägara, or Ocean of the streams of story
translated by C. H. Tawney 1—2. Calcutta 1880—84.
— — Märchensammlung aus dem Sanskrit übersetzt von H. Brock-
haus 1—2. Leipzig 5 843. — (enthält nur Buch 1 — 5).
— — Kathäsaritsagara oder Ozean der Märchenströme, deutsche Aus-
gabe von A. Wesselski, 1. Bd. (Buch 1—4). Berlin 1914—15.
— — s. Hertel.
Sommer (E ) — Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachsen und
Thüringen 1. Halle 1846.
Soukal (J.) — Prostonärodni ceske pohädky [Cechische Volks-
märchen]. Grofs-Meseritsch (1880).
Souvestre (E.) — Le foyer breton, traditions populaires 1 — 2.
Paris 1845. 1852. — Danach H. Bode, Volksmärchen aus der
Bretagne, für die Jugend bearbeitet, Leipzig 1847.
v. Sowa (R) — Die Mundart der slovakischen Zigeuner. Göttingen
1887. (S. 163 neun Texte ohne Übersetzung).
Spiegel (K.) — Märchen aus Bayern. Würzburg 1914 (30 nr.
Blätter zur bayrischen Volkskunde 3).
Spitta-Bey (G.) — Contes arabes modernes. Leiden 1883. — (12 nr.)
Sprostranov (E.) — s. Ivanov.
S rbsko - dalmatinski Magazin Bd. 20. Wien 1861. — Bd.
22-27. Zara 1863-68.
Stahl (Caroline). — Fabeln, Märchen und Erzählungen für Kinder.
Nürnberg 1818.
Stamatiades (E.) — Samiaka 4, 517. Athen 1886. — (31 nr.).
Stäncescu (D.) — Basme eulese din gura poporulü [Märchen aus
dem Volksmunde gesammelt]. Bukarest 1885. — 2. Aufl. 1893.
Stanko v-K ukic (N.) — Srpske narodne umotvorine iz raznih
srpskih krajeva [Serbische Volksdichtungen aus verschiedenen
serbischen Ländern]. Agram 1898.
St auf e (L. A.) — Romanische Volksmärchen l852(Hs. 1357 1 der Wiener
Hof bibliothek ; vgl. Bolte, Zs. f Volksk. 9, 84und Zs f. dt. My th. 1 - 2).
Steel (F. A.) und R. C.Tempi e. — Wide-awake stories, a collection of
tales told in the Panjab and Kashmir. Bombay 1884 (43 nr.)
Ste el (F. A.) — Tales of the Panjab told by the people. London 1894.
614 Anhang.
Steele (J.) — An eastern iove-story. Kusa Jätakaya. London 1871.
— Vgl. E. Köhler 1, 520.
S teere (E.) — Swahili tales. London 1870. — rep. 1889.
Stefanovic (Gr. K.) — Srpske narodne pripovedke [Serbische Volks-
märchen]. Neusatz 1871.
Steinhöwel (H.) — Äsop hsg. von H. Österley. Tübingen 1873.
Stier (G.) : s. Erdelyi und Gaal.
Stöber (A.) — Elsässisches Volksbüchlein. Straßburg 1842. — 2. Aufl.
1. Heft. Mülhausen 1859.
Die Sagen des Elsasses. St. Gallen 1852. — Neue Ausgabe
von C. Mündel 1—2. Straßburg 1892-1896.
Stojanovic (M.) — Pucke pripoviedke i pjesme [Volkserzählungen
und Lieder]. Agram 1867. — (60 nr.)
— — Narodne pripoviedke [Volksmärchen]. Agram 1879.
— — Sala i zbilja. Sbirka narodnih pripoviedaka, sa tri dodatka
narodne poslovice, narodne zagonetke i putopisnica [Scherz und
Ernst. Eine Sammlung von Volkserzählungen mit drei Beilagen,
Volkssprichwörter ,Volksrätsel und Reisebeschreibung]. Zengg 1879.
Stokes (M.) — Indian fairy tales. London 1880. (30 nr. Zuerst
Calcutta 1879). — Indische Sprookjes, vertaald door H. Scheltema.
's Gravenhage 1881.
S t o p k a (A.) — Materialy do etnografii Podhala [Materialien zur
Ethnographie des Podhale] in Materyaly Krak. 3, 73 — 166. —
(auf S. 124—153 einige Märchen, Sagen und Legenden).
Stories from the folk-lore of Russia, Rouskiya zavetnuiya skazki.
Paris 1897. — (76 nr.)
Storni Vang (J.) — Ti norske aeventyr. Drontheim 1869.
Strackerjan (L.) — Aberglauben und Sagen aus dem Herzogtum
Oldenburg 1 — 2. Oldenburg 1867. — 2. erweiterte Auflage
hsg. von K. Willoh 1-2. Oldenburg 1909.
Stranecka (Fr.) — Pohadky z Moravy [Märchen aus Mähren]. Prag
1868. — (8 nr.)
Straparola (G. F) — Le piacevoli notti 1 — 2. Venezia 1550—1553.
— Neudruck von G. Rua, 1—2. Bologna 1899 - 1908 — Deutsch
von H. Flörke, 1 — 2. München 1908. — Die Märchen (nicht
vollständig) bei F. W. Val. Schmidt, Märchensaal 1. Band.
Berlin 1817.
Strauß (A.) — Die Bulgaren. Ethnographische Studien. Leipzig 1898.
Stroebe (Klara) — Nordische Volksmärchen 1: Dänemark, Schweden.
2: Norwegen. Jena 1915. — (39 + 29 + 56 nr.)
Strohal (R.) — Hrvatskih narodnih pripoviedaka, knjiga 1: Narodne
pripoviedke iz sela Stativa [Kroatische Volksmärchen 1, ge-
sammelt im Dorfe Stative]. Fiume 1886. (89 nr.) — Kn. 2- 3.
U Karlovcu 1901. 1904.
Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte hsg. von M. Koch
1-8. Berlin 1901-08.
Anhang. 615
Stumme (H.) — Tunisische Märchen 1 — 2. Leipzig 1893.
— — Elf Stücke im Öilha-Dialekt von Tazerwalt (Zs. der morgenl.
Ges. 48, 381—406. 1894).
— — Märchen der Schluh von Tazerwalt. Lpz. 1895.
— — Märchen aus Tripolis. Leipzig 1898.
— — Märchen der Berbern von Tamazratt. Leipzig 1900.
— — Maltesische Märchen, Gedichte und Rätsel. Leipzig 1904. —
(37 nr.)
Sumcov (N. Th.) — Razyskanija v oblasti anekdoticeskoj literatury.
Anekdoty o glupcach [Untersuchungen auf dem Felde der
Anekdotenliteratur. Die Anekdoten von den dummen Leuten].
Charkov 1898.
— — Iz ukrajinskoj stariny [Aus der Vergangenheit der Ukrajine].
Charkov 1905 (ausSbornikCharkovs. Istoriko-filolog. Obscestva 16).
Sumlork (Krolmus) — Staroceske povesti, zpevy, hry, obyceje, slavnosti
a nypeva ohledem na bäjeslovi ceskoslovanske [Altböhmische
Sagen, Lieder, Spiele, Gebräuche, Feste und Weisen] 1—3.
Prag 1845. 1847. 1851.
Suomi 1849—1904 (finnisches Jahrbuch, Helsingfors).
Susil (F.) — Moravske narodni pisne s napevy do textu vfadenymi
[Mährische Volkslieder mit in den Texten eingereihten Melodien].
V JBrne [Brunn] o. J.
Sutermeister (O.) — Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz.
Aarau 1869. — 2. Aufl 1873. — (63 nr.)
Svenska landsmälen = Nyare bidrag tili kännedom om de svenska
landsmälen 1—20. Stockholm 1879—1912.
Swahili stories from arabic sources. Zanzibar 1886.
Swi^tek (J.) — Lud nadrabski (od Gdowa po Bochnie,), obraz
etnograficzny [Das Volk an der Raba, von Gdow bis Bochnia,
ethnographisches Bild]. Krakau 1893. — Auf S. 317—451
81 Sagen, Märchen und Schwanke.
Swynnerton (Ch.) — The adventures of the Panjab hero Rajä
Rasalu and other folk-tales of the Panjab. Calcutta 1884. —
S. 151 45 kurze Märchen.
— — Indian nights' entertainments. London 1892.
— — Romantic tales from the Panjab with Indian nights' enter-
tainment, new ed. London 1908.
Sylwestrowicz: s. Dowojna-Sylwestrowicz.
I abart — Collection of populär stories for the nursery, newly
translated from the french, italian and old english writers 1—4.
London 1809.
Tausend und eine Nacht, deutsch von M Habicht, F. H. v. d.
Hagen und C. Schall 1-15. Breslau 1825. — 5. Aufl. 1840.
— — übertragen von Henning 1 — 24. Leipzig 1895 — 98.
von P. Greve (nach Burton) 1—12. Leipzig 1907—08.
Tarasevskyj (P.) — Das Geschlechtsleben des ukrainischen Bauern-
volkes, folkloristische Erhebungen aus der Ukraine. Einleitung
und Parallelennachweise von V. Hnatjuk, Vorwort und
616 Anhang.
Erläuterungen von F. S. Kr au ss. Leipzig 1909. 4°. (Beiwerke zum
Studium der Anthropophyteia Bd. 3).
Taubmann (J. A.) — Märchen und Sagen aus Nordböhmen.
Reichenberg 1887.
Tcheraz(M.) — L'Orient inedit: legendes et traditions armeniennes,
grecques et turques. Paris 1912.
Teirlinck (J.) — Contes flamands. Bruxelles (1896).
Teilander (K. 0.) — Allmogelif i Vestergötland. Stockholm 1891.
Temple (R. C.) — Legends of the Panjab 1—3. London 1884—93.
Tendlau (A. M.) — Fellmeiers Abende. Märchen und Geschichten
aus grauer Vorzeit. Frankfurt a. M. 1856.
Terescenko (J.) — Byt russkago naroda [Leben des russischen
Volkes]. 1848.
Tewaag (F.) — Erzählungen, Märchen, Sagen und Mundarten aus
Hessen. Marburg 1888.
Teza (E.) — La tradizione dei sette savi nelle novelline magiare.
Bologna 1874.
Thalbitzer (W.) — A phonetical study of the Eskimo language.
Copenhague 1904. (S 273 acht Erzählungen).
Theal (G. M. — Kaffir folk-lore. London 1882. — 2. ed. 1886.
Thiele (J. M.) — Danske folkesagn 1—4. Kjobenhavn 1818-23.
— — Danmarks folkesagn 1—2. Kobenhavn 1843.
Thorburn (S S.) — Bannü or Our Afghan frontier. London 1876.
Thornhill. — Indian fairy tales. London 1889.
Thorpe (B.) — Yule-tide stories. London 1853. (Schwedische,
dänische und deutsche Märchen.)
Thumb (A.) — Handbuch der neugriechischen Volkssprache, 2. Aufl.
Straßburg 1910. (S. 220—233. 273-300 Texte).
Thuriet (Ch.) — Traditions populaires du Jura. Paris 1877.
— — Traditions populaires du Doubs. Paris 1891.
— — Traditions populaires de la Haute-Saöne et du Jura. Paris 1892.
Thurneysen (R.) — Sagen aus dem alten Irland. Berlin 1901.
Tijdschrift voor indische Taal-, Land- en Volkenkunde 1 — 56
Batavia 1853—1914.
Tille (V.) — Povidky sebrane na Valassku r. 1888 [Erzählungen ge-
sammelt in der Walachei im J. 1888] = Närod. Sbornik 7 — 8.
— — Ceske pohadky do roku 1848 [Cechische Märchen bis zum Jahr
1848]. Prag 1909 (= Rozpravy Öeske Akademie 3, 30).
Toeppen (M.) — Aberglauben aus Masuren, 2. Aufl. Danzig 1867.
Tomic (Svetozar). — Skopska Crna Gora, antropogeografska i etno-
grafska studija [Das Schwarze Gebirge von Skoplje, anthropo-
geographische und ethnographische Studie]. Belgrad 1905.
(Sammelbände zur serbischen Ethnographie, hsg. von der k. serb.
Akademie).
JSTiccolö Tommaseo, rivista mensile delle tradizioni popolari
d'Italia, diretta da G. Giannini 1 — 2. Arezzo 1904 — 1905.
Anhang. 617
Tonnelat (E.) — Les contes des freres Grimm, etude sur la com-
position et le style. Paris 1912.
Topalovic (M.) — Tamburasi ilirskijl [Illyrische Tamboraspieler).
Esseg 1842.
Tordinac (N.) — Hrvatske narodne pjesme i pripoviedke iz Bosne
[Kroatische Volkslieder und Märchen aus Bosnien]. Vukovar
1883. (20 Märchen).
Tradition, revue internationale de folk-lore 1 — 20. Parisl887 — 1906.
Tremearne (A. J. N.) — Hausa superstitions and customs. London
1913. (p. 183-456: 100 Erzählungen). — Hausa folk-tales.
London 1914 (Texte).
— — The tailed head-hunters of Nigeria. London 1912.
Treuland (Th. Ja.) — Sbornik materialov po etnografii izdavajemyj pri
Daskovskom etnograficeskom Muzeje, Vypusk 2, pod redakcijej
V. Th. Millera [Sammlung ethnographischer Materialien hsg. vom
Daskovschen ethnographischen Museum, Heft 2, unter der Redaktion
von V. Th. Miller]. Moskau 1887. - 5 : 148 lettische Volks-
märchen.
Troude (A.) et Milin (Gr.) — Le conteur breton. Brest 1870.
Truhelka (C.) — Arnautske price [Albanesische Erzählungen]. 1 — 2.
Serajevo 1905
Trumelet (C.) — L'Algerie legendaire. Alger 1892.
Tsagarelli (M.) — Contes mingreliens par J. Mourier. Odessa 1883.
Tschiedel (J.) — Aus der italienischen Sagen- und Märchenwelt.
Hamburg 1896.
Turner (G.) — Samoa. London 1884.
Tuscan fairy tales. London 1867. 1880.
Tuti-Nameh, eine Sammlung persischer Märchen von Nechschebi.
deutsch von C. J. L. Iken. Stuttgart 1822. — Über das ältere
Werk des Kädiri vgl. Pertsch, ZdmG. 21, 505—551.
— — , das Papageienbuch, eine Sammlung orientalischer Erzählungen,
nach der türkischen Bearbeitung übersetzt von G. Rosen 1—2.
Leipzig 1858. — Vgl. M. Wickerhauser, Papageimärchen,
Leipzig 1858 = Neunundzwanzig und eine Nacht, Hamburg 1863.
Tuxen (L R.) — Molbohistorier. Kopenhagen 1865.
Udziela (S.) — Lud polski w powiecie Ropczyckim w Galicyi [Das
polnische Volk im Bezirk Ropczyce in Galizien] = Zbiör 14—16.
— In 16, 2, 3—57 stehn 41 Märchen.
Uhland (L.) — Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage
1—8. Stuttgart 1865 — 73.
Ulanowska (Stef.) — Niektore materyaly etnograficzne we wsi
Luköwcu (Mazowieckim) zebrane [Einige ethnographische
Materialien im Dorfe Lukowiec, Masowien, gesammelt] = Zbiör
8, 3, 247 ff. - Auf S. 298-32U stehn 13 Märchen.
Ulrich (J.) — Die hundert alten Erzählungen (Cento novelle antiche)
deutsch. Leipzig 1905.
618 Anhang.
Ulrich (J.) — Romanische Schelmennovellen. Leipzig 1905.
— — Volkstümliche Dichtungen der Italiener. Leipzig 1906.
Ungarische Eevue 1 — 15. Leipzig 1881 — 95.
Urban (M.) — Sagen, Märchen, volkstümliche Gschichtln und
Denkwürdigkeiten aus der westböhmischen Heimat, ein Beitrag
zur Folklore Deutschböhmens. Mies 1910.
Am Urdhsbrunnen 1 — 7. Rendsburg 1881 — 89.
Am Urquell (Carstens und Krauß) 1 — 6. Hamburg 1890— 96. — Der
Urquell, n. F. (F. S. Krauß) 1-2. Leiden und Hamburg 1897—98.
Väclavek (M.) — Pohadky a povesti z moravskeho Valasska
[Märchen und Sagen aus der mährischen Walachei] 1—3. Neu-
stadt au der Mettau 1888—89.
— — Valasske pohadky a povesti, ze sbirek svych mlädezi vybral
[Walachische Märchen und Sagen, aus seinen Sammlungen für
die Jugend hsg.] 1—2. Groß-Meseritsch 1894—97. — (65 und
22 nr.)
— — Nekolik pohädek a povesti, z moravskeho Valasska [Einige
Märchen und Sagen aus der mährischen Walachei]. 2. Auflage.
Prag 1897. — (46 nr.)
— — Valasske pohadky, ceske mlädezi vypravuje [Walachische
Märchen, der Jugend erzählt]. Bobniz bei Nimburg 1898. — (16 nr.)
Valjavec (M. K.) — Narodne pripoyjedke skupio u i oko Varazdina
[Volksmärchen gesammelt in und um Warasdin]. Warasdin
1858. - 2. Aufl. Agram 1890. - (101 nr.)
— — Narodne pripoviesti iz susjedne Varazdinu Stajerske [Volks-
erzählungen aus der an Warasdin angrenzenden Steiermark].
Agram 1875 (Programm des k. Gymnasiums zu Warasdin).
— — Narodne pripovedke [Volksmärchen] = Kres 4 — 5. (72 nr.)
Vang (A. E.) — Gamla regio aa rispo ifraa Valdris, en samling af
fortsellinger, sagn og eventyr optegnede i Valders. Kristiania 1850.
— — Gamla segner fraa Valders, ed. J. E. Nielsen. Kristiania 1871.
Vasconcellos (J. Leite de) — Tradicöes populäres de Portugal.
Porto 1882.
— — Ensaios ethnographicos 1— 4. Espozende u. Lisboa 1891 — 1910.
Veckenstedt (E.) — Wendische Sagen, Märchen und aber-
gläubische Gebräuche. Graz 1880.
— — Mythen, Sagen und Legenden der Zamaiten 1 — 2. Heidelberg
1883.
Zeitschrift für Volkskunde 1-4. Leipzig 1888-92.
Veiten (C.) — Märchen und Erzählungen der Suaheli. Stuttgart 1898.
— — Prosa und Poesie der Suaheli. Berlin 1907.
Verchratskj^j (Ivan) — Znadoby dlja piznannja uhorsko-ruskych
hovoriv [Beiträge zur Erforschung der kleinrussischen Mundarten
in Ungarn]. Lemberg 1901. (Abhandlungen der Sevcenko-
Gesellschaft, Bd. 44).
Verescagin (Gr.) — Votjaki Sosnovskago kraja [Die Wotjaken
des Sosnovschen Landes]. 1886. (Zapiski der kais. russ. geograph.
Ges., Sektion für Ethnographie 14, 3, 218.)
Anhang. 619
Vermast (A.) — Vertelsels uit West -Viaanderen. Gent [um 1892.].
Vernaleken (Th.) — Oesterreichische Kinder- und Hausmärchen
Wien 1864. — 2. Aufl. 1892.
— — Alpensagen. Wien 1885.
Veselovskij (A.N.) — Razyskanija v oblasti russkago duchovnago
sticha [Untersuchungen auf dem Gebiete der russischen geist-
lichen Gesänge] 1-24. St. Petersburg 1879-91. (Sbornik
Otdel. russ. jazyka i slovesnosti Imperat. Akad. Nauk, Tom 20.
21. 28. 32 33. 46. 53).
Vierzig Veziere oder weise Meister, aus dem Türkischen von
W. A. Behrnauer. Leipzig 1851. — E. W. J. Gibb, The
history of forty vezirs, written in turkish by Sheykh-Juda
London 1886.
Vigström (E.): s. Wigström.
Vikar (B.) — Somogymegye nepköltese [Volksdichtung des Somogyer
KomitatsJ. Budapest 1905. (= Magyar nepköltesy gyüjt. 6.)
Vila. List za zabavu, knizevnost i nauku, Godine treca, uredio i
izdao Stojan Novakovic [Revue für Unterhaltung, Literatur und
Wissenschaft, 3. Jahrgang, hsg. von St. Novakovic]. Belgrad 1867.
Vincx (J F.) — Sagen, legenden, sprookjes en geschiedkundige
bijdragen uit het Hageland. Lier 1906.
Vinson (J.) — Le folk-lore du pays basque. Paris 1883. (S 1 — 116:
6 Sagen, 17 Märchen, 13 Schwanke).
Visentini (1.) — Fiabe mantovane. Torino 1879.
Vogl (J. N.) — (Slavonische) Volksmärchen Wien 1837.
— — Die ältesten Volksmärchen der Russen. Wien 1841.
— — Erzählungen eines Großmütterchens Wien [1846].
Vojinovic (J. B.) — Srpske narodne pripovijetke [Serbische Volks-
märchen]. Belgrad 1869.
Volk en Taal 1 f . Ronsse 1888 f.
Volkskunde, Tijdschrift voor nederlandsche folk-lore 1 — 25. Gent
1888-1914.
Ons Volksleven 1 f . Brecht 1889 f.
Vonbun (F. J.) — Volkssagen aus Vorarlberg. Wien 1847. — 2. Aufl.
Innsbruck 1850. — Die Sagen Vorarlbergs. Innsbruck 1858. —
2. Aufl. 1889.
Vossion (L.) — Contes birmans dTapres le Thoudama Sari dammazat.
Paris 1901. (10 nr.)
Vrana (F. M) — Moravske narodni pohädky a povesti, 1: Z okoli
Nemcickeho na Hane [Mährische Volksmärchen und Sagen,
Heft 1 : Aus der Umgebung von Nemcice]. Brno 1888.
Vrcevie (Vuk vitez) — Narodne basne, skupio po Boki, Crnojgori,
Dalmaciji a najvise po Hercegovini [Volksfabeln, gesammelt in
den Bocche di Cattaro, in Montenegro, Dalmatien und zumeist in
der Herzegowina]. 2. Aufl. Ragusa 1892.
— — Srpske narodne pripovijetke ponajvise kratke i saljive [Serbische,
größtenteils kurze und scherzhafte Volkserzählungen, bsg. von
der Serbischen gelehrten Gesellschaft]. 1868. — 2. Buch.
Rasusa 1882.
620 Anhang.
Vre e vi 6 (Vuk vitez) — Narodne satiricno-zanimljive podrugacice,
skupio ih po Boki Kotorskoj, Crnojgori, Dalmaeiji a najvise po
Hercegovini [Satirische und witzige Volkserzählungen, gesammelt
in den Bocche di Cattaro, in Montenegro, Dalmatien und zumeist
in der Herzegowina]. Pagusa 1883.
Vrucevic (M. S) — Obitateli, kultura i zizn v Jakutskoj oblasti
[Die Bevölkerung, Kultur und das Leben im Jakutsker Gebiet].
St. Petersburg 1891. Zapiski Imperat. russkago geogr. obscestva
po otdelen. etnografii 18, 2).
Vuk: s. Wuk.
Vyhlidal (J.) — Cechove v pruskem Slezsku [Die Cechen in
Preußisch-Schlesienj. 3. Aufl. Kremsier 1900.
— — Malüvky z Hane [Bilder von der Hanna]. Kromefiz 1908.
Wald au (A.) — Böhmisches Märchenbuch. Prag 1860.
Waldis (B.) — Esopus (1548) hsg. von H. Kurz 1-2. Leipzig 1862.
Wallonia 1-21. Liege 1893-1913.
Waltman (K. H.) — Lidmäl (Svenska landsmälen 13, 1). 1894.
Ward (H. L. D.) and Herbert (J. A.) — Catalogue of romances in
the department of manuscripts in the British mnseum 1 — 3.
London 1883—1910.
Wardrop (M.) — Georgian folk tales. London 1894.
Wasilewski (Zygmunt) — Jagodne (wies w powiecie lukowskim,
gminie Dabie. Zarys etnograficzny [Der Ort Jagodne. Ethno-
graphische Skizze]. Warszawa 1889.
Weber (C.) — Italienische Märchen. Halle 1900 (aus der Festgabe
für Suchier. 16 nr.)
Webster (W.) — Basque legends. London 1877.
W e g e n e r (Ph.) — Sagen und Märchen des Magdeburger Landes
= Geschichtsblätter für Magdeburg 15, 50—75 (1880).
Weigand (G.) — Die Aromunen, Bd. 2: Volksliteratur. Leipzig 1894.
Weil (G.)— Biblische Legenden der Muselmänner. Frankfurt a. M. 1845.
Weißbach (F. H.) — Beiträge zur Kunde des Irak -Arabischen 1,
Leipzig 1908 (Leipziger semitistische Studien 4).
Wenzig (J.) — Westslawischer Märchenschatz. Leipzig 1857. 1870.
Weryho (W.) — Podania bialoruskie [Weißrussische Überlieferungen
mit Einleitung von J. Karlowicz]. Lemberg 1889. (23 nr.)
— — Podania lotewskie spisane i przelozone [Lettische Märchen auf-
gezeichnet und übersetzt]. Warschau 1892 = Bibliothek der
Wisla 10. (32 nr.)
Wickram (G.) — Werke hsg. von J. Bolte 1 — 8. Tübingen
1901-1906.
Wich mann (Y.) — Wotjakische Sprachproben 2 (Journal de la
soc. finno-ougrienne 19. 1901).
Widter (G.) und Wolf (A.) — Volksmärchen aus Venetien (Jahr-
buch f. roman. Literatur 7, 1—36. 121-154. 249-290. 1866).
- (21 nr. vgl. R. Köhler 1, 281).
Anhang. 62 1
Wierzchowski (Z.) — Bashi i powiesci z puszczy Sandomierskiej
[Fabeln und Märchen aus der Puszcza Sandomierska, in Galizien
zwischen Weichsel und San] = Zbiör 16, 2, 58.
Wiese (L.) — Sagen- und Märchenwald 1 — 2. Barmen 1841 — 42.
— — Kindermärchen, gereimt. 2. Aufl. Elberfeld 1867.
Wigström (Eva) — Folkdiktning 1—2. Göteborg 1880-81.
— — Skänska visor, sagor och sägner. Lund 1880.
— — Sagor och äfventyr upptecknad i Skäne. Stockholm 1884 =•
Sv. landsmälen 5, 1.
— — Skämtsägner frän Skäne. Skämtsägner pä skänska bygdemäl.
Stockholm 1882 (= A. Hazelius, Ur de nordiska folkens lif 2,
82—116).
— — Byhistorier och skämtsägner 1 — 6. Stockholm 1909 — 1910.
Wilde (F. S.) — Ancient legends of Ireland 1-2. London 1887.
Wilhelm (R.) — Chinesische Volksmärchen. Jena 1914. (100 nr.)
Wilson (J. L.) — Western Africa. London 1856.
Winter-Hjelm (K. A.) — Aeventyrbogen. Kristiania o. J.
Winther (M.) — Danske folkeeventyr, 1. samling. Kiöbenhavn 1823.
Wisla, miesiecznik gieograficzno-etnograficzny [Die Weichsel,
geographisch - ethnographische Monatsschrift] 1 — 19. Warschau
1887—1905. — Bd. 2—13 ist von Jan Karlowicz, 14—15 von
Erazm Majewski herausgegeben.
Wisser (W.) — Wat Grotmoder verteilt, ostholsteinische Volks-
märchen 1. Leipzig 1904 und Jena 1909. — 2 (neue Folge)
Jena 1905. — 3 (zweite Folge). Jena 1909.
Plattdeutsche Volksmärchen, Ausgabe für Erwachsene. Jena 1914.
(Vorher erschienen in der Kieler Monatsschrift 'Die Heimat'
1899 — 1903 vierzig Volksmärchen aus dem östlichen Holstein ;
andere in der Zs. Niedersachsen 1902 — 1907, der Deutschen
Zeitung, im Eutiner Kalender),
de Witt (Mme) — Vieux contes de la veillee, traditions populaires.
Paris 1890.
Witte ( ) — Podsneznik. 1860.
Witterijck-Delplace (A. J.) — Oude westvlaamsche Volksverhaien.
Brügge 1892. (13 nr.)
Witzschel (A.) — Kleine Beiträge zur deutschen Mythologie,
Sitten- und Heimatkunde aus Thüringen 1 — 2. Wien 1866 — 78.
von Wlislocki (H.) — Märchen und Sagen der transsilvanischen
Zigeuner. Berlin 1886. (63 nr.)
Vom wandernden Zigeunervolke. Hamburg 1890.
— — Volksdichtungen der siebenbürgischen und südungarischen
Zigeuner. Wien 1890. (S. 179—430 100 Märchen).
— — Märchen und Sagen der Bukowinaer und Siebenbürger Armenier.
Hamburg 1891. (60 nr.)
Woeste (F.) — Die Volksüberlieferungen der Grafschaft Mark.
Iserlohn 1848. 1880.
622 Anhang.
Wöjcicki (K. W.) — Klechdy, starozytne podania i powiesci ludowe
[Klechden, altertümliche Überlieferungen und Volksagen]. 3. Aufl.
Warschau 1876.
— — Polnische Volkssagen und Märchen, deutsch von F. H. Lewestam.
Berlin 1839.
Wolf (Ferd.) — Proben portugiesischer und catalanischer Volks-
romanzen (Sitzungsberichte der Wiener Akademie, phil.-hist. Cl.
20, 17—168. 1856. — S. 51 neun Märchen nach Mild).
— — Beiträge zur spanischen Volkspoesie aus den Werken Fernan
Caballeros, (ebd. 31, 133—218. 1859.)
Wolf (J.W.) — Grootmoederken, Archiven voor nederduitsche sagen
1 — 2. Gent 1842 — 1843. — Erschien mit andrer Vorrede auch
unter dem Titel : Wodana, Museum voor nederduitsche oudheids-
kunde. Gent 1843.
— — Deutsche Märchen und Sagen. Leipzig 1845.
— — Deutsche Hausmärchen. Göttingen 1851. (51 nr.)
— — Hessische Sagen. Göttingen und Leipzig 1853. (278 nr.)
Wo na. Jamaikanische Negerlegenden, Anancy- Erzählungen, über-
setzt von J. v. Quistorp. Berlin 1907.
Wossidlo (R.) — Mecklenburgische Volksüberlieferungen 1: Rätsel
2: Tiere. 3: Kinderwartung. Wismar 1897—1906.
Wratislaw (A. H.) — Sixty folk tales from exclusively slavonic
sources. London 1889.
Wucke (C. L.) — Sagen der mittleren Werra. 2. Aufl. Eisenach 1891.
Wuk (Stephanowitsch Karadschitsch). — Volksmärchen der Serben,
ins Deutsche übersetzt von dessen Tochter Wilhelmine. Berlin 1854.
— — Srpske narodne pripovijetke i zagonetke [Serbische Volks-
märchen und Rätsel]. Belgrad 1897. (150 nr.)
Wuttke (A.) - — Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart.
Berlin 1860. 1869. - 3. Aufl. von E. H. Meyer 1900
Wyss (J. R.) — Idyllen, Volkssagen, Legenden und Erzählungen
aus der Schweiz, 1 — 2. Bern 1815 — 22.
Yeats (W. B.) — Fairy and folk-tales of the irish peasantry.
London 1888. ■ — Deutsch von E. Jacobi, Neuwied 1894.
— — Irish fairy and other folk-tales. London 1892.
Zamarski (R.) — Podania i basni ludu w Mazowszu, z dodatkiem
kilku szlaskich i wielkopolskich [Sagen und Märchen des Volkes
in Masowien, mit Zugabe einiger schlesischer und großpolnischer].
Breslau 1852.
Z a n a z z o (G.) — Novelle, f avole e leggende romanesche. Torino
e Roma 1907. (50 -f 28 nr.)
Zapiski Krasnojarskago podotdela vostocno-sibirskago otdela imper.
russkago geograficeskago obscestva. Po etnografii [Mitteilungen
der Krasnojarskischen Unterabteilung der ostsibirischen Abteilung
der kais.-russ. geograpb. Gesellschaft. Für Ethnographie]. Bd. 1,
Heft 1—2. Krasnojarsk 1902. Tomsk 1906.
Anhang. 623
Zaranie Sl^skie, Kwartalnik literacki, wyd. Towarzjstwo
Ludoznawcze w Cieszynie [Schlesische Morgenröte, Vierteljahrs-
schrift für Literatur, hsg. von der Ethnographischen Gesellschaft
in Teschen]. Bd. 2—3. Teschen 1908—10.
Zaunert (P.) — Deutsche Märchen seit Grimm. Jena 1912.
Zawilinski (R.) — Z powiesci i piesni gorali beskidowych [Aus
den Erzählungen und Liedern der Gebirgsbewohner derBeskiden].
Warschau 1890 = Bibliothek der Wisla 5. — (10 nr.)
Zbiör wiadomosci do antropologii krajowej wydawany staraniem
komisyi antropologicznej Akademii umieje^tnosci w Krakowie
[Sammlung von Berichten zur Anthropologie des Landes, hsg.
von der anthropologischen Kommission der Akademie der
Wissenschaften in Krakau] 1 — 18. Krakau 1877 — 95.
Zbirnyk: s. Etnograficnyj Zbirnyk.
Zbornik za narodni zivot i obicaje juznih Slavena. Izdaje Jugoslov.
Akademia znanosti i umjetnosti [Sammelwerk zum Studium des
Volkslebens und der Sitten der Südslaven]. Bd. 1 f. Agram 1896 f.
Zdziarski (St.) — Pierwiastek ludowy w poezji polskiej XIX.
wieku. Studja poröwnawczo-literackie [Volkstümliche Elemente
in der polnischen Poesie des 19. Jh. Studien zur vergleichenden
Literaturgeschichte]. Warschau 1901.
— — Garsc basni ludu ruskiego, ze wsi Naluza w powiecie Trem-
bowelskim [Eine Handvoll kleinrussischer Volksmärchen aus
dem Dorfe Naluza]. Krakau 1902. (Materyaly antropol. 6).
Zeitschrift für afrikanische Sprachen (C. G. Büttner) 1 — 3.
Berlin 1887—1890.
Zeitschrift für afrikanische und oceanische Sprachen (A. Seidel)
1—4. Berlin 1895—98.
Zeitschrift für deutsches Altertum 1 — 54. Leipzig 1841 — 1913.
Zeitschrift für Ethnologie 1-47. Berlin 1869—1915.
Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte 1. n. F. 1 — 18.
Berlin 1887—1910.
Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft 1 — 70.
Leipzig 1847—1916.
Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde 1 — 4.
Göttingen 1853-59.
Zeitschrift für deutsche Philologie 1—47. Halle 1868—1916.
Zeitschrift für Volkskunde: s. Veckenstedt.
Zeitschrift des Vereins für Volkskunde (K. Weinhold) 1 — 27.
Berlin 1891—1917.
Zeitschrift für österreichische Volkskunde (M. Haberlandt) 1 — 23.
Wien 1895—1917.
Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volks-
kunde 1—14. Elberfeld 1904—1917.
Zeliqzon (L.) — Lothringische Mundarten. Metz 1889.
— ■ — et Thiriot (G.) — Textes patois recueillis en Lorraine.
Metz 1912. (zu Jahrbuch der Ges. f. lothringische Geschichte Bd. 4).
624 Anhang.
Zeltner (F. de) — Contes du Senegal et du Niger. Paris 1913.
Zeynek (G.) — Ein Beitrag zur Sammlung des Volkstümlichen im
Temescher Banat. (Neues Lausitzisches Magazin 42, 302 — 349).
Zingerle (Ignaz und Joseph) — Tiroler Volksdichtungen und Volks-
gebräuche 1 : Kinder- und Hausmärchen aus Tirol. Innsbruck 1852.
— 2. vermehrte Auflage, Gera 1870 (53 nr.). 3. Aufl. Inns-
bruck 1911. — 2: Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland.
Begensburg 1854. (75 nr.) Neue Aufl. 1916.
Zingerle (Ignaz Vincenz) — Sitten, Bräuche und Meinungen des
Tiroler Volkes. Innsbruck 1857.
— — Sagen, Märchen und Gebräuche aus Tirol. Innsbruck 1859.
— — Sagen aus Tirol. 2. vermehrte Auflage. Innsbruck 1891.
(1022 nr.)
Ziska (F.) — österreichische Volksmärchen. Wien 1822. — Neue
Aufl. Leipzig 1906.
Zivaja Starina, Periodiceskoje izdanije otdelenija etnografiiimperat.
russkago geograf. obscestva [Lebendes Altertum, Zeitschrift der
kais. russischen Geographischen Gesellschaft, Sektion für Ethno-
graphie, red. von V. J. Lamanskij] 1 — 11. St. Petersburg
1890-1901.
Zorzut (D) — Instoris e l'iendis furlanis, choltis sü a Cormöns sul
Indri cunt-un dos chäcaris di Vencul. Gurice 1914.
— — Ridiculis, ridäculis altris sflocis par furlan. Gurice 1914. (6 nr.)
Zurnal ministerstva narodnago prosvescenija [Journal des Ministe-
riums der Volksaufklärung] 1 ff. St. Petersburg 1834 ff.
Zytje i SJovo. Vistnyk literatury, istoriji i folkloru. [Leben und
Worte. Anzeiger für Literatur, Geschichte und Volkskunde].
Red. Jv. Franko. Lemberg 1—6 (1894-97).
Druck der Eberhardt'schen Hof- und Ratsbuchdruckerei, "Wismar.
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